Nächstes =) Etwas später als das letzte Kapitel. Andererseits könnte es auch durchaus dabei bleiben. Die Zeit des Ausruhens geht langsam zu Ende, wenn auch eine Erkältung das Letzte ist, was man als Ausruhen bezeichnen könnte... Wir werden sehen, was wird. Ein Schritt nach dem anderen =) Baba.


Review:

Mannequin: Hellou =)

Der Winter macht mich echt fertig. Erst die Grippe Ende Dezember, nun den Schnupfen und Husten. =.=

Ich erinnere mich auch nur an den kleinen Part im fünften Buch, dachte aber, dass Rowling vielleicht mal mehr über ihre Mutter in einem Interview oder so gesagt hätte. Leserfragen oder Pottermore. Ich glaub aber auch, dass ihre Mutter ihr wohl sehr ähnlich war. Sie hatten ja ein paar Jahre zusammen =) und Kinder benehmen sich ja oft wie ihre Eltern. Zumindest benimmt sich meine Nicht verdächtigend ähnlich wie mein Bruder XD.

Melissa hätte es vielleicht getan, hätte es damals nicht Maria, Michael und Harold Potter gegeben. Die drei hätten sofort festgestellt, dass James' Magie mit Kila's nicht passt.

Voldemort weiß, dass Anna Empathin ist, aber nicht, dass sie tatsächlich Verbindungen zu seinen Todessern erschafft, um so an Informationen zu kommen. So was funktioniert ja in beide Richtungen, wie an Voldemort und Harry gesehen und wäre eigentlich gefährlich, zumindest, wenn es die Todesser wissen und auch so gut in der Legilimentik sind, wie zum Beispiel Snape. Anna fühlt sich aber sicher und stark genug, sich zu verschließen, um keine Informationen herauszulassen und hat sich auch die passenden dümmeren Todesser herausgesucht, die sie markiert hat.

Anna würde wohl selber sagen: Neeeeeeeein, so was würde sie nie tun. Remus und Sirius würden dir recht geben und es genauso sehen XD. Am Ende war es mit Harry abgesprochen, damit er wirklich jede Gelegenheit für das Training wahrnehmen kann.

Tria und Joe wurden bisher noch nicht erwähnt. Gehören aber einer sehr bekannten Gruppe an. Gehören noch zur der Zeit aus CofX, die ein wenig kürzer geraten ist, weil ich versucht habe die FF in 48 Kapitel zu packen.

Und auch der Sonnenkristall zieht eine Verbindung zu Chains of Xerchia, Vieles wird eben jetzt hier ausgeführt, nachdem ich das schlecht in den letzten Kapiteln von CofX machen kann oder sollte. Das waren alles Ideen, die zwar eingeplant waren, dann aber aufgrund meines Kapitelzahlwahnsinns und gleichzeitiger Ausführungsblockade raus fielen.

Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßle


Chapter 33 – Crystall Charm II

Harry hatte keine Geduld und er konnte es nicht leiden nichts zu tun, wenn seine Schwester in Gefahr war. White hatte ihn zwar nicht wieder weggeschickt, so dass er stattdessen im Büro bleiben konnte während sie handelte, aber besonders zufrieden mit ihrem Handeln war er nicht. Hier und da hatte sie Kontakt zu Mitgliedern aufgenommen, Sirius und Kingsley weggeschickt, um anderen Mitgliedern Bescheid zu geben und ab und zu verschwand sie ohne Vorwarnung im Nebenzimmer oder nach oben und zwischen den Regalen.

In einem ruhigen Moment, White hatte gerade ihren Patronus losgeschickt und auf Antwort gewartet, da kam Harry ein Gedanke, den er auch ohne lang zu überlegen aussprach.

„Ich versteh nicht, warum Jilli sich nicht in ein Lichtwesen verwandelt hat und geflüchtet ist. Sie hatte mir doch versprochen, dass sie das tun würde."

White drehte sich zu ihm um und sah ihn für einen Moment mit einem sehr verschlossenen Blick an. Harry hatte sie zwar ebenfalls kurz angesehen, weil er glaubte, dass sie ihm auch antworten würde, doch da es sich sehr unangenehm anfühlte, so intensiv von ihr gemustert zu werden, wandte er sich direkt zur Seite und versuchte nachdenklich etwas anderes anzustarren.

„Es gibt mehrere Möglichkeiten, warum sie das Versprechen nicht halten konnte," sagte White. „Nachdem was du berichtet hast, wurde sie von den Flüchen getroffen. Sie könnte nach wie vor unter einem Fluch stehen und ist vielleicht bewusstlos. Gryffindor's Magie funktioniert auch ohne Zauberstab, selbst ohne etwas zu sehen. Ponestermagie nicht. Zwar funktioniert diese ohne Zauberstab, nicht aber ohne Sicht. Wenn sie ihr die Augen verbunden haben, kann sie ihre Ponestermagie nicht anwenden. Es kann vieles sein."

„Ah... verstehe."

Wieso hatte er sich immer noch kein Buch über Ponesterfähigkeiten herausgesucht?! Harry runzelte die Stirn und bemerkte plötzlich, dass er irgendwie begonnen hatte zu schmollen. White war daraufhin in die obere Etage geschritten und ein weiteres Mal zwischen den Bücherregalen verschwunden. Harry hatte keine Lust ihr nachzugehen, zumal er es nicht herausfordern wollte, dass sie ihn vielleicht doch noch raus schmiss, wenn er ihr zu sehr auf die Nerven ging. Stattdessen warf er ein Blick zum Fenster und starrte in Gedanken versunken in die Ferne. Er hatte Jilli sehr schnell sehr gern gewonnen und der Gedanke, dass sie das durchleben könnte, was er unter Voldemort's Todesser mal durchstehen musste – Harry mochte nicht daran denken. White kam nach nur wenigen Minuten wieder herunter und reichte ihm sehr zu seiner Überraschung ein Buch. Xerchia's Buch der mysteriösen Wesen.

„Ist eine sehr gute Lektüre, wenn du deine Schwester besser verstehen möchtest. Ein Kapitel darin stellt sehr passend eine gute Zusammenfassung über Ponester und ihre Fähigkeiten dar."

„Uhm -" machte Harry und wollte sich eigentlich bedanken, da sprang jedoch die Tür auf und im nächsten Moment war das Büro rappelvoll.

Remus, Tonks, Kingsley, Sirius, Yuno, Hagrid, Moody, Kayla Steward und Brian waren gleichzeitig aufgetaucht und hatten die beiden umzingelt. Yuno und Hagrid nahmen leider etwas sehr viel Platz im Büro ein und Harry brachte sich direkt in Sicherheit aus dem Kreis heraus an den Rand neben Sirius. Erfahrung hatte ihm gelehrt einen gewissen Sicherheitsabstand zu Hagrid zu halten.

„Jilli ist entführt worden?" rief Yuno aufgebracht und hatte damit vor Kaylar und Kingsley gesprochen, welche eigentlich ebenfalls angesetzt hatten zu sprechen. White deutete den beiden an zu warten um den Freund sprechen zu lassen.

„Von Todessern? Wie konnte das passieren? Ich hab ihr gesagt, sie muss vorsichtig sein. Ich hab ihr gesagt, sie darf sich nicht in diese Gefahr begeben. W-Was kann ich tun? Und wo ist sie jetzt? Lebt sie überhaupt noch? Haben sie ihr etwas getan?"

White hatte erst gesprochen als Yuno fertig war und es auch ersichtlich wurde, dass er alles ausgesprochen hatte, was ihm auf dem Herzen lag. Harry beobachtete verwundert, dass White dem Halbriesen tatsächlich am Arm tätschelte und dieser die Schulleiterin hoffnungsvoll anstarrte.

„Jilli ist am Leben. So viel zu jetzt. Sie ist in eine Falle gelaufen, die Pettigrew zusammen mit weiteren Todessern für sie ausgelegt haben. Jilli ist sehr klug und auch vorsichtig. Was passiert ist, hätte jedem von uns passieren können."

„Merlin!" stieß Yuno entsetzt aus, trat einige Schritte zurück und sank auf einen der Stühle nieder. Dass dieser unter der Last des Halbriesen zusammenkrachte, schien nur Harry aufzufallen, denn alle anderen hatten weder gezuckt, noch das irgendwie wahrgenommen. Sie blieben konzentriert und ernst am Fleck stehen. Hagrid hatte dem Freund tröstend auf die Schulter geklopft, woraufhin auch der Rest des Stuhls nachgab und zusammenkrachte.

„Yuno," sagte White eindringlich und sofort blickte Angesprochener mit banger Miene zurück zur Schulleiterin.

„Jilli ist eine starke Hexe. Sie wird das hier überstehen."

Er schüttelte frustriert den Kopf.

„Wie kannst du dir da so sicher sein, Anna?"

Sie lächelte sanft und wieder bemerkte Harry, wie ihre Art dem Halbriesen gegenüber ihn überraschte. Sie war zu ihm sehr freundlich und offen. Zum ersten Mal erinnerte die Professorin ihn in der Tat an Dumbledore, welcher ebenfalls mit Yuno so umgegangen wäre. Da war sich Harry sicher.

„Weil sie mir und vielen anderen hier genauso viel bedeutet wie dir," sagte White fest. „Und wir lassen nicht zu, dass ihr Weg hier endet. Ihre Zeit ist noch nicht gekommen."

Die beiden sahen sich einen Moment lang tief in die Augen, dann nickte Yuno schließlich. White wandte sich zurück an die anderen in der Runde.

„Und?" fragte sie an Kaylar gewandt. Die Phowlyris schüttelte ernst den Kopf.

„Nichts. Ich denke, eine Beschwörung blockiert sie, so dass ich sie auch nicht erreichen kann."

White nickte verstehend und wandte sich zur Seite an Kingsley.

„Dasselbe," sagte dieser unzufrieden. „Keine Spur von ihr. Die haben sie gut abgeschirmt, wo immer sie sich auch aufhalten mögen."

„Ich hab Bellatrix nie für dumm gehalten," sagte White finster. „Sie hat vorgesorgt. Pettigrew hätte das niemals hingekriegt und Rudolphus wäre dazu auch nicht fähig. Snape zwar eher, aber eine Phowlyris zu blockieren, so verrückt ist nur Bellatrix."

„Sie könnten also überall sein?" knurrte Moody grimmig. White dachte kurz nach, schüttelte dann aber den Kopf.

„Ich bin mir sicher, sie sind noch immer in der Nähe."

„Wieso das?" fragte Kingsley skeptisch.

„Weil sie den Sonnenkristall wollen und Harry soll ihn ihnen bringen. Das Zeitfenster ist viel zu dünn, um wo anders zu sein."

„Harry?!" donnerte Yuno empört und war wieder auf die Beine gesprungen. Das gab ein kleines Erdbeben und hätte Harry sich nicht an Sirius festgehalten, die Erschütterung hätte ihn von den Füßen gerissen. „Auf keinen Fall!"

Harry war total überrumpelt als Yuno ihn zurückstieß als ob er ihn dadurch tatsächlich davon abhalten würde zu gehen.

„Was zum -" schoss es entrüstet von dem Gryffindor heraus doch White hatte weitergesprochen noch bevor er fertig fluchte.

„Sie fordern Harry als Boten und mit Jilli als Geisel sitzen die vier am längeren Hebel. Harry ist gut und kann auf sich aufpassen."

„Zuerst Jilli, nun auch noch Harry?" donnerte Yuno wütend. „Das ist doch eine Falle! Lass mich mit ihm gehen. Ich hol Jilli zurück!"

„Kaylar wird gehen," entgegnete White jedoch und ihr Blick ließ dem Halbriesen auch keine Möglichkeit zu protestieren. Stattdessen starrte er die Phowlyris unentschlossen an.

„Was, wenn diese andere Phowlyris auch da ist? Sie ist stärker!"

„Kaylar kann und wird eingreifen, wenn einer der beiden in Gefahr ist. Selbst wenn die ewige Phowlyris-" Sirius hatte angesetzt etwas zu sagen, aber White deutete ihn mit gehobenem Finger an zu schweigen. „Nein, wir werden sie nicht bei eurem erfundenen Namen nennen. Wir nennen sie die ewige Phowlyris, weil das ihr Name ist." Sirius zuckte amüsiert den Mundwinkel, verkniff sich aber tatsächlich jeglichen Kommentaren und so fuhr White wieder ernst an alle anderen gewandt fort. „Selbst wenn die ewige Phowlyris da ist, was ich nicht glaube, so ist Kaylar schnell und stark genug, um beide rechtzeitig zu ergreifen und über die Phowlyrisebene in Sicherheit zu bringen. Harry?"

Sie wandte sich nun an den jungen Schüler und er hatte nicht gezögert sie ebenfalls erwartungsvoll anzusehen.

„Bereite dich vor. Lass dir von Pomfrey ein Heil und ein Stärkungstrank mitgeben. Sprich zudem mit deinen Freunden über das, was du tun wirst, damit sie sich keine Sorgen machen. Beeil dich. In 20 Minuten müsste der Sonnenkristall hier sein."

Harry nickte, wenn auch etwas zögerlich. Ob es nun offensichtlich war oder nicht, aber für ihn hieß es, dass sie ihn los werden wollte und im Begriff war mit Erwachsenen über etwas zu sprechen, woran sie ihn nicht teilhaben lassen wollten. Also verließ er etwas zögerlich das Büro, schloss die Tür hinter sich, blieb stehen und presste das Ohr an die Tür, um so gut zu lauschen wie er nur konnte.

„Der Sonnenkristall in in 20 Minuten hier?" hörte er Moody's knurrende Stimme.

„June bringt ihn," sagte Remus. „Ist die Einzige, die frei war."

„Stone?" warf Sirius verwundert ein. „June Stone?"

„Yap," sagte Remus und Sirius gluckste heiter.

„Lang her. Da muss erst Jilli in Gefahr geraten, damit man sie endlich wieder sieht?"

„Wer ist June Stone?" fragte Harry tonlos.

„Da wird Harry seinen Spaß mit ihr haben. Kennen die beiden sich eigentlich bereits?"

„Nope," antwortete Remus auf Sirius' Frage. „War nie ein guter Zeitpunkt dazu. June war auf Dumbledore's Beerdigung, einander vorgestellt hat man sie aber nicht."

„Yuno hat übrigens nicht ganz unrecht," warf Steward ein, um das Gespräch wieder zum Hauptpunkt zurückzuführen. „Wenn die ewige Phowlyris dabei ist, dann könnte es für mich schwierig werden Harry und Jilli zu retten. Ich möchte ungern eine Entscheidung fällen müssen."

„Finley wird dabei sein," sagte White kurz.

„Finley?" wiederholte Steward Stirnrunzelnd. „Ein einfacher Zauberer als Hilfe soll die Machtverhältnisse ausgleichen?"

„Finley ist kein einfacher Zauberer," sagte White.

„Du glaubst also, dass dieser Finley ausreicht?"

White sagte nichts mehr, obgleich Steward's Worte hörbar pessimistisch klangen und obwohl Harry angestrengt versuchte etwas zu hören, bekam er kein weiteres Wort mehr zu hören. Entweder waren sie in einen anderen Raum geschritten... oder White hatte den Silencio Zauber ausgeführt, damit er nichts mehr hörte. Harry schmollte empört, trat dann aber seinen Weg an die Treppe hinab und auf sein Gemeinschaftsraum zu.


Er ging geradewegs die Korridore entlang Richtung Gryffindor Turm, um seinen Freunden Bescheid zu geben, da stieß er mit einem weiteren Mitschüler zusammen.

„Hey!" raunzte er entrüstet, erstarrte jedoch auf der Stelle als er sah, wer ihn da angerempelt hatte. Taggard. Einer der Slytherins, die ihm damals den Cruciatus Fluch auf den Hals gehetzt hatten. Sein Gesicht zierte ein verschmitztes Grinsen und das zeigte sofort, dass er ihn nicht aus Spaß oder gar aus Versehen angerempelt hatte.

„Wohin so eilig, Potter?" fragte sein Gegenüber und musterte ihn mit listigem Blick. Harry verengte misstrauisch die Augen. „Ich hab eine Nachricht, die du sicher nicht missen möchtest."

Er nahm seine rechte Hand aus der Tasche und instinktiv hatte Harry nach seinem Zauberstab gegriffen. Taggard öffnete jedoch lediglich seine Faust und machte den Blick frei auf schwarzen, glitzernden Sand in seiner Handfläche. Es stieg etwas auf in die Luft und formte das Gesicht einer Hexe. Das Gesicht von Bellatrix Lestrange, um genau zu sein.

„Harry Potter," begann ihre schrille durchdringende Stimme. „Wenn du deine Schwester je wiedersehen willst, dann tust du genau das, was ich jetzt sage. Tust du das nicht, verspreche ich dir, werde ich meinen Spaß daran haben ihr jedes Glied einzeln auszureißen."

Er stemmte seine Hände zu Fäusten. Wenn sie es wagte, wenn sie ihr etwas antat, er würde sich vergessen und all die Ruhe über Bord schmeißen, die er sich bisher antrainiert hatte.

„Du wirst mit dem Sonnenkristall nicht zum vereinbarten Punkt kommen, sondern in den verbotenen Wald gehen. Taggard wird dich zu einem Portschlüssel bringen, mit dem du zu uns reist. Keine Tricks. Für jeden Versuch uns zu hintergehen, werde ich die kleine Hexe hier dafür büßen lassen. Überlege es dir also gut, was du tust."

Der Sand fiel wieder in sich zusammen und aus der Handfläche des Schülers auf den Boden hinab. Kaum, dass es den Boden berührte verpuffte es und löste sich in Luft auf. Harry sah seinen Gegner misstrauisch an, aber Taggard war das überlegene Grinsen immer noch nicht vergangen.

„Was wählst du, Potter? Benimmst du dich wie der dämliche Held, den dir jeder nachsagt, oder wie das feige Etwas, das du bist?"

Er ging auf die Provokation nicht ein und starrte ihn stattdessen finster an.

„Ich hab den Sonnenkristall noch nicht. White lässt ihn gerade erst herbringen."

Taggard schritt an ihn heran, so dass beide nur noch ein winzigen Abstand voneinander trennte. Der Slytherin war bullig, groß und – stank. Dennoch, Harry wich nicht zurück, sondern blieb sehen und starrte ihn fest an.

„Ich warte vor dem Schlosstor," spuckte er herablassend. „Kein Wort zu White. Du kannst darauf wetten, dass wir davon erfahren."

Wieder rempelte er ihm beim vorbeigehen an. Harry sah den Mitschüler nach, dann aber drehte er sich um und lief zum Gryffindor Turm. Kaum durch das Porträt riss er Hermine, Ron und Ginny mit sich auf und in den Jungenschlafsaal hinein, welcher zum Glück leer war. Er erzählten ihnen eilig was gerade passierte und ließ auch das Treffen mit Taggard nicht aus.

„Du musst Professor White davon erzählen," sagte Hermine wie erwartet, aber Harry blickte sie unentschlossen an.

„Sie sagte, für jeden Versuch sie zu hintergehen, wird sie Jilli bestrafen. Das kann ich doch nicht riskieren?"

„Was willst du denn sonst tun?" sagte Ginny ernst. „Dort auftauchen und hoffen, dass sie Jilli und dich schon gehen lassen?"

„Wenn ich zu White gehe, riskiere ich Jilli's Leben!" entgegnete er entrüstet. „Taggard wird es herausfinden oder ein anderer Slytherin oder Spion oder wen immer sie hier auch schon umgedreht haben. Steward begleitet mich über die Phowlyrisebene. Das wissen die nicht und wenn ich Glück habe, dann kann sie ebenfalls mit dem Portschlüssel mitreisen. Dann ist eben nur dieser Finley nicht dabei."

„Und wenn doch etwas schief läuft und Steward nicht mitreisen kann? Dann läufst du geradewegs in die Falle, so wie Jilli es tat!" warf Ron laut ein.

„Und wenn ich zu Professor White gehe?" schlug Hermine auf einmal vor. Sofort hatten sie alle drei überrascht angesehen.

„Wie jetzt?" fragte Ron verwirrt.

„Harry kann nicht zu Professor White gehen, weil Bellatrix Lestrange bestimmt etwas mit dem schwarzen Pulver gemacht hat. Ich kenn mich damit nicht aus, aber das könnte sehr dunkle Magie sein, die sie mit dieser Nachricht an dich verschickt hat.

Wir sollten wirklich nichts riskieren. Aber sobald du mit dem Sonnenkristall das Schloss verlässt und Taggard folgst, such ich Professor White auf und erkläre ihr alles. Hoffentlich noch rechtzeitig."

Harry zögerte, dann aber nickte er nachdenklich. Die Idee war zumindest ein guter Anfang gewesen und alles, woran er sich festhalten konnte. Wenn White davon wusste, konnten sie zumindest helfen oder agieren. Er hätte ohnehin keine bessere Idee gehabt, noch glaubte er, dass es eine gute Idee war den Anweisungen eines Todessers einfach blind zu folgen.


Er tauchte wie verlangt 20 Minuten später wieder im Schulleiterbüro auf und war überrascht, wie leer es auf einmal war. Alle anderen waren verschwunden bis auf White, welche vor ihrem Schreibtisch mit dem Rücken ihm zugwandt da gestanden hatte und sich sofort aufrichtete als er herein trat. Sie drehte sich zu ihm um und deutete ihm an näher zu treten. White reichte ihm eine kleine Handgroße Schatulle, die er auch an sich nahm.

„Der Sonnenkristall," sagte sie ernst. Harry wusste nicht, ob es angebracht war oder nicht, aber er öffnete das Kästchen, um sich den Inhalt anzusehen. Es war jedoch so hell und blendend, dass er es sofort wieder schloss ohne ein Blick darauf erhascht zu haben.

„Was ist das?" fragte er erschrocken. White war weder zusammengezuckt, noch überraschte sie seine Reaktion. Es wirkte eher als ob sie damit sogar gerechnet hatte.

„Ein sehr starkes, mächtiges Relikt. Ein Geschenk des Volkes der Solelyaner an das Zaubereiministerium vor etwa 20 Jahren. Solelyaner sind keine dunklen Kreaturen. Du solltest aber schon mal in Geschichte der Zauberei von ihnen gehört haben."

Sein Blick musste unverkennbar gewesen sein, denn White zögerte nicht den Begriff zu erklären auch ohne dass er gestand, dass ihm dieses Volk weniger als nichts sagte.

„Muggel können diese Wesen nicht sehen, Zauberer und Hexen hingegen nur, wenn Solelyaner es auch zulassen. Reine Solelyaner gibt es nicht mehr viele. Sie sind nicht sehr gesellig und paaren sich auch dementsprechend selten. Sie empfinden jedoch wie wir Menschen auch, fühlen, was auch wir im Stande sind zu fühlen. Schmerz, Freude, Angst.

Allerdings unterscheiden wir uns erheblich im Aussehen. Solelyaner sehen weder menschlich aus, noch haben sie Ähnlichkeit mit bekannten Tieren. Beschreiben würde ich sie wohl als... gläserner Wind. Obwohl es sie seit Jahrtausenden gibt, zogen sie es stets vor abgeschieden von Zauberer und Hexen zu leben. Zumindest bis Voldemort an die Macht kam.

Seine Todesser löschten das Volk fast vollständig aus, um an dieses Relikt heranzukommen. Ich sage fast – weil es Zauberer und Hexen gab, die ein kleinen Teil des Volkes schützen und in Sicherheit bringen konnten. Als Dank gaben sie dem Zaubereiministerium diesen Sonnenkristall, den sie erschaffen hatten. Seine Magie ist sehr mächtig und auch einzigartig."

„Was will Voldemort damit?"

„Er sah Solelyaner stets als schwach und unbrauchbar an. Deswegen gab er seinen Todessern auch den Befehl sie auszulöschen. Sie bedeuteten ihm nichts, waren weder gut im Kampf, noch wertvolle Alliierte. Denn wo immer sie sich auch aufhalten, setzen sie die Magie aller anderen um sich herum aus. Unkontrolliert. Sie können nicht entscheiden welche Magie, ob nun schwarz oder weiß."

„Wie konnte man sie dann töten?"

White lächelte traurig.

„Es gibt viele Arten jemanden zu töten. Auch ohne Zauberstab."

Harry nickte bedrückt. Hätte er das doch besser nicht gefragt.

Sonnenkristalle werden von sehr alten Solelyanern erschaffen. Voldemort hat das erst herausgefunden als er bereits alle getötet hatte, die dazu fähig waren. Es existiert nur noch dieser eine und den hatten die Überlebenden ihren Rettern geschenkt. Nun kann ich nicht in Voldemort's Gedanken eindringen, aber wenn ich raten müsste, was er damit will, so würde ich sagen – seine Magie von Slytherin stärken. Ein Sonnenkristall ist dazu fähig, weil er die Energie und Wärme der Magie dazu besitzt. Er weiß, dass ich dich trainiere und wenn er sich mit dir duelliert, will er sichergehen, dass er auch gewinnt und du keine Chance hast.

Bis vor kurzem war er sich auch sicher, dass dies der Fall war, weil du mit Gryffindor's Magie nicht umgehen konntest. Das hat sich nun eindeutig geändert – noch nicht so, wie wir es brauchen, aber ich denke, er ist sich sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist und er insofern vorbeugen möchte."

Harry nickte nachdenklich.

„Du solltest jetzt gehen," sagte sie ernst und er sah zweifelnd auf. Er wollte gehen, wollte seine Schwester befreien, aber genauso wollte er White erzählen, was passiert war. Jetzt, wo er wusste, dass sie auf seiner Seite stand, war alles anders. Er wollte, dass sie in der Lage war ihm zu helfen und er wollte ihr alles erzählen – er konnte es jedoch nicht und hoffte stattdessen, dass Hermine es rechtzeitig schaffte.

„Kaylar wird immer in deiner Nähe sein. Verlass dich auf sie. Viel Erfolg."

Harry nickte vorsichtig, dann drehte er sich um und verließ das Büro. Er hatte so ein schlechtes Gefühl, am liebsten hätte er sich übergeben. Hermine... wenn sie es nicht rechtzeitig schaffte, er wusste nicht, was dann passieren würde. Am Schlosstor angekommen wartete Taggard bereits auf ihn und sein Blick ruhte insbesondere auf das Kästchen in Harry's Hand, welches er fest umklammert in seinem Griff hielt.

„Gut gemacht," sagte Taggard zufrieden, dann deutete er ihm herablassend an ihm zu folgen und schritt voraus Richtung verbotener Wald. Harry warf einen kurzen bangen Blick zurück ins Schloss, dann folgte er dem Mitschüler.

Hermine, Ron und Ginny waren währenddessen unter den Tarnumhang um das Büro herumgeschlichen und erst als sie sichergegangen waren, dass kein Slytherin im Flur stand, nahmen sie den Tarnumhang ab und rannten zum Wasserspeier.

„Marauder," sagte Ron, da Harry ihnen das Passwort für den permanenten Zugang verraten hatte. Der Wasserspeier sprang zur Seite und die drei rannten hinauf, klopften und stürzten in das Büro ohne auf ein Herein zu warten. Erwartet hatten sie zumindest Professor White in dem Büro – vorfanden sie jedoch absolut niemand. Nicht mal Fawkes war mehr da.

„Was zum -" stutzte Ron, brach aber ab und starrte stattdessen Hermine und Ginny entsetzt an, welche nicht minder panische Mienen trugen.

„Sie ist nicht hier?!" sagte Hermine ungläubig. „Wo ist sie?!"

„Die Karte!" sagte Ron und alle drei machten sich zurück zum Gryffindor Turm, um White auf der Karte ausfindig zu machen. Jede Minute, die sie verloren, brachte Harry noch mehr in Gefahr als er ohnehin schon war.


Jilli saß geknebelt und mit gefesselten Armen und Beinen an einem Baum irgendwo im nirgendwo. Ihre Knie hatte sie an ihre Brust gezogen und ihre Augen waren verbunden. Ihr Zauberstab war ihr natürlich abgenommen worden. Dass es ein Wald war, erkannte sie lediglich am Geruch der Natur und dem Rasseln der Blätter an den Bäumen um sie herum. Sie konnte nichts sehen und daher auch ihre Ponestermagie nicht anwenden, um sich zu verwandeln und zu fliehen. Gut, nach dem was sie gerade in ihrer Genesung getan hätte, hätte selbst eine Sicht ihr nicht geholfen zu fliehen. Wie hätte sie denn überhaupt damit rechnen können, so schnell in eine solche Situation zu geraten?

Was sie aber konnte war lauschen als die Todesser sich in ihrer Nähe unterhielten. Es war leise, aber eines von vielen Eigenschaften eines Ponesters war das sehr gute Gehör, auch wenn man noch so leise flüsterte.

„Sie sind auf dem Weg hier her," sagte Bellatrix Lestrange.

„Sobald Potter sein Fuß aufsetzt, ist der Bengel erledigt," sagte ihr Ehemann und lachte dreckig. „Der kleine Dummkopf hat nicht die geringste Chance."

„Was ist mit der Hexe dort?" fragte Snape und klang nicht minder herablassend als die anderen in der Runde.

„Sie vor seinen Augen töten," sagte Bellatrix Lestrange und kicherte falsch. „Das wird ihn fertig machen."

Jilli schluckte hart. Sie hatte Harry doch versprochen abzuhauen, wenn sie in diese Situation geraten sollte, aber sie hatten sie so schnell überrumpelt, dass sie gar nicht im Stande war zu reagieren. Sie hatte wirklich nicht geglaubt, dass so etwas passieren würde, während sie einen Teil ihrer Magie für einen Zaubertrank geschwächt hatte.

Erwartet hatte sie Sirius, weil er sich so zurückzog, obwohl sie auf ihn zugegangen war und glaubte, dass er das Gespräch zum Abschied mit ihr suchte, weil sie sich doch sonst auf längere Zeit nicht mehr sehen würden. Begegnet war sie Todessern – und Peter Pettigrew.

Peter Pettigrew – der Mann, den sie einst für einen Freund hielt, weil ihr Vater ihm vertraute. Er hatte so oft auf sie und Harry aufgepasst, wenn ihre Eltern weg mussten. Auch sie hatte ihm vertraut... Hätte sie es wissen können, dass er ihre Eltern verraten würde? Es gab einige Hinweise, wenn sie in andere Zeiten blickte, nie aber hatte sie sein Handeln in diese Zeit zurückgeführt.

Auch das war eines der Gründe, warum sie sich die Schuld am Tod ihrer Eltern gab. Sie hätte ihren Vater warnen können, wenn sie Pettigrew's Taten in den anderen Zeiten nur ernst genommen hätte.

Harry durfte ihre Unvorsichtigkeit nicht noch mal bezahlen müssen... Sie fühlte sich so unendlich schuldig weil sie mit Schuld am Tod ihrer Eltern trug, sie würde es sich nie vergeben, wenn sie auch noch Schuld am Tod ihres Bruders war...

Jilli?

Ihr Herz füllte sich mit Wärme und sie lächelte als sie die starke und vertraute Stimme ihres Vaters in ihren Gedanken hörte. Es war diese eine Erinnerung, die sie für sich behielt und immer wieder daran dachte, wenn es ihr so schlecht ging wie jetzt. Wenn sie kein Mut mehr besaß und sich hoffnungslos verloren fühlte, dann sah sie wieder dieses eine Gespräch vor Augen, was sie aus einer anderen Zeit mitgenommen hatte.


Jilli war damals 11 Jahre alt gewesen und wieder hatte sie sich vorgestellt, wie es war, wenn ihre Eltern nicht gestorben wären, wenn sie sie nur gerettet hätte. Erneut waren sie Voldemort's Angriff entkommen, weil sie eingegriffen hatte und ihre Familie vor seinen Augen wegbrachte. Sie hatte sich nachts in den Schlaf geweint, weil sie ihre ganze Familie so unendlich vermisste und wusste, dass auch diese Erinnerung bald enden würde ohne, dass sie ihre Eltern wieder hatte oder ihren kleinen Bruder, der Meilenweit entfernt woanders aufwuchs. Es war kurz bevor sie England verlassen musste, weil Dumbledore sie nach Beauxbatons auf die Schule schickte.

James klopfte an ihre Zimmertür und das kleine Mädchen sprang erschrocken auf. Eilig wischte sie sich die Tränen von den Augen, aber er hatte diese längst bemerkt. Ihr Vater war älter als sie ihn zuletzt in einer Erinnerung gesehen hatte. Er sah nach wie vor sehr gut aus, aber man konnte dennoch Zeichen der Zeit in seinem Gesicht ausmachen. Er war müder, ernster. Hatte nun gar ein Dreitagesbart. James trat in das Zimmer herein, was nicht mehr ihr kleines, ordentlich aufgeräumtes Zimmer in der Hütte von Yuno war, sondern ein unaufgeräumtes, hübsches Zimmer mit vielen Spielsachen und Familienbilder an den Wänden, und setzte sich zu ihr auf das Bett.

„Du hast geweint," stellte er besorgt fest. Sie schüttelte entschieden den Kopf und versuchte zu lächeln. Ihn zu sehen war alles was sie wollte und es reichte, um ihre Tränen zu trocknen.

„Mir geht es gut, Dad."

„Wenn es einem gut geht, zieht man sich nicht zurück und lässt Tränen sprechen."

Er zog ein Taschentuch heraus und reichte es ihr. Sie lächelte und tupfte sich damit den Rest auf ihrer Wange ab.

„Erzählst du mir, was los ist? Deine Mum macht sich große Sorgen um dich. Es sind dünne Wände und -" Er lächelte umsichtig. „Du weinst beinahe jeden Abend."

Sie blickte betrübt zu Boden. Wie sollte sie ihm erklären, was mit ihr war... Die Wahrheit konnte sie doch schlecht erzählen. Sagen, dass er gar nicht wirklich am leben war, sondern nur ihren Gedanken entsprungen ist, weil sie durch ihre Ponestermagie in andere Welten reisen konnte, wo sein Tod nicht passiert war.

„Es ist, weil wir Voldemort nur knapp wieder entkommen sind, nicht wahr?"

Jilli sah wieder auf und am liebsten wollte sie den Kopf schütteln, wollte nicht über den Mörder ihrer Eltern sprechen. Zu der Zeit konnte sie sich nicht mal rühren, nicht nach dem Heulkrampf, den sie zuvor über sich hatte ergehen lassen und welcher ihr so viel Kraft geraubt hatte.

„Ich bin so schwach, Dad. Ich bin nicht stark, wie du und Mum. Ich kann nicht kämpfen wie ihr, komme gegen unsere Gegner nicht an... Ich bin zu schwach, nutzlos..." sagte sie ohne es beabsichtigt zu haben. Die Gefühle hatten sie nur überrannt und mit ihren Eltern konnte sie immer über alles reden. Bei ihnen bekam sie immer so viel Mut und Stärke zurück und in diesem Moment war es genau das, was sie brauchte. Sie verstanden sie und sie waren immer für sie da.

'Es war nicht das erste Mal, dass ich euren Tod verhindern wollte – aber ich kann es immer erst, nachdem er euch schon mal getötet hat. Nie kann ich es im voraus verhindern... Es tut mir leid, dass ich euch nicht beschützen kann...'

Sie sprach ihre Gedanken nicht aus, dazu fehlte ihr einfach die Kraft und der Mut, aber James schien es auch so zu verstehen. Er lächelte fürsorglich und drückte ihr liebevoll die Hand.

„Du magst dich schwach fühlen, Jilli. Aber in Wahrheit bist du unglaublich stark und mächtig. Deine Stärke liegt nicht im Kampf, nicht darin andere zu besiegen oder niederzumetzeln, auch wenn das viele unter Stärke verstehen. Deine Stärke, meine Kleine, liegt darin zu schützen und zu sein."

Sein? Sie verstand nicht und wieder schien er ihr das aus dem Gesicht ablesen zu können, denn James hatte erneut warm gelächelt.

„Das hab ich zumindest einem Buch entnommen, dass uns Anna vor ihrem Tod noch zum lesen gab, damit wir angemessen auf dich eingehen können. Darin stand, dass ein Ponester kein dunkles Wesen ist und stets weiße Magie der schwarzen vorzieht, obgleich es mit beiden umgehen kann. Dass es Schutz statt Angriff bevorzugt und es außergewöhnlich stark in der Anwendung der weißen Magie ist. Außergewöhnlich gut, sagte jedenfalls deine Mutter, bedeutet, dass du Schutz- und Heilzauber zustande bringst, wovon so manch einer von uns nur träumen könnte. Das bedeutet nicht, dass du schwächere Angriffszauber ausübst, jedoch, dass du es nicht von Natur aus tust, um zu schaden. Es ist nur dann effektiv, wenn du es nutzt, um zu schützen. Dumbledore stimmt dem zu – auch wenn dein alter Herr nicht ganz versteht, was die beiden damit meinen, aber ich finde, es klingt sehr klug.

Eines Tages, da bin ich mir sicher, wirst du deine Stärken sehen und ich weiß, dass wenn der Moment gekommen ist, ich wahnsinnig stolz auf dich sein werde. Du magst vieles sein – aber ganz sicher nicht schwach. Und erst recht nicht nutzlos. Wenn es dich nicht gäbe, wäre ich doch schon längst nicht mehr am leben."

Sie lächelte traurig, woraufhin ihr Vater kritisch die Augenbrauen verzog. Eigentlich hatte er erwartet, dass es sie aufmunterte und nicht noch mehr runter zog.

„Ich möchte aber nur euch beschützen," sagte sie gebrochen. „Was bringt es mir, eines Tages dazu fähig zu sein, wenn ich es jetzt bräuchte? Was, wenn ich dich das nächste Mal nicht mehr schützen kann?"

James sah sie einen Moment lang besorgt an, dann aber nickte er mit einem sanften Lächeln. Er legte seine Hand um ihre Schultern und drückte seine Tochter liebevoll und doch bestimmend zu sich. Jilli spürte, wie er ihr einen Kuss auf die Stirn gab und wieder tauchten Tränen in ihren Augenwinkeln auf.

Was würde sie nicht alles geben, um ihre Eltern wieder bei sich zu haben... in der Wirklichkeit. Sie fühlte sich so alleine und in Kürze nach Beauxbatons zu gehen, wo sie und Harry dann gar Länder trennten, statt bisher nur kleine Städte, und sie auch Yuno und Remus nur noch selten sehen würde, machte dieses Gefühl gar noch schlimmer.

„Wenn es eintrifft, so versprich mir, dass du akzeptierst, dass du nicht ändern konntest, was passiert ist," sagte James fürsorglich. „Du bist ein Kind und die Welt hat es nicht vorgesehen, dass Kinder immer verhindern können, was andere Erwachsene tun. Eines Tages, wenn du soweit bist, da bin ich mir sicher, wirst du deine Fähigkeiten sehen und nutzen, um das zu erreichen, was du willst. Das ist es, was einen stark macht. Seine Ziele zu erreichen."

Sie seufzte schweren Herzens.

„Ich will euch schützen... Das ist mein Ziel... Ich würde alles dafür tun..."

Aber das kann ich nicht mehr erreichen..., fügte sie bedrückt in Gedanken hinzu. James hatte sie noch mal liebevoll an sich gedrückt und ihr fürsorglich über den Rücken gestrichen. Sie sah zu ihm auf und das warme Lächeln ihres Vaters hatte ihr für diesen Moment wie so oft auch Trost gespendet. Am liebsten hätte sie die Zeit angehalten und wäre einfach für immer hier bei ihm geblieben.

„Das ist Familie," sagte James liebevoll. „Ich würde ebenfalls alles für dich, Harry und eure Mum tun, Kleines. Ich würde alles tun, um euch zu retten, zu schützen, aus Voldemort's Schusslinie zu ziehen. Egal, was, auch wenn es mein Leben ist.

Ich kann dir nicht versprechen, dass es kein nächstes Mal geben wird, dass Voldemort uns ab nun an in Frieden lässt. Aber wenn es noch mal passiert, wenn du es nicht mehr schaffst, dann versprich mir dir nicht selbst die Schuld zu geben. Du bist immer noch ein Kind, kannst die Folgen deines Handelns nicht immer abschätzen. Wenn du Erwachsen bist, wirst du verstehen, was ich meine. Versprich mir, dass du dich nie wieder mehr als schwach und nutzlos siehst. Tust du das für mich?"

Sie nickte sanft und krallte sich noch mal fester an ihren Vater fest.


Jilli atmete tief ein und wieder aus als sie Schritte hörte, die sich ihr näherten. Jemand war zu ihr herangetreten und hatte sie aufgezogen. Die Fesseln an ihren Beinen hatten sich gelöst und so konnte sie auch ihre Füße wieder bewegen.

„Pass auf sie auf, hörst du!" rief die rüpelhafte Stimme von Rudolphus Lestranges und Jilli hörte, wie Pettigrew zurückrief.

„Sicher."

Pettigrew... Es war also Peter. Sie hatte nie Gelegenheit dazu gehabt, denn bisher waren sie sich seit seiner Rückkehr von den Toten noch nicht begegnet. Es war heute das erste Mal. Sie hatte Peter nie so gern wie sie Anna oder Remus hatte, dennoch mochte sie ihn früher. Er war ein Freund und sie hatte um ihn geweint als sie von seinem Tod hörte. Wie lächerlich und dumm sie sich doch deswegen nun fühlte.

Sie hörte ihn atmen, mehr auch nicht. Keiner war in ihrer Nähe und lediglich der Wind heulte hier und da. Das Tuch auf ihrem Mund wurde ihr plötzlich abgenommen.

„Willst du etwas trinken?" fragte Pettigrew. Jilli aber ließ in diesem Moment ihren Gefühlen freien Lauf statt ihm zu antworten.

„Du hast sie auf dem Gewissen," sagte sie enttäuscht. „Mum, Dad. Dad hat dir vertraut, bis zuletzt. Du warst ihr Freund und er hätte sein Leben gegeben, um dich zu retten. Wieso musstest du ihn hintergehen? Wieso, Peter?"

Stand sie überhaupt vor ihm oder sprach sie in die Leere hinein? Jilli wusste es nicht, aber zumindest hatte sie ihm endlich das gesagt, was sie all die letzten Jahre bereits tun wollte, aber nie die Gelegenheit dazu bekommen hatte. Hatte sie überhaupt eine Antwort erwartet? Eine, wie sie Jahre später von Sirius kam? Dass er doch kein Verräter war, sondern alles nur ein Betrug eines anderen gewesen war?

„Es tut mir leid, Jilli," sagte Pettigrew und obwohl sie sein Gesicht nicht sah, so konnte sie hören, dass es ihm ernst war. „Der dunkle Lord ist nun mal stärker als James gewesen."

Sie schüttelte den Kopf. War seine Entschuldigung das was sie hören wollte, so löste seine Erklärung eine erneute Welle der Enttäuschung in ihr aus. Wieder spürte sie, wie ihr die Tränen kamen.

„Du bist ein solch elender Feigling," sagte sie verletzt von seinen Worten. „Eines Tages wird das auf dich zurückfallen und du wirst das säen, was du geerntet hast."

Pettigrew hatte nichts darauf erwidert. Stattdessen zog er das Tuch zurück vor ihrem Mund. Er mochte sie jetzt zum schweigen gebracht haben, aber Jilli glaubte daran, dass eines Tages die Gerechtigkeit auch ihn einholen würde. Sie wollte es nicht sehen oder wissen, es reichte für sie selbst, daran zu glauben, dass es so sein würde.


Harry reiste alleine mit dem Portschlüssel und mit dem Zauberstab fest in der Hand kam er auf der anderen Seite wieder heraus. Reflexartig richtete er seinen Zauberstab duellierbereit auf die Person, die vor ihm stand. Rudolphus Lestrange. Sein Gegenüber hatte im Unterschied zu ihm weder den Zauberstab gezückt, noch schien er von Harry's Zauberstab irgendwie eingeschüchtert zu sein.

„Wie nett, dass du uns Gesellschaft leistest," begann der Todesser und musterte den Schüler arrogant. Harry starrte den Mann fest an.

„Wo ist Jilli?" fragte er ohne Umschweife. Lestrange blitzte ihn listig an, dann zog er langsam seinen Zauberstab, richtete ihn zur Seite und sprach einen Zauber, um die Bäume zu bewegen. Sie machten die Sicht frei auf die junge Hexe, nach wie vor gefesselt, geknebelt und mit Augenbinde neben Pettigrew, der sie am Arm festhielt und seinen eigenen Zauberstab gegen sie gerichtet hatte. Harry blieb angespannt und aufmerksam, auch wenn er erleichtert war zu sehen, dass sie zumindest keine sichtbaren Verletzungen trug.

„Ich nehme an, das gehört jetzt uns?" sagte Lestrange mit gierigem Blick auf die Schatulle in Harry's anderer Hand. Noch hielt er sie fest an sich und starrte den Gegner entschlossen an. Irgendwo in der Nähe mussten auch noch dessen Frau und Snape lauern. Auf keinen Fall durfte er es zulassen, dass sie ihn überrumpelten und je länger nichts passierte, desto mulmiger wurde es ihm. Hatte es nicht funktioniert? War Steward nicht mitgereist? Sollte sie nicht jetzt aus ihrer Ebene herauskommen und eingreifen?

„Lasst zuerst meine Schwester gehen," forderte Harry entschlossen. Lestrange beäugte ihn einen langen Moment lang mit kritischem Blick, dann aber schnaubte er verächtlich und winkte Pettigrew zu. Mit Jilli hinter sich herziehend kam er zu den beiden herüber, hielt aber mit genug Abstand zwischen ihnen wieder an.

„Ich lasse sie gehen, wenn du mir nun den Sonnenkristall reichst," sagte Lestrange herrisch und richtete seinen Zauberstab gleichfalls auf Jilli. „Jetzt. Sofort. Potter."

„Erst, wenn die Augenbinde ab ist. Ich will erst sichergehen, dass es meine Schwester ist."

„Was soll das für ein bekloppter Trick sein?!" blaffte der Todesser verärgert, doch Harry versuchte standhaft zu bleiben. Wenn es schon mit Steward nicht geklappt hatte, dann musste er einen anderen Weg finden. Er musste es nur schaffen, dass Jilli ihre Sicht wiederbekam...

„Ich werd ihr gleich den Cruciatus Fluch auf den Hals hetzen, wenn du nicht die Klappe hältst und mir den verdammten Stein gibst!"

Harry's Herz pochte wie verrückt. Schweißperlen hatten sich an seinen Fingern gebildet. Es hatte nicht funktioniert, ihr Plan war nicht aufgegangen... Wenn er die Schatulle nun einfach so übergab, dann hatte er nichts mehr, mit dem er noch Forderungen stellen konnte. Genauso wenig aber wollte er, dass seine Schwester auch nur eine Sekunde unter einem unverzeihlichen Fluch leiden musste, dessen Wirkung er selber zu genüge kannte. Er schluckte hart.

„Glaubst du etwa, ich mache Witze, Potter?"

Was sollte er nur tun? Was sollte er nur tun?! Seine Hände zitterten und Eiseskälte hatte sich über seinen Körper ergossen. Seine Knie wurden weich. Das würde nicht gut ausgehen... Er schritt auf Lestrange zu, langsam, hoffend, dass noch etwas passieren würde, dass plötzlich doch noch jemand auftauchte, der auf seiner Seite stand, und sie beide hier wieder heraus holte.

Die Sekunden vergingen und niemand tauchte auf. Keine Phowlyris kam plötzlich aus dem Nichts heraus, kein Mitglied des Ordens tauchte auf einmal bei ihnen auf... Okay... dann würde er ihm die Schatulle übergeben, sich Jilli schnappen, ihr die Augenbinde abziehen und dann irgendwie versuchen den Todesser doch wieder zu überrumpeln, um an die Schatulle zu kommen und mit seiner Schwester abzuhauen.

Irgendwie würde er es schon schaffen. Irgendwie.

Harry stand nun direkt vor dem Todesser und reichte ihm die Schatulle. Lestrange grinste überlegen und riss ihm die Schatulle aus den Händen. Harry zögerte nicht, schritt sofort zu Jilli und stellte sich zwischen Pettigrew und ihr. Der Todesser schritt zur Seite während Harry seine Schwester von Augenbinde und Knebel befreite. War es überhaupt möglich, dass jemand Panik und Erleichterung zugleich spürte? Harry tat es.

„Harry," flüsterte sie zaghaft, während er ihr noch die Fesseln abnahm. „Wieso hast du das gemacht?"

Er lächelte schief.

„Ich würde alles tun, um dich zu retten," sagte er entschlossen und nun kroch auch über ihren Lippen ein Lächeln. Wusste er überhaupt, wie sehr er ihrem Vater ähnelte? Wie viel es ihr bedeutete, dass er ihren Vater widerspiegelte? Es gab ihr Kraft, Kraft, die sie so sehr brauchte.

Lestrange öffnete die Schatulle und ein grelles Licht hatte die Gegend für einen Moment geblendet, so dass der Todesser die Schatulle auf der Stelle wieder schloss.

„Sehr gut," sagte er höchst zufrieden und auf einmal blitzte er die beiden gefährlich an.

„Nett zu wissen, dass ihr genauso dämlich bleibt, wie ihr immer wart."

„Expelliarmus!" schallte Bellatrix Lestrange's Stimme durch die Gegend und Harry verlor sein Zauberstab.

„Nein!" rief Jilli entsetzt als ihr Bruder sie hinter sich schob. Snape, Bellatrix und Rudolphus Lestrange, Pettigrew, vier Zauberstäbe waren gegen sie gerichtet und sie waren von allen Seiten umzingelt. Ein Blick wahnsinniger und gieriger als der nächste. Harry stand immer noch schützend vor Jilli und im unpassendsten Moment schoss es ihm durch den Kopf, wie sehr es ihn ärgerte, dass White ihn noch nicht beigebracht hatte ohne Zauberstab Magie zu benutzen. DAS wäre jetzt nämlich hilfreicher gewesen als all das andere, was sie ihn bisher gezeigt hatte und was er auch im Stande war auszuführen – MIT ZAUBERSTAB, DEN ER ABER NICHT HATTE!

„Jilli," flüsterte Harry so leise wie möglich, damit ihre Angreifer ihr Gespräch nicht mithören konnten. „Kannst du deine Magie nutzen? Jetzt?"

„Nein," flüsterte sie sehr zu seinem entsetzen und erneute Panik breitete sich in ihm aus. Nein? Sie konnte doch wieder sehen? „Harry... Ich kann diese Magie im Moment nicht anwenden..."

„Warum nicht?" flüsterte er verwirrt. Jilli hatte ihre Hand fester an seine Schulter gekrallt.

„Ich hab etwas getan... es tut mir leid, ich ahnte nicht, dass -"

Noch bevor sie den Satz vollenden konnte, hatte Bellatrix angegriffen und ein heftiger Stoß riss beide von den Füßen und auseinander. Ein weiterer Fluch. Es war Snape's Stimme und Harry knallte mit dem gesamten Körper gegen einen Baumstamm. Er keuchte, stöhnte.

„Harry!" hörte er die verängstigte Stimme seiner Schwester. Jilli hatte sich mit Müh und Not aufrichten können und wollte zu ihm rennen, aber Pettigrew hatte sich ihr in den Weg gestellt und sie davon abgehalten zu ihm durchzukommen. Er warf sie zu Boden und richtete den Zauberstab gegen die Hexe als Warnung sich nicht noch mal zu rühren.

Harry drückte sich auf und sah Blut am Boden. Seine Lippe fühlte sich merkwürdig an und als er mit seinem Handrücken rüber strich, sah er auch warum. Sie musste aufgeplatzt sein und bluten.

„Nein!" rief Jilli erneut als Harry von jemanden gepackt und wieder zu Boden geschmissen wurde. Rudolphus Lestrange.

„Crucio!" rief der Todesser und Harry schrie aus voller Kehle. Er hätte es nicht unterdrücken können, egal, wie sehr er es wollte. Die Qual, die durch seine Muskeln schoss war mehr als er hätte ertragen können. Er hörte Jilli schreien, dass sie aufhören sollten und sah wie Pettigrew sie erneut zu Boden warf als sie versuchte auf Lestrange loszugehen. Die Folter stoppte, der Schmerz aber klang nach. Verschwommen nahm er Snape neben Lestrange wahr und beide blickten ihn herablassend an.

„Nun solltest du keine Probleme damit haben, herauszufinden, was der Junge weiß," sagte Lestrange höhnisch. Snape schnaubte verächtlich.

„Das hätte ich auch herausgefunden ohne deine stümperhafte Vorarbeit."

„Weil deine Legilimentik auch so gut bisher bei dem Jungen funktioniert hat," entgegnete dieser arrogant. Er warf einen weiteren überheblichen Blick zu Harry hinab, dann trat er von ihm weg und obwohl Snape nach wie vor bei ihm stand, war die Aufmerksamkeit des Gryffindor's auf seine Schwester gerichtet, zu der Lestrange geschritten war. Er zog sie auf die Beine, obgleich sie sich gegen ihn wehrte. Panik keimte in ihm auf zu was der Todesser alles fähig war ihr anzutun, doch noch bevor Harry es schaffte sich ansatzweise aufzurichten, spürte er das grauenvolle Stechen in seinem Kopf.

„Legilimens."

Verschließ dich! Verschließ dich! Lass ihn nicht sehen, was er sucht. Er darf es nicht wissen! Verschließ dich! Verschieß dich! Keine Panik... bleib ruhig... bleib ruhig... White's Stimme, die ihn aufforderte ruhig zu bleiben, sich zu konzentrieren. Verschließen ging nur durch Konzentration. Er sah nicht mehr die Todesser hier, nicht mehr seine Schwester, nicht mehr den Wald.

Willst du nicht, dass man wahllos deine Gedanken durchforstet, zeige deinem Gegenüber etwas, dass er sehen soll. Es muss nichts reales sein.

Das war es, was White ihm einmal gelehrt hatte als er ihr gestand, dass er nicht gut im Verschließen war und Snape jedes Mal in seine Gedanken eindringen konnte.

Ich persönlich empfinde Genugtuung darin dem Eindringling etwas zu zeigen, was er nicht sehen will. Seine schlimmste Befürchtung, Erlebnis, was auch immer ihn selbst belastet. Wenn du es kennst, verwende es gegen ihn. Es ist nicht nett, aber ein Todesser ist das selber auch nicht.

Harry tat dies. Er konzentrierte sich auf diese eine Erinnerung, die er im Bezug auf Snape besaß – Sein 15jähriger Vater, der den 15jährigen Snape am See vor allen Mitschülern schikanierte...

Der Todesser war nun wütend, gar zornig, seine ganzes Gesicht wirkte wie die eines Verrückten.

„Du wagst es!" donnerte sein Gegner und das Stechen stoppte. Snape hatte den Zauber beendet und hatte angesetzt einen Fluch auf ihn zu hetzen, da hielt ihn ein lautes, dreckiges Lachen davon ab. Es war Lestrange, der ihn auslachte.

„Genial!" lachte der Todesser. „Nicht mal mit Vorarbeit bist du dazu fähig? Ehrlich, Snape. Das ist ja köstlich. Du versagst wirklich auf ganzer Linie."

Harry konnte es nur recht sein, dass die beiden sich gegenseitig niedermetzelten. Das gab ihm zumindest eine Verschnaufpause. Er blinzelte, um wieder eine klare Sicht zu bekomme – und keuchte. Jilli! Sie lag am Boden. Harry riss sich zusammen und drückte sich mit Müh und Not auf. Was hatte Lestrange mit ihr gemacht?

„Eigentlich wollte ich die Kleine vor deinen Augen töten," zischte Lestrange. Die beiden Todesser hatten aufgehört einander zuzusetzen als Harry sich bewegte. „Euer Glück, dass der dunkle Lord offenbar mehr will. Ich soll euch beide zu ihm bringen."

Er nickte Pettigrew hinter Harry zu, welcher den Jungen packte und zurück an einen Baum riss, wo auch Jilli gelegen hatte. Er war so überrumpelt von ihrer Lage, Harry wehrte sich kaum gegen Pettigrew's grobe Art.

Was würde nun passieren? War ihnen wirklich niemand gefolgt? Kam ihnen tatsächlich niemand zur Hilfe? Ließ White es einfach zu, dass Jilli und er nun zu Voldemort gebracht wurden und dieser sie beide dort umbrachte? Konnte White überhaupt noch etwas tun, wenn sie erst mal in Voldemort's Gefangenschaft waren? Er war selber Schuld. Hätte er doch etwas zu ihr gesagt, vielleicht wäre nichts passiert. Vielleicht wäre es nur eine leere Drohung von Bellatrix geblieben? Er kannte die Antwort nicht, aber irgendetwas sagte ihm, dass er es bald herausfinden würde.


Sie befanden sich noch immer im verbotenen Wald und von dem, was Harry noch von ihrem Gespräch mitbekam, konnte keiner von ihnen einen Portschlüssel aufbauen, der sie in eine Gegend aus dem verbotenen Wald brachte. Harry saß neben seiner bewusstlosen Schwester und hatte sie immer wieder mal besorgt angesehen in der Hoffnung, dass sie wieder zu sich kam. Er war kein Heiler und konnte weder sagen, ob sie unter einem Fluch stand noch, wie schlimm ihr Zustand war. Er hatte versucht sie zu wecken, an ihr zu rütteln, aber sie gab kein Lebenszeichen von sich. Allein ihr atmen verriet ihm, dass sie zumindest noch am Leben war.

Pettigrew stand die ganze Zeit unweit von ihnen entfernt und hatte stets ein Auge auf die beiden. Er hatte das Gefühl Stunden gebangt zu haben ohne dass etwas passierte als Jilli sich endlich rührte. Harry und Pettigrew hatten sich ihr zugewandt als sie ihre Augen öffnete und sich langsam wieder mit Harry's Hilfe aufrecht aufsetzen konnte

„Alles okay?" fragte er seine Schwester besorgt. Pettigrew hatte beide argwöhnisch beobachtet, sich dann aber wieder abgewandt. Snape und die Lestranges hatten ebenfalls kurz hergesehen, verloren aber sofort wieder das Interesse und verfielen wieder in das Gespräch untereinander.

Jilli atmete einige Male tief durch und blinzelte, um sich wieder zu fangen. Sie sah sich um bevor sie sich zurück an ihren Bruder wandte.

„Wir sind gefangen worden, nicht wahr?"

Er nickte.

„Bist du okay?" wiederholte Harry und beruhigte sich erst als sie nickte.

„Bellatrix hat mich angegriffen. Hat mich sofort umgehauen," erklärte sie zaghaft. Sie lehnte sich an den Baumstamm, um sich anlehnen zu können und erst dann schaffte sie es ihre Miene in den Griff zu bekommen und nicht mehr ganz so auszusehen als ob ihr immer noch jeder Knochen weh tat. Nachdem sie sicher gegangen war, dass Pettigrew sie nicht hören konnte, senkte sie ihre Stimme und sah zurück zu Harry.

„Ich brauchte etwas Blut von mir selbst für einen Trank," flüsterte sie so leise wie möglich, warf aber immer wieder mal einen Blick zu den Todessern rüber. Obwohl er sie verwirrt ansah und offensichtlich nach einer Erklärung forderte, wusste er, dass sie es nicht geben würde. Nicht, wo die Gefahr bestand, dass sie belauscht wurden und der Trank für sie wichtig genug war, damit sie sich selbst in Gefahr brachte.

„Es setzt deine Magie aus?" flüsterte er leise. Jilli schüttelte den Kopf.

„Nur einen Teil – Dummerweise ist das der Teil, der uns hier herausgebracht hätte."

Harry verzog eine schiefe Grimasse. Ja, das musste ja so kommen.

„Wieso hast du das ausgerechnet jetzt gemacht?"

„Hätte ich gewusst, was passiert, hätte ich das nicht gemacht," murmelte sie schmollend, aber Harry schüttelte leicht amüsiert den Kopf.

„Ich mein, warum du das überhaupt gemacht hast?"

„Der Trank ist wichtig... für mich, weil -"

Sie stoppte als die Todesser herkamen und beide auf die Beine zogen.

„Zeit zu gehen. Der dunkle Lord hat jemand anderes beauftragt, sich um euch zu kümmern, bis er zurückkommt."

Ein Wind erfüllte die Gegend und aus dem Nichts erschien die ewige Phowlyris. Sie schritt auf die beiden zu, ihr Blick gierig und fesselnd auf die zwei Gefangenen gerichtet. Jilli und Harry tauschten vorsichtige Blicke miteinander aus. Todesser alleine waren schon unschön, aber die ewige Phowlyris dazu war das Letzte, was irgendein Mitglied aus dem Orden in der Nähe haben wollte. Sie grinste verschmitzt und blieb bei der kleinen Gruppe schließlich stehen.

„Ihr solltet gehen. Ich übernehme ab hier."

„Sicher, dass du alleine beide überhaupt im Auge behalten kannst?" spottete Lestrange. Die ewige Phowlyris blickte herablassend zurück.

„Ich bin nicht alleine."

Sie alle wandten sich zur Seite und erst jetzt sah man, dass die Kreatur nicht alleine gereist war, sondern ein weiterer Zauberer in der Nähe stand. Keiner hatte ihn überhaupt wahrgenommen oder hatte er sich bisher nur versteckt gehalten? Der Mann hatte schwarze, kurze Haare, eine sehr bullige und muskulöse Statur, seine Miene aber war finster und alles andere als freundlich. Bei seinem grimmigen, kalten Blick hatte Harry das Gefühl in Eiswasser einzutauchen.

„Unmöglich," sagte Jilli vollkommen entgeistert und Harry wandte sich ihr verwundert zu. Sie starrte den Zauberer entsetzt.

„Er ist tot..." fügte sie ungläubig hinzu. Der Zauberer hatte sich nicht gerührt, stattdessen ruhte sein durchdringender Blick auf Harry, welcher zwischen seine Schwester und dem neuen Gegner hin und her blickte.

„Wer ist das?" fragte er sie leise. Jilli zögerte und Harry sah Angst in ihrem Gesicht aufkeimen. Panische Angst.

„Dumbledore's Enkel... und Anna's Vater und er sollte eigentlich tot sein, denn ich war dabei als unser Vater diesen Todesser getötet hat," antwortete sie in Gedanken versunken. „Allan White."

„Das ist korrekt," sagte die ewige Phowlyris, welche im Gegensatz zu allen anderen um die beiden herum, gehört hatte, was Harry und Jilli miteinander flüsterten. Sie blitzte die beiden verstohlen an.

„Es ist Allan White, Dumbledore's Enkel und White's Vater und er ist nicht tot."

Harry wusste nicht viel von diesem Zauberer, nur das, was ohnehin bereits gesagt wurde. Doch die Furcht, die Jilli hier zeigte, ließ ihn erahnen, dass viel mehr dahinter steckte, was ihn keiner erzählt hatte. Der totgeglaubte Zauberer ging auf die Gruppe zu und gleichzeitig war Jilli instinktiv vor ihm zurückgewichen. Er hielt jedoch nicht bei ihnen an, sondern krallte sich Jilli am Arm und zog sie mit sich.

„Wir gehen!" bellte er verärgert, schnappte sich mit der anderen Hand Harry's Arm und zerrte ihn gleichfalls mit sich zur Phowlyris rüber. Im Bruchteil einer Sekunde fiel eine Schwerelosigkeit über ihn herein. Alles drehte sich vor seinem Auge und er konnte weder eine Person, noch etwas aus der Gegend ausmachen. Es mischte sich ein dringendes Bedürfnis sich zu erbrechen mit rein, doch noch bevor es dazu kam presste ihm etwas die Luft aus dem Magen und er landete auf alle Vieren.

Harry schnappte nach Luft und keuchte. Mit dieser Phowlyris zu reisen war ja noch schlimmer als er es sonst von Jilli oder Steward kannte. Er konnte erst wieder klar denken als er White's laut donnernde Stimme hörte. Ein Seitenblick und er sah, wie der Zauberer das Handgelenk seiner Schwester in seinem Griff fest drückte und sie herrisch anbrüllte. Die Gegend war ihm nicht vertraut, aber sie befanden sich nicht mehr in einem Wald. Sie waren in irgendeiner Hütte.

„16 Jahre musste ich darauf warten. 16 lange Jahre. Jetzt mach ich dem ein Ende."

„Sie sind tot!" brüllte Jilli zurück und versuchte simultan sich aus seinem brutalen Griff zu befreien. „Ich war dabei als mein Vater sie getötet hat. Sie waren tot."

„Tot?" bellte er höhnisch. „Der Vorteil, wenn man an den dunklen Lord glaubt und folgt, wie ich es tue. Es gibt keinen Tod für uns."

Harry kämpfte sich auf die Beine und wollte den Todesser von seiner Schwester wegstoßen, da überkam ihm mit einem Mal ein schrecklicher Muskelkrampf. Er fror ein und es gelang ihm nicht nur sich nicht mal einen Zentimeter zu bewegen, ein Feuer zog zudem durch seine Venen hindurch, das ihn förmlich innerlich schreien ließ. Er sah die ewige Phowlyris, die ihm ihre Handfläche entgegen gestoßen hatte und dabei scharf musterte. Sie hatte ihn erstarren lassen.

„Harry!" rief Jilli panisch. Sie versuchte sich mit aller Kraft loszureißen, doch White ließ das nicht zu. Stattdessen riss er sie zu Boden, zuckte seinen Zauberstab und richtete ihn auf die Hexe zu seinen Füßen.

„Legilimens!"

Es war das letzte was Harry mitbekam bevor er vor Qual das Bewusstsein verlor und ihm schwarz vor Augen wurde.