Nächstes =)


Review:

Mannequin: Halli Hallo =)

Hehe, ja das fand ich auch. Nur war es heute wieder kälter und ich hatte mich schon wieder an die milderen Temperaturen gewöhnt, so dass ich schon wieder fror ohne Ende =.=" Das ist vielleicht ein Karussell...

Oha Öö Und ich dachte noch, dass es wohl ohnehin auffallen wird, dass das rundliche Gesicht zu Frank Longbottom gehört XD Schön, dass ich doch noch etwas überraschen kann. Harry bekommt da noch den ein oder anderen Duellierpartner, mit dem er nicht gerechnet hat.

Joah, Kila und Luna würden einander wohl die ganze Zeit zustimmen mit ihren außergewöhnlichen Tierwesen XD Bin mir gar nicht sicher, ob Rowling je erklärt hat, warum Luna etwas verquer ist und an solche nicht existierenden Tierwesen glaubt? Kila ist so, weil sie sich ihr Leben gerne bunter macht.

Durch die Vorbelastung durch ihren Namen, flüchtet sie sich in diese Welt der Tierwesen, um friedlich bleiben zu können. Eine Welt ohne Vorurteile. Kila hat eben wirklich einen Weg eingeschlagen, der sie so weit wie möglich von dem entfernt, was ihr an Erbe von ihren Eltern mitgegeben wurde.

Ich glaub, so richtig böse wäre Kila auch geworden, wenn Adam Kingcade sie tatsächlich nicht weggegeben, sondern behalten hätte – was auch passiert wäre, wenn er gewusst hätte, dass sie nicht James' Tochter war, sondern eine Malfoy. Dann wäre Kila jetzt tatsächlich eher eine Mischung aus Melissa, Narzissa Malfoy und Bellatrix Lestrange.

Yap, ich weiß nicht, ob das wirklich so stimmt, aber ich glaube, dass die Umgebung einen am Ende formt, nicht das, was einem in den Genen mitgegeben wird. Kila erfuhr später sehr viel Liebe von ihren Adoptiveltern, lernte was richtig und falsch ist, weil sie gute Eltern hatte. Später baute sie dann auch sehr tiefe Freundschaften zu Brian und Jilli auf. Vielleicht wäre sie nun weniger wie Luna und mehr wie Hermine oder Ginny, wenn Anna und James an ihrer Erziehung beteiligt gewesen wären, wie es beide auch vorhatten. James hat Kila sehr schnell ins Herz geschlossen und auch wenn sie Melissa und Cord's Tochter war, wäre er für sie da gewesen.

Ehrlich gesagt ist Melissa James noch nie treu geblieben, jedenfalls in meiner Vorstellung. Hätte Sirius sich darauf eingelassen, sie hätte auch mit ihm eine Affäre hinter James' Rücken geführt. Immerhin war er auch nicht ohne und sehr gutaussehend. Für sie sind Männer eine Art Trophäe oder Statussymbol. Sie hat James geliebt, das auf jeden Fall, so wie sie ihn eben lieben konnte. Aber im Gegensatz zu Lilli oder Anna oder auch Ginny und Hermine, ist sie einfach anders gestrickt und glaubt auch, dass sie mit ihren Affären durchkäme und sie das recht dazu hatte auch mit anderen etwas zu haben, obwohl sie gerade in einer festen Beziehung mit James steckt. Dass James sich immer mehr Lilli zuwandte war eine (würd ich jedenfalls sagen) natürliche Reaktion, nachdem Melissa nicht angemessen mit ihm umgegangen ist, um ihn halten zu können. James ist ja nicht dumm und merkte natürlich, dass in ihrer Beziehung nicht alles okay war. Unbeabsichtigt hat er sich also von ihr entfernt. In ihrer Beziehung glaubte Melissa, stände sie höher als er und er müsse um sie kämpfen statt umgekehrt und mit jemanden wie James wäre das nie gut ausgegangen. Bei Lilli sind sie beide gleichberechtigt. Sie kämpft um ihn genauso wie er um sie kämpft.

In dem Punkt schätzt du Melissa auch richtig ein =) Sie hat Kila dennoch geliebt, auch wenn sie nicht von James war. Melissa war ja in Gryffindor und auch wenn sie in manchen Punkten einen miesen Charakter hat, es musste auch gute Punkte geben, sonst hätte James sich auch nicht in sie verliebt oder wäre mit ihr solange zusammen geblieben. Melissa hätte sie aber durchaus nach ihrem Willen erzogen und das wäre am Ende auch nicht die Kila, die wir nun im letzten Kapitel kennengelernt haben. Ich würde eher sagen eine Mischung aus Talya Black und Narzissa Malfoy.

Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßle


Chapter 31 – A day in the life of a human Ponester

Harry hatte so viel um die Ohren, er bekam es gar nicht mit, dass es Februar war und auf den Valentinstag zuging. Der erste Valentinstag mit Ginny. Jilli und er saßen auf den Ländereien nahe des Sees und genossen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf den mittlerweile wieder grünen Wiesen. Es war zwar nach wie vor eisig kalt, die Sonne wärmte einen dafür schnell genug. Nie hätte er gedacht, dass er tatsächlich mal mit seiner Schwester dieses Gespräch führen würde.

„Nun, auf jeden Fall solltest du ihr Schokolade und Blumen schenken. Gehört zu jedem Valentinstag dazu," begann seine Schwester als er ihr gestand, dass er den morgigen Tag eigentlich vergessen hatte. Die Trainingsstunden mit White waren anstrengender und einnehmender als erwartet.

„Ginny ist zwar ein einfaches Mädchen und doch ist sie eben ein Mädchen."

„Uhm?" machte Harry irritiert, denn er wusste wirklich nicht, worauf seine Schwester nun eigentlich hinaus wollte. Dass seine Freundin ein Mädchen war, lag doch auf der Hand? Jilli lachte heiter.

„Dad hat Mum eine Weile lang immer Schmuck geschenkt. War teuer, aber Mum stand nicht wirklich darauf. Dad wusste nur nicht, was er ihr anderes schenken sollte, denn er war eben, wie du auch, ein Kerl. Ginny ist wie Mum und Ich, eine Frau. Sie will nur, dass du dich ihr zuwendest und für ein Tag sie der Mittelpunkt ist statt Voldemort oder wer dir auch immer gerade das Leben schwer macht."

Harry seufzte und blickte zum See rüber. Ginny, Hermine, Ron, Neville und Luna saßen beisammen und lernten hier und da etwas Stoff, was der ein oder andere noch nicht ganz verstanden hatte. Seine Freunde sahen alles andere als glücklich aus. Eher als ob Hermine ihnen ziemlich auf die Nerven ging mit ihrem ständigen ermahnen und verbessern.

„Hast du die drei Worte schon gesagt?"

„Drei Worte?" fragte Harry verwirrt und sah zu seiner Schwester zurück. Jilli schmunzelte.

„Ich liebe dich."

„Ich liebe dich auch, Große," erwiderte er ziemlich perplex, weil sie das ausgerechnet jetzt sagte, wo eigentlich nichts außergewöhnliches zwischen ihnen passiert war, was diese Geste hätte bewirken können. Jedenfalls war er sich keinem Grund bewusst. „Also, welche drei Worte?"

„Nein," lachte sie sanft. „Die drei Wörter: Ich liebe dich."

„Ach so – uhm." Tief nachgedacht musste er mit einer Grimasse jedoch zugeben. „Nein?"

„Tust du's?"

„Ihr sagen?"

„Ob du sie liebst."

„Uhm – Ja," sagte er schließlich mit einem sanften Lächeln. Er hatte zwar nie darüber näher nachgedacht, aber mehr weil ihm beim ganzen Durcheinander und der Gefahr vor den Toren die Ruhe dazu fehlte. Jetzt in einem entspannten Moment mit seiner Schwester und so direkt gefragt konnte er gar nicht anderes als es zu bejahen.

„Dann solltest du es ihr sagen," fuhr Jilli zuversichtlich fort. „Wird ein schöner Tag für euch beiden."

„Und was ist mit dir?"

„Ich hab Ginny gern aber ihr sagen, dass ich sie liebe geht doch ein wenig zu weit über die Frauen-Freundschaft hinaus, die wir gerade miteinander haben."

Erst auf Harry's dämlichen Blick hin schraubte sie ihr Grinsen ab.

„Ich bin eindeutig zu oft mit Brian zusammen," erklärte sie den kleinen Ausrutscher und räusperte sich hörbar.

„Was machst du morgen?" fragte Harry erneut. Jilli aber pustete die heiße Luft zwischen ihren geschlossenen Lippen hervor und zuckte mit den Schultern.

„Nichts besonderes schätz ich..."

„Etwas mit Brian?"

„Nah, er macht gerade Kaylar den Hof."

„Stört dich das?"

„Nö. Valentinstag ist ein Tag für Pärchen. Für eine Sie und ein Ihn. Etwas mit Brian Tonks zu tun würde ja implizieren dass wir ein Pärchen sind – Was nicht der Fall ist! Er wird ein Sie mit Kaylar bilden. Und ich bin ein Sie. Ganz ohne ein Ihn. Valentinstag ist ohnehin doof – Also... für mich. Nicht für dich und Ginny."

Harry lachte und zeigte ihr damit, dass es schon okay war und sie sich nicht weiter erklären musste. Das nahm sie erleichtert auch an.

„Mach dir keine Sorgen um mich. Ich denk, ich werd mich ausruhen. Es gibt noch viel Arbeit im Orden und Pomfrey schreibt mich nur gesund, wenn ich mich heute auch ausruhe. Ich bin froh, dass ich mich mittlerweile wenigstens wieder einigermaßen unter Kontrolle habe, so dass du nicht unnötig mit meinen Gedanken gequält wirst."

Sie lächelte traurig, aber Harry teilte diese Ansicht so ganz und gar nicht.

„Das war kein quälen," sagte er sofort und meinte das auch so. „Auch wenn es nichts Gutes laut Professor White war, aber ich fand das total in Ordnung und fühlte mich bestimmt nicht gequält. Ich mein, ich hab so viel von dir nicht mitbekommen, dass es ganz schön war etwas davon aufzuholen."

Jilli lächelte erneut, diesmal aber deutlich gerührter. Sie legte ihren Arm um seine Schulter und drückte ihn zu sich.

„Ich hab dich lieb, kleiner Bruder."


Jilli war eigentlich wieder gesund, aber Pomfrey war übervorsichtig und hatte dennoch darauf bestanden, dass sie sich noch etwas schonen sollte. Für die junge Hexe war das alles andere als leicht, war sie doch mehr der Typ Mensch, der immer irgendetwas zu tun hatte, egal was und es gab einen einfachen Grund dafür. Sobald sie Ruhe einkehren ließ und nichts zu tun hatte, übermannten sie die Gedanken an ihre Eltern. Sie wollte nicht daran denken, wollte nicht etwas nachtrauern, was nicht mehr sein konnte – aber sobald diese Ruhe in ihrem Leben herrschte und es nichts gab, was sie hätte ablenken können, konnte sie es einfach nicht verhindern.

Sie setzte sich auf ihr Bett im Gästezimmer und blickte auf das Foto ihrer Eltern auf dem Nachttisch. Lilli und James tanzten glücklich und strahlten sie dabei immer wieder mal an. Es war dasselbe Foto, welches sie Hagrid damals für Harry mitgegeben hatte.

Sie mochte ihre Eltern darauf. Sie waren so glücklich und je länger sie die beiden beobachtete, desto besser fühlte sie sich. Ein Klopfen riss sie aus ihren Gedanken. Überrascht aber auch erfreut öffnete sie Kila die Tür.

„Was machst du denn noch hier?" fragte sie nach einer lieben Begrüßung und beide setzten sich einander gegenüber auf das Bett. „Ich dachte Anna hat dich schon wieder weggeschickt?"

„Hat sie auch. Ich hab sie aber darum gebeten noch etwas bleiben zu dürfen."

„Wieso denn das?"

„Och," machte Kila und sang dabei fast ein wenig fröhlich vor sich hin.

„Weil Brian Kaylar Steward den Hof macht?"

Jilli sah die Freundin kritisch an.

„Und?" Für sie war das keine Erklärung. Kila lächelte unschuldig.

„Nun jeder, der mit euch beiden in den letzten 3 Jahren so zu tun hatte, wie ich, sieht genau, dass du total verknallt in ihn bist."

„Wirklich?" fragte sie ziemlich desinteressiert, darauf eingegangen war sie jedoch nicht und so rollte Kila einmal mit den Augen und beschoss der Freundin dennoch ins Gewissen zu reden.

„Fleur hat mir von den ganzen Losern erzählt, mit denen du in Beauxbatons zusammen warst."

„Loser?" wiederholte Jilli beleidigt. „Hat Fleur das gesagt oder -"

„Wir beide," kicherte Kila heiter. „Ehrlich. Du hast dich unter wert verkauft."

„Hör auf. Die Jungs waren alle in Ordnung und keiner von ihnen war ein Loser."

„Fleur hat erzählt Jaques Bartóns hat nach eurer Trennung mehr Schokolade verputzt als es in Beauxbatons gab."

„Das macht ihn nicht zu einem Loser," sagte sie empört. „Eine Trennung ist für niemanden leicht und Jaques war -" Jilli suchte angestrengt nach einem passenden Wort. „Emotional nicht gefestigt."

„Er war ein Irrwicht," brachte Kila es jedoch auf dem Punkt und grinste breit.

„Er war kein Irrwicht!"

„Andererseits, besser ein Irrwicht als ein Dementor."

„Dementor?"

„Sién Loire."

„Sién war kein Dementor!"

Also langsam aber sicher fühlte Jilli sich zu tiefst beleidigt von ihren Freundinnen.

„Fleur sagte, er verstand kein Spaß, machte nie Witze, trug ein Umhang der länger war als er und war dir gegenüber so kalt, dass es die Heiterkeit aus dir heraus zog. Und er hat dich ständig kritisiert und konnte es nicht leiden, wenn du irgendwo besser als er warst. Er versteckte außerdem stets sein Gesicht in einer Kapuze wie ein Dementor und hatte lange Skelettfinger."

„Das macht einen nicht zum Dementor."

„Ich glaube -" begann Kila schließlich und hatte sich sehr entspannt auf dem Bett breit gemacht. „Du hast Angst mit einem guten Typen zusammen zu sein, weil du gesehen hast, was mit deinen Eltern und was mit Sirius und Anna passiert ist. Brian ist ein guter Typ und du verbietest dir selbst dich ihm zu nähern, weil du Angst hast, dass es mit euch kein gutes Ende nehmen wird."

„Seit wann bist du Psychiaterin?" fragte Jilli, lächelte jedoch traurig. Ihre Freundin hatte den Nagel auf den Kopf getroffen.

„Man muss keine Psychiaterin sein, um das zu sehen," sagte Kila umsichtig, zeigte aber mit ihrem Ausdruck dennoch, dass sie die Hexe hier nicht aufziehen wollte, sondern sich mehr um sie sorgte. „Man muss dich und Brian nur gut genug kennen. Außerdem stimmen mir die Schrumpfmatze zu und Schrumpfmatze sagen immer die Wahrheit."

„Schrumpfmatze sprechen nicht," sagte Jilli ohne auf den vorherigen Rest eingegangen zu sein.

„Die Schrumpfmatze, denen ich begegne, schon," trällerte Kila fröhlich. Jilli grinste und legte sich ebenfalls gemütlich und eng neben der Freundin in das Bett. Eine Weile blieb es still. Alles was man hörte waren hier und da ein paar Eulen vom offenen Fenster.

„Er will mich nicht," flüsterte Jilli schließlich sehr leise. „Er will Kaylar."

Kila hatte ihren Arm um die Freundin geschlungen und sie in eine feste Umarmung gezogen.

„Ich will dich?" sagte sie aufmunternd und diesmal war es Jilli, die kicherte.

„Wenigstens jemand."


Kila war am Abend schließlich doch wieder gegangen und so kam der Valentinstag ohne dass Jilli jemanden an ihrer Seite hatte, mit dem sie diesen Tag hätte verbringen können. Hätte Pomfrey sie wenigstens wieder gesund geschrieben, sie hätte den Tag nicht in der Schule verbringen müssen, wo an allen Ecken verliebte Pärchen zu sehen waren, die einander beschenkten und schamlos auffällig flirteten. Jilli wollte sich nicht im Zimmer einschließen, genauso wenig mochte sie aber alleine irgendwo herum laufen. Zu deprimierend und so – schwebte sie alleine überall herum. Sie nahm ihre Form des kleinen Leuchtkäfers ein.

Tonks und Remus hatten den Tag ebenfalls miteinander auf den Ländereien verbracht und Jilli hörte beim vorbei fliegen, wie sie über Namen für das Baby diskutierten.

„Auf keinen Fall Nymphadora... und – bei aller Liebe für meine Mutter – auch nicht Andromeda!"

„Wie wärs mit Pegasus?"

„Auf keinen Fall!"

„Und wehe du machst weiter mit Apollo oder so was. Ich bin schwanger, nicht blöd."

Remus lächelte mild. Jilli ließ die beiden wieder alleine und flog weiter über die Ländereien rüber. Sie sah Luna und Neville, die zusammen lernten, wenn sie dies auch mehr mit Spaß machten als sich wirklich angestrengt zu konzentrieren. An einer anderen Stelle auf den Ländereien sah sie Hermine und Ron. Letzterer übergab gerade eine Schachtel Pralinen und eine einsame abgeknickte rote Rose. Hermine lächelte dennoch und hauchte ihm einen sanften Kuss auf die Wange. Ron wurde direkt feuerrot. Jilli würde auch bei ihnen nicht stören und setzte ihren Weg fort zu einer Stelle, an der sie Harry und Ginny sah. Er war bereits feuerrot und als Ginny ihm um den Hals fiel machte sich Jilli erst recht schleunigst aus dem Staub. Das letzte was sie wollte war ihrem Bruder hinterherspionieren, wenn er dabei war einen der schönsten Momente mit seiner Freundin zu verbringen. Sie freute sich, dass wenigstens er einen schönen Tag haben würde und es für ihn gut ausging. Sie wollte, dass er glücklich war.

Jilli ließ sich auf einem Ast nieder und beschloss hier zu verweilen. Keiner würde sie hier oben stören, noch überhaupt wahrnehmen. Sie musste sich stärken. Ihre Ponesterseite stärken und nicht von ihrer Hexenseite verdrängen lassen. Wie oft hatte ihre Mum ihr doch gesagt, dass sie sich das Besondere nie nehmen lassen solle, nur um normal zu sein? Jilli liebte ihre Mutter, auch wenn sie und ihr Vater nun tot waren. Sie wollte ihre Worte in ihrem Herzen behalten und nach ihnen handeln, so wie es ihre Eltern von ihr gewollt hätten. Außerdem war es eine gute Ablenkung die Ponesterseite zu stärken.

„Sehr originell," hörte sie plötzlich die bekannte Stimme von Kaylar Steward und ein Blick nach unten zeigte ihr in der Tat die zugehörige Phowlyris sowie – Brian. Die beiden standen direkt unter ihr und Kaylar spielte demonstrativ mit einer kleinen Pralinendose in ihrer Hand.

„Weißt du, ich habe 15 Jahre als Hexe gelebt und erinnere mich an jeden Typen, der versucht hat mir am Valentinstag den Hof zu machen. Keiner davon hat es je gewagt mir explodierende Schokolade zu geben."

Brian lachte bellend während Jilli am liebsten gestöhnt hätte, wäre sie kein kleiner Leuchtkäfer gewesen. Ihr blieb auch nichts erspart... Sie konnte doch jetzt nicht einfach so wegfliegen? Kaylar war viel zu aufmerksam und hätte sofort gesehen, dass sie hier war und Brian kannte diese Form von ihr auch. Vielleicht... Vielleicht würden sie ja gleich wieder gehen oder sich wegdrehen, dann könnte sie versuchen unbemerkt zu verschwinden.

„Wär doch sonst langweilig?" scherzte Brian schmunzelnd.

„Langweilig hat im Leben einer Phowlyris wie ich es bin eine andere Bedeutung. Glaub mir."

„Ich kenne deine Geschichte, Key. Durch Albus Dumbledore kenne ich sie sogar sehr gut."

„Tatsächlich?" kommentierte sie spöttisch. Brian setzte sich auf die Wiese hinab, Kaylar aber blieb stehen. Ihr Blick war verschlossen, gar ein wenig feindlich. Sein Blick hingegen verlor die Heiterkeit, die es bis eben noch gezeichnet hatte und wurde stattdessen ernst, wenn auch nach wie vor zugeneigt.

„Du bist erfahren. Hast viel durchgemacht, lebst bereits sehr lange und bist von deinem Volk verstoßen worden. Du kanntest sogar noch Godric Gryffindor, was wirklich erstaunlich ist. Aus eurem Aufeinandertreffen kam keine Freundschaft hervor und ich kann mir vorstellen, dass du glaubst die Einsamkeit und Angst für dich gepachtet zu haben – Das hast du nicht," fügte er umsichtig hinzu. Kaylar, die zuvor noch versteinert am selben Fleck stehen blieb, hatte sich gelockert und ihn traurig angesehen. Sie setzte sich neben ihn auf die Wiese nieder, hatte den Zauberer einen kurzen Moment angesehen und sich dann dem See zugewandt. Die Sicht von diesem Ort aus war wirklich sehr friedlich...

„Du kannst nicht sterben. Also nehme ich an, die Angst gilt der Einsamkeit?"

Sie lächelte bedrückt und senkte ihren Blick auf das Gras hinab.

„Zuerst du," sagte sie jedoch. Es brauchte keinen Hellseher, um zu wissen, dass ihr Gegenüber aus Erfahrung sprach. Er war einverstanden mit ihrer Forderung und nickte .

„Okay," sagte Brian mit schiefem Lächeln. Er riss sich zusammen und nahm sich einen Moment, um die passenden Worte zu finden. Er tat es nicht oft, vermied es, wenn es ging, aber in manchen Momenten ließ er es zu. Er sprach über das, was in ihm vorging, wenn es einem anderen Freund wirklich half.

„Ich liebe meine Familie. Andromeda und Ted Tonks, für mich sind sie meine Eltern und sie sind tolle Eltern. Streng, wenn es sein musste, immer jedoch liebevoll und fürsorglich. Und Tonks war die beste Schwester, die man sich wünschen kann. Ich hatte eine super Kindheit, super Freunde, hatte nie einen Grund mich zu beklagen. Alles was ich wollte bekam ich – sogar die Ausbildung, die ich wollte.

Und dennoch – seitdem ich denken kann fehlt etwas und mir ist das immer klar gewesen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, denn absolut jeder hat sein bestes gegeben, damit es mir gut ging und dennoch ging es mir nicht gut. Etwas fehlte. Ich zeigte es nie, weil ich nicht undankbar sein wollte. Keiner hätte helfen können also sollte es auch keinen von ihnen belasten.

Dieses etwas – das läuft gerade vor meiner Nase herum. Anna und Sirius. Und ich kann mich nicht dazu bringen mich mit ihnen auseinanderzusetzen, denn es versetzt mich in Schockstarre, Todesangst... all das, wenn ich bei ihnen bin. Ich mein, wir reden, aber nur über oberflächliches, Aufträge und so. Sobald Sirius persönlicher wird – lenke ich ab, erfinde einen Ausrede, um zu gehen. Das ist dumm.

Ich mein, rational weiß ich, dass alles okay sein wird. Sie sind meine biologischen Eltern. Sie wollten mich gar nicht weggeben. Diese Trennungszeit musste sein, damit wir alle überleben. Aber – das schlechte Gefühl bleibt trotzdem, dass etwas katastrophales passiert, wenn ich es zulasse."

Stille. Brian hatte sein Gegenüber nicht angesehen. Stattdessen blickte er nachdenklich in die Ferne als ob er nicht gerade seine Gefühle herausgesprochen hätte. Er merkte auch nicht, dass Kaylar ihn von der Seite aus sehr aufmerksam musterte.

„Eine Phowlyris lebt nicht für sich. Sie lebt für ihr Volk," sagte sie plötzlich leise und Brian hatte sich ihr überrascht zugewandt. Dass sie tatsächlich los sprach war das letzte, womit er gerade gerechnet hatte und noch weniger mit ihrer Art, denn war sie sonst oft beherrscht und kalt – In diesem Moment war sie sehr gefühlvoll und traurig. Sie war wie die Hexe, die sie kennengelernt hatten, bevor sie wieder zur Phowlyris wurde.

„Seit ich klein war wurde mir dies von allen Seiten zugetragen. Von meinen Eltern, meinen Geschwistern, Freunden – sogar fremden Phowlyris, mit denen ich sonst nie zu tun hatte. Beherrsche dich, Kaylar, du bist eine Phowlyris, keine Hexe. Das hörte ich jeden Tag. Zeit ist nicht gleich Zeit für ein höheres Wesen. Es hat nicht dieselbe Bedeutung, wie bei euch. Sie ist für uns nicht endlich. Ich sah jeden Tag, was in eurer Welt passierte... Nach einiger Zeit, wollte ich keine Phowlyris mehr sein.

So was sagt man nicht, Kaylar. Du solltest stolz sein eine Phowlyris zu sein. Beherrsche dich.

Keiner verstand mich. Keiner außer Salazar Slytherin. Er half mir. Jedenfalls glaubte ich das. Ich war Teil der Zaubererwelt, fühlte mich zum ersten Mal nicht als ob ich jeden Moment ersticke. Ich fand nichts falsches an dem, was ich für ihn tat. Und dann ging alles plötzlich Schlag auf Schlag. Ich wurde getötet und als ewig Lebende in den schwarzen Amethysten von White Sea eingeschlossen, der über Jahrhunderte alles war, was ich hatte.

Keine Menschenseele, nur meine eigenen Gedanken und diese unsägliche Einsamkeit. Wie gesagt, Zeit hat eine andere Bedeutung und Einsamkeit gewinnt an Intensität, wenn man dort ist. Dann befreit mich Voldemort und obwohl ich nicht verstand, warum mich Slytherin nicht befreit hatte, vertraute ich Voldemort. Er hat mich schließlich raus geholt. In mir herrschte so viel Hass und Verachtung für die Zauberer und Hexen, die mich eingesperrt hatten, es fraß mich innerlich auf sie dafür büßen zu lassen. Ihre Nachfahren zumindest, denn Gryffindor selbst war schließlich tot. Ich fühlte Genugtuung dabei. Große Genugtuung – Nie aber Befriedigung.

Die Worte von Harry's Vater zeigten mir, dass ich durch Rache keinen Frieden finde. Als ich herausfand, dass mich Voldemort die ganze Zeit für seine Pläne missbraucht und hintergangen hatte, war es bereits zu spät. Mithilfe der ewigen Phowlyris hatte er mich aufs neue eingesperrt. Diesmal jedoch an einem Platz, der um so vieles grausamer war als alles, wo ich mich bisher sonst vorfand. Die Phowlyris Steine, die Phowlyris Starre – Diese Orte bestrafen dich mit Einsamkeit. Der Stein von Voldemort – der bestrafte mich mit unvorstellbaren Schmerzen.

Niemals werde ich diesen Moment vergessen, als Harry's Vater mich aus dem Stein befreite. Ich hatte aufgegeben, hatte mich damit abgefunden und versuchte jeden schmerzhaften Moment wenigstens zu ertragen. Mit der Zeit begann ich mich selbst für diesen Weg zu hassen. Ich war so unglücklich als Phowlyris und genauso unglücklich als Hexe, weil mich die Zaubererschaft nicht bei sich haben wollte. Alles was sie wollten war meine Magie, nicht mich. Jedem, den ich vertraut hatte, ließ mich im Stich. Nicht aber James."

Kaylar lächelte sanft und Brian tat es gleichfalls als er das sanfte Leuchten in ihren Augen bemerkte, welches er vorher noch nie in ihren tiefblauen Augen überhaupt wahrgenommen hatte. Es war das erste Mal, dass sie tatsächlich aus tiefstem Herzen lächelte und ihre kalte Maske fallen ließ.

„Er hat mich tatsächlich befreit und mir ein Leben als Hexe ermöglicht. Tatsächlich Wort gehalten. All das, was auf meinen Schultern als Phowlyris lastete war verschwunden. Nichts von all den Erinnerungen zerquetschten mich mehr. Ich hatte neue, wunderschöne Gefühle ohne den Schatten des Jahrelangen Alleinsein.

Dass Anna mich wieder zurückgeholt hat war nie eingeplant aber ich verstehe ihre Absichten. Ich bin ihr auch nicht böse deswegen, denn ihre Gründe sind verständlich. Und immerhin stand ich in ihrer Schuld. Ohne sie hätte es James vielleicht nicht geschafft. Sie half ihm trotz dessen, was ich ihr alles angetan hatte.

Und ehrlich gesagt, die tiefe Angst vor einer erneuten schmerzhaften Verbannung, welche dieses Mal sogar für immer sein könnte, ist größer als die Last der Vergangenheit auf meinen Schultern. Ich habe Voldemort unterschätzt und zu wissen, zu was er alles fähig sein könnte. Ich mein... vom Todesfluch getötet zu werden und dennoch wiederzukehren? Seine Seele zu spalten? Was hat er wohl noch alles getan...

Ich habe Angst, aber ich stelle mich ihr. Deswegen helfe ich Anna. Wenn ich das nicht tue, bin ich mir sicher, Voldemort wird mich finden, egal, wo ich mich verstecke. So besteht zumindest die Hoffnung, dass ich meinen Frieden zurückbekomme."

Ihre Geschichte hatte ihn getroffen. Dumledore erzählte dies zwar, aber hatte vieles ausgelassen und zu hören, was sie tatsächlich dabei gedacht und gefühlt hatte, gab dem Ganzen einen komplett anderen Blickwinkel. Es machte sie ihm noch mal um ein großes Stück sympathischer. Was vorher nur als Herausforderung gedacht war, stellte sich nun als etwas heraus, was er wirklich wollte.

„Auch wenn du Angst davor hast, Brian. Du wirst erst wissen, ob es falsch ist oder nicht, wenn du es versuchst. Ungewissheit ist manchmal belastender. Und irgendetwas sagt mir, dass Anna sich darüber genug Gedanken gemacht hat und wenn sie es versuchen möchte, dann solltest du ihr vertrauen."

„Vertraust du ihr denn?"

Kaylar nickte.

„Sie und James haben mich befreit. Sie hätte das nicht tun müssen, nachdem ich ihr gegenüber sehr viel Grausamkeit hab walten lassen. Das hat mich an ihnen stets fasziniert. Ich hab James nicht mit Samthandschuhen angefasst, gefoltert, ihn sogar fast getötet – und er hat trotzdem sein Leben für mich riskiert. Dasselbe gilt für Anna. Ich hab sie besessen, sie gequält damit sie verrückt wurde. Und dennoch hilft sie mir Jahre später. Mir wurde klar, dass ich immer hier sein wollte. Und nun bin ich es."

Brian lächelte sanft, hob das Päckchen Schokolade von der Wiese auf und reichte es ihr rüber.

„Es explodiert kein zweites Mal. Versprochen. Ab jetzt ist nur Schokolade drin," sagte er charmant. Kaylar schmunzelte zögernd, dann nahm sie es ihm aus der Hand und öffnete das Päckchen.

BAMM!

Komplett in dunkler Schokolade eingehüllt saß die Phowlyris auf der Wiese und starrte mit verengten Augen den Zauberer vor sich an, dem nicht weniger viel Schokolade im Gesicht klebte, doch im Gegensatz zu ihr zwinkerte er grinsend.

„Oops. Hab Fred wohl falsch verstanden."

Jilli beschloss das gegenseitige Necken zwischen den beiden zu nutzen, um unauffällig zu verschwinden. Schlimm genug, dass sie das Gespräch unabsichtlich belauscht hatte. Es wäre alles andere als nett von ihr gewesen noch länger zu bleiben.


Sie suchte sich einen neuen Ort zum dösen und fand einen Fenstersims, wo sie sich in einer Ecke niederließ und die Ruhe genoss. Hier oben würde sie kein Gespräch unabsichtlich mithören oder sich in ein privaten Moment von ihren Freunden wiederfinden, wo sie eigentlich nichts zu suchen hatte. Nach dem eben mitangehörten Gespräch taten ihr beide plötzlich total leid. Brian, der zu ersten Mal tatsächlich aussprach, was ihn belastete und Kaylar, weil sie nun ihre Geschichte kannte und nie erwartet hätte, dass es sie selbst so mitnahm. Erst recht, wo sie es selbst gefühlt hatte... Die Folter, die sie ihrem Vater antat...

„Erinnerst du dich noch an unser letztes gemeinsames Valentinstag?" ertönte Sirius' Stimme vom gekippten Fenster und Jilli gefor auf der Stelle zu Eis. Na toll, von all den Fenstersims, die sie sich hätte aussuchen können, musste sie natürlich genau das wählen, dass zum Gästezimmer von Sirius und Anna gehörte.

„Sag nicht, du möchtest dieses Jahr etwas besonderes tun," sagte Anna spöttisch.

„Soll ich?"

„Nö," antwortete sie gleichgültig. „Mit Voldemort um uns herum, der nur darauf wartet, dass wir ein Fehler begehen, wäre es unverantwortlich uns auch nur ein Moment nicht zu konzentrieren."

Anna klang ernst, wie Jilli besorgt feststellte. Sie mochte es lieber, wenn sie witzelte oder lachte. Sie hatte Anna und Sirius früher so oft lachen und scherzen sehen. In der letzten Zeit so gar nicht mehr...

„Wir haben noch gar nicht darüber gesprochen," sagte Sirius. Es gab Zeiten, da war sich Jilli sicher, hätte er Witze gerissen und wäre mit einer Überraschung zum Valentinstag aufgekommen. Heute war er genauso ernst wie seine Frau.

„Worüber?" fragte sie verwirrt.

„Voldemort's Pläne. Du weißt mehr als du Remus gesagt hast, nicht wahr?"

„Wie kommst du denn auf die Idee?"

„Erfahrung."

Anna lachte spöttisch.

„Du hast uns früher stets daran erinnert, dass du nicht Dumbledore bist. Im Moment benimmst du dich aber sehr stark wie er."

„So?"

„Da!" sagte er bestimmend und seine laute Stimme hatte Jilli gar kurz erschreckt. „Siehst du! Genau das mein ich. Dumbledore. Wie oft hast du dich selbst schon darüber aufgeregt, dass er uns nie eingeweiht hat und stattdessen alles für sich behielt?"

„Ich hab euch auch früher nicht alles erzählt."

„Nur wenn wir es nicht wissen durften. Bist du etwa erneut nen Schwur mit jemanden eingegangen, der es dir verbietet uns einzuweihen?"

„Das ist nicht so einfach, Sirius."

„Erklärs mir."

Anna seufzte offenbar frustriert. Jilli wollte nicht hochschweben, um reinzusehen, genauso wenig wollte sie aber einfach wieder abhauen. Die Neugierde war diesmal zu groß geworden. Abhauen wäre sonst eigentlich kein Problem gewesen...

„Kannst du mir nicht einfach vertrauen?" entgegnete sie statt ihm alles zu erläutern.

„Zweifelst du denn daran?" fragte Sirius überrascht. „An, natürlich vertraue ich dir. Ich glaube nur, dass du alles für dich behältst, weil du glaubst, es zu müssen, was nicht der Fall ist. Du bist nicht Dumbledore und ich will auch nicht, dass du so einsam wirst wie er es am Ende war, weil du annimmst, dass wir dich eh nicht verstehen. Das ist nicht der Fall."

„Du hast mein Handeln gegenüber Harry verurteilt."

„Weil es falsch war und nur weil ich dieser Meinung bin heißt es nicht, dass ich dich nicht verstehe."

War es ein Streit? Jilli konnte es nicht sagen. Sie hoffte jedoch, dass es sich nicht um ein Streit handelte.

„Oder nicht auf deiner Seite bin. An, ich tue alles was du willst. Ich gehe, wenn du willst, dass ich gehe und bleibe hier, wenn du sagst, dass ich hier bleiben soll. Ich tu's, weil ich dir ohne wenn und aber vertraue.

Ich will nur nicht, dass du dasselbe Schicksal wie Dumbledore erfährst, der am Ende alleine gestorben ist. Wenn ich alleine sage, dann rede ich nicht von den Menschen, die um ihn herum waren, sondern von dem, wie er sich fühlte. Ich seh es dir im Gesicht an, dass du dich selbst abschottest."

Anna seufzte und für einen kurzen Moment herrschte Stille im Raum. Erst nach einer angespannten Minute fuhr ihre Patentante fort.

„Vertrau mir doch einfach. Bitte?"

„Natürlich," sagte er sofort und ließ auch kein Zweifel daran, dass er das tun würde.

Wieder herrschte Stille. Jilli wusste doch, dass es falsch war zu lauschen und beschloss wieder zu gehen. Wenn sie nach unten schwebte, dann war sie zumindest sicher, dass Sirius und Anna sie auch wirklich nicht sahen. Beide kannten ihre Leuchtkäferform schließlich. Sie wollte gerade abheben, da hörte sie erneut Anna's Stimme und lauschte weiter ohne es zu realisieren.

„Harry's Training verläuft nicht, wie gehofft."

„Inwiefern das?" fragte Sirius verwirrt. „Er hat doch alle Zauber hinbekommen?"

„Er nutzt hauptsächlich nur White Breath. Dark Breath ist viel zu schwach. Es war zu Beginn stärker und nun schwächt es sich ab. Natürlich seht ihr das nicht, ich jedoch schon."

„Du willst nicht wieder das tun, was ich gerade vermute, dass du andeutest?"

„Und wenn doch?"

„Würde ich sagen, lass den Scheiß!"

„Sirius -"

„Harry ist gut. James war gut. Was immer auch schief gelaufen ist an dem Abend, warum auch immer Voldemort James töten konnte – aber es lag nicht daran, wie du ihn trainiert hast. Wer weiß, vielleicht hat er ihn ja bedroht!"

„Bedroht?"

„So was wie – Entweder stirbst du freiwillig oder ich jage und töte deine Familie?"

„Und dann sagt James: Okay, töte mich?"

Dass der letzte Satz mächtig zynisch gespuckt war wusste Jilli auch ohne dass sie das entrüstete Gesicht ihrer Patentante sah.

„Ein bisschen naiv, denkst du nicht auch?"

„Okay, ja, das ist Quatsch. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was an dem Abend abgelaufen ist und warum James verloren hat. Aber was immer es auch war, Harry's Hass zu schüren ist keine Lösung. Der Junge hat auch so schon genug Angst von den dunklen Künsten besessen zu werden. Du hast ihn vor 2 Jahren nicht gesehen. Er dachte von Voldemort besessen zu sein."

„Wenn man vor etwas Angst hat, sollte man nicht davor weglaufen. Erst recht nicht, wenn dieses etwas den Namen Voldemort trägt."

„Du wirst es also wirklich tun? Ihn zu den dunklen Künsten zwingen?"

„Ich hab keine andere Wahl."

„Wieso?"

Die Stimmen von beiden war lauter geworden. Die Ruhe, die Anna seit ihrer Rückkehr stets hatte war vergangen. Jilli hörte zum ersten Mal, wie sie ihre Geduld verlor und ein wenig mochte sie dies gar. Es zeigte, dass es noch ihre Patentante war und Emotionen von früher zeigen konnte.

„Sirius!"

„Ich will nur verstehen."

„Verstehen?"

„Warum du das tust. James ist tot. Lilli ist tot. Harry und Jilli sind alles, was von ihnen übrig ist -"

„Und ich tue alles mögliche, um zu garantieren, dass sie am Leben bleiben und ihnen nicht dasselbe Schicksal wie ihre Eltern ereilt."

„Dann hör auf zu tun, was Dumbledore tat."

„..."

„Ich mein -"

Anna hatte geschwiegen und Jilli wusste, dass Sirius ein schlechtes Gewissen bekommen hatte, denn seine Stimme war wieder sanfter geworden.

„Ich will damit sagen – 16 Jahre zuvor hattest du es geschafft. James blieb am Leben. Du hast immer ein Weg gefunden, um ihn wieder rauszuboxen. Und kaum bist du eine Woche tot, tötet Voldemort unsere besten Freunde. Es war also nicht Dumbledore, der sie am Leben gehalten hat. Du warst es. Handle doch mehr wie du und nicht wie Dumbledore... Das ist das, was ich sagen möchte. Schätze ich."

Jilli wurde das Herz schwer. Anna war doch todkrank... wenn sie nun starb, bevor sie Voldemort in die Schranken weisen konnten, was dann? Sie hatte selber kein Problem damit zu sterben. Aber Harry? Zu wissen, dass Voldemort ihn tötet, wie er ihren Vater getötet hatte? Das durfte nicht sein... Es war ruhig... zu ruhig... Hatten sie das Zimmer etwa verlassen?! Jilli wagte einen ganz vorsichtigen Versuch ein wenig nach oben zu schweben, um ins Fenster reinsehen zu können. Sirius und Anna standen eng zusammen und – Ah, ach so. Ja, da wollte sie natürlich nicht stören und erst recht nicht bleiben und spicken. Jilli machte sofort kehrt und flog durch die Luft davon auf dem Weg zu einem anderen ruhigen Örtchen, um sich auszuruhen. Sie war gerade dabei sich an einem Baum weiter weg vom See niederzulassen, da ertönte laut wie eh und je eine sehr bekannte, grölende Stimme.

„Auf ein gutes Ende!" donnerten Hagrid und Yuno gleichzeitig und stießen mit den Porzellanbechern und einem lauten Klirren an. Dabei hatte sich zumindest Hagrid so heftig bewegt, dass seine andere Hand gegen den Ast boxte, wo Jilli sich gerade niederlassen wollte und PENG!Das kleine Lichtwesen schoss es quer durch die Gegend zwischen anderen Büschen und Blättern durch, bis sie gegen einen massiven Baum knallte und zu Boden krachte...

„Autsch!" Sie verwandelte sich zurück in die junge Hexe, blieb jedoch halb auf dem Boden liegen und konnte sich nur mit Ach und Krach zumindest auf den Ellenbogen aufstützen.

„Dieser Valentinstag macht mich echt kaputt..."


Am Ende musste sie einsehen, dass es keine ruhige Gegend gab, wo sie nicht Gefahr lief wieder jemanden aus Versehen zuzuhören oder von jemanden unabsichtlich halb verprügelt zu werden oder von verliebten Pärchen nur so geplagt zu werden. So humpelte sie zurück in ihr Gästezimmer. Diese blauen Flecke würde sie ohne eine Heilerin nicht so schnell los werden und sie spielte durchaus mit dem Gedanken zum Krankenflügel zu gehen. Da Pomfrey jedoch nichts von ihrer Ponesterseite wusste und Jilli ihr kaum erklären konnte, wie sie sich sonst diese Verletzungen zuziehen konnte, ließ sie es bleiben. Ohnehin wollte sie auch keine Gefahr laufen, dass Pomfrey sie noch länger krank schrieb als sie es bisher bereits tat.

Sie hatte gerade die Tür geöffnet und war in ihr Zimmer hinein geschritten, da blieb sie auf einmal stehen und blickte verwundert auf ihren Schreibtisch. Da lag eine kleine, hübsche Pralinenschachtel, ein kleines weißes Kärtchen mit einer hübschen roten Rosenblüte daneben liegend sowie eine kleines Fläschchen mit rotem, dickflüssigem Inhalt. Jilli hatte das Fläschchen in die Hand genommen und strahlte. Sie legte es wieder nieder, nahm die Rose und roch kurz dran, bevor sie schließlich das Kärtchen lächelnd auffaltete.

Frohen Valentinstag, Charlie, stand da geschrieben und ein kleiner Amor flog mit Pfeil und Bogen Kreise um die Worte.

Sie legte das Kärtchen wieder nieder, öffnete die Schachtel und nahm sich eines der Pralinen heraus. Irgendwann hatte es angefangen, dass er jedes Jahr zu Valentinstag, wenn sie keinen Freund hatte, ihr eine kleine Aufmerksamkeit schenkte. Für sie war es schön zu wissen, dass es jemand gab, der an sie dachte und kam nicht umhin festzustellen wie viel es ihr bedeutete, dass er sie auch dieses Jahr nicht vergessen hatte.

Nur eine Sekunde später sprang die Tür ohne zu klopfen von alleine auf und Jilli stand nun direkt Auge in Auge vor einem vor entsetzen erstarrten Charlie Weasley.

„H-Hey!" stotterte er mehr schlecht als recht. „Du bist schon wieder da?!"

„Ja, gerade gekommen," sagte sie und fiel ihm gleichzeitig um den Hals. „Danke, das ist so lieb von dir. Du hast es wirklich herbekommen! Und die Pralinen sind so lieb von dir. Du bist wirklich mein bester Freund. Danke, danke, danke, danke."

Er hatte sie mit der einen Hand ebenfalls gedrückt, mit der anderen Hand steckte er das, was er darin gehalten hatte, zurück in den Umhang.

„Bester Freund..." wiederholte er traurig. Sie ließ ihn wieder los und strahlte.

„Ja," sagte sie fest, bemerkte aber seinen merkwürdigen Ausdruck und setzte schließlich unsicher hinzu „O-oder doch nicht?"

„Doch!" sagte er sofort nachdrücklich. „Klar."

„Okay," entgegnete Jilli, sah ihn aber misstrauisch an. Hatte sie etwas falsches gesagt? Waren sie keine besten Freunde? Hatte sie mehr in ihre Freundschaft rein interpretiert als wirklich war und ihn nun damit verschreckt, weil er eigentlich nur nett sein wollte?!

„Wie wärs mit einem Essen?" schlug sie vorsichtig vor. Die aufkeimende peinliche Stille war ihr unangenehm und sie war es nicht gewohnt, dass es zwischen ihnen beiden so etwas gab. Charlie war normal die Person, mit der sie so etwas am wenigsten verband. Die beiden gingen sonst stets sehr offen und zwanglos miteinander um, egal in welcher Situation sie auch gesteckt hatten. „Gleich gibt's Abendessen in der großen Halle?"

„Klar," sagte er sofort, lächelte nur leider immer noch unangenehm und schritt schon mal in den Gang raus. Unbemerkt nahm er das, was er in seiner Tasche hatte wieder heraus und ließ es beim gehen in einen Abfalleimer gleiten. Es waren kleine Kügelchen, die beim Auftreffen auf dem Boden in goldener Schrift die Worte Ich liebe dich formten.

Dass die große Halle sich innerhalb weniger Stunden in ein Pärchenrestaurant verwandelte, damit hatte sie jedoch so überhaupt nicht gerechnet. Überall flogen funkelnde, bunte Herzchen in der Luft umher, selbst die Flammen der Kerzen an der Decke hatten die Formen von Herzen und sogar die langen Tische, an denen man normal aß, waren für Verliebte geschmückt. Als sich Charlie und Jilli an einem Platz einander gegenüber niederließen, bemerkte sie die Teller in Herzform auf denen in der Mitte ein kleines rotes Herz umherwanderte. Alles hier lud förmlich dazu ein miteinander zu flirten.

Charlie und Jilli lächelten den anderen peinlich berührt an. Waren sie doch umgeben von turtelnden Pärchen, egal wo sie hinsahen.

„Ich dachte, du bist in Rumänien?" fragte sie schließlich, um endlich Normalität mit ihm zu finden. Sie wollte ein Stück Brot (auch wieder in Herzform) auf ihren Teller legen, aber irgendwie ließ es sich nicht im Mindesten bewegen.

„Du hast gar nicht gesagt, das du kommen wolltest?"

„Hab mir für ein paar Tage frei genommen," sagte er und auch er scheiterte beim Versuch ein Stück Brot auf seinen Teller zu legen. Egal, welches sie auch berührten, es ließ sich kein Millimeter anheben. „Wollte dir das Blut des Walisischen Grünlings bringen – und bevor du fragst – ist das Blut eines Männchens höheren Alters, exakt so genommen wie gefordert und dem Drachen geht es gut. Ist schon wieder fit."

„Ich hätte das nicht gefragt," sagte sie scheu lächelnd. „Ich bin dir schon dankbar, dass du es mir überhaupt besorgen konntest."

„Hab ich doch gern gemacht."

„War's sehr schwer? Oh je! Die Blasen an deiner Hand! Oh nein! Du bist ja verletzt!"

Sie hatte das Essen ignoriert und stattdessen seine Hand ergriffen. Mit schuldiger Miene strich sie umsichtig über die lange gerade erst am verheilende Wunde in seiner Handfläche und der Weasley Sohn begann angenehm ein Lächeln zu verziehen.

„Ist schon okay, Jilli. Ist nicht so schlimm."

Um sich wieder zu fangen, zog Charlie die Hand wieder weg und wandte sich dem Essen zu. Erneut versuchte er ein Stück Kuchen vom Teller zu nehmen. Es ließ sich echt immer noch kein Stück bewegen! Beide runzelten finster die Stirn. Wollte man ihnen damit etwa sagen, dass sie hier als Nichtpärchen nichts zu suchen hatten und nicht essen durften? Ein Blick zur Seite zeigte, dass jedes der anderen Pärchen gemeinsam ein Stück Brot anhoben und auf den Teller eines Partners legten. So warfen sich Jilli und Charlie einen vielsagenden Blick zu, schmunzelten und berührten beide dasselbe Kuchenstück, um es anzuheben. Tatsächlich funktionierte dies und sie legten es auf Jilli's Teller.

„Wir sollten wo anders essen," schlug er vor und sie nickte entschieden.

„Ja! Denke ich auch. Hogsmeade? Drei Besen? Oder wie wärs mit dem Eberkopf? Ich wette da wird nichts an Valentinstag erinnern."

Miteinander witzelnd und wieder lachend entfernten sie sich aus der großen Halle.

„Humpelst du?" fragte Charlie verwundert.

„Och, das -" sagte sie unangenehm. „Kleiner – uhm – Absturz."

Ginny und Harry, die gemeinsam an einem anderen Tisch mit Hermine und Ron saßen hatten den beiden nachgesehen bis sie schließlich außer Sichtweite waren. Sie kicherte süß.

„Wieso humpelt meine Schwester?" warf Harry verwirrt in die Runde.

„Vielleicht hat sie Charlie's Besuch umgehauen?" witzelte Ron und gluckste in sein Sanft hinein.

„Du bist doof!" keifte Ginny verärgert. „Das ist nicht witzig. Charlie ist nämlich in Jilli verknallt."

„Wie jetzt?" fragte Ron. Dieselbe Frage stand auch in Harry's Gesicht. Allein Hermine nickte nachdenklich.

„Irgendwie hätte man sich das auch denken können," sagte sie, aber Ron und Harry sahen nach wie vor verwirrt zurück.

„Wieso denn das?" fragte Ron weiter. „Und woher weißt du das?" fügte er an seine Schwester gewandt hinzu, aber sie überließ es Hermine die Jungs auf das Offensichtliche zu stoßen.

„Ach, es sind die kleinen Dinge, die einem auffallen," erklärte sie und Ginny schmunzelte ihre Freundin zustimmend an. „Wie er über sie spricht oder wie er spricht, wenn sie da ist. Oder was er tut, wenn sie da ist. Oder sogar die Blicke, die er ihr zuwirft. Habt ihr das gerade nicht gesehen, wie sehr er es mochte, dass sie seine Hand hielt?"

„Wie er sich an Weihnachten verhalten hat, als sie da war," fuhr Ginny vielsagend fort. „Außerdem weiß ich von Fred, dass Charlie von ihnen ein Satzzauber gekauft hat. Der Satz, den der Zauber ausführt ist Ich liebe dich."

Sie wandte sich mit einem Mal nur Harry zu und grinste breit. Er grinste zurück, wissend, dass sie auf sein frisches Liebesgeständnis anspielte.

„Dann doch erst recht!" lachte Ron laut und prompt hatte sich das verliebte Pärchen wieder in die Runde gewandt. „Er hat es ihr gesagt und sie damit umgehauen! Wir haben sie doch erst gestern gesehen und man humpelt nicht einfach so von heute auf morgen wegen nichts – Es sei denn, sie ist aus dem Bett gefallen?"

„Na ja," sagte Harry nachdenklich. „Kann schon sein, dass da etwas passiert ist. Jilli mag glaub ich Brian."

„Also doch?!"

Ginny und Hermine waren nah an ihn herangerutscht und hatten ihn sehr gierig angesehen, Harry wünschte sich prompt die Klappe gehalten zu haben.

„Uhm -"

„Hat sie das gesagt?" drängte Hermine.

„Ja – nein."

„Was jetzt? Ja oder nein?!"

„Hat Brian nicht grad was mit dieser Kaylar Steward am Laufen?" warf Ron ein. Er war sich sicher, sein bester Freund wäre sonst von beiden Frauen noch vom Stuhl gerissen worden, nur um eine Antwort zu bekommen.

„Zumindest waren sie gerade am See zusammen," sagte Hermine und hatte sich wie Ginny auch wieder auf ihren eigenen Platz begeben. „Schade eigentlich. Ich mag Jilli lieber als Kaylar Steward. Die Frau ist so merkwürdig."

„Bian ist auch nicht das, was man als normal bezeichnet," entgegnete Ron, dachte dann aber kurz nach. „Jilli ist es andererseits genauso wenig."

„Du redest da über meine Schwester," warf Harry mit einem Seitenblick ein, aber Ron grinste breit und stopfte sich seinen Mund noch voller als er ohnehin schon war. Harry musste selber ein wenig grinsen. Wer hätte gedacht, dass er das einmal sagen würde. Er konnte sich jedenfalls nie vorstellen Dudley so zu verteidigen, wie er es bei Jilli ohne groß nachzudenken bereits tat.


Harry hatte nach dem Abendessen mit Ginny einen Spaziergang um die Ländereien gemacht und die Rundgänge Hermine und Ron überlassen. Hermine wollte ihre Pflichten unbedingt ausführen und Ron machte es Spaß einmal die Position des Schulsprechers zu übernehmen. Harry hatte absolut keine Probleme damit die Aufgaben an dem Abend abzugeben und stattdessen mit Ginny die Zeit zu genießen.

Er sah Jilli, die alleine aus Hogsmeade wieder zurück kam und nun auch weniger humpelte als zuvor. Als sich ihre Blicke trafen, lächelte sie und nickte ihm zu, bevor sie im Schloss verschwand.

„Alles okay?" fragte Ginny sanft als sie den besorgniserregenden Ausdruck auf seinem Gesicht bemerkte. Er wandte sich zu ihr zurück und sah sie eine Weile lang an ohne dabei genickt zu habe oder den Kopf zu schütteln. „Was ist?" setzte sie umsichtig hinzu.

„Nichts..." sagte er schließlich und versuchte seine Sorgen wegzulächeln. Erst Stunden später nachdem sie zu Bett gegangen waren, da es auch recht spät war und alle am nächsten Tag wieder zum Unterricht mussten, hatte Harry sich entschuldigt, um noch mal bei seiner Schwester vorbei zu sehen. Überraschenderweise fand er sie nicht in ihrem Zimmer vor, sondern auf dem Flur am Boden vor der Tür sitzend. Sie sah ihn überrascht an als er um die Ecke bog. Zögerlich kam er zu ihr rüber und da sie sich nach wie vor nicht gerührt hatte, setzte er sich neben ihr nieder.

„Hey," sagte sie verwirrt.

„Hey," sagte er gleichfalls leicht unangenehm berührt. Er hatte eher erwartet sie in ihrem Zimmer vorzufinden und mit ihr im Flur zu sitzen war – ungewohnt. „Wieso sitzt du hier draußen?"

„Weiß nicht," murmelte sie leise. „Hab nachgedacht und das Gästezimmer eignet sich irgendwie dafür nicht. Zu viel Ablenkung."

„Uhm – verstehe," sagte er nickend. Das war gelogen, aber er konnte das schlecht zugeben.

„Was tust du hier noch so spät?" fragte sie schließlich, da er immer noch grübelte, es jedoch offensichtlich war, dass er sich hier nicht einfach so her verirrt hatte.

„Ich – uhm – kann deine Gefühle wieder spüren," antwortete er zögerlich. Das war auch der Grund, warum er sie unbedingt aufsuchen wollte und warum er vorhin nachdenklich wurde. Anfangs war er sich nicht sicher gewesen, doch je tiefer der Abend, umso intensiver wurde es. Er hatte aus dem letzten Mal gelernt und wollte es ihr daher sofort mitteilen. Jilli ließ traurig den Kopf hängen.

„Tut mir leid," hauchte sie betrübt und schüttelte schuldbewusst den Kopf.

„Was ist passiert?" fragte er besorgt. Sie atmete tief ein und wandte sich ihm mit traurigem Blick wieder zu.

„Ich hab den Abend mit Ron's Bruder, Charlie, verbracht."

„Das hab ich gesehen."

„Wir waren auf dem Weg nach Hogsmeade, haben über Sirius und Anna gesprochen und plötzlich sagt er mir, dass er mich mag. Mehr als es gute Freunde tun sollten."

Sie seufzte leise.

„Ich hab glaub ich echt dämlich darauf reagiert. Ich mein – Charlie ist... eben Charlie. Er war immer da für mich und... Er ist ein guter Kerl. Er verdient jemand gutes."

„Du bist jemand gutes," sagte Harry fest. Das stand für ihn schließlich auch außer Frage. Jilli lächelte traurig.

„Ich hab sehr lange nachgedacht," sagte sie leise und wandte sich ihm nun mit sehr gefühlvollen Augen zu. „Es gibt Gründe, warum es immer weniger Ponester gibt. Und warum es außer mir kein anderen menschlichen Ponester bin. Ich bin nicht jemand gutes, ich bin jemand... anderes. Kompliziertes. Vielleicht soll es einfach nicht sein. Ich."

„Was soll nicht sein?"

„Ach nichts," sagte sie plötzlich und setzte erneut ein Lächeln auf. Sie wirkte plötzlich als ob sie gerade nichts belastet hätte und sprang wieder auf die Beine.

„Jilli?" wiederholte Harry jedoch. Er wollte das nicht einfach ignorieren und unkommentiert lassen, denn er verstand sehr wohl, worauf sie eigentlich hinaus wollte. Er sprang ebenfalls auf und blieb bei ihr stehen, aber sie hatte ihn nur umarmt.

„Gute Nacht, Kleiner. Es ist spät."

Sie ließ ihn wieder los und öffnete die Tür in ihr Zimmer. Harry zögerte, doch nachdem klar wurde, dass sie das Gespräch nicht fortsetzen würde, wünschte er ihr ebenfalls eine Gute Nacht und ging seines Weges zurück zum Gryffindor Turm. Jilli schloss die Tür und lehnte sich mit der Stirn voraus und geschlossenen Augen an ihr an. Sie atmete tief durch – dann aber stieß sie sich wieder ab und öffnete das Fenster. Erneut verwandelte sie sich in den kleinen Leuchtkäfer und schwebte aus dem Zimmer hinaus in die Lüfte.

Jilli hätte keine Ruhe gefunden, wenn sie es nicht getan hätte und auch wenn Pomfrey ihr Anstrengung untersagte, sie war durchaus in der Lage auf sich selbst aufzupassen. Sie flog und gewann auch langsam ihre Sicherheit wieder zurück. Wenn sie es das nächste Mal in Begleitung tat, weil sie vor Verfolgern fliegen mussten, würde sie keine Bruchlandung mehr hinlegen. Ganz sicher. Es dauerte etwas, bis sie über all die Wälder, Wolken und Dörfer geflogen war und endlich in der verlassenen Gegend an dem einsamem Häuschen ankam, wo sie auch hin wollte. Sie kam auf und verwandelte sich zurück in die junge Hexe. Es war spät, aber noch brannte Licht im Wohnzimmer.

Die Tür wurde ihr wie erwartet von der viel älteren Hexe geöffnet und Acacia Yorick blieb einen Moment musternd vor ihr stehen.

„Jilli?"

„Miss Yorick," sagte sie höflich. Yorick trat schließlich zur Seite und deutete dem Besucher an einzutreten. „Es tut mir leid, dass ich sie so spät noch störe."

Sie schritt ins Wohnzimmer und bemerkte an dem kochend heißen Tee auf dem Tisch, dass Yorick womöglich noch nicht mal ansatzweise daran gedacht hatte ins Bett zu gehen.

„Tee?" fragte die ältere Hexe, Jilli aber schüttelte den Kopf.

„Nein, danke."

Yorick nickte verstehend und setzte sich auf ihren Platz zurück. Jilli nahm ihr gegenüber Platz. Nach wie vor war sie unsicher und genauso wenig wusste sie, wie sie es am besten ansprechen sollte.

„Sprich es dir einfach von der Seele," sagte Yorick auf einmal zuversichtlich und Jilli blickte verwundert auf. Ihr Gegenüber war offen und signalisierte, dass sie zuhören würde. Vielleicht hatte sie auch damit gerechnet heute Abend noch Besuch zu bekommen. Die junge Hexe schluckte und riss sich zusammen.

„Es geht um die Geschichte, die sie meinem Dad erzählten. Die Geschichte, bei der es um ihn ging. Um Black Heart."

Yorick nickte sanft.

„Anna kennt sie nicht," fuhr Jilli traurig fort. „Sonst würde sie nicht so handeln, wie sie es tut. Ich hab... -" Sie brach ab und beschloss nichts von dem belauschten Gespräch zwischen Sirius und Anna zu erzählen. Es war nicht von Bedeutung für ihr Gegenüber gewesen. „Ich bin mir einfach sicher. Ich weiß nicht, ob Dad ihr überhaupt etwas erzählt hat, aber wenn dann nicht alles. Vielleicht, weil er auch befürchtete, dass sie anders handeln würde und – Ich denke, vielleicht sollte sie anders handeln?"

Yorick goss etwas Tee in eine weitere Tasse und schob sie der jungen Hexe zu. Jilli sah traurig auf, getrunken hatte sie jedoch nicht. Sie sah die ältere Hexe um Rat suchend an, denn außer sie selbst war ihr Gegenüber schließlich die Einzige Person, von der sie mit Sicherheit sagen konnte, dass sie wusste, worüber sie sprach.

„Sie versucht mich am Leben zu halten und wenn es nicht sein sollte – Ich mein – wenn durch das Halbwissen Harry gefährdet ist – sollte ich es ihr sagen... Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie alles weiß und dennoch so handelt."

Immer noch nichts. Yorick schwieg nach wie vor, ihr mitfühlender Blick aber zeigte ihr tiefes Verständnis.

„Ich denke, ich bin hier, weil ich von ihnen gerne wissen möchte, ob ich... Lege ich ihre Geschichte richtig aus?"

Yorick nahm einen Schluck aus ihrer Tasse, bevor sie Jilli bedacht und ruhig ansah.

„Wie auch immer dein Vater meine Worte interpretierte, es war so vorgesehen. Genauso, wie du die Worte verstehst. Wie auch immer du es sehen magst, es soll so sein. Es liegt nicht an mir, dein Bild zu prägen, noch in meinem Handeln, es zu lenken."

Mit diesen Worten wurde klar, dass sie von ihrem Gegenüber keine Antwort auf ihre Frage erhalten würde und so ließ sie frustriert die Schultern hängen.

„Jilli, du bist ein höheres Wesen. Einmalig in der Erscheinung, hatte doch bisher noch nie ein menschlicher Ponester überlebt, so wie du es geschafft hast. Magische Tierwesen sind um so vieles williger sich eines Ponesters anzunehmen als es die Zaubererschaft je war. Aber gerade deswegen wird sich die Magie dir in besonderem Maße zuwenden. Harry hat seinen Weg, den er gehen soll und dasselbe gilt für dich. Es ist nicht vorgesehen, dass einer von euch diesen Weg absichtlich seinem Willen entsprechend beeinflusst.

Du hast die Gabe dazu, aber sie wurde dir nicht gegeben, um dich einzumischen."

Jilli's Ausdruck wurde noch mal um ein großes Stück trauriger und sie nahm endlich auch ein Schluck Tee zu sich. Sie legte die Tasse nachdenklich wieder nieder.

„Deswegen konntest du deinen Vater, egal, was du verändert hast, nicht retten. Was immer auch passieren wird, mit Harry, mit Brian, mit dir. Es liegt nicht in deiner Hand dies nach deinem Willen zu verändern, auch wenn dieser noch so von einem guten Herzen geleitet sein mag."

Sie nickte verstehend, traurig blieb sie dennoch.

„Aber ich kann handeln," sagte sie leise und sah Yorick entschlossen an. „Ich kann etwas tun, um Harry zu schützen. Das kann man mir nicht untersagen."

Yorick nickte zögerlich.

„Wenn es dein Wunsch ist," antwortete sie. „Es ist dein Handeln. Du bist ein Wesen mit einem freien Willen und keiner kann dich daran hindern etwas zu tun, wenn du es nicht willst."

Jilli nickte langsam, wenn auch sehr nachdenklich. Sie verabschiedete sich und kehrte zurück nach Hogwarts. Betrübt legte sie sich in ihr Bett und blickte die kahle Wand vor sich an. Sie lächelte traurig. So gerne sie Charlie mochte und ihm eine Chance geben wollte, sie hatten keine Zukunft. Er verdiente eine gute Zukunft mit einer Frau an seiner Seite. Kein Ponester, der diesen Krieg nicht überlebt. Sie war okay... irgendwie würde sie schon in Ordnung sein.