Chapter 3 – Phowlyris und Black Heart

Das merkwürdige mit den letzten vier Erinnerungen war, dass sie sich nicht öffnen ließen. Entkorken ja, aber nachdem Harry sie in die Schale gab und die drei Freunde sich hinab beugten, fielen sie zwar hinein, wurden aber prompt wieder herausgestoßen. Beim ersten Mal landeten alle drei verdutzt auf ihre Hintern zurück in Harry's Wohnung. In dem Glauben, dass dies ein Versehen war, wagten sie einen zweiten Versuch. Wieder wurden sie herausgestoßen, aber diesmal landete nur Ron auf seinen Hintern. Hermine und Harry hatten es irgendwie geschafft wieder auf den Beinen zu landen.

„Das passiert, wenn man noch nicht bereit ist, sich die Erinnerung anzusehen," erklärte Hermine und hievte mit Harry Ron wieder auf die Beine.

„Wie kann man bitte sehr noch nicht bereit sein sich eine Erinnerung anzusehen?" warf Harry dämlich ein. „Und woher weißt du das?"

„Als du dir mit Dumbledore letztes Jahr all die Erinnerungen angesehen hast, hab ich mir die Freiheit genommen, mich in der Bücherei über Denkarien und den Erinnerungen in ihnen einzulesen."

„Wie konntest du dir das nur nicht denken?!" witzelte Ron albern zu ihm rüber und Harry grinste. Hermine ignorierte das.

„Erinnerungen können nämlich beliebig manipuliert werden."

„So wie die Erinnerung von Professor Slughorn," bemerkte Harry, die damals von einem merkwürdigen Nebel eingehüllt war.

„Zum Beispiel," stimmte Hermine zu. „Eine beliebte Art aber ist auch, die Erinnerung zu sperren. Wenn man in sie eintaucht, prüft ein Zauber, ob die Person überhaupt psychisch geeignet dafür ist."

„Psychisch geeignet?" wiederholte Harry und verzog eine schiefe Grimasse. „Also bin ich zu psycho für die Erinnerung geworden?!"

Sie rollte genervt mit den Augen.

„Psychisch geeignet bedeutet, dass es prüft, ob du die Bedingungen, die derjenige an die Sichtung seiner Erinnerung gestellt hast, erfüllst. Das kann unter anderem auch bedeuten, dass dir Vorwissen fehlt."

„Und du wirst mir jetzt bestimmt sagen, wie man herausfindet, was einem fehlt, um geeignet zu sein?"

„Natürlich," sagte sie und senkte damit zumindest den Ärger, der gerade in ihm hochgeschossen war aufgrund ihres neunmalklugen tuens. Sie legte ihren Zauberstab auf die Schale und sagte: „Publicare."

Der Strudel begann blau zu leuchten und Blasen zu werfen. Hermine blinzelte und versuchte sich angestrengt zu erinnern.

„Ich glaube, das bedeutet, dir fehlt eine andere Erinnerung."

Ron und Harry tauschten einen dämlichen Blick.

„Geht's auch etwas genauer?" warf Ron ein und sprach damit das aus, was Harry dachte.

„Ich versuchs ja, ich versuchs ja," sagte Hermine ungeduldig, legte ihren Zauberstab erneut auf die Schale und sagte erneut: „Publicare."

Der Strudel färbte sich dunkelblau und warf weiter Blasen.

„Lass mich raten," sagte Harry bevor Hermine etwas von sich geben konnte. „Mir fehlt wirklich eine Erinnerung?!"

Sie lächelte verunsichert und sah zurück zur Flüssigkeit.

„Ich versuchs noch mal."

Und noch mal. Und noch mal. Und noch mal und noch mal. Das ging so weiter bis es sich irgendwann gegen Nachmittag pink gefärbt hatte und dampfte. Ron und Harry lagen mittlerweile mit Schokoriegeln auf der gemütlichen Couch und hatten über den Sinn und Unsinn von Harry's Ernennung zum Schulsprecher philosophiert.

Harry hatte irgendwann den Raum verlassen und war ins Schlafzimmer geschritten. Er brauchte etwas Ruhe und das ging nicht, wenn sich seine beiden besten Freunde wie Kleinkinder um ein Spielzeug stritten. Nachdem Hermine nämlich plötzlich glasklare Flüssigkeit in der Schale bekam und diese Rauch in Form von Ringen warf, witzelte Ron, ob es beim nächsten Mal auch Herzchen dampfen könnte.

Harry blickte die leeren Straßen an. Hier und da ging mal ein Muggel vorbei, aber Zauberer erhaschte man kaum mehr in diesen Tagen. Mr Weasley hatte ihnen erzählt, dass die meisten nur noch apparierten, um möglichst schnell an ihr Ziel zu kommen und nicht angreifbar zu sein.

Da Hermine selbst zum Abend noch nicht weitergekommen war und Mrs Weasley ihnen eine Eule schrieb mit der Aufforderung zum Abendessen zu erscheinen, machten sich die drei auf den Weg zum Fuchsbau. Harry empfand zudem Sehnsucht nach Ginny und wenn er hier schon nicht weiterkam, so wollte er nicht noch mehr Zeit verschwenden und endlich seine Freundin wiedersehen. Mit leerem Magen ließ sich ohnehin nicht viel machen.


„Harry, Schätzchen. Wie gefällt dir dein neues Zuhause?" hatte Mrs Weasley ihn gefragt während sie ihnen fröhlich Eintopf in die Schüsseln goss und Brot zurechtschnitt. Sie sah so glücklich und zufrieden aus, Harry und Ginny tauschten verlegene Blicke. Mrs Weasley behandelte ihn wie ein richtigen Sohn und war richtig erfreut sich wieder um ihn kümmern zu dürfen.

„Wenn es dir dort zu einsam ist, hier ist stets ein Zimmer für dich frei. Du bist so dünn geworden!"

- Und das obwohl er nur zwei Tage weg war. Die Tür der Küche ging auf und Mr Weasley trat herein.

„Abend alle zusammen," hatte er freundlich gegrüßt. Als er sich auf den freien Stuhl in der Runde setzte konnte Harry eindeutig sein müdes und erschöpftes Gesicht erkennen.

„Viel zu tun, Mr Weasley?" fragte Hermine mitfühlend. Ron's Vater seufzte.

„Ja und es nimmt einfach kein Ende. Jeden Tag neuen Nonsens. Da möchte man glauben, dass sich diese Gauner bedeckt halten, wo sie kaum noch Leute ansprechen können. Nein, stattdessen tauchen sie bei den armen Hexen zu Hause auf. Machen ihnen natürlich große Angst mit ihren Geschichten über Todesser, die einfach so im Wohnzimmer auftauchen könnten, wenn sie nicht genau 10 Schutzringe bei sich aufhängen. Das es nur Schwachsinn ist bemerken die natürlich erst, nachdem die angeblichen Schutzringe einen stinkenden Rauch absondern und die ganze Wohnung mit dem Gestank einhüllen! Unglaublich wie viel Leute darauf reingefallen sind! Da möchte man meinen, in diesen Zeiten, wäre man vernünftiger, aber nein, nun muss sich eine ganze Abteilung darum kümmern, den Gestank wieder loszuwerden, weil man sonst nicht mehr in dem Haus ohne Mundschutz leben kann. Das riecht schlimmer als in der Kloake!"

„Was denn? So spät noch Post?" Mrs Weasley hatte überrascht das Fenster geöffnet und eine Eule herein fliegen lassen. Diese war an Mr Weasley adressiert und der Brief trug das Zeichen des Ministeriums. Während Mr Weasley genervt die Post durchging und Mrs Weasley sich mit dem Rücken zu ihnen gewandt darüber aufregte, dass sie nicht mal nach Feierabend Ruhe hatten, beugte sich Ginny zu den anderen rüber.

„Wisst ihr was? Ich bin in diesem Jahr zur Vertrauensschülerin ernannt worden."

„Was, echt?" rutschte Ron überraschter heraus als vielleicht gut war. Ginny war letztes Jahr nicht zur Vertrauensschülerin ernannt worden, was sie aber auch nicht kümmerte. Dass sie dies nicht nur spielte erkannte man daran, dass sie auch jetzt nicht freudiger wegen dem Abzeichen war, sondern damit mehr amüsiert als stolz herumspielte.

„Für mich kann das nur eins bedeuten – Hermine ist Schulsprecherin geworden. Richtig?"

Besagte Person strahlte und lächelte schüchtern.

„Wusste ich's doch!" sagte Ginny heiter. „Herzlichen Glückwunsch, Hermine. Du wirst ne tolle Schulsprecherin."

„Danke," sagte sie immer noch scheu. Ron rollte dagegen mit den Augen.

„Rate mal, wer Schulsprecher geworden ist," grinste er mit Seitenblick auf Harry. Dass bei Ginny die Überraschung nicht ausblieb, konnte man ebenfalls eindeutig erkennen, denn sie sah ziemlich verblüfft rüber.

„Echt?"

Harry zuckte gleichgültig mit der Schulter.

„Was wirklich?" trällerte Mrs Weasley plötzlich heiter und hatte offenbar den Kindern gelauscht.

„Ihr beide seid Schulsprecher? Wie herrlich! Herzlichen Glückwunsch, ihr Lieben! Bill und Percy waren auch Schulsprecher. Harry, das ist wirklich wunderbar! Du warst gar kein Vertrauensschüler und nun gleich Schulsprecher zu sein ist etwas ganz besonderes. Professor White muss wirklich viel von dir halten, wenn sie diesen Schritt wagt."

In seinem Magen krampfte es unangenehm. Wieso sagten das alle? Je öfter er das hörte, desto mehr regte es ihn auf, weil er genau wusste, dass dies nicht der Fall war. Diese Frau konnte ihre miesen Taten tatsächlich im Deckmantel angeblich guter Taten verstecken.

Mr Weasley hatte den Brief fertig gelesen und beiseite gelegt. Sein Gesicht hatte sich um ein vielfaches verfinstert, doch am Gespräch hatte er sich nicht beteiligt. Dafür hörte Mr Weasley auf zu reden und sah ihren Mann besorgt an.

„Was ist los, Schatz?" fragte sie beunruhigt. Er reichte den Brief an ihr weiter, so dass auch sie ihn sich durchlesen konnte. Harry sah die beiden angespannt an und beobachtete, wie sich auch Mrs Weasley's Ausdruck von Sekunde zu Sekunde beklommen veränderte.

„Was ist los?" fragte Ron ohne Umschweife.

„Nichts," antwortete Mr Weasley und setzte ein leichtes Lächeln auf. „Nichts. Harry! Ich könnte deine Hilfe bei der Identifizierung eines Muggel Artefakts gebrauchen. Wir haben da etwas aufgegriffen, von dem wir uns nicht ganz sicher sind. Wärst du so nett und begleitest mich morgen ins Zaubereiministerium?"

„Uhm," machte Harry, wollte aber nicht unhöflich sein. Nicht zu Mr Weasley jedenfalls. „Klar. Okay."

Dauerte ja nicht lange, dachte er, um weitere Gedanken zu verwerfen. Nur ein kurzer Abstecher ins Zaubereiministerium, was er seit über einem Jahr gemieden hatte, und dann konnte er wieder an seine eigentlichen Aufgaben gehen. Hermine würde bis dahin bestimmt herausgefunden haben, wie man in die nächste Erinnerung im Denkarium eintauchen konnte.

Mrs Weasley hatte schließlich fertig gelesen, den Brief wieder zusammengefaltet und eingesteckt. Sie sah nicht weniger argwöhnisch drein als ihr Mann und das Essen danach verlief ungewöhnlich still und in bedrückter Stimmung. Mr Weasley hatte darauf bestanden, dass Harry die Nacht im Fuchsbau blieb, damit sie morgen gleich in aller Früh zusammen aufbrechen konnten. Er hatte sein sonstiges, fröhliches Gemüt verloren und es klang eher als ob er es ihm vorschrieb und keine Wiederworte zulassen würde. Harry fand es zwar komisch, tat jedoch wie ihm geheißen. Auch Hermine übernachtete wieder im Fuchsbau und würde erst am nächsten Tag mit Ron in Harry's Wohnung aufbrechen.


Sie blieben jedoch noch bis tief in die Nacht wach und hatten sich so wie immer in Harry's Zimmer versammelt.

„Was ist eigentlich mit deinen Eltern?" fragte Harry Hermine als sie auf das Thema Eltern und Übertreiben zu sprechen kamen. Ginny hatte nämlich keine Ahnung, warum ihr Vater so reagiert hatte, denn von ihrer Beziehung mit Harry hatte sie ihren Eltern immer noch nichts erzählt.

„Ich hab mit ihnen geredet," sagte Hermine bedrückt und auch sie hatte nun Ähnlichkeit mit Mr und Mrs Weasley's Stimmung nachdem sie den Brief vom Zaubereiministerium gelesen hatten. „Sie spüren definitiv gleichfalls, dass etwas nicht stimmt. Die ganzen Geschehnisse in England sind nicht spurlos an ihnen vorbeigezogen. Es brauchte etwas Überzeugungskraft, aber nun haben sie vorübergehend England verlassen und leben in einem kleinen Dorf bei Freunden, wo sie deren Praxis für einige Zeit übernehmen. Ich habe es mit Professor McGonagall's Hilfe geschafft ihre Spuren mit Zaubern zu verdecken, so dass sie vorerst gut geschützt sind."

„Und mit Überzeugungskraft meinst du Magie?" sagte Harry. Hermine sah nicht begeistert aus, dennoch war es genug um zu zeigen, dass er recht damit hatte.

„Da wo sie jetzt sind, sind sie in Sicherheit..."

„Das heißt, du hast nichts, wo du zurückgehen kannst?" bemerkte er bedrückt. Hermine nickte traurig.

„Ich dachte damals, wir würden auf eine gefährliche Suche aufbrechen. Jetzt, wo wir doch nach Hogwarts zurückkehren werden, bleibe ich in den Ferien einfach dort."

Harry aber nahm sein Schlüsselbund heraus, entfernte einen Schlüssel und drückte ihn ihr in die Hand. Ron, Ginny und Hermine waren alle drei gleichermaßen verwirrt, aber Harry zuckte mit dem Mundwinkel.

„Ich schlaf wahrscheinlich den größten Teil der Zeit eh auf der Couch, denn die ist echt bequem."

Hermine strahlte und nachdem sie auch einen Blick mit Ron und Ginny austauschte, schmiss sie sich auf Harry und umarmte ihn. Er lächelte und drückte sie ebenfalls. Er hatte wirklich kein Problem damit, Hermine bei sich aufzunehmen und die Wohnung mit ihr zu teilen. Sie war seine beste Freundin und so konnten sie in den Ferien zusammen dennoch auf die Suche nach den Horkruxen gehen.

Nachdem Hermine und Ron ins Bett gegangen waren, blieb Ginny noch bei Harry und legte sich zu ihm ins Bett. Er erzählte ihr von der ersten Erinnerung, die er sich angesehen hatte. Seitdem er mit Ginny ging, war vieles anders für ihn. Während er bei Hermine und Ron manchmal auf taube Ohren traf, hatte Ginny stets ein offenes Ohr für ihn. Sie war auch immer auf seiner Seite und eine große Stütze. Ihm tat es gut auch an diesem Abend wieder mit ihr über alles reden zu können und ihre Meinung zu hören.

„Bisher hatte jede seiner Erinnerung, die er dir gezeigt hat, stets einen Zweck."

Er nickte sanft, hatte aber nicht aufgehört ihr tief in die Augen zu sehen. Sie war so bildhübsch und ihr Duft so vertraut. Er hätte in ihre Augen versinken und ewig so daliegen können. Ginny schaffte es, dass sein Herz aufgeregt höher schlug und sich doch gleichzeitig entspannen und wohlfühlen konnte.

„Ich glaube wie Hermine, wenn er von sie spricht, meint er jemanden, der dir helfen kann. Und er musste sehr vorsichtig sein, weshalb er ihren Namen nicht nennt."

„Mhm," machte Harry nachdenklich.

„Such seinen Bruder in Hogsmeade auf. Er ist glaub ich schon noch da. Den Todessern bringt es ja nichts ihn umzubringen, denn er stellt weder eine Gefahr für sie da, noch hat er ihnen irgendetwas getan. Er ist reinblütig."

„Ist das dein ernst?" fragte er ein wenig amüsiert, aber sie hatte beleidigt zurückgesehen.

„Wieso nicht?"

„Wenn er Dumbledore schon so angeschnauzt hat, glaubst du tatsächlich, er ist offener und erzählt mir brühwarm was dieser von ihm wollte, wenn ich hereinspaziert komme? Schon vergessen was für einen entnervten Blick er vor 2 Jahren hatte, als wir unser erstes DA Treffen im Eberkopf hatten?"

„Du wirst es nie wissen, wenn du es nicht zumindest versuchst," sagte sie eindringlich und hatte den beleidigten Ausdruck abgelegt. Stattdessen begann sie mit ihren Fingern durch seine Haare zu fingern und kicherte dabei niedlich. Er beschloss, dass sie recht hatte und es ein Versuch wert war. Zudem genoss er es viel zu sehr sie bei sich zu haben und zu spüren als dass er sich von diesem Gefühl nicht mitreißen ließ. Wenn Hermine ohnehin nicht mit den anderen Erinnerungen weiterkam, was sollte er auch sonst anderes tun? Nachdem er Mr. Weasley kurz bei seiner Arbeit geholfen hatte, würde er nach Hogsmeade apparieren, um Dumbledore's Bruder aufzusuchen.


Am folgenden Tag ging er mit Mr Weasley wie gewünscht ins Zaubereiministerium. Er war kaum aus dem Kamin geschritten, da fand er sich zum ersten Mal seit langer Zeit in einem für ihn verhassten Gebäude wieder. Hier starb Sirius vor über einem Jahr... Es war noch genauso voll wie er es vor 2 Jahren vorfand, als er zu seiner Anhörung herbeordert wurde, womöglich noch mal ein Stückchen voller. Viele Hexen und Zauberer gingen hier ein und aus, heute noch hektischer als damals.

„Das Zaubereiministerium scheint noch ein sicherer Ort zu sein," erklärte Mr Weasley ihm, gab ein freundliches Lächeln und schob ihn mit sich durch die Menge hindurch. Harry war es unangenehm, denn er bemerkte sehr schnell, dass ihn einige Zauberer und Hexen, die ihnen entgegen kamen, verblüfft anstarrten. Manche blieben sogar stehen und stierten ihn förmlich an. Schnell strich er sich einige Haare vor die Stirn, um die Narbe zu verdecken. Ihm kam es vor wie eine halbe Ewigkeit, dass der Aufzug schließlich kam und sie hinein schritten. Es waren zwar weniger Personen im Aufzug, das Starren und nun eindeutige flüstern entging ihm dennoch nicht. Der Aufzug fuhr hoch und die verschiedenen Zauberer und Hexen stiegen in den jeweiligen Stockwerken aus. Dann kam der zweite Stockwerk: Abteilung für magische Strafverfolgung. Harry hatte fast schon ein Schritt getan, als Mr Weasley ihn zurückhielt.

„Noch nicht," sagte er leise. Das Getuschel wurde noch lauter. Viele, die ausstiegen, sahen noch mal zurück und Harry hätte am liebsten lauthals WAS? gebrüllt. Sie fuhren stattdessen hinauf in den ersten Stock: Zaubereiministeriumszentrale.

„Ah, hier müssen wir raus, Harry," sagte Mr Weasley und schob ihn mit sich aus dem Fahrstuhl. Von den drei Hexen, die sich ebenfalls noch im Aufzug befanden, blieb eine drinnen und fuhr wieder hinab. Die anderen zwei blickten die beiden noch eine Weile lang an, bevor sie tuschelnd weiter gingen und hinter einem Korridor in ein Büro verschwanden.

„Uhm -" machte Harry irritiert, aber Mr Weasley hatte geantwortet noch bevor Harry seine Frage äußern musste.

„Oh, ich muss kurz vorher etwas mit dem Zaubereiminister besprechen. Dauert nicht lang."

Da er jedoch tunlichst den Blickkontakt vermied ahnte Harry, dass mehr dahinter steckte, was er mal wieder nicht mitbekommen soll und irgendetwas sagte ihm, dass es etwas mit dem Brief von gestern Abend zu tun hatte.

„Arthur," sagte die ihm mittlerweile nicht unbekannte Stimme des Zaubereiministers Rufus Scrimgeour.

„Herr Minister," sagte Mr Weasley, wenn auch nicht sehr erfreut.

„Harry," sagte der Zauberer mit eindringlichem Blick.

„Herr Minister," erwiderte auch Harry, ebenfalls nicht sehr erfreut. Gleichzeitig schoss ihm der Gedanke durch den Kopf, ob dies wirklich Scrimgeour war oder ein Betrüger. Ein Todesser, der sich als ihn ausgab. Er hätte kein Unterschied feststellen können, auch wenn er noch so sehr nach einem Anzeichen eines Unterschiedes suchte.

„Nun, Arthur. Folgen sie mir und Harry? Sie können im Büro hier warten."

Arthur nickte Harry zu und folgte dann Scrimgeour in eines der anderen Büros hinein. Harry sah ihnen misstrauisch hinterher, ging dann aber in das Büro neben sich hinein, um zu warten.

Auf dem Tisch bemerkte er den aktuellen Tagespropheten mit einer großen Überschrift Der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf schlägt wieder zu. Antonin Dolohov aus Askaban geflogen! Wer ist heute noch sicher?

Harry verfinsterte grimmig das Gesicht. Dolohov gehörte zu den Todessern, gegen die er im Zaubereiministerium gekämpft hatte. Er setzte sich auf den Stuhl und wartete. Mr Weasley kam selbst eine halbe Stunde später noch nicht wieder zurück und langsam aber sicher verlor er die Geduld. Jede Minute, in der er nichts tat, regte ihn mehr und mehr auf. Es verging fast eine weitere halbe Stunde bevor Harry schließlich aufstand und ungeduldig die Tür aufriss, da stand Mr Weasley genau davor auf dem Gang. Das Gesicht feuerrot als hätte er einen heftigen Streit hinter sich.

„Harry!" sagte er nach einem tiefen Atemzug. „Tut mir leid, dass du warten musst. Lass uns runter gehen."

Mr Weasley führte ihn zurück in den Aufzug hinein.

„Was wollte Scrimgeour von ihnen?"

Der Ausdruck wurde noch ein Stück genervter, wenn nicht gar noch mal eine Nuance dunkler.

„Nicht so wichtig, Harry -" Sie stiegen nicht in seinem Stockwerk aus, sondern fuhren merkwürdigerweise zur Eingangshalle hinab. „Du kannst Molly und mich ruhig duzen. Wir haben das auch schon Hermine angeboten, aber sie verfällt irgendwie gerne zurück in das Sie. Ihr seid volljährig und du gehörst ohnehin zur Familie."

„Uhm, okay... Mr Weasley - Arthur?" fragte er verdutzt, aber der Zauberer hatte ihn zu den Kaminen geschoben.

„Du solltest gehen. Am besten zurück in deine Wohnung, denn -"

Klick! Beide drehten sich überrascht zur Seite, wo ein Mann mit einer Fotokamera stand und das Foto gemacht hatte. Klick! Das nächste.

„Harry Potter!" sagte er. Klick! Klick! Klick! Er schritt heran.

„Sagen sie dem Tagespropheten, was sie hier im Zaubereiministerium gemacht haben? Es gab Gerüchte -"

„Kein Kommentar," entgegnete jedoch Mr Weasley und schob Harry in den Kamin. „Schnell."

Das letzte was er sah bevor er abreiste war Arthur Weasley, der dem Reporter von ihm wegschob und weiterhin Kein Kommentar wiederholte.


Als er bei sich zu Hause aus dem Kamin schritt, erwarteten Ron und Hermine ihn bereits im Wohnzimmer.

„Hey," rief Ron und nickte ihm zu. „Hast Dad helfen können?"

„Nope," sagte Harry und setzte sich mit finsterem Blick zu ihnen dazu. „Er musste zu Scrimgeour. Ich hab in nem Büro auf ihn gewartet und als er endlich raus kam, steckte er mich eilig in den Kamin hier her. Das Gespräch ist wohl nicht gut gelaufen, denn dein Vater sah aus, als ob er Scrimgeour den Kopf abreißen wollte. Als ob das nicht genug wäre, sind wir in der Eingangshalle von nem Reporter des Tagespropheten überrascht worden."

„Oh je," sagte Hermine mit betretener Miene. „Da kommt morgen bestimmt die Schlagzeile von wegen Harry Potter arbeitet mit Zaubereiminister zusammen oder so was. Scrimgeour wollte das doch schon letztes Jahr."

Harry nickte unzufrieden.

„Das hab ich heut früh aus dem Mülleimer gefischt," sagte Ron und reichte Harry den Brief, der gestern Abend für Ron's Eltern angekommen war. Harry machte ihn auf und sah viel Gekritzel von Scrimgeour, was er mehr oder weniger nur überflog. Er hatte Mr Weasley zu sich bestellt und ausdrücklich verlangt, ihn, Harry, mitzubringen. Was ihn mehr aufschlug war ein Satz am Ende des Briefes.

Tu was er sagt, A. White.

Harry zerknüllte den Brief erzürnt und schnaubte auf.

„White," bellte er zornig. „Sie hat ihnen bestimmt gedroht, damit sie ihrer Aufforderung nachkommen."

Hermine und Ron sahen gleich verängstigt aus.

„Das glauben wir auch," sagte Ron.

Auch wenn Harry dies wurmte, so gab es noch etwas wichtigeres. Die Erinnerungen von Dumbledore.

„Bist du mit dem Denkarium weitergekommen?"

„Ja, schon," sagte sie, klang aber alles andere als zuversichtlich und Harry hätte am liebsten sein Gesicht hinter seinen Händen versteckt, so müde war er alles. Stattdessen lehnte er sich auf der Couch zurück (sie war wirklich außergewöhnlich bequem, das bemerkte er immer wieder) und sah sie nicht ganz so enttäuscht an, wie er es eigentlich war.

„Und?"

„Nun, egal wie oft ich es versucht habe, es lief stets auf dasselbe hinaus. Dir fehlt das nötige Wissen. Daraufhin haben Ron und ich die letzte Erinnerung noch mal angesehen -"

„Und noch mal und noch mal und noch mal -," fügte dieser entnervt hinzu und zeigte Harry, wie mühsam und langweilig alles gewesen war.

„Jedenfalls, haben wir einen Verdacht, was an Wissen fehlen könnte," fuhr Hermine fort, nachdem sie Ron einen scharfen Blick zuwarf. „Phowlyris und Black Heart. Das ist es, was Aberfort gemurmelt hat. Ersteres habe ich weitere Bücher herausgesucht, die ich in der Vergangenheit gekauft hatte. Ich glaube mich daran zu erinnern, dass die darin noch erwähnt werden. Das zweite ist schon schwieriger."

Black Heart," wiederholte Harry und sah absolut verdutzt zurück. „Was ist das?"

„Das müssen wir nun heraus finden," sagte Hermine entschlossen.

Die restlichen Tage bis zum 1. September hin verbrachten sie damit die Bücher nach Black Heart zu durchsuchen, alles über Phowlyris zu lesen, was sie finden konnten und hier und da wieder im Fuchsbau aufzutauchen, damit Mrs Weasley für sie kochen konnte. Natürlich dachten sie auch daran Freunde nach beidem zu fragen. Wie sich herausstellte spielte Lupin weiter den toten Werwolf, Mr und Mrs Weasley hatten von beidem noch nie etwas gehört, Bill, Fleur, Charlie, Fred und George, die sie ab und zu beim Essen antrafen, konnten gleichfalls nicht weiterhelfen. Fleur und Bill hatten ihnen lediglich über Phowlyris erzählen können, was sie aber ohnehin vorher selbst aus Büchern entnommen konnten.

Der Gedanke nach Hogwarts zurückzukehren, ganz normal in einem Schulalltag gefangen zu sein, während er eigentlich die Aufgabe beenden sollte, die Dumbledore begonnen hatte, verursachte Harry Bauchschmerzen. Sie waren kein Stück weitergekommen. Alle vier Horkruxe existierten noch irgendwo und er hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wo er nach ihnen suchen sollte. Der einzige Lichtblick an dem Ganzen war, dass Hermine sich sicher war, etwas in Hogwarts über Black Heart herausfinden zu können. Sie glaubte in einem der Bücher in der verbotenen Abteilung mal etwas davon erspäht zu haben als sie eigentlich nach etwas anderem für Harry gesucht hatte.


Der 1. September kam und damit der Tag, an dem sie alle ihre Koffer packten und per Flohpulver nach Hogwarts reisten. Einer nach dem anderen stiegen sie im Kamin im Büro von Professor McGongall heraus. In der Erwartung die Professorin anzutreffen, wunderte es sie alle, dass nicht sie sich in ihrem Büro befand, sondern Filch und ein halbes dutzend breitgebauter Zauberer, die, wie viele vermuteten, Auroren des Zaubereiministeriums waren. Wie eine Mauer stand der Hausmeister vor der kleinen Gruppe mit einem Klemmbrett in der Hand und verzog eine genervte Grimasse. Die Auroren hatten alle vier gemustert und schließlich Zauber ausgeführt, um alle vier nach gefährlichen Gegenständen zu durchsuchen. Abgesehen davon, dass es unangenehm war, konnte man zumindest damit leben, wenn es der Sicherheit der Schüler diente. Auch wenn Harry glaubte, dass die größte Gefahr direkt vor der Nase aller hier frei als Direktorin herum lief.

„Potter, Weasley, Weasley, Granger, in die Große Halle mit euch und Koffer hier lassen."

Die vier wechselten verwirrte Blicke, dann aber schritten sie an ihm vorbei und raus auf den Korridor. Auf dem Weg hinab zur Großen Halle waren sie dennoch dem ein oder anderen Schüler begegnet, so auch Neville, der gerade aus dem Jungenklo heraustrat und nach der Begrüßung mit ihnen hinab ging.

„Ich bin echt erleichtert, dass Hogwarts doch wieder aufmacht," begann er schließlich. „Allerdings sollen wohl viele nicht wieder zurück kommen."

„Das habe ich auch gehört," sagte Luna, die ebenfalls zu ihnen dazu stieß, wenn Harry auch keine Ahnung hatte woher sie eigentlich kam. Plötzlich schritt sie neben ihnen her. „Annähernd die Hälfte der Slytherin Schüler sind von Schrumpfmatzen angefallen worden und deswegen sind nur noch ein paar wenige von ihnen auf der Schule."

Schrumpfmatze?" wiederholte Harry verdutzt, aber Luna nickte nur bestimmend. Hermine und Ginny dagegen zuckten nur mit der Schulter und Ron deutete ihm mit dem Finger am Kopf an, dass das nur mal wieder ne Spinnerei war.

Als sie schließlich in der Großen Halle ankamen, saßen bereits der ein oder andere Lehrer auf seinem Platz, an den vier Tischen befanden sich zwar weniger Schüler, Harry stellte aber fest, dass es mehr waren als er erwartet hätte. Selbst am Tisch der Slytherins saßen nicht wenige. Es waren zwar in der Tat insgesamt weniger Schüler, aber noch immer mehr als die Hälfte des Vorjahres war wieder zurückgekehrt und wenn man bedachte, dass einige aus dem Vorjahr den Abschluss gemacht hatten, war es demnach sogar relativ viele, die wieder zurückgekehrt waren. Zu seinem Unmut gehörten Crabbe und Goyle zu denjenigen, die wieder da waren. Malfoy hatte sich offenbar nicht mehr blicken lassen.

Die Freunde schritten zum Gryffindor Tisch, um sich Plätze zu suchen, wobei sie auch bei den Creevey Brüdern vorbei schritten, welche freudig und aufgeregt sofort Harry anstrahlten.

„Hallo Harry! Wir sind auch wieder hier! Ist das nicht toll?!"

Er lächelte mild, erwiderte jedoch nichts darauf, sondern setzte sich mit seinen Freunden auf einen freien Platz (schön weit von den beiden entfernt). Seit 5 Jahren fühlte er sich nun von ihnen unangenehm verfolgt.

„Diese Show ist mir echt zu viel," brummte Harry finster, denn wie konnten die Schüler hier drin wie immer heiter und fröhlich sein, wenn draußen eindeutig der Krieg tobte?

„Slughorn ist immer noch da," stellte Ron fest und nickte in dessen Richtung als er die Große Halle betrat und sich auf einen der Lehrerstühle hinsetzte.

„Was glaubt ihr, wer dieses Jahr Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste ist?"

„Bei meinem Glück?" erwiderte Harry zu seinem besten Freund. „Voldemort."

Ginny kicherte, aber Hermine gab Harry einen bösen Blick, weil er den Namen frei heraus ausgesprochen hatte, obwohl so viele andere um sie herum waren.

Es dauerte nicht lange, da betrat Professor White die Große Halle und wäre es nur sie, hätte Harry nicht mal aufgesehen, so uninteressant fand er das, aber als Hermine, Ron und Ginny zeitgleich „Harry! Kuck!" riefen, musste er einfach aufsehen. Verdutzt sah er Lupin (jedoch mit dem üblichen schäbigen, zerrissenen und geflickten Umhang) neben Professor White herein schreiten und sich auf einen Stuhl neben all den anderen Lehrern hinsetzen. Professor White dagegen setzte sich nicht auf den Stuhl, auf dem normalerweise Dumbledore saß, und blieb stattdessen stehen. Die Menge verstummte und sah die neue Direktorin neugierig an.

„Das ist also Professor White," hörte Harry eine jüngere Gryffindor Schülerin der Freundin neben ihr zuflüstern. „Sie sieht aus wie 60?"

„Das kann aber nicht sein," erwiderte die Freundin und Harry wurde hellhörig, wenn er es auch vermied sich umzudrehen. „Meine Mum kennt sie aus ihrer Schulzeit. Sie ist keine 40."

„Keine 40? Wieso sieht sie dann so alt aus?"

„Meine Mum sagt, dass es an einem Fluch liegen soll, der sie eigentlich hätte töten sollen, aber sie war stark genug, so dass er sie nur entstellte, statt umzubringen. Deswegen hat meine Mum mich auch wieder herkommen lassen. Sie sagte unter Professor White könnte Hogwarts immer noch sicher sein."

„Ja, mein Dad sagte auch so was. Er hat wohl mit ihr gesprochen und sie haben ausgemacht, dass wenn auch nur die kleinste Gefahr besteht, dass etwas passieren könnte, sie mich sofort wieder zu ihm zurückschicken wird. Letztes Jahr noch wollte er mich sofort aus der Schule nehmen. Dann hätte ich ohne Abschluss da gestanden, aber als er hörte, dass White die neue Direktorin wird und was das Zaubereiministerium alles an Schutzmaßnahmen für die Schule bietet, war er nicht mehr abgeneigt mich wieder herkommen zu lassen."

Es erklang ein lautes Gewitter und erschreckte die Hälfte der Studenten während die andere Hälfte, zu der Harry gehörte, nur merkwürdig eine Grimasse verzog, denn das Gewitter kam von der Decke der Großen Halle über ihnen. White hatte den Zauberstab gehalten und es Donnern lassen.

„Willkommen zurück in Hogwarts," begann sie mit lauter und strenger Stimme, ihr Blick ging durch die Schülerschaft quer durch. „Ich bin Professor White, neue Direktorin von Hogwarts. Bevor die neuen Schüler gleich herein treten, um wie in alter Tradition vom Sprechenden Hut in ihre Häuser eingeteilt zu werden, möchte ich zwei Dinge vorweg nehmen. Die jeweiligen Vertrauensschüler mögen es bitte den neuen Schülern später mitteilen.

Erstens – Sie werden sehr schnell feststellen, dass sich auf dem Gelände sehr viele Personen aufhalten werde, die weder Lehrer sind, noch zur Schülerschaft gehören. Diese Personen dienen zu ihrem Schutz. Es sind Auroren und Angestellte des Ministeriums, die für Ordnung und Sicherheit hier sorgen werden. Sollte etwas unerwartetes passieren, so befolgen sie deren Anweisungen. Der Schulalltag wird wie in jedem Jahr das gleiche Prozedere durchlaufen. Es werden weiterhin Quidditch spiele stattfinden, sie werden weiterhin benotet und Prüfungen ablegen müssen. Es kann jedoch auch passieren, dass etwas abrupt abgebrochen werden muss und in diesem Fall wird jeder, absolut jeder, der nicht den Anweisungen dieser Mitarbeiter folgt, sofort der Schule verwiesen – Sollte er nach dem Geschehen überhaupt noch leben."

Viele zuckten zusammen, leises Gemurmel ging durch die Reihen, Ron und Hermine tauschten verängstigte Blicke. Harry dagegen starrte die Professorin böse an.

„Zweitens – Neben den Lehrern, die sie bereits kennen und diese Tätigkeit auch weiter ausführen, möchte ich einen Lehrer willkommen heißen, der vielen von ihnen bereits bekannt ist, zumal er bereits ein Lehrer hier war. Wie sie sicher gehört haben, fehlt uns nach Verlassen von Professosr Severus Snape ein Lehrer. Professor Remus Lupin war so freundlich in diesem Jahr als Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu agieren."

Wildes Getuschel ging durch die Mengen und obwohl Hermine, Ron, Ginny und der gesamte Gryffindor Tisch erfreut und aufgeregt waren, konnte Harry eindeutig von anderen die Worte Werwolf und gefährlich hören. Es gab ein weiteres heftiges donnern und wieder verstummten alle Schüler. Professor White aber sagte kein weiteres Wort, sondern setzte sich auf einen Platz bei den Lehrern und stattdessen erhob sich Professor McGonagall. Die neuen Erstklässler wurden herein gelassen und den Häusern zugeteilt.

Harry hatte wenig darauf geachtet und mehr Remus und White beobachtet. Sein Freund hatte ab und zu Blicke zu ihr geworfen, aber sie hatte ihn nicht beachtet und hatte stattdessen nur ab und zu Worte mit Professor Slughorn gewechselt. Alle Lehrer sahen ziemlich ernst aus und keiner schien großartig munter zu sein. Nicht mal Professor Flitwick, der sonst eigentlich schon immer die bessere Laune hatte. Professor Trelawney dagegen warf ebenfalls immer wieder Blicke zu White, aber auch sie wurde von der Direktorin gnadenlos ignoriert. Hagrid, übergroß und nicht übersehbar, sah McGonagall und die neuen Erstklässler an und hatte kein Blick zu Harry, Ron und Hermine geworfen. Gerade so, als ob er sich förmlich zwingen müsste, sich nicht zu ihnen zu drehen.

Es waren erheblich Weniger als in den vorherigen Jahren. Das anschließende Essen fand eher verhalten statt, da immer noch viel getuschelt wurde. Grimmig sah Harry zum Slytherin Tisch, wo sich Crabbe und Goyle befanden und ihm ebenfalls einen gehässigen Blick zuwarfen. Er fragte sich, wer das größere Problem war, White oder Malfoy's Gehilfen.

„Das ist unglaublich!" sagte Hermine immer noch begeistert. „Remus ist zurück als Lehrer? Wie hat Professor White das nur geschafft?"

„Wahrscheinlich hat sie ihm gedroht uns alle mit dem Cruciatus Fluch zu foltern, wenn er den Posten nicht nimmt," warf Harry mürrisch ein und biss grimmig von seiner Hühnerkeule ab. Ihm war nicht wirklich nach essen zu mute und obwohl er immer wieder mal einen Blick zum Lehrertisch warf, hatte Lupin seinen Blick nicht erwidert. Er war im Gegenteil in einem Gespräch mit Professor Flitwick vertieft und Professor White sprach nun mit – Harry verengte misstrauisch die Augen – McGonagall. Beide Hexen sahen sehr ernst aus und er fragte sich unweigerlich, ob White nun McGonagall drohte, denn der Blick, den beide trugen, hatte nichts mehr von Freundlichkeit. McGonagall sah sehr aufgebracht und unzufrieden aus.


An diesem Abend hatten Harry, Ron und Hermine sich sofort auf den Weg in die verbotene Abteilung in der Bibliothek aufgemacht. Natürlich unter den Tarnumhang. Auch wenn es Hermine und Harry erlaubt war dort zu sein, selbst um diese Zeit, so wollten sie White nicht unnötig auf sich aufmerksam machen. Hermine hatte das Buch sehr schnell wiedergefunden, von dem sie über Black Heart gelesen hatte und in der Tat gab es einiges an Informationen in dem Buch.

Black Heart ist also etwas von der Magie erschaffenes," wiederholte Hermine für die beiden Jungs, während sie sich immer noch zu dritt in der verbotenen Abteilung im Dunkeln befanden. „Es taucht in unregelmäßigen Abständen in der magischen Welt auf, sobald die Magie in starkem Ungleichgewicht gerät und es sind stets zwei Gegenstücke. Richtig genutzt, bringt es die Magie wieder ins Gleichgewicht. Ist dies nicht der Fall, zerstört es alle Beteiligten, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Außerdem wissen wir nun, dass es alles mögliche sein kann: Steine, Pflanzen, Dinge, aber vor 20 Jahren waren es zum ersten Mal magische Personen. Damit besaßen diejenigen eine sehr starke Magie. Im Buch ist jedoch nicht erwähnt, wer diese Personen waren, und wie dieses Ungleichgewicht nun ausging.

Was aber steht ist, dass einer dieser Personen von der Magie Gryffindor's selber erwählt wurde, um diese zu erben. Damit war dieser Stärker als die anderen Black Hearts und der Magie Slytherins ebenbürtig."

„Vor 20 Jahren?" sagte Harry nachdenklich. „Das Ungleichgewicht? Das muss der Krieg gegen Voldemort gewesen sein."

„Das macht auf jeden Fall Sinn," stimmte Hermine ihm zu. „Das ist bestimmt die Information, die du brauchtest. Dumbledore hat bestimmt auf ein Black Heart angesprochen in seiner Erinnerung. Das Black Heart, dass dir gegen Voldemort helfen soll."

„Und die nächste Erinnerung zeigt wahrscheinlich, wer es ist!" sagte Ron.

„Ich kann jetzt schlecht durch den Kamin zurück nach London reisen," entgegnete er jedoch mürrisch. „Der einzige Kamin ist bei McGonagall im Büro – Es sei denn ..."

„Nein," sagte Hermine jedoch sofort und sah ihn eindringlich an. „Bald ist Wochenende und dann steht es dir und mir frei zu reisen. Remus ist hier und du kannst ihn nun direkt darauf ansprechen."

„Stimmt," sagte Ron und nickte mit dem Kopf.

„Und wir helfen dir," sagte Hermine vielsagend. Harry sah beide an und lächelte kurz. Er ahnte, dass es noch schwer in ihnen wog, dass sie letztes Jahr nicht genug geholfen hatten und dies wiedergutmachen wollten. Er hatte nichts dagegen und konnte es auch nicht verhindern, immer noch angefressen von ihrem damaligen Verhalten zu sein, als es um seinen Verdacht gegen Malfoy und Snape ging.


Nachdem Frühstück am darauffolgenden Tag machten sie sich gemeinsam auf zur ersten Stunde – Verteidigung gegen die dunklen Künste. Lupin saß bereits an seinem Schreibtisch und lächelte als die drei herein schritten und die Tür hinter sich schlossen. Da es in diesem Jahr erheblich weniger Siebtklässler gab, machte es keinen Sinn noch getrennten Unterricht zu geben und so fand annähernd jede Klasse gemeinsam mit allen Schülern aus den anderen Häusern statt.

„Nun, wer sagte das man sich nicht zwei Mal sieht," begann Lupin freundlich, hob seinen Zauberstab und stellte sich vor die Klasse. „Dann fangen wir mal an. Dieses Jahr ist das bedeutendste in eurer gesamten Schulzeit. Wie viele UtZe ihr schafft entscheidet darüber, in welche Richtung eure Karriere nach eurer Schulzeit laufen wird. Im Januar werden eure Hauslehrer mit euch über eure Entwicklung sprechen, so dass euch bis zu den Prüfungen noch alle Wege offen bleiben, falls sich etwas nachvollziehbar verändern sollte. Nun, zur ersten Lektion in diesem Jahr – Phowlyris und wie man diese Wesen bekämpft."

Harry, Hermine und Ron waren augenblicklich aufgeschreckt und während Hermine und Ron ihn entsetzt ansahen, hatte Harry Lupin angestarrt. Der aber gab ein mildes Lächeln von sich und blickte in die Runde.

„Hat jemand eine Ahnung, was Phowlyris sind?"

Jeder andere Student sah konfus aus während Hermine's Hand natürlich als Einziges in die Höhe schellte.

„Hermine."

Und wie erwartet betete sie das runter, was sie vorher in den Büchern gefunden hatten und es war auch hervorsehbar dass Lupin begeistert war.

„Aber -" entgegnete er dann doch noch. „Sie sind nicht ausgestorben. Es ist richtig, dass ihr Volk erheblich geschrumpft ist und das steht auch in den meisten Büchern, aber noch existieren einige und obwohl sie ihre eigene Ebene verlassen haben und sich kaum der magischen Bevölkerung zeigen, wandern sie in der magischen Welt noch umher."

Wieder schellte Hermine's Hand in die Höhe und Lupin deutete ihr zu sprechen.

„Heißt es, es leben außer der ewigen Phowlyris noch andere?"

„In der Tat. Eine Phowlyris, die sich nicht entschieden haben, zu sterben. Es ist nicht sicher, dass sie sich wirklich gegen Hexen und Zauberer sind, aber genauso wenig, dass sie uns freundlich gesinnt sind. In dieser sowie den nächsten Wochen, werdet ihr lernen, euch vor ihnen zu schützen und im besten Fall, euch angemessen zu verteidigen.

Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen einer einfachen Phowlyris und der ewigen Phowlyris."

Hermine's Hand schellte in die Höhe.

„Hermine?"

„Die ewige Phowlyris ist königlichen Blutes."

„Ganz genau," sagte Lupin erfreut. „Als solche besitzt sie außergewöhnliche Kräfte, die eine normale Phowlyris nicht trägt. Das bedeutet aber auch, dass man sich gegen diese viel stärker wappnen muss, um sich verteidigen zu können.

Was diese Kreaturen so gefährlich macht ist, dass sie uns Zauberer und Hexen für sich als Wirte einnehmen können. Normale Phowlyris schaffen das kaum. Sie werden von der Stärke unserer Magie unterdrückt.

Bei der ewigen Phowlyris sieht dies schon anders aus. Ihr königliches Blut gibt ihr die Fähigkeiten, den Wirt zu unterdrücken. Sie macht aus uns – Marionetten. Wenn sie den Körper wieder verlässt, bleibt nichts weiter zurück als eine gebrochene Gestalt, die Jahre brauchen wird, um sich wieder zu erholen und dies auch nur, wenn die ewige Phowlyris die Person nicht zu lange für sich einnimmt. Steht man zu lange unter ihrem Einfluss, zerstört sie alles, was einen ausmacht – Und sie behält für immer die Kontrolle über einen, selbst wenn sie nicht mehr in dem Körper ist."

Das hörte sich nicht gut an und der Gedanke, dass so jemand auf der Seite von Voldemort war, feuerte Harry nur noch mehr dazu an, ihn endlich zu Fall zu bringen.

In der restlichen Stunde gingen sie lediglich näher auf das Volk der Phowlyris ein und erfuhren, dass sie ursprünglich ein friedliches Volk waren und es über Jahrhunderte keinen von ihnen gab, der Menschen zu Marionetten machte und dass ein einfacher Schutzzauber nicht mal ansatzweise die Magie einer starken Phowlyris abblocken konnte.

Nach der Stunde verließen alle Mitschüler das Klassenzimmer, um zum nächsten Unterricht zu gelangen und auch Hermine musste sich sputen, um rechtzeitig anzukommen. Ron dagegen zögerte es wie Harry auch hinaus zu gehen, so dass sie es am Ende tatsächlich schafften mit Lupin alleine im Klassenraum zu sein.

„Das hast du mit Absicht getan, nicht wahr?" sagte Harry sofort, aber Lupin sah ihn überrascht an.

„Absicht? Was denn?"

Phowlyris dran zu nehmen?"

„Nun, ich versteh zwar immer noch nicht, was du genau mit Absicht meinst, aber ich hatte durchaus Hintergedanken euch das beizubringen. Ja."

Ruhig schwang er den Zauberstab, um den Raum für die nächste Stunde bereit zu machen, in der er die Schüler der ersten Klasse empfangen würde.

„Die Phowlyris stehen höchstwahrscheinlich auf der Seite unserer Gegner und es ist wichtig, dass ihr lernt, euch gegen sie zu wappnen. Ihr seid nun in einem Alter, wo ihr durchaus dazu fähig seid. Dies war zu meinen Zeiten noch nicht nötig, zumal die Phowlyris kein offensives Volk waren und sehr friedlich in Koexistenz mit uns lebten. Es gab also kein Grund Schülern beizubringen gegen sie vorzugehen."

Harry und Ron tauschten fragende Blicke aus.

„Warum hast du nicht gesagt, dass du wieder den Lehrerposten hier angenommen hast?" fragte Ron, aber Lupin lächelte sanft.

„Es ergab sich nie die Gelegenheit," antwortete er schlicht und einfach. „Du hast sicher bemerkt, dass ich dir bis heute auf deinen Brief auch noch nicht geantwortet habe, Harry."

Er war zu überrascht, dass sein Freund dies tatsächlich ansprach, als dass er hätte etwas sagen können und Lupin bemerkte dies auch mit einem weiteren sanften Lächeln.

„Ich nehme an, ihr beide habt eine Freistunde – setzt euch."

Alle drei ließen sich auf freie Stühle nieder und Remus wartete einen Moment, um die richtigen Worte zu finden.

„Du hast mir in dem Brief eine Frage gestellt und ich brauchte Zeit, um dir angemessen antworten zu können. Professor White -"

Er zögerte. Für Harry sah es aus als ob er innerlich mit sich rang und er selbst hatte keine Geduld zu warten, bis sich der Freund gefasst hatte.

„Ist sie gefährlich für mich?"

Lupin zögerte erneut, dann nickte er müde.

„Ja, Harry. Das ist sie. Und um auf deine Frage aus deinem Brief zu antworten – Ja, ich kenne sie. Oder besser, kannte sie. Es ist jedoch sehr lange her, weshalb ich hierbei keine neuen Informationen dazu geben kann. Ich möchte jedoch, dass du vorsichtig bleibst."

„Du meinst, weil sie ein Todesser ist?"

Lupin schien für einen Moment erschrocken zu sein, dann aber atmete er bedrückt aus. Der Orden wusste also tatsächlich bereits Bescheid.

„Sei einfach vorsichtig. Wir tun alles, um dir den Rücken frei zu halten."

Harry nickte mit schwerem Herzen.

„Dann zu einer Frage, die du in deinem letzten Brief gestellt hast. Deine Familie. Dein Vater hatte eine ältere Schwester. Ich nehme an, dass sie auf einem der Fotos zu erkennen ist, die du in deinem Besitz hast. Hagrid hatte mich damals aufgesucht und darum ersucht und ich gab ihm Bilder von denen ich mir sicher bin, dass auch sie mit drauf war.

Ihr Name war Patricia, wir nannten sie aber alle nur Tricia, außer -" Er hatte gelacht und brach aber abrupt ab. Irgendwas machte ihn sichtlich traurig. Lupin riss sich zusammen. „Wir nannten sie alle nur Tricia. Sie war 3 Jahre älter als dein Vater und eine sehr talentierte, warmherzige Hexe. Aurorin. Sie verstarb jedoch bei einer Konfrontation mit Voldemort noch bevor wir Hogwarts beendeten.

Das Mädchen von dem du sprichst ist natürlich nicht Tricia. So gerne ich dir jedoch alles erzählen möchte, kann ich dies bedauerlicherweise nicht."

„Warum?" stürzte es aufgebracht aus ihm heraus. „Ich mein, dieses Licht sollte sie eindeutig verstecken. Sie ist auf keinem einzigen anderen Foto drauf, dass ich von meinen Eltern habe. Aber es ist offensichtlich, dass sie ihnen wichtig war, denn sie hatte sogar ihr eigenes Zimmer im Haus."

Nichts.

„War sie meine Schwester? Hat Voldemort sie auch schon getötet? Oder - Ist sie meine Schwester?"

Lupin aber schwieg darüber und blieb ruhig.

„Es gibt Dinge im Leben deiner Eltern, die vielen verschlossen blieben. Ich hatte das Privileg zu den Wenigen zu gehören, die eingeweiht wurden und teil haben konnten. Du weißt sicherlich noch, was vor 4 Jahren geschehen ist.

Ich habe sehr lange gebraucht, um mir selbst zu vergeben, einen meiner besten Freunde misstraut zu haben und zwei andere, deine Eltern, daher nicht vor ihrer Ermordung bewahrt haben zu können.

Dir jetzt etwas zu erzählen, würde erneut bedeuten Vertrauen zu missbrauchen. Zur gegebenen Zeit wirst du die Wahrheit erfahren, da bin ich mir sicher. Mir aber steht es nicht zu, dir diese zu erzählen. Ich hoffe du verstehst das."

Er wollte eigentlich nein sagen, aber angesichts des Vergleichs mit seinen Eltern und Sirius brachte es Harry nicht über sich. Stattdessen nickte er und verließ mit Ron das Klassenzimmer.


Sie warteten bis sie zurück im Jungenschlafsaal waren. Neville, Seamus und Dean waren in der Bibliothek und das Zimmer leer genug für beide, um sich zu unterhalten.

„Was denkst du?" fragte Ron und sah fast ein wenig verängstigt aus.

„Dass Remus uns etwas verschweigt," sagte Harry nach einer Weile und sah mürrisch zurück. „Und ich glaub, das hat mit White zu tun. Ich wette, sie hat ihm auch gedroht."

Aufgebracht schmiss er das erstbeste was er in die Hand bekam (was sein Zaubertrankbuch war) in die Ecke.

„Beruhig dich, Mann," sagte Ron, hatte sich aber nicht vom Fleck gerührt.

„Mich beruhigen?" wiederholte Harry und klang fast ein wenig wahnsinnig.

„Dumbledore ist seit 2 Monaten tot. Ich hätte schon längst einen weiteren Horkrux finden und zerstören müssen. Aber ich weiß weder wo die doofe Tasse und das verdammte Medaillon sind, noch weiß ich wie ich an Voldemort's Schlange herankommen soll oder was der vierte Horkrux ist. Stattdessen sitze ich hier fest, direkt unter der Nase von Voldemort's Leuten! White gehört zu ihm! Sie trägt das dunkle Mal.

Und als ob es nicht schon genug wäre, dass ich nicht weiterkomme, schmeißen sich mehr Steine in meinen Weg! Etwas stimmte nicht bei meinen Eltern und ich bin mir sicher, dass ich das wissen sollte, aber ich weiß nicht, wie ich an die Wahrheit kommen soll.

Und diese Erinnerungen von Dumbledore werfen auch mehr Fragen auf, als dass sie helfen!"

Das ganze machte ihn wahnsinnig, aber er wusste, es war nicht die Zeit das an Ron auszulassen. Stattdessen packte er das Zaubertrankbuch und legte es zurück auf den Tisch.

„Sorry," sagte er kurz, aber Ron schüttelte nur den Kopf.

„Schon okay. Du bist sauer. Das wär ich auch."

„Aber du bist es nicht," stellte Harry leise fest.

„Ich bin auch nicht -" Er senkte seine Stimme und sah den Freund ganz bedeutungsvoll an. „DER AUSERWÄHLTE."

Beide prusteten gleichzeitig los und Harry schmiss Ron sein Kissen ins Gesicht.

„Depp."

Ron lachte immer noch, legte das Kissen aber zurück auf Harry's Bett, da fiel ihm die Karte der Rumtreiber auf, die offen auf seinem Bett lag und noch etwas seltsames erkannte er auf der Karte.

„Harry, sieh mal."

„Was ist?" fragte er und sprang herüber. Er verstand sofort, was das Interesse des Freundes geweckt hatte. Auf der Karte sah man eindeutig die Namen Remus Lupin und Anna White gemeinsam auf einem Korridor im Gryffindorturm und es war nicht weit von ihnen entfernt. Es reichte ein Blick und beide nahmen die Karte, schwangen sich den Tarnumhang über und machten sich auf den Weg, um die beiden zu belauschen. Da sich beide Lehrer ohnehin im Gryffindor Turm befanden, mussten die beiden nicht lange laufen und da sie auch wussten, dass Remus Kenntnis von dem Tarnumhang hatte, blieben sie ein wenig auf Abstand und versteckten sich hinter einem Korridor. Um dennoch genug vom Gespräch mitzubekommen, bedienten sie sich der Langziehohren.

„Das versteh ich auch," hörten sie Lupin's sehr ernste Stimme. „Ich verstehe nur nicht, warum es ausgerechnet auf diese Weise sein muss. Harry ist ein guter Junge. Er kann sehr gut zuhören und lernt auch sehr schnell. Es gibt keinen Grund ihn -"

„Das ist nicht deine Entscheidung, Remus," fuhr ihm White jedoch schroff ins Wort. „Was ich im Bezug auf den Jungen tue ist allein meine Entscheidung und ich erwarte von dir, dich da herauszuhalten. Du weißt genau, was passiert, wenn nicht. Ich habe nichts weiter dazu zu sagen. Fordere mich nicht heraus, Remus."

Damit wandte sie sich von ihm ab und entfernte sich aus dem Korridor. Dabei ging dabei direkt an Harry und Ron vorbei. Ron hatte vor Panik schon zu zittern begonnen, aber White schien sie nicht zu bemerken. Stattdessen sah Harry das selbstgefällige Lächeln in ihrem Gesicht und verengte missmutig die Augen. Am liebsten hätte er den Umhang herabgeschmissen und laut HA! gerufen, nur damit sie sich erschreckte. Dass das kindisch war, bemerkte er nur eine Sekunde später und sah ihr böse hinterher als sie hinter der Ecke verschwand. Auch Lupin's Schritte waren verstummt als er zur anderen Seite verschwand. Harry und Ron sahen sich misstrauisch an.

„Jetzt bin ich mir ganz sicher," sagte Harry verärgert. „White hat Remus gedroht und nur deswegen kann er mir nichts erzählen."

Wie es ihn doch aufstieß, dass sie so mit Menschen umsprang, die ihm etwas bedeuteten. Das ganze wäre nie geschehen, wenn Dumbledore noch leben würde.


Sie trafen Hermine in Zaubertränke wieder wo Slughorn ihnen aufgab bis Ende des Monats selbständig den Trank des Phönix zu brauen und schrieb dazu das Rezept an die Tafel. Er verriet ihnen, dass es viele Rezepte gäbe, aber nicht jedes führe auch zum gewünschten Ziel, manches hätte sogar den gegenteiligen Effekt und würde nach der Einnahme die Wunden gar vergrößern. Der Trank des Phönix heilt sehr starke Wunden, wenn er denn richtig gebraut wird.

So saßen sie in kleinen 2er oder 3er Gruppen zusammen und machten sich ans brauen. Nachdem Harry wieder mit einem Zauber sicher gegangen war, dass ihnen keiner zuhören konnte, erzählten er und Ron Hermine von dem belauschten Gespräch zwischen White und Lupin und was Letzterer nach Verteidigung gegen die Dunklen Künste ihnen noch erzählt hatte.

Hermine schien nicht ganz dasselbe wie Harry und Ron zu denken und ersterer war wieder drauf und dran auszuflippen, doch Hermine fuhr fort, bevor er überhaupt dazu ansetzen konnte, sein Unverständnis auszudrücken.

„Hör mir erst mal zu, ja? In Alte Runen haben wir Aufzeichnungen übersetzt und ich war wie immer schon sehr früh fertig. Ich hab versucht noch mehr über Black Heart herauszufinden, aber ohne Erfolg. Stattdessen bin ich auf etwas anderes gestoßen. Weil ich bereits früher fertig war hat Professor Babbling mir ein Buch gegeben. Der Text darin ist ebenfalls auf Alte Runen und sie überließ es mir das freiwillig mal durchzusehen, weil wir das sonst auch nicht noch im Unterricht dran genommen hätten und es auch nicht Stoff der Utz Prüfung sein wird - "

„Komm zum Punkt, Hermine," sagte Ron augenrollend.

„Jedenfalls, sollte ich das in der Bibliothek tun und bin dann auch dahin gegangen. Da bin ich an Moody und Kingsley Shacklebolt vorbeigegangen, die sich hier auf dem Gelände aufhielten."

„Moody und Kingsley?"

„Sind wahrscheinlich die Leute für den Schutz, die Professor White erwähnt hatte," fuhr sie jedoch ohne Umschweife fort. „Was entscheidender ist – Ich hab die Klasse früher verlassen und bin an ihnen vorbeigegangen. Sie hatten mich nicht sofort gesehen und verstummten zu spät. Ich bin mir ganz sicher, dass Moody wortwörtlich gesagt hat White stammt von Dumbledore ab,"

„Wie jetzt?" warf Ron verdutzt ein und ging wie auch Harry und Hermine noch mal sicher, dass Slughorn nicht in ihrer Nähe war.

„Professor White stammt von Dumbledore ab," wiederholte Hermine bedeutungsvoll. „Sie muss seine Tochter oder so was sein."

„Dumbledore hatte Kinder?" fragte Ron ungläubig. „Aber keiner hat je etwas davon gesagt. Nicht mal er selbst."

„Wenn White seine Tochter ist, dann erklärt es, warum er nichts gesagt hat," murmelte Harry finster. „Seine eigene Tochter gehört zu Voldemort?"

„Vielleicht gehört sie ja gar nicht zu Voldemort?"

„Hermine," zischte er nun verärgert. „Ich hab das dunkle Mal an ihrem Arm gesehen! Und das war keine Einbildung und ich bezweifle stark, dass man sich das einfach so hinzaubern kann. Remus hat bestätigt, dass sie gefährlich für mich ist! Sie drohte Ron's Eltern! Sie drohte Remus! Sie drohte mir!"

„Aber sie ist ein Nachfahre von Dumbledore!" wiederholte sie nachdrücklich. „Vielleicht gibt es dafür Gründe."

„Crouch senior war auch gegen Voldemort," sagte Harry genauso nachdrücklich wie sie. „Und sein Sohn war trotzdem ein Todesser."

Das hatte ihr offenbar die Luft rausgenommen, denn sie sah äußerst unzufrieden aus.

„Ich denke trotzdem, dass da mehr dahinter steckt," sagte sie entschlossen, wandte sich dann aber wieder dem Trank zu, da auch Slughorn auf sie zukam. Alle drei verblieben in der gedrückten Stille bis zum Schluss der Stunde und sprachen nur miteinander, wenn es um den Trank ging.


Harry war sich sicher, dass er recht mit White hatte, so wie er auch recht mit Snape und Malfoy letztes Jahr hatte. Dass Hermine sich immer noch dagegen sträubte wurmte ihn so sehr, dass er ihr für den Rest des Tages so gut es möglich war aus dem Weg ging. Es tat gut sich mit Ginny auf die Ländereien zu verziehen, wo sie weit abgelegen von allen anderen sein konnten. Stattdessen unterhielten sie sich über Quidditch und dass Harry ganz froh war nicht noch mal eine Mannschaft zusammenstellen zu müssen. Katie Bell war letztes Jahr aufgrund ihres langen Ausfalls durch ihre Utz Prüfungen gefallen und musste das Jahr wiederholen und jeder aus seiner Quidditchmannschaft kam glücklicherweise auch dieses Jahr wieder zurück nach Hogwarts, weswegen Harry die Mannschaft so ließ wie sie war und sich keine neuen Mitglieder suchen musste.

Mit Ginny war alles leichter und unkompliziert. Manchmal erschreckte es ihn sogar, weil er bemerkte, dass selbst der Kampf gegen Voldemort in den Hintergrund rückte und er sich in dem Moment mit ihr verlor. Er freute sich eigentlich sogar auf die Quidditchspiele in diesem Jahr und hoffte, dass er an allen drei teilnehmen konnte und nicht wie im Jahr zuvor die Hälfte der Zeit durch Abwesenheit glänzte.

Gegen Abend gingen sie schließlich gemeinsam zum Essen in die Große Halle, wo auch schon Hermine und Ron auf sie warteten. Kaum hatte er sich gesetzt, schob Hermine ihm ein Zettel rüber.

„Was ist das?" fragte Harry verwirrt, aber Hermine sah ihn etwas niedergeschlagen an.

„Lies."

Er faltete es auseinander und sah, dass es ein Dokument war. Es listete die Sieger und Teilnehmer der jeweiligen Mannschaften des Quidditch Pokals über die Jahre auf und bei 1978 las er:

Sieger Gryffindor: Kapitän: James Potter, Spieler: Sirius Black, weitere Namen, die er nicht kannte und dann Anna White. Er legte es beiseite und sah Hermine tief verärgert an.

„Sie kannte mein Vater?"

Ron und Ginny waren gleichermaßen überrascht und überflogen das Dokument gleichfalls während Hermine sich Harry näherte, damit die anderen ihnen nicht unnötig zuhörten.

„Das ist kein Zufall mehr," sagte sie ernst. „Deswegen hat Remus sie wahrscheinlich gedutzt. Sie war auch in Gryffindor."

„Toll," grummelte Harry finster, aber Hermine sah ihn verständnislos an.

„Das ist doch etwas Gutes," sagte sie leise. „Ich mein, ich glaub nicht, dass dein Vater sie im Team gehabt hätte, wenn er sie nicht gemocht hätte? Er war schließlich Kapitän und sie war in Gryffindor, nicht in Slytherin."

Harry grummelte noch ein Stück verstimmter.

„Hermine," sagte er schließlich mit wütender Miene. „Peter Pettigrew war ebenfalls ein Freund meines Vaters und in Gryffindor – und er hat sie verraten!"

Das fiel der Hexe auch erst jetzt wieder ein und sie verstand die Auslegung der Neuigkeit ins negative. Sie hatte es fast vergessen, dass Harry's Eltern nur deswegen starben, weil einer ihrer besten Freunde sie verraten hatte. Mit entschuldigendem Blick schluckte sie hart.

„Tut mir leid," sagte sie vorsichtig. Harry aber erwiderte nichts darauf. Stattdessen blickte er finster zum Lehrertisch, wo zwar viele Lehrer saßen und aßen, White war jedoch nicht unter ihnen. Allein Lupin unterhielt sich angeregt mit McGonagall. Harry verengte aufgebracht die Augen.

Pettigrew, White. Er hatte Pettigrew damals gehen lassen und deswegen konnte Voldemort wieder zurückkehren und Sirius war tot. Er würde denselben Fehler nicht mit White machen. Was immer sie vorhatte. Er war nun mehr denn je entschlossen sich zu wehren und sie aufzuhalten.