I.


In einem Moment war noch alles in Ordnung – sie unterhielt sich mit Zari und zwar über Dinge, über die sie sich noch nie zuvor unterhalten hatten. Und im nächsten bebte die Erde um sie herum. Wo ist Nathaniel? Ich muss ihn finden und beschützen. Ich muss meinen Omega beschützen, war trotz den Jahren der Trennung und dem weniger angenehmen Zusammenstoß von zuvor immer noch Amayas erster Gedanke. Doch Nathaniel war nicht bei ihr, sie hatte nur Zari bei sich. Die Nachfahrin ihres verlorenen Kindes. Ich muss Zari schützen, ich muss meine Familie schützen.

Und dann. PLOP.

„Ich verstehe nicht, was ihr uns damit sagen wollt", hörte Amaya sich selber sagen. Sie hielt Anida fest in den Armen und drückte zugleich die Hand ihres Omegas. So sollte es immer sein, so ist es richtig. Wir alle vereint. unsere Familie vereint, wurde ihr klar. War alles andere, die Trennung, der Verlust, nur ein böser Traum gewesen?

Sie saßen in Avas Büro an deren Schreibtisch, der Direktorin des Zeitbüros gegenüber. Hinter ihr stand Rip Hunter und machte ein ernstes Gesicht, selbst für seine Verhältnisse. „Es tut mir leid", meinte Ava gerade, „Aber diese Leute haben eine sehr strenge Ansicht darüber, wie die Raumzeit zu funktionierten hat, und wie man sie am besten beschützt. Sie sind keine großen Freunde von Zeitreisen oder zeitversetzten Individuen, und sie mögen es gar nicht, wenn die Zeitlinie geändert wird. Und sie haben irgendwie von euch beiden und eurer Verbindung erfahren und dem … Ergebnis davon." Ava warf einen vielsagenden Blick auf Anida.

Amaya drückte besagtes Ergebnis fest an sich. Nein, nicht diese Erinnerung, nicht dieser Tag, nicht noch einmal. Sie wollte nicht schon wieder den Tag erleben müssen, der ihr glückliches Leben mit ihrer Familie zerstört hatte.

„Sie halten Anida für ein fleischgewordenes Sakrileg. Und sie wollen sie töten. Natürlich werden wir alles tun, was in unserer Macht steht, um euch zu beschützen, aber wir sollten ehrlich zu euch sein. Auch eurer Familien sind in Gefahr. Die rückgängig gemachte Zerstörung von Zambesi wurde schon wieder korrigiert, und die Amaya Jiwe aus dieser Zeitperiode umgebracht. Mari ist damit wieder die einzige Totemträgerin der Gegenwart, und Kuasa, Kuasa ist wieder tot, es tut mir leid, Amaya", erklärte Ava, „Wir können nicht überall sein, und sie sind viele und überzeugt davon, dass sie die Raumzeit mit ihren Taten reparieren…"

Rip räusperte sich. „Sara und ich haben einen Plan ausgearbeitet", erklärte er, „Der sieht allerdings vor, dass ihr euch vom Rudel verabschieden müsst. Wir wollen euch in einer anderen Zeitperiode verstecken, während wir uns mit diesen Leuten befassen. Wir holen euch natürlich sofort zurück, nachdem die Gefahr gebannt ist."

Amaya drückte Nates Hand. „Was ist mit Zambesi?", wollte sie wissen.

„Bitte?" Rip blinzelte sie verwirrt an, genau wie Ava.

„Ich bin die Beschützerin meines Dorfes. Ich habe alles versucht um Esi und Kuasa und all die anderen zu retten, und jetzt sagt ihr mir, dass alles umsonst war? Das alles wieder so ist, wie es zuvor war? Was habt ihr vor dagegen zu unternehmen? Was…" Sie erkannte, dass Rip und Ava erstarrten und beide auf etwas hinter ihr und Nathaniel fokussiert waren und unabhängig voneinander in Verteidigungsposition gingen. „Was ist denn los?" Amaya drehte sich um und erblickte erstaunt einen blauen Mann, den sie nicht sofort erkannte, und dann Oliver Queen, der hinter ihm in Avas Büro gestolpert kam.

„Was…?!"

„Keine Sorge, Amaya", sagte Oliver Queen, „Wir sind hier um dich heimzuholen."


Oh, mein Gott, nein, lass es bitte nicht so enden. Die Straße war um Iris herum explodiert und dann zusammengekracht. Nun lag sie da, unter größeren Asphaltstücken begraben, von Hitze umgeben, die sie sich nicht erklären konnte, und konnte nur noch an eines denken, daran dass Eddie und Nora nach Barry nun auch noch sie verlieren würden. Dass sie ihre Familie alleine zurücklassen würde. So hatte ich das nicht geplant. War das der Universencrash? Ist das der Anfang vom Ende?

Wenn sie hier sterben würde, dann würde es hoffentlich wenigstens schnell gehen. Und vielleicht, nur vielleicht wäre sie dann wieder mit Barry vereint. Irgendwie zumindest. Sie sah sich um und erkannte dann den Grund für die Explosion der Straße – die Straße war nicht einfach explodiert, etwas war auf sie herabgestürzt und hatte sie damit gesprengt. Iris betrachtete das Wrack neben sich. Ist das ein Flugzeug?

„Keine Sorge, Iris, ich bin hier, ich helfe dir!" Iris versuchte den Kopf zu drehen um sich nach der versprochenen Rettung umzusehen, hatte damit aber nur leidlichen Erfolg. „Laurel? Bist du das?", wunderte sie sich.

„Ja, ich bin es. Keine Sorge, gleich bist du frei", versprach ihr Laurel.

„Aber …" Was machst du hier, und was ist eigentlich passiert?, lag ihr auf der Zunge, doch sinnlose Fragen würden ihr nicht dabei helfen zu überleben und aufs Überleben kam es jetzt an. Sie spürte wie die Asphalttrümmer von ihr entfernt wurden. Der Schmerz in ihren Gliedern ließ nach, und sie konnte wieder frei atmen. Zumindest für einen Moment, dann ging der Schmerz erst so richtig los. Und sie schrie, sie schrie so sehr, wie sie seit Noras Geburt nicht mehr geschrien hatte.

„Ist schon gut, Iris, ist schon gut. Hör mir zu, hör auf meine Stimme. Es tut nicht weh, du kannst den Schmerz ertragen, Iris West-Allen. Der Schmerz beherrscht dich nicht, du beherrscht ihn", erklärte Laurel, und überraschenderweise ließ der Schmerz tatsächlich nach. Er war noch vorhanden, aber er war dumpfer, und Iris hatte nicht mehr das Gefühl schreien zu müssen um nicht zu zerspringen.

„Gut so, Iris, alles wird wieder gut werden, das kannst du mir glauben, aber es gibt noch etwas, das du für mich tun musst, bevor ich dich ins Krankenhaus bringen kann", erklärte Laurel, „Du musst mir helfen mit deinem Bruder in Kontakt zu treten."

Iris war verwirrt. Wieso erwähnte Laurel Wally ausgerechnet jetzt?

„Das – das haben wir doch schon versucht, wieso denkst du…", begann sie.

„Psst. Nein, hör zu, du musst mir einfach sagen, wo ich die Titans finden kann, ich weiß sie sind auf der Flucht vor dem Gesetz und all das, aber ich glaube, dass nur sie uns alle retten können", erklärte Laurel, „Ich bin sicher, es gibt irgendeine Notfallkontaktmöglichkeit, die du noch nicht ausgeschöpft hast, da sowieso schon so viele Helden an einem Ort versammelt waren."

„Wegwerf-Handy", murmelte Iris, „In meiner Tasche, aber es gibt kein Netz, und vorher haben sie sich auch nicht gemeldet…"

„Lass das mal meine Sorge sein", meinte Laurel nur und fischte das Handy aus Iris Tasche und befestigte dann ein kleines Teil, das Iris noch nie in ihrem Leben gesehen hatte, daran, bevor sie einen Anruf tätigte.

„Wally West und die Titans? Hier ist Black Siren", sagte sie, „Die Welt steht kurz vor ihrem Untergang. Was wir jetzt brauchen um sie zu retten ist Raven, ich denke sie ist die Einzige, die uns jetzt vielleicht noch retten kann."


„Du wolltest Darkseid sehen", sagte Granny Goodness und schob Kara in den Thronsaal, „Das hier ist deine Chance." Kara wäre fast gestolpert, fand dann aber ihren Tritt wieder. Dieser Ort hier, Apokalips, war kein guter Ort, hier zu sein tat ihr nicht gut. Die fremden Gerüche, die Außerirdischen mit den fremden Geschlechtern, ihre Trennung von den anderen und ihr Kampf in der Grube, ihr Kampf gegen J'onn. Ich sollte nicht hier sein. Ich sollte nicht allein hier sein.

Das wusste sie, aber sie wusste auch, dass das hier nun ihre Chance war, der Grund, warum sie hierhergekommen war – sie würde Darkseid gegenüberstehen und würde diese Chance nützen müssen. Denn vermutlich würde sie keine andere bekommen.

Ich muss ihn töten…

„Oh, Kara Zor-El, willkommen!", begrüßte sie Darkseid verdächtig freundlich, „Das momentane Chaos tut mir leid, wir hatten gerade eben einen kleinen … Zwischenfall, aber wir sind schon wieder dabei ihn zu bereinigen. Ich habe gehört, dass du dich als beeindruckende Kämpferin in der Grube erwiesen hast, wie es zu erwarten gewesen war. Und dass du mich sprechen wolltest, nun hier bin ich, was kann ich für dich tun."

Kara bemerkte, dass sie erbebte. Dass ihr gesamter Körper vor Wut zu zittern begonnen hatte. „Das Multiversum", sagte sie mit fester Stimme, „deine Taten fügen ihm Schaden zu. Hör auf damit."

„Nun, das … habe ich bereits", meinte Darkseid, „Allerdings nicht ganz freiwillig und wohl etwas … zu spät."

Kara runzelte die Stirn. „Was willst du damit sagen?", wollte sie wissen.

„Dir ist vielleicht aufgefallen, dass die Dinge hier nicht mehr so sind, wie sie zuvor waren. Dass du hier schon lange bist, länger als eigentlich möglich sein sollte, und es aber trotzdem immer noch ein Multiversum um uns herum gibt", meinte Darkseid.

„Ich … ich bin mir nicht sicher, ob …" Kara war verwirrt. Sagte er die Wahrheit? Und wenn, was hatte das zu bedeuten? „Auf Apokalips herrscht nun die Speed Force", erklärte Darkseid, „Was auch seine Nachteile hat. Der bevorstehende Untergang des Multiversums etwa … nun er beeinfluss uns jetzt doch mehr als zuvor. Er kann uns nicht mehr egal sein."

Kara blickte ihn verwirrt an. „Soll das etwa bedeuten, dass wir jetzt auf derselben Seite sind? Dass wir alle gemeinsam das Multiversum retten wollen?", wunderte sie sich.

„Für den Moment ….ja", erwiderte Darkseid liebenswürdig.

Aber das konnte doch nicht stimmen, oder? Sie war hierhergekommen um es zu beenden, um ihn zu töten, und nicht um einen Pakt mit ihm zu schließen.

„Ich…." Sie unterbrach sich und musterte ihn. Er war immer noch derselbe, die Kreatur aus ihren Alpträumen, der Schlächter ihres Volkes. Kann ich ihn einfach so davon kommen lassen?, fragte sie sich, Nach allem, was er getan hat?

„Ich glaube dir kein Wort!" Jemand brach aus den Schatten der Decke hervor und fiel auf Darkseid und griff ihn mit irgendetwas an. Der Angriff war allerdings nicht von besonders viel Erfolg gekrönt. Der Angreifer wurde davon geschleudert, und seine Waffe fand sich – nach einem kurzen aber heftigen Kampf – in der Hand von Darkseid wieder.

„Ein Godkiller! Woher hast du den, Erdling!", röhrte Darkseid erbost und warf den Gegenstand erbost von sich, „Vernichtet dieses Sakrileg!"

Kara erkannte die Angreiferin von Darkseid, als sie wieder auf die Beine kam. „Sara!", wurde ihr klar. Sara hatte eine Waffe gehabt um Darkseid zu töten, eine Waffe, die sie mit Sicherheit von Oliver erhalten hatte. Es war immer dasselbe mit ihm. Er traute ihr immer noch nicht zu die schwierigen Entscheidungen zu treffen.

„Es immer dasselbe mit euch Prime Alphas", knurrte Darkseid, „Ihr denkt, ihr könnt in der Kategorie von uns Göttern mitspielen, aber da irrt ihr euch, ihr seid trotz allem immer noch Sterbliche."

Sara wischte sich Blut aus dem Gesicht. „Und du bist so viel besser als das, nehme ich an". meinte sie, „Du bist ein Gott und nennst dich nicht nur so."

„Natürlich", erwiderte Darkseid.

„Ach? Sollte ein Gott nicht allwissend sein?", wollte Sara von ihm wissen, und dann befand sich Darkseid plötzlich im Würgegriff einer seiner eigenen Leute. Natürlich, ich hätte sie bemerken sollen, aber ich war zu abgelenkt durch alles andere, was passiert ist, aber … wie?! Natürlich Oliver. Er und seine ausweichenden Antworten.

„Du bist nicht allwissend", meinte die Frau, die Darkseid im Würgegriff hielt. Sie war ein menschlicher Omega, aber nicht irgendein menschlicher Omega.

„Kate!", rief Kara aus, „Was machst du hier?!"

Batwoman verstärkte ihren Griff um Darkseids Hals und trat Kara die Waffe entgegen, die Sara mitgebracht hatte. „Oliver hat mich losgeschickt um Granny Goodness' Furies zu infiltrieren. Damals dachten wir zunächst, es würde sich um eine Art neue Gang handeln und hätten uns nicht träumen lassen, dass Granny aus dem Weltraum stammt. Meine Mission hat mich nach Apokalips geführt, und seit ihr hier angekommen seid, habe ich auf den richtigen Moment gewartet um meine Tarnung fallen zu lassen", erklärte Kate, „Und Sara hat recht. Darkseid ist ein Lügner. Er hat nicht vor irgendjemanden zu retten. Er will uns alle tot sehen, das ist seine Art. Wir dürfen ihn nicht am Leben lassen, aber dir hat er am Meisten weggenommen, Kara. Nimm den Godkiller und bring es zu Ende. Töte ihn."

Kara hob die Waffe, die nun vor ihren Füßen lag. Einen Moment lang noch betrachtete sie diese nachdenklich. Dann richtete sie sie auf Darkseid.

Und drückte ab.


Laurel schlug die Augen auf und sah in die Gesichter von Alex Danvers, Mick Rory, und Leonard Snart. „Was macht ihr denn hier?", wunderte sie sich.

„Das Gleiche könnten wir dich auch fragen. Du solltest eigentlich überhaupt nicht hier sein, sondern auf der Erde bei deinem Ehemann. Genauer gesagt warst du sogar noch dort, als wir aufgebrochen sind", erklärte Rory.

„Das war Black Siren, sie gibt sich für mich aus", erklärte Laurel, „Während ich … es war schrecklich. Ich fühle mich, als wäre ich gestorben, schon wieder." Sie rieb sich ihren Kopf. „Seid ihr gekommen um mich zu retten?", wollte sie dann wissen.

„Unter anderem", meinte Alex, „Kate ist undercover hier und hat uns zu dir gebracht. Wir müssen aber immer noch J'onn und die anderen Omegas finden, und Kara, denn wo immer sie ist, ich wette es ist ein anderer Ort als der, an dem die anderen sind."

„Moment mal, willst du damit sagen, dass Kate die ganze Zeit hier war, aber daneben gestanden ist, während ich gefoltert wurde?", wurde Laurel klar.

„Ich denke mal, sie hätte dir geholfen, wenn sie es gekonnt hätte. War sie nicht wegen dir und Oliver hier?", gab Alex zurück.

„Nicht ganz", meinte Laurel nur, „Aber eigentlich ist das jetzt auch egal. Darkseid hat eine Speed Force-Waffe, die er vom Reverse-Flash bekommen hat. Wir dürfen sie ihm nicht überlassen."

„Da ist uns schon jemand zuvorgekommen", stellte Leonard fest, „Offenbar wurde diese Waffe gestohlen. Enttäuschender Weise allerdings nicht von mir."

„Nun, dann sollten wir zusehen, dass wir von hier verschwinden", befand Laurel, „Und zwar schnell."

„Nicht ohne unsere Omegas", sagte Rory.

„Natürlich", versicherte ihm Laurel schnell, „Ich meinte nur prinzipiell, dass wir uns beeilen sollten mit…" Sie brach mitten im Satz ab, da ein ohrenbetäubender Alarm losging.

„Was ist denn jetzt passiert?", wunderte sie sich.

Die anderen tauschten nur verwirrte Blicke aus. Offenbar kannte keiner von ihnen die Antwort darauf.

„Nun, was es auch immer ist, unsere Flucht dürfte uns nun um einiges schwerer fallen", meinte Snart.

Warum nur überraschte Laurel das nicht? Offenbar ging in letzter Zeit alles schief. Damit war also zu rechnen gewesen, nicht wahr?


A/N: Etwas kürzer als sonst beginnt der dritte Teil dieser Fic.

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