Nächstes =)
Review:
Mannequin: Huhu =)
Ach, das ist Heuschnupfen. Dacht mir schon, dass es für ne Erkältung einen merkwürdigen Verlauf nimmt. Dachte aber auch nicht daran, dass es Heuschnupfen bei mir ist, weil sooooo mild war der Winter dieses Mal ja nicht und bisher kam immer die Erklärung für die frühzeitigen Pollen, dass es dem milden Winter geschuldet ist. War ja dieses Jahr alles andere als mild. Mist =.=" Jah, leider hat mich die Pollenallergie auch jedes Jahr wieder irgendwie im Griff. Wie läuft es denn bei dir gerade so? Nimmst du etwas gegen den Heuschnupfen oder geht es auch ohne Medikamente? Der Schnupfen an sich war nicht so schlimm bei mir. Der Husten störte schon mehr. Trink halt mehr Tee mit Zitrone, weil ich dachte, es wäre ne Erkältung Öö Ich glaub, Vitamin C bringt bei Pollenallergie nicht viel.
Err, ne, eine andere bekannte Gruppe ^^ Tria und Joe gehörten/gehören den weißen Auroren an.
Harry hatte einfach Angst, dass Bellatrix Fluch auch den geringsten Versuch White einen Wink zu geben von ihm mitkriegen würde. Wenn es um Jilli geht, handelt er nicht rational, genauso wenig, wie sie es im Bezug auf ihn tut. Die beiden haben hier eine sehr enge Verbindung zueinander, weswegen er sie auch sofort ins Herz schloss, kaum, dass er sie kennengelernt hatte und warum Jilli das Band nicht mehr im Gleichgewicht halten konnte, eben weil sie einander so gern haben. Einfach ist es nicht, aber erklärbar, hoff ich jedenfalls. Das war wichtig, um noch einen neuen Charakter einzuführen.
Nope, du liegst ganz richtig. Ich mein, Peter ist noch immer ein Anhänger Voldemorts und führt die Befehle von ihm aus. Jilli gegenüber fällt es ihm jedoch schwerer als es bei Harry der Fall war und das nun war auch ihre erste Konfrontation seit dem Tod von Lilli und James. Das lag für mich daran, dass Jilli damals schon älter als Harry war und ich glaub, gerade in dem Alter (also zwischen 3 und 4), wusste Jilli genau ihre Niedlichkeit auszunutzen, damit auch Peter sie ins Herz schloss. Was er Harry beim Ritual angetan hat, hätte er bei Jilli nicht einfach so tun können. Ich denk, dass es jedem Erwachsenen, der auch nur das geringste Herz besitzt, es schwer fallen würde jemanden zu verletzen, den er als kleines Kind kannte und mochte. Und Jilli wusste sehr wohl, wie sie alle Erwachsenen dazu brachte, sie gern zu haben XD
Schon XD Ich weiß gar nicht, ob ich mir das vorstellen könnte, dass unter Todessern so was wie Loyalität und Freundschaft existiert. Gegenüber Voldemort, ja, aber gegenüber dem anderen? Ich kann mich jedenfalls auch nicht daran erinnern, dass in den Büchern irgendwo die Rede von Zusammenhalt war. Daher eher schön den anderen fertig machen und schikanieren, damit man selber höher und besser dasteht.
James wird Allan White in CofX noch töten, also „töten" ^^ . Es ist noch nicht passiert, sondern gehört zu den letzten Kämpfen in den letzten Kapiteln. Allan White ist für mich ein zu starker Charakter, als dass er von einem anderen Todesser oder Voldemort aus Versehen hätte getötet werden können. Genauso wenig von einem beliebigen Auror oder anderen schwächeren Charakter. Dumbledore und Anna hätten es nie getan, wegen Vater-Sohn und Vater-Tochter Beziehung. Das hätte keiner von beiden über sich gebracht. Remus seh ich schon als schwächer als Allan White an, was die Magie betrifft, und Sirius würde ich eher dasselbe wie bei Dumbledore und Anna sagen, nur eben Schwiegervater-Schwiegersohn Beziehung. Obgleich Allan und Anna einander verabscheuten und keine Liebe füreinander empfanden, der Beziehung von Sirius und Anna hätte das kaum gut getan, wenn Sirius ihren Vater tötet. Blieben also nur Lilli oder James, die ihm den Garaus machen.
Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßchen
Chapter 34 – Crystal Charm III
Bilder... viele Bilder, die vor seinem geistigen Auge auftauchten, Szenen, die vorbeizogen und Gefühle, die er damit verband. Seine Eltern, die ihn und seine Schwester umarmten. Er fühlte sich geliebt, wohl, glücklich.
Seine Schwester, die ihn vertraut und warm anlächelte. Ginny, die in seinen Armen lachte, ihn mit ihren Händen an den Wangen umschlang und anstrahlte. Sie war so bildhübsch. Hermine und Ron, mit denen er heiter mitten im Gemeinschaftsraum lachte. Immer würden sie seine besten Freunde bleiben und er würde ihnen immer ohne Grenzen vertrauen.
Luna und Neville, mit denen er im Zug in einer Kabine saß. Sie waren Freunde, gute und enge Freunde. Brian, der vor ihm stand und frech grinste. Kila, die scheu und eingeschüchtert bei ihm stand. Dumbledore, der ihm vom Lehrertisch aus in der großen Halle beim Essen beobachtete. Seine Großeltern, die er nur dank White's Erinnerungen leibhaftig sehen konnte. Auch sie lösten in ihm diese familiäre Wärme aus. Er mochte die beiden und fühlte sich ihnen auch sofort verbunden.
Remus und Sirius, die bei ihm standen, und welche beide für ihn Vaterfiguren darstellten. Hagrid, der neben ihm herging und obgleich er so groß war ihm wie ein verspieltes Kind vorkam.
Die Weasleys, die für ihn zur Ersatzfamilie geworden waren und ihn auch genauso behandelte. Die junge 18jährige Professor White und die 37jährige Professor White, ergraut, älter, finsterer.
Harry öffnete mit einem Schlag die Augen und schluckte. Es fühlte sich an als ob er von irgendwo herausgerissen worden wäre und nicht mehr wusste, wo er nun war.
„Harry," hörte er die sanfte, besorgte Stimme seiner Schwester. Er drehte sich mühsam zur Seite und erkannte sie direkt neben ihm knien. Sie half ihm sich aufrecht hinzusetzen und erst jetzt erkannte er, dass sie noch immer in der Hütte waren, wo man sie vorher hingebracht hatte.
„Kam noch keiner zu unserer Rettung?" bemerkte er mulmig. Jilli schüttelte niedergeschlagen den Kopf.
„Sollte denn jemand auftauchen?" fragte sie verwirrt. Harry lächelte schief.
„Wir hatten einen Plan," krächzte er anstrengend. Diese Starre war schlimmer als beim letzten Mal. Die Nachwirkungen waren spürbar und schmerzhafter. „Aber das hat wohl nicht funktioniert. Phowlyris können wohl nicht mit Portschlüssel reisen nehm ich an?"
„Anna hatte also gehofft, Kaylar könnte über die Phowlyris Ebene mit dir mitreisen..." stellte sie nachvollziehbar fest. Harry fiel erschrocken auf, dass sie eine Beule an der rechten Stirn hatte und sichtbare rötliche Abdrücke an Handgelenken und Hals.
„Jilli. Hat der Mistkerl dich -"
„Es ist okay," unterbrach sie ihn jedoch, bevor er seinen Verdacht aussprechen musste. „Und er hat nichts herausbekommen, was er nicht schon wusste," fügte sie mit dem Anflug eines triumphierenden Lächelns hinzu. Harry sah sie verwundert an. „Er hat Legilimentik bei mir angewandt, aber alles was er sehen konnte war sein eigener Tod... Oder zumindest den Teil, wo Dad ihn in den Abgrund stieß. Ich versteh nicht, wie er noch leben kann. Ich mein, gut, wir haben seine Leiche nicht mitgenommen und begraben, weil wir mitten im Krieg mit den Todessern standen, aber – alle waren sich sicher. Sogar Anna."
„Hat Dad ihn mit dem Todesfluch erwischt?"
„Err – nein. Hat er nicht. Dad hat diesen nur einmal benutzt und auch absichtlich an den Gegner vorbei und danach nie wieder. Verbot auch mir ihn je zu benutzen und – Ach ja -" Sie wandte sich ihm mit sehr ernster und fast tadelnder Miene zu. „Ich soll es dir von ihm verbieten, falls er es vergessen sollte."
Irgendwie entlockte es ihm mehr ein Grinsen als dass er es wirklich ernst nahm oder das Gefühl hatte als ob es wirklich eine Forderung war.
„Er sagte, dass es nichts gutes ist und nichts auf der Welt es wert sei, sich selbst zu verraten, indem man diesen verbotenen Fluch benutzt. Dad war nur nicht er selbst als die beiden miteinander gekämpft haben. Ich mein, wer wäre noch rational gegenüber dem Todesser, der ihn nur kurz zuvor fast zum Wahnsinn gefoltert hat. White fiel in die Tiefe und war definitiv tot."
„Voldemort scheint einen Weg gefunden zu haben White doch noch zu retten," sagte Harry nachdenklich und Jilli verzog unzufrieden eine Grimasse. „Glaubst du, dass auch White ein Horkrux von sich erstellt hat?"
Sie sahen einander mit banger Miene an und es brauchte keine Antwort, um zu wissen, dass sie dasselbe dachten. Harry hatte recht und das war die einzig mögliche Erklärung.
„Glaubst du, er hat das bei mehreren Todessern gemacht?"
Es war ein schrecklicher Gedanke, aber Jilli schüttelte den Kopf.
„Ich glaub nicht. Keiner von uns wusste lange Zeit, dass er seine Seele gespalten hatte. Seine Todesser wissen es bis heute nicht. Er wollte ewig leben und dieses Geheimnis mit ihnen zu teilen hätte ihn verwundbar gemacht.
Allan White war jedoch schon immer ein sehr spezieller Todesser für Voldemort. Er war nicht nur einer der Ersten und Treuesten. Allan White ist Dumbledore's Enkel und er war im Gegensatz zu all den anderen immer dazu in der Lage gewesen, seine Befehle auszuführen. Zwischen den beiden existierte – oder existiert, nachdem er offenbar nicht tot ist - eine sehr spezielle Art von Loyalität und Verbindung. Voldemort war derjenige, der es Allan White erst eingetrichtert hat, Anna auf diese spezielle Weise mit den dunklen Künsten auf die Welt zu bringen.
Wenn Allan White ein Horkrux von sich erschaffen hat, dann glaube ich, ist er der einzige Todesser, dem Voldemort das ermöglicht hat. Die anderen haben nicht die nötige Magie dazu. Allan White könnte es dagegen haben. Als Dumbledore's Enkel."
Harry nickte grimmig bis ihm auffiel, dass sich kein Todesser auch nur in ihrer Nähe befand.
„Wo ist er?!"
„Keine Ahnung. Draußen nehm ich an. Bringt nichts abhauen zu wollen. Aus dieser Hütte kommt keiner raus. Seine Zauber sind noch genauso stark wie früher. Habs schon probiert."
Harry richtete sich auf und schritt im Raum umher. Er war sich nicht sicher, was er zu finden glaubte, aber länger sitzen und nichts tun hätte er genauso wenig gekonnt.
„Ist viel Zeit vergangen?" fragte er nebensächlich. Ihm fiel auf, dass die Hütte bis auf ein paar wenige, alte und kaputte Möbel relativ leer war. Hier und da machte er getrocknete Blutflecke aus, was nicht unbedingt Zuversicht auslöste.
„Es ist noch immer dunkel. Ich denke, ein paar Stunden vielleicht."
Er setzte sich zu ihr zurück, machte es doch ohnehin kein Sinn sich hier noch weiter umzusehen. Es gab nichts, was ihnen zur Flucht hätte verhelfen können.
„Sagst du mir jetzt, was das für ein Trank ist, wofür du ein Teil deiner Magie aussetzen musstest?"
„Für Anna. Ich will, dass sie am Leben bleibt," sagte Jilli vorsichtig und sehr zu seiner Überraschung. Das konnte Harry auch nicht verbergen. Sprachlos starrte er seine Schwester an und sie lächelte scheu.
„Ich hab nachgelesen, weißt du. Über diesen Trank, der ihr die Seele zurückgab. Hab das Exemplar von Dumbledore gefunden. Es ist schwer, sehr schwer sogar. So was komplexes hab ich noch nie vorher gebraut. Ich hab lange gebraucht, um ihn zu verstehen, aber ich denke, ich weiß, was bei Snape falsch gelaufen ist.
Ich bin dabei einen Trank zu erschaffen, der den Teil ihrer Seele heilen lässt, der nicht heilen konnte. Wenn alles gut geht, dann stirbt sie nicht so früh, sondern bekommt noch mal etwas mehr Zeit."
„Das kannst du?!" fragte er sichtlich erstaunt. „Einen Trank erschaffen?"
„Du kannst es auch erfinden nennen, wenn das passender oder zutreffender für dich klingt?"
„Erfinden, erschaffen. Egal, wie du's nennst – Du kannst so was?!"
Jilli schien immer noch nicht zu verstehen, woher seine Verwunderung kam, denn sie benahm sich auch nach wie vor nicht so als ob dies etwas besonderes wäre. Mehr als ob sie glauben würde, er hänge sich tatsächlich an ihrer Beschreibung auf.
„Jeder kann das. Man muss es nur gewissenhaft genug tun. Das Wissen für den Trank hab ich mir in den letzten Wochen angeeignet und die meisten Zutaten hab ich mittlerweile auch zusammen bekommen. Es fehlen noch wenige, aber – Ich war zuversichtlich, dass ich das hinkriege. Du glaubst also nicht, dass ich das tun sollte?"
Mit einem Mal bekam er ein schlechtes Gewissen als er die Zweifel bemerkte, die er in ihr schürte und schüttelte sofort den Kopf.
„Doch, natürlich," sagte er übermäßig entschlossen, was sie ihm eindeutig nicht abnahm. Er versuchte es gemäßigter. „Ich meine... Es hat mich nur überrumpelt. Wir brauen die Tränke doch nur aus Büchern, die irgendwer erfunden hat, den wir nicht kennen und der total bekannt oder groß ist. Und dich kenne ich. Du bist meine Schwester."
Jilli lächelte geschmeichelt.
„Weiß Professor White und Sirius davon?"
„Nein, noch nicht," sagte sie sanft. „Ich hab nicht mal Remus oder Yuno oder gar Brian davon erzählt. Du bist der Erste."
„Wieso nicht? Sirius und Brian würden sich bestimmt freuen. Brian und Professor White könnten dir doch garantiert sogar helfen?"
Jilli schüttelte bedrückt den Kopf.
„Im Zaubertrankmischen bin ich besser als Brian und ich hab ihnen bisher nichts davon erzählt, weil einige Zutaten eben nicht ganz leicht zu beschaffen sind. Wie der Teil meiner Magie. Ich will nicht riskieren, dass sie mir das wieder ausreden. Vor allen Dingen bei Anna weiß ich nicht mal, ob sie den Trank überhaupt zu sich nimmt, wenn er fertig gebraut ist. Dachte, vielleicht jubel ich ihn ihr einfach irgendwie in den Orangensaft oder in den Tee."
Harry grinste amüsiert. War das wirklich ihr ernst?
„Wieso sollte sie ihn nicht trinken? Wenn du sagst, wozu der Trank ist, wird sie ihn doch bestimmt wollen? Professor White wirkte auf mich jedenfalls nicht wie jemand, der sich darüber freut demnächst den Löffel abgeben zu müssen."
„Ich meinte auch mehr, dass sie kaum einen von mir erfundenen Trank zu sich nehmen würde, wenn es durchaus Nebenwirkungen haben könnte."
„Kann es?"
„Jeder Trank kann Nebenwirkungen haben," sagte sie eindringlich. Harry schraubte sein Grinsen wieder ab und sah sich stattdessen erneut um. Noch war niemand weit und breit aufgetaucht, auch nicht, wenn man aus dem Fenster blickte.
„Es tut mir leid, Harry."
Auf einmal blickte er verwirrt zurück zu ihr.
„Was meinst du?"
„Wir wären nicht beide in dieser Situation, wenn ich vorsichtiger gewesen wäre. Stattdessen konnten mich die Todesser überrumpeln."
„Ach Quatsch," sagte er sofort und das meinte er auch so. Nicht eine Sekunde gab er ihr die Schuld daran, dass sie hier gefangen waren. „Du dachtest, du triffst Sirius."
Jilli gab sich immer noch die Schuld an ihrer Lage und Harry wusste nicht, was er hätte sagen können, damit sie es nicht mehr tat. Er beschloss sie einfach abzulenken.
„Was glaubst du, wann der Teil deiner Magie wiederkommt, der uns hier raus bringen könnte?"
Sie seufzte und verzog eine unangenehme Grimasse.
„Wenn wir Glück haben, noch bevor Allan White wieder zurückkommt?"
„Wenn wir Pech haben, erst danach und zu spät," beendete er ihren Satz und ein betrübtes Nicken ihrerseits zeigte, dass er recht mit seiner Vermutung hatte. Nun seufzte auch Harry und lehnte sich an der Wand neben ihr an.
„Kann ich irgendetwas tun, um das zu beschleunigen? Das Band zwischen uns wieder durcheinander bringen oder so?"
Jilli schmunzelte amüsiert.
„Leider nein, Brüderchen."
„Schade."
Und so saßen beide weiterhin nachdenklich im Raum und warteten darauf, dass etwas passierte. Vorzugsweise, dass jemand kam, um sie aus der Hütte zu befreien.
Die Starre war erschöpfend und ihm wurde gar nicht bewusst, dass er irgendwann erneut eingenickt war. Er wachte erst auf nachdem es hell geworden war. Jilli stand woanders im Raum am Fenster und die Sonne schien herein.
„Verdammt," fauchte er mürrisch und sprang sofort auf die Beine. „Bin ich wirklich eingeschlafen?"
„Nur kurz," entgegnete Jilli mild, aber wenn das letzte woran er sich erinnerte Dunkelheit war und nun Tageslicht den Raum flutete, war kurz wohl die am wenigsten treffende Beschreibung seiner Fehlzeit. Das sagte sein Ausdruck wohl auch aus, denn seine Schwester verbesserte sich mit unschuldigem Blick. „Okay, wahrscheinlich etwas länger. Ich hab keine Uhr und ein sehr schlechtes Zeitgefühl. Allan White und die ewige Phowlyris sind bisher nicht zurückgekommen. Denke, das ist was gutes."
Er schritt zu ihr rüber und warf gleichfalls einen Blick aus dem Fenster in die Gegend hinein. In einem Wald befanden sie sich nach wie vor, nach dem verbotenen Wald, den Harry mittlerweile sehr gut kannte, sah es jedoch nicht aus. Die Bäume waren trocken, dunkel, keine frisches Gras blühte weit und breit.
„Du musst ziemlich erschöpft gewesen sein," sagte sie mitfühlend. Er sah sie mit schuldigem Blick an, denn immerhin war sie nicht eingeschlafen und das obwohl sie wohl mindestens genauso müde und kraftlos war.
„Tut mir leid, ich -"
„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen," sagte Jilli jedoch und das meinte sie auch ernst. „Du wurdest mit der Phowlyris Starre belegt und das würde jeden umhauen. Kostet auch enorme Kraft und manch anderen hat es schon mal umgebracht."
„Ach ja?" fragte er pessimistisch aber Jilli nickte erneut fest. Harry beschloss es damit gut sein zu lassen und da nach wie vor niemand auftauchte, noch seine Schwester ihre Flugfähigkeit wiederbekam, ging er auf etwas anderes ein, was ihm wieder einfiel.
„Kennst du eigentlich June Stone?"
„Juny? Natürlich. Wieso? Wie kommst du gerade auf sie?"
„Juny?" wiederholte Harry schmunzelnd, aber auf den schrägen Blick seiner Schwester hin, warf er seine Gedanken beiseite und kam wieder zum eigentlichen Punkt zurück.
„Hab nur was gelauscht als Sirius Remus fragte, ob wir uns schon einander vorgestellt wurden und er aber meinte, dass bisher nie die Zeit dazu war. Steh ich in einem bestimmten Verhältnis zu ihr, dass ich sie kennen sollte?"
Jilli dachte kurz nach und wippte zögerlich mit dem Kopf hin und her.
„Verwandt sind wir mit ihr nicht... Nicht direkt jedenfalls oder so, wie man verwandt definiert. Juny ist die Patentochter von Dad."
„Patentochter?" wiederholte Harry verwirrt. „Unsere Eltern hatten eine Patentochter?"
„Eigentlich nur Dad. Obwohl ich nicht weiß, ob die Pflicht nicht auf den Partner übergeht, wenn man heiratet, aber – damals, nur Dad. Wie so viele andere Kinder, die im ersten Zaubererkrieg auf die Welt kamen, hatte es auch Juny nicht leicht. Keine Ahnung, wer ihre richtigen Eltern sind. Die Cousine von Dad's Patenonkel hat sie damals adoptiert, aber da sie ledig und schon sehr alt war, fragte diese Dad, ob er nicht Patenonkel sein möchte.
War für sie am naheliegendsten. Als Hilfe für den Fall der Fälle. Dad sagte zu.
Juny lebt in Deutschland, aber Dad hat sie ab und zu mit uns allen besucht als ich noch klein war. Nach dem Tod unserer Eltern hab ich Juny auch noch das ein oder andere Mal getroffen. Als ich später dann nach Beauxbatons ging öfterer. Frankreich und Deutschland sind nicht so weit voneinander entfernt wie England und Frankreich. Juny ist toll. Du wirst sie mögen."
„Okay," sagte er nicht ganz so sicher. So wie Sirius klang, hegte Harry durchaus Zweifel an Jilli's Zuversicht. Das war an ihr nicht unbemerkt vorübergegangen und so blickte sie ihn überrascht an.
„Juny ist kein Todesser. Also Angst brauchst du bestimmt nicht vor ihr zu haben – Okay, sie ist ein wenig grob und benimmt sich mehr wie Hagrid, nur in weiblich – aber sonst..."
Er lachte nicht, so wie wohl von seiner Schwester beabsichtigt war, stattdessen atmete er betrübt durch.
„Ist nur... Es hört nie auf."
„Was hört nie auf, Harry?" fragte sie besorgt.
„Neues von Mum und Dad's Vergangenheit zu hören – ohne mich," antwortete er nachdenklich. „Zu wissen, dass mir das genommen wurde von Voldemort und – auch wenn ich es will – es mir jetzt nicht das bedeutet, was es womöglich sollte. Ist nur, dass was du von June Stone erzählst klingt... naja, ich fühle nichts. Nicht das, was ich womöglich tun sollte."
Er kam sich dumm vor, dass er es so ausgedrückt hatte, aber ihm war auch nichts besseres eingefallen. Jilli gegenüber war es für ihn in Ordnung, weil er wusste, dass sie ihn nicht verurteilte, sondern verstehen würde. Das hatte sie bisher immer getan.
„Ich denke, ich sollte mich freuen sie zu treffen. Aufgeregt sein oder so was. Aber ich tu's nicht. Ich will sie nicht kennenlernen. Mir wäre es lieber, wenn ich sie nie kennenlernen müsste."
„Du bist eifersüchtig," sagte sie sanft. Harry zuckte zusammen. Er fühlte sich ertappt, denn genau das war es, was er nicht aussprechen wollte, was es aber genau auf den Punkt traf.
„Du hast kein Grund eifersüchtig zu sein," fügte sie leise hinzu und hatte ihn nach wie vor warmherzig angesehen. Es zeigte, dass sie ihm dieses Gefühl nicht übelnahm, sondern wie erwartet mit Verständnis reagierte. Etwas, dass den kurzen Schock sofort linderte und ihn beruhigte.
„Juny, Kila, natürlich hat Dad sich um die beiden gesorgt und natürlich hatten sie eine gewisse Zeit miteinander. An erster Stelle aber kamst immer du, Mum und Ich für ihn. Natürlich kannten wir uns alle schon viel länger bevor du uns kanntest. Aber das heißt nicht, dass wir an dir vorbei gelebt haben oder nicht an dich gedacht hätten oder dass du uns egal warst. Juny wollte, dass du sie früher kennenlernst. Es sprach auch nichts dagegen, so wie es bei dir und mir der Fall war. Sie hat dich schließlich als Baby gekannt und -" Jilli lachte auf einmal heiter beim dem Gedanken an die Vergangenheit. „Sie war selber noch ein Kind, machte sich aber damals zu unserer selbsternannten Patentante und Beschützerin. Es war ihr egal, dass Anna, Sirius, Remus und Yuno von unseren Eltern dazu gemacht wurden. Sie machte sich einfach selbst dazu."
Harry versuchte zu lachen, aber es kam nur ein sehr schiefes und müdes Mundwinkelzucken heraus.
„Als du endlich in die Zaubererwelt eintratest, hatte sie sich für ein Auslandssemester in Hogwarts beworben und wurde sogar angenommen. Sie konnte es jedoch nicht wahrnehmen, weil ihre Adoptivmutter schwer krank wurde. Juny blieb zu Hause und kümmerte sich um sie.
Sie wollte dann zum Trimagischen Turnier rüber kommen. War schließlich erwachsen und fertig mit der Schule. Leider ist ihre Mutter gestorben. Dann kam Voldemort zurück. Der Orden des Phönix wurde einberufen und wir traten dem alle bei.
Die Ereignisse überschlugen sich. Aufträge hielten sie in Deutschland fest und es war einfach nie die Zeit dich zu treffen. Sie ist sich auch bewusst, wie schwer es ist jetzt noch in deinem Leben aufzutauchen und zu hoffen, dass du sie mit offenen Armen empfängst. Wir wussten beide, wie sehr du Freunde gebraucht hattest, gerade vor 2 Jahren als dir keine wegen Voldemort's Rückkehr glauben wollte.
Ich glaube, deswegen zögerte sie auch und hat dich auf Dumbledore's Beerdigung nicht mehr angesprochen. Ich hab auch gezögert..."
Die beiden sahen einander traurig an, dann aber nickte Harry, um zu zeigen, dass er verstand, was sie sagen wollte. Nicht, dass er weniger gekränkt war...
„Trotzdem glaube ich, Mum und Dad hätten gewollt, dass wir uns alle kennen und verstehen. Und dass wir zusammen gegen Voldemort stehen. Juny ist gut, weißt du. Viel besser und stärker im Duellieren als ich. Sie ist Aurorin im Deutschen Zaubereiministerium."
„Wieso haben Sirius und Remus nicht schon vorher von June erzählt?" fragte Harry brummig. Jilli zuckte die Schultern.
„Wo hätten die beiden denn anfangen sollen, wenn sie nie hier auftauchte? Sie hatten dir doch auch so schon kaum von Dad's Familie oder mir erzählt. Wie hätte es denn gepasst von einer Patentochter von Dad zu erzählen? Bei all dem Chaos was mit und nach Voldemort's Rückkehr passiert ist, ist es für sie sicherlich nicht so wichtig gewesen und eben untergegangen. Erwachsenen sind andere Dinge wichtiger als die, die uns wichtig sind."
Harry nickte verstehend. Ihre Argumentation war nachvollziehbar und nun, wo er wusste, dass June ebenfalls alle Elternfiguren verloren hatte, da fühlte er nicht mehr nichts. Er fühlte sich selbst schlecht, weil er vorher eifersüchtig auf sie war. Jilli hatte recht und das wusste er auch. Seine Eltern hätten nicht gewollt, dass er sich beleidigt irgendwo abschottet, nur weil alle anderen einander hatten und er 11 Jahre lang nur die Dursleys, für die er nichts als ein notwendiges Übel war. Dass er selbst nach Eintritt in die Zaubererwelt nichts mit ihnen am Hut hatte und sich eine eigene Welt aufbauen musste bis sie es endlich über sich brachten an ihn heranzutreten... Dass er sich in der vierten Klasse alleine fühlte, weil ihn jeder mied, weil sie glaubten, er hätte sich in das Trimagische Turnier getrickst... und eigentlich Unterstützung gebraucht hätte... Dass er sich in der fünften Klasse von allen verraten fühlte und alleine war, weil alle Welt glaubte, er sei irre geworden und Rückhalt mehr denn je gebraucht hätte! Halt! Stopp! Das war wieder sein Ego, dass gekränkt und kindisch reagierte...
Jilli hatte ihn plötzlich umarmt ohne etwas gesagt zu haben. Harry hingegen, so dämlich wie er sich gerade auch noch gefühlt hatte, drückte sie ebenfalls an sich und ließ seine Gedanken gut sein.
„Ich hab dich lieb, Brüderchen. Egal, was ist, okay? Du darfst dich so fühlen, wie du es tust. Aber schließ uns nicht aus."
Er wollte gerade sagen, dass er sie nie ausschließen würde, da wurde die Tür aufgerissen. Beide traten auf der Stelle wieder auseinander und starrten die Eindringlinge fest an. Es war wieder der Todesser Allan White, diesmal war er alleine. Harry bemerkte, dass White die geschlossene Schatulle in seiner Hand trug. Er legte sie auf den Tisch neben sich nieder, knallte die Tür hinter sich zu und setzte sich auf den Tisch neben der Schatulle. Sein Zauberstab rollte der Todesser dabei spielerisch zwischen seinen Fingern.
„Wisst ihr, was ich partout nicht verstehe?" begann der Todesser in einer ungewohnt netten Stimme, wobei nett hier relativ gesehen werden musste. Er war zwar nicht mehr laut und herrisch, arrogant aber nach wie vor sehr wohl.
„Wieso wählt ihr immer den harten Weg, wenn es auch leichter ginge? Wieso wehrt ihr euch auf Teufel komm raus, wenn ich am Ende doch immer das kriege, was ich will? Ich muss zugeben, es ärgert mich schon, dass ich mehr tun muss, aber ist euch das wirklich wert?"
Jilli und Harry starrten ihn finster an. Noch verstanden sie seine Worte nicht, aber beiden war bewusst, dass er am längeren Hebel saß und jeden Moment zeigen würde, was er damit meinte.
„Meine verdorbene Tochter hat euch beide in der Okklumentik gelehrt. Deswegen nutzt ihr auch beide dieselbe Verteidigung. Es gibt nur eines, das ihr nicht verstecken könnt. Es wird immer euer Schwachpunkt sein."
Der Todesser zog seinen Zauberstab und noch bevor einer reagieren konnte, hatte es Harry von Jilli weggerissen und er knallte mit voller Wucht an die hintere Wand. Er ächzte und keuchte, jeder Knochen tat ihm wieder weh. Der Sturz, der Aufprall, er hatte die Schmerzen wieder verstärkt, welche vorher gerade am abklingen waren. Jilli war zu ihm hergeeilt und hatte ihm geholfen sich wieder aufzurichten. Wieder starrten sie White an, wieder mit demselben finsteren, feindlichen Blick. Er aber schmunzelte zufrieden mit sich selbst.
„Jilli Potter, ich werde Legilimentik auf dich anwenden. Solltest du dich noch mal verschließen, wende ich als nächstes den Cruciatus Fluch auf diese Schmeißfliege neben dir an. Hast du mich verstanden?"
Harry und Jilli tauschten verängstigte Blicke miteinander aus. Das meinte er also. Ihre Sorge füreinander, das Wissen, dass sie alles für den anderen tun würden und einander nicht leiden sehen wollten, war ihre große Schwäche, die ihre Gegner ausnutzten, um sich ihre Informationen zu erzwingen.
„Schon okay," sagte Harry leise. „Ich steh das schon durch."
Das war gelogen. Er hatte panische Angst, aber das würde er keinem Todesser zeigen und schon gar nicht dem Mann, der Voldemort's engster Vertrauter war und ihn gerade selbst als Schmeißfliege bezeichnete. White lachte laut und dreckig auf.
„Tatsächlich?" sagte er zutiefst amüsiert. „Dann schauen wir mal, ob du genauso nachgibst wie dein dämlicher Vater! Cruc -"
„Nein!" rief Jilli fest und hatte sich schützend vor ihrem Bruder aufgebaut. Er starrte seine Schwester entsetzt an, während White den Zauberstab wieder runter nahm und äußerst genüsslich lachte.
„Nein?" wiederholte er arrogant.
„Jilli, tu's nicht," flehte Harry sie an, aber sie hatte ihn nicht mal angesehen. Stattdessen blieb sie vor ihm stehen und versperrte damit White's Blick auf ihn.
„Tun sie's," sagte sie aufgebend. „Ich werde mich nicht wehren." Sie wandte sich zurück zu Harry und er konnte sehen, wie verängstigt sie tatsächlich war. In ihrem Ausdruck las er so viel Furcht um ihn heraus.
„Ich hab gesehen, was er Dad angetan hat. Ich werde nicht zulassen, dass er das mit dir macht."
„Legilimens!" donnerte White's Stimme ohne Vorwarnung. Jilli keuchte und fiel zu Harry auf den Boden. Er hatte seine Schwester aufgefangen, bevor ihr Kopf den Boden berühren konnte und während er sie entsetzt anstarrte, bemerkte er, dass auch ihr Blick ihn fokussierte statt den Gegner. Ihr Körper zitterte. Er wusste, dass sie Schmerzen hatte. Warum? Als Snape das mit ihm machte, war der Effekt doch nicht so grausam gewesen.
„Hören Sie auf damit!" brüllte Harry und kämpfte sich fast schon unerwartet leicht wieder auf die Beine. Diesmal stellte er sich vor seiner Schwester und stoppte damit auch den Fluch von White. Jilli atmete tief ein und keuchte.
„Wenn sie etwas wissen wollen, dann fragen sie," donnerte er entschieden. Es hatte ohnehin kein Sinn mehr. White hatte sie in der Hand und wenn er die Wahrheit sagen musste so dass im Gegenzug seine Schwester von diesem Fluch verschont blieb, dann war er bereit das zu tun. Der Todesser lachte höhnisch.
„Typisch Muggel," spuckte er verächtlich. „Du bist mehr Muggel als ein Zauberer, Potter. Wozu etwas ohne Magie tun, wenn es auch mit geht? Ist nur halb so viel Spaß, wenn man es ohne Magie tut. Crucio!"
Harry fiel zu Boden und schrie, schrie aus voller Kehle, weil nur das ein winziges Stück Linderung des Brennens in seinen Venen verschaffte. Er hörte Jilli seinen Namen rufen, dann schrie sie und das Feuer in ihm wurde noch stärker, noch zerstörerischer, noch intensiver. Unscharf erkannte er seine Schwester auf dem Boden. Sie musste versucht haben White mit bloßen Händen anzugreifen und er hatte sie hart zu Boden gestoßen. Er war so schwach und kraftlos. Aus den Augenwinkeln heraus sah er, wie der Todesser aufs Neue seinen Zauberstab gegen die Hexe hielt und sie auf den Boden in sich zusammensank. Harry versuchte sich aufzudrücken, das Brennen ließ nach, aber er hatte kaum Kraft dazu sich auch nur einen Zentimeter zu rühren.
„Jilli!" ächzte Harry und wieder rannte er zwischen White und seiner Schwester. White lenkte den Zauberstab wieder gegen den jungen Gryffindor und erneut riss es Harry zur Seite gegen die Wand. White schritt mit beinahe gierigem Blick auf die Hexe am Boden zu, die sich nur sehr zaghaft noch rührte.
„Interessant," sagte er sehr zufrieden. „Ein Ponester."
Harry's Herz blieb stehen. Ohne zu realisieren oder auch nur darüber nachzudenken, kämpfte er sich automatisch wieder auf die Beine und wieder griff er den Todesser mit bloßen Händen an. Allan White hatte erneut den Zauberstab gegen ihn gerichtet.
„Impedimenta!"
Harry stieß es nach hinten gegen den Tisch und riss mit sich die Schatulle auf den Boden hinab. Es gab ein brechendes Geräusch.
„Lächerlich," zischte White finster. „In welcher Welt könntest du mich je besiegen?!"
Auf einmal wurde es hell, sehr hell. Harry schloss sofort die Augen. White's Stimme klang wie ein Echo an sein Ohr. Er regt sich auf, fluchte, brüllte. War das die Rettung? Es war so grell, er konnte immer noch nicht die Augen öffnen. Stattdessen spürte er eine Hand, die ihn am Arm ergriff. Bestimmend, nicht grob. Jilli?
„Ich hab dich, Junge," sagte eine fremde Männerstimme und sie klang nicht feindlich, nicht herrisch, nicht laut. Sie klang weich. Er spürte ein merkwürdiges Gefühl am ganzen Körper, als ob er bäuchlings in kaltes Wasser tauchte. Instinktiv schloss er seinen Mund und hörte auf zu atmen aus Angst sonst Wasser in die Lunge zu bekommen. Es fühlte sich an als ob sein ganzer Körper von Wasser umgeben war.
Es dauerte nicht wirklich lange, da verschwand das Gefühl und stattdessen war es... warm? Harry fühlte festen Boden unter den Füßen und öffnete vorsichtig die Augen. Es war nicht mehr blendend grell. Es war normales Tageslicht. Er drehte sich zur Seite und sah erleichtert Jilli bei ihm stehen. Sie war zuerst ebenfalls irritiert, dann aber lächelte sie erleichtert und drehte sich um. Harry tat es ihr gleich und erst jetzt sah er einen etwas älteren Zauberer hinter ihnen stehen.
Er war groß, hatte breite Schultern und ein sehr guten, starken Körper. Der Zauberer hatte kurze, dunkelbraune Haare und Azurblaue Augen. Sein Gesicht war zuerst streng, als er jedoch im nächsten Moment lächelte, wirkte er mit einem Mal mehr wie ein großer Bruder und seine Augen waren fast komplett verschwunden und hatten sich zu dünnen Linien verformt.
„Hi!" sagte er als sei dies das natürlichste auf der Welt in dieser Situation.
„H-Hi," stotterten Harry und Jilli beide. Ihrem Blick nach kannte sie den Zauberer genauso wenig und er wusste nicht, ob er sich darüber freuen sollte mal nicht jemanden zu begegnen, den sie alle sonst bereits kannten, oder ob es ihn Angst machen sollte, denn wenn seine Schwester ihn auch nicht kannte, war er vielleicht gar kein Verbündeter.
„Ich bin Cobe. Ihr seid jetzt in Sicherheit."
„Danke sehr," sagte Jilli, da Harry und sie sich immer noch skeptisch ansahen. Sie beschloss offenbar nicht ganz so misstrauisch gegenüber demjenigen zu sein, der sie aus einer Gefangenschaft befreit hatte und stellte sich und Harry gleichfalls vor.
„Jiah!" lachte Cobe und wieder verengten sich seine Augen zu Linien. „Ich weiß wer ihr seid. Kommt mit. Ich bring euch von hier weg."
Er war vorangeschritten, aber Harry und Jilli zögerten. War das ein Trick und dieser Cobe gehörte zu Voldemort? Oder war er tatsächlich ein Verbündeter, von dem sie nur noch nie etwas gehört hatten? Der Zauberer blieb stehen als er bemerkte, dass ihn keiner folgte und drehte sich verwundert wieder zu ihnen um.
„Err – Tut mir leid," sagte er plötzlich und das verwunderte wiederum Jilli und Harry. Wieso entschuldigte er sich?
„Ich kenne eure Gepflogenheiten nicht. Ich bin nicht so oft in eurer Welt. Was soll ich sagen, damit ihr euch bewegen dürft? Folgt mir? Jetzt geht's los? Abwärts? Bewegung? Auf zu neuen Ufern? Oder – Ah!"
Er nahm zwei Zauberstäbe aus seinem Umhang heraus. Harry's und Jilli's, um genau zu sein und reichte sie an die beiden zurück.
„Oder braucht ihr euren Zauberstab, um euch bewegen zu können?! Hab mir die beiden gerade gekrallt."
Die beiden brauchten einen Moment, um ihre Deckung fallen zu lassen und ihre Zauberstäbe anzunehmen. Obgleich es alles andere als alltäglich und normal klang, der Zauberer schien es wirklich ernst zu meinen und so beschlossen die beiden mit einem Blick ihm zu folgen. Er machte nicht den Eindruck, als ob er ihnen etwas böses wollte.
„Nein, wir waren nur... unsicher," gestand Jilli. Die drei gingen schließlich nebeneinander den dämmrigen Waldweg entlang. „Wieso hast du uns gerettet?"
„Muar hat mich darum gebeten. Da ich sei sehr gerne habe, tu ich auch, worum sie mich bittet."
„Muar?" wiederholte Jilli pessimistisch und wieder tauschte sie einen misstrauischen Blick mit Harry aus. Beide hatten keine Ahnung was eine Muar überhaupt war. Vielleicht Mutter?
„Warum hat deine Muar dich darum gebeten uns zu retten?"
„Ich hab keine Ahnung," antwortete er und wieder war es klar, dass die beiden ihn auch glaubten. Irgendwie wirkte er nicht wie jemand, der sie tatsächlich absichtlich anlügen könnte. Mehr wie jemand, der das Wort lügen nicht mal im Wortschatz trug.
„Also, warum sie mich gebeten hat. Warum ich euch retten soll natürlich schon. Was hast du genau gemeint, Jilli?"
„Uhm," machte sie nachdenklich, denn wenn er es so auslegte, dann wusste sie auch nicht, was von beidem sie meinte. Eigentlich... „Beides?"
Cobe lachte erneut richtig heiter.
„Na, ich soll euch retten, weil ihr doch in Gefahr wart und meine Muar glaub ich verzweifelt wäre, wenn ich es nicht geschafft hätte. Aber warum sie ausgerechnet mich darum gebeten hat, keine Ahnung. Ich frag so was aber auch nicht nach. Versteh es eh nicht."
So bullig und angsteinflößend er auch auf dem ersten Blick aussah, seine Worte klangen eher etwas einfältig und naiv, wie Harry kritisch feststellte.
„So! Patschehändchen her. Wenn wir gehen kommen wir erst morgen am Ziel an."
„Patschehändchen?" wiederholten Jilli und Harry simultan irritiert. Cobe lachte wieder heiter mit winzig kleinen Linienförmigen Augen.
Ein weiteres Mal tauchten sie in eiskaltes Wasser ein und Harry hielt auch dieses Mal die Luft an. Bitte lass es nicht lange dauern. Bitte lass es nicht lange dauern. Bitte lass es nicht – Harry hustete. Noch länger hätte er die Luft nicht anhalten können und – Moment mal?! Er konnte atmen?! Ohne Probleme. Die Luft war völlig normal, obgleich es sich weiter auf seiner Haut anfühlte als wäre nichts als Wasser um ihn herum.
„Jilli?" versuchte Harry es mit sprechen. Tatsächlich! Er hörte seine eigenen Worte, ganz normal, nicht wie im Wasser.
„Harry?" kam ihre Stimme verwundert zurück. „Hey! Ich kann ja atmen?!"
Offensichtlich hatte seine Schwester dasselbe wie Harry gedacht.
„Natürlich kannst du atmen," sagte Cobe überrascht. „Wieso solltest du das nicht können?"
Sehen konnte man nichts. Das Licht war zu hell, um die Augen aufzubehalten. Das Gefühl von Wasser um sich herum war es, was die beiden hatte daran zweifeln lassen, dass sie tatsächlich im Stande wären Luft zu holen. Dass Cobe ihre Verwunderung nicht verstand, ließ beide jedoch peinlich berührt schweigen.
„Wir sind da!"
Schwups. Wieder tauchten sie auf aus dem kalten Wasser und wieder war es angenehm warm. Harry öffnete die Augen und stellte erstaunt fest, dass ihm die Gegend nicht fremd war. Das Haus von Yorick?
Cobe klopfte an der Tür.
„Muar?" rief er ohne dass jemand geöffnet hätte. „Ich hab die beiden!"
Die Tür des Hauses öffnete sich und White erschien zwischen Tür und Angel. Sichtlich erleichtert. Jilli und Harry hingegen tauschten ein weiteres Mal völlig konfuse Blicke aus, während Cobe die ältere Hexe vor sich anstrahlte.
„Muar?!" sagten beide gleichzeitig.
Im Haus von Yorick befand sich neben der erwarteten Hexe und Professor White auch Hermine, Ron und Ginny sowie Sirius, Brian und noch eine Hexe, die Harry nicht kannte. Jilli aber war direkt Feuer und Flamme und hatte diese sofort herzlich umarmt. Das war also June Stone. Professor White unterhielt sich mit Cobe und selbst im Gespräch mit ihr verengte er manchmal lustig seine Augen zu dünnen Linien. War sie wirklich seine Mutter?
„Alles okay?!" fragte Ginny, nachdem sie Harry wie seine anderen Freunde umarmt hatte. Er nickte.
„Ja, alles okay. Steward konnte uns offenbar nicht verfolgen nehm ich an?"
„Oh Harry," sagte Hermine jedoch und sah ihn mit tief schuldbewusstem Ausdruck an. „Wir sind sofort in das Büro von Professor White gerannt als wir konnten, aber es war leer. Professor White war gar nicht mehr da."
Harry runzelte die Stirn. Ihr Plan hatte also nicht funktioniert, weil White von der Planänderung gar nichts mitbekommen hatte.
„Wir liefen stattdessen zurück in den Schlafsaal, um auf der Karte nachzusehen, wo sie war," fuhr Ron fort, da Hermine noch immer in sich eingesunken war vor Schuldgefühle. Es war schließlich ihre Idee gewesen, die nicht aufgegangen war.
„Nirgends zu finden. Die hatten Hogwarts alle verlassen. Wir fanden jedoch Tonks. Also lief Ginny zu ihr und Hermine und Ich dachten, dass wir unter den Tarnumhang Taggard und dir nachlaufen und mitreisen könnten. Hat nicht funktioniert. Als Taggard weg ging und wir den Portschlüssel berührten ging nichts."
„Stattdessen tauchte Tonks auf und hat uns wieder zurück ins Schloss geführt. Meinte, dass Professor White längst von der Planänderung wüsste."
„Sie wusste davon?" fragte Harry Stirnrunzelnd auf Hermine's Ausführung hin. Die Freundin nickte mit banger Miene.
„Wieso hat sie dann nichts getan?" brüllte er entrüstet. „Warum ließ sie uns solange in Gefangenschaft?!"
„Weil ich zu vielem Fähig bin, Harry, aber ganz sicher nicht dazu Wunder zu vollbringen."
White war mit Cobe zu ihnen herangetreten und nur eine Sekunde danach waren auch Sirius, Brian, Jilli und June Stone bei der kleinen Gruppe.
„Deine Begegnung mit Taggard entging uns nicht, weil du nach Verlassen meines Büros unter Beobachtung standest."
„Also war Steward doch wieder bei mir?"
Cobe lachte wieder herzhaft und Harry sah ihn irritiert an.
„Nein, Harry," sagte er heiter. „Ich wars."
„Du warst was?!"
„Bei dir."
„Unsichtbar?"
„Nicht doch," lachte Cobe.
„Also wenn du nicht gerade ein Laufblatt warst bin ich mir ziemlich sicher dich nicht in meiner Nähe gesehen zu haben," sagte Harry misstrauisch. Cobe sah ihn zu ersten Mal spitz an, hob beide Hände mit der Handfläche nach oben hoch und auf einmal war der Körper des Zauberers durchsichtig geworden. Er bewegte sich wellenartig in alle Richtungen bis es sich der Gegend schließlich ganz anpasste und der Zauberer selbst verschwand.
Harry fiel entgeistert die Kinnlade herab und Jilli, Ron, Hermine und Ginny waren nicht weniger verwundert über die Verwandlung gewesen. Allein für Sirius, White, Brian und June Stone schien das nichts neues zu sein.
„Finley ist zur Hälfte ein Solelyaner," erklärte White, aber Harry war nach wie vor gefesselt von dem was er hier sah. Vorsichtig fuhr er mit seiner Hand aus, um den gläsernen Wind zu berühren. Wenn man nicht genau hinsah, war er wirklich durchsichtig und hätte von der sonstigen Umgebung nicht unterschieden werden können. Der Wind war warm und es kitzelte fast ein wenig auf der Haut. Ihn fast, Cobe richtig, denn der durchsichtige Wind lachte heiter mit der Stimme des Zauberers. Langsam bildete sich der Wind wieder zurück in den bulligen, großen Zauberer, der wieder, wie so oft zuvor auch, mit verengten Augen grinste.
„Ich bin kitzlig, Harry. Tu das besser nicht oder ich verrate mich. Wobei, jetzt kennst du meine Schwäche. Kann mich nicht verstecken, wenn man weiß, wie man mich enttarnt."
Obgleich er nach wie vor sprachlos war und es ihm auch nicht gelang seine verdutzte Miene abzuschrauben, stieß ihm etwas anderes noch mehr auf.
„Wenn du die ganze Zeit bei mir warst. Wieso hast du dann nichts getan? Snape, Lestrange, diese ewige Phowlyris, als sie uns so zugesetzt haben, wieso hast du nicht da schon reagiert und uns da weggeholt?"
Cobe blinzelte verwirrt was nicht unbedingt dazu beitrug das brodelnde Feuer in ihm zu löschen. Verstand er wirklich nicht, warum man sich hier so darüber aufregte? Bevor er noch etwas sagen konnte, was er bereute, hatte Jilli das Wort ergriffen und klang auch wesentlich freundlicher.
„Es ist nur, Harry und Ich waren da wirklich in Lebensgefahr. Du hättest uns doch raus holen können als wir noch im verbotenen Wald waren?"
„Finley ist nur zur Hälfte ein Solelyaner," erklärte White. „Zur anderen Hälfte ist er ein normaler Zauberer. Die Fähigkeiten, die er als Solelyaner besitzt sind allgemein sehr schwach. Seine Gestalt als Solelyaner oder Zauberer annehmen gehört zu den wenigen Fähigkeiten, die ohne große Anstrengungen funktionieren. Die weiteren Fähigkeiten der Solelyaner aber nicht. Dass er euch schließlich doch mit sich rausholen konnte ist der Verstärkung durch den Sonnenkristall gedankt."
Harry und Jilli sahen einander kurz an, dann aber nickten sie verstehend. Cobe war erst erschienen als Harry die Schatulle mit dem Sonnenkristall umstieß und diese wahrscheinlich dabei zu Bruch ging, so dass der Kristall erscheinen konnte.
„Ich dachte, Solelyaner setzen da, wo sie auftauchen, die Magie aus?" fragte Harry verwirrt.
„Reine Solelyaner tun das auch. Diejenigen, die es nur zur Hälfte sind, geben dabei die Stärke dieser Fähigkeit ab und erhalten im Gegenzug die Gabe Magie für Zauberei und Hexerei zu besitzen."
„Muar ist wie immer sehr weise," strahlte Cobe anerkennend.
„Muar?" fragte Harry vorsichtig in die Runde. Hermine, Ron und Ginny schienen genauso wenig wie er zu verstehen. Sirius dagegen gab ihm einen weichen Blick.
„Bedeutet Verwandte eine Ebene über der Person. Anna und Cobe sind verwandt. Tante und Neffe, um genau zu sein."
„Neffe?" sagte Harry überrascht und wandte sich White fragend zu.
„Finley ist der Sohn meines verstorbenen Bruder. Offenbar hatte er etwas mit einer Solelyanerin."
Harry nickte, wenn auch sehr nachdenklich.
„Ich dachte, Solelyaner sind nicht menschlich?!"
„Das heißt nicht, dass sie nicht menschliche Formen annehmen können," sagte White sanft. „Finley konnte womöglich erst eingreifen als der Sonnenkristall seine Fähigkeiten zu reisen verstärkte."
„Also setzt Finley – oder Cobe – Err -"
„Nenn mich Cobe, Harry. Nur Muar nennt mich Finley."
„Err – okay. Cobe. Also setzt Cobe bei Erscheinen nicht die Magie aus? Wir alle können nach wie vor zaubern?"
„Ja und nein," antwortete White, hatte ihren Zauberstab gezogen und einen ganz einfachen Verwandlungszauber ausgeführt, um eine Vase in eine Schüssel zu verwandeln.
„Ron?"
Dieser war zuerst verwirrt, nahm dann aber seinerseits den Zauberstab und versuchte das Gleiche. Nichts passierte. Kein Strahl, keine Veränderung. Gar nichts und die meisten sahen sich verwirrt an.
„Cobe setzt nur die Magie von Schwächeren aus. Deswegen hat er womöglich auch nicht vorher eingreifen können, denn er hätte keine Chance im Duell gehabt, wenn Todesser trotz seiner Anwesenheit ihre Magie nutzen konnten. Zumindest, wenn deren Magie so stark sind wie die einer besonderen Phowlyris oder Voldemort oder offenbar auch einigen seiner Todesser... Auch meine oder Dumbledore's Magie setzte nie aus. Oder die von James, Lilli oder Sirius oder Brian und June."
„Oder deinem Dad," fügte Cobe ihren Ausführungen hinzu.
„Oder meinem Dad," sagte sie zustimmend, dann aber sah sie ihn mit einem Ruck irritiert an. „Mein Dad?"
„Übermuar lebt," sagte Cobe heiter.
„Es stimmt," sagte Jilli, da White nicht aussah, als ob sie es dem Zauberer glaubte. Erst jetzt wandte sie sich auch der jungen Hexe zu und sah diese nicht minder pessimistisch an. „Er war da. Anna, Allan White lebt."
„Allan White ist tot," sagte sie misstrauisch und hatte ihren Blick verfinstert, genauso wie auch Sirius und Brian, welche nicht minder entsetzt waren. Letzter sah man zum ersten Mal den Schock im Gesicht an. „Wir waren da als er in die Tiefe fiel und starb. Seine Magie war nicht mehr vorhanden – Es sei denn... Das ist nicht sein ernst..."
White trat von der Gruppe weg und vertiefte sich in ihren eigenen Gedanken. Mit einem Mal war sie sehr ernst geworden, verschlossen und grimmig.
„Allan White hat ebenfalls ein Horkrux von sich erstellt," sagte Brian das, was White nur gedacht hatte.
„Und nicht nur das," sagte Jilli leise. „Er kennt die Wahrheit über mich. Die ganze Wahrheit."
White hatte sich danach zurückgezogen und war aus dem Haus verschwunden. Sirius teilte Harry mit, dass Stradford noch vorbei kommen würde, um Jilli und ihn zu untersuchen, er dann aber mit Hermine, Ron und Ginny wieder zurück nach Hogwarts kommt. Cobe war wie Brian und June Stone auch bei ihnen geblieben, hatten aber nicht wirklich viel gesprochen.
„Was bedeutet das jetzt?" warf Harry irgendwann in die Stille ein, da Stradford noch nicht aufgetaucht war. „Wenn Allan White noch lebt mein ich."
Sirius pustete die Luft zwischen seinen halb geschlossenen Lippen hervor und verzog eine schiefe Grimasse.
„Nun, Anna hat nicht vor vielen Angst. Nicht mal wirklich vor Voldemort. Ihr Vater allerdings gehörte definitiv zu den Personen, vor denen sie Angst hatte – oder hat."
„Warum ist er dann nicht schon früher wieder aufgetaucht?" fragte Jilli richtig. „Wenn Voldemort das weiß, warum hat er ihn dann nicht schon früher wieder auftauchen lassen? Etwa, als Anna wieder zurück kam? Allan White ist ein Trumpf, ohne wenn und aber. Wieso hat er ihn nicht schon früher gezogen?"
„Vielleicht hat er ihn nicht vorher wieder zurückholen können," schlug Hermine plötzlich vor und alle wandten sich nun überrascht der jungen Schülerin zu. Wenn die Runde so voll war, hatte Hermine sich bisher immer zurückgehalten und andere sprechen lassen. Da nun aber keiner eine Meinung dazu hatte, noch diese aussprach, hatte sie es getan. Sie zuckte kurz unschuldig mit der Schulter als vor allen Dingen Ron und Harry das nicht erwartet zu haben schienen. „Ich mein nur als Pettigrew Voldemort zurückholte, brauchte er gute Vorbereitung. Die Knochen seines eigenen Vaters, Knochen eines Dieners und Blut eines Feindes. Er brauchte die Zeit vielleicht, um herauszufinden, wessen Knochen und Blut er am besten benutzt, um einen Körper für Allan White zu erschaffen."
„Guter Punkt," stimmte Brian ihr nachdenklich zu. „Allan White war nicht Voldemort und die Todesser folgten ihm bestimmt nicht so wie Voldemort. Wer sollte da freiwillig eine Hand oder was auch immer geben? Andererseits, wenn Voldemort es befiehlt. Bleibt die Frage, wessen Blut er noch nahm, dass er solange warten musste."
Er warf Harry einen flüchtigen, jedoch vielsagenden Blick zu.
„Müsste ich ein Tipp abgeben würde ich sagen James Potter, aber er ist garantiert tot. Konnte schlecht Blut eines Toten benutzen. Selbiges gilt für Michael Potter."
„Okay!" sagte Stradford laut und alle zuckten erschrocken zusammen als die Heilerin plötzlich vor dem Kamin stand. Keiner hatte sie überhaupt ankommen gehört, aber ihr eindringlicher und äußerst tadelnder Blick auf Harry und Jilli brachte selbst Sirius dazu auf der Stelle zu gefrieren und zu weichen. Die Heilerin sah nicht glücklich aus.
„Alle außer Jilli und Harry. RAUS."
Cobe, Hermine, Ron, Ginny, Sirius und Brian hatten keine Sekunde gezögert und schlichen sich eingeschüchtert an der Heilerin vorbei aus dem Wohnzimmer hinaus. Yorick lächelte sanft und folgte den anderen etwas sicherer nach draußen. Stradford legte ihren Behandlungskoffer nieder, musterte beide mit ernstem Blick und schüttelte aufgebracht den Kopf.
„Hab ich euch nicht gesagt, dass ihr aufhören sollt es eurem Vater nachzumachen und gefälligst nicht regelmäßig auf meinem Behandlungstisch landen sollt?"
„Uhm," machten beide unangenehm und wurden unter Stradford's Worten kontinuierlich kleiner.
„Ich hatte keine Probleme damit ihn tatsächlich ans Bett zu fesseln als er nicht hören wollte und ich werde es mit euch auch tun, falls ihr nicht hören wollt. Verlasst euch darauf, dass es keine leeren Worte sind, wenn es um das Wohl meiner Patienten geht. Haben wir uns verstanden?"
„Ja, Ma'am," sagten beide nach einem Blickaustausch gehorsam und ließen sich auch ohne Wiederworte alles an Medizin reinschaufeln, was die Heilerin ihnen gab. (Auch wenn es noch so widerlich schmeckte, dass Harry durchaus mit dem Gedanken spielte es wieder Richtung Pflanze rauszuspucken.) Nach der Behandlung und nachdem Stradford sie wieder gehen ließ unter der Bedingung, dass sie sich in Hogwarts täglich bei Pomfrey meldeten, um ihren Zustand zu überwachen, verließ sie die versammelte Mannschaft wieder, nicht ohne jedoch einen äußerst rügenden Blick an Sirius zu wenden, der für sie für alle Jüngeren in der Runde verantwortlich war.
Nachdem Sirius sich von ihr verabschiedet hatte, trat er mit einem kurzen Lächeln zu allen anderen zurück ins Wohnzimmer herein.
„Ich würd mir ihre Worte an eurer Stelle zu Herzen nehmen," teilte er seinen beiden Patenkindern mit einem Schmunzeln auf den Lippen mit. „Sie hat James wirklich mal ans Bett gefesselt."
Obgleich keiner der Anwesenden sich nun sicher war, ob er nicht scherzte, sprach keiner von ihnen ihren Verdacht aus. Stattdessen deutete Sirius zum Kamin.
„Wird Zeit nach Hogwarts zurückzukehren. McGonagall erwartet euch bereits. Jilli, du kehrst am besten ebenfalls erst mal mit ihnen nach Hogwarts bis Anna weiß, wie es weitergehen soll. Kila übernimmt für dich den Auftrag. Brian geht mit euch und übernimmt die Woche die Wache im Schloss. Also – Ab mit euch!"
Sirius führte sie alle raus – bis auf Harry, den er zur Seite schob, während alle anderen an ihnen vorbei zum Kamin schritten.
„Das kann dauern bis alle durch sind. Vielleicht möchtest du dir etwas Zeit nehmen und als Letztes reisen."
Er nickte Richtung June Stone, die weiterhin im Raum gestanden hatte und die ganze Zeit über weder etwas sprach, noch sich mit den anderen Richtung Kamin bewegt hatte. Da Cobe ebenfalls raus schritt, war die Hexe nun alleine mit Harry im Zimmer.
„Hey," sagte sie mit einem zarten Lächeln. „June Stone. Jilli sagte mir, dass sie dir von mir erzählt hat."
Harry nickte und versuchte gleichfalls freundlich zu lächeln.
„Hi," sagte er kurz.
Es war ein langer, peinlicher Moment ohne dass einer von beiden etwas sprach. Keiner von ihnen hätte gewusst, was er überhaupt zum anderen sagen sollte und peinliche Stille war besser als unangebrachte Worte. June war es, die als erstes versuchte die Stille zu durchbrechen.
„Du siehst aus wie dein Vater," sagte sie sanft. „Außer deine Augen. Du hast Lilli's Augen."
„Ja, ich weiß," sagte er leise. Die Stimmung war zu angespannt als dass es ihn gekümmert hätte, wie gelangweilt er mittlerweile von dieser andauernden Feststellung war.
„Ich hab dich gehalten als du noch klein warst," setzte sie zaghaft hinzu und trat etwas näher, damit nicht mehr das halbe Wohnzimmer zwischen ihnen stand. Harry tat dasselbe und beide setzten sich auf der Couch einander gegenüber. „Nicht, dass ich so viel älter war, aber..."
Wieder peinliche Stille. Er fragte nicht nach dem aber, June vollendete es auch nicht.
„Ich war zufällig in England als du in der Muggel Schule eingeschult wurdest. Du kannst dich daran bestimmt nicht mehr erinnern, denn ich glaub, du hast mich auch gar nicht gesehen, aber... ich dich."
„Zufällig?" fragte Harry misstrauisch. June wurde rot und lächelte unangenehm.
„Gut, nicht zufällig," gestand sie schmunzelnd. „Ich war besorgt, wie viele andere, die James und Lilli kannten und am Herzen lag. Ich wusste ja nicht, ob deine Muggel Tante und Onkel wirklich genug Acht auf dich gaben. Also sah ich ab und zu vorbei. Von der Ferne. Ich bin ein registrierter Animagus."
Harry sah bewundernd auf.
„Ehrlich? Was bist du?"
„Waschbär," war die simple Antwort und Harry zuckte verwundert zurück. „Ich wollte eigentlich ein Panda sein, aber das hat nicht hingehauen. Waschbär war das größte, was ich hinbekam."
„Onkel Vernon hat mal einen Waschbären aus dem Haus gejagt."
„Yap, das war ich."
Wieder zuckte er überrascht auf.
„Wie jetzt?"
„Ich hab durchs Fenster geblickt und er war nicht nett zu dir. Da wurde ich böse und hab ihn angegriffen. Er ist ja nur mit dem Besen auf mich losgegangen."
June grinste und Harry musste es unweigerlich auch tun. Er hatte es vorher gar nicht in dieser Art wahrgenommen aber die Wahrheit war, dass er sehr wohl eine Vergangenheit mit ihnen allen bereits besaß. Es war ihm nur nie klar gewesen, dass sie dennoch da waren, obwohl er sie nicht sah.
„Warum bist du ein Animagus geworden? Wegen – uhm -"
Wusste sie überhaupt, dass sein Vater ein Animagus war? Sein Zögern sprach Bände und June lachte.
„Wegen James? Nein. Ich wusste nicht, dass er, Pettigrew und Sirius nicht registrierte Animagi waren bis Sirius es vor 3 Jahren selber erzählte. Ich war einfach sehr gut in Verwandlung. Es fiel mir leicht und daher war es naheliegend ein Animagus zu werden.
Je mehr man kann, um so besser. Es wird nie langweilig."
Harry nickte amüsiert. Wo sie recht hatte, hatte sie recht.
Er reiste erst viel später zurück nach Hogwarts, denn war es anfänglich merkwürdig, fanden June und er sehr schnell vieles, worüber sie sich gerne miteinander unterhalten wollten. White war nicht zurückgekommen und Sirius hatte sie schließlich unterbrochen, weil es sonst zu spät wurde. June verabschiedete sich mit einer Umarmung von Harry und beide waren sich einig, dass sie sich auf ein nächstes Treffen freuten.
Sirius war nicht mitgereist, hatte Harry jedoch versprochen nachzukommen, sobald White wieder zurückkam. Das dauerte, aber irgendwann am Abend war sie zurück in das Versteck gekommen. Sirius saß alleine im Wohnzimmer und hatte sich ihr sofort zugewandt als sie herein trat. Sie zögerte, dann ging sie schließlich doch auf ihn zu und setzte sich müde neben ihm auf die Couch. Angesehen hatten sie ihn nicht, stattdessen starrte sie in Gedanken versunken in die Leere.
„Cobe ist mit den anderen nach Hogwarts gereist, um zu helfen. Er wird bei Hagrid und Yuno unterkommen, um keine Auswirkung auf die anderen Schüler zu haben. Ich glaub, er hat sich in Jilli verguggt."
Nichts. Sie war noch immer starr und ruhig. War sie noch immer wütend mit ihm? Sirius befürchtete genau das. Sie hatten nicht mehr miteinander gesprochen, nachdem Jilli und Harry verschwunden waren. Er atmete frustriert aus und schüttelte den Kopf.
„An, es tut mir leid," sagte er sanft und das meinte er auch so. Er brauchte niemand, der ihm sagte, warum sie so reagierte. Sirius kannte sie lange genug, um es selbst zu wissen, dass er Bockmist gebaut hatte.
„Ich hätte das nicht tun dürfen. Nach Hogsmeade abhauen und mich überall herumtreiben. Ich war einfach – ein Idiot."
„Und warum hast du das dann getan?" entgegnete sie endlich, wenn auch ungewohnt kalt und verletzt. Okay, er hatte es verdient und beklagte sich daher für ihre Art auch nicht. Eigentlich hatte er es auch erwartet.
„Ich weiß es nicht. Ich war gekränkt. Kindisch. Dumm`."
White blickte zu ihm zurück und wieder herrschte eine Ewigkeit Stille zwischen ihnen. Dann schließlich nickte sie und die Kälte wich aus ihrem verschlossenen Blick.
„Ich weiß," sagte sie sanft und endlich sah er den Anflug eines zärtlichen Lächelns in ihrem Gesicht. Er war näher an sie herangerückt, hatte ihre Hand in seine genommen und fest gedrückt.
„Mein Vater lebt noch," sagte sie erschöpft und schüttelte niedergeschlagen den Kopf. „Allan White lebt noch. Ausgerechnet er. Meine Mum ist tot, weil sie dachte, er wäre tot und dabei lebte er noch. Er hat von sich ein Horkrux erstellt und meine Mum war ihm das nicht wert."
„Das weißt du nicht," sagte Sirius, wissend, wie sehr es sie verletzte, wenn sich herausstellen würde, dass ihr Vater ihre Mutter nicht so geliebt hatte, wie sie ihn. Schließlich stellte Inga White das Wohl ihrer Kinder hinter das Leben ihres Mannes.
„Vielleicht kamen sie nur nicht mehr dazu? Oder Inga White hat es abgelehnt so was zu tun? Sie schien schließlich im Gegensatz zu ihrem Mann ein Gewissen und ein Herz zu besitzen."
White lächelte traurig.
„Das ändert so vieles," sagte sie bedrückt. „Ausgerechnet mein Vater lebt noch..."
Sirius lachte auf einmal merkwürdig frustriert. Sie sah ihn verwundert an, aber er schmunzelte.
„Du hattest nie Angst vor Voldemort. Den, ganz nebenbei, schrecklichsten Zauberer seit Generationen, den nahezu fast die ganze Zaubererwelt fürchtet. Du hast jedoch Angst vor Allan White, seinem Anhänger."
Sie seufzte leise.
„Ich kann das nicht ändern. Er ist... mein Vater. Ich kam nie gegen ihn an. James war derjenige, der ihn tötete."
Sirius nickte vorsichtig, fehlten ihm doch die Worte angemessen darauf einzugehen. Es war kein Geheimnis unter ihnen, dass Allan White seine Tochter stets einschüchtern konnte und eine unerklärbare starke Wirkung auf sie besaß.
„Ich weiß, du bist nicht okay mit was ich tue," sagte sie bedrückt. „Ich weiß nicht mal, ob ich es bin. Vor 20 Jahren hätte ich vieles niemals getan. Ich hätte niemals Jilli und Harry soweit in Gefahr gebracht... Es geht jetzt jedoch nicht anders. Ich bin nicht mehr die Person, die ich mal war. Ich kann es nicht erklären, warum, aber etwas fehlt. Ich bin unvollständig. Seitdem ich wieder aufgewacht bin, kann ich es fühlen. Meine Seele ist zerstört und das was davon übrig ist, das ist mir selbst manchmal fremd.
Mein Vater... ich fürchte ihn sogar noch mehr als du ahnst. James und Lilli sind tot, Dumbledore ist tot, Michael und Maria Potter sind tot... Jeder, auf den ich gebaut hatte, wenn es gegen Voldemort und meinem Vater ging ist nun tot.
Und Jilli? Er wird es Voldemort mitteilen, dass sie ein Ponester ist. Danach ist sie in noch größerer Gefahr als sie es bisher schon war. Wie soll ich sie schützen, wo nun sogar mein Vater wieder auf der Bildfläche aufgetaucht ist?
Ich versuche das zu tun, was getan werden muss, was Dumbledore nicht mehr konnte – ich wusste es früher schon, aber damals fiel es mir schwer und ich konnte es nicht tun. Ich überließ es Dumbledore. Heute ist es anders. Er ist tot und ich muss es tun.
Und du musst nicht okay damit sein – aber du musst hinter mir stehen."
Sirius Herz setzte für einen Schlag aus. Ihre Stimme war zerbrechlich, flehend und er konnte das zerren an seinem Herzen nicht ignorieren, dass ihn so viel Schuldgefühl bereitete.
„Ich brauch das Wissen, dass du auf meiner Seite stehst, egal worum es geht... denn ich weiß nicht, ob ich es sonst schaffe. Nein, ich weiß, dass ich es sonst nicht schaffe – nicht so, wie es sein sollte.
Ich will, dass Harry und Jilli beide überleben. Ich will, dass Remus und Tonks mit ihrem Kind eine Familie gründen können und friedlich leben. Ich will, dass Molly und Arthur Enkelkinder bekommen und diese aufwachsen sehen. Und ich will – dass Brian und du eine Familie seid und die Zeit miteinander verbringen könnt, die euch gestohlen wurde. Aber -"
Sie stoppte und blickte direkt verzweifelt wieder auf den Boden. Er hatte sofort ihre Hand gedrückt und entschlossen genickt als sie wieder zu ihm aufsah.
„Ich versprechs – Ich werde immer auf deiner Seite stehen. Es tut mir leid, dass ich so unreif und blöd war."
Sie schluckte und nickte schließlich. Es war das Wissen, dass sie das brauchte und es ihr half, was schließlich den Ballast der Schuld auf seinen Schultern wegnahm. Sie lehnte sich müde an ihn und schloss die Augen. Sirius lächelte, legte seinen Arm um ihre Schulter und hielt sie fest bei sich.
„Wie lange hast du noch?" fragte er vorsichtig, war er sich doch nicht mal sicher, ob sie ihm eine Antwort darauf geben wollte und würde. White atmete müde und flach.
„Keine Ahnung. Vielleicht Tage, vielleicht Wochen... vielleicht noch Monate."
„Jahre?"
Sie sagte dazu nichts, stattdessen verhakte sie ihre Finger zwischen den seinen und atmete entspannt und ruhig. Er vermisste seine besten Freunde immer noch sehr stark, aber Anna wieder bei sich zu haben ließ es ihn besser ertragen. Er wollte gar nicht an die Zeit denken, wenn er sie wieder verlor.
„Was tust du nun wegen Jilli?" fragte er nach einiger Zeit. White seufzte.
„Keine Ahnung. Ein Schritt nach dem anderen..."
