Nächstes und erstes Weihnachtskapitel =)


Review:

Mannequin: Huhu =)

Danke für die Infos und es war schön, dass du so viel geschrieben hast. Nur so kann ich mir dann auch ein besseres Bild machen und ich hab auch von einer anderen Freundin gehört, dass sie den Film und die Charaktere mag. Wer von den Charakteren ist eigentlich der Bäcker? Die Freundin meinte, dass der ihr Lieblingscharakter wäre. Ich denke, ich werde mir den Film aber erst anschauen, wenn entweder der nächste raus kommt oder schon draußen ist. Vorfreude ist bei mir eine der schönsten Freuden XD und ich hab dann lieber 3 Stunden Freude, als die Hälfte. Das ist bei mir sonst richtig übel, denn wenn ich den Film jetzt schon anschaue und ihn auch wirklich gern mag, dann sehe ich ihn mir rauf und runter an und das kann echt grausam sein, wenn es nur so kurz ist. 2 Filme sind... ein biiiiischen mehr ^^ Schreibt Rowling eigentlich auch ein Roman dazu oder nur ein Drehbuch?

Ich finds schön, dass Rowling eine separate Story im Potter Universum erfindet und mit neuen Charakteren füllt. Oha, Endkampf zwischen Dumbledore und Grindelwald. Also wird es einen jungen Dumbledore geben? =) Hehe, das wird schön. Bin ich schon gespannt. Weißt du schon, ob es ebenfalls jährlich Filme geben soll?

Das Zitat stimmt ohne wenn und aber, leider ist es nicht so einfach das zu unterlassen. Zumindest für mich =/

Anna will Jilli und Brian eher schützen, weil sie weiß, dass sie nicht mehr lang genug da ist. Sie glaubt, der Abschied fällt leichter, wenn derjenige einem nicht mehr so nah steht. Vor allen Dingen Jilli, die sie sehr wohl beobachtet und Anteil an ihrem Leben nimmt und merkt, wie emotional sie wirklich ist.

Hm... um etwas vorwegzunehmen. James kann in CofX am Ende auch mit Gryffindor's Magie umgehen, obwohl hier behauptet wird, dass er es nicht konnte und deswegen von Voldemort getötet wurde. Harry lernt nur schneller. Der Unterschied ist aber wirklich, dass James Anna oft nicht als Lehrer wahrnahm, sondern als beste Freundin und Harry nimmt sie eher als Lehrerin wahr.

Brian kommt da sehr nach Dumbledore. Weil er mit der Intelligenz nach ihm kommt, zeigt er seine Gefühle auch nicht wirklich, sondern ist sehr verhalten. (Zumindest, wenn er bei sich ist und nicht verletzt ist) Ich würd sogar sagen, er gehört zu denjenigen, die niemals Eifersucht zeigen, selbst wenn er es wäre, oder dazu in der Lage sind, über andere schlecht herzuziehen, selbst wenn er schlecht über denjenigen denkt, und wie er erklärt hat, er hat durchaus damit gerechnet, dass es passieren könnte. Ich weiß nicht, ob man das so verstehen und glauben kann, dass Brian so gefasst reagiert, obwohl Sirius ja sein biologischer Vater ist. Ich denke aber, dass Menschen wie Brian und Dumbledore stets sehr rational und bedacht reagieren, egal, wie nah ihnen die Person auch stehen mag.

Thx für die Beschreibung und das Review =) Liebe Grüßle


Chapter 22 – The Voldemort, who stole Christmas I

Weihnachten 1981

Die 4jährige Jilli saß auf der Fensterbank und blickte verträumt die Gegend vor dem Fenster an. Ihre Eltern waren nun seit über 7 Wochen tot und genauso lange hatte sie ihren kleinen Bruder nicht mehr gesehen. Fühlte sich ihr Tod an wie gestern, so schien es eine Ewigkeit her zu sein, dass sie die Stimme ihres Bruders gehört hatte. Immer und immer wieder sah sie sich die Fotos an, die nun alle im Zimmer verstreut lagen. Einige auf dem Tisch, die meisten auf dem Bett, mit denen sie Nachts einschlief, und einige wenige hielt sie in diesem Moment fest. Darunter das Foto von sich mit Harry, Sirius und Anna und ein anderes Foto nur von ihren Eltern. James und Lilli saßen auf einer blühenden Wiese und ihr verliebter und warmer Blick war das Einzige, was die kleine Jilli von ihrer Trauer ablenkte. Ab und zu konnten ihre Eltern die Aufmerksamkeit voneinander wegreißen um ihre Tochter anzusehen und mit liebevollem Blick zu winken. Es war alles, was ihr geblieben war. Fotos aus einer nun vergangenen Zeit.

Ein Klopfen störte die Dreisamkeit und so wandte sie sich zur Tür, wo der große Halbriese Yuno zwischen Tür und Angel stand. Die Sorge um sie stand ihm im Gesicht geschrieben, obgleich er sehr bullig und finster wirkte, so wie er die ganze offene Tür füllte und obwohl sie versuchte tapfer auszusehen und nicht traurig zu sein, sie wusste, dass es ihr misslungen war, als er zu ihr rüber stampfte.

Seit dem Tod ihrer Eltern lebte sie nun hier und Yuno gab sich wirklich große Mühe, das war ihr klar, aber sie fühlte sich nicht wie zu Hause. Sie fühlte sich immer noch verloren und alleine.

„Heute ist Heilig Abend," murmelte er mürrisch.

„Wir brauchen nichts zu machen," sagte das Mädchen sofort. Ihr war wirklich nicht danach dankbar zu sein, wenn ihr gerade eben erst alles genommen wurde, wofür es sich gelohnt hatte zu leben.

„Ich weiß nicht, wie man das feiert," fuhr Yuno bedrückt fort. „Weihnachten mit James letztes Jahr war das erste Mal seit langer Zeit."

Jilli sah ihn plötzlich überrascht an und bemerkte, dass auch er versuchte stark zu sein. Es war so merkwürdig, weil Yuno im Vergleich zu ihr so groß und furchteinflößend ist, in diesem Moment jedoch eingefallen war und wie ein betrübter Teddybär wirkte.

„Warum feierst du nicht, Onkel Yuno?" fragte sie traurig. Er war im Moment ja genau so ein Häufchen Elend, wie sie.

„Meine Mum und Dad wurden an Weihnachten getötet. Ich weiß, wie es dir jetzt geht, Jilli."

„Das tut mir leid," sagte sie ehrlich und streichelte ihm tröstend über den breiten Arm. Sie fühlte sich irgendwie für diesen Moment nicht mehr ganz so zerstört und hoffnungslos, nachdem sie sah, dass es ihn offenbar half, dass sie da war. Es war aber auch dieser Moment, dass sie sofort ein schlechtes Gewissen bekam, weil sie nicht mehr an ihren Eltern dachte und so wandte sie sich wieder zurück in ihr Bild.

„Es wird leichter," sagte Yuno nach einer Weile. Sie nickte, so dass er wusste, dass sie ihn gehört hatte, dennoch konnte und wollte sie nicht von ihren Eltern wegsehen aus Angst, wenn sie das täte, dann würde sie die beiden selbst in dem Bild nicht mehr bei sich wissen.

„Ich mach uns etwas zu essen," sagte er schließlich und sie hörte, wie er sich wieder von ihr entfernte.

„Bevor ich es vergesse – Ich weiß noch, dass es Brauch ist, an Weihnachten etwas zu schenken. Das ist für dich..." Er legte ein kleines, schlecht und in stechendem Pink verpacktes Päckchen auf die Fensterbank neben ihr nieder.

„Frohe Weihnachten, Jilli."

Sie hatte sich dem Päckchen nicht zugewandt, noch ihren Blick von ihren Eltern oder dem anderen Foto genommen. Egal was in dem Päckchen war, es würde nicht helfen. Nichts würde helfen, nichts würde es schaffen, dass ihre Eltern wieder zurückkamen... Nichts würde es schaffen, dass sie sich nicht mehr verlassen und zerstört fühlte.. außer... Jilli sah zur Seite, wusste, dass Yuno gerade erst Essen zubereitete und erfahrungsgemäß würde das auch dauern. Entschlossen stand sie auf, verwandelte sich in das Licht und flog durch das offene Fenster in die Straßen hinaus. Sie flog so schnell sie konnte in den Ligusterweg, wo sie wusste, dass er sein würde. Harry war zu ihrer Tante mütterlicherseits gebracht worden.

Es dauerte etwas, aber sie kam an und verwandelte sich vor der Terrassentür zum Wohnzimmer wieder in das vierjährige Mädchen. Die Straße war zwar durch die vielen Lichter sehr hell erleuchtet, aber es befand sich ansonsten keine Menschenseele auf dem Pflaster. Sie lugte vorsichtig hinein und sah den einjährigen Harry, der auf dem Boden mal krabbelte, mal schritt er alleine von einem Platz zum anderen.

Sie sah ihre Tante und ihren Mann mit einem weiteren Baby weit entfernt von ihrem Bruder stehen und es war eindeutig, dass sich keiner der beiden um ihren Bruder kümmerte. Stattdessen bewunderten die beiden das Baby in ihrer Hand und überließen ihren Bruder sich selbst. Ihre Tante sah ihrer Mutter irgendwie so gar nicht ähnlich... und ihr Mann wirkte sehr arrogant und unlustig.

Jilli ging noch mal sicher, dass sie niemand sah, dann verwandelte sie sich in ein kleinen, blauen Leuchtkäfer und flog durch den Briefschlitz in das Haus zu Harry ins Wohnzimmer. Der einjährige Junge blieb verwundert stehen, dann aber lachte er freudig.

„Jie – lie," sagte er heiter.

Sie blieb so lang sie konnte bei ihm und verließ das Haus erst wieder, als die Tante ihn mit sich nahm. Jilli flog wieder zurück zu Yuno und hatte sich gerade in ihrem Zimmer wieder in das kleine Mädchen verwandelt, da räusperte sich jemand sehr auffällig direkt hinter ihr. Es war nicht Yuno. Jilli drehte sich mit bangem Blick um, denn es war niemand anderes als Remus, der hier saß und einen sehr rügenden und enttäuschten Ausdruck im Gesicht hatte.

„Onkel Remus -" versuchte sie die Situation zu retten. „Ich war gerade – uhm – spazieren."

„So?" kommentierte er eindeutig nicht mild und verständnisvoll. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte und so tat sie das auch nicht, sondern blieb mit vorsichtigem Blick an ihrem Fleck stehen. Was auch immer nun kommen mag, es war es wert gewesen ihren Bruder zu sehen.

Remus seufzte bedrückt, dann aber stand er auf führte sie mit sich auf das Bett, so dass sie nun nebeneinander sitzen konnten.

„Es spielt keine Rolle, wo du warst, Jilli. Du bist vier Jahre alt. Du solltest nirgendwo alleine hingehen. Ich meinte natürlich, Jimá."

Sie sah betrübt zu Boden und hatte irgendwie nicht den Mut ihren Patentonkel anzusehen. Der kahle Holzboden war viel verlockender und schien auch angebrachter zu sein als ein enttäuschtes Gesicht.

„Ich dachte, du hättest Professor Dumbledore versprochen hier zu bleiben und auf Yuno zu hören?"

„Onkel Yuno hat nicht gesagt, ich solle nicht gehen..." versuchte sie es leise, was so halb die Wahrheit war. Er hatte es wirklich nicht gesagt, aber genauso wenig hatte sie ihn gefragt.

„Wir versuchen dich zu schützen, Jimá. Mach es uns nicht noch schwerer, als es ohnehin bereits ist. Deine Eltern hätten nicht gewollt, dass du früh stirbst."

„Dann könnte ich aber wenigstens bei ihnen sein..."

Das war trotzig gesprochen und auch so gemeint. Der letzte Monat war für sie unerträglich gewesen und manchmal wünschte sie sich in der Tat nichts sehnlicher als auch da zu sein, wo ihre Eltern waren.

Remus hatte ihr seine Hand auf die Schulter gelegt und da er nun sehr liebevoll zudrückte, traute sich das kleine Mädchen auch endlich zu ihm aufzublicken. Er war nicht mehr böse oder enttäuscht mit ihr. Im Gegenteil, alles was sein freundliches Gesicht zeigte, war Mitgefühl und Sorge.

„Es gibt noch immer sehr viele, denen du wichtig bist," sagte Remus sanft. „Und wir sorgen uns um dich. Harry wird eines Tages von dir erfahren. Was, wenn dir vorher etwas passiert? Willst du wirklich, dass er auch noch seine Schwester verliert? Ihr habt doch nun nur noch einander. Du und Harry, ihr seid die letzten der Potter Blutlinie. Willst du wirklich, dass alles, was an deinen Vater erinnert, mit dir und Harry stirbt? Er braucht dich, Jilli... Jimá."

Sie nickte betrübt.

„Es tut mir leid... Du hast ja recht."

Remus schien zufrieden, denn er nickte gleichfalls.

„Und du kannst mich ruhig auch weiter Jilli nennen," fügte sie mit einem traurigen Lächeln dazu. „Es ist der Name, den mir Mum und Dad gegeben haben. Ich weiß, dass ich den Namen nicht tragen sollte, damit mich keiner erkennt, aber... eines Tages, möchte ich wieder so heißen. So, wie Mum und Dad mich genannt haben."

Er nickte verständnisvoll.

Heute

Jilli saß auf der weißen Couch in Harry's Wohnung und betrachtete den Anhänger in ihrer Hand. Er war klein, glänzte silbern und hatte die Form einer Rose, in der Mitte funkelte ein Alexandrit. Es war in der pinken Geschenkpackung gewesen. Yuno hatte ihr danach nie wieder etwas geschenkt, weil sie sagte, dass er das nicht tun solle. Es war Jahr um Jahr für sie in Ordnung gewesen, wenn sie nur unter sich waren und normal aßen ohne den ganzen Weihnachtskram um sie herum. Dann ging es auch Yuno besser, weil er nicht an den Tod seiner Eltern erinnert wurde und ihr ebenfalls, weil sie ihre Eltern nicht misste, wenn sie über andere Dinge sprachen. Ab und zu war Remus da gewesen, wenn es Jobmäßig passte und er in der Nähe sein konnte.

Yuno würde dieses Jahr in Hogwarts bei Hagrid sein, um auf das Schloss aufzupassen, und sie hatte ihm gesagt, dass es für sie in Ordnung war, weil sie mit Harry in London sein würde. Sie würde einen Versuch starten, Weihnachten mal wieder zu feiern. Wenn sie nämlich ehrlich war, dann wollte sie es auch. Es war in Beauxbatons traurig genug gewesen, alle anderen in Weihnachtsstimmung zu erleben. Alles was sie Weihnachten um Weihnachten wollte war, sich zu vergraben und diese Stimmung auszuschließen. Dieses Jahr aber hatte sie Harry zurück und sie wollte es mit ihm zusammen verbringen. Sie atmete tief durch und blickte zurück zum Anhänger.

Ob Yuno wohl wusste, was er ihr da schenkte? Sie jedenfalls wusste es.


Mit all der Weihnachtsdekoration um ihn herum sowie den Lehrern und Prüfern, die Weihnachtsmützen trugen, fiel es Harry irgendwie schwer die Prüfungen ernst zu nehmen. Vor allen Dingen in Zauberkunst, denn Professor Flitwick, der ohnehin klein war, sah nun tatsächlich aus wie ein Weihnachtself.

Die schriftliche Prüfung war für ihn machbar, auch wenn er nicht alle Antworten wusste, so hätte ihm auch die Zeit gefehlt, um darüber nachzudenken und so füllte er das aus, was er konnte. Dasselbe galt für die praktische Prüfung. Flitwick hatte zumindest angenehm genickt.

Zwischen den Prüfungen gab man ihnen 30 Minuten Pause, aber Harry wünschte sich glatt, diese nicht zu haben. Hermine nutzte diese Zeit, um nach jeder Prüfung zu sagen, was bei ihr falsch lief und was sie hätte anders machen sollen, wenn sie nur mehr Zeit gehabt hätte.

Nach Zauberkunst ertrug es Harry noch, Ginny versuchte so freundlich wie möglich zu sein und Ron verzog bereits entnervt Grimassen. Neville zuckte nur leicht mit dem Mundwinkel, hörte aber Hermine noch am ehesten zu und versuchte sie damit zu beruhigen, dass sie auf jeden Fall besser als er war. Das war nicht schwer, denn Neville brachte es fertig bei einer Bewegung den Zauberstab gegen Flitwick's Bauch zu schmeißen.

Verwandlung lief ähnlich ab, nur das es hier Ron war, der den Zauberstab aus Versehen verlor und McGonagall, der es direkt gegen die Stirn fiel. Im Gegensatz zu Flitwick, spuckte diese jedoch fuchtsteufelswild Ron in Grund und Boden.

Wieder ließ sich Hermine in der Pause darüber aus, wie schlimm es bei ihr lief. Diesmal jedoch platzte Ron verärgert der Kragen.

„Hermine! Du hast McGonagall nicht mit deinem Zauberstab beschmissen, also wirst du schon dein Ohnesverdammtesgleichen bekommen!"

Harry und Ginny vergruben sich mit höchst heiteren Blicken hinter ihren Tassen Kaffee, damit Ron nicht mitbekam, wie witzig sie es tatsächlich fanden.

Bei der anschließenden Prüfung von Kräuterkunde hätten sich beide jedoch gewünscht, sich weniger darüber amüsiert zu haben, denn da waren es Ginny und Harry, bei dem es für einen Moment alles andere als gut lief.

Eigentlich hatte zuerst Harry den Mist gebaut und sein Blatt-Erdmännchen beim Versuch des Umtopfens nicht fest genug gehalten, so dass dieser über sämtliche andere Köpfe hinweg sprang und wie ein irrer kicherte. Ginny war so überrascht davon gewesen, dass ihr ihrer ebenfalls aus den Fingern glitt und beide Blatt-Erdmännchen am Ende zu zweit den Prüfungsraum kurz und klein traten.

Etwas gutes hatte dieser Vorfall für die Pause. Hermine jammerte mal nicht über ihre mageren Leistungen. Harry und Ginny konnten sich dennoch nur sehr schwer immer noch das Grinsen verkneifen, so dass beide jedes Mal von neuem begannen zu prusten, wenn sich ihre Blicke trafen.

„Wie könnt ihr darüber nur lachen?!" sagte Hermine ungläubig. „Mit diesem Zeugnis werdet ihr euch beide für einen Job nach der Schule bewerben! Glaubt ihr wirklich, ihr habt Chancen wenn in Kräuterkunde annehmbar steht?"

„Du hast recht," sagte Harry, dann jedoch traf sein Blick erneut Ginny's und wieder prusteten beide auf.

Es war gut, dass zumindest sie eine längere Pause hatten, denn Hermine war die Einzige von ihnen allen, die noch eine Prüfung in Arithmantik und Alte Runen machen musste, was als nächstes dran war.

Neville war noch mal lernen in der Bibliothek während Harry mit Ron und Ginny im tiefen Winter auf den Ländereien spazierte.

„Man, da frieren einem doch sämtliche Finger ein!" brummte Ron. „Dass ihr das auch noch freiwillig macht. Gehen wir wieder rein."

„Ach, jetzt sei kein Weichei," entgegnete Ginny, rollte ein Schneeball in ihren Händen und beschmiss lachend ihren Bruder damit.

„HEY!" rief Ron erbost. „Was soll das?!"

Harry und Ginny tauschten erneut nur ein Blick und prompt rollten beide Schneebälle in ihren Händen. Ron hatte nicht gezögert, ebenfalls mit beiden Händen Schnee geschaufelt und zur gleichen Zeit gegen seine Freunde gepfeffert, wie diese den Schneeball auf ihn schmeißen konnte. Die drei lachten und bewarfen sich eine halbe Stunde lang gegenseitig mit Schnee und ließen es erst sein, als der Schneesturm sie wirklich bereits fast halb bedeckte.

Sie stampften wieder zurück ins Schloss und putzten sich in der Eingangshalle den Schnee vom ganzen Körper.

„Willst du wirklich an Weihnachten nicht zum essen vorbei kommen, Mann?" warf Ron währenddessen ein. „Mum hat gesagt, ich soll dich noch mal fragen. Sie würde sich auch über Jilli freuen."

„Nah, wir wollen bei unseren Eltern sein. Danke."

„Aber essen müsst ihr doch etwas? Ich bin mir fast sicher, dass Abbilder nicht Essen kochen geschweige denn zaubern können," sagte Ginny und versuchte so wie Ron auch den Freund doch noch zu einem Besuch bei ihnen zu Hause zu überreden.

„Außerdem ist Fleur auch da, auch wenn ich immer noch nicht verstehe, wie sie Jilli's beste Freundin sein kann. Aber dann geht geht sie mir vielleicht weniger auf die Nerven, wenn Jilli da ist, der sie die Nerven rauben kann."

„Du weißt, dass deine Eltern immer noch nichts von uns wissen?"

Sie biss sich unangenehm auf die Lippen, aber Ron grinste listig.

„Könnte ein tolles Weihnachtsgeschenk werden," kommentierte er in Richtung Schwester. „Mum schenkt dir einen Pullover, du schenkst ihr den Schock ihres Lebens."

Ron prustete bereits los, obwohl Harry ihn dämlich ansah, da hatte Ginny ihm verärgert vom Fleck geschubst.

„Ach hör auf, du Vollpfosten. Mum mag Harry."

Sein Freund hätte sich womöglich noch länger über sie lustig gemacht, aber Hermine kam auf sie zu und sah wie erwartet aus als ob alles schief gelaufen war.

„Wie lief's?" fragte Harry, obwohl er sich sicher war, es sich hätte auch sparen zu können, denn sie fiel wie sie alle ahnten über ihre eigene Arbeit her, dass nichts perfekt lief und sie so dumm war, ein Zeichen in das genaue Gegenteil übersetzt zu haben.

„Ich war so aufgeregt! Oh je! Ich bin bestimmt durchgefallen!"

Sie ließen sie jammern, versorgten die Freundin aber auch gleichzeitig so gut es ging mit Müsliriegeln und genug zu trinken.

Das Alte Runen und Arithmatik gleich bei ihr liefen, war ihnen allen klar gewesen und so überhörten sie was die Freundin über ihre Fehler sagte. Ihre gemeinsame vorletzte Prüfung war Verteidigung gegen die Dunklen Künste und Harry war froh zu sehen, dass es keine Probleme für ihn darstellte. Das bedeutete, dass sowohl die schriftliche, wie auch die praktische Prüfung sehr gut lief. Er musste nicht mal nachdenken und konnte alles ausfüllen und ausführen. Bei Ron, Ginny und Neville lief es gleichfalls gut, nur Hermine brach in Tränen aus und behauptete felsenfest, dass ihr Fluch eine Sekunde länger gebraucht hatte als Harry würde sie auf ein Annehmbar stürzen

Die letzte Prüfung war Zaubertränke und die meisten hatten schon gar kein Kopf mehr dafür. Da dies auch nicht von sehr vielen belegt werden konnte war es noch schwerer sich zu konzentrieren, wo kurz vorher drei viertel ihres Jahrgangs abgereist waren und schadenfroh Frohe Weihnachten wünschten.

Harry schrieb auf, was er konnte und an was er sich erinnerte und bei der praktischen Prüfung mischte er den Trank nach Rezept. Das ein oder andere Mal bekam er das geforderte hin, weil ihn Jilli's Tipps sehr weiterhalfen. Am Ende war er erstaunt, dass ihn der Trank doch gerade noch rechtzeitig gelungen war, wusste aber, dass dies zu einem Großteil nicht seiner eigenen Erfahrung zu verdanken war, sondern die seiner Schwester.

Als endlich alles vorbei war, konnten die Freunde gar nicht schnell genug aus dem Kerker verschwinden.

„Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh ich bin endlich Ferien zu haben," sagte Hermine als sie alle mit gepackten Koffern im Gemeinschaftsraum standen.

„Oh – doch," murmelte Ron mit verärgertem Seitenblick. Um fair zu sein, Hermine hatte ihn am meisten mit ihren Unsicherheiten genervt, da war seine Laune nachvollziehbar.

„Wie dem auch sei. Ich muss jetzt los. Ich treff die Frau, die mich zu meinen Eltern bringt am Eingangstor."

Damit umarmte sie alle ganz fest und wünschte ihnen schöne Feiertage. Am Kamin in McGonagall's Büro verabschiedeten sich dann auch Ginny und Ron von Harry.

„Frag Jilli noch mal wegen Heilig Abend, ja? Ein Familienessen gefällt ihr vielleicht besser, als sie erwartet hätte," sagte Ginny noch mal nach. Harry nickte.

„Ich werd fragen. Schöne Grüße an deine Eltern und habt ein schönes Essen. Egal, was, Ich weiß, dass es mit Jilli schön wird."

„Auf nem Friedhof?" warf Ron glucksend ein. „Wohl eher gruselig."

Die beiden Jungs gaben sich freundschaftlich die Hände.

„Wir schreiben uns," sagte Harry schließlich und wurde von Ginny nicht nur fest umarmt, sondern auch sehr lange auf den Mund geküsst. Ron hatte sich augenrollend weggedreht und unauffällig alles nur nicht seinen besten Freund und seine Schwester angesehen.

„Grüß Jilli von uns."

Harry winkte beiden. Er wollte direkt nach ihnen abreisen, zögerte jedoch und wandte sich noch mal zu Professor McGonagall, die an ihrem Schreibtisch saß und einige wichtige Dokumente durchlas ohne die Abreisenden überhaupt beachtet zu haben. Es war verständlich, wenn man bedachte, wie viele Schüler heute wohl schon durch ihren Kamin gereist waren.

„Professor?"

„Ja, Potter?" sagte sie ohne sich ihm zugewandt zu haben.

„Ist Professor White eigentlich noch da?"

„Ich fürchte nicht, Potter."

Er nickte, wenn auch leicht betrübt. Wieso machte es ihm etwas aus, sie nicht ebenfalls noch verabschiedet zu haben?

„Frohe Weihnachten, Professor."

„Frohe Weihnachten, Potter."

Harry wollte gerade in den Kamin steigen, da fügte McGongall jedoch sehr zu seiner Überraschung noch etwas hinzu.

„Professor White ist bei Sirius."

Er hatte sich sofort wieder umgedreht und sie erwartungsvoll angesehen. Seine Lehrerin wirkte nicht mehr ernst und streng, wie üblich, sondern eher gefühlvoll und mitfühlend.

„Passen sie auf sich auf, Potter."

„Ja, Professor."

Damit stieg er in den Kamin und reiste ab.


Jilli und Harry verbrachten den Freitag Abend in Harry's Wohnung. Damit er sich von den Prüfungen erholen konnte, hatte sie Pizza besorgt und sich von ihm alles erzählen lassen.

„Hermine scheint sehr zielstrebig zu sein," merkte sie an, während Harry breit grinste.

„Ja, schon. Aber sie hat eh überall ihre Ohnesgleichen. War schon immer so und wird auch immer so bleiben. Remus sagte, Dad und Sirius wären die besten ihres Jahrgangs gewesen und Slughorn schwärmt von Mum als Beste Schülerin. Ich bin allerdings nur Mittelmaß. Ich hab wohl gerade so wieder alle Prüfungen bestanden."

„Nur weil dein Blatt-Erdmännchen das Klassenzimmer zerlegt, bekommst du kein Annehmbar," versuchte sie ihn zu beruhigen, auch wenn es ihr im Gesicht stand, wie lustig sie es fand.

„Hey, mein Blatt-Erdmännchen hat bei meiner Prüfung mal Stinkbomben losgelassen, die ein Mitschüler damals mitgebracht hatte und ich hab dennoch eine gute Note bekommen."

„Stinkbomben?"

„Jiah, glaub mir, so höflich und unschuldig sind Schüler von Beauxbatons nicht wie die Abgesandten, die ihr beim Trimagischen Turnier kennengelernt habt. Diejenigen, die es Faustdick hinter den Ohren hatten, wurden nur zu Hause gelassen."

„So so?" grinste Harry vielsagend, woraufhin sie sofort unschuldig auf sich selbst zeigte.

„Moi musste zu Hause bleiben und das nicht freiwillig. Ich bin unschuldig und höflich."

„Klar," grinste er weiter und dass er recht mit seiner Vermutung hatte wurde offensichtlich als auch seine Schwester lachte.

„Hey, Ron und Ginny haben noch mal nachgefragt, ob wir nicht doch zum essen kommen wollen. Wie wär's? Wir könnten morgen erst mit ihnen und ihrer Familie essen und dann zu Mum und Dad nach Godric's Hollow reisen?"

„Du kannst gerne," sagte Jilli. „Ich bring dich hin und hol dich dann später wieder ab. Wie wär's?"

Sie klang eigentlich komplett ehrlich und auch nicht verletzt oder traurig, dennoch verstand er es nicht und wollte es auch nicht einfach so sein lassen.

„Ich geh nicht zum essen, wenn du nicht mitgehst," sagte Harry entschieden. „Sagst du mir wenigstens, warum du nicht zu ihnen willst? Ich dachte, du verstehst dich ganz gut mit den Weasleys. Ich zwing dich ja nicht, aber Fleur wird auch da sein. Und sie ist deine beste Freundin."

„Ja, stimmt... Ich weiß, Ginny und Hermine finden das immer noch verrückt. Du auch, hm?"

„Nein."

Gut, das war so halb gelogen, denn wenn er ehrlich war, dann machte er sich darüber keine großen Gedanken. Sie waren es halt und mehr brauchte er eigentlich nicht zu wissen.

„Fleur ist anders, als ihr sie wahrnehmt. Weißt du, bei Yuno aufzuwachsen und als ein Mädchen, welches sich plötzlich nur ihm und Remus anvertrauen konnte, war Fleur ein Glücksfall. Es gibt gewisse Dinge, da kann dir ein Mann nicht wirklich weiterhelfen und dafür hatte ich Fleur.

Sie ist echt sehr umsichtig und warmherzig, wenn sie will."

Harry nickte verstehend.

„Also... gehen wir morgen zu den Weasleys essen?"

Jilli blickte bedrückt zu Boden und prompt wünschte sich Harry es nicht noch mal gefragt zu haben. Er mochte es nicht, wenn sie so niedergeschlagen war und erst recht nicht, wenn es erst durch ihn passierte.

„Wir müssen nicht, wenn du nicht willst. Wir machen morgen das, was wir ursprünglich geplant haben."

„Ach, Harry," begann sie nun betrübt und sah ihn traurig an. „Bei den Weasley's ist alles bestimmt schön geschmückt und festlich eingerichtet. Alles duftet nach Plätzchen und... einfach nach Weihnachten. So wie es bei Mum und Dad der Fall war und immer noch wäre, wenn sie nicht von Voldemort getötet worden wären."

„..."

Darum ging es hier also. Harry hatte sich natürlich die letzten Jahre oft gefragt, wie sein Leben wäre, wenn seine Eltern noch leben würden, aber jetzt erkannte er, dass seine Schwester es mindestens genauso oft getan haben musste, wenn nicht noch mehr. Im Gegensatz zu ihm, nahm sie das wohl sogar noch ein großes Stückchen mehr mit. Jilli sah ihm an, was er sich für Sorgen machte und das hatten die beiden auf jeden Fall gemeinsam. Sie wollten den anderen nicht verletzen und schon gar nicht in dieser verletzbaren Lage halten.

„Weißt du, Ponester sind höhere Wesen, weil wir eine bestimmte Fähigkeit besitzen, die es uns erlaubt, alles zu sehen. Und mit alles, mein ich... einfach alles."

Harry sah sie verwirrt an, denn wenn er ehrlich war, dann verstand er nicht, was sie mit der besonderen Betonung bezweckte. Er wusste doch, dass sie sehen konnte, was wäre, wenn ein Ereignis nicht eingetroffen oder anders verlaufen wäre?

„Ich kann, je nachdem wohin ich gehe, sehen was bei jedem wäre. Nachdem Mum und Dad getötet wurden, da hab ich das ganz oft getan und auch jedes Jahr zu Weihnachten... zumindest bis letztes Jahr zu Weihnachten. Ich wollte wissen, wie die Gegenwart wäre, wenn ich Mum und Dad damals vor ihrer Ermordung bewahrt hätte.

Ich denk, es war einfach zu viel, zu wissen, wie es hätte sein können, aber eben nicht ist. Ich hab das letztes Jahr zum letzten Mal getan, weil es... zu viel wurde."

Harry nickte mitfühlend.

„Muss ziemlich blöd gelaufen sein, wenn es dir Weihnachten verdorben hat..." sagte er vorsichtig. Sie schüttelte jedoch den Kopf.

„Nein, eigentlich... macht es mich traurig. Als ob Voldemort mir Weihnachten gestohlen hat..."

Harry wollte sagen, dass er sie verstand, aber das wäre gelogen. Er glaubte nicht, dass er dasselbe empfand, wie seine Schwester und er bemerkte auch erst jetzt, dass alles für sie schwerer war, als er all die Zeit angenommen hatte. Er hielt Jilli immer für stark. Natürlich sehr gefühlvoll und unbeherrscht, aber nie für verletzt. Hier und heute zeigte sie ihm, dass sie es sehr wohl gewesen war. Verletzt.

„Willst du's sehen?" fragte sie plötzlich und er sah überrascht auf. „Das letztjährige Weihnachtsfest mein ich, wenn Mum und Dad nicht ermordet worden wären?"

„Geht das?"

Jilli nickte strahlend.

„Ich könnte es dir zeigen. So wie ich dir meine Erinnerung gezeigt habe. Es wäre als ob du es selber miterlebst.

Zauberer und Hexen können so etwas durch eine Beschwörung erreichen, wenn das Ergebnis auch leicht anders ist als wie bei mir.

Sie sehen die Gegenwart, wenn ein bestimmtes Ereignis anders verlaufen wäre und sie haben auch nur ein bestimmtes Zeitfenster. Ich seh nicht nur die Gegenwart, sondern kann auch die Vergangenheit sehen und ich kann darin verweilen solang ich will."

Sie ließ kurz den Kopf sinken und sah ihn scheu an.

„Ich hab darüber nachgedacht irgendein unbedeutendes Ereignis zu ändern, und dann herauszufinden, was Anna das ganze letzte Jahr getan hat."

„Das geht auch?!" rutschte ihm unfassbar heraus. Jilli nickte als sei es nichts außergewöhnliches und als hätte sie gleichfalls nicht bemerkt, wie irre Harry das fand. Langsam wurde ihm klar, warum es hieß, dass Jilli die Wahrheit so oder so herausfinden könnte und machte sich innerlich eine Notiz sich endlich mal wirklich näher über Ponester zu informieren. Er wollte nicht noch mal so schockiert und überrumpelt gaffen, wenn sie ihm etwas mitteilte, was für ein Ponester ganz natürlich war.

„Aber dazu brauch ich noch ein wenig mehr Mut."

„Mut?" fragte Harry verwundert. Jilli zog eine unangenehme Grimasse.

„Wegen dem, was ich sehen könnte. Anna redet nicht über das, was passiert ist. Ich weiß nicht, ob es da so klug ist, sich das Wissen über diese Art dennoch anzueignen."

Harry lächelte traurig.

„Stimmt auch wieder."

„Wie dem auch sei, fertig zu sehen, wie Weihnachten mit unseren Eltern wäre?"

„Fertig," sagte er fest.


Harry fand sich in einem herrlich duftenden und sehr weihnachtlich, warm geschmücktem Wohnzimmer wieder. Er sah Bilder seiner Familie an den Wänden. Seine Eltern mit ihm und Jilli, nur Bilder von ihm, Bilder, die er noch nie gesehen hatte, weil sie eigentlich nie gemacht wurden. Hier aber offenbar schon. Ihn mit 11 Jahren im Bahnhof King's Cross, wie er seinen Eltern zuwinkte mit seiner 3 Jahre älteren Schwester. Er vor einem Kuchen, dessen Kerzen er gerade ausblies. Die Kerzen zeigten, dass es sein 6. Geburtstag war. Fotos von Jilli und ihm, die beide sehr vertraut miteinander zeigten. Und dann ein weiteres Foto, dass länger seine Aufmerksamkeit auffing. Sein Vater mit ihm in seinen Armen auf dem Besen hoch in der Luft. Sein Vater trug die Gryffindor Quidditch Uniform und Harry war vielleicht höchstens 4 oder 5 Jahre, aber er trug ebenfalls eine Uniform, die stark an die des Gryffindor Quidditch Team erinnerte.

„Du vermisst das Quidditch spielen, hm?" fragte die Stimme seines Vaters und Harry drehte sich sofort um. Da stand er. Eine viel ältere Version von James Potter, als die, die er bisher kannte oder gesehen hatte und dennoch waren die wesentlichen Merkmale immer noch ausdrucksstark vorhanden. Sein unbändiges und in alle Richtungen abstehendes Haar, seine warmen Haselnussbraunen Augen, die Stimme, die sich kein bisschen verändert hatte und noch genauso klang, wie Harry es auf dem Friedhof vom Abbild seines Vaters hörte.

„Hey, Dad," sagte er sehnsüchtig. Sein Vater trat zu ihm rüber und drückte ihm die Schulter.

„Es ist nicht einfach mit Voldemort da draußen, aber es ist sicherer für uns alle. Die Quidditch Spiele wären zu gefährlich gewesen. Dumbledore hat wirklich recht. Der Schutz der Schüler geht vor. Ich weiß, du wärst gern Quidditch Kapitän gewesen."

„Ja, nein. Schon okay, Dad. Ich versteh das."

Das war die Wahrheit. Wenn er seine Eltern wieder haben hätte dürfen, dann wäre Quidditch aufzugeben kein Problem für ihn gewesen. Er hätte auch ohne damit in der Schule leben können, wenn er nur zu seinen Eltern heimkehren hätte können.

James sah seinen Sohn stolz an.

„Deine Schwester und deine Mutter kommen übrigens erst zum Essen nach Hause. Fudge will alle Auroren da behalten so lange es geht."

„Fudge ist noch Zaubereiminister?" rutschte Harry aus Versehen heraus. James sah ihn verwundert an, aber Harry versuchte das wegzulächeln. Es klappte, denn sein Vater grinste amüsiert.

„Ich weiß, du magst ihn nicht, aber der Kerl geht nicht von ein auf den anderen Tag. Oder dachtest du, die Auroren hätten über Nacht den Zaubereiminister gestürzt? Ich trau es Scrimgeour zwar zu, so wie er die Aurorenzentrale leitet, aber deine Mum wüsste das schon zu verhindern.

Auch wenn sie Fudge nicht leiden kann, aber sein Sturz wäre zur Zeit mehr schädlich als hilfreich."

Sein Vater nickte in Richtung Küche und Harry folgte ihm in den anderen Raum.

„Vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass wir gerade vermuten, dass er seit geraumer Zeit mit Voldemort zusammenarbeitet."

„Das passt zu ihm," brummte er missmutig. Sein Vater gluckste amüsiert. Harry hatte alles hier zu gern, um über Fudge und Voldemort zu reden, vor allem wenn Ersterer in der Realität nicht mehr Zaubereiminster war, so dass er das Thema wechselte.

„Der Baum ist noch gar nicht geschmückt?"

James lachte.

„So wie jedes Jahr. Oder dachtest du, wir brechen die Tradition und schmücken den Tannenbaum dieses Jahr ohne euch?! Aber da deine Mum und deine Schwester erst später aufkreuzen, bleibt es dieses Jahr wohl Männerarbeit."

Grüne Flammen schossen im Kamin empor als sie gerade daran vorbei schritten und beide blieben abrupt stehen. Harry's Herz machte ein glücklichen Hüpfer als er seine ebenfalls viel ältere Mutter heraussteigen sah. Wie ihr Vater aber blieben die wesentlichen Merkmale auch bei ihr immer noch gleich. Ihr langes, rotes Haar, ihre Mandelförmigen, Smaragdgrünen Augen, ihr warmes, bildhübsches Gesicht, dass ihn liebevoll anstrahlte.

Nur eine Sekunde später folgte seine Schwester. Die beiden begrüßten die Jungs und zu viert schritten sie wieder zurück ins Wohnzimmer zum Tannenbaum. Lilli schob Harry mit ihren Händen um seine Schultern hinein, James hatte dasselbe mit Jilli getan. Er tauschte ein Blick mit seiner Schwester und ihr glückliches Lächeln verriet ihm, dass sie dasselbe dachten.

So war es also, wenn seine Eltern nicht gestorben wären. Sie wären hier zu viert, wie eine Familie und seine Eltern waren genauso zu ihm, wie er es sich vorgestellt hatte, genauso, wie er es sich immer ersehnt hatte.

Sie begannen gemeinsam den großen Tannenbaum zu schmücken während es draußen leicht zu schneien begann. Harry konnte es durch die Terrassentür erkennen und da er schon mal in seinem Haus in Godric's Hollow war, wusste er auch, dass sie sich hier nicht mehr dort befanden.

„Ich weiß," sagte Lilli und Harry wandte sich ihr verwundert zu. „Es ist nicht dasselbe, wie das zu Hause, dass du kennst, aber solange Voldemort noch da draußen ist, bleibt uns keine andere Wahl als in einem der Verstecke des Orden zu feiern. Ich weiß, du magst es nicht, aber ich verspreche, es wird auch wieder besser werden."

Sie lächelte zuversichtlich.

„Es ist sehr schwer für dich und diese Worte verlieren an Bedeutung, wenn man sie Jahr um Jahr hört, aber..."

Seine Mutter brach ab und wusste offenbar nicht, wie sie ihren Satz beenden sollte, also schüttelte Harry den Kopf.

„Nein, Mum. Ist schon gut. Ich mags."

Er legte das letzte seines Lametta ab und blickte sie fröhlich an. Was immer vorher passiert war, jetzt freute er sich einfach nur, dass er mit ihnen zusammen sein konnte.

„Fudge hat euch tatsächlich früher gehen lassen?" fragte James als sie alle nun zusammen standen, um den fertig geschmückten Baum zu bewundern.

Für Harry war alles noch viel zu überwältigend, als dass er sich hätte normal verhalten können. Er konnte seinen Blick nicht von seinen Eltern nehmen. Zu schön war es sie am Leben und wohlauf zu sehen.

„Ehrlich gesagt, finde ich das auch verdächtig."

Das war genug, damit seine Eltern einen misstrauischen Blick tauschten. Harry dagegen sah seine Schwester an, die unauffällig den Kopf in seine Richtung schüttelte. Sie wusste also worum es ging und deutete ihm sich keine weiteren Gedanken darüber zu machen.

„Albus?" fragte James kurz. Lilli nickte.

„Er weiß davon. Er gibt Bescheid, wenn er näheres weiß."

Seine Mutter sah zurück zu den beiden Kindern und versuchte nicht ganz so bedrückt auszusehen, wie Harry vermutete, dass sie war.

„Egal, heute ist Heilig Abend und in alter Tradition bereiten wir als nächstes das Essen gemeinsam vor. Die anderen werden erst mit der Zeit eintrudeln, also fangen wir doch schon mal an. Was denkt ihr?"

James zwinkerte und Jilli strahlte.

„Auf jeden Fall," sagte sie fest. Harry kam aus dem Grinsen nicht mehr raus und das, worauf er sich nun freute war einfach nur die Zeit mit ihnen zu genießen.

Sie befanden sich gemeinsam in der Küche und Harry kochte und backte zum ersten Mal in seinem Leben auf Zaubererart. Jilli und er saßen auf den hohen Hockern und während seine Schwester Plätzchen ausstach, beobachtete er, wie seine Mutter mit dem Zauberstab den Braten füllte und die Kartoffeln in den Kochtopf zauberte. Er mochte es ihr zuzusehen, wie sie all dies mit Leichtigkeit und kurzem schwenken ihres Zauberstabes tat. Dabei sprachen sie und James über dies und jenes und warfen beiden Kindern immer wieder liebevolle und fürsorgliche Blicke zu.

„Champ, fang auf!"

Bevor Harry kapierte, dass sein Vater ihn damit meinte, flog etwas an ihm vorbei und KRACH! Jilli, Harry und James kniffen simultan die Augen zusammen als Porzellan hinter ihnen zerbrach. Als er seine Augen wieder öffnete, sah er wie James entsetzt seinen Sohn ansah und sich erst dann sehr vorsichtig mit einem unangenehmen Blick an Lilli wandte.

„Ups."

Lilli schüttelte rügend den Kopf, schwang ihren Zauberstab in die Richtung hinter Harry und reparierte die Teller.

„Wie oft hab ich dir gesagt, man spielt nicht beim Essen machen?!"

„Eigentlich war das nicht spielen, Schatz," versuchte sich James raus zu reden und wandte sich nun verwundert an Harry. „Champ? In Gedanken versunken? Die Teller hast du sonst immer aufgefangen? War es doch dein ernst, dass du die Tradition lieber die Toilette runterspülen willst oder wolltest du deiner Mum damit zeigen, wie schrecklich du das Geschirr findest?"

„Err -" machte Harry, da hörte er ein bellendes Lachen und wandte sich sofort zur Tür, wo Sirius, Remus und eine Frau stand, die der Frau aus Iargrove ähnelte. Das musste die Phowlyris Diana sein, wenn auch ihre Kleidung eher an die einer Hexe erinnerte.

Er sah jedoch insbesondere seinen Patentonkel an, denn es war der gutaussehende Sirius, den Harry im Jahr vor dessen Tod kennengelernt hatte, ganz ohne die Zeichen, die Askaban bei ihm hinterlassen hatte.

„Vielleicht hat Harry es auch nur satt, dass sich sein Vater und sein Patentonkel immer noch wie Kinder benehmen und wollte euch damit auffordern endlich erwachsen zu werden?" schlug Lilli frech vor.

Harry war so überwältigt seinen Patenonkel wohlauf zu sehen, er war sofort auf ihn zugestürmt und hatte ihn fest umarmt.

„Wohow!" machte dieser überrascht. Lilli, James, Remus und Diana waren nicht weniger verwundert, was Harry auch erst bemerkte, als er Sirius wieder los ließ und alle konfusen Gesichter erblickte. Die Einzige, die das nachvollziehbar fand, war seine Schwester.

„Champ?" fragte James irritiert, da Sirius viel zu überrumpelt war, um etwas zu sagen.

„Ich ähm... hab Sirius nur vermisst," versuchte er es zu erklären, aber offenbar war dies kein guter Versuch gewesen, denn die merkwürdigen Gesichter blieben nach wie vor erhalten.

„Jaah," sagte Jilli, um ihrem Bruder zur Hilfe zu eilen. „Es ist immerhin schon lange her, dass er ihn gesehen hat durch das ganze verstecken vor Voldemort und Sirius' Arbeit für den Orden."

Sirius verengte misstrauisch die Augen.

„Ich hab Harry gestern von Hogwarts abgeholt."

„Jaah," sagte sie erneut sehr kleinlaut. „Er hat dich eben gern..."

Sie machte sich klein und stach wieder Plätzchen aus, hoffend, dass keiner das Thema intensivieren würde, auch wenn sie immer wieder mal kurze Blicke zu Harry warf, der nicht weniger peinlich berührt aussah.

„Teenager, heh?" warf Remus mit dem Anflug eines Lächelns ein. „Kommt noch jemand?"

„Nope," antwortete James. „Lil und Jilli durften sogar früher von der Arbeit abhauen."

„Wirklich?" fragte er überrascht und Harry sah seine Schwester erneut neugierig an. Er verstand nicht, was daran so unnatürlich sein sollte.

„Dumbledore?" fragte Remus mit sehr ernster Miene.

„Weiß Bescheid," antwortete Lilli.

„Okay. Wie auch immer -" fuhr Sirius fort. „Es ist Weihnachten. Wie können wir helfen?"

„Der Tisch sollte noch gedeckt werden," sagte Lilli und schon waren James und Sirius aufgesprungen.

„Männerjob!" kam es von beiden gleichzeitig. James zog Harry vom Hocker und nickte ihm Richtung Wohnzimmer zu. Er grinste und folgte seinem Vater und Sirius aus der Küche, wobei ihm im Gegenteil zu den beiden Männern nicht entgangen war, wie die Frauen und Remus amüsiert den Kopf schüttelten.

„Und alle Jahre wieder werden sie erneut zu Kleinkindern," merkte Lilli mit Blick auf den Freund an.

„Willst du nicht mitmachen?"

„Nö, ich helf euch hier lieber."

„Super. Hilfe erwünscht, wenn man plötzlich 4 statt 2 Kinder hat."

Harry mochte es die Zeit mit seinem Vater und Sirius zu verbringen. Es war lustig, da beide ständig nur Mist beim decken des Tisches bauten und die Teller so einige Male wieder zusammengezaubert werden musste. Hier und da musste Harry sogar mal aushelfen, um eine Gabel wieder herzufischen, die aus Versehen in die Küche flog und keiner der beiden sich hinein traute. Er vergaß vollkommen, dass dies gar nicht real war.

Erst als es ans Essen ging und er neben Jilli saß, reichte ein Blick, um das Glücksgefühl von eben zu dämmen. Die Erwachsenen hatten sich in ein Gespräch über die Lage in der Welt vertieft und standen etwas Abseits des Esstisches, so dass Jilli und Harry sich ungestört miteinander austauschen konnten.

„Tut mir leid, das wegen vorhin," begann er leise, aber Jilli beruhigte ihn sofort.

„Ach quatsch. Mir ist das auch schon oft passiert. Nur damit du's weißt. Eigentlich hättest du den Teller mit nem Zauber gefangen, den Dad dir zu geschmissen hat. Das ist wohl Tradition, dass ihr das jedes Jahr gemacht habt."

„Err – das erklärt einiges."

„Chiah," grinste sie breit. „Das ist Dad. Chistbaumschmuck hin und her werfen gehörte offenbar zur Tradition von ihm und mir, was auch erst nach einigen zerbrochenen Kugeln heraus kam."

Harry grinste, dann aber fiel ihm etwas anderes auf, da schließlich auch niemand mehr kommen würde.

„Wo ist Brian?"

Jilli senkte bedrückt den Kopf und Harry wurde auf der Stelle das Herz schwer.

„Ist er tot?"

„Schlimmer," sagte Jilli betrübt und biss sich auf die Lippen. Was es war, das erfuhr Harry in diesem Moment nicht, denn die Erwachsenen kamen alle zurück und setzten sich zu ihnen an den Tisch.

Das Essen war genauso schön, wie bereits der ganze Abend. Harry mochte es zu sehen, wie sie herum spaßten, wie sein Vater und seine Mutter immer noch verliebte Blicke austauschten oder wie sein Vater und Sirius herum alberten, was er von Sirius in dieser Weise gar nicht kannte. Er mochte es, vor allen Dingen, weil dies der Mann war, der nicht 12 Jahre zu Unrecht in Askaban gesessen hatte, sondern ein Leben in Freiheit führen durfte.

Allerdings fragte er sich, was hier mit Professor White passiert war, da niemand auch nur ein Wort von ihr verlor.

Diana fragte Harry, wie denn sein sechstes Schuljahr so liefe, woraufhin er mit einem kurzen gut antwortete. Was sollte er auch groß erzählen, wo er nicht wusste, wie es ihm hier ergangen war. Als sie danach Jilli fragte, wie es ihr in ihrer Ausbildung zur Aurorin erging, verschluckte sich Harry hörbar an seinem Braten und erneut sahen ihn alle irritiert an.

„Sorry," hustete er. Seine Schwester war Aurorin? War sie auch im wirklichen Leben Aurorin? Er hatte nie gefragt, was sie eigentlich im Zaubereiministerium tat, aber er war sich sicher gewesen, dass sie keine Aurorin war.

Er schaffte es endgültig alle misstrauisch zu machen, als Diana fragte, ob es bei ihm und seiner momentanen Freundin gut liefe, dessen Name ihr nur leider missfallen war und Harry, noch bevor er Jilli's vehementes Kopfschütteln bemerkte, Ginny's Namen nannte. Auf die vielen überraschten Gesichter hin wurde ihm schließlich klar, dass er hier offenbar nicht mit Ginny ging.

„Nein," sagte Jilli schließlich umsichtig, um die Situation zu klären. „Es läuft nicht sehr gut zwischen Harry und Parvati Patil."

„Teenager, heh?!" warf Remus erneut ein und ergriff auf der Stelle ein neues Thema, so dass die Erwachsenen wieder zu reden begannen und Harry sich unbemerkt zu Jilli beugen konnte.

„Ich gehe mit Parvati Patil?" murmelte er entsetzt.

„Ja," murmelte Jilli zwischen halb geschlossenen Lippen, damit die anderen nichts mitbekamen. Während Harry immer noch verwirrt war, setzte seine Schwester genauso murmelnd weiter hinzu: „Und davor gingst du mit Padma Patil -" Pause. Harry sah sie nun unfassbar an. War das ihr ernst? „Und davor mit Lavender Brown." Pause. „Davor mit Pansy Parkinson."

Pruuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuust!

Wieder starrten ihn alle Erwachsenen an als er sein gesamtes Glas Limonade über das Essen verteilte und diesmal fror selbst Jilli vor Entsetzen ein. Es war Remus, der den Zauberstab herausholte.

„Wir waren eh fertig mit dem Essen, oder?!"

Da niemand etwas sagte, zauberte er einfach das Essen zurück in die Küche, um dann heiter zu fragen: „Nachtisch?!"

Harry hatte sich mit Jilli in eine Ecke verzogen, während die Erwachsenen vor ihnen auf der Couch munter in ihr eigenes Gespräch nach dem Essen vertieft waren.

„Was bin ich hier eigentlich?! Pansy Parkinson? Pansy Parkinson?! Die kann ich doch gar nicht leiden und ich bin mir sicher, das beruht auf abgrundtiefe gegenseitigkeit!"

„Okay, flipp nicht aus -" bat Jilli und ging noch mal sicher, dass ihre Elten nicht hersahen, sondern tief in ihrer Unterhaltung mit Remus, Sirius und Diana waren. „Ich hab es dir nicht gesagt, um dich nicht aufzuregen. Du solltest doch nur das Weihnachtsfest hier miterleben. Aber jetzt merk ich, dass du gewisse Infos doch besser vorher hättest wissen sollen, um besser reagieren zu können."

„Was nicht gesagt?" fragte er halb verrückt. „Dass ich sie hier nicht mehr alle habe, weil ich mit Mädchen gehe, mit denen ich bei klarem Verstand niemals gehen würde? Oder weil ich zu Dad sagte, ich möchte die Tradition die Toilette runterspülen? Bin ich hier so was wie ein verwöhnter Idiot oder so was?"

„Nein!" sagte Jilli vehement, biss sich dann jedoch auf die Lippen und sah ihn verdrießlich an.

„Das mit Ginny und dir ist hier wirklich blöd gelaufen. Du bist nicht mit ihr zusammen, weil du lange mit Cho Chang zusammen warst und offenbar kommst du da ein wenig nach Sirius und Dad und tobst dich aus, denn nach Cho Chang, kam eine nach der anderen."

„Also sind Ginny und ich Freunde?"

„Nicht direkt."

„Jilli!" zischte er eindringlich.

„Ginny geht gar nicht mehr nach Hogwarts."

„Wie jetzt? Und Ron und Hermine? Und wo ist Brian? Professor White? Jilli, was -"

„Harry, bitte. Diese Erinnerung... ist gleich vorbei und..."

„Gleich vorbei?! Wieso das?"

„Genieß doch einfach noch den letzten Moment..."

„Oh – kay," sagte ihr Vater. Beide verstummten als er plötzlich neben ihnen auftauchte, wenn auch mit einem äußerst vielsagenden Blick.

„Eltern lieben es, wenn ihre Kinder die Köpfe zusammenstecken, gemeinsam durch dick und dünn gehen und Geheimnisse für sich bewahren, aber diese Eltern hier -" Er zeigte auf sich und Lilli, die bei den anderen stand und sich immer noch mit ihnen unterhielt. „Hätten es lieber, wenn die Kinder ihre Köpfe mit ihren Eltern zusammenstecken, gemeinsam durch dick und dünn gehen und keine Geheimnisse voreinander haben."

„Wir haben keine Geheimnisse," sagte Jilli ehrlich.

„Jiah," machte James jedoch spitz. „Das haben Sirius und Ich auch ständig behauptet. Na gut, aber wehe ich wache morgen auf und ihr habt das Haus rot-gold angemalt."

Er zwinkerte beiden zu. Da ihm jedoch klar war, dass er sie wohl unterbrochen hatte, wollte er wieder zurück zu den anderen gehen, aber Jilli sprang vorher auf und fiel ihm überraschend um den Hals. Harry war mindestens genauso irritiert wie sein Vater, der zuerst überrumpelt blinzelte, seine Tochter dann aber ebenfalls fest umarmte.

„Jilli, Kleines, was -"

„Ich hab dich lieb, Dad," schluchzte sie und hatte bereits glasige Augen. Harry ahnte, dass gleich etwas passieren musste.

„Okay? Was immer ihr zwei auch verbrochen habt, keine Sorge, euer Dad steht euch zur Seite und wird dafür sorgen, dass eure Mum das auch versteh-"

James konnte nicht mal zu Ende sprechen, da gab es eine heftige Explosion. Alles hüllte sich in dickem Rauch und Harry hörte Stimmen nur noch gedämpft und unklar. Flüche, viele unbekannte Stimmen, Gepoltere und nun sogar Schreie, grauenhafte, angstvolle Schreie und er wusste genau, wessen Stimme es war.

„Mum?!"

Er rief nach ihr, aber seine eigene Stimme drang nur sehr leise an seine eigenen Ohren. Er sah Lichtblitze, rote, weiße, hörte wieder Stimmen, vertraute, die seines Patentonkels und von Remus...

„Harry!" Er hörte die Stimme seiner Schwester, aber auch ihre Stimme klang wie ein weites Echo. Erst als er ihren Griff an seinem Arm spürte, wandte er sich zur Seite und sah sie bei ihm stehen.

„Wir gehen."

„Nein, Mum und Dad, Sirius -"

„Es ist nicht real, Harry," sagte Jilli ernst. „Lass uns gehen. Du musst das nicht seh-"

„Du hast dich mir zum letzten Mal in den Weg gestellt, Potter."

Harry hörte wieder wie Voldemort den Todesfluch aussprach, wurde erneut von dem grünen Licht geblendet, hörte seine Mutter nach seinem Vater schreien, hörte Sirius und Remus brüllen und dann – Nichts.


Harry sah Jilli vor sich und ein Blick zur Seite verriet ihm, dass er sich wieder in seiner Wohnung befand. Er fühlte sich schrecklich, fühlte sich hilflos und leer. Jilli ließ ihn los und senkt den traurigen Blick zu Boden.

„Es tut mir leid," flüsterte sie mit gebrochener Stimme. „Ich wollte dich vorher da raus holen und die Erinnerung beenden... Ich war nicht schnell genug... Ich hab das noch nicht so im Griff, wenn ich so aufgewühlt bin... Es ist immer wieder schrecklich, Dad und Mum sterben zu sehen... Es tut mir so leid."

„Schon okay," sagte er benommen. Er brauchte etwas, um zu verstehen, dass dies eben nicht real war, obgleich es sich so angefühlt hatte. Sowohl die glücklichen Momente, wie auch die peinlichen oder witzigen... oder am Ende, die grauenvolle Angst.

Schließlich setzten sich die beiden etwas bequemer auf die Couch und blickten die kahle Decke über sich an.

„Es tut mir leid," wiederholte Jilli und sah ihn immer noch schuldig und niedergeschlagen an. Harry schüttelte den Kopf.

„Schon okay, wirklich."

„Nein, ist es nicht," widersprach sie jedoch kaum hörbar und fiel förmlich kraftlos in sich zusammen. „Egal, was ich tue... Egal, welches Ereignis ich mir anders wünsche. Jahr um Jahr passierte es dennoch immer wieder... Dad stirbt und Voldemort ist derjenige, der ihn tötet. Jedes Mal... Es gibt nichts, was ich tun kann, um das zu verhindern... Dies war die letzte Erinnerung und das letzte Mal, dass ich es versucht hatte.

Wieder hatte er einen Weg gefunden, unsere Eltern zu finden und obwohl wir alle da waren, hat er es geschafft ihn zu töten. Ich hole ihn und Mum jedes Mal raus, aber... Voldemort findet ihn dennoch wieder und tötet ihn.

Ich wollte es dir nur zeigen, bis Voldemort mit seinen Todessern in das Haus eindringt. Ich wollte nicht, dass du mitkriegst, wie Dad stirbt... selbst an Weihnachten. Es reicht, dass ich es immer wieder miterlebe."

„Jilli," sagte Harry voller Mitgefühl. „Wieso hast du dir das nur angetan?"

„Ich weiß es nicht... Ich wollte einfach sehen, wie es zwischen ihnen und uns wäre, wenn sie nicht gestorben wären. Ich weiß nicht... Ich wollte einfach Mum und Dad wieder haben."

„Was ist mit Ginny?" fragte er, um nicht weiter über den Tod seiner Eltern nachzudenken. So schlimm wie es war die letzten Momente damals durch den Dementor mitzubekommen, es nun direkt zu erleben war nicht weniger grauenvoll, wenn nicht gar mehr. Jetzt war es für ihn kein Wunder, dass seine Schwester Weihnachten nicht mochte, wenn sie dies immer und immer wieder tat und miterlebte. Mittlerweile war er sich auch nicht mehr sicher, ob er Weihnachten noch feiern wollte.

„Sie ist gestorben. Sie hatte einen Angriff nicht überlebt. Dafür hast du dir die Schuld gegeben. Deine Freundschaft mit Ron zerbrach daran und ich denk, mit all den anderen Mädels hast du einfach versucht dich irgendwie zu betäuben."

Er nickte nachdenklich, doch innerlich fühlte er sich stumpf, als ob eine eisige Hand sein Herz umklammerte und es zwang aufzuhören zu schlagen.

„Du bist kein verwöhnter Idiot, Harry. Du und Ich... wir haben hier nur nie den Verlust unserer Eltern erlebt. Ich denke, Mum und Dad wollten uns einfach beschützen und haben uns so gut es geht vom Krieg abgeschirmt. Genauso wie Sirius, Remus und alle anderen. Da war es umso schlimmer für dich plötzlich Ginny zu verlieren, weil dies auch noch bei einem Angriff auf Dad geschah und du nie bemerkt hattest, wie sie für dich schwärmt. Ron und Hermine haben es dir gesagt und das war wohl zu viel."

„Und wo ist Brian?"

Jetzt, wo er die eine Erklärung hörte, wollte er nicht weiter darüber nachdenken. Jilli schluckte hart. Auch das würde er wohl nicht hören wollen.

„Brian war einer der Todesser, die bei Voldemort standen als er Dad getötet hat."

„Brian war – Wie bitte?!"

Jilli zog ihre Knie an ihre Brust und begann auf seiner Couch hin und her zu wippen, ihr Blick war starr auf den Tisch gerichtet.

„Hätte ich Mum, Dad und dich vor dem Angriff von Voldemort in Godric's Hollow gerettet, hätte ich eine ganze Reihe von Kettenreaktionen in Gang gesetzt und... neben Ginny's Tod... auch Brian's Wandlung verschuldet. Durch Anna's Tod und da Sirius nicht nach Askaban kam, hat Dumbledore Sirius von seinem Sohn erzählt.

Er konnte sich nicht von ihm fernhalten. Er wollte ihn kennenlernen. Bei einem Angriff fiel Brian wieder in Voldemort's Fänge und sie fanden ihn nicht mehr rechtzeitig. Er war einer von Voldemort's Leuten geworden und egal wie sehr man ihm gut zuredete. Es brachte nichts.

Das sich Sirius und Dad also wie kleine Kinder an diesem Abend aufführten hat etwas damit zu tun, dass sie all das verdrängen wollten, was sonst um sie herum geschah."

„Was ist mit Professor White? Konnte ihr Snape hier nicht helfen?"

Jilli schüttelte bedrückt den Kopf.

„Anna ist tot. Glaub ich jedenfalls. Seit Dad's wiederholtem Tot an diesem Weihnachtsfest hab ich nie wieder versucht zu sehen, was noch sein könnte. Snape ist hier nie ein Mitglied des Orden. Ich denke daher, dass er auch nie vorgeschlagen hat, Anna's Seele zurückzuholen..."

Sie seufzte trostlos.

„Egal, wie oft ich es versucht habe, ich kann Dad nicht retten. Immer wieder trifft Voldemort auf ihn und der Ausgang ist derselbe. Er tötet ihn.

Vor einigen Jahren noch war es mir egal, was sich alles ändern würde. Ich konnte mit allem gut leben, solang ich nur weitere Augenblicke mit Mum und Dad hatte... Erbärmlich, oder?"

Harry ertrug es einfach nicht Jilli in diesem niederschmetterndem Zustand zu sehen, denn sie sah aus wie ein Häufchen Elend, das sich nie wieder erholen würde und so legte er seine Hand auf ihre Schulter und drückte sie aufmunternd. Sie legte ihren Kopf auf ihre Knie und lächelte traurig.

„Ich vermisse die beiden nur so sehr," flüsterte sie leise. „Warum können wir nicht das haben, was jeder andere hat? Warum können wir nicht mit unseren Eltern glücklich sein?"

„Ich vermisse sie auch," erwiderte Harry, ebenfalls mit einem traurigen Lächeln. Jilli legte ihre Hand auf seine und drückte sie dankbar.

„Jilli?"

„Ja?"

„Du bist nicht mehr alleine."

„..."

„Wir sind ab jetzt zu zweit."

Sie lächelte sanft. Dass er dies jetzt sagte bedeutete ihr einfach alles und egal, ob er wusste, wie sehr er ihr damit half oder nicht. Sie hätte nicht mit sich selbst leben können, wenn sie nicht über ihren eigenen Schatten gesprungen wäre.

„Okay... Lass uns morgen bei den Weasleys essen."

„Sicher?"

Sie nickte langsam.

„Es wird Zeit weiterzugehen und Zeit für ein paar schöne Erinnerungen, nicht wahr?"

Harry nickte ebenfalls.