Nächstes =)
Review:
Mannequin: Hallöchen =)
Freu mich, dass es dir besser geht. Schon, hält sich hier in Bayern nur wirklich zäh. Überall anders in Deutschland sind ja schon plusgrade am Abend und hier wird es tatsächlich noch mal minus 6 Grad =.=" Hoffe, dass es dann für den Sommer gut ist, wenn der Winter so eisig war. Heißt ja meistens, dass es dann auch mit den Pollen nicht so stark ist.
Hm... Ich überleg gerade, wie ich mir das damals gewünscht hätte mit Harry und einem Mädchen. Ich glaub, ich stieg viel zu spät ein, um mir große Gedanken zu machen und war auch viel zu schnell ein Marauder Fan, so dass ich nur noch wert auf James und Lilli legte und kaum mehr auf Harry und eine potentielle Partnerin.
Ich mein, ich mochte Cho, aber es war schon deutlich an Buch 5, dass sie und Harry nicht für immer und ewig zusammen bleiben würden, sondern sie nur ein Interesse auf Zeit sein würde. Ich glaub, das mit Ginny und Harry hatte mich nicht unbedingt überrascht, nachdem Buch 6 ziemlich darauf aufbaute, dass Harry ja eifersüchtig auf Ginny's Männer wurde.
Jetzt im Nachhinein, vielleicht wäre es gut gewesen, wenn er in Buch 6 nicht mit Ginny zusammen gekommen wäre, dafür in Buch 7 langsam eine komplett neue kennengelernt hätte. Dann hätten sie das peinliche mit den Schauspielern in Film 7 vermeiden können.
In 20 Jahren XD Ich hätte auch gegen in 5 Jahren nichts. Sind die Filme jetzt nicht auch schon 5 Jahre oder so her? Es gab ja Filme, spontan fällt mir zwar nur Total Recall ein, aber es gibt bestimmt noch mehr, die in den 90ern mal kamen und vor einigen Jahren ebenfalls noch mal neu aufgelegt wurden. Hätte ich nichts dagegen und würde es auf jeden Fall anschauen =) Neugierdehalber zumindest.
Geplant ist es momentan zwar so, aber in BtF war zum Beispiel geplant Remus mit Anna zusammen zu lassen. Hat auch nicht funktioniert, weil es mit Sirius zu intensiv wurde und ich keine andere Wahl hatte als die beiden zu trennen. Mit der Entwicklung, die beide in der FF genommen hatten, wären die sonst zusammen unglücklich geworden. Ich weiß daher nicht, welche Entwicklung Brian und Jilli hier nehmen. Denn während ich Brian nun mit Kaylar ausprobiere und es vielleicht noch weitere kommen, wo man mal guggen wird in den nächsten Kapiteln, probiere ich bei Jilli auch die Chemie zwischen ihr und Charlie Weasley oder ihr und Fred Weasley. Wer weiß, wer mit dem anderen besser interagiert und es kommt ja auch noch der ein oder andere Neue. Bin eh schon gespannt, wie ihr es mit Kila nun aufnehmt.
Hehe, zu Beginn sollten ja Zweifel entstehen, dass Anna nicht mehr einer der Guten ist, sondern eher kalt geworden ist. Jetzt sind wir in der guten Mitte und es kann gelüftet werden, dass sie sich zwar verändert hat, aber es eben Gründe dafür gab.
Hihi, ich mags, dass ihr die Gespräche zwischen Anna und Harry mögt. Die ziehen sich manchmal ja wirklich Seitenweise hin. Ich bin auch gerade dabei die ersten Kapitel wiederzulesen, weil ich mich wieder erinnern muss, was ich wie geschrieben hatte. Vergesse so was schnell. Außer der Tatsache, dass ich offenbar oft zu schnell geschrieben und beim wiederlesen überlese, dass da mal ein Buchstabe fehlt =.=" sind auch die Geschehnisse wichtig, die ich sonst wiederholt hätte oder jetzt dann auch wieder aufgreife, damit es nicht ungelöst bleibt. Nicknick.
Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüße
Chapter 30 – Who's Kila?
Harry konnte es am nächsten morgen gar nicht abwarten den anderen von dem Training zu erzählen, wenn er auch Geduld üben musste, bis sie eine Freistunden hatten und sich gemeinsam in den Raum der Wünsche verziehen konnten. Wie erwartet war Ron beeindruckt und begeistert davon, Ginny entsprechend interessiert und Hermine flippte komplett enthusiastisch aus.
„Sie hat dir also den Incursio Zauber beigebracht," fiel Hermine allen sofort ins Wort und konnte sich vor Neugierde kaum auf dem Stuhl halten. „Das ist wirklich sehr fortgeschrittene Magie. Nicht mal ein viertel aller Auroren beherrschen diesen Zauber. Man kann ihn nicht mal selbst erlernen. Jeder, der ihn beherrscht, sagt dasselbe. Es braucht einen guten Lehrer, damit man ihn erlernen kann. Er ist die Basis, um richtig mächtige Elementmagie durchführen zu können und sogar noch mehr!"
„Schon klar, Hermine!" sagte Harry laut, damit sie aufhörte enthusiastisch zu brabbeln.
„Wie fühlte es sich an?!" fragte sie weiter und sah ihn erwartungsvoll an. „Man sagt, man fühlt sich richtig erfüllt, wenn man ihn produzieren kann?"
„Man sagt richtig," grinste Harry breit, denn das traf das Gefühl genau.
„Ich bin so gespannt, was sie dir als nächstes beibringt. Bestimmt diesen Zauber mit einem Element auszuführen. Oh – Du musst unbedingt sagen, was es war! Ich bin so neidisch!"
Das ging eine ganze Weile lang so weiter bis sie zum nächsten Unterricht mussten. Ginny und Ron hatten nicht mal Gelegenheit etwas zum Gespräch beizusteuern. So saßen sie in Zaubertränke und brauten den nächsten Trank, den Professor Slughorn von ihnen forderte.
Es war ein sehr komplizierter Trank mit wiedermal dutzenden von nie gehörten Zutaten, die sie zum ersten Mal verwendeten, aber irgendwie interessierte er sich nicht besonders dafür und verließ sich darauf, dass Hermine schon wüsste, was sie da taten.
Die ganze Woche über freute sich Harry auf die Trainingsstunde am Freitag Abend und konnte es nach den Rundgängen gar nicht abwarten wieder im Geschichtsklassenzimmer aufzutauchen. Er fand wie erwartet Professor White vor – allerdings dieses Mal nicht mit Remus und auch nicht mit Sirius, sondern mit einem für Harry einerseits fremden, andererseits auch irgendwie bekannten Mann. Irgendwoher kannte er sein rundliches Gesicht doch?!
„Harry," sagte White als er vor ihnen mehr schlecht als recht bremste.
„Professor White," erwiderte er vorsichtig.
„Das ist dein Gegner für heute," stellte sie den Mann vor, der ihn streng und tief musterte. Einen Namen hatte sie nicht genannt, sondern ihn angedeutet den Schuh zu berühren. Der Mann reiste als erstes, Harry folgte und White kam nur eine Sekunde später nach.
Alle drei standen nur Sekunden später wieder beisammen in der Kammer des Schreckens – neben dem immer noch toten Basilisken. Harry fühlte sich unwohl, kam es ihm doch irgendwie merkwürdig vor, dass die Kreatur da lag als ob sie lediglich schlafen würde. Es wurde sogar noch schlimmer, nachdem er den durchdringenden Blick des Zauberers bemerkte, der ihn nicht los ließ, egal wie oft er sich weg drehte, um ihm nicht ebenfalls direkt ins Gesicht zu sehen.
„Dein Gegner heute ist ein Auror. Eine Stufe höher als Remus, was die Duell Erfahrung angeht. Erinnerst du dich noch an den Zauberspruch vom letzten Mal?"
„Incursio," sagte Harry und White nickte. Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte Harry, dass der Mann ihn immer noch vehement anstarrte. Er spielte einen Moment mit dem Gedanken sich zu ihm umzudrehen, mit seiner Hand die Strähnen an seiner Stirn hochzuheben und DAAAAAA zu rufen, damit er die Narbe in Blitzform endlich sah und aufhörte ihn anzugaffen. White hatte jedoch vorher weitergesprochen, bevor er die Geduld dazu verlor.
„Nun dann. Duelliert euch, Männer."
Sie deutete beide Männer an sich zu ihren Plätzen zu begeben, was der Mann auch ohne zu zögern tat. Harry folgte auf dem Fuß, zog seinen Zauberstab und machte sich für das Duell bereit.
„Incursio!" rief er schließlich zur selben Zeit als der Mann „Praestes" sprach. Er schaffte den Lichtblitz immer noch ohne Probleme, aber wie auch schon zuvor wurde es von dem Schutzzauber des Gegners absorbiert und plötzlich - „Incursio!" Sein Gegner führte das Duell fort ohne dass Harry damit überhaupt rechnete. „Praestes!" rief er gerade noch rechtzeitig. Das Schutzschild baute sich auf und absorbierte den Angriff. Der Mann sah ihn mit kaltem Ausdruck an, während Harry verwirrt zur Seite blickte. Sollte er etwa wieder angreifen? White aber lächelte sanft.
„Sehr gut," sagte sie anerkennend und war zu ihm hergeschritten. Der Auror näherte sich gleichfalls und wieder ging das anstarren los. Harry drehte sich demonstrativ von ihm weg und wandte sich White zu „Die nötigen Reflexe hast du von Natur aus," merkte sie an. „Sich so etwas anzutrainieren würde Zeit dauern, die wir ohnehin nicht gehabt hätten. Der nächste Schritt ist nun dem Zauber ein Element hinzuzufügen. Feuer. Wasser. Luft. Erde. Das einfachste Element ist Feuer und damit werden wir auch starten.
Kannst du erst mal mit diesen Elementen umgehen, so wird der letzte Schritt sein – den Zauber mit Gryffindor's Magie zu produzieren. Was glaubst du, wie du dem Zauber ein Element hinzufügst, Harry?"
Er dachte angestrengt nach, wenn es auch schwer fiel mit dem Wissen, dass er nach wie vor beobachtet wurde. Konnte der Typ nicht etwas anderes penetrant anstarren? Zum Beispiel den toten Basilisken?!
„In dem ich das Element zum Zauberspruch hinzufüge?"
„Du wirst später noch lernen Zauber anzuwenden ohne diese auszusprechen," sagte White leise. Auch wenn ihn das überraschte, so war es diesmal mehr eine angenehme Überraschung gewesen. Meinte sie das ernst?! Wollte White ihm tatsächlich alles beibringen, was Dumbledore konnte?!
„Also... dann an das Element denken?"
White nickte.
„Für den Anfang musst du beides tun, bis du es schaffst die Zauber ungesagt anwenden zu können. Stell dich auf die Seite und beobachte genau meine Haltung."
Harry nickte und trat von beiden Weg an die Wand. White und der Auror standen Auge in Auge einander gegenüber und hoben gleichzeitig die Zauberstäbe für das Duell.
„Incursio ignis!" sagte White während gleichzeitig vom Auror „Aquaticus murus!" kam. Harry fiel auf, dass der Gegenzauber ein anderer war und dass White den Zauberstab seltsam anders geschwungen hatte – merken konnte er sich die Bewegung jedoch nicht. Hatte sie ein paar Kreise damit geschwungen?! Der rötliche Blitz war viel zu schnell für sein Auge zum erfassen gewesen.
„Du bist dran," sagte sie und er tauschte sehr langsam den Platz mit ihr. Er hatte überlegt zu fragen, wie sie den Zauberstab schwang, aber irgendetwas hielt ihn davon ab und so hob er seinen Zauberstab und schwang sich ins Duell.
„Incursio Ignis!"
„Aquaticus murus!"
Nichts. Die Mauer aus Wasser hatte sich vor dem Auror gebildet, aber aus Harry's Zauberstab kam diesmal kein Lichtblitz.
„An Feuer denken," erinnerte White ihn. Harry nickte mit finsterer Miene und wieder machte er sich für das Duell bereit. „Fertig? Los."
„Incursio Ignis!" Feuer!
„Aquaticus murus!"
Wieder nur die Mauer aus Wasser. Harry presste verärgert die Lippen zusammen und wandte sich White zu, welche jedoch verschlossen zurückblickte.
„An Feuer denken," wiederholte sie als glaubte sie, er hätte ihr vorher nicht zugehört.
„Ich hab an Feuer gedacht," sagte er mürrisch.
„Nicht an das Wort Feuer," erwiderte die Professorin jedoch ruhig. „Denke an die Flammen, die Hitze."
„Err -"
„Noch ein Versuch."
Wieder stellten sich beide Männer auf.
„Fertig? Los."
„Incursio Ignis!" Hohe Flammen, kochende Hitze, brennende Glut.
„Aquaticus murus!"
Tatsächlich sah Harry wie ein roter Blitz im Bruchteil einer Sekunde aus der Spitze schoss und wollte gerade wieder erfreut lachen, da -
„Autsch!"
Die Innenseite seiner Hand brannte und er ließ mit einem Mal den Zauberstab fallen. Erschrocken sah er seine Hand an, doch sie war nur leicht rot geworden. White sah ihn schief an.
„Hab ich nicht gesagt, du sollst meine Haltung beobachten?"
„Ich hab gute Reflexe," entgegnete er verärgert. „Kein Fotografisches Gedächtnis!"
Auf seinen dämlichen Blick hin, gluckste der Auror plötzlich vergnügt, was ihn einen dämlichen Blick von White einheimste. Sofort schraubte er das Grinsen ab und räusperte sich.
„Entschuldigung."
Das Auftauchen einer weiteren Person aus dem Stiefel unterbrach die Unterrichtsstunde. Es war Lupin. White deutete Harry an dort mit dem Auror stehen zu bleiben, während sie und Lupin sich auf halbem Wege trafen und sich sehr leise miteinander austauschten. Harry hatte sie dabei beobachtet, konnte aber absolut nicht hören, worum es ging. Nur dass es etwas ernstes war, las er an ihren finsteren Gesichtszügen ab.
„Du bist gut," sagte der Zauberer neben ihm plötzlich und Harry zuckte überrascht auf. Er hatte den Mann schon beinahe vergessen.
„Danke," erwiderte er kurz. „Sie sind also Auror?"
„Im Moment nicht," sagte der Mann ohne näher darauf einzugehen. „Hab gehört, du möchtest Auror werden?"
„Ja, vielleicht."
„Würdest gut rein passen."
Harry sah den Mann interessiert an, aber er hatte sich bereits abgewandt und ebenfalls einen misstrauischen Blick Richtung White und Lupin geworfen. Wieso kam der Mann ihm nur so bekannt vor? Harry kam einfach nicht darauf, wo er ihn schon mal gesehen hatte.
White und Lupin nickten einander zu, dann verschwand Lupin wieder durch den Portschlüssel und White schritt zu ihnen rüber. Ihre Miene war sehr ernst und Harry spürte plötzlich Panik in sich aufkeimen. Es war also irgendetwas passiert...
„Training ist für heute vorbei," begann sie direkt und Harry hatte gerade angesetzt nach dem Grund zu fragen, da kam White bereits mit der Erklärung an. „Kila hat ein Lebenszeichen von sich gegeben."
Kila? Harry's Herz setzte aus. Sie war diejenige, die auf Luna und ihren Vater aufgepasst hatte. Er sah White mit bangem Blick an.
„Die Nachricht war wenig aussagekräftig und wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob es wirklich von ihr stammt oder der Feind dahinter steckt und sie dazu gezwungen hat. Ich kann mich aufgrund meines Zustandes nicht mit ihr treffen. Es wäre zu gefährlich, wenn dies wirklich ein Hinterhalt ist. Genauso wenig kann ich jemand anderes hinschicken, aus den unterschiedlichsten Gründen."
„Ich kann gehen," sagte Harry entschlossen, aber White deutete ihn an Ruhe zu bewahren.
„Ich habe mich mit Remus beraten. Wir haben keine andere Wahl als dich hinzuschicken."
Er wusste nicht, ob er nun erfreut war, weil er eigentlich sein Willen bekam, oder ob er pure Panik empfand, weil er seinen Willen bekam. Er beschloss zu nicken, um zu zeigen, dass er sie gehört hatte. Ob er seine Panik nun gut versteckt hatte oder nicht, sah er ihr nicht an.
„Jilli ist zwar wieder einigermaßen gesund, ihr emotionaler Zustand für diesen Auftrag jedoch ungeeignet. Kaylar Steward und Brian werden dich begleiten.
Brian kennt Kila und Steward wird euch rechtzeitig in Sicherheit bringen, wenn es doch ein Hinterhalt sein sollte."
Harry nickte erneut, diesmal fühlte er sich sichtlich erleichtert. Er wäre auch alleine gegangen, aber mit einer Phowlyris und einem Freund an seiner Seite, fühlte es sich nicht ganz so schwer an. White und der Auror tauschten einen kurzen Blick, dann nickte er jedoch verstehend und verabschiedete sich von beiden.
„Harry, hat mich gefreut. Mein Sohn hat nicht übertrieben als er von dir erzählt hat. Anna."
„Frank," sagte sie sanft.
Mit einem Nicken entfernte er sich und reiste mit dem Portschlüssel ab. Frank?! Frank? Das war Frank Longbottom?!
„Ja," fuhr die Schulleiterin mit einem milden Lächeln fort. „Das war Frank Longbottom."
Harry fiel halb die Kinnlade herab vor Verwunderung. Er hatte sich Neville's Vater irgendwie anders im Charakter vorgestellt. Vielleicht ein wenig freundlicher oder offener. Jedenfalls nicht eigenartig...
„A-Also ist er wieder komplett gesund?"
„Nicht ganz, nein. Aber gesund genug, um sich mit dir hier unten zu duellieren und dich zu trainieren. War auch für ihn ein guter Einstieg.
Harry, was ich dir jetzt sage, ist sehr wichtig. Was immer auch passiert, ich möchte, dass du dem Folge leistest. Versprichst du das?"
Er nickte, wenn auch sehr zögerlich und mit kritischem Blick.
„Es ist sehr wahrscheinlich, dass es hier gar nicht um die Lovegoods ging, sondern um Kila. Für jemanden wie Lord Voldemort ist sie nicht irgendwer. Erst recht nicht, nachdem Severus Snape wieder für ihn arbeitet."
„Wieso das?" fragte Harry skeptisch.
„Severus Snape wusste sehr vieles über die Mitglieder und ich bin mir sicher, dass du mittlerweile festgestellt hast, dass Voldemort Kinder gern für die Taten ihrer Eltern büßen lässt.
Ob dies nun eine Falle ist oder nicht, in einem Duell darfst und sollst du die neu gelernten Flüche anwenden. Wenn Kaylar dich jedoch aus der Gefahrenzone raus bringen will, wirst du ihr folgen.
Du wirst dich nicht in ein Duell stürzen, selbst wenn Brian oder auch Kila noch in einem Duell stecken. Du wirst nicht weglaufen, um eventuell nach Luna Lovegood und ihren Vater zu suchen, sondern bei Kaylar bleiben. Egal, was auch immer passiert. Du folgst Kaylar Steward. Haben wir uns verstanden?"
Harry nickte, wenn auch eher widerwillig. Wenn er ehrlich war, dann konnte er das gar nicht garantieren. Nicht, wenn er die Möglichkeit sah eine Freundin zu retten. White seufzte frustriert.
„Ich werde Miss Granger und Mr Weasley mitschicken."
Und auf einmal sah er überrascht auf.
„Ob es nun blind ist oder nicht. Ich hoffe, dass die beiden einen passenden Einfluss zur gegebenen Zeit auf dich haben werden, wenn es darauf ankommt." Sie lächelte mild und fügte schließlich hinzu: „Außerdem sind sie auch Mitglieder im Orden und wie ich euch kennengelernt habe, würden sie nichts lieber tun als ebenfalls mitkommen."
Sie deutete ihm an den Stiefel zu berühren und beide reisten wieder zurück ins Klassenzimmer.
Zum vereinbarten Treffpunkt reisten sie mit Hilfe von Steward und quartierten sich in ein Haus mitten im Dickicht eines Waldes ein. Brian erzählte ihnen, dass dies ebenfalls eines von vielen Verstecke des Orden ist und sie hier auf Kila warten würden.
Während also Steward am Fenster stand und mit wachsamen Augen die Gegend beobachtete, machte es sich der Rest im Wohnzimmer bequem.
„Wie viele Häuser hat der Orden des Phönix eigentlich?" fragte Ron während er sich sehr interessiert und neugierig umsah. Selbst dieses Haus sah massiver und fester aus als der Fuchsbau.
„Einige," sagte Brian kurz.
„Und wer bezahlt das?!"
„Uff," machte Brian überrumpelt. „Keine Ahnung. Anna? Mit Dumbledore's Geld? Hat sich keiner dafür je interessiert. Hauptsache, die Häuser waren da."
„Und wir warten hier jetzt auf Kila?" fragte Hermine und fühlte sich sichtlich ein wenig unwohl.
„Yap."
„Sie hat gesagt, sie käme her?"
„So deuten wir ihre Worte."
„Hat sie etwas über Luna geschrieben?" fragte Hermine weiter. Brian zog nachdenklich eine Grimasse.
„Kann sein..."
„Was heißt da kann sein?" blaffte Harry misstrauisch. „Entweder hat sie den Namen erwähnt oder nicht?"
„Du kennst Kila nicht," grinste der Freund, kramte den zusammengefalteten Brief aus einer Tasche und reichte sie ihnen rüber. Ron hatte sich hinter Harry und Hermine gestellt, um ebenfalls mitlesen zu können, während sich Hermine zu Harry rüber beugte, um den Brief richtig sehen zu können.
Hallo Freunde!
Hab Sehnsucht nach weißen Lilien. Der Mond scheint klar, wie auch sein Schatten.
Liebe Grüße, Kila.
Alle drei sahen irritiert zum Freund, welcher nun breit von einem Ohr zum anderen grinste. Ihre Gesichter sagten genau das aus, was er erwartet hatte.
„Weiße Lilien ist das Kennwort von diesem Versteck. Der andere Satz soll interpretiert jeder anders. Könnte aber bedeuten, dass sie von eurer kleinen Freundin und ihrem Vater spricht. Kennt sie wirklich keiner von euch? Kila ging bis vor 5 Jahren noch nach Hogwarts."
„Wirklich?" fragte Hermine erstaunt.
„Yap, hat vor 5 Jahre ihren Abschluss erworben. Aber gut, wer kann von Erstklässlern erwarten alle Schüler der Abschlussklasse zu kennen. Sie war ja auch keine Gryffindor."
„Sie kommen," warf Steward plötzlich ein. Augenblicklich war Brian mit gezogenem Zauberstab auf den Beinen und eilte zur Phowlyris an das Fenster.
„Yap, Mond ist eure Freundin und Schatten ihr Vater."
Harry, Hermine und Ron waren sofort gleichfalls erfreut aufgesprungen. Nur Sekunden später öffnete Brian die Tür und ließ Luna, ihren Vater und eine junge, blonde Hexe mit stechend orange farbigem Umhang herein. Letztere hatte sich sofort auf Brian gestürzt und ihn fest umarmt.
Die Hexe hatte lange Haare, war schlank und hübsch und dennoch – Harry konnte sich nicht daran erinnern ihr in der Schule über dem Weg gelaufen zu sein.
„Euch fehlt nichts?" fragte Brian nachdem er sie wieder losgelassen hatte und sich auch Luna und ihrem Vater zuwandte.
„Nein," antwortete Mr Lovegood. „Wir sind in Ordnung. Dank dieser jungen Dame hier."
Kila lächelte scheu.
„Wir sollten lieber erst mal von hier abhauen. Ich weiß nicht, ob ich nicht doch verfolgt wurde. Ein Kaninchen klebte uns sehr lange an den Fersen und ich musste es mit einer Karotte füttern, um uns genug Zeit zur Flucht zu verschaffen."
Harry runzelte ungläubig die Stirn, aber Brian nickte anerkennend.
„Gut, lasst uns verschwinden. Wir haben ein Portschlüssel in der Nähe aufgebaut. Der Kamin funktioniert hier nicht."
„Wieso das? Hat Anna die Flöhe nicht bezahlt und wir dürfen deswegen nicht ihr Netzwerk benutzen?" fragte Kila ernst. Brian grinste und trat allen voran nach draußen. Harry hingegen tauschte kurz Blicke mit Ron und Hermine aus und es war klar, sie alle drei fanden die Hexe gleich merkwürdig. Meinte sie das wirklich ernst?!
Sie schritten gemeinsam einen dicht bepflanzten Pfad entlang, Steward hinter allen anderen, Brian und Kila an der Front, Mr Lovegood direkt hinter ihnen, mehr wandernd und die Gegend bewundernd als auf der Hut wie Steward, und in der Mitte schließlich Harry und seine Freunde.
„Ich hatte Angst," erzählte Luna als Hermine sie fragte, ob alles in Ordnung war. „Plötzlich waren diese Todesser direkt im Dorf. Wir hatten Glück, dass Kila da war und uns raus brachte. Sie kann sich richtig gut duellieren."
Genau in dem Moment machte es „Huch!" - „Whoa!" und Kila und Brian landeten beide mit ihren Hintern auf dem Boden mit Ron in ihrer Mitte, der über Kila gestolpert war. Hermine und Luna blieben nur deswegen auf ihren Füßen, weil Harry rechtzeitig stoppte. Mr Lovegood stand an der Seite, hatte sich glücklicherweise etwas am Rand des Pfades angesehen, sonst wäre er womöglich unter Ron und auf Kila und Brian gestolpert. Steward stand hinter allen fest auf den Beinen mit einem Gesicht wie sieben Tage Regenwetter.
„Sorry," sagte Kila sofort. Brian war als erstes wieder auf den Beinen und half ihr auf während Harry Ron auf die Beine zog. „Gleichgewichtsprobleme. Hab ich einmal alle 2 Monate. Mich hat mal eine Biene gebissen."
„Gebissen?!" wiederholte Hermine Stirn runzelnd.
„Ja!" sagte Luna verständnisvoll. „Arachnobienen. Die verstecken sich mittlerweile sogar in Bäumen in Städten."
„Zeit, Mädels," drängte Brian mit einem amüsierten Grinsen und schon wanderten alle wieder den Pfad in derselben Reihenfolge wie zuvor schon entlang. Harry presste unzufrieden die Lippen zusammen. Irgendwie konnte er es Luna nur schwer glauben, dass diese Hexe sich gut duellieren konnte. Dafür hatte sie zu große Ähnlichkeit mit einer Mischung zwischen Luna und Neville. Verrückt und tollpatschig zugleich.
Sie waren eine ganze Weile still nebenher marschiert bis sie schließlich an einer Stelle stehen blieben.
„Portschlüssel," sagte Brian und deutete auf einen größeren Stein, der bei einem Baumstamm lag. „Ist jedoch von mir, daher funktioniert er nicht ganz so gut. Wir sollten kleinere Gruppen machen. Key, bleibst du hier bis der letzte durch ist?"
Die Phowlyris verzog sichtlich beleidigt die Augenbraue, doch da Brian nicht aufhörte zu grinsen, nickte sie nach einem genervten Augenrollen und schritt zur Seite, wo sie begann mit dem Rücken ihnen zugewandt den Mond über sich zu beobachten.
„Mr Lovegood und Ron zuerst," schlug Brian vor. „Haltet euch gut fest. Die Reise kann holprig werden."
Er zwinkerte und während Luna's Vater kein Problem damit hatte, schien Ron das ganze eher zu verunsichern. Mit bangem Bick fasste er den Portschlüssel auf drei an und prompt waren er und Mr Lovegood verschwunden.
„Müssen etwas warten," sagte Brian auf Harry's verwirrten Ausdruck. „Bringt uns zwar direkt nach Hogwarts, aber wird dennoch etwas dauern. Ist halt Hogwarts, in das wir rein wollen."
Er nickte, wenn auch nach wie vor ziemlich verwundert. Duellieren musste er sich ja nun nicht, wie White dachte.
„Wir wurden nicht verfolgt," sagte Brian zu Kila, die leicht lächelte.
„Weil ich sie abgeschüttelt habe," entgegnete die Hexe jedoch. „Ich hätte mich sonst bestimmt früher gemeldet."
Harry zog eine Grimasse. Da hatte er sich also wochenlang Sorgen gemacht, dass Luna und ihrem Vater etwas passiert war, dabei hatte nur eine irre Hexe die beiden aus Angst vor einem Angriff einer Horde Kaninchen verschleppt...
„Jilli hat sich Sorgen um dich gemacht," sagte Brian mit kritischem Blick.
„Ich lad sie auf ein Magarineschnaps in die Drei Besen ein," entgegnete Kila kurz.
„Sie verträgt kein Magarineschnaps."
„Dann halt ein Limettenlikör."
„Verträgt sie auch nicht."
„Was verträgt sie noch mal?"
„Tee."
Kila sah Brian dämlich an, aber er zuckte grinsend die Schultern.
„Die nächsten! Hermine und Luna?"
Erstere gab Harry einen mitfühlenden Blick bevor sie wie ihre Mitschülerin auch auf drei den Portschlüssel berührte.
„Das läuft heut ja mal tatsächlich ganz ohne Probleme ab," stellte Brian überrascht fest. „Sonst läuft immer irgendetwas schief."
Steward riss plötzlich wachsam ihre Augen auf.
„Vorsicht!" brüllte sie hinter. Im Bruchteil einer Sekunde, Harry konnte nur mit Mühe sehen, was überhaupt passierte, hatten Kila und Brian ihre Zauberstäbe gezogen und ihre ersten Flüche produziert. Ihr Gegner war aber nicht irgendwer. Es war diese Phowlyris, die Harry einmal im Wald begegnet war. Die ewige Phowlyris, die auf Voldemort's Seite stand.
Harry konnte gar nicht schnell genug reagieren, da wurde er entwaffnet und verlor seinen Zauberstab. Die Phowlyris hatte ihn angestarrt und ihm ihre Handfläche entgegengestreckt und auf einmal spürte er das unbändige Gefühl zu schreien. Alles in ihm verkrampfte sich, brannte, pochte – Luft! Er bekam keine Luft mehr und so schnell wie es gekommen war, verschwand es auch wieder. Harry fiel zu Boden und landete auf alle Vieren. Er keuchte und schnappte heftig nach Luft. Er hörte Flüche, Brian, Kila... Steward... weitere Stimmen. Da waren noch weitere Todesser. Harry versuchte sich zusammenzureißen und aufzustehen, aber seine Beine fühlten sich wie Wackelpudding an und er stürzte wieder hinab. Jede Bewegung schmerzte plötzlich.
Es gab eine Explosion ganz in seiner Nähe. Der Portschlüssel war zerstört worden.
„Harry! Weg von hier!"
Bevor er überhaupt reagieren konnte, hatte Kila ihn am Arm gepackt und nur ein Augenblick später wurde er durch Gummi hindurchgequetscht. Es fühlte sich erheblich stickiger an als sonst. Er war schon einige Male Seit-an-Seit appariert, aber nie war es so lange, so erdrückend und so würgend gewesen. Als er wieder frei atmen konnte und die Augen aufbekam, war es still geworden. Keine Flüche, keine Stimmen, keine anderen Menschen. Nur Kila und er mitten in einem Waldstück.
„Bist du okay?!" fragte Kila sorgenvoll. „Es tut mir leid, Harry. Ich appariere selten Seit-an-Seit. Mir wurde gesagt, dass man das zum kotzen findet."
Das war genau das Wort, das er nicht hören wollte, denn prompt kam der Würgereflex und er übergab sich auf der Wiese.
Es dauerte etwas bis die Nachwirkung abklang und er nicht mehr das Bedürfnis hatte sich festhalten zu müssen, weil sich sonst die Gegend um ihn herum nicht aufhörte zu drehen.
„Wo sind wir hier?"
„Noch im Wald," antwortete Kila. „Wir müssen abwarten, dass keiner der Todesser oder diese Phowlyris bei uns auftauchen. Erst dann können wir weiter apparieren. Brian und Ich haben ein Treffpunkt ausgemacht, aber wir können dort erst auftauchen, wenn wir sicher sind, dass uns keiner verfolgt."
Harry nickte vorsichtig. Wenn er es nämlich zu schnell tat, kam der Wunsch sich zu übergeben wieder zurück. Kila hatte ihn noch mal besorgt angesehen, dann aber setzte sie sich ebenfalls auf die Wiese hinab, zog ihre Knie an ihre Brust, schlang ihre Arme um ihre Beine und begann zu wippen.
„Es tut mir echt leid," wiederholte sie leise und sah ihn sichtlich betrübt an. Er winkte jedoch ab.
„Schon okay... Ich leb noch."
Das schien sie aufzumuntern, denn nun kroch ihr endlich ein sanftes Lächeln über die Lippen. Sie war schon okay und da sie eine Freundin von Jilli war, wollte er zumindest freundlich sein.
„Du bist groß geworden," stellte sie umsichtig fest. Harry sah verwundert auf.
„Hm?"
„Ich ging doch auch mal nach Hogwarts. Ich war dabei als du dem Hause Gryffindor zugeteilt wurdest."
„Err – stimmt. Brian hat so etwas erwähnt."
Kila kicherte amüsiert.
„Du warst noch so klein und heute bist du so groß. Hast du etwa Streckflüche auf dich selbst angewandt?!"
„Nein, hab ich nicht," sagte er beleidigt. Wieso sollte er das bitte sehr tun? Harry konnte sich einfach nicht daran erinnern, sie je gesehen zu haben und das konnte man ihm offenbar ansehen, denn Kila kicherte erneut. Er stellte sehr schnell fest, dass er ihr kichern nicht mochte. Es erinnerte ihn an Bellatrix Lestrange.
„Ich glaube, bei dir hat jeder genauer hingesehen. Harry Potter, der Junge, der überlebt hat."
Er mochte sie von Sekunde zu Sekunde weniger...
„Tut mir leid," sagte sie plötzlich erneut betrübt und vergrub ihr Gesicht halb hinter ihren Knien.
„Ich bin nervös."
„Nervös?" fragte Harry irritiert. In dieser Haltung erweckte sie wieder Mitleid in ihm.
„Du bist Harry Potter," sagte sie kleinlaut.
Jetzt kam wieder der Mist, dachte Harry entnervt. Der berühmte Harry Potter, der Auserwählte. Er wusste nicht was schlimmer war, wenn man ihn damit aufzog und lächerlich machte oder ihn wie ein schlechter, anhänglicher Fan nervte.
„Du bist James' Sohn," fügte sie hinzu und sofort sah er überrascht auf.
„Häh?" machte Harry nun verrückt.
Kila seufzte leise.
„Hat dir niemand gesagt, wer ich bin?"
Er runzelte die Stirn und sah sie skeptisch an.
„Du bist ein Mitglied des Orden des Phönix?" sagte er misstrauisch. Kila seufzte erneut.
„Meine Mutter ist Melissa Kingcade."
Mochte er sie vorher von Sekunde zu Sekunde weniger, so mochte er sich gerade von Sekunde zu Sekunde weniger. Sie wirkte genauso wie diejenigen, die Malfoy und seine Freunde die letzten Jahre immer in der Schule schikaniert hatte, nur schien er hier Malfoy und seine Freunde zu sein.
„Ich weiß nicht wer das ist," sagte Harry ehrlich. So wie sie das aussprach, glaubte sie offenbar, dass er es wusste und dass ihn der Name womöglich auch aufregen sollte. Das tat es nicht. Kila seufzte und machte sich noch mal um ein Stückchen kleiner hinter ihren Knien.
„Dein Dad und meine Mum waren zu Schulzeiten ein Paar. In der 6. Klasse," erzählte Kila vorsichtig. „Und meine Mum war... Sie war jemand, der für Du-weißt-schon-wem gearbeitet hat. Und das schon zu Schulzeiten."
Harry sah sie aufmerksam an. Nein, das hatte er nicht gewusst. Ihm kam plötzlich ein weiterer, sehr viel erschreckenderer Gedanke, denn wenn Kila 5 Jahre älter war als er und sein Vater und ihre Mutter in der 6. Klasse ein Paar waren... Er schluckte hart und wandte sich ihr mit entsetztem Blick zu.
„Meine Mum, ihr Onkel, ihre Eltern, jeder von ihnen war durch und durch auf seiner Seite. Ist schwer aus dem Schatten herauszutreten, wenn man weiß, wo die Wurzeln von jemandem liegen. Leute sehen dich anders an, wenn sie die Wahrheit kennen. Viele aus dem Orden betrachten mich mit anderen Augen deswegen. Ich bin nicht dumm. Ich hab Ohren und höre sie reden. Meine Wurzeln sind schwarzmagisch und du bist ganz offensichtlich das genaue Gegenteil. Deine Geschichte ist das genaue Gegenteil. Daher meine Nervosität..."
„Aber du bist im Orden des Phönix und stehst doch gegen Voldemort?"
Kila zuckte zusammen als er den Namen aussprach.
„So wie Peter Pettigrew einmal, so wie Severus Snape noch bis vor einem Jahr? Aber danke für deine Worte -" setzte sie nun weniger eingeschüchtert hinzu und hatte ein sanftes Lächeln auf den Lippen. „Schön zu sehen, dass du wie Jilli reagierst. Da fällt mir direkt ein Stein vom Herzen."
Harry nickte verstehend. Kurzzeitig hatte auch er sich gefragt, wie es sein kann, dass sie im Orden ist, wenn doch ihre ganze Familie hinter Voldemort stand. Andererseits, war es nicht auch dasselbe mit Sirius' und seiner Familie?!
„Was sagt deine Mum dazu, dass du im Orden bist?"
„Meine Mum ist tot," sagte sie traurig. „Sie ist gestorben als ich 2 war. Ich kann mich kaum an sie erinnern. Ich bin danach einige Jahre im Waisenhaus aufgewachsen. Meine Großeltern sind sogar noch vor meiner Mum gestorben und ihr Onkel wollte wohl nicht für mich sorgen, weshalb er mich in ein Waisenhaus gab. Er starb einige Monate später ebenfalls. Hab ich zumindest herausgefunden, als ich alt genug dazu war. Ich bin die letzte der Kingcade Familie... Kann also keiner von ihnen etwas dazu sagen. Aber wenn – dann würden sie sich wohl im Grabe umdrehen."
Sie versuchte das ganze wegzukichern, aber es klappte überhaupt nicht. Man sah ihr an, wie wenig sie es zum lachen fand und prompt fühlte sich Harry, obgleich er das Kichern immer noch nicht mochte, noch schlechter. Da er nun aber glaubte, dass sie das nur tat, um ihre Unsicherheit zu verbergen, versuchte er das schlechte kichern einfach so hinzunehmen.
„Ich verurteile dich nicht," sagte er ehrlich und das war nichts als die Wahrheit. Jetzt zumindest.
Kila lächelte sanft.
„Was ist mit deinem Vater?" fragte er weiter. Bitte lass es nicht mein Dad sein, bitte lass es nicht mein Dad sein...
„Keine Ahnung," antwortete sie bedrückt. „Will mir keiner sagen. Ich weiß nicht, ob sie es wissen oder nicht oder ob sie es wissen und mir nur nicht sagen wollen, wer es ist, weil er vielleicht ein richtiger Mistkerl gewesen sein könnte... oder ist. Wieso wuchs ich sonst Jahrelang in einem Waisenhaus auf? Ich hab Dumbledore früher mal gefragt, aber er sagte er wüsste es nicht. Anna war ja Jahrelang für tot gehalten worden. Ich hab sie seit ihrer Rückkehr nicht gefragt weil – mir ist es ehrlich gesagt nicht mehr wichtig wer er ist."
Harry nickte nachdenklich.
„Dann gehörtest du dem Hause Slytherin an?"
„Oh nein. Der Hut wollte mich nach Slytherin schicken, aber ich bat ihn darum es nicht zu tun. Mit all der Vorbelastung durch meine Mum, ihre Familie und wenn mein Vater wirklich so ein schlimmer Mensch war... Ich bat ihn mich woanders hinzuschicken, nur nicht nach Slytherin. Daraufhin kam ich nach Hufflepuff und hatte da 7 wunderbare Jahre meines Lebens. Fernab von all dem Unsinn von wegen Reinblut und was weiß ich."
Harry nickte erneut, wenn auch etwas verwundert.
„Ich kann mich gar nicht an dich erinnern."
„Verständlich," entgegnete sie und war ihm eindeutig auch nicht böse deswegen. „In meinen ersten beiden Jahren in Hogwarts hab ich auch die Oberstufenschüler aus den anderen Häusern nicht beachtet. War viel zu sehr mit mir selbst und meinen Freunden beschäftigt. Ich hab auch kein Quidditch gespielt. Hab dir zwar zugesehen in den ersten beiden Jahren, wenn du gegen unsere Mannschaft gespielt hast, sonst war da aber kein großes Interesse daran."
„Aber du hast dich an mich erinnert?"
„Wie gesagt, es ist schwer sich nicht an dich zu erinnern. Außerdem mag ich deine Schwester sehr gern und Jilli hat immer gern über dich gesprochen."
Harry lächelte sanft.
„Du weißt, dass sie meine Schwester ist?"
„Oh, keine Sorge. Ich weiß das nur, weil sie mir erzählt hat, dass sie von deinen Eltern adoptiert wurde als wir über deinen Dad sprachen. James war sehr nett zu mir. Er und Anna waren die ersten Erwachsenen, die so nett zu mir waren. Im Waisenhaus waren die Aufseher immer sehr streng und ich war anders als die anderen Kinder. Ich hatte keine Freunde und kam mit anderen Kindern nicht zurecht. Sie wollten auch nie etwas mit mir zu tun haben. Den Aufpassern war ich egal – Oh jeh!" Nun vergrub sie fast ihren ganzen Kopf hinter ihren Knien.
„Tut mir leid. Du musst mich ja für total jämmerlich und doof halten..."
„Nein, gar nicht," sagte Harry schmunzelnd und war erleichtert, als sie ihren Kopf wieder anhob und ganz scheu lächelte.
„Du hast meinen Dad also kennengelernt?"
Kila nickte mit einem warmen Lächeln.
„Als ich 5 war. Anna hat mich da aus dem Waisenhaus geholt und mich ihm vorgestellt. Keine Ahnung warum. Er war echt freundlich. Hat sich um mich gekümmert. Dann haben sie mich in eine Zaubererfamilie gebracht, die sich ab da an um mich gekümmert hat. Sie waren nett. Eben sehr alt. Es waren Auroren, die selber keine Kinder hatten, nun aber zu alt wurden, um ihren Job noch länger zu machen oder um dennoch Kinder zu bekommen.
Hm... Es wird Zeit. Wir haben lang genug gewartet. Lass uns einen Versuch zum apparieren wagen."
Harry nickte, stand auf und apparierte mit ihr leider erneut Seit-an-Seit. Glücklicherweise war die Gegend in der sie herauskamen tatsächlich ruhig und menschenleer gewesen. Er fühlte sich dieses Mal auch weniger übel und hoffte, dass es beim ersten Mal nur an ihrer Nervosität lag.
„Brian und Steward?" fragte Harry, da er keinen von beiden irgendwo sah.
„Hoffentlich da, wo wir als nächstes hin apparieren," sagte sie etwas unsicher und reichte ihm wieder die Hand. Harry wollte sie gerade erfassen, da tauchte der erste Todesser um sie herum auf.
„Achtung!" rief er gerade noch rechtzeitig. Beide tauchten ab und der Fluch des Todessers traf ins Leere. Harry fuchtelte gerade nach seinem Zauberstab, da hatte Kila ihren bereits gezogen und gegen den Todesser gerichtet.
„Petrificus Totalus!"
Der Todesser erstarrte auf der Stelle und fiel bewegungsunfähig zu Boden.
„Schnell," sagte sie hastig. „Bevor noch mehr auftauchen."
Harry nickte und erfasste ihre Hand. Zumindest sah er nun, dass sie tatsächlich nicht ganz so tollpatschig war, wie er zuerst angenommen hatte, denn ihr Ganzkörperklammerfluch war nicht ohne.
Sie tauchten in einer anderen Gegend des Waldes wieder auf und Harry war froh Brian und Steward dort anzutreffen.
„Du bist ein Idiot!" hatte Steward ihn angebrüllt. Brian zeigte mit dem Finger auf sich selbst und sah extrem schief zurück.
„Iiiiiiiich?"
„Ja, du!" sagte sie erbost. „Wie konntest du einfach so den Plan ändern?! Ich war für Harry's Schutz verantwortlich. Nicht Kila!"
„Kila war näher dran und ich hab den Plan nicht geändert, ich hab versucht dich davor zu bewahren gefangen zu werden."
„Gefangen werden? Ich?! Ich bin eine Phowlyris! Die Person, die mich fängt -"
Sie stockte, denn ihr wurde just bewusst, dass der Satz kein Sinn ergab. Es gab Personen, die sie einfangen konnten.
„Einsicht! Endlich," witzelte Brian sanft schmunzelnd. „Dir scheint nicht bewusst zu sein, dass du auf Voldemort's Abschussliste genauso weit oben stehst, wie Harry und Anna. Wenn seine Leute also auf euch treffen, glaubst du nicht, dass sie die Gelegenheit wahrnehmen und sich dich krallen, statt Kila oder Harry? Gerade wenn sie ebenfalls noch eine Phowlyris im Schlepptau haben, die dir ganz nebenbei absolut ebenbürtig in Punkto Magie ist?"
Das Gesicht von Kaylar hatte sich grimmig verfinstert. Seine Worte zeigten Wirkung.
„Hem Hem," räusperte sich Kila hörbar laut. Harry winkte peinlich berührt. Hatten die beiden sie wirklich nicht gehört? Sie standen immerhin nicht seit eben hier. Kaylar sah die beiden unangenehm an, Brian dagegen runzelte verwundert die Stirn.
„Anklopfen wäre nett statt lauschen?" warf er an Kila gewandt zu ihnen rüber.
„Anklopfen?!" entgegnete sie und zuckte überrascht zurück. „Wo denn bitte?" Das hier war kein abgeschlossener Raum, sondern offener Wald.
„Na so -" BANG! Brian disapparierte. BANG! Er tauchte wieder auf. Kila rollte mit den Augen und schüttelte schließlich amüsiert den Kopf.
„Ich werds mir merken," sagte sie mit mächtig viel Ironie in der Stimme. Harry konnte sich das Grinsen einfach nicht verkneifen.
Zurück in Hogwarts wurden Luna, ihr Vater und Kila auf die Krankenstation gebracht, damit Pomfrey sich um den Gesundheitszustand der drei kümmern konnte. Auch wenn Kila versicherte, dass nichts passiert war und sie sich nur versteckt hatten, wollte Professor White auf Nummer sicher gehen.
Brian und Jilli hatten gewartet bis Pomfrey mit der Untersuchung fertig war, um sich dann mit der Freundin zurückzuziehen. Hermine und Ron waren ebenfalls heil durch den Portschlüssel gekommen und hatten eigentlich auf Harry warten wollen, doch er entschuldigte sich und suchte stattdessen das Gespräch mit Professor White. Er folgte ihr durch die Gänge hindurch vom Krankenflügel weg.
„Kila hat mir erzählt, wer ihre Mutter ist," begann er kaum, dass sie um die Ecke gebogen waren.
„Verstehe," erwiderte White komplett ruhig.
„Abgesehen davon, hab ich mir jedoch eine Frage gestellt und ich bin mir sicher, sie wissen die Antwort."
„So?"
„Kila sagt, sie wisse nicht, wer ihr Vater ist. Aber sie ist 5 Jahre älter als ich und sie sagte, mein Vater und ihre Mutter wären damals zusammen gewesen. Und mein Vater war nett zu ihr als sie sich kennenlernten."
„Braucht kein Genie, um die Schlussfolgerung zu ziehen?" sagte White ohne ihn angesehen zu haben. Stattdessen schritt sie weiter sehr ruhig und gelassen neben ihm her.
„Also stimmt es?" fragte Harry gekränkt. Er konnte bis heute mit ihrer merkwürdigen Art nicht umgehen, aber wenn es um etwas ging, was ihn innerlich aufwühlte, dann machte ihn diese Art gar wahnsinnig. White schmunzelte.
Vor 16 Jahren
Anna kam nach einem Klopfen aus einem Zimmer zur Haustür und öffnete diese, um James herein zu lassen. Das Haus war eines der Verstecke des Orden des Phönix in einem abgelegenen Dorf in England.
„Du hast gerufen und hier bin ich," sagte er sichtlich unzufrieden. „Sagt die beste Freundin sofort, taucht der beste Freund auch auf der Stelle ohne wenn und aber direkt auf – egal, ob er eigentlich etwas vor hatte oder nicht. Was sind schon 500 Meilen, wenn die beste Freundin einen -"
„Schon gut, schon gut," bremste sie ihn, bevor seine Ausführungen ihrer Unverschämtheit gar kein Ende mehr nahmen. „Ich hab einen Grund dafür, okay? Also -"
Sie wollte gerade erzählen, da runzelte James jedoch die Stirn und fixierte etwas hinter ihr, was sie daran hinderte zu beginnen. Sie drehte sich um und sah ein kleines 5jähriges Mädchen mit langen, blonden Haaren und tiefbraunen Augen in einem Spalt zwischen Tür und Angel hervorlugen. Das Mädchen zuckte zusammen als alle Augenpaare auf ihr lagen und nur eine Sekunde später kam sie herausgerannt und versteckte sich halb hinter den Beinen der Hexe. Hin und wieder warf sie einen sehr vorsichtigen und kurzen Blick zur Seite auf James, rutschte aber bei Blickkontakt sofort wieder in Deckung hinter Anna's Beine.
James wurde augenblicklich leichenblass im Gesicht. Er starrte entgeistert von dem Mädchen zurück zur Freundin und schluckte hart. Anna sah schief zurück.
„James Potter -" Sie trat einen Schritt zur Seite, um den Blick auf das kleine Mädchen frei zu machen, was verängstigt zu zittern begann. „Kila Kingcade."
Das Kind hatte sich sofort wieder hinter Anna versteckt und sich mit beiden Händen fest an ihre Beine gekrallt.
„Kingcade?" wiederholte James. Das Entsetzen war nicht aus seinem Ausdruck gewichen, stattdessen war es noch schlimmer geworden. „Wie Melissa Kingcade Kingcade?"
„Yap," antwortete sie sehr kurz, um ihm Zeit zum verdauen zu geben. Sie schob das kleine Mädchen hervor und hielt sie mit beiden Händen an ihren Schultern auf der Stelle, damit sie nicht wieder verschwinden konnte. Das Kind hatte sich verängstigt jedoch erneut an Anna's Beine gekrallt. Die Hexe kniete sich zu dem kleinen Mädchen herab und lächelte fürsorglich.
„Kila. James ist ein Freund. Ein Freund deiner Mum. Er wird dir nichts tun. Er ist ein guter Zauberer."
Das kleine Mädchen schien tatsächlich nicht mehr ganz so ängstlich zu sein und warf ihm stattdessen sehr schüchterne Blicke gemischt mit einem sehr scheuen Lächeln zu. James schüttelte die Panik ab und versuchte freundlich zurückzublicken.
„James? Magst du Kila nicht etwas vorlesen? Es ist spät und sie ist müde. Kila? Magst du das?"
„Jaaaaa," piepste sie lieb. Ein Blick zwischen beiden Freunden reichte und James nickte schließlich.
„Klar... Warum nicht."
Das Mädchen hatte ihre kleine Hand um seinen Finger geschlossen und ihn mit sich in das andere Zimmer gezogen, aus dem sie herausgerannt war. Anna sah zu, wie sich beide auf das Bett setzten, er sie zudeckte, sich neben ihr auf das Bett setzte und mit dem Lesen begann. Kila hatte zwar anfangs noch die Decke fest bis zum Kinn rauf gezogen und war sichtlich unsicher, ob er wirklich ein guter Mensch war, doch nach nur kurzem lesen hatte sie auf einmal ihren kleinen Kopf zwischen seinem Schoss und Arm durchgeschlengelt und ihn als Kissen benutzt. An ihn gekuschelt schlief sie irgendwann tatsächlich friedlich vor sich hin. James wartete noch etwas, bis er sicher war, dass sie auch wirklich fest schlief. Dann legte er das Buch beiseite und rutschte vorsichtig von ihr weg.
Er schritt zu Anna ins andere Zimmer zurück und setzte sich zu ihr an den runden Tisch. Sie hatte nicht gesprochen und er musste erst noch Worte finden. James schluckte hart und starrte sie ungläubig an.
„Ist sie..." Er bekam das Wort nicht mal heraus, so benommen fühlte er sich gerade.
„Den Verdacht hatte ich auch," sagte Anna und entließ ihn glücklicherweise aus der Pflicht sich überwinden zu müssen. „Deswegen hab ich dich geholt, damit du Zeit mit ihr verbringst und ich eure Magien miteinander beurteilen kann."
James schloss entsetzt die Augen und vergrub sein Gesicht hinter seinen Händen.
„Ich glaub mir wird schlecht."
„James," sagte sie sanft. „Kila ist nicht deine Tochter."
Sofort nahm er die Hände wieder herab und starrte die Hexe lange an. Diesmal war es eine Mischung aus Erleichterung und immer noch blankes Entsetzen. Dennoch, er atmete erleichtert aus.
„Nein?" fragte er noch mal nach. Sie schüttelte den Kopf.
„Nein. Ich bin mir sicher. Ihre Magie und deine könnten unterschiedlicher nicht sein. Ich hatte den Verdacht, weil sie 5 Jahre alt ist und vor 5 Jahren, du und Melissa, ein sehr belebtes Jahr zusammen hattet."
„Sie ist 5?"
„Ja. Ich bin ihr begegnet als ich ein neues Versteck für den Orden akquirieren wollte. Sie war mit einer Spielgruppe von Kindern in der Nähe und – den Blick, den du gerade hattest als du sie sahst, denn hatte ich auch. Sie ist ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten.
Ich mein, es ist ja allgemein nicht so, dass Kinder in dem Alter aussehen wie ihre Eltern in dem Alter ausgesehen haben, aber Kila sieht eindeutig aus wie Melissa in dem Alter. Ich hab Fotos verglichen und es ist wirklich erstaunlich.
Ich hab mit den Verantwortlichen vor Ort gesprochen und so herausbekommen, dass sie mit 2 Jahren in das Waisenhaus gebracht wurde. Ein Mann hatte sie da abgegeben. Adam Kingcade. Ich hab die Erinnerung der Frau gesehen, die das Mädchen damals annahm.
Er sagte Kila's Namen, nicht aber seinen. Seitdem ist sie im Waisenhaus und kommt mit keinem der anderen Kinder klar. Zieht sich zurück, spricht kaum, hat Angst vor alles und allem. In ihr fließt Magie, daran bestand für mich kein Zweifel. Ich hab sofort mit Dumbledore gesprochen und wir haben daraufhin beschlossen sie von da wegzuholen. Da wir nun wissen, dass du nicht der Vater bist, werden wir sie einer Zaubererfamilie übergeben, die sich ab nun an um sie kümmert."
„Einer Zaubererfamilie?" fragte er Stirn runzelnd. Anna lächelte amüsiert.
„Ich glaube nicht, dass Lilli Melissa's Tochter aufnehmen möchte? Und habt ihr beide nicht schon genug zu tun mit zwei Kindern?"
James lächelte traurig.
„Ich wollte auch nicht vorschlagen sie aufzunehmen. Nur... warum nicht zur Familie des Vaters? Wenn ich es nicht bin – gibt es doch eigentlich nicht viele? Abgesehen davon, dass sie mich offenbar mit einem anderen in der Zeit betrogen hat – kann ich mir zumindest nicht viele vorstellen."
„Ich auch nicht," sagte sie sanft und wieder reichte dieser eine Blick, um die Antwort zu wissen. James schüttelte traurig den Kopf. Traurig? Nein, er wusste nicht, was er war. Frustriert? Verärgert? Wütend? Enttäuscht? Voller Zorn?
„James -" setzte sie an, doch er war bereits aufgesprungen und hatte mit voller Wucht den Stuhl weggetreten. Zornig! Definitiv!
„JAMES!" sagte Anna laut, um ihn zur Vernunft zu bringen.
„Das ganze Jahr über!" fauchte er jedoch aufgebracht. „Ich war mit ihr über ein Jahr zusammen! Ich war treu, ich hab sie geliebt! Wirklich geliebt! Und sie hat mich betrogen. Ich will gar nicht wissen, wie oft sie es mit Cord Malfoy getan hat, wenn es schon zu einem Kind kam! Ich bin ein solcher, verdammter, blöder Vollidiot!"
„James, du -"
„Ein Jahr! Ich hätte viel früher mit Lilli zusammen sein können. Wenn ich daran denke, was sie das Jahr über durchgemacht hatte während Melissa -" Er stoppte und raufte sich verärgert die Haare. „Ich ARSCH!"
„James, Kila ist wach."
Erst jetzt fluchte und brüllte er nicht mehr weiter. Das kleine Mädchen lugte wieder verängstigt zwischen Tür und Angel hervor und versteckte sich halb hinter der Wand. Ihre Hände zitterten und ihre Augen waren voller Furcht. James seufzte und schritt vorsichtig zu dem Mädchen rüber. Sie war sofort zusammengezuckt und hatte sich förmlich am Türrahmen festgekrallt als er sich zu ihr hinab kniete. Das letzte was er wollte war dem Mädchen Furcht einzujagen.
„Es tut mir leid," sagte er ehrlich und auch seine Stimme war wieder viel sanfter geworden. „Hab keine Angst vor mir. Ich verspreche, ich tue dir nichts."
„Du bist so laut geworden," hauchte sie kaum hörbar. James versuchte zu lächeln. Das Mädchen war nicht frech, war nicht stark oder finster wie ihre Mutter oder auch ihr Vater. Sie war das komplette Gegenteil und er mochte sich selbst dafür nicht sich ihr gegenüber so schlecht verhalten zu haben.
„Das stimmt. Ich war... Ich war aufgebracht. Das war alles."
„Liest du mir vielleicht noch mal etwas vor? Bitte?"
Er sah Kila einen Moment lang an, musterte sie, dann aber nickte er liebevoll.
„Natürlich."
Er führte sie an der Hand wieder zurück ins Bett, setzte sich hin und wieder hatte sie sich sofort an ihn gekuschelt und festgekrallt.
Diesmal dauerte es länger bis sie endlich einschlief und er sich wieder zu Anna nach draußen gesellte. Sie saß nach wie vor am selben Platz, hatte ihn nun aber mit einem mitfühlenden Blick betrachtet. Er seufzte frustriert und setzte sich in entgegengesetzter Richtung neben der Hexe hin.
„Wann ist sie geboren worden?" fragte er nach einiger Zeit. Anna schien ihm die Zeit geben zu wollen, das zu verarbeiten, aber er brauchte keine Zeit. Er brauchte Antworten.
„Keine Ahnung," sagte sie leise, bedacht darauf ihn nicht wieder zu verärgern. „Adam Kingcade hat nichts gesagt als er sie brachte. Man hat ihr daraufhin als Geburtstag den Tag gegeben, an dem er sie hergebracht hat. 10. Dezember."
James lachte traurig.
„Direkt nach ihrem Tod," stellte er bitter fest. „Melissa stirbt und der Schwachmat gibt ihr Baby weg. Was denkst du, wann sie Kila geboren hat?"
„Schwer zu sagen," sagte sie umsichtig. „Du weißt, dass magische Schwangerschaften unberechenbar sind und gerade mit Melissa's Möglichkeiten so etwas zu verstecken. Ihr wusstet auch nicht, dass ich in der Siebten schwanger war."
Er schüttelte traurig den Kopf. Sie hatte damit nicht ganz unrecht.
„Und Melissa und du hattet sehr oft eure Differenzen und Auszeiten."
„Seit wann bedeutet Auszeit nehmen mit jemand anderem ein Kind zu zeugen?"
Anna zuckte unangenehm mit dem Mundwinkel.
„Es ist eben Lissy. Sie kann das Kind jederzeit bekommen haben, wenn wir Ferien hatten. Ich nehme aber an, es war in den Sommerferien der 6. Klasse."
„Wusste Cord davon?" Es war eine weitere Frage, auf die er eine Antwort suchte. Anna schüttelte den Kopf.
„Ich glaube nicht, dass er sie wirklich geliebt hat."
„Weil er dich geliebt hat?" wandte James ein und Anna lächelte traurig.
„Ich glaube, sie haben einander angezogen und es war schwer für sie diese Anziehungskraft zu ignorieren. Aber Melissa liebte dich. Ein Kind von Cord zu bekommen hättest du ihr nie verziehen und hätte sie ihm davon erzählt, hätte er das niemals für sich behalten.
Sie war jedoch aber auch ein guter Mensch, deswegen behielt sie Kila. Wie du weißt, war ich nach unserem Streit sehr selten bei den Kingcades. Ich denke, sie hatten bestimmt genug Leute eingestellt, um auf Melissa's Kind aufzupassen. Es würde erklären, warum Lissy sich gerade im letzten Jahr so verändert hatte. Zu viel Pillen, Ausraster, Rückfälle. Es muss für sie unerträglich gewesen sein zu sehen, dass sie dich langsam an Lilli verlor.
Sie hat mich so gut aus ihren Gedanken gesperrt, dass ich das wirklich nicht bemerkt habe. Ich mein, ich wusste, dass sie etwas bedrückte und etwas nicht in Ordnung war, aber... ein Kind? Sie hätte sich womöglich nie von ihrem Onkel gelöst, wenn er ihre Tochter als Druckmittel einsetzte."
James nickte bedrückt.
„Was wird aus ihr? Kila, mein ich. Gebt ihr sie an die Malfoys?"
„Nein, ich denke nicht. Cord ist tot. Selbst wenn er noch leben würde, wüsste ich nicht, ob er für ein Kind mit Melissa sorgen würde. Und Lucius Malfoy weiß eh nicht, dass sein Bruder eine Tochter hat und -" Sie warf einen traurigen Blick in das Zimmer, wo man das friedlich schlafende Mädchen sehen konnte. Sie war wirklich das Abbild ihrer Mutter. „Vielleicht kann sie ein anderen Weg einschlagen als es ihre Eltern taten. Man sollte ihr zumindest die Möglichkeit geben einen eigenen Weg zu beschreiten."
James nickte nachdenklich, dann wandte er sich der Freundin auch zu.
„Habt ihr eine Familie, die sie aufnimmt?"
„Zwei Auroren, die nun in den Ruhestand wechseln und keine Kinder haben. Es sind gute Menschen und sie werden sich gut um sie kümmern. Es wäre jedoch nett, wenn du dich bis dahin ein wenig um sie kümmerst, bis die Auroren bereit sind."
„Sicher."
„Erzählst du es Lilli?"
James schnaubte frustriert.
„Melissa Kingcade ist Vergangenheit und das sollte auch so bleiben. Lilli hat genug anderes um die Ohren und – Kila ist ja nicht meine Tochter. Wenn alles ruhiger geworden ist, dann erzähl ich's ihr. Ich hab keine Geheimnisse vor Lilli."
Er schmunzelte und die Freundin lächelte traurig zurück. Es war traurig und zwar für alle Beteiligten.
Heute
Harry hatte White immer noch neugierig angesehen und ihre Ruhe und Verschlossenheit machte ihn halb wahnsinnig. Er verstand nicht, wie Sirius damit zurechtkommen konnte, wenn er selbst sich stark zurückhalten musste nicht plötzlich verärgert zu schnauben.
„Nein," antwortete sie schließlich. „James ist nicht ihr Vater."
Harry fiel unweigerlich ein Stein vom Herzen. Es war nichts gegen Kila. Er glaubte nur, dass er nicht damit hätte umgehen können, wenn es der Fall gewesen wäre.
„Kennen Sie ihren Vater?"
Erstaunlicherweise nickte sie. Die Frage war ihm mehr herausgerutscht. Mit einer Antwort hatte er eigentlich nicht gerechnet.
„Kila's Vater war wie ihre Mutter auch ein Untergebener von Voldemort und wie ihre Mutter, wurde auch ihr Vater von dem dunklen Lord getötet. Sie ist die Tochter zweier Todesser."
Harry war verwirrt. Wie konnte das sein? Er kannte die Hexe zwar nicht besonders gut, aber der erste Eindruck, den er von ihr hatte, war alles andere als der einer Person, die irgendwie den dunklen Künsten zugetan sein könnte und sich eines Tages zum Todesser entwickeln würde.
„Aber... der sprechende Hut hat sie nicht nach Slytherin geschickt?"
White lächelte sanft.
„Kila ist ein sehr schönes Beispiel für jemand, der sein Leben trotz aller Widrigkeiten und Rahmenbedingungen selber in die Hand genommen hat und einen unvorhergesehenen Weg beschritt. Alle Vorfahren waren schwarz-magisch, doch Kila ist weiß-magisch. Ihre Magie ist weiß-magisch. Sie heilt mit weißer Magie, sie kämpft mit weißer Magie.
Außer ihrer Mutter selbst, war absolut jeder ihrer Vorfahren, wenn er denn nach Hogwarts ging, in Slytherin und jeder von ihnen war stets stolz darauf schwarzmagisch und reinblütig zu sein."
„In welchem Haus war ihre Mutter?"
„Gryffindor."
Harry zuckte überrascht auf.
„Wie Sirius?"
„Wie Sirius," bestätigte sie seine Worte.
„Kila sieht sich anders als ihre Vorfahren nicht als etwas besseres, obgleich sie weiß, dass sie reinblütig ist. Sie kam auf eigenem Wunsch nach Hufflepuff. Es hatte nichts mit ihren Adoptiveltern zu tun. Diese waren aus Rawenclaw und Gryffindor. Kila hatte sich über die Häuser informiert und glaubte sich am besten im Hause Hufflepuff aufgehoben zu wissen. Sie hielt sich immer im Hintergrund, blieb freundlich, offen und hilfsbereit. Sie urteilt nicht über andere und sie ist auch nicht nachtragend.
Würde man sie kennenlernen ohne ihre Vorgeschichte zu kennen, man würde nicht glauben, dass sie tatsächlich von zwei Todessern abstammte."
Harry nickte verstehend, wenn auch immer noch etwas irritiert. Ihre Worte waren richtig. Auch er hatte Müh und Not das zu glauben und zu verstehen. Kila war so anders als alle anderen Kinder von schwarzmagischen Familien, die er bisher kennengelernt hatte.
„Kila's Geschichte sollte dir noch etwas zeigen, Harry."
„Uhm?"
„Egal, wer was in deinem Leben bestimmen möchte, Personen, Prophezeiungen, Geschichten. Am Ende liegt es an dir alleine, was für ein Weg du beschreitest. Alles, was andere tun können ist dir ein Weg zu zeigen. Was du tust, das liegt alleine in deiner Hand.
Voldemort tut das nicht. Er hört Dinge über sich und sofort handelt er um sich selbst mit allen Mitteln am Leben zu halten. Koste es, was es wolle. Er hat eine solche Schar von Bewunderern und kann es nicht ertragen, wenn er die Kontrolle über sie verliert. Er handelt nach einem vorgeebneten Weg. Von sich selbst.
Was ist mit dir, Harry? Wirst du es ihm wirklich gleich tun?"
Er sah unentschlossen und verwirrt zurück.
„Professor? Hab ich denn eine andere Wahl? Die Prophezeiung -"
„Man hat immer eine andere Wahl," sagte sie bestimmend. „Es ist eine Prophezeiung, wie Acacia Yorick sagt, nur eine Geschichte, die jemand erzählt, weil es so kommen könnte. Wenn der Wortlaut nun nicht wäre: Der Eine muss von der Hand des Anderen sterben, sondern der Eine wird den dunklen Lord in jedem Fall aufhalten, würdest du dann nicht ganz anders handeln, als du es gerade tust?"
Harry nickte betrübt.
„Es sind nur Worte, Harry. Was du tust, das liegt allein bei dir. Was passiert, das liegt nicht allein bei dir, nicht allein bei Voldemort. Und niemand kann dir befehlen etwas zu tun, was du nicht willst. Beizeiten," fuhr White im sanften Tonfall fort und er sah erneut neugierig auf. „Frag Jilli doch mal nach der einen Gegenwart, in der alles gut ist. Diese gibt es – nur leider aufgrund von nicht rückgängig machbaren Geschehnissen in der Vergangenheit nicht mehr möglich. Aber manchmal ist es schön zu sehen, was hätte sein können, um neuen Mut zu finden weiterzumachen."
Er nickte erneut und plötzlich spürte er White's Hand auf seiner Schulter. Sie drückte ihn liebevoll und lächelte warm. Dann schritt sie weiter während er stehen blieb und ihr hinterher sah. Vor 6 Monaten noch hätte er nie geglaubt, dass er sie eines Tages wirklich gern haben könnte. Heute tat es er es tatsächlich zum ersten Mal.
