Nächstes =)


Review:

Mannequin: Huhu =)

Kuhl =) Ich freu mich jedes Mal über Reviews, weil es zumindest für mich eine Art Belohnung ist. Weiß nicht, wie andere das empfinden, aber ich mags zu wissen, dass meine FF's gern gelesen werden. Ich setz mal gern dazu, weil ich zumindest lese nichts, was ich nicht lesen will XD

(Allerdings schreibe ich auch nichts, was ich nicht selbst lesen will Öö Und das ist glaub ich wiederum nicht so gut. Gewisse Charaktere gehören ja dazu und sollten schon eingebunden werden.)

Ich wollte mir auch ein neues Auto zulegen, aber ich arbeite ja noch nicht und konnte es mir daher auch nicht leisten. War ja eigentlich anders geplant, aber nun bin ich doch etwas spät dran und muss halt noch mal guggen. Muss das ein oder andere gemacht werden, aber die Werkstatt meinte wohl, dass das in 2 Wochen auch noch gemacht werden kann und dann helfen sie mir mit dem TÜV. Ich hab so was irgendwie lieber sofort weg, aber versteh auch, dass die gerade jetzt wahnsinnig viel um die Ohren haben, weil jeder sein Auto Wintergerecht machen will.

Schon. Ich versteh ja, dass die Filme mehr Action haben, aber ich hätte mir dennoch gewünscht, dass sie dann lieber 2 Filme draus machen und dafür nichts weglassen. Hätten von mir aus Szenen dazu erfinden können XD Aber gut, das Leben ist ja kein Wunschkonzert ^^

Nope, Narzissa ist nun in dem Zustand, in dem Alice und Frank Longbottom lange Zeit waren. Ich weiß noch nicht, inwiefern ich Malfoy eine Rolle hier geben werde. Er ist halt nicht der typisch gute Charaktere, wie Neville, Ron, Hermine oder Luna, die man leichter in das Geschehen einbinden kann. Er ist aber eben auch für mich kein Todesser. Er ist eher die Art Cord Malfoy. Schon irgendwie schlecht und mit selbstsüchtigen Motiven, aber hat dennoch ein Herz.

Er ist ja nicht der Einzige, der ab nun an ein Auge auf Harry haben wird XD Anna hat ihm einen ganz besonderen Beschützer zur Seite gestellt.

Jaah, das ist so eine Szene, von der ich eben nicht wusste, ob ich sie in CofX einbringe oder hier, weshalb ich damals auch gesagt hatte, dass ich nicht weiß, wie ich CofX beende. Ich glaub, das letzte Kapitel in CofX wäre mit Lilli und James' Tod, Anna's Kuss des Dementors und Sirius' schließlich in Askaban ein seeeeeeehr hartes Kapitel für eine mir sehr am Herzen liegende FF gewesen. BtF hatte am Ende ja dennoch irgendwie eine schöne Szene, weil Sirius seine Freunde und Anna wieder sah. CofX wäre richtig düster damit und ich glaub, ich hätte dann auch keinen richtigen Kopf um die HP FF zu schreiben, weil ich mich nur beeilt hätte, um ihnen endlich ein Happy End zu geben.

Yap, das war Kaylar.

Tadaaaa =)

Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßle


Chapter 15 – The dead and the living

Harry kam an einem ihm unbekannten Ort heraus. Er sah sich um, doch alles was er wahrnahm schien nicht das zu sein, für das er es hielt. In einem Moment waren es Gesteine von Felsen, bedeckt mit Moos, beim genaueren hinsehen wirkte es schon eher wie ein Busch mit nur sehr wenigen Ästen. Hatte er nur das Gefühl oder verschwamm die Sicht tatsächlich hin und wieder vor seinen Augen?

„Du warst noch nie hier in Iargrove, nehm ich an?"

White stand direkt neben ihm.

„Nein, was ist Iargrove genau?"

„Ein sehr großes Gebiet, was nur magische Wesen betreten können. Hier gibt es Festungen, eingenommen von Voldemort und seinen Anhängern, versteckte Dörfer, bewohnt von Zauberern und Hexen, Gewässer und Flüsse, Berge, Höhlen. Nur keine Schule," endete sie mit dem Anflug eines milden Lächelns.

„Anna!" rief Kingsley Shacklebolt laut und Harry sah ihn von der Seite auf sie zueilen. „Ein Glück! Ich hatte schon Angst, du hättest meine Nachricht nicht bekommen. Wir – Hey, was macht Harry hier?"

Der Auror hatte White irritiert angesehen.

„Mir Arbeit machen und den letzten Nerv rauben, ganz wie sein Dad," entgegnete White augenrollend, während Harry entrüstet schmollte.

„Und sein Patenonkel," fügte Kingsley glucksend hinzu.

„Egal, sag mir was passiert ist," sagte White ohne auf den Witz des Freundes einzugehen.

„Wirklich?" fragte er und warf einen eindeutigen Seitenblick zu Harry. Dieser wollte sich gerade darüber aufregen, dass er kein Kind mehr war und sie ihn endlich wie einen Erwachsenen behandeln sollten, da hatte White jedoch bereits gesprochen.

„Ja, Harry wird mitmachen, also soll er auch alle Einzelheiten kennen. Ist ja nicht so, als ob du alles kennst."

Harry runzelte die Stirn, aber Kingsley grinste über White's Kommentar, während er selber s irgendwie so gar nicht witzig, sondern eher überheblich fand.

„Okay," sagte er schließlich und begann zu erzählen, während die beiden ihm einen Pfad entlang folgten. Harry fiel es schwer sich zu entscheiden, was er nun eher machen sollte. Dem Auror zuhören oder die Gegend im Auge behalten, denn ihm kam hier alles unheimlich und gefährlich fremd vor und es fiel ihm schwer sich wirklich auf Kingsley's Worte zu konzentrieren, wenn es stets merkwürdige Geräusche im Hintergrund gab. Er hatte das Gefühl als ob sich darunter ein Flüstern mischte, was er mit dem Schleier in der Mysteriumsabteilung verband, hinter dem Sirius verschwunden und gestorben war.

„Wir haben uns in Gruppen aufgeteilt, um die Gegend wie vereinbart nach den Relikten zu durchsuchen. Mad-Eye leitete die eine Gruppe und hat in der Tat eines gefunden. Ich hab die andere Gruppe geleitet. Wir hatten eine Spur, ein Zauber hat angeschlagen. Jimá und Brian sollten zurück bleiben, während ich mir das mit Bill und Fleur genauer ansehe. War jedoch ein Fehlschlag. Da war nichts und als wir zurückkamen, waren die beiden verschwunden, allerdings befand sich Blut an der Stelle, wo sie gewesen waren. Brian's Blut. Die Ortungszauber schlagen zwar an, wie du gesagt hast, aber an dieser Stelle befindet sich absolut nichts. Wir haben alle Zauber versucht, die wir kennen. Nichts."

Sie bogen vom Pfad ab und quetschen sich zwischen zwei Felswänden hindurch. Die Äste gingen zurück ohne dass jemand von ihnen sie zur Seite schieben musste und Harry sah nun in welchem Ausmaß der Auftrag stattgefunden hatte, denn so viele Mitglieder hatte er höchstens mal im Grimmauldplatz Nr 12 in einem Haufen zusammen gesehen. Arthur und Charlie Weasley, Mad-Eye Moody, Dädalus Diggle, Fleur und Bill, und noch vier Personen, die Harry nicht kannte und sie waren alle auf die kleine Gruppe zugeschritten als sie die drei bemerkten.

„Was macht Harry -" hatte Arthur überrascht angesetzt aber Kingsley schüttelte eindringlich den Kopf, so dass der Zauberer direkt abbrach und ihn irritiert ansah. „Hö?"

„Mad-Eye?" sagte White stattdessen und hatte beide auffällig ignoriert. „Zeig mir bitte das Relikt, dass du gefunden hast."

Moody nahm eine Glaskugel mit grünlichem, dampfenden Rauch darin aus seiner Tasche.

„Was ist das?" fragte Harry verwirrt.

„Ein Relikt," antwortete White sehr zu Harry's Missfallen und er sah dämlich auf. Sie steckte es ein und wandte sich ihn ignorierend direkt den anderen zu.

„Ich kümmere mich um Brian und Jimá. Ihr sucht bitte weiter. Es fehlen noch die restlichen Relikte und wir haben nicht genug Zeit."

„Was ist mit Harry?" fragte Arthur Weasley und hatte White ernst angesehen.

„Er bleibt bei mir. Ich verspreche, ich kümmere mich um seine Sicherheit."

„Na gut," entgegnete er, sah jedoch aus, als ob er dies gegen besseren Wissens tat. Alle außer Kingsley hatten die Gegend verlassen, während er Anna und Harry zu der Stelle führte, wo der Ortungszauber Jimá und Brian ausgemacht hatte. Dabei gingen sie an einer Blutlache vorbei und Harry zuckte unwillkürlich zusammen. Er wusste, dass dies Brian's Blut war und mit einem Schlag schoss seine Sorge um Jimá ins unermessliche.

White nahm ihren Zauberstab heraus und führte einige Zauber aus. Harry sah, dass sie die Lippen bewegte, aber ein Ton war ihnen nicht entfahren. Er blickte zu Kingsley rüber, aber dessen Aufmerksamkeit blieb streng an White hängen. Als der letzte Zauber ein Riss in den Felsen hervorrief, drehte sich White mit kritischem Blick wieder zu dem Auror um.

„Es tut mir leid," sagte Kingsley direkt. „Ich hätte besser auf die beiden aufpassen sollen."

„Ist nicht deine Schuld," entgegnete sie ihm jedoch ehrlich, was das schlechte Gewissen in dem Freund offenbar nicht milderte. Er sah nach wie vor aus als ob er sich erklären wollte.

„Wir wissen alle worauf wir uns hier einlassen. Okay, Harry -"

„Ich gehe nicht zurück!" sagte er entschieden, bevor sie überhaupt ausreden konnte. White sah ihn sstreng an, doch Kingsley hatte dann das Wort ergriffen.

„Harry, es ist besser, wenn du wieder zurückgehst. Du solltest gar nicht hier sein, wo Gefahr an allen Ecken lauert. Du kennst Iargrove doch meines Wissens nach gar nicht."

„Na und! Es gibt für alles ein erstes Mal und ich werde nicht ohne Jimá gehen."

„Ich glaube nicht, dass das deine Entscheidung ist."

„Ich sagte ja," erklang es neben den beiden von White, die weder den einen, noch den anderen, sondern in die Leere gestarrt hatte. „Wie sein Vater."

Sie atmete müde durch und wandte sich dann Kingsley zu.

„Sei so nett und gib Remus Bescheid, dass ich länger weg bleibe. McGonagall soll sich um alles kümmern und -" Sie zog eine unzufriedene Grimasse. „Harry bleibt auch etwas länger weg."

„Sicher?" fragte Kingsley überrascht. White nickte jedoch fest.

„Was ist mit Hogwarts? Schaffen es die anderen alleine? Was ist, wenn man genau weiß, dass du weg bist und sie angegriffen werden?"

„Sei unbesorgt. Ich habe Vorkehrungen getroffen, dass sie dort sicher sind. Sie sind nicht alleine. Keiner wird angreifen."

Der Auror sah nach wie vor unzufrieden aus, nickte dann jedoch und verließ die beiden. Harry sah ihm kurz nach, wandte sich dann aber wieder neugierig White zu, welche sehr zu seiner Verwunderung eine sehr dämliche Miene verzogen hatte als hätte man ihr gerade mit der Bratpfanne eins übergezogen.

„Uhm," machte Harry, der wirklich nicht wusste, wie er nun darauf reagieren sollte. Sie schüttelte den Kopf und blickte zu ihm zurück.

„Ich werde mit dir jetzt durch ein Portal hier an ein anderen Ort von Iargrove reisen. Du versprichst nicht wegzulaufen, wenn wir angegriffen werden. Du trägst deinen Zauberstab und wirst dich damit verteidigen. Wenn ich sage, wende einen Fluch an, wendest du den Fluch an."

„Und wenn ich tot umfallen soll, fall ich tot um. Schon kapiert."

„HARRY POTTER!"

„Verzeihung, Professor. Ich meinte natürlich, verstanden."

Sie blieben jedoch stehen und White starrte ihn mehr denn je eindringlich an. Nun wünschte er sich, das eben nicht laut ausgesprochen zu haben, doch manchmal konnte er sich eben nicht halten und sprach bevor er nachdenken konnte. Er atmete tief ein und versuchte so gut es ging ernst auszusehen.

„Ich verspreche es, Professor White. Was immer Sie sagen, ich werde es tun."

„Das ist kein Spiel," wiederholte sie jedoch bestimmt. „Wir sind dabei einen Ort von Iargrove zu betreten, der von dunkler Magie förmlich besessen ist. Wenn ich könnte, würde ich dich hier lassen. Um Jimá und Brian jedoch zurückzuholen brauch ich dich."

„Mich?"

„Gryffindor's Magie. Also noch mal, Harry, tu was ich dir sage."

Er nickte. Innerhalb einer einzigen Sekunde hatte sie mit der einen Hand seinen Arm ergriffen und die andere auf die Felswand an der Stelle des Sprunges gelegt.


Er sah etwas blendendes und schloss reflexartig die Augen. Ein schräges Geräusch ertönte als ob jemand Gläser aneinander geschmettert hätte, doch als er die Augen wieder öffnete, um zu sehen, ob das blendende Licht weg war, fand er sich nicht mehr vor der Felswand. Er sah sich nichts als Dunkelheit entgegen.

„Professor White?" fragte er unsicher. „Professor White?!" Immer noch nichts. Er hob seine Stimme an und wollte lauter nach ihr rufen. „Professor Wh -"

„Ich bin hier," erklang es von nahem und er wusste, dass sie nach wie vor neben ihm stehen musste. Jetzt erst fiel ihm auf, dass sie schwer atmete als ob sie bereits einen ganzen Marathon gelaufen wäre.

„Ist es Absicht, dass wir nichts sehen?"

Harry spürte ihre Hand auf seinem Rücken und auch, dass sie ihn nach vorne schob, so dass er sich von ihr nun leiten lassen musste, wohin sie gingen.

„Ja," antwortete sie kurz. „Dies ist der Pfad der Erinnerung. Je tiefer wir ihn entlang schreiten, um so stärker werden die Emotionen. Die schlechten, wohlgemerkt. Du musst dich kontrollieren, lass es nicht über dich kommen."

Harry antwortete nicht. Er hatte das schon nicht in ihren Unterrichtsstunden gut geschafft, wie sollte er es hier nun tun?!

„Was passiert, wenn ich es nicht kann, Professor?"

„Du wolltest mitkommen."

„Ich mein... sterbe ich hier?"

„Nein."

Ihre Stimme war kalt, direkt monoton und gefühllos und obwohl es ihn nicht ruhiger werden ließ, so versuchte er dennoch gefasst zu bleiben. Was sollte er auch anderes tun als zu vertrauen? Er hatte langsam das Gefühl, dass sie ewig in dieser Dunkelheit voran schritten als das Misstrauen ihr gegenüber größer wurde.

Was, wenn das eine Falle war? Wenn sie ihn mitnahm, nur um ihn hier zu lassen? Weil hier der Übergabeort an Voldemort war? Sie benutzte Jimá und Brian als Lockvogel, weil sie wusste, was er alles für seine Schwester tun würde. Die Erkenntnis lief ihm eiskalt den Rücken herunter. Sie war eine Meisterin der Manipulation. Remus, Kingsley, Arthur Weasley, Moody, Hagrid, keiner hatte Bedenken ihr gegenüber. Selbst McGonagall traute ihr. Selbst Hermine, Ron und Ginny glaubten an ihre guten Absichten. Wie würden sie reagieren, wenn sie nun herausfanden, dass sie unrecht hatten? Wenn er hier nun starb? Oder wenn sie ihn an Voldemort übergab, würde ihn irgendjemand noch helfen können? Wie konnte er sich nur so aufhalten lassen? Er hatte doch genau gewusst, was er zu tun hatte und doch ließ er sich in diesen Unsinn hineinziehen, der ihm nichts als Zeit und nun sogar das Leben kostete!

„Harry."

„Professor?"

„Was ist der schönste Gedanke für dich?"

„Uhm." Wieso fragte sie ihn das jetzt?! Sollte er ehrlich antworten? Er hatte viele schöne Gedanken und keins davon überwog das andere.

„Nimm dir einen und denke daran. Immer und immer wieder. Ruf es dir in die Erinnerung und klammere dich daran fest und nur daran."

„Ja, Professor," sagte er leise. Er dachte an Ginny, an jede ihrer Berührungen, die ihn stets alles vergessen ließen. Jedes Mal, wenn sie zusammen waren, überkam ihm ein wohlig, warmes Gefühl.

„Du gehst mit meiner Tochter?!" Und plötzlich sah er Arthur Weasley mit einem so gar nicht mehr freundlichem Gesicht, sondern erbost und enttäuscht und feuerrot vor Wut.

„Meine kleine Ginny?!" mischte sich nun auch Molly Weasley's Stimme mit dazu und auch sie stand mit richtig enttäuschtem und bestürztem Blick neben ihrem Mann. Ihm überkam erneut ein eisiges Gefühl, dass sein Herz einfror.

„Nicht," sagte Professor White's Stimme und es klang endlich nicht mehr kalt und gefühllos. Es war zwar bestimmend, aber eher als ob sie ihm helfen wollte, statt zu ermahnen. „Nur das Gute. Ignoriere die Angst. Nimm nur das schöne Gefühl. Die Wärme, das, was dich zum lächeln bringt. Denk an die Liebe deiner Eltern, den Stolz in ihren Augen, die Stärke, die sie hatten und an dich weitergaben."

Harry zwang sich Ginny's Eltern zu verdrängen und stattdessen sah er nun seine eigenen Eltern vor sich. Die 21jährigen James und Lilli, die ihn anstrahlten. Seine 20jährige Schwester, die ihn so liebevoll in ihre Arme nahm, Ginny, die sich erneut an ihn kuschelte, weil sie seine Nähe genauso genoss, wie er ihre.

Wieder blendete ihn etwas helles und erneut erklang das Geräusch von zerschmettertem Glas. Als er jetzt jedoch die Augen öffnete, war die Dunkelheit weg und er stand vor einer weiten und großen Gebirgskette. Verwirrt drehte er sich zur Seite und fand White direkt hinter ihm stehen.

„Die beiden sind nicht hier," sagte sie angespannt. „Wir werden länger brauchen, um zu ihnen zu gelangen."

„Professor White? Ist das hier immer noch Iargrove?"

„Ja," antwortete sie kurz und schritt mit gezogenem Zauberstab voran. Harry zögerte nicht ihr hinterher zu eilen.

„Und wohin gehen wir jetzt?"

Er konnte ihr nicht einfach still und leise folgen ohne zu wissen auf was er sich einstellen sollte.

Iargrove ist ein Ort der Neutralität. Es bevorzugt weder das Gute, noch das Böse. Weder diejenigen, die es einnehmen wollen, noch diejenigen, die dabei sind es wieder zu verlassen. Verhältst du dich neutral, wird es dir erlauben es lebendig wieder zu verlassen. Nimmst du eine Seite ein, wird es dich hier für immer gefangen halten – Es sei denn, du bist stark genug, um zu entkommen."

„Err – Ich versteh nicht. Sagten sie vorhin nicht, wir betreten einen Ort der von dunkler Magie besessen ist?"

„Schließt das eine denn das andere aus? Ich denke nicht. Ich hätte dich nicht mitgenommen, wenn du nicht die Magie Gryffindor's bereits besitzen würdest."

„Ich dachte, ich kann damit noch nicht umgehen?!"

„Und dennoch fließt sie durch deine Adern."

Sie gingen einen sehr steilen Abhang entlang und Harry musste immer wieder aufpassen nicht auszurutschen und aus Versehen auf die Professorin zu knallen. Das wäre ihm schon einige Male fast passiert, hätte er sich nicht zufällig noch rechtzeitig an einem Ast oder Felsvorsprung festhalten können. White dagegen rutschte kein einziges Mal aus und hatte auch keine Mühe ihre Balance bei dem unebenen Weg zu halten. Harry kam sich fast blöd vor, dass er solche Probleme mit dem Weg hatte. Sie kamen vor einer Schlucht zum stehen und er erkannte, dass es hier nur steil bergab in ein Fluss hinein ging.

„Professor?" fragte er vorsichtig, da sie kritisch hinab starrte und ihm das Unbehagen bereitete.

„Wieso seid ihr zwei so weit rein," hörte er sie murmeln und hatte dies offenbar nicht ihn, sondern sich selbst gefragt.

„Professor?"

„Wir müssen runter springen."

„Da runter?" fragte Harry und verzog ungläubig eine Grimasse. Das war doch lebensmüde, so tief wie es hier ging. Dass sie sich was brechen war so gut wie garantiert.

„Es könnte sein, dass wir getrennt werden," sagte White und ignorierte seinen irren Ausdruck. „Iargrove Heart ist unberechenbar und ich kann keinen Zauber anwenden, um etwas derartiges zu verhindern."

„Sie wollen nicht wirklich da hinab springen?"

„Willst du Jimá und Brian wieder finden?"

„Natürlich, aber – Wer sagt, dass sie da überhaupt entlang sind?"

„Wenn du sie finden und zurück bringen willst, dann musst du springen."

„Professor -"

„Ich weiß nicht, warum sie diesen Weg hätten gehen sollen. Vielleicht weil die Gegend es so wollte. Harry, für alles, was im Leben passiert, gibt es einen Grund. Es mag uns nicht immer passen, wir mögen es nicht für fair halten, aber es hätte immer schlimmer kommen können. Nur das wird einem nie bewusst, wenn man nicht genau hinsieht.

Wenn du klug bist, akzeptierst du es mit diesem Wissen. Denn wenn du stets dem hinterher jagst, was du nicht haben kannst und das betrauerst, was dir genommen wurde, wirst du ewig auf der Stelle stehen bleiben und das versäumen, was du hättest haben können.

Die Magie wollte, dass Brian und Jimá hier herein finden und es hat sie tiefer in diese verzauberte Gegend geschickt. Ich werde springen und du ebenfalls. Vergiss nicht, was du versprochen hast.

Wenn wir getrennt werden, so weiß ich, wirst du deinen Weg finden. Was immer dir auch begegnet, was immer du auch sehen magst, soll dann auch nur für dich bestimmt sein. Wie das, was ich sehe, nur für mich bestimmt ist.

An einem Punkt, werden wir uns wieder begegnen."

Harry sah sie verängstigt an. Das war tatsächlich ihr ernst. Es war nicht so, dass er Furcht hatte... oder doch? Er schluckte hart, zuckte dann jedoch verwundert auf als er ihr sanftes Lächeln sah. Sie drückte ihm am Arm, eine Geste, die er von ihr so noch nie bekommen hatte und auch nicht zu der Person passte, die sie für ihn darstellte.

„Du wirst hier nicht sterben und nicht für immer verloren sein. Ich habe den anderen versprochen, dich wieder zurückzubringen und dass du sicher bei mir ist. Ich halte meine Versprechen. Immer."

Und ohne dass er etwas erwidern konnte sprang sie von der Kante in den Fluss hinab. Harry sah entsetzt, wie sie in das glitzernde, klare Wasser eintauchte und selbst nach einer ganzen Weile nicht mehr an die Oberfläche aufgetaucht kam. Er schluckte erneut hart, stemmte seine Hände zu Fäusten und sprang mit geschlossenen Augen nach.


Warm. Harry tauchte in warmes, sehr angenehmes Wasser ein. Als er seine Augen öffnete, sah er weit und breit nichts als kristallklares Wasser ums ich herum. Er versuchte nach oben zu schwimmen und spürte, dass er unversehrt war. Seltsam, er hatte nicht das Gefühl als ob er vom Fleck kam, genauso wenig aber schien ihm der Sauerstoff auszugehen. Er sah zu beiden Seiten, aber es war weit und breit nichts als Wasser um ihn herum. Von White fehlte jede Spur.

Er sah eine Hand über ihn ganz in der Nähe, die nach ihm reichte und schwamm zielstrebig auf sie zu. Mit einem Mal hatte er sie ergriffen und spürte einen starken Zug nach oben. Pitschnass und frierend fand er sich nun an einem Ufer wieder und schnappte heftig nach Luft. Er hustete, keuchte, sein Herz raste nach dem plötzlichen verlassen des Flusses.

Harry sah auf, um zu sehen, wer ihm geholfen hatte und in der Erwartung White zu sehen, war er überrascht in die Augen einer jungen, brünetten Frau zu blicken. Sie hatte ihn freundlich angelächelt und ihm ein seidenes Tuch gereicht.

„Dir wird es wärmer, wenn du das Wasser abtrocknest," sagte sie fürsorglich.

„D-Danke," stotterte Harry, nahm das Tuch und tatsächlich saugte es jeden Tropfen von seiner Kleidung auf und das Zittern stoppte. „Danke," wiederholte er und reichte ihr das Tuch zurück. Erstaunt bemerkte er, dass es komplett trocken war, obwohl es eigentlich mit Wasser vollgesogen sein sollte.

„Wo bin ich hier?"

Iargrove Heart," antwortete die junge Hexe, die vom Alter seiner Meinung nach wohl im Bereich von Jimá und Brian sein sollte. „Oder mehr, im Inneren von Iargrove Heart. Mein Name ist Diana. Ich bin eine Phowlyris."

Harry zuckte bei dem letzten Wort zusammen. Hatten sie nicht gerade erst gelernt, dass Phowlyris an Voldemort's Seite kämpften?! Er wollte sich vorstellen, doch eine Stimme in sich rief ihn zur Vorsicht auf und so blieb er erstarrt vor ihr stehen.

„Ich weiß wer du bist, auch ohne, dass du dich vorstellst," sagte sie leise und wieder zuckte er zusammen. „Nicht an deiner Narbe, die sehr wohl in aller Welt bekannt ist. Wie geht es Remus?"

„Remus?" wiederholte Harry überrascht. „Remus Lupin?"

Die Frau nickte lächelnd.

„Ist er noch am Leben? Geht es ihm gut?"

Harry nickte vorsichtig.

„Ja, sehr gut. Er ist verheiratet und wird bald Vater."

Er zuckte irritiert zurück als sich Tränen in den Augenwinkel der Frau bildeten und ihre Wange herabkullerten.

„Ich – Entschuldige. Hab ich etwas falsches gesagt?"

„Nein, nein," sagte sie beruhigend und wischte sich die Tränen wieder weg.

„Nein, hast du nicht. Also ist er glücklich..."

„Ja, ist er."

„Gut," sagte sie, doch irgendwie hatte er das Gefühl als ob sie eigentlich etwas ganz anderes sagen wollte.

„Woher kennen Sie ihn?"

„Von früher," antwortete sie schlicht, dann aber schritt sie zur Seite. „Folge mir. Du bist bestimmt nicht gekommen, um hier zu verweilen."

„Nein, haben sie Professor White gesehen?"

„Hm?" machte sie irritiert.

„Professor White? Eine weiß haarige, ältere Hexe? Trug einen weißen Umhang. Wir sind vom Fluss getrennt worden."

„Anna ist hier?" fragte sie verblüfft, aber Harry wunderte es eher, dass sie sie beim Vornamen nannte.

„Kennen Sie sie?"

„Von früher," sagte sie erneut. „Sie sucht bestimmt ihn."

„Wir suchen ihn und sie," sagte Harry, doch die Frau sah ihn verwundert an. „Uhm, Brian und Jimá. Freunde von uns. Jimá ist meine Schwester."

„Jimá?" sagte sie irritiert. „Jilli?"

„Sie kennen meine Schwester?!"

„Von -"

„Früher, schon klar," sagte er ungeduldig. „Wo ist sie? Haben Sie sie gesehen?" Offenbar gehörte auch diese Frau zu der Vergangenheit, über die er null Bescheid wusste.

„Nein," antwortete Diana jedoch und er ließ enttäuscht die Schulter hängen.

„Dieser Ort hier, Harry, ist sehr mysteriös. Er erfüllt seinen Zweck auf eigene Weise. Selbst wenn einer von ihnen hier vorbeigekommen ist oder noch immer hier ist, kann es sein, dass ich ihnen nie begegnen werde. Das tue ich nur, wenn die Magie das auch hervor sieht."

„Und wieso sollte die Magie das nicht hervor sehen?"

„Wir wissen nicht, warum sie tut, was sie tut. Aber wir folgen ihr dennoch."

Harry blickte sie verdutzt an, doch die Frau schritt los und er hatte keine andere Wahl als zu folgen, wenn auch misstrauisch und mit äußerster Vorsicht. Sie geleitete ihn bis zum Beginn eines Pfads, der in einen Wald hinein zu führen schien.

„Das ist der Weg, den du gehen solltest. Ich werde dich nicht begleiten."

Er nickte und musterte den Weg skeptisch. Es gab ohnehin keine andere Wahl, als ihn zu beschreiten. Stehen bleiben war schließlich kaum eine Option.

„Harry?"

Er drehte sich zur Seite, als die Phowlyris ihn ansprach.

„Sag Remus nichts von mir."

Diese Bitte hatte ihn überrumpelt. Nicht, dass er überhaupt daran gedacht hätte dem Freund irgendetwas davon zu erzählen, doch er hatte auch nie die Absicht gehabt, etwas davon absichtlich zu verschweigen. Es gab für ihn einfach bisher nur kein Sinn dieses Treffen überhaupt zu erwähnen.

„Es wird ihn nur traurig machen. Wenn er nun sein Glück gefunden hat, dann freue ich mich für ihn. Wir haben uns vor langer Zeit verabschiedet. Es ist besser, wenn es dabei bleibt."

Harry nickte nachdenklich.

„Danke, noch mal," sagte er leise. Diana nickte mit einem zarten Lächeln. Dann drehte sie sich um und war in der nächsten Sekunde verschwunden. Sie verblasste nicht, Es war mehr als ob sie durch eine unsichtbare Tür geschritten wäre. Harry schüttelte sich den Kopf frei, wandte sich dann aber zurück zum Wald und betrat den Pfad.

Obgleich er nicht wusste, womit er zu rechnen hatte, hielt er seine Hand griffbereit am Zauberstab, doch als längere Zeit nichts außer Bäume und Sträucher kamen, begann er seine Schritte zu beschleunigen und lief den Pfad nun entlang, um endlich an das Ende zu kommen.

Er kam abrupt zum Halt, als er ein lauten Aufschrei vernahm. Augenblicklich hatte er seinen Zauberstab gezogen, zielte nach rechts, doch es befand sich nichts als Wald in der Richtung. Etwas raschelte hinter seinem Rücken und er zielte rüber, immer noch nichts. Wieder rascheln, diesmal an der Seite. Er zielte, aber nichts befand sich da. Wieder ein Schreien und Harry rannte nach links von wo aus er die Stimme hörte. Er rannte und rannte, stets bereit einen Fluch loszulassen, er durchquerte weitere Bäume und wurde langsamer. Wieder drehte er sich in alle Richtungen. Wieso sah hier alles nur gleich aus? Es war gut möglich, dass er die ganze Zeit im Kreis gelaufen war.

Wieder ein Rascheln in der Nähe, er dreht sich mit gezogenem Zauberstab um und fand sich Auge in Auge mit einem weiteren Zauberstab.

„Harry!" sagte Jimá entsetzt und hatte ihren Zauberstab sofort gesenkt. Auch Harry senkte seine Hand und starrte sie halb erleichtert, halb panisch an.

„Jimá?" keuchte er nach Luft schnappend. „Bist du's wirklich?"

Statt zu antworten, riss sie ihn an sich und umarmte ihn so fest sie konnte.

„Bitte," hörte er ihre gebrochene Stimme. „Bitte sag, dass du nicht alleine bist. Brian ist verletzt. Ich kann die Blutung nicht stoppen."

Sie hatte ihn wieder losgelassen und beide rannten mehr oder weniger zur Seite.

„Professor White ist auch hier, aber wir haben uns aus den Augen verloren als wir in den Fluss sprangen."

Er blieb wie angewurzelt auf dem Fleck stehen als sie an den Platz kamen, wo Brian lag. Er war leichenblass, sein rechtes Bein trug eine mit Blut vollgesogene Bandage, er atmete ruckartig und war nur zu einem schiefen Grinsen im Stande, als er Harry sah.

„Ah, kein Todesser. Nur Harry."

Die beiden knieten sich zu dem Freund nieder und Jimá sah sich erneut die Wunde an.

„Anna ist auch hier, wir wissen nicht wo. Harry und sie wurden getrennt als sie in den Fluss sprangen."

Sie hatte einen Zauber angewandt -

„OOOOOOOOOOOOOW!"

Sehr zu Brian's Missfallen offensichtlich, wie Harry feststellte, denn obwohl der Freund die Zähne zusammenbiss, konnte er den Schrei nicht unterdrücken.

„Tut mir leid," sagte Jimá panisch. „Ich bin nicht gut in diesen Heilzaubern."

„Das ist eine Untertreibung des Jahrhunderts!" knirschte er mit schmerzhafter Miene. „Du bist erschreckend miserabel ist passender!"

„Hey!" Sie schlug ihm beleidigt gegen die Schulter, was ihn mühelos zur Seite schmiss. „Das ist dein Zauber. Ich wende ihn doch nur an."

„Was ist passiert?" fragte Harry, damit seine Schwester Brian nicht noch mal verärgert malträtieren konnte.

„Err -" stöhnte Brian und versuchte krampfhaft eine Position zu finden, die ihm kein schmerzvolles Ziehen verursachte

„Wir wurden angegriffen – Ich glaub, das war Lestranges und ein paar andere. Ich wurde getroffen, dann war da plötzlich das helle Licht, Glas wurde zerschmettert irgendwo und dann waren wir hier. Irgendwo im Nirgendwo."

„Wir sind eine Weile gelaufen," erzählte Jimá.

„Du bist gelaufen. Ich bin gehumpelt und von dir brutal mitgezogen worden," schmollte Brian, sein Grinsen verriet jedoch, dass er sie nur aufziehen wollte.

„Aber irgendwie findet sich kein Ausgang," fuhr Harry's Schwester fort ohne Brian's Kommentar beachtet zu haben. „Es ist, als ob wir hier im Kreis herum gehen."

„Und die Todesser?"

„Sind uns bis jetzt nicht wieder begegnet," krächzte Brian, kniff jedoch schmerzhaft die Augen zusammen als er sich kurz bewegte und dies einen weiteren brennenden Schmerz durch seinen Körper jagte. Harry kannte sich mit Heilzaubern erst recht nicht aus und hätte auch keinen anwenden können. Den einzigen den er kannte, reparierte gebrochene Brillen und er bezweifelte, dass man dies auf Wunden anwenden sollte. Er sprang erschrocken auf als er erneutes Flüstern hörte. Jimá hatte sich jedoch nicht gerührt, sondern ihn stattdessen wieder sanft zu sich herunter gezogen.

„Es ist niemand in der Nähe," erklärte sie ruhig. „Das taucht hier immer ab und zu auf ohne, dass es von einer Person kommt."

„Was ist das?" fragte er die beiden, aber es war Brian, der antwortete.

„Verlorene Echos."

„Wie jetzt?"

„Es gibt einige Wissenschaftler, die bewiesen haben, dass wenn jemand auf eine andere Weise als durch den Avada Kedavra Fluch stirbt, kurz vor dem endgültigen Tod letzte Gedanken und Worte in die Welt entsendet, die so stark sind, dass sie als Echo verweilen. Sie werden von hier wohl besonders stark angezogen, weil dieser Ort sie hört und bündelt. Also nichts was einem Sorgen machen müsste."

„Deine Wunde dagegen schon," sagte Jimá mit tief besorgtem Blick auf die Verletzung an Brian's Bein. Harry bemerkte erst jetzt, dass der Verband so vollgesogen war, dass das Blut nun an den Seiten heraustropfte.

„Das wirst du nicht noch länger durchhalten," sagte Harry beklommen. Brian verzog ein schiefes Grinsen.

„Ich bin taff. Ich kann noch ein ganzes Stück blasser werden und noch sehr viel mehr Blut verlieren bis es mich umhaut. Hey, Jimá? Weißte was?"

„Was?" fragte sie fürsorglich.

„Wenn du mir nen Antrag machst, könnten wir direkt heiraten wie meine Eltern?!"

Harry runzelte verwirrt die Stirn, aber ein Blick zu Jimá zeigte, dass sie drauf und dran war Brian erneut in die Schulter zu boxen. Um dem Freund mit dem ewig breiten, amüsierten Schmunzeln zu helfen, blieb ihm nichts anders übrig, als es direkt anzusprechen.

„Deine Eltern haben geheiratet während dein Vater verletzt in einer Einöde war?!"

Brian gluckste und auch Jimá begann amüsiert den Kopf zu schütteln.

„Hätte ich den beiden gar nicht zugetraut. Deine Eltern wirken irgendwie sehr bodenständig."

Die beiden sahen ihn plötzlich verwirrt an, dann aber begriff Brian und grinste breit.

„Ah, nicht meine Eltern. Meine Eltern."

Er brauchte einen Moment, bevor auch ihm ein Licht aufging.

„Ach so," stieß Harry verstehend aus, konfus war er dennoch. „Woher weißt du, dass deine Eltern so geheiratet haben?!"

„Err -"

„Wir sollten keine Zeit verschwenden," fiel Jimá ihm ins Wort. „Er kann nicht hier liegen bleiben. Wenn es einen Ausgang gibt, dann sollten wir ihn schnell finden."

Mit Harry zusammen stemmten sie Brian wieder auf die Beine, schwangen sich jeweils einen Arm um die Schulter und stützten ihn beim weitergehen.

„Ist das etwas, dass ich nicht wissen sollte?" fragte Harry auf dem Weg, denn mittlerweile kannte er beide gut genug, um zu wissen, dass seine Schwester dies mit Absicht unterbrochen hatte und Brian's Verletzung eher zweitrangig war.

„Yap," antworteten beide kurz.

„Und, wenn ich es doch wissen will, werdet ihr mir das dennoch nicht sagen?"

„Yap."

„Sagt ihr mir auch den Grund, warum ich das nicht wissen darf?"

„Nope."

„Darf ich gekränkt sein?"

„Yap."

„Wenigstens das."

„Hey! Wenigstens hat Jimá ihr Versprechen gehalten und ihr seht euch tatsächlich vor Weihnachten wieder," grinste Brian amüsiert. Weder Jimá noch Harry gaben dazu ein Kommentar ab und so humpelten die drei schweigend, wenn auch Brian hier und da ein ächzen nicht unterdrücken konnte, durch den Wald hindurch, hoffend, dass sie endlich an ein Ende kommen würden.

Harry kam es vor wie eine halbe Ewigkeit, die sie in diesem Dickicht herum irrten ohne ein Ausgang zu finden. Brian war schließlich so schwach, dass sie keine andere Wahl hatten als erneut eine Pause einzulegen.

„Harry? Glaubst du, du kannst einen Patronus nach Hilfe schicken?" fragte Brian schwach. Seine Atmung wurde immer unregelmäßiger und er sah mittlerweile fast weiß im Gesicht aus. „Jimá und Ich hatten es schon versucht und sind mittlerweile zu ausgelaugt dafür. Ich hab aber gehört, dass du bereits einen Patronus erzeugen kannst. Schon mal versucht ihn mit einer Nachricht wegzuschicken?"

„Err – nein?"

Brian lächelte müde.

„Erzeuge ihn."

Harry nickte und zog seinen Zauberstab.

Expecto Patronum."

Ein weißes Licht entsprang aus seinem Zauberstab und nahm direkt die klare Form eines großen Hirsch an.

„Nun musst du ruhig bleiben und darfst ihn nicht aus den Augen lassen. Da kein Dementor hier ist, den er zu bekämpfen hat, versteht es, dass es nicht zur Verteidigung gerufen wurde."

Er versuchte Brian's Worte folge zu leisten und ließ den Patronus nicht aus den Augen. Es dauerte nicht lange, da hatte er sich dem Zauberer zugewandt, von dem er gerufen wurde und Brian's Gesicht hellte sich sofort auf.

„Gut, Harry. Sag ihm, dass er Anna White suchen und hier her bringen soll."

„Err – Mit den Gedanken?"

„Sprich es laut aus."

„Such Anna White und bring sie hier her."

Der Patronus bleib einen Moment länger am selben Fleck stehen, dann wandte es sich ab und rannte von ihnen weg in den Wald hinein.

„Das war gar nicht so schwer," bemerkte Harry freudig. Jimá lächelte stolz, aber Brian lachte bellend.

„Dein Patronus ist ja ein Hirsch? Jimà ihrer ist es ebenfalls. Schwester und Bruder. Eindeutig."

Harry grinste auf Brian's Feststellung hin und sah, dass auch Jimá ihn anstrahlte. Wäre ihre Situation nicht so ernst, er hätte es wesentlich mehr genossen. So schwang die Angst und Sorge mit.

„Ich werd noch mal einen Heilzauber versuchen," sagte Jimá sanft. Das dies wieder nicht das Beste war sah man an Brian's hartem Versuch nicht erneut laut los zu schreien.

„Es wird nicht lange halten," flüsterte sie leise.

„Kann ich etwas tun?" fragte Harry, auch wenn er das noch nie probiert hatte, hieß es nicht, dass er es nicht zumindest versuchen würde. Jimá sah Brian sorgenvoll an, aber er hatte bereits begonnen seine Augen vor Erschöpfung zu schließen.

„Ich glaube nicht, dass du mehr tun kannst," sagte sie traurig.

„Ich kann es doch zumindest versuchen?" schlug er sanft vor, doch Brian hatte hart unter großer Anstrengung aufgeatmet.

„Jimá will damit sagen, dass du nicht genug schwarz-magisch bist, um mich heilen zu können."

Harry sah Brian irritiert an, aber ein Blick zu Jimá verriet ihm, wie bedrückt sie tatsächlich war und dass es viel mehr gab, was er nicht wusste.

„Ich bin deswegen nicht bei meinen Eltern aufgewachsen, weil ich ein Kind bin, dass nie hätte geboren werden sollen."

„Brian, hör auf damit," sagte Jimá entschieden. „Du hast zu viel Blut verloren und nur deswegen redest du gerade darauf los."

„Ich rede darauf los, weil es mich womöglich gleich dahin rafft."

„Hey, wie war das noch mit taff und genug Blut?" versuchte es Harry Mutmachend.

„Das war gelogen," hustete Brian mit schmerzverzerrter Miene. „Noch nie den Starken gespielt, um ein Mädchen zu beeindrucken?"

„Brian," sagte Jimá sorgenvoll.

„Jedenfalls," krächzte Brian schließlich weiter. „Meine Mum war schwanger mit mir, bevor sie es überhaupt richtig realisiert hat. Wer weiß, ob sie mich überhaupt gewollt hätte. Das liebe Schicksal hat ihr diese Entscheidung abgenommen und den netten Voldemort geschickt."

Brian hustete erneut. Harry warf Jimá einen fragenden Blick zu, aber sie sah lediglich traurig zurück. Es hieß also, dass Brian hier keine Geschichte erzählte. Es war nichts als die Wahrheit, die er gerade erfuhr.

„Der dachte sich, das hab ich schon mal gemacht. Hab ja Übung darin und war so lustig beim ersten Mal, dass ich's gleich noch mal mach. Bring also ein zweites Mal ein Kind durch schwarze Magie und den Dunklen Künsten zur Welt."

Harry ahnte, dass er zwar nicht genau wusste, was es damit auf sich hatte, es jedoch mit Sicherheit nichts Gutes war, wenn Voldemort seine Finger im Spiel hatte.

„Es ist verboten ein Kind durch schwarze Magie und den Dunklen Künsten auf die Welt zu bringen," erklärte seine Schwester leise. „Es ist als ob du eine Marionette für dich erschaffst, ihr alles Gute nimmst und mit Nichts als Dunkelheit dastehen lässt. Nur sehr schwarz-magische, sehr dunkle Zauberer würden je dieses Verbrechen begehen. Eine Seele ist etwas reines und unschuldiges, schutzlos und auf sein Besitzer angewiesen. Jedes Lebewesen wird damit geboren, bei einer schwarz-magischen Geburt, nimmt man der Seele ihren weiß-magischen Schutz."

Harry wusste nicht, was er fragen sollte, denn er verstand immer noch nicht, was so schlimm dabei war, denn er konnte absolut nichts falsches an Brian feststellen. Für ihn war der Freund vollkommen normal, abgesehen von seiner außergewöhnlichen Intelligenz, aber dies war doch etwas positives, wenn es damit einher ging?

„Du bist aber doch keine Marionette?" sagte er schließlich, um nicht teilnahmslos zu wirken.

„Dank Dumbledore," krächzte Brian leise. Er war sehr schwach und Harry hätte ihn am liebsten darum gebeten zu schweigen, damit er seine Kräfte sparen konnte, doch irgendetwas hielt ihn davon ab. Er hasste den Gedanken, dass er dies vielleicht nur nicht tat, weil seine Neugierde überwiegen könnte.

„Er hat mich ziemlich früh gefunden, mich bei den Tonks untergebracht und so bekam ich Stück für Stück den weiß-magischen Schutz zurück. Ich hab ihm viel zu verdanken."

„Was war mit deinen Eltern? Wieso haben Sie das zugelassen?"

Brian wurde seltsam ruhig und prompt wünschte sich Harry das nicht gefragt zu haben. Die Sorge um den Freund überwog nun und er setzte direkt hinzu: „Sag es nicht. Ich will es gar nicht wissen. Du – Ich versteh nicht, wieso keine Hilfe kommt. Vielleicht schick ich meinen Patronus noch mal los?"

„Das wird euch auch nichts bringen."

Jimá, Brian und Harry hatten sofort die Zauberstäbe gezogen und gegen die Gestalten gerichtet, die aus den Büschen aus ihrer Deckung herausgesprungen waren. Todesser.

„Wir wollen nur das Relikt," sagte einer der Todesser. „Dann verschaffen wir euch einen schmerzlosen Tod."

„Als ob -" krächzte Brian und versuchte sich mühsam aufzuziehen, brach jedoch direkt wieder zusammen, dafür waren Jimá und Harry umso entschlossener nicht einfach kampflos aufzugeben. Einer der maskierten Todesser hatte seinen Blick nun auf Harry gerichtet und obgleich man das Gesicht unter der Maske nicht sah, spürte Harry, wie ihm das Blut in den Adern gefror. Der Todesser hatte etwas vor.

„Wen haben wir denn da," sagte er freudig. „Harry Potter. Was für ein Glückstag und mein Herr dachte, er müsste noch ewig warten. Vergisst das Relikt! Wir haben hier etwas viel wertvolleres."

Die ganze Bande begann grölend dreckig zu lachen. Harry sah zurück zu Jimá und Brian, aber beide wirkten genauso verwirrt wie er. Es passierte binnen einer Sekunde, dass die Todesser sie angriffen. Alle drei hatten versucht sich zu verteidigen, aber ihre Gegner hatten absolut keine Probleme die drei zu entwaffnen. Jimà schrie und trat um sich, als die zwei Todesser Harry von ihnen wegzogen. Brian wollte handeln, doch er bekam einen harten Tritt und fiel verletzt wieder zu Boden.

Harry wurde bäuchlings zu Boden gedrückt und fand seinen Kopf brutal gegen den matschigen Waldboden gedrückt.

„Wo wollte der Meister das haben?" bellte einer der Todesser, die ihn am Boden festhielten.

„Am Arm."

Einer von ihnen riss Harry's rechten Arm zur Seite und krempelte den Ärmel dort hoch.

Jimá schrie noch lauter und Harry sah sie verzweifelt um sich schlagen, egal ob sie gleich ein Fluch treffen und handlungsunfähig machen würde oder ob sie jemand ihrer Angreifer verletzten könnte. Sein Herz gefror zu Eis als er die tiefe, grauenvolle Angst in den Augen seiner Schwester sah. Aus den Augenwinkeln sah er den Todesser, der seinen Zauberstab auf Harry's Oberarm legte. Er hörte seine Worte, seine Stimme und er wusste nun genau, wer dieser Todesser war.

„NEIN!" schrie er so laut er konnte, trat und zuckte mit aller Macht um sich, so dass der Todesser abbrechen musste.

„Haltet ihn gefälligst still," raunzte er die anderen an und Harry spürte einen harten Schlag gegen seinen Rücken. Sie mussten schon halb auf ihm gelegen haben, um ihn ruhig zu halten und wieder packte der Todesser seinen Arm und legte die Spitze des Zauberstabs an.

„Du bist ein elender Feigling! Ein verdammter Mistkerl, Snape!" brüllte Harry mit all dem Zorn und der Wut, die er die ganze Zeit mit sich rum trug und unterdrückt hatte.

Snape erwiderte nichts. Stattdessen sprach er seine Worte erneut und Harry spürte das schmerzhafte, entsetzliche brennen an seinem Arm. Er stemmte seine Hände zu Fäusten, versuchte seinen Arm immer noch aus dem festen Griff seiner Gegner zu befreien, er zog mit aller Kraft, aber das brennen wurde immer schlimmer, heftiger, intensiver.

Sistite!"

Mittlerweile kannte Harry ihre Stimme, hatte sie oft genug gehört, in jeder möglichen Tonlage. Auch dieses Mal war ihr Zauber fest und bestimmend gesprochen. Obwohl er kaum Luft bekam und jeder Faser seines Körpers gerade vor Qual schrie, machte er White aus. Ihr Zauberstab war auf sie alle gerichtet. Er sah die Todesser zeitgleich alle zusammen zu Boden fallen und keiner von ihnen rührte sich mehr. Jimá rannte zu ihm, er hörte ihre Stimme, aber sie klang so weit weg und er konnte nicht genau hören, was sie sagte. Er wollte selber etwas sprechen, sagen was mit ihm war, aber weder hörte er seine eigene Stimme, noch spürte er sich selbst. Nun sah er auch Brian, der Freund war entsetzt und hatte seinen Arm ergriffen. Harry sah hinab und erkannte etwas schwarzes in seiner Haut. Etwas schwarzes, das sich schlangenartig bewegte. Bewegte... Panik schoss in ihm hoch und das schmerzhafte Pochen wurde noch heftiger als zuvor.

White war nun ebenfalls bei ihnen angekommen und er sah wie sie sich seinen Arm kurz mit bangem Blick ansah und sich dann wieder ihm zuwandte. Es war das erste Mal, dass er tatsächlich Angst in diesen dunklen Augen sah. Er sah wie sie sich Jimá und Brian zuwandte und etwas sagte, aber nichts kam zu ihm durch. Es war als ob jemand einfach den Ton ausgeschaltet hätte. Er hörte nicht mal sich selbst, obgleich er sicher war, dass man sein keuchendes atmen hören müsste.

Zu dem Pochen kam nun ein bohrendes Stechen dazu. Es tat weh... zu sehr weh... Weinte er etwa? Er hatte das Gefühl als ob seine Augen glasig waren und das Bild vor ihm immer wieder mal verschwamm. Auf einmal sah er wie White beide Hände an seine Wange legte und ihn sehr fest an Ort und stelle hielt. Sie starrte ihn so tief und fesselnd an, er hatte das Gefühl plötzlich hypnotisiert zu werden.

„Harry."

Er hörte ihre Stimme obwohl sie ihre Lippen nicht bewegte. Wieso?! Was tat sie mit ihm?!

„Du musst mir vertrauen, okay? Ich muss das zu Ende führen, um es wieder aufheben zu können. Es wird schlimmer werden. Aber nicht lange. Danach kommt alles wieder in Ordnung, aber du musst mich das machen lassen, hörst du? Du darfst dich nicht wehren."

Wehren?! Wenn er sich nicht wehrte, ließ er zu, dass sie alles mögliche mit ihm tat. Remus und Hagrid mögen ihr vertrauen, aber sie hatten auch Dumbledore vertraut, der an Snape geglaubt hatte. Harry wollte nicht. Nicht ihr. Der Schmerz wuchs ins unermessliche! Er biss förmlich in sein Herz und nahm jeden einzelnen Muskel in seinem Körper ein.

„Harry."

Wieder war es White's Stimme. Irrte er sich oder klang sie nun ganz anders als er es gewohnt war? Er kannte diese Art an ihr nicht.

„Bitte, lass mich dir helfen."

Ihre Stimme klang verzweifelt und flehend. Er sah Jimá und auch wenn er sie nicht hörte, wusste er, dass sie wollte, dass er es zuließ. Er wollte es mittlerweile selber, wenn diese Folter seines geschwächten Körpers nur endlich ein Ende fand. Er schloss die Augen und schluckte. Erneut wuchs die unsägliche, kalte Qual und erreichte einen Punkt, an dem er nichts lieber täte als bewusstlos zusammenzuklappen. Nie im Leben hatte er je geglaubt, dass er den Tod diesem Gefühl vorziehen würde, aber jetzt flehte er förmlich darum endlich ein Ende zu bekommen.

Und dann - „Revoca!" sprach White und mit einem Mal war es weg. Das Pochen, das Brennen, die Qual, die ihn vorher förmlich den Verstand raubte, das alles war verschwunden.


Es war dunkel. Nicht komplett schwarz, aber der Raum war auch nicht beleuchtet. Allein das Mondlicht gab ein wenig Helligkeit hinein und schien genau auf den Ort, an dem eine Hexe auf der Fensterbank saß. Harry erkannte White und wollte sie gerade fragen, was hier los war und wo sie sich befanden, aber seine Stimme war nicht zu hören.

„Liebe Anna."

Er zuckte auf als er Dumbledore's Stimme hörte, doch der Zauberer war nirgends im Raum zu sehen. Stattdessen bemerkte Harry, dass White nicht nur auf der Fensterbank saß, sondern Blätter von Pergamenten in ihren Händen hielt. Ihr Blick war darauf fixiert und er verstand nun, dass sie den Brief, welcher wohl von Dumbledore war, in ihren Gedanken las.

„Ich hoffe, mein Schreiben wird dich noch rechtzeitig erreichen und auch, dass du es dieses Mal annimmst und durchliest. Ich weiß, dass es unverschämt von mir ist, dich so lange zu belästigen, wo du es mehr als deutlich gemacht hast, dass du nichts mehr mit mir zu tun haben willst. Dennoch musste ich diesen letzten Versuch wagen, weniger um meinetwillen, denn ich weiß, dass du mir niemals verzeihen wirst, als mehr um deinetwillen, denn ich weiß auch, wie viel dir am Wohl derjenigen liegt, die du zurückgelassen hast."

Verzeihen?! Dachte Harry verwirrt.

„Ich bin mir sehr wohl bewusst, wie viel ich im Bezug auf dich bereits falsch gemacht habe, aber ich garantiere dir, meine Absichten waren die eines Mannes, der sein eigen Fleisch und Blut schützen wollte.

Es verging kein Tag, an dem ich nicht mit mir haderte, dir die Wahrheit zu offenbaren, die ich dir all die Jahre vorenthalten hatte. Zu beginn wollten wir nur abwarten, bist du stabil genug warst, doch eins führte zum anderen. Wir ließen dich ziehen, um dich selbst zu finden und du kamst gestärkt und glücklich zurück. Ich habe es nicht über mich gebracht dir das zu nehmen. Lass ihr noch ein wenig Zeit, sagte ich mir selbst, obgleich du danach so oft bewiesen hattest, wie fähig du doch bist und dass wir dir hätten längst von ihm mitteilen sollen."

Ihm? Harry hatte das Gefühl gar nichts zu verstehen.

„Dennoch verwarf ich mein schlechtes Gewissen jeden Tag aufs Neue, sobald ich sah wie glücklich du mit jedem weiteren Tag ohne dieses Wissen warst. Ich wollte den richtigen Moment abwarten, um dir alles zu erzählen und habe den wohl schlechtesten gewählt. Hätte ich gewusst, zu was dies alles führen würde, wem es alles das Leben nehmen würde, ich hätte meine Entscheidung zurückgenommen.

Du hast jedes Recht der Welt, mich aus deinem Leben auszuschließen und enttäuscht von mir zu sein. Ich bin mir bewusst, dass ich es nie wieder gut machen kann, was ich dir damit angetan habe. Ich habe versucht Sirius für dich am Leben zu erhalten, wissend, dass dies dein einziger Wunsch war, und habe seinen Tod dadurch sogar noch begünstigt. Wie gerne hätte ich euch mehr als diesen einen Tag gegeben.

Nun bist du fort und jeder Versuch von mir dich zu finden endete enttäuschend. Ich wollte dich in Ruhe lassen und mich mit der Bestrafung meiner Taten abfinden, aber die Umstände haben sich geändert. Anna, ich werde sterben.

Wir hatten mit unserer Vermutung recht. Voldemort hat genau das getan, was wir befürchtet hatten. Schlimmer noch. Wenn du dir die Erinnerung ansiehst, wirst du wissen, wovon ich spreche."

Harry sah, wie White schwer ein und wieder ausatmete und für einen kurzen Moment zum Fenster hinaus in die Ferne sah. Sie brauchte offensichtlich etwas Zeit, um ihre Fassung wiederzugewinnen und er vermutete, dass sie allein durch seine Worte von den Horkruxen nun wusste. Ihre Vermutung? Bedeutete das, White hatte mit Dumbledore vorher zusammengearbeitet? Er wusste mittlerweile, dass sie den Orden einmal mitgeleitet hatte aber Dumbledore's Worte zeigten, dass er ihr sehr vertraut haben musste, wenn er mit ihr darüber sprach. Harry wusste, dass er sonst mit niemandem außer Harry selbst über Voldemort's Spaltung seiner Seele gesprochen hatte. White wandte sich wieder zurück zum Brief und erneut hörte man Dumbledore's Stimme.

„Ich werde womöglich nicht mehr hier sein, um zu helfen und wenn du dies liest, könnte es für mich längst zu spät sein. Für die anderen und dich jedoch nicht und wir beide wissen, dass du die Einzige bist, die im Stande ist zu helfen. Du hast ein wunderbares Gleichgewicht in deiner Magie erschaffen können und du trägst all das Wissen, was ich und all diejenigen, die du erlaubt hast dich zu leiten, dir gelehrt haben, tief in dir drin.

Du weißt, sie werden Hilfe brauchen. Ist es wirklich möglich, dass sie es auch ohne dich schaffen? Vielleicht, aber nicht ohne erheblichen Schaden zu tragen, denkst du nicht auch? Und selbst unter diesem vielleicht steht ein großes Fragezeichen. Sie sind so jung, unerfahren, hitzköpfig. So wie einst ihr es wart.

Ich möchte dich bitten wieder zu ihnen zurückzukehren und an ihrer Seite das zu vollenden, wozu ich nicht mehr fähig sein werde.

Abschließend, wenn du es erlaubst, würde ich gerne noch einige letzte Worte an dich richten. Wir hatten es nicht immer leicht miteinander und du hattest es alles andere als leicht mit mir. Ich konnte immer sehen, dass du glaubtest ich würde mehr von dir erwarten als du glaubtest geben zu können. Ich war mir jedoch stets sicher, dass ich nur das Vertrauen in dich hatte, was du dir selber nicht zugetraut hattest.

Könnte ich die Zeit zurückdrehen, ich würde es tun. Ich würde sie ändern und dich in meine Obhut nehmen an dem Tag an dem du zur Welt kamst. Ich würde dich beschützen und dich nicht weggehen lassen und ich hätte dir früher von deinem Sohn erzählt. Leider ist dies nicht möglich und alles was ich noch tun kann ist zumindest die Gegenwart beeinflussen."

Sohn... Harry spürte, wie sich etwas schweres auf seine Schulter legte. Er hatte sich ein Bild von White geschaffen, weil sie sich selbst zu seinem Feind gemacht hatte, um ihn zu trainieren und an dieses hielt er krampfhaft fest. Bis jetzt. Denn das, was er hörte, das ließ ihn Mitleid und Sympathie für sie empfinden.

„Anna, Ich war immer stolz auf dich. Ich mag es nicht gesagt haben, du magst es nicht gespürt haben, aber ich war es. Nicht etwa, weil du Zauber und Flüche gemeistert hast, die ich dir zu dem Zeitpunkt nicht zugetraut hatte oder weil du Aufgaben außergewöhnlich erfolgreich ausgeführt hast, was beides der Fall war. Ich war und werde immer stolz auf dich sein, weil du mein Fleisch und Blut bist und auch wenn du es nicht siehst, sich sehr vieles in dir reflektiert, was sowohl mir, wie auch allen anderen, gar keine andere Wahl ließ, als stolz zu sein. Du trotztest den Dunklen Künsten, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen nicht gewagt hatte vorzustellen. Du machtest weiter als andere aufgaben, du widersetztest dich als andere glaubten, deinen Willen gebrochen zu haben. Das ist es, was den Phönix ausmacht.

Nun ist es Zeit für mich Abschied zu nehmen und doch kann ich dies in Ruhe tun, wo ich daran glaube, dass ich von dir noch mal gehört werde und mein Fleisch und Blut eines Tages doch wieder zusammenfinden wird.

Dein immer dich liebender Urgroßvater, Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore."

White legte den Brief beiseite und Harry sah traurig, wie eine Träne an ihren Augenwinkeln herabrollte. Das Bild vor ihm verschwamm und für einen kurzen Moment herrschte Dunkelheit.


Die Dunkelheit wurde durch ein Abendhimmel ersetzt und Harry sah einzelne Sterne am Firmament über sich. Er fühlte sich gerädert, erledigt, kraftlos und doch drückte er sich auf und fiel prompt zur Seite als ein schmerzvolles Ziehen an seinem Arm aufkam und ihn die Kraft raubte.

„Harry!"

Er sah Jimá, die rechts neben ihm stand und sich sofort zu ihm hinab kniete, als er sich rührte. Erst jetzt erkannte Harry, dass sein Arm bandagiert war an der Stelle, wo Snape vorher seinen Zauberstab hingehalten hatte.

„Was ist passiert?" krächzte er und merkte gleichzeitig, wie rau sich sein Hals eigentlich anfühlte. Er mag sich nicht schreien gehört haben, aber dem Gefühl in seinem Hals nach, hatte er sich definitiv heißer geschrien. „Wo ist White? Und Brian?"

Sie drückte ihm liebevoll die Schulter und half ihm sich richtig aufzurichten, so dass er sich an dem Baumstamm anlehnen konnte.

„Brian schläft dort -" Sie nickte zu seiner anderen Richtung, wo er den Freund auf seinem Umhang liegen sah. Er war erleichtert zu sehen, dass er etwas Farbe im Gesicht zurückbekommen hatte. Ein kleines Lagerfeuer brannte unweit von ihm entfernt leise knisternd vor sich hin.

„Und White?"

„Nachdem sie dir und Brian geholfen hat, wollte sie sichergehen, dass wir weit genug von den Todessern weg sind. Sie konnte sie alle nur für eine kurze Zeit außer Gefecht setzen und wir wollten euch wegbringen, bevor sie wieder zu sich gekommen wären."

Harry nickte verstehend. Dann fiel ihm wieder ein, was er gerade mitbekommen hatte. Er wusste nicht, was es war, aber irgendwas sagte ihm, dass es keine bloße Fantasie war.

„Jimá?"

„Ja?" fragte sie achtsam. Er dachte noch mal nach, aber vieles würde nun Sinn machen, was er vorher nicht verstanden hatte und mittlerweile hatte er verstanden, dass er vieles nicht einfach so mitbekam, sondern aus einem Grund passierte. White hatte also einen Sohn und Brian war einer von Dumbledore's vielen Namen und White war seine Urenkelin. Brian war sehr klug, sagte man das nicht auch über Dumbledore?

„Ist Professor White Brian's Mutter?"

Seine Schwester sah aus als ob sie wider besseren Wissens handelte, jedoch mit dieser Frage gerechnet zu haben schien, dann aber nickte sie betrübt.

„Ja, ist sie."