Part 4 – Magic

Es war wie ein schlechtes Gewissen. Eine nagende Schuld. Aber er konnte es nicht kontrollieren. Er hatte nicht zurück gewollt, hatte sich fernhalten wollen, aber es war, als dränge ihn eine unsichtbare Macht immer wieder zu der Süßwasserquelle. Und jedes Mal, wenn er dort Stunden verbrachte und nichts geschah, schalt er sich in Gedanken selbst und hasste seine Schwäche.

Er lauerte auf Visionen, obwohl er sich geschworen hatte, nicht mehr wiederzukommen.

Er sollte seinen Zauberstab holen, sollte endlich den Baum besiegen, aber stattdessen vergeudete er seine Zeit, schlich zur Quelle, nur um vielleicht noch einen Blick auf Hogwarts zu erhaschen. Er war erbärmlich, und er wusste das. Und noch hatten seine Eltern kein Mitleid. Noch bekam er den Zauberstab nicht geschenkt. Sein Vater nannte es eine Prüfung, die er meistern müsse. Und zwar bald.

Viele Nächte hatte sich Kilian nun heimlich in den Schlaf geweint, aber es half alles nichts. Und seinen Eltern hatte er noch immer nicht von der Vision erzählt. Es war sein Geheimnis. Sein eigenes, ganz privates Geheimnis auf der Insel. Wenn es ihm doch nur würde helfen können, dachte er verzweifelt.

Und gerade, als er sich mit einem schlechten Gewissen auf den Rückweg machen wollte, sah er aus den Augenwinkeln, wie das blendend helle Licht erwachte.

Es schenkte ihm eine weitere Vision, und fast stolperte er über seine eigenen Füße, so schnell hechtete er zur Quelle und starrte begierig in das helle Licht.

Als sich seine Augen gewöhnt hatten, konnte er nicht mit Sicherheit sagen, weshalb er es wusste, aber er wusste, dass es Lily war. Sie war nur wesentlich jünger, als zuvor. Sie saß irgendwo draußen, gespannt in einem Stuhl, die Knie angezogen, die kupferfarbenen Haare wild und offen. Sie schien so alt zu sein, wie er jetzt gerade. Und sie lauschte einer Frau. Tante Ginny, erkannte er, denn es war die Frau von den Bildern in der Hütte. Und sie sah fast unverändert aus. Ein wenig älter, die Haare etwas kürzer. Aber es war nebensächlich.

„-aber wie kam er überhaupt dorthin?", fragte Lily Tante Ginny, und Kilian glaubte, die Ähnlichkeit allmählich entdecken zu können.

„Er ist geklettert. Er ist ein fabelhafter Kletterer", ergänzte Tante Ginny zwinkernd. Wer war ein fabelhafter Kletterer? Er lauschte ebenfalls begierig.

„Und wie hat er den Bären ausgetrickst?" Bären? Kilian schluckte. Von was sprachen sie? Von wem vor allem?

„Er hat die Falle gelegt und musste lediglich oben im Wipfel warten, bis der Bär dumm genug war, direkt hineinzulaufen", schloss Tante Ginny sachlich.

„Ach ja? Und wie soll das funktionieren?" Ein Junge kam ins Sichtfeld der Vision. „Als ob der Bär den Baum nicht einfach umgerammt hätte", bemerkte er kopfschüttelnd.

„Der Baum war alt und hoch", erklärte Tante Ginny nachsichtig. „Ist das wirklich so wichtig, Alby?", erkundigte sie sich, und Kilian kniff die Augen zusammen, um den Jungen besser erkennen zu können. Er hatte dunkle Haare, strubbelig und lang. Sie hingen ihm tief in die Augen, bevor Tante Ginny sie zurückstrich.

„Na klar! Ich meine, apparieren kann er nicht, oder?" Alby entzog sich der Geste von Tante Ginny und schüttelte die unordentlichen Haare wieder in die Stirn. Seine Fragen waren defensiv und vielleicht von Eifersucht gezeichnet. Kilian runzelte die Stirn.

„Er macht es wie Tante Hermine", erklärte sie, und Kilian horchte auf. Das war seine Mum! Seine Mum hieß Hermine! „Er knüpft sich ein Tau aus Lianen, schlingt es um den Stamm und läuft nach oben."

„Als ob!", entgegnete Alby mit hochgezogener Braue, die unter seinen Haaren verschwand. Er griff sich eine Frucht aus einer Schale und verschwand aus Kilians Sichtfeld.

„Der Junge kann alles, oder Mum?", wollte Lily leise wissen, als Alby verschwunden war. „Besser als Alby?" Und Tante Ginny schenkte ihrer Tochter ein Lächeln, bevor sie nickte.

„Er kann alles, was Tante Hermine und Onkel Draco können", versprach sie nickend, und die Vision verschwand.

Merlin! Es konnte kein Zufall sein. Es konnte einfach nicht!

Und dann klärte sich sein Blick. Natürlich! Ein Tau! Er würde es machen, wie Mum! Er kannte die Lösung bereits! Es war, als hätte ihn die Vision mit aller Macht darauf gestoßen! Stolpernd kam er auf die Beine. Ein Tau! Und die Geschichte mit dem Bären ignorierte er vorerst. Das konnte Tante Ginny nicht ernstmeinen. Es gab keine Bären. Zumindest nicht hier. Nicht auf dieser Insel.

Und während er voranstürmte, überlegte er, wie Ginny überhaupt so viel wissen konnte. Über ihn. Oder ob… sie es sich ausdachte. Und… war er der Junge, dem die ältere Lily diesen Brief geschrieben hatte? Und in seinen geheimen Gedanken war er genau dieser Junge!

Sein Herz schlug schnell in seiner Brust, und er hielt nicht inne, bis er den Baum erreicht hatte.

Zeit, seinen Zauberstab zu holen! Und er begriff noch nicht ganz, warum ihn die Visionen trieben, warum sie ihn vorwärts brachten. Er wollte es Lily beweisen – dass die Geschichten stimmten. Und dem Jungen namens Alby. Und wenn er ehrlich war, dann… waren es keine Visionen. Für ihn. Langsam aber sich fühlte es sich an, wie Besuche. Besuche von guten Freunden, die ihn leider nicht sehen konnten.

Er rannte umso schneller, als würde die lächerliche Möglichkeit bestehen, dass die Besuche Wahrheit werden würden, würde er nur alle Aufgaben meistern.

Hermine beobachtete ihre Tochter von der Veranda aus. Sie hatte Scorpius auf dem Schoß, während dieser mit seinen kleinen Händen in das graue Fell des Affen griff und jedes Mal auflachte, wenn Skills schnaubte. Draco kehrte mit Beute aus dem Dschungel zurück, und Hermine wartete, bis er die Hütte erreicht hatte.

„Er wird schwächer", informierte sie ihn, als er sie hören konnte. Draco hob den Blick, wischte sich die blonden Strähnen aus der verschwitzten Stirn, und atmete erschöpft aus, als er das monströse Wildschwein neben sich warf. Er jagte, als müsse er eine ganze Herde ernähren. Aber mit Skills war es beinahe so, als wären sie zu zwölft. Draco brauchte jeden Tag länger, um geeignete Schweine zu finden, denn ihre eigene Zucht maß kaum zweidutzend, und sie waren alle noch jung.

„Er ist alt", schloss er mit flachen Atemzügen. Hermine beobachtete wieder ihre Kinder.

„Musstest du weit gehen?", erkundigte sie sich, denn Draco war seit fünf Stunden unterwegs.

„Ich war oben in den Bergen. Also… ja." Sie wandte den Blick mit gerunzelter Stirn.

„Waren wir unvorsichtig? Ich meine, wir zählen die Tiere. Es sollten genug für uns alle und Skills sein. Für viele Jahre", ergänzte sie kopfschüttelnd.

„Ja. Ich denke, dass…" Aber er unterbrach sich, als Aurora den Blick hob und ihn erkannte. Hastig blickte sie wieder zur Seite, beschäftigte sich intensiver mit Scorpius und Skills. Sie war immer noch sauer auf Draco, wusste Hermine. Er hatte ihren Mordeo verscheucht, und Hermine wusste, zur Abenddämmerung verschwand Aurora im Dschungel und suchte ihr Haustier. Sie hatte keine Ahnung, ob sie erfolgreich war, aber sie brachte ihn nicht mit zurück.

Sie gab Skills keine Schuld, aber ihrem Vater. Seit einer Woche herrschte Funkstille zwischen Draco und ihr, und beide waren zu stur und bockig, um einen Fehler zuzugeben.

„Was?", bohrte Hermine nach, wartete darauf, dass Draco zugab, dass er Aurora vermisste, aber stattdessen, beantwortete er ihre Frage und riss den Blick von seiner Tochter los.

„Dass wir nicht alleine jagen", bemerkte er glatt.

„Mordeos?", entgegnete sie mit fragendem Blick, denn sie hatte kaum noch welche entdecken können. Zumindest nicht hier unten im Dschungel. Aber Draco schwieg.

„Ich denke… es ist etwas anderes."

„Etwas anderes? Es gibt nichts anderes. Der Tiger ist tot, und-"

„-vielleicht etwas Neues."

„Etwas Neues?", wiederholte sie ungläubig. „Wo soll es herkommen? Denkst du, die Insel entwickelt sich weiter? Was soll hier sein, was wir seit zehn Jahren nicht gesehen haben?" Sie wartete auf eine adäquate Antwort, aber Draco sagte nichts. Irgendwann zuckte er die Achseln.

„Keine Ahnung. Vielleicht etwas, was sich gut verstecken kann."

Hermine gefiel diese Antwort nicht. Was gefährlich für die Beutetiere war, war auch gefährlich für ihre Kinder.

„Die Sonne geht gleich unter. Wir sollten Kilian nicht alleine im Dschungel stromern lassen, wenn dort irgendetwas ist", schloss sie. „Was auch immer es sein soll", ergänzte sie, denn noch war sie nicht überzeugt. Aber sie wusste, die Beute wurde knapper. Und das war eine Tatsache, die unleugbar im Raume stand.

Und es gab keine logische Erklärung. Gut, für die gesamte Insel gab es keine logische Erklärung, aber… das war eine andere Sache.

„Wenn du willst, kannst du gehen. Ich bereite das Essen vor", sagte Draco nickend, und Hermine seufzte auf.

„Wirst du zufällig in naher Zukunft mit deiner Tochter sprechen, oder seid ihr nun Todfeinde?", erkundigte sie sich, als sie sich den Zauberstab vom Tisch griff und ihn in den Hosenbund schob. Dracos Mundwinkel zuckten bitter.

„Sie kann mit mir reden, wenn sie bereit ist, sich zu entschuldigen." Und plötzlich kam er ihr vor, wie ein Junge. Ein uneinsichtiger Junge. Hermine schloss den Abstand zu ihrem Mann, als sie die schiefe Treppe runterging.

„Sehr erwachsen von dir", neckte sie ihn still, und sanfte Rebellion funkelte in Dracos Blick.

„Ich habe das Richtige getan", behauptete er dunkel, und Hermine unterdrückte ein Lächeln und nickte feierlich.

„Und… da bist du dir sicher?", wollte sie prüfend von ihm wissen, und die Uneinsicht wich der Ungeduld.

„Möchtest du mir irgendetwas sagen?", wollte er barsch von ihr wissen, und Hermine musste grinsen. Sie verschränkte die Hände hinter dem Rücken und stand nun nahe vor ihm.

„Nein", log sie kopfschüttelnd. „Es… ist nur nicht ganz so sexy, wie du denkst, dieser Starrsinn", gab sie unverfänglich zu bedenken, und als er ohne Vorwarnung den Abstand schloss und den Arm um sie schlang, machte ihr Herz einen Satz. Manchmal reizte sie ihn. Nur manchmal. Sie fand, es frischte ihre Beziehung auf.

„Mach dir da nichts vor, Granger", knurrte er rau, mit ihr fest in seinen Armen. „Alles, was ich tue, ist sexy", griff er ihre Worte auf, und sie biss sich auf die Lippe.

„Ja? Vielleicht kannst du mir das später demonstrieren, Malfoy?", benutzte sie ebenfalls seinen Nachnamen. „Ich kann mich kaum erinnern", ergänzte sie schnippisch, und spöttisch hoben sich seine Augenbrauen, bevor er den Kopf senkte und hart ihren Mund verschloss. Ihre Lider flatterten zu, und sie erlaubte seiner Zunge Einlass.

Jedes Mal, wenn er sie küsste, kribbelte ihr Unterleib. Es hatte sich nicht geändert. Sie liebte ihn noch immer so, wie vor zehn Jahren. Es war immer aufregend mit ihm. Es war nur so, dass die Kinder in den Weg kamen. Die Kinder hatten Vorrang, und sie wusste, manchmal nervte es ihn. Aber das machte ihre verbotenen kleinen Treffen in ihrer Höhle umso aufregender.

„Ihr seid so scheiße!", riss sie die zornige Stimme ihres Sohnes aus ihren unkeuschen Gedanken, und Draco ließ von ihr ab. Sie vermisste seine Nähe sofort, und enttäuscht wandte sie den Blick auf ihren Sohn. Fast zuckte sie zusammen vor Schreck. Er war zerkratzt, blutete aus frischen Wunden, hielt seinen Arm in einem komischen Winkel, und hatte seine Handflächen mit Blättern verbunden. Sofort verscheuchte die Mutterrolle die Rolle der wollüstigen Ehefrau, und Hermine war drauf und dran, dem unbekannten Feind im Dschungel den Krieg zu erklären, der ihren kleinen wunderbaren Sonnenschein so zugerichtet hatte!

„Oh Merlin, Kilian, was-" Sie vergaß auch, sich zu schämen, denn für gewöhnlich hassten die Kinder es, wenn Draco und sie Zärtlichkeiten austauschten, aber Kilians Verletzungen überschatten alles, selbst seine rüpelhafte Beleidigung.

„-wirklich witzig!", unterbrach er sie zornig. Seine grauen Augen waren fast hasserfüllt, fast boshaft, auf sie geheftet. Er erinnerte sie mehr an Draco, als zuvor. So gruselig es war.

„Kilian-", begann Draco warnend, aber ihr Sohn schnaubte auf.

„-das war gemein! Es war eine scheiß Aktion!", fluchte er zornig, und so laut, dass sogar Aurora den Blick wieder wandte. Wovon sprach er? Von ihrem Kuss doch wohl kaum! „Da war kein Zauberstab! Habt ihr das so geplant? Wolltet ihr einfach nur mal sehen, ob ich es lebendig zurück schaffe? Ihr seid-"

„-du hast es geschafft?", entfuhr es Draco tonlos, und er schien vergessen zu haben, dass er Kilian maßregeln wollte. Auch Hermine empfand mit einem Mal Stolz. Da war also kein Ungeheuer! Ihr waldscheuer Sohn hatte es also geschafft, den Baum zu besteigen! Merlin sei Dank!

„Geschafft?", wiederholte Kilian zornig und zeigte ihnen seine Blessuren. „Ja, ich habe es geschafft! Und für was? Dafür, dass ihr-"

„-es wäre zu gefährlich gewesen, den Zauberstab dort oben zu lassen", unterbrach Draco ihn. „Er ist in der Hütte. Unter deinem Bett. Wenn du ihn findest, können wir-" Doch Kilian blinzelte verblüfft, schien zu überlegen, ob er etwas Wütendes erwidern sollte, aber schnell hatte er seine Blessuren wohl wieder vergessen und stürmte humpelnd an ihnen vorbei in die Hütte, ohne Draco aussprechen zu lassen.

Und dann strahlte Draco sie an. „Er hat es geschafft!", flüsterte er euphorisch. „Er ist doch nicht vollkommen unfähig!" Hermine verdrehte die Augen. Kilian war sowieso nicht unfähig. Aber sie war absolut begeistert, dass er einen Weg gefunden hatte – und dass er nicht auch noch abgestürzt war.

Aber heilen würden sie ihn trotzdem müssen, dachte sie dumpf. Ihren fantastischen Sohn.

Verstohlen sah Draco seinem Sohn zu. Und er musste sagen, er fühlte sich sehr unheimlich an seine Vergangenheit erinnert. Und er wusste nicht, wie er das finden sollte. Nach wenigen Tagen beherrschte Kilian die grundlegenden Zauber fast mühelos. Den Expelliarmus, Lumos und Nox, den Wingardium Leviosa. Hermine war so stolz, dass sie mit Kilian bereits am Expecto Patronum und am Accio arbeitete. Erfolglos, bisher, aber in der Pause probierte Kilian bereits, den Affen schweben zu lassen. Eine stille Konzentration lag in seinem Blick, wie Draco sie schon hunderte Male bei Hermine beobachtete hatte, wenn sie zauberte. In der Schule sowie hier auf der Insel.

Äußerlich mochte sein Sohn ihm gleichen, mochte sich bewegen, wie er es tat, selbst seine Mimik erkannte Draco in seinem Sohn, aber… der scharfe Verstand hatte nichts mit ihm zu tun. Die Art, wie Kilian mit dem Zauberstab umgehen konnte… kam Draco vollkommen fremd vor. Kaum, dass Kilian das Holz berührt hatte, war es Draco wie sein zweiter Arm vorgekommen.

Er war begeistert. Draco konnte es nicht anders ausdrücken. Das einzige Problem war nur…, dass der Zauberstab seinem Sohn nicht helfen würde. Nicht hier. Nicht auf hoher See. Nicht gegen das Ungeheuer.

Draco hatte bereits überlegt, das Boot zu bauen und hinauszufahren, um es umzubringen, damit es Kilian nichts tun würde. Es waren dumme Gedanken, hatte Hermine gesagt, aber… sein Sohn schien gänzlich vergessen zu haben, dass er sich hier auf seine bloßen Hände verlassen musste.

Seit vier Tagen hatte sich Kilian mit nichts als dem Zauberstab beschäftigt. Er wollte nicht mal in den Dschungel, wo er doch seit Wochen nichts anderes tat, als im Dschungel unterwegs zu sein – zwar immer erfolglos, aber… immerhin! Draco war froh über jeden Funken Jagdtrieb.

Und aus den Augenwinkeln erkannte er, wie Aurora näher kam. Es war das erste Mal, dass er sie tatsächlich sprachlos erlebte. Ein wenig scheu sogar. Er wusste, Aurora hielt sich für etwas Besseres, glaubte, weil sie auf der Insel besser zurecht kam, war sie überlegen, und Draco wusste nicht, ob sich das nun änderte, wo sie erkannte, dass Kilian anscheinend eine massive Begabung für Zauberei besaß.

Aurora schien gar nicht zu bemerken, dass sie neben ihm verharrte. Kopfschüttelnd beobachtete sie ihren Bruder.

„Unglaublich", murmelte sie beleidigt. Draco hob die Augenbrauen.

„Sprichst du mit mir?", wollte er leise von ihr wissen, und ertappt hob sich ihr Blick. Trotz trat auf ihre hübschen Züge.

„Nein", entgegnete sie.

„Nein?", wiederholte Draco spöttisch, und seine Tochter verdrehte die Augen.

„Vielleicht", räumte sie kleinlaut ein. Draco seufzte auf.

„Ich… habe Rumtreiber nicht gerne verjagt", sagte er, und Aurora blickte beleidigt nach vorne und beobachtete Kilian, der sich immer noch abmühte.

„Ich weiß", erwiderte sie mit verschränkten Armen. „Tut mir leid, dass… ich nicht mit dir gesprochen habe", schloss sie, und es fiel ihr sichtlich schwer.

„Ja. Mir… auch", bestätigte er, und es fiel ihm ebenso schwer wie Aurora. Er legte den Arm um ihre schmalen Schultern. „Ich liebe dich, Kurze", ergänzte er, denn er wollte, dass sie es wusste. Sie grinste leicht.

„Jaah, Dad", sagte sie kopfschüttelnd, und schämte sich minimal.

Wingardium Leviosa!", rief Kilian, und Draco konnte förmlich spüren, wie es funktionierte. Mit einem überraschten Grunzen wurde der Affe von der Magie vom Boden gehoben. Skills drehte verblüfft den Kopf, schien sich nicht erklären zu können, warum er plötzlich schwebte, und Draco betrachtete seinen Sohn ungläubig. „Ha!", rief Kilian aus, und seine zitternde Hand hielt den Zauber aufrecht. Erstaunlich. Sein Sohn war absolut erstaunlich. Langsam ließ er Skills wieder sinken.

„Ich hasse ihn", murmelte Aurora neben ihm und machte Kehrt. Draco sah ihr stirnrunzelnd nach.

„Mum!", rief Kilian ungeduldig. „Lass uns weiter machen!"

Und Draco war nicht mehr beleidigt, dass Hermine die Aufgabe an sich gerissen hatte, Kilian zaubern beizubringen. Ganz und gar nicht mehr beleidigt. Und er beschloss, dass er heute Abend versuchen würde, Skills schweben zu lassen, wenn Kilian schlief. Immerhin hatte er ein verdammtes Schiff zum Strand schweben lassen. Auf die Idee, den Affen schweben zu lassen, war er fairerweise nie gekommen, aber… es schien eine gute Herausforderung zu sein.

Hermine kam vom Fischen zurück, und musterte ihren verschwitzten Sohn.

„Du solltest doch eine Pause machen!", ermahnte sie ihn, aber Kilian zuckte übergangslos die Achseln.

„Ich bin nicht müde", erwiderte er sofort, und Hermine tauschte einen knappen Blick mit ihm. Draco wusste nicht, ob Kilian eine Pause machen musste. Er wusste nur, dass es langsam Zeit wurde, dass Kilian nicht nur zaubern konnte, sondern auch mit dem Speer besser umging. „Wenn ich Auror werden will, muss ich trainieren!", riss Kilian ihn aus seinen Gedanken, und Dracos Kiefer lockerte sich.

„Du… willst Auror werden?", erkundigte sich Draco, und Kilian wandte sich ihm zu, und zum ersten Mal erkannte Draco den Tatendrang und eine seltsame Sehnsucht im Gesicht seines jungen Sohnes.

„Ich will der Beste sein", korrigierte ihn Kilian mit einer Überzeugung, die eigenartig klang.

Fast wollte Draco sagen, die Insel bräuchte keine Auoren. Fast wollte er sagen, dass Kilian eine schwierige Prüfung ablegen müsste, um überhaupt in die Aurorenausbildung zu kommen, aber er beherrschte sich. Denn dafür… müsste Kilian die Insel verlassen. Was er tun würde. Aber… das wusste sein Sohn noch nicht. Dracos Blick verband sich mit Hermines, die ebenfalls besorgt wirkte. Sicher hatten sie ihren Kindern von England erzählt, von Hogwarts, vom Ministerium. Sie hatten ihnen alles erzählt, was sie wussten. Aber… Draco sah es eher als gemütliche Geschichten. Er liebte die Insel. Ihm war nie direkt in den Sinn gekommen, dass seine Kinder die Insel tatsächlich… verlassen wollten. Er sah Kilians Schicksal als große Strafe, und es schmerzte sein Herz, wenn er zu lange daran dachte. Und jetzt… eröffnete sein Sohn, dass er… Auror werden wollte.

„Bist du sicher, dass du Auror werden willst?", vergewisserte sich Hermine unschuldig bei ihm, aber Kilian nickte blind.

„Oh ja", behauptete er. Dann hob er den Zauberstab, zielte, und sprach: „Accio Fisch!" Es war unmöglich, dass er diesen Zauber beherrschen konnte, als wäre es nichts weiter. Als wäre es ein Kinderspiel.

Und dann hob sich einer der toten Fische vom Boden und rauschte in die ausgestreckte Hand seines Sohnes.

„Ich kann es kaum erwarten, ein paar Unverzeihliche auszuprobieren!", entfuhr es Kilian mit inbrünstiger Begeisterung, und Hermine schenkte ihm einen eindeutigen Blick. Draco reagierte verspätet, aber er reagierte. Er wusste, als er damals davon erzählt hatte, dass er es besser nicht getan hätte. Kilian war sofort darauf angesprungen, wie er auf alles Magische sofort ansprang.

„Vergiss es", sagte er bloß. Die Stimme kälter, kompromissloser.

„Aber Dad!", widersprach Kilian sofort, und Draco näherte sich ihm.

„Böse Zauberer benutzen Unverzeihliche Flüche. Auroren verteidigen mit positiven Zaubern. Es gibt für dich keinen Grund, jemals einen Unverzeihlichen auszusprechen, hast du das verstanden?", fuhr er ihn praktisch an. Bevor Kilian widersprechen konnte, fuhr Draco fort. „Und heute Abend gehst du mit mir jagen. Wie von jetzt an jeden Tag. Ohne Zauberstab, und das ist nicht verhandelbar!" Kilian suchte Hermines Blick, aber diese schüttelte nur entschuldigend den Kopf.

„Ich hasse euch!", rief ihr Sohn zornig, machte wütend Kehrt und verschwand im Dschungel, während er zornige Funken in die Luft hexte. Draco atmete lange aus.

Hermine kam zu ihm und sah Kilian nach. „Er will Auror werden", murmelte sie ratlos.

„Zunächst wird er als Fischfutter enden, wenn er nicht langsam lernt, sich auf seine Instinkte zu verlassen." Hermine sah schockiert zu ihm auf, aber Draco meinte es sehr ernst. Er hatte keinen Zweifel daran, dass Kilian jeden Zauber meistern würde, den er lernen wollte, Unverzeihlich oder nicht, aber er hatte seine Bedenken, was alles weitere anging.

Scorpius gluckste auf der Veranda in seinem gezimmerten Hochstuhl, und Draco wandte den Blick auf seinen jüngsten Spross. Er sah ihm verdächtig ähnlich. Blonde Haare, graue Augen. Aber er fragte sich, ob auch Scorpius Hermines verrückten Verstand geerbt hatte, und ob nur seine Tochter eine echte Jägerin sein würde. Scorpius klatschte in seine kleinen, dicken Händen und strahlte, als Draco zu ihm kam und ihn aus dem Stuhl hob.

„Du wirst mein kleiner Jäger und Sammler sein, nicht wahr, Scor?", murmelte er, und sein Sohn war ein schwerer Brocken, während er nahezu zahnlos grinste. Fast befürchtete Draco, dass ihm das Schicksal nur einen weiteren hyperintelligenten Sohn beschert hatte. Denn er war weit über ein Jahr alt und sprach kein einziges Wort. So hatte es bei Kilian auch begonnen. Er hatte spät angefangen zu sprechen, dann aber bereits in vollständigen Sätzen. „Wehe, du willst auch Auror werden", flüsterte Draco fast. Er hauchte Scorpius einen Kuss auf den silbernen Haaransatz und drückte ihn fest.