Chapter 4 – One step at a time
Harry war heilfroh nachdem das Wochenende kam und die erste Woche endlich vorüber war. Er konnte sich mit all den Ereignissen nicht auf den Unterricht konzentrieren und hatte weder Lupin zugehört, noch Slughorn und schon gar nicht McGonagall. Ein Glück fiel das nicht auf, denn Hermine war so begeistert bei der Sache, dass es trotz der erheblichen verringerten Anzahl an Schülern seine Teilnahmslosigkeit verdeckte. Ihm ging ständig im Kopf herum, wozu er sich überhaupt die Mühe hier machen sollte, wenn er seinen Abschluss ohnehin nicht mehr erlebte. Keiner kann leben während der andere überlebt. Das waren die Worte, die ihm stets im Kopf herumspukten.
„Du solltest dich wirklich zusammenreißen," sagte Hermine am Freitag Nachmittag beim Essen. Ron saß still daneben und versuchte möglichst nicht Partei zu ergreifen. „Wenn du den Anschluss verlierst, wirst du in den Utz Prüfungen noch durchfallen."
„Die Utz Prüfungen sind mir egal, wenn ich bis dahin nicht mehr am Leben bin," blaffte er jedoch zurück und stopfte sich griesgrämig das Stück Fleisch in den Mund.
„Wenn du allerdings bis dahin noch lebst," kam es plötzlich von einer bekannten Stimme ganz in ihrer Nähe und als sich alle zur Seite wandten, hatten sich Brian und Jimá zu ihnen dazu gesetzt.
„Und deine Freunde bestehen ihre Utz Prüfungen, wärs dann nicht besser, wenn du sie auch bestehst?" beendete Jimá ihren Satz. Dann aber lächelte sie alle drei an, die zwar zuerst überrascht, dann aber erfreut waren.
„Ich stell mir das jedenfalls unschön und etwas einsam vor. Es sei denn natürlich, Harry will sein Abschlussjahr mit Ginny zusammen machen? Allerdings hab ich da ein Vögelchen klingeln hören, dass das ebenfalls umsonst sein könnte."
„Hey, was macht ihr denn hier?" fragte Ron freudig und strahlte vor allen Dingen Jimá an.
„Also offiziell haben wir Besucherpässe -" Brian deutete auf den Aufkleber an seiner Brust mit der Aufschrift: Besucher – Weasley. Jimá trug ein ähnlichen, nur das bei ihr der Name Granger stand.
„Besucherpässe?" fragten alle drei gleichzeitig.
„Ist ne neue Regel. Jeder Besucher muss angekündigt werden und nach etlichen Überprüfungen, ob derjenige auch wirklich der ist, der er behauptet zu sein, kann dann auch herein kommen."
„Was sind das für Überprüfungen?" fragte Hermine, aber Brian grinste breit.
„Keine angenehmen. Wenn ich die Überprüfungen hätte machen müssen, wär ich jetzt bestimmt nicht hier."
Jimá gab ihm dafür einen dämlichen Blick, aber er grinste noch breiter.
„Hey, meine Brustwarzen gehen keinem etwas an, außer mir selbst!" protestierte er ernst und Ron weitete die Augen. Jimá boxte Brian dafür mit der Faust gegen die Schulter und wandte sich wieder dem Trio zu.
„Wir haben einen Sonderstatus bekommen, wegen dem Orden," erklärte sie ihnen. „Also mussten wir die Überprüfung nicht machen."
„Sonderstatus wegen dem Orden?" wiederholte Harry kritisch. „Dann weiß White von dem Orden des Phönix?"
„Natürlich," lachte Brian als läge die Frage auf der Hand und dann - „OWWW!"
Die drei sahen beide verwirrt an, aber nachdem Brian sich an das Bein griff, wurde auch ihnen klar, dass Jimá ihm unter den Tisch mit dem Fuß getreten haben musste. Harry's Blick wurde nun misstrauisch und richtete sich an Jimá. Diese aber lächelte sanft.
„Was macht ihr dann inoffiziell hier?"
„Erstens – Um Ginny zu sagen, dass ihr Antrag durchgegangen ist."
„Antrag?" fragten Ron, Hermine und Harry gleichzeitig. Jimá sah die Freundin überrascht an..
„Du hast ihnen nichts erzählt?"
„Ich hätte nicht gedacht, dass das tatsächlich durchgeht..." sagte Ginny und war noch immer total verblüfft. Brian gluckste vergnügt.
„Was erzählt?" fragte Harry neugierig.
„Ginny hat einen Antrag beim Zaubereiministerium eingereicht und bittet um Überspringen einer Klasse."
„Du hast was getan?" fragte Ron verdutzt und auch Hermine und Harry waren nicht weniger überrascht.
„So was geht?" fragte Harry perplex.
„Wenn man sehr gute Leistungen bringt, so wie in Ginny's Fall, dann ja," sagte Jimá.
„Gute Leistungen reichen aus? Warum hast du das dann nicht gemacht?" fragte Ron und sah Hermine von der Seite an, welche bereits finster zurück sah, aber es war Brian, der antwortete.
„Eine Klasse zu überspringen hat nichts damit zu tun, dass man besonders klug oder fleißig ist. Manche tun's, manche nicht. Ginny wird schon ihre Gründe haben, es zu tun und Hermine wird ihre Gründe gehabt haben, es nicht zu tun. Gratuliere, Ginny."
Er zwinkerte und schüttelte ihr die Hand. Sie lief rot an, lächelte Harry jedoch schüchtern an, so als ob sie von ihm wissen wollte, was er davon hielt. Er lächelte zurück und daraufhin fiel ihr sichtlich ein Stein vom Herzen.
„Du arbeitest jetzt also im Zaubereiministerium?" fragte Hermine an Jimá gewandt, welche nickte.
„Ich hab vorher im Zaubereiministerium in Frankreich gearbeitet und um Versetzung hier her gebeten. Das wurde bewilligt, also werde ich auch etwas länger hier bleiben. Hey, ich hab noch eine gute Nachricht – Aus erster Hand. Es wird weder im Tagespropheten, noch im Abendpropheten stehen, denn das Zaubereiministerium will natürlich kein großes Aufsehen daraus machen. Stan Shunpike und Mundugus Fletcher wurden heute entlassen."
„Was echt?" schoss es überrascht aus Ron heraus, während Hermine und Harry zwar nichts sagten, ihre Gesichter aber dasselbe aussagten. Brian und Jimá nickten noch mal zur Bestätigung. Harry wusste nicht, was er davon halten sollte. Das ganze letzte Jahr hatten er und Dumbledore versucht Scrimgeour dazu zu bewegen das zu tun und er blieb stets stur. Andererseits hatte er sich auch das ganze letzte Jahr über geweigert im Ministerium aufzutauchen, um den Anschein zu erwecken, er würde mit dem Ministerium zusammenarbeiten und war im letzten Monat widerwillig dort aufgetaucht. Natürlich titulierten die nächsten Tage stets mit denselben Bildern aber unterschiedlichen Überschriften Schlagzeilen, dass Harry Potter mit dem Zaubereiministerium arbeite. Das sprach wiederum gegen Scrimgeour als ein Todesser, denn würde ein solcher so etwas wirklich veranlassen?
Auch wenn ihm dies durchaus freute, dass Stan Shunpike wieder frei war, so hatte er nicht vergessen, dass diese Nachricht nur als Ablenkung vom eigentlichen Thema diente.
„Was geht im Orden gerade vor sich?" fragte er direkt heraus. Jimá und Brian stoppten mitten beim Essen und halb mit Löffel im Mund. Sie tauschten tiefe Blicke und es brauchte kein Hellseher, um zu wissen, dass sie einiges verbargen.
„Leute," sagte Harry jedoch eindringlich. „Wir sind nun alle 17!"
„Hestia Jones wird vermisst," sagte sie schließlich sehr leise und bedrückt. Harry wurde es augenblicklich schwer ums Herz. Er kannte die Hexe, wenn auch nicht sehr gut, hatte sich aber mit ihr unterhalten als sie ihn mit Lupin und den anderen vor 2 Jahren von den Dursleys abholte und zum Grimmauldplatz 12 begleitete.
„Sie war in sehr wichtiger Mission unterwegs und – wir hoffen im Moment, dass sie nicht gefangen wurde, sondern einfach nur kein Kontakt aufnehmen kann. Wie auch immer -" Die junge Hexe versuchte die Sorgen zu verbannen und stattdessen alle etwas zuversichtlicher anzusehen. „Harry?"
Angesprochener blickte aufmerksam auf. „Es ist Wochenende."
„Jah?" sagte er irritiert, aber Brian und Jimá sahen einander vielsagend an.
„Uns wurde aufgetragen dir auf Schritt und Tritt zu folgen an diesem Wochenende und sicherzugehen, dass du heil am Sonntag Abend wieder in der Schule zurück kommst."
„Aufgetragen? Von wem?"
„Orden," antwortete Jimá. „Als bitte, mach uns unseren Job nicht noch schwieriger."
Babysitter wollte er eigentlich als Letztes haben, aber nachdem Brian erklärte, dass dadurch auch Ron erlaubt war, Hogwarts zu verlassen, stimmte Harry das wieder milder und er war irgendwie okay mit seinen zwei Begleitern.
Da, wo sie ihn hin begleiteten, hatten Jimá und Brian als letztes erwartet. Nachdem Harry aber sagte, dass er noch mal versuchen möchte, die Erinnerungen anzusehen und das Denkarium schließlich in seiner Wohnung war beschlossen Jimá und Brian die beiden alleine zu lassen und stattdessen draußen Wache zu schieben.
„Passwort ist Schrumpfmatz, wenn alles okay ist und Fang sonst. Haut ab, falls das der Fall ist," sagte Brian und zwinkerte ihnen zu.
„Fang?" wiederholte Ron verdutzt, aber Brian gluckste und verließ mit Jimá die Wohnung.
„Das ist typisch Brian," sagte er und wandte sich zurück an die beiden anderen. Hermine lächelte.
„Kennst du die ihn eigentlich länger?" fragte Harry auf einmal, denn ihm kam das so vor als ob sie sich mehr wie zwei Brüder verhielten, statt wie gerade erst kennengelernte Freunde. Ron nickte.
„Klar. Er ist Bill's bester Freund. Ist zwar gut 8 Jahre jünger aber so was wie ein Wunderkind. Eingeschult mit 8, übersprang die 3. Klasse und die 6. Klasse und hat mit 13 den Abschluss gemacht. Aber er ist eben auch ein Hypergenie."
„Mit 13?!" kam es verblüfft aus Hermine, die nun sehr große Augen machte.
„Yap. Hat Hogwarts abgeschlossen im Jahr bevor wir begonnen haben. Charlie machte noch Witze, dass wenn Brian so weitermacht, er ihn noch überholen würde. Percy ist glaub ich nie darüber hinweg gekommen, dass er von Brian überholt wurde. Dass Ginny auch so ein Antrag eingereicht hat, ist schon überraschend für mich. Brian war ein Wunderkind und hatte nie eine andere Note als ein Ohnesgleichen. Aber Ginny?"
„Ganz doof ist deine Schwester nun auch nicht," warf Hermine jedoch amüsiert von der Seite ein und Ron zuckte die Schultern, bevor er weiter erzählte.
„Danach ging Brian auf die Xerchia Akademie für höhere Zauberei für 4 Jahre und hätte danach als Heiler arbeiten können, aber stattdessen begann er bei der Gringotts Bank, um mit Bill als Fluchbrecher zu arbeiten. Er besuchte uns aber sehr oft bevor ich nach Hogwarts kam."
„Er hat eine höhere Ausbildung an der berühmten Xerchia Akademie und wird einfacher Fluchbrecher bei Gringotts?" warf Hermine empört ein, aber Ron zuckte erneut nur mit der Schulter.
„Als wir vor 3 Jahren bei ihnen in Ägypten waren hab ich ihn darauf angesprochen, aber er machte glaub ich nur Scherze. Glaub jedenfalls nicht, dass er es wirklich nur wegen dem Sonnenschein drüben tut."
„Also ist er gut?" fragte Harry, aber sein Freund sah ihn verstört an.
„Gut gut oder Gut gut?" fragte Ron noch mal nach. Harry sah ihn dämlich an. Der Freund zuckte mit dem Mundwinkel und als auch Hermine ihn schräg ansah verstand er, dass die Betonung wohl nicht angekommen war.
„Also, Bill und Charlie würden für ihn ihre Hand ins Feuer legen und ich glaub, ich würds auch. Brian war schon immer gut zu mir. Er ist ein komischer Vogel, aber – Ich komm gut mit ihm klar."
„Du fragst das wegen Professor White, nicht wahr?" sagte Hermine leise. Harry sah beide ernst an.
„Pettigrew, White. Wenn mein Dad beiden vertraut hat und beide gehörten zu Voldemort. Dann ist es irgendwo kein Wunder, dass es ihn am Ende das Leben gekostet hat."
Hermine und Ron tauschten verzweifelte Blicke. Sie wussten, wie das an dem Freund nagte und Hermine wünschte sich nun, sie hätte die Aufzeichnung nicht gefunden.
„Okay, lasst es uns mit der Erinnerung versuchen," sagte Harry und ging vor Richtung Schlafzimmer, wo das Denkarium nach wie vor unberührt stand. Er gab die erste Erinnerung hinein und beugte sich wie auch Hermine und Ron hinein.
Sie hatten Glück und offenbar waren sie mit dem Wissen, dass sie jetzt besaßen, bereit für die nächste Erinnerung. Sie befanden sich in Hogwarts in Dumbledore's Büro. Fawkes saß friedlich auf seiner Stange und beobachtete den Gast, der vor Dumbledore auf einem Stuhl saß. Die drei selber betrachteten den Besucher verwirrt bis Hermine sich die Frau genauer ansah.
„Das ist – Das ist eine Phowlyris," sagte sie entsetzt. Die Jungs tauschten einen überraschten Blick aus, als Hermine ein schockierten Aufschrei von sich gab und sich beide nun besorgt der Freundin zuwandten. „Das ist... Das ist die Königin der Phowlyris."
„Die was?" stieß Ron verdutzt aus. „Hey, Moment. Hat Remus nicht gesagt, die ist tot?"
„Ja, hat er," bestätigte Harry finster und versuchte aus Dumbledore's Gesichtsausdruck eine Stimmung herauszulesen, was dieser jedoch nicht zuließ. Er saß ausdruckslos und höflich dar, die gesunden Hände lagen auf seinem Schoß. Dieses Gespräch musste also länger her gewesen sein.
„Vielen Dank, eure Majestät, dass sie sich die Zeit für dieses Treffen genommen haben," begann Dumbledore. Die Königin nickte kurz.
„Unter Freunden ist dies stets für mich selbstverständlich," erwiderte sie mit einer Stimme, die für Harry irgendwie nichts an einen Freund erinnerte. Es war gefühllos und herablassend. Ein wenig wie sich White benimmt. Dumbledore aber schien davon keine Notiz zu nehmen, denn sein Ausdruck blieb freundlich.
„Sie haben bereits in ihrer Anfrage angedeutet, was ihnen Kopfzerbrechen bereitet," fuhr die Phowlyris fort. „Ich irre mich selten, daher nehme ich an, sie sind sich ihrer Sicherheit bezüglich der Black Hearts nicht mehr sicher."
„Das ist nicht der Fall," entgegnete Dumbledore jedoch entschlossen.
„Nicht?" sagte die Phowlyris. Es war nicht zu überhören, dass eine Spur Arroganz mitschwang.
„Eure Majestät," fuhr er stattdessen höflich fort. „Alle Beteiligten wissen, wie unvorhersehbar unbedachte Handlungen auf alle Black Hearts haben können."
Sie erhob augenblicklich ihre Hand und Dumbledore hielt sofort inne. Einen Moment herrschte eisernen Schweigen, bis sie das Wort ergriff.
„Sie kam auf mich zu," sagte sein Gegenüber herablassend. „Dies dürfte kaum als Einmischung zählen, Direktor."
„Die Folgen dürften es aber durchaus."
Die Phowlyris sah nun äußerst unzufrieden aus, als ob diese eine Bemerkung eine tiefe Beleidigung war. Harry fand das Gespräch irgendwie komisch, denn beide saßen zwar höflich und gerade einander gegenüber, verzogen jedoch kaum großartig Mienen. Die Unzufriedenheit bei der Phowlyris war das erste Anzeichen von Regung gewesen.
„Die Verbindung, die sie mit dem Black Heart teilen, wird anderen nicht unbemerkt bleiben, so wie auch ich sie sehr schnell wahrgenommen habe. Dies ist nicht ungefährlich für Sie und für das Black Heart."
„Ich verstehe," sagte sie und auch ihr Ausdruck hatte sich wieder verändert. Die Unzufriedenheit war verschwunden. „Sie machen sich Sorgen um sie."
Nach wie vor rührte sich keiner von beiden vom Fleck. Harry fragte sich für einen Moment, wie das bitte möglich war, wenn er selbst, Hermine und Ron kaum eine Minute in derselben Position verharren konnten, ohne sich zumindest ein Stückchen zu bewegen.
„Tatenlos mitanzusehen wie das Schicksal seinen Lauf nimmt fällt wohl niemanden sehr leicht, Direktor. Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass ich auch zutiefst erschrocken über die Taten meiner eigenen Tochter war. Die Black Hearts sind alle mit außergewöhnlicher Stärke gesegnet. Ich will nur das, was jedes Elternteil für seine Nachkommen möchte."
„So sehe ich das auch. Daher verstehen sie sicherlich mein eigenes Anliegen."
„Ein Apfel fällt nicht weit vom Baum, so heißt es doch unter ihren Leuten, nicht wahr? In ihrem eigenen Fall aber sah man aber den Widerspruch. Es gibt kein Zweifel an ihnen selbst, Direktor. Aber ihr Blut ist nicht unschuldig."
Dumbledore hatte sich nicht gerührt, keine Miene verzogen. Es war ihm nicht anzusehen, ob ihn dies nun überhaupt traf.
„Ich sehe die Omen immer stärker. Meine Zeit wird ablaufen."
„Das bedauere ich sehr," sagte er leise.
„Mit diesem Wissen sollten sie nachvollziehen können, warum ich nicht abgelehnt habe, sondern das Black Heart sogar herausgefordert habe. Im Angesicht der Dunkelheit, die uns bevorsteht, setze ich alles auf eine Karte. Die Wahl die mir blieb, habe ich alle abgewogen. Diese schien mir am vernünftigsten."
„Nun, sie ist sehr klug. Jung und unbedarft, manchmal noch immer sehr emotional, leider oft mehr als rational, aber auch ich vertraue auf sie. Drei Black Hearts gab es in der Geschichte schließlich noch nie und keiner kann sagen, wie dies enden wird. Hoffen wir, dass die Magie auf unserer Seite steht."
„Drei Black Hearts?" wiederholte Harry, da die Beiden wieder in einen Moment des schweigens verfallen waren. Ron und Hermine sahen genauso fassungslos aus wie er.
„Also gab oder gibt es drei Personen, die Black Hearts sind," sagte Hermine. „Aber in allen Aufzeichnungen werden stets nur zwei erwähnt? In keiner einzigen Aufzeichnung war die Rede von drei?"
Die Königin der Phowlyris hatte das Gespräch als Erste wieder fortgesetzt.
„Wie erwähnt, ich versuche nur mein Volk und meine Kinder zu schützen. Jeder von uns tut dies auf eigenem Weg. Ich verstehe ihr Anliegen, Direktor. Das tue ich wirklich. Sie wollen sie alle beschützen. Wenn die Umstände nicht die jetzigen wären, ich hätte niemals zu diesen Mitteln gegriffen. Mir ist durchaus bewusst, dass mein eigenes Handeln auch zu der jetzigen Situation geführt hat. Dennoch versuche ich nur das zu schützen, was mir wichtig ist."
„Ich verstehe," sagte Dumbledore ernst.
„Sie haben ihnen nichts erzählt, nehme ich an?" fragte sie weiter. Er nickte langsam.
„Ich nehme an, das gleiche gilt auch für sie?"
Auch die Königin nickte langsam.
„Meine Tochter würde es nicht verstehen. Sie ist – wie euer Black Heart, zu jung, unbedarft und emotional. Wäre sie bei uns aufgewachsen, wäre sie heute anders. Aber vergangene Stärke kann nicht mehr aufgeholt werden, wenn die Zeit erst mal verloren ist. Ihre Schwester war sehr klug in ihrem Vorgehen."
„In der Tat," bestätigte Dumbledore ihre Ansichten. „Lord Voldemort wusste, was er tat, als er sich seine Verbündeten aussuchte."
„Die gefallene Phowlyris," sagte die Königin und ihr Ausdruck hatte sich erneut verändert. Er war nur finster und verärgert. „Mein Volk hat sich in der Tat nicht mit Ruhm bekleckert in diesem Krieg und ich kann auch nicht verhindern, dass es weitere gibt, die sich Lord Voldemort bereitwillig anschließen werden, wenn es mich nicht mehr gibt."
„Was wird sie tun?" fragte er und auch der Ausdruck des Zauberers hatte sich zum ersten Mal in diesem Gespräch verändert. Er war hart und Harry wusste, dass die Königin es nicht gewagt hätte nicht darauf einzugehen, wenn sie auch eine direkte Antwort vermied.
„Das was sie tun muss," antwortete sie gelassen. „Mein Rat an Sie, Direktor, lassen Sie sie gehen. Dieses Black Heart ist verloren. Drei sind einer zu viel. Der Tod ist eine Erlösung für diese gebeutelten Seelen."
Einen Moment lang dachte Harry, es würde noch mehr kommen, aber das tat es nicht. Solange wie sie still blieben war klar, dass die Erinnerung damit zu Ende ist. Die drei tauchten wieder auf.
„Drei Black Hearts?" begann Hermine aufgeregt. „Das ist... unglaublich! Ich mein, ich hab wirklich sehr viele Aufzeichnungen durchgelesen und keines hatte auch nur ansatzweise erwähnt, dass eine Möglichkeit besteht, dass es mehr als zwei sein könnten. Aber vor 20 Jahren gab es sogar drei!"
„Und Dumbledore wusste davon," fuhr Ron fort. „Er kannte alle drei. Das zeigt sich womöglich in der nächsten Erinnerung, Harry!"
Dieser nickte. Ihm kam gerade ein schrecklicher Gedanke.
„Wisst ihr was?" Hermine und Ron sahen ihn neugierig an.
„Dumbledore mutmaßte, dass Voldemort seine Schlange Nagini als Horkrux genommen hat. Weiterhin ist das Medaillon und der Becher eines. Es fehlt etwas von Gryffindor oder Rawenclaw – Ein Black Heart trägt doch die Magie von Gryffindor?"
Hermine quiekte entsetzt und auch Ron war zusammengezuckt.
„Du denkst -" begann Hermine tief schockiert. „E-Er hat einen Menschen als Horkrux genommen? Ein Black Heart?"
„Möglich wäre es, oder?"
„Das wäre schrecklich," sagte sie leise und schauderte vor Angst.
„Sehen wir gleich, wozu Voldemort fähig ist," sagte Harry jedoch und wandte sich dem Denkarium zu. Alle drei beugten sich gleichzeitig hinein – und alle drei stieß es wieder heraus.
„Das darf jetzt nicht wahr sein, oder?!" brüllte Harry wütend, denn dieses Mal hatte es sie mit solch gewaltiger Wucht wieder hinaus gestoßen, dass alle drei auf ihren Hintern wieder aufkamen.
„Was fehlt denn nun schon wieder?"
Sich das nötige Wissen für die dritte Erinnerung anzueignen, stellte sich als erheblich schwieriger heraus, denn obwohl sie das Gespräch noch mal durchgingen, fiel ihnen absolut kein Schlagwort auf, über das sie sich hätten noch näher informieren können, um sich neue Informationen anzueignen. Da sie auf diesem Weg nicht weiterkamen, holten sie Brian und Jimá wieder herein, denn sie wollten das Wochenende nicht ungenutzt verstreichen lassen und stattdessen in das Stadtarchiv in der Winkelgasse gehen, um herauszufinden wo sie den Becher hätten finden können und bei wem es sich um R.A.B handelte.
Das stellte sich als komplett vergeudete Zeit heraus, denn sie hatten zwar viele Namen, aber jeden davon aufzusuchen würde mehr als ein Wochenende brauchen. Sie einigten sich jedoch darauf, am Sonntag zumindest einen Anfang zu starten. Am Abend kochte Jimá ihnen Essen, während die Jungs und Hermine noch einige Aufzeichnungen durchgingen und Brian eine Runde in der Gegend drehte, um sicherzugehen, dass keine Gefahr herrschte.
Als er wieder zurückkam, setzte er sich gelangweilt auf die Couch nieder.
„Wow," stellte er begeistert fest und alle drei, plus Jimá von der Küche, sahen ihn überrascht an. „Die Couch ist echt bequem! So ein Teil hätte ich auch gern in meiner Bude."
„Ist von Remus," sagte Harry, woraufhin Brian eine merkwürdige Grimasse verzog.
„Echt jetzt? Harry, die Couch kostet locker 600 Galleonen. Ich war schon bei Remus und meinem lieben Schwesterlein zu Hause. Die haben selbst nicht mal so ne Couch und dann mpf-"
„Essen ist fertig!" rief Jimá überschwänglich und begeistert und hatte das Essen von der Küche zu allen ins Wohnzimmer gezaubert. Gleichzeitig hatte sie Brian ein großes Stück Brot in den Mund gestopft, woraufhin der Rest seines Satzes nur noch unverständlich heraus kam.
„600 Galleonen?!" stieß Ron verblüfft aus, aber schon hatte Jimá auch ihm ein Stück Brot in den Mund gestopft.
„Man redet beim Essen nicht," sagte sie bestimmend, woraufhin sowohl Hermine wie auch Harry verstummten, obgleich sie bereits ihren Mund geöffnet hatte, es daraufhin aber wieder schlossen.
„Zumindest nicht über Geld," fügte sie hinzu und sah leicht peinlich berührt aus. Harry und Hermine begannen zu essen, da fiel Jimá's Blick auf ein Blatt Papier.
„Russel Anton Borger?" begann sie zu lesen. „Rita Alice Bashar, Rosalind Antigone Bungs, Rupert Axebanger Brookstanton – Das sind ja sämtliche Namen die sich auf RAB abkürzen lassen? Ist das etwa eine Hausaufgabe für die Schule?"
„Uhm -" machten Hermine, Harry und Ron unangenehm. Es war nicht so, dass Harry es nicht sagen wollte, aber er wusste nicht, wem er wie weit mit was vertrauen konnte. Nachdem selbst Dumbledore seinen engsten Vertrauten nichts davon mitgeteilt hatte, befand Harry es für das Beste, wenn auch er dies alles für sich behielt und keinen aus dem Orden einweihte. Jimá aber lächelte auf ihre Reaktion hin und lehnte sich auf ihrem Platz wieder zurück. „Da hätte ich noch nen Namen für euch: Regulus Arcturus Black."
Sie wollte gerade ebenfalls zu Essen beginnen, da hatten die drei ihr Essen beiseite gelegt und waren an den Rand ihrer Plätze gerutscht.
„Regulus Arcturus Black?" wiederholte Harry. „Regulus – irgendetwas sagt mir der Name. Regulus Black."
„Es war der jüngere Bruder von Sirius," teilte Brian ihnen mit halb vollem Mund mit.
„Ihr kanntet Sirius?" fragte er überrascht.
„Klar," sagte Brian sofort, aber Jimá hatte ihn mit ihrem Fuß erneut gegen das Bein getreten. Dummerweise war hier kein großer Tisch, um das zu verdecken. „Was zum -" hatte er ungläubig von sich gegeben, doch kaum dass er den Blick der Hexe sah, räusperte er sich. „Ups. Vergessen."
Harry sah beide misstrauisch an. Brian vergrub sich wieder in sein Essen und blickte dennoch neugierig zwischen Jimá und Harry hin und her. Jimá war es anzusehen, wie unangenehm das für sie war, dann aber legte sie ihr Essen nieder und versuchte zu lächeln.
„Ja, wir kannten Sirius," sagte sie schließlich sanft. „Wir gehören dem Orden schließlich auch schon länger an. Nur waren wir eben nicht hier in England. Aber als Sirius sich vor dem Zaubereiministerium verstecken musste, war er auch eine Zeit lang in Ägypten bei Brian oder in Frankreich bei mir. Meine Eltern waren gut mit ihm befreundet. Ich kann mir vorstellen, wie schwer sein Tod für dich gewesen sein muss und wollte es deswegen vermeiden auf ihn anzusprechen."
Harry nickte und dennoch konnte er es nicht verhindern, dass sich ein Kloß in seinem Hals bildete. Selbst Jahre nach Sirius' Tod sprach er nur sehr ungern darüber.
„Tut mir leid, Harry," sagte Brian und zuckte mit dem Mundwinkel.
„Schon gut," sagte er ehrlich. „Regulus also – Was wisst ihr so über ihn? Sirius hat nicht wirklich viel erzählt von ihm."
„Er starb sehr früh," erzählte Jimá. „Sie standen sich sehr lange sehr nah, aber später wohl nicht mehr. Hatte alles mit den unterschiedlichen Ansichten der beiden zu tun. Sirius erzählte, wie sehr er es hasste, dass sein kleiner Bruder plötzlich herum stolzierte und sich stets mit seinem vollen Namen inklusive dem Zweitnamen vorstellte. Regulus verstarb sehr früh. Ich glaube, kaum dass er Hogwarts abgeschlossen hat. Die Annahme war, dass er von Todessern umgebracht wurde."
„Annahme?"
„Es war eine Mischung aus Flüche und Vergiftungen, die zum Tod geführt haben. Ist zumindest den Unterlagen der Heilerin entnommen worden."
Die drei Freunde tauschten vielsagende Blicke. Hier hatten sie die Verbindung.
„Hey, glaubt ihr, wir könnten morgen Grimmauldplatz Nr. 12 einen Besuch abstatten?"
„Sicher," sagte Brian, sah ihn jedoch misstrauisch an. „Ich nehm nicht an, dass du uns einweihen willst?"
„Sorry, noch nicht," entgegnete Harry und es tat ihm auch wirklich leid. Er konnte und wollte jedoch andere nicht in Gefahr bringen. Dies musste er alleine schaffen. Er hätte nicht mal Hermine und Ron eingeweiht, wenn er vorher davon gewusst hätte, worum es hier tatsächlich ging. Jimá und Brian waren glücklicherweise überhaupt nicht verärgert über sein Verhalten, sondern blieben genauso hilfsbereit wie sie zuvor auch bereits waren.
Am nächsten Tag brachen sie gleich nach dem gemeinsamen Frühstück auf und apparierten nach London direkt zum Versteck. Das Haus war etwas leerer als sonst und auch viel verstaubter und unordentlicher. Stimmte ja, dachte Harry missmutig. Mundugus hatte einige Sachen hier gestohlen und nahm sich offenbar alles ohne Rücksicht auf Verluste.
Sie gingen ins oberste Stockwerk, von dem sie wussten, dass dort Sirius' ehemaliges Zimmer war und gegenüber befand sich in der Tat auch das seines Bruders. Jimá und Brian warteten im Erdgeschoss und unterhielten sich mit anderen aus dem Phönixorden, die sich ebenfalls noch hier aufhielten.
Harry, Hermine und Ron stellten das gesamte Zimmer förmlich auf den Kopf, aber sie konnten das gesuchte Medaillon einfach nicht finden. Es dauerte den gesamten Sonntag, aber am Ende mussten sie am Abend aufgeben.
„Ein Versuch war's wert," brummte Harry unzufrieden und warf die Schatulle in die Schublade zurück.
„Vielleicht konnte er es ja wirklich schon selbst zerstören," sagte Ron in dem Versuch den Freund aufzuheitern, aber das brachte nichts. Harry hatte ihn nicht mal zugehört. Vielleicht brachte ihn nicht weit. Er musste es ganz sicher wissen. Es klopfte und Jimá steckte ihren Kopf herein.
„Alles okay bei euch?" fragte sie vorsichtig. „Wir sollten nämlich langsam aufbrechen und zurück nach Hogwarts reisen."
Schwupp. Die Tür wurde ganz aufgerissen und Brian trat zwischen Tür und Angel.
„Ihr wisst schon, dass Mundugus schon alles durchsucht hat nach Wertsachen und ihr hier nichts finden werdet, was ihr verscherbeln könntet? Wozu eigentlich? Harry wenn du Geld brauchst, dann hätten wir dir doch was aus deinem Gringotts Verließ bringen können? Ich arbeite da und hätt dir auch an einem Sonntag was gebracht."
Harry aber gab ihm einen dämlichen Blick und das breite Grinsen auf dem Gesicht des Freundes zeigte ihm durchaus, dass er dies nicht ernst gemeint hatte.
„Das heißt, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Mundugus das Medaillon verscherbelt hat?" sagte Harry verärgert. Hermine und Ron sahen ihn mitfühlend an, während Jimá eher verwirrt war. (Brian gähnte ausgiebig.)
„Medaillon?" fragte sie vorsichtig. Die drei verfielen wieder in tiefes Schweigen, aber Jimá nahm es so hin. Die drei standen auf und wollten mit den beiden gerade raus gehen, da hielt Jimá sie aber auf und schloss die Tür hinter sich, nachdem sie Brian hinein gezogen hatte.
„Nur falls es euch interessiert," sagte sie leise, während Brian ein überraschtes Hey! von sich gab. „Mundugus Fletcher hat versucht einige wertvolle Schmuckstücke an Monsieur Gorks Glitzerstube zu verkaufen, ein paar Wochen bevor er verhaftet wurde. Darunter war auch ein Medaillon. Ich weiß nicht, ob es das ist, was du suchst oder wie viele Medaillons er verscherbelt haben könnte. Ich kann dir das eine jedoch besorgen, wenn du das möchtest?"
Harry war so überrascht, alles was er raus brachte war. „JA!"
Hermine und Ron waren ebenfalls hellauf begeistert. Jimá's Ausdruck hatte sich sofort von vorsichtig zu erfreut gewandelt. Sie lächelte und nickte.
„Ich denke, bis nächstes Wochenende müsste ich es haben."
Mit dieser Neuigkeit ging es auch Harry ein Stück besser und er reiste nicht ganz so schlechtgelaunt nach Hogwarts zurück.
Erst nachdem sie wieder im Schloss waren, machte Hermine ihn darauf aufmerksam, dass sie Jimá vielleicht hätten einweihen sollen oder zumindest zur Vorsicht ermahnen. Wenn man bedachte wie gefährlich die vorherigen Horkruxe waren und was der Ring aus Dumbledore's Hand machen konnte wollte sie gar nicht wissen, zu was die anderen noch fähig waren, wenn man sie falsch handhabte. Harry wollte eigentlich sagen, dass er Jimá nicht für eines der selbstverliebten Mädchen hielt, die das Medaillon einfach mal trägt, um zu sehen wie hübsch es an ihr aussehen könnte, fand dann aber Hermine's Vorschlag besser sie darum in einem Brief noch mal zu bitten. Nur für alle Fälle. Er mag Jimá nicht für so ein Mädchen halten, was nicht hieß, dass sie nicht doch so eins sein könnte.
„Dann fehlen jetzt nur noch der Becher, die Schlange und etwas von Gryffindor oder Rawenclaw," sagte Ginny als sie sich am Sonntag Abend alle in den Raum der Wünsche verkrochen hatten. Überall woanders hätten sie belauscht werden können und Harry wollte diese Gefahr unter keinen Umständen eingehen.
„Es sei denn, wir liegen mit unserer Vermutung richtig und ein Black Heart wurde zu einem Horkrux gemacht," sagte Hermine. Harry's Ausdruck verfinsterte sich.
„Dumbledore sagte, dass es nicht gut wäre, denn Menschen sterben früher oder später und damit würde auch sein Stück der Seele mit ihm sterben."
„Eine Schlange lebt auch nicht ewig. Trotzdem vermutete Dumbledore doch, dass er seine Schlange zu einem Horkrux gemacht hat?" entgegnete sie überlegt. Harry nickte nachdenklich. Das war auch wieder wahr. Wenn Voldemort eine Schlange zu einem Horkrux machte, weil sie ihm nahe stand, dann war es durchaus denkbar dass er eine Person zu einem Horkrux machte, weil sie für ihn etwas von Gryffindor symbolisierte.
„Wie hat Dumbledore den Horkrux im Ring zerstört?" fragte Ron. „Vielleicht ist dieser Weg ja sicherer als einen Basiliskenzahn zu benutzen?"
„Er hat ihn mit Gryffindor's Schwert zerschlagen. Ist auch nicht besser als wenn ich jemanden nen Basiliskenzahn ins Herz ramme," sagte Harry frustriert. „Und ich weiß gar nicht, wo Gryffindor's Schwert jetzt ist. Vielleicht noch immer in Dumbledore's Büro?"
„Es muss doch einen anderen Weg geben, so dass der Mensch überlebt," sagte Hermine niedergeschlagen. Ihnen allen war klar, wenn Voldemort tatsächlich ein Menschen zu einem Horkrux gemacht hatte und dieses Black Heart war jemand unschuldiges, dann war er, Harry, im Begriff einen Unschuldigen zu töten...
Und so verfielen sie alle vier in bedrückendes Schweigen. Es war Ginny, die schließlich nach einer Weile wieder das Wort ergriff.
„Weißt du, wenn Slughorn derjenige war, der alles über Horkruxe wusste und weitererzählte, vielleicht weiß er dann auch wie man sie zerstört ohne den Menschen dabei zu töten?"
„Das ist eine gute Idee, Ginny!" sagte Hermine begeistert und auch Ron nickte Harry zuversichtlich zu. Er aber schüttelte niedergeschlagen den Kopf.
„Keine gute Idee, Leute. Die Erinnerung von Slughorn zu besorgen war schon schwer genug. Ich bezweifle, dass er mir sagen wird, was ich wissen will, vor allen Dingen, wenn White hier als Voldemort's Handlanger herumlungert. Wahrscheinlich hat sie so gut wie jeden Lehrer in der Hand und schon eingeschüchtert. Ich hab noch keinen von ihnen etwas schlechtes von White sagen hören. Nicht mal von McGonagall, die keine Probleme hatte sich gegen Umbridge damals aufzulehnen.
Wenn wir nur an diese Bücher herankämen, die Dumbledore aus Hogwarts verbannt hat."
„Welche Bücher?" fragte Hermine irritiert.
„In Slughorn's Erinnerung hat dieser zu Voldemort gesagt, dass Dumbledore sämtliche Bücher über Horkruxe aus Hogwarts entfernt hätte, so dass man sich dieses Wissen nicht aneignen kann."
„Moment -" sagte Hermine plötzlich. „Das Büro von Dumbledore."
„Was ist damit?" fragte Ron und sah wie alle anderen auch sehr verwirrt aus. Hermine aber war Feuer und Flamme.
„Bücher! In der Erinnerung, in der er mit der Königin der Phowlyris in seinem Büro sprach, waren Tonnen von Büchern. Er hat sie aus der Bücherei entfernt, aber doch bestimmt nicht verbrannt oder begraben. Wo wären sie sicherer aufgehoben als in seinem eigenen Büro? Was ist, wenn das der Grund der Erinnerung war? Wenn Dumbledore uns eigentlich ein Wink geben wollte, wo wir nach den Büchern zu suchen haben? Ich mein, abgesehen davon, dass es drei Black Hearts gab, hat uns die Erinnerung ansonsten absolut keine weitere Information gegeben."
„Da ist nur ein Problem," sagte Ron und sah sie dämlich an. „Das Büro gehört nun Professor White und ich wage zu bezweifeln, dass sie uns einfach mal rein lässt, um die Regale nach Büchern zu durchsuchen."
„Sie muss uns gar nicht rein lassen," sagte Harry viel sagend und warf einen Seitenblick auf seinen Tarnumhang.
Da Hermine sich weigerte den Unterricht sausen zu lassen, um unter den Tarnumhang vor dem Büro von White zu lauern, nur um das Passwort zu erhaschen und dann rein zu laufen, wenn diese das Büro wieder verließ, wechselten sich Ron und Harry damit ab.
„Es ist doch nur die zweite Woche! Was verpasst man da schon?" hatte Ron gesagt und teilweise warteten beide Jungs einfach gleichzeitig unter den Tarnumhang, dass White in ihr Büro ging oder es verließ. Der Montag kam, aber laut der Karte der Rumtreiber befand sich White nicht mal in Hogwarts und es machte somit auch kein Sinn vor ihrem Büro zu hausieren. Das zog sich sogar über den Dienstag hin und langsam nervte es Harry. War sie nicht Direktorin? Sollte man da nicht auch in der Schule sein, wenn man diese schon leitete? Nach der Stunde Fortgeschrittene Verteidigung gegen die dunklen Künste humpelten alle drei zu Lupin vor.
Sie hatten zum ersten Mal den Zauberspruch gegen eine Phowlyris gelernt. Procella. Richtig angewandt, hielt es diese in Schach und auch nur diese. Es hatte absolut keine Auswirkung auf andere magische Wesen. Falsch angewandt, schmetterte es alles was es berührte in alle Richtungen – außer eine Phowlyris. Es gab keinen einzigen Schüler, der den Zauber richtig hinbekommen hat. Nicht mal Harry, denn er dachte an alles, nur nicht daran den Zauber zu schaffen. Es war zudem die erste Stunde mit Ginny, der erlaubt war die 6. Klasse zu überspringen und die Fächer der 7. Klasse mitzumachen. Da sie jedoch sehr hinter allen ran hing, musste sie den Zauber nicht schon ausprobieren, sondern durfte sich erst noch einlesen. Nach der Stunde hechtete sie sofort zur Bibliothek, statt bei Harry und den anderen zu bleiben.
„Professor White?" sagte Lupin irritiert als nur noch sie vier in dem Raum waren und alle anderen bereits zur nächsten Stunden liefen. „Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, wann sie wiederkommt. Ich bin nur Lehrer, nicht ihr Assistent," fügte er mit dem Anflug eines Lächelns hinzu. Harry verzog eine schiefe Grimasse und Ron und Hermine sahen ihn irritiert an.
„Kennst du zufällig das Passwort für ihr Büro?" fragte Hermine vorsichtig und schon sah Harry wieder neugierig zurück. Lupin zog misstrauisch die Augenbraue hoch.
„Wieso?"
„Wir bräuchten Zutritt," sagte Ron und nickte vielsagend. Lupin sah die drei daraufhin noch viel ernster an, so dass ihnen nichts anderes übrig blieb, als mehr mitzuteilen.
„Wir haben da einen Verdacht, dass Dumbledore vor seinem Tod etwas für uns hinterlassen hat und wir brauchen das unbedingt."
Ihr Freund sah sie alle etwas merkwürdig an, dann aber nickte er.
„Ich werde sehen, was ich machen kann," sagte er schließlich und das war immerhin besser als gar nichts. „Bis dahin aber, rate ich euch dreien wirklich besser dem Unterricht zu folgen. Das letzte Schuljahr ist etwas ganz Besonderes. Selbst mit dem tobenden Krieg und dem Grauen vor der Tür, habt ihr das Glück dieses einmalige Jahr erleben zu können. Ganz gleich was auch in nächster Zeit, in naher oder weiter Zukunft oder auch schon morgen passieren wird – Harry," und Lupin wandte sich mit sehr strengem Blick an seinen jungen Freund. „Deine Eltern hätten gewollt, dass du die guten Seiten ebenfalls lebst. So wie auch sie es getan haben... So wie auch ich es getan habe."
Diese Worte hatten Harry auch wirklich bewegt und so saß er sehr zu Hermine's Freude etwas aufmerksamer in Zauberkunst. Der Tag verging ohne weitere Vorkommnisse und am Donnerstag wollte Harry gerade Lupin fragen, ob er schon etwas hatte, da sah er jedoch auf der Karte, dass White zurück war und sich auf den Weg zu ihrem Büro machte.
Er hatte keine Zeit groß zu warten, dass Ron aus dem Bad kam, krallte sich den Tarnumhang, eilte aus dem Turm hinaus und rannte so schnell er konnte unter den Tarnumhang zum Wasserspeier. Er musste dort noch vor White ankommen oder er würde das Passwort nicht mitkriegen.
Er huschte durch den letzten Korridor und blieb mit einem Mal stehen. White war schon am Wasserspeier angekommen. Harry hätte am liebsten gegen die nächste Wand geschlagen. Es war so knapp! Und dann - „Erdbeerkuchen," sagte White klar und deutlich. Der Wasserspeier sprang zur Seite und öffnete den Durchgang. Ließ er eben noch seine Schulter hängen, war er mit einem Mal wieder kerzengerade. Harry konnte sein Glück gar nicht fassen! Er war doch rechtzeitig da gewesen! White verschwand und der Wasserspeier ging zurück in seinen Anfangszustand.
„Du hast das Passwort?!" sagte Ron erstaunt als Harry wenig später wieder zurück in den Jungenschlafsaal schritt.
„Yap," sagte er spitz. „Nun muss ich mit der Karte nur noch abwarten, bis White ihr Büro verlässt – Oder aber..."
„Oder aber was?" fragte Ron neugierig.
„Wenn ich Remus dazu kriege sie lang genug abzulenken? Dumbledore hat sein Passwort auch oft geändert und ich hoffe doch mal, dass White es nicht ständig ändert, sobald sie ihr Büro wieder verlässt."
Gesagt, getan. Statt zu Zaubertränke aufzutauchen hatte Harry Lupin nach seiner Stunde Verteidigung gegen die Dunklen Künste für Zweitklässler abgefangen.
„Solltest du nicht eigentlich im Unterricht sein?" fragte er leicht lächelnd. Harry ging darauf nicht ein, sondern kam gleich zum Punkt.
„Ich hab das Passwort."
„Wirklich?" fragte er wenig begeistert. „Will ich wissen, wie du da ran gekommen bist?"
„Hör mal, kannst du White für mich ablenken?"
„Professor White, Harry."
„So für 2 Stunden?"
„2 Stunden?"
„Ich glaub nicht, dass wir länger brauchen werden."
Remus sah ihn etwas merkwürdig an, als würde Harry von ihm etwas verlangen, was gegen seine Prinzipien ging. Vielleicht war dem auch so, aber er hätte nicht verstanden warum. Ging hier ja schließlich nicht darum ins Zaubereiministerium einzubrechen oder den Zaubereiminister zu entführen. Er wollte nur ins Büro der Direktorin einbrechen...
„Du sagtest doch selbst, sie ist gefährlich. Ich breche da so oder so ein, um das zu suchen, was wir brauchen – Und wenn sie mich erwischt – Du weißt schon?"
Er sah den Freund bedeutungsvoll an und war erleichtert als dieser sein Ausdruck lockerte und es eindeutig zu erkennen war, dass er sich geschlagen gab. Harry grinste erfreut.
Remus hatte sich zwar einverstanden erklärt White abzulenken und eine Zeit lang aus dem Büro zu locken, aber nur unter der Bedingung, wenn Harry nun endlich jedes Unterrichtsfach ernst nahm und dort erschien, so dass er mit Ron und Hermine erst ins Büro kam, wenn sie frei hatten, was sich erst am Freitag Abend ereignete. Hermine hatte Harry ohnehin schon fast wieder eine Standpauke gehalten, weil er vorher nicht zu Zaubertränke erschienen war und sie wären noch mehr hinter her gehangen, wenn sie nun nicht Ginny in ihre Gruppe hätten. Glücklicherweise hatte White das Passwort nicht geändert und die drei konnten sich am Freitag hinein schleichen.
Harry behielt stets die Karte der Rumtreiber im Auge, um sicherzugehen, dass White bei Remus im Klassenzimmer blieb.
„Sicher, dass niemand da drin ist?" fragte Hermine vorsichtig als sie die Wendeltreppe hinauf schlichen.
„Laut der Karte, absolut niemand."
„Was ist mit Fawkes?"
„Der ist weg. Hab ihn bei Dumbledore's Beerdigung das letzte Mal gesehen."
„Und die Porträts?"
„Ich hab mir ein Zauber rausgesucht. Die werden friedlich schlafen und nichts mitkriegen."
Mit einem Schwung hatte er die Tür zum Büro geöffnet und der Zauberstab war bereit in seiner Hand, um die Porträts mit dem Zauber zu belegen, doch alle drei blieben irritiert an ihrem Fleck stehen. Sämtliche Direktoren in den Porträts schliefen bereits friedlich. Selbst Dumbledore – und das Büro war nicht leer. Fawkes saß auf seiner Stange und fiepte sanft.
„Fawkes?" sagte Harry ungläubig. Wieder fiepte der Phönix und neigte den Kopf zur Seite. Er konnte es gar nicht wirklich glauben, aber das war tatsächlich Dumbledore's Phönix. Harry war sich sicher gewesen, er wäre für immer weggeflogen und würde ihn nie wieder sehen. Dieser Moment war teilweise so überwältigend, dass er fast vergessen hätte, weswegen sie eigentlich hier waren.
„Harry, ist das wirklich sicher?" wiederholte Hermine und zappelte unruhig hin und her.
„J-Ja," sagte er schließlich. „Geht schon mal suchen, ich komm gleich nach."
Ron und Hermine flitzten sofort zu den Bücher Regalen, während Harry weiterhin bei Fawkes blieb und ihn erfreut streichelte.
„Du bist ja wieder da?" flüsterte er leise. Nicht, dass er eine Antwort erwartete. Es reichte vollkommen, ihn wieder zu sehen. Irgendwie brachte es etwas tröstendes zurück, was durch Dumbledore's Tod verschwunden war. „Du verrätst uns doch nicht, oder?" scherzte er kurz. Fawkes fiepte erneut und Harry grinste, bevor er sich Hermine und Ron anschloss.
Sie suchten alle Regale durch, während Harry alle 2 Minuten ein Blick auf die Karte warf. White hatte sich nicht vom Fleck gerührt, sondern war nach wie vor im Klassenzimmer von Remus. Es dauerte über 2 Stunden bis Hermine endlich ein Buch fand, dass über die Zerstörung von Horkruxen handelte.
„DA!" sagte sie enthusiastisch. „Dieses Buch scheint uns weiterzuhelfen – Ja, das sieht – Oh nein!"
„Was?!" keiften Ron und Harry gleichzeitig.
„Das sind 1500 Seiten!" sagte sie verzweifelt. „Das kann ich unmöglich jetzt durchlesen!"
„Die 2 Stunden sind längst verstrichen," sagte Ron.
„Sie kommt!" sagte Harry nach einem Blick auf die Karte. „Hermine, nimm das Buch und wir hauen ab."
„Was?" stieß sie ungläubig aus. „Was, wenn es Professor White auffällt? Das wird Ärger geben!"
„Hier drin sind Millionen Bücher! Ein Buch weniger fällt nicht auf. Komm schon!"
Eilig liefen sie an Fawkes vorbei und zur Tür hinaus. Warfen sich den Umhang über und schritten so schnell sie konnten in ein Seitengang hinein, um Professor White nicht zu begegnen, welche nur 2 Sekunden nach ihnen um die Ecke bog und in ihrem Büro verschwand. Die drei tauschten erleichterte Blicke. Das war zwar knapp, aber besser als wenn sie aufgeflogen wären.
1500 Seiten zu lesen war ein Horror für alle drei, aber Hermine schlug vor die Arbeit zu teilen. Sobald einer eine Freistunde und die Zeit hatte, würde er etwas lesen und den anderen dann eine Zusammenfassung davon geben, so dass der Nächste da fortsetzte, wo der vorherige aufgehört hatte. Harry und Ron fanden den Vorschlag perfekt und hofften, dass sie so wirklich gut voran kamen und dennoch ihren Schulpflichten nachkamen. Harry hatte vergessen, dass er als Schulsprecher Runden im Schloss drehen sollte, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung war sowie das Training für seine Quidditchmannschaft anzusetzen. Das musste er nun alles aufholen und obwohl er das eher mürrisch tat, machte gleichzeitig irgendetwas in ihm drin Purzelbäume vor Freude.
Die letzten Septemberwochen strichen dahin wie im Flug. Mit dem Quidditch Training, den Pflichten als Schulsprecher, die ihn jeden Abend auf Trab hielten, dem gemeinsamen Lesen der 1500 Seiten, von denen sie in den 2 Wochen lediglich 300 Seiten schafften und dem ganzen Unterricht hatte Harry kaum Zeit mit Ginny verbringen können, denn auch sie hatte sehr viel Stress damit den Stoff von 2 Jahren in ein Jahr zu quetschen.
„Ich versteh eh nicht, warum du unbedingt dieses Jahr mit uns die Schule beenden willst," hatte Ron überheblich an einem Abend von sich gegeben als sie alle gemeinsam ihre Unterlagen durchgingen. Ginny aber fauchte ihn nur böse an.
„Das ist nur eines von Tausend Sachen, die du nicht verstehst – also für mich kein Wunder!"
Harry versuchte sich möglichst nicht einzumischen oder für einen Partei zu ergreifen. Das hast du nun davon, dass du mit der Schwester deines besten Freundes zusammen bist, dachte er sich bei diesem Streit und steckte sein Kopf tief in das Zaubertrankbuch.
Es fiel ihm erst in einem ruhigen Augenblick am Freitag Abend auf, dass Jimá sich nicht wie verabredet vor einer Woche mit dem Medaillon gemeldet hatte und unweigerlich schoss Sorge in ihm hoch. Hatte sie es etwa doch trotz seiner Bitte anprobiert und war einem dunklen Fluch ausgesetzt worden, wie schon Dumbledore vor ihr mit dem Ring? Dumbledore war ein viel stärkerer Zauberer und vielleicht hatte der Fluch Jimá getötet, statt wie bei Dumbledore eine Hand zu verbrennen? Er hielt Ausschau nach anderem aus dem Orden, die hier noch zum Schutz herumlaufen könnten, fand aber nur noch nie gesehene Auroren.
Und dann sah er ihn! Hagrid! Der Halbriese mit den kleinen Knopfaugen und der sonstigen Gestalt einer Bulldogge marschierte quer vom Eingang durch den Hof vor dem Großen Saal in Richtung seiner Hütte. Harry nahm Beine in die Hand und eilte dem Freund sofort nach. Ron und Hermine zögerten nur eine Sekunde, um alle Sachen (auch Harry's Bücher) zu packen und sofort zu folgen.
Ginny sah ihnen entschuldigend hinterher, aber Hermine deutete ihr an, dass es schon okay sei, wenn sie bliebe.
„Na, wen ham wir denn da?" sagte Hagrid heiter, verlangsamte seine Schritte jedoch nicht, weswegen auch die drei sich sputen mussten um Schritt zu halten. „Seh euch überall rumlaufen. Viel zu tun, he?"
Harry bekam auf der Stelle ein schlechtes Gewissen, weil sie ihn tatsächlich bisher noch nicht besucht hatten, aber die Ereignisse hatten sich schlichtweg überschlagen und ihm war gar nicht aufgefallen, wie schnell die Zeit tatsächlich vergangen war.
Hagrid gluckste beim Anblick der unangenehmen Gesichter und klopfte allen drei freundschaftlich mit beiden ausgebreiteten Armen und Händen auf die Schultern. Hermine knallte es an Ron, der fast ebenfalls umgeknickt wäre, wenn er nicht an Hagrid geknallt wäre und Harry, ging halb in die Knie von der Wucht. Dass der Freund davon nichts mitbekam zeigte sein weiterhin lockeres Gemüt.
„Dir geht es ja sehr gut?" stellte Harry misstrauisch fest. Hagrid war nach Dumbledore's Tod am Boden zerstört und sie alle hatten eher geglaubt, dass er tief niedergeschlagen oder zumindest noch deprimiert war, aber nicht locker fröhlich.
„Menschen sterbn. Das ist einfach so, nech? Wir ham vorher noch gesprochen und alles was er sagte, kam auch so. Kein Grund Trübsal zu blasen, also."
„Was sagte er denn?" hakte Harry nach.
„Na, das wenn er mal nich is, nich alles untergehen wird. Vertrauen ham solln und das alles halt. Aber ich hab jetzt keine Zeit. Viel zu tun. Ihr geht mal lieber wieder zurück ins Schloss."
Auf halben Wege zu seiner Hütte waren sie stehen geblieben, weil auch Hagrid stehen blieb. Er strahlte freundlich und schob sie wieder in die entgegengesetzte Richtung.
„Und haltet die Ohren Streif. Besucht mich mal öfter, ja?"
„Wir könnten dich jetzt besuchen?" sagte Harry immer noch misstrauisch und auch Ron und Hermine fanden das Verhalten des Wildhüters sehr merkwürdig.
„Nah," entgegnete er jedoch. „Hab heut viel zu tun. Also,wir seh'n uns!"
Verwirrt blickten sie dem Freund hinterher, als er weiter marschierte als sei nichts gewesen. Sie waren sich jedoch einig, dass es nicht zu ihm passte und er entweder wieder ein gefährliches Haustier bei sich aufbewahrte oder laut Hermine in der Phase der Verdrängung war. Was auch immer es war, die drei gingen wieder zurück ins Schloss und einigten sich darauf dieser Sache auf den Grund zu gehen, wenn sie mehr Zeit hatten.
„Ich mach mir Sorgen um Jimá," sagte Harry an dem Abend als er und Hermine durch die Gänge streiften, um nach Ordnung Ausschau zu halten.
„Immer noch kein Ton von ihr?" fragte sie verständnisvoll. Er nickte besorgt.
„Sie wollte doch selber hier auftauchen und dir das Medaillon bringen und nicht schicken, oder?"
„Du meinst, weil es sonst abgefangen werden könnte?" warf er ein und teilte ihre Bedenken. „Wir haben nicht darüber gesprochen. Ich dachte, sie wollte es selbst bringen. Ich hab aber auch Brian nicht mehr hier gesehen."
„Ist mir auch aufgefallen. Es sind nur noch Auroren hier. Aber wenn wirklich etwas passiert wäre, hätte Remus uns dann nicht schon etwas erzählt."
„Nicht, wenn es ein Geheimnis im Orden ist – oder er selbst nichts mitbekommt, wenn er hier Tagein Tagaus nur als Lehrer arbeitet."
Die beiden blieben mitten im Korridor stehen.
„Glaubst du nicht auch, dass hier etwas ganz sicher nicht stimmt?" sagte Hermine leise. Es waren keine Porträts in Sicht, die ihnen hätten lauschen können. „Irgendwie fühlt es sich komisch an. Als ob jemand will, dass wir diese Richtung gehen. Die Porträts, die alle tatsächlich schon schliefen als wir in das Büro kamen und die ganze Zeit nicht aufwachten? R.A.B. Das Medaillon. Phowlyris und dann Remus, der uns ausgerechnet zeigt, wie man sich vor diesen Wesen schützen kann? Es ist als ob jemand im Hintergrund die Fäden zieht."
„Denkst du an White?"
„Ich weiß es nicht."
„White folgt Voldemort. Wieso sollte sie uns helfen?"
„Ich weiß es nicht. Ich glaube irgendwie nicht, dass sie wirklich gegen uns ist. Vielleicht hat sie andere Absichten?"
„Zum Beispiel?"
„Vielleicht steht sie ja gar nicht auf seiner Seite?"
„Sie trägt das dunkle Mal, genauso wie jeder Anhänger Voldemorts. So wie Snape und von ihm dachte auch jeder, er wäre auf unserer Seite. Und was haben wir davon? Dumbledore ist tot."
„Harry, ich weiß, du bist noch immer aufgebracht und wütend darüber. Aber nicht jeder ist Snape. Abgesehen davon, dass ich denke, dass da mehr dahinter steckt, sollten wir nicht an allen Ecken seine Gespenster sehen."
„Hermine, sie ist nicht auf unserer Seite. Remus sagte doch auch, dass sie gefährlich ist und wir vorsichtig sein sollen."
„Ich weiß es doch selbst nicht. Alles macht irgendwie kein Sinn. Ich mein, es macht Sinn, aber... zu viel Sinn."
„Hä?"
Hermine sah ihn unsicher an.
„Ich sag doch nur, dass nicht alles so offensichtlich ist und mehr dahinter steckt als für das Auge offensichtlich ist. Erinnere dich nur an Sirius? Jeder dachte, er sei der Verräter und er wäre gefährlich für dich und dann stellte sich heraus, dass alles falsch war."
Dass Hermine Sirius in Bezug darauf erwähnte stieß ihm so übel auf, dass er das Feuer in sich nicht mehr löschen konnte.
„Genau," biss er sarkastisch zurück. „Und sieh Snape an!"
„Harry!"
„Jeder vertraute darauf, dass er gut ist und zwar Jahr um Jahr! Trotz der Tatsache, dass er Sirius getriezt hat und Mitschuld an seinem Tod trägt? Trotz dessen, dass er Schuld ist, dass Remus nicht mehr lehren konnte, weil er ausgeplaudert hat, dass er ein Werwolf ist? Trotz der Tatsache, dass er total Dicke mit Lucius Malfoy war?! Nein! Er musste sogar am Ende noch Dumbledore umbringen! Nicht genug, er war auch Schuld daran, dass Voldemort meine Eltern getötet hat! Und du glaubst immer noch, dass er für alles gute Gründe hatte?!"
„Das habe ich doch gar nicht gesagt!" versuchte Hermine sich entschieden zu rechtfertigen. Sie sah so klein und verletzt aus, dass Harry's Wut mit einem Mal verflogen war und durch ein riesiges schlechtes Gewissen ersetzt wurde. Wieso explodierte er dieser Tage nur ständig an seinen Freunden? Sie sah ihn mitfühlend an.
„Ich finde es auch schrecklich was Snape getan hat, selbst wenn er Gründe hatte, macht es seine miesen Taten in der Vergangenheit nicht gut. Ich will nur nicht, dass du dich von seinen Taten vor anderen verschließt, die Sirius' Schicksal teilen und gut sein könnten."
„White?" sagte er monoton. Ihr mitfühlender Ausdruck hatte sich nicht geändert.
„Ich will wirklich nur, dass wir diese Möglichkeit nicht ganz ausschließen. Wir haben mehr zu gewinnen, wenn wir doch richtig liegen."
„Tun wir das?" fragte er skeptisch, aber Hermine nickte entschlossen.
„Ich kann noch nicht sagen was es ist, aber irgendetwas stimmt hier nicht. Ich glaube aber, es ist nichts schlechtes."
Selbst die nächste Woche verging wie im Flug nachdem sie auch mit ihren Nachforschungen nach dem Aufenthalt des Trinkbechers beschäftigt waren und nachdem sie immer noch nichts von Jimá hörten und auch Brian oder jemand anderes sich vom Orden hier nicht noch mal blicken ließ, wandte sich Harry an Remus.
„Ich sehe, du hast dich zusammengerissen," sagte Lupin erfreut als sie nach dem Unterricht wieder unter sich waren. Harry schaffte es als Erster von allen den Procella Zauber richtig auszusprechen und Ron nicht von den Füßen zu reißen.
„Ja, schon. Deine Rede war nicht umsonst," erwiderte er mit einem kleinen Grinsen. „Hey, ist eigentlich etwas im Orden passiert, was ich wissen sollte?"
„Wie kommst du darauf?" fragte Remus ruhig.
„Na ja... Jimá und Brian haben sich seit Wochen nicht mehr blicken lassen."
Lupin lächelte sanft.
„Du hast dich mit den beiden angefreundet, wie ich sehe."
„Ja, schon."
„Es gab leider in der Tat ein Vorfall," sagte Lupin und schon rutschte Harry das Herz in die Hose. „Hestia Jones ist tot. Diese Nachricht hat eine Menge von uns sehr betrübt, denn viele von uns kannten sie gut. Sie war eine tapfere Hexe. Es gab Anhaltspunkte über ihren Verbleib und als es sicherer wurde, haben sie einen Rettungsversuch gestartet. Es war zu spät."
Harry nickte bedrückt.
„Und Jimá und Brian waren dabei?"
„Sie starb in Jimá's Armen," sagte Lupin leise. Harry schluckte hart. Das erklärte ihm natürlich, warum die beiden die letzten Wochen nicht mehr aufgetaucht waren.
„Sie sind beide sehr jung. Wuchsen glücklicherweise in friedlicheren Zeiten auf ohne den Krieg um sich herum, auch wenn sie vom letzten durchaus noch das ein oder andere mitbekommen haben als kleine Kinder. Die jetzige Lage ist schwer zu ertragen, wenn man so jung wie sie schon in diesen Krieg hereingezogen wird. Besonders für Jimá.
Das ist auch der Grund, warum wir euch die letzten zwei Jahre aus dem Orden heraushalten wollten. Sirius, James, Lilli und Ich schlossen uns dem Orden des Phönix direkt bei seiner Gründung an und wir hatten Hogwarts gerade erst abgeschlossen. Selbst für uns war dieser aktive Kampf nicht leicht gewesen. Brian kümmert sich um Jimá. Sie lässt nicht wirklich viele an sich heran, daher ist es schwer sie zu trösten. Gib den beiden etwas Zeit. Wenn Jimá das verarbeitet hat, wird sie sich bestimmt melden."
Harry nickte bedrückt.
„Wie geht es dir?" fragte Lupin schließlich umsichtig und er sah ihn verwirrt an.
„Mir?"
„Nun, wir haben nie wirklich über Sirius' Tod gesprochen und auch nicht nach Dumbledore's Tod."
„Ist schon okay, Remus. Mir geht's gut."
Das war gelogen, aber ihm war einfach nicht nach reden zumute. Weder mit Hermine oder Ron, noch mit Ginny und auch nicht mit ihm. Harry packte seine Sachen, verabschiedete sich und schritt zurück in den Gemeinschaftsraum. In Zaubertränke aufzutauchen war das Letzte, was er jetzt im Kopf hatte und legte sich stattdessen auf die Couch vor dem Kaminfeuer. Es war leer, jeder andere Schüler befand sich im Unterricht. Ein Siebtklässler zu sein hatte zumindest den Vorteil ab und zu tatsächlich alleine tagsüber im Gemeinschaftsraum zu sein. Er wusste gar nicht wie erschöpft er eigentlich von dem letzten Monat war und verstand dies erst als er sehr schnell vor Müdigkeit einschlief.
Es war ein ruhiger Abend. Die Sterne funkelten sanft vom warmen Himmel hinab, ein lauer Wind wehte und die Zikaden zirpten leise vor sich hin. Die 18jährigen Lilli und James lagen einander zugewandt auf der Wiese am See. Im Hintergrund sah man das Hogwartsschloss, wo in fast jedem Zimmer noch immer Licht brannte.
Auf einmal grinste James breit und Lilli verengte prüfend ihre Augen.
„Was soll dieser spitze Ausdruck, Potter?"
Er lachte, fuhr sehr vorsichtig mit seiner Hand über ihren Kopf und zog es nur kurze Zeit später wieder zurück, so dass er die Hand zwischen ihnen hielt. Ein rosa farbiger Schmetterling saß ruhig auf dem Zeigefinger.
„Was denkst du? Animagus?" fragte er mit gespielt verdächtigendem Blick. Lilli kicherte.
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein einfacher Schmetterling ist. Es gibt kaum ein Schüler, der es wagt sich unerlaubt in ein Animagus zu verwandeln."
Da auch James lachte, flatterte der Schmetterling von der Erschütterung seines Körpers in die Höhe, drehte einige friedliche und langsame Runden um die beiden und flog schließlich über den See hinaus davon.
Lilli und James legten sich zurück in ihre Ausgangsposition, wo sie einander einfach nur ansehen und die Zeit genießen konnten.
„In ein paar Tagen ist alles vorbei," flüsterte Lilli sanft und krabbelte mit ihrer Hand auf seine, welche bis dahin einfach nur zwischen ihnen auf der Wiese lag. James lächelte als sie begann mit einem Finger zärtlich über seinen Handrücken zu streicheln.
„Dieses letzte Schuljahr war so überwältigend und … atemberaubend."
„Gut?" hinterfragte er vorsichtig. Sie lächelte.
„Sehr gut sogar," bestätigte sie mit leuchtenden Augen. „In diesem Jahr ist so viel passiert und – am Ende war es alles wert, wenn es nur zu diesem heutigen Tag beigetragen hat. Es gab Zeiten, da hätte ich nie geglaubt, dass wir wirklich mal ein solchen Abend verbringen. Es fühlt sich immer noch so unwirklich an."
Er sah charmant tief in ihre Augen.
„Was denkst du? Wenn wir heute Abend einfach nicht zurück in unsere Schlafsäle gehen, fällt das jemanden auf?"
„Gute Idee," lachte sie viel sagend. „Oder wir bleiben einfach für immer hier. Dann bleibt Voldemort wo er ist und wir auch."
Das vorherige spitze Grinsen verschwand aus James' Gesicht und Sorgenfalten hatten sich auf seiner Stirn gebildet. Lilli biss sich augenblicklich auf die Lippen und als sich der Zauberer aufrichtete, wünschte sie sich sofort den letzten Satz besser nicht gesprochen zu haben. Sie richtete sich ebenfalls auf und sah ihn beunruhigt an. James hatte die Beine an die Brust gezogen und den Blick auf den weiten See gerichtet. Lilli aber saß mit angewinkelten Beinen ihm zugeneigt daneben.
„Es tut mir leid," sagte sie schnell. „Ich hätte nicht -"
„Nein, das ist es nicht," entgegnete er jedoch sofort und zeigte mit seinem warmen Blick, dass er nicht böse mit ihr war.
„Was dann?" fragte sie sanft.
„Meine besten Freunde hauen ab nach Irgendwohin-bloß-nicht-da-wo-ich-bin. Das kann ich ihnen aber auch nicht verübeln, nachdem ich mich bei Padfoot für seine Witze in unserer Beziehung bereits revanchiert habe."
Sie lachte kopfschüttelnd.
„Ihr beide seid immer noch wie Kinder."
„Und du wirst die Ausbildung zum Auror beginnen."
„Das heißt nicht, das ich nach Irgendwohin-bloß-nicht-da-wo-du-bist gehe."
Sie legte ihre Hand auf seinen Arm und drückte ihn zärtlich. James lächelte sie wieder an und legte die andere Hand auf ihre, um sie zu drücken. Sie wollte eigentlich auch wieder lächeln, sah dann aber wie traurig seines wirklich war und der Anflug verschwand sofort wieder aus ihrem Gesicht. Stattdessen sah sie ihn ernst an.
„James, was ist los? Etwas, was ich gesagt habe, beschäftigt dich doch und bereitet dir Sorgen. Sag mir was?"
Er seufzte und blickte bedrückt zurück zum See hinaus.
„Black Heart," sagte er schließlich beunruhigt. „Das war nicht das Ende. Und ich weiß nicht, ob wir alleine mit dem fertig werden, was kommt – ob ich damit alleine fertig werde."
„Ist das denn wichtig? Du bist nicht alleine," sagte sie entschieden. „Nur weil ich meine Ausbildung anfange und wir nicht mehr in einem Turm schlafen bin ich nicht aus der Welt. Auch wenn wir uns nicht mehr jeden Tag sehen. Ich bin trotzdem da... Du siehst Black Heart nur als etwas schlechtes und … vielleicht ist es das gar nicht? Wir stehen das durch. Egal, was kommt. Ich versprechs."
Er lächelte wieder sanft, doch es war nach wie vor traurig und Lilli konnte nicht anders als ebenfalls traurig zu sein.
Harry wachte auf als er laute Stimmen hörte, die sich angeregt über das bevorstehende Quidditchspiel unterhielten. Es waren ein paar Fünftklässler, die sich in eine Ecke gesetzt hatten. Harry rieb sich die Augen, um wieder wach zu werden und drückte sich auf, um nicht mehr auf der Couch zu liegen. War es immer noch ein Traum? Oder die Wirklichkeit? Seine Eltern kannten Black Heart also oder wurden gar damit konfrontiert? Sein Blick verfinsterte sich als er in das Feuer im Kamin starrte. Hermine hatte recht. Etwas stimmte hier nicht. Das konnte kein Zufall sein, dass er von etwas träumte, was womöglich sogar genauso passiert ist. War es tatsächlich White und ihre Legilimentik, die versuchte ihn zu manipulieren?
