Tadaa =) Eigentlich war das Kapitel gestern fertig, aber seit neuestem bekomm ich von Kälte Kopfschmerzen. So gestern. Dass dies von der Kälte stammt, hab ich erst gemerkt, als ich nicht schlafen konnte vor Kopfschmerzen, die Heizung aufdrehte und plötzlich gings. Kommt das Kapitel halt erst heute. Als ob jemand von euch wirklich nach Mitternacht bis 12 Uhr früh ein Kapitel liest XP.

Und ich hab in diesem Kapitel etwas vorgegriffen, was ich eigentlich erst schreiben wollte, wenn CofX fertig ist. Aber da ich dazu gerade nicht komme, CofX nicht im Eilverfahren beenden will, so wie bei BtF und BH damals geschehen, hier aber auch nicht Chapterweise um den heißen Brei reden möchte, werdet ihr es halt jetzt schon sehen und somit wissen, was in den letzten Kapitel in CofX noch passieren wird. Baba!


Review:

Mannequin: Huhu =)

Ich kenn zwar den Autor von Game of Thrones nicht beziehungsweise die Produzenten (Buch und Serie soll sich ja ab jetzt irgendwie unterscheiden, weil Serie weitergeht und Buch aber noch nicht), aber wer weiß, zwei Möglichkeiten für deine Lieblingscharaktere doch noch zu überleben oder nen passenden Weg einzugehen. Wäre das bei Harry Potter doch auch nur so gewesen, wer weiß, wer weiß wie sich Film und Buch hätten unterscheiden können XD

Hat Walking Dead mit den Staffeln eigentlich abgenommen oder würdest du sagen, ist immer noch so gut wie vorher? Ich hab zum Beispiel Heroes nie angesehen, aber es soll wohl mit den Staffeln immer schlechter geworden sein. Das sagen aber auch einige von HIMYM und ich hab die letzten Staffeln (gerade die letzte Staffel) geliebt.

Hm, Sirius gehörte schon auch zu meinen Lieblingscharakteren. Bevor ich begann Lilli und James FF's zu lesen waren er und Harry eigentlich meine Lieblingscharaktere und als er in Buch 5 starb, hab ich Rotz und Wasser geheult. Weiß jetzt allerdings nicht mehr, ob ich erwartet hatte, dass er wieder zurück kam oder nicht... Also ursprünglich geplant war es nicht, dass er in BH III zurück kommt, aber... vielleicht, wenn ich es gut anstelle... muss mal guggen ^^ Es könnte rein passen... Allerdings verändert das das Ende dann vollkommen, weil sonst... ach, ich schau mal.

Leider nicht. Anna und Sirius haben ihr Baby in CofX nicht gesehen. Also, Anna bei der Geburt des Baby's schon, aber danach nicht mehr. Sirius und Anna haben sich nach Sirius' Ausbruch aus Askaban genau einmal gesehen und wo sie 16 Jahre lang war ist nicht schön, aber wird noch geklärt werden, beziehungsweise kommt in diesem Kapitel ein kleiner Anfang. Entweder erzählt sie es oder Dumbledore später die vollständige Geschichte. Mal sehen. Ist noch nicht ausgereift, wie es besser passt.

Dunno. Wenn es um Namen geht kruschel ich glaub ich gern was zam, was so plötzlich in meinem Hirn aufpoppt, was sich so im Internet findet (zumindest neuerdings, goggle ich immer nach, nicht dass das Wort schon existiert und was schlechtes oder unangenehmes bedeutet) und was ich noch aus meiner Vergangenheit kenne oder aus meinen anderen Geschichten habe. Jamiecan, die verstorbene Mutter von Byen's Mann, war zum Beispiel ein Name aus einer anderen selbstgeschriebenen Geschichte, Jaivenko und Stone sind nach zwei ehemaligen Freunden zu der Zeit benannt und bis jetzt übernommen worden.

Nicknick, wollte Harry genug Rückendeckung geben, den er mit Lhayphsas zu einem Teil nun hat. Bekommt natürlich mit Fortgang der Geschichte noch ein wenig mehr, so dass es am Ende ein bunter Haufen im Kampf gegen Voldemort werden wird.

Yap, Voldemort wird wohl auf jeden Fall herausfinden, dass Jilli ein Ponester ist und sein eigenes Black Heart erschaffen. Ob er es dann jedoch selbst ist oder etwas anderes, das sei jetzt mal noch offen. Es muss ja keine Person sein. Er kann im Grunde alles zu einem Black Heart machen.

Anna hat sich auf jeden Fall zurückgehalten im Kampf mit Harry. Sie hätte ihn niemals so angreifen können, wie sie Todesser angreift oder gegen Voldemort kämpfen würde, denn er ist ihr Patensohn und sie hat ihn als Baby in den Händen gehalten und sich um ihn gekümmert. Ich weiß nicht, ich denk halt, dass man jemanden, den man richtig gern hatte, nie absichtlich, egal wann, so grob anfassen könnte. Kindern fällt es garantiert noch schwerer, weshalb Anna eben nicht wollte, dass Harry überhaupt von ihr erfuhr.

Wäre Anna nicht sie selbst, sie hätte da im Wald vielleicht nicht mal eingegriffen. Aber Anna aus CofX hätte sich da nicht mal zurückhalten können, so aufgebracht und verängstigt sie um die beiden war XD

Simple, yup, aber war nicht leicht zu erklären. Wusste nicht, ob das nachvollziehbar war, aber nun bin ich beruhigter =) Aber das ist wohl wirklich eher zu verstehen, wenn man die vorherigen beiden FF's kennt.

Uh, dann hoff ich mal, dass Harry und Anna nicht enttäuschen werden. Es wird nämlich alles andere als leicht für die beiden nach den letzten Monaten, die er sie als Feind wahrnahm. Glaub, auch das ist nicht leicht, jemanden Monatelang gehasst zu haben und ihn dann nicht mehr zu hassen.

Thx fürs Review =) Bin schon gespannt darauf, wie dieses Kapitel bei euch allen ankommt. Das war nämlich auch von langer Zeit her geplant und zeigt, wrum die Beschreibung der FF so ist. Liebe Grüßle


Chapter 11 – More than meets the eye

Harry hätte nie gedacht, dass er sich wirklich mal so durcheinander fühlen würde. Es war zu viel Informationen, alles klang zu wirr, zu unglaublich und zu wahr. Professor White, die er nicht leiden konnte schon als er sie zum ersten Mal sah, soll seine Patentante sein? Soll diejenige sein, mit der Sirius verheiratet war? Litt sein Patenonkel unter Geschmacksverirrung? Sie hatte ihn kein einziges Mal gut behandelt, griff ihn ständig an, machte ihn nieder, war arrogant, herablassend, gemein!

Und dann erinnerte er sich wieder, dass sie gesagt hatte, dass sie das musste. Sie hatte recht. Immer wenn er sie sah, wenn er sich mit ihr duellierte, dann hatte er dieses intensive, dunkle und grimmige Gefühl in sich gespürt. Es loderte wie ein großes, unbändiges Feuer, was bereit war alles zu zerstören, was sich ihm in den Weg stellte. War das Dark Breath?

Harry seufzte. Sie wollte dass er sie hasste und das hatte sie auch geschafft. Er hasste sie. Und doch... nicht mehr so wie vorher. Dieses zerstörerische Feuer? Es war weg. Er hasste sie noch, aber nicht mehr so wie vorher. Wie sie es gesagt hatte. Er war nicht mehr im Stande dazu, weil er nun wusste, wer sie war.

Sprich mit ihr und überzeuge sie davon, dass du von ihr lernen kannst und willst und sie dich unterrichten soll.

Das waren Remus' Worte gewesen. Wie sollte er sie überzeugen? Bei Slughorn hatte er den Glückstrank eingenommen und nur deswegen hatte es geklappt. Davon war nichts mehr übrig. Abgesehen davon, wollte er das überhaupt? Von ihr lernen? Nein... oder doch? Wenn er von ihr lernte, ging das Ganze dann von vorne los? Sie tat weiterhin Dinge, die ihn dazu brachten, sie zu hassen? Es gab genug zur Auswahl. Sie hatte ihn noch nicht gefoltert...

„Vergräbst du dich wieder in deinen eigenen Gedanken?" Es war Ginny's Stimme und er verzog ein leichtes Lächeln, als sie sich mit Hermine und Ron zu ihm auf die Quidditch Tribüne setzte. Für einen Moment blickte er traurig auf das Feld hinab.

„Ja, sieht ganz so aus."

„Du weißt nicht, was du von der ganzen Sache halten sollst, stimmts?" sagte Hermine umsichtig.

Er nickte bedrückt und sah zu seinen Freunden auf. Ginny saß neben ihm, Ron und Hermine direkt hinter ihnen beiden.

„Ich nehme an, ich bin der Einzige in dem Chaos."

„Natürlich nicht," sagte Ron sofort und das meinte er auch wirklich so. „Wir sind genauso verwirrt und nicht sicher, was wir glauben sollen und was nicht. Aber dich trifft es tiefer, denn es geht ja um dich. Die Prophezeiung war schon hart, aber das von gestern Abend – Ich wüsste nicht, wie ich darauf reagieren würde."

Harry war ihnen allen Dankbar für die Unterstützung und dass sie nicht direkt auf ihn einredeten und versuchten die Situation zu klären.

„Ich bin froh, dass du da warst," sagte er ehrlich zu Ginny. Sie lächelte sanft und drückte ihm die Hand.

„Was willst du jetzt tun?" fragte sie vorsichtig. „Eigentlich haben wir gleich Verteidigung gegen die dunklen Künste?"

Harry nickte.

„Willst du jetzt wirklich Hogwarts verlassen?" fragte Hermine und versuchte ihn möglichst nicht zu drängen. „Ich mein, was immer du tust, Ron und Ich werden natürlich mitkommen."

Ron nickte zustimmend und fest und Harry sah sie alle dankbar an.

„Ihr müsst das nicht tun," sagte er jedoch. „Ihr könnt hier bleiben und euren Abschluss machen. Hogwarts ist offenbar sicher. Irgendwas tut White, was Voldemort offenbar von hier fern hält. Ihr habt schon Arbeit rein gesteckt."

„Ein Abschluss bringt uns nichts, wenn du stirbst und Voldemort mit seinen Leuten die Welt überrennt," sagte Hermine fest. „Und gibst zu. Du brauchst uns."

Sie sah ihn herausfordernd an und Harry schmunzelte. Ihre Worte waren nichts als die Wahrheit, denn sie kamen nur deswegen zu dem Punkt, an dem sie jetzt waren, weil Hermine, Ron und auch Ginny ihm bei allem geholfen hatten. Alleine hätte er das wohl niemals bis hier her geschafft.

„Wir bleiben bei dir, egal wohin und wie lang," sagte Ron genauso sicher wie Hermine vor ihm. Harry nickte. Er fand gar keine Worte, um ihnen zu sagen, wie viel ihm das bedeutete.

„Geht ihr mal in den Unterricht. Ich brauch noch etwas."

Die drei sahen ihn unsicher an, aber er nickte ihnen zuversichtlich zu. So erhoben sie sich zögerlich und ließen ihn alleine.


Harry schnappte sich seinen Besen und flog einige Runden um das Quidditch Feld. Hoch oben in der Luft war er frei und obwohl er immer noch all diese Gefühle und die merkwürdigen Gedanken hatte, konnte er sie immer kurz beiseite schwingen, wenn er sich vom Wind tragen ließ und einfach nur durch die peitschende Kälte hindurch flog. Er ließ sich vom Wind tragen und schaltete alles um sich aus.

Er wollte nicht darüber reden. Nicht mit Remus, nicht mit seinen Freunden – nicht mal mit Ginny. Wenn, dann mit Ginny, aber er wollte nicht. In ihm herrschte pures Chaos, Unsicherheit, sogar Wut und Ärger, weil nichts so war wie er glaubte. Jeder verschwieg ihm etwas und das kontinuierlich. Immer mit dem Vorwand ihn nur schützen zu wollen. Hatte Dumbledore nach Sirius' Tod nicht gesagt, er würde ihm nun alles erzählen? Alles? Es war nicht alles! Mit keinem Wort hatte jemand erwähnt, dass Sirius' verheiratet war, dass es da noch jemanden gab, von dem er wissen sollte. Und was vor 16 Jahren passiert ist, das behielt auch jeder für sich. Weil es so grausam war? Glaubten sie, er würde zusammenbrechen, wenn er die Wahrheit erfuhr? Wieder verdrängte Harry die Gedanken und beschleunigte seinen Flug. Je schneller er flog, um so kleiner und leiser wurden diese dummen Stimmen, die ständig neue Fragen aufwarfen.

Harry sank wieder hinab – Ihm war komisch zumute und vielleicht sollte er einfach wieder in den Schlafsaal gehen und sich noch mal hinlegen. Er erstarrte mitten in der Luft als er beim Sinkflug erkannte, dass unter ihm nicht das Quidditch Feld war. Er war aus Hogwarts hinaus direkt nach Godric's Hollow geflogen. Er erkannte die Gegend, weil er schon mal hier war und weil er sich direkt über dem Friedhof befand.

Er sank mit dem Besen hinab bis seine Füße auf Boden trafen. Dann stieg er ab und ging in den Friedhof hinein. Der Trinkbecher. Byen sagte, der Zauber würde ihm auf jeden Fall den Trinkbecher zeigen, auch ohne, dass er ihn kannte. Auch wenn ihm nicht bewusst war, dass er so lange und so weit geflogen war, wenn er schon mal hier war, konnte er ihn auch gleich besorgen.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr schritt er an das Grab seiner Eltern, aber das seltsame Gefühl hatte nicht nachgelassen. Noch immer war es schmerzhaft hier zu sein und zu wissen, was passiert war, zu wissen, dass hier nur ihre toten Körper lagen und er nicht heim kam, um seine Eltern zu treffen, mit ihnen zu reden, von ihnen in den Arm genommen zu werden.

Er sah das Grab seines Vaters an und ein schwerer Stein legte sich auf sein Herz. Remus, Sirius, Byen, Peter Pettigrew, Professor White, sie waren alles Freunde seines Vaters. Aber Pettigrew hatte seine Eltern verraten und ihr Tod herbeigeführt. Was war mit White? Snape war ein Feind seines Vaters und hatte seinen Tod ebenfalls herbeigeführt. Seine Eltern waren tot, weil Freunde und Feinde seines Vaters dazu beigetragen hatten, das Voldemort überhaupt erst an sie ran kam. Er hatte so viele Fragen und die Einzigen, mit denen er nun wirklich darüber reden wollte, deren Ratschlag und Nähe er suchte, waren seine verstorbenen Eltern.

„Du bist groß geworden, Kleiner."

Harry blickte blitzschnell auf als er diese Stimme hörte und für einen Moment hielt er vor Entsetzen die Luft an.

„Dad?"

Der 21jährige James Potter stand vor Harry hinter seinem eigenen Grabstein und lächelte ihn väterlich an. Er sah genauso aus wie auf den Fotos, die er von seinem Vater hatte. Dann sah James zur Seite und nun bemerkte auch Harry die Person, die ebenfalls unweit entfernt ihres Grabsteines stand und ihn fürsorglich beobachtete. Seine Mutter.

„Mum?"

„Hallo, mein kleiner Liebling."

Er schluckte hart. Sie waren so real, nicht wie ihre Abbilder, die ihm damals in ihrem Haus begegnet waren, sondern richtig fest. Er roch einen blumigen Karamellduft als seine Mutter erschienen war. James und Lilli schritten zuerst aufeinander zu und kamen dann Händchenhaltend zu ihm her. Harry blieb wie angewurzelt am selben Fleck stehen aus Angst, wenn er sich rührte könnten sie verschwinden. Er wollte das nicht. Er wollte sie bei sich behalten. Auch wenn das nur ein Traum war, aber er wollte sie nicht wieder verlieren. Bei Sirius hatte er sich zusammenreißen müssen, um nicht bei ihm zu verweilen, aber hier und jetzt gab es für ihn keine Wahl. Er wollte sich nicht zusammenreißen müssen, wollte nicht, dass dies hier endet. Selbst wenn es falsch war. Er wollte dass sie blieben. Für immer.

Die beiden kamen vor ihm zum stehen und Lilli schlang als erstes ihre Arme um ihren Sohn und hatte ihn zu einer festen, liebevollen Umarmung zu sich gezogen. Der zarte Duft nach Blumen und Karamell wurde intensiver und Harry schloss die Augen. Seitdem er denken konnte hatte er sich gefragt, wie es sich anfühlen würde, von der eigenen Mutter so in den Arm genommen zu werden. Heute spürte er es und es war mehr als er sich je vorgestellt hatte.

„Mein kleiner Liebling. Es tut mir so leid, dass wir dir all die Jahre nicht beistehen konnten."

Sie ließ ihn los und Harry spürte die starke Hand seines Vaters auf seiner Schulter. Er sah zu ihm auf und als er den stolzen, strahlenden Blick sah, wurde ihm noch schwerer ums Herz. Alles was er jemals wollte, geschah gerade und er wusste, er würde es nicht loslassen. Vielleicht niemals. Auch wenn er nie wieder zu seinen Freunden zurückkehrte, aber einmal in seinem Leben wollte er selbstsüchtig sein. Dieses eine mal wollte er nur an sich denken und nicht an andere.

„Was du hier spürst, Sohn, ist Lhayphsas Magie. Ihr Volk besteht aus sehr vielen, sehr unterschiedlichen, seltenen und starken Wesen und vereinigt, sind sie zu solch starkem Zauber fähig, welche du hier gerade durchlebst," sprach James und Harry nickte verstehend.

„Sei nicht traurig, mein kleiner Liebling," sagte Lilli umsichtig, aber Harry konnte es nicht verhindern und obwohl er es nicht wollte, war er tief niedergeschlagen. Hier waren seine Eltern und das sollte ein glücklicher Moment sein, aber der Gedanke ihn wieder zu verlieren, wog einfach zu schwer.

„Es sind nur unsere Abbilder," erklärte James und hatte sich auf seinen eigenen Grabstein gesetzt. Lilli schmunzelte, während ihre Hände noch immer auf den Schultern ihres Sohnes lagen und ihn sanft bei sich hielten.

„Schatz, dir ist schon klar, dass du gerade auf dich selbst getreten bist?"

„Ha ha," witzelte James mit dem Anflug eines Lächelns sarkastisch auf den amüsierten Blick seiner Frau hin. „Ich wollte mich setzen und ein Gentleman tritt nicht auf seine äußerst attraktive und wunderbare Frau."

„Ohhhhhhh," machte Lilli mit niedlichem Blick. Harry hatte beide strahlend beobachtet, da wandte sich seine Mutter wieder von ihrem Mann ab zu ihrem Sohn.

„Du hast bestimmt viele Fragen, Harry. Und wir werden dir alle beantworten, so weit es uns möglich ist. Die Fragen, die wir jedenfalls mit dem Wissen beantworten können, was wir zu Lebzeiten hatten. Dies hier ist ein Lhayphsas Zauber. Er ermöglicht dir uns hier aufzusuchen und mit uns zu sprechen als wären wir immer noch hier, obwohl wir eigentlich längst tot sind. Was jedoch passiert ist, nachdem wir starben, mit dem Wissen können wir dir leider nicht dienen."

„Und wenn ich den Friedhof verlasse, ist alles weg?"

James und Lilli tauschten ein Lächeln aus und es war James, der darauf antwortete.

„Nur, nachdem du den Trinkbecher von Hufflepuff zerstört hast."

Harry sah auf einmal überrascht und fast freudig rein. Hieß das etwa -

„Wenn du den Friedhof verlässt ohne den Trinkbecher hier mitgenommen und zerstört zu haben, kannst du wieder zurückkehren und wir sind immer noch hier. Dieser Zauber endet erst, nachdem du den Trinkbecher zerstört hast.

Solange du das nicht tust, bleibt er hier versteckt und du kannst stets zurückkommen. Allerdings taucht sowohl der Trinkbecher wie auch deine Mum und Ich nur auf, wenn du alleine hier bist, oder mit Jilli. Deiner Schwester. Sobald noch jemand anderes mit euch hier erscheint, werden wir nicht erscheinen können. Dieser Zauber ist wirklich nur für euch beide erschaffen worden."

Harry schluckte hart. Etwas in ihm begann vor lauter Freude zu tanzen. Es war nicht das letzte Mal, dass er seine Eltern sah? Er konnte immer wieder herkommen und sie würden immer wieder da sein?!

„Solange du den Trinkbecher nicht zerstörst, was du jedoch tun wirst – In naher Zukunft," sagte Lilli sanft. Er wandte sich verwirrt an seine Mutter.

„Um Voldemort endgültig zu töten, musst du das tun. Alle Horkruxe zerstören."

Er war verwirrt. Sagten sie nicht gerade, dass ihre Abbilder nur das Wissen hatten, was sie vor ihrem Ableben hatten? Wie konnten sie dann von den Horkruxen wissen, wenn selbst Dumbledore erst viel später davon erfuhr?

„Wir wissen es durch dich," sagte James als ob er genau wusste, was in seinem Sohn gerade vor sich ging. „Alles, was du gerade denkst und fühlst, dringt zu uns durch. Auch das ist Lhayphsas Magie. Sirius ist also tot..."

James war auf einmal ruhiger, in sich gekehrter, gar depressiver. Harry sah besorgt zu seiner Mutter aber sie lächelte ihn fürsorglich an und schob ihn schließlich mit sich zu seinem Vater rüber. Dort hatte sie seine Hand gedrückt und tröstend angesehen.

„Wir können die Vergangenheit nicht ändern, Schatz. Aber die Zukunft und die Gegenwart, die können wir noch beeinflussen."

„Ja, stimmt," sagte James und schien mit einem Mal den Ansatz der Trauer verdrängt zu haben. Harry fiel auf, dass er diese Eigenschaft wohl von seinem Vater geerbt haben musste, denn er wusste, dass er selbst auch stets so reagierte. James sah zurück zu seinem Sohn und zuckte überrascht auf.

„Anna ist am Leben? Wirklich?"

Nun hatte sich auch Lilli's Ausdruck verändert und auch sie sah ihren Sohn überrascht an.

„Anna ist am Leben? Aber, wie ist das möglich?"

Sie wandte sich James zu, aber er schüttelte ungläubig den Kopf.

„Das versteh ich auch nicht..."

„Heißt das... sie sollte eigentlich tot sein?" fragte Harry vorsichtig. „Vielleicht hat sie ihren Tod nur vorgetäuscht?"

James und Lilli aber schüttelten beide bedauernd und bedrückt den Kopf.

„Nein, wir haben sie gesehen," sagte sein Vater mit gebrochener Stimme. „Sie war tot. Sicher, dass es kein Betrüger ist, der sie mit dem Vielsafttrank nachahmt?"

„Uhm -" machte Harry nachdenklich.

„Remus sagt, er vertraut ihr und Jimá und Brian tun das auch."

„Jimá und Brian?" fragte James und plötzlich lachte er. „Jilli nennt sich jetzt Jimá? Ah, verstehe. Natürlich, zu ihrem Schutz... verständlich... Oh, Mum hätte das bestimmt gefreut, dass ihre Enkelin ein Teil ihres Namens übernimmt. Schön zu sehen, dass es ihr auch gut geht."

„Dumbledore musste euch trennen nach unserem Tod?" sagte Lilli traurig. James wurde genauso betrübt wie seine Frau und Harry konnte sehen, wie schuldig und mies sich seine Eltern fühlten. Er wollte es nicht und so versuchte er sie aufzumuntern und alles abzumildern.

„Ja, aber uns geht es beiden gut. Jimá ist toll geworden und wir sehen uns jetzt. Alles ist jetzt gut."

Die beiden tauschten einen kurzen Blick aus, dann wandten sie sich stolz wieder ihrem Sohn zu.

„Stark und mutig, wie ein echter Potter," sagte James mit warmherzigen, väterlichen Blick. Harry lächelte. Dann bemerkte er aber, wie sich der Ausdruck seines Vaters veränderte und er sehr besorgt und grimmig den Himmel beobachtete.

„Es wird bald dunkel," bemerkte er Stirnrunzelnd.

„Du solltest aufbrechen," sagte Lilli neben ihm und Harry sah verwirrt zwischen beiden hin und her.

„Aufbrechen? Wohin?"

„Zurück nach Hogwarts. Wo du hingehörst," antwortete James entschlossen. Er wollte nicht gehen, auch wenn sie sagten, dass sie noch da sein würden, wenn er wieder kam, aber was wenn nicht? Wenn er zurückkam und nichts als einen leeren Friedhof vor sich fand? Wenn sie das nur selber glaubten, aber die Wahrheit das genaue Gegenteil war? Oder wenn sie das nur sagten, um ihn dazu zu bewegen zu gehen, obwohl sie wussten, dass sie nicht mehr da sein würden, wenn er zurückkam?

„Harry," sagte James eindringlich und sein Sohn sah mit beklommener Miene zu ihm auf. „Deine Mum und Ich, wir würden dich niemals anlügen. Vertrau darauf, dass wenn du das nächste Mal kommst, wir immer noch da sind."

Er zögerte immer noch und suchte nach Worten, um seine Eltern umzustimmen, um sie dazu zu bringen ihn bei sich hier auf dem Friedhof zu lassen.

„Weißt du," hörte er seine Mutter sprechen und drehte sich sofort zu ihr. „Auch wenn ich nicht verstehe, wie das möglich sein kann, aber wenn Anna wirklich Anna ist, dann bist du bei ihr in guten Händen und ich hoffe, dass du ihr vertraust, so wie wir ihr vertraut haben."

„Sie ist sie selbst," sagte James plötzlich, wenn auch immer noch fassungslos von der Erkenntnis. „Sie ist auf der Karte der Rumtreiber und die Karte der Rumtreiber lügt nie."

Lilli lächelte nun erfreut und es dauerte nicht lange, da begannen beide erleichtert zu lachen.

„Aber, wie ist das möglich?"

James schüttelte den Kopf.

„Ich weiß es nicht, aber wenn man ihre Vergangenheit bedenkt und ihre Umstände der Zeugung, offenbar wusste Dumbledore etwas, das wir nicht wussten. Warum sonst hätte er nach dem Abend so handeln sollen, wie er es tat?"

Lilli nickte zustimmend und wandte sich dann wieder mit fürsorglichem Blick an ihren Sohn.

„Vertraue ihr. Lern von ihr. Sie wird dich beschützen."

„Aber... sie hasst mich."

James zuckte überrascht zurück.

„Deine Patentante? Sohn, sie wäre nie dazu fähig dich zu hassen. Okay, als du noch ein Baby warst konnte sie dich nicht in die Arme nehmen ohne einen Heulkrampf zu bekommen, aber das legte sich mit der Zeit und sie hatte ihre Gründe."

„Gründe?"

„Es ist spät," wiederholte sein Vater bestimmend. „Das nächste Mal, werden wir darüber sprechen. Was immer in den letzten 16 Jahren passiert ist, es kann einen Menschen, wie sie es war, nicht so sehr verändern. Rede mit ihr."

„Sie wird es mir nicht sagen."

Er hatte das Gefühl als ob er trotzig klang und bekam auch prompt ein schlechtes Gewissen. Er wollte sich seinen Eltern gegenüber nicht schlecht und undankbar benehmen.

„Rede mit ihr, damit du von ihr lernen kannst," sagte Lilli sanft. „Wenn sie nicht erzählen will, was passiert ist, dann dränge sie nicht. Aber Remus hat recht. Du solltest von ihr lernen, so wie dein Vater und Ich von ihr gelernt haben."

„Remus sagte, sie glaube Dad falsch trainiert zu haben, weil sie sich zu nahe standen."

James schüttelte traurig den Kopf.

„Dann sag ihr, dass das nicht stimmt, Harry. Sie hat nichts falsch gemacht."

Harry sah ihn verwirrt an, aber James nickte lediglich bestimmend. Dann hüpfte er vom Grab herab und umarmte Harry gleichfalls liebevoll.

„Bis zum nächsten Mal, Sohn. Pass auf dich auf da draußen."

Harry nickte, dann verabschiedete er sich mit einer festen Umarmung auch von seiner Mutter und sah seinen Eltern nach, als sie sich Händchenhaltend von ihm entfernten und schließlich im nichts verschwanden. Der Karamellduft war weg und die Gegend war unheimlich leer. Harry atmete einmal tief durch, dann drehte er sich um und schritt gleichfalls vom Friedhof. Er stieg wieder auf seinem Besen und flog zurück.


Es war sehr spät als er endlich zurück ins Schloss kam und zu seinen Freunden in den Gemeinschaftsraum dazu stieß. Er war bereits so gut wie leer außer zwei weitere Sechstklässler in einer Ecke und seine Freunde in der anderen Ecke. Sie waren alle fleißig beim lernen als er herein trat und alle entsetzt aufsprangen.

„Harry!" sagte Hermine erleichtert als er sich zu ihnen setzte und alle förmlich anstrahlte. Seit dem Treffen konnte er irgendwie nicht aufhören breit zu grinsen.

„Hey. Sorry, Zeit vergessen."

„Wo warst du?!" fragte Ron sofort. „Wir haben das ganze Schloss nach dir abgesucht. Du warst nicht mal auf der Karte drauf."

„Ich war – uhm – Bin ein wenig zu weit rausgeflogen."

„Bist du?" fragte Ginny und sah ihn mit prüfendem Blick an. Harry lächelte unangenehm und doch irgendwie immer noch glücklich. Er erzählte ihnen von dem Treffen mit seinen Eltern und obwohl er erwartet hatte, dass sie ihn sich eher mit ihm freuten, sahen sie alle für seinen Geschmack zu besorgt und zu ruhig aus. Nach 6 Jahren Freundschaft wusste er, dass sie glaubten, dass er sich das alles nur eingebildet hatte.

„Du weißt schon, dass wir heute Abend noch Rundgänge machen müssen?" fragte Hermine kühl.

Harry nickte, aber seine Gedanken waren längst woanders.

„Ich werd da morgen wieder hingehen. Jimá will bestimmt mitkommen! Ich schreib ihr."

„Moment," rief Hermine und hatte ihn aufgehalten, nachdem er bereits vom Stuhl gesprungen war.

„Das was du heute getan hast war gefährlich. Was, wenn du von Todessern gesehen worden wärst? Die hätten dich sofort runtergeholt und was dann?"

Harry zuckte nur die Schultern. Irgendwie, war ihm das egal gewesen. Das Treffen mit seinen Eltern hatte alles andere unwichtig werden lassen. Er hatte sich Feder und Pergament von einem Tisch gekrallt und war im nächsten Moment durch das Porträt hinaus geeilt.

„Hat er überhaupt gehört, was ich gesagt habe?" warf Hermine verdutzt in die Runde. Ron und Ginny lächelten unangenehm. Harry hatte sie wohl eher wieder überhört, wie so oft zuvor auch, wenn sie ihre Bedenken von sich gab.

Er war schnell in die Eulerei gerannt, hatte dort den Brief schnell fertig gekritzelt, ihn an Hedwig's Beine gebunden und sie dann raus gelassen.

„Schnell, bring den Brief zu Jimá."

Hedwig flog mit gespreizten Flügeln hinaus in die Lüfte und verschwand schließlich in der weiten Ferne. Harry lächelte. Seit der Begegnung mit seinen Eltern konnte er kaum aufhören sich zu freuen. Allein der Gedanke sie morgen wiederzusehen war überwältigend. Am liebsten wäre er sofort wieder aufgebrochen.

Er war gerade auf den Gang getreten, um wieder zurück in den Gemeinschaftsraum zu kehren, da hielt er plötzlich inne. Vor ihm stand Malfoy. Die beiden starrten sich an und in der Erwartung einen giftigen Kommentar von seinem Gegenüber zu bekommen, blieb Harry mit festem Blick stehen. Malfoy aber hatte sich abgewandt und war einfach an ihm vorbei in die Eulerei geschritten.

„Was? Keine Beleidigung mehr? Sind dir die Worte ausgegangen?" warf Harry rüber.

Malfoy blieb mit einem Mal stehen und hatte sich wieder zu ihm umgedreht. Wieder standen sie einander gegenüber und wieder starrten sie einander an.

„Du bist ein Idiot, Potter," sagte er lediglich und es war dieses Mal anders als wie erwartet. Es war nicht böse oder angreifend gemeint, wie sonst. Eher so wie Harry normal mit jemanden sprach, wenn er sich verletzt fühlte oder wenn er bockig war, weil ihn jemand nicht verstand.

„Du weißt gar nicht, was für ein Glück du hast, oder?"

„Wieso? Weil du mit mir redest?!"

Malfoy schnaubte verächtlich auf.

„Ich steh dir nicht mehr im Weg, also lass mich einfach in Ruhe."

Malfoy drehte ihm wieder den Rücken zu und verschwand im nächsten Moment in der Eulerei. Harry blieb irritiert stehen. War das gerade wirklich passiert? Hatten Malfoy und er gerade ein normales Gespräch geführt ohne sich gegenseitig zu zerfetzen und an die Gurgel springen zu wollen?

„Hallo Harry," sagte Luna, welche gerade den Gang entlang gegangen war. „Alles in Ordnung? Du siehst aus als ob du einen Schrumpfmatz gesehen hättest?"

„Uhm -" machte er irritiert, setzte dann aber seinen Weg mit ihr zusammen fort.

„Ja, nein. Alles gut. Wie geht's dir? Lang nicht mehr gesehen."

„Ja, die 6. Klasse ist schon nicht leicht, aber mir half es wirklich was wir in der DA von dir gelernt haben und dieses Jahr sind viele irgendwie nicht ganz so gemein wie die letzten Jahre."

„Ehrlich?" fragte Harry überrascht, aber Luna nickte bejahend.

„Zum Beispiel als dieser Crabbe und dieser Goyle aus Slytherin mich herumschubsen wollten, ging dieser Malfoy dazwischen und sagte ihnen, dass sie das unterlassen sollen."

„Hat er?"

Von einem auf den anderen Tag hatte sich das Ekelpaket Malfoy zu einem normalen Menschen entwickelt?!

„Ja, das ist aber schon lange her. Schon kurz nachdem er wieder zurück kam."

Harry war nun komplett verwirrt. Doch nicht von ein auf dem anderen Tag?! Er war sich sicher, Malfoy war bis vor kurzem noch derselbe schikanierende Aasgeier der er immer war. Die beiden trennten sich beim nächsten Korridor, da Luna zurück in den Rawenclaw Gemeinschaftsraum musste und Harry sich mit Hermine für die Rundgänge treffen wollte.


„Ist das nun ein Zeichen, dass du bleibst, wenn du deine Verpflichtungen als Schulsprecher wahrnimmst oder ist das nur ein Freundschaftsdienst und du wirst die Schule verlassen?" fragte Hermine als er auf sie zukam und beide ihre Rundgänge begannen. Harry zuckte mit den Schultern. Er hatte sich nicht entschieden und auch noch nicht groß darüber nachgedacht. Viel zu sehr hing er an dem Treffen mit einen Eltern, welches er morgen auch unbedingt wiederholen wollte.

„Ich denke, du solltest bleiben," fuhr sie fort und er wusste genau, dass sie das einige Male vorher geübt hatte. Höchstwahrscheinlich mit Hilfe von Ron und Ginny, denn ihre Worte klangen eindeutig zu auswendiggelernt.

„Sieh mal. Erstens: Es klappt doch sehr gut? Schule und die Suche zu vereinbaren. Wir sind sehr weit gekommen. Zweitens: -"

„Hermine!" sagte Harry ernst.

„Nein, warte. Hör mich erst an. Zweitens: Professor White weiß offenbar Bescheid über alles. Dumbledore wollte sie hier haben, was sie zu einer Art Ersatz für ihn macht, oder? Ich weiß, du weißt nicht, ob du ihr wirklich vertrauen sollst oder kannst, aber dann bleiben wir eben vorsichtig? Drittens: -"

„Willst du das jetzt echt durchziehen?" fragte er amüsiert.

„Drittens: Wenn das, was Professor White zu dir sagte wirklich stimmt, dann ist es wichtig, dass du hier bleibst und von ihr lernst. Viertens -"

Sie bogen um eine Ecke als Hermine bei Siebtens angekommen war und Harry wollte sie erneut zum Aufhören ermahnen als sie von einer anderen lauten Stimme unterbrochen wurde, welches durch den Gang hallte. Es war eine ihnen bekannte Stimme und Draco Malfoy klang aufgebracht und stürmisch.

„Sie sagten, sie wären sicher!" schrie er los. Hermine und Harry blickten vorsichtig um die Ecke und sahen tatsächlich Draco Malfoy im Seitengang zusammengefaltet vor einer anderen Person stehen, die er anbrüllte. Professor White. Ihre Haltung zueinander verriet, dass Malfoy aufgewühlt war, vielleicht sogar zornig, White dagegen schien verständnisvoll und versuchte ihn gar zu beruhigen.

„Sie sagten, sie würden helfen!"

„Draco," sagte sie sanft. Ihre Stimme war nicht erhoben, war nicht kalt, so wie Harry sie Monatelang kannte. Sie klang gefühlvoll, so wie sie mit ihm und Jimá neulich gesprochen hatte.

„Aber meine Eulen kommen einfach wieder zurück! Keiner nimmt sie in Empfang! Seit Tagen bereits! Das heißt... das heißt..."

Malfoy klang nun nicht mehr aufgebracht und nicht mehr wütend. Er klang, und das versetzte Harry einen Stich ins Herz, verletzt und gebrochen.

„Sagen Sie es mir, Professor. Sagen Sie es mir. Ist meine Mutter tot?"

Es war still. Hermine und Harry sahen einander bedrückt an, dann durchbrach ein lauter schmerzhafter Schrei die Stille und sie sahen wie Draco Malfoy in den Armen von White förmlich zusammenbrach und verzweifelt weinte.

„Aber..." stotterte Malfoy zwischen den Tränen immer mal wieder hervor, während White ihre Arme um ihn gelegt hatte und, Harry fand keine Worte, was er davon halten sollte, ihn fast wie eine Mutter tröstend über den Rücken streichelte.

„Sie sagten... sie würden sie schützen... Sie sagten... ich wäre hier sicher und sie wäre sicher... sie wären sicher..."

„Es tut mir leid, Draco..." sagte White leise. Er weinte wieder und dies klang dieses Mal so qualvoll, dass Harry es nicht länger aushielt und sich abwenden wollte. Dummerweise war er direkt auf Hermine's Fuß getreten, welche laut aufkreischte. Malfoy und White hatten sich augenblicklich aufgerichtet und sich den beiden zugewandt, die nun kaum noch wegschleichen konnten, wie ursprünglich von Harry beabsichtigt.

Malfoy's Augen waren verweint, komplett rot und er atmete nur noch ruckartig als ob er kaum Luft bekam. Noch immer versuchte er sich krampfhaft mit den Ärmeln die Überbleibsel der Tränen wegzuwischen, aber Harry sah wie schwer es ihm fiel sie überhaupt wieder zurückzuhalten. White hatte beide merkwürdig angesehen und Harry war sich sicher, dass es gleich ein großes Donnerwetter von der Direktorin geben würde.

„Ihr zwei solltet gehen," sagte Professor White jedoch und klang dabei weder kalt, noch erzürnt. Sie klang immer noch wie die Person, die Harry neulich Abend kennengelernt hatte und nicht wusste, was er von ihr halten sollte. Er hasste sie nicht, aber er vertraute ihr auch nicht.

„Eure Rundgänge beenden."

„Ja, Professor White," sagte Hermine sofort und zog Harry mit sich so schnell es ging weg. Teilweise hatte sie durchaus Angst, dass White es sich sonst noch anders überlegen könnte und sie war von dieser Seite der Professorin nicht weniger überrascht gewesen wie Harry. Im Grunde hatte sie wohl auch ein Donnerwetter oder zumindest ein Seitenhieb erwartet. Erleichtert, dass keiner kam, konnte sie gar nicht schnell genug wieder verschwinden.

„Okay, was war das eben?" fragte Harry irritiert als sie einige Korridore in Höchstgeschwindigkeit durchgegangen waren, um möglichst schnell und weit vom Geschehen wegzukommen. Erst dann traute sich Harry das überhaupt anzusprechen.

„Malfoy hat geweint," sagte Hermine mitfühlend und traurig. „Hast du das gesehen, wie verweint seine Augen waren?"

„White duzt ihn," stellte Harry fest und bemerkte im selben Moment verwirrt, dass ihn das gar wurmte. Er wusste nicht wieso, aber der Gedanke, dass Malfoy und White eng miteinander waren, stieß ihm grauenvoll auf. War er etwa eifersüchtig?

„Harry, er hat geweint. Wahrscheinlich ist etwas schlimmes passiert – Remus!"

Der Freund war gerade den Gang entlang gelaufen, weil dieser auch der Weg zu seinem Büro war, blieb jedoch verblüfft stehen als er die Stimmung der beiden wahrnahm.

„Harry? Hermine? Was ist denn passiert? Ihr zwei seht bedrückt aus?"

„Uhm," machte Harry und tauschte einen äußerst unangenehmen Blick mit Hermine. Dennoch erzählten sie ihm, was sie gerade im Korridor mit White und Malfoy gesehen hatten. Lupin schien verstimmt und wusste offenbar genau, was hier vor sich ging. Harry und Hermine sahen ihn neugierig an, obgleich sie sich nicht sicher waren, ob er es wirklich erzählen würde.

„Kommt mit," sagte Lupin schließlich und ging mit ihnen in sein Büro hinein, wo er ihnen andeutete sich auf die Couch zu setzen, während er gegenüber sehr nachdenklich auf einem Sessel platz nahm.

„Nachdem Draco mit Snape damals aus Hogwarts geflohen ist, rannten sie zurück zu Voldemort. Snape und die anderen Todesser, die damals hier waren, haben ihrem Herrn erzählt, wie alles ablief und dass Dumbledore nun tot war. Aber auch, dass nicht Draco Malfoy Dumbledore getötet hat, sondern er selbst. Snape. Dieser hat wohl auch erzählt, dass er dies tat, weil Narzissa Malfoy ihn förmlich dazu erpresst hat. Snape hat den Unbrechbaren Schwur mit ihr geleistet, um seine Loyalität gegenüber Voldemort klar zu stellen.

Als Voldemort davon erfuhr, wobei ich denke, dass er dies nicht erst durch Snape erfahren hat, sondern vorher schon seine Ahnung hatte und Snape sich vor ihm gut stellen wollte, indem er einen anderen anschwärzte, befahl er Narzissa Malfoy's Tod."

Hermine quiekte entsetzt und Harry war ebenfalls schockiert zusammengezuckt. Diese letzten Worte hallten grausam in seinen Ohren nach. Plötzlich war die Wärme, das Glück, all die guten Gefühle die er mit dem Treffen seiner Eltern verband von einer tiefen Kälte verdrängt worden und was er in dem Moment nun hoffte, wusste er nach der Reaktion des Mitschülers zu deuten, würde nicht die Wahrheit widerspiegeln.

„Den Auftrag des Mordes an Dumbledore seinem Sohn zu geben, sollte eine Bestrafung für Lucius Malfoy sein. Narzissa's unerlaubtes einmischen und hineinpfuschen in seine Bestrafung war Voldemort offenbar ein Dorn im Auge.

Bellatrix Black hat Voldemort wohl angefleht das Leben ihrer Schwester zu verschonen, aber Voldemort verschont niemanden. Wir kamen rechtzeitig, um Draco und seine Mutter dort rauszuholen."

Harry's und Hermine's Ausdruck hatte sich sofort verändert. Hoffnungsvoll sahen beide auf.

„Das ist Professor White zu verdanken. Sie wusste, wo sich die beiden befanden und was Voldemort mit ihnen vorhatte. Wir brachten sie in einem Versteck unter. Draco kam nach einer Weile wieder nach Hogwarts, weil -" Lupin machte eine Pause, unsicher, ob er das wohl wirklich erzählen sollte, fuhr dann aber dennoch fort. „- Professor White ihm zum einen anbot seinen Abschluss ganz normal mit seinen Freunden zu machen und zum anderen, weil sie damit Harry's Hass gegen sie schüren wollte. Sie wusste von eurer Rivalität, von Malfoy's Mordversuch an Dumbledore und wie es dich aufregen würde, wenn sie ihn dir wieder vor die Nase setzt. Den alten Draco Malfoy, wohlgemerkt. Ich habe ihn gesehen, nachdem wir ihn und seine Mutter gerettet haben.

Dass Voldemort bereit war seine Mutter zu töten hat ihn verändert, eingeschüchtert, erniedrigt. Er war – nicht mehr derselbe Schüler, den ich in damals kennengelernt habe. Er war sich nun bewusst, was es wirklich hieß für Voldemort zu arbeiten. Professor White bat ihn jedoch, sich dir gegenüber dennoch zu verstellen und feindlich zu geben."

„Was ist dann heute Abend passiert?" fragte Harry vorsichtig.

Lupin seufzte bedrückt.

„Der Orden hat versucht Narzissa zu schützen. Aber Leuten fällt es nun mal schwer sich zu verstecken, wenn sie ihr ganzes Leben lang nur Freiheit genossen haben. Narzissa Malfoy ließ sich von ihrer Schwester herauslocken. Sie vertraute darauf, dass Bellatrix sie nicht hintergehen würde und sie nicht an Voldemort verriet."

„Sie hat sie verraten," sagte Harry bedrückt noch bevor Lupin es aussprach. Hermine war mittlerweile so aufgelöst, es brauchte nicht mehr viel, um sie zum weinen zu bringen. Lupin nickte und goss ihnen allen Tee ein. Er reichte eines direkt an Hermine und drückte ihr tröstend die Schulter.

„Keine Sorge," sagte er zu ihr mit aufmunterndem Blick. „Deine Eltern sind immer noch in Sicherheit. Der Orden schaut gelegentlich immer wieder vorbei, um sicherzugehen. Wir sind dabei unauffällig und der letzte Stand, was erst gestern war, ist, dass es ihnen sehr gut geht."

„Wirklich?" fragte sie gefühlvoll und Lupin nickte bestätigend.

„Wirklich."

Harry sah wie Hermine sichtlich ein Stein vom Herzen fiel und so drückte auch er ihr die Schulter, um sie zu beruhigen. Sie lächelte erleichtert.

„Also ist Narzissa Malfoy tot?" fragte Harry Lupin. Der Freund schüttelte bedrückt den Kopf.

„Aber so gut wie," sagte er schwermütig. „Ihr Zustand ist sehr kritisch. Wir haben eine sehr gute Heilerin, aber sie hat auch kaum noch Hoffnung. Bellatrix gehörte zu den Todessern, die auch Neville's Eltern damals solange gefoltert haben, bis sie verrückt wurden."

Harry blickte verbittert zu Boden. Bellatrix tat dies ihrer eigenen Schwester an? Konnte man wirklich noch tiefer sinken?

„Wenn man den falschen vertraut, so kann man einen noch so großen Beschützer haben. Am Ende kann man das Schlimme nicht verhindern," sagte Lupin nachdenklich und nahm einen Schluck Tee. Harry wusste nicht warum er das plötzlich sagte, es kam einfach so heraus.

„Sind Professor White und Malfoy eigentlich verwandt?"

„Was meinst du?" fragte Remus irritiert.

„Na ja, ich hab mich nur gefragt – ob Draco vielleicht ein Neffe oder so von ihr ist. Die beiden scheinen irgendwie eng zu sein oder so. Oder wieso hat sie das sonst alles für ihn getan?"

Lupin lächelte mild und schien sofort zu verstehen, was Harry nun mehr als nur peinlich war. Ihm wurde auch erst jetzt klar wie kindisch seine Frage eigentlich klang.

„Sie sind nicht miteinander verwandt," antwortete der Freund, wenn auch ein wenig amüsiert. „Nicht direkt jedenfalls. Sirius hat dir sicherlich gesagt, dass die reinblütigen Familien alle irgendwie verwandt sind und Professor White so wie Draco Malfoy sind beide reinblütig. Der Grund ihres Umgangs ist jedoch ein anderer. Draco's verstorbener Onkel hat Professor White vor seinem Tod wohl sehr oft geholfen, was er nicht hätte tun müssen und Ich denke, sie möchte sich revanchieren, indem sie seinen Neffen nun hilft. In dem Punkt ist Professor White wirklich sehr gründlich. Sie vergisst nie.

Du hast noch nicht wieder mit ihr geredet, nehme ich an?"

Harry antwortete nicht, sondern versuchte das geschmeidig zu ignorieren. Nachdem sie ihren Tee ausgetrunken hatten, wünschten sie dem Freund eine Gute Nacht, doch bevor beide hinaus traten, hielt Lupin Harry noch mal auf.

„Weißt du, der Verlust von Sirius hat dich sehr mitgenommen und es war alles andere als leicht den gerade erst wiedergefundenen Patentonkel zu verlieren aber noch kannst du eine Patentante haben. Eine Patentante und eine Lehrerin. Ich bin mir sicher, wenn du auf sie zugehst wird sich alles von selber regeln und ich bin mir auch sicher, dass es nichts gibt, was sie dir nicht erzählen würde... mit der Zeit."

Harry nickte leicht, dann kehrte er schweigend mit Hermine in den Gemeinschaftsraum zurück.


Am darauffolgenden Tag hatte Harry erwartet eine Antwort von Jimá zu erhalten, aber Hedwig war noch nicht zurückgekehrt und tauchte auch mit den ganzen Posteulen beim Frühstück nicht auf.

„Du solltest heute wirklich nicht alleine nach Godic's Hollow gehen," wiederholte Hermine eindringlich. „Wir sollten mitgehen."

„Um was zu tun? Wache zu schieben?" sagte Harry grimmig. „Weil ihr so viel ausrichten könnt, wenn da Todesser auftauchen?"

„Besser als blind dort aufzutauchen und dann von einem ohne Rückendeckung abgeschlachtet zu werden?" entgegnete Ron und Harry warf ihm einen dämlichen Blick zu. Hermine aber sah ihn erneut eindringlich an und war sichtlich begeistert von Ron's Einmischung. Während er sonst nämlich stets im Hintergrund blieb und nicht versuchte den Freund zu etwas zu drängen, hatte er heute endlich mal Initiative gezeigt.

„Besser als mit zwei Freunden dort aufzutauchen und zu dritt abgeschlachtet zu werden," sagte er und prompt verschlug es Ron die Sprache.

„Ach, nun komm schon," sagte Hermine entrüstet. „Wir wollen dir doch nur helfen."

„Ich brauch hier aber keine Hilfe!"

Die Wahrheit war, dass er sich Zeit nehmen wollte, um mit seinen Eltern zu sprechen und diese würde er nicht haben, wenn er daran dachte, dass seine zwei besten Freunde vor dem Friedhof standen und warteten. Er war sich nicht mal sicher, ob seine Eltern auftauchten, selbst wenn die beiden nur vor dem Friedhof statt mit ihm bei den Gräbern standen. Es zu riskieren war das letzte was er wollte, denn die Freude auf das Treffen war zu groß gewesen.

„Jeder braucht Hilfe," sagte Brian und hatte sich plötzlich zu ihnen gesellt. Er schnappte sich Harry's Sandwich und schob es sich genüsslich rein als ob es ganz natürlich wäre jemanden's Essen zu nehmen ohne zu fragen. „Aber nicht jeder nimmt es an und dann sagt man lieber man braucht keine als dass man zugibt, dass man es bräuchte, aber nicht annehmen will."

„Was tust du hier, Brian?" fragte Harry kopfschüttelnd und ignorierte einfach mal den schlauen Spruch, den er ohnehin nicht verstand.

„Uhm, Job für den Orden. Bin hier um Draco Malfoy abzuholen."

Damit war eine merkwürdige Stille hereingebrochen, denn lediglich Hermine und Harry hatten ihre Köpfe in ihr Frühstück vergraben, während Ron und Ginny verwirrte Blicke austauschten. Sie hatten über das Gespräch gestern mit den beiden Freunden noch gar nicht gesprochen.

„Wieso denn das?" fragte Ginny, denn Ron wirkte sichtlich unsicher ob er einen blöden Witz reißen sollte oder nicht.

„Kleiner Ausflug," sagte Brian bloß und zwinkerte ihr charmant zu. „Ah! Und wegen noch etwas. Jimá schickt mich."

„Aha?" machte Harry, obgleich er mehr als nur froh war endlich etwas von ihr zu hören, auch wenn dies durch Brian geschah.

„Sie sagt, wenn du es wagst noch mal alleine so einen Trip nach Godric's Hollow zu machen, wird sie dir eine Horde Feuergnome auf den Hals jagen. Ich würde auf sie hören. Hab das mal bekommen als ich einen Fluch brechen wollte und nicht sofort schaffte. Die Besitzerin hat mir ihre Feuergnome auf den Hals gehetzt. Man, das gibt böse Blasen, kann ich dir sagen."

Harry sah ihn blöd an während Brian breit zurückgrinste.

„Hey, Kumpel. Ich bin nur der Bote."

„Hat sie noch etwas anderes gesagt?" drängte Harry genervt.

„Yap, sie holt dich um 12 am Tor ab."

„Gut," murmelte Harry in sein neues Sandwich rein. Innerlich aber entsprang ein Feuerwerk, weil das bedeutete, dass er mit Jimá seine Eltern besuchen konnte. Endlich hatte er seine ganze Familie beisammen.

„Nun denn, muss aufbrechen. Macht's gut, alle zusammen."

Brian war gerade dabei aufzuspringen als auch Harry auf den Beinen war und ihm nachlief und das ohne sich von seinen Freunden zu verabschieden. Die drei sahen ihm verdutzt nach.

„Kann ich dich noch etwas fragen?" begann Harry während er auf gleicher Höhe mit dem Freund mitlief.

„Nur immer raus damit," ermunterte dieser ihn heiter.

„Du bringst Malfoy zu seiner Mutter, nicht wahr?"

Brian verengte kurz prüfend die Augen, hatte aber seinen Schritt nicht verlangsamt.

„Du weißt es also?" entgegnete er statt darauf zu antworten.

„Remus hat es uns gestern erzählt," sagte Harry und erst dann nickte Brian verstehend.

„Ja, ich bring ihn zu ihr."

„Wie geht es ihr? Ist sie – Ich mein, na ja."

Brian gluckste, befreite Harry aber aus der Verantwortung angestrengt nach den richtigen Worten zu finden, um eine Antwort zu bekommen.

„Es wird schwer für ihn werden. Seine Mutter war fast tot als wir einschreiten konnten. Stradford ist sehr gut. Die beste Heilerin, die ich kenne, aber hier konnte sie nichts mehr tun. Hätte Professor White nicht noch etwas getan, der Junge würde seine Mutter nun nicht mal mehr sehen können."

„Professor White?" wiederholte Harry verwirrt.

Brian zögerte es auszusprechen, schien sich dann aber zu entschließen es dennoch zu tun.

„Stradford heilt wie alle anderen Heiler auch mit weißer Magie. Professor White ist einer der wenigen, die es schafft mit dunkler Magie zu heilen."

„Und wieso kann sie das?!"

„Können tun das wahrscheinlich viele, wenn sie nur wollten. Wollen das aber halt nicht erlernen und tun. Diese Art der Heilung benötigt nämlich ein ziemliches Maß an Masochismus."

„Err – wieso das?"

Die beiden blieben mitten im Gang stehen.

„Weil man jemand anderes heilt, indem man die Wunden teilt. Das heißt, der Gesunde nimmt die Hälfte der Wunde, damit der Verwundete schneller heilen kann und weniger verletzt ist."

Harry blinzelte verdutzt.

„Wieso sollte jemand so was tun?"

Brian grinste über die lange Leitung des Freundes.

„Deswegen sag ich ja, White ist einer der wenigen, die es schafft. So, Harry, muss gehen. Der Junge Malfoy wartet. Wir sehen uns."

„Bye, Brian."

Harry aber blieb mitten im Gang stehen und hatte sich wieder in seinen Gedanken verloren. Das war doch verrückt? Wieso sollte man sich selbst Schmerzen zufügen, damit es jemand anderen, den man vielleicht nicht mal kannte oder gar mochte, weniger litt? Gut, er würde es für Ginny tun und für seine Freunde... oder doch nicht?! Er dachte an den Cruciatus Fluch zurück, den er hatte fühlen müssen als Voldemort ihn angriff. Würde er ihn noch mal freiwillig fühlen, nur damit jemand anderes ihn nicht ertragen muss?


Um 12 stand er am Tor des Schlosses und lächelte als er Jimá auf ihn zukommen sah. Harry war erleichtert, dass es ihr gut ging und hatte sie zur Begrüßung fest umarmt. Nur einen Augenblick später hatte sie sich von ihm weggedrückt und er zuckte zurück, als er ihren verärgerten Ausdruck sah.

„Ich bin immer noch sauer auf dich."

„Wieso?" fragte er verblüfft.

„Du warst leichtsinnig! Nach dem was neulich mit den Todessern passiert ist einfach so alleine nach Godric's Hollow aufzubrechen war gefährlich. Auf dem Besen bist du ein größeres Ziel und viel leichter aufzuspüren für Voldemort's Todesser als wenn du apparierst."

„Okay," sagte Harry beruhigend und hoffte sie mit der Wahrheit besänftigen zu können. „Es war keine Absicht. Ich war auf dem Quidditchfeld und bin geflogen. Ich hab die Zeit vergessen und eh ich mich versah, war ich schon über Godric's Hollow."

„Godric's Hollow ist kein Nachbardorf von Hogwarts."

„Ich war sehr in Gedanken. Ich mein, White ist... meine Patentante und... Sirius' Frau. Sirius' Frau... Er hat nie auch nur ein Wort von ihr verloren."

Das schien sie tatsächlich zu mildern, denn ihr Ausdruck hatte nun nichts verärgertes mehr in sich. Nur noch Mitgefühl und Sorge. Harry ahnte sofort, dass sie das bereits wusste und nun erklärte es ihm auch ihr vertrauter Umgang miteinander und auch, warum Jimá so enttäuscht war, weil White nicht mal mit ihr sprach.

„Aber er hat sie wirklich geliebt und sie ihn," sagte Jimá sanft und lächelte bei der Erinnerung an die beiden. „Ich hab sie einige Jahre miteinander erlebt, weißt du. Wäre Anna damals nicht gestorben... ich glaube, alles wäre anders gekommen. Sie war wirklich sehr stark."

„Wieso ist sie überhaupt gestorben? Ich mein... Wie geht das? Man steht von den Toten doch nicht einfach so wieder auf?"

„Dumbledore sagte, sie wäre gestorben," sagte seine Schwester traurig. „Ich weiß nicht wie. Mum und Dad sagten mir damals, dass sie tot wäre und kurz danach sind sie ja auch gestorben und Sirius kam nach Askaban. Ich hab Anna daraufhin lange nicht mehr gesehen, eben weil ich dachte, sie wäre tot. Remus, Yuno, eigentlich alle dachten das damals.

Ich weiß bis heute nicht, was genau passiert ist und wieso sie noch lebt. Sie redet immer noch nicht mit mir und aus Remus bekommt man auch nicht viel heraus."

Harry nickte bedrückt, bemerkte aber auch, wie belastend es für seine Schwester war, ihm dies alles zu erzählen. Er wollte sie nicht noch mehr runter ziehen und beschloss es für den Moment sein zu lassen.

„Dann, lass uns aufbrechen, bevor es zu spät wird. Mum und Dad werden sich bestimmt freuen."

Harry war bereits dabei zu gehen, da zog ihn Jimá wieder zurück. Er sah sie irritiert an, aber sie lächelte strahlend.

„Ich hab nen schnelleren Weg," sagte sie nur, hatte seine Hand mit ihrer ergriffen und ehe er sich versah, spürte er, wie er den Boden unter seinen Füßen verlor. Plötzlich befand er sich in der Luft und alles, was er um sich herum wahrnahm, war eine blendende Helligkeit. Er spürte kein kalten Wind, dass ihm ins Gesicht peitschte oder ihm die Luft zum atmen nahm, noch zerquetschte ihn etwas durch einen Gummiring. Merkwürdig war es dennoch und er fand auch kein richtiges Wort diese Schwerelosigkeit zu beschreiben.

Es kam ihm nicht sehr lange vor, dass er wieder Boden unter den Füßen spürte und das blendende Licht verschwand. Jimá stand wieder vor ihm und im Hintergrund sah er den Friedhof von Godric's Hollow, an dem er sich bereits gestern befunden hatte.

„Was war das?" fragte Harry verblüfft. Jimá lachte.

„Als Ponester kann ich so fliegen und auch andere dabei mitnehmen."

„Err – warum hast du das neulich Abend nicht gemacht, als uns die Todesser angegriffen haben?"

„Oh," machte sie peinlich berührt und wurde mit einem Mal rot. „Ich hatte vergessen, dass ich das kann."

„Vergessen?" fragte Harry und zuckte amüsiert mit dem Mundwinkel. Jimá lief noch mal um ein ganzes Stück roter an.

„Hexen apparieren normalerweise," murmelte sie kleinlaut. „Und man kann auf Hogwarts Gelände nicht apparieren oder disapparieren."

Harry grinste breit, wandte sich dann aber dem Friedhof zu.

„Bereit?"

„Absolut," sagte sie entschlossen und beide schritten hinein zu den Gräbern ihrer Eltern.


Dass dieses Treffen Jimá genauso viel bedeutete wie Harry, konnte er ihr sofort ansehen, weil sie wie er auch ihre Eltern nach der Umarmung gar nicht mehr loslassen wollte. Nun standen sie beieinander und wieder war es Lilli, die ihren rechten Arm um Harry hatte und ihren linken Arm um Jimá. James saß mal wieder auf seinem eigenen Grabstein.

„Hört mal ihr beiden," sagte sein Vater jedoch. „Ich weiß, ihr würdet am liebsten jeden Tag herkommen, aber das ist keine gute Idee."

„Wieso nicht?" sagten beide Kinder gleichzeitig.

„Weil es auffällig sein wird," antwortete Lilli, aber beide waren nach wie vor verwirrt.

„Es gibt bestimmt auch hier Spione für Voldemort und dann wird es auffallen, dass du zu oft hier bist. Er wird dir irgendwann eine Falle stellen und wenn es ganz schlecht läuft, bekommt er den Trinkbecher in die Hände noch bevor du ihn zerstören kannst."

Harry biss sich auf die Lippen und suchte angestrengt nach etwas, was er sagen könnte, um dagegen zu halten. Jimá schien es vor ihm akzeptiert zu haben, denn sie blickte traurig zu Boden und nickte.

„Und nun, zu einem anderen Thema, das dich offenbar bedrückt, Kleiner."

James war von seinem Grabstein herabgesprungen und hatte seinem Sohn die Hand auf die Schulter gelegt.

„Auch wenn ich nicht mehr lebe, aber würde ich es noch tun, würde ich von dir wollen in Hogwarts zu bleiben. Zum einen, um deinen Abschluss zu machen und zum anderen, um von Anna zu lernen mit der Magie Gryffindor's umzugehen. Das letzte Jahr wird eines der wunderbarsten deiner Schullaufbahn sein. Alles, wofür du hart gearbeitet hast, hat ein Ende und ein neuer Anfang beginnt. Mit deinen Freunden diesen Schritt zu gehen und zu erleben, das solltest du nicht missen, Sohn. Selbst wenn vor den Toren der Krieg tobt, selbst wenn dir ein Irrer nach dem Leben trachtet. Lass ihm nicht mehr von dir nehmen, als er ohnehin bereits getan hat.

Für mich war das letzte Schuljahr in Hogwarts das Schönste überhaupt. Ich bin endlich, nach wirklich sehr langem, anstrengendem Kampf, mit deiner Mutter zusammengekommen."

Lilli strahlte ihn gerührt an.

„Und ich bin mir sicher, dass dieses Jahr auch für Jimá in Beaubatonx sehr wichtig war?"

Sie nickte zustimmend.

„Aber Professor White sagte mir, dass sie mich nicht mehr lehren wird," sagte Harry, denn mit der Argumentation nicht in Hogwarts zu bleiben, konnte er eh nicht mithalten.

„Wenn du mit ihr sprichst, bin ich mir sicher, dass Anna es doch tun wird," entgegnete James eindringlich.

„Sie sagte, sie kann mich nicht mehr lehren, weil ich die Wahrheit kenne und sie nicht mehr hassen kann. So kann ich Dark Breath nicht mehr kontrollieren."

„Uhm... Wahrheit?"

„Ich hielt sie vorher für ein Todesser."

„Hast du?" fragte James amüsiert, aber Lilli stieß ihm unsanft in die Seite.

„Sie hat Harry ihr Dunkles Mal gezeigt," verteidigte Jimá ihren Bruder. „Und sie war auch nicht sehr freundlich, wenn sie mit ihm gesprochen hat. Mit mir hat sie bisher übrigens noch kaum ein Wort gewechselt. Die Standpauke neulich Abend ausgeschlossen, natürlich. Also kein Wunder, dass Harry geglaubt hat, sie würde für Voldemort arbeiten. Einige von uns hatten bis vor einiger Zeit auch noch Zweifel."

„Und was ist nun die Wahrheit?"

„Sie arbeitet nicht für Voldemort," sagte Harry kleinlaut. „Sie wollte nur Dark Breath in mir hervorrufen und mir helfen damit umzugehen. Aber mich dazu zu bringen zu glauben, dass sie alle meine Freunde foltern könnte und für Voldemort arbeitet ist doch Schwachsinn?!"

James und Lilli tauschten mitfühlende Blicke. Dann aber ließ James seinen Sohn los und Lilli wandte sich ihm zu.

„Anna hat sehr lange gebraucht, um deinem Vater dazu zu bringen, richtig mit der Magie Gryffindor's umzugehen. Sie sah vielleicht keine bessere Möglichkeit dich angemessen zu lehren. Das heißt aber nicht, dass es keine anderen Möglichkeiten gibt."

„Remus glaubt, dass sie sich die Schuld an eurem Tod gibt."

„Hm, ja, das passt zu ihr," sagte James niedergeschlagen. „Sag ihr, dass es nicht ihre Schuld war. Sie hat ehrlich alles richtig gemacht."

„Du solltest wirklich mit ihr reden," ermunterte Lilli ihn gleichfalls. „Anna liebt dich, Harry. Du bist ihr Patensohn und ich bin mir sicher, dass wenn du es willst, es nichts gibt, was sie nicht für dich tun würde. Das gilt auch für dich, Jilli."

Ihre Tochter sah überrascht auf, aber auch James nickte ihnen beiden Mutmachend zu.

„Je länger sie es hinauszögert mit dir zu reden, Jilli – Jimá – Wie sollen wir dich eigentlich nun nennen?" fragte James verwirrt. Jimá grinste.

„Ich hör auf beides, Dad."

„Okay," sagte James. „Jilli. Je länger Anna es hinauszögert mit dir zu reden, um so länger wird der Schmerz andauern. Konfrontiere sie, überfalle sie, was immer dir auch beliebt. Es ist wie ein Pflaster. Reiß es mit einem Mal ab, danach wird alles besser."

„Was ist damals eigentlich wirklich passiert?" fragte Jimá schließlich. „Als Anna starb. Ihr sagtet, sie wäre tot, aber ihr habt nie erzählt, wie es passiert ist?"

James und Lilli sahen einander bedrückt an, unsicher, ob sie das wirklich erzählen sollten.

„Damals waren sie noch Kinder," sagte Lilli traurig. „Jetzt sind sie beide erwachsen."

James nickte und wandte sich ihnen beiden zu.

„Sie starb durch den Kuss des Dementors."

Harry und Jimá hatte es sofort die Sprache verschlagen und beide stand das Entsetzen tief im Gesicht. Jimá war plötzlich zur Seite getreten und hatte ihre Eltern aufgelöst angestarrt.

„An dem Abend..." sagte sie mit merkwürdig gebrochener Stimme. „Starb sie... an dem Abend?"

Lilli und James tauschten erneut einen kurzen Blick, dann nickten sie bedrückt.

„Jilli, Schätzchen -" setzte Lilli an, aber Jimá hatte sich bereits abgewandt und war aus dem Friedhof gerannt. Harry sah seine Eltern irritiert an und während Lilli ihrer Tochter tief besorgt nachsah, wandte sich James an seinen Sohn.

„Du solltest ihr nachrennen. Jimá wird sich die Schuld geben, aber sag ihr, dass es nicht ihre Schuld war. Sie war ein Kind. Anna wusste, dass Jimá gegen so viele Dementoren keine Chance haben würde und hatte sie daher weggeschickt."

„Ich komm wieder," sagte er zu beiden. James und Lilli nickten, dann verschwanden sie wieder.

Er musste nicht lange nach seiner Schwester suchen, denn sie befand sich vor den Toren des Friedhofs auf ihren Knien und an ihren ruckartigen Bewegungen ahnte er, dass sie immer noch weinte. Harry hatte sich neben ihr niedergekniet und seinen Arm um ihre Schulter gelegt.

„Ich war doch da," schluchzte Jimá. Tränen rollten kontinuierlich ihre Wange herab. „An dem Abend. Ich war da! Ich spürte, dass etwas nicht stimmte. Aber Anna sagte, ich solle gehen. Ich solle nach Hause gehen. Sie war so laut geworden, dass ich Angst bekam und bockig wurde, weil sie mich so anfuhr. Also flog ich weg. Ich flog einfach weg. Sie wurde von Dementoren angegriffen und ich hab mich wie ein beleidigter Idiot aufgeführt und hab sie im Stich gelassen."

„Dad sagte, Anna hat dich wohl nur beschützen wollen... Er sagte, du warst noch ein Kind und hättest nichts gegen die Dementoren ausrichten können..."

„Vielleicht doch..." weinte sie bitter. „Ich hab sie nach diesem Abend erst 16 Jahre später gesehen. Ich gab mir auch so schon genug Schuld, weil ich die letzte war, die sie sah. Ich dachte aber stets, es wäre Voldemort gewesen oder Todesser, die sie getötet haben. Ich dachte, ich wäre Schuld am Tod unserer Eltern, weil ich Schuld an Anna's Tod war und Sirius deswegen verrückt wurde und deswegen unsere Eltern verriet. Aber... den Kuss des Dementors? Ihre Seele von so einem Tier gestohlen zu bekommen?! Kein Wunder, dass sie mich jetzt hasst und nicht mehr sehen will... Ich bin Schuld, Harry. Ich hab sie im Stich gelassen. Sirius sagte er hätte mir nie Schuld gegeben, aber Anna... sie tut es bestimmt und sie hat recht. Es war meine Schuld. Ich hätte bleiben sollen."

Harry hatte keine Worte, die hätten helfen können. Stattdessen drückte er seine Schwester so fest wie er konnte in seine Arme und versuchte sie so zu trösten. Er spürte, dass Jimá ihn ebenfalls zu sich drückte und wusste, dass dies gut war und ihr er das richtige tat.

Sie in diesem Zustand zu sehen ertrug er einfach nicht und so beschloss er zurück nach Hogwarts zu kehren und mit White zu reden. Wenn nicht für ihn selbst, dann wenigstens für seine Schwester.