Das war die Rache für das missglückte Duell mit Malfoy, dessen war sich Hermine sicher. Langsam trat sie hervor. Malfoy maß sie mit einem undeutbaren Blick. Hermine versuchte, das Zittern in ihrer Stimme zu verbannen, als sie hervortrat und Dan Burbage fragte: „Wo ist der Orden? Wo halten sich Mitglieder versteckt?" Innerlich betete Hermine, dass der Mann von nichts wusste und sie nicht daran schuld war, wenn die Todesser etwas Wichtiges herausfanden.
Burbage hustete und blickte Hermine mit abschätzigem Blick an.
Hermine sah zu Bellatrix. Diese hatte einen höhnischen Gesichtsausdruck. Hermine konnte nicht sagen, ob Bellatrix mehr Burbage oder Mercure Mortém für einen Versager hielt. Gerade als Bellatrix etwas kommentieren wollte, nahm Hermine all ihre Willenskraft zusammen und stieß gedanklich ein „Ardens!" hervor und zielte auf den Arm von dem Mann.
Flammen züngelten an seinem Ärmel hervor und er begann panisch zu schreien und sich in seinen Fesseln zu winden. Rasch hob Hermine ihren Zauberstab wieder und die Flammen erloschen, bevor Burbage bewusst merkte, dass ihm ihr Kaltes Feuer nichts anhaben konnte. Burbage tat ihr den Gefallen und wand sich weiter gegen seine Fesseln – hoffentlich kauften alle anderen ihren Bluff. Bellatrix jedenfalls tat es.
Ihr höhnisches Lächeln war wie weggewischt. Jetzt hatte sich Hermine vorerst bewährt und Bellatrix' Mordgelüste würden auf einen anderen Tag warten müssen… Hermine war sich sicher, dass sich ihre Rachevorhaben nicht mit einem einfachen, vermeintlichen Verbrennungszauber in Luft aufgelöst hatten.
„Namen und Aufenthalt der Ordensmitglieder.", forderte Hermine noch einmal. „Abschaum! Du widerliches Stück Dreck!", keuchte Burbage nur. Hermine schoss das Blut in die Wangen. „Silencio!", fuhr Lestrange dazwischen. „Crucio!", fauchte sie giftig. Hermine sah entsetzt zu, wie sich der Mann stumm vor Schmerzen krümmte. Was Bellatrix offenbar noch mehr als den Loser Mortém hasste war, wenn ein Reinblüter beschimpft wurde von so etwas Minderwertigem wie einem Blutsverräter oder Schlammblüter.
Bellatrix hob ihren Zauberstab und Burbage sackte in sich zusammen. „Jeder darf mal!", befahl sie mit sadistischem Grinsen, „Und wenn ihr nichts aus ihm herausbringt, lasst ihn im Kerker verrotten! Draco!"
Malfoy übernahm Lestranges Position, während sie den Raum verließ.
Hermine wurde von den anderen nach hinten geschoben, denn die ambitionierteren Anwärter waren offenbar ganz scharf darauf, sich an einem wehrlosen Opfer zu „beweisen". Ihr war es ganz recht so. Auch wenn einige Leute vor ihr standen, aber als der Silenciofluch abfiel, die Schreie des Mannes konnte sie nicht überhören.
Am Schluss entließ Malfoy sie alle. Im Vorbeigehen hielt er Hermine auf. „Mortém, du bringst mit mir den Gefangenen in den Kerker. Los jetzt!" Hermine hielt inne. Was wollte Malfoy jetzt von ihr? Sie warf einen fragenden Blick zu Blaise. Der warf ihr nur ein aufmunterndes Lächeln zu.
Malfoy dirigierte Burbage mit dem Zauberstab in Richtung Kerker. In einer einsamen Passage verharrte er. „Los, Mortém, jetzt zeig mal, was du wirklich drauf hast.", sagte Malfoy neutral. Hermine war verwirrt. Was wollte er? Was konnte sie denn gut…? Oh. Oh. „Sano corpus!", flüsterte Hermine und Dan Burbage nahm sofort eine normale Haltung an, keine gequälte mehr. „Obliviate!", flüsterte Malfoy und schubste Burbage weiter, bis er ihn in seine Zelle verfrachtet hatte.
Als sie außer Hörweite der Kerkerwachen waren, sagte Malfoy zu Hermine: „Du wirst nicht ewig bluffen können – irgendwann wirst du das ganze Programm durchführen müssen. Verstehst du, Mortém? Das ganze, volle Programm. Gewöhn dich besser daran. Nachher versuchen wir immer, sie zu heilen, wenn dir das hilft." Im fahlen Schein der Fackeln konnte Hermine immer noch das Grau seiner Augen erkennen. Sie wirkten müde, grau bewölkt. Aber nicht ohne Interesse. Hermine wurde bewusst, dass sie direkt in Malfoys Augen starrte. Er räusperte sich und wandte den Blick als erster ab, wie unangenehm berührt.
„Vergiss nicht, heute Abend ist ein Treffen.", sagte Malfoy fast freundlich, nickte kurz und knapp und nahm dann eine Abzweigung. Hermine machte nur „Mhm" und kam sich langsam und blöd dabei vor. Schaffte sie es nicht ein einziges Mal, in Malfoys Gegenwart kompetent und vertrauenserweckend zu wirken?
Aber nein, sie ließ sich durch die einfachsten Sachen aus dem Konzept bringen – dass Malfoy ihre Täuschung durchschaut hatte, freundlich war, seine grauen Augen, die sie so unerfindlich ansehen konnten, sodass sie hier unten war und den Weg in ihr Quartier nicht mehr richtig wusste…
Hermine schüttelte ihren Kopf. Sie musste sich jetzt konzentrieren. Bloß nicht nachlassen. Snape hatte ihr den Grundriss des Manors eingeprägt. Nach oben, sie musste nach oben, sich dann links halten…
In ihrem Zimmer wartete Blaise schon auf sie. „Bist du okay?", bestürmte er sie sofort. Hermine nickte. Es war zwar gelogen – aber Blaise konnte nichts machen, damit sie die Schreie von Burbage vergessen konnte. „Ich hab nur so getan, als würde ich ihn verfluchen.", gestand Hermine. Blaise sah sie erstaunt und mit etwas Stolz in seinen Augen an. „Das war… gut!", lobte er sie. „Aber du musst verdammt vorsichtig sein, und denk dran, direkt vor ihren Augen ist es potentiell riskant und gefährlich. Zu oft kannst du solche Stunts nicht bringen, Mercure.", gab Blaise zu bedenken.
Hermine wurde ärgerlich. Bellatrix hatte es ihr abgekauft, und ebenso alle anderen, die sie nicht von der DAA kannten. „Hör auf, mich zu bevormunden, Blaise." Blaise wandte sich wieder zu ihr um. „Ich mache mir nur Sorgen. Um dich, um mich, um unsere gemeinsame Mission.", sagte er brüskiert. „Soweit ich weiß, hatten wir das Thema ‚Hilfe' schon mal."
„Ja, und bei Missionen darfst du sie mir auch gerne anbieten.", erwiderte Hermine genervt, „Aber bei meinem täglichen, normalen Leben!? Ich komme schon zurecht." „Nein, tust du nicht.", widersprach Blaise gelassen und in einem Tonfall, bei dem sich Hermines Haare sträubten. Okay, jetzt konnte sie nachvollziehen, wieso ihre (vermeintliche!) Besserwisserei ihre Klassenkameraden stets auf die Palme gebracht hatte. Dieser rechthaberische Ton… Arrrrgh. „Doch! Hab ich nicht heute alles gut hinbekommen?", protestierte sie. „Und warum hat Bellatrix dich überhaupt erst als ersten ausgewählt? Um dich lächerlich zu machen, weil du schon gezittert hast wie Espenlaub!", konterte Blaise.
Hermine gab sich geschlagen. Nein, der zurückhaltende Mercure Mortém gab sich geschlagen; Hermine Granger gab nämlich nie auf. So!
„Als mein Tutor solltest du mich dann wohl besser auf solche Situationen vorbereiten.", sagte sie spitz. Blaise blickte sie verdutzt an, dann grinste er. „Du willst also wieder Privatstunden?", fragte er mit suggestivem Unterton. Hermine beschloss, seine flirtende Tonlage komplett zu ignorieren – weil sie ehrlich gesagt auch nicht so genau wusste, wie sie darauf spielerisch antworten sollte – und bejahte die Frage einfach nur ernsthaft.
Blaise seufzte, als er bemerkte, dass sein Charme hier leider nicht fruchtete. „Wir sollten zum Treffen gehen.", bemerkte er mit einem Blick auf die Uhr.
Als sie eintrafen, waren bereits alle anderen versammelt. Malfoy maß sie mit einem tadelnden Blick. Blaise zuckte mit seinen Schultern und ließ sich auf einen Sessel fallen. Der einzige freie Platz war neben Pansy und ergeben ließ Hermine sich dort nieder. Malfoy starrte sie unentwegt an, als Pansy begann, sich an Hermine zu lehnen. Hermine war das alles sehr unangenehm. Aber das musste sie wohl aussitzen.
„Um es kurz zu machen: übermorgen findet der Angriff in Godric's Hollow statt.", verkündete Malfoy mit müder Stimme. „Es heißt, dass Potter dort auftauchen wird – zumindest aber ein paar wichtigere Ordensmitglieder. Sie sind auf der Suche nach etwas, befürchtet der Dunkle Lord, und es ist ihm äußerst wichtig, dass wir als Todesser das unterbinden und Gefangene machen.", erklärte er.
Hermine wurde nervös. Sie brauchte den Wolfsbanntrank dringend. Sie hoffte auch, dass Harry nicht so blöd war und ihre eindringliche Warnung ignorieren würde. Pansy sprach auf: „Ich mische den Werwölfen einen kleinen Beruhigungstrank unter, wie Mercure vorgeschlagen hat." Dabei streichelte sie Hermines Rücken. Unwohl rutschte Hermine hin und her, denn Malfoy beobachtete sie und Pansys (einseitige) Interaktion genau.
„Ich möchte, dass ihr alle übermorgen mit dabei seid. Es wird eine Großoffensive, daher müssen auch alle von uns auflaufen. Pansy, du musst in der Küche bleiben und dich um die Werwölfe kümmern. Aber Millicent, Astoria und Daphne, zum Beispiel, ihr müsst euch Roben schnappen und euch maskieren, damit ihr mit von der Partie seid. Ihr habt kein Training so wie wir anderen alle, daher werdet ihr alle in der Gruppe mitgehen, die ich führen werde. Mich erkennt ihr an der silbernen Maske. Miles, Theo, Alex, Mercure, Blaise… ihr alle geht da, wo ihr eingeteilt werdet."
„Entschuldige die dumme Frage, Draco.", begann Daphne Greengrass, „Aber was genau erwartest du, dass wir hier alle machen?"
Malfoy atmete laut aus. „Positioniert euch weiter hinten in den Reihen und greift von hinten aus an. Lähmt die Todesser von hinten und verwendet Flüche, die die Ordensmitglieder verwenden würden. Sabotiert, wo ihr könnt. Verflucht besonders die verbleibenden Werwölfe um Greyback."
Die Anwesenden nickten.
Die zwei Tage verstrichen schneller, als Hermine lieb war. Natürlich hatte sie Harry und Ron und den Orden gewarnt, dass etwas im Busch war. Aber es kam ihr so vor, als würde der Orden eine Art Trotzreaktion starten und es absichtlich auf ein Zusammentreffen mit den Todessern ankommen lassen. Dumbledore hatte ihr auch den Wolfsbann geschickt, mithilfe von Fawkes.
„Otter zu Golden Retriever: Der Trank ist bei uns zum Abholen ", sagte Hermine zu ihrem Tattoo. Keine zehn Minuten später stand auch schon Pansy vor der Tür. Dieses Mal war Hermine besser vorbereitet als das letzte Mal. Galant öffnete sie die Tür und geleitete Pansy herein, bevor Blaise das wieder einmal übernehmen konnte und dumme Kommentare abließ. Aus irgendeinem blöden weiblichen Solidaritätsgrund wollte sie Pansy nicht verletzen, aber auch nicht unbedingt weiter ermuntern, ihr Avancen zu machen. „Bitte, nimm Platz." Pansy setzte sich an den Tisch zu Blaise, der schon wieder einen Gesichtsausdruck hatte, als könne er sich kaum halten vor Lachen. Hermine strafte ihn mit einem bösen Blick, der ihn noch mehr belustigte.
„Also, hier, siehst du", begann Hermine und zeigte Pansy eine kleine Box, „da drin sind die Dosen. In jeder Ampulle – es sind übrigens zwanzig Stück – ist genau so viel, dass es einen Werwolf für eine Nacht ruhig stellt. Sie sollten sich wie kleine Schoßhunde verhalten. Du musst nur darauf achten, dass jeder eine volle Dosis abbekommt, mit den restlichen 22 beschäftigen wir uns dann draußen im Feld."
Pansy nickte und besah sich eine der Ampullen genauer. „Ich werde es schon irgendwie schaffen, sie passend unterzujubeln. Mit etwas Glück erwischen wir sogar Greyback." Blaise nickte. „Ohne ihn sind sie führungslos, was es uns draußen umso leichter machen würde, sie auszuschalten."
„Gut, dann muss ich wohl wieder nach unten.", sagte Pansy mit bedauerndem Ton, stand auf und strich sich ihr Röckchen glatt. Sie lehnte sich weit vor und küsste Mercure erst auf die eine Wange, dann auf den Mund. Erschrocken zuckte Hermine zurück. Pansy lächelte ihr zu, dann tanzte sie aus ihrem und Blaise' Zimmer.
Hermine konnte dem Drang nicht widerstehen, sich über die Lippen zu streichen. Blaise grinste sie unverschämt an. „Wenn ich es mir recht überlege… so schlecht würde ich dich und Pans zusammen gar nicht finden…", schlug er vor. „Halts Maul, Zabini!", fuhr Hermine ihn an, „Mach dich lieber mal fertig, denn der Angriff auf Godric's Hollow ist in zwei Stunden!" Sie hörte, dass Blaise so etwas wie „Spielverderber" oder „Spaßbremse" murmelte und im Bad verschwand.
Hermine zog sich ihre Roben an. Sie war in Rudolphus Lestranges Team für heute Abend. Godric sei Dank nicht in Bellatrix' Mannschaft, denn ihre Gestörtheit heute war noch extremer als sonst. Sie war äußerst schlecht gelaunt, denn der Führeranwärter Victor Iwanow hatte sich vorhin eben nicht gerade besonders gut gemacht in dem allabendlichen Abschlusskampf zwischen Anwärter und Fortgeschrittenen.
In Hermine machte sich die typische Nervosität breit, die sie immer vor solchen Aktionen hatte. Sie konnten froh sein, wenn alle wieder lebendig erschienen. Blaise erschien, bereits maskiert. „Gehen wir." Hermine nickte.
Unten in den Kerkern gab es einen großen Raum, in dem sich alle immer vor dem Aufbruch sammelten und formierten. Ähnlich dem Ministerium oder St. Mungo's hatte man auch hier einen Apparationsplatz geschaffen. Andauernd über die Ländereien des Manors bis zur Grenze des Anwesens zu laufen war Voldemort wohl zu unpraktisch gewesen.
Rudolphus Lestrange war nicht schwer zu finden, er lief unmaskiert herum. Hermine suchte Draco Malfoy. Es gab jemand mit einer silbernen Maske, das musste er sein. Um sich herum hatte er schon ein paar Leute. Hoffentlich passte er gut auf die DAA-Mitglieder auf, die bei ihm mitliefen.
Mit der Zeit wurde es immer stiller, alle spürten die Anspannung vor dem Kampf. Bellatrix trat hervor und stellte sich vor die Todesser. „Heute treffen wir auf den Orden. Wir werden die Schlammblüter und Blutsverräter vernichten! Tötet sie alle! Potter, Weasley und das Schlammblut Granger will der Dunkle Lord lebend! Auf!", schrie sie. Ein Wirbeln und Knacken setzte ein, als so viele auf einmal disapparierten.
Hermine erschien in Godric's Hollow und sah sich um. Auf den ersten Blick wirkte alles wie eine normale kleine Vorstadtsiedlung. Erst beim näheren Hinsehen wurde man der Magie gewahr, die allenthalben versteckt war. Aber dafür hatte sie keine Zeit, denn nur ein paar Sekunden später hörte sie Apparationsgeräusche, die das Kommen der Ordensmitglieder ankündigten.
Ihr Herz schlug schneller, als sie Tonks, Lupin, Arthur Weasley, Neville Longbottom und weitere bekannte Gesichter sah. Sofort begannen die Todesser, sich mit den Ordensmitgliedern zu duellieren. Hermine fand auch bald einen Duellpartner, es war Hannah Abbot aus ihrem Jahrgang. Hermine biss ihre Zähne zusammen und wich Hannahs Flüchen geschickt aus und schickte ihrerseits einen Fluch los, der Hannah für ein paar Sekunden lähmte.
Wertvolle Sekunden, sich weiter vorzukämpfen. Sie lähmte und schockte ein paar Todesser. Zufällig fiel ihr Blick auf das Haus, neben dem sie stand. Die Magie enthüllte, dass es sich um das Haus der Potters handelte. Sie musste dorthin gehen. Hermine wandte sich von dem Kampf ab und kletterte in die Ruine hinein.
Sie sah einen roten Haarschopf. Ron? Nein, es war Fred. Oder George. Er holte aus einem Versteck im Boden einen dicken Wälzer heraus. Ein Stein unter Hermines Schuh knackte und der Weasley—Zwilling fuhr hoch. „Expelliar-" „Protego!", wehrte Hermine ihn rasch ab. Dumbledore hatte ihr geflissentlich verschwiegen, dass da doch etwas war, das der Orden in Godric's Hollow suchte.
In dem Moment ertönte ein schauriges Heulen. Ihr Kampf war vergessen; Fred/George stürzte zu einem Fenster – oder was davon noch übrig war – und Hermine tat es ihm gleich. Der Mond war durch einzelne Wolkenschleier sichtbar geworden und ein Teil der Todesser verwandelte sich nun. Hermines Gehirn setzte wieder ein. „Stupor!", dachte sie und lähmte den Weasley, den sie mittlerweile für George hielt. Danach desillusionierte sie ihn noch, damit er und das Buch nicht gefunden würden.
Hermine stürzte nach draußen, um die Werwölfe zu bekämpfen. Sie bemerkte, dass einige von ihnen den Schwanz eingezogen hatten und sich aus dem Staub machten, als sie bemerkten, dass sie mit Flüchen beschossen wurden.
Ein Werwolf kam auf Hermine zu. „Sectumsempra!", keuchte sie. Mit einem Jaulen fiel der Wolf zu Boden und verspritzte Blut. Seine Beine zuckten und strampelten weiter. Irgendwann zuckten sie final und er verwandelte sich in einen Mensch zurück. Hermine sah ihn angeekelt an. Ekel vor sich selbst, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine Kreatur umgebracht hatte, Ekel vor dem Tier, das sie angegriffen hätte.
Doch lange Zeit zum Überlegen hatte sie nicht. Ordensmitglieder und Wölfe waren der Feind und stürmten auf sie zu. Hermine lähmte Freunde, Werwölfe verwundete sie schwer, wenn nicht tödlich. Sie wusste nicht wie, aber irgendwann stand sie nahe bei Draco Malfoy. Er und sein Grüppchen hatten schon Verluste erlitten, realisierte Hermine.
Sie hoffte, dass sich die anderen in Sicherheit gebracht hatten, bevor sie schlimm verwundet worden waren. „Sie wissen, dass wir uns gegen sie gekehrt haben!", keuchte Malfoy, als er sie als Mercure Mortém erkannt hatte. Hermine war atemlos. Sie japste: „Wenn sie sich zurück verwandeln, wissen sie das aber nicht mehr, sie können sich kaum erinnern!" Malfoy nickte, etwas erleichtert. „Vorsicht!", schrie er und zerrte Hermine und jemand anderen aus ihrer Gruppe aus der Schusslinie; ein Werwolf war geradewegs auf sie zugestürmt.
Dafür erwischte er jetzt Malfoy umso schlimmer. Malfoy wurde förmlich überrannt davon und er begann fürchterlich zu schreien. Hermine und zwei andere schossen Flüche auf den Werwolf ab und einer davon traf ihn tödlich, kurz hinter ihnen kam er zu Fall.
Hermine stürzte auf Malfoy zu, der immer noch auf dem Boden lag und wimmerte. Sie befühlte seinen Brustkorb. Er hatte wohl ein paar Rippen gebrochen, dort wo der Werwolf auf ihn gesprungen war. Und überall so viel Blut. „Sano corpus!", sagte Hermine und heilte Malfoys Körper. Doch er stöhnte immer noch. Sie und jemand anderes, wahrscheinlich Miles, drehten Malfoy um und als sie ihn in Seitenlage brachten, sah Hermine eine riesige Fleischwunde an Malfoys Schulter.
Der Werwolf hatte förmlich ein Stück aus Draco Malfoy herausgebissen und bei einer Wunde, die Werwolfgift in sich hatte, half auch ihr Sano corpus nichts.
