Dann stürmte Hermine aus Malfoys Zimmer.
Noch bevor sie sich überlegen konnte, wohin sie laufen oder was sie denken sollte, brannte ihr Unterarm. Hermine ballte die Faust. Der Dunkle Lord rief sie schon wieder. Sie maskierte sich und setzte ihren Weg gleich in Richtung Thronsaal fort. Hastig versuchte sie, ihren Kopf zu leeren, während ihre Gedanken rasten.
Als endlich alle Todesser versammelt waren, erschien auch der Dunkle Lord. Und er war nicht in bester Laune. „Mir sind gewisse Dinge zu Ohren gekommen.", zischte er leise. „Eure Verfehlungen kosten uns den Sieg. McNair!" Der Genannte trat nervös hervor. „Legilimens!", zischelte der Dunkle Lord. McNair wand sich, aber er kam nicht davon. „Du bist kein Läufer mehr, McNair, sondern wirst in Zukunft mit den Greifern mitlaufen. Ein solches Verhalten dulde ich nicht gegenüber Reinblutfamilien.", fauchte der Dunkle Lord. „Crucio!" Hermine biss die Zähne zusammen. Die anderen halfen McNair auf, während der Lord einen nächsten bestrafte.
Dann rief er Draco Malfoy auf. Malfoy schritt von hinten nach vorne, alle machten ihm Platz. Er kniete sich vor den Dunklen Lord hin. Mit einem diabolischen Grinsen sagte Voldemort: „Bellatrix hat mir erzählt, dass du dich für deine unfähigen und unwürdigen Freunde eingesetzt hast. Das ist eine Schwäche! Stimmt das, was deine Tante sagt, junger Malfoy?" Hermine blickte Malfoy angstvoll an. Sie wollte nicht, dass er bestraft wurde, denn sie… empfand etwas für ihn. Es war falsch, in diesem Höllenloch etwas zu empfinden und dennoch tat sie es. Sie konnte seinen Kuss immer noch auf ihren Lippen spüren.
„Ja, mein Lord.", antwortete Malfoy mit indifferenter, aber selbstbewusster Stimme. „Ich habe mich verbürgt und ich nehme diese Pflicht sehr ernst. Loyalität wird hier stets geschätzt." „Das stimmt. Dennoch möchte ich selbst einen Blick darauf werfen.", zischte der Dunkle Lord hinterhältig. „Legilimens!"
Hermine hatte eine vage Ahnung, was er jetzt sah.
Und der Dunkle Lord lachte. Und lachte höhnisch. „Lucius, ich muss dir sagen, dass deine altehrwürdige Linie mit deinem nichtsnutzigen Sohn ausstirbt… seine Erinnerungen sind so frisch, so voller Gefühle, voller Liebe, so voller Wut… nicht wahr Draco?" Lucius grollte: „Draco, was soll das?!" Draco presste nur hervor: „Mein Herr. Ich nehme die Strafe für meine Vergehen an."
Lord Voldemort lachte nur. „Oh nein, oh nein. Ich werde dich nicht gleich bestrafen. Du wirst zusehen, bis deine Schwäche ausgemerzt ist. Alles andere überlasse ich dir, Lucius. Liebe ist etwas Grausames, das musste schon meine bedauernswerte Mutter erfahren. Wo ist dein Liebhaber, Draco? Mercure Mortém, tritt hervor."
Hermines Glieder zitterten und sie konnte sich vor Angst kaum auf den Beinen halten. Sie trat neben Malfoy vor und verbeugte sich tief. Der Dunkle Lord schnippte nur mit seinen Fingern und entfernte Hermines und Dracos Maske. „Jeder soll eure Abartigkeit sehen!", zischte er befriedigt. „In der magischen Welt gibt es eine bestimmte Strafe für eure Abartigkeit."
„Nein, mein Herr!", rief Draco Malfoy und sprang vor Hermine. „Bitte, tut das nicht!" Hermine wusste nicht, wovon der Dunkle Lord überhaupt sprach. Malfoy schien es allerdings schon zu wissen. „Gut, du zuerst. Und dann wirst du zusehen.", beschied ihn Lord Voldemort. Mit einem Krümmen seiner Finger gingen Hermine und Draco in die Knie. „Lucius, es ist dein Sohn. Du darfst die Strafe ausüben." Lucius stolperte hervor. „Mein Herr – ist das wirklich nötig?", fragte er ängstlich. „Vielleicht möchte deine Schwägerin Bellatrix die Bestrafung übernehmen?", fragte der Dunkle Lord genüsslich. „Nein!", entfuhr es Lucius Malfoy. Bellatrix trat hämisch grinsend hervor, beschwor etwas aus der Luft heraus und übergab Lucius eine neunschwänzige Katze.
Dann richtete sie ihren Zauberstab auf Dracos Rücken und schnitt damit den Stoff durch. Malfoy zitterte leicht. „Zehn Hiebe, wie es der Zaubergamot vor Dumbledores Zeit vorgeschrieben hat.", erinnerte der Dunkle Lord seinen Anhänger Lucius. Hermine kniete da und wusste nicht, wie ihr geschah. Das war archaisch und menschenunwürdig. Sie wurden ausgepeitscht, weil Voldemort dachte, sie als Mercure Mortém und Draco Malfoy hätten ein Verhältnis? Aber Malfoy sagte nichts über ihre wahre Identität. Er biss die Zähne zusammen und blickte sie fest an. Seine grauen Augen bohrten sich in ihre.
Lucius sagte laut: „Du bist eine Schande für unsere Familie.", holte aus und schlug seinen Sohn. Einige der Todesser lachten hämisch und schadenfroh. Hermine unterdrückte einen Schrei. Draco nahm es hin. Viele der Todesser zählten laut mit. Nach dem dritten Schlag konnte er seine Schmerzen nicht mehr verbergen. Sein Rücken war bald blutig und voller Striemen. Nach dem zehnten Schlag sackte er in sich zusammen. „Enervate!", sage Bellatrix triumphierend. „Auch du wirst es dir ansehen!", befahl der Dunkle Lord und dirigierte Draco in eine Position, von der er es aus mitansehen musste, wie Hermine dasselbe Schicksal erlitt wie er. Er protestierte schwächlich.
Hermine wollte sich wehren, doch der Zauber des Dunklen Lords ließ nicht viel Bewegung zu.
„Secando!", rief Bellatrix fröhlich und zerschnitt Hermines Roben an ihrem Rücken. Hermine hielt ihre Kleidung fest an ihre Brust geklammert, damit sie nicht entblößt wurde wie Draco. Lucius stand unschlüssig mit der Peitsche da. Hermine wartete auf den ersten Schlag. Er kam nicht. „Lucius, worauf wartest du?", zischte der Dunkle Lord. „Es ist nicht an mir, ihn zu bestrafen. Er ist nicht meine Familie.", sagte der ältere Malfoy zögerlich. „Oh ja, ich vergaß.", antwortete der Dunkle Lord vergnügt. „Draco hat sich ja verbürgt für ihn. Also wird er auch die vollen Konsequenzen tragen."
Hermine schrie innerlich. So sadistisch konnte kaum jemand sein. Nein, nicht Draco! Der Dunkle Lord erhob sich, nahm Lucius die Peitsche ab und drückte sie Draco mit einem diabolischen Lächeln in die Hand und löste ihn aus seinem knienden Zustand. Draco stand auf wackligen Beinen. „Nun mach, Junge, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.", schnarrte Lord Voldemort. „Tu es, wenn dir dein Leben lieb ist."
Hermine schloss die Augen und biss ihre Zähne zusammen. Draco holte aus und sie hörte nur das Surren der ledernen Schnüre. Der Schmerz war höllisch. Doch der Cruciatus-Fluch war schlimmer. Weit, weit weg hörte sie die Todesser zählen. Sie würde nicht schreien. Ihre Arme verkrümmten sich um ihre Brust. Der Cruciatus-Fluch war schlimmer. Acht. Sie würde nicht schreien. Sieben. Der Cruciatus-Fluch war schlimmer. Sechs. Nicht schreien. Fünf. Cruciatus war schlimmer. Vier. Nicht…schreien. „Junge, gib her. Er geht doch nicht scharf ran. Bellatrix?" Drei. Crutiatus war schlimmer. Zwei. Nicht…nein, nicht schreien. Eins. Nicht schreien. Hermines Körper gab nach und sie fiel um.
„Schafft sie beide hier weg, diese Schande!"
Hermine spürte, wie jemand seine Robe über sie ausbreitete, sie einwickelte und forttrug.
Hermine erwachte, sie lag auf ihrem Bauch, ihr Oberkörper war nackt und ihr Rücken schmerzte höllisch. Wo war sie? Panisch tastete sie nach ihrem Zauberstab. „Nicht! Alles ist gut!", sagte eine beruhigende Stimme. „Blaise?", fragte Hermine. „Ja, ich bin es.", antwortete er beruhigend.
Hermine ließ sich zurück sinken. „Wer… was…wie…?", hob sie erneut an zu fragen. „Also, ich habe deine Murtlap-Essenz auf deinem Rücken verteilt und die Blutungen sind gestillt. Sachte!", erklärte er zunächst. „Ich habe dich hierher gebracht. Keine Angst, niemand weiß um dein Geheimnis. Niemand konnte etwas sehen." Hermine schnaufte beruhigt aus. Andernfalls wäre sie sicherlich schon längst tot gewesen.
Blaise fuhrt fort: „Malfoy ist am Leben, um ihn wird sich bereits gekümmert. Dir ist klar, dass er keine andere Wahl hatte?" Hermine murmelte: „Ihm mache ich die wenigsten Vorwürfe." „Gut, denn er hasst sich am meisten selbst dafür.", meinte Blaise und bestrich Hermines Rücken neu mit Essenz.
Blaise sagte auf einmal sehr leise: „Ich kenne nur einen Tatbestand, der seit jeher mit zehn Hieben geahndet wurde, bis Dumbledore dies abgeschafft hat. Nämlich, wenn man zwei Männer bei… homosexuellen Handlungen… erwischt. Was habt ihr getan? Hat Bellatrix euch gesehen? Und wie…?" „Ich weiß es nicht, Blaise. Ich wusste auch nicht, dass etwas normales so barbarisch bestraft wird. Ich habe mit Draco geredet und mich entschuldigt und da kam er auf einmal und hat mich… geküsst. Und er hat herausgefunden, dass ich… kein richtiger Mann bin. Der Dunkle Lord muss Fragmente bei seinem Legilimentik-Zauber gesehen haben."
Blaise atmete tief ein. Hermine konnte die Wut spüren, die von ihm ausstrahlte. „Weißt du, was für ein riskantes Spiel du da treibst? Wie kannst du nur… deinen Gefühlen die Oberhand geben? Bist du nicht das Hirn des Trios?", sagte er, lauter als notwendig.
„Du musst gerade reden. Ausgerechnet du! Und sprich nicht darüber!", warf Hermine ein. Blaise überging ihren Kommentar. „Warum gerade Malfoy, bei Salazar Slytherin?", fragte er bitter.
„Ich weiß es wirklich nicht, aber da ist etwas zwischen uns, das ich noch nie gespürt habe.", antwortete Hermine traurig. „Ich verzeihe ihm diese Schläge. Sag' ihm das, wenn ich es nicht mehr tun kann." „Was redest du da, Mercure? An diesen Schlägen stirbst du nicht!", schnaubte Blaise. „Bitte – denk' einfach daran, ich habe so ein Gefühl…", murmelte Hermine.
Irgendwann zur Nachtzeit ging Blaise schlafen, nachdem er ihre Wunden versorgt hatte. Hermine griff nach ihrem Zauberstab und versuchte sich in ein paar ungesagten Heilungszaubern. Sie hoffte, dass sich die Wunden geschlossen hatten und nicht mehr aufbrechen würden. Was sie jetzt vorhatte, war hoch riskant. Aber ihr Cover war dermaßen angekratzt und in Gefahr, dass sie jetzt alles auf eine Karte setzen musste.
Auf Zehenspitzen schlich Hermine zum Schrank und holte eine neue Robe heraus. Mit einem Schwenk des Zauberstabs war sie angezogen. „Velandum!", hauchte sie. Jeder hatte ihr Gesicht und ihre vermeintliche Schande gesehen, also blieb sie besser unerkannt.
Hermine packte ihren Rucksack, dann schlich sie aus ihrem Zimmer. Sie ging in Richtung Kerker, wo sie Ginny vermutete. Hermines Rücken schmerzte höllisch und ihr T-Shirt wurde feucht. Sie hoffte, dass es nur Schweiß und kein Blut war. Sie desillusionierte sich, sobald sie in die Nähe des Kerkers gekommen war und überprüfte die Lage. Zu so später Nacht waren nur noch ganz wenige Wachen unterwegs. „Stupor!", dachte Hermine angestrengt und ein Wachposten fiel zu Boden. Sie setzte auch die nächsten beiden außer Gefecht.
In welchem Kerker war Ginny gewesen? Sie suchte die Zellen ab. Manche schliefen, manche klagten, manche schritten umher. Gut, dass sie im Moment unsichtbar war.
Hier war Ginny! Sie schien zu dösen. „Ginny!", wisperte Hermine. Ginny war sofort hellwach und sah sich um. Hermine ließ ihren Illusionszauber fallen. „Ich bin es, Hermine!", flüsterte sie. Ginny kam näher. „Beim Barte Merlins, wie siehst du denn aus? Und wie habt ihr den Troll besiegt?" „Mit Wingardium leviosa und das ist jetzt egal, Ginny, komm, wir müssen fliehen. Ich hole dich hier raus!", flüsterte Hermine.
Das Schloss zu den jeweiligen Zellen konnten nur Träger des Dunklen Mals öffnen. Es hatte eine eigene Magie. Hermine öffnete die Tür und Ginny hinkte heraus. „Komm, schnell!", drängte Hermine sie. „Levicorpus!", befahl sie und bugsierte die leblosen Wachen in Ginnys Kerker. Die anderen Gefangenen wurden auf sie aufmerksam, einige begannen zu randalieren. Es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand darauf aufmerksam werden würde.
Die alte Hermine hätte jedem die Türe geöffnet. Aber hier war sie ein Todesser, Mercure Mortém, und sie verfolgte den Plan, am Leben zu bleiben und Ginny zu retten.
Hermine maskierte sich wieder. „Es tut mir leid, Ginny, aber so sind wir leider zu langsam.", sagte sie. „Incarcerus. Mobilcorpus!" Sie fesselte Ginny und transportierte sie in der Luft. Während Ginny nach Luft schnappte und rot anlief vor Ärger, erklärte Hermine: „Ich tue so, als würde ich einen Gefangenentransport durchführen. So kommen wir dahin, wo wir hin wollen."
Alle Todesserpatrouillen, denen sie begegneten, ließen sie passieren. Vor Draco Malfoys Zimmer befreite Hermine Ginny. „Leise jetzt, hier ist Malfoy und er schläft da gerade. Aber das hier ist vielleicht unser einziger unerkannter Weg nach draußen.", sagte Hermine leise. „Alohomora!", flüsterte sie und Malfoys Türe öffnete sich einen Spalt weit. Seine Türen sicher zu verschließen musste er also auch noch lernen. Sie schlichen durch sein Zimmer bis zu dem Vorhang, hinter dem der Öffnungsmechanismus verborgen war. Hermine tastete herum, bis sie schließlich die richtige Stelle gefunden hatte.
Mit einem lauten Knacken öffnete sich die Steintür.
„Lumos!", sagte eine Stimme und Hermine und Ginny fuhren herum.
