Nächstes =)


Review:

Mannequin: Ola =)

Uh, wie gern hätte ich jetzt Sonne. Bei der Kälte hab ich gerade das Gefühl auf der Stelle festzufrieren wenn ich nur 2 Minuten draußen bin.

Ach so, okay, ist wohl immer mit nem Aber verbunden. Steht es denn im Raum für dich noch Lehramt zu machen oder ist das ausgeschlossen? Sprich, wenn erst mal im Berufsleben, dann bleibst du da auch? Ich glaub, wenn ich jetzt nämlich nen Job bekommen sollte, dass ich kaum noch mal zum Studium zurückkehren werde.

Das ist dann klar nachvollziehbar. Ich könnte auch heulen, wenn mir etwas abfriert. Wie soll es da einem kleinen Kind erst gehen? Eltern halt... Dann tun einem die Kleinen schon wieder leid.

Na ja, in den Filmen wird ja leider manchmal einiges anders angedeutet. Dumbledore ist irgendwie strenger und nicht ganz so nett in den späteren Filmen. Die Chemie zwischen Harry und Ginny stimmt irgendwie nicht, Hermine ist hübscher als in den Büchern beschrieben XD

Hm... irgendwie hat es was mit dem Kreis, obgleich es mir nicht gefehlt hätte, wenn es nicht da gewesen wäre. Also wenn Remus und Tonks Sohn kein Waisenkind geworden wäre. Ich frag mich gerade, wie es mit den Büchern weiterliefe, wenn Arthur tatsächlich in Buch 5 durch Nagini gestorben wäre. Sirius starb ja auch in dem Buch oder hätte er dann überlebt?! Wäre interessant gewesen, wenn Rowling erzählt hätte, wie es ursprünglich hätte sein sollen. Mag so was immer ganz gerne, zu wissen, wie es eigentlich anders geplant war. So wie bei Glee, wenn der männliche Hauptdarsteller nicht im echten Leben gestorben wäre.

Uih, dann bin ich mal gespannt auf die restlichen Filme XD Dachtest du das bei Dumbledore eigentlich auch, dass er eher auf Männer steht?

Es wird auf jeden Fall noch kommen, dass Jilli und Brian in Gefangenschaft geraten, wie, wann und der Ausgang aber sind noch offen. Wohl eher gegen Ende hin. Die FF wird zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nicht so lang wie CofX und ich denke, wenn sie mal in Gefangenschaft geraten, dann nur einmal und dann kommen sie auch nicht einfach so wieder heraus. Das wird dann schon länger als ein Kapitel gehen.

Kila gehörte zum Orden, yaps. Es werden noch mehr Personen kommen, die eigentlich schon zu CofX Zeiten existierten oder auftauchten, aber nicht in der FF erwähnt wurden, so wie eben Brian. Viele davon haben auch James und Lilli's Weg gekreuzt, was dann aber auch erst in dieser FF beschrieben wird, weil es in CofX einfach nicht mehr gepasst hätte.

Frei mi =) Jilli kommt charakterlich auch sehr nach James. Sie mag magisch nicht mit Harry und den anderen mithalten können, aber ihr Herz ist am richtigen Fleck und charakterlich ist sie dennoch stark. Ihre magische Stärke liegt würde ich sagen in anderer Hinsicht.

Ich würde sagen, jein. Er weiß, dass der Trank nicht so gewirkt hat, wie er eigentlich sollte, aber nicht, wie ernst die Lage wohl tatsächlich ist. Anna wollte ihn nicht damit überfallen, wo er gerade noch am genesen ist, hat ihn aber darauf vorbereitet, dass der Trank sie nicht wieder kerngesund gemacht hat.

Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßle


Chapter 28 – Family ties

Harry saß nachdenklich am Ufer auf dem Hogwartsgelände und war tief in seinen Gedanken versunken. Vieles war in den letzten Tagen geschehen, vieles ausgesprochen und vieles nicht. Es hieß jedoch nicht, dass es ihn nicht belastete.

Die Schule blieb offen. Außer seine Freunde hatte ohnehin niemand mitbekommen, in welcher Gefahr sie tatsächlich schwebten. Der Unterricht ging normal weiter, aber Harry zog es vor nicht an Kräuterkunde teilzunehmen. Er hätte sich nicht konzentrieren können, noch hatte er große Lust es überhaupt zu versuchen.

Jilli und Brian waren noch verletzt und blieben daher im Krankenflügel, wo Pomfrey ihre weitere Genesung überwachte. Stradford war schon wieder abgereist.

Nun hatte er seine Eltern kennengelernt, mit ihnen Gespräche geführt und Zeit mit ihnen verbracht, und sie waren so, wie er sich seine Eltern immer vorgestellt und gewünscht hatte. Es war so schön mit ihnen, er hatte keinen Gedanken mehr daran verschwendet, was für Zweifel noch in ihm schlummerten.

Erst seit dem Gespräch zwischen seiner Schwester und Voldemort traten sie wieder zum Vorschein und sie nagten an ihm mehr denn je.

„Harry Potter!" hörte er auf einmal eine schrille Stimme und zwang sich zu einem kurzen Lächeln. Es war Dobby, der Hauself, der zu ihm her watschelte und sich neben ihn auf die Wiese nieder plumpsen ließ.

„Hallo Dobby."

„Dobby fragt sich, warum Harry Potter so traurig ist?"

Traurig... War er traurig? Zu einem kleinen Teil, vielleicht. Bedrückt war das passendere Wort gewesen.

„Keine Ahnung," antwortete er kurz. Ihm fiel gerade auf, dass der Hauself einige Jacken übereinander trug, gut zwei Mützen über dem Kopf gestülpt hatte und dennoch Barfuß neben ihm auf der Wiese saß.

„Ist dir nicht kalt?"

„Dobby hat 3 Jacken an!" sagte der Hauself stolz. „Dobby hat sich warm eingepackt, Harry Potter."

Harry lächelte mild, ließ es aber gut sein. Wenigstens sein kleiner Freund war so wie immer. Verrückt. Wieder starrte er in die Ferne und versuchte sich von dem kalten Wind betäuben zu lassen. Er musste seine Gedanken ordnen, sich sammeln, verstehen. Er musste White fragen... Sie hatte ihm angeboten, dass er jederzeit zu ihr kommen könne, wenn er Fragen über seine Familie hatte.

Ein Wimmern verwirrte ihn und er sah verwundert zur Seite. Dobby hatte ihn mit seinen Glubschaugen tief angesehen und wortlos geblinzelt.

„Jaaah?" machte Harry in dem Versuch ihm ein Kommentar zu entlocken. Er wollte das doch wohl kaum noch Stunden weiter machen?

„Dobby sieht, dass es Harry Potter nicht gut geht. Warum ist Harry Potter so traurig?"

„Schon okay," sagte er leise und sah zurück in die Ferne. „Ist nichts."

Natürlich war das gelogen, aber mit dem Hauselfen wollte er nicht über all das reden, was passiert war. Er hatte schon keine Lust mit Ginny, Ron und Hermine darüber zu sprechen, geschweige denn mit seiner Schwester oder Sirius.

Wenn er ehrlich war, hatte er die Ruhe bis eben sogar sehr genossen...

„Für nichts sieht Harry Potter aber nach sehr viel aus?"

„Er hat recht," sagte Jilli und sowohl Harry als auch Dobby hatten sich überrascht zur Seite gewandt. Sie lächelte lieb, bevor sie sich zu den beiden auf den Schnee dazu setzte, ihren weißen, dicken Umhang um ihren Körper wärmend um ihren gesamten Körper stülpte und ihren Blick nun auch in die Ferne richtete. „Du siehst aus als ob dich sehr viel bedrücken würde."

Dobby's Augen rollten von Harry zu Jilli und wieder zurück zu Harry. Er blinzelte mit bangem Blick, aber Jilli hatte ihn weder dazu aufgefordert zu gehen, noch eine abfällige Bemerkung losgelassen, warum er sich hier überhaupt aufhielt.

„Miss?" fragte Dobby vorsichtig. „Soll Dobby vielleicht etwas holen? Zu essen? Oder putzen?"

Jilli lächelte sanft.

„Nö, danke. Aber sag mal, ist dir nicht kalt? Du trägst gar keine Schuhe und hier draußen ist es eisig?"

„Schuhe?" fragte Dobby irritiert, dann blickte er zu seinen nackten Füßen und schreckte zusammen. „Dobby hat gar keine Schuhe an!" Es machte Plopp und der Hauself war weg. Jilli sah Harry verwundert an, aber er verzog nur eine Grimasse.

„Er ist ein komischer Hauself. Mach dir nicht die Mühe ihn zu verstehen."

„Ah ja," sagte sie Stirn runzelnd. „Und ich dachte Dad's Hauselfen wären komisch gewesen."

„Dad hatte Hauselfen?!" fragte Harry verwundert. Jilli kicherte. „Hauselfen? Also mehrere?"

„Wundert dich das wirklich immer noch, dass unsere Eltern nicht arm waren?" fragte sie amüsiert. „Sie hatten drei. Zwei männliche und eine weibliche Hauselfe. Grell hat auf mich aufgepasst. Ich nannte sie immer Relli, weil ich das G immer vergaß auszusprechen. Sie ist richtig süß. Du würdest sie mögen. Hat Dobby eigentlich eine Freundin? Ich könnte versuchen die zwei zu verkuppeln?"

„Err -" machte er irritiert. „Keine Ahnung... Dad hatte drei Hauselfen?! Drei?! Selbst die Malfoys hatten nur Dobby?"

„Na ja, eigentlich hatten Großvater und Urgroßvater Hauselfen als ihr Haus noch stand. Dad hat sie dann nach Hogwarts geschickt, damit sie bei anderen Hauselfen sein konnten. Sie haben nicht mehr zu weinen aufgehört als er sie frei lassen wollte, konnte sie aber genau so wenig wo anders unterbringen, nachdem sie lange Zeit keine feste Bleibe hatten. Hogwarts schien ihm das naheliegendste und so versprach er ihnen sie zu sich zu holen, wenn er ein angemessenes Zu Hause findet."

„Mum wollte Hauselfen?" fragte Harry verwundert.

„Natürlich nicht. Ich bin mir ehrlich gesagt auch nicht sicher, ob Dad die drei je wieder zurückgeholt hätte. Er hoffte wohl, dass es ihnen in Hogwarts gefiel und sie gar nicht mehr daran dachten zu ihm zurück zu wollen. Ich hab sie besucht als ich zum ersten Mal ein Fuß in dieses Schloss gesetzt habe."

„Und?"

Jilli lächelte traurig.

„Sie haben mich gefragt, ob ich sie jetzt in das neue Zuhause hol und schworen, dass sie all die Jahre auf Master Harry hier im Schloss aufgepasst haben."

„Hä?!" machte er irritiert. „Wie aufgepasst? Ich hab keinen Hauselfen außer Dobby hier je gesehen? Dobby und Kreacher und die Hauselfen in der Küche, aber – aufgepasst? Wie jetzt?"

„Waren wahrscheinlich nicht sichtbar. Sind halt Hauselfen. Machen alles so unsichtbar wie möglich, wenn man nicht direkt nach ihnen ruft. Und aufpassen ist relativ betrachtet – uhm – mehr ein: Darauf achten, dass du genug isst, dass dein Bett gemacht ist, dein Zimmer aufgeräumt ist, deine Wäsche gewaschen ist, so was eher. Wie gesagt: Es sind halt Hausellfen. Keine Auroren."

Harry gluckste vergnügt und auch Jilli begann aufs Neue zu kichern. Es war ein schöner Moment und ihm fiel auf, wie selten sie so etwas eigentlich hatten. So schnell wie er wieder ernst wurde, genauso schnell hatte auch sie ihr Lächeln verloren. Nachdenklich blickten beide erneut in die Ferne und beobachteten, wie sich die peitschende Weide durch rasante Bewegungen vom Schnee befreite.

„Anna hat mir erzählt, wie ihr uns gefunden habt," sagte Jilli nach einer Weile und sah ihren kleinen Bruder wieder an. Auch Harry wandte sich ihr zu und nickte bedrückt.

„Tut mir leid, dass du alles mit angesehen hast. Es war nur... Was er alles sagte über Dad und dass er Mum beleidigte... Ich konnte es nicht ertragen, dass Voldemort Dad's Namen in den Schmutz zog. Nicht nach allem was passiert ist. Ich wäre ohne Mum und Dad gestorben. Sie waren gute Menschen und er tut so als ob sie die letzten... Der Gedanke, dass ihr Mörder noch lebt und Lügen über sie verbreitet, konnte ich nicht einfach zulassen..."

Sie atmete tief durch, um sich wieder zu fassen.

„Ich versuche das Band zwischen uns zu kontrollieren und mich selbst zu mäßigen, aber... irgendwie kann ich es nicht mehr. Ich konnte es eine lange Zeit. Deswegen bin ich in deinem Leben aufgetaucht und nach England gekommen. Es ging. Alles war gut. Aber die letzten Wochen läuft irgendwie alles schief.

Mum und Dad wären enttäuscht von mir, wenn sie mich jetzt sehen könnten. Ich bin so schwach, ich komm ja nicht mal gegen Voldemort an."

„Dann kämpf nicht noch mal gegen ihn," sagte Harry ernst und das meinte er auch so. Jilli sah ihn verwundert an. „Die anderen im Orden suchen doch auch keine direkte Konfrontation mit ihm, sondern hauen bei Sichtung eher ab. Voldemort ist sehr stark und er kämpft mit unfairen Mitteln. Kämpf nicht gegen ihn, sondern -"

„Harry," unterbrach sie ihn jedoch umsichtig, ihr Ausdruck war voller Mitgefühl für ihn und er ertrug es einfach nicht, diese Panik in sich zurückzuhalten. Die Angst, dass Voldemort ihr etwas getan haben könnte, klang noch immer nach und er glaubte nicht dieses Gefühl je vergessen zu können.

„Professor White sagte doch, dass ich gegen Voldemort kämpfen muss. Von dir war keine Rede. Bleib da, wo du sicher bist."

Die beiden sahen sich lange Zeit an.

„Und du bist nicht schwach," fügte er hinzu.

Jilli schüttelte nur betrübt den Kopf.

„Das kann ich nicht, Harry."

„Wieso nicht?" widersprach er verständnislos. Er hatte gehofft, dass sie es tun würde und einsah, wie gefährlich die letzte Konfrontation war.

„Aus demselben Grund, warum du, selbst ohne die Prophezeiung, dich nicht einfach versteckt hättest. Voldemort hat unsere Eltern getötet, unbarmherzig und auf grausame Weise. Du hörst Mum und Dad's Stimmen, wenn die Dementoren näher kommen, ich höre sie nicht nur, ich sehe ihre Gesichter sogar, wenn er sie tötet. Ich wollte es immer wieder verhindern und konnte es nie und jedes dieser Male sehe ich genau ihre Gesichter vor mir, wenn sie sterben.

Wie kann ich mich irgendwo verstecken und nichts tun, wenn ich weiß, dass Voldemort das getan hat und anderen ein solches Schicksal bereitet? Terrorisiert, foltert, weh tut... Wie kann ich mit mir selbst leben, wenn ich weiß, dass ich nichts tue? Ich bin nicht mehr 3 oder 4... Ich bin auch nicht 17, so wie du. Ich bin erwachsen. Und ich kann mich nicht irgendwo verstecken und tatenlos zusehen, wie der Mörder unserer Eltern frei herum läuft und Weiteren schadet, die ich liebe."

„Selbst wenn er dich tötet?"

Er hatte sie verletzt angesehen. Auch wenn es selbstsüchtig von ihm war, aber der Gedanke, dass sie tatsächlich von Voldemort getötet wird, war für ihn unerträglich. Etwas in ihm wollte das einfach um jeden Preis verhindern, egal mit welchen Mitteln.

„Es tut mir leid," sagte sie traurig und Harry ließ den Kopf hängen. Wusste sie eigentlich, wie es sich für ihn angefühlt hatte sie in dieser Gefahr zu wissen? Andererseits... und das Herz wurde ihm schwer. Natürlich wusste sie es. Seine Schwester musste diese Angst um ihn die ganzen letzten Jahre mit sich getragen haben. Als Sirius ausbrach, beim Trimagischen Turnier, als Voldemort wieder zurück kam...Nun kam er sich dumm vor, denn sie hatte ihn nie dazu aufgefordert sich feige zu verstecken und vor Voldemort zu fliehen.

„Du bist nicht schwach," wiederholte er und Jilli lächelte sanft.

„Hilft es, wenn ich dir verspreche extra vorsichtig zu sein und wenn ich ihm tatsächlich noch mal begegnen sollte, nicht gegen ihn kämpfe sondern verschwinde?"

Harry sah auf.

„Auf Ponesterart? Blitzschnell? So, dass er dich nicht kriegt?"

Sie nickte mit zartem Lächeln.

„Jaah, das hilft."

„Okay," sagte sie munter. „Versprochen."

Es half wenn auch nicht viel. Harry wusste, dass wenn sie das tat, Voldemort ebenfalls die Wahrheit erfuhr, aber alles war besser als ihr Tod. Er wollte sie ursprünglich auch nach Dad fragen, aber es fand einfach nicht den Mut dazu. Seine Schwester hatte eine so hohe Meinung von ihm, was Harry auch stets hatte, wären da nicht diese winzigen dunklen Aussagen, die ihn immer wieder irgendwo begegneten.

„Was ist mit deinem Zauberstab?" fragte er um über etwas anderes mit ihr zu sprechen.

„Ich brauch natürlich nen neuen. Schade, ich mochte den Zauberstab wirklich gern. Yuno hat ihn mir geschenkt als ich nach Beauxbatons ging. War ne lustige Geschichte. Normal sollte man ihn ja selber kaufen, weil sich doch der Zauberstab seinen Besitzer aussucht und Yuno – hat das wohl nicht bedacht. Nun lauf mal als Hexe mit einem Zauberstab herum, der sich Yuno als Besitzer ausgesucht hat. Du hast ihn selber kennengelernt und glaub mir, die Zauber werden genauso ausgeführt, wie Yuno sich benimmt. Da Fleur selbst nach dem Chaos noch meine Freundin blieb, wusste ich, sie musste ein gutes Herz haben."


Nachdem er den Nachmittag mit seiner Schwester verbracht hatte, war Harry nur noch entschlossener endlich Antworten von einigen Fragen zu bekommen. Er wusste nicht, ob er sie von Remus bekommen würde und war sich nicht mal sicher, ob Sirius sie ihm gegeben hätte. Sie hatten es auch schon in der Vergangenheit vorgezogen es nicht zu tun. So schritt er zum Büro von White, nachdem er durch die Karte sicher gegangen war, dass sie sich auf Hogwarts befand, und klopfte.

„Herein."

Keine Sekunde nachdem er das Büro betrat, sah er White bei Fawkes stehen. Sie hatte sich ihm verwundert zugewandt.

„Störe ich?"

„Nein. Was kann ich für dich tun, Harry?"

Er schloss die Tür hinter sich und trat zu ihr und Fawkes dazu. Der Phönix hatte ihn mit einem fröhlichen Gesang begrüßt und Harry lächelte. Es fühlte sich stärkend an und die Unsicherheit und das Durcheinander, dass er vorher in sich empfand, schien sich fast ein wenig aufzulösen. Wohlige Wärme breitete sich stattdessen aus.

„Sie sagten mal, dass ich jederzeit zu ihnen kommen könnte, wenn ich Fragen zu meiner Familie habe und Sie würden sie mir auch beantworten. Gilt das noch?"

White hielt einen Moment lang inne, ihre Aufmerksamkeit lag jedoch weiterhin auf ihm und das war ihm nicht entgangen. Versuchte sie seine Gedanken zu erfassen oder dachte sie einfach nur darüber nach?

„Was möchtest du wissen?" fragte sie schließlich. Er war sich immer noch nicht sicher, ob sie ihm auch antworten würde, aber er war bereit es zumindest zu versuchen. So ungern er es sich eingestehen wollte, aber White schien diejenige zu sein, die seine Familie am besten kannte.

„Jilli's Konfrontation mit Voldemort – Da wurde etwas gesagt, was ich nicht verstehe. Ich kann mich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern – nur an das, was ich dabei gedacht habe."

Er machte eine Pause, mehr um den Mut zu finden, es auszusprechen. Wenn es raus war, dann gab es kein zurück mehr und Harry hatte Angst vor dem, was er hören könnte. Er fragte sich, ob es nicht besser gewesen wäre es still zu schweigen. Aber...

„Jilli sagte Voldemort hätte meinen Großvater nicht auf seine Seite ziehen können. Und er hat es bei meinen Vater nur geschafft, weil er Magie benutzte. So wie er mit meiner Schwester sprach, so sprach er auch mit mir vor 6 Jahren. Er wollte mich auf seine Seite ziehen und ich war mir sicher, er war nicht dort um Jilli zu töten, sondern um sie dazu zu überreden auf seine Seite zu wechseln."

Immer noch nichts. White war auf seine offensichtliche Vermutung nicht eingegangen und dennoch sah man ihr an, dass sie ihm sehr wohl sehr aufmerksam zuhörte.

„Hagrid, Dumbledore, Sirius, Remus... Jeder, den ich kenne, hatte all die Jahre immer sehr gut über meine Eltern gesprochen. Über meinen Vater gesprochen. Allein Snape hatte keine gute Meinung über ihn und vor über einem Jahr musste ich feststellen, dass er das recht dazu hatte."

„Hatte er?" fragte sie sanft und hatte endlich gesprochen.

„Mein Dad hat ihn schikaniert und ihm das Leben zur Hölle gemacht."

White lächelte und atmete tief durch.

„Harry, glaubst du wirklich, wenn dein Vater so jemand wäre, hätte deine Mutter sich in ihn verliebt? Hat jemand je etwas schlechtes über sie gesagt?

Lilli war eine sehr warmherzige, ehrliche und rechtschaffene Hexe mit Idealen und Prinzipien. Eine sehr starke Hexe, mit einem sehr starken Willen. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, konnte man sie nicht davon abbringen. Ich glaube nicht, dass deine Mutter jemanden geheiratet hätte, der in ihrer Schulzeit ein Tyrann war."

„Wenn er sie zur Heirat zwingt schon..."

White starrte ihn einen Moment lang verwundert an und er konnte erkennen, dass sie sprachlos war. Dann aber begann sie zu schmunzeln und in Harry stieg die Hitze empor.

„Traust du das deinem Vater wirklich zu?" fragte sie. Er konnte nicht antworten. Er hatte ihn nun schon ein paar mal auf dem Friedhof getroffen und er war alles andere als ein Tyrann für ihn. Aber... Jilli's Worte gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf, Snape's Erinnerung genauso wenig. Die Tatsache, dass sein Vater in der Schule grausame Streiche spielte, machte es nur noch schlimmer. Vielleicht war er ja ein guter Schauspieler und das dunkle schlummerte in ihm? Genauso wie es auch in Harry schlummerte...

„Dein Vater hat deine Mutter nicht zur Heirat gezwungen," sagte White und unterbrach den grausamen Gedankengang in ihm. „Und er war niemand, der andere schikanierte. Er war nicht unbedingt der Reifste für sein Alter, aber..."

Sie stoppte und atmete tief durch.

„Setz dich bitte. Was du wissen möchtest, das ist nicht sehr leicht zu erklären, noch zu verstehen. Jilli weiß es, weil sie ein Ponester ist. Ich glaube, dein Vater hatte gehofft, dass du das nie erfahren müsstest und wenn du mich heute nicht gefragt hättest, ich denke, ich hätte es dir niemals erzählt. Ähnlich wie jeder andere dir dieses Wissen lieber vorenthalten möchte. Es ist eine Bürde es zu wissen und ein Segen, es nicht zu tun."

„Sagen Sie es einfach," sagte Harry entschlossen und war entgegen ihrer Aufforderung stehen geblieben. „Ich kann es ertragen." Er wollte es einfach nur hören. Sein Vater gehörte zu Voldemort... Wie sonst wäre alles zu erklären? Pettigrew, Snape... Er wollte nicht, dass sie es in die Länge zog, so wie Dumbledore es mit der Prophezeiung getan hatte.

„Dein Vater gehörte nicht zu Voldemort," sagte White und Harry sah sofort auf. Der Blick der Hexe hatte sich verändert, war gefühlvoll, nicht mehr verschlossen und Harry wusste einfach nicht damit umzugehen, weil das Chaos in ihm damit noch größer wurde.

Mein Vater gehörte zu Voldemort und er war stolz darauf. Voldemort wollte, dass James für ihn kämpfte, ihn auf seiner Seite wissen und es war ihm egal, zu was für Mitteln er zu greifen hatte. Dunkle Magie ist sehr mächtig und sehr stark. Oft ist es egal, wie gut man ist, manchmal kann man sich dem nicht widersetzen, gleich wie groß der Wille dazu ist. Es braucht Zeit, dagegen anzukommen.

Ich weiß, du bist gut und kannst den Imperius Fluch brechen. Es gibt jedoch viel tiefere dunkle Magie, von die das Zaubereiministerium nicht mal Kenntnis hat und daher auch nicht verbieten kann. Es ist für sie selbstverständlich, dass solche Taten nicht ohne Folgen ausgeführt werden und strafbar sind. Aber wie soll man so etwas nachweisen können? Sie haben Glück, dass es auch nicht viele Zauberer und Hexen gibt, die zu etwas überhaupt in der Lage sind.

Voldemort hat dunkle, sehr tiefe Magie benutzt, um James auf seine Seite zu ziehen und dein Vater hat sich dennoch erfolgreich dagegen gewehrt."

„Er hat?" sagte Harry hoffnungsvoll. White nickte fest und auf einmal hatte sich der schreckliche Kloß in seiner Kehle gelöst.

„Dein Vater hat nie jemand unschuldigen getötet. Voldemort wollte ihn dazu bringen, aber er hat es nicht geschafft. Er wollte James auf seiner Seite haben, weil er wusste, was es bedeuten würde. Ein Potter auf seiner Seite."

White schritt zu ihrem Schreibtisch rüber und Harry folgte ihr ohne es überhaupt wahrzunehmen. Seine Beine bewegten sich von selbst. Sie setzten sich auf die zwei Stühle nebeneinander nieder (White hatte sich nicht hinter ihren Schreibtisch gesetzt) und setzten ihr Gespräch fort.

„Hast du dich je gefragt, wie es sein kann, dass Voldemort so mächtig wurde? Warum ihm andere folgen, obwohl er eigentlich nur ein Zauberer ist? Wie er sie überhaupt dazu bringt, ihm bedingungslos zu folgen und zu tun, was er von ihnen verlangt?

Natürlich mag es an seiner Herkunft liegen. Erbe von Salazar Slytherin. Sicherlich auch Angst, dass wenn sie ihm nicht folgten, er sie vernichten könnte. Hexen wie Bellatrix Lestrange aber folgen einem Zauberer nicht aus Angst.

Hexen wie sie empfinden keine Furcht vor irgendjemanden oder irgendetwas."

„Was ist es dann?" fragte Harry verwirrt.

„Er fasziniert sie. Voldemort ist nicht nur sehr mächtig und stark, er übt eine einnehmende Anziehungskraft auf seine Todesser aus, weswegen jeder von ihnen ihm Respekt zollt und um seine Gunst kämpft. Sie können ohne ihn nicht leben.

Dies schafft er vor allen Dingen mit seinen Taten und Worten. Man fühlt sich plötzlich besonders, wert geschätzt. Voldemort hatte Todesser wie Allan White, mein Vater und Dumbledore's Enkel, die ihm ohne mit der Wimper zu zucken folgten und alles für ihn taten. Ganz gleich wie grausam die Tat oder gegen wen sie ging.

Er hatte Lucius Malfoy, Sohn einer seit Generationen reinblütigen und äußerst angesehenen Zaubererfamilie. Er hatte so gut wie von jeder reinblütigen Zaubererfamilie jemanden, der ihm gehorchte. Jeder außer der Familie Potter.

Er hat es nie geschafft deinen Großvater, Michael Potter, auf seine Seite zu ziehen und von seinen Ansichten zu überzeugen und das trotz der Geschichte, die die Familie Potter umgab. Reinblütig, mächtig, angesehen. Erben des großen Zauberers Godric Gryffindor.

Also tat er alles daran, seinen Sohn, dein Vater, für sich zu gewinnen. Er ließ nichts unversucht und er ist gescheitert. Unter diesem Licht kannst du dir vorstellen, dass sein Leben alles andere als leicht war.

Und auch wenn Severus Snape von James als jemand sprach, der ihm das Leben zur Hölle gemacht hat, so beruhte dies auf Gegenseitigkeit. James Streich an Snape am See war eine Rache für etwas, dass Snape vorher an deiner Mutter durchführte. Vergleichbar war es natürlich nicht, aber James rächte sich schon immer härter, besonders wenn es um Lilli ging.

Das zwischen ihm und Snape ähnelt dem, was zwischen dir und Draco Malfoy lange Zeit herrschte. James hat versucht mit Snape Frieden zu schließen, aber es lag einfach zu viel Bitterkeit zwischen ihnen. Wie ich aber mitbekommen habe, hast du das mit Draco Malfoy geschafft, was bei ihnen nicht mehr möglich war."

Sie lächelte mild und Harry versuchte auch etwas zu erwidern. Es gelang nur nicht.

„Es ist sehr viel im Leben deines Vaters passiert und du kannst dir hoffentlich vorstellen, dass wenn wir dir nicht erzählen was, nicht nur dich schützen wollen, sondern auch deinen Vater. Ich bin mir sicher, du möchtest deinen späteren Kindern auch vieles von dem ersparen, was du mit Voldemort bereits hinter dir hattest."

Harry nickte betrübt. Er kam sich gerade dumm vor, weil er seinem Vater zugetraut hatte jemand wie Lucius Malfoy zu sein, wenn er eigentlich doch wirklich der war, den Hagrid, Dumbledore und jeder andere seiner Freunde ihm stets erzählt hatten. Er hatte ihn doch auch selber auf dem Friedhof kennengelernt? Wie konnte er ihm das nur tatsächlich zutrauen... Noch nie hatte sich Harry so schlecht gefühlt wie jetzt. Wäre sein Vater noch am leben, er wäre sicher sehr enttäuscht von ihm.

White legte plötzlich ihre Hand auf seine Schulter und Harry sah sie überrascht an. Sie hatte ihn noch nie so mitfühlend und fürsorglich angesehen.

„Lass die Vergangenheit ruhen und sieh in die Zukunft. Das wäre das, was sich James für dich gewünscht hätte, da bin ich mir sicher."

Harry nickte und erneut versuchte er zu lächeln. Diesmal mit mehr Erfolg. Er war froh, dass White ihm das erzählt hatte.

„Professor White? Was ist nun mit Luna? Haben Sie schon etwas von ihr und ihrem Vater gehört?"

„Leider nein."

Mit einem Mal ließ er enttäuscht den Kopf hängen, hob ihn jedoch wieder als White plötzlich ruhig weiter sprach.

„Ich weiß, wie viel dir deine Freunde bedeuten. In diesem Punkt bist du wie dein Vater. Ich glaube, wenn er nicht gestorben wäre, das mit Pettigrew wäre heute anders.

Nun gut. Ich werde persönlich nach deiner Freundin sehen."

„Wirklich?" fragte er hoffnungsvoll. White nickte sehr zu seiner Erleichterung. Es gab ihm zumindest das Gefühl nicht komplett tatenlos zu sein.

„Sagen sie mir, wer Kila ist?!"

Es war ihm gerade erst aufgefallen, dass Jilli ihren Namen erwähnt hatte als es um das Verschwinden der Lovegoods ging.

„Kila ist ein Mitglied des Orden des Phönix. Sie trat etwa zur selben Zeit wie auch Jilli und Brian ein und war eine enge Freundin von Jilli. Sie wurde zum Schutz von Luna und ihrem Vater abgestellt. Leider ist sie mit ihnen verschwunden.

Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass sie sich noch melden. Kila ist eigentlich sehr gut, was das Überwachen und Beschützen angeht."

Harry nickte erneut.

„Ich fühle, du hast noch etwas anderes auf dem Herzen?" warf White sanft ein und sah ihn auffordernd an. Sie hatte recht und Harry beschloss es einfach zu fragen, wenn er schon dabei war.

„Ist Jilli jetzt mehr in Gefahr? Ich mein, wenn Voldemort sie auf seine Seite ziehen will?"

White nahm sich ein kurzen Moment, um über die Antwort nachzudenken, dann schüttelte sie jedoch den Kopf.

„Voldemort hat nur herausgefunden, dass sie tatsächlich eine Potter ist und nicht nur adoptiert. Dumbledore hat Jilli dazu ermahnt sich nicht Potter zu nennen, weil es sie in Voldemort's Fokus stoßen könnte. Sie wurde unvorsichtig nachdem du die Wahrheit herausfandest und ließ ihre Freunde sie immer öfter beim richtigen Namen nennen. Es war nur eine Frage der Zeit, dass Voldemort eins und eins zusammenzählte und die richtigen Schlussfolgerungen zog.

Jedem würde nach längerer Zeit auffallen, wie ähnlich sie deinem Vater doch ist. Wenn man genau hinsieht, dann erkennt man auch sehr vieles von ihren Großeltern in ihr. Von Maria und Michael. Voldemort kannte beide und er ist nicht dumm.

Leider hat er genug Spione, die Lilli und James in ihrer Schulzeit kannten. Peter ist der gefährlichste für uns. Er kennt die Wahrheit hinter Jilli zwar nicht, aber das macht es nicht weniger ungemütlich.

Wenn er über ihre Ponesterherkunft Bescheid weiß, ist das Einzige, was sie noch am Leben halten und schützen wird... Brian."

Harry sah verwundert und irritiert auf.

„Was hat Brian damit zu tun?" rutschte ihm unhöflicher heraus als beabsichtigt, White hatte ihn aber nicht gerügt, sondern in Ruhe darauf geantwortet.

„Du weißt, wie Brian zur Welt kam?"

Er nickte langsam.

„Es war eine erzwungene, schwarzmagische Geburt."

„Richtig. Vor einiger Zeit, hast du mich wegen Black Heart gefragt. Erinnerst du dich auch noch daran, was ich dir über das letzte Black Heart erzählt habe?"

Er nickte erneut, diesmal jedoch noch langsamer. Es war ein grausamer Gedanke, der ihn nun beschäftigte.

„Brian?" fragte Harry mit schwerer Stimme. White nickte.

„Solange Voldemort Brian nicht hat, würde ihn auch Jilli als Ponester vorerst nichts bringen. Vielleicht hast du gemerkt, dass er Brian keines Blickes gewürdigt hat bei ihrer letzten Begegnung. Das bedeutet, Voldemort hat keine Ahnung, wer er tatsächlich ist. Für ihn ist er tatsächlich nur Brian Tonks, Sohn von Andromeda und Ted Tonks. Nicht das Zauberer, den er zu seinem letzten Black Heart machen wollte."

„Weiß Brian davon?" fragte Harry entgeistert. White atmete bedrückt aus.

„Nein," antwortete sie leise. „Die einzigen, die das wissen, war Dumbledore, Voldemort und Ich. Ich bezweifle, dass Voldemort überhaupt einen seiner Todesser eingeweiht hat. Nach dem, was ich von Lucius Malfoy erfuhr, bestätigte es diese Vermutung auch. Dumbledore hat es ebenfalls niemandem gesagt und Ich erzähle es dir, weil ich zum einen hoffe, dass du es ebenfalls für dich behältst -" Sie hatte ihn sehr tief angesehen, woraufhin Harry auch gar keine Wahl blieb als zur Bestätigung zu nicken. „Und zum anderen, weil ich nicht weiß, wie lange ich noch habe."

Harry hatte sie plötzlich unweigerlich überrascht angesehen. Das hatte er fast vergessen...

„Professor White? Kann ich sie noch etwas fragen?"

Sie nickte sanft als Zeichen, dass er fortfahren könne.

„Warum hat Voldemort einen Menschen zu seinem letzten Black Heart gemacht und nicht – na ja – ein Ding?"

Sie atmete erneut tief durch und Harry bemerkte erst jetzt, dass White extrem müde und erschöpft war.

„Dies ist eine sehr viel längere Geschichte. Ich werde mit dir ein andermal darüber reden.

Wir beginnen übernächsten Montag mit deinem weiteren Training. Komm dann um 9 Uhr Abends zum Klassenzimmer für Geschichte. Ich werde dich dort erwarten."

Wieder wusste er, dass damit das letzte Wort gesprochen war und so verabschiedete er sich und verließ ihr Büro.


Die Woche verging und Harry nahm wieder mit seinen Freunden am Unterricht teil. Er besuchte Brian im Krankenflügel, besuchte Sirius in White's Büro und Jilli, die in einem Gästezimmer im Schloss ruhte. Manchmal saß er mit Jilli, Ron, Hermine und Ginny gemeinsam bei Brian im Krankenflügel und witzelte mit ihnen herum. Ab und zu waren auch Bill, Fleur und Charlie da, einmal sogar die Zwillinge, die viele neue Erfindungen mitgebracht hatten, um Jilli und Brian bei ihrer Genesung aufzumuntern. Anhand der Karte fand er auch heraus, dass Andromeda und Ted Tonks hin und wieder bei ihrem Adoptivsohn waren, nie aber sah man White's Namen dort. Nur einmal tauchte Sirius' Name bei Brian auf, wesentlich öfter sah er Sirius' und Jilli's Namen beieinander.

Was White über ihren Sohn erzählte ging Harry nicht mehr aus dem Kopf, aber er schaffte es offenbar ganz gut sich nichts anmerken zu lassen.

Am Freitag vor dem Wochenende hatte er den Freund mal wieder besucht. Hermine und Ginny hatten Ron dazu verdonnert mit ihnen mehr für Verwandlung zu üben, da er dabei war grottenschlecht zu werden und obwohl sie auch Harry vorschlugen mitzumachen lehnte er höflich ab. Er war schließlich noch nicht grottenschlecht, nur nicht gut.

Brian lachte bellend als Harry ihm von dem Grund erzählte, warum er hier alleine auftauchte ohne seine Freunde.

„Ja, das siebte Jahr tritt dir in den Arsch, wenn du nicht aufpasst," sagte er amüsiert, musterte den nachdenklichen Gryffindor dann aber eindringlich.

„Was hast du das Wochenende vor? Doch nicht weiter hier herum hängen und dabei zusehen wie ich meine einarmige Esstechnik verbessere?"

„Weiß nicht," sagte Harry und zuckte mit der Schulter.

„Könntest Dumbledore's Erinnerungen weiter guggen?"

Ihm fiel plötzlich ein, dass er vergessen hatte, dass es noch zwei Erinnerungen gab, in die er bisher nicht reingekommen war. Vielleicht kam er jetzt ja tatsächlich hinein, nachdem so vieles passiert war?

„Musst dir halt nur andere Bodyguards zulegen."

Demonstrativ deutete er mit der freien Hand auf den bandagierten Arm und grinste dabei spitz.

„Hab gehört Ji hat auch immer noch Auftragsverbot von Anna."

„Auftragsverbot? Ji?" fragte Harry verwundert. Brian hatte sein Grinsen nicht abgeschraubt, sondern bekam ein noch breiteres im Gesicht.

„Jiaah, ist im Moment nicht einfach zu agieren. Wird immer komplizierter zu beurteilen, wem man trauen kann und wem nicht. Selbst unter den eigenen Mitgliedern. Nachdem sich Snape als Verräter herausgestellt hat, müssen wir aufpassen, denn er kannte jeden von uns."

Harry grummelte finster.

„Ich versteh nicht, warum Dumbledore das zugelassen hat, dass das passieren konnte. Er hätte Snape doch auch vertrauen können ohne ihn in den Orden zu holen?"

„Puh," machte Brian grübelnd und rüpfte die Nase. „Das ist nicht so einfach, Harry."

„Das sagte er auch," murmelte er verärgert, aber Brian fühlte sich davon nicht im geringsten angegriffen und ging näher auf seine Vermutung ein.

„Dumbledore hat wohl abgewogen. Das Leben von Anna gegen die Folgen, die ein Verrat von Snape haben könnte. Egal, was Snape bisher auch schon an Voldemort weitergegeben hat, ein Gewissen scheint er zu besitzen."

Bei diesem Satz sah Harry überrascht auf und Brian zuckte amüsiert mit dem Mundwinkel angesichts der erwarteten Reaktion.

„Snape kennt die Mitglieder, die für den Schutz von Hermine's Eltern zuständig sind und er hält offenbar seine Klappe, denn obwohl nicht unweit entfernt Todesser gesichtet wurden, hat man sie soweit in Ruhe gelassen. Das mit Kila könnte auch nur aus Versehen passiert sein und nicht, weil Snape ihren Namen weitergegeben hat. Es könnte also gut sein, dass nach dem was passiert ist, Snape an seinen eigenen Schlussfolgerungen zweifelt und gar wieder zurückkehren möchte."

„White wird das aber doch wohl nicht zulassen?!" sagte Harry empört, doch Brian zuckte nur mit den Schultern.

„Wer weiß, wenn sie ihn benutzen kann. Kann mir vorstellen, dass sie es tut."

„Er hat Dumbedore getötet als dieser bereits verletzt am Boden war. Er hat ihn angefleht ihn nicht zu töten! Du kannst unmöglich okay damit sein? Sie kann unmöglich okay damit sein?"

Harry dachte an Jilli's Worte über Voldemort und was sie fühlte, weil er der Mörder ihrer Eltern war. Sollte es nicht auch so mit Brian und White im Bezug auf Snape sein? Brian lächelte schief.

„Willst du deine Zeit wirklich damit verschwenden jemanden zu hassen und zu verachten?" war seine Gegenfrage, aber ohne eine Antwort von Harry zu erwarten fuhr er mit einem Themawechsel fort.

„Steward ist ziemlich eigenartig."

„Ja, kann sein," murmelte er missgelaunt. Dumbledore, White, Brian, er wird diese Art sich bedeckt und gefasst zu halten wohl nie verstehen.

„Nein, nicht kann sein. Sie ist wirklich eigenartig. Ich mein, sie ist annähernd tausend Jahre alt, also kann man es ihr eigentlich nicht verübeln. Ich frag mich trotzdem, ob man aus ihr nicht auch etwas raus holen kann, was nicht mehr eigenartig ist."

„Err -" machte Harry verwirrt.

„Wäre auf jeden Fall ne Herausforderung wert. Ich hatte noch nie ne Freundin, die um so vieles älter war als ich."

Er konnte nicht anders als zu lachen. Da Brian jedoch vielsagend mit den Augenbrauen zuckte wurde ihm schnell klar. Der Freund meinte das tatsächlich ernst.


Harry, Hermine und Ron brachen gemeinsam über das Wochenende zu Harry's Wohnung in der Londoner Innenstadt auf, begleitet von – niemandem. Die drei waren verwirrt als man sie einfach ohne Begleitung durch den Kamin in McGonagall's Büro reisen ließ, dann wurde aber schnell klar, warum. Der Bodyguard musste Steward sein, die man nicht sah, es sei denn etwas passierte. Dann tauchte sie schneller auf als man auch nur ein Ton hätte von sich geben können.

Ron lachte als Harry ihnen von Brian's Interesse an Steward erzählte. Hermine dagegen war äußerst überrascht, gleichzeitig aber sprach sie sogar für und wider der Beziehung auf.

„Brian liebt Herausforderungen. Das sieht man sofort an seinem Lebenslauf. Und intelligent genug wäre er für eine Phowlyris alle mal. Könnte bestimmt gut mit ihr umgehen. Phowlyris sollen ja sehr fordernde Wesen sein. Und Kaylar Steward ist bestimmt nur merkwürdig, wenn man sie nicht richtig kennt."

„Ja ja," machte Ron und rollte genervt mit den Augen. „Für dich ist doch jeder ganz anders und eigentlich nett und toll und was auch immer. Hermine, die Frau ist eine Millionen Jahre alt."

Hermine und Harry grinsten, gingen aber auf die Übertreibung nicht mehr ein. Stattdessen legten sie ihre Sachen ab und gingen ins andere Zimmer, wo das Denkarium stand.

„Weißt du oder hoffst du, dass wir diesmal die nächste Erinnerung sehen können?" fragte Hermine als sie sich alle drei drum herum stellten.

„Brian hat mich drauf gebracht," sagte er kurz. „Dacht mir, warum nicht. Wenn's nicht klappt, hält mich nichts davon ab auf eigene Faust nach Luna und ihrem Vater zu suchen."

„Ach? Und wie willst du das anstellen?" entgegnete Hermine ernst. „Keiner von uns weiß, wo sie sein könnte oder wo man sie zuletzt gesehen hat. Der Orden hat doch viel mehr Möglichkeiten und glaubst du ehrlich, dass sie nicht alles ausschöpfen?"

„Ich glaube, dass sie andere Probleme haben und das Verschwinden nicht ernst nehmen. Ich will nicht, dass es Luna wie Caradoc Dearborn ergeht."

„Aber -"

Und ohne Hermine's Aber zu hören tauchte Harry in das Denkarium ein und ihre Stimme verstummte.


Die vierte Erinnerung war also tatsächlich zum Greifen nahe. Harry wurde nicht wieder hinaus befördert, sondern landete in einer für ihn eher unbekannten, sehr fremden Gegend. Der Mann, neben ihm, war ihm jedoch sehr wohl bekannt. Albus Dumbledore mit seiner verbrannten Hand.

„HEY!" protestierte Hermine, denn sie kam erst jetzt mit Ron bei ihnen auf.

„Das hast du mit Absicht gemacht, stimmts?" vermutete Ron amüsiert und das Grinsen von Harry war Antwort genug.

„Ich mein doch auch nur -" begann Hermine von neuem und hätte tatsächlich erneut alles aufgeführt, was Harry mit Absicht überhört hatte, wenn Dumbledore nicht plötzlich losgegangen wäre.

„Es fängt an!" fiel Ron ihr ins Wort und zog Harry mit sich Dumbledore nach. Hermine stemmte mit missbilligendem Blick ihre Hände an die Hüften und man konnte sie eindeutig noch etwas grummeln hören, bevor auch sie zu den dreien dazu stieß.

„Wo sind wir hier?" fragte Hermine verwirrt, aber weder Ron noch Harry wussten es und zuckten entsprechend auch eine solche Grimasse.

„Wenigstens ist uns diesmal ne Arschlandung erspart geblieben," sagte Ron als sie endlich vor einer Tür stehen blieben. Dumbledore öffnete die Tür ohne geklingelt zu haben und damit dröhnte laute Musik vom inneren heraus. Schnell wurde klar, dass es sich um eine sehr belebte Zaubererebar handelte.

Überall befanden sich kleinere Gruppen die zu lauter Musik mit Cocktails oder Bierflaschen in der Hand eine Unterhaltung führten. Die Kellner brachten mit Zauber die Getränke zu den Kunden und der Barkeeper mixte gleichfalls mit Magie die Getränke.

„Wir sind in Ägypten," sagte Ron. Bei näherer Betrachtung wurde auch klar warum, denn die Umhänge, die man hier trug, waren alle orientalisch angehaucht. Da Ron schon mal da war, lag es auch auf der Hand, dass er die Gegend am ehesten wiedererkannte.

Dumbledore schritt auf einen etwas versteckten Tisch in der Ecke zu, den Harry erst beim näheren hinsehen wahrnahm und auch die Person, die von dem Vorhang verdeckt war, jedoch zum Vorschein kam, als sie sich näherten, und auch diese Person war irgendwie nachvollziehbar. Brian. Beide sahen einander erfreut an und schüttelten sich die Hände.

„Albus."

„Brian, schön dich zu sehen."

„Gleichfalls."

Dumbledore setzte sich auf den freien Stuhl Brian gegenüber. Harry fand ja, dass sie ziemlich höflich und formal miteinander umgingen, für zwei, die miteinander verwandt waren. Meinte Brian nicht, dass er schon immer wusste, dass White und Sirius seine Eltern waren?

„Ich war überrascht von dir zu hören," begann der Freund in mäßigem Tonfall. Die Musik war zwar laut, dennoch konnte man den anderen ohne Probleme verstehen. Brian's Blick fiel auf Dumbledore's schwarze Hand, die dieser erfolglos versucht hatte unscheinbar unter dem Tisch verschwinden zu lassen.

„Was ist passiert?" fragte er misstrauisch.

„Och, ein kleiner belangloser Unfall. Nichts, was dir Sorge bereiten sollte," sagte der Schulleiter beiläufig. „Weswegen ich hier bin ist ein anderer, sehr viel wichtigerer und dringender Grund."

„Okay. Ich bin ganz Ohr."

„Wozu die Eile?" sagte Dumbledore sanft und bestellte sich eine Tasse Tee bei der vorbeilaufenden Bedienung. Harry fiel auf, wie diese mit Brian flirtete und der Freund durchaus den Versuch erwiderte. Er hatte diese Art an sich, die ihn stark an Sirius in jüngeren Jahren erinnerte, als Harry ihn in Snape's Erinnerung beobachtet hatte. Egal, was sie taten, sie sahen gut dabei aus.

„Wie ich sehe, geht es dir sehr gut?" fügte er vergnügt hinzu als nur eine Sekunde später die Kellnerin die dampfende Tasse Tee brachte und erneut einen verführerischen Blick in die Richtung des jungen Zauberers warf. Brian lachte bellend, nachdem die beiden Männer wieder alleine waren.

„Ich bin nur nett," schmunzelte er jedoch beiläufig. „Wir sollten dennoch zum Punkt kommen. Arbeit wartet. Seitdem Bill nicht mehr hier ist, liegt alles an mir. Der neue Fluchbrecher ist ne Katastrophe. Als ob Percy ihn ausgebildet hätte."

Mit der unverletzten Hand hatte Dumbledore schließlich etwas aus seiner Tasche gezogen und unter der Hand zu seinem Gegenüber über den Tisch geschoben. Als er die Hand zurücknahm, konnte Harry erkennen, dass es sich um eine rote, kleine Schachtel handelte.

„Ich möchte dich darum bitten, dies an Harry zu übergeben, jedoch erst, wenn er dich danach fragt."

Brian verzog verwundert die Augenbraue nach oben.

„Dir ist schon klar, dass Harry mich noch nicht mal kennt?"

„Er wird es, bis dahin," sagte Dumbledore vergnügt. „Wichtig ist nur, dass du ihn dann dies hier überreichst."

„Du sorgst dafür, dass er mich fragt?"

„Das werde ich. Es könnte jedoch sein, dass er zu lange dafür braucht. In dem Fall, könntest du ihm vielleicht einen kleinen Anstoß geben, sich an mich zu erinnern."

Der junge Zauberer gluckste.

„Und wann weiß ich, wann zu lange ist?!"

„Du wirst es wissen. Da bin ich mir sicher," entgegnete er ruhig und nippte an seinem Tee. Brian gluckste erneut, lehnte sich jedoch gelassen zurück.

„Gut, mach ich."

Brian steckte das rote Päckchen ein, hatte dabei jedoch nicht den Blick vom älteren Zauberer genommen.

„Wie geht es ihm?"

„Er verarbeitet Sirius' Tod den Umständen entsprechend sehr gut."

„Gut," sagte Brian und nickte leicht betrübt.

„Sirius hat ihm Grimmauldplatz 12 vermacht," setzte Dumbledore dazu und wieder nickte Brian, diesmal jedoch mit einem verschmitzten Lächeln.

„Besser ihm als mir," murmelte er, dann atmete er jedoch tief durch und hob seine Flasche Butterbier. „Auf Familie."

Dumbledore tat es ihm gleich mit seiner Tasse, hatte jedoch anders als sein Gegenüber nicht getrunken, sondern ihn stattdessen besorgt angesehen.

„Brian -" begann er, doch der junge Zauberer hatte ihn gar nicht erst aussprechen lassen, sondern fiel ihm direkt ins Wort.

„Ich bin in Ordnung, Albus. Remus hat mich die letzten Wochen gut im Auge behalten also keine Sorge."

Dumbledore schien nicht zufrieden, es aber dennoch hinzunehmen, denn er nickte sanft.

„Du bist noch aus einem anderen Grund hier?"

Obgleich als Frage gestellt lag die Antwort auf der Hand und musste nicht ausgesprochen werden.

„Okay... Was ist das andere?"

„Darf ein alter Mann nicht nach seinem Nachfahren sehen?"

Brian lachte bellend, aber Dumbledore's Blick blieb trotz der spöttischen Reaktion sehr warmherzig und mild.

„Versteh mich nicht falsch. Ich bin dir dankbar für alles, was du mir ermöglicht hast. Ich weiß, dass ich meine Ausbildung zu einem Großteil dir und deinem Einfluss zu verdanken habe.

Ich glaube jedoch dich gut genug einschätzen zu können, um zu sagen, dass du nicht hier bist, nur um jemandem Hallo zu sagen, der dasselbe Blut wie du trägt."

Dumbledore nickte traurig.

„Obwohl meine Intention in der Tat auch ein einfaches Wiedersehen mit dir ist, so hast du gleichzeitig auch recht. Ich möchte dich bitten, zurück nach England zu kommen."

Brian sah ihn mit skeptischem Blick an.

„Wieso das?"

„Mehrere, unterschiedliche Gründe. Hauptsächlich aber wohl eher, dass der Orden dich in London braucht, zumal Jimá ausfällt."

Brian seufzte bedrückt.

„Sirius' Tod hat sie hart getroffen?"

„Leider ja. Du hast sie also noch nicht gesprochen?"

„Nein. Ich glaube nicht, dass ausgerechnet ich derjenige bin, den sie nun sehen will. Charlie ist ihr bester Freund. Er tut nen besseren Job als ich.

Echt übel. Dabei stand sie doch kurz davor Harry zu treffen. Sie und du wart beide noch so zuversichtlich, dass das Band nun so gut wie bereit wäre."

„Sirius' Tod kam unerwartet und hat vieles in ihr zerrüttet. Im Moment ist sie mehr denn je aus dem Gleichgewicht. Ihr Umzug zurück nach London war geplant, aber aufgrund dessen wird sie noch etwas länger in Frankreich bleiben müssen. Es ist für beide das Beste."

„Die beiden haben ein recht darauf einander zu sehen," sagte Brian und sah Dumbledore argwöhnisch an.

„Und das werden sie, wenn sie bereit sind."

Brian nickte, aber Harry sah eindeutig, dass ihn das bewegt hatte. War er vor dieser Neuigkeit noch lässig und unnahbar geblieben, so zeigte er jetzt sehr viel Mitgefühl. Es war unübersehbar, dass ihm Jilli am Herzen lag.

„Okay," sagte er schließlich. „Ich komm zurück nach London."

Dumbledore nickte erfreut und wieder hob er seine Tasse Tee. Brian tat es ihm gleich mit dem Butterbier und diesmal nahmen beide einen Schluck.


Harry, Hermine und Ron tauchten aus der Erinnerung wieder auf und schwiegen für einen langen Moment. Sie warfen einander pessimistische Blicke zu, bis Ron das aussprach, was sie alle dachten.

„Also hat er die Erinnerung nur gemacht, damit du Brian nach etwas fragst, was er dir auch von selber hätte geben können, es aber nicht tat, weil Dumbledore von ihm verlangt hat das Päckchen nur herzugeben, wenn du danach fragst?"

„Sieht ganz so aus," sagte Harry irritiert.

„Wie hättest du denn ohne die Erinnerung darauf kommen sollen, dass Brian ein Päckchen von ihm für dich hat?!" fuhr sein Freund fort und warf nun insbesondere Hermine einen herausfordernden Blick zu.

„Was?!" fragte sie verwirrt.

„Na, du hast doch sonst auch immer gleich einen Antwort parat?!" bemerkte Ron spitz, aber das handelte ihm nur ein Augenrollen von ihr ein, bevor sie sich Harry zuwandte.

„Hat Dumbledore denn irgendwann mal erwähnt, dass jemand anderes etwas für dich hat, wenn du nur danach fragst?"

„Das ist doch total irre, Hermine!" sagte Ron amüsiert. „Als ob Harry jeden, den er trifft, als erstes fragt, ob er etwas für ihn hat. Wer tut denn bitte sehr so was?!"

„Natürlich nicht," warf Harry ein, damit sein bester Freund sich nicht noch weiter lustig machen konnte. „Ich kannte Brian vor Dumbledore's Tod doch noch nicht mal. Wie hätte ich je darauf kommen sollen, dass er etwas für mich hat?!"

„Nun, diese Erinnerung sollte dich eindeutig auf ihn stoßen," sagte sie nachdenklich. „Und Brian ist ja nicht dumm."

„Das steht außer Frage," witzelte Ron, doch Hermine warf ihn nun ein dämlichen Blick zu.

„Ich mein damit, dass Dumbledore schon damit gerechnet hat, dass Harry nicht von selbst auf Brian zugeht. Geht ja auch schlecht, wenn er gar nichts von dem Päckchen weiß. Die Erinnerung konnten wir wahrscheinlich auch nur ansehen, weil Brian Harry ein Wink gegeben hat. Dumbledore wollte ja, dass er es tut und verließ sich darauf, dass Brian wüsste, wann die Zeit dafür geeignet ist."

„Und woher wusste Brian, dass die Zeit dafür geeignet ist?" fragten Harry und Ron gleichzeitig.

„Wer weiß," sagte Hermine hastig, um beide zu beruhigen. „Wahrscheinlich hat er gesehen, dass du nicht weiterkamst mit den Erinnerungen und hat es eben daraus geschlussfolgert."

Harry und Ron tauschten einen Blick aus, dann nickten beide.

„Ja, das klingt nach ihm," sagte Harry und Ron stimmte eifrig nickend zu.

Sie kehrten vorzeitig Sonntag früh wieder zurück nach Hogwarts, wollten sie doch keine Zeit damit verschwenden, wenn Brian sich eh in der Schule befand. Zu dritt suchten sie ihn direkt nach der Ankunft auf und waren überrascht, dass er in nur einem Tag Abwesenheit entlassen wurde. Ein Gästezimmer war ihm zur Verfügung gestellt worden, welches nicht unweit von Jilli's Zimmer war. Diese war ihnen mitten auf dem Korridor begegnet.

„Was macht ihr denn schon wieder hier?" fragte Jilli überrascht. „Dachte, ihr wolltet erst heute Abend wieder kommen?"

„Hatten eben Sehnsucht nach mir," witzelte Brian und trat aus ihrem Zimmer heraus. Die Bandage am Arm war weg und er wirkte wesentlich munterer und gesunder. Harry sah ihn überrascht an, aber Brian zwinkerte vielsagend und spielte mit dem kleinen, roten Kästchen in der anderen Hand.

„Wieso hast du nicht einfach gesagt, dass du etwas von Dumbledore für mich hast?"

Brian lachte bellend, warf das kleine Kästchen lässig immer wieder mal hoch und fing es genauso lässig wieder auf.

„Harry, Harry, Harry -" Er warf ihm das Kästchen plötzlich rüber und dennoch fing Harry es ohne Schwierigkeiten auf. „Alles was Dumbledore tut, dient einem bestimmten Zweck. Er wird schon seine Gründe haben, warum er wollte, dass du in seine verdrehten Gehirnwindungen eintauchst."

„Du wusstest also, dass er mich in einer Erinnerung auffordert dich nach dem Päckchen zu fragen`"

„Hatte eine Vermutung," entgegnete der Freund. „Passte zusammen. Warum hättest du sonst so lange noch kein Ton von dir gegeben?"

Harry sah das kleine Päckchen in seiner Hand kritisch an.

„Weißt du, was es ist?"

„Natürlich!" sagte Brian leichthin. „Wie hätte ich sonst wissen sollen, ob es nicht im Kühlschrank besser aufbewahrt wäre?!"

Nach einem kurzen Zwinker verschwand er wieder in Jilli's Zimmer, während diese mit amüsiertem Lächeln die Augen rollte.

„Meinte er das ernst?!" fragte Harry seine Schwester, denn er hatte wirklich absolut keine Ahnung, ob da nun Sarkasmus mitschwang oder nicht.

„Wenn ich herausfinde, wie man hinter seine Maske blickt, bist du der erste, der es erfährt," warf sie zurück und Harry grinste. Jilli trat ebenfalls in ihr Zimmer hinein, ließ jedoch die Tür auf. Ein Blick reichte und Harry, Ron und Hermine folgten ihr.

Während Ron, Hermine und Jilli bei ihm saßen und Brian mit verschränkten Armen am Schreibtisch lehnte, öffnete Harry das kleine Paket – und runzelte die Stirn.

Darin befand sich eine winzige Phiole mit einer klaren Flüssigkeit – Und kein Zettel oder sonstige Beschriftung, die erklären könnte, was es damit auf sich hatte. Er warf Brian einen fragenden Blick zu, aber der Freund schmunzelte mild.

„Er hat nichts dazu gesagt. Sorry, Harry."

Jilli hatte es sehr nachdenklich gemustert, nahm es ihm schließlich ab und entkorkte die Phiole.

„Du willst das doch wohl nicht trinken?!" stieß Ron entsetzt aus.

„Natürlich nicht. Aber anhand von Geruch lässt sich bei Tränken bereits vieles ableiten."

Sie roch dran, bewegte es in der Phiole ganz langsam in alle Richtungen und verschloss es anschließend wieder.

„Einige Möglichkeiten: unbedeutende und auch bedeutende, an sich aber zu viele. Rein von der Konsistenz und dem Geruch her, kann man das schwer ableiten."

„Na ja," sagte Hermine nachdenklich. „Es ist Dumbledore. Wieso sollte er ausgerechnet jetzt Harry ein Trank zukommen lassen, wenn dieser nicht eine besondere Bedeutung hat?"

„Du weißt, wen du fragen könntest, was das ist?" warf Brian ein, aber Harry's Ausdruck verfinsterte sich unzufrieden.

„White?"

Brian lachte bellend.

„Nein. Ich rede von Dumbledore's Porträt. Anna hat dir doch die Erlaubnis gegeben ihr Büro zu benutzen, wann immer du willst? Und wer kennt Dumbledore besser als Porträt Dumbledore?"

Harry nickte nachdenklich. Sein Freund hatte recht.

„Du könntest natürlich auch einfach nen Schluck draus nehmen und schauen was passiert."

Auf diesen Kommentar hin sah er Brian blöd an, aber dieser grinste breit von einem Ohr zum anderen.

„Harry wird das nicht einfach so trinken!" sagte Jilli mit entrüstetem Blick. Dann aber wandte sie sich an Harry mit wesentlich weicherer Miene. „Du wirst es doch nicht einfach so trinken?!"

Er konnte gar nicht anders als auch seine Schwester blöd anzusehen. Sie hielten ihn ja offenbar für ziemlich bescheuert.

„Wollt nur sicher gehen," sagte sie unangenehm.

„Nein," sagte Harry schließlich. „Brian hat recht. Ich hab freien Zutritt in ihr Büro. Ich werde Porträt Dumbledore fragen."