Hermine überlegte sich einen Plan, wie sie am besten ihre Frankreich-Mission umsetzen konnte. Es war schwierig, an die richtigen Leute heranzukommen. Die Führungsriege gab sich mit den Führeranwärtern nur ab, wenn sie jemanden aus dem Kerker verhörten und speziell geschult wurden, irgendwelche Leute oder Geschöpfe zu quälen. Daher brauchte sie einen Verbündeten – nur nicht den misstrauischen, alles wissenden Blaise und Malfoy, den sie schützen sollte.

Bei einem gemeinsamen Abendessen platzierte sie sich bei Alex und Theodor, ihren alten Zimmergenossen. Sie saßen immer in der Nähe von Krastev und Hermann Meier. Um letztere ging es Hermine. Sollten diese ekelhaften Kreaturen ruhig hören, was sie zu sagen hatte.

„Hey, Mercure, sieht man dich auch mal wieder?", sagte Alex und lud sie neben sich ein. Meier und Krastev blickten irritiert – sie gaben sich nur mit ihresgleichen ab, doch mit niemandem aus einer niedrigeren Kaste. Gut so – jetzt hatte sie die Aufmerksamkeit bestimmt. „Jo, Leute.", begrüßte Hermine ihre Kumpels. „Was steht an bei dir, Mercure?", fragte Theodor. „Oh, nicht viel. Verhörtechniken bei Bellatrix. Mal wieder Post von daheim.", erwähnte Hermine wie beiläufig. „Ohh, wasch isch denn in Frankreisch so los?", äffte Alex Hermines anfangs deutlicher ausgeprägten „Akzent" nach. „Ach, der Orden des Phönix scheint auch dort aktiv zu werden. Einer der Blutsverräter.", zuckte Hermine mit den Schultern. Die Saat war gesät.

Am nächsten Tag wurde Hermine – überraschenderweise schon wieder – zu dem allabendlichen Duell mit einem der Anwärter gerufen. „Mortém, was hast du denn verbrochen?", fragte Malfoy verdutzt. Dass man im Turnus von zwei Wochen drankam, war normal, aber nicht so kurz hintereinander. Bellatrix musterte sie mit einem grimmigen, forschen Blick, während sie irgendeine arme Sau auswählte, die gegen Hermine antreten musste. In weniger als zwei Minuten war das Duell beendet und Lestrange wies Hermine an, ihr zu folgen.

Hermines Nervosität ließ nicht lange auf sich warten. Bisher war sie noch nie mit Bellatrix allein gewesen und sie fürchtete sich vor der Verrückten. Ohne ein Wort zu sprechen, wurde sie durchs halbe Malfoy Manor geführt. In einem Raum mit einem langen Tisch war ihr Weg zu Ende. Hinter dem Tisch stand ein halbes Dutzend Stühle, vor dem Tisch nur einer. Bellatrix herrschte sie an, dort Platz zu nehmen. Hermine spürte die Angst in sich hochkriechen. Waren Krastev und Meier wirklich so schnell gewesen, sie zu verpetzen, um sich selber zu profilieren oder ging es hier doch um etwas anderes und Bellatrix sah ihre Stunde der Rache gekommen?

Mit einem Knall öffnete sich die Tür und fünf Männer traten ein. Sie waren nicht maskiert. Hermine erkannte Lucius Malfoy, Rudolphus Lestrange, Avery Nott und Severus Snape. Der fünfte war ihr gänzlich unbekannt, er war auch jünger als alle anderen. Er besaß nordisches Aussehen – vielleicht war er in Durmstrang gewesen. Auf dem sechsten Stuhl nahm Bellatrix Platz, ihr irres Grinsen im Gesicht. „Los, beginnen wir mit dem Verhör von Merc-", begann sie.

„Halt!", befahl Lucius Malfoy mit seiner durchdringenden, vollen Tenorstimme und hob abwehrend seine Hand. Bellatrix verstummte, ein verstimmter Gesichtsausdruck zierte ihr Gesicht. „Du bist Mercure Mortém, richtig?", fragte Malfoy Senior Hermine. Sie nickte wie eingeschüchtert. Malfoy hatte sie noch nie leiden können. „Uns ist zugetragen worden, dass du Nachrichten aus deiner Heimat bekommen hast." Er sah sie fragend an. „Ja, das ist richtig.", beeilte sich Hermine zu sagen. „Es heißt, du wüsstest etwas über den Orden des Phönix." Malfoy betonte den Namen so, als sei es etwas furchtbar Ekelhaftes, wie Hundedreck an seinem polierten Schuh. Hermine blickte ihn an. „Nun rede schon, Junge. Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.", schnaubte Snape von der Seite. Malfoy warf ihm einen durchdringenden Blick zu.

„Ja.", begann Hermine zögerlich. „Meine Eltern haben mir geschrieben und erwähnten dabei, wie sich eine Flut von Blutsverrätern nach Frankreich ergießt – die Feiglinge flüchten." Sie versuchte, ihrer Stimme eine gute Portion von Verachtung mitzugeben. „Dabei scheint auch jemand der Weasleyfamilie dabei zu sein. Ich kenne eine davon aus meiner Schulzeit.", sagte Hermine mit Ekel in der Stimme, während sich ihr Bauch mit Wärme füllte, als sie an Fleur, Bill und Arthur dachte. „Anscheinend versuchen sie in Frankreich zu rekrutieren. Mehr weiß ich aber nicht."

Die sechs ihr gegenüber Sitzenden warfen sich gegenseitig gewichtige Blicke zu. „Warum hast du uns das nicht selbst erzählt?", fragte Malfoy misstrauisch. „Ich konnte die Relevanz nicht einschätzen… ich dachte, das sei allseits bekannt, nachdem der Dunkle Lord so viel reist…", erklärte Hermine und hoffte, dass sie ihr die Lüge abkauften.

„Es kann eine Falle sein.", warf Bellatrix ein und trommelte mit den Zeigefingerspitzen auf den Tisch. Malfoy sah sie mit hochgezogener Augenbraue an. Sein Sohn konnte diesen Gesichtsausdruck perfekt imitieren, fiel Hermine auf.

Malfoy seufzte und wandte sich wieder Hermine zu. „Wir werden dem selbstverständlich nachgehen. Als Führeranwärter erwarte ich mir allerdings mehr als ‚ich hab die Relevanz verkannt', Mortém!" Hermine nickte und senkte demütig den Kopf. Snape stand auf und raunte Malfoy etwas ins Ohr. Dieser blickte verdutzt, dann schien er eine Entscheidung zu treffen.

„Ich werde dich dafür verantwortlich machen, Mortém. Das ist eine gute Übung, ob es nun Fehlalarm ist oder nicht. Du wirst den Zugriff vorbereiten und organisieren. Ich bin dein Ansprechpartner, und niemand anderes.", wies er Hermine an, sah beim letzten Teilsatz jedoch verdächtig in Richtung Bellatrix. „Ich erwarte in drei Tagen ein Ergebnis. Hier ist schnelles Handeln gefragt, dem Tun des Ordens muss Einhalt geboten werden.", sprach Malfoy.

Damit entließen sie Hermine. Also hatte Snape es irgendwie eingefädelt. Sie eilte in ihr Quartier, wo Blaise schon auf sie wartete. Er schien erleichtert zu sein, sie unversehrt zu sehen. „Draco und ich haben uns schon gefragt…", begann er. „Alles gut, Blaise.", sagte Hermine und krempelte ihren Ärmel hoch, wo ihr Otter herumtollte. „Otter ans Frettchen: Treffen jetzt sofort bei dir. MM", sagte sie. Blaise sah sie fragend an. „Los, komm, gehen wir zu Malfoy. Ich denke, das sollte er auch erfahren.", forderte Hermine Blaise auf. Er warf ihr einen finsteren Blick zu, natürlich wollte er der erste sein, der erfuhr, was vor sich ging.

Draco Malfoy bot ihnen wieder die Sessel ums Feuer an, dieses Mal gab es jedoch nur Kürbissaft und zum Glück keinen Whisky. „Also, worum geht's?", fragte er Hermine ausnehmend freundlich. „Ich soll eine Mission in Frankreich durchführen- von Organisation bis Zugriff. Ansprechpartner ist Lucius Malfoy.", gab Hermine bekannt. Blaises Augen quollen heraus. Malfoy blickte sie durchdringend an.

„Wie kommst du dazu?", fragte er schließlich. Wahrscheinlich galt es auch noch als Ehre, direkt seinem Vater unterstellt zu sein. „Ich habe Post von zu Hause bekommen, mit wichtigem Inhalt, wie es scheint. Meine Eltern haben etwas vom Orden erwähnt und das sind jetzt auf einmal große Neuigkeiten.", sagte Hermine leichthin, fühlte sich aber sehr schlecht, ihre Freunde zu belügen und ihnen eine unbefriedigende Erklärung anzubieten. Aber sie schienen es fürs Erste so zu schlucken.

„Du machst grad einen steilen Aufstieg.", bemerkte Blaise, halb bewundernd, halb verwundert. Hermine gab sich unwissend: „Wie meinst du das?" Malfoy erklärte ungeduldig: „Dir ist schon klar, dass du dich hier profilieren kannst. Und, falls das Ganze Erfolg hat, du das Dunkle Mal bekommst?" Hermine bemühte sich, neutral auszusehen. Ja, darauf arbeitete sie hin und zielte darauf ab. Aber gleichzeitig hasste sie das Mal mit aller Inbrunst. „Ja, wenn du das schaffst, dann hast du's geschafft.", bestätigte Blaise. „Dann sollte ich es möglichst nicht vertun.", schlussfolgerte Hermine. „Ich hab auch nur drei Tage Zeit.", fügte sie nachdenklich hinzu. „Was!?", rief Blaise. „Wie bitte!?", entfuhr es Malfoy. „Und da sitzt du noch hier rum und trinkst Kürbissaft? Los, wir müssen was tun!"

Hermine sah sich überrollt von Aktionismus. Blaise schrieb über sein Helles Mal gerade den anderen DAA-Mitgliedern, Malfoy war zu seinem Bücherregal gegangen und kramte in einigen Pergamentrollen herum. „Gleich werden ein paar Leute kommen, Draco. Wir werden Aufgaben verteilen müssen. Mercure, da haben sie dir eine schwere Aufgabe erteilt. So ein Einsatz will normalerweise wochenlang geplant werden.", sagte Blaise. „Hier, Mortém", sagte Malfoy – ihren Nachnamen betonend, da sie ihn auch immer noch mit Nachnamen ansprach – „das sind Aufzeichnung früherer Operationen. Du musst dich einlesen, damit du abschätzen kannst, wie viele Personen benötigt werden. Und kümmere dich um den Transport, von England nach Frankreich ist es zu weit, um zu disapparieren."

Hermine wurde gerade überrollt. Sie schnappte sich die Rollen und begann zu lesen. Immer wieder trudelten neue Leute der DAA bei Malfoy ein und er und Blaise redeten leise, schickten sie mit neuen Aufgaben weg. Hermine bekam das nur am Rande mit. Was vor ihr lag, war für den Orden sehr wertvoll. Strategie der Todesser. Freilich, diese Aufzeichnungen hier waren sehr alt, sonst würde Malfoy sie auch nicht so einfach in seinem Bücherregal lagern. Aber es konnte dennoch in ein gewisses Schema Einblick gewähren. Hermine hoffte, sich alles einprägen zu können.

Nach einer Weile gesellten sich Blaise und Draco zu ihr. „Na, wie schaut's aus?", fragte Blaise freundlich. „So wie ich es einschätze, könnten wir auf fünfzehn bis zwanzig Ordensleute stoßen. Das bedeutet, dass wir mindestens ebenso viele Todesser brauchen. Gemessen an den Zahlen der Gegner und den eigenen und gegnerischen Verlusten.", erklärte Hermine langsam. Malfoy nickte aufmunternd, und Hermine fuhr dankbar und weniger zögerlich fort: „Ich denke, wir sollten sieben Greifer, vier Läufer, drei Führer und zwei Führeranwärter einplanen. Und natürlich mich." „Hm.", machte Blaise nachdenklich. Malfoy jedoch nickte. „Das klingt nach Standardprogramm bei einer Operation.", meinte er. „Und an wen hast du gedacht? Wer soll mitkommen?", fragte Blaise.

Hermine atmete aus. „Ich weiß, dass Bellatrix mit dabei sein wird und bestimmt noch einer von den höheren Kreisen, vielleicht ihr Ehemann? Und Nott hätte ich gerne. Des Weiteren hätte ich gerne Meier oder Amell und einen von euch beiden – dich, Malfoy. Ist das soweit in Ordnung?", fragte Hermine.

„Amell ist zurzeit außer Gefecht. Das Werk von Millicent…", bemerkte Malfoy schadenfroh. „Ja, ich will eh nicht, dass ausgerechnet er mitkommt!", entfuhr es Blaise. Hermine blickte ihn an und er lief rot an. Sie ließ es unkommentiert. „Und ja, ich werde mitkommen.", entschied Malfoy und Blaise sah etwas verärgert drein. „Gut.", meinte Hermine und beobachtete heimlich Blaise. Ihm missfiel das gewaltig und er verschränkte seine Arme.

Hermine sagte: „Ich brauche auch noch einen Spion, der auskundschaften kann, wo sich der Orden aufhält und wie wir uns dabei am besten in Stellung bringen könnten." Blaise hatte seine Arme immer noch verschränkt, Malfoy kratzte sich unentschlossen am Kopf. „Da musst du zu Vater. Ich kenne unsere Spione nicht. Kaum einer weiß, wer im Vorfeld abchecken geht, bevor die Greifer die Wache übernehmen. Und mach das lieber gleich, jede zusätzliche Stunde ist ein Gewinn."

Hermine nickte und ging, um das gleich zu erledigen. Blaise folgte ihr. Kaum war die Flügeltür zu Dracos Zimmer hinter ihnen geschlossen, packte er Hermine hart an der Schulter. „Was soll denn das, Mercure?", zischte er. „Was soll was?", erwiderte Hermine ruhig, den Unschuldigen spielend. „Ich bin immer noch dein Tutor, ich habe mit dir stundenlang geübt und auf dich aufgepasst und nun begleitet dich Malfoy zu der wichtigsten offiziellen Mission, die du jemals hattest?", beklagte sich Blaise.

Hermine schüttelte ihren Kopf. „Das hat mit alldem nichts zu tun, Blaise. Ich kann es dir nicht erklären, aber es muss Malfoy sein, der mich begleitet." Sie war bei Malfoys Initiationsmission dabei gewesen und hatte einen seiner schwächsten und zugleich stärksten Momente gesehen. Wie ihm die Knie gezittert hatten, wie er leichenblass gewesen war und wie sie ihren Widerstand dennoch durchgezogen hatten. Wenn jemand sie zu einem ihrer schwächsten Momente begleitete, dann musste es Malfoy sein. Er hatte es hinter sich, er wusste, worauf es ankam und egal, wie sie reagieren würde, er würde da sein. Es war eine besondere Form von Magie, aber so viel hatte Dumbledore sie, Harry und Ron gelehrt.

Blaise hatte es noch nicht mitgemacht. Aber sie konnte ihm dies nicht sagen, ohne ihn arg zu verletzen. Aber egal wie, Blaise war verletzt. „Ich verstehe es nur nicht, Mercure.", sagte er mit zusammengekniffenen Lippen. Hermine seufzte innerlich. „Bitte, Blaise. Mach es mir nicht schwerer als es ist.", sagte sie neutral. „Du machst es mir schwer. Dir machst du es einfach.", sagte Blaise ärgerlich. Das stimmte nicht, und Hermine wurde langsam sauer. Ihre ganze Existenz war im Moment eine einzige Erschwernis. „Du verstehst das nicht, es war keine persönliche Wahl zwischen dir und Malfoy!" „Ach nein?", fragte Blaise zynisch. „Ich muss dir immer zur Seite stehen, wenn du was brauchst, und nie hab ich mich beschwert. Und bei der ersten Gelegenheit, mir etwas zurückzugeben, rennst du munter zu Malfoy." „Bist du eifersüchtig auf ihn?!", sprudelte es aus Hermine heraus. Blaise verteidigte sich: „Ich bin nicht -… hast du dich mal selber gesehen, wenn Malfoy in der Nähe ist? Du gaffst ihn an, wie wenn er von einem anderen Planeten wäre und – und – ich habe halb Hogwarts ihm zu Füßen gesehen und ich weiß genau, wie es aussieht, wenn ihm ein Mäd– wenn ihm jemand verfallen ist!"

Hermine lief rot an. Ob aus Wut oder weil sie sich ertappt fühlte, konnte sie kaum sagen. „Ich bin niemanden verfallen!", fauchte sie. Auch wenn Malfoy sie manchmal faszinierte, war sie sehr weit davon entfernt, ihm verliebt zu Füßen zu liegen. „Du spinnst komplett, Blaise. Das weißt du, oder? Es tut mir leid, wenn ich deine Gefühle kränke, aber…" Sie hob hilflos ihre Hände. So war es nun mal und sie konnte auch nichts für Blaises Gefühle für sie. Blaises Augen waren verengt und er schüttelte seinen Kopf und begann etwas zu sagen, als Malfoys Tür aufging.

„Was ist hier draußen eigentlich los?", fragte er grantig. „Ich höre nur Stimmen und Streit – habt ihr nichts Besseres zu tun? Mortém, du vor allem!?" „Hmpf.", machte Blaise und warf seine Arme in die Luft, bevor er auf dem Absatz kehrt machte und davoneilte. Malfoy warf Hermine einen finsteren, fragenden Blick zu und hob seine Arme. „Pff.", machte Hermine und eilte davon, Malfoy Senior zu suchen.


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