SALVATION
Copyrights 343 Industries & Bioware
(V1.0)
1340 Uhr, 04. März, 2596 (Militärkalender)
Verteidigungsministerium, Calais, Arcadis
Eidera System, (Linwood Sektor), Äußere Kolonien
„Warum sagst du mir das erst jetzt Charlotte", blaffte Willam sie verärgert an.
„Weil es nichts geändert hätte ob sie es vor 2 Monaten oder Gestern erfahren hätten", antwortete sie mit ruhiger Stimme.
„Wirklich? Ich hätte Vorkehrungen für einen Ersatz treffen können."
Er war aufgestanden und stützte sich nun wütend auf seinen Schreibtisch ab. Charlotte konnte seinen Unmut durchaus nachvollziehen, aber dennoch war es ihre Entscheidung.
„Bei allem Respekt Sir. Es ist eine Private Entscheidung meinerseits gewesen und sie steht in keinerlei Konfrontation mit einem Gesetz des UNSCs oder der UEG."
Sie hatte in den letzten Monaten der Zusammenarbeit mit dem Admiral gelernt, wie sie mit seinem Temperament umgehen konnte. Sie wusste auch, dass er sich relativ schnell wieder beruhigen würde, solange sie ruhig und gelassen blieb. Grand ließ sich zurück in seinen Stuhl fallen. Dabei hatte das Jahr doch gut angefangen, Petterson hatte die ersten Stationen an der Grenze aufgestellt und in Betrieb genommen, Captain Delany hatte vor etwas mehr als einen Monat mit der Modernisierung der ersten Schiffe begonnen.
Auch bei Miss Enfields Pilotprojet läuft es eigentlich ganz gut, wenn auch nach anfänglichen Startschwierigkeiten. Im Moment aber war er ganz froh, dass sie momentan in der Schule saß und sich nicht seinen kleinen Wutausbruch mit anhören musste. Wenn sie nicht in der Militärakademie saß und Kurse besuchte, war sie hier und half bei allen anfallenden Arbeiten.
Die zusätzliche Arbeit blieb an ihm oder Charlotte hängen, ein Zustand der nicht von Dauer sein sollte, aber gutes und diskretes Personal zu finden ist keine leichte Aufgaben. Die meisten Sekretärinnen hoher Offiziere und Regierungsmitarbeitern, haben ihre Jobs schon seit Jahrzehnten und werden nur wenn es absolut nötig ist ersetzt.
„Das ist eine Katastrophe. Enfield ist weg und du bald auch.", maulte er immer noch leicht angefressen vor sich hin.
Die KI warf ihm einen Blick zu, als handelte es sich bei dem Mann vor ihr nicht um einen Admiral sondern um einen Dreijährigen der seinen Willen nicht durchsetzen konnte. Sie schüttelte amüsiert den Kopf und strich sich eine ihrer Haarsträhnen hinter die Ohren.
„Darf ich fortfahren Admiral?"
„Noch mehr schlechte Nachrichten?", warf er mit einer wehleidigen Stimme dazwischen. Sie rollte nur mit den Augen.
„Wenn sie mich ausreden lassen werden sie es erfahren." Ihre Stimme wurde ein wenig kühler und er erkannte, dass sie genug von seinem Verhalten hatte. Er musste sowieso schon dankbar sein, dass sie die Geduld eines Engels mit ihm hatte.
„Fahr bitte fort."
„Danke. Also, wie gesagt werde ich den Dienst zum 31. April quittieren. Für meinen Ersatz habe ich auch bereits gesorgt. Sie wird ab Mai für sie zur Verfügung stehen – sofern sie das wollen."
„Wie heißt sie?"
„Julia. Ein ganz junges, aber nettes Ding. Sie wurde erst vor wenigen Wochen aktiviert und durchläuft momentan die Testphase. Im Gegensatz zu mir ist sie eine künstliche Intelligenz spezialisiert auf Schiffe und Weltraumkämpfe. Geben sie ihr eine Chance Sir, das ist alles was ich verlange."
„Was ist mit ihnen?", fragte er mit besorgtem Unterton in seiner Stimmen nach.
„Keine Angst mein verehrter Admiral, so einfach werden sie mich nicht los", erwiderte sie mit einem zuckersüßen Lächeln.
„Ich hätte gedacht du würdest den Dienst quittieren." Neugierig richtete er sich in seinem Sessel auf.
„Werde ich auch tun, aber nach der erfolgreichen Übertragung in meinen neuen biologischen Körper spricht nichts gegen das Ausführen eines Jobs."
„Schwebt ihnen schon was vor?"
„Hmm.", überlegte sie spielerisch.
Jede KI musste einen bestimmten Zeitraum ihres Lebens damit verbringen eine Tätigkeit auszuüben. Die meisten bleiben im Militär und helfen dem UNSC bei den unterschiedlichsten Tätigkeiten, einige hingegen entschieden sich für etwas helfen Wissenschaftlern bei ihren Forschungen und andere arbeiteten wiederum in Krankenhäusern.
Nachdem sie ihre Dienstzeit abgearbeitet hatten, konnten sie die Übertragung in einen biologischen Körper beantragen und so ein völlig neues Leben beginnen. Für ihre langjährige Zeit wurden sie zudem mit einer beträchtlichen Summe an Geld ausgestattet. Auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt stehen weitaus günstiger als für den normalen Bürger.
Durch ihren hohe Intelligenz und ihr schnelles Denken sind sie überaus beliebt bei Firmen und diese versuchen sie mit horrenden Summen zu locken – Summen die er ihr nicht zahlen könnte. Einige gingen auch in die Politik, wurden zu hohen Ministern oder Gouverneuren gewählt und versuchten das Leben der Menschen zu verbessern. Eine Frau mit einer Vielzahl von Qualifikationen wie Charlotte würde wohl kaum in diesem Sektor bleiben, wenn sie überall im menschlichen Reich arbeiten könnte.
„Nichts Kompliziertes. Etwas Einfaches. Eine Arbeit die abwechslungsreich ist und man ab und zu verreist. Etwa wie der Job einer Sekretärin."
Sekretärin? Jobs dafür gibt es wie Sand am Meer.
„Nun. Da solltest du eigentlich keine Probleme bekommen", sprach er zögernd. Sie fand das ganze anscheinend sehr lustig und kicherte kurz.
„Ja sollte kein Problem sein. Noch besser wäre allerdings eine Arbeit in dessen Umfeld ich mich bereits auskenne."
„Sie meinen im UNSC?", fragte er nach einigen Sekunden. Sie schmunzelte nur und nickte kurz.
„Ich kann im Stellenmarkt des Waypoints nachsehen?" Irgendetwas schien er nicht zu begreifen und sein Vorschlag erntete nur leises Gelächter.
„Machen sie sich nicht die Mühe Sir, er ist noch gar nicht ausgeschrieben. Offiziell zu mindestens. Da sie anscheinend etwas auf dem Schlauch stehen, gebe ich ihnen noch einen Tipp. Er hat die Dienstnummer SN: 25120-20167-WG und ist momentan hier in Calais stationiert." Moment, die Dienstnummer kam ihm so bekannt vor. Stand WG nicht für den Vor- bzw. den Nachnamen.
„Du willst hier bleiben?", forschte er perplex nach.
„Wenn ich darf.", erwiderte sie mit einem unschuldigen Blick, den er sich nicht entziehen konnte.
„Außerdem würden sie ohne meine Hilfe hoffnungslos aufgeschmissen sein und das kann ich ihnen nicht antuen", fügte sie frech hinzu.
„So schlimm ist es nicht und das weißt du."
Den Blick den er erntete ließ ihn sofort wieder verstummen. Sie hatte ihm schon lange zu verstehen gegeben wer in ihrer Beziehung die Zügel in der Hand hatte.
„Schon gut. Schon gut.", gab er nach und suchte auf seinen Unterlagen den Einstellungsvertrag für das UNSC.
„Ich kann es gleich unterschreiben.", schlug sie ihm vor.
„Tut mir leid, du musst es mit deinem biologischen Fingerabdruck verifizieren."
„Wenn sie es umständlich machen wollen.", das Hologramm der KI löste sich ohne weitere Worte auf.
Er blickte auf die Uhr. Halb drei, genug Zeit um die noch anfallende Büroarbeit zu erledigen. Normalerweise müsste er bereits auf dem Weg zu Brudell sein, mit dem er alle zwei Wochen eine Verabredung hatte um die wichtigsten und neuesten Entwicklungen im Sektor zu besprechen. Das heutige Thema hätte über die Budgeterhöhung der Streitkräfte gehen sollen und wie er vorhatte sie zu verteilen.
Auch die ersten Ergebnisse von den Forschungsflügen der Liang-Dortmund Corporation wollten die beiden gemeinsam auswerten. Die Ergebnisse waren mehr als vielversprechend – das hatte zu mindestens Hibbert freudig gemeint. Ihm war es ziemlich egal, ob er einen Felsen mehr oder weniger gefunden hatte, solange die versprochenen Gelder überwiesen wurden.
Aber er nahm an, dass je besser die Berichte ausfielen, desto einfacher würde die LDC in diesem Sektor investieren. Soweit er es mitbekommen hatte, kaufte der Konzern bereits riesige Gewerbeflächen auf einigen Planeten, um dort in näherer Zukunft Fabrikanlagen und Bürokomplexe errichten zu lassen. Da der Gouverneur aber heute leider verhindert ist musste er wohl sich anderen Aufgaben widmen.
„Fünf Frachtschiffe sollten reichen um die Materialien zu transportieren. Oder doch besser sechs?", murmelte der Admiral abwesend vor sich hin, während er nachdenklich auf die Dokumente vor ihm starrte.
„Hmm. Fünf Schiffe sollten eigentlich genügen."
Er presste seinen Daumen als Bestätigung auf den Scanner und schickte die somit verbundenen Befehle an den zuständigen Offizier.
Unbewusst streckte er seine Hand nach der Tasse aus, um einen Schluck von seinem Tee zu nehmen. Die Tasse war ein Willkommensgeschenk von Enfield und Charlotte. Woher die beiden wussten, dass er am liebsten Tee trank wusste er nicht. Das die Porzellantasse nichts mehr enthielt was er noch trinken hätte können bemerkte er allerdings erst, als er sie kurz vor den Lippen hatte. Mit einem irritierten Grummeln stellte er sie zurück an ihren Platz.
„Wo zur Hölle ist sie wenn man sie braucht", schoss es ihm durch den Kopf.
Ihr Unterricht war schon lange vorbei, normalerweise wäre sie schon über einen Stunde hier. In der Hoffnung sie würde gleich durch die Tür schreiten, mit einer vollen Teekanne in her Hand wartete er noch einige Minuten. Da es aber anscheinend nicht so sein sollte stand er letztendlich doch auf und machte sich auf den Weg in seinen Wohnbereich gleich nebenan.
Er stieß die neue Tür auf, die sein Büro mit den Wohnbereich verband. Neben einem kleinen Wohnzimmer, besaß er nun auch ein geräumiges Schlafzimmer, ein eigenes Bad und eine Küche. Er hatte Glück, der Wasserkocher lief noch und er brauchte nur einen der Teebeutel zu nehmen und ihn in die Tasse zu legen. Zufrieden, dass William die schier unlösbare Aufgabe auch ohne Enfield erfolgreich gelöst hatte, machte er sich auf den Weg zurück an seinen Schreibtisch.
Es war ohnehin besser wenn er seinen Tee ab sofort wieder selbst zubereiten würde, denn wenn Charlotte Enfields Platz eingenommen hatte, wehte hier ein anderer Wind. Da war Grand sich ziemlich sicher, zuletzt würde er es ein der die Getränke für sie holt. Er hielt kurz inne und lauschte, von dem Gang vor seinem Büro herrschte leises Gelächter.
Gerade als er seine Tasse abgestellt hatte wurde die Tür aufgestoßen, herein kam eine sichtlich gutgelaunte Lorena mit zwei hochgewachsenen Männern mit schwarzen Harren. Beide schienen ihren Kleidungstiel nach nicht im Dienst zu sein. Erst als er ein kurzes Räuspern von sich gab, erstarb das Gelächter und drei Köpfe drehten sich in seine Richtung. Erst jetzt erkannte William wenigsten einen der Männer - Petty Officer Coats.
Den Größeren der beiden konnte er immer noch nicht zu ordnen. Der Mann war ca. so groß wie Brudell, aber er war weitaus besser trainiert als der Politiker.
„Sir, haben sie nicht ein Meeting mit dem Gouverneur?", stammelte die blonde Frau sichtlich schockiert über die Anwesenheit ihres Vorgesetzten.
„Er war kurzfristig verhindert.", entgegnete er gelassen.
„Oh. Das wusste ich nicht."
„Offensichtlich." Sein Blick wanderte zu Coats und seinem Freund.
„Petty Officer Coats schön sie wieder zu sehen."
„Gleichfalls Sir.", antwortete dieser vorsichtig.
„Kann ich euch beiden irgendwie behilflich sein.", fragte er freundlich.
„Nein Sir. Wir sind nur zufällig Lieutenant Enfield an der Akademie begegnet und sie war so freundlich uns mit hierher zu nehmen."
„Unser Hotel ist ganz in der Nähe", fügte der Unbekannte noch an. Die beiden logen, dass sich die Balken biegen.
„Rein zufällig also?"
Die junge Frau war erstaunlich ruhig und starrte nur die Wand hinter ihm an, was seinen Verdacht das Coats log nur bekräftigte. Der ODST atmete sichtlich hörbar aus und warf seinen Kumpel und Lorena einen hilfesuchenden Blick zu.
„Wir sind gerade auf Landurlaub und ich habe mir gedacht ich könnte Miss Enfield einen Besuch abstatten. Sollte ich sie so von ihren Aufgaben abgehalten haben, übernehme ich selbstverständlich die volle Verantwortung", gestand der Soldat letztendlich ein.
„Coats trifft keine Schuld Sir", mischte sich nun auch seine Offizierin in das Gespräch ein. „Ich habe die Zeit vergessen."
„Verstehe."
Er wusste, dass die letzten Monate hart für sie waren. Früh musste sie die Schulbank drücke und den Stoff dieses Jahres lernen, sowie den Stoff der Jahre zuvor nachholen und verinnerlichen. Das einzige positive an der ganzen Sache war, dass sie die Prüfungen zwar mitschreiben musste, aber sie nicht zwingend in ihre Endnoten einflossen – eine Ausnahme die Grand bewirkt hatte. Danach ging es meistens für vier bis sechs Stunden ins Verteidigungsministerium, nebenbei lernte oder bereitete sie sich für den nächsten Tag vor.
Da Lorena eine sehr ehrgeizige Person ist, gab sie sich nur mit den besten Ergebnissen zufrieden. Er musste sich eingestehen, dass er andere Dinge im Sinn hatte als er noch Lieutenant war. Er bewunderte die junge Frau, für ihr Durchhaltehaltevermögen. „
Wer sind eigentlich ihr Freund Chief?", fragte William und wechselte damit das Thema.
„Hmm?" Coats brauchte einen Moment. „Ach so. Das ist Shepard. Ein alter Freund von mir, unsere Eltern kennen sich seit wir klein waren."
Er grinste schelmisch. „John Shepard Sir.", meldete sich der bis jetzt sehr wortkarge Mann zu Wort.
„Shepard? Kommt mir bekannt vor."
„Sie meinen wahrscheinlich meine Mutter - Hannah Shepard. Momentan ist sie als Captain auf der Einstein stationiert."
„Befindet sich die Einstein nicht zurzeit im stationären Orbit?" Grand konnte sich nicht alle Schiffe merken, aber einige hatte er zu mindestens schon mal gehört. Die Einsteinist einer der kleineren einsatzfähigen Orion-Klasse Trägern, von denen es fünf Stück in diesem Sektor gibt.
„Korrekt Sir."
„Sind sie ebenfalls auf dem Schiff stationiert Shepard?"
„Das würde nicht lange gutgehen Sir." Der ODST machte eine kurze Pause „Meine Mom ist eine tolle Frau, aber als meine vorgesetzte Offizierin könnte ich sie mir nicht vorstellen." Er lacht kurz bei dem Gedanken. „Ich bin im Moment auf der Nigthfall im Dienst, zusammen mit meinem Team. Nach der Komplettüberholung der Fregatte in den Docks bei Agrion, wurden wir direkt nach Arcadis beordert. Sie hat ein paar schöne Upgrades bekommen. Energieschilde, eine bessere MAC, stärkere Panzerung und sogar einen neuen Küchenchef, seitdem kann man auch wieder dort Essen ohne sich Magenschmerzen einzufangen."
Die beiden schienen in Ordnung zu sein - für Höllenspringer und das sollte was heißen.
„Kann ich sie um einen Gefallen bitten Admiral Grand", fragte er plötzlich aus dem Nichts heraus.
„Einen Gefallen?", erwiderte er ein wenig neugierig.
„Einen kleinen."
„Ich kann ihnen nichts versprechen Chief."
„Ich denke für einen Mann in ihrer Position ist es kein Problem."
Schleimer.
„Könnten sie Coats Antrag auf eine Versetzung genehmigen?" Seine Frage ließ Lorena aufhorchen und der andere Soldat zuckte kurz zusammen.
„Bist du verrückt John.", zischte er seinen Kumpel zu. Dieser schien ihn komplett zu ignorieren und starte William immer noch, auf eine Antwort wartend an. Grand verschränkte seine beiden Arme hinter seinen Rücken und lehnte sich etwas an Tisch vor dem er stand. Sein Blick löste sich von Shepards Gesicht und glitt über eine immer noch sehr neugierig schauenden Lieutenant zu Coats, der mit zusammengepressten Lippen neben ihr stand. Er konnte sich fast denken warum der Soldat versetzt werden wollte.
„Warum?"
„Weil ich gerne näher bei meiner Familie und Freunden wäre.", antwortete er schließlich. „Liege ich richtig mit der Annahme, dass sie auf die Nightfall und ihn das Team des Chiefs wollen?"
„Ja."
„Also gut, ich sehe was ich tun kann." Coats konnte es kaum fassen und Lorenas Gesicht strahlte vor Glück.
„Ich schulde ihnen was Sir", ließ er ihn wissen, nachdem wer sich wieder gefangen hatte.
„Ich werde eventuell darauf zurückkommen." William drehte sich um und machte sich langsam auf den Weg zurück in sein Büro.
„Genießen sie ihren freien Tag Miss Enfield", rief er noch über seine Schulter hinweg und gab den drei damit zu verstehen, dass ihr Gespräch beendet war und sie gehen konnten. Erst als die Tür mit einem leisen Klicken ins Schloss viel und die Schritte auf dem Gang leiser wurden drehte er sich wieder um.
„Charlotte genehmige bitte Coats Versetzung auf die Nigthfall, aber schick sie noch nicht sofort los. Lass sie noch ein wenig zappeln."
„Mit Vergnügen Sir.", kam ihre belustigte Stimme von irgendwo aus dem Raum. Endlich saß wer wieder in seinem Stuhl und konnte in Ruhe dort weitermachen wo er aufgehört hatte. Einigermaßen zufrieden wie sich der Tag entwickelt hatte, griff er nach seiner Tasse Tee und nahm einen kräftigen Schluck, was er sofort bereute, denn das Getränk war mittlerweile kalt. Mit einem missbilligenden Blick schob er sie außer Reichweite, sodass er den Fehler später nicht wiederholen würde.
„Sir es gibt einen kleinen Zwischenfall an der Pforte.", unterbrach in Charlotte sanft und ohne Vorwarnung stand sie auf seinem Tisch. So direkt unterbrach sie ihn selten.
„Ist jemand verletzt?", fragte er sie mit einem besorgten Gesichtsausdruck.
„Nein nichts dergleichen, aber eine junge Frau möchte sie sehen."
„Ich habe keine weiteren Termine für heute die mir bekannt wären. Also wer ist der Störenfried?"
„Geben sie mir einen Moment." Sie schnippte kurz mit den Fingern, ein holografisches 3D-Modell einer jungen dunkelhäutigen Frau, mit vollen Lippen und zwei großen dunkelbraunen Augen, die in einem wohlgeformten Gesicht saßen, erschien auf dem Tisch.
„Seltsam", flüsterte sie. Auf ihrem Gesicht hatten sich mehrere kleinere Fältchen gebildet, als würde sie angestrengt überlegen. Ungeduldig trommelte er mit seinen Fingern auf der Tischplatte.
„Was ist denn?"
„Ihr Name ist Anabelle Fredricks, 42 Jahre jung und dient gegenwärtig als Major in der Army auf Lunis."
„Lunis?"
„Eine Kolonie ein paar dutzend Lichtjahre von Reach entfernt."
„Was macht sie dann hier in Calais an der Pforte?"
„Sie hat sich anscheinend einen Monat freistellen lassen um hier her zu reißen. Einen Grund dafür hat sie nicht angeben." Das Gesicht von ihr verschwand und wurde durch das Bild einer aktiven Überwachungskamera ersetzt. Die junge farbige Offizierin saß auf einen der Stühle in der Empfangspforte und diskutierte immer noch mit zwei Soldaten die sie anscheinend befragten. Neben ihr standen zwei große Reisekoffer und eine kleinere schwarze Handtasche.
„Hat sie einen Grund angeben warum sie mich sehen will." Charlotte schüttelte ihren Kopf. „Sie will nur mit ihnen darüber reden."
„Ist sie bewaffnet?"
Wieder verneinte sie seine Frage. „Keinerlei Waffen, Messer oder Sprengstoff. Ihre Koffer wurden durchleuchtetet, man hat nur Kleidung, Hygieneartikel und einige kleinere Private Sachen entdeckt. Nichts Ungewöhnliches."
Er drehte seinen Stuhl und blickte aus seinem großen Fenster, von hier konnte er das Tor und die Pforte sehen. Grand konnte sie einfach davor stehen lassen wenn er wollte. Eine kurze Nachricht an das Wachpersonal und sie würden die Frau auf die Straße setzten. Aber er glaubte kaum, dass diese Methode der richtige Weg wäre. Sie würde die ganze Nacht vor dem Tor stehen bleiben wenn es sein musste. Der Major musste einen wichtigen Grund haben. Sie hatte sich extra Urlaub genommen um ihn nach einem nicht ganz einfachen Weg aus den inneren Kolonien zu treffen.
Ganz bestimmt nicht für ein nettes Schwätzen, zudem hat sie noch ihre ganzen Sachen mitgebracht. Was ihn wirklich beunruhigte war das er sie nicht zu kennen schien, sie schien allerdings recht gut über ihn informiert zu sein.
„Also gut, sie darf passieren. Informiere die Wachleute." Zehn Minuten mussten vergehen, bis ein klopfen an der Tür das Eintreffen von Miss Fredrick ankündigte. In der Zeit, die er mit warten verbringen musste, schossen ihm hunderte mögliche Gründe für ihre Anwesenheit auf Arcadis durch den Kopf. Letzten Endes konnte er sich noch so viele Gedanken machen wie er wollte, erfahren würde er es erst jetzt.
„Herein."
William verdrängte die letzten Gedanken, um sich auf das hier und jetzt konzentrieren zu können. Die Tür wurde geöffnet und ein junger Soldat trat in das Vorzimmer ein, dicht gefolgt von einem zweiten, der zwei Koffer trug.
„Stellen sie die Koffer einfach neben dem Sofa ab." Der Mann tat was ihm gesagt Corporal wandte sich wieder der Tür zu und die beiden standen nun, wie zwei Bodyguards auf beiden Seiten des Einganges, durch den endlich sein unangekündigter Besuch trat.
Das erste was ihm auffiel als die junge Offizierin durch die Tür schritt waren ihre wachsamen Augen, sie schien alles was um ihr geschah genauestens zu beobachten. Ihr Blick erinnerte ihn an einen Adler der kurz davor stand sich auf seine Beute zu stürzen. Sie kam vor dem Tisch zum Stehen.
Ihre dunkelgrüne Uniform war sauber, als käme sie direkt aus der Reinigung. Es waren keinerlei Orden oder andere Auszeichnungen daran angebracht. Ihre dunkelbraunen Haare waren zu einem einfachen, aber sauberen Zopf zusammengebunden. In den Räumen war es still geworden, dass einzige was man zu hören bekam waren die gedämpften Geräusche die von außen herein drangen.
Er wandte sich wieder seiner Arbeit zu.
„Miss Fredricks sie wissen es höchstwahrscheinlich nicht, aber ich bin kein Freund von spontanen Besuchen. Von Personen die ich nicht kenne schon gleich gar nicht."
Keine Antwort.
Er blickte auf. Sie zeigte keinerlei Regung, noch immer hatte sie Haltung angenommen.
"Ich bin aber auch kein Unmensch, dennoch gibt es sicherlich leichtere Wege um mich zu erreichen."
Immer noch keine Regung.
William atmete tief ein.
„Also gut Major! Rühren. Schnappen sie sich einen Stuhl aus der Ecke und setzten sie sich."
Endlich gab es eine Regung. Fredricks ließ ihren Arm sinken und ging immer noch wortlos zu den Stühlen.
„Tee oder Wasser?"
„Nichts, danke." Ihre Stimme war klar und kräftig. Ihre Hände lagen gefaltet in ihrem Schoß, während sie mit durchgedrückten Rücken im Sessel saß. Es sah fast so aus als hätte sie einen Stock im … . Vielleicht war sie einfach nur angespannt.
„Also Major wie kann ich ihnen behilflich sein?"
Ihre braunen Augen musterten ihn. Die Soldatin ließ sich Zeit mit ihrer Antwort, als hätte sie Angst etwas Falsches zu sagen.
„Ich hätte …," mit einem kurzen räuspern unterbrach sie sich.
„Ich würde gerne wissen ob die Stelle, die sie ausgeschrieben haben immer noch verfügbar ist." Ihre Stimme war immer noch klar, jedoch wurde sie am Ende merklich leiser. Eine Stelle? Grand konnte sich nicht daran erinnern eine ausgeschrieben zu haben. Alles was mit der Army zu tun hatte lief größtenteils über Lieutenant Colonel Sleet und über einige andere Offiziere, soweit er wusste.
Er musste zugeben, dass es ihm ärgerte nichts Genaueres über die Army und deren momentane Situation zu wissen. Es gab immer noch viele Sektoren im UNSC, bei denen die Absprache zwischen den Teilstreitkräften nur befriedigend oder ungenügend vorhanden war. Hier war es genauso. Jeder Planet kochte seine eigene Suppe, es gab nur wenige Standards die bis jetzt realisiert worden sind.
Bis zu einem gewissen Punkt ist die Eigenverwaltung der Planeten durchaus gerechtfertigt. Vor allem bei Sachen wie Ausrüstung und Bewaffnung mussten einheitliche Linien her. Linwood hinkte in diesen Bereichen extrem hinterher. Es gibt Truppenteile in der Army und bei den Marines deren Ausrüstung zum Teil noch aus dem großen Krieg kommen.
Das gleiche Bild konnte man bei der Bewaffnung erkennen. Die Standartwaffe die jeder Soldat nach und in der Grundausbildung in die Hand gedrückt bekommt ist ein Sturmgewehr der Variante MA7B. Hier hatte er höchstens eine Handvoll davon entdeckt, die meisten Soldaten trugen noch eine MA5 Variante.
Selbst bei den ODST sah es kaum besser aus, die meisten Anzüge waren zwar funktionsfähig aber veraltet. Schildsysteme gehörten mittlerweile genauso zum Standard bei Höllenspringern und einfachen Soldaten wie Argumentationen für Muskeln und Reflexe. Zu mindestens bei der Navy machte er Fortschritte. Es wurden nicht nur die Schiffe auf Agrion einer Komplettüberholung unterzogen, sondern auch deren Besatzung.
Er hatte Captain Delany befohlen jedes Crewmitglied auf den bestmöglichen Stand zu bringen. Zig tausende alter Waffen wurden ausgemustert und durch modernere ersetzt, besonders bei den Höllenspringern achtete er penibel darauf. Sie waren momentan die einzigen deren Rüstungen Schilde besaßen. Bei den Marines, die auf den Schiffen stationiert sind, hatte man alle Gewehre entsorgt die vor dem Jahr 2565 produziert worden sind. Dadurch entstand wenigstens eine gewisse Einheit. Es würde sicherlich noch Monate dauern bis er genauere Zahlen vorgelegt bekäme.
Williams Plan war einfach - alle möglichen Schiffe zu upgraden und den Rest zu recyceln. Nach dem Abschluss dieser Phase würde er gerne alle alten Schiffe Stück für Stück durch neue ersetzten und zugleich deren Crew auf den aktuellen Standard bringen. Geschätzte Dauer: zwei Jahre für den ersten Teil des Plans und weitere fünf bis sechs Jahre für den zweiten.
Damit wäre die Überholung der Navy erfolgreich abgeschlossen, was allerdings die anderen Teilstreitkräfte anging – dafür gab es noch gar nichts, nicht mal ein grobes Konzept oder eine Idee. Während die Befehlsstruktur der Navy noch einigermaßen gut funktionierte herrschte in der Army Chaos und Unordnung. Bei der Flotte war die Struktur relativ einfach. Die Captains hatten ein Schiff, für das sie im Großen und Ganzen selbst verantwortlich waren. Größere Stützpunkte oder Flotten wurden meisten von einem Admiral niedrigen Ranges befehligt.
Wenn, wie in seinem Fall, keine weiteren Admiräle zur Verfügung stehen, konnte der Diensthöchste Offizier auch einen normalen Captain zum Flottenkapitän ernennen. Flottenkapitän war kein offizieller Rang im UNSC, mehr eine Überganslösung. In den letzten Monaten hatte er für jeden Planeten einen Flottenkapitän ernannt, darunter Delany als befehlsgebenden Offizier für Agrion und dessen neugebauten Orbitalstützpunkt, plus Petterson der den Befehl über die Schiffe an der Grenze hat.
Das ganze hatte einen netten Nebeneffekt, statt wie davor von jedem Captain der Navy einen Bericht über deren momentane Lage oder den Zustand der Schiffe und Gebäude zu bekommen, bekam er jetzt nur noch einmal in der Woche einen gebündelten Bericht zugesandt. So konnte er schneller auf die dringendsten Probleme reagieren, ohne erst alle Meldungen zu sortieren und miteinander zu vergleichen.
Es konnte durchaus geschehen, dass mehrere Offiziere dasselbe Problem hatten und es bei ihm vortrugen. Ein weiterer Vorteil war es, dass sich nun die auf den Schiffen und Planeten stationierten Angehörigen des Marine Corps einen Ansprechpartner besaßen. Die Marines haben traditionell eine sehr enge Verbindung zur Navy. Da die meisten Offiziere bei den Marines den Rang eines Majors oder niedriger innehatten, wussten diese oft nicht ob sie bei Fragen oder Problemen sich erst an die Stelle des Verteidigungsministeriums wenden sollten oder direkt an die Schiffskapitäne. Nun war es einfacher.
Alle Soldaten auf einem Schiff meldeten ihre Probleme an ihren Captain, dieser fasste alles zusammen und schickte es weiter an den Flottenkapitän. Dort wurde alles gesammelt und weiter zu ihm gesandt. Die Verantwortlichen der Marines auf den planetaren Stützpunkten der Navy, die für deren Schutz und Instandhaltung garantierten, übermitteln ihre Informationen weiterhin an das Ministerium.
Bei der Army war es im Grunde dasselbe Problem, nur etwas anders. Die Probleme begannen schon alleine mit der Truppengröße des Heeres. Es ist mehr als doppelt so groß wie die anderen drei zusammen, dadurch entsteht eine gewisse Unordnung und Unübersichtlichkeit. Hinzu kam noch die deutliche Unterbesetzung an hochrangingen Offizieren wie zum Beispiel Generäle. Der höchste Rang in diesem Sektor, war der eines Lieutenant Colonel, davon gab es etwa zwei könnte er einige der Männer und Frauen zu vollwertigen Colonels befördern. Was aber nur mehr Arbeit für diese bedeuten würde, außerdem musste er die Beförderten durch andere ersetzen und so weiter.
Grand wollte sich nicht in die internen Angelegenheiten der Army einmischen, dafür kannte er sich in dieser Branche des UNSC einfach zu wenig aus und selbst wenn er es müsste war sein Spielraum nur sehr begrenzt. Einen General konnte er nicht ernennen, da er selbst nur ein Rear Admiral der ersten Stufe ist und gleich unter ihm der Rang des Colonels bzw. des Captains in der Navy folgte. Der Admiral verfolgte einen anderen Plan.
Er würde sich ein paar fähige Leute wie Lt. Colonel Sleet herauspicken und dann einen Antrag auf eine Beförderung zu einem General an die zuständige Stelle von High Command schicken. William hatte die Hoffnung, dass wenigstens einer von ihnen zu einem General, egal welcher Stufe, befördert werden würde. Das würde die Modernisierung des Sektors und die damit verbundenen, aufwändigen Prozesse erheblich beschleunigen.
„Admiral Grand?"
Er schreckte auf. Miss Fredricks saß immer noch vor ihm auf dem Stuhl und wartete geduldig auf seine Antwort.
„Nun", begann er, „ich kann mich an keine Ausschreibung erinnern."
Die junge Soldatin schüttelte, schon leicht irritiert, den Kopf. „Sie haben vor ein paar Monaten auf der Stellenanzeige in Waypoint geschrieben, dass sie jemanden suchen der ihr Team zur Verbesserung und Modernisierung der planetaren Anlagen ergänzt." Sie reichte ihm eines ihrer Datenpads, darauf befand sich eine kurze Liste mit allen abgeschlossenen Studienfächern und ein kurzer Lebenslauf und Wertegang.
„Ich habe einen erfolgreichen Abschluss im Bauingenieurwesen. Darunter befinden sich auch einige, wie ich finde sehr nützliche Module wie Stahlbetonbau, Bauphysik, Statik und Geotechnik. Zusätzlich habe ich noch andere Lehrgänge z.B. Tunnelbau und Bunkerbau besucht und mit guten Ergebnissen abgelegt."
Sie war klug, ohne Frage. Jemand der so etwas studierte musste es sein. Anabelle hatte bei weitem keine überragenden Noten, aber keine davon war schlechter als eine vier und davon hatte sie nur eine – in Baubetrieb und Brückenbau.
Und Brücken standen zum jetzigen Zeitpunkt sicherlich nicht ganz oben auf seiner To-do-Liste.
Er schob das Pad über den Tisch zu ihr zurück.
„Verzeihen sie mir Major, aber ich stand gerade etwas auf den Schlauch. Leider kann ich ihnen momentan keine Posten anbieten, der ihren Erwartungen entspricht, " gestand er ein.
„Was! Ist sie bereits vergeben?"
„Nein, sie ist noch offen."
„Was ist dann das Problem Sir? Bin ich nicht qualifiziert genug?"
„Nein." Es war sein Fehler, dass musste er sich eingestehen. Er hätte die Ausschreibung genauer definieren sollen, um solche Missverständnisse von vornherein ausschließen zu können. Grand nahm einen Schluck Tee und überlegte derweilen wie er es am besten formulieren konnte.
„Ich suche nicht jemanden der das Team verstärken kann, ich bräuchte jemanden es zusammenstellt und eigenständig arbeitet. Sie wissen schon: Jemanden der Leute anwirbt, von Planet zu Planet reißt, sich die dort vorhandenen Gegebenheiten anschaut und bewertet, um dann mit seinem Team die erforderlichen Schritte in die Wege leitet. Vorhandene Kontakte zu großen Firmen und anderen Leuten mit der geleichenen Tätigkeit wäre wünschenswert."
Mit jedem seiner Worte war ihr bis dahin fast emotionsloses Gesicht ein wenig trauriger geworden, als sie erkannte, dass es nicht klappen würde mit ihrer neuen Arbeit.
„Wie sie sich vorstellen können Miss Anabelle ist es durchaus nicht einfach eine solche Person mit den nötigen Fähigkeiten zu finden und sie dann mitten in die Prärie zu locken. Es gibt weitaus einfachere und weniger aufwendige Möglichkeiten um Geld in dieser Branche zu verdienen, " beendete er seinen kurzen Vortrag.
„Was mich allerdings wundert ist, warum sie hier sind. Sie sind doch momentan auf Lunis tätig oder?"
Sie schaute ihm zum ersten Mal seit Minuten wieder in die Augen, bevor ihre Schultern ein wenig absackten und sie zu sprechen begann:
„Das ist richtig Admiral. Ich hatte nur gehofft, dass es vielleicht irgendwo etwas Interessanteres zu arbeiten gibt als auf Lunis. Verstehen sie mich bitte nicht falsch Sir, dass Geld war gut und die Kollegen waren freundlich, aber …"
„Sie hatten das Gefühl nicht wirklich gebraucht zu werde. Richtig?," vermutete er.
Sie presste ihre Lippen aufeinander und nickte.
„Ja. Lunis ist eine Vorzeigekolonie, dort wird nichts dem Zufall überlassen. Alles wurde von hohen Offizieren beschlossen und umgesetzt die weitaus mehr Erfahrung und Wissen haben als ich. Ich saß die meiste Zeit nur im Büro und schaute mir die Pläne der Anlagen an oder besichtige die Baustellen. Ein Projekt leiten oder selber planen durfte ich hingegen nie. Nach zwei Jahren habe ich schlussendlich begonnen mich nach einer neuen Stelle umzusehen, aber es war meistens das gleiche. Man wollte langjährige Berufserfahrung gepaart mit mindestens einer Handvoll abgeschlossener Projekte. Im zivilen Sektor sah es genauso aus und ich hatte nicht wirklich Lust erst zehn Jahre untätig im Büro zu sitzen. Ich wollte mich beweisen. Als ich dann ihr Angebot sah, habe ich lange überlegt was ich tun sollte. Letztendlich habe ich mich entschlossen kurzfristig Urlaub zu nehmen und hierher zu reisen."
Ein tiefer Seufzer entwich ihren Lippen.
Schwerfällig stand sie auf und ging in Richtung seiner kleinen Bar.
„Darf ich?" Sie deutete auf einen Whisky.
„Bedienen sie sich."
„Danke."
Sie nahm eines der Gläser aus dem Schrank und goss sich zwei Fingerbreit ein. Die Offizierin leerte das Glas mit nur einem Schluck, spülte es mit frischem Wasser aus und stellte es zurück an seinem Platz.
„Widerlich! Ich habe Alkohol schon immer verabscheut", murmelte sie leise.
„Es war einer meiner Besten."
„Tut mir leid."
„Braucht es nicht." Sie kehrte an ihren Stuhl zurück. Schüttelte nochmals angewidert ihren Kopf und stützte sich auf die Rückenlehen ab.
„Im Nachhinein kommt mir meine Entscheidung einfach auf gut Glück hierher zukommen ziemlich überstürzt vor … und dumm."
William betrachte sie: In ihren Augen konnte er nur noch Müdigkeit entdecken und nichts mehr von der Selbstsicherheit am Anfang.
„Vor allem dumm", setzte sie ihren Monolog fort. „Was habe ich mir nur gedacht? Das ich sofort anfangen kann und am besten mein eigenes Projekt bekomme?"
„Haben sie schon mal eine an einem Projekt gearbeitet?"
„Gearbeitet? Klar. Teambetreuung und Zusammenstellung waren meine Aufgaben wenn ich mal etwas mit einbringen konnte."
„Sie wissen also wo man die benötigten Leute für Großprojekte auftreiben kann?"
„Nichts leichter als das.", schnaubt sie beinahe schon abfällig.
„Wissen sie was Major ich habe meine Meinung geändert. Wenn sie wollen können sie diesen Job haben. Sie können ihr eigenes Team zusammenstellen und dann machen sie mir einige Vorschläge wie sie die Verteidigung von Calais verbessern könnten. Wenn sie es schaffen Lt. Colonel Sleet und mich zu überzeugen, dürfen sie jeden Planeten in diesem Sektor umbauen." Der Admiral stand nun selbst auf und ging zur Bar hinüber.
„Aber … Aber ich bin nur ein Major und für einen komplette Modernisierung der Verteidigungsanlagen einer Stadt bräuchte man dutzende Leute. Bei einem Sektor könnte diese Zahl in die hunderte gehen, wenn nicht sogar in die tausende." Schockiert starrte sie ihn an.„Ich habe nicht einmal ein Projekt erstellt."
"Und ich habe keine Ahnung von solchen Anlagen, wie man sie baut und was man beachten sollte.", konterte er gelassen und goss in zwei Gläser, denselben Whisky von eben.
„Also was ist? Sind sie dabei Miss Fredricks?"
Er hielt ihr ein Glas hin.
Ihre Stirn lag in Falten, als sie das Angebot überdachte. So etwas bekam man nur einmal im Leben angeboten, das wusste sie. Hatte sie Erfolg, konnte das ihre Karriere in der Army extrem voranbringen. Würde sie jedoch scheitern, konnte es diese genauso schnell beenden. Anabelle wusste, das wenn sie den Job annahm Billiarden Credits auf dem Spiel standen. An die Leben, die von ihren Entscheidungen im Ernstfall abhingen, wollte sie gar nicht nachdenken. Die Soldatin konnte den wartenden Blick von Grand fast auf ihrer Haut spüren. Sie würde den Alkohol brauchen.
Mit zittriger Hand nahm sie ihm Glas aus der Hand nahm und setzte es an ihren Mund.
„Deal."
Beide leerten es mit einem einzigen, kräftigen Zug.
