Nächstes =) Übergangskapitel sind irgendwie immer schwerer zu schreiben oder mir kommt es im Moment nur so vor, weil ich so in der Schwebe stecke, wegen arbeit suchen und so weiter.
Review:
Mannequin: Hello Hello =)
Hoi, diesmal war ich überrumpelt, dass du so schnell reviewt hast. Ich hatte mit dem Kapitel noch nicht mal angefangen. Mein Auto muss nächsten Monat zum TÜV und ich bin grad dabei herauszufinden, was gemacht werden muss. Ich schreib nebenbei auch grad das CofX Chapter. Zumindest steht nun das Grundgerüst des Kapitels und muss nur noch ausgeschrieben werden.
Oh ja, daran kann ich mich auch erinnern, dass ich total große Vorfreude auf den Film hatte und dann doch sehr enttäuscht danach war, weil so viele Szenen, auf die ich mich durch das Buch gefreut hatte, gefehlt haben... auch wenn Sirius irgendwie perfekt als Verrückter und dennoch liebender Patenonkel am Ende rüberkam XD Fast fand ich da diese Szene zumindest im Film besser als im Buch, wo Harry und Hermine ihn wegdrängten. Im Film wäre Harry ja mitgekommen =) Noch enttäuschter war ich aber von dem viertel Film über die gekürzten oder weggelassenen Szenen. Sirius hat mir da so sehr gefehlt =/
Naja, wenn man bedenkt, dass Remus nicht mit auf Horkrux Jagd ging und am Ende dennoch in der Schlacht von Hogwarts umkam mit Tonks zusammen, hat Harry's Rücksichtnahme ja nicht viel gebracht =/ Verstehen, klar, aber wie gesagt, am Ende hat es ja dennoch nichts gebracht.
Ich hab überhaupt alle Szenen zwischen Harry und den Marauders (Peter ausgeschlossen) genossen und les sie auch bis heute immer wieder gerne.
Yap, Kaylar Steward ist Kaylar, die gefallene Phowlyris. Ich hab mich entschieden ihre Geschichte zu verändern und sie in BH III hier mit einzufassen. Das wirft vieles durcheinander aber mal sehen wer mit wem mehr Chemie entwickelt =) Bin damit in BtF ja auch ganz gut gefahren.
Zu Jimá's Auftrag siehe das nächste Kapitel dann. Wäre ja langweilig, wenn alles nach Plan verliefe XD aber ich habe nicht vor sie Harry jetzt schon wegzunehmen.
Gehen schon. Jimá ist zwar ein Ponester, aber eben auch eine Hexe. Remus hat ja mal gesagt, dass sie dennoch wie eine Hexe sich auch verletzten und sterben kann. Warum dann also nicht auch lieben, wie eine normale Hexe? XD
Yap, es war Diana's Schwester, die Lilli und James angegriffen hat, das passiert gerade im CofX Kapitel 102.
Hehe, ja, da wird noch viel Schlagabtausch zwischen Harry und Anna stattfinden, bevor beide so miteinander umgehen können, wie es James, Lilli und Sirius von beiden gewollt hätten.
Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßle
Chapter 14 – Not just a mask
Harry hatte eigentlich gehofft wieder ein Traum von Jimá zu bekommen, nachdem er ins Bett gegangen war, aber er wachte am nächsten morgen ausgeschlafen und fit wie ein Turnschuh auf – ohne geträumt zu haben.
„Alles okay?" fragte Hermine und musterte ihn kritisch beim Frühstück. „Du wirkst also ob du heute mit dem falschen Fuß aufgestanden wärst?"
Harry grummelte etwas unverständliches. Das war blöd und das wusste er, aber es wurmte ihn irgendwie nicht wieder ein Traum von seinen Eltern oder Sirius zu haben. Seitdem Jimá in sein Leben getreten war, erfuhr er mehr von seiner Vergangenheit und Familie als all die 6 Jahre zuvor zusammen. Auch wenn dies ab und zu unangenehm war, so hatte er es lieber so als gar nicht.
„Sag bloß deine Motivation für die UtZ Prüfungen sind schon wieder abgeflaut?"
Harry rührte griesgrämig in seinem Müsli herum.
„Du weißt, was Professor White von dir verlangt hat?" redete sie ihm weiter ins Gewissen, woraufhin er sie nun verärgert ansah.
„Ich hab den Test von McGonagall doch bestanden?!" blaffte er zurück.
„Das heißt nicht, dass du die Hände in den Schoß legen sollst und nichts mehr tun musst," sagte Hermine eindringlich. Ginny und Ron hatten sich tief in ihre jeweiligen Cornflakes vergraben, um auch ja nichts beisteuern zu müssen.
„Es ist Samstag, können wir es nicht mal gut sein lassen? Für ein Wochenende? Bitte!"
Harry hatte sich wieder in sein Müsli vergraben ohne einen seiner Freunde dabei auch nur eines Blickes zu würdigen. Er ahnte, dass sie einander besorgt ansahen, und je länger er da saß und nichts tat, desto größer baute sich der Ärger in ihm auf.
„Ich bin fertig. Wir sehen uns."
Er schob die halbvolle Schüssel von sich und eilte sehr schnell aus der Großen Halle. Es war gut, dass keiner von ihnen Anstalten machte ihn aufhalten oder folgen zu wollen, denn in diesem Moment hatte er wirklich absolut keine Lust auf ihre Gesellschaft. Was er wollte war seine Familie.
Er hatte einige Runden auf dem Quidditch Feld gedreht, weil ihm das half seine Gedanken zu klären. Er war bedacht darauf nicht wieder aus Versehen zu weit weg zu fliegen, um sein Versprechen an seine Schwester nicht zu brechen. Er wusste nicht wie lange er bereits flog und hatte auch nicht vor aufzuhören, da spürte er auf einmal ein reißenden Schmerz an jeder Faser seines Knochens. Seine Hand löste sich von seinem Besen und das nächste was er sah war der blaue Himmel über sich. Dann prallte er mit dem Rücken auf den Rasen auf und damit wurde der vorher grauenvolle Schmerz durch ein neues, quälendes Pochen ergänzt, dass von seinem Rücken zu seinen Beinen schoss. Er konnte sich nicht rühren, kein Finger bewegen, noch sich wieder aufrichten. Alles schmerzte und brannte wie Feuer.
Alles zog an ihm vorbei wie in einem Film, der zu schnell vorgespult wurde, als dass man alles mitbekam. Da waren unterschiedliche Stiefeln, er sah viele Hinterköpfe, grün-silberne Schals, ein Gryffindor Schal, Draco Malfoy's Gesicht, er schubste einen Mitschüler beiseite. Der reißende Schmerz war weg, das pochen jedoch blieb. Harry konnte sich immer noch nicht bewegen, es fühlte sich an als ob er sich sämtliche Knochen gebrochen hätte. Er schluckte, versuchte zu atmen, aber alles was er schaffte war ein schweres Keuchen. Wieder der reißende Schmerz, der mit einem Mal über ihn gefahren war. Jetzt erinnerte er sich. Es war der Cruciatus Fluch. Er schrie mit der gebrochenen Stimme, die er hatte und krallte die Hände in den weichen Boden, um etwas anderes spüren zu können. Irgendetwas, Hauptsache es unterbrach diese tiefe Qual in seinen Körper. Das tat es auch plötzlich. Diesmal sah er vertrautere Gesichter. Lupins und Hermines und immer noch Draco Malfoys. Dann wurde es schwarz.
Harry wachte im Krankenflügel wieder auf. Der Schmerz, der ihn eine Sekunde vorher noch voll im Griff hatte, war vergangen. Er drückte sich auf und obwohl dies noch ein Krampf an seinen Muskeln nach sich zog, war er erleichtert sich wieder zu spüren und kontrollieren zu können.
„Harry, ein Glück!"
Ginny war vom Stuhl neben ihm aufgesprungen, hatte sich auf ihn geschmissen, um ihn fest zu umarmen und setzte sich dann zu ihm auf das Bett, nachdem sie ihn auch wieder loslassen konnte. Er sah sie verwirrt an, denn sie war ziemlich blass im Gesicht.
„Was ist passiert?" fragte er schwach. „Malfoy hat mich angegriffen?"
„Nein, hat er nicht," sagte sie erleichtert. Sie musste wirklich große Angst um ihn gehabt haben. „Er hat dich gerettet."
„Wie jetzt? Aber der Cruciatus Fluch?"
„Es waren Taggard und Ilmes."
„Taggard und Ilmes?! Slytherins? Sind die nicht erst in der sechsten Klasse?"
„Malfoy ging dazwischen und hat beide mit einem Fluch aufhalten können. Ich hab dich gesucht und bin gerade dazugestoßen, als Taggard und Ilmes dich angriffen. Taggard wollte mich auch angreifen, aber Malfoy ging dazwischen. Ich konnte Remus zur Hilfe holen und er hat dich dann sofort hier her gebracht, damit Madam Pomfrey sich um dich kümmern konnte, aber du hattest ziemlich viele Knochenbrüche. Ein Glück war diese Heilerin aus dem St. Mungo da. Sie hat dich schneller wieder zusammenflicken können. Ich hatte vorher wirklich Angst um dich. Ich bin so erleichtert, dass du tatsächlich schon aufgewacht bist. Diese Heilerin sagte zwar, dass du das tun würdest, aber... Harry, ich -"
„Mir geht's gut," sagte er, damit sie den Satz nicht zu Ende bringen musste. Er drückte ihre Hand und versuchte zumindest mit einem vorsichtigen Lächeln zu zeigen, dass sie sich nun keine Sorgen mehr machen sollte.
„Taggard und Ilmes haben mich also angegriffen?"
„Ja, Remus hat sie wohl zu Professor White mitgenommen, nachdem diese Heilerin sich um dich gekümmert hat. Ich hab die beiden jedenfalls seitdem nicht mehr gesehen. Ron und Hermine auch nicht."
„Wo sind die beiden?"
„Rundgänge. Aber sie kommen danach her. Ich sollte eigentlich auch nicht hier sein, aber Professor White hat Madam Pomfrey gebeten es zu erlauben."
Er nickte erneut.
„Wie lang lieg ich hier schon?"
„Keine Sorge, es ist noch immer Samstag. Scheint ne ziemlich gute Heilerin zu sein."
„Taggard und Ilmes. Wieso sollten sie mich angreifen? Wir hatten doch bisher nie Probleme. Standen sie unter den Imperius Fluch?"
„Ich weiß es nicht, Harry. Remus haben wir auch noch nicht gesehen. Er weiß es bestimmt."
„Und Malfoy hat mich also gerettet, ja?" fragte er immer noch fassungslos. Ausgerechnet Draco Malfoy sollte ihm helfen? Der Draco Malfoy, mit dem er in den letzten Jahren nichts als Rivalität und Abscheu verband? Der ihn im letzten Schuljahr noch angriff, sobald sie sich überhaupt über den Weg liefen?
„Scheint so, als ob das, was mit seiner Mutter passiert ist, ihn doch irgendwie zum Nachdenken gebracht hat," sagte Ginny leise und Harry nickte nachdenklich.
Weder Professor White, noch Remus hatten sich im Krankenflügel bei ihm blicken lassen. Dafür lernte Harry zum ersten Mal Heilerin Jeanette Stradford kennen, die am nächsten Tag nach ihm gesehen hatte. Sie war eine strenge und gleichzeitig freundliche Hexe, eindeutig bereits etwas älter, aber noch lange nicht so alt wie Professor McGonagall oder gar Dumbledore. Dafür jedoch sehr gründlich, denn er kam sich vor als ob sie alles bei ihm doppelt und dreifach überprüfte, bis sie ihn am Ende mit sehr kritischem Blick von oben nach unten musterte.
„Na gut," sagte sie skeptisch. „Ich entlasse dich. Aber du wirst heute nicht mehr auf den Besen steigen! Und ein guter Ratschlag von mir - Versuch nicht jeden Monat hier aufzutauchen. Das ist nicht gut auf lange Zeit hin. Vertrau mir. Dein Vater weiß wovon ich spreche."
Sie steckte ihren Zauberstab wieder ein, als Harry ihre Worte noch mal durchging und sie verwirrt ansah.
„Sie kannten meinen Vater?"
„Sehr gut sogar," sagte Stradford nun viel umsichtiger und auch ihr Ausdruck war fast fürsorglich. „Er war monatlich in meiner Behandlung. Tu dir also selbst den Gefallen und mach ihm das nicht nach. Wie ich sehe hast du nämlich viele, die dein Wohl am Herzen liegen und du willst nicht, dass sie sich ständig so fühlen müssen, wie es deine Mum tat."
Sie lächelte auf einmal sehr liebenswürdig, was er vorher von ihr nicht erwartet hatte, so streng wie sie ihm eigentlich begegnet war.
„Pass auf dich auf und – Ich hoffe, wir sehen uns nicht so bald wieder."
Sie ging zu Madam Pomfrey rüber und hatte sich mit der Kollegin in ein Gespräch vertieft. Harry verließ den Krankenflügel, wenn auch ein wenig benommen und irritiert.
Er machte sich auf dem Weg zurück in den Gemeinschaftsraum als er auf dem Weg dorthin Tonks begegnete, welche auf dem Gang stand und ihn nett zulächelte.
„Na du," sagte sie lieb.
„Hey Tonks," erwiderte er gleichfalls und setzte seinen Weg mit ihr zusammen Richtung Gryffindor Turm fort.
„Schön, dass du wieder wohlauf bist."
„Danke."
„Deine Freunde machen sich große Sorgen um dich," sagte sie vorsichtig, so dass er sofort wusste, dass sie nicht einfach so mitten im Gang gestanden hatte, sondern absichtlich auf ihn wartete.
„Mir geht's gut," murmelte er grimmig. „Sie haben mich heut früh doch gesehen?"
„Das sagt Brian auch ständig," entgegnete sie ihm jedoch, woraufhin Harry sie verwirrt ansah.
„Ich rede nicht von äußerlichen Wunden. Sondern von dem, was in euch drinnen vor sich geht. Wir sind nicht blind, weißt du. Ihr braucht nicht zu sagen, was los ist und wir wissen es dennoch. Das ist eben so mit Familie. Deine Freunde sind deine Familie, Harry. Sie waren die letzten Jahre bei dir und gingen mit dir durch dick und dünn. Sie wissen, wenn es dir nicht gut geht und dich etwas belastet."
„Mir geht es aber gut," wiederholte er trotzig.
„Brian nicht," sagte Tonks und Harry fand sich plötzlich nicht nur verwirrt, sondern auch sprachlos vor. Einerseits verstand er nicht, warum Tonks ständig ihn und ihren Bruder verglich. Andererseits aber machte er sich ebenfalls Sorgen um den Freund und fand sich daher hin und hergerissen zwischen ignorieren und neugierig nachhaken. Er entschied sich für Letzteres.
„Warum nicht?"
Tonks sah ihn spitz an.
„Jimá hat mir erzählt, dass du von seiner Adoption weißt."
„Ja, schon."
„Mum und Dad haben ihm sehr früh erzählt, dass sie nicht seine richtigen Eltern waren. Brian ist sehr klug, weißt du. Hat einige Klassen übersprungen und so."
Harry nickte verstehend. Das hatte ihm Ron schließlich mal erzählt.
„Er wusste, dass etwas nicht stimmte und so hätten sie die Wahrheit vor ihm ohnehin nicht lange verschweigen können. Brian hat es damals ziemlich gut aufgenommen und eigentlich hatte sich nichts zwischen uns verändert. Wir waren immer noch Familie.
Er hat seine Mum nun vor einiger Zeit gesehen und das ging leider nicht gut aus."
„Warum das?" fragte Harry und war sichtlich überrascht. Jimá hatte kein Wort davon erwähnt und Brian hatte sich auch nichts anmerken lassen, wenn er ihn traf, denn Harry glaubte, dass dies sehr emotional für jemanden sein musste, seiner biologischen Mutter nach so langer Zeit zu begegnen. War es für ihn selbst doch jedes Mal erneut aufwühlend, seine Eltern zu sehen, egal, ob es nun nur ein Traum oder durch ein Zauber an ihren Gräbern war.
„Nun... er hatte eine Vorstellung von ihr und sie – uhm – hat dies in jeder Hinsicht nicht erfüllt."
„Oh," machte er niedergeschlagen. Kein Wunder, dass Jimá damals sagte, dass sie eher für ihn da sein musste. Nun verstand er auch warum. „Was ist mit seinem biologischen Vater?"
„Tot, leider. War ziemlich schlimm. Da haben sie sich gerade erst kennengelernt und schon verliert er seinen Vater wieder. Brian ist auch so kein offener Mensch, wenn es um seine Gefühle geht, aber da..."
Tonks wurde sehr traurig bei dem Gedanken daran, verbannte dies jedoch mit einem Lächeln.
„Wichtig ist, dass er nicht alleine war. Brian mag adoptiert sein, aber für mich war er stets mein Bruder. Für Bill war er stets sein bester Freund und für meine Eltern stets ein Sohn. Ich will damit sagen, was immer bei dir auch passiert, was immer sich auch verändert, du und die anderen, ihr habt schon so viel miteinander erlebt und seid immer noch so eng befreundet. Du kannst und solltest ihnen mehr vertrauen als dir vielleicht bewusst ist."
Er nickte kurz, änderte dann aber das Thema, weil es ihn selbst nicht gut ging darüber zu reden. Er wusste es doch, dass er in der letzten Zeit nicht fair mit seinen Freunden umging, aber ändern konnte er es irgendwie auch nicht.
„Was ist mit Taggard und Ilmes passiert?"
„Die beiden Jungs, die dich angegriffen haben?"
„Ja."
„Sie behaupten unter den Imperius Fluch gestanden zu haben und nicht zu wissen, was sie taten. Professor White scheint ihnen zu glauben, denn sie kommen unbestraft davon. Es ist wohl auch durchaus möglich, dass sie die Wahrheit sagen, denn ihre Eltern sind Todesser und es kann sein, dass sie ihre Kinder unter den Imperius Fluch gesetzt haben."
Harry schwieg. White besaß empathische Fähigkeiten und würde wissen, ob die beiden die Wahrheit sagen oder nicht... oder?! Kaum, dass er durch das Porträtloch in den Gemeinschaftsraum hereingeschritten war, wurden alle ruhig, die sich darin befanden. Jeder starrte ihn an. Als Harry sich jedoch zu seinen Freunden dazusetzte und die ganzen Blicke ignorierte, mischte sich nun wildes Getuschel zu der vorherigen Stille dazu. Das Starren aber ging weiter.
„Willst du lieber gehen?" fragte Hermine und warf giftige Blicke hinter Harry, so dass das Tuscheln leiser wurde.
„Nah, schon okay," sagte er genervt, sah sie aber dankbar an. Tonks hatte recht. Seine Freunde waren seine Familie geworden und nur weil er dieses Jahr seine richtige Familie kennenlernte, sollte er seine langjährige Familie nicht vergessen.
Wenn der Prophet nicht zum Berg kam, musste der Berg eben zum Propheten kommen. Harry war dabei Lupin in seinem Büro aufzusuchen, was er zwar gerne alleine getan hätte, aber seine Freunde bestanden darauf, dass er nicht mehr alleine irgendwo hin ging und so folgte ihm Ron auf Schritt und Tritt.
„Das ist lächerlich," blaffte Harry, gerade als sie den Korridor entlang schritten.
„Sagst du jetzt," entgegnete Ron. „Aber bestimmt nicht mehr, wenn du dem nächsten Slytherin begegnest der dir den Kopf abreißen will."
Harry schüttelte nur den Kopf und beide schritten ohne weitere Worte in den nächsten Korridor hinein. Ron wollte gerade das Gespräch wieder aufnehmen, da zog ihn Harry zurück nach hinten und deutete ihn mit dem Finger vor den Lippen an still zu sein. Beide lugten vorsichtig hinter der Wand hervor und der Freund sah nun auch den Grund des abrupten versteckens. Unweit vor ihnen waren McGonagall und White in dem Gang vor ihnen erschienen.
„Sind sie sich da absolut sicher, Miss White?" hörten sie McGonagall's ernste und strenge Stimme.
„Absolut sicher nicht," sprach White und klang entschieden höflicher als Harry gedacht hätte. Bisher bekam er nur mit wie sie mit Lupin interagierte. Mit McGonagall schien sie nicht so vertraut umzugehen, dennoch aber respektvoll und kein bisschen überheblich. „Aber ich denke, es ist besser, wenn wir alle wachsamer bleiben. Ich hatte gehofft es würde reichen Voldemort von Hogwarts fern zu halten. Dass er Kinder mit einem unverzeihlichen Fluch belegt, um Harry heranzukommen war... plump. Ich hatte mehr Niveau erwartet, aber wer weiß, ob das überhaupt seine Idee war oder eine eigenständige Idee seiner Anhänger. Ich hab nie viel Intelligenz von einem Großteil erwartet."
„Und was nun?! Wenn Du-weißt-schon-wer das mit zwei Schülern gemacht hat, kann er das mit jedem Schüler tun. Das nächste Mal geht die Sache womöglich viel schlimmer aus und was dann? All die Lehrer, die Auroren, die Mitglieder des Orden, die hier waren, konnten den Angriff nicht verhindern."
„Ich weiß..."
„Miss White, sie wissen, dass ich eine der Befürworter ihrer Stelle hier war, obgleich viele im Elternbeirat ihre Zweifel aussprachen. Ich stehe nach wie vor zu meiner Entscheidung, sie zu unterstützen, aber ich ermahne sie auch dazu sich zusammenzureißen."
Zusammenzureißen?! Harry und Ron sahen sich verwundert an.
„Ich weiß, wie sehr Dumbledore sich gewünscht hat, dass sie wieder zurückkommen und dass er großes Vertrauen in sie besaß. Ich bin jedoch nach wie vor der Meinung, dass er stets unterschätzte, wie jung sie eigentlich sind. Der junge Potter hätte von Anfang an nicht alleine auf dem Quidditch Feld herum fliegen dürfen. Sie lassen ihm viel zu viele Freiheiten!"
White schüttelte mit einem traurigem Lächeln den Kopf und Harry zog irritiert die Augenbraue hoch.
„Harry ist nun mal wie sein Vater," entgegnete White sehr sanft. Harry fand diese Art an ihr so fremd, dass er nicht wusste, was im Moment überwog. Die Neugierde oder die Verwirrtheit. „Ihnen Leibwächter oder Beschützer zur Seite zu stellen bringt nichts. Die beiden lieben ihre Freiheit und werden dieses auch stets unterbewusst suchen. Nicht mal an ein Bett zu fesseln würde verhindern, dass sie in Schwierigkeiten geraten."
„Also wollen Sie einfach abwarten bis die Sintflut jeden erwischt?"
Harry musste McGonagall nicht sehen, um zu wissen, dass sie White sehr verärgert ansah, denn der Sarkasmus in ihrer Stimme war Feuerspeiend.
„Im Moment ist meine oberste Priorität nicht die Sicherheit des Jungen, was nicht bedeutet, dass ich nicht andere Vorkehrungen für seine Unversehrtheit treffen werde."
„Ich nehme an, ihre oberste Priorität gilt Mr Snape?"
„Er ist mir in der Tat ein Dorn im Auge. Andererseits kann ich mit dem Dorn leben."
„Miss White -"
„Severus Snape ist nur ein kleines Feuer, Professor McGonagall. Er ist nicht das Hauptfeuer, um das wir uns kümmern müssen. Und mit Feuer ist es so eine Sache. Unberechenbar, was nicht heißt, dass es nicht einen Nutzen bringen kann."
McGonagall schien äußerst unzufrieden zu sein, denn nun sah man wie sie sich auf die Lippen biss.
„Bleiben Sie und die anderen Professoren einfach auf der Hut hier. Zu vorderst ist es wichtig, dass die Schüler und Schülerinnen in der Schule sicher bleiben. Ich sorge dafür, dass Harry am leben bleibt."
Die beiden schritten weiter und verschwanden aus dem Gang. Harry hatte überlegt ihnen nachzulaufen, aber Ron hielt ihm auf und schüttelte den Kopf.
„Zu gefährlich," flüsterte er vorsichtig. „Wir haben den Tarnumhang nicht dabei."
Anstatt somit White und McGonagall weiter zu belauschen, suchten die beiden Lupin in seinem Büro auf, welcher die Jungs herein bat und ihnen Tee servierte. Zum einen wollte Harry mit ihm über White's Unterricht sprechen, zum anderen aber auch über den Angriff zweier Slytherin Mitschüler auf ihn.
„Professor White war wirklich aufgebracht," sagte Remus finster. „Nachweisen kann man ihnen nichts und Taggard und Ilmes sind bisher auch nicht aufgefallen, außer das, was man auch sonst von allen Slytherin Schülern mitbekommt."
„Das rumpöbeln, andere fertig machen und zu schikanieren?" warf Ron ein. Lupin zuckte kurz mit dem Mundwinkel.
„Wir versuchen alles, um auf dich aufzupassen, Harry, sowohl im Schloss, wie auch, wenn du nicht hier bist. Aber dies hat sich nun als schwerer herausgestellt als erwartet. Erst recht nachdem einige Mitglieder, welche normal hier im Schloss sind, vorübergehend aufgrund des Auftrags, weg sind. Du musst wirklich auf dich aufpassen. Das mag höhnisch klingen, schließlich hat Professor White dir gesagt, dass du hier in Hogwarts sicher wärst, aber solche Zwischenfälle lassen sich wohl trotz allem nicht vermeiden."
Harry nickte unzufrieden.
„Wir hatten Glück, dass Heilerin Stradford hier war. Eigentlich hatte sie nur ein längeres Gespräch mit Professor White geführt und war am Gehen als wir zu dir geholt wurden. Das war großes Glück. Ohne sie hätte sich Madam Pomfrey erheblich schwerer getan, dir zu helfen. Die unverzeihlichen Flüche sind für eine normale Schulkrankenschwester eigentlich zu viel."
„Sie kannte meine Eltern."
„In der Tat," bestätigte Remus. „Sie hat sehr oft ihre und unsere Wunden geheilt, wenn wir bei einem Auftrag für den Orden verletzt wurden. Bei deinem Vater öfter als bei allen anderen, aber das hat sie dir wahrscheinlich schon gesagt."
Remus zeigte den Anflug eines Lächelns, aber Harry war gerade nicht zum Spaßen zumute und beschloss stattdessen dem Freund endlich von seinen Treffen mit seinen Eltern zu erzählen. Als er geendet hatte, lehnte sich dieser gedankenverloren zurück und sah ihn sehr lange, sehr nachdenklich an. Harry musste ihm alles erzählen, wenn er frei mit dem Freund über White und dem was er von ihr wusste sprechen wollte.
„Es freut mich für dich, Harry," sagte er nach einer Weile, nachdem er sich wieder gefasst hatte. „Das muss wirklich sehr schön sein mit ihnen reden zu können."
„Ja, schon. Tut mir leid. Ich würde dich gern mitnehmen, aber wenn ich das tue, erscheinen sie nicht."
„Das macht nichts. Ich hatte wunderbare 10 Jahre mit ihnen beiden. Dir dagegen wurde dies verwehrt. Es ist schön zu wissen, dass dir nun noch etwas Zeit mit ihnen gegönnt wird."
„Remus?"
„Hm?"
Und er erzählte ihm auch von der ersten Unterrichtsstunde mit Professor White. Wenn er schon mal dabei war, dann wollte er auch alles erzählen und vor allen Dingen auch, weil er nach wie vor nicht sicher war, inwiefern er der Direktorin tatsächlich vertrauen sollte und konnte. Das Gespräch, welches er mit Ron gerade belauscht hatte, half ihm bei dieser Sache auch nicht viel weiter. Irgendwie sträubte er sich es einfach so hinzunehmen, dass sie nur Gutes im Schilde führte.
„Interessant," war alles was Remus dazu sagte, als Harry geendet hatte.
„Was meinte sie damit, als sie sagte, ihr würdet mir nichts von meiner Familie erzählen, weil ihr mich nur schützen wolltet? Schützen vor was?"
„Hm," machte Remus erneut und blickte nachdenklich in seine Tasse Tee. Er wandte sich erst nach einer ganzen Weile wieder zurück den beiden Jungs.
„Es gibt Familien, wie die Malfoys und Sirius' Eltern, die sehr viel wert darauf legen, dass andere von ihrer Reinblütigkeit erfahren und was sie alles in ihrem Leben geleistet haben. Daher findet sich in vielen Büchern auch Taten und das Leben solcher Zauberer und Hexen.
Zauberer wie Dumbledore oder Ron's Vorfahren oder auch deine Großeltern zogen es vor ihr Privatleben auch Privatsache zu belassen. Deswegen fandest du auch in keinem Buch Dumbledore's Beziehung zu Professor White. Genauso wenig zieht man eine Verbindung eines verstorbenen oder noch lebenden Zauberers mit dem Namen Potter zu dir, nur weil ihr den selben Nachnamen tragt, denn wie du weißt, ist der Name Potter ein sehr gängiger Name, sowohl in der Zaubererwelt, wie auch in der, der Muggel."
Harry nickte.
„So wie sich Voldemort stets damit brüstet, die Magie Slytherin's zu besitzen, so ruhig und verschwiegen waren deine Vorfahren über ihre Abstammung von Gryffindor's Seite.
Ich habe deine Großeltern sehr gut gekannt, auch dein Urgroßvater habe ich kennengelernt. Ihre Geschichten sind jedoch viel zu lang, um sie bei einem einzigen Treffen zu erzählen, noch sind sie leicht zu verstehen und zu verarbeiten. Ich muss gestehen, dass ich auch nicht alles weiß und dir daher auch nicht sehr viel über sie erzählt habe, weil es ein gefährliches Halbwissen wäre, was ich dir weitergegeben hätte.
Natürlich waren sie alle große Zauberer und Hexe. Deine Großmutter zum Beispiel, war ebenfalls Mitglied bei der Gründung des Orden des Phönix."
Er runzelte verwirrt die Stirn. Da sich Harry das Gründungsfoto einige Male angesehen hatte, zum anderen auch, als er White darauf suchte, war er sich sicher, seine Großmutter darauf nicht gesehen zu haben. Er war sich zumindest sicher, dass er Mad-Eye Moody näher darauf angesprochen hätte, wenn dieser bei der Erklärung Maria Potter als eine der Personen bezeichnet hätte.
„Auf dem Foto das bei der Gründung gemacht wurde, waren wohl nicht alle anwesend?"
Lupin lächelte mild.
„Es ist nur ein Bild, Harry."
Er legte seine Tasse nieder und sah den jungen Freund prüfend an.
„Du hast immer noch deine Zweifel an Professor White's Absichten, nicht wahr?"
Es gab keine Antwort, aber die Blicke, die beide tauschten, hatten alles wiedergegeben, was nicht ausgesprochen werden musste. Lupin lächelte erneut mild.
„In dem Fall kann ich mich ja glücklich schätzen, dass ich dein Vertrauen genieße?"
Er fuhr mit der Tasse wieder an seinen Mund und nippte genüsslich. Harry und Ron tauschten verwunderte Blicke über die überraschende Gelassenheit des Freundes.
„Wusstest du, dass sie starb, weil sie den Kuss des Dementors bekommen hatte?" fragte Harry. Lupin's Ausdruck hatte sich sofort verändert. Er legte die Tasse nieder und sah finster auf.
„Hm, ja. Es wurde nicht jedem gesagt. Wir wollten die anderen Mitglieder im Orden nicht erschrecken. Aber ja, ich wusste davon. Ich habe sie nach dem Vorfall noch gesehen, um mich zu verabschieden."
Auf den verwirrten Blick der beiden Jungs hin, setzte Lupin eine Erklärung hinzu.
„Dumbledore teilte uns allen mit, dass es menschlicher war, sie sterben zu lassen, als sie dazu zu zwingen in dieser Gestalt weiter vor sich hinleben zu lassen. Wir nahmen alle an, dass er dies auch durchgezogen haben und sie tatsächlich tot war. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie verwundert alle waren, als sie vor wenigen Monaten hier auftauchte. Lebendig, verändert, aber jeder wusste, was der Kuss des Dementors aus jemanden machte."
„Snape hat ihr geholfen," murmelte Harry, durchaus in der Hoffnung eine Reaktion zu entlocken, die zeigte, dass er nicht als Einziger seine Vorbehalte durch diese Erkenntnis besaß.
„Das hat sie erzählt," sagte Lupin sanft und zeigte zu Harry's Enttäuschung kein Anzeichen von Misstrauen.
„Wenn dir jemand das Leben gerettet hat, dann steht man doch in seiner Schuld? Ich mein, man lässt so was nicht kalt an sich vorbei gehen?"
Remus sah ihn umsichtig an, dann aber lächelte er mitfühlend.
„Ich denke, Dumbledore hat Snape genug gegeben. Deine Sorgen sind hier unbegründet. Auch wenn sie ihm das hoch anrechnet, sie würde das Leben von Unschuldigen nicht aufs Spiel setzen, nur um die Schuld zu begleichen."
Lupin hatte danach das Thema gewechselt und ihnen von seinem Vorhaben für den Unterricht der darauffolgenden Woche erzählt und Harry beschloss vorerst nicht mehr mit Remus über White zu sprechen. Er hatte das Gefühl als ob er hier jedes Mal beim Freund auf Granit stieß.
Einen weiteren Freund, den Harry schon lange nicht mehr besucht hatte, und den er an diesem Sonntag ebenfalls noch aufsuchte war Hagrid. Mit Hermine und Ron zusammen hatten sie ihn in seiner Hütte aufgesucht und waren erstaunt ihn nicht alleine vorzufinden. Es saß ein weiterer sehr großer Mann, der ihm nicht unähnlich war, in der Hütte. Da Harry ihn einige Male mittlerweile in Jimá's Erinnerungen sah, kannte er ihn auch, denn er hatte sich in den Jahren so überhaupt nicht verändert. Das musste Yuno Sayé sein, Jimás Adoptivvater.
Der große Zauberer hatte seinen Blick auf Harry fixiert und irgendwie hatte der raue Blick etwas sehr herrisches an sich, dass jeden von ihnen einschüchterte. Die drei hatten sich in einer Ecke zusammengerobbt, so dass Hagrid und Yuno auf einer Seite saßen. Alle hatten kaputte Becher bitteren Saft in ihren Händen. Yuno's Blick lag immer noch penetrant auf Harry, obgleich dieser zwanghaft versuchte den Blickkontakt zu meiden und nicht zwischendrin unhöflich zu fragen, ob er bitte mal was anderes mit seinem Blick durchlöchern könnte.
Hagrid hatte sie zwar einander vorgestellt, aber außer einem Kopfnicken bekam man aus Yuno nichts mehr raus. Er reagierte weder auf Fragen, noch beteiligte er sich an ihrem Gespräch über den Angriff auf Harry oder dem Auftrag einiger Mitglieder des Orden, was geheim war und selbst Hagrid nicht kannte. Er glaubte aber, dass White schon wüsste, was sie tat und wenn andere davon nicht wissen sollten, dann sollte sich auch keiner zwanghaft einmischen.
Nachdem die drei ausgetrunken hatten, verabschiedeten sie sich wieder, um zurück ins Schloss zu kehren und Hagrid mit seinem Besuch alleine zu lassen. Während Hagrid wie ein lieber Halbriese wirkte, machte Yuno auf sie eher den Eindruck als ob er sie jeden Moment vor Gier verspeisen würde und so wollten sie nicht länger als nötig bleiben.
„Bye, Mr. Sayé," sagte Hermine höflich. Ron und Harry murmelten dasselbe, aber Yuno hatte ihnen auch hier nur zugenickt, mehr nicht. Hagrid brachte die drei hinaus, während sich Yuno wieder in seine eigenen Gedanken vergrub.
„Ist kein geselliger Mensch," witzelte Hagrid amüsiert als sie draußen waren. „Schließt nicht schnell Freundschaften."
„Was für ein Wunder," sagte Ron. „Redet der überhaupt mal?"
Hagrid gluckste.
„Na jedenfalls. Ihr geht jetzt besser. Besucht mich bald wieder."
Er winkte ihnen strahlend, doch das machte sie nur noch misstrauischer.
„Die werden echt immer komischer," bemerkte Ron auf ihrem Rückweg.
„Wer?" fragte Hermine.
„Die Mitglieder vom Orden. Ich mein, Jimá ist total super und so, aber ihr Adoptivvater? Ich wundere mich, dass sie so offen ist, bei einem Vater, der so komisch ist oder will mir echt einer von euch verzählen, dass der auch ne Laberratte sein kann?"
„Tja," machte Hermine und zuckte mit der Schulter. „Seltsam war er schon, aber Jimá lebte bei ihm über 10 Jahre lang und ich kann mich nicht erinnern, dass sie schlecht über ihn gesprochen hat - Harry!" Auf einmal hatte sie beide Jungs angehalten und zur Seite geschoben. Sie zogen sich hinter einem Baum zurück und beobachteten von da aus, wie Professor White begleitet von einer ihnen unbekannten brünetten Hexe auf die Hütte von Hagrid zuging.
Harry beobachtete, wie sie klopfte und auch direkt hinein schritten.
„Nein! Harry!" mahnte Hermine, doch Harry hatte sofort seine Beine in die Hand genommen und war wieder hinabgerannt. Natürlich so versteckt, wie es ging, damit sie nicht entdeckt wurden. Wie schon in der dritten Klasse schlich er sich in die Nähe der Hütte, Ron und Hermine dicht bei ihm.
„Ich fass es nicht!" zischte sie aufgebracht.
„Lass gut sein, Hermine," flüsterte Ron. Die drei knieten in äußerst unbequemen Positionen unter dem Fenster der Hütte und Harry hatte dieses mit einem Zauber einen winzigen Spalt aufgeschoben, so dass sie hörten, was innen gesprochen wurde.
„Ist es auch wirklich in Ordnung für dich?" hörten sie die Stimme von Professor White. „Ich könnte dir auch ein Raum in Hogwarts geben?"
„Nö, schon okay," antwortete die tiefe Stimme, die man heute zum ersten Mal hörte. Sie gehörte Yuno. „Die Hütte ist gut."
„Schön," sagte White. „Ich muss schneller machen oder Voldemort kommt an Harry ran, bevor ich Vorkehrungen treffen kann."
„Vorkehrungen?" fragte Hagrid.
„Voldemort will ihn lebend."
„Wieso das? Was will ihm dieses Monster denn noch antun?"
Das Gespräch fand nun nur noch zwischen Hagrid und White statt. Weder die fremde Hexe, noch Yuno hatten sich in dem Schlagabtausch eingemischt.
„Hagrid, Harry vertraut dir. Es ist wichtig, dass er von Leuten umgeben ist, denen er vertraut, denn nur so lässt er sich von euch auch beschützen. Ihn von Draco Malfoy beschützen zu lassen, ging leider ziemlich nach hinten los."
„Er misstraut dir immer noch?"
„Ich habe es selber so gewollt. Nun muss ich damit leben."
„Ich red mit ihm, wenn du willst?"
„Besser nicht. Ich will nicht, dass Harry misstrauisch gegenüber euch wird. Es wird noch eine Menge auf ihn zukommen und er wird noch genug damit zu kämpfen haben. Besser wenn er weiter auf euch bauen kann."
„Aber du bist seine Patentante!"
„Er weiß das bereits."
Hagrid grummelte unzufrieden.
„Kümmert ihr euch beide einfach darum, dass ihn hier nicht noch mal jemand angreift. Zumindest bis die anderen wieder zurückkommen."
„Natürlich! Ich hab Saft gemacht! Wollt ihr -"
„Uhm, danke, aber nein danke," entgegnete White schnell. „Wir haben es eilig. Wollte nur kurz Yuno noch mal anbieten doch im Schloss zu residieren. Wie auch immer – Danke, dass du hergekommen bist, Yuno."
„Er sieht aus wie James," brummte Yuno's Stimme und Harry's Herz machte einen merkwürdigen Sprung bei der Erwähnung seines Vaters Namen.
„Ich wusste nicht, was ich sagen sollte."
Ein Moment herrschte Stille, dann hörten sie erneut White's Stimme.
„Gib euch beiden Zeit. Er weiß nichts vom Leben seiner Eltern bevor sie starben. Keiner hat ihm viel davon erzählt."
Sie verabschiedeten sich wieder voneinander und als die Tür aufging und die beiden Hexen heraustraten krümelten sich die drei Freunde mit schockiertem Blick in ihre Ecke ein, hoffend, dass sie sich klein genug gemacht hatten, um nicht gesehen zu werden.
„Er ist dabei dasselbe zu erleiden, wie sein Vater," sagte die fremde Hexe.
„Ich weiß," sagte White.
„Du wirst es nicht verhindern?" fragte die Hexe.
„Nein," antwortete White kalt.
Beide schritten schließlich ohne ein weiteres Wort Seite an Seite zurück Richtung Schloss. Harry, Hermine und Ron sahen einander misstrauisch an. Wären die letzten Sätze nicht gewesen, Harry hätte sich wesentlich besser gefühlt. So gerieten seine Gedanken erneut durcheinander und er fragte sich, wo White nun wirklich stand und ob er aus ihr herausbekommen würde, wenn er sie fragte, was damit gemeint war, dass er dabei war dasselbe zu erleiden wie sein Vater. Was war mit seinem Vater damals passiert?!
Je mehr Harry erfuhr, umso mysteriöser wurde alles. Bevor er in die Zaubererwelt eintrat glaubte er die Geschichte, seine Eltern wären bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Danach erfuhr er, dass sie von Voldemort ermordet wurden und erfuhr erst vor einem Jahr von dem Grund, nämlich der Prophezeiung und dass Voldemort es eigentlich auf ihn, nicht auf seine Eltern abgesehen hatte. Nun, mehr denn je, erinnerte er sich an Voldemort's Worte als er gegen Quirrel am Ende seines ersten Schuljahres kämpfte. Er tötete seinen Vater zuerst, seine Mutter aber hätte nicht sterben müssen. Was meinte er damit? Harry wusste mittlerweile, dass sie beide in der Widerstandsbewegung gegen Voldemort gekämpft hatten. Wieso wollte er seinen Vater töten, nicht aber seine Mutter? Hätte es nicht auch gereicht nur ihn, Harry, zu töten? Nach der Prophezeiung ja wohl schon. Wieso also musste sein Vater sterben, seine Mutter aber nicht?
„Du könntest sie fragen," sagte Ginny vorsichtig. Die beiden saßen nach langer Zeit mal wieder nur zu zweit am See. Es war eisig kalt im Dezember, aber genau deswegen genossen sie die zweisame Stille draußen, wissend, dass so gut wie jeder sich im Schloss befand, statt hier draußen.
„Professor White. Sie hat dir doch selbst angeboten, jederzeit mit jeder Frage über deine Familie zu ihr zu kommen? Sie scheint irgendwie mehr zu wissen, als wir dachten und mehr in allem verbunden zu sein, als angenommen."
„Und wenn das, was sie sagt, gar nicht stimmt?"
„Dann könntest du dir die Bestätigung bei Remus holen. Wenn etwas wirklich gelogen ist, wird er dem bestimmt widersprechen. Oder auch Jimá, wenn sie wieder da ist. Offenbar wusste sie ja, das eure Eltern Black Hearts waren."
„Ja und sie hat kein Ton davon erwähnt, als wir damals darüber sprachen. Brian hat nur an White verwiesen."
„Ist aber auch ein wenig viel," sagte Ginny und nahm seine Schwester in Schutz. „Ich mein, ihr lernt euch gerade erst kennen und vielleicht tut sie sich leichter damit dir das zu zeigen, statt dir davon zu erzählen?"
„White sagte, sie würde das nicht mit Absicht tun, sondern nur darüber nachdenken. Sie weiß gar nicht, dass ich das mitbekomme, was sie denkt."
„Du bist nicht wirklich verärgert, dass sie dir nicht mehr erzählt hat, oder?"
Er zog eine Grimasse, denn die Wahrheit war, dass ihn das sehr wohl verärgert hatte. Ginny schüttelte traurig den Kopf.
„Du bist verärgert, weil Jimá wahrscheinlich über alles Bescheid weiß und du nicht."
Dass sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatte, musste nicht erst gesagt werden. Harry setzte sich auf die eiskalte Wiese hinab und zog seine Knie an die Brust. Ginny setzte sich daneben hin und drückte ihm vorsichtig den Arm. Als er sich ihr schließlich zuwandte, sah er in verständnisvolle Augen. Sie verurteilte ihn nicht und darüber war er erleichtert.
„Ich weiß, dass das nicht schön ist, aber willst du wirklich wie ein kleines Kind hier bocken, wenn du eigentlich nun alles erfahren könntest? Jimá würde dir bestimmt alles erzählen, aber sie weiß womöglich gar nicht, wo sie anfangen soll. Außerdem fühlt sie sich bestimmt genauso schlimm, wie du, weil du all das nicht weißt, sie aber schon. Du müsstest sie nur fragen."
„Das ist nicht so einfach," sagte er und merkte gleichzeitig, dass er nun sogar bockig gegenüber ihr war. Er fühlte sich immer noch ausgeschlossen und mit allem allein gelassen von den Menschen, von denen er Hilfe am meisten benötigte. Ginny lächelte und kuschelte sich an seine Schulter heran.
„Hättest du mich letztes Jahr gefragt, ob ich mit dir ausgehe, egal wann, ich hätte sofort ja gesagt."
Harry sah an seiner Schulter hinab und bemerkte das wohlige, hübsche Lächeln in ihrem Gesicht und mit einem Mal spürte er keine Kälte mehr. Es war Wärme, die ihn erfüllte und so breitete sich auch bei ihm ein Lächeln im Gesicht aus. Mit Ginny waren die Gespräche anders als mit seinen Freunden. Sie machte ihm nie Vorwürfe und reagierte nie mit Unverständnis. Im Gegenteil, er fühlte sich danach jedes Mal gestärkt und zuversichtlicher.
Am Sonntag Abend nach den Rundgängen suchte Harry daher erneut Professor White in ihrem Büro auf. Die Karte der Rumtreiber verriet ihm, dass sie da war und so näherte er sich dem Wasserspeier und sagte vorsichtig das Passwort.
„Erdbeervanillesahnepudding?"
Tatsächlich bewegte es sich und machte den Weg frei hinauf zum Büro. Harry klopfte mit bebenden Herzen an die Tür.
„Herein."
Er öffnete die Tür und fand sich direkt vor Professor White, die an der Stange bei Fawkes stand und sich ihren Besuch nun zuwandte.
„Harry? Ist es nicht etwas spät?"
„Err – ja."
Sie sah ihn kurz an, als ob sie sich erst noch entscheiden müsste, ob sie ihn nun wieder wegschickte oder nicht. Sie entschied sich offenbar für Letzteres.
„Was gibt's?"
Sie deutete ihm herein zu kommen, also schloss er die Tür hinter sich und trat zu White und Fawkes dazu.
„Du hast eine Frage zu deiner Familie."
Dies war eine Feststellung und Harry kam nicht umhin dennoch überrascht zu sein.
„Uhm, ja."
„Nun dann. Frag."
„Sie werden mir auf jeden Fall ehrlich antworten?"
„Das habe ich vor."
„Warum?"
Diese Frage war ihm rausgerutscht noch bevor ihm das klar wurde und sie verwunderte offenbar auch die Direktorin, denn es war das erste Mal, dass er ihrem Ausdruck ernste Verblüffung entnahm.
„Ich meine -" versuchte er sich zu erklären, um nicht unhöflich zu sein, aber White wandte sich von ihm ab und wieder dem Phönix zu.
„Ich verstehe," sagte sie, doch Harry überkam die Angst, dass er zu weit gegangen war. Die letzten Wochen hatte sie schließlich nichts getan außer ihm zu helfen, was seine Unterstellung wohl auch dementsprechend undankbar erscheinen ließen.
„Professor White, Ich -"
„Du bist hergekommen, weil du eine Frage bezüglich deiner Familie hast," sagte sie jedoch bestimmend und ließ damit nicht zu, dass er sich irgendetwas aus den Fingern saugen konnte.
„Also? Was willst du wissen?"
„Es geht um meine Eltern," begann Harry, auch wenn er sich immer noch schlecht fühlte. White deutete ihn an fortzufahren.
„Am Ende meines ersten Schuljahres hier in Hogwarts bin ich auf Voldemort getroffen. Er war im Körper eines Professors und er hat etwas gesagt im Bezug auf meine Eltern, was mir erst heute wieder eingefallen ist und was ich nicht verstehe. Ich weiß, sie wissen vielleicht gar nicht, was er damit meinte, aber, Sie sagten, Sie kannten meine Familie und ich dachte, wenn es einer versteht, dann Sie?"
White lächelte sanft und er verstand, dass er weitersprechen sollte.
„Voldemort sagte, er hätte gegen meinen Vater gekämpft, aber meine Mutter hätte nicht sterben müssen. Sie starb nur, weil sie mich schützen wollte. Ich weiß, Voldemort wollte mich wegen der Prophezeiung töten. Warum aber hätte er meine Mutter gehen lassen und meinen Vater nicht?
Er... Ich glaube nicht, dass in ihm auch nur das kleinste bisschen Barmherzigkeit existiert, also warum hätte er sie gehen lassen?"
White atmete schwermütig ein, schritt dann von Fawkes und ihm weg und stellte sich ans Fenster, wo sie gedankenverloren mit den Händen hinter ihrem Rücken hinaus in die Ferne blickte.
„Voldemort hätte deinen Vater niemals gehen lassen," sagte sie seltsam abwesend. „Dein Gefühl täuscht dich nicht. Es steckt mehr hinter dem Angriff."
Sie wandte sich ihm wieder zu, blieb jedoch an der Wand neben dem Fenster stehen.
„Deine Mutter hätte nicht sterben müssen, weil Voldemort James sein Versprechen gab."
„..."
Harry zuckte zusammen und sah White ungläubig an. War das ihr ernst?!
„James und Lilli wurden von Voldemort damals überrascht und fanden sich in der Falle wieder. Voldemort hat von James gefordert, eine Trank einzunehmen, ohne zu sagen, was dieser bewirkt, im Gegenzug bot er an durch den unbrechbaren Schwur Lilli zu verschonen. Dein Vater wog ab und entschied, dass was immer Voldemort auch für einen Trank erstellt hatte, er dies auf sich nehmen würde, denn zum einen verschaffte er deiner Mutter damit einen sehr guten Schutz und zum anderen war die andere Möglichkeit kein bisschen besser. Sie saßen so oder so in der Falle. Hätte er abgelehnt, hätte er es auf einen Kampf ankommen lassen müssen und am Ende hätten mit großer Wahrscheinlich sowohl er wie auch Lilli ihr Leben verloren. Also willigte er ein unter der Bedingung, dass Voldemort Lilli niemals selber angreifen und töten würde."
Er war von der Geschichte so überrascht, dass er gar kein richtigen Gedanken fassen konnte. Er wusste zwar, dass seine Eltern einige Male auf Voldemort getroffen waren, aber dies so ausführlich von White zu hören war etwas anderes. Sollte er ihr das überhaupt glauben? Was, wenn es nur eine Geschichte war, die sie erzählte, um mit ihm zu spielen? Sie hatte andere Absichten, die sie vor Remus und allen anderen verborgen hielt, da war er sich sicher. Nicht nur, weil sie für ihn danach handelte, sondern auch von den Gesprächen, die er insgeheim mitbekam, ohne dass sie davon wusste. Harry schluckte, um die aufkeimende Panik zu unterdrücken.
„Was war das für ein Trank?"
Sie hatte nicht sofort geantwortet, sondern eine lange Pause eingelegt. Harry wollte auch nicht drängen, also blieb er ruhig und sah sie lediglich weiter aufmerksam an.
„Was ich jetzt sage wird dir nicht gefallen, dennoch muss ich dich auf später vertrösten."
Er sah sie verständnislos an und wollte irgendetwas sagen, um seiner Entrüstung Ausdruck zu verleihen, aber da hatte White bereits gesprochen.
„Der Grund warum Voldemort deinen Vater nie hätte gehen lassen ist sehr verflechtet. Eine Kurzfassung würde zu falschen Schlussfolgerungen führen und – ich respektiere deinen Vater zu sehr, um sein Ansehen so mit Füßen zu treten. Du wirst alles erfahren. Mit der Zeit."
„Also hat Dumbledore gelogen als er meinte, er würde mir alles sagen," stieß er verärgert aus. White blieb nach wie vor ruhig und bedacht und sich auch durch sein aufmüpfiges Verhalten nicht aus der Fassung bringen lassen.
„Er hat dir alles erzählt," entgegnete sie gelassen. „Alles, von dem er sich sicher war und von dem er glaubte, dass du das tragen kannst. Du warst 15, Harry, und du hattest gerade Sirius verloren. Hätte er dir damals alles haarklein über Gryffindor's Magie in dir und dem Abend der Ermorderung deiner Eltern erklärt, hättest du überhaupt wirklich zugehört und verstanden?
Er hat dir das erzählt, von dem er glaubte, dass du es in dem Moment auch erfassen kannst. Den Rest, so war er sich sicher, müsstest du zu dem Zeitpunkt nicht wissen. Was hätte es dir denn damals gebracht?
Sirius' Tod saß schwer und alles was er dir noch zu deinen Eltern erzählt hätte, hätte es dir erschwert mit dem Geschehen umzugehen. Er hat es nicht verschwiegen, um sich selbst Arbeit zu ersparen, sondern weil er glaubte, dass das Wissen als Teenager für dich nur eine größere Last dargestellt hätte.
Nun aber bist du erwachsen, volljährig und bist in der Lage selber zu entscheiden, wie viel zu tragen kannst und was du wissen willst. Wäre er noch am Leben, er hätte dir alles gesagt, was du hättest wissen wollen."
Er verstand nicht, wie sie so miteinander reden konnten. Einerseits sah er in ihr nach wie vor eine nicht vertrauenswürdige Person, die dabei war ihn und seine Freunde für ihre eigenen Ziele zu benutzen. Und andererseits fühlten sich ihre Worte an, wie die einer Vertrauensperson, an die er sich jederzeit wenden konnte.
„Harry, ich will, dass du weißt, dass selbst wenn Voldemort James die Wahl gelassen hätte, er eher gestorben wäre, als dich ihm zu überlassen."
„Wie können Sie sich da so sicher sein, Professor?"
Sie lächelte traurig.
„Ich konnte in deinem Vater stets lesen wie in einem offenen Buch. Es gibt kaum etwas, das ich nicht von ihm weiß. Ich werde dir alles erzählen, was du über ihn, Gryffindor's Magie und Voldemort wissen musst, nicht aber alles, was es zu erzählen gibt."
„Wieso das?" fragte er misstrauisch. White atmete tief durch, dann drehte sie sich wieder weg und blickte erneut zum Fenster hinaus.
„Wie ich sagte, ich werde sein Ansehen nicht mit Füßen treten. James hat ein Recht auf Privatsphäre. Deine nächste Stunde ist am Dienstag. Selbe Zeit und selber Ort wie immer. Gute Nacht, Harry."
Damit war das letzte Wort gesprochen und er verließ mit einem gemurmelten Gute Nacht ihr Büro. Er hatte gerade die Tür geschlossen, da trat die unbekannte Hexe, die auch mit White in der Hütte bei Hagrid aufgetaucht war, zwischen den Regalen hervor. Sie lehnte sich an das Regal und blickte amüsiert zu White herab, welche nach wie vor an der Wand am Fenster lehnte und den Blick der Hexe erwiderte.
„Was?" sagte White und blitzte sie herausfordernd an. Das vielsagende Lächeln war der Hexe im Raum jedoch nicht vergangen.
„Ich habe mich nur gefragt, wie du mich erklären willst, wenn du nicht alles erzählen willst," sagte sie eindeutig spöttisch.
„Ich werd schon einen Weg finden," sagte White jedoch und blickte gedankenversunken in die Leere. „Ich schulde es James, sein Ansehen zu wahren."
„Oder tust du das nur, weil du ebenfalls nicht willst, dass er alles über dich erfährt?"
White lachte traurig auf.
„Seine Geschichte ist tragisch genug auch ohne dass er meine kennt. Für ihn bin ich im Moment immer noch der Feind und das ist auch gut so."
Der Dienstag kam und Harry saß im Klassenzimmer für Zaubereigeschichte wie zuvor auch vor einer brennenden Kerze auf dem Lehrertisch vor sich. Er konzentrierte sich auf die Flamme, wie auch schon beim letzten Mal. Er fühlte sich seltsam schwerelos, als ob er nicht mehr er selbst war. Wieder fühlte er White's Hand an seiner Schulter und die Kerze verschwamm vor seinem geistigen Auge. Er sah wieder seinen 13jährigen Vater, dieses Mal jedoch zusammen mit den gleichaltrigen Sirius, Remus und Peter sowie eines sehr hübsches 13jähriges Mädchens und einem rothaarigen, gleichaltrigen Jungen. Sie hatten sich alle auf zwei Bäumen verteilt. Einige saßen auf den dicken Ästen, andere lagen auf ihnen, so wie Sirius, dessen Beine gemütlich hin und her baumelten.
„Vielleicht, könnt ihr ja doch schreiben?" warf Harry's Pate in die Runde ein.
„Dad hat uns sehr genau erklärt, dass wir das unter keinen Umständen dürfen oder überhaupt Gelegenheit dazu haben werden," sagte das Mädchen.
„Oder Byen sucht Prongs einfach im Schlaf auf."
„James ist nicht tot," gluckste der rothaarige Junge belustigt auf Sirius' Vorschlag.
„Hör auf dich über mich lustig zu machen, Sirius," sagte die junge Byen schmollend. „Außerdem such nicht ich die Toten auf. Die Toten suchen mich im Traum auf!"
Das Bild verschwand und Harry starrte die erloschene Kerze an. Er wandte sich zur Seite und sah White's verschlossenen Blick.
„Du musst deine Neugierde zügeln," sagte White ernst. Harry schluckte hart.
„Entschuldigung," sagte er nur kurz. White brachte die Kerze wieder zum brennen und erneut verschwamm nach etwas Zeit das Bild vor seinem geistigen Auge. Wieder erschien die ganze Bande auf den beiden Bäumen.
„Ja ja," winkte Sirius sofort ab, tauschte jedoch ein breites Grinsen mit dem rothaarigen Jungen aus.
„Ach komm schon, James!" Der rothaarige Junge hatte ihm mit der Hand auf der Schulter freundschaftlich geschüttelt.
„Byen und Ich finden bestimmt einen Weg. Wir mobsen uns einfach ein paar Eulen und schicken sie dir geheim. Ich mein, wie soll Zynohp das schon verhindern?!"
James warf dem Jungen einen dämlichen Blick zu.
„Oder wir bringen Dad dazu uns einen Portschlüssel hier her aufzubauen? Hey! Das ist doch die Idee!"
„Was?" fragte James pessimistisch.
„Portschlüssel! Zynohp, mein Dad und dein Dad sind doch die besten Freunde?! Wir kriegen die bestimmt dazu einen Portschlüssel aufzubauen. Mein Dad tanze ich auf der Nase herum seitdem ich denken kann. Der macht das bestimmt!"
„Yearn?" sagte Byen mit rügendem Blick und der bis dahin sehr aufgeweckte, rothaarige Junge wandte sich ihr zu und verlor schlagartig den Optimismus aus seinem Ausdruck. „Oh, komm schon!"
„Hör auf James' Hoffnungen zu machen. Du kennst unsere Dads. Erik mag das befürworten aber mein Dad und James' Dad wohl kaum und Erik tut das, was die beiden von ihm wollen."
James hatte die Schultern wieder hängen lassen.
„Dann eben Mum!" sagte Yearn erneut.
„Ich unterbreche das hier nur sehr ungern," fuhr eine neue, Harry unbekannte Stimme dazwischen und er sah nun eine viel ältere, sehr freundlich aussehende, blonde Frau unter den Freunden auf dem Rasen stehen, welche sich James und Yearn zugewandt hatte.
„Mum!" sagte Yearn heiter.
Wieder war es dunkel und wieder erkannte Harry die erloschene Kerze. Diesmal aber stöhnte er aus Versehen genervt auf.
„Ich hab nichts gefühlt," blaffte er ungeduldig.
„Du warst ungeduldig," merkte Professor White jedoch an, woraufhin Harry nun förmlich in die Luft ging.
„Ich war nicht ungeduldig! Wenn man wissen will, was passiert, ist man nicht ungeduldig! Ich bin neugierig!"
„Dann sei nicht neugierig."
Er schnaubte verärgert.
„Harry, du musst -"
Aber was er nun musste erfuhr er nicht mehr, denn etwas Helles hatte sie unterbrochen. Er sah ein Patronus in der Gestalt eines Luchs durch das Fenster hereinspringen und es blieb vor ihnen beiden stehen. Der Raum wurde dann mit der Stimme von Kingsley Shacklebolt erfüllt, was Harry mittlerweile gut wiedererkannte.
„Anna, wir brauchen Hilfe. Jimá und Brian sind verschwunden."
Der Patronus löste sich wieder in Luft auf und es wurde stockdunkel.
„Was -" hatte Harry angesetzt, aber White war bereits aufgsprungen.
„Die Stunde ist für heute beendet."
„Aber -"
„Harry, kehre zurück in deinen Gemeinschaftsraum. Ich muss weg."
„Aber -"
White war bereits hinausgestürmt, aber Harry eilte dennoch hinter ihr her.
„Jimá und Brian sind verschwunden! Was heißt das?" rief er und hielt nun mit ihr Schritt während sie durch den Gang lief.
„Harry! Geh zurück in den Gemeinschaftsraum."
„Ich kann doch nicht einfach zurück und nichts tun, wenn ich weiß, dass meine Schwester in Gefahr ist!"
Sie kamen vor dem Wasserspeier zum stehen, wo White sich ihm mit entschlossenem Ausdruck zuwandte.
„Harry, du musst zurück in den Gemeinschaftsraum. Ich verspreche dir, Jimá passiert nichts, aber ich kann nur etwas tun, wenn ich weiß, dass du das tust, was ich von dir verlange. Im Moment ist es hier bleiben, wo du in Sicherheit bist."
„Ich bin am Samstag angegriffen worden. Hier. Das nenn ich kaum in Sicherheit. Nehmen sie mich mit! Ich kann helfen. Sie sagten neulich Abend, ich wäre nun erwachsen und könne selber entscheiden, was ich tragen kann und was nicht. Das jetzt ist auch meine Entscheidung und ich will mitkommen und helfen."
White zögerte zu Harry's Überraschung, denn er hatte erwartet, dass sie sich immer noch vehement dagegen sträuben würde.
„Okay," sagte sie dann jedoch und Harry fiel ohne es zu wollen die Kinnlade hinab.
„Danke," sagte er leicht benommen und folgte ihr schließlich rauf in ihr Büro. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihn tatsächlich mitnehmen würde und jetzt, wo sie das tat, irritierte ihn das noch mal um ein vielfaches mehr. Gut, das konnte ihm nur recht sein, denn schließlich war dies genau das, was er wollte. Endlich mitten im Geschehen sein und nicht mehr außen vor gelassen zu werden. Sie war kurz danach zu ihm zurückgekehrt und nickte Richtung Fawkes Stange.
„Professor White?" begann er irritiert, hatte er doch eher erwartet, dass sie zum Kamin rüber gingen, doch stattdessen zog sie den Zauberstab. Er hatte keine Zeit mehr seinen Freunden Bescheid zu geben und wollte es auch nicht riskieren White kurz allein zu lassen, um sie aufsuchen zu dürfen. Er hatte durchaus Bedenken mit ihr mitzugehen, zudem dies auch eine Falle von ihr hätte sein können. Andererseits kam der Hilferuf von Kingsley und ihm vertraute Harry. „Würde es ihnen etwas ausmachen mir zu sagen, was der Auftrag von Jimá und Brian war?"
Sie hatte ohne den Zauberspruch aufzusagen einen Patronus erzeugt, welcher durch die Mauern hindurch hinfort rannte. Es war ein großer Hund in einer für Harry sehr vertrauten Form. Es erinnerte ihn an Sirius' Animagus Gestalt.
„Professor -"
„Ja," fiel sie ihm jedoch brüsk ins Wort. „Es macht mir etwas aus. Harry, entweder du kommst jetzt mit oder du bleibst hier. Wenn du mitkommst, so verlange ich von dir, dass du auf dich aufpasst und meine Befehle befolgst. Solltest du auch nur einen meiner Befehle missachten, werde ich nicht nur dich nicht mehr unterrichten. Ich werde den Orden des Phönix auflösen und alle dazu auffordern sich ab nun an zu verstecken. Hast du mich verstanden?!"
„Ja!" sagte er verärgert, dass sie schon wieder mit Drohungen begann. White starrte ihn durchdringend an und Harry wäre fast ungeduldig WAS DENN herausgeplatzt, aber da hatte sie sich bereits stöhnend abgewandt und er sah überrascht, dass sie die Augen rollte. Er war sich nicht sicher, ob er sich nicht verhört hatte, aber falls dies nicht der Fall war, dann murmelte sie tatsächlich: „Ich schwöre, ich hau sofort wieder ab, wenn dein Sohn mir wie du unnötige Arbeit macht, du toter Penner."
Sie deutete auf einen Schal, der ihm auch erst jetzt auffiel. Er hing am Geländer hinter Fawkes Stange. Natürlich, dachte Harry, das musste ein Portschlüssel sein. Beide berührten den Schal zur selben Zeit und in der Tat erfasste ihn das vertraute Ziehen seines Körpers.
