III.


Zusätzliche Warnings: Vage Spoiler für die 5. Staffel von „The Flash"


„Ich stelle fest, dass du mir nicht zu trauen scheinst, Wally West. Ich weiß nicht, ob ich beleidigt sein soll oder dir zu deiner Vorsicht gratulieren soll", bemerkte Laurel und lächelte den dunkelhäutigen Speedster wissend an.

Dieser schnaufte nur. „Ich bin eigentlich nur hier um sicher zu gehen, dass es Iris gut geht", erklärte er, „Und der einzige Grund, warum ich Raven mitgebracht habe, ist der, dass es möglicherweise im Bereich des Möglichen liegt, dass du die Wahrheit sagst und die Welt wirklich retten willst. Immerhin lebst du auch auf ihr, und du hast Iris gerettet, also denke ich das spricht für dich."

Laurels Lächeln verblasste. „Ja, das spricht für mich", stellte sie fest und blickte sich melancholisch um. Sie standen im Central City Hospital, wo die Hölle um sie herum ausgebrochen war. Sämtliche Evakuierungsmaßnahmen waren unterbrochen worden, und man versuchte hier nun stattdessen den Folgen des Bebens Herr zu werden. Ständig wurden neue Verletzte eingeliefert, und das war nur die Spitze des Eisbergs. Denn immerhin war das hier erst der Vorgeschmack auf das, was noch kommen würde, nicht wahr?

„Also?", wollte Wally West wissen, „Was willst du von uns? Was willst du von Raven?"

„Raven ist die letzte Chance, die wir haben, um vielleicht doch noch zu überleben", meinte Laurel, „Wir brauchen sie um alle zu retten."

Wally schüttelte den Kopf. „Wie kommst du darauf, dass ausgerechnet sie uns alle retten kann?", wollte er wissen, „Raven mag eine Halbdämonin sein, aber auch ihren Kräften sind Grenzen gesetzt."

Laurel nickte wissend. Dann meinte sie: „Ihren vielleicht. Aber gilt das auch für die ihres Vaters?"


Brainiac-5 war mit seinen Fortschritten zufrieden. Da er ruhig geblieben war und überlegt vorgegangen war und die Individuen deren Befreiung am Einfachsten seien sollte als Erstes aufgesucht hatte anstatt kopflos nach seinem Ehemann zu suchen, war es ihm gelungen den Großteil der in der Speed Force gefangenen Justice League-Affiliierten zu befreien.

Obwohl er schon gerne gewusst hätte, ob es Winn gut ging oder nicht. Aber das würde er hoffentlich noch schnell genug herausfinden.

Oliver Queen, Amaya Jiwe, Zari Tomaz, Martin Stein, Jefferson Jackson, Harrison Wells, und Mari McCabbe waren bereits aus der Speed Foce befreit worden. Und Brainiac-5 selber sowie Killer Frost waren niemals in ihr gefangen gewesen. Der weibliche Meta hatte sich als überaus hilfreich erwiesen. Brainiac-5 verstand nicht ganz, warum sie nicht wie alle anderen Organischen ebenfalls in die Speed Force gezogen worden war, doch er hatte beschlossen sich darüber zu freuen anstatt es zu hinterfragen.

„Es hat mit meinen Kräften zu tun", hatte Killer Frost ihm erklärt, „Sie schützen mich vor den Auswirkungen von so manchen Dingen. Manchmal denke ich ja, dass ich meinem Vater dankbar sein sollte, aber meistens bin ich es nicht."

Brainiac-5 hatte diese ominöse Aussage nicht wirklich verstanden, aber es gab viel zu viel zu tun um seine Prozessoren weiter damit zu belasten. Zumindest hatte er nun Unterstützung von Professor Stein und Dr. Wells, die mehr über die Natur der Speed Force wussten als er (auch wenn sie trotz allem nur Level-1.9-Intellektuelle waren, was er ihnen aber besser nicht sagen sollte, wenn er sie nicht verärgern wollte). Mit ihrer Hilfe könnte er vielleicht schneller durch die Speed Force navigieren und sich dann wieder der Rettung des Multiversums zuwenden. Immerhin lief ihnen allen immer noch die Zeit davon, und auch wenn es ihm schwer fiel das einzugestehen – er war leider noch immer sehr weit von einem funktionieren Plan entfernt, der sie alle retten könnte.

Warum arbeite ich dann eigentlich überhaupt daran die anderen aus der Speed Force zu retten? Wenn wir sowieso alle bald sterben werden, ist es dann nicht gleich, wo wir uns befinden, wenn es passiert?

Vermutlich schon. Aber die Wahrheit war, er wollte Winn wiedersehen, genau wie Mon-El, und sogar James Olsen, bevor es zu Ende ging. Und was die anderen anging, ihm war klar, dass Kara und Alex von ihm erwarten würden, dass er sie aus ihrer derzeitigen Lage befreite. Und obwohl sie weit entfernt von ihm waren – auf einem anderen Planeten in einer anderen Dimension – wollte er sie nicht enttäuschen, egal wie unlogisch es ihm erschien immer noch gegen das Unvermeidliche anzukämpfen und immer noch so zu tun als gäbe es ein Morgen, wo es doch eindeutig keines geben würde.

Aber sagte Winn nicht immer, dass es erst vorbei war, wenn man die Hoffnung aufgab?

Ich werde es nicht tun. Ich werde nicht die Hoffnung aufgeben. Noch nicht. Immerhin waren sie alle Spezialisten für Letzte-Minute-Wunder. Vielleicht würde sie diesmal auch wieder so eines retten. Und die letzte Minute hatte noch nicht geschlagen, also gab es immer noch Hoffnung. Und wo Hoffnung ist, da ist auch Leben, so heißt es doch. Nun wollen wir hoffen, dass das auch wirklich so ist.

Und dann machte sich Brainy wieder an die Arbeit.


„Gut, nachdem wir nun von all unseren aktuellen Mordplänen abgekommen sind, was tun wir jetzt? Wie retten wir das Multiversum?", fragte Sara in die Runde. Die Runde, die neben ihr selbst aus Kara, Barry, Kate, Darkseid, sowie der wieder auf die Beine gekommenen Granny Goodness und zwei immer noch etwas wackligen Wachmännern bestand.

„Darkseid und seine Leute bezeichnen sich doch als Götter, wenn jemandem ein Weg einfällt uns alle zu retten, dann doch wohl ihnen", meinte Kara in einem nicht gerade freundlichen Tonfall. Sie mochte zwar davon abgebracht worden sein Darkseid zu töten, doch das bedeutete nicht, dass sie deswegen besser auf ihn zu sprechen war als zuvor, was Sara gut nachvollziehen konnte – sie selbst hatte sich auch nie dazu durchringen können Damien Darhk leiden zu können, nachdem er ihre Schwester getötet hatte, egal wie oft sie zusammen gearbeitet hatten. Und selbst jetzt, nachdem sie Laurel zurückbekommen hatte, machte sie der Gedanke an ihn immer noch wütend.

Alle wandten sich mit erwartungsvollen Mienen Darkseid zu und blickten ihn an. Sara war sich nicht so sicher, ob er tatsächlich dazu in der Lage wäre eine Lösung für ihr Problem anzubieten. Bisher hatte ihn die Rettung des Multiversum herzlich wenig interessiert, und selbst als er Kara gegenüber anderes behauptet hatte, hatte Sara die Täuschung in ihm gespürt. Sie traute ihm kein Stück und war sicher, dass er immer noch seine eigenen Pläne hatte, und dass diese Pläne nicht gerade etwas Gutes für die Bewohner der Erde verhießen.

Darkseid räusperte sich. „Nun, wie sich das Ganze darstellt, scheinen wir es hier mit einer Art Kaskadenversagen zu tun zu haben – ein kleiner Fehler führt zu einem weiteren und einem weiterten und einem weiteren, bis am Ende gar nichts mehr funktioniert. Also ist die Lösung ganz einfach: Wir müssen die Kaskade aufhalten", erklärte er.

Sara rollte mit ihren Augen. Auf diese spezielle Idee wären sie ohne ihn natürlich nicht gekommen. „Und weiter?", wollte sie wissen, „Wie genau sollen wir das bewerkstelligen? Denn du kannst uns gerne glauben, dass wir das bereits getan hätten, wenn es wirklich so einfach wäre."

Darkseid musterte sie mit unverhohlener Feindseligkeit. „Du lässt Respekt vermissen, Prime Alpha", meinte er, „Du magst dich für eine große Kriegerin halten, aber ich bin ein Gott. Und um dir zu beweisen, wie überlegen ich dir bin, kann ich dir sagen, was genau wir unternehmen müssen, um das zu erreichen. Meine Motherboxen sollten in der Lage sein die Kaskade zu unterbrechen und sogar eine Reparatur zu starten. Nachdem ich die nötigen Umprogrammierungen vorgenommen habe, müssen wir nur … vier von ihnen an den richtigen Punkten des Multiversums aussetzen, und dann ist unsere Arbeit auch schon wieder getan."

Das hörte sich tatsächlich verdächtig leicht an, obwohl vielleicht auch wieder nicht. „Die richtigen Punkte des Multiverums" klang nicht gerade einfach. Vor allem, wenn man bedachte, dass jede Reise zwischen den Universen alles noch schlimmer machte.

Kara schien ihre Gedanken gelesen zu haben, da sie anmerkte: „Und wie sollen wir das bewerkstelligen ohne zu riskieren, dass alles auf einmal kollabiert?"

Darkseid nickte zu Barry. „Dieser hier ist ein Speedster, durch seine Hilfe können wir die Speed Force nutzen", meinte er.

„Das ist vielleicht keine so gute Idee", wandte Barry ein, „Die Speed Force ist bereits dabei zusammenzubrechen, und ich kann nicht mehr wirklich durch sie hindurch navigieren. Vielleicht wenn drei weitere Speedster hier wären, aber allein…" Er schüttelte traurig den Kopf.

„Lass das nur meine Sorge sein", meinte Darkseid geringschätzig, „Was wir brauchen ist Speed Force-Energie um emissionsfrei durch das Multiversum zu navigieren, und diese bekommen wir am einfachsten, indem wir sie von einem Speedster nehmen. Nicht du wirst gehen, Omega in Rot, du wirst unser Antrieb sein. Vier von uns werden durch dich mit der Speed Force aufgeladen werden um die Motherboxen auszusetzen."

Das klang nach Folterkammer und verrückten Wissenschaftler. Sara war dagegen und zwar vollkommen. „Nein, selbst, wenn das möglich wäre, irrst du dich, wenn du denkst, dass ich zulassen würde, dass du die Speed Force aus Barrys Körper hinaussaugst!", erklärte sie kategorisch, „Das kommt überhaupt nicht in Frage!"

„Eddie…", murmelte Barry und fuhr dann lauter fort, „Es ist aber möglich. Er hat recht, durch den fortschreitenden Verfall der Speed Force bin ich in der Lage meine Kräfte vorübergehend auf andere zu übertragen. Das ist bereits geschehen. Es könnte klappen, aber wir müssen uns beeilen. Apokalips befindet sich bereits in dauerhaft beschleunigten Zustand. Wir alle sind gerade in Flashtime. Normalerweise sollte euch das schaden, da das aber nicht der Fall ist, bedeutet das, dass uns allen die Zeit davon läuft."

„Aber, wenn wir bereits in Flashtime sind, haben wir deine Kräfte dann nicht bereits?", wunderte sich Kate.

„Nein, denn normalerweise kann ich jemanden in Flashtime holen, wenn ich ihn berühre, aber sobald ich ihn wieder loslasse, ist er wieder normal. Dieser Planet hier befindet sich nun in Flashtime. Sobald ihr ihn verlasst, fallt ihr aber in die normale Zeit zurück und verfügt über keinerlei Speedsterkräfte mehr", erklärte Barry, „Ihr braucht also eine direkte Kräfteübertragung von mir."

Sara schüttelte den Kopf. „Nein, Barry, es ist zu riskant", meinte sie, „Wir wissen nicht, was für Auswirkungen das auf dich hat. Ganz zu schweigen davon, dass wir ihm nicht trauen können!" Sie deutete mit dem Kopf auf Darkseid. „Wir können uns darauf nicht einlassen."

„Wir müssen", hielt Barry dagegen, „Die Zeit läuft uns davon. Ich bin bereit alles zu tun, was nötig ist, und es ist nötig. Ich habe zugesehen, wie sich meine Tochter vor meinen Augen aufgelöst hat, Sara, und das muss ich unbedingt rückgängig machen. Lass mich das bitte tun, Sara." Er sah sie flehend an.

Sara seufzte. Genau deswegen habe ich es aufgegeben der Rudel-Alpha zu sein. Und jetzt bin ich irgendwie erst wieder dazu geworden, dachte sie bitte. Natürlich hatte Barry Recht. Sie mussten das tun. Sie konnten nicht mehr länger warten und auf das Beste hoffen, wenn es eine Chance gab die Welt zu retten, dann mussten sie diese ergreifen, egal wie riskant sie war, aber … es wäre Sara nun mal lieber, wenn sie selbst das Risiko tragen würde und nicht ausgerechnet Barry.

„Also gut", meinte sie dann zu Darkseid, „Wir lassen uns darauf ein, aber nur unter einigen Bedingungen: Unsere Freunde werden zu uns gebracht und von euch in Ruhe gelassen. Und außerdem gehen vier von uns und keiner von euren Leuten. Sind wir uns einig?"

Darkseid nickte. „Ich habe keine Einwände", meinte er, „Granny, sammle die anderen Erdlinge ein und bring sie hierher. Ich beginnen inzwischen damit die Motherboxen vorzubereiten." Er streckte Sara eine seiner übergroßen Hände entgegen. „Wir haben einen Deal, Prime Alpha", meinte er.

Sara ergriff seine Hand und schüttelte sie und ignorierte nach besten Kräften das komische Gefühl, das sie währenddessen befiel. Es tut mir leid, Iris, ich werde mein Bestes tun um Barry nach Hause zurückzubringen, aber es ist möglich, dass ich es stattdessen nur schaffen werde das Multiversum zu retten.


Iris öffnete ihre müden Augen und starrte die kahle Wand des Central City Hospitals an. Ich bin so furchtbar müde, stellte sie fest, Laurel ist nicht Laurel, sondern Black Siren, ich muss die anderen warnen, ich muss Eddie und Nora warnen, ich … Der Gedanke verlief sich im Sand. Barry, alles ist schief gegangen, nachdem du verschwunden bist. Ich wünschte, du wärst jetzt hier bei mir, und sei es nur um mich zu verabschieden….

Und dann begann das Krankenhaus Bett, in dem sie lag, zu zittern und alles schien zu schwanken und zu beben.

Ist es das?, fragte sie sich, Ist das das Ende?


Alles begann wieder zu erbeben. „Verdammt!", entfuhr es Oliver, und er blickte sich leicht panisch um. „Diese Werte sind gar nicht gut", meinte Harrison Wells über die Werte aus der Speed Force auf seinem Tablet, „Die Speed Force wird zunehmend instabil. Wir müssen Brainiac-5 hinausholen, bevor wir das nicht mehr können."

Er und Oliver blickten hinüber zu Professor Stein und Jax, die an der Kontrolle der Speed Force-Öffnung saßen und diese konzentriert im Auge behielten.

„Nein, nicht solange da drinnen immer noch Freunde von uns sind", meinte Oliver kategorisch. Da Curtis immer noch verletzt gewesen war, als er von der Speed Force verschluckt worden war, hatten sie beschlossen ihn als Letzten herauszuholen, doch er war nicht der Einzige, der noch nicht gerettet war. Cisco, Kendra, James Olsen und Winn Schott befanden sich auch immer noch in der Speed Force.

„Er hat recht, wir können den Stecker jetzt noch nicht ziehen", kam ihm Mon-El, der neben ihm stand, zur Hilfe.

„Doch was, wenn es unsere einzige Möglichkeit Brainiac-5 noch zu retten sein sollte?", warf Killer Frost ein, „Würde Supergirl dann nicht von euch erwarten, dass ihr zumindest diejenigen, die noch zu retten sind, rettet? Ganz abgesehen davon, dass der kleine wandelnde Computer euch alle gerettet hat, und ihr es ihm also schuldig seid ihm zu Hilfe zu kommen. Und er ist auch der Einzige, der sicher stellen kann, dass die freilaufende Speed Force dort drüben nicht schon wieder auf den Rest des Universums überschwappt und uns alle verschluckt." So kühl ihr Hinweis auch klang, so recht hatte sie damit.

Die Erde erbebte erneut unter ihren Füßen. Oliver sah hinüber zu dem Portal zu der wabbeligen Masse, die einst das Hauptquartier seines letzten Superheldenteams gewesen war. Curtis, Cisco, Kendra, vergebt mir. Und möge Gott mir ebenfalls vergeben. Ich konnte schon Laurel nicht retten. Und jetzt auch noch das, aber … wir können nicht alle retten.

Er wandte sich an Dr. Wells. „Holen Sie ihn raus", befahl er nur knapp, „Holen Sie ihn raus, solange es noch ein Universum gibt, in das Sie ihn zurückholen können."

Und die Erde erbte erneut.


A/N: Und es folgt der dritte und letzte Teil dieser Fic (der einige Kapitel in Anspruch nehmen wird).

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