Nächstes =) Sorry, die Wochen sind gerade echt turbulent... Ich kann gar nicht abwarten bis endlich wieder Ruhe einkehrt. Tut mir leid, falls das Kapitel merkwürdig ist. Die Woche war es ebenfalls ^^ und ich rede nicht vom 24h Dauerregen.


Review:

Mannequin: Hallou =)

Schon, aber bei der Eiseskälte bleibt einem keine andere Wahl. Hab immer noch Mütze, Schal und Winterjacke an. Im Mai wird's besser... bzw. heute scheints ja auch zumindest okay mit dem Wetter zu sein. Ich gehe dennoch mit Schal, Mütze und Winterjacke vor die Tür...

Hm... ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich mag alle drei Charaktere zu sehr, um sie in eine bestimmte Schiene zu schieben. Zwischen Brian und Jilli knistert es auf jeden Fall sehr stark, aber genauso liegt etwas in der Luft zwischen Brian und Kaylar. Deswegen macht Brian kein Schritt auf Jilli zu XD, weil er weiß, was er damit erreichen würde.

Och je, das hab ich gar nicht mitgekriegt =/ Das tut mir leid mit deiner Katze. Ich nehm an, sie ist dann eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht? Ich hab gehört, dass Katzen, wenn sie sterben, sich irgendwo in eine Ecke verziehen, wo sie alleine sind und dann eben sterben.

Lucius Malfoy hat bei meiner Geschichte wirklich kein gutes Ende erwischt. Für Draco war es wichtig, weil ich ihn anders sehe. Die ganzen Bücher hindurch war er zwar arrogant und unfair, wo er nur konnte, aber gerade im 6. Buch hat er schon gezeigt, dass dies aus seiner Erziehung herauskam. Und mit dem Schock für Voldemort zu arbeiten und zu scheitern hat er sich dann ja sogar Myrte anvertraut. Sich selbst für den Tod seines Vaters zu entscheiden, um ihm weitere Qualen zu ersparen, macht ihn zu einem stärkeren Mitglied für den Orden, denn nun hat auch er einen festen Grund sich gegen Voldemort zu stellen. Er ist nicht mehr der überhebliche Mitschüler, der andere schikaniert und Harry hasst. Er wurde gebrochen und nun kommt er langsam wieder zurück.

Die Anna vor 16 Jahren wäre auch lauthals lachend zusammengebrochen XD Aber jetzt ist sie ja älter und gefasster.

Ich würd auch sagen, dass es kein Sinn macht ^^ Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendwer gerade darauf kommt. Dann werd ich mal fleißig Brotkrümmeln verstreuen.

Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßle


Chapter 40 – What you don't know...

Undergroundparty?" fragte Harry irritiert als er mit seinen Freunden Richtung Zaubertränke schritt. In der Hand hielt er eine geöffnete kleine Karte während um ihn herum lauter Luftschlangen herabhingen und er überall mit Konfetti bedeckt war. Genauso bedeckt damit waren auch Ron, Hermine und Ginny, welche neben ihm gingen.

„Oh, trägt man das heute?" fragte Luna, die kurz zur Gruppe dazugestoßen war, nahm einige Luftschlangen von seiner Schulter und schlang sie um ihre Haare. „Das ist ja toll!"

„Die haben doch nen Knall," sagte Hermine mürrisch und putzte sich weiteres Konfetti von den Ärmeln. „Draußen tobt ein Krieg und jeder versucht zu überleben. Außer Fred und George, die nichts besseres zu tun haben als ihren Geburtstag groß zu feiern und bescheuerte Einladungskarten zu verschicken, die einen zumüllen!"

„Ach, ich find's lustig," sagte Ginny und streute etwas von ihrem Konfetti über Luna's Umhang, die total begeistert mit den Luftschlangen spielte.

„Die beiden lassen sich eben nicht einschüchtern und offen zu feiern ist ja nicht möglich. Und der Gedanke nicht immer nur lernen, Prüfungen und UTZ um einen herum zu haben, sondern ein Abend auch mal was anderes tun – Hey, ich freu mich richtig darauf."

Sie betraten das Klassenzimmer und setzten sich auf ihre Plätze.

„Wir können da doch unmöglich hingehen," sagte Hermine entrüstet, aber Ron, Harry und Ginny sahen sie gleich überrascht an.

„Wieso nicht?" fragte Ron sofort. „Das ist die Nacht des 30. März auf den 1 April! Wir haben eh kein Unterricht und wir können am Samstag ausschlafen."

„Aber wir müssen lernen! Wir haben noch so viele Essays fertig zu schreiben und ganz zu schweigen von all dem anderen Stoff, den gerade du – Ron – immer noch nicht kannst. Es wird nicht ausgeschlafen, sondern um Punkt 9 Uhr wieder in der Bibliothek getroffen, um die Essays zu ende zu schreiben."

„Und?!" bellte er immer noch mit voller Unverständnis zurück. „Es ist nicht am Abend. Am Abend wird gefeiert! Ich war noch nie auf so ner Undergroundparty."

„Gehst du hin?" fragte Hermine mit strengem Blick auf Harry.

„Klar," antwortete er, wenn auch aus einem anderen Grund, wie Ron und Ginny womöglich meinten. Hermine war beleidigt und zeigte dies an ihrer kalten Art auch ganz eindeutig, aber Harry kümmerte es in dem Moment nicht. Er hatte Brian seit dem Abend mit Kingsley nicht mehr gesehen und der Freund reagierte auch nicht auf seine Briefe. Als Freund von den Weasley Zwillingen wird er bestimmt auf dessen Geburtstagsparty auftauchen und das war für ihn die Gelegenheit sich den Freund zu schnappen und endlich herauszufinden, was mit dem Tod seines Vaters nicht stimmte.


Jilli sahen sie an diesem Abend ebenfalls zum ersten Mal seit langer Zeit wieder und so übergab Harry ihr erst jetzt die Magie von White, die er von der Schulleiterin selber bekommen hatte. Seine Schwester war anfangs begeistert, dass ihm das gelungen war. Ihre Freude schwang jedoch sofort in Unmut um als er ihr erklärte, dass White die ganze Zeit von ihrem Vorhaben Bescheid wusste. Trotz ihres Unmuts und Grimassen schneidens, überrascht schien seine Schwester davon nicht zu sein und das wiederum überraschte ihn.

„Ach, Harry," sagte Jilli jedoch leicht traurig auf seinen fragenden Blick hin. „Was glaubst du, warum ich mir so viel Mühe gegeben habe, das so versteckt wie möglich zu tun? Natürlich weiß ich, dass Anna mich kennt und dass sie das sofort herausfindet, wenn ich unvorsichtig bin. Ich dachte, ich wäre vorsichtig genug gewesen... Offenbar nicht..."

„Aber sie hält dich doch nicht davon ab, wie befürchtet?" fragte er immer noch irritiert.

„Nein, aber das macht es nicht leichter," sagte sie frustriert. „Ich hatte gehofft, dass ich ihr den Trank so irgendwie mal unbemerkt in den Tee mischen kann. Jetzt, wo sie es weiß - Sie wird ihn nicht trinken, wenn ich ihn ihr gebe und sie darum bitte und es ihr irgendwie unbemerkt in den Tee mischen kann ich auch vergessen."

„Err – warum das?"

„Jetzt, wo sie damit rechnet, wird sie aufmerksamer sein, wenn ich da bin. Keine Gelegenheit also es ihr irgendwie unterzujubeln."

„Ich meine, warum sie es nicht trinkt, wenn du es ihr gibst? Du willst ihr doch nur helfen."

„Weil es eben Anna ist," antwortete sie betrübt. „Keiner versteht ihren Kopf." Sie schmollte und wippte ihren Kopf nachdenklich hin und her. „Na gut. Was soll's. Muss ich einen anderen Weg finden, damit sie den Trank zu sich nimmt. Vielleicht kann ich Sirius oder Remus dazu bringen mir dabei zu helfen. Danke, Kleiner Bruder."

Sie legte die kleine runde Kugel in eine Schatulle mit anderen Zutaten und verschloss sie sicher mit einem Zauber. „Hey, was ist das?!"

Jilli nahm die Karte, die auf ihrem Schreibtisch lag und die Harry sehr misstrauisch beäugte. Das war doch die Einladung von -

„Nein, warte Jil -" Doch die junge Hexe hatte den Brief geöffnet, bevor er sie aufhalten konnte und mit einem Mal ertönte ein Ohrenbetäubendes Hupen aus dem Umschlag heraus, das einem fast das Trommelfell zerriss. Während der Heuler wie wild im ganzen Raum umherflatterte verteilte es Luftschlangen und Konfetti überall auf alles und jeden, der sich auch nur ansatzweise in der Nähe befand.

„Party! Party! Paaaaaaaaaaaaaaaaaaarty!" sangen die Stimmen von Fred und George laut, heiter und sehr schräg. „Undergroundparty! Wir feiern unseren Geburtstag am 30. März! Kamin Paddapeng! Um 22 Uhr fängts an! Wer nicht kommt macht Bekanntschaft mit unserer neuesten Erfindung – Der Zombieheuler! Party! Party! Paaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarty!"

Der Heuler klappte sich wieder zu und blieb bewegungslos auf dem Tisch liegen. Jilli, die nun mit Luftschlangen und Konfetti bedeckt war, blickte ihren kleinen Bruder, der nicht weniger davon auf sich trug, sichtlich verwundert an und ihrer Mimik zu urteilen hatte es ihr die Sprache verschlagen. Harry grinste amüsiert.

„Uhm – Wir gehen. Kommst du auch?"


White hatte kein weiteres Training angesetzt und Sirius und Remus hatten nichts dagegen, dass die kleine Gruppe mit den Zwillingen feierte. Reisen direkt durch den Kamin hielten sie für unbedenklich. Warum sie keine Bedenken hatten bekam Harry sehr schnell heraus, kaum dass er mit Hermine, Ron, Ginny und Jilli die Feierlichkeiten durch den Kamin betrat.

Paddapeng war offenbar wortwörtlich zu nehmen, denn sie fanden sich in einer Art Höhle wieder, in der überall bunte Lichter leuchteten und laut dröhnende Musik förmlich den Boden zum Beben brachte. Ständig knallte irgendetwas irgendwo auf und außer die Neuankömmlinge störte das Krachen niemand anderen mehr.

Es war randvoll mit Hexen und Zauberer, die sie teilweise noch nie in ihrem Leben gesehen hatten (aber womöglich Geschäftskunden der Zwillinge waren) und dann waren da wiederum Hexen und Zauberer, die sie sehr wohl schon mal gesehen hatten und kannten. Kila stand bei Brian, Kaylar, Charlie, Bill und Fleur an einer Ecke. Alle aus dem Orden des Phönix und mit einer Phowlyris auf der Feier als Bodyguard ahnte Harry, dass White ihn deswegen auch nicht aufgehalten hatte.

Neben den Mitgliedern sah Harry auch Angelina Johnson und Alicia Spinnet wieder, die mit Katie Bell an einer andere Ecke saß und ihm zuwinkten. Auch Lee Jordan tauchte mal hier und mal dort auf, nachdem er die Gruppe begrüßt hatte. Ein wenig bemerkte Harry, dass er wehmütig wurde, weil er viele Gesichter wieder traf, die er mit schönen, vor allen Dingen aber ruhigeren Zeiten, in Hogwarts verband. Zeiten, die nun nicht mehr da waren.

Sie hatten die Zwillinge sehr schnell gefunden und ihnen zum Geburtstag gratuliert. (Harry und Ron reichten ihnen die Hände, Ginny und Hermine umarmten die beiden, Jilli gab jedem von ihnen einen sanften Kuss auf die Wange.) Die beiden reichten allen ein Glas mit merkwürdig aussehender Flüssigkeit, baten sie sich einfach unters Volk zu mischen und taten es mit dem nächsten trommelnden Geräusch selbst. Nicht allein, wie Harry feststellte, denn sie zogen Jilli mit sich in die Menge und ließen den Rest von ihnen kalt stehen.

„Da fühlt man sich doch gleich richtig willkommen," witzelte Ron zu Harry, welcher amüsiert zurückgrinste. Sie rochen kurz an dem Getränk und beschlossen es anzunehmen, denn auch wenn es merkwürdig aussah, es roch köstlich. Sie brachen gemeinsam auf direktem Wege zu der Gruppe um Brian auf.

„'Arry!" rief Fleur freudig und hatte ihn direkt umarmt und ein Kuss auf jede Wange gehaucht. Was sie danach noch sagte, hörte er nicht, denn die Musik dröhnte mittlerweile so laut durch die Höhle, er hätte womöglich nicht mal sein eigenes Wort verstanden.

Offenbar hatten die anderen auch schon vorher kaum miteinander gesprochen, denn nach der kurzen Begrüßung tanzten alle wieder heiter schweigend vor sich hin. (Alle bis auf Steward, welche als Einzige von allen Anwesenden weder hüpfte, noch erfreut aussah. Stattdessen stand sie mit verschränkten Armen neben Brian, der sich sehr wohl bewegte und auch versuchte sie zum tanzen zu animieren. Harry kam nicht umhin festzustellen, wie merkwürdig die beiden nun zusammen wirkten und fragte sich, ob es den beiden selber eigentlich auffiel.)

„BRIAN!" rief er so laut er konnte, doch das dieser nicht mal hersah zeigte, dass Harry's Stimme sang und klanglos von der Musik überdröhnt wurde. Wenn man nicht hörte, musste man halt fühlen. Erst als er Brian heftig am Umhang zog und ihn halb damit würgte, hatte sich dieser dem Freund kurz zugewandt. Er lächelte, zwinkerte und tanzte dann wieder weiter um Steward herum als wäre nichts gewesen. Harry hätte entnervter nicht aussehen können, denn Ginny musste sich das Lachen sichtlich verkneifen. Ihr amüsierter Ausdruck war jedoch so süß, dass auch Harry das Genervte verlor und stattdessen lachte.

Ginny schlang eine Hand um Brian's Arm und die andere um Harry's und zog beide mit sich von der Gruppe weg zu einem Ort, wo weniger los war. Brian war zwar überrascht, wehrte sich jedoch nicht und folgte stattdessen gehorsam. Die Musik war zwar immer noch laut, aber zumindest hörte man einen, wenn er sehr laut schrie.

„HARRY WILL MIT DIR REDEN!" schrie sie zu Brian. Der Freund deutete ihr jedoch an, dass er sie immer noch nur schlecht hörte. Da zog sie ihren Zauberstab und hatte einen für Brian und Harry unbekannten Zauber ausgeführt. Mit einem Mal drang keine Musik mehr zu ihnen durch, nur das Vibrieren des Beben war ab und zu zu hören. Ansonsten war es fast totenstill. Die paar Zauberer und Hexen, die in der Ecke gestanden hatten, warfen den dreien merkwürdig verärgerte Blicke zu, bevor sie wieder in der tanzenden Meute verschwanden.

„Harry will mit dir reden," sagte Ginny in normalem Tonfall und endlich hörte man jedes Wort, was gesagt wurde.

„WIESO?!" schrie Brian laut, zuckte dann jedoch überrascht zusammen. „Ups – Normal geht auch..." Er räusperte sich und sah spitz zurück. „Wieso?"

„Hast du meine Briefe nicht bekommen?" fragte Harry misstrauisch.

„Doch, klar," sagte Brian und wirkte keineswegs als ob er eine Verbindung zwischen den beiden Aussagen ziehen würde. „Was ist nun mit dem Tod von meinem Dad?" platzte Harry einfach drauf los ohne auf das Wieso einzugehen. Brian hätte verwunderter nicht aussehen können.

„Hä?" machte er sichtlich verblüfft.

„Was hast du herausgefunden über den Tod von meinem Dad?"

Darüber willst du jetzt hier reden?" fragte er ungläubig. Harry war es durchaus unangenehm, denn so unfassbar wie der Freund nun aussah, kam er sich durchaus dämlich vor diesen Zeitpunkt dafür gewählt zu haben. Angesichts der Tatsache, dass sie auf einer Geburtstagsparty, umgeben von dutzenden Leuten waren, die sie weder kannten, noch trauten, war sein Ausdruck nachvollziehbar.

„Du hast auf kein Brief geantwortet..." versuchte er sich zu erklären.

„Ich hatte meine Gründe," erklärte Brian schmunzelnd. Ginny passte nämlich mittlerweile auf, dass keiner die kleine Unterredung in der versteckten Ecke bemerkte oder gar störte. Dass sie dabei mehr wie ein Kampfgnom als Türsteher aussah, schien sie selber jedoch nicht zu bemerken. Sie blieb ohne sich zu rühren mit gespreizten Beinen und den Fäusten an ihren Hüften am kleinen Eingang wie ein kleiner Troll stehen. „Ich sagte dir doch schon, dass ich dir die Erinnerung nicht zeigen werde, sondern es reicht, wenn ich sie mir ansehe?"

„Wir haben euch belauscht," zischte Ginny auf einmal hinter. „Dich und Kingsley neulich im Flur. Wir wissen, dass etwas mit dem Tod von Harry's Vater nicht stimmte."

Brian hatte kurz eine Grimasse verzogen, aber Harry war ihr dankbar, das gesagt zu haben. Er selber hätte nämlich nicht gewusst, wie er dem Freund endlich noch mehr Informationen hätte aus der Nase ziehen können. Ginny wandte sich wieder von ihnen ab und der tanzenden Menge zu. Brian und Harry indes blickten einander misstrauisch und mit prüfenden Blicken an. Es lag fast auf der Hand, dass sich sein Gegenüber irgendwie rausreden wollte und auch verzweifelt nach einer Erklärung suchte, die ihm möglichst gut aus dieser Situation herausbrachte. Es gab keins und somit seufzte der Freund frustriert.

„Die schlechte Nachricht. Voldemort hat James Potter's Tod in der Tat dazu benutzt, um den Phowlyris Stein in einen Horkrux zu verwandeln. Die gute Nachricht: Er hatte nicht genug Zeit ihn mit irgendeinem Fluch zu versehen. Wer immer ihn jetzt auch hat, der Stein ist nicht gefährlich – Nicht durch den Fluch jedenfalls. Inwiefern der Horkrux selber gefährlich ist, sei mal dahingestellt."

„Und was ist mit dem -"

„Das kann ich dir nicht sagen," fuhr Brian ihm sofort ins Wort, bevor Harry den Satz überhaupt beenden konnte. Er sah ihn entrüstet an, aber der Freund knickte nicht ein. Im Gegenteil, sein Blick, seine Haltung, sie war fest und bestimmend. Egal, mit was Harry auch aufgekommen wäre, er hätte Brian nicht dazu gebracht aus dem Nähkästchen zu plaudern.

„Du musst mir in diesem Punkt vertrauen, okay? Ich bin nicht dein Feind und ich verschweige nichts, um euch in Watte zu hüllen oder weil ich glauben könnte, dass das Wissen zu viel für euch sein könnte."

„Worum geht's dann?"

„Gefährliches Halbwissen."

Diese Antwort verpasste Harry in der Tat einen herben Dämpfer. Meinte der Freund das wirklich ernst?

„Dein Überleben, der Tod deiner Eltern, alles was in dieser Nacht passiert ist – war bisher ein großes Geheimnis. Es gab dutzende Theorien. Durch diese Erinnerung von dir ist einiges davon bewiesen, anderes ist komplizierter als gedacht. Dumbledore wollte dir diese Erinnerung nicht nehmen, um sich anzusehen, weil er sich das meiste aus dieser Nacht selber erschlossen hatte mit der Zeit. Es gibt jedoch Ungereimtheiten und... Wenn ich dir sage, was passiert ist, wirst du Schlüsse daraus ziehen. Schlüsse, die nicht der Wahrheit entsprechen könnten.

Lass mich erst verstehen, warum in dieser Nacht alles so passiert ist und dann werde ich mit dir reden."

Harry war immer noch nicht zufrieden, aber er verstand ihn besser. Er nickte widerwillig und Brian nickte erleichtert zurück.

„Dann komm. Das ist ne Geburtstagsparty. Keine Trauerfeier."

Sie wollten sich gerade wieder zu den anderen begeben, da hielt Harry jedoch inne und mit ihm auch Brian, welcher ihn skeptisch musterte.

„Dass ich diese Erinnerung habe – von ihrem Tod... wusstest du das, weil..."

Er beendete seinen Satz nicht, zumal er seine Vermutung nicht in Worten zu äußern wusste. Brian dagegen runzelte die Stirn und zuckte mit dem Mundwinkel.

„Weil ich ein Studium zum Heiler absolviert habe?" schlug er amüsiert vor und Harry nickte erleichtert. Gut. Das machte Sinn. Er wollte gerade aufbrechen, da hielt ihn jedoch Brian auf, der plötzlich erneut das Wort ergriff. „Und weil meine schlimmste Erinnerung, wenn ich es mit einem Dementor zu tun habe, der Moment ist als Voldemort mich meiner Mutter direkt nach meiner Geburt genommen hat. Ich höre dann ihre Schreie und ihr Flehen mich am Leben zu lassen. Ich hab mir diese Erinnerung entnommen, um es mir anzusehen. Keine Ahnung warum.."

Er lächelte traurig. In diesem Moment verschlug es Harry die Sprache. Es spielte keine Rolle mehr, dass da draußen jeder tanzte und fröhlich war, oder dass etwas mit dem Tod seines Vaters nicht stimmte. In ihm drin herrschte gerade tiefe, grauenvolle Leere...

„Glaub mir, Harry. Es ist besser, wenn du dir die Erinnerung nicht ansiehst und nicht alles kennst. Im Moment jedenfalls."

Mit einem letzten Blick schritt er schließlich aus der Ecke heraus und zurück in die Menge hinein. Harry aber blieb stehen und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Ginny hatte sich zu ihm dazugestellt und ihn mitfühlend angesehen.

„Alles in Ordnung?" fragte sie vorsichtig. Er nickte und setzte gleichfalls ein Lächeln auf.

„Ja, lass uns zu den anderen zurückgehen."


Die Party ging bis in die Morgenstunden hinein und selbst um 4 Uhr morgens war die Höhle noch ziemlich voll. Hermine und Ron hatten ihren Spaß, wie auch Kila, Charlie, Fleur und Bill. Kaylar Steward war ganz in ihrem Element als Phowlyris und lehnte aufmerksam starrend an einer Wand mit verschränkten Armen während Brian neben ihr lehnte und mit ihr sprach. Die Musik war nicht mehr ganz so laut, so dass man zumindest an manchen Orten wieder einigermaßen in normalem Tonfall Gespräche miteinander führen konnte.

Harry hatte sich mehr in seinen Gedanken vergraben als sich wirklich zu amüsieren, so wie es all seine anderen Freunde offenbar konnten. Es wunderte ihn, wo doch ihnen allen klar war, dass Voldemort direkt vor ihrer Tür lauerte.

Er hatte sich gerade erneut in einen seiner Gedankengänge verfangen, da schubste ihn jemand sehr sanft mit der Schulter an. Jilli.

„Also diesmal kann ich es weder richtig fühlen, noch ist sonst irgendetwas Schuld daran – Ich habe Augen im Kopf. Was ist los, kleiner Bruder?"

„Wie?" fragte er möglichst unschuldig. „Was soll denn los sein?"

„Abgesehen davon, dass du aussiehst wie eine langweilige Zimmerpflanze meinst du?"

Auf seinen dämlichen Blick hin, lächelte sie jedoch zaghaft und gab ihm erneut einen liebevollen Schubs mit der Schulter.

„Du fragst dich, wie die anderen tatsächlich einfach so umschalten können und feiern, obwohl sie vor nicht mal 12 Stunden gegen Todesser gekämpft haben oder vor Todessern geflüchtet sind."

Volltreffer. Harry sah seine Schwester verblüfft an. Nun war es als ob sie in seinen Gedanken las und nicht mehr White. Auch wenn sie glücklicherweise von allen sprach und nicht von der bestimmten Person, die er eigentlich im Auge hatte.

„Ich glaub, die meisten hier denken schon noch daran, aber sie können es in den Hintergrund schieben. Voldemort läuft schließlich nicht erst seit gestern vor unserer Nase herum. Und er ist nicht so gegenwärtig bei ihnen wie bei anderen... oder bei dir."

Sie lächelte lieb und Harry lächelte sanft zurück. Er mochte die Gespräche mit seiner Schwester, hatte es ihm doch all die Jahre gefehlt jemanden wie sie zu haben. Jemanden, von dem er wusste, dass sie ihn verstand und ihn gern hatte, egal was in ihm vorging.

„Und wenn Voldemort bei demjenigen dennoch so gegenwärtig ist wie bei mir und trotzdem feiert als sei nichts?"

„Brian."

„Err -" Mist. Er hatte doch extra versucht nicht auf den Freund anzusprechen.

„Ihr zwei habt vorhin etwas lang in einer Ecke getuschelt. Ich nehm an, es geht immer noch um das, wonach ich nicht fragen soll."

„Uhm... ja..."

„Ich glaube nicht, dass Brian komplett umschalten kann. Ich glaube nicht, dass er ganz ausschließt, dass da draußen ein Irrer ist, der ihm das Leben zur Hölle gemacht hat und dabei ist es weiterhin zu machen. Er möchte dir – oder uns – nur zeigen, dass man es tun sollte. Nehm ich jedenfalls an, denn er tanzt irgendwie schrecklich! Ohne Witz! Vorhin ist er mir mindestens drei Mal auf die Füße getreten! Ich glaub, der Grund warum Kaylar mit verschränkten Armen dran steht ist nicht, weil sie sich hier langweilt, sondern um sich zu schützen, weil Brian tanzt als würde er sich im Boxring befinden!"

Harry lachte unwillkürlich los. Er hatte es nicht beabsichtigt und auch nicht erwartet, aber Jilli war so entrüstet von dieser Tatsache, Harry konnte gar nicht anders als zu lachen. Jilli grinste ihn erfreut an.

„Brian ist der Letzte, um den du dich sorgen solltest."

„Fragst du dich nicht manchmal, warum es zwischen ihm und Sirius und Professor White nicht vorangeht? Sirius sagte mir, dass Brian sich eigentlich nicht wirklich bei ihm blicken lässt."

„Ich weiß," sagte Jilli sanft, ihr Blick ließ ihn aber erahnen, dass sie auch dies nicht für besorgniserregend hielt. „Die drei werden sich schon noch zusammenraufen."

„Brian weiß noch nichts von deinem Vorhaben mit dem Trank. Also müsste er dann nicht glauben, dass er nicht alle Zeit der Welt hat?"

Dazu lächelte sie erneut, diesmal jedoch eindeutig schüchterner.

„Wenn ich auf alles eine Antwort hätte, was ihn betrifft, wäre ich Allwissend. Brian ist eben Brian. Er hat schlechte Seiten und gute. Das ist eine schlechte. Kann ihn keiner dazu zwingen was zu tun, was er nicht will. Hey, es ist spät – oder früh? Verabschieden wir uns von Fred und George und kehren nach Hogwarts zurück."

„Ja, gute Idee."


Gesagt, getan. Harry war so erledigt, er freute sich schon darauf wieder in sein Himmelbett zu fallen und die 2 Stunden Schlaf zu genießen, die ihm noch blieben. Trotz seiner Müdigkeit bekam er kein Auge zu. Selbst Ron war nach wenigen Sekunden bereits weg während Harry selbst nach wie vor hellwach war. Zumindest sein Hirn. Seine Augen waren todmüde, sein Körper war erledigt, alles in ihm schrie förmlich nach Schlaf. Nur sein Hirn wollte nicht. Ständig dieselben Fragen, dieselben Gesichter.

Sein Vater, bei dessen Tod etwas nicht stimmte. Nur was? Was hätte nicht stimmen können? Was brachte Brian so auf?

Brian. Sie waren Freunde und doch gab es kaum jemanden, den Harry weniger verstand. In allem was der Freund tat oder nicht tat, warfen sich ständig neue Fragen auf, auf die er einfach keine Antwort heraus bekam. Er verstand ja kaum seine Beziehung zu Sirius und Professor White. Wäre es er, Harry, und gäbe es für ihn noch die Chance die Zeit mit seinen lebenden Eltern zu verbringen, er würde es tun. Er würde alles stehen und liegen lassen, nur um noch mal Zeit mit ihnen zu haben.

Nach etwa einer Stunde hin und herrollen gab er es auf doch noch Schlaf zu finden, zog sich an und schritt hinab in den Gemeinschaftsraum. Wie erwartend war es leer. Wer sollte um 6 Uhr morgens an einem Samstag auch wach sein? Die Antwort? June Stone.

Harry glaubte seinen Augen nicht zu trauen als er die Freundin aus dem Fenster heraus unten im Hof stehen sah. Ohne zu zögern rannte er aus dem Porträtloch hinaus und nach unten. („Ich bin froh, wenn du endlich dein Abschluss machst. Denn dann kann ich endlich wieder normal schlafen!" rief die Fette Dame ihm verärgert hinterher.) June hatte sich nicht vom Fleck gerührt, überrascht war sie dennoch als sie ihn hörte und schließlich vor sich stehen sah.

„Harry?" sagte sie verwundert. „Was tust du hier?"

„Was tu ich hier?" fragte er mit verwirrtem Blick. „Das ist Hogwarts. Was tust du hier?"

„Wache schieben," war die schlichte Antwort der jungen Hexe. „Eigentlich war ich nur hier, weil Anna mit mir sprechen wollte, aber da wir gerade etwas knapp hier sind, hab ich zugesagt den halben Tag hier Aufpasser zu spielen. Dir ist schon klar, dass es erst 6 Uhr morgens und Samstag ist? Du bist der einzige Schüler, den ich kenne, der freiwillig einen Spaziergang zu einer solchen Zeit macht."

„Ich konnte nicht schlafen und hab dich von oben gesehen," erklärte er jedoch amüsiert. Die beiden setzten sich auf den Rand einer Mauer nieder, um sich besser unterhalten zu können. „Danke wegen neulich. Professor White sagte, du hast mir das Leben gerettet."

„Oh, nichts zu danken. Ich rette gern das Leben des Jungen, der überlebt hat," sagte sie pompös und grinste spitz von einem Ohr zum anderen. Harry grinste mehr schlecht als recht zurück. Ja, sie war eindeutig gewöhnungsbedürftig. Natürlich wusste er, dass sie das nicht böse meinte, aber ihre Necken war dennoch etwas seltsam.

„Was beschäftigt dich denn?" fragte sie fürsorglich, aber er sah sie irritiert an. „Na, du kannst nicht schlafen. Normal beschäftigt einen dann doch irgendwas."

„Ach so... Ja..."

Das tat es in der Tat, aber mit June konnte er kaum darüber reden... Oder doch? Sie wusste von den Horkruxen... War damals dabei gewesen als sie über den Horkrux von Allan White sprachen. Aber vertraute er ihr überhaupt schon soweit? Sie hatte ihm das Leben gerettet und war Mitglied im Orden des Phönix. Sie waren auch irgendwie befreundet, aber – reichte das?

„Mich beschäftigt, dass Anna misstrauisch ist," sagte sie schließlich, da von ihm kein Wort kam. Die Wirkung kam auf der Stelle, denn Harry zuckte erschrocken auf.

„Misstrauisch?" wiederholte er aufgelöst.

„Nicht gegen mich," sagte sie jedoch sofort, um ihn wieder zu beruhigen. „Ist nun auch nicht so, als ob ich sie besser kenne als jeder andere oder so. Aber lang genug, um zu beurteilen, dass sie gerade misstrauisch ist. Unser Gespräch ging um deine Rettung und warum ich ausgerechnet dort war. Das ähnelte wirklich schon einer Befragung statt einer Besprechung.

Ich hab nichts zu verbergen also hatte ich auch keine Probleme damit mich zu rechtfertigen. Weiß ja, dass sie gut ist und uns alle nur vor einem grauenhaften Tod bewahren will."

„Du und Professor White seid also nicht sehr eng?"

„Uhm – nicht so. Ich mein, ich respektiere sie und kenne sie noch als enge Freundin von deinem Dad. Aber ist nicht so als ob wir uns gegenseitig Geheimnisse anvertrauen und Frauengespräche führen. Das heißt aber nicht, dass ich ihr nicht vertraue. Zumindest was den Orden und dich betrifft."

Harry lächelte traurig.

„Es ist eine respektvolle Freundschaft und ich rechne es ihr sehr hoch an, dass sie mich in vieles einweiht, wovon andere – ältere Mitglieder, wie Mad-Eye – nichts wissen... Ich hoffe, sie hat nicht recht..."

„Womit?" fragte er verwirrt.

„Dass jemand im Orden mit falschen Karten spielt," antwortete June finster. Harry hatte das Gefühl als ob ihm jemand einen Bauchschlag verpasste. Nun war Snape schon weg und dennoch sollte es ein Verräter im Orden geben? Er kannte nicht jedes Mitglied, aber diejenigen, die er kennengelernt hatte, von ihnen traute er es keinem zu. Nein, er wünschte es sich eher, dass es keiner von ihnen war. Der Gedanke Sirius wieder zu verlieren, weil jemand den Orden in eine Falle locken wollte... Der ließ ihn kaum Luft zum Atmen.

„White hat das also gesagt? Dass es ein Verräter gibt?"

June schüttelte zögerlich den Kopf.

„Nein, nicht direkt. Ich schließe das aus ihren Fragen. Wer mich auf die Idee brachte diesen Weg zu gehen. Wie es dazu kam, dass ich gerade diesen Weg gegangen bin. Warum ich zu der Zeit dort war, obwohl es kein logischen Grund dazu gab. Es war wirklich ein sehr glücklicher Zufall, dass ich da war als du da oben geflogen bist. Schätze, Anna hält nicht viel von glücklichen Zufällen."

„Wer hat dich auf die Idee gebracht, diesen Weg zu gehen?"

„Es gab keine bestimmte Person, die gesagt hat: June, geh doch diesen Weg oder komme dorthin. Das hab ich auch Anna schon gesagt. Es war wirklich ein Zufall. Es war ruhig und ich hatte einfach Lust den Pfad entlang zu wandern."

„Und du glaubst wirklich nicht, dass sie nicht doch dich verdächtigt?"

June gluckste amüsiert.

„Nein, Anna ist Empathin."

„Ja," sagte er immer noch irritiert. „Sie ist Empathin. Nicht du. Wie kannst du dir also sicher sein, dass sie dich nicht verdächtigt?"

„Na, weil ich es nicht bin," sagte sie amüsiert über seine lange Leitung. „Wenn du nichts vor ihr zu verbergen hast, brauchst du dich auch nicht vor ihr zu fürchten. Anna gehört zu den Guten. Außerdem hat sie mich danach noch weiter befragt, mit wem ich vorher so zusammen war. Schätze, sie nimmt an, dass ich ohne es zu wissen manipuliert wurde oder mich jemand unter einem Gedächtniszauber gesetzt hat und ich deswegen unbewusst den Pfad entlang schritt."

„Uhm-"

„Was auch kein Sinn macht. Ich mein, jetzt mal ehrlich – Bill Weasley kann keine Gedächtniszauber ausführen. Er ist Fluchbrecher. Wieso sollte er das Gedächtnis eines Steins beeinflussen? Und was für ein Grund sollte Joe Baydon dazu haben?"

„Joe Baydon?" wiederholte Harry mit kritischem Blick. June sah ihn verwundert an, winkte jedoch gleichzeitig ab.

„Harry, Joe ist in Ordnung. Ich hab einige Male schon mit ihm zusammengearbeitet und er ist ein aufrechter und guter Kerl. Außen sehr hart und streng, aber innen hat er ein unglaublich weiches Herz. Er hat absolut nichts mit seinem Bruder gemein."

„Bruder? Du kanntest ihn also?"

„Azuros Baydon? Ne, nicht wirklich. Nur das, was mein Onkel oder dein Großvater mal über ihn sprachen. Er war kein guter Auror und Mensch. Er hat die weißen Auroren und auch die Lhayphsas für seine eigenen Ziele manipuliert, hat eigentlich für Du-weißt-schon-wem gearbeitet. Der hat ihn dann auch getötet.

Joe redet nicht viel über sich selbst oder seine Gefühle. Ist auch noch sehr frisch, dass die weißen Auroren mit uns zusammenarbeiten. Ich glaub, er möchte aber das wiedergutmachen, was sein Bruder verbrochen hat. Deswegen strengt er sich auch so sehr an. Schiebt Doppelschichten bei der Überwachung und Nachforschungen und so weiter."

„Er war mal mit Dad's Schwester zusammen..."

„Ich weiß," sagte June sehr zu seiner Überraschung und das schien sein Gesicht auch auszusagen, denn sie lachte heiter.

„Er trägt ein Foto von sich und ihr mit sich herum. Hat er mal bei einem Duell verloren. Daher weiß ich es. Ich glaub, ich hab sie auch mal kennengelernt als ich noch sehr klein war."

Harry nickte verstehend.

„Ich möchte mich bei ihm vielleicht bewerben für die Ausbildung zum Auror."

„Das ist eine gute Idee," bestätigte sie zustimmend. „Joe ist bestimmt ein guter Lehrer. Wen hast du dir noch so ins Auge gefasst? Oder nur Joe?"

„Uhm – Tria Mailabourni? Hermine meinte, dass die beiden für mich in Frage kämen."

„Tria und Joe? Dann ist die Konkurrenz gar nicht so groß."

„Konkurrenz?" fragte Harry verwirrt, da grinste June breit.

„Hiermit werfe ich meine Bewerbung auch in den Brunnen."

„Bewerbung? Brunnen?!"

„Ich hab mich versetzen lassen. Arbeite ab nächsten Monat im englischen Zaubereiministerium als Aurorin. Ich hab zwar nicht so viele Jahre an Erfahrung auf dem Buckel wie Tria oder Joe und du wärst mein erster Schützling überhaupt – aber mit irgendeinem muss man ja anfangen. Überleg's dir."

„Uhm -" War das ihr ernst?! June grinste immer noch spitz. Irgendwas sagte ihm, dass sie hier kein Witz riss. „Was ist mit Deutschland?"

„Ich hab das mit Anna besprochen. Es sprach nichts dagegen meine Arbeit hier her zu verlegen. Ich glaube, sie rechnet damit, dass es bald zur entscheidenden Konfrontation kommt und will uns möglichst in der Nähe haben, um einzuschreiten, wenn es soweit ist."

Harry blickte betrübt zu Boden. Das war auch sein Gedanken gewesen. Alles was in der letzten Zeit passierte, wirkte, als ob es bald soweit war. Es war nicht mehr wie in den letzten beiden Jahren nachdem Voldemort zurück kam. Gerade die letzten paar Monate zeigten, dass sich langsam alles auf ein Gipfel zubewegte.

June begann betrübt ein Schmollmund zu ziehen, als sich ihre Blicke jedoch trafen, ließ sie das schnell wieder sein und lächelte mild.

„Es wird Zeit. Ich muss aufbrechen. Pass auf dich auf, ja? Wenn Anna recht hat und jemand von uns spielt hier falsch – Dann weiß ich nicht, wem man noch vertrauen kann. Und vergiss meine Bewerbung nicht. Ich spiele hier meine Karte als Freundin aus. Ich hab zumindest das Gefühl als ob wir mittlerweile zumindest Freunde sind."

Harry lachte auf ihren gespielt unsicheren Blick hin.

„Ja, wir sind Freunde," versicherte er ihr und June strahlte.

„Dann – appelliere ich an dein schlechtes Gewissen, falls du mich nicht wählst. Nein, Scherz. Wähl wen immer du glaubst der beste Ausbilder für dich zu sein."

„June?" sagte er jedoch ernst. So locker und fröhlich wie sie ihre Scherze machte konnte er nach dem Gesprochenen nicht mehr sein. „Glaubst du wirklich, dass das ein gutes Ende nimmt?"

„Sonst würde ich nicht um dich als Schüler werben," sagte sie sanft lächelnd. „Wir sind die Guten. Die Guten gewinnen immer. Es mag nicht jeder von uns überleben, aber am Ende gewinnen wir. Ganz einfach, weil wir die Klügeren sind. Bis bald, Harry."

Die beiden umarmten sich zum Abschied und June verließ den Hof als ein anderer Auror ihre Schicht übernahm. Harry hatte ihr nachgesehen bis sie aus seiner Sicht verschwand. Jemand im Orden könnte wieder zum Verräter geworden sein... Wenn dies die Wahrheit war, dann waren wieder alle, die ihm am Herzen lagen, in Gefahr. Beim letzten Mal hatte er Sirius verloren und nur durch White's und Jilli's Hilfe war der Verlust nicht für immer. Dumbledore's Tod hingegen war für immer. Der Gedanke wieder einen von ihnen für immer zu verlieren ließ ihn zu Eis gefrieren.


Harry ging direkt in die große Halle und frühstückte als einer der Ersten und auch ziemlich alleine, da die Meisten erst ne gute halbe Stunde später eintrudelten und er da bereits fertig war. So auch seine Freunde.

„Hey, wieso bist du alleine runter gegangen?" warf Ron rüber als er sich mit Hermine, Neville und Ginny zu ihm dazu setzte.

„Konnte nicht schlafen," antwortete er und obwohl er eigentlich fertig war, goss er sich noch mal etwas Saft ein und leistete seinen Freunden Gesellschaft. Wer wusste schon wie viel Tage ihnen noch blieben so friedlich beisammen über alltägliche Dinge zu reden. Erst recht nach dem Wissen, dass sich die Geschichte mit Pettigrew und Snape wiederholen könnte. So überzeugt wie June auch war, dass alles gut ausging, er, Harry, war es nicht. Nicht für sich jedenfalls. Dieses mal waren es dann nicht mehr seine Eltern, sondern womöglich er, der sein Leben verlor.

Er verbrachte den Samstag mit seinen Freunden so, wie sie es geplant hatten. In der Bibliothek mit ihren Essays und gemeinsamen Pausen zwischendrin. Hermine trieb sie alle wie erwartet an, sah sich auch ihre Hausaufgaben durch und dafür half Harry ihr und den anderen gewisse Zauber im Duell besser auszuführen. Neville's Tollpatschigkeit, Hermine und Ron's Zanken, Ginny's wunderschönes Lachen, Luna's merkwürdige Kommentare, wenn sie hin und wieder bei ihnen auftauchte – Er wollte es einfach nur verinnerlichen, wo es womöglich bald nicht mehr sein würde. Das letzte was er an diesem Tag gebrauchen konnte, musste natürlich eintreffen –

„Harry Potter?" sagte ein Erstklässler und überreichte ihm eine Pergamentrolle. „Das soll ich dir geben."

„Trainingsstunde mit Professor White?" sagte Hermine mitfühlend. Harry rollte das Pergament wieder ein, legte es beiseite, lehnte sich selbst im Stuhl zurück und stöhnte demonstrativ. Ginny strich ihm tröstend am Arm, dennoch grinste sie amüsiert.

„Weißt du, Anna ist eigentlich sehr – uhm – rücksichtsvoll. Wenn du ihr ehrlich sagst, dass du nicht geschlafen hast, lässt sie die Trainingsstunde bestimmt ausfallen."

„Oder sie macht es extra hart, weil Voldemort mich auch nicht gehen lässt, wenn ich ihm sage, ich hab kein Bock drauf, dass er mir mal eben das Licht ausbläst."

Grummelnd packte er seine Sachen in die Tasche und verließ die Bibliothek Richtung Schulleiterbüro. Er klopfte und trat ein als er von ihr das Okay bekam.

„Harry," sagte White sanft. Sie stand bei Fawkes an der Stange und streichelte fürsorglich über sein Gefieder. Ihr Blick war freundlich und doch beschloss er sie nicht um Gnade zu bitten. Dieser Augenblick erinnerte ihn wiederum an sein Auftauchen bei Dumbledore und auch das wollte Harry einfach noch mal verinnerlichen.

„Professor White. Sie wollten mich sprechen?"

„Du," sagte Sirius und trat aus dem offenen Nebenzimmer heraus zu ihnen beiden. Er grinste und Harry grinste zurück.

„Hi, Sirius. Du bist auch hier?"

„Yap. An kann nicht leben ohne mich," sagte er mit spitzem Blick und äußerst vielsagendem Grinsen. Für den jungen Zauberer war es erleichternd den Patenonkel zu sehen, ein Anzeichen dafür, dass dies doch kein Training sein würde oder wenn, dann konnte er vielleicht wenigstens auf dessen Hilfe hoffen, wenn es tatsächlich zu einer unschönen Situation kam.

„Jetzt in diesem Moment könnte ich sehr gut ohne dich hier leben," warf White mit einem genervtem Blick zu ihm rüber. Nicht, dass sein Patenonkel sein Grinsen eingestellt hätte.

„Ich bin zum Schutz hier!" sagte er fest.

„Ich brauch kein Schutz und glaubst du nicht eher, dass im Moment bei einem Angriff immer noch ich dich schütze als umgekehrt?"

„Ich schütze nicht dich," entgegnete Sirius jedoch spöttisch. „Ich schütze Harry vor dir!"

Das verwunderte nun nicht nur White sondern selbst den jungen Schüler und beide sahen Sirius gleich verwirrt an.

„So wie du June gestern in die Mangel genommen hast. Wenn du dasselbe nun mit Harry vor hast, bin ich hier sein Anwalt."

„Ich hab June nicht in die Mangel genommen," sagte White entschieden und starrte ihn verärgert mit verengten Augen an. Sirius aber verschränkte demonstrativ seine Arme als Zeichen, dass er nirgendwohin gehen würde. White rollte die Augen und wandte sich schließlich Harry zu. Offenbar hatte sie aufgegeben und er kam nicht umhin das überrascht aufzunehmen. Sirius und White gingen wirklich ganz anders miteinander um als Harry es je erwartet hätte. Es war eine Art, die er so nur von Hermine und Ron kannte. Irgendwie jedenfalls, denn wenn er es vergleichen müsste würde er immer noch sagen, dass White und Sirius schräger waren.

„Ich hab mit June gesprochen, Professor White."

„Anna," sagte Sirius, aber Harry warf seinen Patenonkel nur einen nach wie vor verwirrten Blick zu und fuhr dann zögerlich fort, nachdem es bei einem übertriebenen Grinsen seinerseits blieb.

„Wenn es also um das Geschehen an dem Abend geht – Ich glaub nicht, dass ich Ihnen etwas hilfreiches sagen kann."

„Dir," warf Sirius ein. Harry blinzelte verwirrt, denn er verstand wirklich nicht worauf sein Patenonkel hinaus wollte. White ignorierte ihn, ebenfalls demonstrativ.

„Es geht nicht um den Abend. June hat also mit dir geredet?"

„Wir haben uns zufällig im Hof getroffen heute früh," sagte er sofort. Irrte er sich oder verdächtigte sie June immer noch? Er konnte es nicht sagen, zumal White für ihn immer so klang als ob sie jeden und alles verdächtigte. „Also gibt es ein Verräter im Orden? Professor?"

Nichts. Sie schien ihn kritisch zu mustern und wieder fühlte er sich halb durchleuchtet.

„Nenn sie Anna, vielleicht antwortet sie dir dann?" schlug Sirius gespielt leise gesprochen vor, hatte sich auch genauso gespielt schief zu Harry gebeugt und tat als ob er das versteckt tun würde. Harry lächelte verlegen.

„Ich habe dich aus einem anderen Grund kommen lassen."

„Wenigstens duzt sie dich," stellte Sirius fest und nickte anerkennend.

„Harry," sagte White ernst. „Ich werde heute noch zu einem sehr wichtigen Treffen aufbrechen. Uns ist es gelungen den Kontakt zu den Dhschoaras wiederherzustellen und nach sehr langer Unterredung hat meine Kontaktperson auch eingewilligt sich dem Orden anzuschließen – unter der Bedingung dich persönlich zu treffen."

„Mich? Wieso mich?" fragte er halb entsetzt, aber White lächelte beruhigend.

„Meine Kontaktperson ist sehr misstrauisch. Dhschoaras sind Hexen und Zauberer mit der besonderen Fähigkeit der Heilung. Sie können sehr schnell selbst noch so tiefe und große Wunden schließen. Egal, durch welche Magie verursacht. Das ist der Grund, was eine Zusammenarbeit mit ihnen für uns so wertvoll macht. Meine Kontaktpersonist bereit mit uns gegen Voldemort zu kämpfen – vorausgesetzt, die Kontaktperson sieht in dir das richtige."

Sirius runzelte die Stirn, sein kritischer Blick blieb auf White hängen.

„Sieht?" rutschte Harry entsetzt heraus. „W-Was soll das heißen? Ist sie eine Wahrsagerin oder so was?"

Dhschoaras sind keine Wahrsager. Aber so was, ja."

Mit dem Anflug eines Lächelns auf ihrem sonst sehr ernsten Gesicht ahnte Harry, dass sie dies mit Absicht so formuliert hatte. Ob er ihr das nun übel nehmen sollte oder nicht wollte er erst mal dahinstellen. Sirius gluckste amüsiert.

Dhschoaras sind keine Wahrsager, welche, wie auch Zentauren, Zeichen deuten, um die Zukunft hervorzusagen. Es gibt Seher, die jemanden ansehen oder berühren und eine Intuition für dessen Zukunft bekommen. Dhschoaras dagegen sind Hexen und Zauberer, die – uhm -"

Nichts. White schien angestrengt nach einem richtigen Wort zu suchen während Harry sie neugierig und erwartungsvoll ansah. Sirius gluckste erneut.

„Sie nicht mehr alle haben," warf er ein, aber White warf ihm eine giftigen Blick zu.

„Nein," sagte sie streng, während Sirius glatt noch breiter grinste.

„Total abgedreht, unvernünftig und stur sind?"

„Nein," wiederholte sie noch strenger. „Dhschoaras sind eigensinnig. Sie verhalten sich jedem gegenüber anders und wählen sich ihre Verbündete mit sehr großer Vorsicht aus. Aber das ist nicht der Punkt. Sie besitzen die Gabe der Seher, aber sie sind keine Seher. Ihre Intuition ist gerade ausgeprägt genug, um ihre Heilkräfte zu lenken. Anhand derer entscheiden sie, ob sie heilen oder nicht. Deswegen dieses Treffen – Die Kontaktperson muss sichergehen, dass es dann im Stande sein wird zu heilen."

„Uhm – verstehe," sagte Harry, auch wenn sein Gesichtsausdruck wohl alles andere als das bestätigte. Sirius grinste amüsiert.

„Sicher, dass du Harry zu ihr bringen willst?" fragte er mit dem Anflug eines äußerst überheblichen Schmunzelns.

„Ihn," verbesserte White kurz und leise.

„Ihn?!" wiederholte Sirius mit irrem Blick.

„Ihn," sagte sie nun etwas fester und auch klarer.

„Ihn?!" wiederholte Sirius laut ungläubig.

„Ihn."

„IHN?!"

„Wem?" fragte Harry, dem die Wiederholungen der Beiden zu merkwürdig wurde. Er wollte lieber endlich wissen, womit er es zu tun hatte, wenn schon jeder andere im Raum es offenbar tat.

„Spencer total arrogantes, widerlicher, sadistisches Arschloch Vinegar," sagte Sirius entrüstet, wandte sich dann aber nach kurzem Blickaustausch mit Harry wieder White zu.

„Das kann nicht dein ernst sein? Nach allem, was passiert ist?"

„Harry, lass uns bitte kurz alleine," sagte White und ihr Blick ließ auch keine Wiederworte zu, so gern er sich auch weigern wollte. Irgendetwas hielt ihn zurück und so trat er gehorchend aus dem Büro hinaus auf den Gang. Er blieb vor der Tür stehen in der Hoffnung das ein oder andere von ihrem Gespräch aufzuschnappen aber White hatte wohl nach seinem letzten Lauschen Vorkehrungen getroffen. Es drang nicht ein Ton zu ihm heraus.

Nur wenige Minuten später kam Sirius herausgestürmt, das Gesicht erzürnt wie Harry es nie zuvor bei ihm gesehen hatte, und blieb bei ihm stehen.

„Egal, was sie sagt. Du wirst nicht mitgehen und dieses Schwein treffen!"

Schnaubend stampfte er wütend die Wendeltreppe hinab während gleichzeitig White im Türrahmen bei Harry erschien. Er sah sie verwirrt an und bemerkte, wie besorgt sie seinem Patenonkel nachblickte. Als sie sich ihm schließlich zuwandte, ahnte er, was nicht ausgesprochen wurde. Er schüttelte betrübt den Kopf und beschloss zu antworten.

„Ich vertraue ihnen, Professor. Das tue ich mittlerweile wirklich. Aber ich vertraue Sirius mehr und wenn er sagt, ich solle nicht gehen, gehe ich nicht. Sorry."

Sie starrte ihn mit versteinerter Miene an und mit einem Mal überkam ihm das schlechte Gefühl einen schweren Fehler begangen zu haben. Er hatte sich in den letzten Monaten so an ihre Hilfe gewöhnt, der Gedanke sie damit vor dem Kopf gestoßen und somit mit ihr gebrochen zu haben, verursachte in ihm ein flaues Gefühl im Magen.

„Ich verstehe," sagte White kalt. Sie musterte ihn kurz, dann wandte sie sich von ihm ab. „Du kannst wieder gehen."

Harry wollte etwas sagen, etwas, um sich zu rechtfertigen oder damit sie ihm nicht mehr die kalte Schulter zeigte. Es kam jedoch kein Wort über seine Lippen.

„Auf Wiedersehen, Professor," sagte er leise, dann stieg er die Treppe hinab.


Harry ging nicht zurück in die Bibliothek zu seinen Freunden und auch nicht in den Gryffindor Turm, um sich auszuruhen. Stattdessen suchte er Sirius in seinem Gästezimmer auf.

„Das hast du also tatsächlich getan," sagte er mit einem gewissen stolzen Glanz in den Augen. Das machte es für Harry auch leichter zu ertragen, dass White nun womöglich sauber auf ihn war. „James hätte dasselbe getan," fuhr sein Patenonkel fort. „Ich kann nicht fassen, dass sie Vinegar in den Orden holen will. Vinegar! Seine Tochter, ja. Aber ihn?!

„Was ist falsch mit ihm?" fragte Harry vorsichtig. Sirius schritt mit den Händen hinter dem Rücken und aufgebrachtem Blick vor ihm auf und ab. Fast wirkte es als ob sein Patenonkel ihn gar nicht wahrnahm, sondern mehr zu sich selbst sprach.

„Was ist falsch mit ihm? Was ist falsch mit ihm? ALLES! Man wüsste gar nicht, wo man anfangen sollte! Zu erklären, was annehmbar bei ihm ist würde 2 Sekunden dauern. Seine Tochter! Das ist alles!"

„Aber was hat er -"

„Getan?" brach Sirius ihm unwirsch ins Wort.

„Was hat wer getan?" kam es auf einmal von der Seite und Harry erkannte, dass Remus und Tonks zwischen Tür und Angel standen. Wenn sie geklopft hatten, ging das eindeutig in Sirius' Gebrüll unter.

„Spencer Vinegar," sagte Harry vorsichtig, da Sirius sie lediglich finster anstarrte.

„Spencer Vinegar," wiederholte Remus überrascht.

„Wer ist Spencer Vinegar?" fragte Tonks und Harry war froh, dass diese Frage mal nicht von ihm kam. Sie kannte ihn also genauso wenig.

„Hat euch Professor White geschickt?" bellte Sirius verärgert mit besonders scharfer Betonung auf Professor White statt darauf zu antworten. Sehr zu Harry's Leidwesen. Die beiden Freunde traten herein und stellten (in Tonks Fall setzten) sich zu Harry dazu.

„Nicht direkt," sagte Remus leise.

„Wir wollten gerade mit ihr reden, aber sie sitzt an ihrem Schreibtisch mit starrem Blick an die Decke und reagiert auf nichts," sagte Tonks. „Remus sagte daraufhin, dass er sich sicher ist, dass ihr euch wieder gestritten habt."

Sirius grummelte unzufrieden und ein Blick von Remus reichte, damit Tonks verstand, dass sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatten.

„Was hat Spencer Vinegar mit allem zu tun?" fragte Remus vorsichtig und wieder platzte es aus Sirius heraus.

„An will ihn in den Orden des Phönix holen! Ihn! Diesen arroganten, schwerhörigen, miesen, intriganten -"

„Anna will wirklich mit Spencer Vinegar zusammenarbeiten?" sagte Remus überrascht. „Nachdem was damals passiert ist? Sie traut ihm?"

„SAG ICH JA! DANKE, REMUS!"

„Ich dachte, wir waren mit seiner Tochter im Gespräch über eine Allianz?"

„Elle hat Angst vor Voldemort," erklärte er mit einem verächtlichen Schnauben. „Ist untergetaucht. Ihr Vater kann sie nicht mehr finden und das allein ist der Grund, warum er in Betracht zieht zu helfen. Das ist der Deal zwischen ihnen. Wir finden Elle und er hilft bei Verletzungen."

„Wie sollen wir ihm dabei helfen sie zu finden?" fragte Remus verwundert. „Hat er sie nicht immer selber wiedergefunden?!"

„Offensichtlich hat sie sich dieses Mal so gut versteckt, dass selbst er sie nicht mehr wiederfindet. Deshalb braucht er Harry's Hilfe, weil er glaubt durch ihn eine Intuition von ihrem Aufenthaltsort zu bekommen."

„Harry? Wieso Ha -" Remus stoppte abrupt. „Ouuuuu – Verstehe."

„Ouuu – Verstehe – was?" fragte Harry verwirrt nach, aber weder Remus noch Sirius gingen darauf ein. Tonks schien das ganze ebenfalls unzufrieden zu verfolgen. Zumindest zeigte das ihr leicht skeptischer Gesichtsausdruck.

„Und Anna hat das genehmigt?" fragte Remus misstrauisch.

„Sie wollte Harry mit zum Treffen nehmen ohne ihn aufzuklären," sagte Sirius aufgebracht.

„Ohne aufzuklären ist nachvollziehbar," sagte Remus jedoch mit dem Anflug eines milden Lächelns.

„Aber dass sie das tatsächlich tut. Nach dem was damals passiert ist?"

„MEINE REDE!" bestätigte Sirius übertrieben. „DANKE, Kumpel."

„Andererseits -" hatte Remus gerade angesetzt, da fiel ihm der Freund sofort entsetzt ins Wort.

„NEIN! Kein Andererseits!"

„Andererseits -" wiederholte er jedoch, entschieden es dennoch auszusprechen. „Ist es Anna. Bisher waren ihre Entscheidung stets für uns nicht verständlich gewesen und dennoch konnten wir uns nie über das Ergebnis beklagen. Wenn sie es also für richtig hält mit Spencer Vinegar zu kooperieren, sollten wir nicht dagegen stehen."

„Es gibt für alles ein erstes Mal, Remus! Und ich will nicht, dass Harry das büßen muss."

„Das will keiner. Anna genauso wenig wie wir auch. Aber wir sind nicht mehr 16 und in Hogwarts und das damals ist nicht auf ihren Mist gewachsen. 16 Jahre sind eine lange Zeit und vielleicht ist sie nun zu einer Zusammenarbeit bereit, weil sich womöglich auch Vinegar geändert hat."

„Hat Dumbledore dasselbe bei Snape auch gedacht?!"

Remus verschlug es auf der Stelle die Sprache und er schwieg. Sirius schnaubte erneut verärgert auf und verließ sein Zimmer. Harry sah wie Tonks Remus mitfühlend ihre Hand auf die Schulter legte und versuchte zu trösten als der Freund frustriert den Kopf schüttelte.

„Er hat recht," sagte Remus bedrückt. „Wer sagt uns, dass sie nicht denselben Fehler begeht?"

„Dann solltest du mit ihr reden," schlug Tonks sanft vor. „Ich kenne Spencer Vinegar nicht, aber du und Sirius offenbar schon. Rede mit Anna, damit du erfährst, warum sie es tut. Jetzt, wo du weißt, worum es geht, wird sie dich kaum ignoriere."

Remus nickte, stand auf und deutete Harry an sitzen zu bleiben.

„Du solltest nicht mitgehen. Das ist ein Gespräch zwischen Professor White, Sirius und mir."

„Aber -"

„Wenn dies für deine Ohren bestimmt ist, wirst du es noch erfahren. Jetzt aber – ist es wichtiger die Luft zwischen ihr, Sirius und mir zu klären."

Remus sah ihn bestimmend an und erst als Tonks Harry die Hand auf die Schulter legte, um ihn auch wirklich zurückzuhalten, verließ auch er das Zimmer. Harry drehte sich zu Tonks um und sah sie verärgert an.

„Regt dich das denn nicht auf, dass die so was für sich behalten und unverständlich miteinander streiten?"

Sie lächelte liebevoll.

„Die drei haben eine gemeinsame Vergangenheit mit deinen Eltern. Das war mir immer klar und sollte es dir auch sein. Ich bin froh und glücklich jetzt ein Teil davon sein zu können und gebe mich damit auch zufrieden. Vielleicht, Harry, solltest du das auch tun?"

Sie stand sehr langsam und vorsichtig auf und er bemerkte besorgt, wie anstrengend sich ihr Gesicht verzogen hatte.

„Alles okay bei dir?" fragte er sofort besorgt. Sie nickte müde.

„Es ist wohl bald soweit."

„Das Baby?"

„Ja... Das Baby. Bringst du mich bitte in mein Zimmer? Anna hat mir verboten alleine um diese Zeit durch die Gänge zu gehen. Für mein Baby befolge ich ihren Ratschlag."

„Klar," sagte Harry sofort und begleitete sie zu ihrem und Remus' Zimmer. Er hatte ganz vergessen, dass Tonks hochschwanger war und bereute es prompt sie wegen Sirius und Remus angefahren zu haben. Nachdem er in den Jungenschlafsaal zurückgekehrt war, hatte er sofort die Karte herausgezogen und angespannt beobachtete er die drei Namen, die sich über sehr lange Zeit im Büro der Schulleiterin befanden. Was war damals passiert? Wenn er doch nur eine Möglichkeit – Jilli! Sie konnte davon doch wissen?

„Gute Nacht, Harry," sagte Ron und stieg gerade ins Bett als Harry aufstand und mit einem „Gute Nacht, Leute" zur Tür hinaus hastete. Dean, Seamus und Neville sahen den Mitschüler irritiert an, aber Ron blinzelte genauso überrascht zurück.

„Schläft der im Gemeinschaftsraum oder wohin geht er?" fragte Dean.

„Keine Ahnung," sagte Ron, verzog eine Grimasse und zog schließlich die Decke über seine Schulter, um zu schlafen.


Anhand der Karte fand er heraus, dass Jilli sich in ihrem Zimmer befand. Wo sollte sie auch sonst sein? Und so rannte er durch das Porträtloch („GLAUB JA NICHT, DASS ICH DICH SPÄTER WIEDER REIN LASSE! DIESMAL MEIN ICH DAS EHEEEERNST!" rief ihm die Fette Dame hinterher), lief die Gänge hindurch am Fast Kopflosen Nick vorbei („Nanu? Ist es nicht etwas spät für einen Spaziergang?") und zu den Gästeabteilen, wo sich Jilli's Zimmer befand. Glücklicherweise war sie noch nicht schlafen gegangen, denn obgleich es sehr spät war, saß sie in Jeans und Shirt auf dem Stuhl während er auf ihrem Bett platz genommen hatte.

„Spencer Vinegar..." sagte sie nachdenklich, nachdem er ihr von dem Streit der anderen erzählt hatte. „Spencer Vinegar... Da läutet bei mir gar nichts. Elle Vinegar ja. Weil wir uns damals mit ihr treffen wollten, aber sonst wussten wir nichts. Ich weiß auch nicht, was Spencer Vinegar so schreckliches angestellt haben sollte, dass Sirius und Remus sich so gegen ihn stellen."

Harry ließ die Schultern fallen und fiel halb in sich zusammen. Also würde er womöglich nie erfahren, worum es hier ging.

„Aber -" setzte Jilli auf einmal leise an und wirkte dabei, wie er überrascht feststellte, wie vorhin White als sie versuchte das ihn irgendwie möglichst unauffällig und unschuldig im Gespräch einzuwerfen. „Ich bin auch ein Ponester. Ich könnte uns in diese Zeit zurückversetzen und wir könnten sehen, was damals passiert ist?"

„Das geht?" fragte er hoffungsvoll. Jilli lächelte zaghaft.

„Ich kann mit meiner Ponestermagie relativ viel tun... Ich weiß nur nicht, ob ich das tun sollte."

„Wieso das?"

„Nun, als ich noch klein war, brachte mir Anna vieles bei, weil Mum und Dad nicht wussten wie. Anna aber schon. Du weißt schon – Andere mit mir transportieren, fliegen, meine Formen annehmen... aber auch in die Vergangenheit sehen. Sie sagte, dass dies eine der schwersten Fähigkeiten wäre, nicht etwa, bei der Ausführung oder dem Erlernen, sondern dies im angemessenen Rahmen unter Kontrolle zu halten. Weil das, was früher passiert ist und man normalerweise nicht kennt, auch nicht für einen bestimmt ist zu sehen. Und wenn ich es dennoch tue, dadurch etwas verändern könnte, was unter anderen Umständen sonst so nicht passieren würde. Eben, weil ich aufgrund dieses Wissens so handle, wie ich es ohne das Wissen nicht getan hätte und es nicht zwangsläufig gut sein muss.

Ich hatte ihr dann versprochen, dass ich es niemals tun werde, wenn es dabei um mich oder um Personen geht, die mir nahe stehen. Das ist der einzige Grund, warum ich nicht nachgesehen habe, was am Abend von Mum und Dad's Tod passiert ist, oder am Abend als Anna von Dementoren angegriffen wurde. Weil ich es ihr versprochen habe."

Harry nickte verstehend und doch sahen sich die beiden an. Jilli hätte es nicht erwähnt, wenn sie es nicht in Betracht ziehen würde, es nun doch zu tun und Harry war sich nicht sicher, ob er seine Schwester dazu überreden sollte ihr Versprechen zu brechen.