SALVATION

Copyrights 343 Industries & Bioware

(V1.0)

1125 Uhr, 26. Juni, 2596 (Militärkalender)

Verteidigungsministerium, Calais, Arcadis

Eidera System, (Linwood Sektor), Äußere Kolonien

William beugte sich ein wenig nach vorne, um die auf den Tisch stehende mit klarem, kalten Wasser gefüllte Karaffe besser greifen zu können. Möglichst leise schenkte er sich und seiner rechten Nachbarin nach, um den Vortrag von Captain Mikel Delany, der ihm gegenübersaß, nicht unnötig zu stören.

„Die Tucana wird voraussichtlich in den nächsten 2-3 Tagen zur Task Force hinzustoßen. Jedoch wird die Modernisierung des Epoch-Klasse Trägers mehrere Wochen in Anspruch nehmen", schloss Delany seinen Bericht.

„Und bis wann wird die Task Force zu 100% einsatzbereit sein?", erkundigte sich Grand.

„Die Überholung der beiden Marathon-Klasse Kreuzer Saskia und Louis sind so gut wie abgeschlossen. Sollte alles nach Plan laufen, könnten wir bis Anfang September auch die restlichen Zerstörer und Fregatten modernisiert haben."

„Nach der Fertigstellung der RSOs, hat die Task Force Priorität Captain", erinnerte ihm der Admiral.

„Werde ich nicht Sir." Der Offizier machte eine kurze Pause. „Haben sie schon jemanden, der das strategische Oberkommando über die Flotte übernimmt, sobald sie einsatzbereit ist?"

William lehnte sich zurück und betrachtete für einen kurzen Moment das Glas mit Wasser vor ihm. Die zukünftige Flotte bestand aus genau 92 Schiffen. 79 Fregatten, 8 Zerstören, den zwei Marathon-Klasse Kreuzern Saskia und Louis und drei Trägern. Die Tucana würde Grand als Kommandoschiff der Flotte einsetzten, während die beiden kleineren Träger der Orion-Klasse den Rest des Verbandes aktiv unterstützen sollten.

Normalerweise würde eine Flotte aus 92 Kriegsschiffen von einem Vice Admiral oder im schlimmsten Fall, von einem sehr erfahrenen Rear Admiral kommandiert werden. Beide Optionen waren ihm verwehrt und so hatte er schon vor Monaten entschieden, wen er als Oberbefehlshaber einsetzen würde.

„Das habe ich bereits Captain."

Er griff nach dem Glass und nahm einen Schluck.

„Und wen Sir?", fragte der Mann ihm schräg gegenüber rechts neben Delany.

„Jemanden den ich schon länger im Kopf habe Petterson, aber ich muss noch ein paar Dinge zuvor klären", antwortete er auf Rick Pettersons Frage. Man konnte den beiden Captains ansehen, dass sie mit seiner Antwort nicht wirklich zufrieden waren.

„Machen wir weiter", er nahm Charlotte links neben ihm das Datenpad aus der Hand. „Also bleiben uns noch 145 Schiffe." Er tippte einige Befehle in das Pad und gab es Charlotte zurück. „Die meisten davon sind Fregatten und Zerstörer. Wie viele Schiffe für die Grenze brauchen sie Petterson?"

Die Stirn des erfahrenen Navy Captains lag ein paar Sekunden lang in Falten. „Drei Fregatten pro Station sollten eigentlich genügen. 26 Charon-Klasse und 13 Charon-Klasse Fregatten sollten der Aufgabe gewachsen sein."

„Dann verbleiben noch 106 Schiffe", informierte Charlotte um den Tisch sitzenden Offiziere. „84 Fregatten, 20 Zerstörer und 5 Träger."

„Um die Schiffswerften auf Agrion effektiv verteidigen zu können, sollten sie dort dauerhaft stationierte Flotte ebenfalls aufstocken", schaltete sich Delany in das Gespräch mit ein. „Zusätzlich bat mich die Präsidentin weitere finanzielle Mittel für die Errichtung eines zweiten Orbitallifts anzufragen."

„Mrs Hopkins?" William konnte sich noch gut an das erste Treffen der beiden erinnern.

„Ja Sir. Die Wirtschaft auf Agrion wächst und wächst. Jeden Monat lassen sich dort neue Firmen nieder und der erst kürzlich fertiggestellte Orbitallift ist bereits so gut wie ausgelastete.

Hinzu kommt noch, dass die Army und die Navy begonnen haben, riesige Stützpunkt auf der Oberfläche aus dem Boden zu stampfen."

Der braunäugige Captain lehnte sich in seinem Sessel zurück „Eine Beteiligung des UNSC wäre für alle Seiten von Vorteil und es würde sich positiv auf das gesamte System auswirken."

„Ein zweiter Lift würde ein ganzschönes Loch in unser Budget reißen, könnte aber die Investition auf Dauer wert sein. Vielleicht könnten wir noch ein paar Private Investoren mit an Bord holen", schlug Charlotte vor und tippte eifrig auf ihrem Pad herum.

„Kümmerst du dich darum?", wollte William von ihr wissen.

„Hm?... Oh sicher."

„Ich entsende noch 20 Fregatten, 5 Zerstörer und einen Orion-Klasse Träger", wandte Grand an Delany und hoffte, dass dieser sich damit zufriedengeben würde.

Ein paar Schiffe brauchte er noch um die verbliebenen Planeten im Sektor zu schützen. Wenn man die restlichen Kriegsschiffe auf Arcadis und Halea mit herausrechnete, blieben ihm 6 Fregatten und 3 Zerstörer für die verbliebenen 18 Kolonien. Das war etwas dürftig.

Zwar hatte jede der Kolonien eine Handvoll Gladius-Klasse Korvetten, die die meisten Piraten abschrecken dürften, aber gegen ein richtiges Allianzschiff waren diese hoffnungslos unterlegen.

Er konnte im Moment nur hoffen, dass alles nach Plan ging und die Modernisierung aller Schiffe so schnell wie möglich abgeschlossen werden würde. Danach konnte Captain Delany mit der eigenen Schiffsproduktion über Agrion beginnen.

„Wenn es keine weiteren Einwände gibt ist die Besprechung hiermit beendet." Grand stand auf und reichte den beiden Captains die Hand. „Ich denke wir haben für alle eine akzeptable Lösung gefunden."

„Ja das denke ich auch Sir. Geben sie mir Bescheid, sobald eine Entscheidung wegen des Liftes getroffen wurde", verabschiedete sich Delany.

„Sir", Patterson nickte kurz und wurde von Charlotte hinausbegleitet. William schnappte sich sein Glas, ging um den Couchtisch herum, durchquerte sein Büro und setzte sich in seinen Sessel am Schreibtisch. „Was halten sie davon Lieutenant?", wandte er sich an die bis jetzt stumm gebliebene Beobachterin.

Die junge Offizierin mit den grauen Augen erhob sich von ihrem Platz am Couchtisch und setzte sich auf einen der Stühle ihm gegenüber.

„Manchmal kommt es mir so vor als wäre ich Politikerin und keine Soldatin der Navy."

Grand musste schmunzeln, das hatte er am Anfang seiner Offizierslaubahn auch gedacht. Letztendlich ging es um Macht und nur um Macht.

„Die letzten drei Monate waren chaotisch - vor allem in der Navy. Colonel Sleet und Major Fredricks hatten die Army im Griff, aber bei uns …", Enfield schüttelte irritiert den Kopf. „Fast schon wie vor ihrer Ankunft. Delany und Petterson haben die Projekte zwar vorangetrieben, konnten aber keine Entscheidungen außerhalb ihres Bereiches treffen. Charlotte und ich hatten keine Befugnisse.

Manchmal ging es hier zu wie im Kindergarten, nur Geschreie und Gezanke. Wenn so etwas bei einem Angriff der Allianz passiert wäre …" Die Soldatin stockte. „Der ganze Sektor wäre verglast gewesen, bevor wir auch nur den Hauch einer Gegenwehr aufgebaut hätten."

„Zum Glück gibt es die Allianz nicht mehr", erwiderte er trocken. „Dennoch das haben sie einen wichtigen Punkt angesprochen. Das Fehlen einer funktionierenden hierarchischen Kommandostruktur, kann schnell ins Chaos führen. Zugegebenermaßen war es mein Fehler und kann weder ihnen noch jemanden anderes angelastet werden", gestand er sich ein.

William öffnete eine der Schubladen seines alten Holzschreibtisches. Im Schuber lagen zwei kleine Boxen. Beide waren gleich groß und unterschieden sich nur durch ihre Farbe bzw. das Material aus dem sie gefertigt worden waren. Er nahm das kleine, schwarze Kästchen heraus und stellte es auf den Tisch.

„Und hier kommen sie ins Spiel Enfield." Der Admiral öffnete vorsichtig den Deckel. Sorgsam achtete er darauf, dass nur er den Inhalt zu Gesicht bekam.

„Sir?" Die blonde Offizierin starrte verwirrt auf die Box.

„Ist eigentlich schon lange überfällig und …" Die Tür zu seinem Büro ging auf und der Kopf von Charlotte kam zögernd hindurch. Sie schloss leise die Tür hinter sich.

„Tut mir leid, wenn ich störe William, aber Mister Hibbert ist hier und will dich sprechen, er sagt es sei wichtig", entschuldigte sie sich.

„Meine Güte das kann doch nicht wahr sein. Sag ihm er soll sich noch ein paar Minuten gedulden." Genervt stütze er sich auf den Tisch ab. Er atmete kurz tief ein. „Was will er denn?"

„Wollte er mir nicht sagen. Er kam kurz nach dem Delany und Petterson gegangen waren und seitdem quasselt er mich voll. Es sei dringend und er bräuchte ihre Hilfe, mehr hat er nicht gesagt." Sie verdrehte gekonnt die Augen.

„Hmpf, schick ihn rein." Grand schloss den Deckel der Box und schob sie beiseite. Er verschob seinen Plan nur wiederwillig auf später. Hibbert hatte hoffentlich einen guten Grund ihn unangekündigt zu stören, es war ja nicht so als hätte er nichts zu tun nach einem dreimonatigen Koma.

„Kommen sie rein Sir", sagte Charlotte freundlich nachdem sie ihn die Tür geöffnet hatte. Grand mochte Hibbert eigentlich, der ältere Herr war bis jetzt immer freundlich und respektvoll.

„Vielen Dank, meine Liebe", antworte Hibbert. „Admiral, eine Freude sie wieder zu sehen. Sie natürlich auch Lieutenant Enfield."

„Danke Sir." Lorena stand auf und gab den älteren Herrn die Hand und wandte sich zum Gehen.

„Setzen Enfield", kam es von William, als er ihren Fluchtversuch bemerkte.

„Ja Sir."

„Wie geht es ihnen Admiral Grand? Ich habe von ihrem Unfall in Fort Green gehört. Wirklich schrecklich das Ganze", der Vertreter von Liang-Dortmund setzte sich in den freien Stuhl neben Enfield.

Grand überlegte kurz was er sagen sollte. Wenn Liang-Dortmund seinen höchsten Lobbyisten im ganzen Linwood-Sektor schickte, gab es eigentlich nur zwei Sachen die in Betracht kamen. Ersten, seine Firma brauchte wieder Unterstützung bei irgendwelchen Projekten oder Zweitens, sie haben irgendetwas verbockt und er sollte jetzt ihre Hintern retten.

Da er heute Früh bei dem durchsuchen seines E-Mail-Postfaches keinerlei Nachrichten von Gouverneur Brudell oder Hibbert entdecken konnte, lag sein Verdacht schwer auf Zweitens.

„Danke Aldwyn, ich bin bereits auf dem Weg der Besserung. Was kann ich den heute für sie tun? Sie kommen etwas … unangekündigt." Er lehnte sich in seinem Sessel zurück.

„Nun … wir haben vielleicht ein kleines Problem", begann er nach einer langen Pause und sein Blick huschte von Lorena über Grand zu Charlotte, die an der Seite des Tisches stand.

„Wir haben ein Problem?", hackte er ungläubig nach. Gäbe es irgendwelche dringende Probleme geben, hätte ihn Charlotte oder Julia darüber informiert. William schaute kurz zu Charlotte hinüber, doch diese schüttelte nur leicht den Kopf.

„Mit wir meine ich nicht uns, sondern Liang-Dortmund natürlich", brachte Hibbert nach mehreren kleinen Anlaufschwierigkeiten heraus.

„Raus mit der Sprache Hibbert, was hat ihr Konzern ausgefressen?" Er hatte den Mann noch nie so schwitzen sehen.

„Vor drei Monaten haben wir den Kontakt zu einem Schiff verloren, dass Dunkle Materie in die Inneren Kolonien transportieren sollte."

„Schiffe verschwinden … haben sie Dunkle Materie gesagt." Dem Admiral klappte wortwörtlich der Mund auf.

„Ja." Grands Gehirn brauchte ein paar Sekunden um die Informationen die es bekam zu verarbeiten.

„Sie wollen mir sagen, dass Liang-Dortmund einen Container, vollgestopft mit hochexplosiver Dunkler Materie verloren hat und sie mir nicht sagen können ob das Schiff zerstört oder gekapert worden ist."

„Im Grunde, … ja kann man so sagen", gestand er.

Ein paar Milligramm Dunkler Materie genügten um Calais den Erdbodden gleich zu machen. Schon bei dem möglichen Gedanken, dass das Zeug in die Hände von gewaltbereiten Aufständischen oder noch schlimmer, in die Hände von fanatischen Splittergruppen der Allianz gefallen ist, drehte sich ihm der Magen um.

„Haben sie nach dem Schiff suchen lassen Hibbert", wollte Grand wissen.

„Wir haben einige Privatdetektive engagiert, die nach der Trump suchten. Erfolglos. Ihre letzte bekannte Position war nahe einem Asteroidenfeld. Sie lieferte Versorgungsgüter für die Wildcat und dessen Begleitschiff. Ab dort verlor sich die Spur."

„Also wissen wir eigentlich gar nichts", stellte er fest und stand auf. Bis jetzt war alles so gut gelaufen. Klar gab es nach seiner dreimonatigen Abwesenheit einige kleinere Problem, aber nichts was sich nicht regeln ließ. Bis jetzt.

Fieberhaft arbeitete er an einer Lösung, während er aus dem Fenster blickte. Er könnte Enfield nach dem verlorenen Schiff suchen lassen, aber er hatte bereits zu viel Zeit verloren und nach drei Monaten gab es wenig Hoffnung überhaupt noch etwas zu finden. Außerdem war sie ein wichtiger Teil seines Plans und für die nächsten Schritte essentiell. Grand sah sich gezwungen sein ganzes Vorhaben zu Beschleunigen.

„Charlotte befindet sich Captain Delany noch auf Arcadis?", fragte er ohne den Blick von ein paar Vögeln, die freudig ihr Nest auf einen der Bäume im Innenhof errichteten, zu nehmen. Die Sonne schien schon den ganzen Tag, die Sommer auf Arcadis waren lang. Grand würde mit den Vögeln tauchen, wenn er könnte.

„Er ist gerade im Hotel und packt seine Sachen", erwiderte sie nach ein paar Sekunden.

„Gut, sagen sie ihm er soll am Eingang vom Orbitallift warten. Er muss jemanden für mich nach Agrion mitnehmen." William drehte sich zu ihr um. „Und geben sie Captain Evans von der Nightfall Bescheid, sie und Shepard sollen die Trump suchen."

„Wird gemacht Admiral."

„Und noch etwas Charlotte, lass bitte einen Pelican kommen."

„Ja Sir." Sie verließ eilig das Zimmer.

„Hibbert sie schicken alles was sie über das Schiff und seine Crew haben an mich und eine weitere Kopie an Captain Evans. Verstanden?"

„Ja Admiral", erwiderte er vorsichtig.

„Sie können gehen Aldwyn und sagen sie ihrem Boss, dass er mir etwas schuldet." Bei Liang-Dortmund würden einige Köpfe rollen, spätestens wenn der Gouverneur davon erfuhr.

„Ich werde es weitergeben. Danke." Der ältere Herr schlurfte sichtlich erschöpft aus dem Zimmer.

Erst als die Tür ins Schloss fiel fuhr er fort. „Sieht so aus hals hätten sie die Ereigniskarte gezogen." Lieutenant meinte er trocken und riss die Schublade, in der sich das andere Kästchen befand auf.

„Sir?" In ihren großen, grauen Augen konnte man die Verwirrung deutlich erkennen.

„Stehen sie auf Enfield."

„Ja Sir." Die junge Frau sprang förmlich aus ihrem Sitz und stand stocksteif vor dem Tisch.

„Normalerweise gehört eine entsprechende Zeremonie dazu, aber besondere Umstände benötigen besondere Maßnahmen."

Ihren Gesichtsausdruck konnte er entnehmen, dass sie kein Wort verstand. William nahm das verbliebene braune Kästchen heraus, öffnete es, nahm seinen Inhalt in die Hand und warf die leere Schatulle achtlos auf den Tisch.

„Drehen sie sich zu mir und stehen sie still", sprach er und ging um den Schreibtisch. Gehorsam drehte sie sich. Grand packte ihren Stuhl und schob ihn weiter weg.

Vorsichtig entfernte William ihre Lieutenant, Junior Grade Insignien am linken und rechten Kragen ihrer weisen Navy Uniform. Er legte die beiden silbernen Balken auf den Tisch ab.

„Wissen sie Enfield eigentlich wollte ich sie erst zum Commander befördern, aber nach dem heutigen Tag überspringen wir die Stufe besser gleich." Vorsichtig heftete er ihre neuen Insignien an. Einen silbernen Adler mit gespreizten Flügeln und einem Wappen auf der Brust. In der rechten Klaue hielt er eine Handvoll Blitze und in der linken mehrere Getreidestängel.

Admiral Grand machte einen Schritt zurück. „Meine Glückwunsch Captain Enfield." Leicht benommen ergriff sie seine ausgestreckte Hand.

„Danke Sir."

„Gerne geschehen. Als Captain brauchen sie natürlich ein Schiff und ich habe bereits eines für sie reserviert. Gehen Sie nach Agrion und übernehmen sie das das Kommando über die dort blad eintreffende Tucana und die dort stationierte Task Force. Sorgen sie dafür das die Modernisierungen so zügig abgeschlossen werden wie nur möglich. Soweit verstanden Lieut… Captain.

„Ich… ich… Ja Sir, aber …"

„Sehr gut. Sie haben das Oberkommando über die Flotte, vergessen sie das nicht. Falls jemand Schwierigkeiten machen sollte, lassen sie es mich wissen."

Sanft schob er sie zur Tür. „Draußen wartet bereits ein Pelican auf sie. Ihre Sachen lasse ich nachliefern." Er schob sie mehr oder minder sanft durch das Vorzimmer, dort beobachtete eine verdatterte Charlotte das Spektakel. „Ich lasse ihnen alle nötigen Unterlagen zukommen. Wegtreten Captain."

„Sir ich denke nicht, dass ich bereit bin eine ganze Flotte zu kommandieren." Die beiden waren an der Eingangstür zum Gebäude angekommen. Draußen wartete bereits ein Pelican der Navy mit laufenden Motoren.

„Die Wahrheit ist Enfield, dass ich außer ihnen niemanden habe, den ich das Ganze zutrauen würde", antwortete er aufrichtig. Er legte beide Hände auf die Schultern. „Tun sie es für mich. Bitte."

Sie atmete tief ein. „Okay … Okay ich mach es. Es kam nur alles so plötzlich. Was ist mit meinen anderen Aufgaben."

„Vergessen sie alles andere. Ich kümmere mich darum", versprach er ihr. „Machen sie der Navy Ehre Captain."

„Ja Sir." Sie schenkte ihm ein kleines Lächeln.

„Viel Erfolg."

„Sir!" Sie wandte sich ab und ging über die den Platz auf den wartenden Pelican zu. Mit einem Brüllen erhob sich dieser in Luft. Grand warf noch einen letzten Blick auf seine rechte Hand, bevor diese durch die schließende Heckklappe aus seinem Blickfeld verschwand.

„Gehen wir heute Abend Essen Will?", fragte Charlotte als er durch die Tür ins Vorzimmer seines Büros kam. „Ich kenne da ein hervorragendes, kleines italienisches Lokal." Grand schaute auf die Uhr.

„Ich muss noch mal telefonieren. In einer Stunde?"

„Klingt gut", sie wandte sich wieder ihrer Arbeit zu.

William schloss die Tür hinter sich und setzte sich an seinem Schreibtisch. Jetzt musste er nur noch einen Anruf tätigen, alles nur wegen Hibbert und seiner vermaledeiten Firma. Hätte es sich nicht um Dunkle Materie gehandelt, könnten sie ihn allemal Kreuzweiße.

Er setzte das Headset auf, verband es mit seinem Computer und durchsuchte seine Telefonliste nach einer bestimmten privaten Nummer.

Es piepte einige Male bevor jemand abnahm.

„Brudell," meldete sich die die tiefe Stimme des Gouverneurs auf der anderen Seite.

„Elvis, es gibt ein Problem!"


2221 Uhr, 27. Juni, 2596 (Militärkalender)

UNSC Paris-Klasse Fregatte Nightfall

Außerhalb eines Asteroidengürtels, unbekanntes System

„Austrittsvektor ist gut, die Reaktortemperatur ist im grünen Bereich, Unterlichtantriebe laufen", meldete der Navigationsoffizier als Shepard die Brücke der Nightfall betrat.

„Energieschilde sind bei 93% Prozent. Waffensysteme grün. MAC bei 34% Prozent - 12 Prozent pro Minute steigend. Archer-Raketen entsichert", hallte die helle Stimme der Waffenoffizierin über die Brücke.

Der ODST schob sich zwischen den arbeitenden Crewmitgliedern hindurch und blieb neben Captain Evans, am Holotisch stehen. Evans betrachte die dort grob abgebildete Karte des Systems skeptisch. Ihr Gesicht lag in Falten und lies sie noch älter erscheinen, als sie eigentlich war. Die blonden Haare, waren von grauen Strähnen durchzogen und auf die vorschriftsmäßige Länge geschnitten. Ihre braunen Augen waren hart und kalt.

Sie war eine der Dienstältesten Offiziere im ganzen Sektor und hatte alle großen Krisen der Menschheit miterlebt. Von der Rebellion über den Krieg gegen die Allianz, bis hin zum KI-Aufstand.

„Sind die ODST bereit Chief?", brummte sie ohne ihn zu beachten.

„Ja ma'am." Er blickte auf die kleinere Frau hinab. Die Nightfall war an der exakt selben Stelle wie die Trump drei Monate zuvor.

„Gut, dann suchen wir mal Grands verdammtes Schiff." Sie ging zum Stuhl des Captains und setzte sich. „Das scheiß Ding kön…"

Einige hunderttausend Kilometer vor ihnen tat sich etwas. Ein dreieckig geformtes Objekt schoss im rechten Winkel zum Asteroidenfeld nach oben heraus. Das unbekannte Objekt zog eine bläuliche Spur hinterdrein und verschwand urplötzlich in einem ebenfalls bläulichen Blitz.

Für einige Sekunde herrschte totenstille auf der Brücke, während alle Bestatzungsmitglieder geschockt aus den Fenstern auf das Asteroidenfeld starrten.

„Woah, das war auf jeden Fall kein Asteroid," kam es von einem staunenden Brückenmitglied.

„Was du nicht sagst Einstein!", blaffte Evans ihn an. „Charlie wo bist du, wenn man dich braucht? Ich will jede verfügbare Information die wir dazu haben."

Auf dem Hauptbildschirm erschien ein Standbild des gerade verschwundenen Objektes – nur größer. Man konnte selbst in dem verschwommenen Zustand deutlich erkennen, dass es ein silbernes Schiff mit orangenen Markierungen war. Es sah ein wenig wie ein UNSC Schiff aus, nur mit zwei kleinen, nach unten gebogenen Flügeln links und rechts and der Seite.

„Charlie zeig mir ein 3D Modell", wies Evans die KI des Schiffes an.

Der Holotisch, an dem sich Shepard gerade noch lehnte erwachte zum Leben. Ein holografisches Modell des Alien Schiffes erschien und daneben eine kleine Figur in einem schwarzen Anzug mit einem Hut auf den Kopf. Die KI hatte ihn mal von seinem nachempfundenen Aussehen erzählt. Einem Schauspieler aus dem 20 Jahrhundert oder so.

„Es ist also wirklich ein Schiff", murmelte Evans.

„Ja Captain. Das Alien Schiff ist ungefähr 317 Meter lang, 180 Meter breit und knappe 50 Meter hoch. Es besitzt seinem Gravitationsfeld nach zu urteilen, nur etwa ein Drittel der Masse unseres Schiffes. Über dessen Bewaffnung liegen mir keine Daten vor."

„Was ist mit dem blauen Blitz, als es verschwand", fragte Shepard und betrachtete das Schiff interessiert.

„Es handelt sich dabei definitiv um keinen Slipspaceantrieb, der freigesetzten Strahlung nach zu Urteilen."

John mochte die KI. Charlie war immer freundlich und hilfsbereit. Am meisten schätze er es jedoch, dass Charlie ihn nicht mit überflüssigen Informationen überhäufte. Knapp, präzise und auf dem Punkt. Das war auch einer der Gründe warum er sich mit Evans zu gut verstand.

„Wo kam das verdammte Ding her Charlie?", knurrte der Captain der Fregatte.

Die KI der Charon-Klasse Fregatte ersetzte das unbekannte Schiff durch ein Modell des Asteroidenfeldes. Dort, am oberen äußeren Rand blinkte ein kleiner roter Punkt.

„Ungefähr von dort."

Auf der Brücke der Nightfall war es erheblich leiser geworden. Jeder Anwesende wusste, dass ein Flug in ein Asteroidenfeld früher oder später tödlich endete. Sie wussten aber auch, dass die Aliens nicht ohne Grund in einer solchen Todeszone waren.

„Charlie, wie stehen unsere Chancen?" Evans Stimme war so wie immer, ruhig und emotionslos.

„Ausgewogen Ma'am. Die Schilde werden uns vor den kleineren Brocken schützen, aber alles was größer ist als 50 Meter im Durchmesser kann uns gefährlich werden."

„Also gut, alle Mann auf ihre Positionen. Charlie leite alle Energie von nicht benötigten Systemen auf die Schilde. Du übernimmst die Punkt-Verteidigungssysteme." Die Fregatte setzte sich in Bewegung.

„Schicken sie eine Nachricht aller Daten an eine der RSOs in der Nähe und bereiten sie die Einleitung des Cole-Protokoll vor." Shepard musste schwer schlucke, als er Evans Wort hörte. Er war schon lange bei der Navy, seit dem sechzehnten Lebensjahr, aber die Aktivierung des Cole-Protokolls hatte er noch nicht miterlebt. Man hatte es zwar in der Grundausbildung geübt, aber jeder hoffte es niemals gebrauchen zu müssen.

Die Lichter wurden gedimmt und das hereinfallende Licht der kleinen Sonne, tauchte die Brücke in ein fast schon gespenstisches Licht, während sich die Nightfall immer weiter durch das Asteroidenfeld schob.

Vereinzelt konnte man das dumpfe Geräusch der Punkt-Vereidigungsgeschütze hören, als diese auf sich nähernde Asteroiden schossen. Die Stille auf der sonst so belebten Brücke war erdrückend.

Einige hunderte Kilometer vor ihnen kollidierten zwei Asteroiden miteinander. Tausende kleine Bruchstücke schossen in alle Richtungen. Zum Glück für die Besatzung schob sich ein weiter Asteroid genau vor sie und fungierte als natürliches Schutzschild.

John hatte in seiner Beruflichen Laufbahn als ODST schon einiges mitgemacht, aber in ein Asteroidenfeld hineinzufliegen gehörte sicherlich zu seinen Top drei. Dabei befanden sie sich gerade einmal am obersten äußeren Rand.

„Ma'am ich habe Kontakte", rief der Lieutenant an der Sensorstation aufgeregt, als die Fregatte um einen weiteren Asteroiden herumgetrieben war. „Signatur entspricht dem Alien Schiff von vorhin."

„Lösen sie den Alarm aus, wir gehen auf Gefechtsstation. Archer-Raketen A1 bis E1 bereit machen. Wie weit sind sie entfernt Lieutenant?", wandte sich Evans an den Offizier.

Hunderte Kilometer vor der Fregatte der Menschen trieben drei silberne Raumschiffe über ein Loch im Asteroiden. Ihre Hüllen glänzten und glitzerten im Licht der Sonne. Sie schienen die sich von oben nähernde Fregatte noch nicht bemerkt zu haben. Bei all den herumfliegenden Felsen, war es auch nicht sehr verwunderlich. Wahrscheinlich flogen die silbernen Schiffe ebenfalls auf Sicht.

„600km Ma'am."

„Antriebe deaktivieren und das Schiff anhalten", befahl der Captain nach kurzer Überlegung. „Charlie versuche die Schiffe der Aliens zu kontaktieren."

Mehre Minuten lang passierte gar nichts. Die Aliens schienen weder auf digitale, noch auf binäre Signale zu reagieren. Am Ende entschied sich Evans für den Einsatz der vorderen Scheinwerfer. Wie schon bei den vorrangegangenen Methoden erhielten sie keine Antwort. Leicht genervt trommelte die alte Navy Offizierin mit ihren Fingern auf der Armlehne.

„Vielleicht sollten wir einen Warnschuss abgeben Captain", schlug einer der Offiziere auf der Brücke vor.

„Sie könnten es als einen Angriff auf eines ihrer Schiffe sehen. Die ganze Lage könnte eskalieren. Außerdem sind sie uns 3:1 überlegen und ich kämpfe nur ungern gegen Schiffe, deren Technologie ich nicht kenne", belehrte der Captain die junge Offizierin. „Einen zweiten Allianzkrieg will ich um jeden Preis vermeiden."

Bei diesem Satz versteiften sich einige der älteren UNSC Angehörigen merklich. Selbst Shepard rann kalter Schauer über den Rücken. Er kannte den Krieg selbst nur aus Filmen und Erzählung von seinen Eltern.

Weiter an die unbekannten Schiffe wollte sie ebenfalls nicht fliegen. Da sie weder die Bewaffnung, noch deren Motive kannte entschloss sie sich einfach abzuwarten.

„Charlie beginn mit den Vorbereitungen für einen Sprung." Sollte es wieder Erwartens zu einem Schlagabtausch kommen und die Aliens, wie 2525 die Allianz damals ihnen technologisch hundert Jahre voraus sein, wollte sie so schnell wie möglich verschwinden können.

„Ma'am die Schiffe drehen sich in unsere Richtung", rief ein leicht panischer Navigationsoffizier nach einigen Minuten.

„Verflucht warum gerad jetzt? Slipspaceaufladung abrechen und die Energie auf die Schilde umleiten. Wie ist der Status unserer MAC", blaffte sie in die grobe Richtung ihrer Brückenmannschaft.

„Voll aufgeladen und bereit zum Feuern." Die Waffenoffizierin tippte hektisch Befehl auf ihrer Konsole ein.

„Ich will wissen was da vor sich geht Charlie."

„Keine Ahnung Captain. Die Aliens reagieren immer noch nicht auf meine Signale, aber ich empfange jetzt eine Menge Kommunikation zwischen den Schiffen." Charlies Avatar blinkte ununterbrochen, als die KI versuchte das Datenchaos zu ordnen.

Das nächste was Shepard bemerkte als er durch das Brückenfenster in die grobe Richtung der Aliens blickte war ein bläulicher Blitz. Einen Herzschlag später segelte er an dem Stuhl von Evans vorbei und landete mit einem lauten Stöhnen rücklinks vor ihr auf dem Boden.

„Scheiße", fluchte Shepard laut, aber seine Stimme ging im kreischenden Alarm der Sirenen unter. In dem Moment als er sich wieder aufrappeln wollte, folgten zwei weitere Einschläge und er wurde ein weiteres Mal gewaltsam zu Boden geworfen.

„Schilde bei 94%."

„Nehmen sie das erste Schiff ins Visier und feuern sie die MAC ab", wies der Captain die Waffenoffizierin an. Die Nightfall machte einen Satz nach hinten, als sie ihr Hauptgeschütz abfeuerte.

Das 600 Tonnen schwere, hochverdichtete Eisen-Wolfram-Projektil mit einem Kern aus abgereichertem Uran schoss mit über 120 Kilometern pro Sekunde auf das linke feindliche Schiff zu.

Für die 600km große Distanz brauchte das Geschoss nur 5 Sekunden und dennoch gelang es dem Feind in dieser Zeit drei weitere Treffer zu landen.

Die Aliens schienen mit einer unglaublichen Geschwindigkeit feuern zu können. Genauso unglaublich war die Geschwindigkeit, die die Projektile brauchten um die 600 Kilometer zu überbrücken. Gerade einmal eine halbe Sekunde.

Obwohl das Geschoss der Fregatte weitaus langsamer war, machte das anvisierte Kampfschiff zu Evans Verwunderung keinerlei Anstalt dem heranrasenden Projektil der Menschen auszuweichen. Für einen Moment konnte man ein bläulich schimmerndes Schild erahnen, dass das Schiff umgab, bevor es wie eine Seifenblase platzte.

Die Granate durchschlug die silberne turianische Fregatte von vorne bis hinten und ein gigantischer Feuerball verschlang sie einen Moment später.

„Ziel zerstört Captain. Schilde bei 87%. MAC lädt wieder auf und ist in 6 Minuten feuerbereit."

Kurz darauf trafen zwei weitere Schüsse die UNSC Fregatte und brachten das Brückendeck zum Beben. Sollten die Aliens ihre Feuerrate beibehalten würden die Schilde in wenigen Minuten zusammenbrechen.

Evans kaute verzweifelt auf der Unterlippe. Ihre einzige Chance bestand darin die Aliens in das Asteroidenfeld zu locken, um sie dort zu trennen und einzeln zu bekämpfen.

„Charlie bring uns tiefer in das Asteroidenfeld hinein. Weg von den Schiffen", befahl sie ihm.

„Mit Verlaub Ma`am ich halte das für eine schlechte Idee."

„Mach schon!", fuhr sie ihn an.

„Aye, Aye Captain." Charlie zündete einige der hinteren Schubdüsen und neigte das alte Schiff um 90 Grad nach unten ehe er die Haupttriebwerke anwarf. Die Titanhülle der alten Fregatte ächzte unter der dem plötzlichen Richtungswechsel.

Die Nightfall preschte regelrecht zwischen den Felsen hindurch und verschwand aus dem Blickfeld ihrer Feinde.

„Ich will einen Statusbericht und zwar jetzt. Sind sie in Ordnung Chief?"

Shepard der auf Knien bis zu einem Sitz gerobbt war, kam nur mühsam auf die Beine. „Nichts gebrochen wie es scheint." Er stützte sich auf einen der Sitze ab. „Das lief ja glänzend", bemerkte er sarkastisch und erntete dafür einen verärgerten Blick von Evans.

„Wir haben mehrere leicht verletzte Crewmitglieder auf Deck A,C,E,F und J. Schilde bei 80 Prozent. MAC bei 23%", erstatte Charlie Bericht. Gleichzeitig rettete er Shepard vor einem Anschiss.

„Verdopple die Mannschaft auf den Aussichtsplattformen und versuch uns hinter die Aliens zu bringen Charlie." Evans ließ sich auf ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Außerirdischen ein. Sie hoffte wohl, dass sich die Schiffe trennten. John war sich dabei nicht so sicher.

Ein gewagter Plan für einen eher konservativ denkenden Captain. Shepard hielt sich an den Halterungen an der Rückseite von Evans Stuhl fest.

Seine Knöchel traten bereits weiß unter der Haut hervor. Hoffentlich waren die Götter gnädig mit ihnen.

Sie waren es nicht!

Das mehrminütige Versteckspiel war jäh zu ende, als der erste Schuss die Nightfall von oben traf und das Kriegsschiff nach unten drückte.

Der zweite krachte in Backbordseite.

„Charlie dreh das Schiff nach links", ordnete Evans an.

„Leichter gesagt als getan Ma'am."

Shepard biss sich auf die Unterlippe, bei dieser Feuerrate würden sie bald zu Kleinholz geschossen werden. In seinem Kopf lief bereits ein Timer herunter.

„Fuck", zischte er, als die Nightfall zwei weitere Treffer einstecken musste.

„Wo sind die Bastarde Charlie", brüllte Evans über den Lärm hinweg.

„Ich arbeite daran … hab einen." Die goldenen Energieschilde blitzten ein weiteres Mal auf und absorbierten die abgeschossenen Projektile der turianischen Fregatten.

„Feuern sie Lieutenant Sue."

„Captain die MAC ist erst bei 62%", warf eine verunsicherte Offizierin dazwischen.

„Feuer!", brüllte Evans. Lieutenant Sue knallte ihre Hand auf die Waffenkonsole.

Die silberne Fregatte versuchte noch nach rechts auszuweichen, aber sie war zu langsam. Das 300 Tonnen Projektil krachte in das Schiff.

Doch wie schon bei dem ersten, brachen die Schilde innerhalb eines Augenblickes zusammen und die Fregatte wurde mit brutaler Gewalt auseinandergerissen. Sollten einige Crewmitglieder überlebt haben würde sie der Unterdruck binnen Sekundenbruchteilen töten.

„Wo ist das andere?"

„Über uns. Ich wende bereits. Festhalten!" Charlie steuerte die Nightfall in einer scharfen 90-Grad Kurve nach oben. Für einen Moment versagte die künstliche Schwerkraft und Shepard schwebte für einige Sekunden.

„Mehr Energie auf die Triebwerke, bring uns so nahe an sie ran wie möglich."

Das letzte Kriegsschiff der Turianer hatte sich in dem Schatten eines großen Asteroiden versteckt und beschoss die Charon-Fregatte alle 20 Sekunden.

„Schilde sind ausgefallen Captain", schrie einer der Brückenoffiziere.

„Charlie wie weit noch?" Die Stimme von Evans war rau und heißer von all dem herumschreien.

„400 Meter noch …" Ein Projektil traf das Heck des UNSC Schiffes und explodierte im Inneren, in unmittelbarer Nähe der Fusionsreaktoren.

„Wir haben Feuer in der Nähe der Reaktoren Captain und unser Slipspaceantrieb wurde beschädigt", Charlies Hologramm blinkte in einem gefährlichen rot.

„Gib der Crew 10 Sekunden um die Sauerstoffmasken zu erreichen, dann pumpst du die Luft aus den betroffenen Abteilen."

Ein Rumpeln ging durch das Schiff. Danach war es totenstill auf der Brücke.

„Feuer gelöscht."

„Gute Arbeit Kleiner. Jetzt schick sie in die Hölle. Archer-Raketen A1-B4 und die M870 Punk-Verteidigungsgeschütze abfeuern."

Jeder der Behälter an der Steuer- und Backbordseite der Fregatte enthielt 30 Raketen, die nun auf das 140 Meter entfernte Schiff zuschossen.

Einige Raketen wurden von dem GARDIAN-System abgeschossen. Doch schon nach einigen Abschüssen schienen die roten Laser von der schieren Menge der Raketen zu überhitzen und die Mehrzahl traf ungehindert ihr Ziel.

Dutzende kleiner Sonnen explodierten auf der silbernen Außenhülle und rissen Metergroße Löcher hinein. Alles was nicht Niet- und nagelfest war wurde nach draußen in die Schwärze des Weltraumes gesogen. Den Rest erledigten die M870 Geschütze der Nightfall.

Zurück blieb nur ein Friedhof voller Leichen und Frackteile, die von 50mm großen, hochexplosiven Projektilen durchsiebt worden waren.

Die Schilde des Schiffes hatten sich nicht aktiviert – wie seltsam", dachte Shepard als er am vorderen Teil der Brücke am Geländer lehnte und nach außen starrte.

Im Hintergrund hörte John wie ein Offizier dem Captain einen ausführlichen Statusbericht mitteilte. Die UNSC Fregatte hatte bei dem Gefecht eine Handvoll harter Treffer einstecken müssen. Dabei war der Schaden den eines der Alien-Projektile verursachte eher gering und lag bei etwa 3,22 Kilotonnen TNT. Zum Vergleich, die erst kürzlich modernisierte MAC der Nightfall lag bei über 1000 Kilotonnen TNT pro Schuss. Selbst die Sprengkraft der alten Variante des Massenbeschleunigers war noch um das zwanzigfache höher.

Er mahlte mit dem Kiefer. Und trotzdem hatten es die verdammten Aliens fast geschafft ihr Schiff zu einem Schrotthaufen zu zerschießen. Einer von zwei Schüssen traf den Slipspacereaktor und machte ihn unreparierbar, der andere durchschlug ein Dutzend Decks und beschädigte das Hauptgeschütz schwer.

Die Löcher waren nicht besonders groß, aber sie waren tief, als hätte man ihm ein Messer in den Körper gerammt. Doch solange keine lebenswichtigen Organe getroffen wurden, war es zwar schmerzvoll, aber nicht weiter Lebensgefährlich. Hätten sie die Brücke getroffen …

„Chief auf ein Wort", kam es von Evans hinter ihm. Die alte Frau sah ziemlich fertig aus.

„Charlie glaubt die Aliens haben etwas im Inneren des Asteroiden gesucht", sprach der Captain leise als er bei ihr ankam.

„Im Asteroiden?", fragte er etwas ungläubig. Was sollte man im Inneren eines Asteroiden Interessantes finden?

„Was auch immer die Viecher hier getrieben haben, sie werden ja wohl nicht nur aus Jux und Tollerei in das Asteroidenfeld geflogen sein."

Der ODST nickte zustimmend.

„Schnappen sie sich drei Pelicans Chief und gehen sie der Sache auf den Grund. Verstanden! Ich versuche solange Kontakt zum UNSC herzustellen."

„Aye, Aye Ma`am", war das einzige was er sagen konnte bevor er die Brücke in Richtung Hangar verließ.

„Sie haben dem alten Mädchen ganz schön zugesetzt", kam es von Kaidan über den privaten Kommunikationskanal der Squads.

„Hmpf", war die einzige Antwort die er von Shepard bekam, als der Transporter einen Schwenker nach links machte. John stand im hinteren Teil des Pelicans und hielt sich mit einer Hand an der geschlossenen Luke fest.


Der alte D77H-TCI Pelican war mit 10 Marines und 5 ODSTs und deren Ausrüstung voll beladen. Während sich es die Marines auf den Sitzen bequem gemacht hatten und die Aussicht genossen, musste er und sein Team im Mittelgang stehen. Normalerweise würde ihm das auch nichts ausmachen, wäre er heute nicht quer über die Brücke der Nightfall gekugelt.

„Wir fliegen so schnell nirgendwohin ohne einen Slipspaceantrieb", grummelte Williams, die hinter Kaidan und noch vor Coats und Jenkins stand.

Er sah kurz über seine Schulter nach hinten und musterte die Marines. Die meisten der Soldaten schienen auf ihren Sitzen zu dösen, einer hörte Musik und ein anderer überprüfte seine Ausrüstung.

5 Marines bildeten ein Fireteam. 2 Fireteams bildeten ein Squad und 3-4 Squads bildeten ein Platoon. Zusammengezählt mit den anderen zwei Pelicans kam man auf ein mittleres Platoon mit 45 Marines und 15 ODSTs.

Was Evans damit auf einem zugeschissenen Asteroiden suchte, dass wussten nur die Götter. Er persönlich konnte es nicht nachvollziehen.

„Chief das sollten sie sich ansehen", tönte die Stimme der Pilotin über das Intercom des Pelicans. Der Transporter verlangsamte sich plötzlich merklich.

Mürrisch quetschet sich der ODST an seinen Kammeraden und den Marines vorbei.

„Was gibt's?" Der Co-Pilot machte eine kurze Geste und zeigte auf das Cockpitfenster.

Shepards Augen brauchten eine Sekunde bis sie sich and die Dunkelheit angepasst hatten und er die Umrisse in der Dunkelheit erkennen konnte.

Einig Kilometer vor ihnen lagen drei 5700 Meter lange, gräulich schimmernde, aus Titan gefertigte Rümpfe.

„Was zum Teufel … sind das UNSC Schiffe?" Er lehnte sich über die Steuerkonsole der Pilotin.

„Sollten anscheinend mal welche werden Sir." Die D77H-TCI Pelicans flogen langsam über die unfertigen Schiffe hinweg. Keines von ihnen war auch nur annähernd in einem flugfähigen Zustand. Überall klafften riesige Löcher in den Hüllen und immer wieder gab es ganze Bereiche die fehlten.

„Hey was ist das dort auf 14 Uhr." John klopfte der Fliegerin auf die Schulter. Etwas rechts von ihnen schimmerte ein bläuliches Licht in der Dunkelheit.

„Sieht aus wie ein Energieschild eines unserer Hangartore", bemerkte der Co-Pilot hinter den beiden. „Und es schließt sich!"

„Bring uns rein", wies Shepard die Crew des Pelican an, als er bereits zurück nach hinten eilte. „Staff Sergeant bereiten sie sich auf eine harte Landung vor - mit Feindkontakt."

„Verstanden Chief", kam die rauchige Stimme von Srg. Allen Winkles. „Bereitmachen Ladies, es scheint als bekommen wir gleich Gesellschaft", schallte es über das Intercom.

Im Heck des Pelicans herrschte hektische Betriebsamkeit. Die Marines entsicherten ihre Waffen, schoben die Magazine hinein und stülpten sich die grünen Helme über die Köpfe.

Der erste der drei Pelicans durchbrach mit einem donnernden Gebrüll die Barriere zum Hangar. Er war kaum 1,5 Meter über den Boden zum stehen gekommen, da prasselten die ersten Salven auf die olivgrüne Hülle ein. Luna, die Pilotin des Pelican fackelte nicht lange und schwenkte das rotationsfähige 70mm Maschinengewehr nach links und verpasste den Aliens eine gehörige Ladung Blei.

Einige der schwarz gekleideten Außerirdischen versuchten hinter einem silbernen Gefährt Deckung zu suchen. Nur um kurz darauf von der Explosion zermalmt zu werden, als das Alien-Shuttle von 70mm Patronen durchsiebt wurde.

Shepard sprang aus der offenen Luke hinten am Heck und rollte sich geschmeidig ab, bevor er sein Kampfgewehr an die Schulter presste und um das hintere Ende des Pelicans herumsprintete.

Aus den Augenwinkeln heraus sah er noch wie einer der Transporter links von ihm in einem Feuerball explodierte. Ohne lange zu zögern drückte er den Abzug seiner Waffe und schickte dem ersten Alien vor ihm zwei Salven entgegen. John wurde mit einem gurgelnden Laut belohnt als der Turianer nach hinten stolperte und seine blutverschmierten Klauen an den Hals presste.

Mittlerweile waren auch die anderen beiden UNSC Transporter im Hangar angekommen und deckten den riesigen Hangar immer wieder mit Unterstützungsfeuer ein, während ODSTs und Marines aus dem Heck sprangen.

Ein junger Corporal wurde unglücklicherweise direkt nach dem Ausstieg mehrmals in Brust getroffen, ehe er sich hinter einer der Unzähligen Kisten oder Stützpfeilern in Deckung bringen konnte. Blutüberströmt zogen ihn zwei Kameraden hinter einem kleinen Gabelstapler.

Noch bevor der Pilot des rechten Pelicans, seinen Kameraden rächen und das Alien in die ewigen Jagdgründe schicken konnte, zischten zwei blaue Kugeln über Johns Kopf.

Ihrer Flugbahn zufolge sollten die seltsamen Objekte niemanden treffen, doch wie von Geisterhand gesteuert machten sie auf einmal eine scharfe, fast schon unnatürliche Rechtskurve und schlugen direkt in das Cockpit des Pelicans auf der rechten Flanke ein.

Die Pilotenkanzel zerriss es mit einem grellen Blitz und das führerlose Transportschiff krachte mit der Nase oder das was von ihr übrig geblieben war auf den metallenen Boden des Hangars. Schwarzer Rauch hüllte es ein.

Ein paar Marines waren noch in letzter Sekunde aus dem Heck herausgekrochen und versuchten unter dem ständigen Feuer der Aliens in Deckung zu robben.

Der Turianer mit dem Raketenwerfer hatte sich in einen der vielen Wartungsgängen unter den Start- und Landeplattformen verkrochen und wurde von seinen Kameraden gedeckt.

Shepard grunzte als die Kisten hinter denen er sich verkroch beschossen worden. „Williams nimm das Arschloch mit dem Raketenwerfer aufs Korn. Kaidan, Jenkins, Coats kümmert euch um die anderen."

Sollte der Turianer es schaffen noch einen Pelican abzuschießen würde ihre Linie höchstwahrscheinlich zusammenbrechen. John musste es schaffen den Hangar so schnell wie möglich unter Kontrolle zu bringen, um noch mehr Truppen von der Nightfall herüberzubringen. Aber zuerst musste er verhindern das ihre rechte Flanke überrannt wurde.

Neben ihm war ein kleines Loch, dass in die unteren Wartungsgänge führte und solange Ashley die Aliens mit ihrer SAW dazu zwang ihre Köpfe unten zu halten, konnte er einigermaßen sicher hinübersprinten.

Er atmete noch einmal tief durch und rannte dann so schnell er konnte über das Deck. Kurz vor dem Loch stolperte er über einen Gegenstand und schlitterte die letzten Meter über den Boden. Ein paar Kugeln kreuzten seine Laufbahn, aber glücklicherweise fing das goldene Energieschild seiner neunen ODST Panzerung alle ab.

Keuchend ließ er sich in das Loch fallen. Schweiß lief ihm über die Wange und das Kinn und sammelte sich im unteren Bereich des Helmes. Er riss das fast leere Doppelmagazin seiner BR heraus und tauschte es gegen ein neues.

Behutsam schlich er durch den Gang. Gerade als er um die Ecke wollte griff jemand nach seinem Gewehr und versuchte es ihm aus der Hand zu reisen. Ohne viel nachzudenken ließ er es los, verpasste dem Vieh einen harten Kinnhacken und zog seine M6G aus dem Holster am Bein und drückte sie ihm in den Unterleib.

Blaues Blut spritzte über sein goldenes Visier, als er dem Alien ein paar zusätzliche Körperöffnungen verschaffte. Er stieß den Leichnam achtlos von sich. Über ihm hatte das Waffenfeuer bereits nachgelassen und Shepard konnte hören wie sich dutzende Schritte eilig zurückzogen.

Ohne den Raketenwerfer machten die verbliebenen Pelicans und die Marines kurzen Prozess mit ihnen.

Er nahm die Alien Waffe in die Hand. Sie war nicht besonders schwer. Die Eierköpfe und ONI würden sich aber sicherlich dafür interessieren. Schulterzuckend machte er sich auf die Suche nach einer Leiter.

Vor der großen Tür welche weiter in die ONI Basis hineinführte stand der Rest seines Squads und Staff. Sergeant Winkles mit ein paar Marines.

„Wie siehts aus Sergeant?", er gesellte sich zu der Gruppe.

„Die meisten der Aliens sind tot oder tiefer in Station geflohen. Wir haben die anderen Türen auf der West- und Ostseite gesichert." Der Soldat zeigte auf die beiden anderen Tore. Hinter ihnen auf einer freien Landeplattform ließen sich die zwei Pelicans nieder. Die Hülle der Transporter war übersäht mit kleineren Dellen und größeren schwarzen Flecken.

„Da wäre aber noch was Chief", begann der Marine nach einer kurzen Pause und drehte sich dann einfach um und stapfte zu einer Ansammlung von Kisten.

Shepard folgte ihm.

Vor den Kisten blieb der Soldat stehen. „Einer der ODSTs ist über sie gestolpert, als er einem der Dinger den Rest geben wollte."

John lugte über die Kisten. Was er dort sah verschlug selbst ihm die Sprache. Dort hinter den Kisten, in einer dunkleren Ecke hatte man dutzende blaue Frauenleichen auf einen Haufen geschmissen. Jedenfalls sahen die Wesen aus wie Frauen, nur ohne Haare, dafür mit etwas das aussah wie Hautfalten oder Tentakeln auf dem Kopf. Einige von ihnen trugen silber-blaue Rüstungen, andere weiße Kittel.

Vorsichtig streifte er seinen Handschuh von der rechten Hand und berührte eine der Blauen vorsichtig an der Wange. Sie war kalt. Dennoch war die Haut noch einigermaßen weich und anschmiegsam. Ihre braunen Augen waren weit aufgerissen.

„Einige sind eindeutig Soldaten." Der Sergeant deutete auf die Blauen mit den Rüstungen und den Waffen. „Ein paar davon sehen aber aus wie Wissenschaftler. Zu mindestens den Klamotten zu Urteilen."

Er nickte zustimmen, unfähig etwas zu sagen. Das was ihn wirklich sprachlos machte waren nicht die Leichen an sich, sondern die Tatsache, dass einige davon aussahen als wären sie Zivilisten. Einfach niedergeschossen.

Shepard war kein Freund von Aliens, wenn er ehrlich war hasste er alles Außerirdische. Vor allem alles was irgendwie mit der Allianz in Verbindung stand. Die Narben des Krieges verheilten nur langsam. Vielleicht war es die erschreckende Ähnlichkeit mit den Blauen die ihn so nahe ging.

„Tütet alles ein und schafft es auf die Nightfall. Die Pelicans sollen es mitnehmen."

„Alles Sir? Die Leichen auch?" Winkles kratzte sich verwirrt am Kopf.

„Alles! Waffen, Ausrüstung, Leichen, alles was irgendwie interessant aussieht", bekräftigte Shepard.

„Die scheinen sich nicht zu mögen", wandte sich Coats ihm zu als er zum Tor zurückgekehrt war.

„Was machen wir jetzt John", fragte Ashley und drehte ihre SAW in den Händen. „Wir können ja schlecht warten bis die Aliens sich gegenseitig ausgerottet haben. Die Brünette zog eine Feldflasche aus ihrem Rucksack und nahm einen Schluck Wasser.

„Nein können wir wohl nicht." John betrachtete die alte BR55 in seiner Hand. Es musste auf dieser Station einen Kontrollraum geben, von dort konnte er sich bestimmt einen besseren Überblick verschaffen. Außerdem wollte er verhindern, dass noch mehr UNSC Technologie in die Hände der Aliens fiel.

„Sgt. Winkles ihre Marines sichern den Hangar und beginnen, sobald Verstärkung eingetroffen ist mit der Rückeroberung der Station. Die anderen zwei ODST Team werden versuchen das Datenzentrum und den Reaktor unter Kontrolle zu bekommen. Ich und mein Team stoßen zur Kommandozentrale vor. Sobald wir die Station unter Kontrolle haben, knöpfen wir uns die Aliens nacheinander vor. Machen sie Gefangene wenn möglich", erteilte John die Befehle an die umherstehenden Soldaten.

„Ihr habt den Chief gehört Ladies! Packen wir es an!", blaffte der Staff Sergeant.

HURRAH!

Shepard zog sich erschöpft den Helm vom Kopf. Seit 1,5 Stunden schossen sich Shepard und sein Team bereits durch die Station, sprengten Barrikaden und trieben die Aliens Meter für Meter weiter ins Innere. Jetzt hatten sie es fast geschafft, der Kontrollraum lag nur noch wenige Gänge entfernt.

Den letzten Wiederstand hatten sie erst kürzlich überwunden, daher gönnten sie sich nun eine kurze Pause um einen Teil ihre Kräfte wieder aufzufüllen.

Er riss die Packung vom Energieriegel auf und stopfte ihn sich in den Mund. Der Kampf um die Station war aber alles andere als vorüber. Selbst mit zusätzlicher Unterstützung ging es für die Marines nur langsam voran. Hinter jeder Ecke konnte ein Hinterhalt lauern.

Glücklicherweise konnten sie auf die meisten Systeme zugreifen und so einige Türen öffnen oder schließen. Trotz allem waren schon dutzende Marines getötet worden. Ohne Energieschild wie die der ODSTs reichte bereits ein kleiner Fehler aus.

Kopfschüttelnd stieg er über eines der toten Aliens am Boden. Die Viecher sahen aus wie eine Mischung aus Sangheili und Kig-yar - nur hässlicher.

„Gehen wir weiter", John klopfte im vorbeigehen Jenkins auf die Schulter.

„Hey John soll sich das Schott zum Kontrollraum schließen?", fragte Williams plötzlich und deutete auf das schwere Tor aus Titanium am anderen Ende des Ganges.

„Scheiße." Shepard ließ seinen Rucksack achtlos zu Boden fallen und rannte auf das Schott zu so schnell er konnte. Kurz bevor es sich schloss rollte er sich darunter hindurch.

„Chief alles in Ordnung", kam es über das Intercom von Micheal.

„Alles ok. Sucht einen Weg herum. Wir treffen uns im Kontrollraum", antwortete er.

Mit seinem Kampfgewehr im Anschlag schlich Shepard durch die verlassenen Gänge der ehemaligen ONI Basis. Nach ein paar Minuten kam er endlich im Kontrollraum an.

Das Herz der Basis hatte neben dem Haupteingang, durch den er kam, noch zwei Nebenausgänge links und schräg gegenüber von ihm. Der Raum an sich war vollgestopft mit Equipment, großen Bildschirmen und hunderten blinkenden Lichtern.

Manche Rechner waren aufgebrochen und Kabel hingen heraus, an anderen waren seltsame Aliengeräte angeschlossen. Über manchen Konsolen gebeugt lagen tote blaue Aliens. Es sah so aus als hätte hier ein kurzes, aber intensives Feuergefecht stattgefunden.

Doch was Johns volle Aufmerksamkeit auf sich zog waren keine technischen Geräte, sondern die blaue Frau die erschöpft an einer Konsole lehnte. Sie rieb sich mit ihren Händen am Hals, als hätte jemand sie noch vor wenigen Sekunden gewürgt. Ihre blau-silberne Rüstung war mit blauem Blut benetzt.

Als sie ihn bemerkte weiteten sich ihre schönen saphirblauen Augen vor Schock. Für einige Sekunden stand John nur da und starrte auf ihr schönes Gesicht. Lebendig sahen die blauen Aliens noch exotischer aus. Erst als die Blaue den Arm hob und auf etwas links hinter ihm zeigte, erwachte er aus seinem tranceartigen Zustand.

Der Schlag auf seinen Hinterkopf traf ihn völlig unerwartet und unvorbereitet. Vor Schmerzen grunzend taumelte Shepard nach vorne, stolperte über die auf den Boden sitzende Blau und krachte in das nächste Computerterminal.

Reflexartig tastete er mit seiner rechten Hand die Rückseite des Helmes ab, um nach möglichen Schäden zu suchen. Glücklicherweise hatten die Energieschilde seiner neuen ODST-Panzerung, in Kombination mit der Gelschicht im Inneren des Helmes den größten Teil des Schlages abgefangen.

Und dennoch dröhnte sein Kopf nun wie die Triebwerke eines startenden Pelicans.

Fluchend drehte er sich um.

Seine BR hatte er vor Schreck fallen gellassen und sie lag nun zwei Meter von ihm entfernt auf dem kalten Metallboden.

Erschwerend hinzu kam noch, dass die Waffe von den Klauen eines Turianers fest auf den Boden gedrückt wurde.

„Gott bist du hässlich", zischte der ODST wütend. Niemand nahm ihm einfach so die Waffe weg!

Der Turianer musterte abschätzig die Waffe, bevor er sie mit einem kräftigen Kick auf die andere Seite des Raumes beförderte. Die eisblauen Augen wanderten zu Shepard.

Für einen Augenblick konnte John so etwas wie Ungläubigkeit in seinem Gesicht erkennen. Sichtlich unerfreut ihn noch lebendig zu sehen, gab er einen schrillen Ton von sich. Sein silbernes, fast schon weißes Gesicht verzog sich zu einer wütenden Fratze. Die harten Eisaugen und das schwarze Tuch, das den größten Teil seines Hinterkopfes bedeckt, verlieh ihm ein gespenstisches Aussehen.

Im Gegensatz zu den anderen Aliens auf der Station trug es keinen Helm.

Möglicherweise ein Offizier", schlussfolgerte er in Gedanken. „Definitiv jemand mit einer höheren Position." Anführer hoben sich immer von dem Rest der Gruppe ab, sei es durch ihre unterschiedlichen Uniformen oder durch bessere Waffen.

Doch bevor er noch einen weiteren Gedanken daran verschwenden konnte, griff ihn der Turianer bereits an. Im letzten Moment machte er einen Schritt zurück. Die dreiklauenartige Hand des Viehs schabte über seinen Brustpanzer und hinterließ dort drei tiefe Furchen. Der Schlag verzehrte das letzte bisschen Energie für seine Schilde.

Schockiert über deren Schärfe brauchte John einen kurzen Moment um sich zu sammeln. Das Beste wäre wohl, dass Alien auf Distanz zu halten, was sich aber in einem vollgestopften Kontrollzentrum eher als schwierig erwies.

Shepard blockte einen weiteren Angriff, mit beiden Händen und schlug dem Turianer mit seiner rechten Faust in das ungeschützte Gesicht.

Er taumelte kurz und Shepard nutzte diesen Moment und warf sich mit voller Kraft gegen den Unterleib des Turianers. Doch zu seinem Entsetzen, riss er diesen nicht von den Füßen, sondern schob ihn lediglich etwas nach hinten.

Die Faust traf ihn in die ungepanzerte Magengrube. Der ODST brüllte vor Schmerz.

Ehe er sich von dem Schlag erholen konnte, wurde John am Hals gepackt und gewaltsam mit dem Rücken auf eine der Konsolen geknallt. Die Klauen umklammerten schmerzhaft seinen Hals.

Mit beiden Händen versuchte er verzweifelt die Klauen von seinem Hals zu reißen.

Erfolglos.

Das Gesicht des Turianers erschien direkt vor seinem Visier und Shepard glaubte es Grinsen zu sehen. Langsam verschwamm sein Gesichtsfeld, wenn er sich nicht schnell etwas einfallen ließ, war das sein Ende.

Seine rechte Hand rutschte unbemerkt von dem Arm des Aliens ab und tastete nach dem Kampfmesser an seiner Hüfte.

Mit letzter Kraft riss er es aus der Schneide und rammte es ihm von unten in den Schädel, durch den Kiefer direkt in das Gehirn.

Purpurnes Blut und Gehirnmasse tropften aus dem Loch und liefen ihm über das goldene Visier. Für einige Sekunden kreischte der Turianer laut.

Dann sackte er zusammen und begrub Shepard unter sich. Mühsam schob er ihn von sich.

„Hättest du mal einen Helm getragen", keuchte John erschöpft und stütze sich auf seine Knie. Noch immer sickerte dickes purpurnes Blut aus der Wunde.

Der unwissende Mensch, der gerade Saren Arterius, einen der besten Spectrer der turianischen Hierarchie getötet hatte, schob sein Messer zurück in die Schneide.

Ein lautes Poltern ließ ihn herumwirbeln. Über einer Konsole am anderen Ende des Raumes beugte sich die Asari und nahm etwas an sich. Das Objekt hatte die ungefähre Größe und die Farbe eines KI-Chips.

„Ruhig Kleine", versuchte er sie zu beruhigen. Sie machte einen Schritt nach hinten, in die grobe Richtung der Tür. „Denk nicht mal daran", warnte Shepard.

Doch sie ignorierte seine Warnung und machte einen Satz durch die Tür.

„Miststück." Ohne weiter zu zögern preschte er hinter ihr her. Sie war schnell – verdammt schnell, was bei ihren langen Beinen auch keine große Überraschung sein sollte.

Sie rannte durch die Gänge der Station wie eine Gazelle auf der Flucht vor einem Löwen. Die Blaue sprang mühelos über eine am Boden liegende Kiste und rollte sich elegant ab, um danach, ohne auch nur einen Blick über die Schulter auf ihren Verfolger zu werfen, mit vollem Tempo weiter zu rennen.

Shepard, der noch immer von seinem Nahkampf benommen war, stolperte beinahe über das Ding. Taumelnd und fluchend versuchte er sie nicht zu verlieren.

Nach einigen weiteren Abbiegungen, in einen für ihn noch unbekannten Abteil der Station, machte sie glücklicherweise den entscheidenden Fehler.

Bei einer T-Kreuzung zögerte sie für einen Augenblick, unsicher in welche Richtung sie gehen sollte. Dies verschaffte ihm genug Zeit, um sie mit einem gezielten Rempler in den Rücken gegen die Wand zu schleudern.

„Hab dich Miststück", grunzte er erschöpft.

Ihren blauen Lippen entwich ein panischer Schrei.

Der erfahrene ODST gab ihr keine Zeit sich von dem Aufprall zu erholen. Er packte sie an dem rechten blauen Schulterpad und wirbelte sie herum.

Sie keuchte laut und sackte auf die Knie, als er ihr einen Schlag in den Magen verpasste. Shepard wollte sie lebend, also machte er einen Schritt zurück und griff nach den Kabelbindern, die in einer der vielen kleinen Taschen verstaut waren.

Zu spät bemerkte er, dass ihre Hände von einem seltsamen blauen Glühen umgeben waren. Es sah ein wenig so aus als würden sie brennen, nur eben blau.

„Was zu Hölle soll der …" John wurde von einer blauen Kugel nach hinten gegen die Wand geworfen. Mit seinem bereits schmerzenden Rücken krachte er gegen das harte Metall. Der Helm und die Schilde konnten den Aufprall kaum abfedern.

Er spuckte das angesammelte Blut in seinem Mund gegen die Innenseite des Visiers. Blind und orientierungslos tastete er nach dem Verschluss des Helmes. Unsanft riss er sich den Helm vom Kopf.

Völlig außer Atem schnappte er nach Luft.

Blut rannte ihm über die Stirn und tropfte in sein Auge. John hatte keine Ahnung was gerade passiert war, aber einen weiteren solchen Crash überlebte er sicher nicht.

Schwankend richtete er sich auf. An dem Gesichtsausdruck der Asari konnte er deutlich erkennen wie geschockt und verwirrt sie war. Zu seiner Enttäuschung hielt der Zustand nur kurz an.

Kurz darauf begannen ihre Hände ein weiteres mal zu glühen. Alarmiert machte er ein paar Schritte nach vorne, um sich dann auf den Boden zu werfen.

Gerade rechtzeitig. Die wabernde Kugel aus dem blauen etwas schoss nur knapp über ihn hinweg.

Knurrend sprang er auf, warf sich mit seinem ganzen Gewicht gegen sie und die beiden knallten ein weiteres Mal an die Wand dahinter. Diesmal würde er den gleichen Fehler nicht noch einmal begehen.

Shepard ergriff mit seiner Linken ihre kleinen Hände, presste sie über ihren Kopf an die graue Metallwand, positionierte sich mit seinen Körper zwischen ihren Schenkeln und drückte der Blauen sein immer noch blutverschmiertes Kampfmesser an die Kehle.

„Schachmatt Kleine." Aus der Nähe betrachte sah sie einer menschlichen Frau noch ähnlicher als er es am Anfang vermutet hatte.

Die großen blauen Augen waren weit aufgerissen. Große Tränen liefen ihr über das Gesicht. Ängstlich blickte sie John an.

Der ODST hatte fast ein wenig Mitleid mit ihr, aber sie war zu gefährlich. Alleine würde er es wohl kaum schaffen sie zurück zum Schiff zu bringen. Außerdem trieben sich bestimmt noch ein paar der hässlichen Vögel auf dieser Station rum. Das Risiko war ihm einfach zu groß.

Nicht mit dem Chip in ihrer Tasche. Das Cole Protokoll existierte immer noch und das aus gutem Grund.

Mit einem sauberen Schnitt würde schnell gehen. Zwei vielleicht drei Sekunden, dann wäre alles vorbei.

Er löste den Blick von ihrem schönen Hals und blickte ihr in die Augen. Doch die einst saphirblauen Augen waren verschwunden.

Ihr zwei Augen waren schwarz. Pechschwarz.

Die Blaue wisperte etwas. „Embrace Eternity"

Shepards bereits vor Schmerz pochender Kopf explodierte, als hätte ein Brute mit dem Hammer den Schädel gespalten und versuchte nun sein Gehirn mit den Händen herauszureißen. Das Messer glitt aus seinen kraftlosen Händen.

Warmes Blut rann aus seiner Nase und tropfte auf seine schwarzen Stiefel. Sein Herz hämmerte in seiner Brust. Sein Gesichtsfeld verschwamm mehr und mehr. Das einzige was er noch klar erkennen konnten waren die schwarzen Augen der blauen Hexe.

Mit letzter Kraft warf er seinen Kopf nach vorne und verpasste der Asari eine harte Kopfnuss. Ihr Kopf wurde unsanft nach hinten gerissen und kollidierte dabei ein weiteres Mal mit der Wand.

Benommen suchte sie nach halt und ergriff das erste was sie fand, Shepards Dogtags, die ihm um den Hals baumelten. Stöhnend sackte sie zusammen, riss dabei seine Marke ab, rutschte die Wand hinunter und blieb bewusstlos am Boden sitzen. Blaues Blut quoll aus einer kleinen Wunde am Kopf.

Der große ODST schwankte, bevor er erschöpft auf die Knie fiel. John übergab sich.

Bilder, Emotionen und unbekannte Gerüche überschwemmten sein Gehirn. Fremde Welten, unbekannte Städte, seltsam aussehende Aliens zogen an seinem Inneren Auge vorbei. Eine blaue Asari, die ein gelbes Kleid trug, hob ihn hoch.

Er schrie.

Er krabbelte auf allen vieren in die Richtung seines am Boden liegenden Helmes. Shepard wollte Hilfe holen. Seine Fingerspitzen streiften die Außenseite.

Immer mehr Bilder strömten in seinen Kopf und vermischten sich mit seinen eigenen Erinnerungen. Den gewaltigen Datenstrom konnte sein Gehirn nicht mehr verarbeiten und zog die Notbremse.

Regungslos blieb John am Boden liegen.

Das erste was er wahrnahm war ein leises Stöhnen, gefolgt von einem lauteren Keuchen und einem weiteren Stöhnen.

Das zweite war ein übler Geruch. Ein bekannter Geruch, der ihn vor allem an seine Zeit in der Grundausbildung und an den zahllosen durchgemachten Nächten in seiner Jugend erinnerte. Es war eindeutig der Geruch von Erbrochenem.

Shepard schlug die Augen auf und verzog angewidert das Gesicht, als er die Lache vor ihm sah. Sein Kopf schmerzte wie die Hölle.

Was zum Teufel war passiert?

Hinter ihm hörte er schwere Schritte, die sich langsam von ihm zu entfernen schienen. John rappelte sich auf die Knie.

Einige Dutzend Meter vor ihm sah er, wie sich die an der Wand abstützende Asari langsam vorwärts schleppte. Sie war beinahe um eine Ecke verschwunden.

Grunzend kam er auf die Beine und stützte sich ebenfalls an der Wand ab. Seine Muskeln zitterten, Schweiß perlte aus allen Poren. Er fror.

Das Alien warf ihm einen Blick über die Schulter zu und beschleunigte ihren Gang. Zu erschöpft um sie zu verfolgen zog er seine M6G Pistole aus dem Holster. John versuchte seine bebenden Hände in den Griff zu bekommen bevor er abdrückte.

Die ersten beiden Schüsse verfehlten die Asari um Längen. Der dritte jedoch traf ihre Hüfte, bohrte sich durch die enganliegende Rüstung und tief in das blaue Fleisch hinein. Der verwundeten Frau entfuhr ein gequälter Schrei. Sie presste beide Hände auf die Fleischwunde.

Panisch versuchte sie weiter zu humpeln.

Der ausgelaugte ODST ging schwerfällig auf sie zu, fest entschlossen das blaue Miststück nicht noch einmal entkommen zu lassen.

Doch das Glück war, wie heute schon so oft, anscheinend nicht auf seiner Seite.

Als er sie fast erreicht hatte hörte er schnelle Schritte auf sich zukommen. Für einen kurzen Moment dachte er an Verbündete, doch in diesem Teil der Station waren die Marines anscheinend noch nicht vorgedrungen.

Hätte er seinen Helm aufgesetzt, wüsste er mit Hilfe seines taktischen Radars wer da auf ihn zukam.

Vorsichtshalber machte er ein paar Schritte rückwärts und positionierte sich direkt neben einem Stützpfeiler. Die Magnum in seiner Hand war aber immer noch auf die am Boden kriechende Frau gerichtet.

John sollte Recht behalten, kurz darauf bog eine Gruppe von blauen Aliens mit Sturmgewehren bewaffnet um die Ecke. Angeführt wurden sie von einer grünen, grimmig dreinblickenden Asari.

Als die Grüne Shepard mit der Waffe in der Hand sah, verzog sich ihr Gesicht zu einer wütenden Fratze.

Er schaffte es gerade noch hinter den Stützpfeiler zu hechten, als die ersten Kugeln ihm bereits entgegenflogen.

Zwei der blauen Aliens packten ihre verletzte Kollegin an den Armen und zogen sie aus der Gefahrenzone hinter die Ecke, aus Shepards Blickfeld. Er gab ein paar Schüsse in die grobe Richtung der Angreifer ab, ließ das leere Magazin aus der Pistole gleiten und stopfte mit zitternden Händen ein neues hinein.

Lange würde er die Aliens nicht mehr am Vorrücken hindern können.

„Runter Chief", hörte er eine vertraute Stimme rufen. Ohne viel zu Denken ließ er sich auf den Boden fallen. Über ihm zischten unzählige Kugeln und das unverwechselbare Wummern einer SAW war zu hören.

Auch wenn die SAW in dem langen Gang nicht so effektiv war, es reichte dennoch die blauen Aliens zum Rückzug zu bewegen.

„Gott Scheiße ich werde zu alt für solche Sachen", stöhnte er und lehnte sich mit dem Rücken an den Pfeiler.

Über ihm gebeugt stand Williams mit ihrer SAW. Der lauf der Waffe glühte rötlich. Shepard war sich sicher, dass sie hinter dem goldenen Visier grinste. Nichts mochte die Brünette lieber als Männer auf Knien.

Kurz darauf schloss auch der Rest des Teams zu ihnen auf. Coats erbarmte sich und half John zurück auf die Beine. „Danke, Ash hatte anscheinen keine Lust ihren Vorgesetzten zu Helfen."

„Du kennst sie Chief." Coats gab ihm seine im Kontrollraum liegende BR zurück. „Hier."

„Was ist passiert Boss? Deine BioCharts gingen durch die Decke!", fragte Kaidan, der gleichzeitig der Squad Medic war.

„Eine von den Blauen hat mich ausgeknockt, mit irgendeiner Weltraummagiescheiße", erklärte er kurz. Alenko wollte noch etwas fragen, aber winkte ab. „Sie hat einen Datenchip aus dem Kontrollraum entwendet, sie darf die Station nicht verlassen!"

„Dann los", Ashley rannte ohne lange zu zögern vornweg. Das ODST Squad hetzte durch die verschlungenen Gänge der Station. „Im hintern Bereich gibt es noch weitere Hangars, ich wette sie wollen dort hin."

Die Soldatin sollte Recht behalten. Die blauen Aliens hatten sich in einen der hinteren Hangars zurückgezogen und waren gerade dabei ihr Schiff zu besteigen. Das elegante blaue Schiff mit den vier Triebwerken am Heck und der haifischartigen Front, hatte am Rumpf eine offene Rampe.

Shepard hatte so ein Design noch nie gesehen, es erinnerte ihn ein wenig an die glatten, walartigen Schiffe der Allianz. Aber im Gegensatz zu den tödlichen Schiffen der Allianz, schienen diese mehr auf Komfort und Eleganz ausgelegt zu sein.

Für einen Moment war Shepard von dem Alien-Schiff abgelenkt, als sein Blick jedoch auf die Rampe fiel, begann das noch vorhandene Blut in seinem Körper zu kochen. Auf der Rampe, schon halb im Bauch des Schiffes verschwunden stand das blaue Miststück – eine Hundemarke baumelte in ihrer rechten Hand. Seine Hundemarke.

Der ODST riss die BR hoch und begann zu feuern. Bei jedem Schuss zitterten seine müden Muskeln in den Armen. Eine der Asari brach blutüberströmt auf der Rampe zusammen. Einige andere zogen sie in das Innere und erwiderten das Feuer.

Johns musste wütend feststellen, dass keiner seiner Schüsse die blaue Asari mit seinen Dogtags getroffen hatte. Kurz bevor er in Reichweite war um eine Granate hineinzuwerfen, schloss sich die Luke und das Schiff erhob sich in die Luft.

„Feuer! Zielt auf die Triebwerke", brüllte er über das Intercom seines Teams. Hunderte Schüsse prallten an den seltsam funktionierenden blauen Schilden ab, verursachten aber keine erkennbaren Schäden.

Das Schiff drehte sich um 90 Grad und schoss aus dem Hangar hinaus, um kurz darauf durch das Loch im Asteroiden zu verschwinden. Für einen Atemzug hoffte er, dass die Nightfall das Schiff abfing, was jedoch bei dem Zustand in der sich die Fregatte befand, höchst unwahrscheinlich war.

Zurück blieb ein, von den stundenlangen Kämpfen ausgezehrtes und völlig fertiges ODST Squad und ein Soldat, der nicht wusste wie er seinen Vorgesetzten erklären sollte, dass ihm ein Alien mit einem Datenchip aus einer ONI-Basis durch die Finger geschlüpft war.