Nachdem ich das andere Ende der Höhle erreicht habe, erstreckt sich vor mir ein großes Stück Wald, welches zum großen Teil von einem lilanen Gas umhüllt ist. Dessen Ausbreitung ist kreisförmig, womit der Ursprung höchstwahrscheinlich in der Mitte ist. Von dem verdorrten Zustand der unteren Hälfte der Bäume, die im Kontakt mit dem Gas stehen, sieht man, dass es etwas unnatürliches ist. Eine andere Auffälligkeit sind die gasfreien Lücken, die es eigentlich nicht geben soll. An diesen Lücken schafft es das Licht, durch die Baumkronen zu kommen, worauf ich vermute, dass das Gas das Licht meidet. Zur Überprüfung nähere ich mich dem Gas mit meiner brennenden Lampe. Und tatsächlich: Das Gas entfernt sich von mir auf eine gewisse Distanz von drei Metern.
"Midna, bist du im Schatten vor dem Gift geschützt?" "Ja. Frag besser nicht, es würde zu lange dauern, dir das zu erklären." "Ich weiß schon, was Hexereien sind." "Das ist Schattenmagie, keine Hexerei. Was auch immer das sein soll." "Hexereien sind alle Magien auf der Grundlage des Elements der Dunkelheit." "Aha, schön für dich." "Nun, solange das stimmt, was du mir gesagt hast, können wir unbeirrt fortfahren." "Bewege dich einfach!"
Mit der Lampe an meinem Gurt, zerbrochener Klinge in meiner Rechten und Haken in meiner Linken bewege ich mich durch das Gas hindurch. Der Boden unter mir ist voller verdorrter, braunfarbene Gräser und selbst die fleischfressenden Pflanzen liegen verrottet auf dem Boden. Da keine Verletzungsspuren vorhanden sind, nehme ich an, dass das Gift sie ausgelöscht hat.
Ich bin nur noch ungefähr fünfzig Meter vom Zentrum entfernt, als ich ein Schmatzgeräusch höre. Ich nähere mich behutsam den Ursprung des Geräusches und höre nun auch ein Rascheln. Beide Geräusche scheinen vom Zentrum zu kommen. Nach einer kurzen Weile sehe ich einen schwachen Umriss von etwas mit der Form einer fast menschengroßen Vase, als das Rascheln verstummt und nur die Schmatzgeräusche übrig bleiben. Ich bewege mich keinen Stück, mache keinen Mucks und konzentriere meine Sinne aufs Schärfste. Was auch immer das ist, es hat mich möglicherweise entdeckt.
Einige Sekunden vergehen, ohne dass etwas passiert. Ich bewege mich langsam vorwärts, immer darauf bedacht, so zu stehen, dass ich jederzeit ausweichen kann. Der Umriss nimmt mehr und mehr Form an. Das obere Ende sind in Wirklichkeit mit Blut gefärbte Zähne, die auf einer gelblichen, fast kniehohen Scheibe liegen. Der restliche Teil darunter ist holzfarben und außer dem oberen Ende kugelförmig. Da sich die wenigen Zähne horizontal angeordnet sind und dieses Wesen das Gas von oben aussondert, befindet sich das Maul mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit oben in der Mitte.
Doch hinter diesem Wesen sehe ich noch etwas, welches durch das Gas nur als Silhouette zu sehen ist. Es sieht aus wie eine fast haushohe Wirbelsäule mit einem Topf inklusive Deckel am oberen Ende. Doch als Topf und Deckel sich von meiner Richtung aus trennen und sich wieder zusammenfügen und dadurch dieses Schmatzgeräusch entsteht, hat sich dieses Ding im Hintergrund als weiteres Maul verraten.
Ich bin nur noch fünf Meter von diesem Wesen entfernt, als sich dieses andere Maul von dem dichten Gas des ersteren Mauls hervorscheint und sich vor mir in all seiner Pracht offenbart. Der Kopf ist eine rotviolett gefärbte Mischung aus fleischfressender Pflanze und einem Pelikanmaul, welches mit goldfarbenen Linien bestückt ist, die wie Streifen angeordnet sind und seitlich an den Mundenden förmlich in ein Schneckenhaus übergehen. Die Wirbelsäule ist in Wirklichkeit ein dicker Zweighals mit Dornen in regelmäßigen Abständen.
Es stellt sich über das erste Maul, als es sein Maul öffnet und unkenntliche Kadaver voller Löcher hineinschüttet, woraufhin sich die Scheibe, was wahrscheinlich die Lippe ist sich in die Mitte stark zusammenzieht, sodass sich die Zähne berühren obgleich der Abstand vorhin fast eine halbe Armlänge war. Das zweite Maul öffnet sich ein wenig, um mit seinem Geruchsorgan zu schnüffeln, während es unabsichtlich seine Zähne offenbart. Entweder werde ich jetzt bemerkt oder es bemerkt mich gar nicht mehr, bis es zu spät ist. Unglücklicherweise scheint es Ersteres zu sein, denn es dreht sich in meine Richtung zu und bäumt sich auf, wahrscheinlich eine Art Drohgebärde. Der Höhe nach zu urteilen, hat dieses zweite Maul mit seinem Zweighals eine Länge von vier Metern.
Glücklicherweise habe ich einen Vorteil in Reichweite. Wieder einmal ziehe ich meine Armbrust, doch dieses Mal passiert etwas anderes: Das zweite Maul, auf das ich ziele, versteckt sich hinter dem runden Hauptkörper, um aus meiner Schusslinie zu fliehen. Wie ist das möglich? Dann wird mir klar, welchen Fehler ich gemacht habe: Der Bolzen ist vom Blut und den giftigen Sekreten seiner Opfer verschmutzt.
Ich mache einen Bogen um dieses Wesen, um zu sehen, wo die andere Seite dieses Zweighals ist, als ich das Knirschen von Holz höre. Noch mehr Hinterhalte?! Von der Seite sehe ich, wie die andere Seite des ausgestreckt vor mir liegenden Zweighals mit dem Hauptkörper verbunden ist, doch das zweite Maul ist hinter dem Giftgas nicht zu sehen. Lediglich das Knirschen von Holz lässt mich erahnen, was es vorhaben könnte. Da es die Funktion meiner Armbrust kennt, ist es gut möglich, dass es Gegenmaßnahmen ergreift, weswegen ich meine Armbrust zurückstecke und wieder meinen Haken ergreife.
Gleich darauf folgt die Bestätigung meiner Theorie, denn das zweite Maul kehrt mit einem riesigen vermoderten Baumstamm zwischen den Zähnen aus dem Nebel zurück. Ich kann das Maul nicht einmal sehen, so dick ist der Baumstamm. Es haltet den Stamm aufrecht, um mit einem vertikalen Angriff zu beginnen. Der Stamm selbst ist nicht schwer auszuweichen, doch die Äste am Ende des Stammes sind sehr dicht aneinandergereiht und können beim Aufprall zerbrechen, womit ich auf Splitter achten muss. Doch es gibt Gesetze auf der Welt, die man nicht zerrütten kann. Und eines davon ist die Regel, dass bei einer kreisartigen Bewegung von etwas der Aufprallpunkt dort am stärksten wirkt, wo die Entfernung zum Drehpunkt am Größten ist.
Schlussfolgernd ist der Aufprallpunkt am Drehpunkt am schwächsten, also renne ich direkt auf ihn zu. Ich ducke mich, damit der Baumstamm mich nicht berührt und rolle, um nicht an Geschwindigkeit einzubüßen. Gleichzeitig entferne ich mich weiter vom stärksten Aufprallpunkt, welcher Dreck und Splitter umherwirft. Während es versucht, den Stamm nach diesem heftigen Schlag wieder hochzuheben, stehe ich schon unter dem zweiten Maul.
Es ist zu weit oben, als dass ich es mit meiner Klinge treffen könnte, also werfe ich meinen Haken in die Lücke zwischen den beiden Zahnreihen und dem Baumstamm, sodass es sich im Maul verhakt, und ziehe die Kette nach unten. Es versucht, in die andere Richtung zu ziehen, doch das Gewicht des Baumstamms in seinem Maul ist auf meiner Seite. Als es nach einigem Ziehen auf meiner Augenhöhe steht, steche ich mit der Klinge in der rechten Hand mehrere Male auf die harte Verbindung zwischen Zweighals und Maul ein. Als Reaktion darauf windet es sich in Schmerz, entkommt jedoch meinen eisernen Griff nicht. Dies ist jedoch vorbei, als es den Stamm loslässt.
Dann kann selbst das Gewicht meiner Rüstung nicht verhindern, dass mir der Boden von den Füßen weggezogen wird. Da ich gerade keinen Halt habe, versuche ich, mich an der Kette Stück für Stück hochzuhieven, damit ich das Abstechen fortsetzen kann. "Baum!", höre ich Midna rufen, während ich mich hochziehe. Beim Umschauen sehe ich den von ihr erwähnten Baum, auf den ich zufliege und mit dessen Stamm ich kollidieren würde. Stattdessen seile ich mich ab und bereite mich auf den Aufprall mit den Boden vor. Ich stecke meine Klinge ein und tue meine Arme um meinen Kopf, sodass meine Arme den Großteil des Aufpralls abfangen, während ich mich durch die fortsetzende Bewegung ständig drehe, bis die Kette wieder angespannt ist und ich wieder in der Luft bin. In der Mitte der Kette kommt es zum Aufprall mit dem Baum, wodurch sich auf meiner Seite die Kette um den Baum wickelt.
Ich werde einmal um den Baum gedreht, bis ich an der Seite des Baumstamms Halt finde, wo die Kette angefangen hat, sich um den Baum zu wickeln. Ich ziehe mein Katana mitsamt Schwertscheide aus meinem Gurt raus und ramme es in die Lücke des Kettenrings am Ende der Kette, welches ich in der Hand halte, sowie in einen Kettenring, wo sich die Kette angefangen hat zu wickeln. Danach spüre ich wieder, wie die Gravitation mich herunterzieht. Auf den Boden abrollend sehe und höre ich, wie das andere Maul vergeblich versucht, sich von der Kette herauszureißen. Stattdessen gräbt sich dieser stumpfe Haken ins Fleisch rein, während mein Katana die Kette festhält. Du kannst ziehen wie du willst: Eine Schwertscheide aus verstärkten Magnetstein wirst du nicht so leicht zertrümmern. Mit meinen zerbrochen Schwert in meiner rechten Hand renne ich auf das andere Maul zu, um es zu Ende zu bringen.
Um jedoch nah genug an die verletzte Verbindung ranzukommen, muss ich zu ihm hochkommen. Ich springe und greife mit meinen Händen nach der Kette, um mich hochzuziehen. Danach sind es nur ein paar Schritte und ein Sprung, bis ich nah genug bin, um nach den Zweighals zu greifen. Das andere Maul macht es mir auch ziemlich leicht, indem es nicht aufhört, an der Kette zu ziehen, womit sie schön straff bleibt und es mir ermöglicht, meinen Plan auszuführen: Ich klammere mich mit meinen freien Gliedmaßen fest um den Zweighals, während ich mit meiner Klinge die verwundete Stelle weiter bearbeite. Es windet sich, als würde sein Leben davon abhängen - was eigentlich auch stimmt - , doch ich habe immer noch einen eisernen Griff und Gravitation wird mich diesmal nicht daran hindern, es zu Ende zu bringen.
Es wirft sich nach links, nach recht, zum Himmel hinauf, mit Krach zum Boden, dreht sich und schwenkt sich, doch am Ende ist mit diesem einen Hieb, der das letzte Stück der Verbindung abtrennt, der Kampf entschieden. Ich falle mitsamt dem Zweighals zu Boden und dämpfe den Sturz durch eine Rolle ab. Während das andere Maul verrottet, zuckt der Zweighals, als würde es nicht einsehen wollen, was passiert ist. Das erste Maul hingegen, welches immer noch geschlossen ist, öffnet sich, soweit es kann, um noch viel mehr Gift auszusetzen. Vergebens, denn ich habe immer noch meine Lampe dabei.
Zuerst hole ich mein Katana und meine Kette mitsamt Haken zurück. Dann komme ich mit der Klinge in meiner Hand vorsichtig näher. Drei Meter vom Hauptkörper entfernt, sehe ich unter mir einer der Wurzeln jenes Hauptkörpers, auf die ich sofort einsteche. Heraus kommt eine lilane Flüssigkeit, welche den schon verrottenden Boden noch mehr auslaugt, sodass nur noch vertrocknete Erde übrig bleibt. Wenn ich also so weitermache, wird ein gutes Stück Wald nur noch Ödland sein. Stattdessen probiere ich etwas anderes: Ich gieße ein wenig Öl über die giftige Flüssigkeit und setze es mit meiner Lampe in Brand.
Das Ergebnis ist erstaunlich: Das Feuer breite sich über der giftigen Flüssigkeit aus, als wäre es getrocknetes Stroh. Nach kurzer Zeit jedoch erlischt das Feuer in einem Zischen rasant und übrig bleibt nur noch Wasser. "Interessante Idee mit dem Feuer, aber das nächste Mal denkst du auch daran, dass du mit solchen Experimenten einen Waldbrand hättest auslösen können." Ich drehe meinen Kopf nach hinten, um ihr in die Augen zu schauen. "Dieses Stück Wald hier ist fast komplett verrottet. Das Feuer wäre nie weit gekommen, selbst wenn es nicht durch das Wasser gelöscht wäre. Wo wir von Wasser sprechen...", ich schaue zurück auf die Brandstelle: "Das ist das erste Mal, dass ich sehe, wie die Finsternis Wasser korrumpiert." "Heh. Ihr Menschen glaubt auch, dass alles, was ihr nicht kennt, finstere Magie ist, anstatt der Sache auf den Grund zu gehen." "Dann leuchte mich auf." "Du liegst nicht ganz falsch mit der Finsternis, denn dieses Wesen wurde von ihr korrumpiert. Jedoch ist das Gift keine Finsternis, sondern ein Produkt der Veränderung des Wesens."
"Eine Finsternis, die ein Wesen von Grund auf verändern kann. Das kommt mir irgendwie bekannt vor", verhöre ich Midna indirekt, auch wenn ich erahne, dass es nicht ganz dasselbe ist. "Wage es nicht, seine unreine Finsternis mit der wahren Finsternis gleichzusetzen.", ihre Miene verzieht sich mit Hass: "Es ist nur ein Produkt eines machthungriger Para...". Sie haltet sich vor Schreck den Mund zu, doch dann ist es schon zu spät. Aus den wenigen Wörtern kann ich ein paar Schlüsse ziehen. 1.: Für diesen Thronräuber empfindet sie tatsächlich nur Abneigung, womit die Chance, dass sie einer seiner Spione ist, verschwindend gering ist 2.: Möglicherweise treibt Gier die Gier nach Macht diesen Thronräuber an, womit sich die Frage stellt, ob er auch nach dieser dunklen Macht sucht. 3.: Ihre Definition der Finsternis ist anders als meine, denn für mich ist die Finsternis die korrumpierte Dunkelheit."Kontrolliere deinen Hass. Unkontrollierte Emotionen machen einen verwundbar." Sie beißt sich auf die Lippe: "Ich weiß."
Ich bewege mich zum Hauptkörper, während ich etwas Öl in meinen Mund nehme. Beim Hauptkörper angekommen, schütte ich die Hälfte des Öls in meiner Flasche in das Maul, wobei ich darauf achte, den Rand zu streifen. Der Hauptkörper gröhnt, als würde es den Geschmack von Öl nicht mögen. Ich stecke die Flasche weg, nehme die Lampe raus und halte sie vor mir. Dann puste ich das Öl in meinem Mund durch die Flamme in der Lampe, wodurch ein Feuerstrahl entsteht. Jener Feuerstrahl berührt den mit Öl beschichteten Rand, entzündet das Öl und verursacht eine Kettenreaktion, in der der Hauptkörper anfängt, lichterloh zu brennen. Es brüllt in Verzweiflung über seinen qualvollen Tod, doch es ließ mir keine andere Wahl. Es hat Vorkehrungen getroffen, um länger am Leben zu bleiben, also muss es auch in Kauf nehmen, länger leiden zu müssen.
Durch das starke Feuer verschwindet das Gift, welches die Luft verpestet hat und ich kann wieder Dinge von Weitem sehen. Nach einmaligem Umsehen sehe ich auch mein Ziel: Eine Landbrücke, die zu einem verfallenen Tempel führt. Vor der Landbrücke wird die Sicht auf den Weg durch Hügel und Bäume versperrt, doch weiter rechts sehe ich einen Pfad, der mich dorthin führen könnte, wenn es eine Abbiegung nach links gibt. Ein letztes Mal schaue ich auf das zweite Maul, dass reglos im Boden liegt, um sicherzustellen, dass sie nicht wie die vorherige fleischfressende Pflanze weiter kampffähig ist. Da sie sich weiterhin nicht regt, widme ich mich wieder dem Pfad und lasse den verrottenden Wald hinter mir.
Ich hätte echt nicht gedacht, dass ich so viel Text für einen Kampf gegen eine Pflanze mit Doppelmaul brauchen würde. Ursprünglich wollte ich eigentlich einen Kampf weiter sein.
Egal, dann habe ich halt unabsichtlich einen Miniboss erschaffen. Könnte schlimmer sein.
Nochmal möchte ich fragen, ob es unter meinen Lesern welche gibt, die sich sehr gut im Zelda Universum auskennen, damit ich einen tieferen Blick in das Triforce und seine Träger bekommen kann.
Noch etwas: Ich werde nach jedem Kapitel ein altes überarbeiten, um mögliche Widersprüche zu beseitigen. Muss nichts Großes sein.
Auf zum nächsten Tipp: Das Blut der Narren, die ihren Platz nicht kennen.
