Nächstes =)
Review:
Mannequin: Huhu =)
Das Problem ist, ich muss mir für die Stelle im IT Bereich anderes Wissen aneignen oder ich stehe beim Vorstellungsgespräch wie ein Vollidiot dar. Die erwarten da schon einiges als Software Entwickler. Ich hab mich auf anderes im Studium konzentriert, weil ich woanders einsteigen wollte. Muss jetzt halt vieles selbst nachlernen. Und umswitchen geht leider dann nicht mehr. Im IT Bereich tu ich ja ganz andere Sachen als wenn ich tatsächlich als Wima in ner Firma einsteige. Aber wenn es nicht geht, geht's halt nicht. Wird schon werden.
Nope, kaum hat der Plärrer zugemacht, scheint die Sonne ohne Ende XD Jedes Jahr irgendwie dasselbe Spiel zu Ostern. Aber dieses Jahr war es besonders lustig.
James wäre damit auch nicht vor die Tür gegangen, hätte er nicht Anna klar machen wollen, was sie ihm da antat XD
Das Treffen selber ist nicht sehr ausführlich. Es ist mehr das Drumherum, was für den Fortgang der Story wichtig ist.
Ich glaub auch nicht, dass dieses Kapitel unbedingt dazu beiträgt den Verräter zu entlarven ^^ Oder vielleicht ein bisschen. Ich muss erst noch herausfinden, wie es danach weitergeht, wenn es herauskommt. Bei Pettigrew war ja alles anders nachdem es herauskam. Hat seinen Tod vorgetäuscht und als er wieder auftauchte war klar, dass er der Verräter war. Der Einzige Freund, der damit zu kämpfen hätte, war Remus. Sirius wusste es ja für 13 Jahre schon. Remus war dann aber in Buch 4 gar nicht mehr da und insofern bekam man auch nichts davon mit, wie er mit dem Verrat umging. Bei Snape war es ebenfalls anders, weil er eh nicht mit den anderen befreundet war und sein Verrat den anderen insofern nicht wirklich ans Herz aufgrund seiner Person ging, sondern weil Dumbledore dadurch starb. Bei diesem Verräter ist es anders und ich muss erst noch herausfinden, wie es am besten passt und wie andere darauf reagieren.
Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßle
Chapter 42 - Lyssa
Damals
James keuchte und atmete ruckartig ein und aus. Er lag erschöpft mit schmerzverzerrter Miene am Boden, seine rechte Hand verschloss eine klaffende Wunde an seiner Brust, dessen Blut sein Umhang durchnässt hatte. Links und rechts neben ihm befanden sich mittlerweile White und Sirius. Sie kniete bei ihm, ihre Hand lag stützend an seiner Schulter. Er hingegen stand vor den beiden, die Hand ausgestreckt als ob er jemanden gerade erst weggestoßen hätte.
Spencer Vinegar starrte die drei finster an, in seiner Nähe befanden sich seine Tochter Elle und der Dhschoara Shajillé. Elle hatte furchtbare Angst und das konnte man in ihrer unsicheren Haltung auch sehen. Shajillé dagegen wirkte fest und entschlossen dazu anzugreifen, sobald man ihm den Befehl dazu gab. In seiner linken Hand hielt er nach wie vor den spitzen, goldenen Gegenstand, mit dem er die Wunde an James' Brust verursacht hatte.
An der Tür stand Remus, den Zauberstab in der Hand und gegen Shajillé gerichtet. Ihm war es zu verdanken, dass dieser Moment überhaupt zustande kam, denn er war auf Dumbledore's Bitte hin in der Nähe geblieben, um rechtzeitig einzuschreiten, falls sie Hilfe brauchen sollten. Eine Explosion war mehr als nur ein Schrei nach Hilfe und so war er zurückgestürmt, gerade noch rechtzeitig Shajillé daran zu hindern noch mal auf James einzustechen.
„Lächerlich," bellte Vinegar verachtend und hatte Remus mit einem herablassenden Blick bedacht. „Beende es, Shajillé. Diesen hier übernehme ich."
Der Dhschoara hatte seinen Zauberstab gegen Sirius gerichtet, um sich den Weg zu James freizukämpfen, da stoppte ausgerechnet Vinegar's Tochter ihn am Handeln.
„Tu's nicht!"
White und Sirius hatten sich eigentlich bereit gemacht sich notfalls mit Händen zu wehren, da sie vorher entwaffnet wurden und auch Remus und Vinegar waren bereits drauf und dran gewesen sich in ein Duell zu stürzen, da blieben alle verwundert an ihrem Fleck stehen und blickten die junge Hexe an. Ihre Hände zitterten als sie kurz James ansah und sich dann wieder Shajillé zuwandte.
„Tu's nicht. Bitte," flehte sie erneut. Ihr Ausdruck war unglaublich verzweifelt.
„Elle!" donnerte Vinegar erbost.
„Du deutest es nicht richtig, Vater," sagte sie verängstigt und war sogar vor ihm zurückgewichen als ob sie damit rechnete, dass er gleich auf sie zustürmen und sie verletzten könnte. James hatte sich ächzend mit White's Hilfe aufrichten können und erneut trafen sich die Blicke der beiden.
„Wenn du den Träger tötest, wird Schlimmes passieren. I-Ich sehe... Ich sehe es genauso wie Anna White. Es wird nicht besser, wenn du das, wonach sich der, dessen Name nicht genannt werden darf, verzerrt, vernichtest. Bitte, Vater. Überlege es dir doch noch mal."
„Genug!" donnerte Vinegar erzürnt. „Shajillé! Tu was ich dir auftrage!"
Sirius hatte sich instinktiv schützend vor James gestellt und auch Remus hatte seinen Zauberstab in die Richtung der beiden gelenkt. Der Dhschoara aber rührte sich nicht. Es kam kein Fluch und kein Angriff. Stattdessen hatte er einen sehr langen und sehr intensiven Blick mit Elle ausgetauscht, dann senkte er seine Hand und blickte beschämt zu Boden.
„Es tut mir leid, Spencer."
„Du wagst es, dich gegen mich zu stellen?" bellte Vinegar fassungslos. Shajillé schluckte hart.
„Nein," sagte er gebrochen. „Aber ich kann mich auch nicht gegen Elle stellen."
Es brauchte eine Sekunde, dann brach Vinegar in lautes Gelächter aus. Es war kein fröhliches Lachen. Es war verbittert und trostlos.
„Meine eigene Tochter und du? Mein eigen Fleisch und Blut und derjenige, den ich stets wie mein eigen Fleisch und Blut behandelt habe? Betrügen mich?"
Shajillé hatte es immer noch nicht gewagt aufzusehen und auch Elle war sichtlich eingeschüchtert von ihrem Vater. Dennoch wagte sie zu James und den anderen zu drehen.
„Ihr solltet gehen..." flüsterte sie leise. Sirius hatte nicht gezögert James' Arm um seine Schulter zu werfen, um den Freund mit White rauszubugsieren, doch der stoppte wenige Meter direkt bei Elle Vinegar. Er wollte eigentlich etwas sagen, aber irgendwie blieb ihm die Luft weg, um auch nur ein richtigen Satz zu formen. Die klaffende Wunde machte es unmöglich sich mitzuteilen. Sie lächelte scheu, wandte sich jedoch ohne ein weiteres Wort ab und schritt mit gesunkenem Haupt zu Vinegar rüber. Der Zauberer sah aus als ob er jeden Moment platzen würde und James hätte die junge Hexe niemals schutzlos alleine zurückgelassen, wenn er bei klarem Verstand gewesen wäre. Durch Shajille's vorangegangene Folter war er das jedoch nicht und so ließ er sich von Sirius und Remus aus dem Versteck stützen. White hatte sich den drei Verbliebenen noch mal zugewandt, aber auch sie fand keine angemessenen Worte und so folgte sie den Jungs ohne noch mal mit Vinegar oder den anderen beiden ein Wort ausgetauscht zu haben.
Sie brachten James sofort ins St. Mungo, wo Stradford sich um ihn kümmerte und auch Lilli direkt zu ihnen dazustoß als sie von dem Vorfall hörte.
„Hab ich dich nicht neulich erst in Behandlung gehabt?" fragte Stradford Stirnrunzelnd während sie ihm die Wunde an der Brust verband. James kniff Zähne und Augen zusammen und nickte gezwungen.
„Ich steh halt auf die Heilkünste einer so professionellen Heilerin," kommentierte er mit einem so charmanten Schmunzeln, wie es ihm unter den anhaltenden Schmerzen möglich war. Stradford lächelte amüsiert, wandte sich dann aber an Lilli.
„Tu mir den Gefallen und halte ihn gefälligst aus meinem Behandlungszimmer fern. Ich will ihn demnächst nicht noch mal in diesen vier Wänden hier sehen und wenn – dann gefälligst als Besucher und nicht als Patient."
Lilli nickte dankbar. Stradford verließ den Raum und im Gegenzug gesellten sich White, Sirius und Remus wieder zu den beiden dazu. James zog gerade sein Shirt wieder an, wenn auch etwas unbeholfen und schwächlich.
„Wie konnte das passieren?" fuhr Lilli die Gruppe direkt an. „Das sollte ein normales Verhandlungsgespräch werden. Kein Auftrag, welches das Leben meines Verlobten gefährdet!"
„Fast dasselbe sagte ich zu Dumbledore," sagte White und klang durchaus sarkastisch.
„Und?" fragte James. „Was sagte er dazu?"
Sie kräuselte mit unzufriedener Miene die Lippen und gab ein trockenes Lachen von sich.
„Er sagte, dass daran wohl nichts zu ändern sei."
„Höh?" machte James verwirrt und auch die anderen blickten nicht minder misstrauisch zu ihr rüber. White nickte finster.
„Er sagt, es wäre derselbe Ausgang gewesen, wenn er selbst die Verhandlungen geführt hätte. Vinegar ist für sein unberechenbares Verhalten wohl bekannt. Als ich ihm sagte, dass Vinegar dich angriff und dir das Black Heart entreißen wollte, sagte er -" Sie stellte sich gerade auf und tat so als ob sie an ihrem langen Bart zupfen würde, während sie gleichzeitig Dumbledore's Stimme nachmachte und überheblich herabblickte. „Damit konnte keiner rechnen, aber glücklicherweise ist die Situation noch mal glimpflich ausgegangen."
„Glimpflich ausgegangen?" spuckte James verärgert. „Das nennt er glimpflich ausgegangen? Seit wann heißt von nem Wahnsinnigen gefoltert und fast hingerichtet werden glimpflich ausgehen?"
White zuckte nur die Schulter und sah mitfühlend zurück, während Sirius und Remus nicht minder verärgert aussahen und zeigten, dass sie voll und ganz auf seiner Seite mit seiner Meinung standen.
„Ich kann nicht fassen, dass ein Dhschoara zu solchen Methoden greift," sagte Lilli nachdenklich. „Bisher waren sie stets neutral, trotz ihrer Fähigkeiten. Es gibt keine einzige Aufzeichnung über eine Straftat in Zusammenhang mit einem Dhschoara und dann gleich so was?"
„Ich wusste nicht mal, dass so was überhaupt möglich ist," grummelte James finster.
„Ich auch nicht," sagte Lilli immer noch ziemlich mitgenommen. Denselben Ausdruck fand man auch in den Gesichtern seiner Freunde – außer White. Sie wusste es also sehr wohl. Auf seinen misstrauischen Blick hin seufzte sie frustriert auf.
„Was glaubst du, wie Voldemort Gryffindor's Magie von dir will?"
„Toll," spuckte er sarkastisch. „Weiß Dumbledore, dass das kein Spaß für mich ist, oder soll ich ihn wirklich erst mit seiner Hakennase drauf stoßen, damit er das zur Kenntnis nimmt?"
White lächelte traurig.
„Wenn du glaubst, dass ihn das daran hindert weiter mit uns wie mit Marionetten zu spielen – Tu dir keinen Zwang an."
James schüttelte fassungslos den Kopf. Sein Blick fiel auf den mit Blut vollgesogenen, hässlichen, blauen Umhang, den er eigentlich zur Hochzeit tragen sollte und auf einmal hellte sich seine Laune ein wenig auf.
„Das Teil ist – uhm – nicht mehr wirklich zu gebrauchen? Ich schwör's ich hab es nicht mit Absicht vollgeblutet."
Er grinste und auch Sirius lachte bellend auf. Lilli dagegen zuckte angewidert zurück.
„Was ist das für ein ekelhafter, grauenvoller Umhang?! Wolltest du jeden wissen lassen, wo du dich aufhältst oder was sollen die idiotischen Glocken daran?"
James und Sirius prusteten amüsiert, doch White schoss ihnen giftige Blicke entgegen und so verkniffen es sich beide auf der Stelle laut loszulachen.
„Das war mein Hochzeitsumhang," grinste James mit sichtlicher Genugtuung. Lilli öffnete verwundert den Mund und schloss ihn unangenehm wieder.
„Oh..." machte sie peinlich berührt.
„Okay," sagte White schließlich, wenn auch etwas entnervt. „Kein ekelhaftkotzblauer Umhang. Ich ändere die Beschwörung ab."
„Danke," trällerte James und schlug ihr Kumpelhaft die Schulter. Ein Klopfen hatte die Unterhaltung unterbrochen. Die Tür ging auf und im Spalt erschien die junge Hexe mit den langen blondbraunen Haaren und dem gelben Umhang.
Sirius hatte sich erneut vor seinen Freund gestellt und Elle mit scharfen Blick gemustert. Auch Remus hatte sich ungewöhnlich schützend vor James gestellt. Lilli war zwar verwirrt, erkannte aber an der Reaktion beider Männer, dass sie die Hexe nicht für einen Freund hielten und so fuhr auch sie vorsichtshalber mit ihrer Hand an ihren Zauberstab.
„Ich bin nicht als Feind hier," sagte sie sofort. Eine Tatsache, die zumindest James und White ihr glaubten, denn sie sah weder aus wie jemand, der gleich angreifen würde, noch klang sie danach als ob sie gleich herrisch jemanden von ihnen anfallen könnte. Sie wirkte immer noch unsicher und sehr schüchtern, dennoch traute sie sich vorsichtig einen Schritt näher an die Gruppe heran.
„Es tut mir leid, was Shajillé dir angetan hat," sagte sie leise mit Blick auf James. „Ich bin hier, um diese Wunde zu schließen. Darf ich bitte?"
Sirius verengte misstrauisch die Augen und hatte verächtlich geschnaubt. James jedoch tauschte einen Blick sowohl mit Lilli, wie auch mit White. Letztere nickte ihm zu. James wandte sich wieder zurück an Lilli und nickte. Er würde sie tun lassen.
„Wir sind draußen, falls du uns brauchst," sagte Lilli fest und drückte ihm die Hand bevor sie mit den anderen das Zimmer verließ. Sirius tat dies nur sehr widerwillig, aber nachdem auch James ihm deutete, dass es okay war, folgte auch er mit grimmiger Miene.
Elle trat näher und deutete ihm sich wieder auf den Behandlungstisch zu setzen. Selbst jetzt, wo nur die beiden sich hier befanden, wirkte sie unsicher und verängstigt. Etwas unbedarft hatte sie ihre Hände gehoben, dann jedoch wieder gesenkt.
„Die Wunde ist tief... w-würdest du sie bitte freimachen...?"
Er zögerte kurz, war er sich doch nach wie vor nicht sicher inwiefern er ihr vertrauen sollte, dann aber zog er sein Shirt wieder aus. Was hatte er schon zu verlieren? Stradford hatte sich zwar um die Wunde gekümmert, aber schaffte es nur, dass es weniger blutete. Der quälende Schmerz war geblieben und wenn die Hexe hier ihm das erleichterte, warum nicht? Elle schloss ihre Augen und so zerbrechlich sie eben auch noch gewirkt hatte, ihr ruhiges atmen und ihre gefasste Haltung ließ sie nun in einem anderen Licht dastehen. Sie wirkte sicher, selbstbewusst, sogar stark.
Der drückende Schmerz in seiner Brust ließ nach und als James hinab sah, stellte er verblüfft fest wie das Blut auf dem Verband verblasste und nach kurzer Zeit genauso verschwunden war, wie auch jegliches quälende Gefühl in seiner Brust. Die Dhschoara öffnete ihre Augen wieder und lächelte liebevoll. James wickelte den Verband ab und lächelte überrascht. Von dem vorherigen tiefen Schnitt war absolut nichts mehr zu erkennen, nicht mal ein Ansatz einer Narbe. Selbst das gesamte Blut auf dem Verband war weg.
„Danke," sagte er freundlich und zog sich mit einem Ruck das Shirt wieder über. Auch die Erschöpfung von vorher war verschwunden und er fühlte sich genauso gesund und tatkräftig wie eh und je. „Hab ich noch nie gesehen, dass jemand Wunden verschließt und das geflossene Blut mitverschwinden lässt. Moment mal -" Sein Blick glitt zur Seite wo der grässliche Hochzeitsumhang lag, glücklicherweise immer noch voll mit Blut getränkt. „Puh, Glück gehabt."
Er grinste frech, stoppte jedoch als er bemerkte, dass dies Elle mehr verunsicherte. Ihr zu erklären was es damit auf sich hatte hätte zu lang gedauert und wäre am Ende womöglich nicht mal nachvollziehbar gewesen und so winkte er einfach kurz ab.
„Ich wiederhole: Es tut mir leid, was Shajillé und mein Vater dir angetan haben."
„Sollten nicht eher die beiden dann hier stehen und sich entschuldigen statt du?" sagte James schmunzelnd. Elle lächelte betrübt. Für ein Moment herrschte eine merkwürdige Stimmung, war es doch eindeutig, dass ihr etwas auf dem Herzen lag und sie das auch aussprechen wollte. Aus irgendeinem Grund schien sie Probleme damit zu haben und James hatte auch keine Ahnung, wie er ihr hätte dabei helfen können etwas auszusprechen.
„Bekommst du nun Probleme?" fragte er letztendlich, unter anderem auch aus Sorge nach dem, was er mit ihr und ihrem Vater mitbekommen hatte. „Mit deinem Vater mein ich."
Sie schüttelte jedoch den Kopf und James nickte erleichtert.
„Gut und dein Freund?"
Sie seufzte und schüttelte erneut den Kopf.
„Mein Vater wird ihn ausstoßen und... Er wird ihn töten wollen. Aber Shajillé ist klug. Er wird sich verstecken. Ich weiß nicht, was dann wird..."
„Das tut mir leid. Falls Shajillé will – Der Orden könnte ihm bestimmt Schutz bieten im Gegenzug für seine Hilfe. Er ist gut und wir brauchen gute Widerstandskämpfer."
Elle lächelte. Es war ein seltsames Lächeln als ob seine Worte sie richtig freuen würden und gleichzeitig tief traurig machen würden. Sie atmete tief ein und nahm sich allen Mut zusammen, um nicht noch länger schweigend vor ihm stehen zu bleiben und die Situation nicht noch peinlicher werden zu lassen als es ohnehin für alle Beteiligten bereits war.
„James, du musst vorsichtig sein," sagte sie und klang erneut entschlossen und stark.
„Uhm," machte er überrumpelt.
„Ich kann dich sehr gut heilen, weil du gut bist. Wichtig bist. Mit vielem, was kommen wird, kannst du umgehen – aber eines Tages wird etwas geschehen und... Du kannst der Person nicht trauen."
„Der Person?" fragte er verwirrt, auch wenn er nach wie vor klang als ob er sie nicht ganz ernst nehmen würde. „Wer?"
Elle schüttelte deprimiert den Kopf.
„Ich kann keine Namen nennen. Ich kenne keine Namen. Nicht mal Gesichter. Dhschoaras sind keine Seher oder Wahrsager. Wir deuten aufgrund unserer Intuition. Jemand dunkles ist in deinem Leben. Den Nebel, die Präsenz, ich kann sie eindeutig sehen. Es ist nicht vollständig dunkel und deswegen wirst du die weiße Maske auch nicht hinterfragen. Aber es wird dich das Leben kosten. Hinterfrage und vertraue demjenigen nicht. Seine Absichten sind nicht mit deinen vereinbar."
James hatte sie angehört, aber noch warf es mehr Fragen auf. Zu viele Fragen, um sie jetzt genauer zu erläutern. Er sah sie verwirrt an.
„Du erwartest von mir jeden zu misstrauen, der in meinem Leben ist? Das kann ich nicht."
„Es tut mir leid," flüsterte Elle betrübt. „Ich wünschte, ich könnte dir mehr sagen. Ich kann es nicht richtig deuten. Ich weiß nur, dass es da ist. War das... War das deine Verlobte? Die Rothaarige?"
James nickte.
„Sie ist auch gut. Das sehe ich. Ihr kannst du vertrauen."
Irgendwie brachte ihn das zum lachen, wenn auch nur sehr sanft, damit sie nicht glaubte, er würde sie auslachen. Er fand es einfach nur amüsant, denn er hatte nie auch nur eine Sekunde daran gedacht Lilli nicht zu vertrauen. So absurd es auch bei jedem anderen klang, bei Lilli war dies noch mal eine große Schippe lächerlicher.
„Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder," sagte sie scheu. „Vielleicht, kann ich eines Tages mehr sehen und irgendwann vielleicht auch ein Name nennen. Vielleicht..."
James nickte freundlich.
„Ja.. Das wäre schön."
Er reichte ihr die Hand und Elle, obgleich sehr überrascht, reichte ihm ebenfalls ihre Hand.
„Auf bald. Pass gut auf dich auf."
„Auf bald, James..."
Heute
Das Treffen mit Spencer Vinegar verlief extrem merkwürdig ab. Es fand in Hogwarts statt im Büro von McGonagall. Neben Sirius und Remus befanden sich auch die stellvertretende Schulleiterin, Kingsley, Hagrid, Yuno und Kaylar Steward neben Harry im Raum. Nach allem was Harry über den Zauberer erfahren hatte, erwartete er eine Art uralten Snape kennenzulernen. In Wahrheit machte er die Bekanntschaft mit einem Zauberer der Art uralter Crouch. Vinegar war streng, hatte nicht einmal eine Miene verzogen, dafür wirkte er nun mehr gebrechlich und schweigsam. Er hatte Harry sehr lange genau betrachtet, irgendwann hatte er sich dann abgewandt und war einfach aus dem Büro geschritten. Sirius und Remus tauschten ein Blick aus, dann liefen ihm beide ohne zu zögern nach.
„Dieser verdammte Arsch!" brüllte Sirius verärgert. „Steward, bleib bei Harry. Lass ihn nicht aus den Augen!"
Kingsley und McGonagall tauschten einen verwunderten Blick aus, dann aber rannte zumindest Ersterer beiden ebenfalls nach während McGonagall im Büro blieb. Harry spürte den Dran ebenfalls aufzuschließen, doch als er sich gerade bewegen wollte hatten ihn zwei Hände an der Schulter ergriffen und an Ort und Stelle festgehalten. Es war Yuno, der Halbriese, und seine Kraft stand der von Hagrid in nichts nach.
„Die schaffen das schon alleine," brummte er entschieden. Angesichts dessen dass er gerade nicht im Stande war sich auch nur ein Millimeter fortzubewegen, wenn der Riese es nicht zuließ, entschied sich Harry zu bleiben. Yuno ließ ihn erst los als er sicher war, dass Harry Sirius nicht doch noch nachrannte. Da auch im Büro niemand mehr laut sprach oder sich sonderlich viel rührte, gab er Bescheid, dass er nach seinen Freunden sehen würde, dann stieß er zu ihnen in der relativ leeren Bibliothek dazu.
„Frohe Ostern," rief Ron und warf Harry ein gekochtes Ei zu. „Von Mum. Dazu gabs noch jede Menge zum naschen."
Er legte das Ei auf den Tisch nieder. Nach essen war ihm gerade so gar nicht zumute. Stattdessen erzählte er ihnen von dem Treffen und Vinegars schnellen Abgang. Brian lachte trocken.
„Passt. Von dem was man mitgekriegt hat – Ich nehm an, er will seine Tochter und diesen Shajillé finden und Letzteren endgültig töten. Remus und Sirius wollen das verhindern, brauchen Letzteren schließlich dafür um Anna ein paar Wochen mehr Leben rauszuschlagen."
„Jiah," sagte Ron verwirrt. „Wieso diesen Shadingsbums? Warum nicht einfach Vinegar's Tochter? Die ist doch auch eine Dhschoara?"
„Shadingsbums," antwortete Brian frech grinsend. „Ist wohl stärker in der Magie. Sieht mehr, heilt besser."
„Und warum ist dann nicht er der Anführer, sondern dieser Vinegar?" fragte Ron weiter, bedacht darauf dem Freund nicht noch mal einen Grund zu geben sich über ihn lustig zu machen.
„Puh, wegen dem Alter? In halbwegs guten Gruppen übernimmt nicht der Mächtigste oder Stärkste automatisch die Leitung. Der Geeignetste sollte das tun und Spencer Vinegar – wird wohl geeigneter gewesen sein."
„Geeigneter?" wiederholte Ron dämlich. „Ich dachte, der hätte sie nicht mehr alle?"
„Na ja, Fudge war auch nicht unbedingt das, was man als sie-alle-haben bezeichnete," gluckste Brian, dann aber wandte er sich mit ernster Miene an Harry, bevor Ron noch mal etwas von sich gab, worüber er sich hätte amüsieren können. „Es gibt absolut keinen Weg den Trank in kürzer als 4 Wochen zu brauen. Das hab ich auch Sirius schon gesagt. Ich bin mir also relativ sicher, dass er diesen Shajillé herbringt und nicht zulässt, dass er oder der andere getötet werden. Keine Sorge an der Front somit."
„Uhm, okay."
Hatte er sich darüber überhaupt Gedanken gemacht? Eigentlich galt Harry's Sorge eher Sirius und ob dieser schon soweit war sich wieder in ein Duell zu stürzen. Erst recht mit einem Zauberer wie Vinegar.
„Remus und Kingsley sind bei ihm," sagte Jilli sanft als ob sie genau wüsste, was in Harry vor sich ging. „Und besonders Kingsley ist wirklich gut. Die beiden werden nicht noch mal zulassen, dass Sirius etwas passiert."
Irgendwie hatte sie einen sehr sicheren Blick in ihrem Ausdruck, der ihn beruhigte. Wenn Jilli das sagte, dann nicht, weil sie es nur glaubte. Sie musste sich wirklich sicher gewesen sein.
„Tust du uns nen anderen Gefallen?" fuhr Brian fort.
„Klar?"
Der Freund schmunzelte amüsiert.
„Wenn das mal kein Vertrauen ist. Sagt zu ohne zu wissen was."
Harry lächelte unangenehm, aber ein kurzer Blick zu Jilli verriet, dass auch sie die Augen rollte. Brian war also mal wieder am Punkt wo er mit unangebrachtem Sarkasmus seine eigentlichen Gefühle überdeckte. Wenn man genauer hinsah, erkannte man durchaus, dass auch er sich sehr um White's Zustand sorgte. Indem er Fragen auswich, wie es ihm zum Beispiel gerade ginge wegen White, wussten Harry und Jilli mittlerweile, dass dies seine Art war zu zeigen, dass er halb verrückt vor Sorgen war.
Außerdem hatte Harry den Freund auf der Karte bei White erwischt als er kurz für einige Zeit nicht auffindbar war. Als er Jilli mal darauf ansprach, dass Brian's Handlung für ihn absolut unverständlich war, erklärte sie ihm lediglich, dass er dies von seiner Mutter habe. Sirius und Harry's Eltern hatten es ebenfalls nie geschafft sie wirklich zu verstehen und sie habe damals genauso oft für andere nicht nachvollziehbar reagiert.
„Besorge uns doch ein paar Haare von Anna," war Brian's Forderung.
„Haare?" wiederholte er irritiert.
„Für den Vielsafttrank," erklärte Jilli, da Brian lediglich von einem Ohr zum anderen frech grinste als ob er nur darauf warten würde, dass Harry etwas von sich gab worüber er wieder seine schlechten Witze reißen konnte. „Es sind einige Schüler hier in Hogwarts geblieben über die Osterferien und Kingsley meinte, dass es auch Spione für Voldemort darunter sein könnten. Damit sie nichts von Anna's Zustand mitbekommen, soll immer wieder mal jemand den Trank einnehmen und als sie herum laufen, so dass kein Verdacht aufkommt."
„Ah, verstehe..."
Klug. Darauf wäre er nie gekommen. Harry nickte verstehend und so tat das auch Brian, wenn auch erheblich amüsierter. Er wandte sich zu Jilli und auch sie nickte mit einem sanften Lächeln. Hermine, Ron und Ginny dagegen runzelten die Stirn und sahen alle drei verdutzt an. Kam noch etwas oder wollten sie das Nicken den ganzen Tag über fortsetzen?
„Glaubst du, du schaffst das von hier aus mit Accio Professor White's Haare?" witzelte Brian schließlich belustigt und erst dann überkam es Harry.
„Err – Stimmt ja. Ich komm gleich wieder."
Und noch während er weglief hörte er, wie Brian weiter mit den anderen herumscherzte.
„Frag mich, ob das schon mal jemand gemacht hat und wirklich die Haare von jemanden in den Händen hielt. Womöglich schon und er hatte plötzlich alle Haare der Person in seiner Hand. Die wird sich schön für die Glatze bedankt haben."
Harry trat in das mittlerweile leere Büro der Schulleiterin ein, blieb jedoch für einen Moment stehen. Es war komisch. Die Porträts schliefen alle, selbst Dumbledore und auch Fawkes befand sich nicht da, wo er sonst zu finden war. Eine Kälte überkam ihm, die er mit etwas unangenehmen verband. Einer Leere, die er fühlte als Dumbledore starb. Als ob alles Gute und Warme, was er bis dahin kannte, mit einem Mal weggerissen und in ein tiefes, schwarzes Loch gesteckt wurde. So würde es sein, wenn Anna wirklich starb. Anna? Natürlich meinte er Professor White. Sie hatte ihm das du nicht angeboten.
Er wandte sich zum Nebenzimmer, wo sich White aufhielt und schritt hinein, um sich die nötigen Haare zu holen. Erschrocken blieb er abrupt stehen – White war nicht alleine. An ihrem Bett stand eine junge Frau, deren Hand die von White gehalten hatte, sie jedoch sofort losließ und sich genauso erschrocken hatte als er hereintrat. Beide begannen einander anzustarren.
Die junge Frau hatte blonde, längere Haare und dunkelblaue Augen. Sie war etwa in Harry's Alter, vielleicht sogar etwas jünger und für einen Moment dachte er durchaus daran sofort seinen Zauberstab zu ziehen und sie von White wegzutreiben. Der Drang verschwand jedoch sofort als sie ängstlich vor ihm zurückwich und sich fast halb hinter White's Bett versteckte. Sie wandte sich zu allen Seiten als ob sie nach einem Weg suchen würde heil herauszurennen ohne auch nur ansatzweise in seine Nähe dabei zu kommen. Dummerweise stand er direkt in der Tür, weshalb es ein solchen Weg nicht gab.
„Was tust du hier?" fragte Harry daher vorsichtig und hob seine Hände an als Zeichen, dass er sie nicht angreifen würde. Sie hatte aber nach wie vor Angst vor ihm.
„Bitte," sagte sie leise und was er vorher an ihrer Haltung nur vermutete konnte er jetzt auch hören. Sie hatte in der Tat panische Angst vor ihm. Ihre Stimme hörte sich an als ob sie ihn mit jedem Wort förmlich anflehte ihr nicht zu Nahe zu treten. „Ich bin nicht hier, um zu schaden. Ich will nur helfen."
„Okay," sagte Harry nach wie vor verwundert, dann aber warf er ein Blick auf Professor White, die immer noch blass und bewusstlos war. „Und wie wolltest du helfen?"
„Meine Eltern wollten nicht, dass ich komme," sagte sie scheu. „Aber... ich konnte nicht nicht kommen."
„Okay," wiederholte er und kam sich gleichzeitig ziemlich blöd vor. Was war das bitte sehr für ne Antwort auf seine Frage?
„Bitte," sagte sie und klang diesmal eindringlich flehend. „Lass mich sie heilen. Ich kann ihr helfen."
„Professor White? Du wolltest Professor White heilen?"
Sie nickte fest.
„Vielleicht sollten wir besser warten bis die anderen wiederkommen?" schlug er jedoch vor, aber dieser Vorschlag wühlte sie sehr auf.
„Nein... Bitte... Meine Eltern... Ich kann nicht so lange wegbleiben. Sie werden böse sein. Bitte, lass mich das jetzt tun."
Sollte er sie lassen? Was, wenn sie gefährlich war? Wenn das hier nur ein Trick sein sollte, um die Schulleiterin endgültig zu töten?
„Sie werden es sonst nicht rechtzeitig schaffen," fuhr sie leise flehend fort. Immer noch konnte er nichts gefährliches in ihrem Blick bemerken. Im Gegenteil, er empfand aus irgendeinem Grund gar Sympathie für die junge Hexe.
„Mein Großvater wird meine Eltern erst finden, wenn es zu spät ist. Mein Vater wird Professor White nicht mehr helfen können und sie stirbt. Der dunkle Lord wird das mitkriegen, aber der Kampf zwischen euch – so viele Verluste. Bitte, ich will wirklich nur helfen."
Harry antwortete nicht, aber er behinderte sie auch nicht daran als sie sich White wieder näherte. Sie ergriff erneut deren Hand, schloss ihre Augen und verblieb in dieser Position. Würde er es bereuen sie nicht aufgehalten zu haben? Bevor er zu einer Antwort kam hatte die junge Hexe die Hand von White wieder losgelassen und sich ihm zugewandt.
„Danke," hauchte sie kaum hörbar. Vorsichtig schlich sie sich an ihm vorbei, warf dabei aber immer wieder Blicke zu ihm rüber als ob er sie sonst angreifen könnte.
„Warte!" rief Harry bevor sie sich an ihm durchquetschen konnte.
„Wer bist du?"
„Versprich mir niemanden davon zu erzählen, dass ich da war, ja? Niemandem... Professor White ja, aber sonst niemand. Ich bekomme sonst Schwierigkeiten."
„Okay..." sagte er verwirrt. „Aber wer bist du?"
„L-Lyssa," stotterte sie verängstigt. Sie schluckte hart, beschloss dann aber offenbar ihm tatsächlich alles zu erzählen, damit er sie auch gehen ließ.
„Ich bin... Ich bin die Tochter der beiden, die deine Freunde herholen wollen, um Professor White zu heilen. Mein Großvater weiß nichts von mir und meine Eltern wollen, dass es so bleibt. Deswegen hat sich mein Vater all die Jahre auch mit mir versteckt. Ich bin wie meine Eltern eine Dhschoara.
Nur kann ich alles um mich herum anders sehen als sie. Stärker. Und ich sah, dass sie nicht rechtzeitig kommen werden, um Professor White zu helfen. Sie haben mir verboten mich einzumischen, hörten mich nicht mal an als ich es ihnen erzählen wollte. Ich konnte es nicht dabei belassen... Also bin ich weggerannt, um es selbst zu tun.
Sie ist noch nicht wieder ganz gesund, aber sie wird leben. Normalerweise kann ich die Seele heilen, aber ich kann nichts heilen, was nicht hier ist. Etwas in ihrer Seele fehlt. Ich kann sie nicht so heilen, wie ihr es können werdet. Ich kann es spüren... Ihr macht das Richtige."
Sie lächelte zaghaft.
„Ich muss schnell wieder zurück, bevor sie bemerken, dass ich weg war. Bitte sag niemanden, dass du von mir weißt... Bitte."
Harry nickte, wenn auch nach wie vor überrumpelt von ihren Worten. Dann schritt er jedoch zur Seite, um sie gehen zu lassen. Sie hatte gerade erst die Tür hinter sich zugeworfen, da rührte sich etwas hinter ihm. Reflexartig wandte er sich um und sah wie sich Professor White regte. Sie gab ein sanftes, kaum hörbares Fiepen von sich und öffnete sehr langsam ihre Augen. Harry fiel ein Stein vom Herzen als er in die vertrauten dunklen Augen der Professorin blickte. Ein Lächeln kroch ihm ohne, dass er es überhaupt bemerkte, über die Lippen.
Harry hatte ihr geholfen sich aufzurichten und ihr erzählt, was passiert war, obgleich er sich nicht sicher war, dass er das hätte in diesem Moment tun sollen. White wirkte nicht so als ob sie ihm überhaupt folgen konnte, mehr als ob sie nicht verstand, was er da von sich gab. Dass sie nur so aussah und es nicht der Wirklichkeit entsprach stellte er jedoch sehr schnell fest als er in seiner Ausführung aus Vorsicht stoppte, sie aber in strengem Ton erwiderte: „Ich folge dir. Sprich weiter."
Nachdem er geendet hatte, nickte sie um ihm zu zeigen, dass sie alles aufnehmen konnte, auch wenn es ihrem Ausdruck nach nicht danach aussah. Sehr zu seiner Überraschung zuckte sie sich einige Haare aus und reichte sie ihm rüber.
„Ist ne sehr gute Idee von Kingsley. Bring sie zu den anderen, damit sie den Trank fertig brauen können. Ich werd so schnell nicht von hier weggehen."
Harry zögerte, unsicher, ob er sie wirklich allein lassen sollte angesichts der sehr ungewöhnlichen Heilung. Die Entscheidung wurde ihm abgenommen als die Bürotür aufsprang und Brian hereinstürmte.
„Yo, Kumpel. Zierst du dich etwa davor einer Professorin eine Haarsträhne zu ziehen oder kannst du dich nicht entscheiden welche davon du ihr ausziehen willst – Hayoooooo!"
Der junge Zauberer blieb verblüfft stehen und fror förmlich an Ort und Stelle fest. Er starrte White sprachlos an während Harry beide beobachtete, gespannt darauf was passieren würde. White jedoch lächelte lediglich sanft.
„Hallo, Brian."
„Anna," sagte er schließlich, wenn er auch sichtlich damit kämpfen musste zu verstehen was hier vor sich ging. „Du bist – aufgewacht."
„Das bin ich," sagte sie freundlich. Harry verzog irritiert die Augenbraue. War das deren ernst? Höfliche, unbedeutende Floskeln?
„Dir geht es... gut?" fragte er vorsichtig.
„Den Umständen entsprechend etwas schwach," antwortete sie sanft. „Sonst aber gut, ja."
„Dann war Sirius schon hier mit diesem Dhschoara?"
Wieder wurde die Tür des Büro's aufgerissen, diesmal jedoch stürmten mehrere gleichzeitig herein. Alle wandten sich den Neuankömmlingen zu, welche so wie Brian gerade auch sehr abrupt bei ihnen zum stehen kamen. Es waren Sirius, Remus und ein weiterer Zauberer, den Harry noch nie gesehen hatte. Müsste er raten würde er sagen, es war der Dhschoara Shajillé.
„Anna?" sagte der Zauberer verblüfft. „Ich dachte, du liegst im sterben?"
Sirius und Remus runzelten verwirrt die Stirn und hatten die Hexe eindringlich und nach einer Erklärung fordernd angesehen. Brian hingegen blinzelte kurz und wandte sich dann an Harry.
„Die Antwort ist also nein. Sirius war noch nicht mit dem Dhschoara hier."
Er wusste sich nicht anders zu helfen als den Freund unangenehm anzulächeln und zu schweigen. Er hoffte einfach mal, dass White die Situation schon irgendwie klären würde.
„Deine Tochter kam dir zuvor," sagte die Schulleiterin sehr zu Harry's Missfallen. Hatte er ihr nicht Minuten zuvor noch mitgeteilt, dass Lyssa Ärger bekam, wenn andere mitbekamen, dass sie da war?
„Tochter?" wiederholten Sirius und Remus simultan. Prompt blickten die beiden den Dhschoara überrascht an, doch der schüttelte lediglich frustriert den Kopf.
„Ich hatte ihr verboten zu gehen."
„Nun, ich bin froh, dass sie gekommen ist," sagte White sanft und wickelte sich simultan in ihren Umhang ein. Sie fror ein wenig und wollte sich wärmen. „Ich glaube nicht, dass wir uns im Diesseits sonst noch mal wiedergetroffen hätten."
Der Zauberer seufzte, nickte dann jedoch einsichtig.
„In der Tat. Das sehe ich an deiner Aura. Ich wäre zu spät gekommen."
„Du hast eine Tochter?!" fragte Sirius ungläubig. „Du hast eine Tochter?"
„Du hast einen Sohn," entgegnete dieser verständnislos. „Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen."
„Woher?" setzte Sirius verdutzt an, aber Shajillé schmunzelte amüsiert.
„Ich bin ein Dhschoara. Ein sehr guter sogar. Die Aura des jungen Zauberers hier entstand eindeutig aus deiner und Anna's."
„Egal," sagte Sirius jedoch. „Ich sitz nicht im Glashaus. Das hier ist was ganz anderes."
„Warum? Weil Elle und Ich nie hätten gemeinsam ein Kind zeugen dürfen? Es ist passiert, Sirius. Wo die Liebe eben hinfällt. Was glaubst du, warum ich die letzten Jahre untergetaucht bin? Damit unsere Tochter in Sicherheit bleibt. Ich bringe meine Tochter in große Gefahr, wenn Spencer von ihr erfährt.
Und du sitzt im Glashaus, weil es mit deinem Sohn und dem dunklen Lord nicht anders ist."
„Nur dass Voldemort nicht mein oder Anna's Vater ist!" bellte er entrüstet. Shajillé hatte schon den Mund geöffnet, um etwas zu erwidern, da hinderte ihn das auffällige Räuspern von White daran und sowohl er als auch Sirius wandten sich ihr zu. Sie deutete sehr auffällig mit ihrem Blick neben die Männer, wo Brian stand.
„Verzeihung," sagte Shajillé höflich und reichte sowohl Brian als auch Harry die Hand. „Shajillé Parc. Du bist Sirius' und Anna's Sohn."
„Brian."
„Und du bist eindeutig Harry Potter. Ich denke, es gibt mittlerweile niemand, der dich nicht erkennt."
Harry verzog eine Grimasse, schüttelte aber dennoch die Hand des Zauberers, denn obgleich er diese Floskeln zu genüge kannte und es ihn auch langweilte, Shajillé schien ihn mit ehrlichem Respekt zu behandeln.
„Keine Sorge," sagte White sanft nachdem sich der Dhschoara wieder der Hexe zugewandt hatte. „Das Wissen über die Existenz eurer Tochter wird diesen Raum nicht verlassen."
„Danke," sagte er ernst.
„Sei nicht zu hart zu ihr, weil sie dir den Gehorsam verweigert hat. Es war für eine gute Tat."
Er lachte kurz amüsiert auf.
„Ist das die Rechtfertigung für jeden Unsinn, denn die Sprösslinge treiben?" Dabei hatte Shajillé durchaus einen flüchtigen Blick Richtung Brian und Harry geworfen, sich dann aber White genähert. Er musterte sie einen Moment lang sehr genau und nickte schließlich beruhigend.
„Sieht aus als ob es für mich hier nichts mehr zu tun gäbe."
„Deine Tochter ist sehr talentiert," sagte White freundlich. Er nickte zustimmend.
„Ja, leider."
„Das erklärt mir natürlich, warum ihr vor 16 Jahren doch keine Kooperation mehr mit uns eingehen wolltet," sagte Sirius nachdenklich. Shajillé nickte betrübt.
„Ja, wegen Lyssa. Elle und Ich beschlossen, dass es besser war, wenn sie zu ihrem Vater zurückkehrt und so tut als sei alles in Ordnung und ich mit unserer Tochter verschwinde."
„Heißt das, Elle hat ihre Tochter all die Jahre nicht aufwachsen sehen?" fragte Remus fassungslos. Shajillé nickte erneut tief betroffen.
„Wir konnten es nicht riskieren. Spencer hätte es sonst bemerkt. Sie sahen sich das ein oder andere Mal, wenn wir uns sicher waren, dass keine Gefahr bestand. Das war's aber auch schon. Vor wenigen Monaten dann wollten wir es riskieren. Um Lyssa's Willen. Sie ist viel zu stark und ich bin mir sicher, Spencer und die anderen Dhschoaras werden bald von ihr wissen. Sobald ihre Fähigkeiten sich nicht mehr vor ihnen verstecken lassen."
„Okay," stimmte Sirius schließlich zu. „Du hast recht. Wir sitzen beide in dem Scheißhaus."
„Glashaus," verbesserten Brian, Harry und Remus ihn gleichzeitig. White lächelte amüsiert, wandte sich dann aber an Shajille.
„Elle ist nicht aufgetaucht bei dem verabredeten Treffen."
„Lyssa wurde krank. Hatte eine Vorahnung. Wir haben uns Sorgen gemacht und so lief Elle weg von ihrem Vater, um bei ihr und mir sein zu können."
„Er weiß aber immer noch nichts von ihr?" fragte Remus vorsichtig. Shajillé nickte mit finsterem Blick.
„Elle ist also wieder bei ihm?" fragte White, aber der Dhschoara schüttelte den Kopf.
„Sie versteckt sich. Wir wissen nicht weiter. Egal, was ich tue – Alles, was ich für uns drei sehe ist Dunkelheit. Das habt ihr gerade doch auch wieder mitgekriegt? Spencer kocht selbst jetzt noch vor Zorn mit mir."
Sirius und Remus nickten, was zeigte, dass das Auffinden des Dhschoaras alles andere als friedlich abgelaufen sein musste. White sah ihn jedoch aufmunternd an.
„Wenn es eins gibt, was ich dank einer guten Freundin über die Zukunft und die Vorhersagen darüber weiß, dann das es sich ständig ändert. Vielleicht finden wir heraus, was zu tun ist, um die Dunkelheit von euch dreien zu vertreiben."
Der Dhschoara war von ihren Worten verblüfft und augenblicklich hellte sich seine Miene auf.
„Ja... Vielleicht."
„Das muss nur etwas warten. Ich habe noch etwas mit Harry unter vier Augen zu besprechen. Wenn also der Rest von euch so freundlich wärt uns diesen Moment zu geben? Shajillé, fühl dich hier bitte wie Zuhause. Ich komme auf dich zu, sobald ich kann. Remus? Bringst du ihm in ein freies Gästezimmer?"
„Sicher," sagte er sofort und schritt als Erster aus dem Raum, dicht gefolgt von Shajillé und einem etwas unzufriedenen Brian. Sirius blieb noch einen Moment und hatte sie besorgt angesehen, doch White nickte beruhigend.
„Ich bin okay," versicherte sie ihm mit einem sanften Lächeln. Er zögerte dennoch und nahm sich stattdessen Zeit sie noch mal richtig anzusehen.
„Ich hatte Angst um dich," gestand er betrübt, wissend, dass nur Harry Zeuge ihres Gespräches wurde, denn er war auch der Einzige, der den Raum nicht verlassen hatte. „Tut mir leid, dass ich ein Idiot war. Ich hätte dir vertrauen sollen. Schon wieder."
Sie lächelte nach wie vor und Harry verstand, dass White ihm damit zu verstehen gab, dass sie nicht böse mit ihm war. Auch dieses Mal nicht.
„Du wärst nicht du, wenn du dich anders verhalten hättest," sagte White und selbst jetzt schwang kein Vorwurf oder Enttäuschung in ihrer Stimme mit. Harry war erleichtert, dass sie nicht stritten und er mochte es, dass die beiden einander anlächelten. Okay, nun verstand er es irgendwie, warum die beiden zusammen waren. Auf eine Weise, die andere und auch er selbst wohl nie verstehen würde, waren sie füreinander geschaffen.
Sirius schloss gerade erst die Tür hinter sich, da hatte White sich bereits wieder an Harry gewandt. „Lyssa ist so wie Brian – und auch Ich – ein Kind, das eigentlich verboten ist zu zeugen. Wenn auch hierbei nicht von der Zaubererschaft, sondern von denen, die diese Fähigkeit besitzen, selber. Dhschoaras haben allgemein alle dieselbe Fähigkeiten. Hin oder her unterscheiden sie sich von ihrer Stärke ein wenig, aber nicht sehr groß. Shajillé dagegen ist das Kind zweier Dhschoaras.
Seine Fähigkeiten übersteigen die der anderen um weiten. Er wäre der Einzige gewesen, dessen Intuition für die Seherbegabung und die Heilung so fortgeschritten und stark ist, dass er die Seele berühren kann. Eine Tatsache, die Dhschoaras nicht als etwas gutes ansehen. Sie halten es für falsch, dass man etwas so zerbrechliches anfasst.
Shajillé lebt nur deswegen noch, weil Spencer Vinegar ihn schützte. Ihm war es zu verdanken, dass die meisten nicht mal wussten, dass Shajillé ein solches Kind war. Ähnlich wie bei Brian sieht man es einem Zauberer nicht gleich an, wie er gezeugt wurde. Verschiedene Zauber jedoch enthüllen Anzeichen darauf. Wenn Dhschoaras einen Verdacht haben, zögern sie nicht einzugreifen. Shajillé ist erwachsen und ein erfahrener Kämpfer. Lyssa dagegen ist noch jung und unerfahren. Sie ist in Gefahr, sollte es herauskommen, dass auch sie die Tochter zweier Dhschoaras ist."
Harry nickte verstehend.
„Von mir erfährt niemand etwas."
„Das weiß ich," sagte sie sanft. „Aber leider ist es damit allein nicht getan. Ihre Fähigkeiten werden sich ungewöhnlich stark ausprägen, allein schon weil sie nicht nur die Tochter zweier Dhschoaras ist, sondern weil sie die Tochter eines Dhschoaras ist, der selber von zwei Dhschoaras gezeugt wurde. Das wird anderen, besonders den sehr aufmerksamen, nicht verborgen bleiben."
„Und ich nehme an, ich kann etwas dagegen tun oder sie würden nicht mit mir darüber unter vier Augen sprechen?"
„In der Tat. So wie Spencer Vinegar Shajillé lange Zeit schützen konnte, so kannst du auch Lyssa schützen."
„Uhm, okay? Und wie mach ich das?"
„Ein Schutzzauber, der ihre Aura verdeckt. Dhschoaras sehen sich die Auren anderer sehr genau an. Ihre Intuitionen leiten sie zu einem Großteil davon ab. Lyssa's Aura dürfte sehr stark ausgeprägt sein und auch ungewöhnlich hell. Mit dem Schutzzauber versteckst du es, indem du eine normale Aura um sie erzeugst."
Harry nickte nachdenklich.
„Und das muss ich tun, weil?"
„Dies gehört zu den sehr starken Schutzzauber, die nicht jeder in der magischen Bevölkerung beherrscht. Er benötigt einen Teil deiner Magie. Um eine solche Aura, wie die von Lyssa zu verstecken, braucht es sehr starke Magie."
„Gryffindor's Magie," sagte er nun nachvollziehbarer. „Aber woher weiß ich, ob ich es richtig tue?"
„Du bist nicht alleine, Harry. Dafür bin ich da, um dir zu zeigen, wie du es richtig tust," sagte White sanft und wieder spürte er die Wärme, die kurzzeitig in den letzten Tagen verschwunden war. Sie war es, die sie ihm gab. Das verstand er jetzt. Diese ungewöhnliche Wärme, Zuversicht, der Glaube, dass doch noch alles wieder gut werden könnte, dies hatte er weil Professor White hinter ihm stand.
Er nickte. Ein Lächeln kroch ihm über die Lippen.
„Ich bin froh, dass es Ihnen besser geht, Professor."
„Danke, das ist sehr nett von dir."
„Ich meinte..." sagte er auf einmal, denn ohne es zu beabsichtigen war etwas in ihm, dass es tun wollte. „Ich bin froh, dass es dir?... besser geht..."
Für eine Sekunde überkam ihm das Gefühl zu weit gegangen zu sein, weil es sich irgendwie fremd anfühlte, aber es verschwand als White erneut lächelte.
„Wenn wir unter uns sind, gerne," sagte sie auf eine sehr mütterliche, warmherzige Weise und er konnte gar nicht anders als ein klein wenig zu strahlen.
„Brian war hier," sagte er schließlich. Er wusste nicht, ob sie es bemerkt hatte, aber wenn nicht, so wollte er es gesagt haben. Vielleicht brachte es die drei endlich einander, denn irgendwie war es schwer für ihn zu verstehen, wie sie miteinander nur kollegial umsprangen, wo sie eigentlich eine Familie waren. „Als du im sterben lagst, mein ich."
White nickte verstehend und dennoch blieb sie enttäuschenderweise ruhig.
„Mach dir keine Sorgen um uns, Harry. Wir gehen mit unseren Gefühlen anders um als Jilli und du. Es braucht einfach mehr Zeit."
„Aber die hattet ihr beinahe nicht..." sagte er leise. White lächelte auch diesmal sehr sanft.
„Du hast Wichtigeres, worüber du dir Gedanken machen solltest. Sobald es mir besser geht, was möglicherweise ein wenig dauern wird, werden wir den Schutzzauber für Lyssa Parc ausführen. Bis dahin hab ich Aufgaben, die du durchgehen musst, um dich auf diesen Schutzzauber vorzubereiten.
Das alles wird sehr anstrengend, denn du darfst dein sonstiges Training nicht vernachlässigen. Deine Konzentration, der Umgang mit Gryffindor's Magie, all das musst du dennoch wiederholen und schärfen.
Konnte Brian dir beim letzten Horkrux helfen?"
Er nickte nachdenklich.
„Gut, du solltest dir nicht zu viel Zeit damit lassen sie zu zerstören. Natürlich sollte Nagini der letzte Horkrux sein, den du vernichtest, um Voldemort keinen Grund dazu zu geben noch mehr Horkruxe von sich herzustellen. Den Trinkbecher und den noch fehlenden Horkrux musst du unbedingt vorher vernichten. Am besten so schnell wie möglich."
„Weil er kurz davor steht anzugreifen?"
Er ahnte dass er recht hatte auch ohne das White ihm das bestätigte.
„Dir muss klar sein," sagte sie sehr besorgt und auch ihre Miene zeigte ihm, wie ernst es ihr war. „Wenn du nicht alle Horkruxe vorher beseitigt hast, wird es dir nichts bringen ihn zu töten. Egal, auf welche Weise. Er wird zurückkehren. Jeder, der dir etwas bedeutet, wird darunter leiden. Er wird dir jeden nehmen, der dir am Herzen liegt. Voldemort ist ein Sadist. Er wird dich nicht töten, bevor du für ihn nicht genug gelitten hast.
Der Groll geht viel zu tief zwischen euch. Nachdem du und nun sogar Jilli es abgelehnt habt ihm zu folgen, fühlt er sich in seiner Ehre gekränkt. Jemand wie Voldemort, der sich selbst einen Namen erschaffen hat und will, dass man ihn fürchtet, dem kann so etwas zum Äußersten treiben. Zu Dingen, die man keinem selbst noch so widerlichen Menschen zugetraut hätte. Voldemort wird es tun, weil er kein Mensch mehr ist. Seine Seele ist gespalten und das, was davon noch übrig ist, was er noch in sich trägt, das ist das, das sich vor dem Tod fürchtet. Das einzige, was ihn noch ansatzweise fühlen lässt.
Du hast Angst zu töten, nicht wahr?"
Es war als ob sie in diesem Moment in seine Gedanken geblickt hätte. Genau das war es nämlich, was er dachte, was er fühlte. Zu töten, war er dazu überhaupt fähig?
„Es ist dieselbe Frage, die sich dein Vater auch oft gestellt hat. Du tötest keinen Menschen, Harry. Du tötest auch kein Tier. Du verhinderst, dass etwas andere tötet, indem du Voldemort aufhältst. Ich sage aufhalten, weil Voldemorts Ende nicht durch den Todesfluch geschehen wird."
Er sah überrascht auf und prompt begann sein Herz wie wild zu pochen. Also musste es doch mit einer Waffe sein? Es war schon schwer genug den Basilisken mit Gryffindor's Schwert zu töten. Musste er das nun auch bei Voldemort? Ihm ein Schwert ins Herz jagen?
„Nicht?" fragte er mit trockener Kehle.
„Auch nicht mit einem Schwert," sagte sie leise und obwohl es ihn beruhigte, blickte er sie auch gleichzeitig verwirrt an. Womit dann?
„Du könntest Voldemort nicht mit dem Todesfluch töten. Dein Herz ist viel zu gut und rein, um so viel Hass zu empfinden. Ich bezweifle auch, dass du jemanden absichtlich mit einer Waffe verletzen würdest, wenn du es auch verhindern kannst.
Voldemort wird sterben, wenn du nur überlebst. Das ist es, wofür ich dich trainiere. Es wird kein Todesfluch sein, der ihn tötet und auch keine Waffe."
Und wieder fand Harry sich komplett überrumpelt vor. Was gab es denn dann bitte sehr noch für Möglichkeiten?
Sie atmete tief durch und sah ihm schließlich tief in die Augen.
„Harry, die erste Aufgabe, die ich dir heute mitgebe, lautet - Stelle dich auf Verluste ein," sagte White eindringlich. Es war kein Befehl, es war eine Bitte. „Wenn es passiert, darfst du nicht einfrieren. Du darfst es dich auch nicht übermannen lassen. Sirius' Tod damals hätte dich beinahe das Leben gekostet, wenn Dumbledore nicht rechtzeitig aufgetaucht wäre. Aber du warst jung und nun bist du erwachsen. Glaubst du, du bist dazu im Stande deine Fassung zu wahren und dennoch das zu tun, was du tun musst, wenn er einen von ihnen tötet? Jilli? Ginny? Hermine? Ron? Denke wirklich ausgiebig darüber nach – wie du fühlen würdest, ob du im Stande wärst dennoch rational zu handeln, lasse den Gedanken auf dich wirken und spiele nichts herab. Fasse eine Entscheidung. Es ist wichtig, dass du lernst nicht nur Gryffindor's Magie in dir zu beherrschen, sondern auch dich selbst."
Harry hatte in diesen Tagen das Gefühl als ob ihm jemand die Luft zum atmen geraubt hätte und nur wenn er alleine war, bekam er es zumindest zustande ein wenig ein und auszuatmen. Er saß auf den Ländereien, die Knie an die Brust gezogen und den Zauberstab lose in der Wiese neben sich liegend. Im Schloss lief er stets einem seiner Freunde, verkleidet als Professor White über den Weg. Ron hatte sich gar einen Scherz daraus gemacht und einem Slytherin einen tadelnden, scharfen Blick gegeben als dieser lediglich aus der Toilette kam. Panisch flüchtete derjenige sofort um die Ecke. Harry konnte darüber nicht lachen, nicht freien Herzens jedenfalls. Zu sehr belastete ihn der Gedanke einen von ihnen zu verlieren. Sich damit zu beschäftigen war das Letzte was er wollte und was meinte Anna damit, er solle eine Entscheidung fassen?
„Jilli macht sich Sorgen um dich."
Er drehte sich um und sah Brian, der direkt hinter ihm stand. Harry sprang auf die Beine, so dass die beiden Freunde auf Augenhöhe standen.
„Und ich mag es nicht, sie so besorgt zu sehen. Anna erzählte uns von dem Schutzzauber, den du ausführen wirst... Und mir außerdem von eurem restlichen Gespräch. Meinte, dass du etwas Beistand bei der Entscheidungsfindung gebrauchen könntest."
„Entscheidungsfindung?" wiederholte Harry Stirnrunzelnd. „Also verstehst du, was sie damit meint?"
„Nah," sagte der Freund schmunzelnd. „Aber dafür ist der Beistand auch nicht gedacht."
Dazu schüttelte er nur den Kopf und beschloss nicht weiter darauf einzugehen.
„Du kennst ihn?" fragte Harry schließlich. „Den Schutzzauber mein ich."
Brian kräuselte die Lippen und wippte mit dem Kopf hin und her.
„Wirst schon hinkriegen. Kommt halt auf die Stärke an, wie gut er am Ende wirkt. Schätz Anna will eben sicher gehen, dass du stark genug bist, wenn ihr das macht."
„Ihr habt also miteinander geredet?" fragte Harry vorsichtig. Brian lehnte sich lässig am Baum an und schmunzelte.
„Natürlich reden wir. Wie soll man sich sonst verständigen, wenn man miteinander arbeitet? Ich schätze aber, das war es nicht, was du gemeint hast."
„Und?" begann Harry erneut. Was ihm die Luft zum atmen nahm war nicht nur die ganze Sache mit Voldemort oder der Gedanke an den Tod eines seiner Freunde. Die Situation von Sirius und seiner Familie trug ebenfalls ihren Teil dazu bei. Er hoffte, dass sich das wenigstens in der nächsten Zeit endlich klären würde. Hatten sie denn wirklich selbst jetzt noch nicht eingesehen, dass Zeit etwas war, was keiner von ihnen zu genüge hatte?
„Erinnerst du dich daran, was ich dir neulich Abend sagte? Was ich höre, wenn ich auf einen Dementor treffe?"
Harry nickte.
„Wenn ich und Anna beieinander stehen, klingt das Echo nach. Selbst wenn ich bei Sirius stehe. Dasselbe. Das Echo ihrer Schreie klingt in meinen Ohren nach."
Brian lachte trocken.
„Ich bin zu kaputt, um ihr Sohn zu sein, Harry. Ich dachte Anfangs, ich könnte es, aber ich kann es nicht. Es wird niemals so kommen, dass wir eine heile Familie werden. Es ist einfach zu spät dafür. Das ist Voldemort's Werk.
Ich weiß, es gibt da eine Prophezeiung und es heißt, dass du ihn töten musst. Das heißt aber nicht, dass ich es nicht ebenfalls versuche, wenn ich die Gelegenheit dazu bekomme."
Brian drückte sich vom Baum weg und war dabei wieder ins Schloss zu gehen, da drehte er sich noch mal zu ihm um.
„Jilli macht sich Sorgen um dich. Ich weiß, durch dieses Chaos musst du alleine durch und die Entscheidung fällen. Du hast gerade das Gefühl als ob alles auf dich einkracht. Hab ich auch oft. Der Unterschied ist: Du hast deine Freunde und deine Schwester, die sich zu dir stürzen, um die Brocken aufzuhalten. Es ist sehr undankbar ihnen dabei den Rücken zuzudrehen und sie zu ignorieren. Egal, was kommt. Die Bande jetzt auszuschließen, um allein mit dem Gedanken klar zu kommen einen von ihnen sterben zu sehen – das ist das Letzte was du tun solltest. Du kannst eine Entscheidung fällen und sie dennoch wie Freunde behandeln statt wie Ballast. Wollte ich nur mal gesagt haben."
Harry sah dem Freund eine Weile lang nach während dieser zurück ins Schloss schlenderte. Natürlich wusste Harry, dass sie ihn alle unterstützten und dabei nicht gerade wenig Kraft aufwandten. Das machte die Situation jedoch nicht besser. Er ertrug es einfach nicht zu wissen, dass er den Tod von einem von ihnen verarbeiten sollen muss. Es musste einen Weg geben... Es musste einfach. Harry schnappte sich seinen Zauberstab und rannte zurück ins Schloss zum Wasserspeier. Wieder betrat er das Büro ohne anzuklopfen. White stand vor ihrem Schreibtisch mit dem Rücken ihm zugewandt und dem Blick an die Wand gerichtet dar.
„Es muss einen Weg geben," sagte Harry entschlossen. Sie drehte sich um und beide starrten einander mit festem Blick an. „Es muss einen Weg geben Voldemort daran zu hindern einen von ihnen zu töten. Bisher haben sie doch auch überlebt?"
White seufzte und schüttelte mit bedauerndem Ausdruck den Kopf.
„Es war leichter als du mich noch verachtet hast," sagte sie traurig. „Wenn du mit dem Verlust von einem nicht umgehen kannst, wirst du alle verlieren, die du liebst."
