Hermine öffnete den Mund, um irgendetwas zu sagen, aber heraus kam nicht das, was sie eigentlich dachte – nämlich dass sie Blaise auch sehr gerne mochte, aber nicht so genau wusste, was nun – sondern einfach nur etwas sehr gemeines, was sie insgeheim befürchtete: „Blaise, ich hoffe, dass das alles hier nicht den Kerker verlässt – und das, was du fühlst – du weißt, dass ich eine Frau bin, und zwar die einzig vermeintlich verfügbare in der Nähe… alle anderen hat Malfoy okkupiert… und deswegen denkst du, dass du… aber in Wahrheit willst du gar nichts von mir und hier ist eh kaum Zeit und Platz und Möglichkeit!", platzte Hermine ungewohnt unüberlegt und unsensibel heraus. Sie wollte sich gleich auf die Zunge beißen.
Blaise starrte sie undefinierbar an. Er trat einen Schritt zurück, ließ Hermine herunter und trat noch zwei Schritte zurück. „Es tut mir leid, ich dachte nur… wir kehren in Zukunft zum Üben zurück.", sagte er geknickt.
Hermine fühlte sich wie ein begossener Pudel. „Ich – es tut mir leid, Blaise!", stieß sie hervor, packte ihren Zauberstab und rannte davon. Ihr erster Impuls war ihr Zimmer, aber dann fiel ihr ein, dass es auch Blaise' Zimmer war.
Scheiße, was war sie nur für ein Vollidiot. Nicht besser als Ron. Es hätte wohl hundert andere Möglichkeiten gegeben, Blaise zu sagen, dass er ein toller Kerl war, aber sie gerade nicht so das Interesse hatte. Haben durfte. Haben sollte. Besser gesagt.
Hermine rannte zu dem Kamin mit dem Einstieg in das Entlüftungssystem und begab sich hinein. Dort würde sie bestimmt keiner suchen. Langsam kroch sie bis zu einem Schacht, der in der Nähe ihres Zimmers lag. Dort war es auch nicht so widerlich warm.
Sie sah immer wieder Leute, die auf dem Gang herumliefen. Heute war Sonntag und alle hatten frei. Irgendwann sah sie sogar Blaise und Malfoy vorbeigehen. Hermine zauberte sich ihren Otter-Patronus herbei. Für wenige Sekunden lieferte er ihr wertvollen Trost.
Hermine war gar nicht klar gewesen, wie sehr sie diese Zeit alleine gebraucht hatte. Sie war dauernd umgeben von Menschen, Todessern. Sie war seit Wochen, Monaten nicht mehr sie selbst gewesen. So sehr sie sich an Mercure Mortém gewöhnt hatte, so sehr vermisste sie auch ihre Kleidung, Harry, Ron – einfach ihr Leben. Es war ausgetauscht worden gegen ein komplett neues.
Abends begann Hermines Arm zu brennen. „Lumos!", flüsterte sie. Ihr Otter sprach zu ihr. „Mercure, lass den Unsinn und komm sofort zu unserem Kerker. BZ" Hermine seufzte. Sie kroch bis zu einem sicheren Ausstieg und ging dann hinunter zu den Kerkern.
Blaise wartete schon auf sie und lief unentwegt im Kreise. Als er sie rußbeschmiert und von Kopf bis Fuß voller Dreck sah, blieb er kurz stehen und runzelte seine Stirn. Er setzte seinen Weg fort, bis er nach einer Ewigkeit schließlich stoppte. „Sag mir nicht, was ich fühle oder warum, Mortém. Und jetzt zieh deine Handschuhe an."
Folgsam streifte Hermine sich ihre Boxhandschuhe über. Sie hatte zwar nicht die geringste Lust zu trainieren, aber im Sportbereich haperte es bei ihr eben immer noch. Und auch da musste sie hervorragend sein, wenn sie bald in Führungspositionen aufsteigen wollte.
Nach ein paar Schlägen ließ sie entmutigt die Arme sinken und kassierte prompt drei harte Schläge ins Gesicht. „Ahhhh!" Hermine ließ sich auf die Knie sinken. Wie selten blöd, ihre Deckung zu vernachlässigen.
„Her-Mercure? Alles okay?" Blaise hatte sich in die Knie sinken lassen und hielt Hermines Kopf. „Hast du…", stammelte sie benebelt. Er hatte sie mit ihrem richtigen Namen ansprechen wollen? Blaise fiel es im selben Moment auf wie ihr. „Mercure, es tut mir leid – alles ok? Wart mal…" Hermine spürte, wie er sie auf den Boden gleiten ließ. Ein paar Sekunden später hörte sie ein „Renervate! Episkey!" und sie merkte, wie sich ihr Gesicht erhitzte und ihre Nase knackte. Dann klarte sich ihre Sicht.
„Also das war jetzt wirklich…", beschwerte sich Hermine bei Blaise. Er hob abwehrend die Hände. „Ich kann nichts dafür, wenn du auf einmal deine Deckung völlig vernachlässigst! Und ich hab dich gleich geheilt!", verteidigte sich Blaise sofort. Hermine versetzte ihm spielerisch einen Stoß gegen die Schulter, um ihm zu zeigen, dass zwischen ihnen alles ok war. Blaise verstand es. „Unter anderen Umständen, ok?", sagte Hermine und meinte es ehrlich. Blaise nickte traurig.
Hermine war froh, dass Blaise sie auch in der folgenden Zeit nicht spüren ließ, dass sie ihn verletzt hatte, sondern auch weiterhin mit ihr hart trainierte, sodass sie nicht nur in Strategie und Duellieren an erster Stelle stand, sondern auch im oberen Mittelfeld beim Sport anzutreffen war.
An einem Morgen, als sie gerade zum Training antraten, zerrte Carrow die Tafel seiner Schwester hervor. Neben ihm standen Narcissa Malfoy, Bellatrix und Snape. „Heute ist es so weit: ihr werdet nun eingeteilt in eure Klassen.", rief Narcissa. „Ihr nennt mir eure Namen, ich nenne euch euren Betreuer und ihr ordnet euch eurem Gruppenbetreuer zu. Amycus Carrow – Greifer; Severus Snape – Läufer; Bellatrix Lestrange – Führer." Narcissa Malfoy schritt zur ersten Reihe.
Sie wollten die Zeremonie anonym machen. Jeder sollte so wenig vollständige Namen und Positionen kennen wie möglich. Voldemorts typisches Konzept.
Hermines Zimmergenosse Alex wurde Läufer, ebenso Theodor. Sie wurde immer nervöser, je näher Narcissa zu ihr kam. Hoffentlich hatte es gereicht, hoffentlich enttäuschte sie Dumbledore nicht – „Name?", fragte Narcissa mehr sanft als herrisch, als sie Hermines verschreckten Gesichtsausdruck sah. „Mortém.", presste Hermine hervor. „Mortém…Mercure. Führer. Zu Bella bitte." Hermine nickte stumm, unendlich erleichtert. Sie bewegte sich zum ersten Mal in ihrem Leben freiwillig in Richtung Bellatrix Lestrange.
Zu Hermines Entsetzen erkannte Bellatrix sie auch sofort. „Du!", spuckte sie verächtlich hervor. Sie erinnerte sich zu gut an das Duell, bei dem Hermine sie statt Malfoy erwischt hatte.
Es gab nur noch vier Leute neben Hermine, die es in die Führergruppe geschafft hatten. Das war zu erwarten gewesen, aber Hermine hasste es jetzt schon, dass sie sich nicht in der anonymen Menge vor Bellatrix verstecken konnte.
„Nennt mir eure Namen!", sagte Bellatrix mit einem für sie typischen, irren Grinsen.
„Nikolai Krastev." „Hermann Meier." „Mercure Mortém." „Frank Amell." „Victor Iwanow."
Hermine sah sie der Reihe nach an. Alle wirkten gut durchtrainiert. In einem Boxduell wäre Hermine ihnen total unterlegen, das wusste sie. Also konnte sie sich nur mit Zaubern zur Wehr setzen und mit ihrer Logik profilieren.
„Ihr werdet am besten lernen, indem ihr bei diversen Treffen teilnehmt und mit den älteren Führern sprecht. Wer hat schon einen Tutor?", fragte Bellatrix. Nikolai, den sie schon von diversen Partys vom Sehen her kannte, meldete sich, und sie. Bellatrix sah Hermine zweifelnd an. „Und wer ist dein Tutor?", fragte sie herablassend. Mit fester Stimme und innerlich schadenfroh, verkündete Hermine: „Es ist Blaise Zabini." Sie sah, dass sie Bellatrix überrascht hatte. Wahrscheinlich hatte sie irgendeinen Loser erwartet und nicht eine alte Reinblutfamilie. „Na gut.", sagte sie missmutig. „Ihr beide haltet euch an eure Tutoren, die werden euch schon einführen. Euch anderen drei finden wir jeweils einen. Jeden Abend wird einer von euch dran sein, euch mit den Neuankömmlingen von heute zu duellieren. Macht euch bloß keine Schande, sonst seid ihr schneller zu Greifern degradiert als ihr ‚Dunkler Lord' aussprechen könnt.", zischte Bellatrix.
Danach führte sie die fünf in einen Teil des Malfoy Manors, in dem Hermine bislang noch nie gewesen war. Sie wurden in deutlich bessere Räumlichkeiten gebracht als die, die sie von ihrer Grundausbildung gewöhnt waren. Hermine freute sich insgeheim. Keine Schlammschlachten im Hindernisparcours oder kein Abfrieren der Finger mehr bei Zauberstabduellen.
In einem Saal warteten schon neun Männer auf sie. Blaise war darunter, ebenso Malfoy. Er stand sogar oben beim Rednerpult. Bellatrix stellte sich hinter ihn. „Setzt euch, setzt euch!", trällerte sie und Malfoy verzog bei ihrer schrillen Stimme so nah an seinem Ohr sein Gesicht. „Tante, bitte!", sagte er sichtlich genervt.
„Willkommen euch allen. Euch dreizehn motivierten Führeranwärtern steht nach eurer Ausbildung nur noch eins bevor – euer Initiationsritus. Ich habe meinen jüngst hinter mich gebracht – mit Erfolg.", grinste Malfoy und demonstrierte an seinem linken Arm sein Dunkles Mal. Bellatrix klatschte begeistert. Hermine dachte bei sich, dass sie Malfoy für einen ekelhaften Selbstdarsteller halten würde, wenn sie ihn nicht als Anführer der DAA gekannt hätte.
„Einige von euch werden früher gerufen werden als andere – je nach Können und Vermögen. Blaise, ich habe das Gefühl, dass es bei dir bald so weit sein könnte – und dafür habe ich mir etwas Besonderes überlegt." ‚Ich kotz' gleich!', dachte Hermine. Bellatrix sah ihren Neffen voller Stolz an.
Malfoy hatte wohl wirklich ein Talent dafür zu reden. Bellatrix hatte er nach wenigen Minuten komplett eingelullt und Hermine verstand nun endlich, warum diese paranoide Verrückte niemals ihren Neffen als Ursache für missglückte Missionen vermutete – er konnte sich perfekt darstellen und herausreden. Dieses Aalglatte hatte er bestimmt von Lucius Malfoy geerbt.
Irgendwann war die Ansprache vorbei und Blaise gesellte sich zu ihr. „Glückwunsch, du hast es tatsächlich geschafft.", sagte er laut und stolz und leiser fügte er hinzu: „So zweifelhaft die Ehre auch sein mag." Hermine grinste ihm zu. „Ich weiß, bei wem ich mich bedanken muss." Sie zwinkerte ihm zu. „Fast schon schade – keine nächtlichen Boxtrainings mehr.", sagte Blaise bedauernd. „Wir bekommen jetzt auch bessere Quartiere – von Vierer- auf Zweierzimmer."
Hermine war froh darum. Wieder weniger Leute, die ihr Geheimnis aufdecken konnten.
Malfoy gesellte sich zu ihnen. „Gut gemacht, Mortém.", sagte er gedehnt mit einem Seitenblick auf seine Tante, die gerade in Hörweite stand. Er machte eine Kopfbewegung Richtung Tür und Hermine und Blaise folgten ihm unauffällig.
Ein Teil von Malfoys schmierigem Gehabe fiel ab, sobald er die Tür zu Bellatrix hinter sich geschlossen hatte. Er schob ein Portrait zur Seite und verschwand in dem Geheimgang dahinter. Hermine folgte ihm rasch. „Bevor diese alte Vettel mich wieder sucht. Die Gänge hier kennt sie noch nicht. Wundert sich immer, wieso Vater und ich so schnell einen Abgang hinlegen können.", kotzte Malfoy über Bellatrix.
„Wisst ihr noch, was Tori über Godric's Hollow gesagt hat vor ein paar Wochen?", fragte Malfoy in völlig normalem Ton. Hermine und Blaise nickten. „Sie planen, die Werwölfe hinzuschicken. Eine Quelle will wissen, dass die Ordensleute auftauchen. Viele neue Werwölfe, wenn es nach Greyback geht.", sagte Malfoy mehr zu Blaise als zu Hermine.
„Ich hab eine Idee.", sagte Hermine. Malfoy blickte sie überrascht an. Er akzeptierte sie zwar mittlerweile als Bestandteil der DAA, doch man konnte noch lange nicht davon reden, dass er sie wirklich mochte. Wenn er Mercure Mortém musterte – und das tat er zu Hermines Widerwillen mit Vorliebe – dann war da immer etwas in seinen Augen, das ihr nicht gefiel. Wie wenn er drauf und dran war, ihr Geheimnis herauszufinden…
Blaise blickte Hermine auffordernd an. „Ich… also, wie viele Werwölfe beherbergt L- ähm, der Dunkle Lord denn?", stotterte Hermine, von Malfoys forschendem Blick verwirrt. Er legte schon wieder diesen Röntgenblick auf, ähnlich dem von Dumbledore, und das war bei seinen sturmgrauen Augen äußerst unangenehm. In Hermines Wangen schlich sich ein verräterisches Rot. Blaise stieß sie an und holte sie aus ihrer Reverie. Wie peinlich.
Malfoy erläuterte gerade den Sachverhalt mit den Werwölfen, während Hermine ihn wie ein Schaf angestarrt hatte. „… jedenfalls müssten es ziemlich genau 42 Werwölfe sein, die hier sind." „Wie, 42?", fragte Hermine etwas hilflos. „Ich kann für… die Hälfte einen Wolfsbann garantieren – aber die Zeit reicht einfach nicht, um so viel neuen zu brauen. Man braucht eine komplette Mondphase dazu…"
Ihre Stimme verlor sich. Malfoy griff den Faden wieder auf. „Ich will nicht wissen, wie – aber du sagst also, dass du gut 20 Wölfe in Schach halten kannst?" Hermine nickte. „Sie verwandeln sich zwar, aber sie sind nicht so aggressiv, dass sie jemanden angreifen würden. Sie würden sich eher zusammenrollen und schlafen als mit Greyback auf Fresstour zu gehen."
„Das wäre schon mal ein Fortschritt, wenn die Hälfte lahmgelegt werden könnte.", bekräftigte Blaise. „Besorg das Zeug, Mortém.", sagte Malfoy, „Für den Rest überlegen wir uns schon noch einen Schlachtplan. Wir haben eine knappe Woche Zeit dafür." Sie waren von dem Geheimgang in seinem Zimmer angelangt. „Ach ja, euer neues Zimmer ist hier den Gang runter."
Hermine und Blaise gingen gleich zum Anschauen. Es war wesentlich komfortabler als ihr bisheriges Quartier. Hermine schrieb, als Blaise sich ins Bad begab, einen Zwei-Wege-Brief an Dumbledore. Sie erklärte die Sache mit den Werwölfen – Remus Lupin müsste ihr seinen kompletten Vorrat überlassen. Das würde er ungern machen, aber er würde es für Dumbledore tun. Das Pergament sog die Tinte auf und das Blatt wurde wieder blank.
Sie hoffte, dass Dumbledore einen geeigneten Weg finden würde, ihr den Wolfsbann zu schicken.
„Otter an den Golden Retriever: Brauchen dich für Mission in der Küche. Führeranwärterunterkunft. MM", diktierte Hermine ihrem Hellen Mal.
Nach einigen Minuten klopfte es an der Tür. Blaise stürmte – nur mit Hose bekleidet – aus dem Bad und öffnete die Tür, noch bevor Hermine die Chance hatte zu reagieren. Pansy stand vor der Tür, etwas irritiert. Sie hatte Mercure erwartet, nicht einen halbnackten Blaise. Hermine winkte ihr höflich zu. „Ähm, Pansy, komm doch bitte herein."
Pansy ignorierte Blaise und fragte Hermine mit zuckersüßer Stimme, was sie tun könne. Blaise war etwas aus der Fassung; er sah jetzt nun beileibe nicht schlecht aus, aber Pansy interessierte sich wesentlich mehr für den schüchternen Franzosen. Hermine sah, wie sich Blaise' Augen weiteten, als Pansy sich weit und tief vorbeugte, um Hermine zwei bisous auf die Wangen zu geben, fing dann aber verdruckst zu lachen an.
Pansy warf ihm einen mörderischen Blick zu. Hermine warf ihm einen giftigen Blick zu, denn sein Lachen war ihr noch unangenehmer als Pansys Avancen. Blaise warf das Handtuch und verschwand wieder im Bad.
„Also- du musst den Werwölfen Wolfsbann untermischen, am besten in die Getränke. Die Krux an der Sache ist, dass der Wolfsbann für nur ungefähr die Hälfte ausreichen wird… also Vorsicht mit der Dosierung. Wenn jeder nur ein bisschen abbekommt, nutzt es nichts. Es geht um den Angriff in Godric's Hollow.", weihte Hermine Pansy ein.
„Das ischt kein Problém, mon chéri.", sagte Pansy mit falschem französischen Akzent und warf Hermine einen koketten Blick zu. Mit einem Hüftschwung drehte sie sich herum und entschwebte. Kaum hatte sie die Tür hinter sich geschlossen, schon kam Blaise – diesmal angezogen – aus dem Bad, mit Lachtränen in den Augen. „Mercure, mon chéri!", säuselte er und brach in schallendes Gelächter aus. „Du solltest mal dich selber flirten sehen, Zabini.", erwiderte Hermine ruhig und Blaise verstummte schlagartig. Hermines Arm begann zu brennen und sie bemerkte, dass auch Blaise seinen Ärmel hochkrempelte. „Draco ruft uns alle für heute Abend. Die Werwolfsache hat wohl ziemliche Eile."
Blaise sagte, ohne sie anzusehen: „Wir sollten langsam mal wieder zu Lestrange zu unserem Training für die Initiation. Mach dich auf was gefasst, Mercure, alles was du bisher aus der Grundausbildung kennst, wird verblassen gegen das, was du jetzt tun musst. Stell dich schon mal darauf ein, Hauselfen und Gefangene aus den Kerkern zu foltern."
Hermine wurde blass. Sie wusste zwar, dass Folter und Mord von den Todessern auch hier im Manor praktiziert wurde, aber jetzt wurde sie selber Zeuge davon.
Blaise führte sie ein paar Stockwerke tiefer in einen schmucklosen, beinahe leeren Raum. Nur ein paar alte ranzige Sessel standen herum und im Kamin flackerte ein helles Feuer. Trotzdem war es düster und im Halbschatten konnte Hermine Bellatrix und Malfoy erkennen. Lestrange trat in den Lichtschein, sobald alle dreizehn Führeranwärter anwesend waren.
Ein bösartiges Grinsen umspielte ihre Lippen. „Heute werdet ihr beweisen, ob ihr wirklich würdig seid.", sagte sie mit ihrer hohen, unausstehlichen Stimme. Hermine lief es kalt den Rücken hinunter.
„Greyback hat ein Schlammblut gefangen.", erzählte Bellatrix wie beiläufig, „Dan Burbage – seine Frau hat auf Hogwarts Muggelkunde unterrichtet. Wir vermuten, dass er etwas über den Orden weiß. Eure Aufgabe wird es sein, die Information aus ihm herauszubekommen."
Sie hörten laute, erstickte Geräusche und ein protestierender Mann mittleren Alters wurde hereingeschleift. Hermine zitterte unwillkürlich. Sie spürte, wie Blaise hinter sie trat. „Draco, zeige den andern, wie es geht!", hauchte Bellatrix, ganz offensichtlich vor Vorfreude angespannt.
Malfoy trat selbstsicher hervor und richtete seinen Zauberstab auf den Mann. Es musste ein ungesagter Zauber sein, den er ausführte, denn Dan Burbage ging in die Knie und begann in seinen Knebel zu stöhnen. Hermine wand sich innerlich. Nach einer Ewigkeit war es vorbei und Malfoy ließ den Knebel seines Opfers verschwinden. Burbage spuckte und hustete erbärmlich und stützte sich mit den Händen am Boden ab.
Bellatrix trat hervor. „Wo hält sich der Orden des Phönix auf?", fragte sie süßlich. Doch mehr als ein ersticktes Husten kam nicht von Burbage. Bellatrix nickte mit ihrem Kopf und Malfoy trat erneut hervor und verfluchte den knienden Mann. Hermine wollte ihren Blick abwenden; sie ertrug es einfach nicht – doch ihr war bewusst, dass das ihr Ende wäre und so sah sie dem Leiden des Mannes zu. Bellatrix beobachtete sie alle ganz genau. Ihr Blick blieb an Hermines Gesicht hängen, das wahrscheinlich ihre Angst, ihre Abscheu und ihren Widerwillen nur schlecht verbergen konnte.
„Mortém, hierher.", befahl sie Hermine.
