SALVATION

Copyrights 343 Industries & Bioware

(V1.0)

1730 Uhr, 15. November, 2595 (Militärkalender)

Stadtverkehr, Calais, Arcadis

Eidera System, (Linwood Sektor), Äußere Kolonien

„Schaffen wir es rechtzeitig Lieutenant, es scheint heute viel Verkehr auf den Straßen zu sein".

„Keine Sorge Sir, wir werden pünktlich ankommen" beruhigte ihn seine Fahrerin und schloss die Fahrertür. Sein Dienstwaagen setzte sich langsam in Bewegung, in einer halben Stunde hatte er sein Meeting mit dem Gouverneur und dem Vertreter on Liang-Dortmund.

Über welches Thema das Gespräch handeln würde konnte er nur vermuten, aber da es sich um eines der größten Mienenunternehmen der Galaxie handelt, muss es höchstwahrscheinlich um irgendwelche Schürfrechte gehen. Was ihn allerdings irritierte war, das sich gerade ein Konzern dieser Größe in den äußeren Kolonien blicken ließ.

Es gab im vom UNSC kontrollierten Raum mehr als genug Abbaumöglichkeiten, die besser kartographiert, erschlossen und geschützt sind. Der Linwood Sektor hingegen ist zwar um die einzelnen Planeten gut erkundet, aber es gibt weite Bereiche vor allem in Grenznähe, die nur spärlich bis gar nicht erschlossen sind.

Man müsste erst jedes einzelne System mit einem Forschungsschiff scannen, sollte dann etwas von Interesse gefunden werden, muss man das komplette System aufwendig erkunden. Die Kartografie konnte mehre Tage bis Wochen in Anspruch nehmen, je nachdem wie viele Planeten, Monde und Asteroiden vorhanden waren.

Admiral Grand wusste nur von einigen Abbauorten im Sektor Bescheid und alle befanden sich fast ausschließlich in Besitz von kleineren Firmen oder Privatpersonen. Alles in allem wurde etwa so viel abgebaut wie der einheimische Markt an diversen Materialien benötigte, aber er war sich sicher, dass hier noch Unmengen unentdeckten Erzquellen gab.

„Admiral wir sind da" informierte ihn Enfield, als sie die Limousine auf den Besucherparkplatz der Tiefgarage zum Stehen brachte.

„Ich gebe ihnen Bescheid, sobald das Treffen mit dem Gouverneur zu Ende ist."

„Ist gut. Viel Erfolg Sir", darauf verabschiedeten sich beide voneinander. Admiral Grand steuerte mit zügigen Schritten auf den Aufzug zu, der ihm auf dem Stockwerk des Gouverneurs bringen würde. Dort angekommen fand er eine offen stehende Tür vor, er klopfte einmal kräftig gegen den Türrahmen.

„Kommen sie rein Admiral und machen sie bitte die Tür hinter ihnen zu" ertönte die tiefe Stimmen von Brudell. Er schloss leise die Tür und ging danach durch das Empfangszimmer in das eigentliche Büro. Dort kam ihn der Riese bereits entgegen und schüttelte ihm die Hand.

„Darf ich vorstellen, dass ist Mr. Hibbert". Erst jetzt bemerkte er den schlanken, älteren Herrn, der zu seiner linken stand. Dieser reichte ihm mit einem freundlichen Lächeln die Hand

„Hibbert Aldwyn, Liang-Dortmund. Es ist mir eine Freude sie kennen zu lernen Admiral Grand. Ich hoffe das wir mit ihrer Hilfe, eine für uns alle zufriedenstellende Lösung finden".

„Die Freude ist ganz auf meiner Seite Mr. Hibbert, auch wenn ich noch nicht ganz verstehe warum sie meine Hilfe zu benötigen" erwiderte der Offizier. „Keine Sorge Grand, Aldwyn wird ihnen alles erklären, aber zuerst setzen wir uns", mit einer einladenden Handbewegung zeigte der Politiker auf die Couches in der Ecke seines Büros.

Während seine Gäste sich setzten holte er drei Gläser aus der Vitrine und goss allen einen Schluck von seinen edelsteten Whiskys ein. Mit ein paar schnellen Handgriffen aktivierte Hibbert den Holoprojektor des Tisches, dieser erzeugte eine Karte des Linwood Sektors.

„Wie sie sich sicherlich schon gedacht haben Admiral, würde meine Firma gerne mehre mögliche Standorte für den Abbau von Erzen in diesem Sektor errichten. Liang-Dortmund würde natürlich die komplette Finanzierung für die Erschließung der Systeme übernehmen und die Errichtung der benötigten Gebäude.

Dadurch würden in den nächsten Monaten bereits mehrere hunderttausend Arbeitsplätze in diesem Sektor entstehen. Sollte sich der Abbau in großem Stil für uns rechnen, könnten in den nächsten Jahren bis zu 1,4 Millionen Menschen neu beschäftigt werden. In dieser Statistik ist das Personal, das für den Transport, Wartung und die Versorgung der Standorte benötigt wird noch nicht mit einberechnet. Hinzu kommen noch die Einnahmen durch die zusätzlichen Steuern und die Abgabe eines kleinen Teiles des geförderten Materialen".

„Verzeihen sie mir die Unterbrechung Mr. Hibbert, aber was hat das UNSC mit dieser Sache zu tun?" war William dazwischen, bevor Aldwyn fortfahren konnte. „Nun ja, eine Genehmigung des UNSC ist nicht erforderlich, aber ich wollte noch auf etwas anderes zu sprechen kommen. Es liegen zwar noch keine eindeutigen Ergebnisse vor, aber wir sind uns ziemlich sicher, dass wir eine beachtliche Menge an seltenen Materialien gefunden haben."

„Ich fürchte ich kann ihnen immer noch nicht wirklich folgen, wenn sie eine große Menge an seltenen Erzen gefunden haben, müssen sie bei Gouverneur Brudell eine Abbaugenehmigung einreichen" entgegnete ihm ein leicht verwirrter Navy Admiral.

„Der Abbauort liegt aber außerhalb der Grenze" bekam er überraschend von Brudell mitgeteilt, der sich bis jetzt im Hintergrund gehalten hatte.

Nun kam langsam Licht ins Dunkle, bei einem Vorstoß in unbekanntes Territorium mussten die Forschungsschiffe immer von einer UNSC Eskorte begleitet werde. Das diente hauptsächlich dem Schutz der Zivilisten, da ein Schiff der Navy über eine bessere Ausrüstung für Notfälle besaß.

„Also wenn ich das richtig Verstanden habe, liegen ihre Abbauorte alle außerhalb des erkundeten Bereiches?" hackte Grand nach.

„Nein, nein. Wir haben nur zufällig davon Kenntnis genommen, als eines unserer Schiffe in den Systemen um Halea mehrere Scans durchgeführt hatte. Darum wollte ich persönlich mit ihnen ein Gespräch führen, die LDC würde sie natürlich für die entstehenden Kosten entschädigen. Zusätzlich würden wir uns bereiterklären, jeweils fünf Prozent des geförderten Materials ihnen und dem Gouverneur zu überlassen".

„Einfach so?"

„Sie kennen die Lage in den inneren Kolonien, überall schießen neue Kolonien wie Pilze aus der Erde. Hinzu kommt noch das die riesigen Werften des UNSC in den Kolonien, auf Reach und der Erde täglich mehr Schiffe produzieren. Admiral ich muss ihnen wohl kaum erklären, was der Bau einef neunen Trägers, Kreuzers oder eines Verteidigungsnetzwerkes aus Orbitalen MACs und Schildsystemen für Ressourcen verschlingt".

Da hatte er allerdings Recht. Als die Allianz die Erde angriff bestand das orbitale Netzwerk aus 300 ODPs, nach seinem letzten Stand waren es mittlerweile über 4200, dazu kamen noch orbitale Schildsysteme, Aufzüge und hunderte Schiffe und kleinere Stationen.

Das war nur ein Planet von hunderten, nach dem Krieg hatte man langsam begonnen jede größere Kolonie damit auszurüsten, mit der Zeit nahm der Verbrauch der Ressourcen astronomische Höhen an.

Durch die massive Aufrüstung des UNSC und den Wiederaufbau, brach ein regelrechter Wettkampf um die Erschließung neuer Abbauorte aus. Mit neuen Technologien und Möglichkeiten wurden fast täglich neue Minen errichtet, daraus folgte das sich das Territorium zwar nur langsam ausdehnte, aber enorm dicht besiedelt wurde. Langsam aber sicher machten sich diese neuen Technologien auch in den äußeren Kolonien des menschlichen Reiches bemerkbar. Neugeborene wurden zum Beispiel mit neuen Stoffen geimpft, die eine Verdichtung des Muskelgewebes, härtere Knochen, bessere Sehfertigkeiten und ein längeres Leben bewirkten.

Diese Möglichkeiten war früher nur den Spartanern zur Verfügung gestanden, aber mit voranschreiten der Technologien wurde es auch für die Allgemeinheit zugänglich, vor allem aber profitierte das Militär davon.

Die Soldaten wurden ausdauernder im Kampf, hatten schnellere Reflexe und wurden dadurch in Bodengefechten noch gefährlicher. Natürlich konnte man einen normalen Marine noch nicht mit einem Spartaner oder einer Elite gleichsetzen, aber es war ein Anfang. Er selbst hatte einige solche Modifikationen erhalten, die ihm durchaus nützlich erschienen, aber er schweifte vom Thema ab.

„Wie viele Schiffe würden sie benötige?"

„Wir haben momentan zwei Forschungsschiffe im Orbit von Halea, wenn sie für jedes Schiff eine Fregatte bereitstellen würden, sollte dies genügen. Ich gehe nicht davon aus, dass wir auf unerwartete Schwierigkeiten treffen sollten.

Die anderen Schiffe werden innerhalb der Grenze operieren und werden keinen weiteren Schutz benötigen, denke ich. Wären sie damit einverstanden Admiral?"

„Zwei Schiffe kann ich entbehren, ihre Leute werde ich in den nächsten Stunden darüber in Kenntnis setzen, wer sie begleiten wird", mit diesen Wort erhob sich der Admiral aus seinem Sessel und trank mit einem Zug den letzten Rest von seinem Getränk aus.

„Meine Herrn es tut mir Leid, aber ich muss heute noch ein Schiff erreichen. Mr. Hibbert es war mir eine Freude sie kennenzulernen, wenn sie noch weitere Fragen haben oder Hilfe benötigen, können sie mich gerne kontaktieren".

„Danke Admiral, für die unkomplizierte Unterstützung. Liang-Dortmund wir das nicht vergessen".

Nach einem kurzen Händedruck begleitete ihn der Gouverneur mit hinaus. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass sie dem Unternehmen so leicht zustimmen Admiral" fügt Brudell an, als die beiden langsam in Richtung des Ausgangs liefen. „Warum nicht? Die Ressourcen und das Geld kann der Sektor gut gebrauchen, außerdem sehe ich keine ernsthaften Probleme bei dem ganzen Unterfangen" erwiderte er gelassen.

Als die beiden am Haupteingang ankamen, wartete bereits Enfield mit ihrem Waagen auf ihm. „Danke Admiral und viel Erfolg auf ihrer Reise" fügte Brudell noch hinzu, bevor sich die beiden voneinander trennten.


2030 Uhr, 15. November, 2595 (Militärkalender)

Orbitallift, Calais, Arcadis

Eidera System, (Linwood Sektor), Äußere Kolonien

„Beeilung Lieutenant, wir haben nur noch ein paar Minuten" rief Grand über seine Schulter nach hinten. Er schob Charlottes Datenchip in die Innenbrustasche seiner Uniform und schnappte sich seinen Trolley und ging rasch auf den Eingang des Orbitalliftgebäudes zu.

Als er gerade durch eine der großen Eingangstüren gehen wollte, hörte er hinter sich den vertrauten Klang von heraneilenden Heels.

„Entschuldigung Sir, aber irgend so ein Trottel hat sich auf meinen reservierten Parkplatz breitgemacht" keuchte Enfield außer Atem.

„Deppen gab es schon immer. Schmeißen sie ihr Gepäck mit auf meinen Trolley" „Ich nehme mein Gepäck schon se…. Ja Sir" murmelte sie letztendlich unter seinen Blick und befestigte ihre Tasche auf seinen Gepäckträger.

„Halten sie die Augen offen wir suchen das Terminal F4". Beide suchten mit offenen Augen nach einer Kennzeichnung, die auf ihr gesuchtes Terminal hinwies. „Dort hinten, ganz am Ende" entdeckte sie schlussendlich die Beschriftung. So schnell es den beiden Offizieren nur möglich war, steuerten die beiden durch die Menschenmassen auf ihre Transportkabine zu.

Kurz bevor sich deren Tür schließen konnte, schaffte es William noch seinen Fuß dazwischen zu stellen. Nach einer Sekunde öffnete sich die Tür wieder und die beiden Soldaten konnten in die schon voll besetzte Kabine eintreten. Unter den meist zivilen Personal befanden sich am Fenster auch ein paar Angehörige der Navy, die anscheinend nach einem Landgang zurück auf ihr Schiff wollten.

Grand blickte kurz nach hinten, um sich zu versichern das niemand mehr mit herein wollte, danach presste er einen Knopf am Touchpad, worauf sich die Türen des Aufzuges langsam schlossen.

Nach ein paar verstrichenen Sekunden setzte sich der Aufzug langsam in Bewegung, derweil machten es sich der Admiral und seine Begleitung in der Ecke des Aufzuges gemütlich. Unter ihnen konnte er jetzt zum ersten Mal einen richtigen Blick auf Calais werfen, die gewaltige Stadt bestand bei genauerer Betrachtung aus zwei Teilen, die durch eine Insel in der Mitte verbunden waren.

Die Insel war vor allem bei den Reichen und Mächtigen beliebt, da diese einen wundervollen Blick auf den Rest der Stadt und dem Meer bot.

Was ihn allerding mehr interessierte waren die zwei großen Militärbasen die ein paar Kilometer von der Stadt entfernt lagen.

Die eine lag direkt am Wasser und er konnte gerade noch einige große Träger für die unbemannten Drohen ausmachen, bei der anderen konnte er nur die großen Landebahnen und Gebäude erkennen, die durch die Wipfel der Bäume spitzten.

„Können sie mir etwas zu der Basis im Wald sagen" fragte er seine Begleitung ohne den Blick von der immer kleiner werdenden Stadt abzuwenden. Für ein einige Sekunden herrschte Stille zwischen den beiden, er konnte an ihrem Gesichtsausdruck erkennen, dass die Offizierin angestrengt nachdachte.

Nach einer kleinen Ewigkeit antwortete sie letztendlich: „Fort Green? Fast nichts. Die Basis war eine der ersten die nach der Besiedelung von Arcadis gegründet worden ist und wurde von 2548 bis 2552 massiv ausgebaut. Man hatte Milliarden von Credits in unterirdische Anlagen gesteckt, der Ausbau wurde dann aber 52 quasi über Nacht eingestellt.

Manche vermuten, dass man dort unten irgendwas gefunden hatte und ONI daraufhin alles zum Sperrgebiet erklärte. Sicher ist, dass die Anlage einige Kilometer tief in den Berg geht, ob sie nun genutzt wird und für was kann ich allerdings nicht sagen. Erinnert mich ein wenig an Halea, dort hatte man eine ähnliche Situation"

„An was genau erinnert sie das?"

„Halea war am Anfang nur eine Minenkolonie, aber als die Miene am Rande der Hauptstadt erschöpft war, hatte sich das UNSC dort die Gebietsrechte gesichert und in den folgenden Jahren einen massiven Stützpunkt errichten.

Man nutzte die alten Tunnelsysteme als Bunkeranlage für alle möglichen Dinge, aber wie in Calais wurden die Tunnel gegen Ende des Krieges massiv ausgebaut und keiner weiß warum."

Als er seinen Blick wieder von ihr abwandte und aus dem Fenster blickte, konnte er bereits die Dunkelheit des Alls erkenne. Mit einem Blick auf seine Armbanduhr stellte er fest, dass es sich nur noch um wenige Minuten handeln sollte.

Die Geschichte um Fort Green ließ ihn nicht los, warum sollte man mitten im Nirgendwo Bunkeranlagen bauen in denen man hunderttausende, vielleicht sogar Millionen Menschen unterbringen konnte.

Als Schutz? Wohl kaum.

Wenn die Allianz im Krieg einen Planeten angriff, dann meistens schnell und hart. Das darauf entstehende Chaos in den Städten, würde es den meisten Zivilisten wohl kaum erlauben sich rechtzeitig in die Pampa zu begeben, um dort einen Bunker aufzusuchen.

Nein, man versuchte die Allianz so lange wie möglich von der Zivilbevölkerung entfernt zu halten, bis Verstärkung eintraf und wenn eine Stadt Schutzbunker besaß, dann in erreichbarer Nähe.

Für was brauchte man dann diese Anlagen?

Ein lauter Signalton, der das Ende seiner Fahrt markierte, riss ihn aus seinen Gedanken. Die Tür auf der gegenüberliegenden Seite öffnete sich mit einem lauten Zischen und die Passagiere des Liftes begannen hinauszuströmen.

Überall herrschte hektische Bereitschaft, Waren wurden Aus- und Eingeladen, KI gesteuerte Fahrzeuge brachte alles an seinen vorgesehenen Platz. Die großen Frachtaufzüge brachten dann alle Container zur Oberfläche, wo diese wieder ent- bzw. beladen wurden. So konnten an einem Tag mehrere tausend Tonnen an benötigten Materialien für den Planeten auf schnellen, einfachen und vor allem kostensparenden Weg umgeschlagen werden.

„Die Fregatte liegt in der Bucht A23 und wartet dort bereits auf uns" die beiden UNSC Angehörigen setzten sich in Bewegung. Nach einem Gang von mehreren Minuten und ein paar Abzweigungen später gelangten sie an das Dock A23.

Dort lag sie, die Brotherhood, eine leichte Fregatte der Stalwart-Klasse mit knappen 680 Männern Besatzung, die sich aus Navy Personal, Marines und einigen ODST zusammensetzen. Er steuerte auf das Verbindungsgate, das direkt unterhalb der Brücke lag, zu.

Dort stand bereits Erwin Cleveland, Captain der Brotherhood, seit über 37 im aktiven Dienst und wenn man den Akten glaubt, ein strikter Offizier. Der altere Offizier salutierte zackig, als er Admiral Grand auf ihn zukommen sah.

„Admiral Grand, ich bin Captain Cleveland, meine Crew und ich freuen uns sie an Bord willkommen zu heißen und sie nach Agrion eskortieren zu dürfen" stellte er sich höflich vor.

„Danke Captain, dass sie sich für uns die Zeit nehmen. Es tut mir sehr leid, wenn ich sie von ihren eigentlichen Pflichten abhalte" erwiderte er respektvoll. Mit einem kurzen nicken führte sie der kommandierende Offizier der Brotherhood in das innere der Fregatte. „Ich kann sie direkt zu ihren Quartieren führen, wenn sie es wüschen Sir".

„Wenn es ihnen nichts ausmacht, würde ich gerne den Start auf der Brücke mitverfolgen". „Natürlich Sir, lassen sie ihr Gepäck hier stehen, es wird gleich auf ihre Quartiere gebracht. Folgen sie mir bitte".

Auf ihren Weg zur Brücke passierten sie immer wieder unzählige Navy Angehörige, die alle einen kurzen militärischen Gruß machten. Als sie die Tür zur Brücke durchschritten, bot sich William der vertraute und irgendwie beruhigende Anblick einer Schiffsbrücke.

Direkt in der Mitte der Brücke stand der quadratische Holotisch, der sich z.B. für die Darstellung von Bodenoperationen hervorragend eignete. Links und rechts von dem Projektor, befanden sich jeweils zwei Stühle an der Wand, die bereits von Brückenoffizieren besetzt worden sind. Direkt hinter dem Tisch stand der Stuhl des kommandierenden Offiziers, etwas weiter vorne zu dessen Linken saß der Navigationsoffizier, während der Waffenoffizier zu seiner rechten saß.

„Admiral an Deck" rief ein Soldat als er Grand durch die Tür schreiten sah, worauf alle Uniformierten Haltung annahmen.

„Stehen sie bequem" entgegnete er ruhig, an den Cleveland gewandt sprach er weiter: „Sie können mit den Ablege Manöver beginne".

„Zu Befehl Admiral" mit diesen Worten ging er an seinen Vorgesetzten vorbei und setzte sich auf seinen Kommandostuhl. „Mr. Miller lösen sie das Verbindungsgate und geben sie der Station das Zeichen, dass wir abdocken können" sprach er an seinen Navigationsoffizier gewandt. Ein lautes Geräusch, von einer Vibration begleitet ging durch das gesamte Schiff, als sich die Magnethalterungen der Station zu lösen begannen.

„Bringen sie uns auf eine sichere Distanz und geben sie dann vollen Schub, sobald sie außerhalb der Sicherheitszone sind, haben sie grünes Licht für einen Slipspacesprung"

„Aye, Aye Sir" bestätigte dieser, während er die nötigen Befehle in seine Konsole eingab. FFG beschleunigte in wenigen Augenblicken auf ihre vorgesehene Geschwindigkeit und entfernte sich schnell von dem Orbitallift.

„Sir wir wären bereit für den Sprung" informierte ihn Miller. „Geben sie der Besatzung 20 Sekunden Zeit und dann leiten sie den Sprung ein". Eine laute Sirene ertönte im ganzen Schiff, welche die Besatzung auf den Sprung in den Slipsapace vorbereitete, als die Zeit verstrichen war aktivierte er den Shaw-Fujikawa Antrieb der Stalwart Fregatte, welcher das Schiff in den schwarz-blauen Eingang des Slipspaces schob.

„Wir erreichen Agrion in ca. 17 Stunden" informierte ihn der Navigations Offizier. Admiral Grand war zufrieden mit der Crew, sie waren eingespielt und erledigten ihre Aufgaben sorgfältig. Er drehte sich um, gab Enfield ein kurzes Zeichen und verließ den Raum durch die Brückentür.

Er steuerte auf eine Tür zu, die er vor Betreten der Brücke bemerkt hatte. Mit einer kurzen Handbewegung öffnete er diese und befand sich mit einem weiteren Schritt in einem, nach militärischen Standard sehr geräumigen Besprechungsraum.

Der Raum wurde von einem eleganten Holztisch, in dem ein kleiner Holoprojektor für eine KI eingelassen worden ist, dominiert. An dessen Längsseiten befanden sich acht Stühle und einer an der Kopfseite, im Hintergrund befand sich ein großes Fenster, in dem man nur die schwärze des Slipspaces erkennen konnte.

Schon leicht erschöpft von den Ereignissen des Tages, ließ sich in dem Stuhl am Kopfende nieder. Enfield und er Captain der Brotherhood standen am anderen Ende des Tisches und warteten darauf, was er als nächstes tun würde.

„Danke Captain, sie können zu ihren Aufgaben zurückkehren" wandte er sich an den Offizier.

„Ja Sir. Sollten sie noch etwas brauen meine Kajüte ist nur ein paar Türen nebenan", mit diesen Worten verabschiedete er sich.

An Enfield gerichtet fuhr er fort: „Setzen sie sich Lieutenant, sie müssen mir noch bei einer Sache helfen", er wartete einen Moment bevor er weitersprach, „ Im Gespräch mit Brudell und dem Vertreter von Liang-Dortmund, ging es um Schürfrechte, die außerhalb der Grenze liegen. Ich bräuchte für die zwei Forschungsschiffe jeweils ein Schiff als Begleitschutz und das möglichst in den nächsten Stunden."

„Verstanden Sir, ich werde mich darum kümmern."

„Da wäre noch etwas Lieutenant, sie müssten eine Stellenanzeige entwerfen, um zusätzliche Leute für die geplanten Werften und SRR-Stationen anzuwerben"

„Eine bestimmte Anzahl?", hackte sie nach.

„Momentan haben wir ca. 13 mobile Teams aus je 76 Mann, dass macht insgesamt 988. Ich würde die mobilen Teams erstmal so belassen wie sie sind, aber um die neuen Stationen besetzten zu können bräuchten wir etwa zusätzliche 3000 Mann. Wenn es sein muss versuchen sie Leute aus anderen Sektoren abzuwerben, sie sollten auch bei SinoViet Heavy Machinery nachfragen, ob sie uns bei der Errichtung unterstützen könnten."

Er riskierte einen schnellen Blick auf seine silberne Uhr, die er wie immer am linken Handgelenk trug.

„Vergessen sie es Enfield, wir kümmern uns morgen darum. Gehen sie, essen sie etwas und wir treffen uns in 9 Stunden wieder hier", mit diesen Worten und einem schnellen Gruß verabschiedete er sich von ihr.

Er lehnte sich müde in seinem Stuhl zurück und schloss für einige Minuten seine Augen, bevor er sich wieder seiner Arbeit widmete. Er hatte bis jetzt vorgesehen etwa 14 Werften für Fregatten, 4 für Kreuzer und eine für Trägerschiffe errichten zu lassen, dazu kamen noch etwa 12 SRR-Station. William rechnete mit einer Bauzeit von über einem halben Jahr, außer er konnte sich die Hilfe von SinoViet, einem der größten Hersteller von Fregatten und Kreuzern, sichern.

Ein kleiner Bonus wären die zusätzlichen Materialien, die der Sektor von Liang-Dortmund in den nächsten Monaten erhalten würde. Eine gute Nachricht gab es heute allerdings bereits, Agrion hatte schon mit der Zusammenstellung einiger Mannschaften für die geplante Errichtung der Remote Scanning Outposts begonnen.

Der Plan stand zum größten Teil, die Grenze durch RSOs absichern, die dadurch verfügbar werdenden Schiffe zu einer Task Force bündeln und wenn es möglich war sie Stück für Stück zu modernisieren.

Sein größtes Problem bestand allerding immer noch, er hatte niemanden der sich um die Army und die Planeten kümmern konnte, auch musste er einen Captain finden, der die Führung der zukünftigen Task Force übernehmen könne.

Grand blickte kurz zurück auf die Uhr und stöhnte, ihm verblieben noch acht Stunden. Mit einem leisen Murren stand er auf und verließ das Zimmer in Richtung seines Quartiers, in der Hoffnung morgen auf Lösungen für seine Probleme zu kommen.


0815 Uhr, 16. November, 2595 (Militärkalender)

UNSC Stalwart-Klasse Fregatte Brotherhood

Slipspace nach Agrion, (Linwood Sektor), Äußere Kolonien

„Kaffee oder Tee Sir?", fragte ein junger Soldat, der gerade mit einem Tablett durch die Tür gekommen ist.

„Tee bitte", erwiderte der Admiral, nachdem er kurz von seinem Holopad aufgeblickt hat, um den Ruhestörer zu mustern.

Als beide Offiziere wieder alleine waren, räusperte sich Enfield leicht: „Ich habe mir die Freiheit genommen, schon mal vier Schiffe für den Begleitschutz der Zivilisten herauszusuchen." Mit einem Nicken nahm er es zu Kenntnis und gab ihr gleichzeitig die Erlaubnis fortzufahren.

„Leider sind es nur drei Fregatten und ein Kreuzer, die momentan voll einsatzfähig und bemannt im Orbit von Halea sind."

„Schicken die nötigen Befehle an zwei Fregatten, sie sollen sich mit den Forschungsschiffen in Verbindung setzten und alle nötigen Details besprechen. Ich will eine kurze Rückmeldung haben, dann haben sie grünes Licht."

„Aye Sir".

Ein plötzliches, leises Summen lenkte sein Interesse zurück von Enfield auf den Tisch. Er brauchte einige Minuten, bis er Begriff, dass sich der eingebaute Holoprojektor im Tisch aktiviert hatte. Schnell, aber achtsam das er nichts von seinem Tee verschüttete, schob er die Tasse, welche auf dem Projektor stand zur Seite.

Eine mit den Armen vor der Brust verschränkte Charlotte erschien auf dem Tisch und warf ihm einen dankbaren Blick zu.

„Guten Morgen Charlotte, was verschafft uns den die Ehre", fragte er gut gelaunt.

„Bonjour Sir", fing diese sichtlich fröhlich schauend an. „Ich habe gute Nachrichten für sie."

„Hervorragend, dann lass mal hören."

„Ich konnte einen Teil der verschlüsselten Daten, die sie in ihrem Büro gefunden haben, bereits entschlüsseln. Die meisten Dateien sind veraltete Informationen über Truppen, Schiffe und anderen Müll, aber ich habe auch einige Dokument gefunden, die über ein Projekt namens Noah handeln."

„Und was genau ist Noah?"

„Soweit die Daten noch zu gebrauchen sind geht es um alte Stationen, die sich im unerforschten Bereich jenseits der Grenze befinde. Sie wurden kurz nach dem Krieg verlassen und die meisten Daten, wie Stationsbeschreibungen wurden mit vernichtet, als wollte man alle Beweise für deren Existenz vernichten."

„Kannst du mir sonst noch etwas über diese Stationen oder was sie auch immer sind sagen?"

Die KI schaute kurz auf den Boden und strich sich dann mit einer Hand über ihr Kleid, als wolle sie Falten glätten. „Wenig Sir. Ich kann nur sagen, dass es sich sehr wahrscheinlich um drei Konstrukte handelt, aber ob es sich um Stationen, Schiffe oder etwas anderes handelt ist mir unbekannt. Bei den Ortskoordinaten sieht es kaum besser aus, mir liegen nur von einer die Koordinaten vor und diese sind vage."

Sie ließ eine kleine Karte des Sektors auf die Wand gegenüber projizieren, bei der die Grenze farblich markiert und ein darunter liegender Teil rot eingefärbt ist.

„Ich vermute, dass sich die Noah I, irgendwo dort befinden muss", fuhr sie fort. Er strich sich mit einer Hand durch sein kurzes, dunkelblondes, fast braunes Haar und presste die Lippen aufeinander, während er angestrengt auf die Karte glotzte.

Er wusste, dass das rote Gebiet in Wirklichkeit einige hundert Lichtjahre lang und dutzende breit sein musste. Ohne bessere Anhaltspunkte, wo sich diese Noah befinden könnte, ist es eine beschissene Nadel im Heuhaufen, einen Heuhaufen der so groß wie ein Kreuzer ist.

Es könnte vermutlich die gesamte Flotte, die er zur Verfügung hatte mehrere Jahrzehnte suchen lassen ohne nur ein Kleinigkeit zu finden. Er brauchte ein System oder zu mindestens einen engeren Bereich um eine wirkungsvolle Suche zu veranlassen.

Nach einigen Minuten wandte er den Blick ab und fragte geradeaus in die Runde: „Hat jemand eine Idee?"

Es war einige Sekunden so still, dass er sogar das mechanische Ticken seiner Breitling hören konnte.

Die blonde Offizierin faltete ihre Hände auf dem Tisch zusammen, bevor sie zu sprechen begann: „Egal um was es sich bei diesen Unterfangen Noah handelt, sie mussten auf jeden Fall mit Nahrung, Ersatzteilen und Personal versorgt werden. Mein Vorschlag wäre deshalb in der Datenbank nachzuforschen, ob irgendwelche Schiffe in den letzten Jahren Versorgungsflüge, außerhalb der Grenze getätigt haben."

„Können wir eventuell den Zeitraum eingrenzen" warf Grand, mit einem Blick in Richtung seiner KI ein.

„Die letzte Änderung in den Daten fand 2559 statt, sehr wahrscheinlich war das der Befehl zur Löschung."

„Also alle Flüge vor 2559, zivil als auch militärisch", schlussfolgerte Grand.

„Wir sollten auch nach Augenzeugen suchen", er wollte gerade fragen was sie damit meinte, da fuhr Charlotte bereits fort. „Vielleicht ist ja einem Dockarbeiter oder einem Händler etwas Seltsames aufgefallen und hat es vermerkt."

„Wenn ich ehrlich bin glaube ich nicht, dass wir auch nur den geringsten Anhaltspunkt finden werden" murmelte Enfield fast schon so leise, dass William es beinahe überhört hätte.

„Lorena, seit wann bist du denn so pessimistisch geworden?" stieß eine schockierte Charlotte hervor.

„Ich mein ja nur. Wenn alles über die Daten, die Versorgungsrouten bis hin zu den Standorten dieser Dinger so geheim gehalten worden ist, will man anscheinend nicht, dass sie jemals wieder gefunden werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ONI seine Finger bei der ganzen Sache mit im Spiel hatte."

„Das mag stimmen Lieutenant, aber selbst der Geheimdienst kann ein solches Projekt höchstwahrscheinlich nicht alleine stemmen, von dreien ist gar keine Rede. Ich persönlich bin der Meinung, dass ONI das Projekt geplant hatte und dessen Fortschritt überwachte, vielleicht haben sie auch den Transport von und zu den Noahs durchgeführt. Der Rest wurde dann von UNSC Personal übernommen", meinte er nachdenklich.

„Dann müssen wir einfach nur nach den Leuten suchen, die dort mitgearbeitet haben", freute sich die künstliche Intelligenz bereits.

Mit einem Kopfschütteln musste er allerdings ihren Enthusiasmus etwas dämpfen. „Alle die bei einem solchen Vorhaben mitarbeiten sind handverlesen und meistens schon lange für ONI im Einsatz. Mich würde es nicht wundern, wenn sie bereits nach diesem Auftrag zu ihrem nächsten Einsatzort verlegt worden sind", beendete er.

„Also gut ihr beiden, wir beenden dieses Thema für heute. Charlotte versuch herauszufinden was du kannst." „Aye Sir", antwortete diese und ließ die beiden Soldaten alleine.


1449 Uhr, 16. November, 2595 (Militärkalender)

UNSC Stalwart-Klasse Fregatte Brotherhood, Orbit, Agrion

Beta Columbae System, (Linwood Sektor), Äußere Kolonien

Agrion war eine schöne Welt mit großen Kontinenten, auf denen sich die von meist grünen Wäldern bedeckten Ebenen schier endlos erstreckten. Die Menschheit hatte auf diesen Planeten nur wenige Städte gegründet, die meistens klein und sehr eng an aneinander lagen.

Das einzige was diese Idylle trübte, war das gewaltige Schrottfeld das sich hunderte Kilometer breit im Orbit des Planeten befand. An hellen Tagen, wenn keine Wolke am Himmel zu sehen war, konnte man es sogar mit bloßen Augen von der Oberfläche sehen.

Es hing über der Kolonie wie eine schwarze, unheilvolle Wolke, so sahen es jedenfalls die meisten Besucher, von denen es meist nur wenige im Jahr tatsächlich selbst betrachtet hatten.

Für die meisten Einheimischen dagegen war sie ein ständiger Begleiter in ihrem Leben, die meisten arbeiten in den großen Recyclinganlagen im Orbit oder sind für das zerlegen und ausschlachten der alten Schiffe zuständig. Egal was oder für wen die Menschen auf Agrion arbeiten, ihr kompletter Tagesablauf drehte sich um diesen orbitalen Schrottplatz.

Ein ständiger Zustrom von alten, ausgedienten Schiffen von allen Planeten und den Sektoren im Umkreis, sorgte für Arbeit im Überfluss. Hier konnte man fast alle Arten von Schiffen finden, über kleine von KIs gesteuerte Frachter für den täglichen Warentransport, bis hin zu den ehemals stolzen Kriegsschiffen des UNSC.

Jedes einzelne hatte seine eigene Geschichte, manche erzählten von Abenteurern, die aufgebrochen waren um neue Welten, Zivilisationen oder Ruinen aus längst vergessen Zeiten zu finden. Die meisten von ihnen kehrten nach Monatelangen erfolglosen suchen zurück, von den anderen hingegen fehlte bis heute jede Spur.

Am Ende war es egal, welche Art von Schiffe und für welchen Zweck sie konstruiert wurden, denn alle ereilte das gleiche Schicksal.

Wenn man diese letzte Ruhestätte der Schiffe aus der Ferne betrachtete, glich diese mehr einem Friedhof.

Das einzige was diese Grabstätte in regelmäßigen Abständen störte, waren die bläulichen Flammen der Schweißgeräte, die sich langsam durch die Hüllen ins Innere fraßen.

Das wertvollste an einem Schiff war der Slipspaceantrieb und der Fusionsreaktor, diese werden als erstes entfernt und erzielen auf den Gebrauchtwarenmarkt, in einem guten Zustand immer noch ordentlichen Preise.

Das zweite waren die Leitungen, die sich hunderte Kilometer lang wie Adern in einem Körper durch das Schiff zogen.

Auf die Leitungen folgten die Computerterminals, Holoprojetoren und alles andre an Elektronik, was auf einen Schiff zu finden war.

Letztendlich blieb von einem sauber ausgeschlachteten Schiff nur noch die Titaniumhülle übrig, welche meist über einen Monate langen Prozess zerlegt werden musste. Da das Zerlegen der Hüllen, sowie deren Wiederverwertung durch einschmelzen ein sehr zeit –und energieaufwändiges Unterfangen war, ließ man die meisten einfach im All treiben.

Das Recyceln der robusten Verkleidung würde sich nur dann rechnen, wenn es in großen Mengen geschehen würde. Der Grund warum man sich gegen das Wiederverwerten entschieden hatte war, dass die Firmen auf Agrion viel zu klein sind umso ein Projekt alleine zu bewältigen.

Selbst wenn sie sich zusammenschließen würden, wäre es ein Verlustgeschäft, da es keine Abnehmer im Linwood Sektor gab, die diese Masse an Material benötigten.

William stand am Fenster des Konferenzraumes und ließ seine Blick von Schiff zu Schiff wandern, bis er an schließlich auf ein massives Konstrukt weit in der Ferne hängen blieb.

Das musste sie sein, die Starsky, der einst so imposante Träger schwebte in Mitten des Feldes. Es mussten sich mehre Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte an menschlicher Raumfahrtgeschichte hier im Orbit von Agrion befinden.

Ein trauriger Anblick, vor allem für einen Mann, der gefühlt mehr Zeit auf Schiffen als auf Planeten verbracht hatte.

Erst jetzt bemerkte er die Stille die in dem Raum herrschte, die Brotherhood musste ihre Triebwerke deaktiviert haben, was nur bedeuten konnte, dass sie sich bereits in einer stabilen Umlaufbahn über der Kolonie befanden.

Grand verließ sein temporäres Arbeitszimmer und machte sich auf den Weg zum Aufzug, um von dort aus in einen der zwei Hangars zu gelangen. Von dort aus würde er einen Pelican benutzten, der ihn zu Captain Delany auf die Intruder bringen soll.

Gerade als er den Aufzug betreten, wollte hörte er die markante Stimme von Captain Cleveland der mit einem eiligen Gang und einer jungen Offizierin an seiner Seit in seine Richtung marschierte.

„Admiral, Captain Delany hat gerade um Erlaubnis gefragt andocken zu dürfen und möchte mit ihrer Einwilligung eine Zivilistin mit an Bord bringen."

Zivilistin? Eine zivile Person auf einen Kriegsschiff war zwar selten, aber nicht verboten, es kam letztendlich immer auf die Einstellung des kommandierenden Offiziers an, ob er es duldet. Vielleicht ist sie eine enge Vertraute, die er zur Unterstützung bei diesem Thema mit hinzuziehen möchte.

Er schaute zu Cleveland, der geduldig auf eine Antwort wartete. „

Ich bin mir sicher, dass der Captain einen guten Grund hat, wenn er jemanden mitbringen möchte. Da es ihr Schiff ist Captain, überlasse ich ihnen die Entscheidung", sprach Grand nach einer kurzen Pause.

Der Captain war einen Moment lang sprachlos, aber antwortete nach kurzer Überlegung mit bestimmter Stimme: „Ich werde ihn darüber in Kenntnis setzen, dass er und seine Begleitung an Bord kommen dürfen".

„Sie sollen ins Besprechungszimmer kommen, sobald sie hier sind", mit diesen Worten lief er zurück zu dem Raum, den er vor wenigen Minuten verlassen hatte.

Seine Entscheidung den Captain das letzte Wort zu überlassen, hatte er mit Bedacht gewählt. In der Navy gab es nur eine Handvoll ungeschriebener Gesetze, dies war eines davon. Solange er das Schiff nicht unter seinen direkten Befehl gestellt hat, war der Captain derjenige der die Anweisungen gab.

Es galt der einfache Satz: Sein Schiff, seine Regeln. Es bestand die Gefahr, ihn mit einer anderen Meinung oder Ansicht, vor seiner Mannschaft in den Rücken zu fallen und das wollte er verhindern.

Er packte seinen Holopad wieder auf den Tisch und machte es sich im Stuhl bequem. Lange musste er nicht warten, bis ein Klopfen an der Tür erklang.

„Herein", rief Grand und stand auf, um in Richtung Tür zu gehen. Die Tür öffnete sich und hereinschritt eine ältere Frau, mit aschegrauen Haar, hinter der Mikel Delany in seiner weißen Navy Uniform stand.

„Captain Delany Sir. Schön sie endlich zu treffen."

„Freut mich Captain", erwiderte William, „würden sie mir ihre Begleitung vorstellen?"

„Das ist nicht nötig Admiral, ich kann für mich selbst sprechen", sprach diese mit einer eisernen Stimme und blickte ihn direkt in die Augen. „

Verzeihen sie mir Madam, aber wir hatten noch nicht das Vergnügen."

„Ob es ein Vergnügen wird, werden wir noch sehen. Evelin Hopkinson, ich bin die gewählte Präsidentin von Agrion. Sie sah nicht aus wie eine Politikerin, eher wie eine Frau, die selbst ihr ganzes Leben lang auf dem Schrottplatz verbracht hatte.

„Setzen wir uns", schlug er vor und deutete auf die Stühle am Tisch. „Sie haben die Dokumente erhalten Captain, was sagen sie dazu?"

„Ein gewagte Unterfangen Sir, nicht unmöglich, aber es erfordert sorgfältige Planung und die Unterstützung der Kolonie", begann dieser. „Meiner Meinung nach, sind die von ihnen eingeplanten 3000 Männer nicht ausreichend.

Zusätzlich benötigen wir eine verlässliche Versorgung mit Material, vor allem Titanium A, Elektronik, Waffen und Munition. Bei den ersten beiden Sachen könnte vielleicht Miss Hopkinson etwas dazu sagen."

„Danke Captain. Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden, wie es aussieht benötigen wir uns gegenseitig. Sie Admiral, brauchen die Ressourcen und die Hilfe meiner Leute um ihren gewünschten Flottenstützpunkt zu errichten und Agrion braucht ihre finanzielle Unterstützung.

Ich schlage ihnen deshalb folgenden Deal vor: Sie errichten einen Orbitallift, die für das einschmelzen erforderlichen Gebäude und zahlen einen anständigen Preis für das gelieferte Material und unsere Arbeit. Wir hingegen errichten ihre Werften, SRR Stationen, versorgen sie mit den benötigten Materialien und stellen unsere Arbeitskraft zur Verfügung."

Die Einrichtungen für das einschmelzen der Schiffe war machbar, eine faire Bezahlung ebenso, aber sie wollte das er einen orbitalen Lift für die Kolonie errichtet ließ. Das Ding kostet locker hunderte Milliarden und würde sein Budget merklich belasten, er brauchte etwas mit dem sie ihm entgegen kommen würde.

Er überlegte kurz bevor er antwortete: „Ich baue ihren Lift, aber nur wenn sie mir die RSOs um sonst fertigen und mir einen Rabat bei den Titanium geben." Es war ein gerechter Vorschlag für beide Seiten, die Kolonie bekam einen Abnehmer für das bis jetzt kaum rentable Geschäft mit dem Titanium und der Admiral bekam seine 13 Außenposten so schnell wie möglich.

Die Präsidentin überlegte einige Minuten. „In Ordnung", ging diese auf seinen Vorschlag ein, „ich akzeptiere ihre Bedingungen."

Sie stand auf und reichte ihm die Hand. „Wenn es ihnen nichts ausmache, würde ich gerne zu meinen Leuten zurückkehren Admiral."

„Verstehe. Mein Lieutenant wird sie zu einem Pelican bringen." Er begleite sie zu Tür hinaus und ließ Enfield verständigen, nach wenigen Minuten kam diese schnellen Schrittes.

Erst als sich die Aufzugstür hinter den beiden geschlossen hat, kehrte er erleichtert in den Besprechungsraum zurück, in dem Captain Delany auf ihn wartete.

Erschöpft ließ er sich in seinen Sitz fallen, aus den Augenwinkeln sah er noch Delanys amüsiertes Gesicht, während er zwei Gläser Wasser auf den Tisch stellte. Das Gespräch hatte nicht lange gedauert, aber die Präsidentin machte schnell klar wie der Hase laufen würde. Schade das sie eine Zivilistin war und keine seiner Offizier.

„Danke", schnell nahm er einen großen Schluck aus dem Glas, bevor er sich seinen Offizier zuwandte. „Sie kennen die Präsidentin?"

„Ja ich kenne sie schon ein paar Jahre, wir haben uns ab und an bei verschiedenen Veranstaltungen getroffen. Eine ehrliche Frau, ich hab für sie ein gutes Wort vor dem Treffen eingelegt", gab er immer noch amüsiert zur Antwort.

„Ein gutes Wort nennen sie das?"

„Seien sie froh Sir, sie hatte heute noch einen ihrer guten Tage." „

Also gut. Captain würden sie das Projekt übernehmen?"

„Ja tu ich, aber ich muss noch um zwei Gefallen bitten." Grand gab mit einer Handbewegung zu verstehen, dass er fortfahren konnte.

Der Captain nickte kurz und begann: „Erstens, ich würde gerne, mit ihrer Erlaubnis Admiral, noch zusätzliche Leute für das Vorhaben rekrutieren. Der zweite Punkt wäre der wichtigste, ich benötige weitere Schiffe um das System gegen mögliche Bedrohungen zu sichern. Momentan befinden sich nur drei weitere Fregatten im Orbit von Agrion. Zwei von ihnen, haben momentan keinen Slipspaceantrieb und können nur zur orbitalen Verteidigung eingesetzt werden."

William überlegte nur kurz, mehr Personal bedeutete höhere Kosten, aber es würde auch das gesamte Unterfangen beschleunigen und ein paar Schiffe konnte er sicherlich noch erübrigen.

„In Ordnung, holen sie so viele zusätzliche Leute um effizient arbeiten zu können, zusätzlich bekommen sie noch fünf Fregatten und zwei Zerstörer der Halberd-Klasse"

„Da wäre noch etwas Sir."

Er zog seine Augenbrauen zusammen und warf seinen Captain einen fragenden Blick zu.

„Die RSOs haben keinen eigenen Antrieb um einen Sprung durchführen zu können, deswegen brauche ich ein Schiff, dass groß genug ist diese an ihren Bestimmungsort zu bringe. Ich habe an einen Träger gedacht, die Andromeda der Epoch-Klasse"

„Captain ihnen ist bewusst, dass wir nur drei Träger dieser Klasse besitzen?"

„Vollkommen Sir. Es ist aber der einzige Schifftyp, der genug Platz für die Bauteile der Stationen und für das benötigte Personal."

Delany hatte Recht, er musste einen Träger für diese Aufgabe und dem Schutz des zukünftigen Navystützpunktes bereitstellen. Die Andromeda pattroulierte zurzeit die Grenze des Sektors, eigentlich hatte er gehofft den Träger zu seiner Task Force hinzuzufügen. Die anderen beiden sind stationiert über Arcadis und Halea, den über Arcadis konnte er nicht abziehen, also blieb nur der über Halea.

Er beschloss ihn durch einen der Orion-Klasseträger zu ersetzten. „

In Ordnung Captain, sie gehört ihnen. Benötigen sie sonst noch etwas?", sprach er nach einiger Zeit.

„Nein Sir. Es bleibt nur die Frage welche Schiffe ich als erstes der Modernisierung unterziehen soll?"

William überlegte kurz, bevor er antwortete: „Nehmen sie die Schiffe, die sie durch das errichten der Aufklärungsposten von der Grenze abziehen können."

„Wollen sie alle Schiffe nach und nach aus dem Grenzgebiet abziehen Admiral. Ist das klug?", hinterfragte ich der Captain vorsichtig.

„Nein nur vorrübergehend, ich habe daran gedacht jeder Station drei Fregatten zur Verfügung zu stellen, die in ihrer Nähe patrouillieren sollen, um bei Problemen schnell einschreiten zu können. Die Befehlsgewalt über alles was mit der Grenze zu tun hat, würde ich Petterson übergeben."

Delany nickte: „Ja Petterson ist eine gute Wahl, er ist schon seit Jahren an der Grenze stationiert, er kennt das Gebiet wie seine Westentasche."

Die beiden Männer schwiegen einige Zeit lang, nur das Summen der Maschinen viele Decks unter ihnen war im Hintergrund zu hören. William war erschöpft, den ganzen Tag hatte er damit verbracht liegengebliebene Büroarbeit abzuarbeiten, was allmählich seinen Preis forderte.

„Ich werde ihnen wöchentlich einen Bericht über den Fortschritt des Stützpunktes und er Modernisierungen zukommen lassen."

Er warf den alten Offizier einen müden Blick zu. „In Ordnung Captain, ich denke wir wären hier fertig. Sie können gehen wenn sie wollen."

„Gönnen sie sich eine Pause Admiral. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut", sprach dieser während er sich aus seinem Stuhl erhob und seinem jüngeren Vorgesetzten die Hand reichte.

„Ich versuche es, aber ich glaube die Zeit rinnt uns wie Wasser durch die Finger. Danke für ihre Zeit Captain", verabschiedetet er ihn.

Er vergrub seinen Kopf in die auf den Tisch gestützten Hände, ausgelaugt schloss er seine Augen und wäre fast eingeschlafen, hätte ihn nicht ein klopfen an der Tür davon abgehalten.

„Die Tür ist offen", rief er nachdem er sich aufrecht hingesetzt hatte. Lieutenant Enfield betrat mit geschmeidigen Schritten das Zimmer, schritt an den Platz zu seiner Rechten und schob ihm ein Datenpad vor die Nase.

„Ich habe zwei Fregatten für die Eskortierung der Forschungsschiffe von Liang-Dortmund ausgewählt, die Wildcat und die Landcaster, beides Schiffe der Paris-Klasse."

„Sehr gute Arbeit Miss Enfield, informieren Sie die Kommandierenden über ihre neuen Befehle und teilen sie mir bitte mit, sobald sie startbereit sind", lobte er seine Offizierin.

„Schon geschehen Sir. Beide haben bereits mit dem aufstocken ihrer Vorräte begonnen und sind in weniger als 27 Stunden bereit für den Missionsbeginn, alles was ich noch brauche ist ihre Unterschrift", verkündete sie sichtlich stolz auf das Lob ihres Vorgesetzten.

Er überflog schnell den von ihr zusammengestellten Bericht. Alles war fein säuberlich aufgelistet: Informationen über die Schiffe, deren Besatzung und Qualifikationen, sowie einen kompletten Lebenslauf der Captains und Enfields Begründung weshalb gerade diese Schiffe und deren Crew. Er segnete alles ab, indem er seinen Finger auf den integrierten Scanner des Pads drückte.

„Es gibt da vielleicht noch etwas, was sie interessieren könnte Sir", berichtete sie. Mit einigen schnellen Fingerbewegungen öffnete die blonde Offizierin ein neues Fenster, dies bis jetzt im Hintergrund war.

Seine Stirn kräuselte sich, als er versuchte die Daten vor ihm zu verstehen. Es war eine riesige Bestandsliste eines Lagerkomplexes von SinoViet im Artemis-Sektor. Sie beinhaltet alle möglichen Teile eines Schiffes, von Computerterminals, Magnetspulen für die MACs, Hydraulikölen für die Kolben der Schutztüren bis hin zu Ersatzteilen von Slipspaceantrieben und Fusionsgeneratoren.

„Beeindruckend … aber was genau hab ich hier?"

„Eine komplette Auflistung der eingelagerten Ersatzschiffsteile von SinoViet aus der Ära des Großen Krieges. Da die meisten Schiffe nach dem Krieg von Zeit zu Zeit durch neue ersetzt worden waren, hatte man bei SinoViet 2562 beschlossen alle verbliebenen Ersatzteile der alten Schiffe an einem Ort zu lagern. Man wollte dadurch Kosten sparen und Platz für neue Teile schaffen. Jetzt steht der Inhalt des Lager zum Verkauf, für knappe 287 Milliarden Credits."

„Hmm, 287 Milliarden ist günstig. Wo liegt der Hacken?"

„Das Lager muss in vier Monaten komplett geräumt sein, wenn nicht, wird alles verschrottet." Vier Monate waren ein sehr kurzer Zeitraum, um einen Ort zu finden der die Kapazität hat, alle Teile unterzubringen und einen Weg diese möglichst günstig, aber schnell dorthin zu transportieren.

SinoViet wollte zudem nur alles gemeinsam verkaufen, aber selbst wenn er Einzelstücke kaufen könnte würde es ihm nichts bringen, da es noch keine wirkliche Liste mit allen Dingen gab, die ausgetauscht oder ersetzt werden müssten.

„Setzen sie sich mit SinoViet in Verbindung und fragen sie, ob man den Umzug noch etwas hinauszögern könne. Sagen wir zwei, vielleicht drei Monate", hastig tippte Enfield ihre neuen Befehle in ihr Datenpad.

„Captain Delany bekommt eine Kopie der Daten, ich will seine Meinung wissen und mögliche Vorschläge wo man das Material einlagern könnte. Das wäre dann alles Lieutenant", beendete er.

„Zu Befehl Admiral, ich werde sehen was sich machen lässt".

Nachdem William einige Momente auf die Tür blickte, durch die sie verschwunden war richtete sich sein Augenmerk zurück auf sein Tablet.

Vier Monate waren zu wenig. Viel zu wenig. Die Stille des Raumes wurde nur durch das Ticken seiner Uhr unterbrochen und sein mulmiges Gefühl, dass er bis jetzt erfolgreich verdrängt hatte kehrte zurück.

Es fühlte sich an als würde er ein Rennen fahren, gegen wen wusste er nicht.

Grand wusste momentan nur eines … er verlor.