Severus Snape humpelte herein, sah Hermine und entwaffnete beide. „Sind wir auf derselben Seite?", fragte er Hermine. „Ja, Professor." Er wirbelte ihren und Rons Zauberstab herum und übergab sie ihnen wieder. „Gehen Sie, Miss Granger, Mr Weasley. Ich werde hier auf Dumbledore warten.", wies Snape sie an. Hermine packte Ron, bevor er protestieren konnte und zog ihn mit sich. „Ronald! Wir führen jetzt keine Diskussion über Professor Snape!", warnte sie ihn. „Wir müssen uns in Stellung bringen, wenn der Dunkle Lord gleich kommt. Und ich spüre seine Wut, Harry muss den Horkrux gefunden haben, wir müssen ihn so schnell es geht, zerstören!"

Sie hasteten vorbei an gelähmten Todessern, durch die Große Halle hindurch, als deren Türen auf einmal aufgeschlagen wurden und eine Horde maskierter Todesser eindrang. „Incorporeo! Velandum rubrum! Vox alta!", zischte Hermine. Ron verschwand und ihre Maske erschien. Sie wollte sich noch nicht mit den Todessern duellieren. Nicht, wenn noch nicht klar war, wer Freund und wer Feind war. Hermine schritt aufrecht in ihrer Position als Führer vor die Todesser hin. Es waren Läufer und Greifer. Sie blieben stehen angesichts der Obrigkeit, die Hermine darstellte.

„Worauf wartet ihr, ihr unnützen Kanalratten? Findet die DA!", rief Hermine ihnen zu. „Und sucht zuerst in den Kerkern, wo sich diese Feiglinge verstecken!" Die Todesser machten kehrt und liefen in Richtung des Gemeinschaftsraums der Slytherins. „Finite incantatem!", murmelte Hermine und Ron erschien wieder. Er blickte sie fassungslos und mit leerem Blick an. Hermine war klar, dass die Gefühle, die er für sie jahrelang gehabt hatte, spätestens in diesem Augenblick tot und vorbei waren, in welchem er sie jetzt in Aktion gesehen hatte. Ob es nun gut oder schlecht war, was sie getan hatte.

„Ron, los, in den siebten Stock zur DA! Wir müssen sie warnen und sagen, dass die Todesser dort unten sind. Vielleicht können wir gleich welche ausschalten!" Aufgeregt gestikulierte Hermine, damit Ron endlich aufhörte, sie anzustarren und sich in Bewegung setzte.

Als sie keuchend im siebten Stock vor dem Raum der Wünsche ankamen, war der Gang menschenleer und der Raum tat sich nicht auf. Die DA war weg. Sie hatten die Karte, vielleicht waren sie schon unterwegs nach unten. „Wo ist Harry? Er muss zu Dumbledores Büro!", überlegte Hermine. Ron fand seine Sprache wieder und sagte: „Warten wir hier, Harry und die DA müssen hierher zurückkommen, nur das ergibt Sinn." Hermine schritt ungeduldig auf und ab. „Wir können hier nicht einfach warten, Ron, während es die ersten Kämpfe gibt und die Schüler aus dem Schloss flüchten!"

In dem Moment formte sich die Tür des Raums der Wünsche und öffnete sich. Niemand trat hervor. „Harry? Bist du das?", fragte Hermine mit gezücktem Zauberstab. Harry ließ die Kapuze seines Tarnumhangs hinabgleiten. „Ich habe es!", sagte er und zeigte seinen beiden Freunden ein Diadem. „Es gehörte einst Rowena Ravenclaw, die Graue Dame ist ihre Tochter und sie hat mir erzählt, dass sie das Versteck des Diadems – ein Wald in Albanien – einstmals einer einzigen Person verraten hat – Tom Riddle."

„Ron, geh und sieh, dass alle Schüler nach draußen gehen. Informiere den Orden. Harry hat nun das Diadem und wir halten uns an unseren Plan, nicht wahr, Harry?", fragte Hermine, nun ängstlich. Harry nickte, sein Gesicht zu einer Grimasse verzogen. Ron senkte einmal zustimmend seinen Kopf. „Wir sehen uns.", sagte er nur und verschwand dann.

Hermine sah Harry an. „Er ist verdammt wütend seit Nagini. Er spürt es und er will es retten. Hol ihn jetzt, Hermine.", sagte Harry mit fester Stimme. Hermine zog ihren Ärmel hoch und berührte ihr Dunkles Mal mit dem Zauberstab. „Mein Herr, ich rufe dich. Wir haben Harry Potter.", murmelte sie und ihr Tattoo begann zu brennen. Schnell verebbte das Gefühl wieder, aber ihr Mal bewegte sich mehr als sonst. Vorerst waren sie sicher, weil niemand auf das Gelände von Hogwarts apparieren konnte.

„Harry, ich glaube, es ist sehr wichtig, dass du noch einmal in Dumbledores Büro gehst. Er hat für dich etwas hinterlassen, das du anschauen musst.", sagte Hermine. Harry sah sie überrascht an, nickte jedoch. „Was wirst du machen, Hermine?", fragte er. „Ich werde die Todesser nun empfangen und hinhalten, bis du mit dem Diadem kommst."

Hermine begab sich zum Schlossportal. Schüler flüchteten vor ihr. Hermine blieb stehen und wartete. Nach einer Weile konnte sie eine schwarze Masse sehen, die sich über das Gelände von Hogwarts ergoss. Angst stieg in ihr hoch. Sie würde gleich alleine dem Dunklen Lord und allen Todessern gegenüberstehen. Er wusste, dass sie es war, die ihn gerufen hatte.

Mit einem Mal waren alle Todesser da. Sie hielten vor Hermine in ihrer roten Maske. Eine Gasse bildete sich und Lord Voldemort schritt hindurch. Hermine sah Blaise' und Dracos Masken in der Menge. Der Dunkle Lord hielt vor ihr. „Du hast dich mir widersetzt. Ich sollte dich bestrafen oder töten für deinen Ungehorsam.", knurrte er. Hermine spürte, wie er in ihre Gedanken eindrang und sie beschwor ein Bild, das Harry mit dem Diadem zeigte. „Wo ist er?", zischte der Dunkle Lord.

„Das werde ich dir niemals verraten, Tom Riddle!", spie Hermine aus und sprach einen ungesagten Zauber aus, der ihre Maske fallen ließ. „Für Dumbledore!"

Voldemort wich einen Schritt zurück. „Du wagst es – Avada Kedav-" Hermine blieb kaum Zeit, sich gegen seinen Todesfluch zu wappnen. Doch ein Rauschen erklang und ein Phönix schluckte den Todesfluch. „Fawkes?", flüsterte Hermine, als ein Häufchen Asche zurück blieb. Etwas fiel ihr in die Hände. Es war der Sprechende Hut. Sollte das etwa die Hilfe von Hogwarts sein? Wo blieb Dumbledore?

Sie nahm den Hut und etwas Schweres fiel ihr in die Hände. Es war das Schwert von Gryffindor. Sie packte es und ging in Abwehrstellung. Es konnte Voldemort auch töten; getränkt mit dem Basiliskengift war es stark genug, eine Kreatur wie Voldemort zu erledigen.

Im nächsten Moment wurde Hermine zurückversetzt und sie krachte unsanft gegen das hölzerne Portal des Schlosses.

„Oh Tom. Du verstehst das Prinzip von Loyalität immer noch nicht, egal, wie viele Anhänger du mitgebracht hast.", sprach Albus Dumbledore und stellte sich zwischen Hermine und Lord Voldemort. „Dumbledore!", zischte Voldemort erbost. „Greift ihn an! Nehmt das Schwert!", wies er seine Anhänger an, die in den Sekunden, in denen sich hier so vieles abgespielt hatte, wie regungslos verharrt geblieben waren. Viele Flüche flogen plötzlich umher und Hermine blieb selbst nur noch ein Protego-Zauber. Ihr fiel auf, dass Dumbledores Hand schlaff herab hing und er mit der anderen zauberte. Was bedeutete dies?

Todesser stürmten die Treppe und plötzlich fand sich Hermine im Kampf um das Schwert wieder. Dumbledore duellierte sich mit Voldemort. Es war ein ausgeglichener Kampf und niemand wagte es mehr, einzugreifen.

Wo blieben die Ordensmitglieder? Hermine focht einen verzweifelten Kampf gegen die nahenden Todesser aus. Während sie fiel, schnappte sich einer das Schwert und wollte fliehen. Doch er wurde auf einmal weggerissen und sie sah sich plötzlich Draco Malfoy gegenüber. Er packte ihre Hand, zog sie auf die Beine und drückte ihr das Schwert in die Hand. Hermine stieß das Portal auf und quetschte sich durch den Spalt. Hinter sich versperrte sie es magisch.

Sie sah sich nun erneut einer Menschenmenge gegenüber. „Miss Granger?", fragte Professor McGonagall, die mit all ihren Kollegen da stand und ein kleines Grüppchen Todesser in Schach hielt.

„Professor? Professor Dumbledore ist draußen und hält den Dunklen Lord hin!", rief Hermine. „Aber er ist allein gegen alle Todesser." „Öffnet das Tor!", befahl McGonagall und beide Flügel des Portals öffneten sich. Sie sah, dass draußen sehr viele schwarze Gestalten regungslos am Boden lagen. Hatte Dumbledore sie alle besiegt? Sie sah, wie er den Dunklen Lord und die vordersten Reihen der Todesser in Schach hielt.

Kaum hatte sich das Portal geöffnet, drückten die Todesser von weiter hinten nach vorne und strömten herein. Eine neue Schlacht brach aus.

Hermine schlug sich durch die Duellanten und rannte zu Dumbledores Büro, wo Harry sein musste. Er musste jetzt kommen und sich Lord Voldemort stellen. Wo blieb er nur so lange?

Ein markerschütternder Schrei tönte durch die Gemäuer Hogwarts'. Fawkes flog an Hermine vorbei in Richtung des Schlachtfeldes. Das konnte nichts Gutes bedeuten.

Sie erreichte Dumbledores Büro und konnte weder Harry noch Snape entdecken. Dafür hing neuerdings ein Portrait von Albus Dumbledore an der Wand neben seinem Schreibtisch. Seltsam. Hermine blickte auf den Tisch, in Dumbledores Denkarium. Die Flüssigkeit darin war in Aufruhr und wallte gegen den Rand des Beckens. Wahrscheinlich befand sich Harry gerade in einer Erinnerung. Hermine beugte sich tief in das Denkarium und sah verschiedene Bilder aus Dumbledores Erinnerung. Eine davon zeigte, wie er mit dem Schwert auf den Ring einstach, der zuvor neben dem Denkarium gelegen hatte.

Auf einmal sah sie Harry in dem Denkarium. Er packte Hermine und warf sie beide wieder heraus aus den Erinnerungen. Harry war sehr bleich und Hermine fragte sich, was er gesehen hatte.

In diesem Moment dröhnte Voldemorts magische Stimme über das Gelände von Hogwarts: „Albus Dumbledore ist gefallen. Ich gebe euch eine Stunde, in der ihr Harry Potter ausliefern könnt. Kein weiteres magisches Blut soll vergossen werden. Lasst ihr diese Gnadenfrist verstreichen, wird es keine Überlebenden geben."

Hermine und Harry blickten sich an. Dumbledore tot? Hermines Gefühle waren chaotisch. Sie wusste nicht, was sie empfinden sollte. „Ich weiß jetzt, was ich tun muss, Hermine. Ich werde Snape suchen und dann… Bitte folge mir nicht.", sagte Harry und umarmte seine beste Freundin. Hermine drückte ihn fest und hoffte auf das Beste.

Hermine wartete mit den restlichen Hogwartsschülern, die sich entschieden hatten, dazubleiben und zu kämpfen. Ordensmitglieder und Lehrer hatten sich ebenfalls in der Großen Halle verschanzt. Die Zeit lief und es wurde beratschlagt, was sie tun konnten.

Ihr rechter Arm prickelte auf einmal. „Wo bist du? Komm zum Gemeinschaftsraum der Slytherins! BZ", las Hermine von ihrem Otter ab. Sie schnallte das Schwert unter ihren Roben am Rucksack fest und ging durch die Reihen der Verteidiger von Hogwarts in Richtung Kerker. Sie erntete sonderbare Blicke; ihr Todessergewand irritierte die Leute ungemein. Auch Rons misstrauische Blicke folgten ihr.

Hermine verschwand in den Kerkern und desillusionierte sich. Sie wollte in keine Todesserfalle tappen. Vor dem Gemeinschaftsraum der Slytherins standen Todesser ohne Maske und Hermine erkannte die DAA wieder. Sie dachte kurz „Finite! Vox alta!" und erschien wieder. „Mercure, da bist du ja!", wurde sie von Theodor empfangen. „Wie konntest du dich dem Dunklen Lord in den Weg stellen?", fragte Daphne. „Was war das für ein Schwert?", wollte Miles wissen. Sie hatten es also alle gesehen, aber keiner hatte sich einen Reim darauf machen können.

Sie warf Blaise einen Blick zu und sie sah, wie sein Gesichtsausdruck weicher wurde und er leicht lächelte. Dann suchte sie Malfoys Blick, aber er starrte sie kalt an. Dafür sagte er etwas: „Verdammt, Mortém. Das hätte dich beinahe das Leben gekostet. Verflucht, ich will nicht, dass hier einer von uns draufgeht!" Hermine kniff ihre Lippen zusammen. Er wusste ja nicht, dass jede erkaufte Sekunde Harry nutzte. Draco schaute sie verbissen an. Auf einmal wurde Hermine der unterdrückten Gefühle gewahr, die förmlich aus Malfoys Augen quollen. Sie lächelte ihn schüchtern an. Nun schaute er eher irritiert drein, aber seine Wangen zierte ein leicht rosa Hauch.

„Mortém, welche Auskunft kannst du uns geben?", fragte Malfoy und gewann seine Selbstsicherheit zurück. Hermine antwortete: „Potter hat jetzt noch ungefähr eine dreiviertel Stunde, bis das Ultimatum des Dunklen Lords ausläuft. Dann, so schätze ich, wird er sich ihm stellen und der Kampf wird weitergehen. Potter hat ein Lockmittel – und das ist das Diadem Rowena Ravenclaws. Der Dunkle Lord wird es unbedingt haben wollen, koste es, was es wolle – aber es muss vorher zerstört werden. Er wird sich nur auf das Diadem konzentrieren, daher sind keine größeren Kollateralschäden zu erwarten, bis er und Potter sich gefunden haben werden."

„Also warten wir jetzt darauf, bis Potter das Startsignal gibt?", meinte Blaise. „Praktisch ja, aber wir können uns eine Strategie überlegen, gemeinsam mit der DA zu arbeiten.", warf Hermine ein. „Neville Longbottom ist ihr Anführer und er ist gerade in der Großen Halle. Ich würde eine Kontaktaufnahme empfehlen." „Blaise, das machst du. Auf ein Wort, Mortém.", sagte Malfoy und ging den Gang weiter. Hermine folgte ihm, drehte sich aber um zu Blaise und sagte leise zu ihm: „Grüße Neville von mir. Hermine Granger." Nur so würde Neville einwilligen, mit der DAA zusammenzuarbeiten.

Dann folgte sie Malfoy, der auf sie wartete. Wortlos gingen sie den Gang weiter, bis sie eine Tür erreichten. Malfoy riss sie auf, packte Hermine und zerrte sie hindurch. „Malfoy!", protestierte Hermine vehement, „Was soll denn das? Das hier ist eine Besenkammer, kein-" „Jetzt halt endlich die Klappe, Granger!", grollte er und presste seine Lippen auf Hermines. Unsanft schob er sie gegen ein Regal und Hermine spürte, wie er den Kuss vertiefen wollte und gewährte seiner Zunge Einlass. Malfoy packte sie und hob sie hoch. Hermine saß halb in einem Regal, Eimer und Besen fielen um, doch es scherte ihn nicht. Hermine kam sich vor wie im Traum. Wie lange hatte sie über Draco nachgedacht und sich seine Nähe gewünscht?

Er zog sich zurück und ließ sie zu Luft kommen. „Draco.", seufzte Hermine ohne nachzudenken. Sie spürte, wie ein Schauer durch seinen Körper lief. „Wenn du das noch einmal sagst, dann… werde ich mich nicht zurückhalten können. Und wenn hundert Dunkle Lords vor der Türe warten.", flüsterte Draco heiser. „Ich dachte, ich würde dich verlieren. Doch zuvor…" Und er küsste Hermine erneut. Sie klammerte sich fest an seinen Körper und spürte eine Hitzewelle durch ihren Körper fließen.

„Halt, Malfoy, bitte. Wir müssen aufhören!", keuchte Hermine. Sie wollte nicht aufhören, aber sie mussten. Malfoy stoppte und blickte sie mit seinen grauen Augen hart an. „Ich habe gemeint, was ich vorhin gesagt habe. Ich will niemand hier verlieren. Besonders nicht dich. Was du mir Kopfzerbrechen bereitet hast… das soll nicht umsonst gewesen sein.", stieß er hervor. „Ich weiß. Aber komm auch du lebendig wieder.", grinste Hermine.

Sie gingen wieder zurück zu den anderen der DAA und falls sich jemand fragte, warum Hermine in dieser Situation wie eine Verrückte grinste, so traute sich doch niemand zu fragen.