Aaaaaaaaahhhhhh! Nach der Lautstärke zu urteilen ist die Quelle dieses Schreis ist nicht weit entfernt. Ich ziehe meine Armbrust heraus und renne aus der Höhle heraus. Dort sehe ich den Ursprung des Schreis: Ein Mann mit einer riesigen Lockenfrisur und einem lilanen Krug, der mit dem Rücken am Boden auf allen vieren liegt. Ich kann zwar außer der Lockenfrisur nicht viel von ihm sehen aber vermutlich schaut er auf einer dieser fleischfressenden Pflanzen, die sich direkt vor ihm ausgerichtet hat. Im Gegensatz zu den vorherigen seiner Art jedoch hat die Schale rot-schwarze Felder und die Zunge ist in einem Saphirblau gefärbt. Doch das macht für meinen Armbrustbolzen keinen Unterschied, welcher mit einer solchen Wucht die obere Hälfte der Schale trifft, dass nicht nur der Kopf nach hinten gerissen wird, sondern auch der Stängel reißt.

Als der Kopf des Mannes sich in meine Richtung dreht, sehe ich sein ganzes Äußeres. Seine Hose mit hell- und dunkelblauen Streifen wird von einem dicken weißen Leinentuch bedeckt, welcher durch einen gelben Gürtel zusammengeschnürt ist. An jenem Gürtel hängen Beutel unterschiedlicher Größen und Farben. Er trägt Sandalen an seinen Füßen und seinen Krug trägt er mit einem Seil als Halterung hinter seinem Rücken. Seine Augen sind grün und unter der Unterlippe hat er einen kurzen Bartwuchs. Beim näheren Betrachten bemerke ich, dass er auf seinem Lockenkopf ein Vogelnest trägt. An seiner rechten Hand trägt er einen Schlüssel und an seiner vermutlich den passenden Schloss. Links und rechts von ihm sind zwei Torhälften aus Holzbrettern, die mit Stämmen von abgeholzten Bäumen verbunden sind. Zusammen bilden sie eine Mauer mit Tor, welche den Durchgang für eine Höhle versperren. Außerdem sind zwei Eisenringe mit einem hohlen rechteckigen Auswuchs an den jeweiligen freien Rändern der Torhälften eingenagelt. Mit all diesen Informationen ist mir klar, was passiert ist: Dieser Mann war gerade in Begriff, das Tor zu verschließen, als er von dieser fleischfressenden Pflanze überrascht wurde.

"Danke, Freund." Ich lade meine Armbrust nach und stecke sie zurück: "Ist ein bisschen früh für diese Bezeichnung." Er kichert, bevor er anfängt aufzustehen: "Ja, da hast du wahrscheinlich Recht. Trotzdem danke." "Auf dem Weg zu ihm bemerke ich, dass zwischen uns auch eine Abbiegung nach links existiert. Dort sehe ich ein Holzhaus, das drumherum mit alllerlei Unrat versehen ist. "Sag mal, was ist denn so gefährliches in dieser Höhle, dass du das Tor versperren möchtest?" "Hinter dieser Höhle ist ein Wald. Normalerweise gibt es nicht wirklich einen Grund, dieses Tor abzusperren, doch in letzter treiben sich hier viel mehr Monster herum. Außerdem hat sich ein Giftnebel in diesem Wald verbreitet, dessen Ursprung ich nicht verstehe." Zum Glück habe ich ein wenig Moos bei mir. "Wie ist dein Name?", frage ich ihn. "Coro. Deiner?", antwortet er, bevor er anfängt, das Tor zu verschließen. "Kane, und du solltest..." Mein Satz wird von einem Rascheln unterbrochen. Ein Blick zeigt mir das Ursprung des Raschelns, welches hinter dem Tor auf dem Boden liegt: Die lose Hälfte der Pflanze, die sich eigentlich nicht rühren sollte, sich aber dennoch mit aufgespreizten Maul in unsere Richtung entlangschlängelt.

Während ich meine zerbrochene Klinge herausziehe und in Kampfstellung gehe, tretet Coro vor Furcht ein paar Schritte zurück. "Das gibt es nicht!", ist seine Antwort. "Scheinbar schon!", erwidere ich, bevor mich die Pflanze plötzlich anspringt. Ich weiche mit einen Schritt zur Seite aus, während ich meinen Schwertgriff zur Hinterhand wechsle und meinen Arm vor der Flugrichtung der Pflanze positioniere. Als die Pflanze mit meiner Klinge kollidiert, schiebe ich meinen Arm nach vorne und gebe der Klinge in meiner Hand die Kraft, durch die gezackten Zähne, die giftige Zunge und letztendlich die Verbindungen der beiden Schalen der Pflanze zu schneiden. Coro scheint von den zwei Hälften der Pflanzen, die neben ihm auf den Boden fallen, angeekelt zu sein, bevor er sich mir zuwendet.

"Ich muss mich nochmal bei dir bedanken", er wendet sich zur Pflanzenleiche: "Das ist das erste Mal, dass ich diese Baba-Schlangen sehe." Was für ein seltsamer Name. Jetzt, wo dieses Ereignis erledigt ist, begebe ich mich in die Höhle. "Warte!", höre ich Coro von hinten rufen. "Was ist?" "Du willst wirklich dorthin, obgleich ich dir erzählt habe, was dort hinten lauert?" "Ja!" Seine Miene wird ernst: "Dann komm erstmal zu meinem Grundstück. Ich kann dich nicht einfach ohne Lampe dahinziehen lassen." Was bringt mir eine Laterne?

Als er die Abbiegung zum Holzhaus nimmt, wird mir klar, dass es sein Holzhaus ist. In der Nähe des Hauses, zwischen einem kniehohen Felsen und einen Lagerfeuer, hebt er eine mir unbekannte Apparatur auf. Von oben nach unten betrachtet, besteht diese Apparatur aus einem Lederriemen, einer umgedrehten Schale, ein seltsam geformtes Eisen mit 3 U-förmigen Löchern, welches bis auf einer Spitze in der Mitte innen hohl ist und einen Boden mit mehreren rechteckigen Löchern auf der oberen Hälfte. Er nimmt mit einer Hand den Riemen seines Beutels und nimmt ihn vom Rücken herunter, um den Deckel zu öffnen. Er setzt die Öffnung in den Hohlkörper der Apparatur und eine zähflüssige, durchsichtige Flüssigkeit kommt heraus. Öl! Er nimmt einen brennenden Ast vom Lagerfeuer und zündet die mit Öl bedeckte Spitze an. "Bitte sehr!", er überreicht mir die Laterne.

Sie inspizierend, denke ich über die Nützlichkeit meines neuen Werkzeugs nach. Zwar kann ich die Laterne mit dem Riemen an meinem Hüftgurt befestigen, jedoch könnte ich mich bei einem Ausweichmanöver selbst mit Öl übergießen und Feuer fangen, weshalb ich nicht viel Nutzen in meinem Fall sehe. Doch dann sehe ich etwas am Boden der Spitze, dass mich zum Grübeln bringt: Ritzen. In diesen Ritzen fließt das Öl, bis nur noch eine dünne Schicht übrig ist. Ich richte meinen Blick auf den Boden der Laterne und erkenne einen weiteren Mechanismus: Der Boden ist ausdrehbar. Vom Rest der Lampe abgetrennt, sehe ich das Öl in dem Boden, welcher durch ein mit den Ritzen verbundenes Rohr dort angekommen ist. Ich bin erstaunt, dass sie bei einer solchen Kleinigkeit so fortgeschritten sind, was man in den eigentlich wichtigeren Bereichen schwer sagen kann. Das Öl, welches nicht heruntergeflossen ist, ist mit seiner Zähflüssigkeit zu gering, um selbst bei heftigen Bewegungen aus den Öffnungen zu fließen. Um trotz der geringen Ölmenge eine gut leuchtende Flamme zu kriegen, sind diese rechteckigen Löcher angebracht, damit die Flamme gut von allen Seiten belüftet wird.

"Danke!", erwidere ich. "Es gibt nichts zu danken. Du hast mich schließlich aus dieser schlimmen Lage gerettet." Er nimmt hinter den Felsen etwas heraus. Als es in Sichtweite ist, stellt es sich als eine mit Öl gefüllte und mit einem Korken geschlossene kugelförmige Flasche heraus. "Nimm auch das hier.", er überreicht mir die Flasche, "Siehe es als Eröffnungsrabatt an. Beim nächsten Mal gibt es aber das Öl nicht mehr umsonst." "Danke.", mein Blick fängt etwas von Interesse unter all dem Unrat: "Was ist mit diesen Sachen hier?". Ich zeige auf einen Haufen voller Unrat, wo ich einen Haken und eine Eisenkette erblickt habe. "Wenn du genug Rubine hast, kannst du nehmen, was du willst." "Wäre es nicht eine angemessene Bezahlung, wenn ich mich mit diesen Unrat um das Monsterproblem kümmere?" "Tut mir leid, aber ich leihe nichts. Außerdem kann es wohl kein Unrat sein, wenn es dir beim Monsterproblem helfen soll." "Und wieviel kostet es?" "Nimm die Sachen raus, die du haben willst und ich werde es dir sagen."

Beim Unrat angekommen, ducke ich mich, um scheinbar den Haken vom Boden aufzuheben. "Mein Rubin. Ich möchte ihn zurückhaben.", flüstere ich meinen Schatten zu, ohne dass Coro es bemerkt. Nach einem kurzen Moment kommt aus dem Schatten unauffällig eine schwarze Hand heraus, die meinen lilanen Rubin ausstreckt. Während ich meine rechte Hand um den Haken schmiege, nehme ich mit der linken Hand den Rubin und stecke es in einen meiner Beutel. Zuerst wickel ich die Kette von meiner rechten Schulter zu meiner linken Hüfte, bis es sich nicht mehr wickeln lässt. Dann nehme ich die Kette, fädel ein Teil um den Hakengriff und schließe mit einen Knoten ab. Zum Schluss ziehe ich Haken und Kette in zwei entgegengesetzte Richtungen, um die Stabilität zu prüfen. Es haltet den Test stand.

"Hey, was machst du da?", höre ich Coro von hinten rufen, "Mach die Sachen kaputt, nachdem du sie bezahlt hast." Als Antwort darauf werfe ich ihn etwas zu. "Jetzt reicht es aber. Warum wirfst du jetzt Sachen nach mi...", unterbricht er sich im Satz, da er erkannt hat, was ich ihn zugeworfen habe: In seiner Hand liegt der lilane Rubin, den er rechtzeitig im Flug fangen konnte. "Reicht das?", frage ich ihn. Er schaut mich ungläubig an: "Reicht das?! Für manche Leute ist das ein Wochengehalt! Das ist viel mehr wert als das, was du an dir genommen hast." "Siehe es dann als Vorschuss für die Zukunft an." "Für was?" Das weiß ich noch nicht, aber es ist oft von Vorteil, wenn jemand anderes mir etwas schuldig ist. Ich ignoriere seine Frage: "Jedenfalls wird es langsam Zeit, dass ich um das Problem kümmere." Er hat das nicht wirklich gut aufgenommen: "Weiche nicht vom Thema ab!" "Beim nächsten Mal kriegst du deine Antwort." Dieses Mal scheint es ihm zu genügen: "Gut, dann bis später." "Mögen unsere Wege wieder kreuzen."

Kaum bin ich 100 Meter in die Höhle marschiert, schon ist es fast stockfinster. Wenn man den Winkel der Sonne mit einberechnet, scheint es zwar nicht verwunderlich zu sein. Dennoch ist es gefährlich, kaum was sehen zu können. Da kommt diese Lampe wohl zur rechten Zeit zum Einsatz. Auf dem Weg sehe ich mehrere Vasen und Behälter, von denen manche durch dicke Spinnenfäden in der Luft festgehalten werden, jedoch sehe ich nirgendwo eine Spinne, die derartiges bewerkstelligen könnte. Weiter hinten sehe ich dann etwas, was mich vorsichtig werden lässt: Ein riesiges Spinnennetz, welches den gesamten Weg komplett versperrt. Zwar kann ich es zerreißen, doch die Fäden würden an meinen Händen kleben. Dann höre ich etwas, was ich nicht erhofft habe: Flügelschwingen, die hinter mir näher und näher kommen. Beim Umdrehen sehe ich aus meinen oberen Augenwinkel einen fast kniehohen Flughund, welches mit seinen spitzen Hakenschwanz direkt auf mein Gesicht zurast.

Als er nur noch einen Oberarm von mir entfernt ist, winkle ich meinen linken Arm, sodass ich seinen Körper von hinten greifen kann. Zwischen meinen Griff vor Schreck quietschend, wische ich mit ihm wie ein Besen das Spinnnennetz weg, damit für mich eine Lücke entsteht, ohne dass ich das Netz je berührt habe. Dabei merke ich, dass etwas mit der Decke nicht stimmt. Es ist, als ob ab einer bestimmten Linie es zwei unterschiedlich Hälften der Decke gibt, die nicht zusammengehören. Auf einmal erscheint aus der Decke ein Auge heraus, dann zwei, fünf, acht. Ich versuche, meine Armbrust rauszuholen, doch bevor ich den Griff berühren konnte, fällt diese Decke mit Augen herunter und aus den Augen werden zwei Klauen mit einer grünen Flüssigkeit. Ich mache einen Ausweichschritt nach hinten und werfe diesen Flughund weg.

Ich dachte mir bei dem Netz schon, dass es eine ziemlich große Spinne sein muss, jedoch habe ich nicht erwartet, dass sich die Farbe des Chitinpanzers dermaßen gut an die Umgebung angepasst hat, besonders bei einer so dunklen Höhle, wo man eine solche Spinne ohne eine Lichtquelle nicht bemerken würde, auch ohne die Tarnfarbe. Anscheinend ist die gefährliche Seite der Natur in dieser Welt eher hinterhältig als brutal. Ich muss immer wachsam sein. Alle Augen sind auf mich gerichtet, als die Spinne sich drohend aufbäumt und die mit Gift versehenen Kiefer zeigt.

Die natürlichen Gefahren scheinen zwar hinterhältig zu sein, aber es mangelt Ihnen an Aggressivität, um für mich eine ernsthafte Bedrohung zu sein. Wenn sie mir nach ihrem Üerraschungsangriff so viel Zeit für einen gezielten Schuss geben, erledigt die Armbrust für mich das Töten, ohne dass ich mich in Gefahr begeben müsste. Dennoch muss ich immer auf der Hut sein, denn einen Angriff, den ich nicht kommen sehe, kann ich nicht abwehren.

Glücklicherweise liegt die Spinne auf ihrem Rücken, so dass der Bolzenstiel, welcher unter ihrem Gesicht liegt, sichtbar herausragt. Meinen Fuß auf den toten Körper setzend, ziehe ich den Bolzen heraus und lade nach. "Ich will dir ja nichts vorschreiben, aber warum benutzt du gerade nur deine Armbrust? Du könntest sie schneller im Nahkampf erledigen." "Ich unterschätze nie meine Feinde." "Sehr löblich, aber etwas übertrieben für solche primitiven Wesen." "Egal ob primitiv oder nicht: Wenn es gerissen genug ist, sich an die passende Umgebung tarnen zu können, hat es sicher auch weitere Asse im Ärmel." "Und anhand einer Vermutung wirst du jetzt so paranoid?" "Hast du nicht diese giftige Flüssigkeit am Kiefer gesehen?" "Und du hast kein Gegengift?" "Doch aber nur eine begrenzte Menge." "Habe mich schon gewundert, was du gegen das Giftgas tun willst." "Schön, dass du dir Gedanken machst." "Werde nicht überheblich! Ich bin nur an diese Macht interessiert. Vergiss das nicht." "Ich habe schon seit einer langen Zeit nicht mehr was vergessen. Doch wenn mein Teil der Abmachung erfüllt ist, erwarte ich von dir dieselbe Aufopferung." "Glaub mir: Ich halte meine Versprechen. Wo wir gerade schon dabei sind: Warum hast du diesen Ramsch gekauft?"

Ich brauch nicht lange überlegen, um zu wissen, was sie als Ramsch bezeichnet: Die Kette, welche ich um meine linke Schulter und über meiner rechten Seite meiner Hüfte gewickelt habe, sowie der Haken, den ich mit der Kette per Knoten verbunden habe und deren Spitze sich an einem Kettenring festgehakt hat. "Da ich nicht schweben kann, brauche ich andere Methoden um mich vor tiefen Stürzen zu sichern." "Wenn man gut aufpasst, fällt man auch nicht." "Große Worte für jemanden, der sich darum keine Sorgen machen muss." "Hmpf. Jeder kann mit Leichtigkeit schweben, wenn man sich in den Magiekünsten des Zwielichts auskennt." "Was ist denn nicht mit Leichtigkeit erreichbar, wenn man weiß, wie es geht?" "Jetzt wird es langsam öde. Konzentriere dich jetzt auf dein Ziel.", endet sie das Gespräch, bevor sie sich in meinen Schatten zurückzieht.

Und so endet dieses Kapitel.

Ich hätte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass mein Kapitel so enden würde. Ursprünglich hatte ich im Kopf, dass der Kane diesen Flughund erst wegwirft, dann beim Spinnennetz einfach mit beiden Händen ein Loch reißt und das klebende Netz um seine Hand wickelt, damit es ihn nicht hindert, nur um zum Schluss den erneut angreifenden Flughund in seiner Hand zu zerquetschen.

Doch dann empfand ich, dass es nicht zu ihm passt. Kane ist zwar stark, aber er wägt eher seine Situation und nutzt sie aus, als sich nur auf rohe Gewalt zu verlassen. Auch gibt es eine andere Charakteristik, die ich im nächsten oder übernächsten Kapitel erwähnen werde.

Ich hätte dieses Kapitel eine Woche früher abgeschlossen, wenn ich nicht vor drei Wochen "Nioh" gekauft und angefangen hätte. Ich liebe Nioh und spiele es auch heute noch mit viel Freude. Deswegen bin ich ein wenig traurig, dass es kaum bis gar keine Fanfiction über dieses Spiel gibt. Ich hoffe, dass ich eines Tages ein Crossover zwischen Nioh und einem anderen Spiel/Anime/Film(z.B. Re: Zero) lesen werde. Ich würde es gerne selbst machen, aber ich möchte mich lieber darauf konzentrieren, nur eine Fanfiction zu machen, damit ich sie auch komplett machen kann.

Aber genug davon, kommen wir zu dem Tipp: Alles kann eine Waffe sein, nur ist die Hälfte davon den eigenen Fäusten unterlegen.