49. Friends
Sie betrachteten ihn wie man ein Tier im Zoo betrachtete. Ein wenig angewidert, ein wenig von oben herab – dann wiederum hatten seine Eltern ihn nie anders angesehen.
Sein Arm war straff verbunden. Noch war er etwas taub, aber immerhin hatte er wieder ein Gefühl in seinen übrigen Gliedmaßen, sah nicht mehr doppelt und war dem Tod entronnen.
Seine Eltern waren so freundlich gewesen, das Pergament, was die Eule am Morgen gebracht hatte, ins Mungo zu bringen. Die Anklage war prompt erfolgt, das Verfahren im Eilzug eingeleitet worden, und es wunderte ihn doch, wie schnell das Ministerium ihn verurteilt wissen wollte.
Auf dem gesamten Rückweg in der Kutsche hatte sein Vater ohne Punkt und Komma von dem möglichen Ausgang einer Verhandlung berichtet, und dass sie Thomas Headley beauftragt hatten, was Draco wenig sagte.
Denn seine Eltern interessierten sich nicht für ihn, so wie er sich nicht für sie interessierte. Keiner von beiden hatten ihn nach dem Ort gefragt, an dem er gewesen war, und wenn er ehrlich war, hatte er es auch nicht von ihnen erwartet. Seine Eltern waren dumme Menschen. Missgünstig und schwach.
Malfoy Manor erschien ihm wie ein Palast, jetzt wo er durch die Flure wanderte. Und es war ein regelrechtes Wunder, dass Lucius nicht in Askaban saß. Natürlich hatte ihm seine Mutter schon auf ihre hysterische Weise erörtert, dass Headley von zehn Jahren Haft für ihn gesprochen hatte.
Schwer atmete er aus, während seine Mutter noch immer erzählte, vom Club, der Schande, die er über die Familie brachte und warum bei Merlin er diesen verdammten Portschlüssel überhaupt angerührt hatte.
Wie riesig die Hallen waren. Wie luxuriös seine Eltern lebten. Es war ihm nie aufgefallen.
„Ich bin sicher, du bist müde." Es war keine Frage, die sein Vater stellte. Es war vielmehr eine Aufforderung. Und Draco konnte seinem Vater die Überforderung regelrecht ansehen.
„Nein, er hat Hunger!", rief seine Mutter aufgelöst. Er vermisste Hermine, sehr plötzlich, denn er hatte seit langer Zeit keine Nacht mehr ohne sie verbracht.
Seine Mutter rief eine Elfe, und alles geschah so mühelos. Die Elfe fragte ihn, was er essen wolle, es wäre alles im Haus.
Alles. Und würde er Kaviar und Burger essen wollen – es wäre alles da. Einfach so. Kurz verschlug ihm das Übermaß den Appetit. Er ruckte mit dem Kopf. Er hatte sich noch nicht gewöhnt. Und das Maß an Gleichmütigkeit, was diese Menschen hier an den Tag legten, schlug ihm auf den Magen.
Kleinigkeiten, die er auf der Insel so dringend gebraucht hätte – waren hier absolut unwichtig. Und plötzlich verstand er, wie eigenartig es tatsächlich war, dass eine Elfe ihm seine Wünsche erfüllte. Es war ihm unangenehm geworden. Mittlerweile war er gewöhnt, alles, was er brauchte, selbst zu besorgen. Sich selber um andere zu kümmern. Um sie. Hermine.
„Whiskey", sagte er dann, denn das war das einzige, wonach er tatsächlich Heimweh gehabt hatte. Die Elfe wechselte einen kurzen Blick mit Narzissa, aber mit einem gereizten Wink bedeutete Narzissa der Elfe, seinen Wunsch zu erfüllen. „Nein!", hielt er sie auf. „Das schaffe ich alleine", bemerkte er spöttisch, und die Elfe verharrte unschlüssig, bis seine Mutter sie gebieterisch verscheuchte.
Missbilligend sah sie ihn dann an. „Du brauchst neue Kleidung, Merlin noch mal. Deine alte wird nicht mehr passen. Du bist zu breit geworden. Wie viel Nummern größer ist es jetzt? Fünf? Sieh dich an!", rief sie kopfschüttelnd aus. „Diese Muskeln! Wie ein gewöhnlicher Felsschürfer!", entkam es ihr mit belegter Stimme. „Der Schneider kommt direkt morgen. Und Schuhe!", rief sie aus, als sie die schlichten weißen Einheitsschuhe des Mungo an seinen Füßen bemerkte.
„Mutter", begann er, und sie sah ihn tatsächlich an, „halt einfach deinen Mund", entfuhr es ihm müde. Narzissa wirkte wie vor den Kopf geschlagen. Was sollte er sagen? Dass er seit Monaten keine Schuhe mehr trug? Er konnte kaum erwarten, diese Exemplare von seinen Füßen loszuwerden.
Er schritt zur Bar und kurz legte sich seine Hand über die feinen Schnitzereien der Vitrine. Er begriff, dass sein Verzicht ihm eine eigenartige Wertschätzung nahegebracht hatte. Er seufzte lange auf, bevor er die filigranen Glastüren öffnete, sich ehrfürchtig ein fein geschliffenes, bauchiges Whiskeyglas herausnahm und die angefangene Flasche des edlen Getränks. Gold leuchtete die Flüssigkeit im funkelnden Glas, und es war etwas anderes als der elende Rum. Ganz etwas anderes.
Es ließ ihn sogar seine nervigen Eltern vergessen.
Er ging zur Sitzgruppe und betrachtete den meterlangen Kamin, der in die Wand eingelassen war. Symmetrisch brannten die Flammen in einer langen Reihe, und immerhin erinnerte ihn das Feuer an… Zuhause. Ja, das war die Insel für ihn geworden. Zuhause. Wie hektisch ihre Welt doch war. Wie furchtbar seine Familie war. Er setzte sich auf den lederbespannten Sessel, und musste zugeben, an die Bequemlichkeit könnte er sich wieder gewöhnen, aber es war kein Muss.
Sein Vater setzte sich irgendwann neben ihn, aber Draco sah ihn nicht mal an. Er starrte blind in die Flammen, die ihm die Illusion von Heimat vermittelten. Die Tage waren vorbei, an denen er Lucius Respekt entgegengebracht hatte. Und tatsächlich schien sein Vater es zu spüren. Tatsächlich schien sein Vater zu sehen, dass Draco ihn mit seinen bloßen Fäusten umbringen konnte, würde er es wollen. Er trug die Krankenhauskleidung nicht ungern. Sie war einfarbig und erinnerte ihn in ihrem Pragmatismus an ihre Inselkleidung.
Sie ähnelten sich nicht mehr. Diese blasse Erscheinung seines Vaters neben ihm, schmächtig, von Reichtum umgeben und blinder Arroganz erfüllt.
Er hatte schon angenommen, dass es seinen Eltern lieber gewesen wäre, wäre er nicht wieder aufgetaucht. Und fast musste er lächeln, bei diesem Gedanken, denn… es tat nicht einmal weh. Es störte ihn nicht mehr.
Alles, was er brauchte, war Hermines Liebe. Er brauchte keine Anerkennung von seinen Eltern. Schon lange nicht mehr.
Er fragte sich, ob er aushalten würde, Hermine nicht zu sehen, bis zur Verhandlung. Ihre süßen Babybauch nicht zu berühren. Er glaubte nicht. Aber… er war auch nicht sicher, ob ihm gefallen würde, was sie vor ihm verbarg, was sie vorbereiten musste. Es würde gefährlich sein. Und er wollte nicht, dass sie sich in Gefahr brachte.
Es sollte vorbei sein. Er käme nach Askaban, und sie wäre sicher bei ihren Freunden. Das war der Plan. Ihr zu vertrauen bedeutete, einer unsicheren Zukunft entgegenzublicken.
Er trank, um zu vergessen. Zehn Jahre Haft waren eine endlos lange Zeit.
Ginny war spät aufgestanden. Bis in die Morgendämmerung war sie im Gästezimmer bei Hermine gewesen, während Hermine ihr scheinbar alles berichtet hatte. Und Harry wusste nicht, was er empfinden sollte. Er wollte Hermines Geschichte hören, aber… nicht wenn… nicht wenn sie nicht mehr Hermine war.
Nicht, wenn… ihm der Ausgang nicht gefiel. Er hatte sich entschuldigt, behauptet, früh müde zu sein, denn er musste verdauen. Er musste erst einmal begreifen, dass alles anders war. Er hatte geglaubt, würde Hermine nach Hause kommen, wäre alles wie früher – aber… es gab kein früher mehr.
Ron hatte sich nicht mehr gemeldet, und Harry hatte ernste Sorge, dass diese neue Hermine Ron nicht sonderlich gut tun würde. Und um diesen Fortschritt wäre es wirklich schade.
Ginny kam die Treppe runter, band sich die Haare in einen hohen Zopf, und Harry nickte ihr zu.
„Und?", konnte er nicht verhindern zu fragen, aber Ginny lächelte nicht. „Was?", entkam es ihm sofort, aber er glaubte, ihn konnte nicht viel mehr schocken.
„Wenn du von der geheimnisvollen Insel hören möchtest, Dumbledores Erscheinung und wie sie Zauberstäbe aus Elderholz gefertigt haben, musst du sie selber fragen", warnte sie ihn kühl.
Dumbledore? Und Harry brannte darauf, alles zu erfahren, aber… er war nicht dumm. Hermine war abgelenkt, etwas beschäftigte sie, und Harry hatte sie gestern nur mit Mühe überzeugen können, mit ihm nach Hause zu kommen, ihre seltsamen Besorgungen zu verschieben, denn sie würde nirgendwo unentdeckt auftauchen können. Tatsächlich standen alle Zeitungen heute voll mit der Rückkehr der ‚Verschollenen', wie sie genannte wurden. Reporter apparierten stündlich vor ihre Tür, aber Harry öffnete keinem.
Es ging keinen etwas an. Und er fixierte Ginny jetzt.
„Was hat sie vor?" Denn ihm schwante Übles.
„Das kann ich dir nicht sagen", erwiderte Ginny traurig.
„Du kannst es nicht oder du weißt es nicht?", vergewisserte er sich knapp bei ihr, aber sie seufzte auf. Zuerst glaubte er, sie würde nicht weiter sprechen, aber sie kam zu ihm, küsste ihn auf die Wange, und er bekam endlich ein Lächeln geschenkt.
„Später", versprach sie ihm, und die Unbestimmtheit in ihren Worten gefiel ihm nicht. „Geh zu ihr. Sprich mit ihr. Sei nicht eingeschnappt, weil sie Malfoy nicht umgebracht hat, ok?" Ginny kannte ihn zu gut, dachte er dumpf.
Er schüttelte aber den Kopf. „Ich muss heute den Papierkram erledigen", sagte er, und war ein wenig erleichtert. Er wollte nicht wissen, warum sich Hermine für Malfoy entschieden hatte. Er konnte noch nicht. „Sie brauchen Ausweise, denn Donald kann Malfoy nicht verurteilen, wenn er in den Akten für tot erklärt wurde", ergänzte er düster. Ginny seufzte auf. Dann nickte sie.
„Aber sprich mit ihr", erinnerte sie ihn, und er wusste, das würde er. Früher oder später. Es interessierte ihn. Aber er wusste auch, die Art und Weise, wie sie ihn nicht ansah, wie sie mit Absicht etwas verschwieg – er konnte es in ihrer Haltung lesen, auch wenn er sonst nichts mehr von der alten Hermine erkennen konnte. Er konnte immer noch sehen, wenn sie ein Geheimnis hatte.
Aber erst musste er apparieren und seine beste Freundin für lebendig erklären.
„Ich denke, das dürfte alles zu seinem Vorteil sein." Thomas Headley war ein schleimiges Arschloch. Abweisend saß Draco am Ende des Tisches, nicht wirklich willig seine Zustimmung zu geben, nicht wirklich willig, mit dem renommierten Todesser-Rechtsmagier viele Worte zu wechseln. Der Schneider hatte die größte Mühe mit ihm gehabt, aber Draco hatte kein Interesse an maßgeschneiderten Anzügen mehr. Heute trug er ein graues Quidditchshirt, damals war es ihm zu weit gewesen, aber heute saß es regelrecht eng. Dazu eine alte Hose seines Vaters, die seine Mutter scheinbar noch nicht entsorgt hatte, und er war barfuß, ganz zum Leidwesen seiner Eltern. Und es scherte ihn einen feuchten Eulendreck.
„Ich meine, bei seiner Statur wird niemand glauben, dass sie ihn überwältigt hat, aber sofern sie zugibt, freiwillig von ihm schwanger zu sein, hilft das der Sache ungemein."
„Dass sie ausgerechnet schwanger sein muss", entkam es seiner Mutter höchst verzweifelt. Draco verzog den Mund, zog es vor, mit niemandem hier zu sprechen, aber Headley winkte ab.
„Es wird sich auszahlen, dass er die Muggelgeborene nach Hause gebracht hat. Dass er sich um sie gekümmert hat. Wir werden diese Tatsache melken und auf die Tränendrüse des Richters drücken. Immerhin trägt er nicht mal mehr das Mal!" Es war alles falsch.
„Ja, aber dass es ausgerechnet eine Muggelgeborenen sein muss", entfuhr es seiner Mutter wieder, und Dracos Finger verkrampften sich unwillkürlich. „Es ist immer irgendein Problem mit Draco", fuhr sie fort, und blind erhob er sich, um nicht irgendetwas kaputtzuschlagen.
„Draco!", rief Narzissa ihm nach, aber er verließ das Zimmer, kochend vor Zorn.
Er hatte das Gefühl, er kannte diese Leute nicht, hatte sie nie gekannt. Und er hatte mit keiner emotionalen Situation gerechnet, nein, ihm war klar gewesen, dass seine Mutter noch einen Anfall bekommen würde, weil er Hermine Granger geschwängert hatte. Dass er sie innerhalb einer kleiner privaten Zeremonie geheiratet und ihr einen Familienring an den Finger gesteckt hatte, hatte er seiner Mutter gar nicht erst erzählt.
Er dachte an Hermine, und immerhin würde er sie am Tag der Verhandlung wiedersehen. Übermorgen. Er wusste nicht, wie er es noch zwei Tage mit diesen Wahnsinnigen aushalten sollte. Wie er es je gekonnt hatte, war ihm mittlerweile schleierhaft!
Und er war im Flur, als es an der Tür klopfte. Schneller als der Elf war er angekommen und öffnete. Das Kühl des Marmorbodens störte ihn nicht. Es war alles ungewohnt und doch seltsam vertraut.
Und er verharrte in der Tür. Strahlend sah sie ihn an.
„Ich wusste, du kommst nach Hause", begrüßte Pansy ihn und nahm ihn in den Arm. Überrascht erwiderte er diese Begrüßung, und so freudig hatte er Pansy noch nie erlebt. Sie ließ wieder von ihm ab. „Die Zeitung schreibt die verrücktesten Sachen, Draco. Wie geht es dir?", wollte sie dann wissen. „Sieh dich an!", entfuhr es ihr, als sie ihn begutachtete. „Bist du doppelt so groß? Und breit?" Sie lächelte wieder, und langsam hoben sich seine Mundwinkel.
„Hey, Pansy", erwiderte er, und wieder zog sie ihn in ihre Arme. Sie roch… künstlich, aber… langsam erinnerte sich sein Geist wieder an ihre Züge, an ihre Figur, an… alles.
„Du hast mir gefehlt!", beteuerte sie. „Du musst mir alles erzählen!" Sie schob ihn zurück ins Innere, und bevor er wusste, was passierte, folgte er ihr zu seinem alten Zimmer. Er hatte keinen emotionalen Bezug mehr zu diesem Haus oder seinem Zimmer. Es war alles egal. Er dachte nur an Hermine, und alles fühlte sich fremd und falsch an.
Aber er ließ sich von ihr aufs frisch gemachte Bett bugsieren, auf dem er noch nicht geschlafen hatte, da er den Boden vorzog. Das Bett war viel zu weich. Pansy legte den Umhang ab und setzte sich neben ihn. „Erzähl mir alles!", verlangte sie gespannt, und das hatten bisher weder Narzissa noch Lucius zu ihm gesagt.
Und unschlüssig begann er schließlich zu erzählen. Ein paar Fetzen hier und da, wenige Details aus der Mitte, aber Pansy fragte nach. Immer wieder und wieder, bis Draco gar nicht mitbekommen hatte, dass er bereits seit zwei Stunden erzählte, während Pansy ihm zuhörte. Und er hatte vergessen, was sie für eine gute Freundin gewesen war. Die beste, die er wohl gehabt hatte, bevor der Krieg begonnen hatte.
Und irgendwann war er fertig.
„Ihr habt geheiratet?" Das war das erste, was sie ungläubig wiederholte. „Und du hast ihr den Ring gegeben, den ich damals verloren habe?", vergewisserte sie sich, und er nickte lächelnd. „Weißt du… ich wusste, dass so etwas passiert!", entkam es ihr dann kopfschüttelnd. „Ich wusste, du würdest sie nicht umbringen." Er war sich da nicht so sicher gewesen. Zu Anfang. Und er hatte keine Lust mehr, von sich zu erzählen. Er hatte viel zu viel Zeit mit sich selbst verbracht.
„Was ist dir passiert?", wollte er also wissen, und Pansy winkte fast sofort ab.
„Absolut gar nichts", behauptete sie. „Der Krieg war schneller vorbei, als er begonnen hatte. Alle Todesser sind geflohen, die meisten konnten sich rausreden, wie mein Vater", gab sie mit erhobener Augenbraue zu bedenken, Missbilligung auf den schönen Zügen, „und dann… ging das Leben weiter. Die Zeitungen hatten viel über euer Verschwinden berichtet und es hielt London eine ganze Weile in Atem. Und jetzt… seid ihr wieder da."
„Ja", bestätigte er gedehnt.
„Denkst du, die Verhandlung wird gut ausgehen?" Sie fragte ihn aufrichtig, und nahezu sofort schüttelte er den Kopf.
„Ich denke nicht. Wenn viele Todesser entkommen sind, dann wird das Ministerium den einzigen, der kein Alibi hat, garantiert nicht laufen lassen."
Sie wirkte deprimiert. „Vielleicht. Draco", begann sie und sah ihn wieder an, „liebst du sie? Wirklich?" Und wie leicht es war, sich dazu zu bekennen.
„Mehr als alles auf der Welt", bestätigte er innerhalb eines Atemzugs. Pansy atmete mit einem traurigen Lächeln aus.
„Das… ist wunderschön, weißt du das?" Und er erkannte erst jetzt, was für eine wertvolle Freundin Pansy war. Sie war der einzige Lichtblick in dieser Reinblüterhölle. Aber sie wirkte so unglücklich. Er konnte sie nicht darauf ansprechen, denn seine Tür öffnete sich mit einem Ruck.
„Draco, du- oh Pansy", entfuhr es seiner Mutter überrascht. „Ich wusste nicht, dass du hier bist." Narzissa gab sich die größte Mühe, ihren Ärger in höfliche Etikette zu wandeln.
„Mrs Malfoy", begrüßte Pansy seine Mutter. „Ich wollte nur nach Draco sehen."
„Ja, ja. Natürlich", erwiderte seine Mutter abwesend. „Aber Draco muss noch einiges mit den Rechtsmagiern besprechen. Jetzt?", schien sie ihn streng ermahnen zu wollen, und Draco erhob sich seufzend. „Ich bringe Pansy zur Tür. Dein Vater erwartet dich unten." Und dann geleitete sie Pansy hinaus, die sich mit einer kurzen Umarmung von ihm verabschiedete und versprach, morgen wiederzukommen.
Und Draco freute sich ehrlich darüber.
Und bevor er sein Zimmer verließ, sah er sich um. Alles sah so aus, wie er es in Erinnerung hatte. Sein Blick fiel auf das Bücherregal, und mit wenigen Schritten stand er davor und zog das Buch mit dem abgewetzten Einband hervor.
Das Buch, was scheinbar seine Erinnerung dermaßen beherrscht hatte, dass er und Hermine genau dort gelandet waren, so kam es ihm vor.
Kilian Clay McGroff, ‚Der Zauberdschungel'. Es war sein Lieblingsbuch gewesen. Er blätterte durch die alten Seiten, betrachtete die Zeichnungen, die lebendig geworden waren, und sein Finger fuhr über die blaue Gorillazeichnung, fast liebevoll.
„Draco!", ertönte die mahnende Stimme seiner Mutter, und seufzend legte er das Buch beiseite. Ja. Er vermisste die Insel.
