Nächstes =)
Review:
Mannequin: Huhu =)
Oha =) Und hattest du den richtigen Riecher im Bezug auf den Mörder? Ich kann das nachempfinden, weil ich das eigentlich auch mag, aber ich ziehe es vor, Krimiserien anzusehen. Bei Büchern kann ich irgendwie kein richtiges Interesse aufbauen, wenn ich die Charaktere nicht bereits kenne und dann wird es mir schnell langweilig und ich höre auf nach wenigen Seiten zu lesen. Andererseits hab ich Rowling's Krimis nie gelesen oder auch schon seit Ewigkeiten keine anderen Krimis mehr.
Ich weiß nicht, ich mag es irgendwie nicht, wenn sich jemand eigentlich gutes als der schlechte herausstellt. So wie bei Peter Pettigrew zum Beispiel. Das ist schon ein wenig erschreckend. Ich mein, ich weiß, das passiert, aber ich mags dennoch nicht.
Orangenem Gesicht? XD Ja, ein wenig merkwürdig sieht er schon aus. Meine Mum sagt auch, dass er der Verrückte ist. Entsetzt war ich auch, dass er gewählt wurde, aber andererseits hab icha uch nicht damit gerechnet dass Großbritannien die EU verlässt. Andererseits – Beides war ja laut Umfragen nicht hervorgesehen und ich wurde noch nie gefragt bei diesen Umfragen. Vielleicht kann man das heute nicht mehr, so wie früher. Also die Stimmung in Umfragen auffangen. Ich bin ganz ehrlich gesagt gespannt, wie es dann nächstes Jahr in Deutschland wird, wenn wir hier wählen.
Ich hab einige Freunde, die sagen, sie gehen einfach nicht wählen, weil sie eh nicht wissen, wen sie dieses Mal wählen sollen. Sind mit keiner Partei zufrieden. Und in Amerika war Clinton ja auch nicht sooo beliebt. Hab zumindest gehört, dass sie bei dieser Wahl die Kandidaten mit der Wahl zwischen Pest und Cholera verglichen haben Öö
Ich will erst mal sehen, mit wem sich die Chemie mehr entwickelt. Sowohl Jilli als auch Brian erhalten während der FF noch ein oder mehrere andere zur Seite und ich will sehen, zwischen wem es da am meisten passt. Überraschenderweise haben meine Charaktere wirklich ein Eigenleben entwickelt, was ich zu Beginn nicht für möglich gehalten hätte. Anna und Sirius waren nie als Paar gedacht, James hat eine unglaubliche Chemie mit Kaylar entwickelt, die ich nie erwartet hätte, obwohl auch nie beabsichtigt, konnte ich mir auch Sirius und Lilli als Paar vorstellen, obwohl ich das in anderen FF's und meiner eigenen immer abgelehnt habe, aber irgendwie spürte ich beim Schreiben selber ein Knistern zwischen ihnen. Es wäre nur nie etwas passiert, weil für beide James wichtiger war. Bei Harry nun kann ich mir nicht vorstellen, ihn mit jemand anderem als Ginny auszuprobieren, weil es irgendwie nicht zu ihm passt. Er liebt Ginny. Genauso wenig bei Ron und Hermine. Daher werd ich das Chemie Ding mal mit den anderen Charakteren versuchen XD
Dito ^^ Meine Eltern hätten mir auch was erzählt. Anna würde Harry nicht so streng beobachten, wenn es nicht wichtig wäre und ich würde sagen, sie kann das auch nur tun, weil sie genau wusste, dass auch Dumbledore sie so streng beobachtet hatte.
Hm... Ich muss ehrlich zugeben, dass ich noch nicht genau weiß, inwiefern ich Draco hier einbinden werde. Im Moment geht es ja mehr in die Richtung, dass er okay ist mit Harry, aber dennoch nicht direkt sein Freund ist. Sie müssen eben zusammenarbeiten, weil sie nun beide für den Orden arbeiten und Draco seine Familie schützen will. Ich weiß nicht, ob ich nicht will, dass er früher oder später Andromeda's Weg geht. Ich mein, in den Filmen wird Draco wirklich zu einem unausstehlichen Zeitgenossen. In den Büchern muss ich sagen, kam er mir schon etwas anders und erträglicher herüber. Naja, muss sich entwickeln ^^
Auch im Bezug auf Anna hab ich mir zwei Enden vorgesehen und das muss sich entwickeln, zu welchem die FF schließlich eher tendiert. Es ist echt komisch, welchen Einfluss die Charaktere aufeinander haben, was man nicht hervorgesehen hätte. Ich mein, ich hatte einen roten Faden in CofX und der ist nun aber mehr ein Labyrinth an Fäden.
Und zu dem, der zurückgeholt wurde, lasse ich das Kapitel mal für sich sprechen und freu mich dann zu hören, was du davon denkst =) Hat etwas länger gedauert, weil ich erst den TÜV für mein Auto abgewartet hatte und ständig Angst hatte, dass da noch mehr gemacht werden muss. Da kann ich dann nichts schreiben, weil ich eigentlich gerne schreibe und wenn ich das aber tue, während ich an etwas anderes unangenehmes denke, verbinde ich das miteinander und schreib dann auch plötzlich ungern bzw. lese es später nicht gerne weil ich weiß, dass ich das schrieb, während ich mich nicht gut fühlte... (Das macht glaub ich kein Sinn... ) Nun hab ich TÜV (Yupieh! Erst mal Frieden) und jetzt kann alles andere auch vorangehen.
Thx fürs Review =) Liebe Grüßle
Chapter 19 – The worth of a life II
White stand in ihrem Büro am Fenster und nippte nachdenklich an ihrer Tasse Tee in der Hand. Im Moment war sie in Ordnung, wie sie es schon sehr lange nicht mehr war. Nein, mehr noch. Es kam ihr vor wie eine halbe Ewigkeit, dass ihr wieder nach Lächeln zumute war. So wie jetzt. Sie atmete tief durch und schloss ihre Augen. Es gab eine Zeit, da war sie der festen Überzeugung, dass die Worte derjenigen, die sie so sehr schätzte und respektierte, nur aus Wunschdenken heraus von ihnen allen gesprochen wurde und nicht, weil es der Wahrheit entsprach. Sie brauchte so lange, um zu sehen wie sehr sie doch diejenige war, welche all die Zeit falsch lag. Was sie alle sprachen, war das, was sie alle in ihr sahen. White lächelte sanft als es es schließlich klopfte und so drehte sie sich vom Fenster weg und zur Tür rüber.
„Komm herein, Harry."
Der junge Gryffindor trat ein, schloss die Tür wieder hinter sich und setzte sich zu ihr vor dem Schreibtisch.
„Wie geht es dir?"
„Gut," antwortete er ehrlich.
„Die Wunde brennt nicht mehr?"
„Nein."
„Okay, dann kann ich dir nun den Verband abnehmen."
Er krempelte seinen Ärmel hoch und sah dabei zu, wie sie die Bandage umsichtig aufknotete und abzog. Er sah nur noch einen leicht dunklen Fleck an der Stelle wie es normalerweise aussah, wenn man sich gestoßen hätte. Es war erleichternd keine Schlange auf seiner Haut herumkriechen zu sehen, wie er es sich im ersten Moment damals eingebildet hatte. White strich sehr sanft mit zwei Fingern über die Stelle und schien es sehr konzentriert zu ertasten. Ab und zu fühlte er ein leichtes stechen, hoffte aber, dass dies nichts besorgniserregendes ist.
„Ich werde noch mal einen Zauber aussprechen, um die Heilung zu garantieren."
„Okay," sagte er frei heraus, denn es machte ihm wirklich nichts aus. Er hatte sie mit seiner Wunde arbeiten sehen und vertraute ihr im Bezug darauf auch. White jedoch musterte ihn einen kurzen Moment lang skeptisch und zögerte mit merkwürdigem Blick.
„Professor White?" fragte Harry irritiert. Sie atmete jedoch mühevoll durch.
„Wenn ich deine Wunde heile, dann siehst du in meine Erinnerungen. Normalerweise bin ich gut genug, um das zu verhindern. Es gibt vieles aus meiner Vergangenheit, die nicht für deine Augen bestimmt sind. Ich kann nicht kontrollieren, was du siehst oder was nicht, noch welche Schlüsse du daraus ziehst. Daher brauch ich jetzt etwas, um mich genug zu verschließen, um zumindest das von dir fern zu halten, was dir sonst schaden könnte. Verstehst du das?"
Er nickte.
„'türlich."
White sah ihn erneut eine ganze Weile lang schweigend an, aber Harry akzeptierte es. Sie legte schließlich ihren Zauberstab auf die Wunde und bewegte tonlos ihren Mund. Erneut wurde alles schwarz vor seinen Augen. Er hörte ihre Stimme, die besorgt seinen Namen rief, aber es war so weit weg, dass er das Gefühl hatte, er würde fallen und sie wäre hoch oben, während er bereits meilenweit entfernt war.
Er fand sich in der Tat in einem ihrer Erinnerungen wieder. Ein schwarzhaariges, junges Mädchen mit dunklen Augen, etwa in seinem Alter, saß auf einer Couch und hatte sich tief in ein Buch vergraben. Neben ihr dampfte eine heiße Tasse Tee und im Kamin knisterte leise und wärmend das Feuer vor sich hin während es draußen zwar helllichter Tag war, der Himmel jedoch eher düster und bewölkt war. Harry mochte das Wohnzimmer. Es war einladend und warm, gar ein wenig bunt und fröhlich mit den Farben. Es war einerseits geordnet, wie die Bilder an den Wänden, und andererseits aber auch wiederum nicht und eher unordentlich, wie die unterschiedlichen Gegenstände und Bücher auf dem Wohnzimmertisch oder den Regalen.
Es klingelte an der Tür und so legte das Mädchen das Buch nieder, stand auf und öffnete diese für einen Zauberer, der Harry irgendwie bekannt vorkam. Er wusste nur nicht mehr genau woher... Das Mädchen schien keine Angst vor dem Mann zu haben, obgleich er sehr groß und breit gebaut war und der Ausdruck ebenfalls viel Strenge mit sich trug. Er war nun nicht so viel älter als das Mädchen und Harry schätzte ihn auf Ende 40. Man sah eher Überraschung im Ausdruck des Mädchens.
„Mr. Dearborn," sagte sie verwundert.
„Hallo Anna," sagte der Zauberer höflich und nun klingelte es auch bei Harry. Das Mädchen war die junge Professor White und der Mann – Dearborn. Nun erinnerte er sich, woher er ihn kannte. Aus dem Foto vom Orden des Phönix, das bei dessen Gründung geschossen wurde. Das war Caradoc Dearborn, welcher laut Moody 6 Monate nach der Gründung verschwand.
„Professor Dumbledore ist nicht da und -" begann sie, doch Dearborn hatte die Hand erhoben, und sie unterbrochen.
„Ich bin nicht wegen Professor Dumbledore hier. Darf ich herein kommen?"
Sie zögerte eine Sekunde, dann aber nickte sie verwundert und schritt zur Seite, um den Mann herein zu lassen.
„Sicher. Bitte."
Nachdem beide ins Wohnzimmer geschritten waren, setzte sich Dearborn auf die Couch.
„Wollen Sie Tee? Ich hab gerade -"
„Nein," sagte er direkt, dann aber lächelte er freundlich. „Danke. Es wird nicht lange dauern. Ich bin hier, weil ich glaube, dass es meine Pflicht ist."
„Pflicht?" fragte sie verwirrt. „Mr. Dearborn -"
„Caradoc," fiel er ihr zum wiederholten Male ins Wort. Diesmal aber klang er entschieden sanfter und auch angenehmer, wie Harry sehr schnell feststellte. „Ich bin noch nicht so alt," fügte er mit dem Anflug eines Lächelns hinzu. Auch White lächelte leicht.
„Caradoc," sagte sie dennoch höflich und respektvoll. „Wenn sie nicht zu meinem Urgroßvater wollten, sondern zu mir, versteh ich nicht, was für eine Pflicht sie haben? Sie sind Auror und Ich nicht."
Dem letzten Wort hatte sie viel Nachdruck gegeben, um herauszustellen, dass er hier auch ja nichts verwechselte. Er schmunzelte sichtlich amüsiert, dann aber faltete er seine Hände zusammen und wurde wieder sehr ernst.
„Es ist kein Anliegen als Auror des Zaubereiministeriums, Anna. Ich darf doch Anna zu dir sagen?"
„Ja, sicher."
Für Harry, der sie nur als Professor White kannte war dieses Mädchen sehr ungewohnt, denn obwohl es ein und dieselbe Person sein sollte, hatte er das Gefühl zwei komplett unterschiedlichen Individuen gegenüberzustehen und das hatte absolut nichts mit den 20 Jahren Altersunterschied zu tun.
„Ich kann auch Miss White sagen, wenn dir das lieber ist? Ich hab etwas läuten hören, dass wir zumindest bald Arbeitskollegen im Zaubereiministerium sein werden, wenn schon nicht direkte Kollegen als Auroren."
Sie lächelte höflich.
„Nein, Anna ist okay."
„Gut. Anna. Ich glaube, es gibt keinen Auroren, der nicht sehr viel von Michael Potter gehalten hat. Ich zähle mich zu ihnen dazu. Ich habe ihn als Chef respektiert und war von ihm auch als Zauberer sehr beeindruckt. Ich hatte das Privileg unter ihm zu lernen, mit ihm zusammenzuarbeiten und sein Vertrauen zu genießen. Daher weiß ich auch, dass er gehofft hatte, dich doch noch, wenn auch verspätet, zu seinen Schützlingen zählen zu dürfen."
Michael Potter... Harry erinnerte sich an den Namen, wenn auch nur sehr am Rande. Das war der Name seines Großvaters und wenn Caradoc Dearborn ein Auror war und er von dem Mann als sein Chef sprach – dann war auch sein Großvater Auror?
„Mr. Dearborn -" begann White, aber der Zauberer fiel ihr erneut ins Wort.
„Caradoc."
„Caradoc," wiederholte sie, hatte sie doch vergessen, dass er ihr das du schon vorher angeboten hatte. „Wenn sie mir nun anbieten wollen mich auszubilden, dann vielen Dank, aber nein danke. Ich habe wirklich kein Interesse daran eine Ausbildung zum Auror zu machen."
Dearborn schmunzelte aufs Neue und prompt wurde White feuerrot.
„Deswegen sind Sie nicht hier, nicht wahr?"
„Du."
„Deswegen bist du nicht hier."
„Nein," antwortete er dennoch amüsiert. „DAS wäre ja ein Anliegen als Auror."
„Stimmt. 'Tschuldigung."
„Es wäre außerdem unpassend dich als Schützling für die Ausbildung zu werben, wenn ich dich gar nicht mehr lang genug trainieren könnte."
„... Uhm?"
„Ich werde nicht mehr lange Auror sein. Stattdessen wechsle ich in die Mysteriumsabteilung. Es gibt ein Raum, der mich sehr interessiert und mit dem ich mich privat auch schon beschäftigt habe, so dass ich den dafür zuständigen Zauberern und Hexen offenbar geeignet genug bin, um bald meine Stelle zu wechseln.
Ich bin in einem privaten Anliegen hier und es hat nichts mit meiner Arbeit zu tun. Weder als Auror, noch in der Mysteriumsabteilung.
Michael Potter ist, wie du weißt, seit einigen Monaten tot, aber offenbar gab es im Durcheinander durch den Angriff damals einige Verwechslungen, was diverse Unterlagen angeht. Darunter ein Brief, zu dem ich erst letzte Woche kam und der – leider hatte ich ihn schon sehr weit durchgelesen, bevor ich merkte, dass dies unpassend war – wohl an dich adressiert ist."
Er griff in seine Brusttasche, nahm ein kleinen Haufen gefaltete Papiere heraus und reichte ihr diese. White war offenbar überrumpelt, denn sie griff nicht danach, sondern starrte es entsetzt an. Dearborn legte es daraufhin auf den Tisch ab als er merkte, dass sie so schnell nicht aus ihrem Schock erwachen würde.
„Nun denn, damit habe ich meine Schuldigkeit getan und den Brief an seinen rechtmäßigen Adressaten übergeben."
Er erhob sich wieder, doch selbst jetzt hatte White nicht aufgesehen, sondern immer noch wie hypnotisiert den Brief auf den Tisch beäugt. Dearborn schien dies mit großer Sorge aufzunehmen, denn er war nicht gegangen. Stattdessen legte er seine Hand auf die Schulter der jungen Hexe und erst diese Geste rief eine Reaktion von ihr hervor. Die beiden sahen sich nun an.
„Sei doch bitte so lieb und teile Dumbledore mit, dass ich dabei bin."
„Dabei?"
„Ja," wiederholte Dearborn. „Seine Widerstandsbewegung. Ich bin dabei."
„Uhm – okay. Das wird ihn bestimmt freuen."
„Ich muss zugeben. Ich hatte meine Bedenken. Obgleich ich Albus Dumbledore sehr hoch schätze und den größten Respekt vor ihm habe – so schätze und respektiere ich auch meine Arbeit und die Zaubereiministerin.
Ich hätte vielleicht den Brief nicht durchlesen sollen – Ja, leider habe ich, obwohl ich feststellte, dass er nicht für mich bestimmt war, ihn ganz durchgelesen. Ich wusste nicht, wie ich sonst damit verfahren sollte. Es hätte am Ende ja auch stehen können: Vergiss es. In dem Fall wäre es äußerst schädlich gewesen dir den Brief zu geben, obwohl Michael Potter ihn eigentlich vernichten wollte."
White mag es nicht ausgesprochen haben, aber Harry war sich sicher, sie dachte in dem Moment dasselbe wie er auch. Dearborn schien irgendwie ein Chaot zu sein. Insofern war eine Versetzung zur Mysteriumsabteilung vielleicht sogar genau das Richtige, was seinem Charakter entsprach.
„Jedenfalls war es ausschlaggebend für mich nun doch mitzuhelfen. Man mag es nicht glauben, aber Michael Potter hat mir einige Male das Leben retten müssen."
Nach dem Ausdruck der Hexe zu urteilen hatte sie absolut keine Probleme damit ihm diesen Satz zu glauben. Harry fand es direkt erstaunlich wie viel man im Gesicht der jungen White ablesen konnte, während die ältere Professor White so gut wie die ganze Zeit all ihre Gefühle hinter einer Maske verstecken konnte, durch das er nie etwas sehen konnte, egal wie sehr er sich auch angestrengt hatte.
„Nun dann, werde ich jetzt wieder aufbrechen. Ich denke, wir werden uns dann in der Widerstandsbewegung öfters über den Weg laufen?"
Er war bereits aufgesprungen und zur Tür geeilt, obgleich sie sehr irritiert antwortete:
„Eigentlich nicht. Ich werde nicht - "
„Freut mich. Dann sehen wir uns ja bald. Gute Nacht, Anna."
„Mr -"
„Caradoc. Also dann, Anna. Wir sehen uns im Widerstand." Er nickte, lächelte und war aus der Tür getreten, noch bevor White auch nur ein Ton von sich geben konnte. Obgleich die Tür zufiel, hatte sich die junge Hexe nicht gerührt, sondern sah aus als ob sie gerade den schlechtesten Witz der Welt gehört hätte. Und dann -
„Es ist 12 Uhr Mittags..." sagte sie zu sich selbst. „Gute Nacht? Ehrlich?! Ist der Mann nicht Auror?!"
Schwarz. Für einen winzigen Moment sah Harry das Gesicht von Professor White, ihr Ausdruck war tief besorgt. Ihre Lippen bewegten sich, aber er hörte kein Ton von dem was sie sprach. Im Hintergrund war das Büro von Dumbledore, aber - lag er etwa auf dem Boden?! Wieder war es pechschwarz.
Die Dunkelheit verschwand und dieses Mal stand er einem anderen Bild, einer anderen Situation gegenüber. Harry's Herz machte ein Hüpfer, als er die Personen erkannte.
Es waren die jüngeren Versionen seines Vaters, seiner Mutter, Remus und von Sirius. Nicht die, welche er im Denkarium in Snape's Erinnerung gesehen hatte, sondern etwas jünger als die, die er durch Jilli's Augen in ihren Erinnerungen sah. Sie standen in einem mit vielen Zauberer und Hexen gefüllten Raum und neben ihnen befand sich niemand anderes als die ebenfalls jüngere White und derselbe Dearborn aus der vorherigen Erinnerung.
Sirius gähnte laut und ausgiebig.
„Kommt da heut noch jemand oder sind wir nur hier, um uns die Beine abzustehen?"
„Ein alter Zauberer ist kein Nimbus, Sirius," kommentierte Dearborn mit einem Schmunzeln. „Elphias Doge braucht nun mal etwas Zeit."
„Wie ich sehe hat da jemand die Geduld für sich gepachtet," kommentierte er spöttisch rüber, aber wieder hatte der ältere Zauberer nichts als ein müdes Lächeln dafür übrig.
„Nun, wie hätte ich sonst die Abteilung wechseln können?"
„Ach, es ist durch?" fragte Lilli überrascht. Dearborn nickte, während Sirius nur irritiert eine Grimasse zog.
„Was ist durch?"
„Mr. Dearborn -"
„Caradoc."
„Caradoc," verbesserte Lilli sich nachdem der ältere Zauberer sie freundlich unterbrochen hatte. „Ist jetzt ein Unsäglicher. Er hat als Auror aufgehört, um nun als Unsäglicher in der Mysteriumsabteilung zu arbeiten."
„Ah ja," machte Sirius verwundert, denn er verstand nicht warum jemand so was schräges tun sollte.
„Das ist echt toll. Gratuliere!" sagte White und Dearborn strahlte als ihm auch die anderen in der Runde dazu beglückwünschten. Alle außer Sirius.
„Ist das eigentlich eine Art Beförderung, wenn man nach unten versetzt wird?" fragte er nach wie vor verwundert. „Die Abteilung ist doch im Keller?!"
Dearborn gluckste, aber Anna schüttelte nur ungläubig den Kopf.
„Für jemand, der in diese Abteilung wollte, ist es eine Beförderung," erklärte sie ihm schließlich. „Mr Dearborn -"
„Caradoc."
„Caradoc wollte dort arbeiten. Also ja, es ist eine Beförderung, dass es endlich auch genehmigt wurde. Ich nehme an, Maria hat was damit zu tun?"
Dearborn verzog eine merkwürdige Grimasse, woraufhin White nun irritiert blinzelte.
„Was?" fragte sie vorsichtig.
„Maria ist wirklich sehr viel älter als ich. Wieso habt ihr keine Probleme sie beim Vornamen zu nennen aber bei mir schon? Ich hab dir das Du schon ein dutzend Mal angeboten."
„Silben!" warf James breit grinsend ein. „Wir können uns nur zwei merken. Dann ist Feierabend – Uff."
Lilli und White hatten ihm beide gleichzeitig mit dem Ellenbogen in die Seiten gestoßen. Dearborn seufzte, entschuldigte sich und schritt zu anderen Mitgliedern aus dem Orden rüber.
„Müsst ihr so unsensibel sein?" keifte Lilli beide Jungs an, welche sich absolut keiner Schuld bewusst waren. Sie grinsten einander unschuldig an und zuckten auch dementsprechend witzelnd die Schultern.
„Oh, ihr wisst genau, was ich meine," fuhr sie schroff weiter. „Mr Dearborn -"
„Caradoc," unterbrachen Sirius und James sie gleichzeitig und jeder in der Runde konnte sehen, wie viel Mühe es sie kostete nicht zu prusten. Lilli verengte giftig die Augen und erst dann räusperte sich James und hob aufgebend die Hände. Sirius hatte bereits einmal geprustet, da stieß ihm James mit dem Ellenbogen in die Seite und erst dann hörte auch er auf, räusperte sich stark und atmete tief durch.
„Er ist einsam," sagte sie enttäuscht über das Unverständnis und grobe Verhalten der beiden Jungs. „Er hat doch keine Familie mehr, auch keine Frau oder Freundin. Er ist immer alleine, wenn wir ihn treffen. Egal, ob bei der Mittagspause oder in der Arbeit."
„Woher weißt du, dass er einsam ist?" fragte James argwöhnisch. „Vielleicht ist er einfach nur ein einsamer Werwolf?"
Sirius gluckste heiter. Ein Seitenblick von Lilli zu White reichte James offenbar aus, um die Antwort selber auszusprechen.
„Ach so. Empathie."
„Ich hab einen Namen," kommentierte White Stirnrunzelnd, aber James zuckte lediglich amüsiert mit dem Mundwinkel.
„Sagte ich doch. Empathie."
„Er will einfach nicht abgeschrieben werden, nur weil er älter aussieht, als er eigentlich ist und deswegen möchte er, dass wir ihn mit dem Vornamen ansprechen und benimmt sich auch nicht ganz so streng wie alle anderen Auroren," sagte Lilli, um wieder auf das Hauptthema zurückzukommen. „Obwohl er ein Auror ist, geht er bei weitem nicht so streng und ernst mit uns um, wie es Meadowes, Bones oder Moody tun."
„Er ist auch nicht so alt wie die," sagte Sirius spöttisch. „Gib ihm noch ein paar Jahre und er hat früher oder später genauso ein Stock im Arsch."
„Er ist 25, ihr Idioten. Die anderen sind doppelt so alt. Er mag älter aussehen, aber er ist nicht viel älter als wir. Ich glaub, das ist auch der Grund, warum er in die Mysteriumsabteilung gewechselt hat," sagte White und prompt war auch Sirius' Ausdruck wieder ernster geworden. Er schien es nun zu verstehen, worauf die beiden Mädels raus wollten.
„Das hier ist der Orden des Phönix," sagte Lilli gefühlvoll. „Hört auf euch wie Vorschulkinder aufzuführen und benehmt euch stattdessen wie Kollegen, die miteinander gegen Voldemort kämpfen."
Es wurde schwarz und die Gegend war weg. Es dauerte nicht lange, da sah sich Harry einem neuen Ort gegenüber. Diesmal war es eine Bar. Harry erkannte es als die Bar, die zur Winkelgasse führte. Zum tropfenden Kessel. Tom, der Wirt, putzte hinter der Theke die Gläser. Auf einem runden Tisch in der Nähe dagegen sah Harry erneut Dearborn sitzen, wenn auch nicht alleine. Direkt daneben saßen James und Anna, auf dem Tisch standen drei teilweise geleerte Gläser mit Feuerwhiskey.
„Ich versteh das nich," sagte Dearborn, den Blick tief ins Glas gesteckt. Seine Stimme klang verbittert und enttäuscht, White und James dagegen hatten ihn mitfühlend angesehen.
„Es sollte eigentlich nicht so schwer sein? Und doch – ist es das."
Nach wie vor gaben weder James noch White ein Ton von sich. Die Blicke, die sie jedoch miteinander austauschten war aussagekräftig genug. Sie waren peinlich berührt und fanden keinen höflichen Weg aus dieser Situation heraus als sitzen zu bleiben und zuzuhören.
„Ich mein, ich hab den Job gewechsssselt, um einen Sinn su finden."
Dearborn schien das so gar nicht zu sehen, denn er lallte munter weiter.
„Einen Sieeeeeeeenn! Aber da is kein Sinn. James?"
„Ja, Kumpel?" James horchte auf und goss Wasser in das leere Whiskey Glas in Dearborns Hand.
„Jankeeeeee. Ihr seid so guuuuuut su mir. Noch meeeeeeeeeeehr Whisy!"
„Keine Ursache," erwiderte er kurz.
„Ich seh immer noch kein Sinn, wiss ihr."
„Worin siehst du keinen Sinn?" fragte James vorsichtig. Harry hatte das Gefühl als ob Dearborn wohl schon länger um den heißen Brei sprach ohne auf den Punkt gekommen zu sein und wenn sein Vater und White so wie er waren, dann musste auch erst Klartext gesprochen werden, bevor man es auch wirklich verstand.
„Na, den Sinn!" wiederholte Dearborn als wäre die Frage doch total unnötig.
„Den Sinn warum du nicht mehr Auror bist, sondern in die Mysteriumsabteilung gewechselt hast?!"
„Neeeeeeeeein!" jammerte er enttäuscht. „Den Sinn!"
„Ach so," machte James und tat so als ob er es tatsächlich nun wüsste, obgleich der Blickaustausch mit White Harry sofort verriet, dass er immer noch auf der Leitung stand. Zum Glück lallte der Freund munter weiter als ob er wirklich daran glaubte, dass ihn die beiden nun verstanden hätten.
„Ich meine, du has Lilli. Und Anna hier hat Sirius."
„Lebenspartner?" flüsterte James zu White hinter Dearborn's Rücken, aber White zuckte nur mit den Schultern.
„Eigentlich hat Anna alles. Ein tollen Job, Sirius, Familie."
„Nein, offenbar nicht Lebenspartner," murmelte sie mit fast verschlossenen Lippen, so dass auch nur James sie hätte wahrnehmen können. Dearborn war bereits viel zu betrunken dafür.
„Ich dachte, Auror sein wäre meins."
James warf White immer noch irre Blicke zu, welche nach einer Erklärung forderten, aber ihr genauso verrückter Ausdruck zeigte, dass sie absolut keine parat hatte und sich selbst darauf auch kein Reim machen konnte.
„Aber das war es nicht. Es war Michael Potters! Dann dachte ich, ich würde es in der Mysteriumsabteilung finden."
„Den Sinn?" fragte James vorsichtig.
„JAAAAA!" bestätigte Dearborn ihm heiter und offenbar gerührt und glücklich, dass er verstanden wurde. „Aber ich hab mich geirrt. Da fand ich ihn auch nicht. Anna könnte ihn da auch noch finden. Willst du das nicht tun?"
Er hatte sich der Hexe zugewandt und sie mit einem einmaligen Hundeblick angesehen, welche wohl nicht mal Sirius drauf gehabt hätte. Sie fühlte sich hin und hergerissen zwischen Mitgefühl haben und ihm ein Knochen hinzuwerfen.
„Du würdest da gut rein passen. Und es sicher mögen. Michael Potter hielt immer sehr viel von dir, weißt du. Und Maria tut es auch. Dumbledore sowieso. Und Bagnold auch!"
Auf den irritierten Ausdruck der Hexe hin nahm er einen großen Schluck Wasser, auch wenn er offensichtlich annahm, es wäre Whiskey gewesen.
„Sagen, du arbeitest unglaublich hart und gut. Von dir halten sie auch viel."
Er hatte sich mit einem einzigen schnellen Ruck zu James gedreht, der in seinem Gähnen zu einer Statue erstarrt war.
„Dein Vater wollte, dass du Auror wirst. Er hatte dich schon fes eingeplant, weiß su. Erst recht als er herausfand, dass su ein Black Heart bist."
Bei dieser Aussage wurden beide sofort ernst. Harry sah, dass sowohl White wie auch sein Vater die Stirn runzelten und sich gegenseitig misstrauische Blicke zuwarfen.
„Du weißt davon?" fragte White vorsichtig und sah den Zauberer scharf an. Dearborn blinzelte verwundert.
„Aber nürlich!" antwortete er munter. „Michael Potter brauchte jemanden, den er vertrauen konnte und der verschwiegen genug war. Ich hab alles für ihn rausgesucht. Es hätte ihn viel zu viel Zeit gekostet, das selbst zu tun. Aber pschhhhhhhhh – Das ist ein Geheimnisssssss."
„Zwischen dir und Michael Potter?" fragte White vorsichtig.
„Und Maria. Und Dumbledore. Und dem mittlerweile verstorbenen Harold Potter. Aber ich habs getan."
„Getan?" fragte James misstrauisch. „Was getan?"
„Was Michael Potter wollte. Kurz bevor er und Harold Potter starben. Ich habs getan. Ich musste darüber stillschweigen. Selbst nach seinem Tod. Maria und Dumbledore wissen davon nichts."
„Wovon?" drängte James. „Dearborn, wovon?!"
Dearborn starrte seinen Vater wie hypnotisiert an – Dann ließ er seinen Kopf auf den Tisch knallen und schnarchte.
„HEY!" brüllte James, krallte mit seinen Händen den Kragen des Zauberers fest und versuchte ihn wieder wachzurütteln. White aber ging dazwischen und riss James von Dearborn weg, denn dieser war weder aufgewacht, noch schien es ihm irgendetwas auszumachen, dass sein Kopf unkontrolliert in alle Richtungen wackelte.
„Lass ihn. So viel wie er getrunken hat, kriegst du ihn nicht mal mit einem extrem starken Fluch wach."
„An, was -"
„Wir bringen ihn nach Hause. Wenn er sich ausgeschlafen hat, sprechen wir noch mal mit ihm."
„Wieso nicht jetzt?"
„Du kriegst ihn nicht wach, James. Nicht mal, wenn du den Stuhl wegziehst."
Schwupp! Krach!
Tatsächlich hatte James den Stuhl auf dem Dearborn saß weggezogen und dieser war wie White vorausgesehen hat wie eine Puppe auf den Boden gekracht und blieb dort schnarchend liegen. Die Hexe rollte mit den Augen und schüttelte rügend den Kopf.
„Du und Sirius. Könntet ihr euch nicht ein Beispiel an Remus nehmen? Er ist nämlich erwachsen geworden."
„Er tut nur so, wenn du und Lilli hinseht," warf James jedoch spöttisch ein.
Es war wieder kurz schwarz. Als die Dunkelheit diesmal verschwand, sah er die nach wie vor jüngeren Versionen von White und seinem Vater in einem Zimmer stehen.
„Und?" fragte James. White schüttelte den Kopf.
„Nichts zu machen."
„Ehrlich?"
„Caradoc Dearborn schweigt eisern und behauptet, er wüsste nicht, wovon wir sprechen. Dachtest du ehrlich Dearborn würde mir etwas sagen, wenn er schon dir gegenüber vehement bestreitet etwas davon zu wissen?"
„Ja!" sagte er und wirkte wirklich entsetzt darüber, dass sie dies in Frage stellte. Das führte wiederum dazu, dass White entsetzt war.
„Wieso?" fragte sie verständnislos.
„Na! Wegen deinem Empathen Ding."
„Meinem was?"
„Na, Empathie? Gedanken lesen? Halloho?"
White stemmte ihre Fäuste an die Hüften und verengte giftig die Augen.
„Sag mal für was hältst du mich eigentlich? Was glaubst du wie das funktioniert? Ich schau jemanden an und schon seh ich sämtliche Gedankengänge über dessen Schädel kriechen?!"
„Ja!"
White rollte sichtlich entnervt die Augen.
„Hättest du auch nur je ein Buch über Menschen mit Empathie gelesen wüsstest du, dass es nicht so funktioniert. Kein Empath kann eine solche Mauer durchdringen, wenn sie jemand aufbaut und Dearborn ist sehr gut darin so eine Mauer zu errichten."
James schmollte unzufrieden.
„Und was denkst du?" fragte er sie mit kritischer Miene. White atmete tief durch und wirkte sehr unentschlossen.
„Nun, er ist ein Unsäglicher. Die haben Übung darin sich zu verschließen und zu schweigen. Ich denke, da ist tatsächlich etwas und Dearborn ist der Einzige, der das noch weiß. Dein Vater hat ihn wohl nicht ohne Grund ausgesucht, sondern weil er sich sicher war, dass Dearborn schweigen kann."
„Eine Ahnung, was es war? Wieso sollten meine Mum und Dumbledore nichts davon wissen?"
„Puh," machte White und war sichtlich gespalten. „Viele Möglichkeiten. Eine komischer als die andere. Wenn es Maria und Dumbledore nicht wissen sollten, dann muss es etwas zwischen deinem Dad und deinem Großvater persönlich sein.
Ich glaub jedoch nicht, dass wir Dearborn dazu bringen können etwas zu sagen, wenn er es nicht selbst will und zulässt. Bleibt uns also nichts anderes übrig als abzuwarten."
„Oder wir füllen ihn noch mal ab?!"
Ein vorwurfsvoller Blick von White reichte, um zu wissen, was sie davon hielt. James zuckte leicht amüsiert den Mundwinkel als Reaktion.
Es wurde wieder schwarz.
Doch als diesmal die Dunkelheit verschwand, sah er keine Personen vor sich. Harry sah eine für ihn selbst unbekannte Zimmerdecke. Es roch auch merkwürdig anders, nicht nach Medizin, wie im Krankenflügel oder wie er es von seinem Schlafsaal in Hogwarts kannte. Es war einfach anders.
Er drehte seinen Kopf zur Seite und spürte heftige Kopfschmerzen. Für einen Augenblick schloss er seine Augen, um sich wieder zu fangen. Als er sie wieder öffnete, sah er den Verband an seinem Arm. Er versuchte sich aufzurichten, sank aber kraftlos wieder hinab. Er war so müde... Harry drehte seinen Kopf mit sehr viel Mühe in die andere Richtung und sah ein weiteres Bett mit einer weiteren Person. Caradoc Dearborn und er sah noch genauso aus wie Harry ihn in der Erinnerung gesehen hatte.
Der Zauberer saß auf dem Bett und starrte wie hypnotisiert die Wand vor sich an. Er hatte sich kein einziges Mal gerührt, selbst nicht als Harry erneut versuchte sich aufzurichten. Der Versuch scheiterte auch diesmal und er sank erneut wieder keuchend hinab.
Die Umgebung schien sich zu drehen und ihm wurde so übel. Harry schloss die Augen in der Hoffnung es würde aufhören. Als er sie nach gefühlten wenigen Minuten wieder öffnete, sah er zwei verschwommene Personen bei sich im Zimmer. Anhand ihrer Stimmen erkannte er, dass es White und Remus waren.
„Das war sehr gefährlich," hörte er Remus' Stimme. Der Freund klang ernst und rügend.
„Ich hatte keine andere Wahl," erwiderte White und auch sie klang äußerst ernst.
„Man hat immer eine andere Wahl, An. Du hast dich nur dagegen entschieden."
„Ich meinte, für mich gab es keine andere Wahl. Ich hatte die Gelegenheit es zu tun und ihn zurück zu bringen. Glaubst du wirklich, ich hätte seelenruhig weiterleben können ohne es zu tun?"
„Ich glaubte, du wärst besonnen genug. Den eigenen Verlangen nachzugeben endet stets in einer Katastrophe."
„Remus. Was mit Diana passiert ist, dafür kannst du nichts und es lag bestimmt nicht daran, dass du nicht besonnen genug warst. Ist dir eigentlich klar, dass Nymphadora dich wirklich sehr liebt? Und du tust ihr und dir selbst nur weh, wenn du dir ständig die Sache mit Diana wieder vor Augen führst. Damit bestrafst du denjenigen, den du am wenigsten damit belasten willst. Nämlich Nymphadora."
„Siehst du eigentlich die Ironie in deinen Worten?"
„Remus -"
„Du schätzt dein Leben nicht, An. Du glaubst, weil deine Eltern dich nur auf Voldemort's Befehl hin geboren haben, hättest du es nicht verdient zu leben und du siehst nicht, dass du mit dieser Haltung diejenigen bestrafst und weh tust, die du am wenigsten damit weh tun wolltest. Nämlich Brian, Jilli und Harry."
„Das ist nicht dasselbe."
„Es ist dasselbe," sagte Remus entschieden. „Du gehst unnötige Risiken ein während du die Zeit eigentlich mit ihnen verbringen solltest. Dieses eine Mal ist es gut gegangen, aber -"
Harry keuchte. Die Wunde an seinem Arm brannte plötzlich und zwar richtig schrecklich. Er hätte ein Aufschrei nicht mal unterdrücken können, so krampfhaft und unerwartet war es gekommen.
„Harry!" hörte er beide Stimmen gleichzeitig und sah White und Remus mit tief besorgten Gesichtern direkt über ihm stehen.
„Was ist da los?" rief Remus entsetzt.
„Es ist das Mal," antwortete White und hatte ihren Zauberstab ergriffen.
„Was tut es mit ihm?"
„Keine Ahnung, wozu es genau diente. Snape hätte viel tun können. Ich muss das - Harry, bitte lass los." Er spürte wie sie seine Hand wegdrückte, welche er auf der Wunde an seinem Arm gelegt hatte, um den aufgekeimten Schmerz irgendwie zu ertragen. Es wurde wieder schwarz, aber dafür hörte zum Glück auch der Schmerz auf.
Die Mysteriumsabteilung. Harry kannte diese Eingangshalle in der sich diese gleich aussehenden Türen befanden. Er sah seinen Vater, der an einem der Wände mit verschränkten Armen lehnte und Dearborn, der vor ihm stand und niedergeschlagen seufzte.
„Du verstehst das nicht, James. Ich habe deinem Vater und deinem Großvater mein Wort gegeben. Dies hat nichts mit meiner Loyalität gegenüber dem Orden zu tun, noch mit meiner Freundschaft zu einem von euch. Es gibt sicherlich auch bei dir etwas, dass du anderen gegenüber verschweigst, aus einem Versprechen einem Freund gegenüber. Ich kann das nicht brechen."
So finster und grimmig sein Vater vorher auch aussah, diese eine Feststellung hatte seine Ansichten offenbar geändert, denn James nickte schließlich.
„Okay..." sagte er milder. „Du versprichst, dass es keinen der beiden Mädels in Gefahr bringt?"
„Ich versprechs."
Es wurde diesmal nur sehr kurz dunkel, bevor die Erinnerung wechselte und sie sich in einem erneut für Harry fremden Raum befanden. An einem runden Tisch in einem sehr schwach beleuchteten Raum saßen White und James einander gegenüber.
„Ich glaube mittlerweile, Dearborn's Verschwinden hängt mit seiner Arbeit zusammen," begann sie missmutig. „Und ich meine damit nicht die Arbeit fürs Zaubereiministerium, sondern die Arbeit, die er für deinen Vater und deinen Großvater ausgeführt hatte."
„Wieso das?" fragte James verwirrt. „Ich dachte, er ist verschwunden als es um meine Bewachung ging?"
„Er und Benjy Fenwick," sagte White. „Aber Fenwick ist definitiv tot. Dearborn dagegen verschwunden. Ich hab versucht die uns bekannten Todesser mal zu durchleuchten. Aus einer verlässlichen Quelle weiß ich, dass er auf Voldemort's Befehl hin verschleppt wurde."
„Und jetzt?" fragte sein Vater mit finsterem Blick.
„Keine Ahnung, wo sie ihn versteckt halten oder ob er überhaupt noch lebt. Aber was immer hier dahinter steckt – Voldemort wusste offenbar mehr und womöglich wollte er ebenfalls wissen, was Dearborn für Michael und Harold Potter tat. Wenn er es weiß, ist er uns ein Schritt voraus. Sei bitte vorsichtig, was immer du auch tust."
„Sicher..."
Wieder diese Dunkelheit und erneut war sie innerhalb von Sekunden verschwunden. Diesmal sah er die viel ältere White mit den silberweißen Haaren und dem gezeichneten Gesicht. Sie stand in Dumbledore's Büro, ganz in ihrer Nähe befand sich auch Kaylar Steward. Ihre Augen waren wieder strahlend blau statt pechschwarz.
„Bist du dir sicher?" fragte White mit kritischem Blick. Steward nickte entschieden.
„Ich habe absolut keine Zweifel daran," sagte Steward kühn. „Es ist Caradoc Dearborn. Hätte ich nicht diese Zeit als Hexe erlebt, wäre mir das vielleicht nie bewusst geworden. Nun aber kommt die Erinnerung zurück. Ich habe ihn dort gesehen."
„Die Phowlyris Ebene..." wiederholte White sichtlich aufgebracht. „Ich war mir so sicher, dass er tot war... Deswegen haben wir schließlich aufgehört zu suchen... Also hat ihn die ewige Phowlyris dorthin entführt?"
„Mit dem heutigen Wissen würde ich sagen, deine Annahme ist durchaus zutreffend. Die Phowlyris Ebene ist sehr groß und Ich bin nur rein zufällig genau an dieser Stelle gewesen. Damals dachte ich mir nichts dabei. Es herrschte immerhin Krieg und ob dies nun ein Zauberer war, der von uns Phowlyris dort gefangen gehalten wurde und ein Todesser Voldemort's war oder ein Verbündeter von euch, der auf diese Ebene gebracht wurde, war mir nicht wichtig. Ich war weder da um der einen Seite zu helfen, noch der anderen. Ich verfolgte nur meine eigenen Ziele."
Uns Phowlyris... Harry hatte sich also nicht getäuscht. Steward ist eine Phowlyris und Dearborn war auf deren Ebene gefangen gewesen?!
„Weißt du noch, wo das war?"
„Anna, ich glaube nicht, dass er sich noch genau an derselben Stelle befindet. Das war alles vor 18 Jahren."
„Das ist – Ich muss sicher sein."
„Selbst wenn er noch dort ist - Es ist nicht möglich für einen nicht-Phowlyris dort all zu lange zu überleben."
„Wenn dem so ist – dann muss ich Gewissheit haben."
„Gewissheit?" fragte Steward skeptisch.
„Caradoc Dearborn war ein Freund," sagte White sanft. „Wenn er tot ist, dann ist es so, aber wenn er noch dort ist und lebt - muss ich das wissen. Denn wenn er noch auf dieser Ebene ist und lebt, dann muss ich ihn zurückholen."
Steward sah nicht begeistert von dieser Idee aus und hatte White auch äußerst kritisch gemustert. Dann aber nickte sie erneut sehr vorsichtig.
„Gut, Ich bring dich rüber."
„Danke."
Steward hatte ihr die Hand gereicht und White hatte sie gerade ergriffen, da verengte die Phowlyris jedoch prüfend ihren Blick.
„Es ist nicht nur wegen der Freundschaft, nicht wahr? Da ist mehr."
White ging jedoch nicht auf den Verdacht ihres Gegenübers ein und so gab Steward ein müdes Lächeln von sich, bevor sie mit White verschwand.
Dunkelheit und dann – Es war eine seltsame Gegend. Überall sah man Bäume, Wiesen und Blumen, aber alles schien sich hinter einem seidenen Schleier zu befinden. War das die Phowlyris Ebene?! Er hatte davon gelesen – nur erinnerte Harry sich nicht mehr was. Egal, wie sehr er sich anstrengte, aber es wollte ihn partout nicht mehr einfallen, was er darüber gelesen hatte.
„Hier war es?" fragte White. Steward nickte und deutete auf eine Stelle in der Nähe eines Baumes (Das wie Harry fand aussah wie jede andere Stelle auch).
„Er ist noch da."
„Was?!" sagte die Hexe laut. „Wo?!"
„Da," sagte Steward und deutete auf erneut auf die leere Stelle. Harry sah ebenfalls niemanden und verstand White's Frust und Skepsis daher sehr gut. Sie musste sich so wie er jetzt ziemlich auf den Arm genommen fühlen. „Du kannst ihn nicht sehen?" fragte die Phowlyris kritisch, aber es war nicht mal eine Antwort nötig, damit sie es verstand. White schluckte hart.
„Er ist tot, nicht wahr?" fragte sie leise. Gerade als sie dabei war sich wieder wegzudrehen und zu gehen, sagte Steward - „Nein, noch nicht."
„Was?!" White hatte sich sofort überrascht wieder zurückgedreht. Ein Funken Hoffnung war in ihrem Gesicht erschienen.
„Das heißt, so wie ich das sehe," fuhr Steward ruhig fort und warf der Hexe einen überheblichen Blick zu.
„Was soll das nun schon wieder heißen?!"
„Nun, du weißt, dass die ewige Phowlyris als Tochter der Königin auch gewisse Fähigkeiten von ihr geerbt hat? Eines davon ist offensichtlich der Stillstand. Das bedeutet insbesondere, dass dein Freund von ihr in seinem Leben eingefroren wurde. Es gibt nur einen Weg ihn zu befreien und ich kenne so gut wie kaum jemanden, der dazu in der Lage wäre. Einen kannte ich, aber dieser ist vor einigen Monaten von einem normalen Todesser getötet worden, wie du mir erzählt hast. Wie ich aber weiß und am eigenen Leib erfahren hatte, hat er vieles an dich weitergegeben und ich vermute – dies gehört dazu."
„Was ist es? Was ist der Weg?"
„Du weißt, wie man seine eigene Lebenszeit dazu einsetzt, um die Zeit anzuhalten?"
White antwortete nicht, aber Harry sah an ihrem Ausdruck, dass es keiner Antwort bedurfte. Sie wusste es.
„Hat er dir auch gezeigt, wie man seine eigene Lebenszeit dazu einsetzt, um die Zeit vorwärts zu bewegen? Denn das ist der einzige Weg ihn aus diesem Stillstand zu befreien."
„Wie soll ich das tun, wenn ich ihn nicht mal sehe?"
Steward schmunzelte offensichtlich amüsiert über das alles und es war nicht zu übersehen, dass White das so gar nicht gefiel. Dennoch ließ sie es unkommentiert durchgehen.
„Tu es einfach – Du wirst sehen, wie viel du verlieren musst, um ihn zu retten."
White atmete tief durch, dann aber nahm sie ihren Zauberstab heraus. Bevor sie ein Wort sprechen konnte hatte Steward sie jedoch aufgehalten.
„Ist es dir tatsächlich so wichtig diesen einen Zauberer zu retten? Ich hätte damit gerechnet, wenn es um James ginge, aber – Er ist definitiv tot und es gibt keine Möglichkeit ihn von den Toten zu erwecken. Aber Caradoc Dearborn? Selbst wenn du ihn aus diesem Stillstand heraus holst, so ist sein Leben begrenzt. Den Schaden, den er durch diesen Zustand genommen hat ist für mich nicht absehbar. Es könnte sein, dass du ihn zurück holst und er dennoch direkt stirbt."
„Ich muss es tun. Er weiß etwas, dass ich wissen muss."
Professor White hob ihren Zauberstab und richtete ihn direkt in die Richtung, in der laut Steward Caradoc Dearborn lag.
Dunkelheit.
Nun befanden sie sich in dem Zimmer, in dem sich Harry eigentlich befand. Dearborn saß auf dem Bett, so wie Harry ihn auch gesehen hatte als er wach war, aber dies war definitiv eine Erinnerung. White saß neben Dearborn auf dem Bett und hatte ihn sehr besorgt angesehen. Yorick stand unweit von ihnen entfernt, ihr Ausdruck war wesentlich ruhiger und gefasster.
„Geschichten haben die Angewohnheit sich zu wiederholen, weil Menschen nicht aus ihren Fehlern lernen. Ich frage mich gerade, zu was ich dich zählen soll, Anna."
Die Hexe schüttelte traurig den Kopf und wandte sich von Dearborn ab und Yorick zu.
„Ich hätte das nicht nicht tun können."
„Das was du getan hast. Ich verstand es, als es um Frank und Alice Longbottom ging. Ich hatte meine Bedenken, als es um Narzissa Malfoy ging, deine Erklärung stimmte mich jedoch um. Es klang durchaus nachvollziehbar und rational. Aber Caradoc Dearborn?"
„Was ich getan habe, hätte ich für jeden anderen im Orden auch getan."
„Und genau das glaube ich dir nicht."
White schüttelte niedergeschlagen den Kopf.
„Ich hatte keine andere Wahl. Er weiß etwas, das ich wissen muss. Aber selbst wenn das nicht wäre, ich hätte es dennoch getan... Nur vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt."
„Und dies war der einzige Weg zu diesem Zeitpunkt an das Wissen heran zu kommen?"
„Ja," sagte sie entschlossen und damit war auch für sie das letzte Wort in dieser Sache gesprochen.
Wieder war es dunkel und als es dieses Mal wieder hell wurde, fand sich Harry aufs Neue zurück in einem Zimmer und nicht mehr in einer Erinnerung. Kein Schmerz zuckte durch seinen Körper und auch sein Kopf fühlte sich klar an. Er drückte sich auf und war erleichtert zu spüren, dass er dazu wieder die Kraft besaß. Seine Brille musste er nicht lange suchen, denn sie befand sich direkt neben seinem Kissen. Der Raum war bis auf ihn selbst leer. Das Bett neben ihm, wo er vorher noch Dearborn gesehen hatte, war unbesetzt. Er atmete einige male tief durch, um sich zu fassen und genug Stärke zu empfinden, um sich aus dem Bett zu bewegen. Weit und breit befand sich nämlich niemand anderes und er wusste nicht, wie lang er hätte einfach daliegen und darauf warten können, dass sich jemand hier blicken ließ.
Er drückte sich auf und ging durch die offene Tür hinaus auf den Flur. Diesen wiederum kannte er jedoch. Das Zimmer war ihm fremd gewesen, aber der Flur nicht. Dies war das Haus, wo er vorher mit den anderen ankam, bevor sie sich auf die Suche nach dem Nebel von Xerchia machten. Das Haus von Acacia Yorick. Barfuß schritt er weiter den Gang entlang, hoffend endlich auf jemanden von ihnen zu treffen. Egal, ob nun White, Remus oder Yorick. Er sah eine offene Tür in der Mitte des Ganges, welche bei seinem vorherigen Besuch noch geschlossen war und ging einfach darauf zu. Irgendjemand würde sich schon darin befinden, den er sprechen konnte.
„Ich kann es immer noch nicht fassen," hörte er Tonks' Stimme. „Es ist unglaublich..."
Er hatte zwar nicht damit gerechnet, aber Tonks war besser als niemand. Und dass sich noch jemand darin befand, ahnte er bereits an ihren Worten. Es musste Dearborn sein. Harry war sich nun sicher, dass sie von ihm sprachen, als es hieß, dass jemand wieder zurück war.
Er kam bei der offenen Tür an und in der Tat sah er Tonks im Raum stehen. Sie sah ihn verblüfft an und hatte halb entsetzt, halb aufgelöst zur Seite gesehen, wo Harry Dearborn vermutete.
„Entschuldigung," krächzte er und im selben Moment, in dem er bemerkte, dass er kaum eine Stimme hatte sah er nach links zu Dearborn – doch da saß nicht Caradoc Dearborn.
„Sirius?!"
Harry hatte es die Sprache verschlagen. Hinter Sirius sah er er nun auch White, Remus, Yorick, Dearborn und Heilerin Stradford und sie hatten ihn nicht minder entsetzt angesehen. Der einzige, der ihn keines Blickes würdigte und nicht beachtete, war derjenige, den er sich am sehnlichsten herbei gewünscht hatte. Sirius starrte geistesabwesend ins Leere. War es etwa doch nur eine Erinnerung? Ein Traum? Ein ziemlich realer Traum, der sich so gar nicht anfühlte wie die vorherigen. Ganz gleich von wem sie kamen.
Und mit einem Mal war es wieder dunkel.
Harry erwachte diesmal wieder mit kräftigen Kopfschmerzen – und im Krankenflügel in Hogwarts. Er erkannte die Umgebung und den Geruch. Irritiert zog er sich auf und setzte sich die Brille auf.
„Ein Glück, du bist endlich wach."
Ginny hatte sich erleichtert von ihrem Stuhl erhoben, sich zu ihm auf das Bett gesetzt und ihn vorsichtig umarmt, als hätte sie Angst zu fest zuzudrücken.
„Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht."
„Was ist passiert?" fragte Harry verwirrt, denn er verstand wirklich nicht, wie er hier herkam und was nun Traum, Erinnerung oder Realität gewesen war.
„Deine Verletzung war wohl schlimmer als Anfangs gedacht. Du liegst seit einigen Tagen hier, hattest hohes Fieber und hast Sirius' Namen im Schlaf gerufen."
„Sirius..."
Harry sah bedrückt an seiner Freundin vorbei und erkannte wie die Schneeflocken sanft vor dem Fenster herabfielen und sich auf dem Fenstersims ablegten. Es war also alles nur ein Traum. Fieberfantasien. Er hatte Sirius wohl mehr vermisst als er sich eingestehen wollte... Natürlich war es nur ein Wunschtraum von ihm. Dumbledore hatte es ihm doch gesagt, dass man keine Toten wieder zum Leben erwecken konnte.
Ohnehin war alles ziemlich abwegig gewesen. Steward eine Phowlyris, die mit White zusammen arbeitete? Und wie sollte White im Stande sein solche unmöglichen Zauber auszuführen? Mal ehrlich, sich selbst Lebenszeit zu nehmen, um andere zu retten? Natürlich waren das nur seine wirren Gedanken.
Nun fühlte er sich dumm, weil er für einen Moment tatsächlich geglaubt hatte, es wäre wahr. Es wäre kein Traum gewesen, sondern die Realität und Sirius wäre wirklich wieder bei ihm.
„Du hast von ihm geträumt, oder?" fragte sie mitfühlend und Harry nickte bedrückt.
„Ich dachte, er wäre noch am Leben," sagte er leise. Mit Ginny konnte er darüber reden, denn sie würde ihn verstehen. „Ich dachte, Professor White hätte eine Möglichkeit gefunden, ihn zurückzuholen. Das ist dumm und naiv von mir, das weiß ich auch. Dumbledore sagte doch, dass man Tote nicht wieder lebendig machen kann und er sagte, dass Sirius tot ist. Aber -"
Er schluckte hart und sah bedrückt zu Boden. Harry konnte erst wieder aufsehen als er ihre warme Hand auf seiner spürte. Sie hatte ein so wunderschönes, liebevolles Lächeln auf den Lippen, dass er gar nicht anders konnte als sich nicht mehr ganz so schlecht zu fühlen und zuversichtlicher zu sein.
„In den letzten Monaten hat sich so viel verändert. Ich hab eine Schwester, von der ich nicht wusste und sie ist nicht nur eine Hexe, sondern auch ein Ponester. Dann geht es Neville's Eltern plötzlich besser, was auch niemand für möglich gehalten hätte und das alles erst nachdem Professor White aufgetaucht war..."
Er stoppte, denn was er sagen wollte klang selbst für ihn nach etwas, das gar nicht sein konnte. Es war Ginny, die es jedoch aussprach und aus ihrem Mund klang es verständnisvoll.
„Du möchtest eben an ein Wunder glauben... Das versteh ich doch, Harry."
„Das ist dumm von mir. Ich sollte endlich aufhören mich an so was zu hängen. Es wird ohnehin nicht geschehen."
„Ganz ehrlich?"
„Ja, sicher."
„Ich mag es, dass du noch immer glauben kannst. Es stimmt schon, weißt du. Normalerweise kehren Tote nicht einfach so ins Leben zurück. Normalerweise aber ist auch nicht gerade einer der schlimmsten Zauberer aller Zeiten hinter einem her und normalerweise liefert man sich auch kein Duell mit ihm und kommt dennoch lebend wieder heraus. Und normalerweise hat man auch keine Schwester, die gleichzeitig Hexe und Ponester ist.
Bei dir ist nichts normal, also... warum nicht hoffen, dass auch jemand zurück kommt, den man verloren hat?"
Er lächelte sanft.
„Danke."
In diesem Moment fand er keine anderen Worte, um ihr zu zeigen, wie froh er war, dass es sie gab und dass sie zusammen waren. Mit Ginny konnte er immer noch ein wenig träumen und auch wenn er das nicht sollte, er konnte nichts dagegen tun es dennoch zu wollen. Ein Schnarchen zog seine Aufmerksamkeit zur Seite, wo er eine Abtrennwand sah.
„Ist hier noch jemand?" fragte er sie überrascht.
„Ja, ein Zauberer glaub ich. Sie schirmen ihn sehr gut ab, kam etwa zeitgleich rein wie auch du eingeliefert wurdest. Da kommt niemand durch die Abtrennwände. Nicht, dass ich es überhaupt versucht hätte. Ron hat es. Man sieht nichts."
„Weil es euch nichts angeht."
Harry und Ginny drehten sich beide erschrocken um als sie die Stimme von Professor White hörten, die unbemerkt nun mitten im Raum stand.
„Eigentlich, stimmt es nicht ganz. Weil es euch nichts anging. Vergangenheit."
„Professor White," sagte Ginny leise und auch Harry versuchte eine bessere Reaktion zu zeigen als sie mit halboffenem Mund anzugaffen. Er war jedoch zu irritiert dafür.
„Jetzt, wo Harry wach ist, sieht es anders aus. Wie geht es dir?"
„Okay," antwortete er vorsichtig. Die Kopfschmerzen wurden glücklicherweise mit jeder weiteren Minute weniger, verwirrt war er aber dennoch und er konnte es auch nicht verhindern, sich wieder Hoffnungen zu machen. Alles in seinem Traum hatte sich so vertraut angefühlt, als ob es wirklich passierte. Er war sich so sicher gewesen, dass es passiert war. Sein Herz bebte innerlich vor Aufregung und der Gedanke, dass Sirius der Zauberer hinter der Abtrennwand sein könnte ließ ihn nicht in Ruhe. Diese Hoffnung konnte er nicht unterdrücken oder versuchen sie nicht zu fühlen. Es war einfach da. Dieses eine Mal. Nur dieses eine Mal wollte er, dass es wahr war.
„Professor White," begann er fest entschlossen sie geradeaus danach zu fragen. Es wurde ihm abgenommen, denn sie hatte geantwortet, noch bevor er es aussprach.
„Es ist nicht der, den du annimmst."
Es war als hätte ihn jemand in den Bauch geschlagen und alle Luft zum atmen rausgepresst. Enttäuschung war etwas schreckliches und erst recht, je größer das Verlangen und die Hoffnung zuvor war. In seinem Fall war es gerade unerträglich schmerzvoll. Er schluckte und senkte den Blick, damit sie nicht mitbekamen, wie ihm diese Enttäuschung tatsächlich zusetzte.
„Er ist im Haus von Yorick," setzte White plötzlich hinzu und Harry sah schlagartig auf. Hin und hergerissen zwischen Hoffnung und Angst, dass er sie missverstand, traute er sich nicht sich zu rühren. White aber lächelte zärtlich und erst dann erhellte sich auch Harry's Gesicht.
„Wirklich?" fragte er hoffnungsvoll. White nickte.
„Er ist noch nicht derselbe, wie du ihn kanntest. Ich weiß auch nicht, ob er das je überhaupt wieder wird. Ich wollte nicht, dass du ihn so siehst, aber – du hast mir ein Strich durch die Rechnung gemacht, indem du einfach aufgestanden und in das Zimmer gekommen bist."
„Sirius ist wirklich am Leben?!"
Er musste es von ihr hören, er musste diese Worte von ihr ausgesprochen hören, oder er würde es nicht glauben. White nickte erneut sanft und tat das, was er so sehr gebraucht hatte.
„Ja, Harry. Sirius ist am Leben."
„Und Caradoc Dearborn?"
„Er ist ebenfalls am Leben."
„Sie haben ihn tatsächlich gerettet?"
„Ja, ohne ihn hätte ich Sirius nicht wieder zurückholen können. Er war der Einzige, der den Raum des Todes in der Mysteriumsabteilung tief genug durchleuchtet hatte, so dass ich es durchziehen konnte."
„Also... habe ich nicht fantasiert? Das alles war real?! Es ist wirklich passiert?"
White ließ ein Moment der Stille vergehen, damit Harry dies auch wirklich verstand, dann aber nickte sie zur Bestätigung.
„Ja. Das ist es."
Harry wusste nicht, was er in diesem Moment fühlte. Alles war zu durcheinander, zu viel, zu unglaublich. Er sah Ginny an und obwohl auch in ihrem Ausdruck dieselbe Unfassbarkeit zu erkennen war, lächelte sie. Es war das bildhübsche Glänzen in ihren zuversichtlichen Augen, dass ihn schließlich dazu bewegte, ebenfalls zu lächeln. Er drehte sich zu White und auch sie lächelte sanft. Es war wahr. Es war kein Traum. Sirius lebte.
