Nächstes Kapitel =)
Review:
Mannequin: Huhu =) und +freu+ hast hergefunden. Ich wär ja schon froh gewesen für alle 5 ein Review zu bekommen, aber zu jedem ein Review, gab mir ein großes Grinsen ins Gesicht XD. Ich weiß nicht, wie es anderen Autoren geht, aber ich lese gerne, was ihr denkt und vermutet.
Die 5 Kapitel standen ja schon und ich bin ja froh, dass du es lesen willst. +freu+ Sonst hätte ich es hier wohl nicht veröffentlicht, weil ich noch viel zu unsicher bin und hier vieles auch ganz anders ist, als wenn es wirklich nur die lesen, die ich bereits kenne und von denen ich weiß, dass sie mit mit meinen Macken leben können.
Ich wusste zum Beispiel nicht, was ihr davon halten würdet, dass ich die Truppe dennoch nach Hogwarts für normalen Unterricht schicke. Im Buch haben die drei ihren Abschluss ja nicht gemacht, sondern sind auf Horkrux Suche gegangen. So a la, das ist nicht realistisch, das passt doch gar nicht, das macht alles unglaubwürdig.
Außerdem: Hier ist nun Anna Direktorin von Hogwarts und da wusste ich auch nicht, ob das für euch nicht zu unrealistisch ist. Ist ja eigentlich viel zu jung und ich dachte durchaus daran McGonagall zur Direktorin zu machen und Anna zur Professorin für Verteidigung gegen die dunklen Künste, damit es etwas verständlicher wirkt. Habs dann halt doch so gemacht, wie jetzt, weil – ist ja meine FF und meine Hirngespinste ^^ und keine Story für alle Welt.
Aber bisher habt ihr mir noch nicht den Kopf abgerissen, also puh, Glück gehabt XD Da kommt nämlich noch so einiges, was Rowling in Buch 7 nicht hat, ich hier aber so geschehen lassen werde und hoffe, dass ihr mir dafür kein Fluch auf den Hals jagt, weil es nicht real wirkt.
Ich antworte mal Kapitel für Kapitel.
Kapitel 1:
Ich kann mich wirklich ganz schlecht an Buch 7 erinnern, aber ich dachte, Harry und die Dursleys hätten sich alle ausgesprochen? Oder hab ich das etwa auch nur vom Film? X.x Ich dachte, da gabs was ganz langem im Buch, wo auch Dudley mitredete und sich mit Harry aussöhnte? Oder ich verwechsle hier nun ganz stark Fanfictions mit dem Buch? Öö Ich wollte so eine Aussöhnung jedenfalls nicht mit Vernon und Dudley schreiben, weil das für mich nicht gepasst hätte, nach all dem, was zwischen den beiden und Harry schon geschehen ist und für mich unrealistisch gewirkt hätte. Bei Petunia war es ja schon was anderes wegen Lilli und für gar nichts hätte Dumbledore Harry bestimmt nicht wieder zurückgehen lassen. Freut mich, das dir meine Lösung gefallen hat XD. Ich kann damit auch leben, wenn nicht ellenlang mit Vernon und Dudley noch gesprochen wird. Ich glaub, das wars auch schon mit der Familie. Ich kann mir nicht vorstellen die Dursleys noch großartig in der FF einzubringen. Vielleicht irgendwann am Ende noch ein Satz über ihre Zukunft oder so.
Zu Brian, Bingo XD Er ist Sirius und Anna's Sohn. Gut geschlussfolgert =) Ich hab zwar versucht das nicht ganz so offensichtlich zu schreiben, aber irgendwie seid ihr dennoch alle direkt drauf gekommen. Also entweder hab ichs nicht gut genug versteckt oder ihr alle habt zu gut in CofX aufgepasst, hehe.
Und zu Jimá ebenfalls richtig. Jimá ist Jilli. Sayé ist der Nachname ihres Adoptivvaters und einer der Patenonkeln Yuno XD. Es stimmt dass sowohl Yuno, wie auch Remus Patentonkel für sie waren. Da fand ich auch kein Weg, das irgendwie besonders zu verstecken, ließ es stattdessen bleiben und hab mehr geschrieben, die zeigen sollten, wer sie wirklich ist. Es gibt da ein Leser, der CofX nicht gelesen hat und für diesen hab ich es etwas geheimnisvoller gemacht XD. Jimá hat ihren Namen ändern müssen und daher ist Jimá nun eine Verschweißung von Jilli und Maria, ihrem Zweitnamen.
Und Professor White ist Anna =) Auch richtig. Sie hat den Veternus Zauber ausgesprochen, allerdings war sie danach nicht im Zimmer mit Harry. Das war jemand anderes, der in diesem Kapitel kommt und den man auch kennt. Also, kein Müll, sondern absolut gut aufgepasst und geschlussfolgert, hehe.
Was Anna betrifft, weiß ich nicht, ob es hilft oder nicht. Aber wenn man betrachtet, was mit ihr in CofX gerade passiert ist, sollte man vielleicht nicht die Anna sehen, die man 100 Kapitel lang gelesen hat, sondern auch die neue Phowlyris mit in Betracht ziehen, die sie in CofX nun eingenommen hat und laut Remus nicht so leicht wieder los lässt. (Dann ist alles vielleicht etwas spannenderer und erklärbarer, also ihre Kälte gegenüber Harry usw XD)
Ob alle drei voneinander wissen? Könnte ich jetzt sagen, oder aber man liest es in den nächsten Kapiteln nach. Ist glaub ich interessanter für den Oha Moment XD. Also Anna und Jilli wohl auf jeden Fall. Brian, wer weiß, wer weiß XD Ich frag mal so, was wäre dir denn lieber? Daher hab ich auch bei CofX nicht von vornherein gesagt, dass xy nicht sterben wird und in der HP Fortsetzung auftauchen wird. Ich war mir nicht mal sicher, wie ihr darauf reagieren werdet, denn es gab in den ersten 6 Büchern ja null Anzeichen davon und ich werd nun mit Erklärungen aufkommen, warum die Existenz von Jilli, Anna und Brian für so lange Zeit verschwiegen oder nicht explizit erwähnt wurde, von denen ich nicht weiß, ob diese so nachvollziehbar und okay sind.
Ein Satz hat mich richtig ins straucheln gebracht und da weiß ich auch nicht, ob meine Erklärung zur gegebener Zeit dann so gut ist. Dumbledore sagte nämlich in Buch 6 zu Harry, dass Sirius keine Kinder hatte und Harry deswegen der rechtmäßige Besitzer von Grimmauldplatz 12 ist. Nun ist da aber Brian und Dumbledore wusste in CofX schon von ihm. Das ist nämlich der Grund, warum der gute Mann gerade in Kapitel 101 wieder weg ist und so oft vorher ebenfalls durch Abwesenheit glänzte und warum Brian doch relativ „normal" rüber kommt. Dumbledore hat seine Finger im Spiel.
Und ich möchte wirklich, dass sich die HP Fortsetzung logisch in die Reihe eingliedert.
Kapitel 2:
Zu Jilli und Harry, sie weiß von ihm, er aber nichts von ihr. Wenn man nicht so wie Harry auf der langen Leitung steht, bekommt man es auch eher mit, was mit ihr los ist, schätz ich ^^
Harry's Möbel kamen nicht von Anna XD, sondern von jemand anderem, der nicht minder viel geerbt hat wie Harry. Lilli und James hätten ihr Vermögen kaum ungerecht zwischen ihren Kindern aufgeteilt und Brian hat aufgezeigt, wie reich die Potters wirklich waren.
Und die Wohnung war kein Versteck des Orden. Sie war Anna's frühere Wohnung =) Das sollten die Handabdrücke des Kleinkindes im Schlafzimmer zeigen, was in CofX von der 3jährigen Jilli stammte, als die Truppe Anna's Wohnung etwas wärmer gestrichen hat, weil diese selber es doch kahl und leer ließ, obwohl sie ja eigentlich schon ne ganze Weile drin wohnte.
Nach dem Vorfall, was in CofX noch geschrieben wird, und Anna nicht mehr da ist, bewohnt Remus die Wohnung, da Anna sie ihm auch zuspricht. Liegt daran, dass sie damals ja alle wussten, wie es um Remus und seinen Finanzen stand und als enge Freunde aufeinander aufpassen wollten.
Richtig, Remus wartete vergeblich auf Anna. Die Szene davor und danach wird aber später noch mal in einem Rückblick beschrieben werden, wenn es klar ist, wer hier wer ist. Jetzt würde es sonst zu viel verraten und ich will doch ein wenig die Spannung aufrechterhalten.
Hehe, nun, ich wollte CofX dahin bringen, wo es jetzt ist, um die HP Fortsetzung richtig beginnen zu können. Sobald ich bei der HP Fortsetzung da bin, wo ich es hinbringen wollte, kann ich die nächsten Kapitel von CofX schreiben und beenden, bzw. eins kommt mittendrin in den nächsten Wochen, wenn ich es denn dann fertig kriege. Es hatte in der Tat sehr viel mit Anna's Zustand zu tun und wie sie hier in der HP Fortsetzung auftritt.
Ich musste irgendwie grinsen als ich den Satz von dir las XD Ob Kaylar noch in ihrem Stein abhängt (Ich glaub nicht, dass sie das freiwillig tut XD darin abhängen ), aber das kommt noch. Versprochen.
Kapitel 3:
Hehe, yuchuh =) Nein, ich freu mich über dieses Herausstellen von Anna's Überleben. Ich hatte eher Angst (weswegen ich die FF glaub ich auch ein wenig herausgezögert hatte), dass es euch missfällt, weil Anna ja mit keinem Wort in den 6 Büchern erwähnt wurde und wenn sie überlebt hat, warum dann alles mit Sirius passieren konnte und warum sie nicht schon früher auftauchte. Ich habe eine Erklärung bereitgestellt in dieser FF dafür XD und hoffe, dass das auch nachvollziehbar ist zur gegebenen Zeit.
Yap, Scrimgeour wollte Harry im Zaubereiministerium haben, damit der Prophet nun verkünden konnte, dass der Auserwählte endlich mit dem Zaubereiministerium zusammenarbeitet. Es gab in Buch 6 eine Auseinandersetzung mit Dumbledore, in der er sagt, dass Scrimgeour das wollte, um der Bevölkerung weiß zu machen, das Zaubereiministerium würde gute Arbeit leisten. Scrimgeour hat Anna immerhin als Direktorin von Hogwarts eingesetzt. Die beiden arbeiten also nicht gegeneinander und wenn man sie nicht als die Anna sieht, die man 100 Kapiteln lang in CofX kennenlernte, sondern ein wenig die Phowlyris in ihr sieht, dann sieht alles vielleicht schon etwas anders aus X.x.
Hehe, jaah, ihr neues Aussehen hat sie auf jeden Fall aufgrund dessen, was in CofX mit ihr passiert und es passt dann auch besser zu einer Direktorin von Hogwarts als so ein 36jähriger Grünschnabel. Andererseits (und das fällt mir erst jetzt auf) war ja Snape in Buch 7 auch Direktor von Hogwarts... Und die sind ja gleich alt Öö Andererseits hat mir das in Buch 7 damals schon nicht gefallen also... Fluch und älter aussehen lassen ist glaub ich ganz gut.
Hm... dazu kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen, ob Kaylar hier eine Rolle spielen wird. Das ist so in der Schwebe, weil ich nicht weiß, wo das besser rein passt. Hier oder in CofX.
Wenn Anna nicht Anna, sondern die Phowlyris, Voldemort's Verbündete ist? Dann sähe es doch eigentlich ein wenig anders aus mit den Handlungen und Geschehnissen? ( XD )
Kapitel 4:
Nun auch dazu wird es noch Szenen geben, die später gezeigt werden, was Remus und Anna da 2 Stunden lang gemacht haben.
Richtig, Diana war kein Black Heart. Das auch hat sich auf die anderen Eigenschaften bezogen. Black Hearts sind in CofX wirklich nur Lilli, James und Anna gewesen.
Hehe, dito =) Ich liebe die Szenen zwischen ihnen auch und Harry hatte viel zu wenige mit ihnen bisher. Auch dazu dient die HP Fortsetzung, um Harry mehr Zeit mit seinen Eltern zu geben. Ich glaub, deswegen mochte ich Buch 3 und Buch 5 auch sehr gern, weil da sehr oft von James und Lilli die Rede war und Harry von ihnen durch andere erfuhr. In Buch 6 hört man das ja dann mehr nur noch beiläufig mit schlechtem Beigeschmack als Harry die Nachsitzkarten abschreibt oder als er Remus fragt, ob James der Halbblutprinz war.
In Buch 7 kann ich mich auch nicht an vieles erinnern. Ich glaub, Lilli's Brief an Sirius war ganz schön oder als James und Lilli mit Harry spielten am Abend als sie starben oder dann eben, als er mit ihnen durch den Stein der Wiederauferstehung sprach, aber das war ja auch nur sehr kurz. An mehr kann ich mich in Bezug auf die drei nicht mehr erinnern (Da war glaub ich mehr von Lilli und Snape's Beziehung, die ich immer ein wenig übersprang, weil das für mich wieder zu sehr nach FF aussah) und wollte daher die Gelegenheit hier nutzen, um in der FF Harry mehr Momente mit seinen Eltern zu geben. In Buch 6 kam es fast für mich so rüber, als ob er es seinem Vater immer noch übel nahm als 15jähriger nicht erwachsener gewesen zu sein, nachdem er die Erinnerung in Buch 5 gesehen hatte. Vielleicht mochte ich Buch 8 auch deswegen nicht so gern. Ich habs lieber, wenn die Chemie zwischen den beiden stimmt. James hat immerhin sein Leben für seine Familie gegeben.
Kapitel 5:
Anna bremst Harry nicht aus, die Wahrheit über Jilli zu erfahren. Daher ihre Hinweise. Remus erzählt Harry die Wahrheit über Jilli nicht, weil er der Meinung ist, dass Jilli als einzige das Recht hat, Harry die Wahrheit zu erzählen und Jilli erzählt Harry nicht alles, wegen dem was die letzten Jahre über passiert ist. Vielleicht, um es besser nachvollziehen zu können, Jilli ist nicht nur seine Schwester, sondern auch ein Ponester. Sie zögert aus Angst vor einer möglichen Reaktion, wie er auf die Wahrheit reagiert. Denn Schwester oder nicht, er wuchs bei den Dursleys in der Muggelwelt auf und sie bei Yuno in der Zaubererwelt.
Das geheime Relikt gehörte James oder besser, war in James' Besitz vorher.
Es war Harry und die Ereignisse, von denen Jilli hier spricht sind die aus dem dritten Buch. XD
So, das war ne lange Antwort ^^ Aber gerechtfertigt – nicknick- Thx für die lieben Reviews =) Ich hab mich gefreut wie ein Schnitzel und dass die FF dir bis hier hin (zumindest nicht zu wider ist) freut mich noch mehr. XD Hoffe, dir gefällt das neue Kapitel ebenfalls.
Liebste Grüßle
Chapter 6 – unpleasant surprise
Das erste Quidditch Spiel des letztes Schuljahres war Gryffindor gegen Slytherin und jeder im Hause Gryffindor sprach davon, dass es kein Problem war zu gewinnen, denn die Mannschaft von Slytherin war mittlerweile so geschrumpft und bestand komplett aus Neulingen, dass keiner von ihnen Zweifel daran hatte, dass Harry den Schnatz fängt, bevor Slytheirn auch nur 10 Punkte schoss.
Das ganze Gerede interessierte ihn nur so überhaupt nicht, denn alles was er wollte war endlich White in ihrem Büro erwischen und das Schwert Gryffindor's herausholen. Dazu hatte er sich auch wieder an Lupin gewandt, der mit ihm auf dem Gang entlang schritt.
„Du willst noch mal in ihr Büro eindringen?"
„Ich muss. Hilfst du mir?"
„Hab ich eine andere Wahl?" fragte er mit dem Anflug eines Lächelns. Die beiden bogen um die Ecke und Harry fiel plötzlich irritiert auf, dass Lupin's Umhang noch mehr geflickte Löcher als sonst im Umhang hatte. Eine kleine Slytherin Traube, die ihm plötzlich vor Verwandlung begegnete, ließ Harry die Stirn runzeln.
„Harry!" rief Ron, der mit Hermine gerade angerannt kam. „Malfoy! Er ist zurück!"
„Wie zurück?" fragte Harry verdutzt, gerade in dem Moment, als die Traube sich ein wenig auflöste, um ins Klassenzimmer zu gehen und dabei die Sicht auf einen blonden Schüler frei machte, den Harry nicht nur sehr gut kannte, sondern der ihm auch seit Jahren verhasst gewesen war. Nie hätte er geglaubt ihn wieder zu sehen, jedenfalls nicht hier in der Schule und mitten auf dem Gang und auf diese Weise. Malfoy hatte ihn just in dem Moment ebenfalls erblickt und beide Schüler starrten einander giftig an.
Harry fühlte sich an Ort und Stelle gefesselt, Bilder schossen durch sein inneres Auge vorbei, Dumbledore, der vor Malfoy wackelig auf den Beinen stand, verletzt, schwach. Malfoy, der den Zauberstab entschlossen vor sich hielt, sein verhasster Blick, den Harry niemals vergessen würde. Snape, Dumbledore's flehender Blick, der Todesfluch.
Harry schnaubte auf und ballte seine Hände zu Fäusten. Er ging geradewegs auf Malfoy zu als er auf halbem Wege daran gehindert wurde und sich starke Hände an seinen Arm krallten. Es war Lupin. Ron und Hermine schienen gleichfalls mitgegangen zu sein und er sah die tiefe Sorge in ihren Gesichtern.
„Er hat das Recht auf die Schule zu gehen," teilte Lupin ihm ernst mit. Gleichzeitig kochte es in Harry über vor Wut und Unverständnis. „Professor White hat das veranlasst und abgesegnet."
„Das war ja klar," fauchte Harry und wandte sich wieder zurück zu Malfoy. Dieser blickte höhnisch zurück, drehte sich ohne ihn weiter beachtet zu haben weg und verschwand ins Klassenzimmer. McGongall war zu erkennen, die an ihrem Bürotisch saß und sie alle draußen beobachtet hatte.
„Du solltest rein gehen," sagte Lupin mit sorgenvollem Ausdruck und ließ ihn zögerlich wieder los. Hermine und Ron zogen ihn daraufhin mit sich ins Klassenzimmer und setzten sich auf ihre Plätze. Lupin hatte ihnen nachgesehen, doch Harry sah ihm an, was für große Sorgen er sich tatsächlich um sie machte.
Den ganzen Unterricht über hatte Harry seinen durchdringenden, bitter bösen Blick nicht von Malfoy genommen, der nicht minder giftig zurücksah, jedoch immer wieder mit gehässigem Blick mit Goyle und Crabbe lästerte.
„Ignorier ihn doch endlich," flüsterte Hermine, die direkt in der Linie zwischen den Slytherins und Harry saß. Harry schnaubte verächtlich. Malfoy war mit Snape und den Todessern weggerannt, wie ein Feigling. Er war bestimmt wieder hier mit einem neuen Auftrag von Voldemort. Sein Auftrag hat er ja erfüllt. Dumbledore war tot.
In seinem Inneren brannte es vor Zorn förmlich und jede Faser seines Körpers glühte vor Verlangen dem ganzen endlich ein Ende zu setzen.
Das Medaillon, der Becher, Die Schlange, das Black Heart.
Wenn es sein musste, würde er das Black Heart töten, wenn es das alles nur endlich beendete. Malfoy kam ungeschoren davon, obwohl er Mitschuld an Dumbledore's Tod trug. Malfoy war frei. Malfoy war FREI!
Er hatte sich geschworen nach dem Unterricht den Slytherin zu konfrontieren, zur Rede zu stellen, irgendetwas, um das brennende Feuer in ihm zu löschen, dass nach Genugtuung verlangte. McGonagall hatte sie gerade erst gehen lassen als Harry ohne seine Sachen zu packen mit festem Blick auf den Mitschüler zuging. Seine Hände waren zu Fäusten geballt und er schnaubte vor Zorn.
„Das ist super!" kreischte Pansy Parkinson. „Dann bist du wieder im Quidditch Team! Jetzt machen wir die Gryffindor Schlammblüter platt!"
„Mal -" hatte Harry gerade laut mit seiner Stimme angesetzt, da zog ihn jemand mit aller Macht an der Slytherin Traube vorbei und zur Tür hinaus. „Was zum -" wollte er lauthals fluchen als er sah, wer ihn da rausgezogen hatte. Ginny. Hinter ihr sah er wie Hermine und Ron seine Sachen packten und ihnen folgten (nicht ohne bitter böse Blicke mit den Slytherins auszutauschen).
„Zittere, Schlammblut. Ich bin zurück!" rief Malfoy ihnen hinterher und obwohl Ron fast auf ihn gesprungen wäre, hatte Hermine ihn umsichtig aber bestimmend rechtzeitig gepackt und mit sich raus gezogen. Kaum, dass sie bei Harry und Ginny im Korridor waren, zogen beide Mädels die Jungs mit sich vom Klassenraum weg, während sie noch hörten wie McGonagall Malfoy eine Standpauke für sein Verhalten hielt.
„Ihre Rückkehr von Professor White gibt ihnen nicht die Erlaubnis sich wie ein Prolet aufzuführen! Solche Worte dulde ich in meinem Klassenraum nicht."
Im Bruchteil einer Sekunde hatte Harry sich von ihnen abgewandt, da sah er White. Sie stand in ihrer Nähe und ihr Blick war voll von Genugtuung. Die Nachricht war klar und deutlich. Malfoy war auf ihr Tun wieder da und zwar um sich gegen ihn, Harry, zu stellen. Er hatte mit vielem gerechnet. Dies war keines der Szenarien, die er ihr zugetraut hatte. Wie er ihre Arroganz und Überheblichkeit doch hasste. Es war richtiger Hass, den er tief in sich in diesem Moment empfand und erneut ballte er seine Hände zu Fäusten zusammen.
„Du darfst dich nicht provozieren lassen," sagte Ginny als sie weit genug weg waren und auch aus White's Sicht verschwanden. „Malfoy will dich doch nur reizen, so dass du etwas unüberlegtes tust und wieder nicht am Quidditch Spiel teilnehmen kannst. Vergiss nicht, was letztes Jahr geschehen ist. Lass Professor White nicht gewinnen."
Harry schnaubte, denn er war immer noch zornig. Malfoy hatte Snape den Weg geebnet, um Dumbledore zu töten und nun tanzte er vor seiner Nase als wäre nichts geschehen, als wäre er nicht das ganze letzte Jahr zu einem feigen Mord an seinen Mitschülern bereit gewesen und als wäre alles zwischen ihnen wie früher. Als könnte er tatsächlich in dieser Verfassung ganz normal Quidditch gegen diesen Feigling spielen!
„Ach! Und für dich ist das einfach so in Ordnung, dass sie das tut?!" hörten sie plötzlich eine vertraute Stimme in der Nähe fauchen. Es war Jimá und derjenige, den sie anfuhr, war Brian. Harry hatte augenblicklich vergessen, was er sagen wollte und starrte stattdessen die beiden Freunde vor sich an.
„Natürlich nicht!" entgegnete Brian deutlich. „Aber du tust dir damit kein Gefallen, wenn du hier rein marschierst und sie überfällst! Das mit ihr muss gut durchdacht werden. Ein falscher Schritt und die Folgen können wir uns gar nicht ausmalen."
Die 4 stutzten. So aufgebracht hatten sie Brian noch nie erlebt und es war auch das erste Mal, dass sie sahen, wie grob er mit Jimá umging, wo sie vorher stets freundschaftlich zueinander waren.
„Sie ist nicht irgendwer, Jimá und um Harry's Willen -"
Die beiden hatten die 4 bemerkt und waren augenblicklich verstummt. Beide rissen sich zusammen und kamen wieder zur Ruhe als die 4 zu ihnen traten. Jimá sah wütend und enttäuscht aus.
„Hi," sagte Harry vorsichtig und blickte beide fragend an. So zu tun als ob sie nichts von ihrem Streit gerade mitbekommen haben war eindeutig keine Option. Jimá drehte sich weg und Harry sah besorgt, dass sie versuchte die Tränen wegzublinzeln. Brian hatte sich vor ihr aufgebaut, um sie zu verdecken und setzte ein zaghaften Lächeln auf, um die Situation zu überspielen.
„Hey, Leute."
So laut wie sie sich auch gerade noch gestritten hatten, so zeigte sein Handeln nun doch, wie sehr er sich um sie sorgte.
„Malfoy ist wieder da," sagte Harry in dem Versuch ein Thema aufzugreifen, dass Jimá davon abhalten würde einfach wegzulaufen. Sie sah nämlich aus als ob sie sich nicht halten könnte und drauf und dran war einfach das Weite zu suchen.
„Malfoy?" fragte Brian überrascht. Jimá hatte sich ihnen auf einmal schniefend wieder zugewandt. Hermine und Ginny sahen sie mitfühlend an. Ihre Augen waren ja ganz glasig.
„Draco Malfoy. Der Bastard, der dafür gesorgt hat, dass die Todesser im Sommer herein kommen konnten, so dass Snape Dumbledore töten konnte."
In der Erwartung, dass Jimá und Brian sich aufregten, überraschte es ihn doch sehr, als Erstere erneut Tränen in den Augen bekam und Brian traurig wurde.
„Entschuldigt mich," sagte Jimá sofort und war so schnell weggerannt, Harry hatte es gar nicht mitbekommen, in welche Richtung sie verschwunden war.
„Jimá!" rief Brian besorgt, aber die Hexe war längst weg. Er seufzte kopfschüttelnd.
„Was war denn das?" fragte Ron verdutzt und starrte wie alle anderen auch Brian nach einer Erklärung an. Dieser lächelte schief.
„Es ist Oktober und Jimá's Eltern starben damals – und nun, wo du Dumbledore erwähnt hast – Uhm -" Er schien angestrengt eine Umschreibung zu suchen, es dann aber zu lassen und schnaubte unzufrieden auf. „Bald jährt sich der Todestag ihrer Eltern und da ist sie wohl immer sehr nah am Wasser gebaut. Und sie und Dumbledore standen sich auch nah und wo du das jetzt erwähnt hast – Na, jedenfalls. Ich seh mal nach ihr. Nicht dass sie sich im Mädchenklo ertränkt."
Er wollte gerade in die Richtung gehen, hielt jedoch inne und sah zurück zu den Freunden.
„Ginny? Hermine? Wenn sie im Mädchenklo ist, dann -"
„Ich komm mit," sagte Ginny umsichtig und schritt mit Brian weg.
„Ron Weasley?" sagte eine leise Stimme neben ihnen. Alle drei wandten sich zur Seite, sahen aber nichts als die Wand des Korridors. Erst als Ron jemand am Umhang zupfte, sah er hinab und die drei erkannten einen der neuen Erstklässler bei ihnen stehen. Das Gesicht Tomatenrot und verängstigt. „Die Schulleiterin verlangt nach dir."
„Hä?" blaffte Ron misstrauisch und auch Harry verengte die Augen.
„Professor White hat mir aufgetragen Ron Weasley sofort zu ihr zu schicken."
„Wieso?"
„Ich weiß nicht."
Mittlerweile war der Erstklässler so rot, Hermine entschloss sich zu bedanken und ihn wegzuschicken, bevor er noch ohnmächtig wurde. Das ließ er sich nicht zwei mal sagen und rannte sofort davon als sei ein wilder Bär hinter ihm her.
„Was will die von mir?" fragte Ron und Harry und Hermine sahen ihn gleichfalls unruhig und sorgenvoll an. „Dann geh ich mal lieber," fügte er mit banger Miene hinzu und entfernte sich von ihnen.
Harry sah ihm eine Weile lang mit beklommener Miene hinterher und wandte sich dann Hermine zu.
„Er kommt doch wieder, oder?"
Sie sah zwar nicht weniger besorgt aus wie er, nickte jedoch vorsichtig.
„Mit Remus und all den anderen Lehrern um uns herum? Sie wird nicht wagen ihm etwas anzutun... Hoff ich. Wohin jetzt?"
Es reichte ein Blickaustausch für beide, um zu wissen, wohin.
Sie warteten im Korridor in der Nähe des Wasserspeiers auf Ron und wurden von Minute zu Minute nervöser in der er nicht wieder herab kam. Harry begann sich üble Szenarien auszumalen, in der White seinen besten Freund unter den Imperius Fluch setzte oder ihm folterte, um Informationen zu bekommen. Unweigerlich kam ihm die Erinnerung von Voldemort und Sirius in den Sinn und die Folter mit dem Cruciatus Fluch.
„Remus!" sagte Harry ungeduldig. „Ich hol ihn! Er soll einschreiten." Er wollte gerade aufbrechen, da bewegte sich der Wasserspeier und Ron trat zu ihnen heraus, unbeschadet, unverletzt und heil, so wie er sie verlassen hatte. Die drei tauschten verwirrte Blicke aus und als Harry ihn fragte, was passiert ist, zuckte Ron nur mit der Schulter.
„Das war... verwirrend."
Die drei gingen gemeinsam wieder zurück zum Gemeinschaftsraum. Ron ging in der Mitte seiner beiden Freunde und ihm fiel durchaus auch die prüfenden Blicke der beiden auf.
„Sie hat wirklich nichts gemacht," versicherte er ihnen nachdrücklich und erzählte was passiert war. „Ich klopfte, sie ließ mich herein, sagte, ich solle mich hinsetzen und dann begann sie mich anzustarren. Eine halbe Ewigkeit. Als ich fragte, warum sie mich gerufen hat, sagte sie – Sie habe ihre Gründe. Gesprochen hat sie dann aber immer noch nichts. Und dann sagte sie irgendwann, ich solle wieder gehen. Komisch, oder?"
Hermine und Harry aber tauschten kritische Blicke.
„Legilimentik," sagten beide gleichzeitig und alle drei blieben plötzlich mitten im Gang stehen.
„Wie jetzt? Das, was Snape vor 2 Jahren bei dir gemacht hat?" sagte er entsetzt und Harry nickte.
„Aber – hast du nicht erzählt, dass du es gespürt hast und Kopfschmerzen davon bekommen hattest? Ich hab gerade gar nichts gespürt. Ich hab nichts gesehen oder so, Harry. Auch nichts gedacht! Ehrlich!"
„Sicher?" fragte Hermine noch mal nach.
„Ja!" wiederholte Ron entschlossen. „Ey, ich bin doch nicht blöd! Ich weiß doch, wenn ich an was denke."
Sie fanden das dennoch nicht ganz erklärbar, konnten sich jedoch keinen Reim darauf machen und hatten sich in den Gemeinschaftsraum zum lernen zurückgezogen. Da Ron genervt darauf reagierte, dass Harry und Hermine immer noch glaubten, White hätte etwas aus ihm durch Legilimentik herausbekommen, schwang Hermine schließlich um des Frieden Willen auf ein anderes Thema um.
„Wisst ihr, ich frag mich gerade schon, wie Fleur und Jimá beste Freundinnen werden konnten," begann sie, als sich die drei auf einen Tisch an der Ecke ausbreiteten. „Ich mein, Fleur ist oberflächlich und tut immer so als ob sie alles besser wüsste. Interessiert sich nur für sich selbst. Jimá dagegen ist total nett, sensibel und hilfsbereit. Sie kümmert sich immer um andere. Wie können die beste Freundinnen sein?"
„Fleur ist nicht oberflächlich," sagte Ron sofort und bekam dafür einen scharfen Blick von Hermine zugeworfen. „Was?! Ich find, die beiden ähneln sich sogar sehr."
„Ach wirklich?" zischte sie immer noch erbost, aber Ron bekam davon offensichtlich nichts mit. Harry machte sich so klein wie möglich, um nicht mitreden zu müssen.
„Ja, klar!" entgegnete sein bester Freund. „Nun, beide sehen erst mal verdammt gut aus. Und sie sind gleich alt. Und sie gingen auf die Beaubatonx Akademie."
Hermine schüttelte ungläubig den Kopf.
„Ja, genau. Die beiden ähneln sich sehr, sowie 50 weitere Beaubatonx Schülerinnen."
Harry, der genau wusste, worauf dies hinauslaufen würde, wenn er nicht eingriff, nahm das Verwandlungsbuch heraus.
„Hey, der Aufsatz für McGonagall – War das Kapitel 4 auch inbegriffen?"
„Natürlich war es das!" sagte Hermine streng, als ob er nicht ganz dicht wäre das anzuzweifeln. „Kapitel 3 und Kapitel 4. Außerdem ist das Buch von Ward hilfreich. Hier!"
Und sie hatte ein weiteres großes Buch aus ihrer Tasche gezogen, vergrößert und aufgeschlagen. Ron war offenbar so erschlagen mit dem, was sie an Hausaufgaben vor sich hatten, dass er ebenfalls nicht mehr auf das Thema Fleur und Jimá einging, was nicht hieß, dass er die beobachtenden Blicke seiner beiden besten Freunde nicht dennoch bemerkte.
Ginny kam erst viel später wieder zu ihnen und hatte sich ebenfalls sofort an die Hausaufgaben gemacht. Hermine fragte zwar, wie es mit Jimá nun ausging, aber Ginny zuckte erst mal nur mit der Schulter und meinte, dass Brian sich um sie kümmern würde. Als Hermine ihr von Ron's Gespräch mit Professor White erzählte, reagierte Ginny genauso wie Harry und Hermine es getan hatten und Ron bekam so ne schlechte Laune, dass am Ende alle vier verärgert schweigend da saßen und jeder für sich lernte.
Erst beim Training am Abend mit der gesamten Quidditch Mannschaft unterhielten sich Ginny und Harry über Jimá's Gefühlsausbruch, da sich nicht viel über Ron's Verhalten sagen ließ. Sie waren sich schließlich einig, dass etwas passiert sein musste und sie sowohl Ron wie auch White im Auge behielten.
Während Demelza Robbins und Katie Bell den Quaffel auf die Ringe warfen und Ron versuchte diese aufzuhalten und Peakes und Coote sich gegenseitig mit den Klatschern versuchten zu erwischen, beobachteten Harry und Ginny etwas entfernt von der Mannschaft schwebend deren Treiben.
„Eigentlich hat sie nicht viel gesprochen," sagte Ginny nach einer Weile und Harry hatte sich ihr zugewandt. „Sie hat geweint, weißt du."
Er spürte, wie ihm das Herz in die Knie rutschte und die Worte ihn betrübten.
„Sagte, dass Du-weißt-schon-wer ihr ihre Eltern weggenommen haben und irgendetwas von wegen dass sie Angst hat, nicht von ihm akzeptiert zu werden."
„Von Voldemort?!"
„Ich glaub nicht, dass sie ihn mit ihm meinte."
„Err -" machte Harry perplex und Ginny kicherte über seine lange Leitung.
„Ich denke, sie meint wahrscheinlich den Freund, den sie vor 4 Jahren nicht sehen durfte, obwohl sie wollte. Sie tut mir richtig leid. Ich glaube, sie fühlt sich alleine nachdem ihre Eltern gestorben waren und kann zu keinem anderen irgendwie Vertrauen fassen. Brian ist ja Bill's bester Freund und ich kenn ihn auch schon länger. Nicht gut, dafür haben wir uns zu selten gesehen, aber gut genug, um zu sagen, dass er nicht der große Gefühlsmensch ist und Jimá – da bin ich mir sicher – braucht jemanden, mit dem sie über ihre Gefühle reden kann.
Fleur kommt mir nämlich auch nicht vor wie jemand, die über Gefühle redet oder zuhört. Und wenn man seine Gefühle so in sich rein frisst, wie Jimá es wohl seit dem Tod ihrer Eltern getan hat, kommt es eben irgendwann so raus."
„Verstehe," sagte Harry, aber sein blinzeln zeigte, dass dies zu viel Information auf einmal war und Ginny lachte kopfschüttelnd.
„Na, nun hat sie ja dich!"
„Mich?" fragte sie und zuckte irritiert zurück.
„Etwa nicht?" entgegnete Harry überrascht.
„Klar!" sagte Ginny sarkastisch. „Deswegen verstummte sie auch abrupt als sie merkte, dass ich auch noch zuhöre."
Sie ließ den Schnatz, den sie bis dahin mit 2 Fingern der rechten Hand festgehalten hatte vor Harry's Nase frei.
„Fang den Schnatz, Kapitän," sagte sie grinsend und flog zurück zu den anderen beiden Jägerinnen, um ebenfalls mit dem Quaffel aufs Tor zu schießen. Harry zögerte, runzelte nachdenklich die Stirn und machte sich dann auf die Suche nach dem Schnatz.
Nach dem Training waren alle zurück in den Gryffindor Gemeinschaftsraum gegangen, Harry dagegen stieß zu Hermine dazu, um die Rundgänge im Schloss zu erledigen.
„Du bist spät," rügte sie sichtlich beleidigt als er angehetzt kam.
„Sorry," sagte er außer Puste und schnaufte heftig durch. „Die Hausaufgaben, Quidditch, Rundgänge, ich weiß langsam nicht mehr wo mir der Kopf steht."
Hermine war stehen geblieben und er war dankbar darum, denn das gab ihm wenigstens ein weiteren Moment, um Luft zu schnappen. Dass sie ihn jetzt jedoch nicht mehr beleidigt, sondern mitfühlend ansah, verwirrte ihn dann doch sehr.
„Was?" fragte er mit skeptischem Blick. Sie verzog eine merkwürdige Grimasse.
„Wie wärs, wenn ich morgen die Rundgänge alleine mache?" schlug sie vor und Harry zuckte überrascht auf.
„Wieso das?"
Hermine seufzte.
„Weil Professor White sonst genau das geschafft hat, was sie wollte. Dir so viel aufhalsen, dass du mit dem, was du eigentlich vor hattest, nicht weiterkommst."
Sein Gesicht hatte sich augenblicklich verfinstert. Der Name rief in ihm seitdem er sie nun kannte pure Abneigung hervor. Die beiden blieben im Schatten der Flamme einer Fackel stehen und sahen einander tief an. Harry schüttelte schließlich frustriert den Kopf.
„Genauso wenig kann ich dich alleine in den Kerkern gehen lassen. Jetzt, wo Malfoy zurück ist."
„Harry -"
„Er arbeitet bestimmt immer noch für Voldemort und er weiß, dass du meine beste Freundin bist."
„Harry, ich kann auf mich selbst aufpassen."
„Aber das solltest du nicht müssen," entgegnete er entschlossen und Hermine lächelte schwach.
„Weißt du, vielleicht sollten wir doch die anderen einweihen?" schlug sie leise vor, aber Harry war immer noch dagegen. Er konnte und wollte es auch nicht riskieren, dass jemand anderes etwas passierte, wenn nun auch noch Malfoy wieder an jeder Ecke seine Lauscher aufschlug. Crabbe und Goyle alleine waren nur Muskeln ohne Hirn. Mit Malfoy zusammen dagegen waren sie sehr wohl gefährlich.
„Ich hab neulich wieder von meinen Eltern geträumt," sagte er auf einmal, teilweise auch, um nicht weiter mit Hermine darüber zu diskutieren. Er würde sie nicht alleine gehen lassen und damit hatte es sich für ihn. Sie sah ihn aufmerksam an. „Ich glaube, meine Eltern wussten von Black Heart. Mein Vater hat im Traum mit meiner Mutter darüber gesprochen."
„Auch wenn das Sinn macht, weil sie ebenfalls vor 20 Jahren mit in diesem Krieg kämpften, aber – glaubst du wirklich, dass diese Träume real sind? Als du gesehen hast, wie Sirius gefoltert wurde, war es auch nicht real."
Er nickte bedrückt. Das hatte er fast vergessen. Andererseits fühlte sich das anders an als die Träume, in denen er seine Eltern sah. Sicher war er sich nicht und wenn es nur ein Wunschtraum war, dann hatte Hermine recht und White lockte sie auf die falsche Fährte. Für Harry war dies die einzige Erklärung, dass diese Legilimentik anwandte, um ihn auch noch im Schlaf zu manipulieren.
„Warum sollte White mir weiß machen, dass meine Eltern von Black Heart wussten?"
„Ich weiß nicht," sagte Hermine betroffen. „Aber wir wissen, dass sie deine Eltern auf jeden Fall gekannt hat. Vielleicht wussten sie auch wirklich davon, vielleicht auch nicht. Sei einfach vorsichtig, ja? Auch wenn ich immer noch glaube, dass da mehr dahinter steckt, aber – Wir sollten vorsichtig sein."
Er nickte mit finsterem Blick.
Sie schritten nach einiger Zeit durch die Gänge in den Kerkern als beide mit einem Mal stehen blieben. Vor ihnen stand Draco Malfoy mit verschränkten Armen, der stechende Blicke jedoch auf die beiden Schulsprecher gerichtet. Die bis dahin vergrabene Wut schoss in Harry hoch und er schritt mit erzürnten Blick auf den Mitschüler zu, die Hände waren wie so oft heute zu Fäusten gestemmt. Hermine schritt mit ihm mit, jedoch immer darauf bedacht, eingreifen zu können, falls sich die beiden unangemessen an den Hals sprangen.
„Das muss dich ja wirklich ankotzen, dass ich wieder hier bin," begann Malfoy, sein Blick war nicht weniger arrogant und herablassend, wie man es von ihm gewohnt war. Harry verengte die Augen als er und Hermine bei ihm stoppten.
„So wie du zuletzt gewimmert hast bei unserer letzten Begegnung?" entgegnete Harry und prompt war die Arroganz aus dem Gesicht seines Gegenübers verschwunden und er spürte, wie ihn das sehr wohl Genugtuung verschaffte. Malfoy's Gesicht verfinsterte sich und seine Haltung zeigte, dass Harry's Worte ihn nicht kalt ließen.
„Du Blödmann hast doch keine Ahnung, wovon du sprichst!" bellte Malfoy verärgert.
„Weil ich keinen unschuldigen, verletzten und unbewaffneten töten will?" bellte Harry zurück und nicht weniger aufgebracht als sein Gegner. Hermine biss sich auf die Lippen und hatte die Hand schon halb erhoben, um die Jungs auseinander zu bringen, falls es nötig sein sollte.
Malfoy aber hatte die Mundwinkel angewidert nach unten verzogen und blitzte sie gefährlich an.
„Beschützen konntest du ihn auch nicht," zischte er abfällig und Harry spürte, wie alles in ihm vor Zorn explodierte. „Du bist so ein Schwächling, das widert an, Potter. Pass auf oder das Schlammblut ist die Nächste!"
Er lachte dreckig, drehte sich um und stolzierte davon. Harry wäre auf ihn gesprungen, um ihn mit all seiner Macht zu würgen, wenn Hermine ihn nicht davon abgehalten hätte. Sie stellte sich ihm in den Weg und drückte ihn von Malfoy weg.
„Nein, Harry!"
„Hermine!"
„Harry, hör zu, okay! Du darfst dich nicht provozieren lassen!"
„Er hat dich bedroht, Hermine!"
„Dann soll er das doch!" sagte sie bestimmend und erst dadurch bekam sie ihn endlich zur Ruhe. Er sah sie fassungslos an, doch sie ließ ihn weder los, noch hatte sie ihren bestimmenden Ausdruck verloren.
„Du sagtest es neulich selbst, Dumbledore ist nicht mehr da! Wäre er da, hätte er dich zur Vernunft aufgerufen! Voldemort will dich tot sehen und es ist ihm egal, wen er dafür beseitigen muss. Glaubst du, uns ist das nicht bewusst?
Wir müssen vorsichtig sein und jeden Schritt gut überlegen und du machst es nicht einfacher, wenn du dich nicht kontrollierst! Also bitte! Beruhige dich jetzt!"
Er schnaubte und nickte schließlich. Sie hatte recht und das wusste er in diesem Moment auch.
„Komm schon, lass uns das hier zu Ende machen und wieder zurück in den Gemeinschaftsraum gehen. Wir sollten den restlichen Abend noch ausnützen, so gut es geht."
Die beiden wollten gerade aufbrechen als sie abrupt stehen blieben. Nicht weit von ihnen entfernt sahen sie Professor White am Ende des Ganges stehen und dass sie das Ganze beobachtet hatte, lag auf der Hand. Hermine und Harry sahen sie beide an, Erstere entsetzt, Letzterer erzürnt. White's Ausdruck aber blieb kalt und gefühllos, bevor sie weiter schritt und hinter der nächsten Ecke verschwand.
„Harry?" fragte Hermine vorsichtig. Er schüttelte deprimiert den Kopf.
„Du hattest recht," sagte er missmutig. „White will mich provozieren. Ich muss sie enttarnen, bevor sie irgendeinen Schaden anrichten kann. Wer weiß schon, was sie mit Ron gemacht hat und ob es da nicht schon zu spät ist."
Sie arbeiteten nach den Rundgängen im Gemeinschaftsraum noch weit bis nach Mitternacht hinein, da es zum einen leer war und zum anderen, weil Harry sichtlich durch Malfoy's Rückkehr sonst nie zur Ruhe gekommen wäre. Am Ende schafften sie vieles an Unterrichtsstoff aufzuholen und obwohl sie ziemlich geschafft waren und somit auch schnell Schlaf hätten finden können, lag Harry hellwach auf seinem Bett. Ron schnarchte in seinem, Dean, Seamus und Neville waren gleichfalls im Tiefschlaf.
Tausend Gedanken überschlugen sich in ihm. Wenn ihm der heutige Tag etwas gezeigt hatte, dann das er in der Falle saß und sich die Schlinge um ihn zuzog. White hatte die Kontrolle und sie setzte ihm Malfoy vor die Nase. Hatte sie ihn auf Voldemort's Befehl hin zurückgebracht, damit er und seine Freunde Voldemort's Werk vollendeten und alle Muggelgeborenen Zauberer und Hexen aus Hogwarts vertrieb? Wer war der nächste, den sie herein brachte? Snape?
Was sollte er nur tun? Er konnte Hermine nicht die ganze Zeit im Auge behalten... Und was sollte er wegen Ron und Ginny tun? Würden Voldemort, White und Malfoy sie auch anvisieren? Er sagte, dass er andere nicht mit hineinziehen wollte, aber blieb ihm eigentlich eine andere Wahl?
Egal, was er tat, Harry fand einfach kein Schlaf an diesem Abend und so packte er irgendwann gegen 3 seine Sachen und machte sich auf zum Raum der Wünsche. Wie so oft in er letzten Zeit sah er das Medaillon vor sich tief in seinen eigenen Gedanken versunken an. Er wollte es zerstören, einfach nur zerstören. Jetzt in diesem Moment wollte er nichts anderes, als endlich voran kommen. Harry nahm sein Zauberstab und richtete es auf das Medaillon – Eine sehr lange Minute verging, dann legte er es zurück in die Schatulle und steckte den Zauberstab wieder ein. Er durfte nichts unüberlegtes tun. Hermine hatte recht. Dumbledore war nicht mehr da und daher mussten sie erst recht vorsichtig sein und obwohl er es nicht wollte, nahm Harry Stift und Papier und schrieb einen Brief.
Liebe Jimá, Lieber Brian,
Ich muss dringend mit euch sprechen.
Liebe Grüße, Harry.
Mit dem Brief in seiner Hand ging er in die Eulerei, um sich eine Eule zu schnappen und den Brief zu verschicken. Er hatte gerade erst die Tür geöffnet, da sah er Hedwig, welche gerade ihre Federn spreizte und ihn anschuhute.
„Hey!" sagte Harry erfreut und war augenblicklich zu ihr geeilt. Hedwig pieckste ihn zärtlich am Finger als er ihn nach ihr ausstreckte. Er grinste glücklich. „Da bist du ja wieder."
Er war so erleichtert, dass sie heil wieder zurückgekommen war, dass er gar nicht bemerkte wie die Zeit verging. Er war einfach nur bei ihr sitzen geblieben, hatte sie gestreichelt und mit ihr gesprochen. Sie hatte ihm so sehr gefehlt und ihm war gar nicht klar wie sehr, erst als die Sonne wieder aufging und es draußen hell wurde, erinnerte er sich, warum er eigentlich hier hoch gekommen war.
„Tust du mir einen Gefallen? Bring den Brief an Jimá oder Brian. Je nachdem, wen du zuerst triffst und dann komm schnell wieder, ja?"
Hedwig schuhute erneut, streckte ihm ihr Bein hin, damit er den Breif anbinden konnte und flog dann wieder in die Lüfte hinaus. Harry sah ihr nach bis sie aus seinem Blickfeld verschwand. So gereizt und bedrückt er den Tag über auch war, seine Schneeeule wieder sicher bei sich gesehen zu haben, hatte ihn wieder etwas milder gestimmt. Wenigstens ein kleiner Lichtblick, wenn er auch noch so klein war. Vielleicht würde alles besser laufen, wenn er erst mal Jimá, Brian und Remus eingeweiht hatte.
Da er am Abend nicht geschlafen hatte, befand er sich den ganzen Tag über im Halbschlaf und es war somit kein Wunder, dass ihn seine Freunde ständig besorgt von der Seite ansahen.
„Du siehst furchtbar aus, Mann," sagte Ron. „Bist du aus dem Bett gefallen oder so was?"
Harry grummelte, erwiderte darauf jedoch nichts.
„Du weißt schon, dass wir heute Verteidigung gegen die dunklen Künste haben?"
Erneutes grummeln, doch Harry erwiderte auch auf Hermine's Kommentar nichts und schaufelte sich das Müsli in den Mund.
„Ich mein ja nur. Remus wird eine praktische Stunde heute machen. Das hat er ja schon angekündigt und du solltest besser wachsamer sein."
„Wachsamer? Bist du seit neuestem Moody?" brummte Harry und schob das Müsli beiseite. Er war zu müde zum kauen.
„Etwas musst du schon essen," sagte Ginny, schüttelte etwas Haferflocken in eine Schüssel, gab Milch und Honig rein und schob es ihm mit einem Lächeln zu. „Das musst du nicht kauen."
Harry kam nicht umhin ebenfalls zu lächeln und aß es ihr zuliebe auf. Als sie danach in das Klassenzimmer schritten war Malfoy mit seiner Bande bereits anwesend und Harry spürte wieder das zornige Monster in ihm lauern.
„Gut, dann wollen wir mal," begann Lupin als alle anwesend waren. „Wie angekündigt, halten wir die heutige Stunde praktisch ab. Dazu ein neuer Zauberspruch zum duellieren: fractio. Und der Gegenspruch zu diesem: praestes. Wir werden jeweils in Zweiergruppen dieses Duell üben und beginnen mit dem Aufhebungszauber."
Sie machten es alle Lupin nach, schwangen ihre Zauberstäbe nach vorne und sagten klar und deutlich praestes. Bei einigen, unter denen auch Harry war, entsprang ein sichtbarer glitzernder Windzug aus der Spitze hervor, verschwand jedoch sofort im Nichts. Lupin sah zufrieden aus.
„Gut, nun den Fluch zum angreifen. Bitte nicht gegeneinander einsetzen, sondern in die Leere. Am besten an die Decke erst einmal."
Und wieder tat es ihm jeder nach. Den Spruch schafften weniger als vorher, aber erneut schaffte Harry auch das, was diese wenigen hervorbrachten. Aus dem Zauberstab kam ein schwarzer Blitz, wenn auch nur sehr kurz und sehr winzig. Lupin war erneut zufrieden.
„Und nun werde ich euch zeigen, wie der Fluch und der Schutzzauber eigentlich aussehen, wenn ihr die beiden richtig beherrscht." Er richtete seinen Zauberstab in Richtung seines Schreibtisches, auf dem eine Vase stand. „Fractio," sagte er laut und aus der Spitze seines Zauberstabs entsprang ein klarer, pechschwarzer Blitz, der in der Vase im Bruchteil einer Sekunde verschwand und diese in 2 Teile zerspringen ließ. Während alle in ehrfürchtigem Staunen ausbrach, richtete er den Zauberstab erneut auf seine Vase und sagte „Reparo." Die beiden Scherben fügten sich in wenigen Sekunden wieder zur Vase zusammen.
„Dieser Fluch zersprengt Dinge richtig ausgesprochen mit gewaltiger Kraft in 2 Bruchstücke. Dinge, wohlgemerkt. Auf Lebewesen hat es glücklicherweise eine andere Wirkung. Er paralysiert seinen Gegner, indem es jegliche Gefühl verstummen lässt. Je nach Stärke eures Gegenübers und eurer Stärke, hält dies entweder nur kurz an oder aber auch sehr lang.
Im Gegensatz zum Impedimenta, der je nach Stärke des Getroffenes manchmal auch keine Lähmwirkung hat und zum Ganzkörperklammerfluch, der immer eine Wirkung zu Beginn hat, setzt die Wirkung beim Fractio mit der Zeit ein.
Ihr seid noch sehr jung, daher wird die einzige Wirkung des Fluches die Lähmung sein, wenn ihr es denn richtig macht. Richtige Auroren und erfahrenere Zauberer hingegen, bedienen sich auch der anderen Wirkung dieses Fluches. Kennt diese jemand?"
Niemand, nicht mal Hermine, die sich sonst immer sofort gemeldet hatte, hob die Hand.
„Es ist in der Tat nicht sehr bekannt und auch kaum zugänglich für Schüler. Wenn überhaupt, so erfährt man erst in der Ausbildung oder aber in einem näheren Studium davon.
Fractio wird angewandt, nicht nur, um seinen Gegenüber zu lähmen, sondern auch, um seine Magie zu entnehmen."
Viele sahen sich nun entsetzt an. Entnehmen? Auch Harry, Ron, Hermine und Ginny tauschten merkwürdige Blicke aus.
„Das Zaubereiministerium hatte lange Zeit einen Weg gesucht, um mit Zauberer fertig zu werden, deren Machenschaften sie nicht eindämmen konnten. Natürlich wissen wir alle von Askaban, aber um die Verbrecher erst einmal dahin zu bekommen, brauchte es einige Zeit und Ideen. Viele von ihnen ließen sich nicht einfach so gefangen nehmen und waren so stark, dass einfache Zauber von Auroren sie nicht hätten aufhalten können. Seit der Erfindung des Fractio Fluches, bedienen sich viele Auroren dieses Fluches. Er nimmt dem Gegner die Magie, um sich zu verteidigen und zu duellieren. Dieser ist dann auch schwach genug, um gefangen genommen zu werden.
Die Magie, die entnommen wird, kehrt natürlich mit der Zeit in dem Zauberer wieder zurück und es ist nicht so, dass derjenige, der sie entnimmt, sie dafür in sich aufnimmt. Zudem schaffen es wirklich nur bereits fortgeschrittene und erfahrenere Zauberer diese Wirkung durch den Fluch zu erzeugen. Da ihr hier alle noch Schüler seid, dürfte diese Wirkung bei keinem eintreten.
Es ist jedoch wichtig, dass ihr den Gegenzauber bestens beherrscht, denn er hat, und das ist bewiesen, immer die Schutzwirkung gegen den Fluch gezeigt, auch wenn dieser von einem um noch so viel stärkeren Zauberer angewandt wurde. Er ist einer der besten Schutzzauber, die im letzten Jahrhundert erfunden wurde."
Crabbe und Goyle lachten wie zwei Affen und Malfoy blieb mit verschränkten Armen gelangweilt zwischen ihnen sitzen. Harry musterte ihn misstrauisch, war er sich doch sicher, dass dieser irgendetwas plante.
Lupin hob den Zauberstab und richtete ihn erneut gegen die Vase.
„Praestes," sagte er klar und deutlich, ein helles Licht entstieg der Spitze des Zauberstabs empor und verwandelte sich auf dem Flug zur Vase in eine weiß, leicht durchsichtige Decke, die sich um die Vase schlang und sich wie ein Zelt um diese legte.
„Fractio," sagte Lupin erneut, wieder schoss der dunkle Blitz in derselben Geschwindigkeit und Stärke auf die Vase zu, wie zuvor. Diesmal aber zerbrach die Vase nicht. Der Blitz wurde einfach von der weißen Decke absorbiert.
„Ohhhhhh," sagten einige beeindruckt. Crabbe und Goyle stießen sich nun wie Affen gegenseitig an und Malfoy sah immer noch gelangweilt aus.
„Ein Glück für uns ist der Schutzzauber einfacher zu erzeugen. Nun denn – bilden wir mal zweier Gruppen."
Es hatten sich die üblichen Paare gebildet und die ganze Stunde über versuchte man zuerst den Schutzzauber wirksam erzeugen zu können. Es stellte sich tatsächlich als sehr schwer heraus, so dass am Ende zwar einige das weiß, leicht durchsichtige Tuch hinbekamen, es sich jedoch im Flug wieder auflöste, noch bevor sich wie ein Zelt um einen selbst legen konnte.
Nach dem Unterricht, als alle wieder zu ihren nächsten Klassen eilten, fing Harry Remus ab, aber dieser schüttelte nur den Kopf.
„Zur Zeit sieht es nicht gut aus, Harry. Ich denke, ich könnte dir im November dazu verhelfen?"
„November? Wieso das?"
„Professor White ist nicht dumm. Vertrau mir, November ist besser."
Er nickte unzufrieden, sah dich dann aber zu allen Seiten um. Nachdem er sicher gegangen war, dass sich nur noch die beiden im Raum befanden und die Tür auch geschlossen war, wandte er sich wieder dem Freund zu.
„Wusstest du, dass Professor White Ron gestern zu sich bestellt hat?"
„Hat sie das? Was hat er denn angestellt?" fragte Lupin leichthin.
„Nichts!" sagte Harry verärgert, dass Lupin nicht aufgebrachter war. „Er sagte, sie saßen nur da und haben nichts geredet. Sie hätte ihn die ganze Zeit lediglich angestarrt."
„So so."
„Sie beherrscht Legilimentik."
„Hat Ron das etwa gesagt?" fragte Remus überrascht.
„Nein, das nicht," entgegnete Harry ungeduldig. „Aber ich weiß das."
„Hat Ron denn etwas gespürt?"
„Er sagt nein, aber -"
„Egal wie gut jemand ist, Harry. Wendet derjenige Legilimentik an, spürt man das."
„Wieso lässt sie ihn dann eine geschlagene Stunde in ihrem Büro sitzen und tut nichts, als ihn anzustarren?"
Lupin hatte den Mund geöffnet, ihn jedoch wieder geschlossen und es sich offenbar anders überlegt.
„Was?" drängte Harry misstrauisch.
„Es ist Hogwarts," sagte Lupin sanft. „Mit all dem Personal aus dem Zaubereiministerium, den Mitgliedern aus dem Orden des Phönix und den ganzen Lehrern wird Professor White kaum einem Schüler etwas antun. Die ganzen Anschläge letztes Jahr waren, wie du uns erzählt hast, von einem Schüler. Professor White ist viel zu erwachsen und clever, um so unvorsichtig zu handeln."
Er runzelte misstrauisch die Stirn. War das nicht eigentlich sogar schlimmer? Andererseits fiel ihm auch wieder ein, dass sich Fawkes im Büro aufhielt und war dieser nicht stets loyal Dumbledore gegenüber und hatte selbst ihm, Harry, schon mal das Leben gerettet?
„Weißt du eigentlich, was es mit Fawkes auf sich hat?" fragte Harry und Lupin sah ihn verdutzt an.
„Ich mein nur, er ist wieder da. Ich hab ihm voriges Mal im Büro gesehen. Ich dachte, er wäre weggeflogen nach Dumbledore's Tod. Er ist aber wieder da?"
Lupin lehnte sich an seinen Schreibtisch und verschränkte die Arme. Harry sah ihn neugierig an, während sein Freund angestrengt nachdachte.
„Phönixe sind... sehr selten," begann er schließlich und hatte sich Harry wieder zugewandt. „Man kauft sie nicht einfach in einem Geschäft, noch laufen sie einem einfach zu. Sie suchen sich diejenigen, den sie begleiten wollen, sehr gut aus. Schließlich besitzen sie sehr große Magie und Besonderheiten, wovon uns vieles noch immer verborgen ist. Dass eine Phönixträne noch so große Wunden heilt, weißt du ja aus eigener Erfahrung bereits."
Er lächelte sanft und Harry nickte langsam.
„Phönixe sind sehr treu. Obwohl Dumbledore also nicht mehr lebt, ist es nicht so, dass sich Fawkes einen neuen Begleiter sucht. Ich nehme an, er ist weiterhin hier in Hogwarts, weil es das ist, was Dumbledore gewollt hätte. Sein Grab ist schließlich auch hier."
„Er hört also nicht auf White?"
„Er würde jedenfalls nicht zulassen, dass sie Ron in seiner Anwesenheit unter einen dunklen Fluch setzt," sagte Lupin mit dem Anflug eines Lächelns. Harry nickte verstehend, wenn auch nach wie vor äußerst unzufrieden und grimmig.
Am Abend bei den Rundgängen, als sie unter sich waren, zog Hermine Harry erneut in den Korridor, dessen Wände leer waren und wo sie ungestört sprechen konnten.
„Ich hab ein wenig nachgeforscht," begann sie und Harry wäre fast sarkastisch herausgerutscht: Wenn das mal nicht etwas neues ist. „Stammbaumsuche, weißt du. So wie Sirius' Mutter ein Wandteppich über die Familie Black bei sich hielt, dachte ich, gäbe es so etwas vielleicht auch von Dumbledore."
Harry sah sie interessiert an, denn damit hatte er nicht gerechnet, aber Hermine schüttelte den Kopf.
„Leider nicht. Glücklicherweise ist er ja nicht irgendwer, sondern Albus Dumbledore. Also habe ich versucht eine etwas andere Stammbaumforschung durchzuführen und -" hing sie sofort an, weil Harry schon wieder eine Grimasse verzogen hatte. „Mit Erfolg."
„Und?"
„Jedenfalls halb."
„Hermine!" sagte er ungehalten.
„Es gibt in seinem Stammbaum keine Anna White. Es gibt eine Lasiar Dumbledore. Seine Tochter. Aber ohne Witz. Es gibt absolut keine Aufzeichnungen über sie, weder was aus ihr geworden ist, noch ob sie überhaupt noch lebt oder schon gestorben ist. Sie ist wie vom Erdboden verschwunden."
„Du denkst, Anna White ist Lasiar Dumbledore?"
„Ich hab noch mehr gemacht," sagte sie jedoch ohne auf seine Unterbrechung eingegangen zu sein.
„Nach dem Geburtsdatum von Lasiar Dumbledore wäre diese nun viel älter als Professor White sowohl aussieht, wie auch tatsächlich ist. Wenn sie nämlich mit deinem Vater nach Hogwarts gegangen ist, kann sie nicht älter als 40 sein. Lasiar wäre mindestens doppelt so alt. Ich hab dann versucht mich über die White Familie schlauer zu machen. Das war auch alles andere als leicht, denn wie die Familie Dumbledore ist es echt schwer einzusehen.
Mit viel Mühe und nach langem suchen habe ich etwas gefunden. Auch wenn es nicht explizit dran steht, aber von den Daten könnte es stimmen. Ihre Eltern sind oder waren Inga und Allan White. Ebenfalls keine Ahnung, ob die überhaupt noch leben und der Vater von Allan White könnte ein Grant White sein. Dieser war ein Anhänger von Gellert Grindelwald."
„Der Name kommt mir bekannt vor."
„Er und Dumbledore hatten sich bekämpft und er zog den Kürzeren. Dumbledore hat ihn besiegt. Aber ab da taucht ein weiterer Name im Zusammenhang mit Allan und Grand White auf. Ariana White, Ehefrau von Grant White. Es gab jedoch mal eine Ariana Dumbledore. Dumbledore's jüngere Schwester, die aber ganz sicher schon früh gestorben ist."
„Du denkst... was?"
Harry stand immer noch auf dem Schlauch und zog absolut keine Verbindung zu dem gesprochenen.
„Ich denke, Ariana war Lasiar. Deswegen haben Moody und Kingsley damals gesagt, White stammt von Dumbledore ab. Ihre Großmutter war Dumbledore's Tochter. Wahrscheinlich hat sie den Namen geändert, als sie Grand White geheiratet hat. Warum auch immer. Sinn würde es irgendwie machen.
Ich konnte noch etwas finden. Ein Zeitungsbericht. Schon sehr alt und es war wirklich auch der Einzige, was ich nach all der Suche gefunden habe."
Sie nahm ihn aus ihrem Umhang heraus und Harry nahm es an sich, um es zu lesen. Da war eine blonde, hübsche, ältere Frau und ein schwarzhaariger, älterer Mann mit finsterem und kalten Blick.
Verdacht gegen Allan und Inga White. Sind sie in die Machenschaften von Der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf verstrickt? lautete die Überschrift und darunter las sich ein langer Bericht über deren Festnahme durch den langjährigen Auroren Mad-Eye Moody, der bestätigt, dass es sich hier um zwei Todesser handelt. Harry sah zu Hermine auf und ihr Ausdruck war voll von Schuldgefühlen und zeigte ihr schlechtes Gewissen.
„Vielleicht hattest du doch recht und ich hatte mir einfach nur gewünscht, dass da mehr dahinter steckt. Ich dachte nur, weil auch noch Fawkes hier war..."
„Remus sagte, Fawkes ist hier, weil es Dumbledore's Wunsch gewesen sein könnte."
„Ja, das macht Sinn," sagte Hermine niedergeschlagen. „Aber ganz ehrlich, Harry. Macht es dir keine Angst, wenn sie wirklich... du weißt schon, für ihn arbeitet? Ich meine, das Zaubereiministerium scheint sie zu unterstützen, der Zaubereiminister unterstützt sie, der Orden des Phönix... jeder, mit dem ich gesprochen habe, vermeidet es über sie zu reden und wenn ich sie dann doch mal erwische, dann hört es sich für mich eher so an, als ob sie ihr vertrauen, weil sie von Dumbledore abstammte.
Und wenn ihr dann aber jeder vertraut und sie arbeitet eigentlich für Voldemort."
„Dann sind wir die Einzigen, die die beiden aufhalten können," sagte Harry entschlossen. „Und nein, mir macht es keine Angst."
Hermine war überrascht, aber Harry nickte zuversichtlich.
„Wenn es das nämlich täte, dann hätten die beiden gewonnen. Ich weiß, was ich zu tun habe. Aber das gilt nur für mich."
„Was meinst du damit?"
„Ich hab vor einigen Monaten schon mal gesagt, dass ich das alleine machen muss und ihr nicht. Wenn du also wieder aussteigen willst -"
„Auf gar keinen Fall!" sagte Hermine entschlossen, ihr Blick zeigte zwar einerseits nach wie vor Angst, andererseits aber auch, dass sie nie die Absicht hatte ihn dies alleine durchstehen zu lassen. Sie schluckte.
„Natürlich ist das Ganze furchteinflößend. Ich will auch gar nicht behaupten, dass ich keine Angst habe vor dem, was uns noch erwartet. Trotzdem, ich stehe hinter dir und tu was ich kann. Okay?"
„Okay," wiederholte Harry und lächelte. Mit einem Mal, sahen alle Probleme, die vorher wie ein unbezwingbarer Berg mitten in seinem Weg standen, auf einmal etwas kleiner aus. Er hatte gar nicht bemerkt, wie sehr er es wirklich wollte und brauchte, dass seine Freunde zu ihm standen und ihn unterstützten.
Die Woche verging ohne dass Jimá und Brian sich meldeten. Harry machte es nichts aus, nachdem er nun wusste, warum es Jimá so schlecht ging. Helloween rückte gleichfalls näher und dies war der Todestag seiner Eltern. Wenn er nicht jedes Jahr so sehr mit der Schule beschäftigt gewesen wäre, hätte er den Tag vielleicht auch viel eher wahr genommen.
In Fortgeschrittene Verteidigung gegen die Dunklen Künste waren sie nun soweit sich mit dem Fluch und den Gegenzauber zu duellieren. Nachdem jeder den Schutzzauber hinbekam, ließ Lupin sie auch mit dem Fluch angreifen. Bei fast jedem war der Fluch viel zu schwach und wurde nicht mal sichtbar von dem Schutzschild aufgesogen. Selbst bei den Slytherin Schülern war der Fluch nicht stark genug und auch Malfoy's Fluch wurde von Crabbe abgefangen, obgleich seiner stärker als den der meisten anderen war.
Ron und Harry grinsten, als Crabbe große Augen machte als hätte er ein Wunder vollbracht, weil er Malfoy's Fluch tatsächlich aufhalten konnte. Harry und Ron kicherten förmlich, als auch Goyle erstarrte und sich wie ein Affe am Kopf kratzte.
„Du zuerst oder ich?" fragte Harry. Ron zuckte nur mit der Schulter und sagte dann „Du."
Harry zielte mit seinem Zauberstab auf Ron und sagte „fractio" zur selben Zeit zu der Ron „praestes" sprach und seinen Zauberstab auf sich selbst richtete.
Ginny und Hermine hatten das Duell direkt neben den Jungs geführt und die Augen gerollt als Harry den schwarzen Blitz klar und deutlich produzieren konnte und Ron's Schutzschild ihn wie gewünscht vollkommen absorbierte, während es von beiden Mädels genauso schlecht funktionierte, wie bei allen anderen.
„Angeber," warf Ginny in Harry's Richtung, da Ron groß und auch laut in die Richtung der Mädels jubelte.
„Toll, Harry! Das war eindeutig ein Blitz!
Harry grinste Ginny scheu an und versuchte es nicht ganz so stark zu zeigen, dass er sich freuen würde, weil er mal wieder als Einziger den Fluch gemeistert hatte.
„Wie machst du das?!" zischte Hermine verärgert. Harry hätte es ja gern gesagt, aber er hatte absolut keine Ahnung, was er anders machte als alle anderen.
„Das ist doch nur Glück!" zischte Malfoy herablassend und stand plötzlich unweit entfernt von der Gruppe ebenfalls in ihrer Ecke. Crabbe und Goyle machten wieder Affengeräusche hinter ihm.
„Sonst könnte er doch Weasley, dem Waschlappen zeigen, wie es geht. Wette, du kriegst das nicht hin, Weasley. So ein Schwächling, wie du, da wird nichts außer heiße Luft raus kommen."
Malfoy lachte dreckig, verschränkte seine Arme und stellte sich sichtlich vor ihnen auf.
„Schlechter als du kriegt das doch niemand hin," warf Harry jedoch zurück und zog Ron von den Slytherins weg. „Ignorier ihn. Du schaffst das schon," sagte er und nickte dem Freund zuversichtlich zu. „Konzentrier dich einfach auf mich."
„Okay," sagte Ron, wenn auch feuerrot im Gesicht vor Wut. Harry richtete den Zauberstab auf sich und sagte „praestes" im selben Moment, in dem Ron seinen Zauberstab auf ihn richtete und „fractio" sprach. Beide wussten sehr wohl, dass Malfoy und seine Bande sie immer noch angafften. In der Erwartung, dass er den Schutzschild heraufbeschwor und dieser den Fluch von Ron absorbierte, egal wie er auch raus kam (Harry hatte durchaus geglaubt, dass Ron den Fluch produzieren konnte), fühlte es sich wie ein kalter Schlag an, als aus Harry's Zauberstab der weiße, leicht durchsichtige Schleier kam und der dunkle Blitz aus Ron's Zauberstab einfach durch diesen hindurch fuhr und Harry im Bruchteil einer Sekunde mitten in die Brust traf.
Er keuchte, fühlte es sich doch an, als ob er mit einem Mal keine Luft mehr zum atmen hatte. Die Kraft in seinen Knien hatte ihn verlassen und Harry sank kraftlos zu Boden und brach in sich zusammen.
„Harry!"
Er hörte Ginny und Hermine nach ihm schreien, weitere Stimmen seiner Klassenkameraden, aber sich bewegen oder sprechen, dazu war er nicht in der Lage und egal wie sehr er sich anstrengte etwas zu tun, Harry spürte seinen eigenen Körper nicht mehr. Nur noch, wie sich Stück für Stück etwas in ihm regte als ob jemand etwas aus ihm herausziehen wollen würde. Er sah noch vereinzelt Gesichter, Lupin – Dann wurde es schwarz.
Es kam ihm vor wie eine Sekunde, dass das Ziehen wieder verschwand. Sein Körper fühlte sich nach wie vor stumpf und gefühllos an und es war immer noch alles schwarz. Seine Augenlider ließen sich nicht öffnen oder er hatte einfach noch keine Kraft dazu.
„Wie konnte ich mich nur dazu überreden lassen, ihnen das zu zeigen?" Das war die Stimme seines Freundes. Remus. Er war aufgebracht und äußerst wütend.
„Es sind Kinder!"
„Sie sind alle volljährig, Lupin," sagte eine andere, strengere und mürrischere Stimme. Er kannte sie ebenfalls. Mad-Eye Moody. „Wir sind nun im Krieg. Härtere Maßnahmen sind unvermeidbar geworden. Unserem Gegner ist schließlich nichts heilig und er macht vor ihnen kein Halt. Es ist schon richtig, dass man sich verteidigen kann."
„Aber Harry konnte sich nicht verteidigen," entgegnete Remus.
„Aber er ist okay," sagte eine andere weibliche Stimme. Eine, die er schon mal gehört hatte. Damals im Fuchsbau als er nach dem Veternus Zauber im Fuchsbau kurz aufgewacht war.
„Der Fluch war zwar heftig, aber nicht lebensgefährlich."
„Ron Weasley ist ein 17jähriger Junge. Wie konnte er einen Fluch produzieren, der von der Stärke dem eines ausgewachsenen, weit erfahreneren Zauberers entsprach?"
„Es liegt nicht an der Stärke des Angreifers, Remus," erklärte die weibliche Stimme. „Es war die Stärke eines normalen 17jährigen. Es liegt an dem jungen Harry Potter hier."
„Er hat den Schutzzauber produziert. Ich habs gesehen."
„Alles was ich sagen kann ist, dass der Fluch auf ihn eine andere Wirkung hatte. Ich erinnere mich nur an einen Fall, bei dem das ebenfalls passiert war. Wäre es irgendjemand anderer, hätte es mich wohl ebenfalls gewundert, aber angesichts der Umstände, denke ich, die Verantwortlichen werden genau wissen, wo zu suchen ist? Es war Anna White's Idee, nicht wahr?"
Keine Antwort.
„Nun, ich denke, sie hat die Antwort, die sie gesucht hat."
Stille. Er war so müde, dass mit dem verstummen der Stimmen auch der Schlaf zurück kam.
Als Harry es endlich schaffte seine Augen zu öffnen, begriff er sehr schnell, wo er sich befand, denn dies war die ihm vertraute Umgebung des Krankenflügels. Es roch nach Medizin und Desinfektionsmittel.
„Harry! Ein Glück!" Mit einem Mal fand sich eine weibliche Person auf ihm drauf und hatte ihn so fest umarmt, dass er von diesem Gefühlsausbruch überrumpelt wurde. Es war nicht Ginny, von der er es verstanden hätte, oder Hermine, von der das hätte auch noch erklärbar kommen können. Es war Jimá.
Nachdem sie ihn endlich losgelassen hatte, zog er sich auf und nach dem er auch die Brille aufsetzte, die Jima ihm reichte, sah er, dass noch jemand bei ihnen saß, den er nicht erwartet hatte. Brian Tonks.
„Hey," sagte Brian freundlich und winkte mit zwei Fingern. „Stradford hat uns gesagt, dass du heute wieder zu dir kommen würdest und siehe da – die gute Seele hatte recht."
„Stradford?" fragte er verwirrt.
„Erfahrene Heilerin aus dem St. Mungo. Der Fluch, der dich umgehauen hat war nämlich etwas heftiger als das womit eine Schulkrankenschwester normalerweise umgeht."
„Umgehauen? Der Fluch? Wieso?"
„Der Fluch von Ron ging durch dein Schutzzauber," antwortete Brian, da Jimá noch immer um Fassung rang und offenbar mehr Zeit brauchte, um sich wieder zu fangen.
„Ich dachte, das ist unmöglich," sagte Harry, denn er war sich sicher, dass Lupin sagte, dass der Schutzzauber, den sie gelernt hatten, bewiesenermaßen immer wirkte.
„Vielleicht war ja dein Zauberstab defekt?" warf Brian ganz ernst ein, doch es dauerte nur eine Sekunde, nachdem sich die beiden Jungs ansahen, dass er losprustete und Harry somit genau wusste, dass dies nur ein Witz sein sollte.
„Ernsthaft jetzt, woran lag das?"
„Keine Ahnung," sagte sein Freund und diesmal meinte er das auch so. „Remus und die anderen Lehrer diskutieren viel, aber ob so was schon mal vorgekommen ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich nicht oder man hätte nicht gesagt, dass der Schutzzauber bewiesenermaßen immer wirkt. Wer immer das auch bewiesen hat, du bist der Gegenbeweis, Harry!"
Er sah Brian dämlich an, aber das Grinsen war dem Freund trotzdem nicht vergangen. Seine Heiterkeit machte einen wirklich fertig.
„Nun, klar ist, der Fluch hatte auf dich eine Wirkung, obwohl er keins haben sollte. Alle haben gesehen, dass der Schutzzauber von dir gewirkt hat."
Brian zuckte dennoch die Schultern.
„Wie gesagt, die Professoren rätseln noch daran. Falls du dich wunderst, wo deine Freunde sind – im Unterricht. Du lagst ein Monat flach."
„Ein Monat?!" wiederholte Harry entsetzt und hatte sich so abrupt bewegt, dass seine Decke zu Boden fiel.
„Yap," sagte Brian ernst. „Hast das Quidditchspiel verpasst. Hab mir aber sagen lassen, dass es nicht unnormal für dich ist, nicht an jedem Spiel eines Jahres teilzunehmen."
„Ein Monat?!" wiederholte Harry und klang nun bereits halb verrückt. Ein Augenblick verging, dann grinste Brian wieder von einem Ohr zum anderen.
„Kein Monat also?" sagte Harry und sah ihn mit verengten Augen streng an. Brian schüttelte den Kopf, sein Grinsen hatte er nach wie vor nicht verloren.
„Etwas weniger als ne Woche. Bist rechtzeitig zum Quidditch Spiel wach geworden. Das heißt – wenn Madam Pomfrey dich überhaupt rechtzeitig entlässt. Das tut sie, wenn du zeigst, dass du fit genug bist, um wieder auf eigenen Beinen zu stehen und ich würd sagen -" Er hatte die Decke vom Boden mit einem Schwung seines Zauberstabs wieder aufgehoben und zurück auf das Bett gezaubert. „ - Das bist du eindeutig."
Harry wusste nicht, ob er Brian eine runterhauen sollte, weil er sich so ungehobelt verhielt oder ob er ihm sagen sollte, dass er sich wie ein Vollidiot aufführte. Er beschloss, dass ein schweigen und ein blöder Blick ausreichte. Brian lachte bellend, warf dann aber ein kurzen Seitenblick zu Jimá, die immer noch kein Ton von sich gegeben hatte, sondern scheu abwechselnd zwischen beiden hin und her sah.
„Ähm, jedenfalls sind Ron und die anderen im Unterricht. Professor White hat es angeordnet und ja – sie kommen später bestimmt noch vorbei. Waren die letzten Tage seitdem du hier legst eh jeden Abend hier. Aber zu was anderem - Du hast uns ne Eule geschrieben. Wir konnten nicht vorher antworten. Orden. Was gibt's denn?"
„Ähm," machte Harry und dachte angestrengt nach, was er sich gleich wieder zurechtgelegt hatte, um mit ihnen zu reden. Er hatte sich jedoch nie ausgemalt, wie er die beiden um Hilfe bat, wenn Jimá aussah als ob sie gleich in Tränen zusammenbrach. Brian rollte die Augen und lächelte amüsiert.
„Jimá," sagte er sanft und stupste sie leicht am Ärmel an. „Harry geht's gut und er ist in kürze wieder fit wie sein Feuerblitz. Hörst du also bitte auf dich wie ein Komet 2-60 zu benehmen und lässt das bremsende schniefen sein?"
„Tut mir leid, Harry," sagte sie leise, aber er schüttelte nur sofort den Kopf.
„Schon gut." Er hätte nicht gewusst, wie er darauf reagieren sollte oder was er sagen sollte. Hätte er nicht gewusst, dass Jimá dieser Tage ohnehin leicht zum weinen zu bringen war, wegen dem Tod ihrer Eltern, er hätte es wohl mehr als nur komisch gefunden, dass sie wegen ihm weinte. So gut sie auch miteinander auskamen, aber so eng standen sie sich nun auch wiederum nicht, dass man gleich um den anderen weinte, wenn dieser mal im Krankenflügel lag.
„Ich muss mit euch beiden unter vier Augen sprechen. Können wir uns am Wochenende wieder zusammensetzen? In meiner Wohnung?"
„Mit uns beiden unter vier Augen?" wiederholte Brian und konnte sich das Grinsen erneut nicht verkneifen. Harry verengte die Augen. Tonks hatte recht. Ihr Bruder schien jeden Tag zum Frühstück ein Clown zu essen.
„Klar. Wir kommen am Freitag und begleiten euch nach London. Hab schon lang kein Quidditch Spiel mehr gesehen. Jimá?"
„J-Ja?" machte sie und schniefte.
„Wir gehen. Keine Widerrede. Harry."
Brian und er schüttelten sich die Hände und als Harry Jimá ansah passierte absolut gar nichts. Sie starrte ihn mit so verletzten Augen an, dass er für einen Moment glaubte, er hätte ihr irgendwie das Herz gebrochen.
„Bye, Jimá," sagte er vorsichtig in der Hoffnung, dass dies das richtige sein würde und sie nicht wieder zu weinen begann. Sie riss sich sichtlich zusammen, atmete tief durch und lächelte zaghaft.
„Bye, Harry."
Sie schritt als erste raus und Brian folgte ihr auf dem Fuß. Harry hörte noch wie Brian sie dazu aufrief endlich über ihren Schatten zu springen und zu sagen, was Sache ist. Er fragte sich, ob das immer noch an den Typen lag, den Jimá sehen wollte aber nicht sehen darf.
Wenige Stunden später (nachdem Pomfrey ihm haufenweise Medizin die Gurgel runter geschüttet hatte), bekam er wie erwartet Besuch von Ron, Ginny und Hermine. Sie erzählten ihm, dass der Fluch ihn umgehauen hatte und absolut jeder, selbst Remus selbst, davon total überrumpelt und entsetzt war. Was danach im Krankenflügel passiert ist, konnten sie ihm zwar nicht erzählen, aber dass sie danach zu jeder Zeit, wann immer sie frei hatten, bei ihm saßen. Professor McGonagall hatte sie aber schon am ersten Tag dazu ermahnt in ihren Klassen aufzutauchen oder es würde jeden von ihnen ein äußerst unangenehmes Gespräch mit der Direktorin bevorstehen, was keiner von ihnen unnötig provozieren wollte. Außerdem waren Brian und Jimá noch am selben Tag aufgetaucht, als er eingeliefert wurde, und sie konnten sich daher mit den beiden abwechseln und Harry somit auch versichern, dass immer jemand bei ihm war, als er schlief.
Ron hatte sich wohl ein dutzend mal entschuldigt, obgleich Harry schon beim ersten Mal ausdrücklich sagte, dass er ihm keine Schuld gab. Sie wollten abwarten, bis sie Remus abfangen und fragen konnten, was passiert war, bevor sie weiter wild spekulierten. Obwohl er es nicht wollte, musste Harry diese einen Nacht noch im Krankenflügel schlafen, da Madam Pomfrey ihn zur Beobachtung da behalten wollte. Lupin war zu Harry's Missfallen nicht aufgetaucht. Dafür aber Luna und Neville. Etwas, dass er sich lieber erspart hätte, denn Luna versicherte ihm, dass es nun Tomatenwürmer gab, die sich tarnen konnten und unsichtbar die Kontrolle über jemanden übernehmen konnten, wenn er schlief und Harry müsse ganz dringend aufpassen, weil die Tomatenwürmer vielleicht hinter ihm her waren.
Er war froh als es spät Nacht war und er wieder schlafen konnte. Kaum zu glauben, aber trotz dessen, dass er so lang geschlafen hatte, war er immer noch müde. Irgendwann, weit nach Mitternacht hinein, bemerkte er etwas ganz komisches in seiner Nähe und als er sich vorsichtig zur Seite drehte, um nachzusehen, was ihn so merkwürdig vor kam, blickte er in zwei riesengroße Glubschaugen.
„Dobby?" Augenblicklich saß Harry kerzengerade in seinem Bett mit dem Hauselfen neben sich stehen, und einem zaghaften Lächeln zwischen den riesigen Schlabberohren.
„Harry Potter!" sagte er hocherfreut. „Dobby hat sich Sorgen gemacht."
„Du bist noch hier?" fragte er stattdessen überrascht.
„Dobby arbeitet hier."
„Immer noch?"
„Professor White bezahlt Dobby. Dobby arbeitet."
Irgendwie fand er es beruhigend zu wissen, dass sein kleiner Freund ebenfalls noch in Hogwarts war. Er hatte bis heute gar nicht mehr an den Hauselfen gedacht und nun fühlte er sich sogar ein wenig schlecht, dass er den Freund bei all dem, was in der letzten Zeit passiert war, vergessen hatte.
„Wie geht es dir?" fragte er, statt sich weiter in seinen Gedanken zu vergraben.
„Dobby geht es gut, Harry Potter. Er ist noch traurig wegen Professor Dumbledore, aber froh, dass er Harry Potter wiedersieht."
Und dann kam Harry der Gedanke! Dass ihm das nicht schon früher eingefallen ist. Was letztes Jahr funktioniert hat, dürfte auch jetzt wieder funktionieren.
„Dobby! Kannst du mir ein Gefallen tun?"
„Dobby tut alles für Harry Potter!" sagte der Hauself und strahlte vor Glück. Harry grinste.
„Hefte dich an Professor White."
„Professor White?" wiederholte Dobby überrascht. „Will Harry Potter, dass Dobby Professor White beschützt?"
„Uhm, nur beobachten fürs erste. Kannst du das für mich tun?"
„Natürlich! Dobby tut alles, was Harry Potter ihm sagt. Aber Dobby – nun ja." Er rollte mit den Augen nach links und rechts, als ob er sichergehen müsste, dass ihnen auch ja keine Pflanzen oder Fliegen zuhörten. Dann senkte er seine Stimme und seinen Kopf und hielt die Hand vor das Gesicht, als ob er dadurch vermied, dass jemand von der Seite ihn ansah.
„Dobby kann Harry Potter vielleicht nicht alles sagen, was er weiß und herausfindet."
„Warum das?" fragte er verdutzt und Dobby senkte noch mal etwas tiefer den Kopf.
„Dobby ist zwar nun ein freier Elf, aber Dobby hat früher den Malfoy's gedient und ein Herr hat Dobby aufgetragen auch alles zu tun, was Professor White ihm aufträgt. Dobby fällt es noch immer schwer, das nicht mehr zu tun."
Harry's Miene verfinsterte sich noch mehr. White war also ebenfalls eng mit den Malfoys. Wieso sonst hätte Lucius Malfoy Dobby aufgetragen White zu gehorchen? Kein Wunder, dass sie Draco zurück nach Hogwarts brachte. Nein, er war sich sicher. White war kein bisschen wie Sirius. Sie gehörte zu Voldemort und Harry würde sie noch enttarnen und zur Rechenschaft ziehen.
