Der Pfad wurde immer enger, doch letztendlich führte er mich in ein großes Feld, der bis auf der linken Seite von Hügelwänden umgeben ist. Zu meiner Linke ist jedoch außer einem Pfad noch etwas Anderes, welches auf meine Aufmerksamkeit erregt: Zwei humanoide, blau-violette Wesen, die sich um ein verprügeltes Äffchen mit grauer Mähne und weißer Brustbehaarung versammelt haben. Beide Wesen haben einen abgemagerten Oberkörper, eine Gesichtsform wie das eines Gargoyles und Ohren, die fast einen halben Arm lang sind. Sie haben weiße, gewickelte Haare, die hinten mit einem Haarband zusammengeführt werden, grüne Augen und blaue Zungen. Ihre Kleidung beinhaltet lediglich eine kurze Lederhose mit Beutel, Ledersandalen und Stoffwickel um ihren Armen. Beide tragen ein langes, an der Spitze dreieckiges Holz mit gewickelten Stoff um den Griff, das zum Ende hin immer dicker wird und sich an einer Kante zu einem Stachel zuspitzt.

"Leckeres Fleisch. Stamm wird froh sein." "Erst weiden. Dann grillen. Dann würzen." Aus meinem Schatten höre ich eine mir bekannte Stimme: "Willst du nicht was dagegen tun?" Ich wende mich nicht von dem Spektakel ab. "Warum sollten nur Menschen Tiere jagen und ihr Fleisch essen?" "Nach Ihrem Aussehen zu urteilen glaube ich nicht, dass sie nur Tiere essen." Ich werfe einen Blick zu meinen Schatten: "Und du glaubst wirklich, ich urteile allein daran?" "Natürlich, ihr Menschen habt doch nie anders gehandelt. Immer wenn ihr etwas seht, was ihr nicht kennt..." "...reagieren wir mit einer Mischung aus Ekel, Neugier und Abscheu." "Wäre es nur das, wäre eure Torheit noch erträglich." Ich gebe ein kurzes Kichern von mir: "Musst ja wirklich verzweifelt sein, dass du dennoch mit einen Mensch zusammenarbeitest."

Der letzte Satz hat ihr gar nicht gefallen, doch ich kann jetzt nicht darüber denken, denn ich höre die Schritte von den zwei humanoiden Wesen näherkommen. Ich richte meinen Blick nach vorne und schaue die beiden an. "Schau mal. Verirrtes Menschlein." "Du hier? Alleine im Wald?" Ich sehe sie fragend an: "Braucht ihr was von mir?", doch sie ignorieren meine Frage. "So viel Zeug. Nicht viel darunter.", sagt der Linke. "Vielleicht verstecken. Wanst darunter.", sagt der Rechte, während er mir näherkommt: "Vielleicht fetter Adel. Nährt Stamm für Tage."

Beide Wesen heben ihre Waffen zu Augenhöhe, woraufhin ich mit meiner rechten Hand zu meiner Klinge greife und ihnen mit bierernster Stimme drohe: "Keinen Schritt weiter, oder ich schlage euch eure Rübe ab." Obwohl sie wie Kleinkinder reden, haben sie das Signal verstanden. Beide bleiben wie angewurzelt stehen und senken ihre Waffen auf Hüfthöhe. In dieser angespannten Situation verweilen wir 5 Sekunden lang, bevor ich mich umdrehe und verabschiede: "Lasst euch den Affen gut schmecken", während ich an ihnen vorbeigehe.

Weiter hinten sehe ich die Landbrücke, die zum Tempel führt. Etwas stimmt jedoch nicht: Vor dem Eingang sehe ich Rauchschwaden. Das allein wäre nicht so schlimm, wenn die beiden Humanoiden mir nicht mit dem Affen in der Hand folgen würden, stets darauf bedacht, einen gewissen Abstand zu halten. Lass mich raten: Zufälligerweise lebt der Stamm vor dem Eingang. "Ob es wirklich eine gute Idee ist, diesen Kreaturen deinen Rücken zu wenden?" "Nach den Geräusch ihrer Schritte zu urteilen sind beide drei Meter von mir entfernt, wobei der Eine auf meiner linken Seite den Affen hinter sich herumschleppt." Von meinen Schatten aus überprüft sie meine These, bevor sie mich wieder etwas flüstert: "Dennoch werden sie dir den Fluchtweg abschneiden, sollte dich bei der Feuerstelle dort nichts Gutes erwarten." "Zuerst muss etwas kommen, dass mich zwingt, meine anderen Waffen zu verwenden, bevor ich mir ernsthaft Sorgen darüber mache." "Werde nicht übermütig!" "Bin ich auch nicht." "OK..."

An der Mitte der Landbrücke stellt sich heraus, dass sich meine Befürchtungen bestätigt haben. Vor dem Eingang sind zwei Hand voll von den Typen hinter mir. Einige schnitzen ihre Holzwaffen mit einem spitzen, handgroßen Stein. Andere bereiten mit scharfen Steinen das Fleisch eines frisch geschlachteten, normal großen Wildschweins vor. In der Mitte des Lagerfeuers versucht ein Paar ihr möglichstes, die Flammen aufrecht zu erhalten. Doch von all diesen Humanoiden steht nur einer als etwas Besonderes heraus: Er trägt die Haut eines Fuchses als Kopfbedeckung und schleift einen alten, verschlissenen Krummsäbel mit sich herum, der höchstwahrscheinlich vor langer Zeit gestohlen wurde.

Am Eingang angekommen, spüre ich die Anspannung in der Luft, hervorgerufen durch all die argwöhnischen Blicke, die mir von allen Richtungen zugesendet werden. "Was wollen, Mensch?" "Ich vermute mal, dass du der Anführer bist." "Was wollen?", fragt er nochmal mit irritierter Stimme. Ich zeige auf den Eingang: "Ich will hier rein." Daraufhin antwortet er und seine Untergebenen mir mit einem hämischen Lachen. "Verschwinde, Mensch. Dies unser Heiligtum. Kein Mensch passieren." Ob es wohl mit dem korrumpierten Wesen zu tun hat? "Habt ihr etwa ein Problem dort drinnen?", bohre ich nach: "Ich könnte ja vielleicht helfen." Er richtet seinen Säbel in meine Richtung. "Du das Problem. Du Diener des Lichts. Du nur zerstören das neue Zeitalter!".

Wie auf ein Zeichen unterbrechen alle anderen Mitglieder des Stammes ihre Arbeit und fangen an, mich zu umstellen. In ihren Händen tragen sie entweder ihre Holzwaffen oder ihre als Werkzeug verwendeten Steine. "Und wer hat euch diesen Floh ins Ohr gesetzt?", versuche ich mich auf die diplomatische Weise aus der Zwickmühle zu kommen. "Er uns bedroht!", ruft einer der beiden, die mir zum Stamm gefolgt sind: "Er uns köpfen wollen!". "Aber auch nur,...", beginne ich, mich zu verteidigen, doch kaum habe ich den Satz beendet, da hat er schon mit seinem Säbel ausgeholt. Soviel zur Diplomatie.

Ich fange seinen Angriff mit einem Griff am Handgelenk ab, während meine linke Hand mit voller Wucht auf die Armbeuge schlägt. Das Geräusch von berstenden Knochen und seinen schmerzerfüllten Schrei erfüllt die Luft, gefolgt von dem Aufprall des Krummsäbels auf den Boden. Mich umsehend, erkenne ich einen Stichangriff von hinten, drehe mich zur Seite und schlage den Arm weg. Kurz darauf greife ich seine Kehle und drücke den Kehlkopf nach innen, während ich mit der anderen Hand nach meiner Armbrust greife. Einer der Holzwaffenträger von meiner linken Seite holt mit der Keilspitze vertikal aus, wird von mir mit meinen Arm zur Seite pariert und kriegt seinen Kollegen in meinen anderen Arm ins Gesicht geworfen.

Nun, da ich die Hand frei habe, greife ich nach meiner zerbrochenen Klinge, während ich einen Bolzen auf einen der Angreifer loslasse und seine nach vorne torkelnde Leiche mit einem Tritt von mir weg befördere. Ich stecke wieder meine Armbrust ein und zerschneide das Handgelenk eines Angreifers, der mich mit einer Steinspitze horizontal auszuweiden versuchte, um ihn dann meine Spitze unterhalb seines Kinns zu rammen. Von hinten möchte ein Anderer mich greifen, doch ich drehe mich schnell um und springe mit dem Knie voran auf ihn zu, begleitet von dem Geräusch des Berstens mehrerer Knochen beim Aufprall.

Zum ersten Mal seit meiner Ankunft in dieser Welt hole ich Eleum-Loyce aus ihrer Schwertscheide und ramme sie in das Herz eines Steinträgers, welcher kehrt machen wollte, ohne dabei ihre versteckte Kraft zu offenbaren. Er ist nicht der Einzige, der weglaufen möchte, denn mit Ausnahme des Anführers zögern die restlichen sieben. Doch als einer von ihnen zur Flucht in den Tempel setzen wollte, bemerkte es der Anführer, nun Krummsäbel in der gesunden Hand, und machte ihn einen Kopf kürzer. "Will noch fliehen?!", brüllt er den Verbliebenen zu. Wie durch einen Schalter fassen die Verbliebenen ihren Mut wieder und versuchen, mich wieder zu umkreisen.

Der Unterschied ist der, dass der Anführer aufgrund seiner Machtprobe ihnen allen eine Schwäche verliehen hat: Abhängigkeit. Sie können ihren Mut nur so lange aufrechterhalten, wie der Anführer lebt. Fällt der Anführer, fällt auch die Moral seiner Anhänger und ich kann ungehindert meine Ziele fortsetzen. Ich lasse sie mich umkreisen, sodass nur noch zwei von ihnen zwischen mir und den Anführer stehen. Ich schaue dabei absichtlich öfter in die entgegengesetzte Richtung, um die beiden lebenden Hindernisse zum Angriff zu verlocken. Wie ein Fisch, der ein Mahl sieht, schluckt einer von beiden den Köder und duckt sich, um mit seiner Holzwaffe auf mein Bein zu zielen.

Ich springe über die Klinge nach hinten und drehe mich um, auf den Anführer rennend. Das zweite Hindernis möchte ausholen und bekommt stattdessen von mir einen dermaßen starken Kinnhaken, dass er direkt auf den Anführer landet und ihn unfreiwillig zu Boden wirft. Bevor er vollständig umgefallen ist, habe ich schon die Distanz zwischen ihn und mir überwunden. Ich wechsle meine Waffen auf Rückhand, springe und ramme jeweils eine Klinge auf die beiden Liegenden. Dann ziehe ich Eleum Loyce raus, trenne den Hals des Anführers durch und werfe seinen Kopf mit meiner anderen Klinge in vor die Füße der Verbliebenen.

"Also...", beginne ich zu sprechen: "Versuchen wir es nochmal mit Diplomatie. Wer ist jetzt der Nachfolger?". Die Hälfte von Ihnen versucht zu fliehen, doch ein Bolzen in die Brust des Schnellsten bringt sie sofort zum Anhalten. "Wer hat euch gesagt, dass ihr gehen könnt?", frage ich sie, während ich meine Armbrust nachlade. "Noch einmal: Wer ist jetzt der Nachfolger?" Der Zweite von rechts setzt ein paar Schritte vor. "Ich nun Häuptling" "Gratuliere! Jetzt bring mich ins Zentrum des Heiligtums" "Das ist nicht für Menschenabschaum wie du bestim..." Mit einem Loch in der linken Kopfseite fällt er zuckend zu Boden. In den Gesichtern der Restlichen macht sich Verzweiflung breit, einer heult sogar. Einige von ihnen schauen nach hinten, der Gedanke nach Flucht noch nicht ausradiert, doch nur das Zielen meiner Armbrust reicht aus, um sie eines Besseren zu belehren. "Wer ist jetzt der Nachfolger?"

Sie zögern, vermutlich aufgrund der Schicksale von Ihren vorherigen Anführern. Auch ich bin angespannt, jedoch liegt es mehr an den Schatten, der sich hinter mir gebildet hat als an die Spannung in der Luft. "Was machst du da? Geh einfach in den Tempel rein." "Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass sie keine Fallen in ihrem Heiligtum gestellt haben." "Bei deinem Verhör wird sich nur die Anzahl der Leichen ändern." "Ich versuche es noch einmal. Danach befolge ich deinen Rat." "Wäre mir lieber, wenn du nicht unnötig mehr Zeit verschwendest."

Kurz bevor ich einen weiteren von ihnen für ihr Zögern in den Kopf schieße, bewegt sich der erste von rechts nach vorne. Wie erwartet, sehe ich in seinen Augen Hoffnungslosigkeit. Ich stecke die Armbrust ein, habe aber immer noch meine Klinge in der Hand. "Hör gut zu,...", beginne ich meinen Satz, während ich meine freie Hand auf seine Schulter lege: "...jedes Wesen ist durch sein Verlangen gesteuert und ich bin keine Ausnahme. Mein Verlangen ist es, etwas Verdorbenes in diesem Tempel zu finden und auszulöschen. Ich bin mir sicher, dass ihr wisst, was ich meine, und dass ihr diesen Tempel mit Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet habt." "Narr! Du göttliches Wesen nicht töten können. Wir nur sterben würden, wenn wir dich hinführen." "Da ihr mich angegriffen habt und mich nun kennt, seid ihr für mich tot mehr wert als lebendig. Außer...", spanne ich sie auf die Folter, während ich zum Eingang zeige: "...ihr bringt mich zu diesem "göttlichen" Wesen, ohne mir eine Falle zu stellen."

Auf einmal höre ich es hinter mir von oben rascheln. Ich drehe den dritten Clananführer herum, wickle ihn um meinen Arm, drehe mich um und schieße dorthin, wo das Geräusch war. Da sehe ich etwas weißes herunterfallen: Einen weißhaarigen Gorilla. Auf den Boden krachend, rollt etwas von seinem Kopf ab und zuckt herum. Es schaut wie ein spinnenartiges Insekt mit Rückenplatten aus, an dessen zweiter Rückenplatte mein Bolzen feststeckt, ohne Insekt komplett durchbohrt zu haben. Ich weiß nicht, wer mehr Glück hat: Ich mit meinen Schießkünsten oder der Gorilla.

"Ein Sklave Diababas!", brüllt der Anführer wischen meinem Arm. "Diababa?" "Sie hat uns gesehen! Sie unsere Köpfe versklaven!" "Oh, so ist es also.", setze ich eins und eins zusammen, während ich den Anführer nach vorne werfe: "Das ist nicht irgendein Wesen, sondern ein Brüter von Parasiten." Ich schaue zu den restlichen Clanmitgliedern: "Lauft zu euren Anführer!". Ich muss nicht mal meine Armbrust auf Sie richten, denn sie folgen ganz von alleine. "Was hast du vor?" Ich stecke meine Waffen ein. "Was wirst du jetzt tun, Häuptling? Wirst du den Kammerjäger den Weg zum Parasiten weisen,...", stelle ich ihn vor einer Option. Meine Hände nun auf das verhexte Alonne-Schwert, stelle ich ihn die zweite Option vor: "Oder wirst du dich mitsamt deiner ganzen Sippe für das Wohl von Parasiten in einer Reihe aufrecht stellen, damit ich es mit einem Schlag zu Ende bringen kann? Ich gebe dir 10 Sekunden zum Entscheiden. Danach entnehme ich sie dir. 10!"

Trotzig schaut er mir zurück. "9!" Doch als er zu seinen Untertanen schaut, sieht er überall denselben, bettelnden Gesichtsausdruck. "8!" Sie wollen nicht sterben, sondern leben. "7!" Sie sehen nicht ein, für ihr "Heiligtum" ihr Leben aufzugeben. "6!" Der Häuptling erkennt genau, was seine Untertanen wollen. "5!" Diese Erkenntnis erschüttert ihn sichtbar, aber nur ganz kurz. "4!" Er schaut wieder zu mir zurück, vom Trotz nun keine Spur. "3!" "Du sicher, dass du Diababa töten kannst?" "Egal ob Diababa aus Fleisch oder Stahl besteht, groß wie ein Turm ist oder eine Armee führt: Habe schon alles gesehen! Habe schon alles getötet!"

"So sei es, Kammerjäger. Wir bringen dich dem Platz, wo Diababa weilt." Ich zeige zum Eingang und fordere ihn auf: "Dann tue es und führ mich hin." Er begutachtet mich noch einmal, bevor er sich zum Eingang hinbewegt, seine Untertanen ihn folgend. "Weißt du, du hättest auch sofort mit der Zählerei beginnen können.", flüstert ein Schatten hinter meinen Rücken: "Egal. Bist du bereit, Kammerjäger? Ehehe..." "Ich muss erst mal bei Diababa ankommen, aber ja, ich bin bereit." "Gut!"

Als ich den Eingang betrete, höre ich von hinten Schritte, die immer leiser werden. Beim Umdrehen sehe ich den weißhaarigen Affen vom Tatort fliehen, während er mir unabsichtlich seinen pinken, haarlosen Hintern unabsichtlich in all seiner Pracht zeigt. Echt jetzt, denke ich, bevor ich kopfschüttelnd die Tempelruine betrete.

Ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll.

Ich denke mal, ich wünsche euch einfach viel Spaß beim Lesen.

Tipp: Ein Element, um die Verderbnis zu reinigen.