„Was… was bedeutet das?", fragte Hermine verdutzt, während sie ein Glas Champagner von Parkinson überreicht bekam. Die Anwesenden prosteten ihr zu und tranken. Hermine beeilte sich, ebenfalls einen Schluck zu nehmen, auch wenn sie wirklich nichts mehr vertrug.

Malfoy blickte sie mit einem undefinierbaren Blick an und Blaise grinste übers ganze Gesicht. Er war wohl der Umgänglichste der Slytherins. „Harry Potter hat damals in der Schule eine geheime Gruppe gegründet, deren Zweck es war, Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu lernen. Gemeinsam haben sie auch Todesser bekämpft. Sie haben sich DA – Dumbledores Armee genannt. Und wir werden dasselbe im Untergrund tun: Todesser bekämpfen."

Hermines Herz schlug schneller. Dumbledore und Snape hatten ihr zwar klar gemacht, dass ihre Klassenkameraden aus Slytherin nicht zwangsweise Anhänger der Todesser waren. Doch dass sie ihre eigene kleine Widerstandsgruppe um ausgerechnet Malfoy persönlich gebildet hatten, erleichterte Hermines Aufgabe hoffentlich um Einiges.

„Und was tut ihr dann so?", fragte sie schließlich. Parkinson setzte sich neben Hermine und zeigte auf das kellnernde Mädchen. „Astoria Greengrass und ich sind öfter auf den Treffen der Todesser, wenn sie der Hauselfen überdrüssig sind. Wir horchen sie aus. Oder mischen ihnen zur Befragung Veritaserum unter. Draco hier bekommt jetzt vieles mit, das wir verwenden können. Blaise ist meistens derjenige, der irgendwelche Sabotageakte ausführt und sich ausdenkt."

Hermines Blick huschte zu Malfoy hinüber. Sie hatte das Gefühl, dass er sie überhaupt nicht leiden konnte und sie nur deswegen aufgenommen hatte, weil er Blaise' Meinung schätzte und ihm vertraute und gleichzeitig wusste, dass sie Verstärkung brauchten. So wie Hermine beispielsweise Pansy Parkinson einschätzte, eignete die sich wirklich nicht für mehr als Tabletts tragen und dem Tratsch zuhören. Hermine hoffte allerdings, dass sie ihr Unrecht tat.

„Aber, was soll ich denn einstweilen tun?", fragte Hermine. Ihr war ihre Rolle nicht ganz klar. Nun schaltete sich Malfoy ein. „Im Moment wirst du gar nichts tun – außer dein Anwärtertraining möglichst schnell zu bestreiten. Und du wirst dich um die anderen etwas kümmern, nachdem du der einzige bist, der in Heilungszaubern bewandert ist, Mortém. Und natürlich wirst du zu unseren Treffen kommen. Blaise wird dich darüber unterrichten."

Hermine nickte. „Aber warum war das Treffen heute nach einer Party?" Malfoy lachte höhnisch. „Mortém, du hast noch viel zu lernen. Deine Feinde solltest du am besten im Auge haben. Die, die du heute kennengelernt hast, sind die ambitioniertesten Anwärter von uns allen. Jeder von ihnen bringt ein gestaltliches Dunkles Mal hervor."

Das verstand Hermine. Immer wachsam. Nur im Moment fiel es ihr schwer, logische Zusammenhänge zu entdecken. Sie war einfach nur müde, leicht angetrunken und hatte zudem viel, worüber sie nachdenken musste.

Blaise blickte sie an und schien zu erkennen, dass es ihr zu viel wurde. „Ich schlage vor, für heute lösen wir diese Runde auf. Es gibt ohnehin keine Neuigkeiten. Komm, Mercure, gehen wir." Er nickte den anderen Slytherins zu und Hermine folgte ihm bereitwillig.

Ohne sich um ihre Anwesenheit zu kümmern, zog Blaise sich bis auf seine Unterwäsche aus und lief in ihrem Zimmer herum. Hermine hasste das und verzog sich in das gemeinsame Bad.

Für Hermine waren die Trainingsstunden weiterhin eine regelrechte Tortur. Erbarmungslos wurden sie über das Feld gehetzt und trainiert. Sie hatte zwar mittlerweile keinen Muskelkater mehr, aber anstrengend war es trotzdem.

Und fast jeden Abend schwebte das Damoklesschwert des Duells über ihr. Heute Abend war Bellatrix mal wieder anwesend und sie suchte oftmals nicht etwa gleich starke Gegner aus, sondern einen sehr guten und einen blutigen Anfänger, um genüsslich dabei zuzusehen, wie letzterer im Grunde abgeschlachtet und erniedrigt wurde. Das war es, was ihrer kranken Persönlichkeit Befriedigung verschaffte.

Sie hatte auch Draco Malfoy mitgebracht, Hermine konnte seinen blonden Schopf in der Entfernung erkennen. Offenbar war er jetzt öfter mit ihr unterwegs, nachdem sein Initiationsritus nahte.

Bellatrix schritt majestätisch durch die Reihen. Hermine hatte keine Ahnung, wie sie auswählte, aber sie pickte sich immer die richtigen heraus. „Du!", sagte sie langsam und genüsslich und deutete auf einen Jungen, nicht weit von Hermine entfernt. „Pffff…" ließ Hermine die Luft aus ihren Lungen entweichen. Ihr war nicht bewusst gewesen, dass sie sie angehalten hatte.

Bellatrix' Kopf fuhr herum und sie fixierte Hermine. Ein boshaftes Grinsen machte sich in ihrem Gesicht breit. Sie schubste den Jungen zurück in die Reihe; nun hatte dieser einen erleichterten Gesichtsdruck. Bellatrix ging auf Hermine zu und sagte „Du. Du bist heute dran. Junge, wie heißt du?" „Mortém.", presste Hermine heraus. „Los, Mortém, rauf da!", zischte Bellatrix mit einem Grinsen, bei dem Hermines Blut gefror.

Hermine stolperte nach vorne zu dem Podest, auf dem schon Malfoy stand. „Draco, er gehört ganz dir. Zeig allen, was mit Versagern und Feiglingen wie Mortém passiert.", sagte Bellatrix mit einem gefährlichen, aber erfreutem Ton. Malfoy ließ durch nichts erkennen, dass er Hermine schon einmal begegnet war. Er zog lediglich seine Augenbraue spöttisch nach oben. Er verachtete seine Tante ganz offensichtlich und hielt sie für nicht ganz voll.

Hermine hasste Bellatrix, weil sie eine grausame Verrückte war. Und Hermine hasste Draco Malfoy, weil er ein arrogantes blödes Arschloch war, auch wenn er kein richtiger Todesser war. Und was sollte sie tun? Sich besiegen lassen oder sich duellieren?

Hermine entschied sich für Letzteres. Wenn sie sich hier profilieren konnte, dann konnte sie doch bestimmt schneller aufsteigen. Hermine mochte es nicht wirklich, an den kalten Wintertagen draußen bis zur Erschöpfung gequält zu werden. Und dann war da noch ihr Stolz. Sie ertrug es einfach nicht, wenn Malfoy besser wegkam als sie.

Mit zittrigen Beinen kletterte sie die Stufen zu dem Podest hinauf, wo Malfoy auf sie herabblickte.

Kurz und knapp verneigte sich Hermine vor ihm. Auch Malfoy nickte ihr kurz zu. Wie zwei Raubtiere begannen sie, sich gegenseitig zu umkreisen. Jeder wartete auf einen Fehler des anderen. „Na los, worauf wartet ihr?", forderte Bellatrix Hermine und Malfoy auf.

Konjunktivitis!", zischte Malfoy und zielte auf Hermines Augen. Er wollte sie wohl erblinden lassen, er ging gleich auf einen ihrer verwundbarsten Teile. Doch Hermine ließ sich blitzschnell fallen und Malfoy schickte ein „Crucio!" nach. Hermine schrie: „Corpus exsanguinea!" und fühlte im selben Moment, wie ihr eigener Schutzschild unter der Wucht des Unverzeihlichen Fluches barst und sie von einer abgeschwächten Version getroffen wurde. Trotzdem drohte ihr der Schmerz den Verstand zu benebeln. Sie nahm eine schwarze Figur vor sich wahr und ächzte mit letzter Kraft: „Confringo!" und dann sank sie zu Boden.

Hermine kam wieder zu sich. Blaise Zabini stand über sie gebeugt. „Mercure?", fragte er und blickte sie besorgt an. Hermine sah sich um, sie lag in ihrem eigenen Bett. „Blaise? Was ist passiert? Wie komme ich hierher?", wollte sie wissen, verwirrt.

Ein kleines Grinsen stahl sich auf Blaise' Gesicht. „Du hast Malfoy und Lestrange fertig gemacht." „Was!?", entfuhr es Hermine. „Oh ja, das war richtig cool.", mischte sich Theodor ein und er und Alex drängten sich zwischen Blaise und sie. „Du hast mit dem ersten Fluch Malfoy getroffen – er ist sofort in sich zusammengesunken, war wie eingefallen. Du bist zeitgleich zu Boden gegangen, sein Crutiatuszauber hat dich ganz schön erwischt, aber irgendwie hast du auf die letzte stehende Person auf dem Podest gezielt und das war Bellatrix Lestrange. Sie war wohl zu überrascht um zu reagieren."

Alex hielt ihr seine Faust hin und Hermine schlug ein. „Du kannst dir garr nicht vorstellen, was für eine Chaos losging.", lachte er. „Genau, jeder hat nur darauf gewartet, dass Lestrange mal eine abbekommt! Sie ist glatt 10 Meter weit geflogen.", grinste Theodor.

Hermine ließ zurück in ihr Kissen sinken. Auch wenn die anderen ihre Tat für noch so glorreich hielten – Bellatrix würde diese Schmach nicht vergessen und Hermine hatte sich unnötigerweise einen neuen Feind geschaffen.

Jetzt erst fiel ihr Draco Malfoy ein. „Was ist eigentlich mit Malfoy?", fragte sie. „Geht es ihm gut?" Blaise mischte sich wieder ein. „Sie haben ihm einen Blutbildenden Trank eingeflößt... Unmengen davon. Ich denke, er wird wieder. Sein Stolz ist schlimmer verletzt." „Wenn's nur das ist…", murmelte Hermine und die drei Jungs um sie herum lachten.

Nach einer Weile gingen Alex und Theodor zu ihren Zimmernachbarn, nur Blaise blieb zurück. „Du hast dich heute da oben ganz gut geschlagen. Du weißt, dass Bellatrix dir das verübelt, nicht wahr? Draco kann dich ohnehin nicht ausstehen, aber du bist für unsere Sache zu nützlich als dass er dich hinauswerfen könnte. Ich bin zwar da als dein Tutor, aber ganz kann ich dich auch nicht ganz aus der Schusslinie nehmen, Mercure… nimm dich in Acht!"

Hermine nickte und wollte etwas erwidern, da klopfte es an ihrer Tür. Blaise runzelte die Stirn und öffnete die Tür. Pansy Parkinson stand draußen, ein Tablett mit einem Teeservice balancierend. Sie sah sich vorsichtig um und schloss dann die Tür hinter sich. „Heute Nacht gibt es einen Zugriff!", sagte sie leise und hastig. „Die Zeit drängt, es sind nur noch zwei Stunden!"

Blaise nahm ihr das Tablett ab und stellte es auf den Boden. Pansys Hände zitterten. „ER war da und hat alles angeordnet." „Wer, V-ähm, der Dunkle Lord?", fragte Hermine. Pansys Blick fiel nun zum ersten Mal wirklich auf sie. Sie nickte. Blaise biss sich auf die Lippe. „Ich habe da so Einiges bei ihrem Treffen unten im großen Saal aufgeschnappt. In Hogstown bei Hogsmeade soll eine Zauberfamilie Schlammblüter beherbergen und sie wollen jetzt kurzen Prozess machen."

Hermine war entsetzt. Sie wusste, um wen es sich vermutlich handelte. Die Thornwoods waren zwar nicht im Orden, sondern hielten sich heraus, dennoch hieß es, dass sie gegen die Todesser waren und manchen Muggelgeborenen aus der Klemme halfen und sie unerkannt aus dem Land schleusten.

„Wir müssen etwas tun!", platzte es aus ihr heraus. In ihrem Kopf formte sich bereits eine Idee.