Hermine beobachtete Blaise, wie er sich mit einem der blutigen Anfänger duellierte. Bellatrix stand gleich daneben. Hermine zuckte zusammen, als ihr jemand die Hand auf die Schulter legte. „Siehst du, wie er immer ausweicht? Blaise will den Anfänger gar nicht richtig treffen, das ist unter seiner Würde.", sagte Miles. „Ein Narr ist er!", zischte eine andere Stimme neben Hermines anderem Ohr. Malfoys Stimme löste bei ihr eine Gänsehaut aus, die sich den ganzen Rücken hinunter zog. „So oder so, Blaise muss gewinnen, wenn er nicht Tantchens Unmut auf sich ziehen will."

Hermine gab Malfoy im Stillen Recht. Laut sagte sie: „Es ist aber ein Unterschied, ob du deinen Gegner würdevoll verlieren lässt, oder ob du ihn völlig fertig machst! Sollten wir nicht menschlicher sein?" Miles nickte. Draco Malfoy schnaubte nur. „Genau das wird dir irgendwann noch das Genick brechen, Mortém. Warte auf den Zeitpunkt, wo du dich mit Krastev und Meier messen musst." Damit legte er einen Abgang hin. Hermine und Miles sahen sich an.

Blaise führte irgendeinen Zauber aus und der andere lag auf dem Podest, alle Viere von sich gestreckt. Noch bevor Bellatrix ihre allabendliche, alle demütigende Ansprache halten konnte, hüpfte Blaise leichtfüßig von dem Podest herunter und ging zu dem kleinen Grüppchen Führeranwärtern. Er lächelte Hermine zu. „Alles im grünen Bereich, der Anfänger ist ok, morgen wird er wohl ein bisschen Kopfweh haben.", grinste Blaise. „Mercure, ich glaube, du bekommst morgen eine härtere Nuss vorgesetzt, Bellatrix hat dich auf dem Kieker.", warnte er Hermine.

Gemeinsam gingen sie mit den anderen zurück ins Manor. „Viel Glück morgen!" und „Du packst das!", wünschten die DAA-Mitlieder Hermine, bevor sie und Blaise zu ihrem eigenen Zimmer abbogen.

„War es sehr schlimm, heute auf dem Podest?", erkundigte sich Hermine. Blaise winkte ab. „Glaub mir, Burbage war noch eine Nummer größer." „Aber sie wird mich absichtlich wo reinlaufen lassen!", sprudelte es aus Hermine hervor. Sie hatte jetzt schon Bauchweh, wenn sie daran dachte. „Ich brauche Tipps!", nötigte sie Blaise. Er seufzte. Hermine war sich bewusst, dass sie gerade sehr egoistisch war und Blaise sicherlich ausgelaugt und müde war. Aber sie durfte morgen einfach nicht versagen, oder gar auffliegen. Es war ihr seit der DA ein Leichtes, Zauberduelle zu führen. Aber sie durfte sich nicht mit den Verteidigungssprüchen des Ordens outen.

„Na schön.", willigte Blaise ein. „Ich würde wetten, dass Bellatrix einen auswählt, der ziemlich gut ist. Komm mit, gehen wir in unseren Kerkerraum. Ich will dir noch einen Spruch zeigen, der deinen Gegner wirkungsvoll außer Gefecht setzt, ohne dass du ihn übermäßig verletzen musst."

Hermine und Blaise gingen hinunter in ihren geheimen Übungsraum. Sie stellten sich einander gegenüber auf. „Das Wichtigste zuerst: du kannst mich ganz normal wiederbeleben.", begann Hermines Nachhilfelehrer. „Ungesagt Animi defectus und eine knappe Wellenbewegung mit dem Zauberstab aus dem Handgelenk heraus." Hermine nickte. „Los geht's.", seufzte Blaise.

Animi defectus!', dachte Hermine angestrengt. Nichts passierte. Ein zweites Mal. Sie zielte auf Blaise und ein rotgoldener Blitz brach aus ihrem Zauberstab hervor und traf Blaise in der Brust. Ohne einen Laut von sich zu geben, knickte er zusammen. „Mobilcorpus!", rief Hermine schnell. Es war nicht so hilfreich, wenn Blaise' Kopf auf den Steinboden knallte. Sie dirigierte ihn zu Boden. „Enervate." Stöhnend kam Blaise zu sich. „Alles okay bei dir?", erkundigte Hermine sich mit schlechtem Gewissen. „Hmmmh.", grummelte Blaise nur und rieb sich die Brust da, wo Hermine ihn getroffen hatte. „Ich hab wohl vergessen zu erwähnen, dass der Spruch eine Brandwunde hervorruft.", murmelte Blaise benommen. „Dafür kann ich den Zauber ausüben.", sagte Hermine, „Das heißt, wir sparen uns eine Wiederholung. Und jetzt zeig mal her." Sie zerrte ungeduldig an seinem T-Shirt. Blaise zog sein T-Shirt aus und warf Hermine ein anzügliches Grinsen zu, als sie fachmännisch seine Brandwunde befühlte. Sie funkelte ihn böse an. „Ich versuche dir zu helfen!", betonte sie genervt. Nein, das Gespräch von heute Nachmittag hatte sie sicherlich noch nicht vergessen!

„Es schaut ehrlich gesagt nicht schlimm aus. Wenn wir wieder oben sind, kann ich dir etwas Murtlap-Essenz geben, dann ist das bis morgen weg.", zog Hermine ihr Fazit. Sie ging zur gegenüberliegenden Wand und ließ sich daran heruntergleiten. „Bist du schon müde? Wir haben gerade erst angefangen!", stichelte Blaise, obwohl er bestimmt noch müder war. Hermine war fertig und müde. Sie vermisste ihre Freunde, sie wollte nicht mehr jeden Tag in Angst leben, sie wollte sich nicht morgen von Bellatrix demütigen lassen und sie wollte niemanden verhexen.

Gestresst fuhr sie sich durch ihre kurzen Haare. Sie bemerkte, wie Blaise sie sehr aufmerksam ansah. Nein, sie würde jetzt nicht einknicken und ihm ihr Leid klagen. Weder Hermine Granger noch Mercure Mortém machten das! Nicht, nachdem sie sich hier hochgearbeitet hatte und endlich bei den entscheidenden Personen – Blaise und Draco Malfoy – als einigermaßen respektable Person und nicht als weichherziger Loser galt.

Sie ballte ihre Hände zu Fäusten. „Fit für ein Boxduell?", fragte sie Blaise kampflustig. Er zog seine Augenbrauen hoch, doch nachdem Hermine schon aufgestanden und sich ihre Handschuhe übergezogen hatte, rappelte auch er sich auf. Auch wenn Blaise angeschlagen war, konnte er Hermines Angriffe mit Leichtigkeit abwehren. Obwohl sie sich redlich bemühte. „Weißt du –", begann Blaise zwischen zwei Attacken, „es ist auch mal okay –", er wehrte wieder einen Schlag ab, „wenn man Schwäche zei – Ahhh! Zeigt!" Und damit fing er ihre Arme ein und hielt sie mühelos mit einer Hand fest. Hermine blickte ihn wütend an. Hatte er ihre Gedanken gelesen?

Blaise hatte ihr den Einsatz mit den Beinen nicht umsonst gezeigt. Sie hakte ihr Bein bei seinem ein, drückte mit ihrem Körper gegen seinen – und Blaise landete doch noch schmerzhaft auf dem Boden. Hermine, obenauf, wusste, dass ihr Knie unangenehm gegen seine Brandwunde drückte. „Nein, Blaise, das ist es, was dich umbringt. Was mich umbringt. Und ich möchte leben. Oder warum denkst du, mache ich das hier mit dir?" Blaise hob kapitulierend seine Hände. Vermutlich schmerzte seine Brust durch den Druck ziemlich arg. „Mir musst du nichts vormachen, und du musst dich mal entspannen, und du musst nachts mal durchschlafen. Sonst bestehst du das alles hier nie. Sonst unterlaufen dir Fehler. Lass dich auf uns alle von der DAA ein. Oder denkst du wirklich, dass es genügt, wenn du mit deinen Freunden oder wem auch immer jede Woche einmal korrespondierst? Oh ja, ich weiß, dass du mit wem in Verbindung stehst. Aber du brauchst auch hier Freunde. Du fühlst dich selber wie ein Außenseiter, aber das muss nicht so sein. Du musst noch viel mehr einer von uns werden." Blaise ächzte leise nach seiner langen Rede.

Hermine befreite ihn und setzte sich vor ihn hin. „Und was schlägst du vor?", fragte sie nach einer halben Ewigkeit, nachdem ihr nichts zu ihrer Verteidigung einfiel. Blaise lachte auf einmal. „Ich hätte jetzt vorgeschlagen, dass du dich zum Beispiel mit Pansy treffen könntest. Aber das scheint ja nicht so… so… möglich zu sein." Hermine warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. „Sei nicht so humorlos!", grinste Blaise. „Ich meine", fuhr er ernster fort, „du kannst die anderen ruhig an dich ran lassen. Miles und Malcolm sind wirklich keine üblen Typen. Und Astoria und Millicent können auch ganz vernünftig sein. Sei nicht so schüchtern bei den Partyabenden, sondern bring dich ein. Lach ein bisschen. Hab ein bisschen Spaß ab und zu. Es geht nicht immer nur um eine Mission."

Für einen zielstrebigen Menschen wie Hermine war das natürlich eine besondere Art von Ohrfeige. Party statt Erfüllung ihrer Mission.

„Komm, gehen wir. Und du schläfst jetzt mal richtig. Bei mir ist niemand, der dein Geheimnis aufdecken könnte. Derjenige muss erst einmal an mir vorbei. In unserem Zimmer bist du sicher.", versprach ihr Blaise. Hermine fühlte sich gerührt, weil er so fürsorglich war und sich als einziger hier um sie kümmerte. Und Blaise hatte Recht, sie benötigte dringend eine ruhige Nacht und Erholung. Es gab nur so viel, das Magie ausrichten konnte – auch wenn Zaubersprüche einen Körper narbenlos heilen konnten, so zehrte eine Verletzung oder die Anwendung von starker Magie doch an den Kräften.

Zusammen gingen sie zu ihrem Zimmer. Hermine hatte sich zu ihrer Grundausbildungszeit angewöhnt, mit ihrer normalen Straßenkleidung zu schlafen. Viele machten das – eine wertvolle Zeitersparnis, wenn Bellatrix um fünf Uhr morgens zum Appell blies. Außerdem konnte Hermine nicht immer alleine das Bad zum Umziehen beanspruchen, wenn es alle sehr eilig hatten.

Blaise nahm es durchaus wahr, dass sie sich wieder mit Robe ins Bett legte. Hermine sah durch halb geschlossene Augen, wie er zu seinem Schrank ging, ein T-Shirt und Boxershorts herausholte. Er warf beides auf ihr Bett. „Und nimm diesen verdammten Verband ab.", sagte er nur und Hermine blinzelte ihn fragend an. Blaise hob auffordernd seine Hände und gestikulierte Richtung Bad. Schwerfällig erhob sich Hermine und verzog sich ins Bad. Mit zittrigen Fingern zog sie sich aus und löste ihren Brustverband ab. Es war jedes Mal eine Wohltat, frei atmen zu können. Hermine schaute an sich herab. Sie hatte bei dem ganzen männlichen Gehabe schon fast vergessen, dass sie weibliche Rundungen besaß. Sie schloss ihre Augen und atmete lang aus. Ob sie jemals wieder ein Kleid und lange Haare tragen würde wie in den Schulferien? Wieder normal gehen durfte statt den Gang eines Halbaffen zu imitieren? Ob sie jemals wieder sie selbst sein durfte? Vielleicht brachte es wirklich Entspannung, wenn sie nicht auch noch nachts Mercure Mortém sein musste. Sie zog sich Blaises T-Shirt und seine Boxershorts an und verließ zögerlich das Bad.

Blaise musterte sie interessiert. Ob mit männlichem oder einfach nur forschendem Interesse, konnte Hermine nicht feststellen. Sie verschränkte ihre Arme als sie bemerkte, dass Blaises Augen auf einer bestimmten Höhe hängen blieben. Er grinste frech. Doch sogleich wurde er wieder ernst. „Ruh dich aus, ich passe schon auf." Er schenkte ihr ein warmes Lächeln. Hermine nickte und kaum, dass sie in ihrem Bett lag, war sie schon eingeschlafen.

Am nächsten Morgen erwachte Hermine, weil sie Stimmen hörte. Sie ignorierte diese und genoss die Wärme ihres Betts. Wie lange war es wohl schon her, dass sie so ruhig geschlafen hatte? Nach einer Weile setzte sie sich doch auf. Wer diskutierte denn mit Blaise? Sie warf einen Blick zur Tür. Gerade rechtzeitig, um Draco Malfoy zu sehen, wie er Blaise aus dem Weg schubste und sich Zutritt in ihr Zimmer verschaffte. „Malfoy…", grollte Blaise wütend. „Klappe, Zabini!", herrschte Malfoy ihn an und kam direkt auf Hermine zu. Unwillkürlich zog sie ihre Bettdecke bis zum Kinn hoch.

„Mortém, du bist immer noch im Bett, obwohl heute dein Tag ist!", fauchte Malfoy erbost. „Los, aufstehen! Trainingsstunde bei Lestrange in einer Stunde! Du kommst besser vorher schon in Fahrt, bevor du heute alle blamierst!" Hermine fühlte sich völlig überfahren. Was glaubte Malfoy, wer er war? So hereinzuplatzen und sie völlig grundlos blöd anzumachen? Vor allem, nachdem er ihr vor nicht allzu langer Zeit einen Vertrauensbeweis entgegengebracht hatte.

„Was soll das, Malfoy?", fragte Hermine und überdeckte ihre viel zu hohe Stimme mit einem unbeholfenen Räuspern. „Raus hier!", befahl Blaise und funkelte Malfoy an. Malfoy warf die Hände theatralisch in die Luft. Dann stieß er Hermine beinahe seinen Zeigefinger ins Auge. „Wenn DU heute versagst, ist es nicht meine Schuld!", sagte er entschlossen und spazierte aus dem Zimmer. Blaise knallte die Tür hinter ihm zu. „Was, bei Merlin, war das denn?", fragte Hermine entgeistert. „Draco hat manchmal eine komische Art und Weise, sich um Leute zu kümmern.", entgegnete Blaise achselzuckend als sei Malfoys Betragen normal gewesen.

Eine halbe Stunde später erschienen sie und Blaise zu der Übungsstunde mit Bellatrix und ihrem Ehemann. Hermines Herz blutete, als sie eine Hauselfe sah, mit schäbigen Fetzen bekleidet, inmitten eines Kreises von Zauberern. Sie wand sich am Boden und weinte laut. „Bitte, Miss! Trixi hat nichts damit zu tun, bitte, Miss!" Doch Bellatrix verpasste ihr einen Fußtritt. „Diese Elfe hier", sagte sie, „wurde dabei erwischt, wie sich in dem Raum mit den Besen aufhielt, als unser Anschlag auf Hogstown vereitelt wurde. Sie hat die Besen manipuliert." Die Elfe schüttelte ihren Kopf. „Bitte, Miss, Trixi hat nur den Boden gewischt wie Master Malfoy gesagt hat."

Hermine hasste sich in diesem Moment selber. Ein anderes, hilfloses Wesen, musste für ihre Taten haften und wurde grausam bestraft. Sie wollte ihren Blick abwenden, aber mit aller Mühe blickte sie auf Trixi herab und versuchte so zu tun, als ginge sie das alles nichts an.

„Meier, Amell, Iwanow, Mortém, bestraft sie, aber tötet sie nicht. Heutzutage sind Hauselfen hart aufzutreiben und teuer.", sagte Bellatrix schrill. Hermine dachte an den Grindeloh in Snapes Aquarium, dem sie ein ums andere Mal einen Imperiusfluch aufgehalst hatte. Vielleicht genügte auch dieser Unverzeihliche heute. Frank und Hermann waren gleich dabei, die Elfe mit einer fiesen Infektion zu beschießen. Viktor erhob zögerlich seinen Zauberstab, doch Hermine war schneller. „Imperio!", zischte sie. „Hör auf zu weinen…hör auf zu weinen…", dachte sie, um dem erbärmlichen Schluchzen ein Ende zu bereiten. „Wehr dich nicht… schütze nach ein paar Minuten eine Ohnmacht vor…", fuhr Hermine gedanklich fort. Mehr konnte sie nicht für die Elfe tun. Bellatrix sah zufrieden aus, dass die Vier die Elfe bearbeiteten. Hermine schoss im allgemeinen Chaos von Zaubersprüchen ein paar harmlosere ab, bis dann endlich die Elfe in sich zusammensackte. Hermine hoffte, dass ihr nichts fehlte und sie noch immer unter dem Imperiusfluch stand.

„Draco, schaff sie weg!", befahl Bellatrix angeekelt. Malfoy zog seine Augenbrauen hoch. „Du bist ihr Master.", erklärte Bellatrix. „Ach, Tante… ich vergaß, auf dich hören sie ja nicht.", erwiderte Malfoy in neutralem Ton und Hermine hatte das Gefühl, dass er nur auf die Gelegenheit gewartet hatte, es Bellatrix öffentlich hinzureiben, dass sie nicht so nah an der altehrwürdigen Malfoy-Familie war, dass sie von den Hauselfen akzeptiert wurde. „Mobilcorpus!", sprach er und transportierte die Elfe aus dem Raum.

Blaise hatte einen amüsierten Gesichtsausdruck und Hermine kämpfte selber mit einer gewissen Schadenfreude. Bellatrix schien das zu spüren, denn sie schnauzte die Führeranwärter ungehalten an: „Was steht ihr hier so blöd herum? Los, ab nach draußen auf den Hindernisparcours. Zeigt diesen Amateuren da draußen, wie viel sie noch zu lernen haben!" Hermine seufzte innerlich. Jetzt musste sie die Leute während ihrer Grundausbildung auch noch verhexen, als wäre die Elfe nicht schon genug für heute gewesen.

Hermine empfand Nikolai, Frank, Hermann und Victor gegenüber eine wachsende Abscheu. Sie waren genauso wie Lucius Malfoy: elitär, faschistisch und hatten Spaß daran, diejenigen zu quälen, die sie für minderwertig hielten. Bei ihrem Verhalten gab es einfach keine Entschuldigung mehr – sie hatten wahre Freude an ihrem Tun, nicht so wie Blaise, sie oder Draco Malfoy, die nur taten, was getan werden musste, um zu überleben.

Vor dem Hindernisparcours warteten schon ein paar Anwärter. Einige davon waren maskiert. Hermine hatte die Regeln, wer wann maskiert sein musste, immer noch nicht durchschaut. Blaise sah sich um. „Ich denke, diese hier werden zu Voldemorts Spezialkampftruppe ausgebildet – daher soll auch niemand ihre Identität kennen.", beantwortete er Hermine stumme Frage. „Wir maskieren uns lieber auch – nicht dass die da noch Rachegelüste bekommen.", sagte Frank unsicher. ‚Feigling', dachte Hermine, aber nachdem Blaise nickte, sprach auch sie: „Velandum!" und verschwand hinter ihrer Maske.

Sie positionierten sich nach Narcissa Malfoys Anweisungen an verschiedenen Punkten in dem Parcours. Zweifelsohne war Bellatrix nicht weit und überwachte, wie sie sich darin machten, anderen Menschen zu schaden. Der erste, ein unbeholfener Junge, wurde in den Parcours geschickt. Er stolperte schon am Anfang fast über seine eigenen Beine. Hermine und Blaise sahen sich an. „Stupor!", rief Frank von irgendwo. Der Junge ließ sich fallen und der Fluch surrte über ihn hinweg. Blaise war der nächste. Er zielte halbherzig und sein Stolperfluch kam dem Jungen nicht einmal nahe. Jetzt war Hermine an der Reihe. „Petrificus totalus!", stieß Hermine widerwillig hervor und zielte auf das Bein des Anwärters.

Das brachte den Jungen zum Stolpern und als er auf dem Boden lag, nutzte Nikolai die Gelegenheit, einen Hornzungenzauber nachzuschieben. Hermine war entsetzt. Das war sowas von charakterlos, dass sie am liebsten die anderen Führeranwärter mit Flüchen beschossen hätte anstatt der Rekruten. Aber sie konnte sich beherrschen. Dieses Spielchen zog sich über den ganzen Nachmittag hinweg hin. Bei den offensichtlich Schwachen zielte Hermine weniger genau, bei denen, die als Rüpel auffielen, hatte sie weniger Schmerz dabei, richtig zu zielen. Sie brauchte auch eine bestimmte Trefferquote, alles andere war zu auffällig.