39. Prince Charming

Der metallische Geschmack in seinem Mund, brachte ihn zum Würgen. Mehrfach spuckte er das frische Blut auf den dunklen Holzboden, war versucht, in die sanfte Bewusstlosigkeit abzudriften, aber sein Geist tat ihm den Gefallen nicht. Seine Arme zitterten, als er sein Gewicht verlagerte, und seine Knie schmerzten höllisch, denn noch immer befand er sich auf allen Vieren auf dem Boden.

Die Welt hatte gerade erst aufgehört, sich zu drehen.

„Hast du genug?", blaffte der Zauberer hinter ihm, aber Ron hatte nicht genug. Noch lange nicht. Er hatte doch gerade erst angefangen, zu vergessen! Es hatte doch gerade erst begonnen, Spaß zu machen!

Und mit unmenschlicher Kraft brachte er seinen Körper in die aufrechte Position, zwang seine 1,95 metergroße Erscheinung in Kampfbereitschaft, wie im Krieg. So wie im Krieg. Keine Müdigkeit, kein Nachlass.

Nur war er im Krieg nicht betrunken gewesen. Im Krieg hatte er nie versucht, zu vergessen. Im Krieg hatte er keinen sinnlosen Streit gesucht.

Aber Zeiten änderten sich. Alles änderte sich.

Und noch einmal warf er sich in die finstere Schlacht, bearbeitete den fremden Mann mit neuen, blinden Schlägen, und es war ihm scheiß egal, ob er lebte oder starb heute Nacht.

Es fühlte sich alles gleich an. Nichts machte noch einen Unterschied!

Dann folgte die Retour, ebenso hart und erbarmungslos. Sein Kiefer knirschte beim Kontakt mit der fremden Faust, seine Augen rollten zurück. Aber dann nahm er Gestalten wahr, neben ihm, um ihn herum.

Sie packten den fremden Mann, zogen ihn weg. „Schaff ihn raus!", dröhnte eine neue Stimme durch den Nebel in seinem Kopf. „Schaff ihn raus, Pansy!", schrie der Mann, und Ron spürte Hände um seinen Unterarm. Instinktiv wollte er sie abschütteln, aber hart wurde er nach hinten gezogen, und er war zu betrunken, um sich zu wehren. Rückwärst stolperte er über den Boden, wurde weiter gezogen, mit aller Kraft, während wütende Rufe und Beleidigungen ihm folgten, bis er plötzlich die kalte Luft auf dem Gesicht spüren konnte.

Er war draußen. Sein Atem ging schwer, und hustend beugte er sich vor, spuckte neues Blut auf die Straße, und nur langsam blendete sein Verstand die schrille Stimme in sein Bewusstsein. Seine Ohren fiepten unangenehm, weil er auch auf sein Ohr Schläge kassiert hatte.

„-vollkommen wahnsinnig?", fuhr ihn die Frauenstimme an, und sein verschwommener Blick hob sich desorientiert. „Wehe, du wirst ohnmächtig!", warnte sie ihn mit weiten grünen Augen. „Setz dich hin!", befahl sie bloß, zog ihn weiter, ehe sie seinen schlaffen Körper auf eine kühle Bank schob. Er sah den Zauberstab in ihrer Hand, und dann spürte er eine schwache Heilung. Das Fiepen in seinen Ohren hörte auf, und sein Fokus klärte sich. „Was ist in dich gefahren?", entfuhr es ihr überfordert. „Sie werden dich gleich abholen", warnte sie ihn mit bebender Stimme.

Er hob den Blick zu ihrem Gesicht. Sie wirkte blass im Licht der Laterne, angsterfüllt. Sie war hübsch, aber sie war nicht Hermine. Das war es, was unterm Strich herauskam. Sie war nicht Hermine. Deshalb betrank er sich. So hatte sie ihn kennengelernt. Pansy. In diesen dunklen Stunden schämte er sich, überhaupt zuzugeben, dass er sie kannte. Und gleichzeitig tat es ihm leid.

Er hatte es Harry nicht erzählt. War noch nicht dazu gekommen. Und wenn er ehrlich war, dann wollte er es lieber verdrängen und vergessen.

„Wie kommst du dazu, einfach auf Millicents Verlobten loszugehen?" Er wusste es nicht. Und hätte er gewusst, dass andere Reinblüter in dieser Bar wären, wäre er dort nicht hingegangen. Und er hatte sich betrunken, und auf einmal waren diese Wichser aufgekreuzt, und er hatte rot gesehen. Trotz ihr. Trotz Pansy.

„Was ist?" Sie zitterte in der Kälte. „Kannst du nicht mehr sprechen?" Und sie war ernsthaft verletzt.

Und er wusste nicht, wie er es verhindern konnte. Sein Blick verschwamm. Wenn er nicht trank und sich nicht ablenkte, dann weinte er. Er weinte wie ein kleines Kind. Die Trauer schüttelte ihn praktisch, und in seinen aufgerissenen, schmerzenden Händen, verbarg er sein Gesicht. Seine jämmerliche Gestalt wippte vor und zurück unter heftigen Tränen.

Und dann spürte er ihre Hand. Klein lag sie über seinem Rücken, strich in zaghaften Bewegungen über den Stoff seiner Jacke, aber er konnte sich nicht beruhigen.

Dann verschwand ihre Berührung. Schritte näherten sich.

„Bist du ok?", fragte eine Männerstimme schroff.

„Ja", antwortete Pansy gepresst. Ron weinte noch immer, hob nicht den Blick.

„Die Beamten sind unterwegs. Er wird eingebuchtet", bemerkte der Mann angewidert. „Eugene geht es gut. Etwas blau im Gesicht. Nichts Ernstes", schloss der Mann. „Soll ich ihn übergeben?", wollte der Mann grob wissen, aber Pansy sprach wieder.

„Nein, geh rein. Ich mache das", sagte sie streng.

„Wieso treibst du dich überhaupt mit jemandem wie ihm rum?", wollte der Mann angewidert von ihr wissen, aber Ron störte diese Beleidigung nicht einmal. Nein, er selber fand die Frage mehr als berechtigt. Wieso war sie nicht längst gegangen?

„Geh dich nichts an, oder Blaise?", war alles, was sie darauf erwiderte. „Geh wieder rein. Kümmere dich um Eugene", fuhr sie fort.

„Wie du willst", entgegnete Blaise abschätzend, ehe er Kehrt machte. Seine Schritte entfernten sich.

Seine schmerzenden Hände sanken von seinem Gesicht. Er musterte sie, ohne zu einem guten Schluss zu kommen.

Noch immer schmeckte er Blut in seinem Mund.

Und er wusste nicht, woher er die Kraft fand – oder die Lust – aber er erhob sich wankend. An seinem Körper suchte er nach seinem Zauberstab.

„Du wirst nicht apparieren", warnte sie ihn bloß. Er versuchte, zu lachen, aber es misslang ihm kläglich. Seine Kehle war zu rau, sein Körper schmerzte zu sehr.

Und die eigenartige Sorge auf ihrem Gesicht, traf ihn irgendwo, tief in seinem Innern, denn fast fühlte es sich an, als scherte sie sich wirklich. Um ihn. Und es war lange her, dass sich jemand um ihn geschert hatte. Eine Frau, die nicht irgendwie mit ihm verwandt war.

Ihre Heilung brachte ein wenig Klarheit in seinen betrunkenen Verstand. „Ich brauche keine Hilfe." Seine Worte klangen schroffer als beabsichtigt. Er sah die Beamten apparieren. Er hatte auch nicht vor, abzuhauen. Noch wusste er, wenn er Scheiße baute. Es war nur so, dass es ihm wirklich egal war.

Kühl war ihr Ausdruck. Sanft schüttelte sie den Kopf, und ihre Augen flogen wohl über das getrocknete Blut auf seinem Gesicht. Seine Art schien ihr zu missfallen, aber auch das war ihm herzlich egal. Er kannte gerade mal ihren Namen, wusste gerade eben so wie sie nackt aussah. Nicht mehr, nicht weniger.

„Zauberstab fallen lassen!", rief der erste Beamte, der ihn erkannte. Sein Befehl gellte blind über die Straße, und als er ihn erreichte, stockte er. „Ron!", entkam es ihm erschrocken. „Merlin, was-"

„-hey Greyson", begrüßte er den Zauberer, ohne Pansy aus dem Blick zu lassen.

„Was… was tust du hier? Bist du… derjenige, der Eugene Banks verprügelt hat?" Aber die Frage erübrigte sich höchstwahrscheinlich, denn Ron sah nicht unbedingt aus wie ein unschuldiger Zuschauer. Er hatte angenommen, dass Bekannte die Nachtschicht hatten. Greyson war ein Kollege aus der Außenabteilung, und es war schon schlimm genug, dass Ron egal war, wer ihn hier fand.

„Ja", bestätigte Ron müde. Endlich. Er vermisste die Müdigkeit, die Erschöpfung. Denn in letzter Zeit spürte er nur die ewige Unruhe und die Angst in seinem Innern. Er kam nie zur Ruhe. Alkohol half nur zu einem geringen Grad. Sex vermittelte ihm nur die Illusion von Zufriedenheit.

„Alles ok bei Ihnen?", schien sich Greyson nun bei Pansy vergewissern zu müssen.

„Ja", sagte sie still. „Ich… habe die oberflächlichen Verletzungen geheilt, aber vielleicht sollte sich ein Paramagier seine Hände ansehen", ergänzte sie fast gleichmütig. „Du brauchst mich wohl hier nicht mehr", schloss sie dann, ehe sie sich abwandte. Ron sah ihr knapp nach. Seine Augen schmerzten. Nein, tat er nicht. Er brauchte gar nichts und niemanden. War das ein Abschied? War es das gewesen? Sie wandte sich nicht mehr um.

„Ich muss dich aufnehmen", verkündete Greyson erschüttert.

„Super", murmelte Ron. Seufzend zog Greyson Pergament und Reisefeder aus seiner Brusttasche, fragte ihn weder nach Namen noch Adresse, denn er wusste sie selbst.

„Die Nacht wirst du im Gewahrsam verbringen müssen. Scheiße", fluchte er kopfschüttelnd. „Ron, was soll das?", knurrte er. „Du wirst deinen Job verlieren!" Aber Ron war nicht in der Stimmung, sich Vorschriften und Vorwürfe machen zu lassen.

„Nimm mich einfach mit", sagte er rau.

„Soll ich Harry Bescheid sagen?", wollte Greyson unschlüssig wissen, aber Ron schüttelte den Kopf.

„Nein. Nein, ich komme klar", sagte er, ohne es zu meinen. Es war egal. Pansy war verschwunden.

Das kleine Bistro war voll zur Mittagszeit, und aus den Augenwinkeln musterte er die Leute, die kamen und gingen, während er und Harry an einem Stehtisch gedrängt, halbe belegte Baguettes aßen. Natürlich hatte Harry von seiner Ausnüchterung erfahren. Und natürlich hatte Harry reden wollen.

Ron war suspendiert. Für drei Tage. Harry nannte es Beurlaubung. Aber es änderte nichts. Deshalb aßen sie auch nicht im Ministerium. Scheinbar nahm Harry an, Ron wäre zu sensibel dafür. Aber es war ihm ehrlich gesagt egal.

„Vielleicht… solltest du über Hilfe nachdenken", sagte er wieder, die Stimme gesenkt.

„Hm", machte Ron lediglich.

„Ich meine, nicht Vollzeit. Nicht dreimal die Woche. Ich meine einfach nur… bei irgendeinem Heiler vorbeischauen und… einfach reden", ging er ratlos ins Detail.

„Ja", sagte Ron, ohne ihn anzusehen. Das klang nach nichts, was er in den nächsten Jahren auch nur ansatzweise ins Auge fassen würde.

„Es ist keine Schande", beharrte Harry eindringlich. Ron ob den Blick.

„Schon klar", entgegnete er gleichmütig.

„Du bist viel allein. Ich bin immer für dich da", fuhr er fort, und Ron reichte es.

„Ich bin nicht allein."

„Ron", begann Harry mit nachsichtig erhobener Braue, „es ist ok. Du musst nicht so tun, als ob-"

„-ich gehe aus, treffe Frauen. Ich bin nicht allein", widersprach Ron deutlicher. Harry blinzelte.

„Du triffst Frauen?", wiederholte er, als wäre es unanständig. Ron zuckte die Achseln.

„Ja", bestätigte er bloß.

„Oh. Ich – ok?" Das schien ihn etwas zu überfordern. „Wen?", wollte er dann wissen, aber Ron winkte ab.

„Nichts Ernstes. Bloß-"

„-Sex?", vermutete Harry verständnisvoll, als hätte Harry die geringste Ahnung von unverbindlichem Sex. Die einzige Freundin, die Harry je gehabt hatte, war Ginny. Harry hatte keine Ahnung von flüchtigen Begegnungen, aufregenden Nächten, und deshalb war Harry nicht der geeignete Gesprächspartner für ihn.

„Ja", wiederholte Ron, weniger freundlich. „Bloß Sex."

„Und… haben diese Frauen Namen, oder machst du dir nicht die Mühe, sie zu lernen?" Und Ron hatte nicht mal große Lust zu lügen.

„Pansy", sagte er wahllos den ersten Namen, der ihm in den Sinn kam.

„Pansy? Wie in-"

„-Parkinson", bestätigte Ron grimmig. Harry vergaß sogar sein Baguette zu essen.

„Das… ist- wow." Er sah ihn an, als erkenne er ihn nicht wieder. Als wäre es… ein Fauxpas, den Ron sich leistete. „Du… überwindest also den Verlust. Das ist… gut, denke ich." Und das war es nicht, was Harry dachte. Für Harry gab es nichts zu überwinden. Für Harry stand fest, dass Hermine zurückkam.

„Du brauchst mich nicht zu verurteilen", entgegnete Ron mit gesenkter Stimme.

„Tu ich nicht!", rechtfertigte sich Harry sofort. „Nicht für… den Sex. Aber dafür, dass du in Clubs fremde Menschen verprügelst, ja. Dafür verurteile ich dich."

„Lass es einfach."

„Ron!", fuhr er ihn scharf an. „Du bist suspendiert und verwarnt. Das ist kein Spiel."

„Sag sowas nicht", bemerkte Ron, während er einige Knuts aus der Tasche kramte und sie auf den Tisch warf. „Wir sehen uns, Harry", verabschiedete er sich, und Harrys Mund klappte auf.

„Ron!", rief er ihm gepresst nach, aber Ron verließ das Bistro. Er brauchte frische Luft. Und er hatte keine Lust auf Harrys Moral-Gespräche.

Seine Füße trugen ihn zügig durch die Straßen, tiefer in die magische Stadt, denn er wusste, wo sie arbeitete. Er nahm zwar nicht an, dass sie ihn noch mal sehen wollte, aber… er wollte nicht nach Hause. Er wollte nicht alleine sein und nachdenken.

Die Glastüren schwangen magisch nach innen, als er sich näherte. In einer unbewussten Geste, wischte er sich die langen Haare aus der Stirn und betrat das Museum. Stille erschlug ihn praktisch. Er wusste nicht mehr, wann sie ihm erzählt hatte, dass sie hier ehrenamtliche Tätigkeiten übernahm, aber er erinnerte sich deutlich.

Er öffnete die Jacke, denn es war warm hier drin. Einzelne Menschen bewegten sich durch die weiten Hallen, begutachteten die magische Kunst, der er wenig abgewinnen konnte, und seine Augen wanderten durch die Halle.

Mit schnellen Schritten überwand er den Weg zum Besuchertresen. Die Hexe dahinter lächelte ihm leer entgegen.

„Hallo", begrüßte er sie leise, denn selbst bei kleiner Lautstärke, hallte seine Stimme durch den leeren Saal. „Ich suche… Pansy Parkinson", fuhr er fort, und die Hexe lächelte noch immer.

„Durch die Halle der Modernen Künste, links in Gang, letztes Büro auf der linken Seite", erklärte sie höflich, und Ron nickte zum Dank. Zügig durchschritt er die imposante Halle, während riesige magische Bilder im nächsten Saal praktisch von der Leinwand sprangen, die Farben wechselten, und Ron erkannte nicht eine Gestalt auf den Bildern. Es waren einfach nur wüste Farben, wild durchmischt.

Er bog in den Flur, und seine Tritte hallten auf dem Stein wider. Tatsächlich fand er das letzte Büro, und die Tür stand offen. Sein Blick glitt über ihren Körper. Sie trug ein schwarzes Kostüm, die Haare hochgesteckt, und sie wirkte ernst und beschäftigt.

Sanft klopfte er mit den Knöcheln gegen den Türrahmen. Sie schrak aus dem Dokument, was sie studiert hatte. Sofort nahm ihr Gesicht einen gehetzten Ausdruck an.

„Was tust du hier?", war ihre erste Frage, und zügig kam sie zu ihm, blickte knapp in den Flur, als ob sie sich vergewissern musste, dass ihm niemand gefolgt war, ehe sie ihn ins Büro scheuchte und ihre Tür hinter ihm schloss. Er quittierte ihr Verhalten mit keiner Frage, sondern beantwortete die ihre.

„Ich wollte dich sehen", sagte er, und wusste nicht mal, ob es tatsächlich stimmte. Er hatte nur genug von Harry gehabt und wollte nicht nach Hause gehen, wo er seine kahlen Wände anstarren konnte. Seit einer Weile war er aus dem Fuchsbau ausgezogen, und noch immer hatte er nicht einen Karton in seiner Loftwohnung ausgepackt. Er war noch nicht dazu gekommen. Er war noch nicht in der Lage gewesen.

„Warum?" Mit verengten Augen sah sie ihn an, suchte scheinbar sein Gesicht nach verbliebenen Verletzungen ab, aber der Heiler hatte ihn komplett wiederhergestellt. Magie war etwas Praktisches, wirklich.

Er zuckte die Achseln. „Nur so", wich er einer Antwort aus. Sie verschränkte die Arme vor der Brust.

„Du kommst nur so hier hin? Um mich zu sehen?"

„Es tut mir leid", sagte er dann. „Wegen… neulich", ergänzte er eindeutig.

„Ich… glaube, wir sollten keine Zeit mehr zusammen verbringen." Sie mied seinen Blick. Gerne würde er ihr sagen, sie verbrachten keine Zeit zusammen. Sie verbrachten lediglich Nächte zusammen. Zwei, um genau zu sein. Das war bisher alles gewesen. Und in der zweiten Nacht, waren sie noch ausgegangen, weil er nichts Besseres zu tun gewusst hatte, nachdem sie miteinander geschlafen hatten. Und dann hatte er irgendeinen Reinblüter zusammen geschlagen, der zufällig auch in der Bar gewesen war.

Und jetzt stand er hier. „Was machst du heute Abend?", ignorierte er ihren Einwand. Ungläubig hob sie den Blick.

„Ich verbringe ihn nicht mit dir", erklärte sie eindeutig. Er atmete entnervt aus. „Nein!", kommentierte sie seine Reaktion. „Ich bin nicht lebensmüde und sehne mich danach, beschissen behandelt zu werden, Weasley", machte sie es deutlicher.

„Es war nicht meine-"

„-was? Deine Schuld? Doch, es war deine Schuld."

„Parkinson-"

„-ich weiß", unterbrach sie ihn. „Du leidest. Ich verstehe schon. Aber ich muss kein Teil davon sein, ok?"

„Ich leide nicht!", knurrte er fast, denn es klang wie etwas, was Harry sagen würde.

„Ach nein?", provozierte sie ihn jetzt mit herausforderndem Blick. Ja, sie hatte ihn weinen gesehen. Sie hatte ihn vollkommen außer sich erlebt. Ja. Das stimmte wohl.

„Ich will nicht alleine sein", erklärte er jetzt kopfschüttelnd. Und er begann, näher zu kommen.

„Dann geh zu deinen Freunden. Zu deinen Eltern, zu-"

„-ich will keine Zeit mit ihnen verbringen. Sie helfen mir nicht. Sie machen… alles nur schlimmer", unterbrach er sie rau, und dann stand er vor ihr.

„Zu mir zu kommen, ist die falsche Entscheidung", erwiderte sie, aber ihre Stimme hatte an Ausdruck verloren. Sie klang fast verzweifelt.

„Ich weiß", entgegnete er bloß, während er die Hand zu ihrem Gesicht hob. Fast schmiegte sich ihre kühle Wange in seine Handfläche, als er sie berührte. „Ich weiß", wiederholte er, und senkte den Kopf. Er sehnte sich danach, sie zu küssen. Irgendwas zu fühlen, außer dem Schmerz und der Leere. Und er nutzte sie aus, er wusste das. Aber… es half gegen den Schmerz. Als er merkte, dass sie die Augen schloss und sich in den Kuss lehnte, gab er die Zurückhaltung auf, und legte grob den Arm um ihre Taille.

Sie fühlte sich gut an. Weich und angenehm. Sie atmete ihn ein, ließ ihn gewähren, erwiderte den Kuss, und er hatte einige gehabt.

Lavender Brown, Susan Bones, Daphne Greengrass, aber Pansy war anders. Pansy hatte kein Mitleid mit ihm. Sie tat nichts aus Mitleid. Sie hatte nicht einmal Mitleid mit Hermine oder Malfoy. Sie sagte, es interessiere sie alles nicht.

Und das war es, was ihn zu ihr zog.

Sie behandelte ihn nicht wie einen Pflegefall. Sie behandelte ihn wie ein Arschloch. Und das gefiel ihm besser, als dass ihn die Leute mit Samthandschuhen anfassten. Er wusste nicht, wie entlegen diese Verbindung war, aber er wusste, mit ihr konnte er zumindest für eine kleine Weile wieder atmen.

Er hatte es sofort gemerkt, als er sie vor einigen Wochen im Tropfenden Kessel getroffen hatte. Zuvor war ihm kaum aufgefallen, dass er sich mit Reinblüterinnen abgelenkt hatte, erst bei Pansy hatte er es bemerkt. Sie war die vierte gewesen. Und sie hatte mit einer anderen Hexe ein Wetttrinken veranstaltet und war so herrlich gleichgültig gegenüber irgendwelchen politischen Entwicklungen gewesen, dass es eine wahre Freude gewesen war, ihr von der Bar aus zuzusehen.

Und als sie in Toms Bar gewagt hatte, alleine zu tanzen, war Ron zu ihr gekommen, hatte sie gefragt, ob er ihr Gesellschaft leisten könne, und sie hatte ihn erkannt.

Und alles, was sie getan hatte, war, zu lächeln und ihn zu warnen mit den Worten, dass er sich bloß nicht übernehmen sollte, denn ein Weasley würde mit ihr nicht mithalten können.

Und diese Herausforderung hatte er angenommen. Und gewonnen, denn sie war mit ihm nach Hause gegangen.

Es ging ihm nicht gut, aber… seitdem ging es ihm immerhin nicht wesentlich schlechter, und er träumte nicht mehr von Hermine. Und das war gut, denn… er konnte nicht mehr. Er hatte sie aufgegeben, und er gab sich große Mühe, endlich weiterzumachen, ganz im Gegensatz zu Harry. Denn es brachte ihn sonst noch um.

Und niemand verstand es. Er wollte nicht hoffen und warten und irgendwelchen Märchen Glauben schenken müssen, um weiterzumachen. Hermine würde nicht zurückkommen. Und Ron rettete sich selbst. Bevor es zu spät war. Bevor er verloren war. Er war der Prinz auf dem weißen Ross, der sich selber rettete.

Und nein, vielleicht traf er nicht die besten Entscheidungen, aber immerhin tat er irgendwas. Er wartete nicht mehr. Auf gar nichts.