SALVATION

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(V1.0)

1312 Uhr, 21. Januar, 2303 CE (Galactic Standard Time)

Tempel der Athame, Serrice, Thessia

Parnitha System, Athena Nebula

Für die meisten Asari ist Serrice die Hauptstadt und das Herz Thessias, auch wenn andere Städte wie Anerzesa und das reiche Armali wiedersprechen würden. Diesen inoffiziellen Status behält es bis heute, selbst als die Asari-Republiken vor hunderten Jahren anfingen sich von ihrer Heimatwelt zu lösen, um andere Systeme und Planeten zu kolonisieren. Heute kennen es viele Bewohner des Citadel-Sektors als „Das Kronjuwel der Galaxis". Die glanzvolle Metropole erstreckte sich über fast 40% der gesamten Fläche des Stadtstaates und beheimatet viele bekannte Institutionen wie das Serrice Council, die Universität von Serrice oder den Beantri Zoo, der einer der größten und modernsten Wildreservate auf Thessia ist.

Die Republik Serrice ist zudem die Heimat der Galaxie weit bekannten Serrice-Garde, die von dem Prestige und dem Reichtum der Stadt profitieren. Ihren legendären Ruf erhielt die Garde, als sie in mit nur fünf überlebenden Kommandosoldatinnen, in einem neun Tage andauernden Guerillakrieg eine Blood Pack Söldnergruppe so stark dezimierte, dass diese schlussendlich aufgab. Bei diesem Gefecht wurden über hundert Söldner getötet und die von der Versklavung bedrohten Asari-Kolonisten gerettet.

Das eigentliche Wahrzeichen der Millionenstadt war aber der tausende Jahre alte Tempel, der auf einer Anhöhe in der Innenstadt, zu Ehren der Göttin Athame errichtet worden war. Mit seinen kunstvoll geschwungenen Türmen und seinen eleganten Design, fügte sich das imposante Bauwerk nahtlos in seine natürliche Umgebung ein. Am Tag ließen die riesigen Fenster genug Licht herein, dass man in den öffentlichen Bereichen keinerlei Beleuchtung benötigte. Nachts wurde das Innere durch das hereinfallende Licht der Sterne erhellt und ließ den gesamten Tempel in einem leicht bläulichen Licht erstrahlen.

Leider folgten immer weniger Asari den Glauben an Athame. Seit der Entdeckung der Massenportale und dem ersten Treffen mit den Salarianern, gewann die bis dahin kaum bekannte Siari Religion massiv an Anhängern. Was zur Folge hatte, das die meisten Besucher des Tempels heutzutage eher Touristengruppen und Schulklassen waren als Gläubige. Es gab Tage an dem man nur die Tempelwächterinnen und die hier betenden Priesterinnen antreffen konnte, die unermüdlich ihren Dienst verrichteten.

Die Hände der Matriarchin umklammerten das Geländer, als würde sie in Gefahr laufen hinunterzustürzen. Mehrere Minuten stand sie bereits dort und betrachtete die Skyline von Serrice unter ihr. Von hier konnte man fast bis zu ihrem Wohnsitz am Rande der Metropole schauen. Serrice war seit Generationen die Heimat ihrer Familie und würde es noch für viele weitere sein. Das hoffte sie zu mindestens. In ihrem langen Leben war sie selten so verunsichert wie heute. Schweren Herzen wandte sie von dem atemberaubenden Blick ab, den ihr die Skyline bot.

Dutzende Meter hinter ihr hatte sich ein kleiner Halbkreis aus ihren Anhängerinnen gebildet, um sie von möglichen Gefahren zu schützen. Auch wenn sie stark bezweifelte, dass es jemand wagen würde, eine der mächtigsten Asari in der Galaxis so offen zu attackieren. Ihre Garde war in diesem Fall nur ein Symbol für ihren Macht und ihren Einfluss. Viele ihrer Anhängerinnen dienten ihr schon seit Jahrhunderten und stammen ursprünglich von hier oder hatten sich in der Stadt niedergelassen. Die loyalste von ihnen war vielleicht Shiala, die große Matron kam mit langen Schritten auf sie zu. Trotz ihrer Größe bewegte sie sich geschmeidig wie ein Raubtier und man konnte nur erahnen welche Kraft in ihrem, durch Jahrzehnte langem Training, gestählten Körper schlummerte. Dennoch war das bemerkenswerteste an ihrem Körper nicht ihre Kraft oder Größe, sondern die Pigmentierung ihrer Haut.

Die Haut der Asari war Grün. Die ungewöhnliche Farbe bekam sie nicht durch einen seltenen Fehler im Erbgut, wie es üblich war bei anderen Betroffenen ihres Volkes, sondern erhielt sie erst Jahre nach einer mehrwöchigen Gefangennahme durch eine außerirdische Pflanze, die ihren Verstand überwältigte und übernahm. Als es nach Tagen immer noch keine Neuigkeiten aus der jungen Asari Kolonie Ferros gab, machte sie sich persönlich auf die Reise dorthin um nach dem Rechten zu sehen. Was sie dort vorfand war erschreckend.

Einerseits wurde die Kolonie von Geth überrannt, die man seit Jahren nicht mehr außerhalb des Perseus Nebels gesehen hatte und ein erstaunlich großes Interesse an dem Thorianer zeigten. Andererseits hatte der pflanzliche Organismus es geschafft die Kolonisten und ihre entsendeten Truppen zu indoktrinieren, die sich nun gegenseitig bis aufs Blut bekämpften. Nach über fünf Tagen ununterbrochener Kämpfe gelang es ihr und ihren Kommandosoldatinnen endlich die Geth zu vertreiben und Shiala und die anderen zu befreien. Bedauernswerterweise wurde die alte Pflanze bei den Kämpfen so stark verwundet, dass sie kurz darauf verstarb, bevor ein Forschungsteam die Möglichkeit hatte sie zu untersuchen. Was man aber zweifellos feststellen konnte, war das Alter des Thorianer das weit auf über 100.000 Jahre hinausging. Sollte er wirklich so ein enorm alt gewesen sein, hätte er den Fall der Protheaner miterlebt. Doch mit seinen Ableben blieb die Frage, was diesen Fall ausgelöst haben könnte genauso unbeantwortet, wie das Rätsel um das plötzliche Auftauchen der Geth. Seitdem hatte man keinerlei größere Ansammlungen von Geth außerhalb des Perseus Nebels mehr entdecken könne.

„Matriarchin Benezia", Shialas Stimme klang müde, „die anderen Mitglieder sind gerade angekommen."

Die Alpträume von ihrer Gefangenschaft plagten sie bis heute und raubten ihr jede Möglichkeit auf einen erholsamen Schlaf.

„Danke Shiala." Die Matron verbeugte sich. „Ich habe eine Aufgabe für dich."

Sie erwiderte nichts, aber Benezia wusste das sie ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit besaß.

„Finde meine Tochter und sorge dafür, dass ihr nichts geschieht solange ich mit den anderen Matriarchinnen treffe."

„Wie ihr wünscht", die Kommandosoldatin entfernte sich in Richtung der Landeplätze für die Skycars.

Sie schritt mit eleganten Schritten die Stufen des Balkons hinauf und durch eine große Tür in den Tempel hinein. Hohepriesterin Leinada stand bereits wartend vor der großen Statue der Athame, die die Blicke aller hereinschreitenden Besucher auf sich zog. Das Abbild der alten Göttin rang allen die das Gotteshaus besuchten Respekt und Anerkennung ab. Doch unter ihr verbarg sich das wohl größte und bestgehütete Geheimnis der Asari Republiken.

„Benezia meine Liebe wie schön dich wiederzusehen." Die Tempelpriesterin kam ihr einige Schritte entgegen und beide umarmten sich herzlich.

„Ich hoffe die Göttin war gut zu dir", erwiderte sie lächelnd. Selbst für eine Person ihres Volkes war Leinada alt. Ihr richtiges Alter wusste kaum jemand, aber sie hatte die 1000 Jahre schon weit überschritten.

„Athame ist gütig zu allen, die ihren Pfad folgen."Sie löste sich aus ihrer Umarmung und zog sie leicht am Arm mit sich.

„Komm die anderen sind bereits unten."

Benezia folgte ihr wortlos durch die verschlungenen Gänge, vorbei an dutzenden Tempelwachen welche für die Sicherheit der Priesterinnen und des Gebäudes zuständig sind, immer tiefer hinein. Im Tempel selbst sind keine Schusswaffen erlaubt, deswegen tragen die Wächterinnen unter ihren Bekleidungen Kampfmesser oder traditionelle Wurfwaffen wie das „Songblade".

Das Songblade besteht aus einem zentralen Griff um den drei bis sechs Klingen angeordnet sind. Zudem sind die Klingen aerodynamisch geformt, dadurch wird die effektive Reichweite der Waffe erhöht. Die zusätzlichen und kunstvoll angefertigten Muster auf der Klingen führen dazu, dass diese sich im Flug anhörte als würde sie „singen". Eine tödliche Waffe, die allerdings schwer zu meistern ist und konstantes Training benötigt.

Beide blieben vor einer schweren, hölzernen Doppeltür stehen. Hinter ihr lag eines von vielen Besprechungszimmern.

„Möge Athame euch bei allen Entscheidungen mit ihrer Weisheit zur Seite stehen", verabschiedete sich Benezias alte Freundin von ihr.

Was heute in diesem Raum entschieden wird, besaß die Macht das Leben aller Asari in der Galaxie entscheidend zu beeinflussen. Ob zum Guten oder zum Schlechten würde nur die Zeit offenbaren. Zu lange wurden die offensichtlichen Fakten von den Matriarchinnen ignoriert. Sie öffnete lautlos die Tür. Sofort hatte sie die gesamte Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das Zimmer war schlicht eingerichtet. Nur ein großer Runder Tisch mit einem eingelassenen Holoprojektor und die dazugehörigen Stühle waren zu sehen.

„Lady Benezia ihr seid spät", kam die kühle Stimme von Matriarchin Irissa.

„Verzeiht mir Matriarchin Irissa, ich muss die Zeit vergessen habe", antwortete sie freundlich.

Noch bevor Irissa etwas antworten konnte, hatte bereits Lidanya das Wort ergriffen. „Setzt euch Matriarchin Benezia, damit wir beginnen können." Die Stimme der hellblauen Asari mit den braunen Augen und den roten Gesichts Tattoos war warm und zeigte auf einen freien Sitzplatz an ihrer linken Seite.

„Nun da wir alle vollzählig sind bitte ich Epentha mit ihren Berichten zu beginnen", sprach Tevos, die momentan den Sitz der Ratsherrin innehatte und ihre Spezies auf der Citadel vertrat, bestimmend und sorgte für Ruhe in dem kleinen Raum. Es gab einen Grund warum sie für dieses mächtige Amt erwählt worden war. Benezia hatte in ihren langen Leben kaum eine Asari getroffen die so viel politische Finesse und Charme besitzt wie die Frau die ihr gegenüber saß. Sie hatte gesehen wie die Politikerin ihre Kontrahenten solange mit süßen Worten einlullte, bis diese fast widerstandslos alle Forderungen akzeptierten.

Die Sprache war nur eine ihrer vielen Waffen die sie in ihrem Arsenal hatte. Gepaart mit ihrem attraktiven Äußeren, machte es für andere nur noch schwerer sich ihr zu entziehen. Eine Herangehensweise die sich vor allem in Erstkontaktszenarien als äußerst nützlich erwiesen hatte. Der Unterschied zwischen ihr und Irissa war nur gering. Bei Tevos kam man mit politischen Handfessel aus der Verhandlung, bei Irissa mit einem Messer in der Brust. Sie nutzte jede Schwäche ihres Gegners gnadenlos aus und nahm ihm so jegliche Luft zum Atmen. Ob Freund oder Feind kümmert sie herzlich wenig.

Die Asari mit den blauen Augen aktivierte ihr Omni-Tool und ließ eine farbige Karte der Galaxie erscheinen, in der alle bekannten Massenportale und Reiche eingezeichnet sind. Inklusive der Terminus Systeme und der Attican Traverse. Trotz zweitausend Jahre intensivster Weltraumerkundung hatte man gerade 1% der gesamten Milchstraße bereist. Noch weniger kartographiert und davon nicht einmal einhundertstel besiedelt. Nach der schieren Galaxis war es einfach zu glauben, es gäbe noch zig tausende Portale zu entdecken, aber in Wahrheit hatte man schon den Großteil Portalnetzwerkes offengelegt.

All dem zu trotz sind noch hunderte von ihnen unentdeckt und ungeöffnet. In den letzten 50 vergangen Jahren hatte man aber einige dieser massiven Weltraumstrukturen entdeckt die entweder kurz vor ihrer Vollendung standen oder noch mitten in verschiedenen Bauphasen. Was sie wieder zur gleichen Frage wie vor wenigen Minuten brachte. Warum sind die Protheaner auf dem Höhepunkt ihrer Macht so plötzlich verschwunden? Vielleicht hat Liara Recht und sie wurden wirklich von einem galaktischen Ereignis ausgelöscht.

Ihre Tochter behauptet, dass nicht nur die Protheaner auf einen Schlag verschwanden sondern auch ihre Vasallen und alles andere Leben in der Galaxis. Sie hatte dutzende Arbeiten darüber geschrieben, sogar einige Bücher. Das meiste von ihr zu diesem Thema wurde von den meisten führenden Forschern als naives Wunschdenken einer Maiden abgetan. Als Mutter hatte Benezia natürlich alle Werke ihres Schützlings gelesen. Unbeachtet ob sie deren Inhalt oder Thema für glaubwürdig hielt. Bei dem ersten Buch hatte die Matriarchin ein Gewirr aus Behauptungen und widersprüchlichen Fakten erwartet, aber sie irrte sich. In Liaras Arbeiten waren alle aufgestellten Behauptungen fein säuberlich aufgelistet und mit schlüssigen Fakten belegt. Akzeptieren konnte sie das Ganze trotzdem nur sehr schwer.

„Schwestern, ich habe nach mehrmaligen und sorgfältigen Prüfen eine katastrophale Entdeckung gemacht."

Sie machte eine kurze Pause.

Auf dem Hologramm erschienen viele blaue Punkte, die meisten von ihnen lagen in dem Gebieten der Asari Republik. Bei den Turianern und Salarianern waren es schon deutlich weniger und bei allen anderen Rassen waren es nur wenige, meist weit voneinander abgelegenen Punkte. Sie hatte kaum Zeit sich die Karte genauer anzuschauen, da fuhr Epentha bereits fort.

„Jede einzelne Markierung stellt einen momentan aktiven Abbauort von E-Zero da."

„Epentha was willst du uns damit verdeutlichen?", mischte sich eine neue Stimme ein. Matriarchin Amila. Eine der wohl reichsten Asari überhaupt. Ihre Familie hatte sich über Generationen auf Kommunikationsgeräte spezialisiert und alles was dazu gehört. Amilas Vorfahren hatten einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau des Extranets gleistet und sind bis heute die führende Firma in diesem Bereich.

„Geduld. So wird die Karte in etwa 80 Jahren aussehen."

Das konnte nicht sein!

Ihre Augen huschten über das Hologramm.

Lidanya begann vor Überraschung neben ihr unkontrolliert zu husten und ließ dabei ihr Glass fallen. Niemand schien es zu beachteten. Der Inhalt des Gefäßes lief ungehindert über den Tisch und tropfte auf den steinernen Boden des alten Tempels.

„Bei der Göttin", stieß Tevos schockiert hervor.

Nur das Summen des Projektors und Lidanyas verkrampftes Husten waren zu hören. Ihr Gesicht hatte schon ein ungesundes, dunkles Blau angenommen, als sie sich zu beruhigen begann.

„Ihr müsst einen Fehler gemacht haben Matriarchin", stieß sie röchelnd aus.

„Nein", kam die prompte Antwort.

„Vielleicht habt ihr einen Zahlendreher oder eine Kommastelle vertauscht."

„Nein."

„Dann eine falsche Formel", in der Stimme der ehemaligen Oberkommandierenden der Vereidigungsflotte der Citadel lag eine flehender Unterton.

„Wie ich schon sagte, alles wurde dutzende Male überprüft. Nach ersten Hochrechnungen wird 2380 nicht mehr genügend Element Zero gefördert, um den benötigten Bedarf zu decken. Der genaue Zeitpunkt lässt sich nur schwer bestimmen."

Der abfällige Kommentar von Irissa ließ nicht lange auf sich warten. „Wir könnten also auch länger Zeit haben und das alles ist nur reine Panikmache, was Matriar …."

„Oder weniger, wenn der Verbrauch weiter so steigt wie bisher", fiel ihr Benezia dazwischen.

Das erntete ihr einen eisigen Blick von Irissa, welchen sie mit einem unschuldigen Lächeln entgegnete.

„Richtig. Dazu kommt noch das die Entdeckung neuer, größerer Abbauorte seit längerem stark Rückläufig ist. In Zukunft könnte der Mangel an E-Zero zu massiven wirtschaftlichen und politischen Problemen führen. Es könnte auch zu Bürgerkriegen kommen."

„Ist ein Bürgerkrieg nicht ein wenig übertrieben?" Die Frage kam von Tevos, sie war bekannt dafür überzeugte Gegnerin aller Arten von Konflikten zu sein und bevorzugte friedvollerer Lösungen, aber nur weil sie friedliebend ist bedeutete es noch lange nicht, dass sie sich alles gefallen ließ.

Zum ersten Mal seit Beginn sprach Matriarchin Kasgara. Eine von Natur aus sehr zurückhaltende und wortkarge Frau, mit einem brillanten Verstand.

„Alles hängt von Element Zero ab! Unsere Macht! Unser politischer Einfluss! Unsere gesamte Wirtschaft und der daraus entstehende Wohlstand, um den uns die gesamte Galaxie beneidet. " Nachdem sie alle Punkte an ihrer Hand abgezählt hatte schippte sie mit den Finger.

„Was glaubt ihr passiert?"

„Nun.. Ich denke…", die Ratsherrin machte eine kurze Pause. „Ich weiß es nicht", gab sie letztendlich zu.

„Niemand weiß was genau passieren wird Tevos", antwortete Benezia. „Was denkt ihr wird passieren Lady Kasgara", wandte sich Liaras Mutter an die hellblaue Asari.

„Wie ihr schon gesagt habt, ist es fast unmöglich eine konkrete Aussage zu treffen. Ich kann aber einen kleinen Ausblick geben wie es sein könnte, zu mindestens für die Asair Republiken."

Sie tippte einige Befehle in ihr Omni-Tool und die Karte verschwand.

„Ich teile das Ganze grob in drei Phasen ein. Phase 1: Der E-Zero Verbrauch übersteigt, wann sei mal dahingestellt, die Fördermenge. Die Preise für Element Zero an der Börse werden explodieren. Viele große Unternehmen und Vermögende Personen werden so viel kaufen wie sie können. Panik –und Hamsterkäufe treiben die Preise weiter in die Höhe, als Folge wird der Galaxie weite Handel mit eezo ausgesetzt.

Bis zu diesem Punkt werden schon viele kleinere Firmen pleite sein und hunderte Millionen Beschäftigte ihre Arbeit verloren haben. Die Preise für alles was auch nur annähernd mit E-Zero zu tun hat werden ebenfalls in die Höhe schießen. Transportkosten für Material und Personen werden so hoch seine, dass nur noch die Superreichen und die Regierung im Stande sind, sich diese zu leisten. Einige Planeten und Forschungsstationen, die komplett auf externe Versorgung durch Lieferanten angewiesen sind, können nicht mehr angeflogen werden, bei bewohnten Systemen, die kein Portal besitzen schaut es genauso aus. Diese Systeme können nur noch durch Schiffe der Regierung und der Navy angeflogen werden."

Kasgara nahm einen Schluck aus dem Glass.

„Selbst wenn wir alle unsere Vorräte auf den Markt werfen, werden wir nur einige Monate Zeit gewinnen."

Die Asari mit der blauen Haut hatte ihre Hände flach auf den Tisch gelegt und überlegte sichtlich angestrengt wie sie fortfahren sollte.

„Was danach kommt ist reine Spekulation. Gesagt sei auch das zwischen Phase 1 und Phase 2 mehrere Jahre vergehen können, je nachdem wie groß die Menge an geförderten E-Zero zu diesem Zeitpunkt noch ist. Bei den anderen Rassen ist es durchaus möglich, dass diese Phase bereit viel früher eintritt.

Phase 2: Durch die Massenarbeitslosigkeit und dem Fehlen an Grundbedürfnissen wird es zu Aufständen kommen. Die Regierungen der einzelnen Völker werden sich zum Handeln gezwungen sehen. Die Turianer z.B werden versuchen, sich mit militärischen Mitteln Mienen in den Terminus Systemen und der Attican Traverse zu sicheren. Es wird zu Scharmützeln mit Piraten und Söldnern kommen, vielleicht mit der Königin von Omega persönlich.

Viele kleinere Völker wie die Hanar, Drell, Elcor und die Raoli werden dazu gezwungen ihre verbliebenen Vorräte abzugeben und sich für eine Seite zu entscheiden. Am Ende von Phase 2 werden nur die Salarianer, Turianer und Asari übrigbleiben, der Rest wird sich in einen Zustand wiederfinden, der dem vor der Entdeckung Mass Effect Technologie ähnelt. Es wird keine Reisen zu anderen Planeten mehr geben, selbst die Reise zu den Massen Portalen im eigenen System, wird sich ohne Antriebe als schwierig herausstellen. Die medizinische Versorgung wird zusammenbrechen, sowie die Infrastruktur, Kommunikation und schlussendlich der Rest der modernen Gesellschaft. Anarchie und Chaos werden den Großteil der Galaxie beherrschen. Für den Rest wird es ein langsamer Tod."

„Es wird Krieg geben, denke ich", warf Irissa dazwischen. „Einen Krieg in dem es um das nackte Überleben der eigenen Spezies geht."

„Und wir sind ein lohnendes Ziel", pflichtete ihr Lidanya bei. „

Unser Bündnis mit den Turianern und Salarianern besteht schon seit über 2000 Jahren, wir haben dutzende Krisen gemeinsam bewältigt und wir werden diese gemeinsam bewältigen", sprach Tevos, aber ihrem Gesichtsausdruck und ihrer Körperhaltung nach glaubte sie selbst nicht an ihre Worte.

„Vielleicht", Irissa zuckt nur mit den Schultern. „Ihr dürft aber nicht vergessen, dass der Citadel Rat nur ein Zweckbündnis ist, um den Status Quo zu halten. Die Turianer waren vor 2000 Jahren schon kurz davor die Salarianer und uns zu Vasallen zu machen. Was glaubt ihr wie sie sich entscheiden? Wie würden wir uns entscheiden, wenn der Fortbestand unserer Spezies auf den Spiel steht?" Bevor Benezia etwas sagen konnte ergriff Lidanya das Wort.

„Es ist gut möglich das uns die Turianer angreifen könnten, wir haben die wenigsten Schiffen von allen, aber die meisten Element Zero Minen und Vorratsspeicher." Lidanya sprach das aus was alle in diesem Raum wussten, aber keiner zugeben wollte. D

ie Turianische Navy zählte über 11000 Schiffe, die Salarianische etwa 9000 und ihre knapp 7500. Die meisten Schiffe waren allerdings Fregatten, Zerstörer und Korvetten. Die Asari setzen schon wie vor Jahrtausenden auf dieselbe Strategie. Schnelle, leichte und wendige Schiffe, die bei einem Kampf unbemerkt zuschlagen und sich danach sofort wieder zurückziehen können. Allgemein bekannt auch als Hit-and-Run-Taktik. Benezia und die anderen wissen, dass ihr Militär nicht für Stellungskriege und Planeteneroberungen geeignet ist. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit, konnte die Republik Navy ihre Unterlegenheit bis jetzt durch modernere Schiffe und Waffensysteme wettmachen.

Doch in den letzten 50 Jahren hatte sich ihr technologischer Vorsprung fast völlig aufgelöst. Epentha hatte schon vor Jahren davor gewarnt, das die gewonnenen Technologien und Erkenntnisse aus dem protheanischen Sender hier im Tempel, immer geringer wurden. Es gab kaum noch größere Durchbrüche, sondern nur kleinere Verbesserungen im einstelligen Prozent Bereich. Der letzte große Durchbruch war …?

Benezia blickte zur Seite und ließ ihren Blick nachdenklich durch die Runde gleiten. Lidanya goss sich noch ein Glass Wasser ein, sorgsam achtete sie darauf diesmal nichts zu verschütten. Tevos hatte ihr Gesicht in den Händen vergraben, als sie erkannte, dass ihr politisches Lebenswerk für eine geeinte Galaxis zum Scheitern verurteilt war. Irissa starrte mit verschränkten Armen an die Decke und Epentha und Kasgara unterhielten sich kaum hörbar miteinander.

Sie blickte zurück auf ihre Hände und bemerkte, dass sie leicht zu zittern begonnen hatte.

Was war der letzte große Durchbruch?

Der Quantum Entanglement Communicator, kurz (QEC) oder doch die Thanix Kanone vor 30 Jahren?

Der größte Vorteil der QEC Technologie ist es, das man in der Lage ist über die gesamte Galaxie in Echtzeit miteinander zu kommunizieren, ohne befürchten zu müssen, dass jemand mithörte. Für die Regierungen und Militärs ein unschätzbarer Vorteil. Die Nachteile hingegen waren ihrer Meinung nach allerdings ebenso groß. Von den enormen Produktionskosten mal abgesehen, konnte man die Geräte immer nur paarweiße einsetzten. Jedes Gerät konnte nur mit seinem festgelegten Partner kommunizieren, was zur Folge hatte das man nur an den wichtigsten Positionen solche QECs installierte.

Bei der Thanix Kanone sah es nicht besser aus. Unumstritten war, dass sie eine mächtige Waffe ist, aber ihr Energie Verbrauch ist enorm hoch. Die Thanix kann auf allen Schiffstypen eingesetzt werden und gilt bei den Turianern immer noch als unerreichte Wunderwaffe.

Die Realität sah aber wie bei vielen Dingen oft ganz anders aus. Die Waffe hatte eine enorme Durchschlagskraft und konnte im Labor alle fünf Sekunden abgefeuert werden. Was viele aber vergasen war, dass Feuerfrequenz durch den enormen Energie Verbrauch und die durch das abfeuern entstehende Hitze weitaus höher lag. Die Energie eines Schiffes hängt im Wesentlichen von der Größe des E-Zero Kernes ab und da eine Schiff noch weitere Systeme wie Lebenserhaltung, Triebwerke und Schilde betreiben muss, sinkt auch die zur Verfügung stehende Energie für Waffensysteme weiter ab.

Ein weiterer Punkt ist, dass ein Kern ab einer gewissen Größe immer ineffizienter wird, was es kaum ermöglicht Schiffe zu konstruieren die größer sind als die Destiny Ascension. Benezia hoffte nicht das es zum Krieg kommen würde, aber in Betracht ziehen musste sie es wohl.

„Was ist wenn wir ein Bündnis mit den Slarianern eingehen", schlug Irissa vor, „um einen Erstschlag gegen die Turianer auszu…."

Tevos Hand knallt auf den Tisch.

„Schluss mit dem ganzen Gerede über Krieg." Die Ratsherrin sackte in ihrem Stuhl zurück.

„Matriarchin Kasgara was wird in Phase 3 passieren?", ihre Stimme war kaum mehr als ein müdes Flüstern.

„Naja die Rasse mit den meisten Vorräten wird am längsten durchhalten. Es ist eigentlich vollkommen irrelevant welche Spezies in einem möglichen Konflikt als Sieger hervorgeht, dass Endergebnis ist das gleiche.

Nach und nach werden alle noch funktionierenden Technologien kaputt gehen und man wird sie nicht durch neue ersetzen können. Der Kontakt mit anderen Planeten wird Stück für Stück abreißen, wenn die Bojen für das Extranet nicht mehr instandgehalten werden können. Am Ende wird uns das gleiche Schicksal ereilen wie das der kleineren Völker aus Phase totale Zusammenbruch der Infrastruktur und der Gesellschaft."

Eine beängstigende Stille legte sich über den kleinen Raum und Benezia wusste, dass sich jeder in Gedanken vorstellten versuchte wie es sein könnte. Sie wusste das Kasgara Recht hatte. Der Niedergang der zivilisierten Galaxis würde nicht von heute auf morgen stattfinden.

Nein, er würde sich über Jahrzehnte vollstrecken und Milliarden Leben fordern. Wenn Epentha Recht behalten sollte, hatten sie etwas weniger als ein dreiviertel Jahrhundert Zeit um sich vorzubereiten. Aber wie sollte man sich auf so etwas vorbereiten?

Bereits jetzt damit an die Öffentlichkeit gehen und eine Massenpanik riskieren?

Ihre Suche nach E-Zero intensivieren?

Technologien erforschen, die ohne den Einsatz eezo funktionierten?

Oder vielleicht doch die Flotten aufrüsten, um sich mit einem eventuellen Erstschlag mehr Zeit zu erkaufen?

„Wie viel Zeit würde es uns bringen wenn wir einen Krieg gegen die anderen Ratsvölker gewinnen könnten?", Benezia traute sich die Frage kaum auszusprechen. Lidanya neben ihr starrte sie mit großen Augen an und Tevos Gesicht verlor das letzte bisschen Farbe.

Jeder im Saal kannte Benezia lange genug, um zu wissen, dass sie wie Tevos militärische Mittel als allerletzte Möglichkeit in Betracht zog. „Ich hoffe ihr meint die Frage nicht Ernst Lady Benezia", entgegnete ihr Epentha leise.

„Doch tue ich. Wie viel Zeit würde es uns bringen?", entgegnete sie.

„Schwer zu sagen, vielleicht 50 bis 70 Jahre."

„Also so gut wie nichts." „

Wir müssten einen großen Teil unserer Ressourcen auf den Krieg konzentrieren, um ihn auch nur annähernd für uns entscheiden zu können. Fürdie anderen Völker wäre ein Krieg gegen uns weitaus lohnender, da wir wie gesagt mehr Minen und Vorräte haben."

„Es kommt auch darauf an wie sich die Salarianer entscheiden. Mit den Turianern haben sie auf jeden Fall bessere Chancen als mit uns", mischte sich Lidanya ein.

„Damit ist Krieg für uns keine Option", bekräftigte Kasgara das Ergebnis und beendete gleichzeitig jede weitere Diskussion um das strittige Thema. Vor allem Epentha und Tevos schienen ihr für diese Tat dankbar zu sein.

Insgeheim war sie es auch.

„Welche Möglichkeiten haben wir denn noch?", fragte Irissa mit genervter Stimme.

„Wir müssen unsere Forschungen in Richtung Element Zero loser Technologien intensivieren", Kasgara machte eine kurze Pause.

„Da wir nur sehr wenig Zeit haben, sollten wir uns auf eine Handvoll beschränken." Ein wildes Durcheinander entstand plötzlich als jeder seine Technologien, die er als überlebenswichtig erachtete, aufzuzählen versuchte.

„Ruhe!", rief Tevos über den Lärm hinweg.

„Kasgara ihr beginnt. Nennt uns ein Gebiet, das ihr für wichtig empfindet."

„Infrastruktur", kam es wie aus der Pistole geschossen. „Wasser, Elektrizität, usw. Wir erzeugen den Großteil unserer benötigten Elektrizität durch eezo Kraftwerke. Brechen die Versorgungsnetzwerke zusammen, können wir die Grundversorgung unserer Bevölkerung nicht mehr gewehrleisten."

Tevos nickte. „Gut. Weiter"

„Kommunikation. Ohne eine funktionsfähige Kommunikation können wir keine Wahlen und Volksentscheide mehr abhalten oder andere Planeten kontaktieren. Ich habe bereits vor einigen hundert Jahren Prototypen entwickeln lassen, das Artarva Projekt wurde aber aufgrund immenser Kosten und fehlender technischer Möglichkeiten nie fertiggestellt."

Benezia konnte sich noch gut daran erinnern. Nach Jahrzehnte langer Forschung und dutzenden Fehlschlägen wurden die Gelder schlussendlich gestrichen und das Personal auf andere Projekte verteilt. Soweit sie es noch wusste lag es vor allem an der benötigten Elektronik, denn ohne Element Zero waren die meisten der benötigten elektronischen Bauteile viel zu groß, zu schwer oder erbrachten nur einen Bruchteil der Leistung. Es war also keine Wunder das die meisten Firmen schon nach einiger Zeit Aufgaben und erklärten, man könne ohne den Einsatz des raren Materials ein so komplexes System nicht umsetzen.

Eines musste man Amila aber zugestehen - sie war schlau.

Als führendes asarisches Unternehmen in der Kommunikationsbranche wäre sie der Ansprechpartner Nummer eins. Sollte sich ihre Firma diesen Auftrag exklusiv sichern können, würde sie mit den zusätzlichen Geldern und den fast unerschöpflichen Ressourcen ihre Konkurrenz mit Leichtigkeit abhängen. Bei einem Erfolg könnte sie ohne große Mühe eine Monopolstellung auf den Markt errichten, wenn es bis dahin noch einen funktionsfähigen Markt gibt.

„Liege ich mit der Annahme richtig, dass ihr noch alle benötigten Unterlagen besitzt um das Projekt nahtlos fortzuführen", versicherte sich Lidanya. „Natürlich. Alles liegt in einem Lagerkomplex im Industriegebiet von Armali." Die Matriarchin richtete ihren Blick auf Epentha.

„Geld und Ressourcen spielen für mich nur eine geringe Rolle, was ich allerdings brauche sind fähige Leute."

Epentha nickte verständnisvoll. „Ich schicke dir eine Liste mit meinen besten Wissenschaftlern." „Gut. Danke." Sie nahm wieder Platz.

„Lidanya ihr seid an der Reihe."

Die ehemalige Kommandierende der Citadel Flotte ließ ihre Augen einmal durch die Runde wandern, bevor sie zu sprechen begann.

„Meiner Meinung nach ist das wichtigste und gleichzeitig schwierigste Unterfangen eine geeignete Alternative für den FTL Antriebskern zu finden."

Es gab keine Anwesende in diesem Raum, die der lila Asari in diesem Punkt wiedersprechen konnte. Nichts würde schwieriger werden. Viele Regierungen, Forscher und Wissenschaftler haben sich an diesem Thema bereits die Zähne ausgebissen, selbst die Protheaner haben es anscheinend nicht geschafft eine andere ÜLG Methode zu entwickeln. Die T'Soni Matriarchin zweifelte stark daran das es ihnen gelingen würde in einer so kurzen Zeit einen funktionierenden Antrieb zu entwickeln. Versuchen mussten sie es allerdings.

Viele vergaßen gerne, dass der eezo Antriebskern nicht nur für die Überlichtgeschwindigkeit zuständig war, sondern auch für die Unterlichtgeschwindigkeit. Ohne ULG konnte selbst die Entfernung von einem Planeten zu dem lokalen Massenportal, die im galaktischen Maßstab gesehen winzig ist, zu einer Reise von einigen Jahren werden. Dazu kam noch der weitverbreitete Irrtum, dass man die Strecke auch mit dem Einsatz von Überlichtgeschwindigkeit zurücklegen konnte.

Aus einem System konnte man zwar herausspringen, aber wenn man hineinspringen wollte sah die ganze Sache etwas komplizierter aus. Die Massenportale waren nicht ohne Grund am Rande der Sternensysteme errichtet worden. Selbst mit Hilfe modernster VI Programmen war es nicht möglich eine Punktgenaue Route zu berechnen. Abweichungen von mehreren tausend bis zehntausend Kilometern waren normal und Abweichungen dieser Größe konnten bei Sprüngen innerhalb von Planetensystemen schnell tödlich enden.

Es lag nicht nur an den VIs, sondern hauptsächlich an der Beschaffenheit von Element Zero. E-Zero ist ein höchst instabiles Element, bis heute hatte man kaum in Erfahrung bringen können wie es entstand.

Die gängigste Theorie ist allerdings die, dass bei einer Supernova die vorhandene dunkele Materie in einem Stern gespalten wird und unteranderem als Produkt das so begehrte Material freigesetzt wird. Da man aber es aber bis jetzt nicht geschafft hatte dunkle Materie zu fördern oder herzustellen, ganz zu schweigen sie zu spalten, würde Benezia darauf verzichten dieses Thema anzuschneiden.

„Das ist kein neues Thema, aber ein essentielles", kam es von der Direktorin der Universität.

„Meines Wissens waren es die Salarinaner die es zuletzt ernsthaft versucht hatten."

„Gab es brauchbare Ergebnisse." Benezia konnte sich die Antwort auf ihre Frage eigentlich denken.

„Das übliche. Es hat viel Geld gekostet und nichts kam dabei heraus. Nachdem das eine beträchtliche Anzahl von beteiligten Forschern bei den Versuchen umgekommen war, hatte das STG das Projekt beendet."

„Wir sollten uns zuerst auf einen ULG-Antrieb konzentrieren, damit könnten wir zu mindestens die Planeten erreichen die ein Massenportal in ihren Systemen haben", schlug Amila nachdenklich vor.

„Und was ist mit den anderen? 46 von unseren 96 Kolonien liegen in benachbarten Systemen von Portalen", kam der Konter von Lidanya.

„Ich habe nicht gesagt, dass wir sie zurücklassen sollen, aber wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen und die Fehler der Salarianer so gut es geht vermeiden."

„Vielleicht kann ich einige Dokumente von der Dalatrass beziehen. Unsere Beziehungen zu der Salarinaischen Union sind bis jetzt noch deutlich besser als zu den Turianern", schlug Tevos vor.

„Kann ich das Vorhaben in eure Hände legen Lidanya?", wandte sich Tevos an sie.

„Es wäre mir ein Vergnügen."

Die amtierende Ratsherrin blickte erschöpft auf ihr Omni-Tool. „Lady Benezia, habt ihr einen Punkt den ihr äußern möchtet?"

„Ich versuche es so kurz wie möglich zu halten", versprach sie und schenkt ihr ein aufmunterndes Lächeln. „Ich bin für eine Verstärkung und Erhöhung des Budgets unserer Erforschungsflotte."

Epentha runzelte die Stirn. „Was haben wir davon wenn wir die Erforschungsflotte der Citadel mit mehr Geld und Schiffen ausrüsten. Die Turianer haben ihre Beiträge erst in diesem Jahr um 14% gesenkt, die Salarianer um 8%. Die meisten Schiffe stellen sowieso wir."

„Wir sollen nicht in die CEF investieren, sondern in unsere eigene", erwiderte sie.

„Ich kann immer noch nicht folgen", Epentha zuckte nur mit den Schultern.

„Ganz einfach Matriarchin, sollte die CEF Ressourcen oder bewohnbare Planeten entdecken, müssen wir sie mit den anderen im Rat teilen. Werden sie allerdings von unserer eigenen Behörde entdeckt und in der unmittelbarer Nähe unseres Einflussbereiches …"

„Können wir sie für uns beschlagnahmen", beendete Kasgara ihren Satz.

„Genau. Ich will nach neuen Element Zero Vorkommen suchen und geeignete Orte für eventuelle Stützpunkte und neue Kolonien. Wir sollten auch deaktivierte Massenportale reaktivieren um unsere Chancen zu erhöhen weitere protheanische Planeten wie Ilos zu entdecken."

Ilos wurde von einem Minenunternehmen der Hanar vor 87 Jahren entdeckt und stellte sich als Goldgrube für die Archäologie heraus.

Liara hatte ihr Glück damals kaum fassen können, als sie die Erlaubnis erhalten hatte, dort bei den Ausgrabungen mithelfen zu dürfen. Benezia hatte ihre Tochter nur mit schwerem Herzen wieder ziehen lassen. Nach den Ereignissen auf Therum, bei denen Liara nur knapp dem Tod entronnen war, hatte sie ihrer Tochter eine Leibgarde zugeteilt. Die junge Asari war damit alles andere als glücklich und es hatte Monate gedauert, bis die beiden wieder miteinander Sprachen. Am Ende hatte sie die Entscheidung ihrer Mutter zähneknirschend akzeptiert.

Wäre das Ganze noch vor 100 Jahren passiert hätte sich Liara nie darauf eingelassen, aber sie wurde erwachsener. Reifer. Klüger. Sie war nicht mehr so naiv wie früher, auch wenn es Benezia ein wenig traurig machte. Ihr kleines Mädchen wurde erwachsen.

Sie hatte die Maiden Phase ihres Volkes erstaunlich schnell hinter sich gelassen und ist nun eine junge Matron, die sich Stück für Stück den Respekt der Galaxis verdiente. Im Geheimen war sie froh, dass sie sich nicht wie andere Asari einer Söldnergruppe anschloss oder sich ihre Nächte in einem Stripclub um die Ohren schlug. Wenn die Zeit gekommen war, würde sie die T'Soni Familie würdig vertreten, aber bis dahin sollte sie ihre verbliebene Zeit in vollen Zügen genießen.

Benezia wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, das ihrer Tochter nur noch wenige Wochen dafür bleiben würden. „Ich werde die zusätzliche Finanzierung übernehmen und mich ebenfalls bei Lidanyas FTL Projekt finanziell beteiligen."

Mit diesem Vorschlag war jeder einverstanden und man konnte sich nun der letzten Matriarchin zuwenden.

Irissa.

„30 Prozent mehr Geld für das Talith Programm", verkündete sie bevor Tevos ihr das Wort erteilen konnte.

Das Talith Programm wurde von wenigen Jahren ins Leben gerufen und sollte alle Schiffe auf den neuesten Stand der Technik bringen. Zusätzlich sollte die Republik Navy mitneuen Schiffen aufgestockt werden. Benezia hatte ein Auge auf die neuen Tarnfregatten der Janiri-Klasse geworfen, die sie gerne als Begleitschutz für ihre Forschungsschiffe hätte.

„Ihr seid verrückt Irissa. 30 Prozent! Das wären Billiarden von Credits. Es wäre schlicht unmöglich so eine gewaltige Summe vor der Öffentlichkeit und den anderen Völkern zu verheimlichen." Tevos schüttelte nur irritiert den Kopf.

„Ich habe nicht gesagt, dass wir dafür öffentliche Gelder verwenden sollten."

„Selbst wenn wir uns dazu entscheiden es aus eigener Tasche zu finanzieren, was ist mit dem Geheimdiensten der Salarianern und der Turianern? Etwas von dieser Größe lässt sich nicht verheimlichen", sagte Amila.

„Die Turianer weigern sich unsere Grenzen zu patrouillieren, sie fordern schon lange, dass wir mehr Geld ins Militär investieren. Es wäre die perfekte Gelegenheit. Die Schiffe, die momentan an der Grenze eingesetzt sind fehlen uns bei dem Schutz unsere Kolonien oder bei der Bekämpfung von Piraten. Die Angriffe auf Asari Kolonien sind seitdem um etwa 12% gestiegen! Es wäre gute Publicity", entgegnete ihr Irissa.

Tevos musste ihr Recht geben, die Stimmen nach mehr Unabhängigkeit von den Turianern wurde seit Jahren lauter, besonders nachdem sie sich weigerten den Asari Raum ohne Gegenleistung weiterhin zu schützen.

„Ich kann das Budget maximal um 10% erhöhen, mehr geht nicht", schlug sie ihr vor.

„30% oder ich ziehe meine Unterstützung für die anderen Projekte ebenfalls zurück."Die Asari mit den weißen Gesichts Tattoos blieb stur. Was sie da machte grenzte an Erpressung, aber Benezia wusste das sie nicht nachgeben würde.

Sie fasste einen Entschluss.

„Ich mache euch einen Vorschlag Irissa. Ich übernehme die verbliebenen 20 Prozent und dafür bekomme ich vier der neuen Stealth-Fregatten. Was sagt ihr dazu?"

Es ging um Geld.

Wahnsinnig viel Geld.

Benezia hörte wie die anderen Matriarchinnen tief einatmeten. Es herrschte eine gespenstische Stille.

Die T'Soni Familie besitzen hunderte, wenn nicht sogar tausende Firmen und waren an noch vielen weiteren beteiligt. Sie waren eine der Vermögensständen Familien in der gesamten Galaxie und dennoch warf Benezia alles auf den Tisch was sie noch erübrigen konnte. Die gesamten Firmengewinne würden in diese Projekte fließen, würden sie scheitern hätte Benezia über Nacht alles verloren was ihre Ahnen über tausende Jahre mühsam aufgebaut hatten, aber selbst wenn dieses worst chase Szenario eintreten sollte, blieb immer noch ihr Privatvermögen.

Es würde noch mit Leichtigkeit ausreichen um Liara und ihr ein Leben in Luxus zu gewährleisten, wovon andere nur Träumen konnten.

„Deal. Morgen habt ihr eure Schiffe", erwiderte ihr Gegenüber mit einem triumphierenden Grinsen, bevor irgendjemand es geschafft hatte sich von dem Schock zu erholen.

„Gut. Ich denke wir sind hier fertig." Irissa stand nach einer kurzen Pause auf und warf Benezia noch einen letzten Blick zu, ehe sie die Türen öffnete und aus dem Zimmer in die verwundenen Gänge des Tempels verschwand.

„Ja.. Ja ich denke wir sind fertig", sagte Tevos, die nur langsam wieder in die Realität zurückkehrte.

Nacheinander verließen alle Beteiligten den Raum, bis nur noch Benezia und Lidanya im Raum saßen. Sie schob ihren Stuhl nach hinten und erhob sich ebenfalls zum Gehen. Die Matriarchin stoppte allerdings, als sie die Hand ihrer Nachbarin auf ihrem Arm spürte.

„Ziemlich teure Schiffe findet ihr nicht?"

„Es ging nie um die Schiffe", antwortete sie müde.

„Um was dann?"

„Wir müssen alle am selben Strang ziehen, alleine können wir nichts ausrichten."

„Verstehe. Und jetzt?" Lidanya hatte sich ebenfalls erhoben und beide standen unter der Türschwelle.

„Ich stelle Teams zusammen für die Forschungsmissionen." „Wird Liara daran beteiligt sein?" Benezia musste lächeln.

„Wenn sie es will." Liara würde wohl kaum nein sagen, bei einem Abenteuer in unbekanntes Territorium, auf der Suche nach E-Zero und einen Weg das Überleben ihrer Spezies zu sichern. Bei diesen Missionen wollte sie nur loyale Leute dabeihaben, Leuten denen sie vertrauen konnte und wen konnte sie mehr Vertrauen als ihrem eigenen Fleisch und Blut.

„Wisst ihr schon welches Schiff ihr als erstes losschicken werdet?"

„Ja."

Benezia hatte bereits ein Schiff im Kopf, es kam frisch aus den Werften über Thessia und war bis dahin das wohl modernste Forschungsschiff, dass bis dahin gebaut worden ist. Es hatte ein untypisches Design für asarische Verhältnisse. Sie war etwa 95 Meter lang, flach mit einer abgerundeten Front, zwei große und zwei kleine Triebwerke sorgten für einen beachtlichen Schub, zudem war sie mit ihrer geringen Größe schnell und wendig. Mit ihr würden sich die Chancen auf einen Erfolg um einiges steigern. Eine leichte Berührung an der Schulter riss sie aus ihren Gedanken.

Lidanya warf ihr einen fragenden Blick zu, anscheinend hatte sie eine ihrer Fragen überhört. „Verzeih mir bitte, der Tag war lang und stressig. Was fragtest du noch gleich?"

„Das Schiff, wie heißt es?"

Benezia schaute noch einmal zurück in den kleinen Konferenzraum, bevor sie sich zum Gehen umwandte. Nach einigen Metern blickte sie ein letztes Mal über ihre rechte Schulter und gab der zurückgebliebenen Matriarchin eine Antwort.

„Der Name des Schiffes lautet Tempest."