Nächstes =)
Review:
Mannequin: Halli Hallo =)
Yeah, die Pollen dieses Jahr spielen echt verrückt und das Wetter macht mit. Heute hat es hier glatt geschneit Öö und der Schnee blieb auf meinem Autofenster sogar liegen. Ts ts.
Ah, das wusste ich gar nicht. Ich dachte, das Theaterstück kam komplett auch von Rowling. Jude Law ist Dumbledore? XD Süß. Ich mag ihn eigentlich schon als Schauspieler, aber als jungen Dumbledore – muss ich sehen. Kann mir auch Johnny Depp noch nicht wirklich als Grindelwald vorstellen und die beiden als Liebespaar schon gar nicht aber das heißt ja nicht, dass es am Ende nicht doch sogar richtig toll wird. Mich hat schon so manches angenehm überrascht, was ich mir gar nicht vorstellen konnte.
Yap, Vana lebt noch.
Guter und richtiger Vergleich =) Hätte Patricia sich Joe anvertraut, wer weiß, wie alles gekommen wäre. Aber sie hat sich damals ja nicht mal mehr Andromeda anvertraut, geschweige denn ihren eigenen Eltern.
Wie James sagte, er kann es sich nur schwer vorstellen. Ich hatte ja auch meine Probleme zu Beginn Kaylar und Brian wirklich zusammenzubringen, genauso wie ich nicht wusste, ob ich Brian wirklich so rüberbringe, dass er auch als Sirius' und Anna's Sohn rüberkommt. Nun bin ich ein wenig in der Zwickmühle, weil ich zwar eigentlich schon Brian und Jilli zusammen sah, aber irgendwie auch gerne Brian und Kaylar zusammen schreibe. Die beiden sind so ein extremes Paar, das hat was von Sirius' und Anna zu ihren Zeiten.
Das ist Harry selber wohl auch klar geworden, weshalb er Kaylar eben auch entgegen kommt trotz des Wissens über ihre Vergangenheit. Ohne Sie wäre er wesentlich schlechter dran.
Hehe, sagt James ja auch, dass er Kaylar nie ansah, was sie wirklich fühlte. Das jetzt in Black Heart III ist ihrer Zeit als Hexe zu verdanken, dass sie ein wenig offener geworden ist. Ich denk, mit der Kaylar aus Black Heart und CofX hätte Brian nie auskommen können.
Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßle
Chapter 39 – Win and lose
Montag Abend, 19 Uhr und Harry fand sich im Klassenzimmer für Zaubereigeschichte ein wie mit Professor White verabredet. In der Erwartung sich von ihr wieder Erinnerungen zeigen zu lassen, war es doch überraschend als sie ihm stattdessen ein Buch auf den Tisch zauberte und eine Seite darin aufschlug. Argwöhnisch starrte er das Bild der Schlangenartigen Kreatur an.
„Lies," sagte sie kurz und wandte sich zur Seite. Sie starrte aus dem Fenster und Harry las sich mehr brummig als willig den Text neben dem Bild durch. Kaum war er fertig und richtete sich auf, hatte sich White fast auf die Sekunde genau zu ihm umgedreht. Ihr Timing machte ihn manchmal wirklich irre. Selbst Dumbledore reagierte zumindest mit höflicher Verzögerung.
„Nagini?" kommentierte er vorsichtig. „Ich weiß, dass Voldemort eine Schlange als Verbündete hat."
„Nagini ist keine einfache Schlange, Harry," entgegnete White ernst. „Schlangen leben normalerweise nicht so lange, wie es diese bereits tut. Nagini gehört zur Art der sogenannten Cameo Schlangen. Cameo hat hierbei eine andere Bedeutung. Es ist der Name eines Giftes, das Wissenschaftler mit dieser Schlangenart verbindet.
Nachdem du gebissen wirst, lähmt dich ihr Gift auf bestialische Weise. Es fühlt sich an als ob du von innen aufgefressen wirst und jeder Bissen sendet Qual entlang jedem Nerv in dir drin."
„..."
Harry sah sie finster an. Er hatte die Beschreibung neben der Abbildung überflogen, aber was die Hexe erzählte stand mit keinem Wort dran. Es versetzte ihm ein übles Gefühl, dass sie hier aus Erfahrung berichtete.
„Was sie außerdem so gefährlich macht ist, dass sie mit jedem Bissen, den sie von dir nimmt, sich selbst in dich projiziert. Sie durchforstet deine Geheimnisse, deine Gefühle, deine Gedanken. Je schwächer du in der Okklumentik bist umso leichter bedient sie sich.
Das ist, jedenfalls war das unsere Annahme, der Grund, warum Nagini bis heute noch lebt, obwohl Schlangen, selbst Cameo Schlangen, nicht dieses Alter erreichen, welches sie im Moment ungefähr haben müsste. Sie hatte Voldemort ursprünglich gebissen und in dem Zug, sich ihn einverleibt. Da er aber unsterblich ist, hält die Verbindung zu ihm sie am Leben. Deswegen womöglich ihre außergewöhnliche Treue ihm gegenüber."
Harry nickte zögerlich.
„Sie zu töten wird nicht leicht werden, abgesehen davon, dass es auch nicht leicht wird an sie heranzukommen, kann sie sich sehr gut selber verteidigen. Um sie zu töten, musst du zuerst ihren Angriffen entkommen. Es gibt genau einen Zauber, der sie lang genug in Schach hält, um den letzten Schlag auszuführen."
Das bestätigte Harry, dass White aus Erfahrung erzählte, denn im Artikel vor ihm stand klar und deutlich, dass es kein Zauber gibt, sondern man lieber das Weite suchen sollte, wenn man einer Cameo Schlange begegnete.
„Professor White? Woher wissen sie dass es ein Zauber gegen die Schlange gibt?"
„Wie du richtig annimmst, Harry, hatte ich leider meine Erfahrung mit Nagini – und Voldemort weiß, dass ich mit seiner Schlange umzugehen weiß. Eine von vielen Tatsachen, die es uns ermöglicht, gewisse Freiheiten zu genießen. Wie eben Hogwarts weiter am Laufen zu halten ohne dass Voldemort uns angreift.
Es bringt nichts dieses Wissen an unsere Verbündeten weiterzugeben, denn so einfach kann man mit Nagini nicht umgehen und den Zauber anzuwenden traue ich auch nicht jedem von ihnen zu. Falsch angewendet bringt er gar Schaden an einem selbst. Du aber solltest mit Gryffindor's Magie keine Probleme damit haben."
Er nickte verstehend als ihm etwas anderes wieder einfiel.
„Professor White? Kann ich sie noch etwas fragen, wegen der vorherigen Erinnerungen?"
„Frag."
„Vana Mailabourni. Lebt sie noch? Sie haben mir Tria und Joe vorgestellt, aber Tria's Schwester noch nicht."
White sah ihn kurz verwundert an, dann aber lächelte sie sanft.
„Sie lebt noch. Sie führt nach wie vor die weißen Auroren an."
Er nickte erneut, diesmal jedoch erfreuter. Sein Gefühl hatte ihn also getäuscht.
„Du möchtest sie treffen, nehm ich an?"
„Uhm – Nein, nicht nötig. Ich war nur neugierig."
White sah ihn prüfend an und Harry kam nicht umhin festzustellen wie unangenehm es sich anfühlte, weil er immer noch vermutete, dass sie ihn womöglich mit ihrer Empathie durchleuchtete oder so etwas.
„Die Erinnerungen sind sehr intensiv," sagte sie verständnisvoll. „Gleichzeitig aber auch nötig, damit du lernst mit Gryffindor's Magie umzugehen. Du entwickelst dich weiter, das kann ich eindeutig spüren, was sehr gut ist. Ich spüre aber auch, wie schwer dich das ganze belastet und bin mir durchaus bewusst, dass es nicht fair ist, dir all da abzuverlangen.
Leider haben wir auch hier keine andere Wahl, denn du bist nun mal der Träger der Magie."
Harry nickte.
„Schon okay. Ich komm damit zurecht."
„Das spüre ich," sagte sie stolz. Ihm kroch ein Lächeln über die Lippen. Irgendwie fühlte es sich gut an, dass sie seine Anstrengung auf diese Weise würdigte. Es war das erste Mal, dass er das fühlte.
„Bevor ich dir den Zauber beibringe, sollst du erst noch einige weitere Wesen kennenlernen, die ebenfalls für Voldemort arbeiten."
Sie schwang kurz ihren Zauberstab und das Buch vor ihm blätterte sich von selbst einige Seiten weiter. Das Bild zeigte eine seltsame Kreatur. Körperlich ähnelte es eher einer menschlichen Spinne, nur dass ihre Arme und Beine unterschiedlich lang waren und ihr Körper übersät war mit etwas, das aussah wie vergammelte Laubblätter. Verstörend war auch, dass es zwar ein Kopf besaß, aber kein Gesicht darin zu erkennen war – und der Text trug nicht gerade dazu bei die Gedanken zu klären.
Der Musard
Eine sehr gefährliche Kreatur, die auf Friedhöfen unter der Erde lebt. Der Musard zeigt sich nur bei Dunkelheit und passt sich wie ein Chamäleon seiner Umgebung an. Dadurch kann er sich unbemerkt an seine Opfer heranschleichen. Beim Angriff umklammert er sein Opfer von hinten mit seinen sechs Händen und lähmt es bereits mit der Berührung. Danach versenkt er mit seinem Kopf Stacheln in sein Opfer, um sich an dessen Magie zu nähren. Ist er fertig, stirbt sein Opfer.
Harry sah angewidert auf und zurück in das Gesicht der Professorin.
„Also diese Musard...e arbeiten für Voldemort?"
White stand aufrecht mit den Händen hinter ihrem Rücken in seiner Nähe und blickte nachdenklich zurück.
„Leider ja."
„Hier steht nicht, wie man sich gegen sie wehren kann?"
„Wie würdest du dich wehren, wenn du einem Gegenüber stehst?" fragte White und Harry verzog misstrauisch die Augenbraue. Sollte er sich etwas aus den Fingern saugen? Bevor er sich dazu zwingen musste sich eine Antwort auszudenken, hatte White bereits weitergesprochen.
„Stupor, Impedimenta, viele Angriffszauber haben keine Wirkung. Der Musard ist annähernd perfekt darin sich anzuschleichen bis er sein Opfer umklammert. Um dem zu entfliehen, hilft nur rennen beim kleinsten Anzeichen, dass sich einer in der Nähe befindet. Der Musard kann nämlich, trotz seiner 6 Beine, nicht sehr schnell rennen."
„Und wenn ich erst mal in seinem Klammergriff bin? Was kann ich dann tun?"
„Du bist gelähmt, sobald er seine Griffe an dich legt. Allein bei Berührung schießt der Lähmzauber in einer Geschwindigkeit durch dein Körper, dass du nur Sekunden später nicht mehr handeln kannst. Ist man alleine unterwegs, ist alles zu spät. Ist man zu zweit unterwegs, ist es unwahrscheinlich, dass man angegriffen wird. Es gibt – neben dem unverzeihlichen Todesfluch – ein weiterer Fluch, der sein Opfer von ihm befreit. Alluvio."
„Alluvio..." wiederholte Harry. „Wieso steht das nicht in diesem Buch?"
„Zum einen begegnet man glücklicherweise nicht sehr oft einem Musard. Und wenn man ihm begegnet – so wenden diejenigen, die nicht rechtzeitig entkommen, sofort den unverzeihlichen Todesfluch an. Ein Fluch, den eigentlich jeder ausgewachsene und ausgebildete Zauberer beherrscht. Alluvio ist ein Elementzauber und nicht jeder beherrscht Elementmagie."
Harry nickte, wenn auch sehr verwirrt.
„Die praktische Anwendung werden wir in der nächsten Stunde üben. Heute möchte ich, dass du dir die Wesen einprägst, die ich dir zeige, sowie die zugehörigen Zaubersprüche, mit denen man gegen sie kämpfen kann."
„Okay..." sagte er nachdenklich. White schwang erneut ihren Zauberstab und das Buch vor ihm blätterte sich noch mal um zu einer anderen Seite. Das Wesen war kein Stück erfreulicher und Harry's Blick verfinsterte sich äußerst unzufrieden.
„Professor White? Wieso folgen diese Kreaturen Voldemort überhaupt? Ich mein, was bringt es ihnen?"
Die Hexe dachte kurz nach, bevor sie sehr umsichtig in ihrer Wortwahl zu erklären begann.
„Voldemort's Magie ist sehr stark. Stark genug, um viele Permanentzauber auszuführen. Kreaturen wie der Musard unterliegen seiner Kontrolle aufgrund Zauber, die er auf sie ausübt. Andere, wie die Schlange Nagini oder Werwölfe, folgen ihm, weil sie in ihm eine starke, leitende Bezugsperson sehen. Ich verstehe deine Bedenken. Begeben wir uns nicht hinab auf sein Niveau hinab, wenn wir Kreaturen töten, die er zwingt für sich zu arbeiten?
Dafür die Zauber, die ich dir beibringe. Sie werden die Kreaturen nicht töten, sehr wohl aber erheblich beeinträchtigen, um weiteres Angreifen zu verhindern."
Er nickte verstehend und wollte sich gerade der aufgeschlagenen Seite zuwenden, da hielt er jedoch inne und blickte noch mal zu ihr auf. Ein grauenvoller Gedanke schoss ihm durch den Kopf und als er ihren ernsten Blick traf konnte er nicht anders als seine Vermutung auch auszusprechen.
„Sie zeigen mir das nicht, weil sie glauben, dass Voldemort diese Kreaturen irgendwann auf uns hetzen könnte. Sie wissen, dass er das jetzt tun wird, nicht wahr? Deswegen zeigen sie mir das jetzt alles."
Für einen kurzen Moment herrschte bedrückende Stille. Sie starrten einander wortlos an und er glaubte zum ersten Mal zu wissen, warum sie zögerte. Sie war sich nicht sicher, ob er die Wahrheit ertragen könnte aber er konnte. Harry war sich sicher, dass er im Stande war damit umzugehen, selbst wenn ihr Angriff unmittelbar bevorstand – und White nickte letztendlich. Harry ließ den Kopf hängen. Irgendwie wühlte es ihn innerlich auf und grauenvolle Angst war nur eines von vielen Gefühlen, die in ihm aufkeimten.
„Weiß Jilli Bescheid?"
„Sie weiß Bescheid," antwortete die Schulleiterin sanft. Sie klang verständnisvoll und kein bisschen enttäuscht, dass er Schwäche zeigte. Sie lächelte warmherzig und Harry lächelte erleichtert zurück.
„Ich weiß, du hast Angst," sagte sie schließlich umsichtig. „Das ist normal. Das gute ist, du wirst nicht alleine sein und du hast eine Chance Voldemort zu besiegen und seinem schrecklichen Treiben ein Ende zu setzen. Eine echte Chance."
„Weil sie mir helfen?"
White lächelte traurig und prompt wünschte sich Harry das nicht gefragt zu haben. Er meinte es nicht böse, es war ihm einfach herausgerutscht.
„Leider nein. Ich werde nicht mehr da sein, um dich zu unterstützen," sagte sie jedoch und auf einmal setzte sein Herz für einen Schlag aus. Er konnte es sich selbst nicht erklären, warum ihre Worte ihn so trafen, aber genau das war der Fall. Es versetzte ihm ein Stich ins Herz. Natürlich wusste er es schon vorher, aber es jetzt wieder zu hören, verursachte ein Gefühl, mit dem er so gar nicht gerechnet hatte.
„Aber ich werde alles mir mögliche tun, um diejenigen angemessen vorzubereiten, die dir zur Seite stehen können. Diese Zeit bleibt mir gerade noch – Wenden wir uns also wieder den Kreaturen zu."
Das Ganze ging ziemlich lange und hörte gerade rechtzeitig zu den Rundgängen auf. Harry holte Hermine im Gryffindor Turm ab und gemeinsam gingen sie ihre Runden durch das Schloss. Er erzählte ihr vom Training mit White, dass sie ihm über die verschiedenen Wesen aufgeklärt hatte, mit denen sie es noch zu tun bekommen werden. Sie war wie erwartet sehr neugierig und interessiert, hatte aber auch sehr schnell bemerkt, dass Harry mit seinen Gedanken ganz woanders war.
„Was ist denn los mit dir?" fragte sie nachdem sie eine Weile lang ein Monolog darüber geführt hatte, wie gefährlich der Krieg gegen Voldemort wohl noch werden würde. Er sah betrübt rüber und zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung," antwortete er ehrlich. „Ich fühl mich nur irgendwie komisch."
„Aber das ist doch kein Wunder," sagte sie für ihn sehr überraschend. „Ich mein, wem wäre nicht komisch, wenn er wüsste, was für Kreaturen hinter ihm her sind. Sobald du Hogwarts verlässt könnte dich etwas angreifen. Vor allem dieser Musard! Und du hängst doch so oft auf dem Friedhof in Godric's Hollow herum? Du musst ab jetzt wirklich aufpassen, wenn du dorthin fliegst."
Harry lächelte schwach.
„Das ist es aber nicht, Hermine."
„Nicht?" fragte sie verwundert. Er schüttelte den Kopf.
„Ich mein, ich freu mich jetzt nicht gerade, aber das ist es nicht, warum ich mich so komisch fühle."
„Was dann?"
„Keine Ahnung. Ist seitdem White sagte, dass sie nicht mehr da sein wird, wenn es zur Konfrontation zwischen Voldemort und mir kommt. Ich mein, sie hat es vorher auch schon mal gesagt, aber heut Abend wirkt es irgendwie anders."
„Oh..." machte Hermine mit banger Miene. „Stimmt ja. Ihr Zustand... Man hat sich an die Sicherheit durch sie irgendwie gewöhnt, so dass man gar nicht daran denken will was wird, wenn sie nicht mehr ist. Es war schon schlimm genug nach Dumbledore's Tod nicht zu wissen wie es weitergeht. Die meisten im Orden wissen immer noch nicht Bescheid."
Harry nickte zustimmend, stoppte dann jedoch mitten im Gang und blickte nachdenklich auf den Fußboden. Es war angenehm still. Dadurch hatte er Gelegenheit seine Gedanken zu ordnen und zu verstehen. Tagsüber war es stets voll und laut und man kam nur schwer irgendwie zur Ruhe, selbst auf den Ländereien.
„Jilli arbeitet an den Trank mit dem Snape Professor White damals geholfen hatte. Sie sagte, Snape hätte es stümperhaft gebraut und sie könnte es besser hinbekommen."
„Wirklich?" sagte Hermine erstaunt und war gleichzeitig richtig erfreut. „Aber, das ist doch genial, Harry! Wenn Jilli das wirklich schafft, dann besteht Hoffnung für Professor White und sie müsste nicht sterben? Jilli ist richtig gut beim Mischen von Zaubertränken und ich kann mir vorstellen, dass sie Snape darin in nichts nachsteht."
„Jilli wollte nicht, dass ich White gegenüber etwas davon erwähne," warf er jedoch bedenklich ein.
„Na, sie will sie bestimmt überraschen?"
„Jilli sagte, dass White sie eher davon abhalten würde, wenn sie es wüsste."
„Oh je... Das heißt, da sind bestimmt einige Zutaten nicht gerade gut zu bekommen."
„Wie kommst du darauf?" fragte Harry irritiert.
„Das liegt doch auf der Hand?" sagte sie sanft lächelnd. „Professor White hat Jilli sehr gerne und würde etwas nur dann nicht gutheißen, obwohl es ihr Leben retten könnte, wenn es Jilli's Leben gefährdet."
„Ich wiederhole – Wie kommst du darauf?!"
„Harry," sagte Hermine jedoch mit einem Blick, der Ron und ihn sehr wohl hin und wieder auf die Nerven ging. Sah sie dabei doch aus als ob es auf der Hand liege für jeden, nur für ihn mal wieder nicht.
„Was?" hakte er entrüstet nach. Für ihn lag es wirklich nicht auf der Hand. Hermine rollte mit den Augen, wenn auch gleichzeitig ein Schmunzeln über ihre Lippen kam.
„Harry, Professor White hat euch beide gern. Sehr gern sogar. So gern, dass sie euer Leben vor ihrem Wohl stellt. Und Jilli weiß das – deswegen will sie wahrscheinlich nichts sagen, weil Professor White sie sonst davon abhält."
Nun verstand er, auch wenn es ihn gleichzeitig bedrückte und das verstand er wiederum nicht.
„Ah," machte Hermine plötzlich und Harry sah sie verwundert an. Sie hatte diesen überlegenen Ausdruck im Gesicht als ob sie nun den kompletten Durchblick hätte.
„Was?" fragte er erneut, diesmal irritiert. Hermine deutete ihn an ihre Runden fortzusetzen und so schritten beide wieder durch die Gänge.
„Du fühlst dich seltsam."
„Ja?"
„Du fühlst dich seltsam, weil es dich nicht kalt lässt, dass sie bald stirbt."
„Hä?"
„Harry! Du hast Professor White gern."
„... Hä?" wiederholte er erneut. „Was hat das eine mit dem anderen zu tun?"
„Du verachtest sie nicht mehr, sondern hast erkannt, wie gut sie allen tut, die du gern hast und wie gut sie dir tut, weil sie dich lehrt. Dir ist es nicht mehr egal, was mit ihr ist. Nun lässt dich das Wissen, dass sie bald stirbt, nicht mehr unberührt. Im Gegenteil, es macht dir viel aus, weil du Angst vor dem hast, wie ihr Tod diejenigen beeinträchtigt, die du gern hast und weil es dich selbst beeinträchtigt, weil du sie nun gern hast."
Wieder blieb Harry mitten im Gang stehen, aber diesmal war es, weil ihre Worte ihn mitten ins Herz trafen. Es erschreckte ihn, denn als Hermine das alles aussprach, da bejahte jede Faser seines Körpers ihre Worte. Er starrte sie einen Moment lang ausdruckslos an, während sie richtig erfreut grinste.
„Magst du es immer recht zu haben?" brummte Harry mit verengten Augen. Hermine kicherte fröhlich.
„Ja, heute schon."
So schritten die beiden wieder weiter ihre Runden und Harry kam nicht umhin überrascht von dieser Feststellung an jenem Abend zu sein. Er hätte nie gedacht, dass er White tatsächlich mal so mögen könnte, dass es ihn belastete, dass sie sterben könnte.
„Und was soll ich jetzt tun?" fragte Harry nach einer Weile.
„Du fragst das mich?!" entgegnete Hermine verblüfft.
„Du bist doch die mit all den Antworten?!"
Sie schien das tatsächlich als Kompliment zu nehmen, denn sie grinste wie ein Honigkuchenpferd.
„Du könntest mit Jilli reden und fragen, ob sie irgendwie Hilfe braucht? Das wäre echt genial, wenn wir es gemeinsam schaffen, dass sie den Trank richtig braut und Professor White am Leben bleibt. Lass uns gleich jetzt zu ihr gehen!"
„Wa – Hey!"
Noch bevor er überhaupt reagieren konnte hatte Hermine ihn mit sich gezogen und er fand sich schneller im Flur der Gästezimmer wieder als er hätte protestieren können.
„Hermine!" zischte Harry ungläubig. „Es ist spät! Wir können doch nicht einfach bei Jilli rein platzen und -"
Die Tür ging auf noch bevor einer von ihnen überhaupt geklopft hatte und zwischen Tür und Angel stand – wie erwartet – seine Schwester. Sie lächelte überrascht, fing sich aber sehr schnell und sah beide erfreut an.
„Mein kleiner Bruder und du Hermine könnt immer einfach bei mir rein platzen. Bitte sehr."
Sie öffnete ihre Tür ganz und trat zur Seite, um beide herein zu lassen. Hermine lächelte verlegen während Harry eine unzufriedene Grimasse zog.
Harry mochte seine Schwester. Das tat er wirklich. Er mochte auch Hermine sehr gerne. Heute Abend war es das erste Mal, dass er die beiden zusammen erlebt hatte und er wünschte sich nach nur 5 Minuten das Weite suchen zu können. Begonnen hatte es gut mit ihrem Vorschlag Jilli beim Trank zu helfen und diese war auch dementsprechend erfreut über das Angebot. Dann jedoch ging es an das Erklären und auf einmal fand sich Harry umgeben von Gekichere und Gequatschte von für ihn total uninteressanten Kleinigkeiten über die Zutaten. Er rollte gequält die Augen und nur einen Moment später räusperte sich Jilli und auch Hermine verging das auffällige kichern.
„Sorry," sagte seine Schwester peinlich berührt. „Wir haben uns wohl etwas reingesteigert... Passiert nur selten, dass einer einen so gut versteht bei – egal, uhm – also danke für die Hilfe. Das macht alles leichter, jetzt, wo ich weiß, dass ich damit nicht mehr alleine bin. Danke."
Hermine strahlte, aber Harry fühlte etwas schweres auf seinen Schultern. Es war dasselbe seltsame Gefühl, was er den ganzen Abend über schon fühlte. Hermine hatte recht. Was mit White passierte war ihm nicht mehr gleichgültig und es war der Gedanke, dass der Trank auch diesmal nicht helfen könnte, das ihn sich merkwürdig fühlen ließ.
„Wie weit bist du denn schon?" fragte Harry, um diese innere Unruhe in den Griff zu bekommen.
„Die meisten Zutaten hab ich. Mir fehlen ein paar wenige, die ich selbst mit der Zeit beschaffen kann oder beschaffen lassen kann. Ist nicht schwer, aber ich wollte es unauffällig tun, damit Snape kein Verdacht schöpft. Noch glauben sie ja, dass der Trank gewirkt hat und wenn er herausfindet, dass ich dieselben Zutaten wie er besorge, ist es nicht schwer sich zusammenzureimen, dass der Trank womöglich doch nicht gewirkt hatte, wie von ihm bereits beabsichtigt war.
Anna ist beim letzten Duell mit Voldemort nur sehr knapp einer kompletten Katastrophe entkommen. Das war Haarscharf."
„Ihr geht es jetzt aber wieder gut?" warf Harry mehr unsicher ein. Jilli schüttelte den Kopf.
„Ich glaub nicht, dass es ihr wieder gut geht. Sie wirkt zwar so, aber – von Dad weiß ich, dass Anna ihren wahren Zustand sehr gut zu verstecken weiß. Sirius und Remus machen sich auch immer noch Sorgen um sie und Heilerin Stradford meinte, dass sie Anna gar nicht behandelt, weil diese es nicht zulässt. Insofern weiß sie auch nicht, wie es um ihren Zustand tatsächlich steht. Keiner von uns weiß, wie es wirklich um sie steht."
Harry nickte nachdenklich. Wieder dieses merkwürdige Gefühl... Eindeutig diesmal. Es war Angst, seine Mentorin sterben zu sehen.
„Wobei ich aber eure Hilfe gebrauchen kann ist bei der Besorgung einer speziellen Zutat – oder besser zwei."
„Welcher?" fragte Hermine neugierig, da Harry kurz in seinen Gedanken hängen geblieben war und erst jetzt daraus erwachte und aufsah.
„Die eine Zutat ist die goldene Wurzel einer Weide. So etwas zu finden braucht viel Zeit und Mühe und ich hatte es bisher nicht. Professor Slughorn schon."
Hermine und Harry stutzten beide mehr skeptisch als recht. Wollte Jilli etwa, dass die beiden den Lehrer dazu überredeten so was für sie suchen zu gehen?!
„Er hat die Zutat bei sich. Ich kann nicht einfach danach fragen ohne das Anna etwas mitkriegt."
Sie wollte, dass die beiden es aus seinem Büro stahlen?!
„Und er wird sie an euch weiterreichen in einer Lehrstunde, weil er euch den Trank von Rose Bakers beibringen will. Ohne diese Zutat entfaltet der Trank keine Wirkung. Also wäre meine Bitte – dass ihr die Wurzel einfach nicht in euren Trank gebt, sondern es stattdessen einsteckt, damit ich es für meinen Trank benutzen kann?"
Ach so, dachte Harry. Nicht überreden oder stehlen, nur stibitzen und sich selbst als Idiot dastehen lassen... Das konnte er tun.
„Klar," sagte Harry, doch ein Blick zu Hermine zeigte, dass sie davon nicht ganz so begeistert war.
„Wie viel von der Wurzel brauchst du denn?!" fragte sie stattdessen und Jilli dachte kurz nach.
„Je nachdem wie viel er euch gibt – mindestens 2 Stück."
„Gut," sagte Hermine zufrieden. „Wir nehmen Ron und Harry's dann."
„Was ist die zweite Zutat?" fragte Harry.
„Die ist etwas schwerer zu beschaffen und ich bin froh, dass ihr mir eure Hilfe angeboten habt, denn daran nage ich schon seit geraumer Zeit, wie ich da unbemerkt rankommen soll -"
Nichts. Harry sah seine Schwester eindringlich an, denn Gedanken lesen konnte er schließlich noch nicht. Hermine war einfühlsamer und bemerkte durchaus, dass dies wohl keine leicht verständliche Zutat war. Sie ließ der Freundin die Zeit sich zusammenzureißen.
„Uhm," machte Jilli nervös. „Also – ich brauch ein Stück von – uhm – Anna's Magie."
„Ein Stück Magie?!" schoss es simultan ungläubig von beiden heraus.
„Wie kann man ein Stück Magie von jemanden nehmen?!" sagte Harry mit irrem Blick. „Ein Stück Magie?!"
„Nun," erklärte Jilli zurückhaltend. „Sie muss es eigentlich auch freiwillig geben. Ich mein, man kann schon auch zwingen, aber das beherrschen nicht viele und ich gehöre definitiv nicht zu denen, die es tun. Ich schlussfolgere daher, dass ihr auch nicht dazu gehört und Anna ist ohnehin niemand, den man leicht zu so etwas zwingen kann.
Bei gewissen Schutzzaubern gibt man ebenfalls ein Teil seiner eigenen Magie her, um diese aufrechtzuerhalten. Dann ist der Teil der Magie eben in dem Schutzzauber. Ich brauch einen Teil ihrer Magie für den Trank und sie könnte ihn freiwillig in eine Phiole oder einem anderen Gegenstand übergeben. Ich hatte bisher nur keine Ahnung, wie ich das am besten anstellen soll, ohne dass sie Verdacht schöpft."
„Und wie sollen wir das anstellen ohne, dass sie Verdacht schöpft?!" warf Harry mit dämlichen Blick ein. „Als ob es von uns nicht merkwürdig kommt, wenn wir ein Teil ihrer Magie haben wollen."
„Aber wir hätten mehr Möglichkeiten sie unauffälliger danach zu fragen," erklärte Hermine, die sehr wohl Jilli's Intention verstanden hatte.
„Wie um Himmel's Willen soll man jemanden unauffälliger nach seiner Magie fragen?!"
war Harry's erster Satz als er sich in Verwandlung neben Hermine setzte. Ron nahm neben ihm platz und beobachtete beide neugierig, wie auch Ginny, welche hellhörig neben Hermine aufsah.
„Keine Ahnung," flüsterte sie leise, damit nicht jeder andere im Raum etwas von ihrem Gespräch mitbekam. „Wir lassen uns schon noch etwas einfallen."
„Wann?"
„Nicht jetzt! Jetzt haben wir Verwandlung."
„Worum geht's überhaupt?" warf Ron ein, aber weder Hermine noch Harry antworteten. Während die eine ihr Buch aufschlug, grummelte der andere vor sich hin. Ginny gab sich damit zufrieden und öffnete gleichfalls ihr Verwandlungsbuch. Ron jedoch musterte beide weiterhin äußerst misstrauisch. Nach der Stunde gingen sie zwar zeitgleich raus, aber Hermine war fast ein wenig schneller als der Rest von ihnen.
„Also lässt du dir etwas einfallen?!" zischte Harry als er aufgeholt hatte. Ginny und Ron hatten mehr Mühe Schritt zu halten, wo der Gang voll von anderen Schülern war, die sich ebenfalls in ihre nächsten Klassen drängelten.
„Ja!" zischte sie genervt zurück. „Gib mir etwas Zeit, okay? Ich lass mir schon etwas einfallen."
Und prompt bog die Freundin im Gang ab und lief eilig von ihnen weg.
„Arithmantik," erklärte Harry als Ginny und Ron endlich aufgeholt hatten.
„DAS wissen wir," sagte Ron jedoch. „Das andere nicht. Also raus mit der Sprache. Was tuschelt ihr seit heute früh?"
„Später," entgegnete Harry und deutete ihnen an mitzugehen. Er würde es ihnen an einem ruhigeren Ort erklären. Sie wollten gerade aufbrechen, da blieb Harry auf einmal stehen. Malfoy? Der Slytherin stand mitten im Gang mit seiner Tasche in der einen Hand und hatte sich gerade von zwei Mitschülern verabschiedet, die schließlich an Harry und seinen Freunden vorbei schritten. Nicht ohne immer noch herablassende und verachtende Blicke auf sie zu werfen. Harry rollte nur die Augen. Das hörte echt nie auf mit diesen Feindseligkeiten... Stattdessen schritt er auf Malfoy zu, welcher gar gleichfalls ein paar Schritte auf die Gruppe zu tat.
„Hey," sagte Harry als erstes während Malfoy ihn lediglich etwas unbedarft ansah. „Du bist wieder zurück?"
„Bin ich," bestätigte er kurz, dann aber nickte er als müsse er sich selbst bestätigen, dass es in Ordnung war dieses Gespräch zu führen. So gut wie jeder andere Schüler, der an ihnen vorbei ging, hatte entweder auffällig gestarrt oder hinter der Hand mit anderen getuschelt. Harry aber ignorierte es und ließ seine Aufmerksamkeit stattdessen bei Malfoy.
„Wie geht's deinen Eltern?"
Es war die letzte Frage, die er hätte stellen sollen, denn das Gesicht seines Gegenübers hatte sich versteinert und Harry ahnte, dass die Antwort nicht schön sein würde.
„Hast es also noch nicht gehört?"
„Was gehört?" fragte er vorsichtig. Ginny und Ron sahen nicht minder besorgt aus, weshalb es ihr Mitschüler vielleicht auch eher über sich brachte, es auszusprechen. Er hätte ihnen auch gut den Rücken kehren und einfach weggehen können.
„Sieht aus als ob ich der Letzte der Malfoy's nun bin."
„Draco -"
„Wir sehen uns," sagte er jedoch bevor Harry seinen Satz beenden konnte und war weg noch bevor Ginny oder Ron hätten etwas von sich geben können. Eine Weile sahen ihm alle drei besorgt nach.
„Also sind seine Eltern tot?" fragte Ron. Harry schüttelte den Kopf.
„Keine Ahnung..."
Um eine Antwort zu bekommen suchten die beiden ohne Ginny Sirius auf, da die junge Hexe noch dringend einen Aufsatz zu Ende schreiben musste und die Freistunde eigentlich dafür in der Bibliothek nutzen wollte. Sirius bestätigte den beiden das, was sie bereits aus Malfoy's Worten ahnten.
„Lucius Malfoy ist tot," sagte Sirius ihnen, auch wenn im Gesicht seines Patenonkels wenig Mitgefühl zu erkennen war, so fand sich auch keine Genugtuung oder gar Freude. Harry wusste, dass viel Bitterkeit zwischen den beiden Zauberern existiert hatte.
„Die Heiler haben getan, was sie konnten, aber seine Verletzungen waren zu schwer und zu tief. Ihn am Leben zu halten war fast grausamer als ihn gehen zu lassen, denn selbst mit all den Tränken und Heilzaubern hatte er nichts als Schmerzen den ganzen Tag über.
Es muss schon übel gewesen sein, wenn er sogar seinen Jungen anfleht ihn zu töten, um das endlich zu beenden."
„Er hat was getan?" sagte Ron ungläubig, während Harry komplett die Stimme versagte. Mit einem Mal war alles in ihm vor Kälte gefroren. Hatte er das gerade wirklich gehört? Lucius Malfoy, der Todesser, den er nur als herablassenden, arroganten Mistkerl kannte, flehte seinen eigenen Sohn an ihn zu töten? War er am Ende wirklich so verzweifelt? Harry hatte ihn nicht mehr gesehen und konnte sich das nur sehr schwer vorstellen. Sirius war jedoch völlig ernst.
„Ich war nicht da. An lässt mich ja kaum aus Hogwarts raus ohne, dass ich von gewissen Babysittern streng bewacht werde. Remus hat das vor einer Woche erzählt als es passiert ist."
„Vor einer Woche? Lucius Malfoy ist seit einer Woche tot?" fragte Ron, immer noch komplett überrumpelt und kaum im Stande das wirklich zu glauben. Harry hatte seine Stimme nach wie vor nicht gefunden. Sirius nickte kurz zur Bestätigung, sein Blick aber ruhte misstrauisch auf seinen ungewöhnlich schweigsamen Patensohn.
„Mann, Draco muss es richtig scheiße gehen. Das hat man ihm vorhin gar nicht angesehen."
„Eigentlich war es Draco's eigene Entscheidung," sagte Sirius und wieder sahen ihn beide Jungs entsetzt an. „Nun, wenn der Tod eine Erlösung ist, lässt man den Menschen vielleicht leichter gehen. Und Malfoy's Zustand war, so weit mir bekannt war, alles andere als ertragbar."
„Was ist mit Narzissa Malfoy?"
„Ihr Zustand hat sich nicht gebessert. Sie ist noch nicht tot, aber es kann auch keiner sagen, wie lange sie es noch macht. Im Moment ist sie stabil und im Gegensatz zu ihrem Mann kann man ihr die Schmerzen mit Tränken und Zauber erträglich machen."
Beide Jungs nickten betrübt.
„Kaum zu glauben," sagte Ron verstört. „Der alte Malfoy ist also wirklich tot. Dad hat ihn verachtet. Malfoy hat ihm das Leben zur Hölle gemacht und wann immer er konnte Steine in den Weg gelegt. Aber ihn so ein Tod gewünscht? Bestimmt nicht."
Sirius bemerkte sehr skeptisch, dass Harry nach wie vor wie versteinert war und so wandte er sich mit eindeutigem Blick an Ron.
„Ihr habt doch jetzt Verteidigung gegen die dunklen Künste? Ron, wieso gehst du nicht schon mal vor und falls Remus fragen sollte, sag ihm doch, dass Harry nach kommt."
Der junge Zauberer schien zuerst überrascht, auf Sirius' eindringlichem Blick hin aber nickte er verstehend, warf kurz einen bangen Blick auf seinen Freund und verließ dann das Zimmer. Harry sah erst jetzt auf, wenn auch immer noch verschlossen und nachdenklich.
„Dich nimmt die Nachricht mehr mit als ich erwartet hätte," sagte Sirius misstrauisch. Er setzte sich neben seinem Patensohn hin und musterte ihn besorgt. Harry wollte etwas sagen, sich erklären, aber die Wahrheit war, er wusste nicht wie er das hätte erklären können, warum es ihn so berührte.
„So wie du nämlich gerade guckst, so sah dein Vater auch immer aus, wenn ihm jemand leid tat, obwohl derjenige ihm eigentlich nicht leid tun sollte."
Harry lächelte traurig.
„Lucius Malfoy war kein guter Mensch, Harry. Ich weine ihm keine Träne nach. Er hat viel schlechtes getan und nicht wenig davon Menschen, die mir sehr viel bedeutet haben. Unter anderem deinen Eltern."
Sirius hatte erreicht, was er wollte. Harry's Ausdruck hatte sich verändert, war aufmerksamer geworden und die vorherige Traurigkeit schwang in Unentschlossenheit um.
„Damals hat er ohne zu zögern -"
Sirius stoppte sich selbst und schüttelte nur den Kopf. Er beschloss, dass es nichts brachte alte Kamellen aufzuwärmen. Es war für niemanden gut gewesen.
„Wir hatten unsere Differenzen und Begegnungen und ich kann keine Einzige nennen, an die ich mich gerne erinnere oder die ich nicht mit sehr viel tiefer Abneigung verbinde. Das heißt nicht, dass ich ihm gewünscht hätte, wie es mit ihm geendet hat.
Aber ich weine ihm keine Träne nach. Und du solltest das auch nicht. Du hast genug andere Sorgen, die dich beschäftigen und was alles andere als leicht ist. Lucius Malfoy's Tod sollte nicht dazugehören."
Harry nickte, wenn auch eher langsam als verstehend. Er verabschiedete sich von seinem Patenonkel, um zum Unterricht dazuzustoßen, doch kaum hatte er Sirius' Zimmer verlassen, wurde ihm klar, dass Unterricht das Letzte war, was er nun tun wollte.
Er wollte auf die Ländereien und frische Luft schnappen als er auf halbe Wege Draco an einem Baum sitzen sah, tief in den Gedanken versunken und Löcher in die Luft starrend. Harry brauchte nur eine Sekunde um sich dafür zu entscheiden, sich zu ihm zu setzen. Malfoy hatte ihn sofort bemerkt und für einen Moment blickte er ihn verwundert an. Da Harry jedoch ebenfalls nur in die Ferne starrte, ging auch er beruhigt wieder dieser Beschäftigung nach.
„Sorry wegen deinem Dad," sagte er nach einer Weile und wagte es sich dem Mitschüler zuzuwenden. Malfoy sah ebenfalls rüber und nickte kurz.
„Danke, Potter."
Beide versanken wieder in der Stille und setzten ihr sinnloses Starren in die Leere fort. Für jeden anderen wäre es sinnloses Starren gewesen. Für sie beide war es alles andere als sinnlos. Es war das, was sie brauchten, um weiterzumachen. Sie mussten verstehen und verarbeiten.
Gegen Mitte der Woche nahm Harry die zweite Trainingsstunde bei Professor White wahr in der sie ihm die Zauber gegen die Kreaturen beibrachte, gegen die er es in naher Zukunft vielleicht aufnehmen musste. White war in dem Punkt anders als Remus. Während Letzterer damals einen Irrwicht hernahm, um ihm den Patronuszauber beizubringen, schien Erstere das Wort Vorsicht noch nie gehört zu haben. White schleppte eine Cameo Schlange in die Kammer des Schreckens und ließ diese offenbar ohne jegliches schlechte Gefühl auf den jungen Gryffindor los. Er hatte nicht mal richtig Zeit zu verdauen, dass sie so eine gefährliche Kreatur überhaupt mal eben so herzaubern konnte, da jagte es ihn durch die halbe Kammer ohne, dass er seinen Fluch richtig gegen sie anwenden konnte.
Am Ende erledigte es White für ihn, nachdem er außer Atem fast über seine eigenen Füße gestolpert wäre, wenn sie die Kreatur nicht vorher außer Gefecht gesetzt hätte. Da saß Harry mit seinem Hintern auf dem Boden und der gelähmten Cameo Schlange gerade noch einen Meter von ihm entfernt. Er atmete hastiger als gewollt, aber mehr weil ihm sonst das Herz in die Hose gerutscht wäre.
White trat heran, schwang ihren Zauberstab ein weiteres Mal ohne den Zauber laut ausgesprochen zu haben und die Kreatur wurde in einen Stein in ihrer Hand gesogen. Sie steckte es ein und reichte ihm die Hand, um ihn wieder auf die Beine zu ziehen. Sein Puls raste nach wie vor, aber ohne die giftige Schlange vor sich war es zumindest leichter sich wieder zu fangen.
„Sagen sie bloß, da drin befindet sich auch noch ein Musard und all die anderen Wesen?"
„Natürlich nicht," sagte White schmunzelnd und Harry lächelte verlegen. „Der Musard würde mit der tödlichen Cameo Schlange nicht mal ein Tag da drin überleben."
„..." Der Schüler verzog kritisch eine Grimasse. Deswegen hatte sie da drin kein weiteres Wesen? Also nicht etwa, weil sie keines fangen konnte, sondern weil sie kein weiteren Stein dazu hatte?! Er brauchte eine Weile, um sich wieder zu beruhigen und White gab sie ihm glücklicherweise auch. Sie hatte weder gesprochen, noch ihn zu irgendetwas ermahnt, noch auch nur angesehen. Stattdessen hatte sie sehr interessiert an die Decke gestarrt und Harry kam nicht umhin das genauso komisch zu finden.
„Professor White?" fragte er als er endlich wieder normale Gefühle in seinen Knochen zurückbekam. Vorher fühlte er nämlich nichts als Panik und Angst, dank der Cameo Schlange, die ständig hinter ihm herjagte und gefährlich bissig mit ihrer Zunge schnalzte.
„Hm?" machte sie, den Blick immer noch starr empor gerichtet.
„Es ist nur – Ich hab mich gefragt, warum Sie Lucius Malfoy nicht mehr helfen konnten."
Auf einmal wandte sie sich ihm mit scharfem Blick zu und Harry zuckte auf einmal zusammen. Er bekam das ungute Gefühl das besser nicht erwähnt zu haben. Leider war es schon raus also brachte er es einfach hinter sich und hoffte ihr damit nicht doch noch auf die Füße zu treten.
„Sirius hat uns erzählt, nachdem Draco zurück kam und so was angedeutet hat, dass Lucius Malfoy tot ist. Und Sie haben doch Neville's Eltern und Narzissa Malfoy auch helfen können."
Es war kein Vorwurf, auch wenn ihm im Nachhinein auffiel, dass es durchaus wie ein solches klang. Er war nur neugierig warum sie einigen helfen konnte und anderen nicht... White's Ausdruck wurde wieder milder und sie atmete schwer aus.
„Wir haben nie über das gesprochen, was du in meinen Erinnerungen bei deiner Heilung gesehen hast."
Harry nickte vorsichtig, erleichtert, dass sie dies nicht als Vorwurf aufgefasst hatte.
„Eine solche Heilung bei Frank und Alice Longbottom oder Caradoc Dearborn durchzuführen war für mich keine Frage. Sie sind meine Freunde. Narzissa Malfoy tat ich, um des jungen Draco Malfoy Willen – und weil sie, trotz ihrer Loyalität Voldemort gegenüber – nie aktiv die Hand gegen jemanden erhoben hat.
Dies war anders in Lucius Malfoy's Fall. Ohne all die Dinge aufzuzählen, die er getan hat, kann ich dir versichern, dass es sehr viele Gründe für mich gab – ihm nicht zu helfen. Es heißt jedoch nicht, dass ich es nicht getan habe."
Harry zuckte überrascht auf.
„Sie haben?"
Ohne es wirklich zu verstehen, fühlte er eine unglaubliche Erleichterung in sich drin. Sie hatte es zumindest versucht. Es hat eben nicht geklappt, aber sie hat Malfoy nicht einfach sterben lassen.
„Ich hatte jeden Grund es nicht zu tun und egal, wie lange ich nachdachte, ich fand keinen Grund es zu tun. Der junge Draco Malfoy bat mich jedoch darum und Hilfe dann dennoch zu verweigern war mir unmöglich.
Leider war es mir zwar möglich das meiste zu heilen, nicht aber bestimmte Verletzungen, gegen die kein Heilzauber etwas ausrichten kann. Trotz all der Schmerzen, die er noch hatte, war es wichtig, dass er einen starken Willen zum Überleben zeigt und diese über die Zeit erträgt. An den Willen eines Menschen kann man appellieren, es jedoch ausführen muss derjenige selber.
Und Lucius Malfoy hatte diesen Willen nicht. Vielleicht lag es daran, dass er es nie vorher erdulden musste. Es heißt schließlich, was uns nicht umbringt, macht uns stärker. Er musste es jahrelang nie selber ertragen. Hatte es stets aber anderen zugefügt. Wenn es auf einmal auf einen hinabkracht..."
Sie stoppte sich selbst und fuhr gefasster fort.
„Er hat die Schmerzen nicht ertragen, trotz meiner Hilfe. Wir haben sein Tod so erträglich für ihn gemacht, wie es möglich war."
Harry nickte verstehend, spürte aber gleichzeitig auch tiefes Mitleid für Draco. Es musste schrecklich sein, wenn der eigene Vater so aufgab und um den Tod flehte.
„Aber Narzissa Malfoy lebt?"
„Sie scheint die Schmerzen besser ertragen zu können. Andererseits war der Angriff auf Lucius Malfoy auch grausamer als auf sie. Ich kann keine zuverlässigen Aussagen über ihre Genesung machen, aber wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben."
Erneut nickte er betrübt, bemerkte aber nur ein Moment darauf, dass sie ihn sehr intensiv musterte. Es war unangenehm und so verzog er zumindest eine Miene, um irgendwie zu reagieren. Sollte er etwas sagen? Etwas tun? Aufstehen und gehen? Er wusste nicht was er sagen sollte oder -
„Dein großes Mitgefühl selbst für einen Feind ist wirklich erstaunlich," merkte sie plötzlich an und befreite ihn aus dem Zwang irgendwie reagieren zu müssen. Er sah sie überrascht an, aber White's sehr warmherziger Blick vertrieb das unangenehme Gefühl in ihm und entlockte ihm ein leichtes Lächeln.
„In diesen Momenten hast du mehr von deiner Mutter als du ahnst – und als mir bewusst war. Jilli und du, ihr habt so viel von euren Eltern in euch und das obwohl ihr so wenig Zeit mit ihnen verbringen durftet. Es ist wirklich erstaunlich und gleichzeitig wunderbar. Dadurch leben sie in euch weiter."
Harry's Lächeln wurde größer. Ihm fiel wieder ein, was Jilli gleich wieder brauchte. Er hatte Hermine die letzten Tage jedoch nicht mehr deswegen gesprochen und insofern immer noch keine Idee wie er White um ein Teil ihrer Magie fragen sollte. Er wollte in diesem Moment aber mehr als er gedacht hätte, dass sie länger lebt und beschloss sich irgendetwas aus den Fingern zu saugen und es zumindest zu probieren.
„Uhm, Professor White, es gibt da ein Zauber, den ich gerne ausprobieren möchte, aber er braucht erheblich stärkere Magie als die meine. Könnte ich vielleicht – uhm – etwas von ihrer Magie ha... haben?"
Kaum über seinen Lippen, schon bemerkte er wie bescheuert das klang! Hätte er sich doch nur etwas zurechtgelegt und vorher darüber nachgedacht... Er blickte sie unsicher an und noch konnte er nicht sagen, ob sie ihn nun für unverschämt und irre hielt – oder gleich ihren Zauberstab zog, um ihn den erstbesten Fluch auf den Hals zu jagen.
„Es ist wirklich ein sehr – uhm – anspruchsvoller Zauber," versuchte er sich so glaubwürdig wie möglich zu erklären. „Schutzzauber! Als Permanentzauber... Ja... Genau..."
„Du brauchst dafür eine stärkere Magie als die deine? Als die von Gryffindor? Und deswegen willst du ein Teil meiner?"
„J-a..." sagte er langatmig. Hätte er doch nur auf Hermine's Vorschläge gewartet. Nun hatte er vielleicht jegliche Möglichkeit für Jilli diese Zutat zu besorgen vernichtet. White verengte kritisch die Augen und runzelte die Stirn. Ihr prüfender, stechender Blick verursachte ihm solch Unbehagen, er spielte durchaus mit dem Gedanken sich zu entschuldigen und so schnell wie möglich abzuhauen.
„Und nun erinnerst du mich wieder an deinen Vater -" sagte sie schließlich überraschenderweise, nahm tatsächlich ihren Zauberstab und noch bevor Harry das Weite suchen konnte, schwang sie ihren Zauberstab einmal im Kreis und er sah wie ein weißer Strahl aus dessen Spitze hinab auf ihre Handfläche flog und sich zu einer runden, gläsernen Kugel formte.
„Ich bin gerührt, dass du möchtest, dass ich am Leben bleibe und Jilli bei ihrem Trank in dieser Weise hilfst."
„Sie wissen davon?" stieß er überrascht aus als sie ihm die weiße Kugel reichte. White nickte sanft und er steckten die weiße Kugel verwirrt ein.
„Es gibt sehr wenig, was Jilli und du tust, von dem ich keine Kenntnis habe oder es nicht bereits ahne. Wie gesagt, ihr ähnelt euren Eltern sehr. Was Jilli tut ist genau das, was auch eure Mutter getan hätte, wenn sie noch leben würde."
„Sie halten sie aber nicht davon ab?"
„Ihr seid beide sehr stur und habt einen enormen Dickkopf. Ich konnte schon Lilli und James nie von etwas abhalten, wenn sie sich erst mal etwas in den Kopf gesetzt hatten. Natürlich könnte ich auf sie einreden, sie zur Vernunft ermahnen, aber das wäre nur verschwendete Zeit. Jilli würde es dennoch tun. Dann eben im Verborgenen was sich vom jetzigen Zustand nicht unterscheidet."
War er nun verwirrt? Verwundert? Entsetzt?
„Wenn Sie davon die ganze Zeit wussten. Warum helfen Sie ihr dann nicht?"
„Dass ich sie nicht davon abhalten heißt nicht, dass ich es für gut halte, was sie tut. Ich lege ihr keine Steine in den Weg – deswegen überreiche ich dir den Teil meiner Magie, trotz der wenig überzeugenden Anfrage, auf die keiner einfach mal so ein Teil seiner Magie hergeben würde – aber das heißt nicht, dass ich sie in ihrem Vorhaben unterstütze.
Der Trank ist nicht leicht zu brauen und gerade für Jilli eine große Last und etwas, das ihr sehr viel abfordern wird. Jilli und du solltet eure Kräfte lieber aufsparen für das, was wirklich wichtig ist, wie euer eigenes Leben und euch selbst zu schützen."
„Aber Sie gehören zu Jilli's Leben dazu und sie will, dass Sie leben. Sie glaubt daran, dass sie den Trank richtig brauen kann."
White lächelte traurig.
„Jilli träumt, Harry. Snape hat getan, was er konnte. Was immer er falsch gemacht hat, war nichts, was erkennbar war und was Jilli anders machen könnte. Sie mag es glauben, aber... am Ende kann keiner sagen, ob es wirklich daran lag, dass der Trank nicht wirkte, wie gehofft. Ich habe aufgehört zu träumen als ich vor 16 Jahren gestorben bin."
Sie wandte sich ab und schritt zum Portschlüssel rüber. Wieder war das Gespräch damit beendet und beide reisten zurück nach oben.
„Das war wirklich lahm," sagte Hermine als er ihnen am nächsten Morgen beim Frühstück davon erzählte. Ginny und Ron vergruben ihre Köpfe hinter ihren Müslischalen, um zu verstecken, dass sie Hermine hierbei voll und ganz zustimmten.
„Mir fiel nichts Besseres ein! Und es rutschte einfach so heraus."
„Das nächste Mal, wenn dir etwas einfach so herausrutscht, versuch es für dich zu behalten."
Harry warf ihr einen giftigen Blick zu, doch Hermine war kein bisschen eingeschüchtert davon. Mehr denn je sah sie rechthaberisch zurück.
„Es hätte auch schief laufen können. Dein Glück war, dass Professor White nicht gegen euch steht."
„Wenn man bedenkt, dass sie von allem Bescheid wusste und nicht half, weiß ich nicht, ob nicht gegen die beiden steht so zutrifft," warf Ginny nachdenklich ein. „Anna ist schon komisch manchmal. Ich mein, sie ist total klug und hilfsbereit. Aber sobald es um sie selbst geht macht sie total zu. Das versteh wer will."
„Anna?" wiederholten Harry, Ron und Hermine gleichzeitig verdutzt. Ginny hielt verwundert mit dem Löffel voll Müsli kurz vor ihrem Mund an, dann aber legte sie es wieder nieder und lächelte verlegen.
„Sie hat es mir angeboten..." gab sie kleinlaut zu.
Ron und Hermine hatten sich verdächtig ruhig wieder ihrem Frühstück zugewandt, während Harry seine Freundin erneut prüfend ansah. Ginny lächelte eingeschüchtert mit feuerrotem Kopf.
Nachdem Frühstück gingen sie in den Unterricht, aber Ginny zog Harry etwas hinter Hermine und Ron, so dass sie ein Stück unter sich waren und schließlich in einen leeren Gang hinein, so dass sie fernab von allen anderen Schülern miteinander reden konnten.
„Du bist doch nicht böse deswegen, oder?" fragte sie zweifelnd. „Hey, sie ist doch nur nett zu mir, weil sie meine Patentante ist."
„Es ist nur – Ich wusste nicht, dass ihr so oft zusammenhängt... Es ist komisch."
„Komisch?" fragte sie amüsiert. „Harry, sie ist nicht 100 Jahre alt. Sie ist Mitte 30. Und wir hängen nicht oft zusammen. Ich war nur bei ihr, wenn ich mal irgendwo nicht weiterkam und wieder Hilfe von einem Lehrer suchte... Oder in der Bibliothek eingenickt bin..."
Harry schmunzelte auf ihren peinlich berührten Blick hin.
„Du bist in der Bibliothek eingenickt?"
„Irgendwie – Ich bin im Dunkeln aufgewacht und schlich durch die Gänge zurück in den Gryffindor Turm. Direkt an Anna vorbei. Ich dachte, jetzt gibt's Ärger und zwar richtig Großer."
„Gab's nicht."
„Gab's nicht. Sie hat mir stattdessen das erklärt, was ich nicht verstand und geholfen den Aufsatz bei Nacht und Nebel zu Ende zu schreiben. Sagte dann, dass ich jederzeit zu ihr kommen könnte, wenn ich bei etwas nicht weiterkomme. Ich sagte Danke, Professor White und sie sagte, ich solle sie ruhig Anna nennen, wenn wir unter uns sind. Danach war ich hin und wieder bei ihr, wenn ich wirklich irgendwo stecken blieb."
„Ist schon gut," sagte Harry und das meinte er auch so. „Ich war nur -"
„Überrascht?"
„Ja, genau."
Er sprach es nicht aus, aber es wurde ihm ein weiteres Mal klar, dass er Professor White tatsächlich gerne hatte und auch, dass er damit nicht alleine war. Er fragte sich in diesem Moment, ob die Schulleiterin eigentlich wusste, wie viel sie einigen von ihnen mittlerweile bedeutete und wie es sie alle treffen wird, wenn sie tatsächlich bald starb?
„Wir sollten zurück gehen oder McGonagall reißt uns den Kopf ab für's zu spät kommen."
Harry nickte und gerade als sie aufbrechen wollten, stoppten beide mitten in ihrer Bewegung als sie die vertrauten Stimmen von Brian und Kingsley unweit von ihnen entfernt hörten.
„Brian! Ich bin der Falsche, um darüber zu reden," sagte Kingsley streng.
„Du magst der Falsche sein und dennoch bist du der Einzige, mit dem ich darüber quatschen kann," entgegnete Brian genauso ernst. Harry und Ginny tauschten misstrauische Blicke miteinander aus.
„Du bist der Einzige, den ich kenne, der in keiner Verbindung zu James Potter steht und was ich jetzt brauche ist jemand, der das Ganze neutral beurteilt."
„James Potter?" hauchten Harry und Ginny tonlos.
„Das macht dich zu dem Einzigen, mit dem ich über seinen Tod reden kann und warum er das tat! Denn ich kann weder mit Anna noch mit Sirius oder Harry oder Jilli oder wen auch immer vorbehaltlos darüber reden."
„Ich bin nicht so neutral, wie du annimmst, Brian. Ich kannte James Potter auch."
„Du bist aber weder einer seiner besten Freunde, noch jemand, der als Kind zu ihm aufsah, noch mit jemandem zusammen, der ihm nahe stand."
„Was ist mit Hermine? Sie kannte ihn ebenfalls nicht."
„Sie würde sich Harry gegenüber verraten. Keiner von ihnen soll das wissen, bevor ich nicht verstehe, warum er das tat. Du weißt, wie sie reagieren würden, wenn..."
Brian stoppte mitten im Satz und es dauerte nicht lange, da hörten sie Schritte, die sich von ihnen entfernten. Harry schritt aus dem Seitengang heraus und fand sich in einem nun leeren Gang vor. Brian und Kingsley waren weg.
„Leider sind nicht alle Mitglieder des Orden so unvorsichtig," sagte Ginny und sah Harry besorgt an, welcher nicht kritischer hätte in diesem Moment den leeren Gang entlang blicken können. Sie wagte es kaum ihn anzusprechen, so vertieft schien er in seinen eigenen Gedanken zu grübeln.
„Harry?"
Er wandte sich ihr mit misstrauischem Blick zu.
„Brian hat die Erinnerung vom Tod meiner Eltern aus meinen Erinnerungen. Er sagte, dass er sehen könne, wie mein Vater gestorben ist und was genau passiert ist. Was meint er damit, dass er mit keinem von uns darüber reden kann? Was verdammt noch mal ist damals passiert, was er uns nicht sagen will?"
Ginny sah ihn mitfühlend an, aber eine Vermutung wollte sie in diesem Fall nicht wagen. Harry blickte finster den Gang entlang und wieder prasselten tausend Gedanken auf ihn ein. Einer weniger verständlicher als der andere.
White stand auf dem Balkon ihres Zimmers und blickte auf die friedlichen Ländereien Hogwarts hinaus. Es war ruhig und je länger sie die wenigen Lichter betrachtete, die noch hier und da aus den Zimmern brannten, desto unruhiger wurde sie. Diese Stille ließ sie nachdenklich werden.
Erst als eine Tasse Tee in ihr Blickfeld gereicht wurde, wandte sie sich von der Landschaft ab und zur Seite. Sirius stand da mit einer eigenen Tasse Tee und lächelte sanft.
„Eine Galleone für deine Gedanken," sagte er und nippte mit neugierigem Blick an seiner Tasse. White hielt ihre zwar in der Hand, daraus getrunken hatte sie jedoch nicht. Stattdessen starrte sie ihn mit intensiv eindringlichem Blick an. Hatte sie wirklich aufgehört zu träumen? War nicht auch ein Traum in Erfüllung gegangen mit Sirius' Rückkehr? War es dann so verrückt zu träumen, wenn eines davon wahr geworden war?
„Irgendetwas stimmt hier nicht," sagte sie nach einer Weile. „Und ich kann einfach nicht sagen was."
„Was lässt dich das denn glauben?" entgegnete er sanft. White legte ihre Tasse auf den Fenstersims nieder und atmete bedrückt aus.
„Keiner von uns hat Peter verdächtigt damals. Weil es nie auch nur die geringsten Anzeichen dazu gab, dass er es überhaupt sein könnte. Was ist, wenn es wieder der Fall ist?"
„Nur das wir alle wissen, dass Peter ein Verräter ist."
„Ich rede nicht mehr von Peter. Ich rede davon, dass es jemanden im Orden geben könnte, der nach wie vor gegen uns arbeitet – aber keiner käme auf ihn oder sie, weil es absolut keine Anzeichen dafür gibt."
Sirius Gesicht verfinsterte sich bei dieser Vermutung. Allein der Gedanke daran ließ die Wut in ihm erneut aufkeimen.
„Wie kommst du auf die Idee? Ist nicht so, dass unsere Leute ständig in eine Falle laufen oder nacheinander getötet werden, so wie es damals der Fall war."
„Darum geht's," sagte sie ernst. „Es läuft fast zu gut. Als ob jemand uns in eine Richtung lenken will und wir tanzen ganz nach dessen Pfeife."
„Manipulativ?"
White nickte nachdenklich.
„Hast du einen Verdacht?"
„Leider nein..."
