Chapter 5 – secret relict

Es war weit hinein in den Oktober, dass Harry in der Großen Halle beim Essen saß und sich zwei bekannte Gesichter plötzlich zu ihnen gesellten und sich ebenfalls ein Teller mit Essen aufladeten.

„Hey!" strahlte Harry erfreut. Jimá und Brian waren endlich wieder da.

„Selber hey!" grüßte Brian und zwinkerte ihm zu. „Ron, Hermine, Ginny. Wie läuft's so?"

„Schlimm!" sagte Ginny mürrisch. „Wie konntest du bitte sehr 2 Klassen überspringen? Ich versinke in Arbeit."

„In der Ruhe liegt die Kraft," kommentiert er geheimnisvoll und hatte wieder diesen Blick drauf, den man nicht leiden konnte, wenn man selbst in Stress versank und es einem alles andere als gut ging.

„Wie gut bist du beim Zaubertrank mischen?" schoss Ron direkt heraus. „Unser Phönixtrank nimmt einfach nicht die Farbe an, die er soll. Dabei hat sich Hermine genau an das Rezept von Slughorn gehalten."

„Ron!" zischte diese tadelnd. „Wir sollen den Trank alleine brauen! Außerdem hab ich dir gesagt, du sollst herausfinden, was man gegen die Farbe tun kann und nicht, dass du jemand anderen fragst."

Brian gluckste.

„Sorry, Leute. War nie so mein Fach. Ich hab zwar ein Ohnesgleichen in meinem Utz gehabt, aber an meiner Braukunst des Phönixtranks lag das bestimmt nicht. Jimá auf der anderen Seite -"

Er sah sie bedeutungsvoll an und so wandten sich auch alle anderen am Tisch der Hexe zu, die bis dahin sehr ruhig und langsam Essen auf ihren Teller geladen hatte. Harry fiel erst jetzt auf wie traurig und bedrückt sie aussah. „Kommt nach ihrer Mutter und hatte ihr Ohnesgleichen verdient in ihren Utz Prüfungen bekommen und ich weiß aus sicherer Quelle und eigener Erfahrung, dass sie einen ausgezeichneten Phönixtrank herstellt. Mein Körper sagt vielen Dank an dieser Stelle. Miss Sayé?"

Sie rollte Brian gegenüber die Augen, wandte sich dann aber mit freundlichem Blick Ron zu.

„Angleichen der Farbe funktioniert mit Nelkensaft. Ein paar Tropfen reichen."

„Wirklich?" fragte jedoch Hermine und nicht Ron. Der hatte es einfach nur aufgeschrieben und so hingenommen.

„Nelkensaft neutralisiert die Zutat im Phönixtrank, die ihr zu viel vermischt habt. Da ist es gleich was es war. Es reicht, dass ihr etwas ein Millimeter zu breit geschnitten habt oder etwas anderes ein Tropfen zu viel rein gegeben habt und es nimmt nicht mehr die Farbe an, die es soll. Versucht das einfach mal. Harry -"

Jimá wandte sich nun ihm zu, denn er hatte sie auch die ganze Zeit bereits aufmerksam beobachtet, was weder ihr, noch Brian entgangen war. Letzterer beobachtete das nur genüsslich während er ein Hühnerbein aß.

„Ich hab das was du möchtest dabei."

Sie nahm ein weißes Kästchen aus ihrer Umhangstasche und schob es ihm rüber. Harry hatte es geöffnet, jedoch nicht herausgenommen, damit nicht jeder sah, was sich da drin befand. Ihm war durchaus aufgefallen, dass Crabbe und Goyle immer noch verdächtigt oft in ihrer Nähe aßen. Es war eindeutig das Medaillon aus der Erinnerung. Er erkannte die Gravuren darin.

„Danke, Jimá," sagte er strahlend, schloss das Kästchen wieder und steckte es sofort ein. Dieser Moment fühlte sich richtig gut an. Am liebsten wäre er sofort in den Raum der Wünsche gegangen, um an die Arbeit zu gehen, aber Jimá und Brian waren noch da und aus Freundschaft ihnen gegenüber blieb er sitzen und beteiligte sich am Gespräch, das sie mit den anderen drei führten.


Nachdem Essen verabschiedeten sich Jimá und Brian, um wieder nach London zurückzukehren und die Freunde gingen Richtung Raum der Wünsche. Darin versteckten sie sich immer, wenn sie unter sich sprechen wollten.

„Jimà sah traurig aus," bemerkte Ginny als sie schließlich hinein traten.

„Fand ich auch," stimmte Ron seiner Schwester zu. „Ich wollte sie nun aber nicht so direkt darauf ansprechen. Wie soll man da auch reagieren? Hey, sorry, dass eine Kollegin in deinen Armen gestorben ist. Wie fühlst du dich dabei?!"

„So was spricht man auch nicht einfach so beim gemeinsamen Essen an," zischte Hermine verärgert. „Ich frag mich, ob sie überhaupt jemanden hat, dem sie sich anvertrauen kann."

Damit warf sie insbesondere Harry einen vorsichtigen Blick zu, der ihm nicht entgangen war. Er verzog die Augenbraue und sah sie verwirrt an.

„Was?" fragte er leicht verärgert, denn selbst Ginny hatte ihn mit demselben Blick wie Hermine nun angesehen und er verstand nicht, was beide von ihm wollten.

„Jimá scheint dich sehr zu mögen. Vielleicht solltest du mal das Gespräch mit ihr suchen?"

„Ist nicht Fleur ihre beste Freundin?" warf Ron jedoch ein. „Sollte die da nicht mit ihr reden?"

Hermine und Ginny ignorierten ihn.

„Ich mein ja nur, mir kommt es so vor, als ob Jimá Harry's Nähe als Freund sucht."

Er sah daraufhin Ginny an und erkannte auch in ihrem Gesicht nichts als Sorge.

„Jaah, vielleicht schreib ich ihr mal," sagte Harry, um dem ein Ende zu setzen und sich dem zuzuwenden, was sie eigentlich vorhatten. Das Medaillon. Er holte das Kästchen heraus und legte es auf den kleinen Tisch in ihrer Mitte.

„Das Medaillon scheint noch intakt zu sein. Ich glaub nicht, dass es Regulus zerstört hat. Der Stein im Ring war kaputt. Dieses Medaillon hat nicht mal Risse."

„Und uhm wie zerstören wir den nun?" fragte Ron und schien sichtlich verängstigt, denn er war ein wenig auf Entfernung gerutscht. Harry runzelte die Stirn und sah nachdenklich zu Hermine, welche nicht weniger unsicher wirkte.

„Das Tagebuch damals hab ich mit einem Basiliskenzahn zerstört, aber ist nicht so, dass hier überall einer herumliegt."

„Wie hat Dumbledore den Ring zerstört?" fragte Hermine.

„Keine Ahnung," sagte Harry missmutig. „Hat er nicht gesagt."

„Selbst wenn, sollten wir das nicht tun," warf Ron ein. „Ich möchte ungern meine Hand verlieren!"

„Dumbledore sagte, er konnte den Ring nur aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten zerstören," fügte er hinzu und man konnte förmlich sehen, wie jeder von ihnen mehr und mehr entmutigt wurde. „Allerdings glaubt er auch, dass zu lieben eine außergewöhnliche Kraft ist..."

„Sollst du das Medaillon etwa kaputt knutschen?" sagte Ron mit verrücktem Blick. Harry sah dämlich zurück.

„Wie weit seid ihr denn mit dem Buch?" fragte Ginny, aber Hermine schüttelte den Kopf.

„Da ist bisher noch nicht erwähnt, wie man sie zerstört. Nur, wie man sie herstellt. Es heißt aber, dass das wichtig ist, um zu verstehen, wie sie zerstört werden."

Harry nahm das Medaillon in die Hand und starrte es eine Weile lang an, doch Hermine, Ron und Ginny wechselten tief besorgte Blicke.

„Du hast nicht vor das irgendwie zu nutzen, oder Mann?" warf Ron ein, denn der Ausdruck des Freundes war fast ein wenig zu vertieft gewesen. Dann aber legte Harry es zurück in das Kästchen und schloss es wieder.

„Nein," sagte er müde, machte es wieder zu und legte es gut gesichert in eine Schublade eines Regals. „Dann muss es eben hier bleiben, bis wir einen Weg gefunden haben, um es zu zerstören."


In der Erwartung in Fortgeschrittene Verteidigung gegen die Dunklen Künste weiter an dem Procella Zauber zu arbeiten, waren sie alle überrascht, als nicht Remus an seinem Schreibtisch saß, sondern Professor White.

Harry, Hermine, Ginny und Ron froren entsetzt auf der Türschwelle fest und gingen nur weiter, weil die Schüler, die nach ihnen kamen, die vier rein drückten. White hatte keinen von ihnen beachtet, sondern blickte mit verschlossenen Armen fast ein wenig verträumt zum offenen Fenster hinaus. Die anderen tuschelten leise miteinander und Ron, Harry, Ginny und Hermine setzten sich ebenfalls mit misstrauischen Blicken an ihre Plätze. Kaum, dass der letzte Schüler, was wie so oft auch Neville war, herein schritt, hatte sich die Tür nach ihm von alleine geschlossen. Er zuckte kurz zusammen als es Rums machte und auch alle anderen waren aufgeschrocken und hatten sofort aufgehört zu schwätzen.

„Setzen sie sich, Mr. Longbottom," sagte White ruhig und hatte sich der Klasse endlich zugewandt. Neville ging mit Feuerrotem Gesicht an seinen Platz und machte sich ganz klein. „Professor Lupin ist heute verhindert und ich habe mir die Freiheit genommen ihn zumindest in dieser Klasse zu vertreten. Es ist ihr letztes Jahr und sie müssen sich alle auf die Utz Prüfungen vorbereiten. Daher ist es äußerst unklug auch nur eine Stunde ausfallen zu lassen. Es ist ohnehin nichts Neues für sie Unterricht von einer Direktorin zu erhalten."

Sie blitzte insbesondere in Harry's Richtung, der nicht anders konnte als eine ungeheure Wut in sich aufkeimen zu spüren. Der Seitenwink auf Umbridge kam bei allen an. Wenn sie die Klasse nun auch noch Bücher durchlesen ließ wusste Harry, dass er den Unterricht sofort verlassen würde, um Wichtigeres zu tun, egal was für eine Strafe sie ihm dafür aufbrummte.

„Nach den Unterlagen hier zufolge sind sie mit den Phowlyris durch." Alle begannen einander verwirrt anzusehen, denn das waren sie ganz und gar nicht. Harry war der Einzige, der es ansatzweise geschafft hatte und alle anderen stießen ihre Duellierpartner nach wie vor um. Die Professorin ignorierte diesen Ausbruch und fuhr mit strenger Stimme fort. Ihre Haltung war so autoritär, dass es kein Schüler wagte einen Mucks von sich zu geben oder ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

„Sie haben in den letzten Jahren gelernt sich gegen gewisse dunkle Kreaturen zu verteidigen, sich allgemein zu verteidigen und zu kämpfen. Lassen Sie uns einen Versuch starten. Ich stelle eine Frage, wen immer ich aufrufe hat zu antworten. Wer am Ende dieses Spiels am Leben bleibt, erhält 250 Punkte für sein Haus."

Wieder sahen sich alle Schüler gegenseitig irritiert an. White's dunkle Augen blitzten heimtückisch.

„Gut, Mr. Longbottom!"

Neville lief Blutrot an und zitterte wie Espenlaub beim starkem Sturm.

„Sie sehen sich 2 Dementoren gegenüber. Was tun Sie?"

„P-Patronus," stotterte er leise. White sah ihn kritisch an und während der ein oder andere Slytherin höhnisch lachte, ballte Harry seine Hände zu Fäusten. Da dachte er ohne Snape würde der Unterricht besser werden und dann kam diese Frau daher und führte seine Schikanen fort.

„Mr. Potter," sagte sie mit herrischer Stimme und hatte sich nun ihm zugewandt, so wie auch jeder andere Schüler ihn nun anstarrte.

„Mr. Longbottom konnte nur einen Dementoren verjagen. Es kommen 5 nach. Was tun Sie?"

„Ebenfalls den Patronus Zauber," antwortete er mit fester Stimme und hielt ihrem stechenden Blick durchaus stand. Unwohl und leicht gereizt fügte er dennoch höflicher hinzu „Professor."

„Mr. Thomas, ein Basilisk hat sich ihnen in den Weg gekämpft. Was tun Sie?"

„Uhm -"

„Mr. Thomas ist versteinert und damit tot."

„A-Aber," rief dieser trotzig. „Nein! Ich wende den Impedimenta Fluch an!"

„Sie haben gezögert Mr. Thomas und sind raus," wiederholte White barsch. „Mr. Finnigan! Was tun Sie?"

„Den Impedimenta Fluch."

„Mr. Finnigan ist ebenfalls versteinert und raus. Miss Granger?"

„Die Augen schließen und dann das Krähen eines Hahns mit einem Zauber erzeugen, Professor."

Die Professorin lobte Hermine nicht, wie es andere Professoren sonst getan hätten, stattdessen ging das Spiel weiter bis nur noch Harry, Hermine, Ron, Neville, Blaise Zabini, Hannah Abbot und Susan Bones übrig waren. Ginny war mit Arbeit so überladen, dass es sie sehr früh aus dem Spiel warf.

„Dann schauen wir mal, wie sie ihre neuesten Kenntnisse einsetzen können. Phowlyris tauchen in ihrer Mitte auf. Mr. Zabini?"

„Ich wende den Procella Zauber an."

„Da ich weiß, wie sie diesen beherrschen, sind sie raus. Und ebenso Miss Abbot. Tut mir leid, aber Mr. Zabini kann nicht zielen."

Die halbe Klasse lachte und auch Harry fand das irgendwie witzig. Selbst Hannah Abbot selbst hatte gelachte.

„Miss Bones, was tun sie?"

„Ich führe den Procella Zauber zusammen mit allen anderen verbliebenen aus, Professor."

White sah die Hufflepuff Schülerin einen Moment an, dann nickte sie anerkennend.

„Ich lass das gelten."

Bones strahlte überglücklich.

„Die Phowlyris ist eine Feindin und sehr gefährlich. Der Procella Zauber wird sie nur auf bestimmte Zeit außer Gefecht setzen und sie können mit ihrer Magie den Zauber nur einmal auf bestimmte Zeit ausführen. Die Phowlyris kommt wieder zu sich, bevor sie und ihre Freunde sich richtig erholen konnten. Sie müssen sie töten. Wie tun sie das?! Miss Bones?"

„Ich – uhm -"

„Tut mir leid, Miss Bones. Auch sie sind raus. Miss Granger."

„Aber Professor White? Man kann doch eine Phowlyris nicht töten? Wenn man das tut, dann lebt sie für immer."

„Das ist richtig – Also bleibt uns nichts anderes übrig als für immer vor ihnen wegzulaufen?"

Die Klasse verstummte und viele warfen dem Partner einen unangenehmen Blick zu. White aber sah alle herablassend an.

„Es gibt etwas, das eine Phowlyris in der Tat für immer tötet, weil es so mächtig ist, dass selbst die höheren Wesen Ehrfurcht davor besitzen. Es gibt nichts, was diese Klinge nicht fürchtet und nicht von ihr zerstört werden kann. Das Relikt befindet sich hier in der Schule. Das Schwert Gryffindor's."

Eine Welle der Bewunderung ging reihum. Harry aber sah dies mit gespaltenen Gefühlen.

„Natürlich konnte dies keiner von ihnen wissen, weswegen die Frage auch mehr dazu diente ihnen Wissen anzueignen. Miss Bones? Sie sind wieder drin.. Gut. Finale – Mr. Potter, Mr. Longbottom, Mr. Weasley, Miss Granger, Miss Bones. Sie alle stehen einem Ponester in Form eines Schmetterlings entgegen. Was tun Sie?"

Neville und Susan Bones zuckten entsetzt auf, Harry verfinsterte verwirrt die Miene, Ron und Hermine hatten eigentlich den Mund geöffnet, um irgendetwas zu sagen – raus kam jedoch nichts, denn die Wahrheit war -

„Professor, was ist ein Ponester?" fragte Hermine vorsichtig. Keiner von ihnen hatte je etwas davon gehört und wussten somit auch nicht, was sie darauf sagen sollten. In der Erwartung dass White um sich keifte und alle anbellte wie schlecht ihre Schulbildung war, verwunderte es jeden, dass sie weder ihre Stimme erhoben hatte, noch jemanden dafür rügte. Stattdessen sah sie die kleine Gruppe nach wie vor strikt an.

„Selbst ohne zu wissen, was dies für Wesen sind, sollen sie antworten. Es hat sich nicht gerührt. Es sitzt auf einem Ast an dem sie vorbei müssen. Was tun Sie?"

„In einem Glas einfangen?" schlug Ron vor und einige Schüler lachten.

„Mr. Weasley ist raus," sagte White, sehr zur Verwunderung von Harry war dies jedoch nicht so hart wie sie die Schüler zuvor rausgeworfen hatte. „So schnell wie Ponester fliegen werden Sie einen nie einfangen können, Mr. Weasley. Miss Granger?"

Petrificus Totalus."

„Netter Versuch," sagte die Professorin anerkennend und Hermine strahlte. „Wirkt nur leider gegen Ponester nicht. Miss Granger ist raus. Mr. Potter?"

„Ridikkulus?" schlug Harry konfus vor.

„Mr. Potter ist raus. Ein Ponester ist kein Irrwicht. Miss Bones?"

„Uhm – Dormir?"

„Wirkt ebenfalls nicht bei Ponester. Miss Bones ist ebenfalls raus. Mr. Longbottom? Letzte Chance."

Neville war mittlerweile richtig ungesund rot im Gesicht und hätte man eine Tomate davor gehalten, hätte man kein Unterschied zwischen seiner Haut und dem Gemüse gesehen.

„I-Ich versuche es zu umgehen und m-mich vorbei zu sch-schleichen... Ich mein... es ist doch nur... ein Schmetterling... Oder, Professor White?"

Wieder lachten einige Schüler. Harry sah von Neville zurück zu Professor White, die einen Moment gar nichts tat, ihr Blick war harsch wie eh und je und dann – lächelte sie mild. Es war das Erste, was Harry je in dem ihm bis dahin verhassten Gesicht sah.

„Mr. Longbottom hat gewonnen. 250 Punkte für Gryffindor."

Das Gelächter erstarb auf der Stelle und Neville wurde – noch mal ein Stückchen roter. Harry, Ron und Hermine aber strahlten den Freund an und klopften ihm beglückwünschend auf die Schulter. Es dauerte etwas bis Neville das begriff und langsam erleichtert ein kleines Lächeln verzog.

Ponester sind Lichtwesen," fuhr White fort und augenblicklich hatte wieder jeder seine Aufmerksamkeit der Lehrerin zugewandt. „Sie schaden keinem und schon gar nicht ist es nötig, sich gegen sie zu verteidigen. Es leben nicht mehr viele, aber diejenigen, die noch in der magischen Welt existieren, zeigen sich so gut wie überhaupt nicht. Selten begegnet man einem Wesen, wenn es dieser erlaubt. In dem Fall nimmt es die Form an, die demjenigen, dem es begegnet, am angenehmsten ist und der einzige Grund dies zu tun ist, weil sie sich ernähren müssen."

„Ernähren, Professor?" fragte Hermine mit hochgehobener Hand.

Ponester ernähren sich von der Magie eines Lebewesens. Menschen, sind von ihnen bevorzugt. Sie bevorzugen weiße Magie und das ist für beide ungefährlich und auch kaum spürbar. Von allen die hier sitzen, würde ich sagen, dass mindestens 5 von ihnen schon mal unbewusst einem Ponester begegnet sind und auch Magie von diesem entnommen wurde."

Hermine schrieb unaufhaltsam alles nieder, was Professor White von sich gab, während der Rest der Klasse gebannt an ihren Lippen hing. Die einen entsetzt, die anderen neugierig. Harry hingegen war mehr in seinen eigenen Gedanken versunken. Es war das, was hier gesagt wurde, dass ihn beschäftigte. Lichtwesen? Nimmt die Form an, die am angenehmsten ist? Das Bild seiner Eltern. Vielleicht war es gar kein Zauber, sondern -

„Professor White?" Es wunderte ihn selber, dass er seine Hand hob und etwas fragte, aber er war so in seinen Überlegungen vergraben, dass es ihn gar nicht auffiel, bevor es bereits vorüber war.

„Können Ponester auch menschliche Formen annehmen?"

„Sie dreschen gerne voraus. Kann das sein, Mr. Potter?" entgegnete sie und schon schoss der Ärger wieder in Harry auf. „Stellen sie Fragen wenn es passt, nicht um etwas zu beschleunigen. Die Stunde heute ist beendet. Ihre Hausaufgabe ist es – Dank Mr. Potter – herauszufinden, ob Ponester eine menschliche Gestalt annehmen kann oder nicht. Eine falsche Antwort darauf wird ihrem Haus 50 Punkte kosten also sollten sie sich alle besser vernünftig mit dem Thema beschäftigen. Sie dürfen gehen."

Empfand Harry vorher nur tiefe Abneigung gegen die Professorin, war er nun kurz vor dem explodieren.

„Danke, Potter," keifte einer der Slytherins als er mit den anderen an Harry vorbei ging. Der rollte mit den Augen und folgte seinen Freunden aus dem Klassenzimmer heraus.

„Ich sags nicht gern," begann Hermine als sie Richtung Gryffindor Turm gingen. „Aber – irgendwie ist sie eine gute Professorin."

Harry warf ihr einen verärgerten Blick zu, aber Hermine schüttelte sofort abwinkend mit den Händen.

„Nicht, wie sie mit dir umgeht. Das finde ich gemein. Da ist sie wirklich wie Snape. Aber – das mit Neville war nett und ehrlich gesagt hat das heute sehr gut getan vieles wieder aufzuholen, was wir die letzten Jahre gelernt haben. Und ich finde das Thema Ponester auch sehr interessant. Ich hab wirklich noch nie etwas davon gehört."

Er schnaubte verärgert.

„Wisst ihr was? Ich geh in die Bibliothek, um herauszufinden, ob sie menschliche Gestalt annehmen können."

Und prompt hatte Hermine sie verlassen und ging schnurstracks einen anderen Gang entlang Richtung Bibliothek.

„Sag mal, glaubst du etwa, White ist ein Ponester?" gluckste Ron amüsiert, aber auf Harry's blöden Blick hin verkniff er sich das Grinsen.

„Nein, aber vielleicht das Mädchen auf dem Foto meiner Eltern – Aber Hermine hat recht. Wenigstens sprang sie mit Neville nicht so unverschämt herum. Lass uns auch in die Bibliothek gehen."


Obwohl sie Hermine Gesellschaft leisteten und mit ihr Bücher durchgingen, um sich näher über Ponester zu informieren, bekamen sie auf die gesuchte Frage keine angemessene Antwort. Nirgends stand explizit, dass ein Ponester menschliche Gestalt annehmen kann, überall war nur die Rede von tierischen Formen.

Harry hatte irgendwann keine Lust mehr das tausendste Buch durchzugehen und dasselbe zu lesen, ließ Ron und Hermine alleine zurück und verzog sich wieder in den Raum der Wünsche. Dieser Tage war dies der einzige Ort, an dem er alleine sein konnte. Egal, wo er sich sonst aufhielt, entweder nervten ihn seine Mitschüler wegen dem Quidditch Training, oder seine Freunde lagen ihm in den Ohren damit, dass er sich mehr auf den Unterricht konzentrieren solle oder es gab etwas anderes, was ihn nervte. Wenn es nicht die Auroren waren, die sich in Hogwarts aufhielten und ihn offensichtlich beobachteten, war es der Tagesprophet, der herum lag und dessen Titelseite stets nervende Schlagzeilen trugen wie Harry Potter und das Zaubereiministerium arbeiten weiterhin eng zusammen. Auroren stehen jederzeit mit dem Auserwählten in Hogwarts in Kontakt.

Er starrte das Medaillon in seiner Hand an und versuchte angestrengt einen Weg zu finden ihn zu zerstören. Er konnte schlecht runter in die Kammer des Schreckens gehen und dem toten Basilisken noch mal einen Zahn ausreißen. Nach 4 Jahren war das Monster wohl ohnehin entfernt worden...

Dann aber erinnerte er sich an die Worte von White. Das Schwert Gryffindor's war fähig eine Phowlyris für immer zu töten. Als Dumbledore ihm damals den Ring zeigte, hatte er auch das Schwert Gryffindor's bei sich. Was wenn er den Stein mit dem Schwert zerstört hatte? Harry packte das Medaillon zurück in das Kästchen und verließ den Raum der Wünsche.

Er lief in den Gemeinschaftsraum und fand in der Tat seine Freunde auf dem Sessel vor dem Kamin und angenehmerweise befand sich auch sonst niemand hier.

„Mann, wir sind immer noch nicht weitergekommen!" sagte Ron entnervt als sich Harry zu ihnen setzte. „Da steht echt nirgends, ob ein Ponester auch eine menschliche Gestalt haben kann. Ich hab das Gefühl, wir haben bereits die ganze Bibliothek durchgelesen und zwar dreifach!"

„Ja, egal," winkte Harry ab. „Hört mal, ich glaub, ich hab nen Weg gefunden, das Medaillon zu zerstören."

Beide waren sofort aufrecht hin gerückt, um ihn besser zuhören zu können.

„White sagte doch, Gryffindor's Schwert könnte eine Phowlyris töten? Ich glaube, damit hat Dumbledore auch den Ring zerstört."

„Ja, aber Harry – Das Schwert ist nicht mal eben so in der Bibliothek ausleihbar," wandte Hermine ein.

„Es ist wahrscheinlich irgendwo in Dumbledore's Büro."

„Also White's Büro," verbesserte sie ihn, aber er ignorierte das.

„Also muss ich da noch mal einbrechen."

„Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ihr Passwort noch immer dasselbe ist?" sagte Hermine ernst. „Und außerdem, ich glaube nicht, dass wir noch mal so ein Glück mit den Porträts haben werden."

„Dann muss ich sie eben mit einem Fluch zum schweigen bringen. Ich muss da rein und das Schwert holen."

„Vorausgesetzt, es ist da," sagte Hermine erneut. „Und mal ehrlich! Wenn es dort ist, glaubst du wirklich es fällt Professor White nicht auf, wenn du das Schwert entwendest?"

Ron hatte während des Gesprächs nur zwischen beiden hin und hergesehen. Erst als Harry nichts auf diesen Kommentar zu erwidern versuchte, gab auch er endlich seinen Senf hinzu.

„Was haben wir schon zu verlieren? Im besten Fall finden wir das Schwert und – und Harry kann es doch direkt im Büro benutzen und das Medaillon zerstören. Also Ich bin dabei."

Hermine sah beide wieder mit demselben Gesichtsausdruck an, den sie immer trug, wenn sie etwas wider besseren Wissens tat, aber Harry ging es durch die Unterstützung von Ron wieder besser.

„Na schön," sagte sie schließlich und gab sich geschlagen. „Ein Versuch schadet ja nicht."


Das dumme war nur, dass White laut der Karte nicht in Hogwarts war und das Passwort hatte sie in der Tat bereits geändert. Nachdem sie sich auch erneut die folgenden Tage nicht in der Schule befand und Remus wieder den Unterricht am Ende der Woche leitete, vermutete Harry, dass White wohl auch an diesem Tag nicht in Hogwarts sein würde.

Es stellte sich heraus, dass keiner eine Antwort auf die Frage der letzten Stunde wusste. Remus lächelte sanft.

„Ich glaube nicht, dass Professor White das ernst meinte, mit dem Punkteabzug," teilte er ihnen zur Beruhigung mit und es erging sichtlich erleichtertes Seufzen durch die Runden. So viele Gryffindor's wie hier saßen hätten sie mit einem Schlag die 250 Plus Punkte von Neville mit ihrem Nichtwissen wieder verloren.

„Es wäre doch sehr unfair, da ihr diese Information kaum einem Buch entnehmen könnt. Ich denke, sie wollte einfach, dass ihr euch Gedanken darüber macht.

Es ist in der Geschichte nicht bekannt, dass je ein Ponester die Gestalt eines Menschen angenommen hat. Der Grund ist, dass Ponester lernen, eine Gestalt anzunehmen, wenn sie noch sehr jung sind. Sie nehmen die Formen an, die sie in ihrer Umgebung finden und es ist eine magische Symbiose mit diesen Wesen notwendig, damit Ponester dies verinnerlichen können. Mit Tieren ist dies sehr einfach.

Die Gestalt eines Menschen anzunehmen erfordert jedoch sehr viel Zeit und Arbeit von beiden Seiten. Ihr könnt euch sicher denken, dass Menschen diesen Aufwand einem unbekannten Wesen gegenüber scheuen. Erst recht, wenn es sich von ihrer Magie ernährt.

Wenn ein Ponester menschliche Form annehmen kann, so muss dieser wirklich sehr viel Glück gehabt haben und Menschen gefunden haben, die diesen Aufwand nicht gescheut haben."

Harry's Frage war damit dennoch nicht richtig beantwortet und so hob er seine Hand.

„Ja, Harry?"

„Also kann ein Ponester menschliche Gestalt annehmen?"

„Die Möglichkeit besteht in der Tat."

„Auch die Gestalt eines kleinen Mädchens?"

Lupin war für einen Moment ruhig, dann antwortete er sehr bedacht:

„Die Möglichkeit besteht. Ja."

Harry runzelte die Stirn.

Nach der Stunde liefen alle wie gewohnt hinaus, Harry, Hermine und Ron aber blieben als Letztes. (Ginny war sofort gestresst wieder weggeflitzt.)

„Ist es ein Ponester?" fragte Harry geradewegs heraus als er bei Remus am Schreibtisch stehen blieb. Dieser packte jedoch seelenruhig seine Sachen in die schäbige Tasche ohne etwas zu erwidern. „Remus, komm schon!" fuhr er verärgert fort. „Du weißt die Wahrheit und White weiß sie offenbar auch. Wieso hätte sie sonst mit ausgerechnet diesem Thema beginnen sollen? Sie wollte, dass ich es weiß. Ich bin dabei in eine Falle zu laufen! Willst du das etwa?"

Lupin hielt inne und sah ihn verwundert an.

„Es ist dasselbe wie in der vierten Klasse als Bartemius Crouch junior sich als Mad Eye Moody ausgegeben hat und mich stets in eine Richtung lenkte, so dass ich am Ende genau da gelandet bin, wo Voldemort mich haben wollte. Und was ist passiert? Voldemort ist zurückgekehrt."

Hermine sah Lupin leicht unangenehm an, Ron's Blick dagegen war nachdrücklich und sagte aus, dass er voll und ganz auf Harry's Seite stand. Lupin lächelte sanft und atmete einmal heftig aus als Zeichen, dass er nachgab.

„Es war ein Ponester," sagte er leise. „Aber dies ist eine lange Geschichte und wie ich dir schon mal sagte, kann ich es dir bedauerlicherweise nicht erzählen. Es liegt nicht an mir es dir mitzuteilen."

„An wen dann? White?"

„Nein," sagte Lupin sanft. „Es liegt nicht an Professor White."

„Der Ponester hatte menschliche Gestalt und lebte bei meinen Eltern. War er auch Schuld an ihrem Tod?"

„Harry!" sagte Lupin, diesmal jedoch war er strenger. „Ich bitte dich als Freund, mich nicht weiter darüber auszufragen. Der Ponester trägt keine Mitschuld am Tod deiner Eltern. Das ist alles was ich noch dazu zu sagen habe. Der Rest, soll der Ponester tun, wenn es soweit ist."

„Wenn es soweit ist? Es lebt also? Es hat den Angriff von Voldemort überlebt?"

Ein Blick des Zauberers reichte und Harry schnaubte mürrisch auf. Er warf sich seine Tasche über den Rücken und verließ ohne ein Wort des Abschieds das Klassenzimmer. Hermine und Ron winkten Lupin mit peinlich berührter Miene, gingen dann aber so schnell sie konnten dem Freund hinterher. Der ältere Zauberer schüttelte traurig den Kopf. Wenn alles doch nur einfacher wäre.


„Hey, Mann. Komm schon, reg dich ab," versuchte es Ron, nachdem sie den Freund endlich aufgeholt hatten.

„Mich abregen?" zischte Harry aufgebracht. „Remus ist mein Freund und kennt die Wahrheit. Was ist, wenn dies etwas mit Voldemort zu tun hat? Was, wenn ich das wissen muss, um überhaupt weiterzukommen? Es gibt kein Dumbledore mehr, der nun einschreitet, um das Schlimmste zu verhindern. Wenn ich es nicht richtig mache, dann passiert das Schlimmste."

„Okay, stopp!" Das war Ginny's Stimme und mit einem Mal wurde Harry von Hermine und Ron weggezogen und fand sich in einem Klassenzimmer an der Seite wieder. Er hatte seine Freundin nicht mal ansatzweise auch nur in ihrer Nähe gesehen und war insofern sprachlos nun mit ihr von Angesicht zu Angesicht im leeren Raum für Geschichte der Zauberei zu stehen.

„Klartext!" sagte sie ernst und hatte ihn mit beiden Händen festgehalten. Ein glückliches Gefühl schoss in seinem Inneren auf und hatte augenblicklich die eben noch da gewesene Verärgerung in Nichts aufgelöst. „Ich weiß, du bist tief besorgt, weil du glaubst, einfach nicht voran zu kommen. Du kommst aber voran," fuhr sie bedacht und sanft fort. „Vor 2 Monaten wussten wir nur, dass es noch 4 Horkruxe gibt und auch nur was drei von ihnen waren. Du hattest noch so viel vor dir. Wir hatten noch so viel vor uns. Nun aber haben wir einen Horkrux. Das Medaillon und wir stehen kurz davor es zu zerstören. Wir recherchieren jedes mögliche Anzeichen, um den Aufenthaltsort des Bechers zu finden und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es soweit ist und wir es uns holen können.

Wir sind am letzten Horkrux dran. Wir wissen, dass es etwas mit Black Heart zu tun hat und sobald Hermine herausgefunden hat, was dir zu den letzten Erinnerungen fehlt und du dir diese ansehen kannst, ist es nur noch ein kleiner Weg, um dem ganzen endlich ein Ende zu setzen."

Wenn sie doch nur immer weiter reden könnte. Ginny war die Einzige, die ihm das Gefühl gab, nicht nutzlos zu sein und dass das, was er tat, gut war. Er hatte es die letzten Wochen über vermisst und erst jetzt gemerkt, wie sehr eigentlich.

„Du hast recht," hauchte er leise und es kroch ein ganz sanftes Lächeln über seine Lippen. Sie küsste ihn zärtlich auf den Mund und lächelte gleichfalls.

„Und hör auf dich nur an Hermine und Ron auszulassen. Ich bin auch da. Gib mir keine extra Wurst, sondern schrei mich auch an, wenn dir danach ist."

„Mir ist aber nie danach," sagte er ehrlich, denn sobald sie zusammen saßen hatte er nie das Gefühl als ob etwas nicht in Ordnung war. Im Gegenteil, die Zeit mit Ginny ließ ihn alles schlechte vergessen. Sie kicherte kopfschüttelnd.

„Warum hast du mir eigentlich nicht gesagt, was du vor hattest?"

„Ich weiß nicht," erwiderte sie wieder etwas scheuer. „Ich hatte Angst, dass du es mir ausreden willst."

„Wieso sollte ich das tun?" fragte er verwirrt.

„Weil ich gerade durch die Schule laufe, wie eine verrückte, überforderte, komplett bescheuerte Nudel?"

Er lachte.

„Wieso tust du dir das überhaupt an?"

„Warum wohl? Um dir zu helfen, natürlich!"

„Mir?"

„Nun, du brauchst mich!" sagte sie mit fester Stimme und sah dabei so selbstsicher und niedlich aus, Harry konnte gar nicht widersprechen. Stattdessen grinste er bei dem Feuerwerk in seinem Herzen.

„Ja, das tu ich," bestätigte er und Ginny strahlte glücklich.


Am Wochenende wollte Harry wieder zurück nach London und sein Glück mit den Erinnerungen noch mal probieren. War ja nicht so, dass sie gar nichts getan hatten in der letzten Zeit. Sie hatten sich durchaus neues Wissen angeeignet. Merkwürdigerweise befand sich White nach wie vor nicht auf Hogwarts und auch Jimá und Brian kamen nicht, um sie nach London zu begleiten. Da Harry die ganze Beschützerei ohnehin auf die Nerven ging, hatte er auch keine Probleme damit das Wochenende nur mit Ron und Hermine zurück zu reisen. (Keiner protestierte als Ron mit ihnen reiste und alle drei würden den Teufel tun und schlafende Hunde wecken.) Er verabschiedete sich von Ginny, weil diese noch viel aufholen musste und Lupin sich freundlicherweise bereit erklärt hat, ihr dabei zu helfen, und ging dann ins Büro von McGongall.

„Sollten Sayè und Brian Tonks nicht mit ihnen reisen?" warf die Professorin noch skeptisch ein. Harry aber zuckte nur mit der Schultern, nahm die Gelegenheit jedoch wahr und fragte sie nach White.

„Professor White?" wiederholte sie streng. „Ich glaube nicht, dass es sie etwas angeht, was die Direktorin tut oder nicht tut, Potter? Und nun gehen sie."

McGongall zeigte kein weiteres Interesse daran ein Gespräch mit ihnen fortzuführen und hatte sich stattdessen wieder ihrer eigenen Arbeit am Schreibtisch zugewandt, also reisten die drei durch den Kamin ab.

In London angekommen, hatten sie sich als erstes in das Zimmer mit den Denkarium begeben. Es stellte sich jedoch sehr schnell heraus, dass ihnen für die letzten Erinnerungen immer noch Wissen fehlte und alle drei humpelten mit schmerzendem Hintern wieder ins Wohnzimmer heraus.

„Wieso schmeißt es uns eigentlich jedes Mal ungemütlicher heraus?" jammerte Ron und strich sich einige Male über die schmerzende Seite.

„Vielleicht will es so nachdrücklich zeigen, dass etwas fehlt?" sagte Hermine nachdenklich, warf aber einen unsicheren Seitenblick zu Harry. Der starrte mehr in Gedanken versunken an die Decke, als sich in der Unterhaltung seiner Freunde zu beteiligen.

„Wo sind wir mit dem Trinkbecher?" fragte er schließlich. Hermine zog Unterlagen aus ihrer Umhangstasche und breitete mehrere Pergamentrollen auf den Tisch aus. Eines davon rollte sie auseinander, ging es ganz kurz und schnell durch und wandte sich dann wieder beiden Jungs zu.

„Die Spur konnten wir bisher zurückverfolgen bis zu einer Frau, die es vor 6 Jahren erworben hat und den Namen muss ich ablesen, weil ich ihn mir sonst nicht merken kann: Byenoushaena Tacaedurame Loralles Bishovtas Ray. Allerdings habe ich wirklich versucht mehr über den Namen herauszufinden und gefunden habe ich absolut gar nichts."

Sie legte die Pergamentrolle wieder beiseite und sah frustriert zu Harry.

„Tut mir leid."

„Wirklich gar nichts?" fragte Harry nach, aber Hermine schüttelte frustriert den Kopf.

„Es gibt Aufzeichnungen über Bishovtas. Sie gehören zur magischen Gemeinschaft, besitzen aber besondere Fähigkeiten. Unergründete, weil sie geheimnisvoll bleiben wollten und sich daher nie einem aus der Zauberergemeinschaft wirklich offenbarten. So viel hab ich herausbekommen. Es gibt jedoch keine Aufzeichnungen über bekannte Bishovtas. Jedenfalls keine, die mir zugänglich sind. Ich bin mir nicht mal sicher, ob diese Frau eine ist. Vielleicht ist es auch nur ein Zufall, dass es in ihrem Namen vorkommt. Hier würde ich sagen, kommen wir im Moment nicht weiter. Ich wollte eigentlich Remus, Mr. Weasley oder Tonks fragen, ob sie nicht etwas wissen oder helfen können, weil das Zaubereiministerium sicherlich andere Wege hat, um den Aufenthaltsort von Personen herauszubekommen, aber Tonks hat noch nicht auf meine Eule geantwortet und Jimá haben wir eine ganze Weile lang schon nicht mehr gesehen. Sonst hätte ich sie auch gefragt, weil sie doch nun auch dort arbeitet."

Harry seufzte.

„Dann sieht es wohl so aus, als ob wir mit dem Buch hier weitermachen," sagte er schließlich und holte mit einem Zauber das verkleinerte tausendseitige Buch heraus, dass sie sich aus White's Büro besorgt hatten. Mittlerweile war zumindest mehr als die Hälfte gelesen worden von ihnen und je schneller sie alles durch hatten, umso eher konnten sie es wieder zurück ins Büro schmuggeln, bevor es noch auffiel, dass das Buch weg war.

Sie verbrachten jede Minute über das ganze Wochenende damit und hatten es am Sonntag Abend auch endlich geschafft komplett durchzulesen. Sie waren so fertig und müde, dass Harry selbst eigentlich nichts wollte außer zu schlafen. Das wäre auch beinahe geschehen, wenn nicht Hermine, die den Abendpropheten gelesen hat, entsetzt gequietscht hätte. Augenblicklich waren er und Ron wieder hellwach und saßen kerzengerade da.

„Was ist?" fragte Ron, als sie die beiden Angsterfüllt ansah. „Jemand, den wir kennen?"

Hermine nickte und legte den Tagespropheten mit zitternden Händen nieder.

„Es gab heute eine Explosion im Zaubereiministerium. Es gab... hunderte Verletzte... und Tote."

„Dad!" Ron war sofort aufgesprungen und zum Kamin gehechtet. Harry zögerte als er sah, wie Hermine auf dem Fleck erstarrt war und schüttelte ungläubig den Kopf. Das durfte nicht wahr sein. Ihre Lippen bebten und ihre Augen füllten sich mit Tränen als ob sie jeden Moment zu weinen beginnen würde. „Fuchsbau!" rief Ron nachdem er das grüne Pulver hineingeworfen hatte und dann - „DAD?!" Nichts. Man sah nur die leere Wand. „DAD? MUM?!"

„Ron," sagte Hermine mitfühlend und hatte ihre zitternde Hand auf seine Schulter gelegt. Harry war wie angewurzelt stehen geblieben. „Ich weiß nicht, wie es um deinen Dad steht..." Beide Jungs sahen hoffnungsvoll auf, doch Harry rutschte das Herz in die Hose als er bemerkte, dass Hermine's Ausdruck immer noch voller Schmerz war. „Aber Bill war zu der Zeit wohl im Ministerium -"

„Ich muss dahin!" Und ohne zu zögern wollte Ron durch den Kamin ins Zaubereiministerium reisen. Er hatte das Pulver hinabgeworfen und laut und deutlich „Zaubereiministerium!" gerufen. Nichts geschah. „Noch mal!" Und er warf wieder das Pulver hinab und wieder sagte er die Worte und wieder geschah nichts. Hermine sah Harry hilfesuchend an. Er riss sich aus seinem Schockzustand, zog Ron aus dem Kamin und nickte ihm entschlossen zu.

„Wir apparieren dahin. Komm."


In nicht weniger als 5 Zügen hatten sie es geschafft und tauchten in der Nähe des Zaubereiministeriums auf. Das Gebäude über der Erde selber stand noch zu drei viertel, aber viele Teile waren weggesprengt worden. Direkt vor ihnen befand sich ein großes Loch in der Mauer und man konnte immer noch Angestellte aufgebracht hin und herrennen sehen. Harry glaubte, dass ein Schutzzauber mögliche Muggel davon abgehalten haben musste, das Loch zu erkennen. Sie schritten hinein und Ron wollte den erstbesten am Arm fassen und nach seinem Bruder fragen als -

„Harry?" Es war eine tiefe Stimme, die seinen Namen gerufen hatte und ein Blick zur Seite zeigte einen überraschten Kingsley Shacklebolt. „Was tut ihr drei denn hier? Solltet ihr nicht in der Schule sein? Weiß A -" Er stoppte abrupt als ob er fast etwas falsches gesagt hätte. Stattdessen schob er alle drei mit sich zur Seite, weg von der Menge.

„Im Abendpropheten – Mein Dad? Bill? Was?" Ron brachte kaum einen richtigen Satz heraus, so große Furcht herrschte in ihm. Kingsley hatte es offenbar sofort verstanden und beruhigend mit seinen Händen angedeutet, dass er seine Stimme senken sollte.

„Bill ist am Leben."

Und erst dann ließ bei allen drei die Anspannung nach. Harry glaubte fast sich nicht auf den Beinen halten zu können.

„Er ist im St. Mungo," fuhr der Auror mit leiser Stimme fort, damit andere Auroren und Angestellte, die um sie herum liefen und versuchten die Situation unter Kontrolle zu bekommen, nichts mitkriegten.

„Es gab ein Angriff. Einige Angestellte haben plötzlich wild Flüche um sich geschossen. Bis wir sie aufgehalten haben, gab es schon hunderte Verletzte."

„Der Imperius Fluch?" riet Harry mit finsterem Blick. Kingsley nickte. „Ihr solltet von hier verschwinden, bevor jemand sieht, dass ihr hier seid. Du-weißt-schon-wer hat hier überall seine Leute. Dein Dad ist okay, Ron. Er ist im St. Mungo bei Bill."

Er sah sich suchend um und winkte plötzlich jemanden zu ihnen rüber. Als Harry sich umdrehte sah er Tonks auf sie zulaufen. Ihr Ausdruck war genauso überrascht wie der von Kingsley.

„Was tut ihr denn hier?" sagte sie mit bangem Blick nach links und rechts.

„Abendprophet," sagte Hermine.

„Natürlich wegen Bill. Bring sie ins St. Mungo. Wenn Harry jemand sieht, kommen wir in Teufels Küche," flüsterte Kingsley und Tonks nickte. „Wie läufts mit -?!" Er sah die Kollegin bedeutungsvoll an ohne den Satz beendet zu haben. Tonks nickte erneut, wenn auch mit dem Anflug eines peinlich berührtem Zucken des Mundwinkels.

„Nicht so eloquent wie Dumbledore, aber ein Ergebnis ist da. Der Zaubereiminister tut es und das ist das was zählt. Könntest aber ein wenig Unterstützung leisten. Weiß nicht, ob Scrimgeour nicht schon Verdacht schöpft."

Er nickte und verschwand wieder in der Menge. Tonks dagegen wandte sich den drei Freunden zu, lächelte sanft und schob sie mit sich raus. In ihrer Begleitung reisten sie zum St. Mungo. Tonks hatte sie auf die Station geführt, in der sich die meisten Verletzten aus dem Ministerium befanden. Die Stimmung war gedrückt und Tonks hatte wieder normales, braunes Haar. Sie war eindeutig angespannt und hatte ihre Hand stets um den Zauberstab geklammert, als ob sie selbst hier jemand Ungebetenes erwarten könnte.

„Jimá!" rief sie, als diese ihnen aus einem Zimmer entgegen kam. Harry fiel auf, dass auch sie verletzt war und bandagierte Wunden an ihren Armen hatte. Sie humpelte zudem, was bedeutete, dass sie an den Beinen auch verletzt gewesen sein musste. „Sie lassen dich wirklich schon wieder gehen?"

„Meine Verletzungen sind nicht so schlimm," sagte sie leise. „Andere brauchen die Hilfe der Heiler dringender."

Tonks drückte ihr Mutmachend am Arm und sah sie mitfühlend an.

„Kannst du dich um die drei kümmern? Ich sollte zurück. Die brauchen jede Unterstützung, die da ist, damit Scrimgeour nichts mitkriegt."

„Natürlich, geh ruhig."

Beide Frauen lächelten einander zu, dann winkte Tonks den dreien zum Abschied und rannte den Gang entlang wieder raus. Jimá gab allen drei ein sanftes Lächeln, dann deutete sie ihnen an ihr zu folgen.

„Jimá, was ist passiert?" fragte Harry besorgt während sie den Korridor entlang gingen. Sie sah alle drei traurig an.

„Tut mir leid, Harry. Brian und Ich wollten am Freitag auftauchen, um euch zu begleiten, aber alles ging drüber und drunter. Angestellte des Zaubereiministeriums waren spurlos verschwunden und Brian und Ich schlossen uns der Suche nach ihnen an.

Heute Vormittag dann tauchten sie wieder auf. Alle gleichzeitig im Zaubereiministerium und bevor wir überhaupt wussten, wie uns geschieht, brach alles im Chaos aus. Sie griffen alles und jeden mit an. Die Auroren hatten keine andere Wahl als sie zu – außer Gefecht zu setzen. Es hätte sonst viel mehr Tote gegeben. Bill hätte es fast erwischt. Er war schon verletzt worden aber Brian konnte ihn zur Seite ziehen bevor ihn ein Todesfluch treffen konnte."

Sie hielt schließlich vor einer geschlossenen Tür und klopfte, bevor sie diese öffnete. Dahinter lag Bill auf dem Bett, ziemlich schlimm zugerichtet, aber am Leben. Mr und Mrs. Weasley, Fleur und Charlie an seiner Seite.

„Harry, Ron, Hermine? Was macht ihr denn hier?" sagte Mr Weasley entsetzt. Ron sah seinen Bruder besorgt an, aber der lächelte so zuversichtlich wie es in seinem verletzten Zustand möglich war. Harry fand irgendwie, dass es schief aussah, wenn man all die Verletzungen bedachte, die er noch von der Werwolfsattacke trug plus den ganzen neuen Wunden.

„Ich bin halt beliebt, Dad," witzelte er amüsiert und winkte den dreien zu. Mr Weasley sah alles andere als zufrieden aus, schritt dennoch von seinem Sohn weg und zu ihnen rüber.

„Jimá, bringst du die drei danach wieder zurück in die Schule?"

„Natürlich, Arthur. Sie sind sicher bei mir."

„Daran habe ich keine Zweifel," sagte er freundlich. Dann verabschiedete er sich von allen und verließ das Zimmer. Auf Ron's fragenden Blick hin erklärte Jimá, dass im Zaubereiministerium nun jeder verfügbare Kraft gebraucht wird. Für keinen bestand auch nur der leiseste Zweifel daran, dass dies das Handwerk von Voldemort war.

„Warum hat er das getan?" fragte Harry verständnislos. „Ich mein, was hat er davon?"

„Es war eine Warnung," sagte Bill. „Das Zaubeiministerium tut seit Monaten nichts anderes als den Leuten weiß zu machen, du würdest mit ihnen zusammenarbeiten und sie hätten noch die Kontrolle. Damit hat er gezeigt, dass sie es nicht haben und nichts anderes sind als eine Behörde, die ihm nichts anhaben kann."

„Das ist so schrecklich," sagte Hermine Angsterfüllt. Jimá und Bill tauschten mysteriöse Blicke, die Harry nicht entgangen waren. Er hätte geradeaus fragen können, was sie nicht sagen wollte, ließ es aber bleiben. Da Jimá sie später zurück bringen würde, glaubte er, dass er aus ihr alleine mehr herausbrachte, als wenn er die beiden zusammen konfrontierte.


Die Dunkelheit war bereits hereingebrochen als die vier endlich aufbrachen, Bill noch gute Besserung wünschten und Jimá sie zurück in Harry's Wohnung brachte.

„Ist das eigentlich wirklich nötig?" fragte Harry als sie in die Wohnung hinein schritten. „Ich mein, wenn wir apparieren, kann doch nichts passieren? Selbst wenn wir an einem Platz apparieren, an dem plötzlich Todesser auftauchen, disapparieren wir bevor sie uns überhaupt schnappen können."

„Das dachte Hestia Jones wohl auch," sagte Jimá und ein Blick reichte, um zu zeigen, dass es wohl doch nicht ganz so ungefährlich war, wie gedacht.

„Nun geht schon oder Professor McGongall wird sich noch Sorgen machen."

Ron und Hermine verabschiedeten sich von Jimá mit einer freundschaftlichen Umarmung und reisten zuerst zurück nach Hogwarts und als Harry eigentlich in den Kamin steigen sollte, wandte sich dieser jedoch Jimá mit ernstem Blick zu.

„Was geht hier vor?"

„Was meinst du?" fragte sie sichtlich irritiert.

„Remus, Brian, Kingsley, Tonks, du, der gesamte Orden benimmt sich komisch und geheimnisvoll. Mit dem Angriff stimmte doch noch etwas nicht? Wir gehören dazu, also wieso werden wir nicht eingeweiht?"

„Harry," sagte Jimá jedoch verletzt. Sie seufzte traurig. Irgendetwas in ihren Augen bedrückte ihn innerlich und er wusste auch nicht, warum es ihn so nah ging, wenn es ihr nicht gut ging „Wir wollen dir doch nur helfen."

„Dann sag mir was Sache ist."

Sie schluchzte und schritt zurück auf seine Couch, um sich niederzusetzen. Sie war auf einmal so in sich zusammengefallen, dass er es bereute sie nicht doch mit Bill zusammen ausgefragt zu haben. Er kam eher damit zurecht jemanden anzufahren und zu bedrängen als sich schuldig zu fühlen, dass er jemanden so anfährt und bedrängt.

Er setzte sich zu ihr dazu und wartete, dass sie etwas sagte. Jimá sah ihn daraufhin erneut niedergeschlagen an, dann aber nickte sie schließlich.

„Voldemort hat nicht einfach so angegriffen. Das oben war nur ein Ablenkungsmanöver. Er ist mit seinen Leuten in die Mysteriumsabteilung eingedrungen. In den Raum der Zeit."

„Raum der Zeit?" wiederholte Harry misstrauisch.

„Er war hinter einem bestimmten Relikt her. Aber wir wussten vorher davon und haben es rechtzeitig durch ein Imitat ausgetauscht. Scrimgeour weiß davon jedoch nichts und der halbe Orden ist damit beschäftigt Erinnerungen einiger Angestellten zu manipulieren und die Geschichte aufrecht zu halten, damit er und Voldemort kein Verdacht schöpfen. Letzterer glaubt schließlich noch, dass er das Richtige hat. Wir haben nur nicht damit gerechnet, wie er sich Zugriff erschaffen würde. Diese Grausamkeit ging selbst uns nah."

„Was ist das für ein Relikt?"

„Etwas sehr wertvolles, hinter dem vor ihm schon sehr viele andere her waren. Es befand sich eine Zeit lang in privatem Besitz, aber nach dem Tod des Besitzers, befand Dumbledore es am Sichersten in der Mysteriumsabteilung."

„Und wo ist es jetzt?"

„In Sicherheit," sagte sie sanft.

„Scrimgeour... der Orden handelt also versteckt vor ihm? Das heißt, ihr misstraut ihm?"

„Wir vertrauen ihm soweit wie Dumbledore es tat."

„Weil er White eingesetzt hat?"

Nichts. Aufgrund ihres Verhaltens, wusste Harry, dass mehr aus ihr nicht herauszubekommen sein würde und er im Bezug auf Professor White bei ihr auf einer Mauer stieß. Langsam gewöhnte er sich daran und würde wahrscheinlich auch nicht noch mal jemanden darauf ansprechen. Er nickte und stand auf.

„Ich sollte gehen. Hermine und Ron machen sich sonst noch Sorgen."

Jimá nickte ebenfalls, blieb jedoch bedrückt sitzen. Harry wusste nicht wieso, aber es bereite ihn irgendwie Sorgen, sie in diesem Zustand zu sehen. Er erinnerte sich wieder an das, was Hermine sagte und dass Jimá wohl sehr alleine sei und seine Nähe suchen würde.

„Sag mal, du arbeitest doch im Zaubereiministerium?"

„Ja?"

„Glaubst du, du könntest etwas über eine Hexe herausfinden, wenn ich dir den Namen nenne?"

Sie nickte. Harry nahm daraufhin die Pergamentrolle, auf die der lange Name stand und reichte sie ihr weiter.

„Ist ein langer Name, ich weiß. Aber alles, was du uns über diese Person sagen kannst, wäre gut. Hermine sagte, das Zaubereiministerium hätte mehr Möglichkeiten als unsereins."

Jimá sah für einen Moment merkwürdig aus und das konnte er ihr nicht verübeln, denn er hatte bestimmt denselben komischen Blick drauf als er den Namen zum ersten Mal hörte. Dann aber gab sie die Rolle an ihn zurück.

„Was willst du von ihr?"

„Fragen. Sie hatte mal etwas in ihrem Besitz, was wir dringend brauchen."

Jimá musterte ihn einen Moment, dann nickte sie.

„Okay, ich melde mich."

„Du kannst dir das merken?" fragte er verblüfft, aber sie lachte amüsiert. Er mochte es viel lieber, wenn sie nicht traurig war. Harry mochte ihr Lachen. Es brachte ihn selber dazu lachen zu wollen.

„Ich kenne sie. Daher, ja. Ich kann mir den Namen merken."

„Du kennst sie?!" sagte er überrascht und eine Welle der Erleichterung schoss herein. Konnte es wirklich so ein glücklicher Zufall sein?

„Unter anderem Umständen hättest du sie niemals gefunden, Harry. Sie ist eine Lhayphsa."

„Was ist eine Lhayphsa?"

„Eine Gemeinschaft von Halbblütern, die sich vor sehr sehr langer Zeit zurückgezogen hat und sich so gut wie kaum mit der magischen Bevölkerung noch abgeben. Dumbledore wusste früher, wie man sie kontaktiert. Oder der frühere Zaubereiminister."

„Fudge?"

Sie lächelte sanft.

„Nein. Wie gesagt, es ist lange her, dass sie sich mit der übrigen Gemeinschaft vertragen haben. Der damalige Zaubereiminister und Dumbledore hatten es noch geschafft den Kontakt zu ihnen aufrecht zu erhalten. Aber mit Voldemort's Machenschaften hatte sich vieles verdunkelt und – Am Ende zogen sie sich zurück. Dachten, sie wären sicher. Lebten ja nur für sich selbst. Waren neutral und mischten sich weder in die Angelegenheiten von Voldemort, noch in die des Zaubereiministeriums ein.

Dann aber wurden sie eines Tages angegriffen. Voldemort wollte zeigen, dass sie sich entscheiden müssen. Ihr Staatsoberhaupt wurde bei diesem Angriff getötet und – sie tauchten daraufhin für immer unter. Verstecken sich an einem Ort, den keiner kennt und den keiner betreten kann. Sie tauchen nur sehr sehr selten hier auf."

„Und wie kann man sie nun erreichen?"

„Man muss jemanden kennen, der eine Verbindung zu ihnen besitzt."

„Und du kennst jemanden?" fragte er unsicher. Sie lächelte leicht.

„Du auch. Die Person sitzt hier vor dir."

„Du?" fragte er erstaunt. Sie nickte.

„Byen, die Hexe, die du suchst, war mit meinen Eltern befreundet. Nachdem sie starben, suchte sie mich auf. Bot mir an, mich mitzunehmen und bei ihnen zu leben. Sie, ihr verstorbener Mann und mein Vater waren lange Zeit sehr enge Freunde. Sie sagte, sie sehe meinen Vater in mir und er hätte sie darum gebeten weiter auf mich und – auf mich acht zu geben."

„Aber du hast ihr Angebot nicht angenommen?"

„Nein, ich hatte ja noch meine Patentonkeln, die auf mich aufpassten und – andere, die ich nicht aufgeben wollte. Mich ihnen anzuschließen hätte bedeutet, alle aufzugeben, die mir noch etwas bedeuteten. Das konnte ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass meine Eltern das gewollt hätten.

Byen hat daraufhin dieses Band mit mir erschaffen. Sagte, dass wenn ich sie jemals brauche, sie für mich da wäre. Ich hab sie bisher nur einmal gerufen, als ich... wirklich wirklich jemanden gebraucht habe. Das war vor 4 Jahren. Und sie kam tatsächlich."

„Was war damals?" fragte er und ihm fiel erst danach ein, dass die Frage vielleicht zu privat gewesen sein könnte. Jimá schluckte hart.

„Jemand, der mir sehr wichtig ist, war in Gefahr. Mir wurde nicht gestattet zu ihm zu kommen und – ich wusste nicht, mit wem ich sonst hätte reden können. Das war eine schlimme Zeit... Sie tauchte auf. Nur zum reden. Ihm geht's gut, zum Glück, aber... die Angst, um ihn war wirklich... nicht schön. Ich war so wütend auf meinen Patentonkel und Dumbledore, dass sie mich nicht haben gehen lassen. Es war das erste Mal, dass ich sie wirklich angebrüllt habe."

„Dumbledore?" fragte er verwirrt. War Jimá vor 4 Jahren nicht noch in Frankreich?

Sie atmete tief durch und sah ihn mit gefasstem Blick an.

„Du solltest glaub ich nun wirklich gehen. Ich werde dir Bescheid geben, sobald ich ein Treffen für euch beide arrangiert habe."

„Du kannst das also wirklich tun? Sie wird wirklich kommen?"

„Ja, da bin ich mir sicher. Was das betrifft, solltest du dir keine Sorgen machen."

Jimá sagte ihm nicht, warum sie so sicher war, aber Harry gab sich damit zufrieden. Hauptsache, sie kamen weiter mit ihrem Vorhaben.


Er kehrte erleichtert nach Hogwarts zurück und erzählte Hermine, Ron und Ginny alles, was Jimá ihm erzählt hatte.

„Diese Byen hat Jimá angeboten bei sich zu leben?" wiederholte Hermine verwirrt. „Aber Lhayphsas sind Halbblüter. Sagte Jimá nicht mal, dass ihre Eltern beides echte Britische Zauberer und Hexe seien?"

„Eigentlich sagte sie nur, dass beide echte Briten waren," sagte Harry beim näheren nachdenken. „Also ist sie zur Hälfte wohl was Lhayphsaisches. Wem kümmerts. Hauptsache, sie kennt diese Byen. Egal ob nun Zufall oder nicht. Hauptsache, wir erfahren endlich wo der blöde Becher ist."

Lhayphsaisches?" wiederholte Hermine und runzelte mit der Stirn. „Ehrlich, Ron. Bist du nicht in der Zauberwelt aufgewachsen? So was gibt es nicht."

Er zuckte nur gleichgültig mit der Schulter.

„Irgendwie tut mir Jimá jetzt noch mehr leid," sagte Ginny und alle drei wandten sich ihr irritiert zu.

„Na, so wie sie spricht, gibt es eindeutig etwas, dass sie mit niemanden teilen kann. Nur mit dieser einen Frau, die sie nicht mal oft sehen kann. Ist schlimm genug, dass sie als Waise bei ihrem Patentonkel aufwachsen musste, weil ihre Eltern getötet wurden als sie noch ein Kind war. Ich weiß nicht, wie ich mich fühlen würde, wenn ich Mum und Dad nicht mehr hätte.

Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn man Jahrelang etwas auf dem Herzen hat, was man niemandem erzählen kann."

„Offenbar gibt es da jemanden, den sie mag," sagte Harry. „Den, der ihr damals nicht gestattet worden ist, zu sehen. Frag mich allerdings, warum nicht?"

„Vielleicht ist das auch wieder so ein Reinblut Muggel Ding," sagte Ron. „Und ihre Patentonkel hat etwas gegen den Typen, den sie mag. Oder die Familie des Typen hatte etwas dagegen, dass sie ihn mag."

„Jimá sagte, Dumbledore und ihr Patentonkel hätten das nicht zugelassen."

„Dumbledore?" fragte Ginny. „Also er war der Letzte den ich mit solchen Problemen in Verbindung bringen würde. Er war doch stets offen."

„Arme Jimá," seufzte Hermine und sah genauso bedrückt aus wie jeder andere. Sie hatten die Freundin mittlerweile wirklich ins Herz geschlossen und der Gedanke, wie unglücklich sie sein musste, belastete sie alle.

„Was hat sich nun mit dem Buch ergeben?" fragte Ginny, um zu einem anderen Thema zu kommen.

„Na ja," antwortete Hermine. „Wir wissen nun so irgendwie, wie man einen Horkrux herstellt und das ist wirklich grausam. Ich kann mir nicht vorstellen, wie jemand das zulassen sollte, aus sich ein Horkrux machen zu lassen.

Es ist schlimm genug, wie man denjenigen tötet, um durch dessen Tod ein Horkrux zu erschaffen, aber aus einen Menschen so was machen... Entweder hat dieses Black Heart keine Gefühle, oder übermenschliche Kraft.

Am Ende konnte man vieles in Erfahrung bringen, wie man einen Horkrux wieder vernichtet, aber es wird mit keinem Wort erwähnt, was passiert, wenn es ein menschliches Wesen ist."

„Und das Medaillon?" fragte sie mit Blick auf Harry. Er schüttelte den Kopf.

„Gryffindor's Schwert ist das einzig greifbare. Wir haben weder einen Basiliskenzahn noch können wir uns so schnell einen Trank zusammenmischen."

„Trank?"

Harry nickte mit finsterem Blick und Hermine hatte das Wort ergriffen.

„Das sind mehrere Tränke zusammengemischt, aber jedes dieser Tränke besteht teilweise aus Zutaten, von denen hab ich noch nie etwas gehört."

„Jimá ist doch gut im Zaubertrank mischen?" schlug Ron vor. „Wir könnten sie doch fragen?"

„Bleibt die Frage, wie wir ihr das erklären sollen," warf Harry jedoch ein. „Kann schlecht gestehen, dass wir das Buch von White's Büro gestohlen haben und Voldemort Horkruxe erschaffen hat, die wir zerstören wollen?"

„Warum nicht?" sagte Ginny. Ron, Harry und Hermine sahen sie alle gleichzeitig misstrauisch an. War das ihr ernst?

„Dumbledore hat absolut niemanden davon erzählt," sagte Harry eindringlich. „Er hatte nur mich eingeweiht und auch nur zögerlich zugelassen, dass ich Ron und Hermine einweihe. Ich hab dich bereits in Gefahr gebracht, indem ich dir alles erzählt habe. Wenn Voldemort erfährt, dass wir ihm auf der Spur sind, wird er alle jagen, die davon wissen, um sich selbst zu schützen. Wir vier wissen, dass wir allen gegenüber stillschweigen. Sobald ich Jimá einweihe und sie sich bei irgendjemanden verplappert sind wir alle dran, inklusive sie selbst."

„Aber Jimá ist nicht irgendwer, Harry," sagte Ginny genauso eindringlich und entschlossen. „Sie ist Mitglied im Orden des Phönix und ganz nebenbei -" Sie machte eine Pause und sah aus als ob sie den Rest nun wider besseren Wissens preis gab. „Remus hat sie sehr gern und vertraut ihr."

„Was heißt hier sehr gern?" fragte Ron verdutzt. „Ist er nicht mit Tonks verheiratet?"

„Nicht diese Art von gern haben," zischte sie und sah ihren Bruder böse an. „Ich bin nicht stolz darauf, aber ich konnte mir auch nicht einfach die Ohren zuhalten. Jimá ist offenbar Remus' Patentochter."

„WAS?!" schoss es sofort erstaunt von Hermine, Harry und Ron heraus. Ginny nickte bestätigend.

„Woher weißt du das?" fragte Hermine.

„Tonks. Remus hat mir doch Nachhilfe gegeben. Ich verließ den Raum als Tonks herein kam. Hab aber mein Buch vergessen und bin noch mal umgekehrt. Die Tür war nicht geschlossen und Tonks sagte eindeutig: Jimá ist deine Patentochter, Remus. Wenn du ihr nicht helfen kannst, wer dann? Das waren exakt ihre Worte. Ich hab mich nicht getraut den Raum zu betreten, sondern bin wieder gegangen, um nicht noch mehr zu lauschen."

„Jimá ist Remus' Patentochter?" sagte Harry fassungslos. „Dann musste Remus ihre Eltern doch sehr gut kennen? Man macht doch niemand fremdes zum Paten seiner Kinder? Er hat das nie erwähnt."

Es war nicht nur das, was ihm noch durch die Gedanken schoss. Jimá kannte auch Sirius und hatte erzählt, dass er mit ihren Eltern gut befreundet war. Wenn also Remus und Sirius ihren Eltern nah standen, vielleicht dann auch sein Vater? Er hatte sie nie gefragt, ob sie seine Eltern kannte und sie hatte aber auch nichts gesagt, als sie in Godric's Hollow in deren Haus waren. Mürrisch verfinsterte er seine Miene.

Er warf ein Seitenblick auf die Karte, aber nachdem immer noch kein Anzeichen von White in ihrem Büro war und die Stimmung gerade jeden runter zog, beschlossen sie es für heute gut sein zu lassen und nicht weiter über private Sachen ihrer Freunde zu sprechen. Selbst, und das hatte Harry nicht laut ausgesprochen, wenn es ihn auch ein wenig wurmte, dass weder Remus, noch Jimá das je erwähnt hatten, wie nah die beiden sich eigentlich tatsächlich stehen.