Nächstes =)


Review:

Mannequin: Huhu =)

Jaah, es soll endlich wieder in die normalen Plusgrade gehen. Da ist man glaub ich als Mensch auch etwas besser drauf, wenn endlich wieder mehr Sonne scheint.

Ach so. Yop, macht Sinn. Also kommt Luna mehr nach ihrem Vater. Wäre interessant gewesen auch zu wissen, wie ihre Mutter so war.

Traurig schon, aber wenigstens konnte Kila flüchten oder fand etwas, wo sie sich verstanden fühlt. Andernfalls wäre sie vielleicht zu nem weiblichen Voldemort geworden.

Bestimmt hätte Voldemort das Baby gewollt, aber Adam Kingcade hat James ja gehasst und hat auch nie verstanden, warum Voldemort James überhaupt auf seiner Seite haben wollte. Er hätte ihn am liebsten getötet, aber Voldemort wollte James immer lebend. Deswegen hat er Kila auch nicht getötet, sondern in ein Kinderheim gegeben. Einerseits, um noch einen Trumpf zu haben, falls Voldemort einen brauchte, und andererseits, um kein Sprössling von jemandem direkt vor seiner Nase zu haben, den er verachtet.

Schon =) Ich glaub, manch einer ist ganz froh, wenn die Gene in den Hintergrund rücken und wirklich nur Gene sind. Kila hat ein viel zu großes Gewissen als dass sie damit klar kommen könnte, wenn ihre Gene doch noch herauskommen und sie etwas falsches tun lassen. Deswegen klammert sie sich wohl auch so an Jilli als Freundin.

Für James war es in der Tat ein herber Schlag ins Gesicht, aber seine Freunde waren für ihn da. Melissa wusste, dass Cord der Vater war, denn sie wusste auch, wann sie schwanger wurde. Runtergerechnet ergab, dass es nicht James sein konnte. Wäre James der Vater gewesen, Melissa hätte es ihm gesagt, weil das wohl die Garantie für sie gewesen wäre, James tatsächlich für immer an sich zu binden. Ich kann mir zumindest James nicht als jemanden vorstellen, der sein Kind verlässt, selbst wenn er eine andere Frau mehr als die Mutter seines Kindes liebt. Hätte er das erst mitbekommen, nachdem er bereits mit Lilli Harry und Jilli hatte, wäre es für ihn wohl eine ziemliche Zwickmühle geworden. Melissa hätte aber nie freiwillig solange gewartet, bis er eine andere Familie gründen konnte.

Hehe, na ja, Harry hatte aber auch noch das Band zu Jilli, was ihm ihre Gefühle spüren ließ. Ich weiß nicht, ob er sich sonst so sicher gewesen wäre sie direkt darauf anzusprechen.

Yap, manchmal hat man Tage, wo man überall fehl am Platz ist.

Brian und Kaylar sind sich sehr ähnlich und das haben sie auch gemerkt. Wenn man so wie die beiden ist, kann man sich nicht jedem anvertrauen. Es fällt ihnen nicht leicht, auch wenn man sich alles gerne von der Seele reden möchte. Es geht jedoch, wenn man mit jemanden redet, der das versteht, weil er dasselbe fühlt. Man fühlt sich dann eher verstanden, statt unnormal. Unbeabsichtigt entwickelt sich da vielleicht gerade eher eine Art Große Schwester – Kleiner Bruder – Beziehung zwischen den beiden. Merke ich ein wenig beim Interagieren. ^^

Ich mochte Charlie Weasley schon in den Büchern XD Eigentlich, mochte ich jeden Weasley XD

Das Gespräch wird auf jeden Fall einiges nach sich ziehen. Zumindest, was Jilli betrifft. Sie legt die Geschichte oder Prophezeiung von Yorick ganz anders aus als sie nun James oder Anna taten bzw. tun. Den genauen Wortlaut wird aber erst später kommen, weil er sehr viel mit dem Ende von Chains of Xerchia zu tun hat.

Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßle


Chapter 32 – Crystal Charm I

Voldemort stand vor einer Wand und betrachtete ein großes Porträt des Zauberers Salazar Slytherin. Sein Rücken war einem Haufen Todesser zugewandt, die bei ihm standen und es nicht gewagt hatten zu sprechen. Nur wenige von ihnen trugen keine Masken, die ihre Identität verbargen. So stand Severus Snape an der Seite und direkt neben ihm das Lestrange Ehepaar. Ersterer wies sichtliche Schnittverletzungen im Gesicht und Hals auf. Seine Lippe war aufgeplatzt und auch Würgemale waren an seinem Hals zu erkennen.

„Das wievielte Mal ist es jetzt bereits?" zischte der dunkle Lord. Seine Augen waren verengt und obwohl er nach wie vor mit dem Rücken zu allen stand, reichte die herrische Stimme, um nach wie vor Furcht in allen Anwesenden hervorzurufen.

„Wie oft lasst ihr es noch zu, dass White uns in die Quere kommt?"

Er schnaubte hörbar verärgert auf.

„Seit über einem halben Jahr tanzt sie euch auf der Nase herum! Seitdem sie hier ist! "

„Herr," begann einer der maskierten Todesser ehrfürchtig zu sprechen. „Keiner von uns kann sich erklären, wie der Sonnenkristall verschwinden konnte. White wurde dort nicht gesehen, noch jemand anderes, der nicht zu uns gehörte."

„Ausreden!" donnerte Voldemort und hatte sich mit einem Mal umgedreht. Der gesamte Haufen zuckte zusammen vor Angst und schien sich nach hinten zu robben. „Sie war da! Ihr unnützes Pack habt sie ohne es zu wissen dahin geführt! Sie hat den Kristall an sich gerissen und ich will es wieder haben! Ohne den Kristall kann ich mein Vorhaben vergessen!"

Er hatte gebrüllt und seine laute Stimme füllte den ganzen Saal. Keiner der Todesser hatte es gewagt noch mal etwas zu erwidern. Stattdessen mieden sie alle den Blickkontakt zu ihrem Meister. Erneut schnaubte er verächtlich auf und trat einen Schritt zur Seite, wo keiner stand und ihm den Weg hätte versperren können.

„Wie schafft sie das?" zischte er mit zornfunkelnden Augen und auch mehr zu sich selbst als zu irgendjemand sonst. Jeder andere im Raum blieb gebannt am Fleck stehen und beobachtete Voldemort aufmerksam aus Furcht, er könnte etwas verpassen und so die Wut ihres Meisters auf sich ziehen. „Was tust du White, um an diese Informationen zu gelangen? Wormtail!"

„M-Meister?!" stotterte es aus dem maskierten Haufen. Die Todesser traten einen Schritt zur Seite, um die Sicht auf den pummeligen Zauberer frei zu machen.

„Was entgeht euch? Was überseht ihr? Wie kommt White an Informationen, an die sie nicht kommen kann?!" brüllte Voldemort aufgebracht. Pettigrew hatte zu zittern begonnen.

„I-Ich weiß es n-nicht, Herr."

„Dann finde es heraus," zischte Voldemort erbost und unter dem strengen Blick seines Meisters wurde Pettigrew immer kleiner. Er nickte eifrig.

„J-Jawohl, Herr."

Voldemort drehte sich mit einem Schwung erneut zur Seite und schritt auf das unmaskierte Dreiergespann zu. Snape schluckte hart und sah den Dunklen Lord mit banger Miene an. Sein Blick sprach Bände. Er erwartete Furchtbares. Bellatrix und ihr Mann hingegen hatten ihren Ausdruck nicht verändert. Sie blieben stark und ehrfürchtig. Beide sahen Voldemort fest und erwartungsvoll an als er schließlich bei ihnen anhielt.

„Bringt den Kristall zurück. Es ist mir egal wie oder was ihr dafür tut. Ich will es wieder haben. Koste es, was es wolle!"

„Ja, Herr," sagten alle drei gehorsam. Voldemort beachtete sie mit einem letzten eindringlichen Blick, der seine Wirkung auch nicht verfehlte, dann verließ er den Saal. Scheitern war in diesem Fall keine Option.

„Anna?" sagte eine weibliche Stimme. Der Saal, die Todesser, der beißende Geruch, alles löste sich auf und White blickte auf die friedlichen Ländereien Hogwarts. Sie stand am Fenster ihres Büro's und hatte sich etwas irritiert zur Seite gewandt. An der Tür stand Acacia Yorick und bedachte die Direktorin mit einem umsichtigen Blick. White atmete schließlich hörbar tief durch.

„Störe ich?" fragte Yorick mit dem Anflug eines Lächelns. White schüttelte den Kopf und deutete ihr an herein zu kommen. Yorick schloss die Tür hinter sich und trat zu White heran. Fawkes hatte begonnen sehr leise und sehr sanft zu singen. Er schaffte es sie dadurch mit Stärke und Wärme zu füllen und White nickte dem Phönix mit einem sanften Lächeln zu. Es zeigte ihre Dankbarkeit für seine Unterstützung, die alles andere als selbstverständlich für sie war.

„Du hast gerade deine Empathie sehr stark genutzt, habe ich recht? Entschuldige, wenn es aufdringlich erscheint, aber du erscheinst mir sehr mitgenommen."

White atmete erneut tief durch und setzte sich erschöpft auf einen Stuhl nieder.

„Voldemort will den Sonnenkristall zurück holen. Noch weiß er nicht, dass ich mittels meiner Empathie über seine eigenen Todesser an Informationen komme. Es wird jedoch von Mal zu Mal anstrengender."

„Weil du schwächer wirst," sagte Yorick bedeutungsvoll. White nickte zustimmend, hatte sich dann jedoch wieder gefasst und schien im nächsten Moment auch wesentlich gestärkter zu sein.

„Was verschafft mir die Ehre?" fragte die Direktorin ruhig. „Ich bezweifle, dass du nach Hogwarts gekommen bist, nur um mal aus der Stille herauszukommen?"

Yorick lächelte sanft.

„In der Tat nicht, nein. Jilli war vor einigen Tagen bei mir."

„So?" fragte sie verwundert.

„Sie glaubt, du kennst die Geschichte um Black Heart nicht vollständig."

„Oh – kay?" machte sie noch mal um ein großes Stück verwunderter.

„Du weißt worauf ich hinaus will?"

„Tun wir mal so als ob ich es nicht wüsste," sagte White kurz und Yorick lächelte erneut mild.

„Sie glaubt, wenn du die ganze Geschichte wüsstest, würdest du sie nicht mehr schützen."

Beide Hexen sahen einander tief an, gesprochen hatten sie jedoch nicht. White's Gesicht blieb kalt und ließ einem kein Gefühl aus ihrem Ausdruck ablesen. Yorick ließ traurig den Kopf hängen.

„Anna, Jilli ist ein sehr reines höheres Wesen. Sie hat ihre Stärken und ihre Schwächen. Und du übersiehst gerade ihre Schwächen."

Es war als Vorwurf ausgesprochen und als solches gedacht, aber White zeigte immer noch keine Reaktion. Allein dass sie die Worte gehört hatte ließ sie erkennen.

„Ich weiß, dass du die ganze Geschichte kennst. Gesagt habe ich es ihr nicht. Was immer für eine Entwicklung sie durchmachen wird, ist nicht an mir zu bestimmen, noch zu verändern.

Ich bin mir bewusst, dass du versuchst sie zu schützen. Aber Jilli ist keine normale Hexe, noch ein normaler Ponester.

Ich bin mir nicht mal sicher, ob sie nicht tatsächlich etwas dummes tun wird. Ihr Bruder bedeutet ihr sehr viel und wenn der einzige Ausweg ihn zu schützen der ist, sich selbst zu vernichten, so wird sie dies tun."

„Nur, dass dies kein Ausweg ist," sagte White endlich.

„Wie gesagt, du übersiehst ihre Schwächen," wiederholte Yorick behutsam.

„Sie zweifelt sehr an sich und besitzt bei weitem nicht die Selbstsicherheit ihrer Eltern, noch die ihres Bruders. Du könntest ihr die Zweifel nehmen, stattdessen ziehst du dich zurück."

„Ich trainiere sie," fuhr White der Hexe ins Wort.

„Nicht so, wie du solltest," sagte Yorick. „Du hilfst ihr sich zu schützen und ihre Ponestermagie zu nutzen, um sich selbst zu retten. Du tust alles dafür, dass sie eine Konfrontation meidet statt zu überleben. Du musst dir bewusst machen: Jilli ist in diesem Krieg, ob du willst oder nicht. Es ist besser sie vorzubereiten als sie abzuschirmen und auf das Gute zu hoffen."

White schüttelte erneut frustriert den Kopf.

„Ich hoffe nicht auf das Gute," sagte White bedacht. „Wie du sagst ist Jilli ein reines Wesen. Ein gutes Wesen."

„Das heißt nicht, dass sie auf jeden Fall überlebt und auch nicht, dass ihr Weg frei von Gefahren und Schmerz sein wird."

„Sie ist gut, Acacia. Jilli hat kein Funken böses in sich. Wenn ihr etwas in diesem Krieg passiert -" White brach ab und nahm sich einen Moment, um passende Worte zu finden. So ruhig, wie sie in diesem Gespräch auch noch war, ihre Kraft, um sich zu beherrschen ließ tatsächlich immer mehr nach. „Ernte, was du säst. Michael Potter bat mich so oft darum, nicht die dunklen Künste anzuwenden. Ich verstand lange Zeit nicht, woher seine Abneigung rührte, wo ich doch damit helfen konnte. Heute verstehe ich ihn. Er hatte Angst um mich und den Folgen, die dieses Handeln nach sich ziehen würde.

Ich fühle mich nicht unfair behandelt von der Welt, denn ich weiß, dass ich auch nicht immer fair gehandelt habe. Ich habe es akzeptiert. Aber Jilli? Sie ist unschuldig."

Yorick lächelte mitfühlend, stand dann aber wieder auf.

„Sie braucht dich, Anna. Hilf ihr stärker zu werden."

Sie war einige Schritte auf die Tür zugegangen, hielt jedoch wieder an und wandte sich der Hexe erneut zu.

„Jilli ist unschuldig, Lord Voldemort ist es nicht. Die Magie sorgt nur für Gerechtigkeit, sie verhindert keine Ungerechtigkeit."

Sie lächelte mild.

„Wir sehen uns."

Yorick hatte gerade die Tür hinter sich geschlossen, da stimmte Dumbledore ihr von seinem Porträt aus zu. White wandte sich mit nachdenklicher Miene zum Bild rüber.

„Du kannst nicht einfach darauf vertrauen, dass ihr schon nichts passieren wird. Du würdest es dir niemals verzeihen, wenn doch etwas eintrifft, womit du nie gerechnet hättest."

„Sie hinein zu drängen ist auch keine Lösung," entgegnete White jedoch entschieden. „Im Moment lehre ich sie sich selbst zu schützen. Wenn ich sie trainiere, wie ich Harry trainiere – Jilli ist nicht ihre Mutter, noch ihr Vater. Sie muss das nicht tun."

„Du willst sie schützen, so wie Michael Potter dich schützen wollte. Wir wissen beide, was passiert wäre, wenn du dich tatsächlich von den dunklen Künsten fern gehalten hättest."

Sie senkte ihren Blick und schüttelte traurig den Kopf, bevor sie wieder zu ihm zurücksah.

„Das ist nicht dasselbe. Die dunkle Magie fließt durch mich hindurch und das von Geburt an. Ich hatte nie wirklich eine andere Wahl als zu versuchen etwas gutes damit zu tun. Jilli aber ist rein und gut im Herzen. Sie wie Harry zu trainieren würde bedeuten etwas in ihr zu erzwingen, wofür sie nie vorgesehen war. Sie dennoch damit zu konfrontieren wäre unverantwortlich.

Ich hatte befürchtet, dass es sehr lange dauern könnte, bis sie den Atem des Todes wieder ausstößt, wenn es nicht sogar bleibende Schäden bei ihr hinterlässt. Tatsächlich aber habe ich mich geirrt und durch mein Zögern hätte ich beinahe Sirius für immer verloren. Jilli ist so immens Willensstark, dass es mir die Sprache verschlägt. Sie mag an sich selbst zweifeln und doch schafft sie es gleichzeitig solche Wunder zu vollbringen. Einfach, weil sie es so unbedingt wollte. Ich bin so unglaublich stolz auf sie und zu der Hexe, die sie geworden ist, trotz der Abwesenheit ihrer Eltern."

„Glaubst du wirklich, dass du sie vor Voldemort schützen kannst? Denkst du wirklich, dass wir euch nicht vor ihm schützen wollten? Früher oder später wird er herausfinden, dass du an deine Informationen kommst, indem du durch deine Empathie in seine Todesser eindringst. Er wird nicht zögern denjenigen umzubringen, der schwach genug war, dich in seine Gedanken zu lassen."

White lachte finster.

„Du meinst, ob ich damit leben kann, wenn er seine eigenen Leute umbringt?" fragte sie zurück. Dumbledore sah sie eindringlich an, aber White lächelte nach wie vor.

„Ja," sagte sie entschlossen. „Jeder von ihnen ist an diesem Krieg und allem, was er nach sich zieht, genauso schuldig wie ich es bin. Außerdem hätte ich keine Verbindung aufbauen können, wenn sie nicht zuerst angegriffen hätten. Selbst schuld."

Der letzte Satz war weniger hart gesprochen und zeigte, dass sie sehr wohl noch ein Gewissen besaß und sich im klaren darüber war, dass dies andere wie James, Lilli oder Dumbledore nie zugelassen hätten, wenn sie noch am Leben wären. Damals hätte sie es selber ebenfalls nicht getan, aber die Jahre hatten sie verändert. Die Verluste hatten ihre Wirkung getan.

Es mag nie Voldemort's Absicht gewesen sein, aber all das, was er getan hatte, all seine Taten, die hatten auch sie abgestumpft. So war es nun mal. Er kämpfte mit harten, grausamen Mitteln und sie hatte erkannt, dass sie dasselbe tun musste.

„Du kannst Gleiches nicht mit Gleichem bekämpfen," sagte Dumbledore leise.

„Ich weiß," entgegnete sie kalt. Sie hatte weder ihre Stimme erhoben, noch ihn verärgert oder verständnislos angesehen. Im Gegenteil. Sie wusste genau, was er damit meinte und stimmte ihm in dem Punkt auch zu.

„Aber ich muss mit seiner Stärke mithalten," fuhr sie entschlossen fort. „Ich kann keine Gnade walten lassen, wenn er mit Brutalität ankommt. Ich kann nicht nur hoffen und glauben, wenn er ohne auf Verluste zu achten handelt und zerstört."

Stolz blitzte in den klaren Augen des alten Zauberers auf und er lächelte verschmitzt. White sah ihn irritiert an. Hatte sie doch eher erwartet, dass er erneut versuchte ihr ein schlechtes Gewissen einzureden und erneut zu Zurückhaltung mahnte. Dumbledore begann friedlich immer wieder mal zu summen, während er weitersprach und White verzog skeptisch die Augenbraue.

„Hmmmmm... Ich sehe, du willst Lord Voldemort mit seinen eigenen Waffen schlagen. Dabei solltest du jedoch aufpassen, nicht zu dem zu werden, was du eigentlich versuchst in die Schranken zu weisen. Hmmmmmm... Überdenke noch mal alles. Es ist viel Zeit vergangen. Du hast alle, von denen wir dir erzählt haben, nun näher kennengelernt. Sichtweisen könnten sich geändert haben. Jemanden selber einschätzen ist stets noch mal etwas anderes als es nur von anderen zu hören und du hattest schon immer eine eigene andere Meinung. Umstände sind nicht mehr dieselben. Ich würde es lieber sehen, wenn du wieder mehr – hmmmmmm – handelst wie du selbst."

Sie schmunzelte leicht.

„Dasselbe hat Sirius auch gesagt."

„Wir kennen dich sehr gut," sagte Dumbledore behutsam. White atmete schwer durch, dann aber nickte sie nachdenklich.

„Schuld ist eine sehr schwere Last auf den Schultern. Erst recht, wenn man sie nur selber spürt," sagte Dumbledore, aber White hatte ihm mit der Hand gedeutet, dass sie ihn längst nicht mehr zuhörte und verließ das Büro. Dennoch, Dumbledore schmunzelte und summte erneut zufrieden.

„Das war unhöflich!" sagte Phineas Nigellus. „Sie ist noch genauso arrogant und unverschämt wie früher. Jedes Mal, wenn sie in ihr Büro kam, um mit ihnen zu reden. Sie ist und bleibt unbelehrbar! Viel zu jung um Schulleiterin zu sein!"

„Ich finde sie -" Die Hexe Dilys Derwent aus einem weiteren Porträt der Schulleiter hatte eine vielsagende Pause eingelegt, bevor sie ihren Gedankengang zu ende sprach. „Sehr Entscheidungsstark. Empathie. Und dennoch, sie überschreitet Grenzen, die nicht sein sollten. Hat sie denn wirklich keine Angst vor den Folgen?"

„Vielleicht nicht," sagte Armando Dippet nachdenklich, Schulleiter eines weiteren Porträts. „14 Jahre ohne Seele sind schließlich genug Bestrafung für jemand, der ein gutes Herz trägt."


Das Quidditchspiel Gryffindor gegen Hufflepuff zog sich außergewöhnlich lang hin. War es zu Beginn noch sehr aufregend, weil beide Mannschaften ihre Punkte einfuhren und jeder gebannt darauf wartete, dass endlich einer der Sucher den Schnatz entdeckte, merkte man nach 2 Stunden – der Schnatz hatte keine Lust und spielte lieber weiterhin Verstecken.

„Es steht nun 270 zu 260," piepste Colin Creevey und noch war er sehr aufgeregt bei der Sache. „Noch hat sich der Schnatz nicht gezeigt und das Spiel kann nicht beendet werden, bevor ihn einer der Sucher gefangen hat. Den Spielern beider Mannschaften bleibt nichts anderes übrig als durchzuhalten. Ginny Weasley fliegt und setzt zu einem erneuten Angriff an. Tolles Manöver mit Katie Bell zusammen und Tor! Gryffindor hat aufgeholt und es steht 270 zu 270."

Hermine saß mit Neville auf der Tribüne und wirkte sichtlich unzufrieden, während der Freund fieberhaft mitbangte. Jilli saß neben ihnen und war unentschlossen zwischen mitbangen und ebenfalls unzufrieden sein. Brian dagegen brauchte nichts von beidem zu sein. Er hatte bereits ein Buch aufgeschlagen und gelesen.

„Das ist unhöflich," sagte Jilli als Brian einmal demonstrativ gähnte. Er blickte verwirrt auf. „Wir sind hier um Harry, Ginny und Ron zu unterstützen und zwar nicht nur durch bloße Anwesenheit."

„Dir ist schon klar, dass die da oben seit gut 2 Stunden dasselbe tun? Und dass das Spiel hier durchaus auch noch länger dauern kann? Auch Tagelang?"

„Was?" jammerte Jilli aus Versehen entsetzter als beabsichtigt. Brian gluckste, da auch Hermine und Neville ihn mit beklommenen Mienen anstarrten. „In Beauxbatons hat noch kein Spiel länger als zwei Stunden gedauert..."

„Wenn der Schnatz sich nicht zeigt, zeigt er sich halt nicht und das Spiel kann nicht beendet werden. Quidditchregeln. Vielleicht hatte Beauxbatons nur einen Schnatz, dem nach 2 Stunden immer die Puste ausging?"

„Och nö," machte Jilli und zog eine Grimasse. Brian lachte bellend und reichte ihr mit grinsender Miene sein Buch rüber.

„Unterhaltung gefälligst? Die Spiele mit Charlie hatten sich auch das ein oder andere mal hingezogen."

„Nein, das ist fies!" sagte sie bestimmend, klappt sein Buch zu und steckte es zur Seite, so dass auch Brian selbst nicht mehr ran kam. Er schmollte.

„Was, wenn er nun den Schatz fängt und gewinnt? Und du hast in ein blödes Buch gestarrt, was du zu jederzeit hättest lesen können. Sei ein Freund und kein ignoranter Holzbalken."

„Holzbalken?" wiederholte er irritiert während im Hintergrund Creevey von 280 zu 280 sprach. Er zuckte die Schultern und wandte sich mehr unzufrieden als wirklich hocherfreut dem Spiel zu, denn ihm war klar, dass er nicht mehr einfach so an sein Buch rankam. Das hin und her der beiden Mannschaften ging eine weitere halbe Stunde so und der Sucher der Hufflepuff Mannschaft hatte schon kurze Schlafphasen eingelegt.

„Harry bleibt wirklich wachsam," bemerkte Brian beeindruckt. Ein weiteres Mal hatte der Hufflepuff Sucher einen kurzen Moment die Augen geschlossen und geschnarcht. Sein Kapitän hatte ihn wieder wachschreien müssen.

„Er hat auch viel trainiert in der letzten Zeit," sagte Jilli beiläufig und prompt fiel es beiden wie Schuppen von den Augen. Hermine hatte die Freunde neugierig beobachtet als sie sich einander zuwandten und vielsagend die Mienen verändert hatten.

„Ist das nicht Betrug?" fragte Brian.

Spielmanipulation?" fragte Jilli. „Ich denke schon."

„Was meint ihr?" fragte Hermine vorsichtig.

„Fast sicher, dass White etwas mit dem Schnatz gemacht hat," antwortete Brian leicht genervt.

„Wieso sollte Professor White so etwas tun?" fragte die Schülerin unsicher.

Die beiden blickten jedoch zu Harry hinauf ohne die Frage beantwortet zu haben. Natürlich, so waren sich beide sicher, um seine Konzentration zu stärken.

Denn während White bei den letzten Spielen nicht anwesend war, saß sie heute tatsächlich bei den anderen Lehrern auf der Tribüne. Ihr Blick heftete an Harry und nur an dem Gryffindor Sucher. Eindeutig, dies war eine erneute Trainingsstunde.

„Würde Professor White so etwas wirklich tun?" warf Hermine jedoch zweifelnd ein. „Ich mein, das ist schon unfair gegenüber dem anderen Team?"

„Wir sagen doch auch gar nicht, dass sie den Schnatz verzaubert hat," winkte Brian amüsiert ab. „Empathie zählt in den Regeln nicht als Zauber anwenden. Und fair oder unfair. Anna hat eine andere Definition von Fairness."

Auf Hermine's merkwürdig beklommenem Gesichtsausdruck hin, zwinkerte der Zauberer geheimnisvoll und wandte sich zufrieden wieder dem Spiel zu.

„Musst keine Angst haben, wenn du auf ihrer Seite stehst, jedenfalls – Ah, Sirius ist auch da."

Die beiden wandten sich zur Seite, wo auch Brian hingesehen hatte. Da kam der große, schwarze Hund, friedlich und sehr gemütlich durch die Treppen auf die Lehrertribüne und ließ sich demonstrativ vor White auf dem Boden nieder. Aufmerksam beobachtete er nun ebenfalls den Gryffindor Sucher während White eine Fratze schob und den Rücken des Hundes anstarrte. Brian und Jilli lachten als sie begriffen, dass Sirius mal wieder entgegen White's Aufforderung einfach so herausgekommen war. Dass er sich mit dem Rücken ihr zugewandt direkt vor ihr niederließ hatte eine klare Botschaft übermittelt. Ihre Befehle rutschten ihm den Buckel runter.

Beim Spielstand 390 zu 390 hatte der ein oder andere Gryffindor begonnen zu schnarchen. Jilli, Hermine und Neville versuchten immer noch aufmerksam dem Geschehen zu folgen, Brian hatte irgendwie sein Buch zurück ergattern können und sich darin vertieft und selbst nur manch ein Professor folgte den Spielern noch so aufmerksam wie sie konnten.

Remus saß neben White und beide schienen auch noch sehr aufmerksam das Spiel zu verfolgen.

„Das Lestrange Paar und Snape werden kommen," sagte White plötzlich und Remus wandte sich ihr mit finsterer Miene zu. Sie hatte ihn nicht angesehen, sondern blieb weiterhin sitzen als wäre nichts passiert und sie hätte nicht gerade etwas ausgesprochen, was eine Reaktion erforderte.

„Er will den Kristall zurück," sprach sie weiter. „Die drei sind zu gut. Ich werde nicht in ihre Gedanken eindringen können. Das heißt insbesondere, was immer sie auch planen, kann ich nicht mit Sicherheit sagen."

„Hogwarts?" fragte Remus schließlich.

„Nein," antwortete White konzentriert. „Ich bezweifle, dass sie sich hier her trauen. Die Schutzzauber sind zu stark. Gegen die Schutznebel kommen selbst noch so starke Zauberer nicht an. Ein direktes Eindringen macht ohnehin nicht sehr viel Sinn. Ich halte sie zumindest für intelligent genug zu wissen, dass ich den Kristall nicht einfach so im Gang herum liegen lasse. Der Imperius Fluch ist wahrscheinlicher."

„Also sollten wir die Schüler genauer im Auge behalten?"

„Ich glaube genauso wenig, dass sie irgendeinen Schüler nehmen," sagte sie ruhig.

„Sie müssten erst mal an einen Schüler herankommen," sagte Remus nachdenklich und sah ebenfalls zurück zum Spiel. White hatte sich ihm kein einziges Mal zugewandt und er glaubte, dass es extrem merkwürdig aussah, wenn er sie die ganze Zeit anstarrte, wo sie ihn nicht mal beachtete. Mit einer Wange zu reden machte es nicht besser und so versuchte auch er ein Gespräch zu führen ohne den Partner dabei im Auge zu haben.

„Auch wieder wahr," stimmte sie ihm zu und verfiel kurz in Schweigen. Er wusste, dass sie nachdachte und störte sie auch nicht. Creevey sagte derweil das 430 zu 430 an. Gryffindor und Hufflepuff schenkten einander wirklich gar nichts. Sobald eine Mannschaft Punkte erzielte, setzte die andere sofort nach und noch zeigten die Jägerinnen beider Mannschaften keine Ermüdungserscheinungen. Der Schnatz hatte sich kein einziges Mal blicken lassen und sowohl Harry, wie auch der Sucher der Hufflepuffmannschaft begann unruhig auf seinem Besen hin und her zu wackeln. Hätten sie das nicht getan, der Begriff Stock im Arsch hätte durch die beiden eine andere Bedeutung erhalten.

„Der Schnatz lässt sich heute wirklich erstaunlich viel Zeit um sich zumindest mal blicken zu lassen," merkte Remus beiläufig an. White aber schien ihn entweder nicht gehört zu haben oder kein Interesse daran zu zeigen.

„Unberechenbarer ist jemand anderes. Er hat auch Pettigrew auf uns angesetzt."

„Pettigrew?" wiederholte er finster. Der Hund hatte sich ebenfalls kurz umgedreht und finster geknurrt. White sah ihn ausdruckslos an und so drehte er ihr direkt wieder den Rücken zu.

„Er sollte die geringste Gefahr darstellen, denkst du nicht auch?"

White blickte streng wieder das Spielgeschehen an.

„Ich kann ihn nicht einschätzen. Er war klug genug uns alle zu täuschen und das über eine lange Zeit hindurch. Er hatte schon länger die Seiten gewechselt, wenn auch nicht von Anfang an und er war klug genug, das zu verbergen.

„Ich hab ihn nie als Verräter verdächtigt, weil seine Loyalität James gegenüber so intensiv war. Es ist ein Widerspruch an sich denjenigen zu verraten, dem man so loyal gegenüber ist und dennoch hat er es getan. Er ist fast gefährlicher als Lestrange und Snape."

„Gefährlicher?" fragte er skeptisch.

„Er ist nicht so brutal oder stark, wie es die drei sind, ich würde aber sagen – hinterhältiger. Falsch und verschlagen. Ich graue mich vor dem Weg, den er wählen könnte, um die Befehle von Voldemort auszuführen."

Remus nickte finster.

„Wir müssen die Grangers wegbringen," sagte sie plötzlich und Remus sah verwundert auf.

„Wie jetzt? Wegen Pettigrew?"

„Nein, wegen der drei anderen. Müsste ich sie einschätzen, würde ich sagen, sie konzentrieren sich auf Hermine Granger's Eltern, um das Mädchen dazu zu zwingen den Kristall zu holen und so ihre Eltern zu befreien. Wir müssen ihnen zuvor kommen."

Remus nickte langsam, wenn auch etwas nachdenklich diesmal.

„Wieso Hermine?" fragte er leise.

„Sie ist klug. Außergewöhnlich klug sogar. Sehr fleißig, hat einen schönen Gerechtigkeitssinn. Sie ist Lilli sehr ähnlich. Da Snape Lehrer war, bin ich mir sicher, er sieht das genauso. Es würde ihnen nichts bringen andere Schüler einzuschüchtern. Keiner von ihnen besitzt auch nur annähernd die Verbindungen oder die Fähigkeiten, die Hermine Granger hat. Ich bin mir fast sicher, dass sie es auf sie absehen werden und über ihre Eltern an sich ran kommen wollen."

„Obwohl diese bewacht werden?" fragte er behutsam und hatte sie längst wieder angesehen. Er konnte kein Gespräch mit Luft führen. White wandte sich ihm diesmal ebenfalls zu.

„Die drei würden unsere Leuten ohne mit der Wimper zu zucken töten. Snape mag nicht die Gefahr darstellen, die anderen zwei sind es sehr wohl und unsere Leute würden es nicht überstehen gegen diese beiden."

„Da! Endlich! Der Schnatz hat sich gezeigt!" rief Creevey hoch erfreut ins Mikrophon und sofort wachten alle Schnarchenden auf und hatten beiden Suchern gebannt hinterhergestarrt. Selbst Brian klappte sein Buch zu und beobachtete das Kopf an Kopf Rennen der Sucher und dann -

„Harry hat den Schnatz gefangen! Harry hat den Schnatz gefangen! Gryffindor gewinnt!"

Die Menge tobte, die Lehrer applaudierten und die Gryffindor Spieler waren trotz des Kräftezerrenden Spiels außer sich vor Glück und Freude.

„Hast du -" begann Remus zögerlich, aber White war bereits aufgestanden.

„Natürlich nicht," entgegnete sie mit einem Ausdruck im Gesicht, das er nur all zu gut kannte und was eindeutig hieß: Glaub doch was du glauben willst, aber was immer das Bessere ist, das hab ich eher getan.

„Ich geb unseren Leuten Bescheid."

„Was ist mit Pettigrew?" fragte Remus.

„Wir handeln, wenn er kommt," sagte sie lediglich. „Halt die Augen auf bis ich wieder zurück bin."

Kaum, dass sie weg schritt war auch der große Hund aufgesprungen, hatte gehechelt und sich Lupin mit einem kurzen fiepen zugewandt. Er schüttelte nur den Kopf und sah hinab zu seinem Freund.

„Geh ihr mal lieber nach," sagte Remus mit dem Anflug eines Lächelns. Das ließ sich der Hund nicht mal zweimal sagen und rannte der Schulleiterin sofort nach.


„An!" Sirius hatte sich zurück verwandelt und war ihr durch den Rasen hindurch zum Schloss gefolgt. Eingeholt hatte er sie erst im Schloss, wo sie mitten im Korridor langsamer ging, damit er mit ihr gleichauf mitgehen konnte.

„Keine Lust mehr auf Freiheit und wieder bereit dich einschließen zu lassen?" witzelte sie sarkastisch. Sirius ging gar nicht erst drauf ein und wollte sie eigentlich fragen, was los war, aber White hatte ihn gar nicht erst zu Wort kommen lassen.

„Dir macht es echt Spaß mir mein Job noch schwerer zu machen, nicht wahr? Oder du glaubst tatsächlich, du tust mir einen Gefallen, wenn du dich absichtlich allen zeigst und zur Zielscheibe machst."

„Ich war ein Hund!" sagte er jedoch und lachte, als sei das wirklich alles nur ein Witz für ihn. „Hey, ist ja nicht so, dass da eben lauter Todesser um uns herum saßen."

„Sirius! Du bist leichtsinnig!" sagte sie fest und laut. Prompt schraubte er sein Lachen ab und wurde ebenfalls ernst. Sie war tatsächlich wütend mit ihm und nicht so, wie sie es früher ab und zu war, wo es mit einem Witz wieder beiseite geschoben werden konnte. Sie war aufgebracht.

„Im Moment weiß Voldemort noch nichts von dir. Weiß nicht, dass du lebst, aber es ist nur eine Frage der Zeit, denn du reibst es ihm förmlich unter die Nase. Hier sind keine Todesser, aber genug Kinder von Todessern, genug Auroren – und ich schwöre dir, nicht alle Auroren sind auf unserer Seite. Was ist, wenn Voldemort bereits den ein oder anderen umgedreht hat? Wenn dich einer von ihnen erkennt? Sirius, der Mensch, der mir am Wichtigsten ist, für den ich alles tun würde – sogar das Leben von Unschuldigen riskieren, das Leben der Kinder riskieren, die die besten Freunde einem zum Schutz übergeben hatten – der bist du. Du bist meine Schwachstelle."

Sie schüttelte traurig den Kopf und atmete tief durch, um ihre Fassung zurückzugewinnen. Er hatte nicht widersprochen, noch irgendwie reagiert. Stattdessen blieb er überrumpelt von ihren Worten sprachlos stehen.

„Ich weiß, das ist kein Kompliment," fügte sie betrübt hinzu. „Genauso wenig kann ich es jedoch ändern. Der Gedanke, dich noch mal zu verlieren, lässt mich nicht mehr atmen. Als Dumbledore mir damals sagte, dass du nicht wieder zurückkommen würdest – da war das Wissen, dass ich auch nicht mehr lange leben werde sogar eine Erlösung für mich.

Verstehst du denn nicht, dass ich unberechenbar geworden bin? Und das nicht im positiven Sinne. Ich kann nicht mehr klar denken, wenn es um dich geht. Ich ertrag den Gedanken nicht mal, dass du in Voldemort's Fänge geraten könntest.

Deswegen hab ich dich nach Hogwarts geholt. Nicht wegen Harry. Sondern wegen mir. Denn allein der Gedanke, dass Voldemort das Versteck von Acacia findet und dich mir erneut weg nimmt, lässt mich zu Stein erstarren."

Sirius wirkte überrumpelt und White schüttelte traurig den Kopf. Das hatte sie nicht tun wollen.

„Es tut mir leid," sagte sie sanft. Sie hatte sich immer seltener im Griff und ihr war klar, dass dies gefährlich war. Er starrte sie immer noch entgeistert an.

„Was heißt hier nicht mehr lange leben wirst?!"

Erst jetzt wurde ihr klar, was sie getan hatte. All die letzten Wochen wollte sie ihn vor diesem Wissen bewahren und hatte auf einen passenden Zeitpunkt gewartet, um ihn über ihren tatsächlichen Zustand aufzuklären. Nun hatte sie es in ihrem unkontrollierbarem Gefühlsausbruch hart herausgelassen. Sirius lachte verbittert auf.

„Wann wolltest du es mir sagen? Der Trank... wirkt nicht ganz so wie er sollte. Nette Umschreibung. Wirklich."

Er schritt davon, verletzt und womöglich auch enttäuscht. White aber konnte sich nicht rühren und insofern auch nicht hinterher gehen. Sie starrte ihm hinterher, mehr auch nicht.


Harry war der letzte seiner Mannschaft, der die Umkleidekabine nach dem Spiel verließ und auch Ginny war bereits ins Schloss gegangen. Für einen Moment wunderte er sich, dass sie nicht auf ihn gewartet hatte, vergaß den Gedanken jedoch sofort wieder als er den großen schwarzen Hund auf der Wiese erkannte.

„Sirius?!" sagte er verwundert. Der Hund verwandelte sich zurück in den Zauberer und Harry kam zu ihm rüber. „Was tust du hier?!"

„Hab auf dich gewartet," sagte er merkwürdig gefrustet. Die beiden schritten zusammen den kurzen Weg zurück ins Schloss, ließen sich dabei jedoch viel Zeit. Jeder hätte Sirius ansehen können, dass ihm etwas auf dem Herzen lag und er nicht einfach so auf Harry gewartet hatte.

„Alles okay bei dir?!" fragte er nach einer Weile, da Sirius nicht von sich aus sprach und stattdessen immer wieder mal mit seinen Stiefeln verärgert ins Gras trat.

„Ja, klar," log er und auch das konnte man ihm an der Nasenspitze ansehen. Harry zog eine verwirrte Grimasse und wollte noch mal nachfragen, da hatte sein Patenonkel von selber gesprochen ohne, dass weiteres nachhaken nötig war.

„An hatte kein recht dazu. Was sie mit dir gemacht hat, was falsch! So einfach ist das."

„Uhm – was denn?!" fragte Harry vorsichtig.

„Ich mein, einfach handeln, wie es ihr gerade in den Kram passt. Scheiß auf die Gefühle der anderen."

Harry zog noch immer eine Grimasse, nun gar noch irritierter als vorher.

„Manchmal bringt sie mich wirklich zur Weißglut! Besonders, wenn sie so etwas tut."

„Was – uhm – tut Professor White denn?!" wiederholte er langsam. Das zumindest hatte er von der Namensabkürzung erraten können. Es ging hier um die Schulleiterin.

„Mir ist klar, dass sie intelligenter ist als viele andere. Merlin! Das hab ich schon zu Schulzeiten gemerkt. Ich bezweifle, dass uns jemand anderes so oft rausgeboxt hätte, wie sie es schaffte. Wie soll es auch anders sein, wenn man Albus Dumbledore zum Urgroßvater hat. Aber sie war vorher nie Dumbledore gewesen. Ich fass es nicht, was sie jetzt tut."

Sirius war sauer, weil Professor White wie Dumbledore war?! Harry fand irgendwie absolut nichts Dumbledoremäßiges an der Schulleiterin... Er fand sogar, dass sie das genaue Gegenteil von ihm war.

„Glaubt sie tatsächlich, dass wir die Wahrheit nicht ertragen können?!"

„Welche Wahrheit, Sirius?!" fragte Harry vorsichtig. Sirius war leider wieder in sein unverständliches Grummeln gefallen. Er seufzte schließlich deprimiert, als ob er sich von ein auf den anderen Moment beruhigt hätte.

„Sie ist deine Patentante, Harry."

„Ich weiß," sagte er verwirrt.

„Nenn sie nicht Professor White. Sie ist Familie. Verschwende die Zeit nicht damit nachtragend zu sein."

„Weil sie todkrank ist," sagte Harry. Sirius' sah ihn entgeistert an, dann aber verstand er, dass es offenbar alle gewusst hatten außer er. Wieder schüttelte er betrübt den Kopf und blieb schließlich mitten in der Wiese stehen. „Ich hab es zufällig herausgefunden," setzte Harry schnell hinzu, denn es war offensichtlich, dass sein Patentonkel von seinem Wissen darüber verwundert war, wenn nicht sogar enttäuscht. „Es wissen nicht alle im Orden. Tut mir leid. Ich dachte, du wüsstest es. Der Trank von Snape hatte nicht richtig funktioniert."

„Hat sie erzählt," brummte er missmutig. „Nur nicht, wie schlimm es tatsächlich ist. Das rutschte ihr heute aus Versehen heraus."

„Sie hat dich sehr gern," sagte Harry vorsichtig. Das war zumindest etwas, das er an ihrem Umgang mit seinem Patenonkel ablesen konnte und worüber er sich auch sicher war. „Sie wollte auch Jilli und Brian nichts sagen. Dachte, dass es ihnen leichter fallen würde, wenn sie glauben, dass sie im Kampf mit Voldemort starb."

Sirius blickte zur Seite zurück in die Richtung, aus der sie gekommen waren und seufzte.

„Ich weiß, Harry. Hör mal, du solltest jetzt rein sehen uns."

„Wohin willst du?!" fragte er jedoch statt ihn einfach so ziehen zu lassen. Der Zauberer drückte ihm kurz die Schulter und lächelte traurig.

„Frische Luft schnappen. Freiheit schnuppern."

Er verwandelte sich in den großen Hund und rannte Richtung verbotener Wald. Harry sah ihm lange besorgt nach. Sirius hatte seine Heiterkeit verloren, die er in den letzten Wochen nach seiner Genesung besessen hatte und Harry kam nicht umhin dies mit tiefer Sorge wahrzunehmen. Harry konnte sehen, wie viel Sirius White bedeutete, denn das musste der Fall sein, wenn man jemanden sogar von den Todgeglaubten wieder zurückholte, aber wie viel sie ihm bedeutete, dass bekam er erst jetzt mit. Denn so wie sein Patenonkel stets über seinen Vater sprach und im Bezug auf ihn handelte, das tat er jetzt auch wieder, nur ging es jetzt um White.


Die Trainingsstunde am Wochenende fand so wie die letzten Male auch in der Kammer des Schreckens statt. White hatte die Abstände zwischen den Einheiten verkürzt und Harry fühlte sich auch viel geförderter und ausgelaugter. Dennoch war es gut. Er konnte immer mehr und kam sogar gegen Auroren an. (Gut, es waren Tonks, Kingsley und eine weitere ihm unbekannte Hexe, von der er vermutete, dass sie eine Aurorin war, weil sie direkt nach den beiden kam und leider war er sich auch nicht sicher, ob im Duell mit Kingsley der Freund ihn nicht absichtlich gewinnen ließ. Dennoch gab es ihm Sicherheit in seinem Handeln.) Zwar waren seine Elementzauber längst nicht so stark, wie er sie bei Dumbledore miterlebt hatte, aber sie hielten, wenn er sich mit den anderen duellierte. Alles wäre super, wäre da nicht seine Sorge um Sirius. Sein Patenonkel streifte immer öfter durch den verbotenen Wald, teilweise war er sogar ganz aus der Karte verschwunden und er fand dann heraus, dass er sich sogar in Hogsmeade als Hund aufgehalten hatte. Er war mürrisch und zog sich zurück.

Das heutige Duell gegen einen weiteren Zauberer, den er für einen Auror hielt, verlief gleichfalls sehr gut und Harry konnte alle Elemente zum Angriff gleich stark nutzen.

„Nicht schlecht," sagte der Zauberer und hatte seinen Zauberstab eingesteckt. White schritt wie auch der Auror mit einem sehr zufriedenem Ausdruck zu Harry rüber und er hätte aufgeregter und erfreuter nicht strahlen können. Er fühlte sich auch wirklich sehr gut.

„Ich bin beeindruckt, Anna," sagte der Mann und die Direktorin nickte zustimmend.

„Ich auch," sagte sie sehr zu Harry's Überraschung. Der Zauberer lachte.

„Ich muss zurück. Werd den anderen aber Tria's Beobachtungen bestätigen. Harry, hat mich gefreut. Du machst deinem Namen alle Ehre."

Er nickte ihm freundlich zu und verschwand durch den Stiefel aus der Kammer. Der Gryffindor blieb verwundert stehen, wischte sich dann aber mit dem Handtuch den Schweiß ab und sah währenddessen die Schulleiterin neugierig an. Ob sie ihm wohl mehr mitteilen würde, wenn er sie nur auffordernd genug ansah? White lächelte sanft.

„Joe ist ein sehr erfahrener Zauberer, wie du im Duell sicherlich gemerkt hast," erklärte sie ruhig. „Deine Eltern, Sirius, Remus und Ich hatten - uhm - eine sehr interessante Begegnung mit ihm und Tria, die Hexe, mit der du dich letztens duelliert hast und einigen anderen. Eine lange Geschichte, die dir nur Remus beizeiten vollständig erzählen kann. Was zählt ist, dass sie wertvolle Verbündete sind, die wir zurückgewinnen konnten nachdem Voldemort wieder aufgetaucht ist. Sie scheinen dich mit James zu gleichzusetzen."

„Verstehe," sagte Harry und nickte.

„Das soll es für heute gewesen sein," sagte White schließlich. "Ruh dich aus. Das nächste Mal wirst du die Angriffe mit Gryffindor's Magie ausführen. Das wir erheblich mehr Energie von dir abfordern."

Sie waren auf den Stiefel zugegangen, doch bevor er ihn berührte, hielt er an und wandte sich an die Hexe zurück. Sie hatte ihn auffordernd angesehen.

„Professor White?"

„Ja, Harry?"

„Ich – uhm – mach mir Sorgen um Sirius."

Er war sich unsicher, ob er mit ihr überhaupt darüber reden durfte, aber ihr Gesicht hatte sich nicht verfinstert, noch schien sie verärgert zu sein und so sprach er vorsichtig weiter.

„Ihm geht es zur Zeit nicht gut und er spricht auch mit niemanden. Liegt es vielleicht daran, dass er sich schon wieder eingesperrt fühlt? Oder hab ich etwas falsch gemacht?"

White schüttelte den Kopf, ihr Ausdruck blieb jedoch offen und nach wie vor wohlwollend.

„Es liegt nicht an dir, Harry. Es ist böse mit mir."

„Warum das, Professor?"

„Ich habe ihm die Wahrheit über meinen Zustand absichtlich vorenthalten und das nimmt er mir übel. Deswegen benimmt er sich – unpassend. Hätte ich es ihm von Anfang an gesagt, es hätte ihn belastet und seine Genesung erheblich erschwert, wenn nicht sogar behindert oder... am Ende gar unmöglich gemacht. Sirius' Geist und Herz musste sich erholen und das wäre mit der Sorge um mich nicht gegangen. Wenn er nun also ein paar Tage übellaunig ist und mich damit bestrafen möchte, kann ich damit leben."

Harry war verwirrt. Er hatte nicht das Gefühl, als ob sein Patenonkel nur die Schulleiterin damit bestrafte, sondern sie alle zusammen.

„Es ist nur. Als er das letzte Mal so war, nahm er am Ende Reißaus und stürzte sich in den erstbesten Kampf gegen einen Todesser, der ihn dann durch den Schleier halb in den Tod beförderte."

White sah ihn sanft an und nickte, um zu zeigen, dass seine Worte auch angekommen waren.

„Sirius ist jemand, der schon immer, wenn ihm etwas nicht passte, sich zurückzog und jeden bestrafte. Ob nun schuldig oder nicht. Er muss Dampf ablassen und wenn er sich dann beruhigt hat, kann man auch langsam wieder an ihn herantreten. Er macht in der Zeit oft Dinge, die ihn Kopf und Kragen kosten können, aber wir sorgen so gut es geht dafür, dass es bei dem können bleibt.

Keine Sorge. Ich pass auf ihn auf."

Mit einem sanften Lächeln deutete sie ihm schließlich erneut an den Stiefel zu berühren. Er nickte schließlich und reiste wieder zurück ins Geschichtsklassenzimmer.


Die Tage vergingen und Harry kam dennoch nicht an Sirius ran. Auf sein Bitten hin wagte auch Jilli ein Versuch, obgleich sie White aus ihrer eigenen Erfahrung heraus recht gab. Leider war auch dies mit wenig Erfolg gekrönt und Sirius blieb weiter der unnahbar, schlechtgelaunte Zauberer, der sich hier und da einfach verzog, wenn man auf ihn zuging.

Harry begleitete Jilli zum Schlosstor, da sie nun abreisen musste. Sie war wieder genesen und während Brian bereits vorab wieder für den Orden unterwegs war, folgte nun auch seine Schwester zurück nach London.

„Er wird sich bestimmt bald wieder fangen und einsehen, dass Anna nur das Beste für ihn wollte. Mach dir keine Gedanken um ihn," sagte sie sanft und zog sich ihren Umhang an.

„Und was ist mit dir selbst?" fragte Harry, doch Jilli sah ihn verwundert an.

„Was soll mit mir selbst sein?"

Er gab ihr einen vielsagenden Blick, weil er genau wusste, dass sie nur so tat als ob sie nicht wüsste, wovon er sprach. Sie lächelte mild.

„Mir geht es gut. Wirklich. Anna und Ich sind okay miteinander. Sirius kriegt sich schon wieder ein und ich freu mich für Brian und Kaylar."

„Aha?" machte er pessimistisch.

„Hey," entgegnete Jilli gespielt empört. „Ich bin durchaus in der Lage mich für die beiden zu freuen. Sie sind ein süßes Paar."

„Aha," machte er erneut und grinste glatt etwas breiter als üblich. Seine Schwester war irgendwie witzig, wenn sie so tat als ob sie tatsächlich keine Probleme mit etwas hatte, dann aber peinlich berührt heftige rote Backen bekam.

„Und ich hab unser Band wieder unter Kontrolle," fügte sie stolz hinzu und wackelte verspielt von einer Seite zur anderen. Harry lachte bei ihrem Versuch das Thema so unbemerkt wie möglich zu wechseln.

„Das merk ich," sagte er ehrlich, denn er nahm ihre Gefühle in der Tat nicht mehr wahr und sah auch nachts keine Gedanken seiner Schwester mehr. Es war nun aber auch schwer zu beurteilen, ob sie es ernst meinte mit ihrer fröhlichen Stimmung oder nur für ihn auflegte, damit er sich keine Sorgen mehr um sie machte.

„Übrigens kann ich jetzt etwas altes neues."

„Etwas altes neues?!" wiederholte Harry verwirrt.

„Na ja, vorher hab ich es ja unabsichtlich gemacht und du wurdest damit in nem Traum belästigt. Nun aber kann ich es absichtlich und du darfst entscheiden, ob du es annimmst oder nicht."

„Annehmen oder nicht? Was annehmen oder nicht annehmen?!"

Jilli grinste vielsagend und obwohl er immer noch nicht wusste, worauf sie hinaus wollte, spürte er plötzlich ein piksen im Rücken.

„Uhm -" machte Harry und suchte angestrengt nach jemanden, der hinter ihm oder in seiner Nähe stehen könnte.

„Ich bins!" trällerte Jilli heiter. Sie hatte sich nicht gerührt und stand eigentlich vor ihm, aber Harry begriff, was sie nun mit annehmen oder nicht meinte.

„Darf ich?!"

Harry nickte mit einem leichten Lächeln.

„Du musst es sagen!"

„Was sagen?!"

„Herein."

Harry sah sie dämlich an, aber Jilli meinte das offenbar tatsächlich ernst also sagte er es nach. Nur eine Sekunde später wurde das Bild vor seinem geistigen Auge weggeschoben und er befand sich nicht mehr vor dem Schlosstor, sondern in einem noch fremden Schlafzimmer. Ein quietschendes Geräusch hatte ihn zur Seite blicken lassen und er erkannte seinen jungen 20jährigen Vater auf einem Schaukelstuhl mit Harry als Baby in seinen Armen. Er wog ihn in den Schlaf und hatte ihn dabei zart lächelnd beobachtet.

Jemand lachte liebevoll und als Harry sich zur anderen Seite wandte, sah er seine 20jährige junge Mutter an der Tür stehen mit seiner kleinen 3jährigen Schwester an der Hand haltend.

„Schläft er schon?" fragte Lilli leise. James schüttelte vorsichtig den Kopf.

„Nein," flüsterte er zurück. „Und wo hat sich unsere kleine Tochter wieder versteckt gehabt?"

Jilli machte sich ganz klein und versteckte sich fast ein wenig beschämt hinter ihrer Mutter. Lilli aber strich der Kleinen mütterlich über den Kopf.

„Ach, Hauptsache, ich hab sie wiedergefunden. Sie ist eben noch klein."

James nickte verstehend und behielt auch den fürsorglichen Ausdruck bei. Jilli trat wieder hinter ihrer Mutter hervor, zögerte einen Moment und rannte dann aber zu ihrem Vater, um sich ebenfalls zu ihm und Harry auf den Schaukelstuhl zu setzen. James hatte seinen anderen Arm um seine Tochter gelegt und ihr einen lieben Kuss auf den Kopf gegeben. Das gefiel dem Mädchen, denn sie kicherte wieder und kuschelte sich ganz fest an ihren Vater ran.

Das Bild war mit einem Mal wieder weg und Harry stand wieder bei Jilli vor dem Schlosstor.

„Uhm -" machte er immer noch etwas verwirrt. Jilli aber strahlte freudig und so grinste auch Harry.

„Okay, verstehe..."

„Und das kann ich jetzt über Entfernungen hindurch tun, egal wie weit. Zumindest laut Anna. Ich schreib dir ab jetzt an keine Eulen mehr und sende dir auch keinen Patronus. Ich pikse dich an."

Harry lachte.

„Ja, tu das. Und nicht zu wenig."

Die beiden wollten sich gerade voneinander verabschieden, da kam eine Posteule mit einem Brief für Jilli herangeflogen. Sie öffnete es sofort und war zwar im ersten Moment verwundert, nach dem durchlesen jedoch nicht mehr und gab den Zettel an Harry weiter.

„Sirius hat sich wieder eingekriegt."

Tatsächlich war es eine Nachricht von Sirius, der Jilli darum bat ihn vor ihrer Abreise noch mal in Hogsmeade zu treffen. Harry war froh, dass sie recht behielt. Nachdem sich beide verabschiedeten, ging er wieder ins Schloss hinein. Erleichterter, weil er durchaus damit rechnete mit Sirius auch wieder reden zu können. Dies war ihm auch sehr wichtig, denn obwohl alle anderen inklusive Remus und Jilli Sirius' schlechte Laune für normal hielten, Harry tat es nicht und er mochte es auch nicht. Er hatte lieber Kontakt zu seinem Patenonkel und mochte es auch eher, wenn er sich nicht zurückzog und mürrisch war.


Da seine Schwester und Brian nun weg waren und Sirius sich ohnehin in Hogsmeade mit Jilli unterhielt, beschloss Harry die Zeit zu nutzen und endlich auch wieder seine Hausaufgaben zu machen, bevor die Schule am Montag wieder los ging und er in jedem seiner Kurse ohne gemachte Hausaufgaben aufkreuzte. Er befand sich in der Bibliothek und schrieb bereits eine ganze Weile den Aufsatz für McGonagall nieder – da spürte er das Piksen. Er grinste. Wollte seine Schwester ihm etwa zeigen, wie das Gespräch mit Sirius verlaufen war?!

„Herein," sagte er.

„Pschhhhhhhh!" machten einige Schüler in seiner Nähe. Harry lächelte verlegen. Dann aber löste sich das Bild der Bibliothek in seinem Blickfeld auf und wurde ersetzt durch – Er zuckte zusammen. Es war nicht Sirius, den er glaubte gleich zu sehen. Es war Bellatrix Lestrange, welcher er schon mal im Zaubereiministerium begegnet war und sie sah noch genauso kalt und verrückt aus wie damals. Ihr Mann Rudolphus Lestrange, Snape und – Pettigrew. Alle vier Zauberstäbe waren gegen ihn gerichtet. Er hörte die Flüche, spürte wie ihm die Luft herausgepresst wurde und alles wurde schwarz.

„Jilli!"

„Pschhhhhhhhh!" machte es erneut von den Schülern um ihn herum. Er war wieder in der Bibliothek. Harry zögerte nicht, ließ alles stehen und liegen und rannte hinaus. Er lief hastig die Korridore entlang Richtung Schulleiterbüro.

„Marauder!" brüllte er laut und der Wasserspeier sprang zur Seite. Er klopfte nicht mal sondern rannte Schnurstracks hinein ins Büro und damit direkt in ein Gespräch zwischen Sirius, White und Kingsley.

„Harry?" sagte Sirius überrascht.

„Jilli!" stieß er jedoch sofort aus und bemerkte gleichzeitig, dass ihm nach wie vor die Luft weg blieb. Ob es nun vom rennen war oder noch von dem was er gesehen hatte, es war ihm egal. Er musste es sagen!

„Sie ist schon weg. Hat sie sich nicht von dir verabschiedet?!"

„Doch," hechelte er und riss sich schließlich zusammen. Sie mussten verstehen und handeln!

„Aber – Professor White! Jilli hat das Band zwischen uns genutzt, um mir zu zeigen, dass sie angegriffen wird. Ich weiß nicht wo, aber Pettigrew und Bellatrix Lestrange und ihr Mann und Snape und – Sirius? Wieso bist du schon wieder hier? Du wolltest dich doch mit ihr in Hogsmeade treffen?!"

„Hogsmeade?" wiederholte er misstrauisch.

„Sie hat eine Nachricht von dir bekommen," sagte Harry und zog diese aus seiner Hosentasche. Jilli hatte sie gar nicht mitgenommen und das fiel ihm auch jetzt erst ein, dass er sie sie eingesteckt hatte, nachdem sie so schnell weggegangen war.

White nahm ihm den kleinen Zettel ab und las ihn kurz durch. Es dauerte nicht lang, da zerknüllte sie den Zettel.

„Pettigrew," zischte sie verärgert und hatte einen Blick mit Sirius ausgetauscht.

„Ich war vorsichtig," entgegnete er jedoch wenig sicher.

„Er ist eine Ratte," sagte White ernst. „Willst du mir erzählen, du hättest es bemerkt, wenn dich in Hogsmeade eine Ratte von weiter Entfernung beobachtet hätte? Er hat dich erkannt. Ich hätte wissen müssen, dass sie dort sind."

Sein Patenonkel hatte nichts erwidert. Stattdessen sah man eindeutig Schuld in seinen Augen aufkeimen.

„Was tun wir jetzt?!" rief Harry, da alle erstarrt waren, statt zu handeln, wie er es erwartet hatte. Leider kam danach immer noch nicht die gewünschte Reaktion. Sowohl Kingsley, wie auch Sirius und White blieben ohne geantwortet zu haben stehen. „Professor White?!" setzte er drängend hinzu.

„Nichts," antwortete sie und es war das letzte was er hören wollte.

„Nichts? Jilli ist in -"

„Ich weiß," unterbrach White ihn scharf und obwohl er immer noch aufgebracht und panisch war, hielt er inne. „Uns ist allen bewusst, dass sie in Gefahr ist. Aber wenn wir Glück haben, dann bekommen wir sehr schnell die Möglichkeit ihr zu helfen."

Anfangs noch verwirrt, begriff er, dass mehr hinter diesem Vorfall steckte. Wäre er nicht so außer Puste, er hätte nach Aufklärung gefordert.

„Euer Band ist im Gleichgewicht, was bedeutet, dass ich es nicht nutzen kann, um ihre Gedanken zu erfassen. Sie hat die Möglichkeit das Band zu dir zu nutzen und wenn sie das nicht tut, bedeutet es, dass sie im Moment nicht dazu in der Lage ist. Die Lestranges, Snape und Pettigrew, sie wollen etwas bestimmtes und ich bin mir sicher, sie werden sich bald melden."

Sie schüttelte finster den Kopf und schritt von der Gruppe weg Richtung obere Ebene.

„An," rief Sirius ihr nach. Sie hielt mitten in den Stufen an und drehte sich noch mal um. Sie war nicht sauer oder verärgert, sehr wohl aber verletzt. „Es tut mir leid."

White nickte sanft.

„Ich weiß," sagte sie und verschwand nach oben. Sirius schüttelte betrübt den Kopf und wandte sich zu ihnen zurück. Kingsley aber drückte Sirius' aufmunternd die Schulter.

„Keiner hätte hervorsehen können, dass wenn wir ihnen jede Möglichkeit nehmen etwas zu tun, sie ausgerechnet Jilli in die Falle locken könnten."

„Sie hätten das nicht schaffen können, wenn ich Idiot ihnen kein Weg dazu gegeben hätte, in dem ich vor aller Augen in Hogsmeade herumlaufe. Wenn Jilli das nun büßen muss -"

„Das wird sie nicht," sagte Kingsley entschieden und sah Sirius zuversichtlich an.

„Anna wird das nicht zulassen, Sirius."

Kingsley's Satz, obwohl nur an Sirius gesprochen, nahm Harry zumindest ein wenig die Sorgen. White kam auf einmal zurück, ein Zettel in ihrer Hand und einem Blick, der grimmiger und kälter nicht hätte sein können. Harry hatte das Gefühl wieder derselben kaltherzigen und unnahbaren Person gegenüberzustehen, die er vor über einem halben Jahr das erste Mal kennengelernt hatte.

„Wie erwartet," informierte sie die drei. „Nachricht von Lestrange. Jilli gegen den Sonnenkristall."