46. Off to Sea

Starr blickte er in den Dschungel, verharrte unschlüssig am See und seit einer ganzen Weile hörte er den Geräuschen wieder mit vollem Bewusstsein zu. Den Vögeln, den kleinen Affen, den summenden Insekten. Es war eine wahre Idylle gewesen. Kein Lärm von anderen Menschen, von der Muggelindustrie. Keine tieffliegenden Eulen – nichts als Natur.

Und nun war diese Zeit vorbei. Sie waren bereit, hatten gepackt. Nicht, dass sie viel zu packen hätten. Es waren nur kleine Andenken, nichts weiter. Sie passten in ihre Leinentaschen. Die Sonne stand nicht hoch, es war früher Morgen, und er hatte wenig geschlafen, wenn überhaupt. Albträume hatten ihn aufgewühlt und lange hatte er im Dunkeln gelegen und hatte die schwarzen Felswände angestarrt. Letzte Nacht hatten sie sich geliebt, als wäre es… das letzte Mal. Und er nahm an, so abwegig war dieser Gedankengang nicht gewesen.

„Draco", sagte sie, als sie die Höhle verließ, und frischer Eifer glühte in ihrem Gesicht, „noch eine Sache", begann sie zögerlich, und er runzelte die Stirn.

„Ja?" Er war gespannt. Sie wirkte seltsam entschlossen und gleichzeitig… etwas nervös.

„Ich… denke, es wäre das Beste, wenn… wir unsere Zauberstäbe zurücklassen."

„Zurücklassen?" Er hatte nicht darüber nachgedacht. Sie würden wohl auf dem Meer nicht funktionieren. „Wir müssen an den Strand kommen", erinnerte er sie, aber sie schien eine Antwort darauf zu haben.

„Ja, ich… weiß", sagte sie sanft. „Ich dachte, wir lassen sie dann dort, vergraben sie im Sand." Seine Stirn runzelte sich.

„Wir können sie ins Meer werfen, wenn sie nicht mehr funktionieren, oder nicht?", schloss er achselzuckend, aber sie schien sich bereits etwas anderes zurechtgelegt zu haben.

„Ich dachte, wir packen sie in den Koffer deines Großvaters und vergraben ihn", schlug sie zu gleichmütig vor, als dass es ein spontaner Einfall war.

„Du… hast dir darüber Gedanken macht, hm?", wollte er etwas verwirrt von ihr wissen, aber sie ruckte unverbindlich mit dem Kopf.

„Nicht wirklich. Ich denke einfach, es wäre sicherer, als diese mächtigen Hölzer ins Meer zu werfen oder irgendwo liegen zu lassen. Ein armes Tier könnte-"

„-sie auffressen und sich in einen Elefanten verwandeln, klar", neckte er sie spöttisch, aber ihre Augen verengten sich.

„Draco-", begann sie, aber er winkte ab.

„-meinetwegen. Was du willst. Wir brauchen das Schwert – und das ist alles."

Fast wirkte sie erleichtert. Sie war so eigenartig manchmal.

„Dann… bist du soweit?" Voller Erwartung sah sie ihn an. Und er seufzte lange, blickte wieder über die weite Fläche, legte den Kopf in den Nacken und die Wärme erfüllte seinen Körper. Diese tropische Wärme, an die er sich gewöhnt hatte. Fast kam es ihm vor, als ende ein seltsamer Urlaub und sie fuhren heim. Natürlich war es anders, aber letztendlich… war es hier nicht so schlimm gewesen, wie er geglaubt hatte.

„Wir… könnten immer noch hier bleiben?", schlug er dann lächelnd vor, und sie erwiderte das Lächeln.

„Ich denke, es wird Zeit", sagte sie dann. Und er wusste, sie hatte Recht. Er wollte auf keinen Fall riskieren, dass ihr etwas geschah, dass etwas mit der Schwangerschaft falsch verlief. Merlin, sie musste das Kind schließlich irgendwann zur Welt bringen, oder nicht? Und dann runzelte er die Stirn.

„Warum ist er am Ende wieder hier?", fragte er sie ratlos.

„Wer?", wollte sie sanft wissen und legte den Arm um seine Taille.

„Der Junge. Er… ist wieder hier." Er hatte viel darüber nachgedacht.

„Draco", begann sie schließlich und küsste seine Schulter, „vertraust du mir?", fragte sie ihn ruhig, und überrascht sah er auf sie hinab.

„Das schon wieder? Hatten wir es nicht neulich?", wollte er mit verengten Augen wissen. „Ich vertraue dir und darf Sex mit dir haben, war es nicht so?" Er konnte nicht verhindern, sie etwas zu ärgern, kniff sie in die Seite, und sie lachte auf, bevor er nicht anders konnte und den Kopf senkte, um ihre süßen Lippen zu küssen. Sie atmete ihn ein, erwiderte den Kuss, und er hielt sie eng an sich gedrückt, bevor er den Kuss wieder beendete. „Aber ja", beantwortete er dann ihre Frage, „ich vertraue dir. Du bist meine Frau. Hier zumindest", ergänzte er lächelnd, und sie erwiderte das Lächeln aufrichtig. „Warum fragst du?"

Und dann wurde sie ernst. „Es ist noch nicht die richtige Zeit, dass ich… dir alles erklären könnte, ok?", begann sie zögernd, und er sah sie verständnislos an. „Aber… wenn der Moment kommt, dann musst du mir vertrauen", sagte sie fest. Sie machte ihm ein wenig Angst.

„Was… was soll das heißen?" Und dann löste er sich von ihr. „Was… was weißt du?"

„Nichts", antwortete sie, und tatsächlich klangen ihre Worte ehrlich. „Ich… es ist ein Gefühl. Wirst du mir vertrauen?" Und er nahm an, sie würde ihm nicht viel mehr mitteilen als diese kryptischen Worte. Und es gefiel ihm nicht. Aber vieles gefiel ihm nicht. Und es kostete ihn nicht viel Stolz oder Überwindung, dieses Zugeständnis zu machen, also tat er es. Und weil er ihr vertraute, nahm er an, sie würde wissen, was sie tat. Sie war Hermine. Sie wusste immer, was sie tat.

„Ja", versprach er ihr also blind. „Ich werde dir vertrauen."

Sie lächelte vor Erleichterung.

„Ich liebe dich", sagte sie still, und er mochte es, wenn sie diese Worte zu ihm sagte.

„Ich dich auch", erwiderte er sanft, und dann seufzte er. „Dann… lass uns gehen. Das Meer wartet." Und das Monster wartete höchstwahrscheinlich auch.

Der frische Wind schlug ihm ins Gesicht. Und tatsächlich war es günstiges Wetter. Der Wind kam von Osten, würde ihnen im Rücken sein und würde sie mit Glück zügig voran bringen.

Er kalkulierte knapp, und dann nickte er blind, ehe er sich ihr zuwandte. Der Wind zog an ihren wilden Locken, die golden in der Sommer schimmerten.

„Geh an Bord", befahl er ihr laut über den Wind hinweg, der heute so besonders stark wehte, als wolle er ihnen einen Gefallen tun.

„Was?" Sie sah ihn an.

„Gib mir den Zauberstab. Dann gehst du an Bord. Ich muss das Schiff noch einige Meter weiter ins Wasser schweben lassen, damit das Kielwasser nicht so niedrig ist." Er sprach laut, und ungeduldig schien der Wind an seinen Strähnen zu zerren.

„Aber-"

„-ich komme nach. Ich vergrabe die Zauberstäbe, ganz wie Madame es sich wünschen, und dann schwimme ich nach."

„Du schwimmst nach?!" Sie starrte ihn kopfschüttelnd an. „Auf gar keinen Fall! Da ist ein Ungeheuer, Draco!", fuhr sie ihn an.

„Ich weiß", entgegnete er gepresst. „Aber einen anderen Weg gibt es nicht."

Und sie sahen sich an. Dann schüttelte sie den Kopf. „Dann schwimme ich auch."

„Das ist dämlich, Hermine", maßregelte er sie laut über den Wind hinweg. „Du bist schwanger, es ist gefährlich-"

„-es ist genauso gefährlich für dich!", rief sie jetzt.

„Ich bin schnell" versprach er ihr. „Ich bitte dich, geh an Bord, lass mich das Schiff ins Wasser befördern, und ich bin so schnell bei dir, dass du es gar nicht fassen kannst." Er bückte sich nach dem Schwert, drückte es ihr in die Hand, und es gefiel ihr nicht. Ihm gefiel es auch nicht, aber er wusste nicht mal, ob er überhaupt noch apparieren könnte, wäre das Schiff erst mal im Wasser. Es gab keine bessere Möglichkeit. „Der Wind steht gut. Wer weiß, wie lange noch. Jetzt oder gar nicht."

Unglücklich sah sie zum Schiff empor. Finster sah sie ihn an, als sie ihm ihren Zauberstab in die Hand drückte.

„Wenn du untergehst oder gefressen wirst, bringe ich dich um, Malfoy", warnte sie ihn heiser. Er nickte.

„Klingt fair", entgegnete er. Und sie schloss den Abstand, stellte sich auf die Zehenspitzen du küsste ihn so verlangend, so voller Leidenschaft, dass er kurz vergaß, dass heute Aufbruchstag war. Er vergaß kurz seinen Namen, so leidenschaftlich war dieser Kuss. Ein wenig benebelt wich er zurück.

„Ich bin gleich bei dir", versprach er rau, und mit dem Schwert kletterte sie die Schiffsseite empor. Es gab genügend Erhebungen und alte Trittstufen, dass es kein Problem für sie war. Aber sie konnte auch Bäume mit glatter Rinde in fünf Minuten besteigen. Sie hatte nie irgendein Problem.

Er hatte ihren Zauberstab in der Hand und hob für den Koffer bereits magisch eine Sandgrube aus, tief genug, dass kein Tier den Koffer heben könnte. Dann fuhren seine Finger noch einmal liebevoll über den seidigen Stoff des Hochzeitskleides, denn er würde sich immer erinnern, wie er es ihr ausgezogen hatte, und wie sehr er es genossen hatte, mit seiner Frau zu schlafen.

Als sie von oben hinab blickte, hatte er kurz Sorge, dass es ein dummer Plan war, aber für Angst war keine Zeit mehr. Auch hatte er die neuen Segel nicht getestet, hatte nicht ausprobiert, ob sie genug Wind fangen würden, aber… sie mussten es wohl darauf ankommen lassen. Es war sowieso fast unmöglich ein Schiff zu zweit zu segeln. Aber auch hier… gab es keine andere Möglichkeit. Mit genug Wind sollte es alles funktionieren. Der Weg war nicht weit. Das Meeresfunkeln war nur einige hundert meterweit entfernt.

Er vollführte den Leviosa mit beiden Zauberstäben, und kurz hatte er das Gefühl, dass seine Muskeln bersten würden. Und langsam, ganz langsam, hob sich der Koloss vom Sandboden, nicht weit. Es reichten wenige Zentimeter. Mit gepressten Atemzügen bewegte er die Zauberstäbe, schickte das Schiff vorwärts, immer weiter, Meter um Meter. Es verließ den Strand, und Sand rieselte aus den vielen Planken hervor. Das alte Holz ächzte und stöhnte, wie schon seit Monaten, und er hoffte, es hielt. Es müsse nur die wenigen hundert Meter überleben, dachte er blind.

Seine Muskeln zitterten, denn weiter konnte er nicht. Er stand bis zu den Knien im Wasser, bewegte das Schiff nun auf Distanz, und es wurde immer schwerer, den Zauber auch auf diese Weite aufrecht zu erhalten, aber er musste. So weit er konnte, ließ er das Schiff schweben, bis seine Arme beinahe brachen. Und mit viel gutem Willen und viel Schweiß, ließ er es sinken, als er sicher war, dass das Wasser tief genug sein würde.

Es berührte die Oberfläche, und er brach den Zauber keuchend ab. Dann fiel es, und er hielt den Atem an. Es tauchte tiefer. Einen Meter Kielwasser, zwei Meter Kielwasser, drei… Es sank, und er befürchtete, ein Leck übersehen zu haben, aber nach fünf Metern schien es sich zu stabilisieren. Er atmete keuchend, und Hermine winkte ihm zu.

Auf der Sohle wandte er sich um, denn er hatte nicht viel Zeit, auszuruhen. Er warf die Zauberstäbe in den Koffer, und nur kurz spürte er den Schmerz des Verlustes, aber sie würden ihnen ohnehin nichts nützen. Er klappte den Koffer zu, warf ihn in die Grube, häufte den Sand mit Händen und Füßen oben auf, und als der Sand die Grube gefüllt hatte, drehte er sich wieder um.

Der Wind trieb ihn praktisch, schob ihn von hinten vorwärts, und dann rannte er, lief in die Fluten und schnell gewann das Wasser an Tiefe. Es war angenehm warm, aber schon jetzt erkannte er größere Fische im klaren Nass, und er nahm an, es gab genügend Quallen und gefährliche Korallen in direkter Nähe – und natürlich das Monster.

Er schwamm in großen Zügen, machte keine Pause und das Schiff kam näher. Er hörte ihre Stimme, die ihn antrieb durch den Wind und die Wogen und noch fünfzig Meter lagen zwischen ihm und dem Schiff. Ohne Müdigkeit kraulte er weiter, und die Wellen waren schwer bewegt. Er spürte, wie die Sonne verschwand, wie sich Wolken zusammenbrauten, und das Wetter schlug tatsächlich um, als spüre die Insel, dass ihre Bewohner vorhatten, zu gehen.

Hoch peitschte eine Welle direkt vor ihm, und er schluckte versehentlich das Wasser, hustete und kam kurz nicht voran.

„Draco!", hörte er sie, und blind schwamm er weiter, und mit zornigen Bewegungen frästen sich seine Arme durch das Wasser, denn er würde sich nicht aufhalten lassen! Endlich stießen seine Hände gegen das uralte Holz und er fand eines der Taue. Er zog sich mit aller Macht aus dem Wasser, stellte den Fuß auf eine Erhebung und zog sich höher, kletterte das wankende Monstrum empor und erreichte klatschnass das Deck.

Sie zerrte ihn praktisch über die Reling, zog ihn in ihre Arme, und schnell waren auch ihre Sachen nass. „Bist du ok?", rief sie durch den Wind, und er nickte bloß, atmete sie ein, und erwiderte die Umarmung nur sehr kurz. Dann löste er sich und griff um ihre Schultern.

„Du gehst ans Steuerruder, hast du verstanden?" Sie nickte stumm. „Egal, was passiert, du bleibst am Steuer und hältst auf das Ziel zu!", rief er laut, und wieder nickte sie, während er sich das Schwert vom Boden griff und zu den Segeln hechtete. Sie waren gut vertäut, und das Großsegel hatte er mühsam zusammengerollt, damit es mit nur einem Zug fallen konnte. Er legte das Schwert auf den Boden, zog sein treues Messer aus der nassen Tasche und hackte auf die Taue ein, denn den nassen Knoten würde er ohne weiteres nicht lösen können. Die Taue standen unter enormer Spannung, und sie hatten keine Zeit mehr.

Hart schlug er auf den Knoten ein, bis sich die Fasern lösten, bis sie zerrissen und endlich gab der Knoten nach. Das Tau sauste nach oben, löste sich vom Mast, an dem er es provisorisch befestigt hatte, und das massive Segel rollte nach unten.

Das Schiff schlingerte kurz, und als er den Blick zurückwarf, erkannte er, dass sie Probleme hatte, das Ruder zu halten.

„Mit dem Wind!", brüllte er ihr zu, und hart warf sie sich gegen die Strömung, während er zum nächsten Tau rannte. Nach fünf Minuten waren die Segel gefallen, aber sie fassten keinen Wind. Weil er die Taue durchgeschnitten hatte, hatte er auch keinen Spielraum, er konnte die Segel nicht lenken. Er kam zu ihr, und zu zweit fanden sie den Winkel, hielten mit Kraft das Ruder fest, und endlich blähte sich das Hauptsegel, fasste den Wind, und jetzt war es einfacher, das Ruder zu halten.

„Glück gehabt", sagte er und wusste nicht, ob sie ihn verstanden hatte. „Ok!", rief er lauter. „Jetzt müssen wir einfach nur-!"

-aber er kam nicht mehr dazu, etwas zu sagen.

Mächtig erhob sich etwas zu ihrer Linken – und verdammt! Das scheiß Schwert lag in der Mitte des Schiffs! Er ließ sie zurück, sie schrie seinen Namen, aber er rannte blind über die ächzenden Planken, warf sich zu Boden und rutschte soweit, bis sich seine nassen Finger um Knauf des Schwertes schlossen.

Nur wenige Probeschläge hatte er an Land gestern noch versucht, aber es würde reichen müssen. Und größer als er es in der Vision in Erinnerung hatte, erhoben sich zwei Köpfe aus dem Wasser, riesig und schwarz. Bösartig zischte das Ungetüm, und scharf umrahmten die schwarzen Schuppen sein scheußliches Gesicht.

Und seine gelben Augen fixierten nicht ihn! Das Monster hatte es auf Hermine abgesehen, hungrige Neugierde im Blick!

„Hey!", brüllte er wie von Sinnen, riss das Schwert in die Höhe, um die Aufmerksamkeit des Monsters zu erlangen, und tatsächlich wandte sich der eine Kopf in seine Richtung, so dass die Wassertropfen spritzten. Und scheinbar benutzte es seinen Schwanz, denn Draco spürte die harte Erschütterung unter Wasser. Es hatte wohl gegen den Rumpf geschlagen und die Segel schlingerten etwas, aber sie fassten noch den Wind.

Das Monster näherte sich ihm, und er umfasste hart das Schwert, während dicke Regentropfen seine Sicht verschwimmen ließen. Es war kühl geworden, und der Wind war beißend scharf.

Und sie hielt das Ruder! Sie tat, was er ihr befohlen hatte, denn sie bewegten sich vorwärts! Er schwang das Schwert, als der erste Kopf in Reichweite war, und zischend wich das Ungeheuer zurück. Seine schwarze Zunge züngelte zornig aus dem schlitzartigen Mund, und schon griff ihn der zweite Kopf an. Mit einem Sprung wich er zurück, und haarscharf entging er dem Biss.

Ein dritter Kopf wuchs aus dem Wasser empor, ebenso zornig wie die vorherigen, und kurz warf er den Blick über die Schulter. Da! Er sah es! Er nahm an, Hermine sah es ebenfalls! Das Schimmern war nun kaum mehr zu übersehen. Es war nicht mehr weit! Hundert Meter, höchstens! Der Wind trieb sie genau in die Richtung!

Als er den Kopf zurückwandte, erkannte er vier Köpfe, die ihn hungrig anstarrten. Mit einem Satz schnellten alle Köpfe nach vorne und er machte einen Hechtsprung zurück, landete unsanft auf der Schulter, rollte sich ab und kam wieder auf die Beine.

Fünfzig Meter, erkannte er euphorisch, tauschte einen Blick mit ihr, und konnte ihren Ausdruck nicht ausmachen. Dann bäumte das Ungeheuer sich auf, warf sich wohl mit dem Gewicht gegen das Schiff, und Draco glaubte für eine Sekunde, das Schiff würde kippen, aber dann fing es sich wieder. Nein! Die Segel schlackerten ohne Wind nutzlos um die Maste, und zornig rannte er zurück zum Ruder, versuchte mit ihr zusammen den Winkel wiederzufinden, aber gefährlich schnell näherte sich das Monster wieder, mittlerweile hob sich der fünfte Kopf interessiert aus den Fluten, und als Draco erkannte, dass das noch nicht alle Köpfe waren, glaubte er mit einem Mal nicht mehr, dass sie dieses Gewässer lebendig verließen.

Ein ohnmächtiges Gefühl machte sich in ihm breit. Weitere Attacken des Monsters würde das alte Schiff nicht überstehen können. Er gab es auf, den Wind zu fangen. Mit Glück trieb das Schiff die letzten Meter.

„Geh in Deckung!", brüllte er ihr zu.

„Was? Bist du verrückt geworden?" Aber er war nicht in der Stimmung dafür.

„Geh in Deckung!", blaffte er wieder, nur wesentlich zorniger als vorher. Und sie diskutierte tatsächlich nicht, verließ das Steuerruder und wich vor dem Monster zurück. Draco blieb in Bewegung, wich den Köpfen aus, erreichte das Ende der Schlange an gierigen, geifernden Köpfen, die auf schlanken Hälsen saßen, und gerne würde er die Chance bekommen, wenigstens einen abzuschlagen!

Das Schiff wankte ziellos auf dem Wasser, aber das Schimmern rückte näher! Immer näher!

Schon sauste ein Kopf auf ihn nieder – er wich gerade noch rechtzeitig aus. Ihre Blicke trafen sich, seiner und der des Monsters. Gelb auf Grau.

„Wichser!", murmelte er, stürmte voran, schwang das Schwert, aber ebenso knapp wich der Kopf vor ihm zurück. Und er als er zurückspringen wollte, rammte das Monster das Schiff ein weiteres Mal – und er verlor den Halt! Er hörte das Holz bersten, hörte Hermines Schrei und, riss das Schwert blind in die Höhe, wehrte den zweiten Kopf ab –

- aber der dritte fand sein Ziel.

Der Schmerz war so stechend, dass das Langschwert zitternd seiner Hand entglitt. Er krümmte sich vor Schmerzen. Sofort sah er doppelt, sein Blick benebelt. Gift, schoss es in sein Bewusstsein. Einer der Zähne musste ihn erwischt haben.

Die Lähmung befiel seinen Arm nahezu sofort. Die plötzliche Kälte, die er spürte, jagte eine Gänsehaut über seinen Rücken.

Und dann war sie da, hatte das Schwert aufgehoben, hatte es mit beiden Händen umfasst, und war vor ihn getreten, wie eine Erscheinung. Stark und schön.

„Du scheiß Mistvieh!", brüllte sie sie laut, dass sie jeden Wind übertönte. „Rühr ihn nicht an!" Und als der nächste Kopf auf sie zuschoss, sprang sie behände zur Seite, wirbelte herum, riss das Schwert in die Höhe und mit einem unfassbaren Schrei ließ sie es auf den nächsten Hals niedersausen!

Glatt und sauber trennte das Schwert den Kopf der Bestie von deren Hals, und der Centercepta stieß einen unmenschlichen Schrei aus, so uralt und bösartig, und endlich wich es zurück. Schwarzes Blut besprenkelte das Schiff, traf ihr Leinenshirt, aber Hermine achtete es nicht. Ein Kopf verschwand, dann der zweite sowie der dritte und vierte.

Er hatte gar nicht gemerkt, dass er bereits ganz am Boden lag, den Kopf nicht mehr aufrechthalten konnte. Sie warf das Schwert achtlos beiseite.

„Draco", rief sie, und ihre Haare hingen in nassen schweren Strähnen in ihr Gesicht. Das Schiff lag wankend schief auf dem Wasser. „Oh Gott, Draco", flüsterte sie, fuhr über seinen Arm, aber er spürte ihre Berührung nicht mehr. Die Lähmung schlich durch seinen Körper, verseuchte seinen Blutkreislauf, und dann sah er bunte Funken über ihnen tanzen.

War das die Halluzination, die das Gift brachte? Aber es erschienen immer mehr Funken, und dann schien sie es zu merken.

„Wir… wir sind da!", flüsterte sie unter Tränen. „Halte durch, ok? Halte durch!"

Dann überkam sie Schwärze, etwas Großes verschluckte sie, aber schnell holte ihn die Macht des Giftes in eine Ohnmacht, und er konnte ihr nicht mal mehr sagen, dass er sie immer lieben würde, bevor er jetzt starb….