In den ein paar Tagen, in der ich bei simplen Aufgaben im Dorf Ordon geholfen habe, konnte ich ein paar Gerüchte, Mythen und Legenden mitschnappen. Die Sonne ist gerade nicht mal tief genug, um es als Sonnenuntergang zu bezeichnen, da wurden an diesem Tag schon mehrere von ihnen auf die Probe gestellt. Einige, wie vor kurzem die Existenz der Lichtgeister, stellen sich als wahr heraus.
Andere hingegen, wie das Gerücht, dass Lichtgeister die Gedanken aller lesen können, die sich vor der Quelle aufhalten, werden als Geschwätz enttarnt. „Ich suche eine bestimmte Sache, um damit den Verursacher von all dem, was diesem Land in letzter Zeit passiert ist, zu bezwingen. Weißt du zufällig, wo ich sowas finde?"
Er fängt an, um mich herum zu schweben, um mich zu begutachten. Während dieser Zeit halte ich immer Augenkontakt zu ihm, auch wenn das „Licht" mich ein wenig blendet. Als er damit abgeschlossen hat, beginn er wieder zu reden: „Ich habe in der ganzen Zeit, in der ich unter Hyrule weilte, noch nie von einem Land namens Drangleic gehört. Sag mir, …", er schwebt näher auf mich zu: „…was führt dich hierher? Warum hast du dein Land verlassen?" „Du hast meine Frage noch nicht beantwortet." „Ich möchte erst wissen, was für eine Art von Person du bist, bevor ich deine Frage beantworten kann." „Ich habe mein Land verlassen, weil es kaum etwas gab, was mich hier halten könnte. Ich bin zufällig hier gelandet, als ich mit meinem Schiff auf der See war."
„Was meinst du mit zufällig? Und was für ein Schiff?" Ich zögerte für einen kurzen Moment. Mal sehen, ob er damals anwesend war und mitgelauscht hat. Dann führe ich fort: „Der Mond färbte sich rot, als der Wind verstummte und sich nach kurzer Zeit ein Vortex direkt unter meinem Schiff bildete. Das Letzte, was ich sah, war mein gekipptes Schiff über mir, während wir beide in den Grund des Vortex fielen." Der Lichtgeist zieht daraufhin eine Augenbraue hoch: „Du hattest bei deiner Ankunft den beiden Ordonern Link und Rusl eine andere Geschichte erzählt. Warum hast du gelogen?!" „Als ich hier angekommen bin, wusste ich gar nichts über diese Welt. Es wäre möglich gewesen, dass sie meine Ankunft für ein böses Omen gehalten hätten. Da wollte ich nicht mehr Öl ins Feuer werfen, indem ich von einem blutroten Mond spreche." „Und aus diesem Grund allein siehst du es als nötig an zu lügen?" „Im schlimmsten Fall hätte es einen Kampf mit fatalen Folgen gegeben, von daher entschied ich mich für das geringere Übel." „Mag sein, aber warum soll ich dir jetzt diese Geschichte glauben, die noch unglaubwürdiger ist?" „Es ist nicht wirklich relevant, ob du sie nun glaubst oder nicht. Was du jedoch glauben kannst, sind meine Taten, die ich getan habe und noch tuen werde."
Er beäugt mich für eine Weile, bevor er spricht: „Diese dunkle, verbotene Macht, nach der du suchst, kann ich dir nicht einfach so geben. Wenn sie in die falschen Hände fällt, ist alles verloren." Nach diesem Satz entsteht eine Theorie in meinem Kopf: „Könnte es sein, dass er wegen dieser Macht Hyrule erobert hat?" „Ich kenne nicht die hinterlistigen Pläne des Bösen." „Nur die Wenigsten machen etwas ohne Grund." Er schaut mich grimmig an: „Welcher Grund rechtfertigt die Versklavung von Leben, das Verbreiten von Angst und Schrecken und das Ausmerzen von Licht, dass ein Geschenk von den Göttern Din, Nayru und Farore ist?!" „Nach meinem Verständnis von Moral kaum etwas. Selbst in den extremsten möglichen Fällen scheinen die Taten nicht auf ein langfristiges, insgesamt positives Ziel hinzudeuten. Apropos Taten", ich beäuge seine Größe: "Wie wurdest du eigentlich von diesen Bestien überwältigt?" "Solange Hyrule unter seiner Kontrolle ist, dürfen wir Lichtgeister zum Wohle der Menschen, deren Schutz unsere Pflicht ist, uns nicht widersetzen." "Mit anderen Worten: Dir sind die Hände gebunden. Jedenfalls solltest du mir sagen, wo diese Macht ist, denn wenn er nach dieser Macht sucht, wäre es bei mir besser aufgehoben als bei ihm" "Wie kommst du darauf, dass ich ihm diese Macht ohne Gegenwehr übergebe?" "Ein einfacher Satz: Gib die Macht her oder ich lasse deine Schützlinge vor deinen Augen in Schattenbestien verwandeln."
Er scheint nicht sehr erfreut über meine Aussage zu sein: "Ich bezweifle, dass du der Messias bist, für den du dich ausgibst." "Hast du eine bessere Alternative vorzuweisen?" "Du kannst mit deiner Scheinvernunft nicht die Finsternis verschleiern, die ich in dir spüre." "Und trotz all der Finsternis in mir kämpfe ich dennoch gegen die Lakaien dieses Eroberers. Meine Taten lügen nicht." "Deine Worte schon." "Wenn du meinen Worten nicht trauen kannst, dann meinen Taten." Er beäugt mich auf verdächtigende Weise: "Kämpfst du etwa gegen ihn, damit wir dich von dieser Finsternis befreien." "Nein, die Finsternis ist ein Teil meiner Persönlichkeit. Der wahre Grund ist einfach: Ich halte es für moralisch richtig." "Doch wie lange wirst du mit der Finsternis in dir daran glauben?", er kommt ein wenig näher: "Eines Tages wird die Finsternis in dir dich korrumpieren, wie so viele vor dir." "Ich kenne die Finsternis in mir gut genug, um das zu verhindern."
Für eine kurze Weile ist es still, wenn man von den üblichen Waldgeräuschen absieht. Mir ist dabei aufgefallen, dass er scheinbar nicht Midna bemerkt hat. Ich schaue mich um und finde heraus, dass sie nirgends zu sehen ist. „Sag mal…", unterbricht er die Stille: „Wird in Drangleic oder irgendeinem dir bekannten Königreich noch die Göttinen Din, Nayru und Farore angebetet?" Für einen Moment zögere ich, denn ich kann mich noch an mein erstes Leben erinnern, wo das Thema Religion sehr heikel sein kann. Dennoch muss ich irgendetwas antworten, bevor ich einen falschen Eindruck erwecke: „Es werden einige Göttinnen angebetet, doch keine von ihnen heißt Din, Nayru oder Farore." "Und was für einen Gott betest du an?" "Keinen!" "...Was?" "Hast du etwa eine erleichternde Antwort erwartet, als du mir diese Frage gestellt hast?" "Ich glaube kaum, dass du zu unseren goldenen Göttinnen so schnell konvertiert bist." "Habe ich auch nicht." "Also bist du ein Ketzer." Spannung beginnt sich in der Luft zu regen, also versuche ich zu entschärfen: "Nicht ganz. Ich glaube schon, dass die Götter jemals existiert haben. Doch die Geschichtsbücher erzählen von einem schrecklichen Fluch, der letztendlich alle Götter ausrottete. Seitdem ist die Menschheit auf sich gestellt."
"Nichts, was du von dir gibst, macht irgendeinen Sinn." "Ich kenne dieses Gefühl, seit ich hier angekommen bin. Seit ich hier bin, entstehen kontinuierlich mehr Fragen als Antworten." Nach diesen Worten fällt mir eine Frage ein: "Sag mir, hast du kurz vor meiner Ankunft irgendetwas getan, was erklären würde, warum ich überhaupt hier bin?" "Nein, nichts fällt mir ein." "Kennst du Jemanden, der zu sowas in der Lage wäre?" "Mir fällt nur einer ein: Der, welcher für diese finsteren Zeiten verantwortlich ist." Welch Ironie. Ich mache dem Lichtgeist einen Vorschlag: "Hör mir zu, Lichtgeist Faron: Es gibt sicher viele Geheimnisse, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die wir austauschen können, doch dafür würden wir Wochen brauchen und die Welt wird nicht für uns stillstehen." "Und genau deswegen zweifel ich, ob du der Richtige für diese Macht bist." "Im Augenblick können wir unsere Gesellschaft nicht aussuchen. Da wir beide dasselbe Ziel haben, wäre es das Beste, wenn wir kooperieren. Später können wir immer noch unsere Köpfe einschlagen." "Das ist leicht zu sagen, wenn man diese Macht hat." "Ist diese Macht so neu, dass ihr noch nicht die Zeit dazu hattet, Präventivmaßnahmen zu erfinden?" "Seit mehr als 100 Jahren steht ein großer Teil dieser dunklen Macht unter unserer Beobachtung, a..." "Wenn diese dunkle Macht wirklich seit so Langem in euren Händen liegt, habt ihr bestimmt mehrere Präventivmaßnahmen parat, von daher würde ich beim Missbrauch wahrscheinlich nicht viel ausrichten können." Seine Mimik zeigt nun unbedeckte Überraschung, bevor er sich zusammenreißt und mir eine Frage stellt: "Sag mal, wo hast du diese Denkweise gelernt?" "In einer Pilgerreise." Er schaut mich schief an: "Du hattest als Ungläubiger eine Pilgerreise?" "Es war nicht die konventionelle Art."
"Na schön, ich sage dir, wo du es finden kannst: Suche nach einem Tempel tief im Innern des Waldes. Dort findest das arme Wesen, dass durch diese Macht korrumpiert wurde. Erlöse es von seinem Leid." Bevor ich von ihn eine detailliertere Position des Tempels verlangen konnte, löste er sich mit einem grellen Leuchten umhüllt auf, dass die ganze Umgebung in grellem Weiß bedeckt. Als das Leuchten verschwindet, ist er nirgendwo zu sehen. Beim Umschauen sehe ich etwas, was ich überhaupt nicht erwartet habe: Diese Midna hat sich mit meinem Schatten auf eine Weise verbunden, dass ich ohne mein künstliches Auge nichts von ihr sehen würde. Hast du dich etwa vor ihm versteckt? Ich setze meine Maske wieder auf mein Gesicht, bevor ich mich in den verengten Pfad begebe.
Auf dem Weg dahin stelle ich mir eine Theorie auf, warum dieser Schattenkönig hinter Midna her ist, obgleich sie nichts für Hyrule übrighat: Sie hat die Fähigkeiten einer Meuchelmörderin und sie hat es auf ihn abgesehen hat. Angenommen, sie hat sich vor dem Lichtgeist in meinem Schatten versteckt und jener Lichtgeist hat sie nicht bemerkt, ist diese Schattenverbindung eine sehr praktische Methode, sich unbemerkt an das Opfer heranzuschleichen und zu ermorden, denn einen Angriff, den man nicht kommen sieht, kann man auch nicht effektiv abwehren. Der Nachteil ist allerding, dass man einen Schatten braucht. Bei genauerer Überlegung fällt mir ein, dass ich keinen Schatten im Zwielicht hatte, womit möglicherweise geklärt ist, was dieser Schattenkönig mit der Überdeckung Hyrules in Zwielicht eigentlich bezwecken wollte. Sollte diese dunkle Macht tatsächlich das sein, wonach sie sucht, nehme ich an, dass der Schattenkönig einen mir unbekannten Schutz vor solchen Hinterhalten besitzt, womit etwas mehr Kraft benötigt wird. Voraussetzung für diese Theorie ist, dass sie schon einmal versucht hat, ihn zu ermorden beziehungsweise er Zeuge ihrer Fähigkeiten wurde.
Als die Quelle außerhalb meiner Sichtweise ist, hebt sie sich von meinem Schatten ab, um vor meinem Gesicht zu schweben und mich mit einer Mischung aus Verärgerung und Verwirrung anzuschauen. Sie machte den Mund auf, um etwas zu sagen, nur um es sich dann anders zu überlegen. Stattdessen ergreife ich die Initiative: „Gib mir mein Buch. Je schneller wir diese dunkle Macht finden, desto besser." Aus dem Nichts holt sie das Buch voller Kartographen und lässt es vor meinen Augen fallen. Ich ergreife das Buch in der Luft und blättere so lange, bis ich einen Treffer lande: Faron-Wald. Da fallen mir zwei Eigenarten auf: Zum einen befindet sich das Zentrum auf einer Anhöhe, die am besten durch einen Tunnel erreicht werden kann, der zufällig mit dem Pfad, auf dem ich stehe, verbunden ist. Zum anderen ist in der Mitte eine von Schluchten umgebene Landsäule, die nur durch eine Landbrücke erreichbar ist.
Nachdem ich mir die Karte gemerkt habe, schloss ich das Buch und streckte es Midna zurück. Kaum mache ich mich auf dem Weg, höre ich sie sprechen: „Mal sehen, wie viel hinter deiner großen Klappe steckt." „Auf dasselbe wirst du…", plötzlich schnellt zwei Meter entfernt aus dem Boden ein etwas Blaues heraus. Eine Art fleischfressende, bis zu meinen Schultern aufragende Pflanze mit einem schalenförmigen Kopf, der sich in der Mitte zu einem grausigen lilafarbenen Maul öffnet. Im Maul liegt außer einem Rachen eine große, lange Zunge, die von gelbgrünem Schleim, vermutlich giftig, überdeckt ist. Der Rand ist bis auf das Geruchsorgan in der Mitte auf der oberen Seite vollbesetzt von langen, aber dünnen Zähnen und der bewegliche Stamm reicht bis zum Boden, wo es zwischen den vermutlich zur Tarnung dienenden Blättern verschwindet.
Während es seinen Schleim mit dem Hin- und Herschwingen seiner Zunge an seine Umgebung verteilt, überlege ich zwischen Klinge und Armbrust. Meine Wahl fällt auf Klinge. Ich ziehe meine zerbrochene Klinge und stürme voran. Die Pflanze holt nach hinten aus, bevor sie ihren Kopf um 90 Grad dreht und zum Biss ausholt. Ich lege mich während meine Sprint sofort hin, womit ich zum einen den Biss ausweiche, zum anderen in Richtung Stamm schlittere, um es mit einem sauberen Schnitt abzutrennen. Mit einem Blick nach hinten sehe ich, wie der Kopf nicht nur leblos auf den Boden liegt, sondern auch überraschend schnell verschrumpelt.
In einiger Entfernung vor mir sehe ich die Spitze der Schale einer weiteren fleischfressenden Pflanze aus den Boden herausragen, die von ihren Tarnblättern umgeben ist. Ich ziehe meine Armbrust und drücke ab. Wie ein Blitz schnellt sie auf, nachdem der Bolzen gut sichtbar beide Seiten der Schale durchbohrt hat. Unerwarteterweise beginnt auch diese Pflanze zu verwelken, obgleich der Stamm nicht durchtrennt wurde, bis sie schließlich vertrocknet in aufrechter Position verharrt. Für fleischfressende Riesenpflanzen sind sie sehr fragil.
Während ich an dieser toten Pflanze vorbeilaufe, ziehe ich mit einer Hand den Bolzen vom leblosen Körper raus und lade meine Armbrust nach, bevor ich sie wegstecke. Von gefräßigen Oger zu fragilen fleischfressenden Pflanzen. Kein Wunder, dass kaum einer mit den Schattenbestien fertig wird, wenn die Natur nur sowas als Gefahr zu bieten hat.
So, nun wo es vollbracht ist, fühle ich mich etwas erleichtert. Die Dialoge sind für mich ziemlich schwer gewesen, denn es gibt ja so viel Hintergrundgeschichte, Inspirationsquellen und coole Einzeiler, dass es einen schwerfällt, eine begrenzte Zahl für einen Kapitel zu wählen.
Naja, bleibt nur noch zu hoffen, dass ich kein OOC-Verhalten eingefügt habe. Ansonsten bin ich mit meiner Arbeit zufrieden. Ich weiß, ich weiß, Eigenlob stinkt. :P
EDIT: Ich habe dieses Kapitel überarbeitet, da sich die Themen zu schnell wechselten, so dass es nicht natürlich wirkte.
Nächster Tipp: Kette und Haken für den tödlichsten Feind.
