Nächstes =), wow hab ich dieses Kapitel oft umgeschrieben. Die Kapitellänge in BH III läuft wirklich komische Achterbahnen. Na, Hauptsache, Kapitel ist fertig. Bei der Hitze bin ich froh, wenn ich das hinkriege, denn die Pollenallergie haut mich gerade regelmäßig um. Es sieht übrigens so aus als ob ich ab 1. September nen Job habe. Aber dazu sag ich mehr, wenn ich den Vertrag in den Händen halte und ihn unterschrieben habe. Ö.x Baba!


Review:

Mannequin: Sers =)

Yap, hab auch von einigen bis heute nichts gehört außer die übliche Eingangsbestätigung. Witzigerweise existiert auch die Stellenanzeige noch, trotz Absage... Egal. Ich hab nämlich wie es aussieht den Job in München =) Haben mir zwar letzte Woche schon ein Vertragsangebot gemacht und ich hab auch gesagt, dass ich annehme, aber da stand noch eine Zusage von der Zentrale in England aus. Eigentlich wollten sie mir Bescheid geben, wenn das okay da ist, aber kam bisher nicht. Stattdessen hab ich heute den Vertrag als Email bekommen Öö und soll die nächsten Tage dann auch per Post kommen. Diejenigen, die für das okay in England zuständig sind, sind wohl grad im Urlaub. Eigentlich ist es echt super. Ich bekomm sogar mehr als gefordert. Die Stelle ist an sich richtig perfekt, denn ich muss nicht mal nach München rein pendeln, sondern kann gemütlich vom Bahnhof zum Arbeitsplatz hinlaufen. Aih, lange Rede, kurzer Sinn. Ab 1. September hab ich zu 99.99 Prozent einen Job und sogar als Wirtschaftsmathematikerin, was ich schon gar nicht mehr geglaubt hatte. Yuchuh =)

Uahhh, mich hat die Pollenallergie diese Woche schon wieder total ausgeknockt. Meine Nase lief ein regelrechten Marathon. Aber jetzt ist es endlich wieder erträglicher geworden.

Du lässt die Kleinen raus und sie laufen dir noch nicht weg? XD Sind sie verängstigt draußen, dass sie noch nicht weiter weglaufen oder bleiben sie aus Gewohnheit in der Umgebung, die du zulässt? Ich glaub nicht, dass ich ihnen hätte hinterherrennen können, wenn sie erst mal Reißaus nehmen. Uih, wie hast du das denn angestellt, dass deine Katze sich damals daran gewöhnt hat Abends zu Hause zu schlafen? Dachte, Katzen wären da eigenwilliger. Ich find Thiago schön. Erinnert mich irgendwie an einen argentinischen Fußballspieler. Willst du deine Katze eigentlich kastrieren bevor sie rollig werden kann? Gerade weil du noch ein Kater hast, könntest du sonst sehr schnell Katzenmama werden XD

Hm... zu Jilli: Ich weiß nicht, ob du das nachvollziehen kannst. Es gibt da so den ein oder anderen Menschen, den sieht man und sofort machts Wow! Also, a la sie ist hübsch. Da gibt's keine Diskussion. Ich red nicht unbedingt von der Körperstatur, sondern vom Gesicht und der Ausstrahlung her. Nicht unbedingt, weil es symmetrisch ist, wie es ja in wissenschaftlichen Sendungen heißt, sondern einfach vom Ausdruck her. Ich hatte da so eine Kommilitonin, bei der ich genau das dachte. Sie hatte total hübsche, strahlende, blaue Augen und ihr ganzer Ausdruck war total offen, hübsch und lieb. Und so stell ich mir Jilli auch vor. Sie ist jemand, da gibt es keine Diskussion. Sie ist hübsch. Innerlich wie auch äußerlich und das sollte die Begegnung mit Brian auch zeigen. Wie Charlie sagt, es ist schwer nicht ein klein wenig Gefühle für sie aufkommen zu lassen.

Yeah =) Kila hab ich richtig gern, weil sie anders ist als alle anderen und für mich das totale Gegenteil von dem ist, was viele heutzutage wollen, ich aber nicht verstehe warum. Kila sucht das Gute. Sie fühlt sich nicht vom dunklen angezogen, oder von Männern, die was gefährliches an sich haben sondern fürchtet sich sogar zutiefst davor. Sie mag das warme und gute der weißen Magie und aufrichtig gute Kerle XD ohne einen Hang zu den dunklen Künsten.

Hehe, jah, Jilli braucht schon viele, die sie schützen, damit nicht jeder hinter ihr Geheimnis kommt. Ihr fällt es schwer sich anderen gegenüber zu verschließen, weil sie ein sehr offener Mensch ist, der eigentlich vorurteilsfrei und warmherzig mit anderen Menschen umgeht. Natürlich macht sie das zu einer leichten Zielscheibe, aber ich mag Menschen, denen man alles von der Nasenspitze ablesen kann XD.

Hm... ich weiß nicht, ob das so gut gewesen wäre, wenn Brian Jilli eingeweiht hätte. Nicht weil es die Story dann abgekürzt hätte XD sondern weil dann in dem Moment etwas passiert wäre, was nun erst später passiert, wenn sie sich um den Horkrux kümmern. Und es wäre in dem Moment vielleicht schlimmer gekommen – aber nur vielleicht XD

Uih, dann hat es ja eigentlich richtig gepasst, dass ich nen Monat nicht schreiben konnte ^^ Manchmal passt etwas wirklich wie die Faust auf dem Auge XD Wie kam der Internetausfall denn? Ein Monat ist ja schon viel, auch wenn ich ne Woche schon für unerträglich viel halte. Ich fühl mich ohne Internet und Fernseher immer unvollkommen. Schon merkwürdig, aber war glücklicherweise bisher nie ein Monat lang ohne. Andererseits arbeitest du auch und dann ist Internetlosigkeit womöglich gar nicht so auffallend, wie wenn man zu viel Zeit hat. Dann drück ich mal die Daumen, dass dein Internet nicht wieder verschwindet.

Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßle


Chapter 47 – The Brian-Jilli-matter II - Jilli

Es war an sich ein schöner, sonniger Tag. Ruhig, warm, ein zarter Duft nach frisch blühenden Blumen lag in der Luft. Dumbledore war gerade aus seinem Haus hinaus ins freie geschritten, da hielt er abrupt an. Seine Miene, so nachdenklich und vertieft sie eben auch noch war, änderte sich schlagartig und er lächelte mild.

„Du solltest doch gar nicht hier sein?" sagte er und wandte sich mit aufforderndem Blick zur Seite. Da stand die damals 18jährige Jilli auf der Wiese unweit von ihm entfernt, doch ihre Haltung und ihr Ausdruck zeigten, wie unbehaglich sie sich fühlte. Sie schritt an den alten Zauberer heran und lächelte zaghaft.

„Ich weiß," sagte sie sanft. „Ich war nicht in Harry's Nähe. Keine Sorge... Ich bin hier wegen... dir."

Dumbledore sah die junge Hexe kurz an, dann aber nickte er und schritt wieder zurück ins Haus. Jilli folgte ihm. Kaum, dass sie jedoch sein Haus betreten hatte und die Tür hinter sich schloss, rückte sie mit der Sprache heraus ohne, dass er sie dazu auffordern musste.

„Ich will dabei sein!" stotterte sie in dem Versuch entschlossen zu wirken, obgleich sie sehr wohl befürchtete, ihr Gegenüber könnte es ablehnen und sie wieder zurück nach Frankreich schicken.

„Im Orden des Phönix. Ich weiß, dass du ihn wieder ins Leben gerufen hast und dass alle alten Mitglieder wieder mitmachen. Ich weiß auch, dass du neue rekrutieren konntest und ich will auch eine davon sein... Bitte," setzte sie kleinlaut hinzu als ihr auffiel, wie unhöflich das vielleicht geklungen haben könnte.

Dumbledore blickte sie nach wie vor verschlossen an und dass er auch nicht auf ihre Worte einging machte die Situation um ein vielfaches unangenehmer für die junge Hexe.

„Ich bin kein kleines Kind mehr, sondern arbeite jetzt für das Zaubereiministerium. Ich habe meine Gefühle..." Sie stoppte, bevor sie etwas von sich gab, was nicht der Wahrheit entsprach. Er wusste, dass es eine Lüge sein würde und sie wusste das auch. „Ich werde mich von Harry fern halten," sagte sie stattdessen und das entsprach der Wahrheit. „Aber du kannst von mir nicht erwarten in Frankreich zu sitzen und nichts zu tun, nachdem Voldemort wieder zurückgekehrt ist. Ich werde ihn nicht jagen, um meine Eltern zu rächen. Das habe ich dir versprochen und ich habe mich daran gehalten. Aber ich kann nicht nichts tun, wenn er dabei ist den letzten aus meiner Familie zu töten. Bitte lass mich helfen... Albus? Bitte."

Dumbledore seufzte und deutete ihr an sich zu setzen. Die junge Hexe folgte, aber ihr flehender Blick blieb die ganze Zeit an seinen Augen heften. Er setzte sich zu ihr dazu und legte ihr behutsam seine Hand auf den Arm.

„Ich weiß, was in dir vorgeht," sagte er väterlich und das meinte er auch so. Er hatte die junge Hexe aufwachsen gesehen, auch wenn sie es nicht stets mitbekam, dass er immer ein Auge auf sie hatte, egal wie weit weg sie sich von ihm befand. „Es ist mir bewusst, wie schwer die letzten Jahre für dich waren. Ich kann aber auch sehen, dass du mich mittlerweile verstehst und dass du all die letzten Jahre das getan hast, was ich von dir forderte, zeigt mir, zu was du in der Lage bist. Du bist nun erwachsen geworden.

Ich weiß, dass selbst wenn ich dich nicht in den Orden lasse, du einen Weg finden würdest, etwas zu tun. Es ist vorhersehbar, dass dies nach hinten losgehen würde und mehr Schaden anrichten wird. Wer bin ich also, dass ich dich daran hindere aktiv deinen Bruder zu beschützen?"

Jilli's Gesicht hellte sich auf der Stelle auf.

„Ich darf?" fragte sie noch mal vorsichtig nach. Es war zu schön um wahr zu sein und so musste sie es noch mal von ihm hören. Dumbledore nickte.

„Aber du musst dich nach wie vor von Harry fern halten, verstehst du mich? Es ist wichtig für euch beide, dass du kein Kontakt zu ihm aufnimmst, bevor du nicht vollständige Kontrolle über deine Ponestermagie hast. Selbst jetzt kann ich fühlen, dass dies nicht der Fall ist. Ich kann mich schützen vor dem Entzug meiner Magie, Harry aber nicht."

Jilli nickte eifrig.

„Ich verspreche es."

„Deine Magie ist ein Segen und ein Fluch zugleich. Du musst stark bleiben, damit das eine nicht Überhand nimmt und alles zerstört, was dir lieb und teuer ist.

Und selbst als Mitglied im Orden wirst du Jimá Sayé bleiben. Unter keinen Umständen darf jemand erfahren, dass du Jilli Potter bist. Es ist gefährlich genug, dass Charlie Weasley von deiner Identität weiß. Es darf nicht noch jemand hinzu kommen. Je mehr davon wissen, umso tiefer begibst du dich in die Gefahr, vor der wir, auch deine Eltern, stets versucht haben dich fern zu halten, verstehst du das?"

Wieder nickte sie eifrig, wenn auch diesmal sichtlich betrübter.

„Ich verspreche es."

„Jilli, was ich tue, ist nicht nur dafür gedacht, um Harry zu schützen, sondern auch dich. Voldemort wusste von dir als Kind. Auch wenn er die Geschichte glaubte, dass du nur eine Verwandte von Lilli's Seite bist, bin ich mir nicht sicher, wie lange es dauert bis er nicht doch Verdacht schöpft. So ähnlich du deiner Mutter aussiehst, so stark ähnelt deine Aura die deines Vaters.

Wir haben so gut es geht verbreitet, dass du nach dem Tod deiner Adoptiveltern zu anderen Verwandten deines verstorbenen richtigen Vaters kamst und bei ihnen dann aber früh gestorben bist. Ob er diese Nachricht nach seiner Rückkehr glauben wird ist noch ungewiss. Erst recht, wenn ihr euch begegnen solltet.

Sirius, Remus, Yuno, Charlie Weasley, so wie du vertraue auch ich darauf, dass jeder von ihnen die Wahrheit für sich behalten kann, aber Lord Voldemort hat Mittel und Wege, um sich Informationen zu verschaffen. Zu euer beider Sicherheit ist es wichtig, dass du nicht zulässt, dass auch nur der Hauch eines Anzeichens dafür existiert, dass du Harry's Schwester bist. Voldemort wird dich sonst jagen, so wie er deine Eltern jagte und wie er nun deinen Bruder jagen wird."

„Ich hab keine Angst vor ihm," sagte sie entschlossen. Es war nichts als die Wahrheit, denn auch wenn sie es nie aussprach und sich in den letzten Jahren entsprechend anders verhielt, aber Jilli wollte nach wie vor Gerechtigkeit für den grausamen Tod ihrer Eltern. Dieses Verlangen war ein ständiger Begleiter gewesen, auch wenn sie es nicht lebte oder zeigte. In ihrem Herzen war es sehr wohl allanwesend. Dumbledore lächelte verständnisvoll.

„Manchmal wünschte ich, er würde mich jagen statt meinen Bruder..."

„Ich weiß," sagte Dumbledore mitfühlend und wieder drückte er sie liebevoll am Arm.

„Du und Harry werdet euch wiedersehen, da bin ich mir sicher. Wann mag ich nicht zu sagen, aber das ihr das tun werdet, da bin ich mir sicher. Familie findet stets zueinander."

Jilli lächelte traurig.

„So wie Sirius und Brian? Er weiß nicht, dass Letzterer sein Sohn ist. Warum hast du es ihm nicht gesagt? Seit einem Jahr haben die beiden miteinander zu tun ohne dass Sirius weiß wer hier vor ihm steht."

„Diese Schuld lastet in der Tat schwer auf meinen Schultern," erwiderte der alte Zauberer mit trüber Miene.

„Entschuldige," sagte Jilli sofort. „Ich wollte damit nicht sagen -"

„Ich weiß," unterbrach er sie bestimmend. „Und doch ist es die Wahrheit. Wenn es nach meinem Willen gegangen wäre, wüsste Sirius bereits davon. Doch es war Brian's eigener Wunsch, es seinem Vater selber mitteilen zu dürfen, wenn er sich bereit dafür fühlt."

„Sirius ist so einsam, Albus..." Sie schluckte hart, denn diese Worte kamen ihr kaum über die Lippen. Sie wogen so schwer in ihr, dass sie es nicht mal ertrug, daran zu denken. „Gar nicht wie früher."

„Die Zeit hat leider ihre Spuren in seiner Seele hinterlassen."

„Sie würden vielleicht weniger sichtbar sein, wenn er wüsste, dass er noch einen Sohn hat? Wenn er wüsste, dass er noch etwas von Anna hat? Er sagt es nicht, aber ich weiß, dass er sie vermisst."

Dumbledore nickte sanft.

„Das glaube ich auch. Dennoch ist es Brian's Entscheidung."

„Ich will ihm doch nur helfen..." sagte sie traurig und wieder drückte der alte Zauberer die junge Hexe sehr liebevoll am Arm. Sie sah auf und erblickte klare, verständnisvolle Augen.

„Du hilfst Sirius bereits, Jimá. Sehr sogar. Er mag es nicht sagen und du magst es nicht sehen, aber Sirius Narben heilen und das verdankt er der Zeit mit dir und der Zeit mit Harry. Ihr beide ähnelt euren Eltern mehr als euch bewusst ist. Indem er Zeit mit euch beiden verbringt, kann er diesen Verlust besser verwinden."

„Harry bestimmt," sagte sie traurig. „Ich weiß es nicht, denn alles was ich schließlich weiß ist das was ich von anderen höre. Ich kann mir gut vorstellen, dass er sehr nach Mum und Dad kommt. Ich aber – nein, Albus. Ich komme nicht nach meinen Eltern."

„Was lässt dich daran zweifeln?" fragte er überrascht. Jilli seufzte sichtlich niedergeschlagen.

„Ich bin nicht blind... Wäre ich so stark wie meine Eltern, Harry wüsste längst, dass es mich gibt."

„Stärke, Jimá, ist ein vielseitiges Wort. Nur weil du nicht in jedem Duell als Siegerin hervorgehst, heißt das nicht, dass du schwach wärst."

„Das sagte Remus auch," murmelte sie leise.

„Und das würden dir auch James und Lilli sagen, wenn sie noch am Leben wären. Glaubst du nicht, dass es sie verletzen würde, wenn sie wüssten, dass du sie nicht in dir siehst? Dass du so sehr an dir zweifelst?"

Sie nickte umsichtig, aber seine Worte hatten sie nicht aufgemuntert. Im Gegenteil, sie machten alles nur noch schwerer.

„Ich vermisse sie nur so sehr... Es ist hart."

„Ich weiß, Jimá. Ich weiß..."


Heute

Nachdem die Wunde verbunden war, machten sich Jilli, Harry, Ron und Hermine zu Fuß auf dem Weg Richtung Treffpunkt.

„Weiß Anna eigentlich, dass ihr nicht in Hogwarts seid?" fragte Jilli auf ihrem Weg. Harry, Ron und Hermine tauschten unangenehme Blicke miteinander aus.

„Uhm, sie war nicht da als wir aufbrachen," erklärte Harry. „Ginny blieb zurück, um es ihr mitzuteilen."

„Also nicht," fügte sie mit einem amüsierten Grinsen hinzu. „Sie wird dir den Kopf abreißen, wenn du zurückkommst, Harry. Da bringt es dir auch nichts, dass Ginny diejenige ist, die es Anna mitteilt."

Er zuckte kurz mit dem Mundwinkel. Es war nicht so, dass es ihm egal war, aber es hatte auch keine Priorität. Dafür ging ihm zu viel anderes im Kopf umher und ob ihn Professor White nun eine Standpauke hielt oder nicht war das Letzte, woran er gerade einen Gedanken verschwendete.

„Was ist der Phowlyris Dolch?" fragte er stattdessen.

„Eine einzigartige Waffe. Und mit einzigartig meine ich einzig in der Art. Die Urphowlyris hat es erschaffen und an die jeweilige Führerin ihres Volkes weitergegeben. Er besitzt nicht nur tiefe Phowlyrismagie, sondern auch die, der Urphowlyris. Ein Stich damit ist meistens tödlich, da eine Phowlyris mit dem Stich ein Gift in den Feind absondert, gegen das es kein bekanntes Gegenmittel gibt.

Anna hatte ihn damals wohl versteckt kurz bevor das alles mit ihr passiert ist und nun hat sie uns aufgetragen den Dolch wieder zurückzubringen."

„Wieso hat sie das nicht einfach Kaylar gesagt, wo das Teil ist? Die hätte doch einfach hin reisen und sich das Ding holen können?" fragte Ron.

„Anna hatte damals Zauber zum Schutz des Dolches benutzt, die keine Phowlyris durchdringen kann oder extra dafür gedacht waren, um Phowlyris fern zu halten. Kaylar kann nicht mal in die Nähe des Dolches, ohne, dass es sie gefährlich beeinflusst."

„Wieso hat sie das überhaupt getan?" fragte Hermine. „War Kaylar nicht schon im letzten Krieg auf ihrer Seite?"

„Es war kurz nachdem sie Kaylar ermöglicht haben, ein Leben als Hexe zu führen. Und obwohl die ewige Phowlyris wohl keine unmittelbare Gefahr darstellte, wollte sie den Dolch lieber in Sicherheit wissen. Ist zumindest das, was ich annehme.

Anna's Magie war schon damals nicht ohne – Wir hatten echt Mühe ihre Zauber zu brechen, um an den Dolch zu gelangen."

„Warum hat Professor White das nicht selber erledigt?" fragte Ron. Jilli lächelte mild.

„Sie hat viel um die Ohren und das Duell damals gegen Voldemort hat sie sehr geschwächt. Sie spricht es nicht aus, aber so schwer, wie es uns schon fiel ihre Zauber auszusetzen, kann ich mir vorstellen, dass sie dazu im Moment gar nicht erst fähig ist."

„Und dann lässt sie dennoch Voldemort und seine Anhänger in Hogwarts herein?!" fragte Harry skeptisch.

„Ich hab Kingsley darauf angesprochen," antwortete Jilli, welche seine Bedenken durchaus teilte.

„War nicht leicht, wo Moody ständig in der Nähe stand und er hält nicht viel davon, Informationen an Mitglieder zu geben, die davon ausgeschlossen wurden. Was wir alle ja waren als Tonks uns hätte wegbringen sollen. Glücklicherweise sieht Kingsley das nicht so streng... Gut, eigentlich glaub ich tut er das schon, aber er kann mir gegenüber komischerweise Weise nicht hart bleiben.

Anna hat ein Treffen mit Voldemort arrangiert um ein Tauschhandel einzugehen. Was genau da getauscht wurde, hat mir Kingsley nicht verraten. Moody kam dazwischen. Nur, dass entsprechend viele Personen anwesend waren und es Anna auch weniger um den Tauschhandel ging, sondern um die Personen, die anwesend waren."

„Der Verräter?" sagte Hermine. „Professor White wollte sehen, wer wie reagiert?"

„Ist auch mein Verdacht," stimmte Jilli ihr mit einem milden Lächeln zu. „Ob sie dem nun ein Schritt näher gekommen ist, weiß ich nicht. Konnte sie ja bisher noch nicht sprechen. Es kam aber wohl zum Tumult zwischen Voldemort's Anhängern und unseren Leuten als dieser und Anna für ein Gespräch beiseite traten. Daher die Explosion in der Nähe von Hagrid's Hütte. Kila ist verletzt worden, aber sie wird wieder. Sagte zumindest Kingsley. Ich hatte noch keine Gelegenheit sie zu besuchen, aber wenn er das sagt, wird es auch stimmen."

„Kila ist ein wenig komisch, kein Wunder, dass es sie erwischt, wenn Chaos ausbricht," sagte Ron, woraufhin Hermine ihm einen scharfen Blick gab. „Was?!" fragte er verwundert. „Ist doch so?!"

„Du hast doch gehört, was Brian gesagt hat?!" zischte sie missfallend. „Auch wenn du jemanden nicht magst, solltest du ihn mit Respekt begegnen."

„D'huhn!" machte der Freund dämlich. „Als ob ich über Kila herziehe, wie du über Trelawney hergezogen bist."

„Ich bin nicht über Trelawney hergezogen!" verteidigte sie sich brüsk. „Ich halte nur nichts von ihrem Unterricht und ihren Methoden! Wahrsagen mag es geben, aber Trelawney kann es nicht."

Jilli lachte auf einmal auf und alle drei wandten sich ihr überrascht zu.

„Hermine, du weißt schon, dass die Prophezeiung über Harry von Sybill Trelawney stammte?"

Die Freundin wurde sofort rot im Gesicht, aber Jilli lächelte sie immer noch freundlich an, so dass das unangenehme Gefühl wieder verschwand.

„Es gibt alle möglichen Arten von Wahrsager oder Seher. Natürlich gibt es einige von ihnen, die nur ihren eigenen Profit da rausschlagen wollen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese sonderlich gut mit ihrer Gabe umgehen können. Zauberer und Hexen, die diese Gabe besitzen, sehen genau, was ihre Einmischung für Folgen hat und was es bewirkt, wenn sie mit schlechten Absichten handeln.

Diese Gabe in die Zukunft zu sehen oder Zeichen der Magie zu deuten, das ist etwas sehr spezielles. Dazu gedacht, um Gutes zu tun, nicht um Unschuldigen zu schaden oder sich persönlich daran zu bereichern. Zauberer und Hexen, die das tun, werden hart bestraft. Nicht durch das Zaubereiministerium, sondern durch die Magie selbst."

Hermine's zweifelhafter Blick ließ ganz klar erkennen, wie wenig sie von diesen Aussagen hielt, aber auch dazu lächelte Jilli sanft. Sie verurteilte niemanden dafür, dass er ihren Worten keinen Glauben schenkte. Die Welt wäre nicht so zerstört und chaotisch, wenn jeder perfekt handeln würde.

„Es tut mir leid," sagte Hermine, denn ihr war sehr wohl klar, wie kritisch ihre Worte klingen würden. „Aber... die Magie? Das ist nichts fassbares. Wer weiß dann bitte, was hier die Wahrheit ist und was Fantasie?Am Ende legen diese Leute alles doch so aus wie sie es selbst am besten befinden? Trifft es ein, was sie sagen, dann war es hervorbestimmt. Trifft es nicht ein, haben Sie es selbst angeblich verhindert, um jemanden schlimmeres zu ersparen. Das ist doch Humbug."

Jilli lächelte plötzlich traurig, eine Antwort gab sie nicht. Harry aber merkte, dass seine Schwester mit Absicht nicht weitersprach, es aber vielleicht getan hätte, wenn die beiden unter sich gewesen wären. Die kleine Gruppe ging danach schweigend auf ihr Ziel zu, zumal es Hermine unangenehm war, nachdem ihr auffiel, dass sie Jilli womöglich auf den Fuß getreten sein könnte, und Harry und Ron nicht noch mit einem unangebrachten Kommentar dazu beitragen wollten, die Situation noch unangenehmer zu machen.


Vor knapp 2 Jahren

Der Auftrag im Dorf war beendet und die kleine Gruppe war zurück nach London ins Haus am Grimmauldplatz 12 gekehrt.

„Wie ich sehe sind alle wohlauf," begrüßte Emmeline Vance die kleine Gruppe. Brian zuckte kurz mit dem Mundwinkel, Kila und Jilli hingegen lächelten freundlich.

„Wir sind jedenfalls vor Langeweile nicht gestorben. Konnten uns ganz gut unterhalten," witzelte Brian sarkastisch. „Was machst du hier?" Vance schüttelte frustriert den Kopf.

„Es ist etwas passiert. Dumbledore musste untertauchen."

„Untertauchen?" fragte Jilli verwirrt. „Was heißt hier untertauchen? Wieso das?"

„Uhm, wenn ich das richtig verstanden habe, hat er Harry damit schützen wollen, denn der hat wohl irgendetwas getan, womit der Zaubereiminister ihn hätte von der Schule werfen können."

„A-Aber er ist okay?" fragte Jilli, nun sichtlich verängstigt.

„Ja, Dumbledore hält sich bedeckt. Ich soll es euch lediglich mitteilen, damit ihr Bescheid wisst. Die Zeitungen werden sich in den nächsten Tagen das Maul darüber zerreißen."

„Ich mein Harry, Emmeline. Ist er okay?"

„Harry? Sicher, wieso nicht?" sagte Vance verwundert. „War glaub ich nur irgendein Streich oder so was."

„Streich?" wiederholte Brian und gluckste heiter. „Der geht gern nen Schritt weiter als sein Vater?

Ich mein, James Potter steigt im zweiten Jahr in die Quidditch Mannschaft ein, Harry sofort in seinem ersten Jahr. Hat James Potter in der Schule Streiche gespielt, die Dumbledore nur schlecht getroffen haben, schmeißt Harry ihn mit seinen Streichen gleich von der Schule."

Kila kicherte, aber Jilli schien ihn gar nicht beachtet zu haben. Ihre Miene war voll von Sorgen.

„W-Was können wir tun?" fragte sie stattdessen. Vance schraubte den Anflug eines Lächelns wieder ab und schüttelte lediglich den Kopf.

„Nichts. Ich soll euch von ihm ausrichten, dass ihr zurückkehren sollt, wenn euer Auftrag beendet ist. Auf keinen Fall sollst du hier in London bleiben, Jimá."

„Zurück?" fragte Jilli frustriert.

„Jimá nach Frankreich, Brian nach Ägypten, Kila nach Wales. Ihr könnt hier nichts tun und es ist zu gefährlich, wenn sich alle Mitglieder hier in Grimmauldplatz 12 aufhalten."

Alle drei nickten verstehend und erst dann verabschiedete sich Vance von ihnen und verließ das Versteck.

„Alles okay?" fragte Brian mit Blick an Jilli, doch die junge Hexe schüttelte lediglich betrübt den Kopf und schritt schließlich tiefer ins Haus hinein. Kila und Brian tauschten besorgte Blicke und folgten der Freundin.

Jilli hatte sich in eines der Wohnzimmer auf eine Couch gesetzt und begann da in Gedanken versunken in die Leere zu starren. Wieder tauschten Brian und Kila besorgte Blicke, aber während die eine keine Worte fand, hatte der andere keine Probleme damit seine Gedanken auszusprechen.

„Er ist okay, Jimá. Harry ist heil und unverletzt in Hogwarts."

„Aber Dumbledore ist nicht mehr bei ihm," sagte sie leise. „Also passt auch niemand mehr auf ihn auf. Voldemort ist hinter meinem Bruder her und ich soll zurück nach Frankreich und abwarten..."

Die junge Hexe wirkte in diesem Moment so zerbrechlich und zerstört, er ertrug es einfach nicht sie in dieser Verfassusng zu sehen.

„Sollen wir hingehen?"

Jilli sah ihn plötzlich überrascht an. Es war sein voller ernst gewesen und für einen Moment wollte sie genau das. Ja sagen und mit ihm zur Schule aufbrechen. Der kurze Anflug verflog als ihr klar wurde, dass sie das nicht konnte – nicht durfte. Dumbledore hatte recht. War sie früher noch wütend auf ihn gewesen, weil er sie von ihrem Bruder fern hielt, verstand sie heute sein Handeln sogar sehr gut. Gerade die letzten beiden Jahre hatten ihr gezeigt, was für Gefahren ihre Ponesterseite mit sich zog.

Würde sie jetzt zu ihm gehen, sie würde ihrem Bruder am Ende mehr Schaden bringen als eine Hilfe sein. Sie hatte ihre Gefühle nicht unter Kontrolle, ihre Magie spielte förmlich verrückt und der einzige Grund, warum es keinen Effekt an Kila und Brian hatte war, weil sie Jilli nicht das bedeuteten, was Harry ihr bedeutete. Sie konnte sich Fremden gegenüber im Zaun halten – aber nicht gegenüber denjenigen, die sie zu ihrer Familie gemacht hatte. So schüttelte sie den Kopf und sank wieder mit dem Blick zu Boden. Kila sah Jilli verwundert an, Brian's Blick jedoch hatte sich verändert. War er eben noch mitfühlend, zeigte er jetzt Misstrauen.

„Es gibt noch einen anderen Grund, warum die meisten hier, einschließlich Harry selbst, nicht wissen, wer du tatsächlich bist, nicht wahr?"

Jilli nickte sanft, ihre Augen wurde immer trauriger und verletzter.

„Deswegen kannst du jetzt auch nicht nach Hogwarts."

Wieder nickte sie abwesend. Kila sah die Freundin mitfühlend an, doch Brian lachte kurz bellend auf. Überrascht wandten sich ihm beide Frauen zu. Die eine verwundert, die andere verärgert, weil es wirkte als ob er sie auslachte. Der Anflug verflog sofort als klar wurde, dass er dies nicht tat.

„Gut, wie wär's, wenn dann nur ich gehe und ein Auge auf ihn werfe?" schlug er vor. Jilli's Gesicht hellte sich auf der Stelle auf und füllte sich mit Hoffnung.

„Du würdest das tun?"

„Aber Dumbledore sagte, wir sollen zurückkehren?" sagte Kila unsicher. Brian zuckte lediglich mit dem Mundwinkel als Zeichen, wie wenig er vorhatte dem Gehorsam zu leisten.

„Ägypten, Hogwarts, liegt beides grob in derselben Richtung von hier aus. Und es ist schließlich unsere Aufgabe Harry Potter zu schützen, nicht wahr?"

Er zwinkerte Jilli zu und war dabei aufzubrechen, da sprang sie auf die Beine.

„Tonks?!"

Er stoppte und drehte sich wieder zu ihr um, aber Jilli fand einfach keine richtigen Worte, um ihm zu sagen, wie viel ihr das bedeutete, was er hier für sie tat, noch verstand sie, warum er es tat.

„Danke," sagte sie daher ehrlich. Er nickte und verließ das Versteck.

Die Wahrheit war, dass Brian es selber nicht verstand. In dem Moment aber als er Jilli in dieser eingefallenen, verletzten Position sah, tauchte etwas in ihm auf, was sie da raus holen wollte, koste es was es wolle. Er war bereit zu tun, was immer nötig war, wenn sie nur nicht mehr traurig war. Er wollte sie nicht weiter nach dem Grund bedrängen, früher oder später, so war er sich sicher, würde es einen Sinn ergeben, warum sie nicht gehen konnte.


Kila setzte sich zu Jilli auf die Couch, welche nach Brian's Weggang nach wie vor vor sich hin schmollte, und versuchte die Freundin vorsichtig aufzumuntern.

„Du musst nicht hier bleiben," sagte Jilli ehrlich. „Ich komm schon zurecht. Ich brauch nur etwas Zeit, um mich zu fangen. Ich breche auf, sobald ich mit Sirius gesprochen habe. Er müsste hier sein, oder?"

„Ich glaube, er ist oben," vermutete Kila. „Verbringt ne Menge Zeit auf dem Dachboden. Sagt zumindest der Schrumpfwurm."

Jilli seufzte, nickte jedoch verstehend, was immer die Kollegin nun auch mit Schrumpfwurm meinte. Wieder herrschte Stille zwischen den beiden, doch während Jilli erneut in die Leere starrte, zog Kila merkwürdige Grimassen. Jilli verzog das Gesicht als ihr das auffiel und wandte sich mit fragendem Blick zur Seite. Kila fror mitten in einer Grimasse ein und biss sich auf die Lippen.

„Alles... okay?... Bei dir?!" fragte Jilli amüsiert, konnte sie mit diesem Verhalten doch so gar nichts anfangen. Es war auch schwer dies zu ignorieren, vor allen Dingen, wenn es so nah an einem passierte.

„Ich... muss... dir... etwas sagen..." kam es genauso langsam von Kila. Jilli sah sie verwundert, jedoch auch neugierig an.

„Okay?"

„Mein Name ist... Kila..."

„Ich weiß," sagte sie irritiert. „Wir haben uns einander schon vor Monaten vorgestellt... Vergessen? Im Haus mit der netten Tür, die Tonks ständig abbekommen hat?"

„Ja, schon..." entgegnete die Freundin scheu, dann aber schien sie sich auf einmal zusammen zu reißen und war wieder ernst geworden. „Ich hab ein Glücksbringer, weißt du."

Das kam jetzt ziemlich aus der Luft gegriffen, dennoch nickte Jilli als Zeichen, dass sie zuhörte.

„Okay," sagte sie immer noch verwirrt.

„Den hat mir jemand geschenkt, der mir sehr wichtig war. Ich mein, ich kannte ihn nicht lange, weil er früh starb, aber... er war da als ich jemanden brauchte. Ich hatte immer große Angst als ich klein war, weil ich mich von anderen so sehr unterschied. Zumindest war das meine Erklärung.

Die anderen wollten nie etwas mit mir zu tun haben. Ich war immer alleine. Dann sollte ich in diese neue Familie kommen und ich hatte... ich hatte förmlich Todesangst."

Jilli sah sie mitfühlend an und Kila begann traurig zu lächeln. Es war nett von ihrem Gegenüber so verständnisvoll zu reagieren.

„Er gab mir zwei kleine Schrumpfmatze."

„Okay?" wiederholte Jilli nun ein wenig verwirrt.

„Sagte, das wären seine und die seiner Frau. Die beiden Schrumpfmatze wären jedoch sehr fortgeschritten für ihre Art und würden sich ab jetzt auch um mich kümmern. Immer wenn ich Angst habe oder mich alleine fühle, müsste ich sie nur rufen und sie kämen dann zu mir, egal wo ich bin."

Schrumpfmatze kommen nur selten aus dem Wald heraus, wo sie sich heimisch fühlen," sagte Jilli.

„Eben," stimmte Kila ihr zu. „Aber diese beiden waren wirklich etwas besonderes. Sie kamen tatsächlich. Immer wenn ich sie gerufen habe und egal, wo ich war. Das tat mir wirklich gut. Ich fühlte mich ab da an tatsächlich nie wieder mehr alleine."

Jilli nickte lächelnd.

„Nun, Schrumpfmatze nehmen Eigenschaften der Personen an, zu denen sie sich zugehörig fühlen. Diese beiden Besitzer müssen sehr stark gewesen sein, dass ihre Schrumpfmatze sich so entwickeln konnten."

„Da stimme ich dir zu, Jimá. Ich hab ihnen versprochen, dass ich immer ehrlich mit ihren Besitzern umgehe. Also diejenigen, die mir die beiden geschenkt haben. Aber sie sind mittlerweile tot und meine beiden kleinen Freunde würden wollen, dass ich ihren Kindern gegenüber genauso ehrlich gegenüber bin."

Jilli war noch immer verwundert, doch Kila atmete tief durch und sah ihr fast schon flehend in die Augen.

„Diese beiden waren deine Eltern, Jimá... oder Jilli?"

„Jimá," sagte sie schweren Herzens, wissend, dass Dumbledore recht hatte und sie ihre Herkunft dennoch verbergen sollte.

„James und Lilli haben mir ihre beiden Schrumpfmatze als Wegbegleiter geschenkt. Und deswegen muss ich ehrlich zu dir sein. Mein Name ist Kila... Kingcade."

„Kingcade?" wiederholte diese irritiert. „Wie... Melissa Kingcade?"

Kila nickte schwermütig.

„Ich bin ihre Tochter."

„Dad und Melissa Kingcade's Tochter?"

„Nein," sagte Kila sofort entsetzt. Dass diese Vermutung im Raum stehen könnte, daran hatte sie gar nicht gedacht.

„Ich mein, nicht, dass ich es nicht will und dein Dad schlecht wäre! Ich mein, er war..." Kila biss sich auf die Lippen, beschloss dann aber sich nicht weiter um Kopf und Kragen zu reden. „Nein... Ich bin nicht James' Tochter."

Jilli wusste nicht, ob sie erleichtert sein sollte oder nicht. Auch wenn sie für ein Moment entsetzt war, dass es sein könnte, so war das sofortige nein gar belastender. Für eine Sekunde hatte sie irgendwie gar Hoffnung, noch etwas mehr von ihrem Vater zu haben – noch jemand mehr, der mit ihr die Familienbindung zu ihren Eltern und Harry teilen könnte.

„Ich weiß nicht wer mein Vater ist. Aber dein Vater ist es nicht. Obwohl sie zu der Zeit wohl zusammen waren. Siehst du, sagte ja... meine Mum war kein guter Mensch."

„Aber du bist ein guter Mensch," sagte Jilli direkt und das meinte sie auch so. Kila hatte die Freundin verblüfft angesehen, aber als sich ein freundliches Lächeln auf ihren Lippen bildete, verschwand auch jegliche Zweifel in Kila's Gesicht.

„Du verurteilst mich nicht?" fragte sie noch mal ungläubig nach. Jilli schüttelte entschieden den Kopf.

„Nein, du bist du, nicht deine Mum. Ich verstehe nun aber, woher deine Angst rührt. Die Kingcades waren..."

„Nicht nett..." beendete Kila ihren Satz betrübt.

„Mein Großonkel war ein Anhänger von Du-weißt-schon-Wer und er hat viele gute Zauberer und Hexen getötet, Muggel getötet."

„Aber du bist nicht dein Großonkel, Kila. Und keiner hat das recht dir seine Taten anzulasten. Keiner."

Kila strahlte nun förmlich und kicherte erneut wie ein kleines Mädchen, das gerade ein schönes Geschenk bekommen hatte. Für Jilli war es ungewohnt, denn normalerweise brachte sie ein solches Kichern eher mit einer gewissen Falschheit von ziemlich hinterlistigen Personen in Verbindung. Bei Kila aber beschloss sie es als Unsicherheit hinzunehmen. Jilli glaubte ihr, dass sie nicht so wie ihre Familie sein wollte und sie würde ihr helfen niemals zu so jemanden zu werden.

„Und du bist nicht mehr alleine. Du hast doch viele Menschen, die dich lieben und die du liebst... und nun auch mich."

Kila's Augen wurden glasig und obwohl Jilli zuversichtlich lächelte rollte der jungen Hexe eine Träne über die Wange und sie schluchzte überwältigt. Jilli selbst hatte es damals nicht verstanden, aber Kila bedeutete es sehr viel, diese Worte von ihr in diesem Moment gehört zu haben.


Heute

Jilli hatte Kila damals nicht verurteilt, weder für ihre Herkunft noch für ihre Art. Ihre Eltern hatten ihr beigebracht jedem gegenüber offen zu sein. Jedem, außer Voldemort. So nahm sie auch Hermine's Art und Meinung einfach so hin ohne sich selbst angegriffen zu fühlen.

Jilli wusste über die Magie eher Bescheid als die Freundin, denn sie war ein ein Ponester und damit ein höheres Wesen. Sie verkniff es sich zu erläutern oder überhaupt erst auszusprechen, dass sie auf andere Weise mit der Magie kommunizierte und behielt dieses Wissen stattdessen lieber für sich. Manchen würde dieses Wissen mehr demotivieren als gut zu tun.

Sie waren eine halbe Ewigkeit im Wald herumgeeilt bis sie schließlich in Richtung eines leeren Hügels liefen.

„Hier ist es," sagte Jilli, doch die verdutzten Blicke der drei ging nicht spurlos an ihr vorbei.

„Ich dachte, wir treffen die anderen in einem Versteck?" fragte Ron.

„Es ist versteckt," entgegnete Jilli spitz. „Erdbeerschmarn."

Auf dem leeren Platz vor ihnen tauchte plötzlich ein Haus auf und Jilli nickte ihnen allen zu ihr hinein zu folgen. Sie traten ins Haus doch statt die anderen Mitglieder hier vorzufinden, war das Wohnzimmer komplett leer. Das Haus war nicht groß und so fanden sie auch sehr schnell heraus, dass sie im ganzen Haus alleine waren und keiner der anderen hier angekommen war.

„Vielleicht... Vielleicht kommen sie noch?" schlug Ron vor und blickte verunsichert zu Harry. Doch dieser teilte die Zuversicht seines Freundes so gar nicht und blickte finster zurück. Jilli schrie plötzlich auf und sank auf die Knie. Sie hatte ihren Körper mit beiden Armen umklammert als ob sie sich nur so vor etwas schützen könnte. Ihr Gesicht war gezeichnet von Schmerz und Qual als ob sie gerade mit dem Cruciatus Fluch gefoltert wurde.

Harry, Ron und Hermine waren zu ihr geeilt, doch Jilli ließ sich nicht von ihnen helfen. Sie schrie, kniff ihre Augen zusammen, verkrampfte sich und krümmelte sich am Boden zusammen.

„Jilli!" rief Harry so laut wie er konnte in der Hoffnung irgendetwas zu erreichen. Je länger dies anhielt, umso größer wurde die Panik in ihm.

„Jilli! Was ist los?!"

„Es tut weh!" sagte sie unter Tränen. „Was ist das?!" Und wieder schrie sie qualvoll auf.

„Jilli?" rief Harry panisch. „Was... Was soll ich tun?!"

Wieder schrie sie auf. Lauter, schmerzhafter und Harry warf Ron und Hermine einen flehenden Blick zu.

„Allan White..." ächzte sie und hatte mittlerweile glasige Augen. „Es... Es tut so weh!"

Dormir," sagte Hermine daraufhin. Jilli's Augen drehten sich nach innen, ihre Augenlider fielen hinab und sie sank bewusstlos in Harry's und Ron's Armen zusammen. Hermine senkte ihren Zauberstab und sah beide Jungs schuldbewusst an.

„Es ist nur ein Schlafzauber. Ich wusste nicht, was wir sonst -"

„Das war gut," sagte Harry jedoch, sehr wohl wissend, dass die Freundin befürchtete falsch gehandelt zu haben. Er verstand ihre Intention jedoch und war ganz froh darüber, dass sie es getan hatte.

„Und was jetzt?" fragte Ron unsicher. Harry warf einen besorgten Blick zu seiner Schwester hinab.

„Keine Ahnung... Warten?" Ihm war durchaus klar wie bescheuert diese Antwort klang, aber ihm fiel auch nichts besseres ein. Sie hatten nicht mal eine Ahnung, wo sie waren und dieses verdammte Haus besaß kein Flohpulver für eine Reise durch den Kamin.

„Und wenn wir apparieren?" schlug Hermine vorsichtig vor. „Ich weiß nicht, wie weit wir nun schon von Hogwarts entfernt sind oder von London, aber wir können nur so Hilfe holen?"

„Patronus!" sagte Harry als es ihm wie Schuppen von den Augen flog.

„Natürlich!" sagte Hermine begeistert. „A-Aber, wie tu ich das?!"

Da Brian es Harry damals erklärt hatte, gab er es genau so an Hermine weiter. Nun war eine kleine Weltreise von dem Ort wo immer sie gerade auch waren nach London oder Hogwarts, das wie auch immer weit weg sein könnte, womöglich um ein vielfaches weiter als der kleine Wald, in dem sich Harry damals befunden hatte, um White zu holen. Am Ende war es ihre einzige Chance und so schickten Ron und Hermine beide jeweils einen Patronus. Hermine's ging Richtung Hogwarts, Ron's ging Richtung London. Harry schickte einen weiteren, hoffend, dass dieser Brian finden würde, wo immer der Freund auch war. Alles was sie danach tun konnten war abwarten und hoffen, dass es Jilli unter dem Zauber gut ging. Zumindest hatte sich ihr Ausdruck gelöst und sie schien friedlich und ruhig zu schlafen.


Vor etwas weniger als 2 Jahren

Jilli kehrte nur sehr widerwillig zurück nach Frankreich und obwohl sie mittlerweile für das Französische Zaubereiministerium arbeitete und eine eigene kleine Wohnung in Paris besaß, blieb sie die meiste Zeit bei Yuno in der Hütte tief in einer großen Waldgegend außerhalb der Stadt. Es war komisch, denn Yuno selbst sah man selten in der Hütte. Er verschwand, selbst wenn sie da war, wochenlang im Wald. Als sie noch klein war tat er das, wenn Remus zu Besuch war und auf sie aufpasste. Auf ihre Frage, warum er das tat, meinte er nur, er müsse die Natur würdigen. Sie nahm das als Antwort einfach so hin.

An diesem Abend saß sie mit trüben Blick auf der Couch und starrte Löcher in die Luft als der Halbriese ihr eine Tasse dampfenden Tee reichte. Sie lächelte sanft.

„Da bist du ja wieder? Dieses Mal warst du aber lange da draußen. Danke..."

Yuno setzte sich neben ihr nieder und musterte sie besorgt. Draußen regnete es in Strömen und das obwohl der Sommer vor der Tür stand.

„Etwas wird passieren," murmelte Yuno. Jilli sah traurig auf, verstand sie sein Gefühl doch besser als er vielleicht ahnte.

„Ich weiß..." flüsterte sie bedrückt. „Ich kann es auch spüren. Stärker als damals als Mum und Dad starben."

„Du warst damals noch ein kleines Kind," sagte Yuno. „Heute bist du älter und dennoch ein Höheres Wesen. Die Magie spricht mit dir damals wie auch heute. Heute hörst du sie nur klarer."

Er sah sie so mitfühlend und liebevoll an, Jilli konnte gar nicht anders als ihren Adoptivvater dankbar zu sein und genauso sanft zurückzulächeln. Die letzten Jahre über war er wirklich die größte Stütze für sie gewesen und das, obwohl er genauso nach dem Tod ihrer Eltern gelitten hatte. Der Unterschied war nur, er blieb stark, damit sie es nicht sein musste.

„Seit wann bist du wieder hier?" fragte Yuno.

„Seit einigen Wochen. Hab mich nach dem Auftrag noch von Sirius und Remus verabschiedet und bin dann sofort zurückgereist. Widerwillig. Dumbledore ist auf der Flucht und nicht mehr in Hogwarts."

„Ich weiß."

Sie sah ihn verwundert an, aber aus Yuno's Gesicht konnte eigentlich keiner wirklich etwas rauslesen, wenn er nicht gerade aus einem bestimmten Grund sehr exzessiv seine Gefühle zeigte.

„Du weißt wo er ist?" fragte sie und versuchte nicht verletzt zu klingen. Yuno nickte lediglich, setzte dann jedoch eine Erklärung hinzu, nachdem Jilli leider kläglich scheiterte ihren Unmut zu verstecken.

„Du bist noch sehr jung. Auch wenn du eine ausgebildete Hexe bist, aber du bist noch viel zu jung, um mit solchen Dingen belastet zu werden."

Sie nickte immer noch leicht mürrisch.

„Ist nur... er schickt mich zurück nach Frankreich, obwohl ihm doch klar sein müsste, wie sehr ich mich um Harry sorge. Gerade jetzt, wo Voldemort wieder zurück ist. Dumbledore hat doch immer auf ihn aufgepasst und wenn er ihn nicht mehr bei sich hat..."

Yuno hatte darauf nichts erwidert, aber das war sie von ihm gewohnt. Der Halbriese hatte entweder nicht zu allem eine Meinung oder behielt es einfach aus Gewohnheit für sich und Jilli nahm auch dies so hin. So schwer es für sie am Anfang auch gewesen war, ihm das nicht übel zu nehmen, aber sie hatte gelernt damit umzugehen. Yuno meinte es schließlich nie böse. Er war einfach eine sehr einfach gestrickte Person.

„Ich hab – uhm - ein neues Band geformt," sagte sie zögerlich und sehr zu seiner Überraschung.

„Mit wem?" fragte Yuno skeptisch.

„Brian... Tonks," antwortete Jilli und blickte ihn mit sehr sensiblen, gefühlvollen Augen an, die genau zeigten, dass sie wusste, dass dies nicht okay von ihr gewesen war.

„Er ist zurück nach Hogwarts und hat mir versprochen auf Harry aufzupassen während Dumbledore nicht in der Schule ist. Er... Er weiß, wer ich bin. Also, dass ich eigentlich Jilli Potter heiße."

Yuno's Gesicht verfinsterte sich auf der Stelle und zeigte, wie sehr diese Nachricht ihm missfiel.

„Brian Tonks ist sehr klug, Yuno. Er hat es irgendwie geschlussfolgert und als er mich direkt darauf ansprach, da konnte ich es nicht leugnen."

Sie fühlte sich schuldig, weil sie ihr Versprechen gebrochen hatte und weil ihr sehr wohl bewusst war, dass Yuno sich nun noch größere Sorgen um sie machte. Aber sie wollte ehrlich zu ihm sein. Er war der Einzige, wirklich der Einzige, dem sie alles erzählte seitdem ihre Eltern gestorben waren.

Nicht mal Remus gegenüber oder auch Sirius, seitdem er wieder bei ihr war, gab sie ihre Seele so offen preis, wie sie es Yuno gegenüber tat. Bei ihm bekam sie stets Verständnis und das war heute nicht anders.

„Deine Eltern wären stolz auf dich, Jilli. Egal, was du getan hättest."

Sie nickte mit einem zärtlichen Lächeln.

„Harry ist in Gefahr und der Gedanke, dass ihm etwas zustoßen könnte, war für mich unerträglich. Ich weiß, dass ich ihm so nicht helfen kann, aber das machte es nicht leichter einfach zu gehen. Dass Tonks mir anbot auf ihn aufzupassen ohne, dass ich ihn überhaupt darum gebeten habe, hat mir viel bedeutet. Und durch das Band kann ich es sehen, was er sieht."

Yuno lachte trocken.

„Du weißt aber auch, dass damit auch die Gefühle kommen? Was er fühlt, fühlst du."

„Ja... Nur fühlt er nicht wirklich viel. Bis jetzt zumindest fühlt er nichts."

Yuno lachte erneut, diesmal sichtlich amüsierter.

„Weiß der Junge von seinem Glück?"

Jilli schüttelte mit schuldiger Miene den Kopf.

„Er weiß nicht, dass ich auch ein Ponester bin. Auch wenn das wohl auch nur eine Frage der Zeit ist, dass er dies herausfindet. Er ist... etwas besonderes."

„Du magst ihn?" stellte Yuno fest, auch wenn er dabei mehr brummig wie ein Papa Bär klang, aber Jilli lächelte dennoch, wissend, dass hier sein Beschützerinstinkt aus ihm sprach. Sie senkte ihren Kopf und blickte melancholisch zur Seite.

„Er ist ein wenig wie Dad... Bei ihm fühle ich mich irgendwie... wie Mum. Und ich fühle mich gern wie Mum... Sie war eine so gute Person."

Yuno legte seinen Arm um ihre Schulter und drückte die junge Hexe leider etwas sehr brutal zu sich. Sie verzog eine Grimasse, war sie das doch gewohnt und sich auch bewusst, dass Yuno so seine Liebe ausdrückte.

„Du bist eine gute Person, Jilli," sagte er auf seine mürrische, ruppige Weise. Sie lehnte ihren Kopf an seine harte Schulter und lächelte. Ihr Lächeln erstarb auf einmal. Zum Regen vor dem Fenster hatten sich Blitz und Donner dazu gemischt. Etwas passierte...

Ihr Herz pochte mit einem mal schmerzhaft in ihrer Brust. Ein Herzschlag – und es schmerzte. Ein weiterer Herzschlag und es schmerzte mehr. Jilli fasste sich mit der Hand an die Brust, doch selbst der dritte Herzschlag schmerzte.

„Jilli?" brüllte Yuno entsetzt. Er hatte sie mit beiden Armen umfasst, doch sie wurde komplett blass im Gesicht und bekam kaum noch Luft. „Jilli? Was ist los?"

„Es... tut... weh..." sagte sie mit zerbrechlicher Stimme. Yuno starrte sie lange panisch an, dann aber drückte er die junge Hexe an sich und umschloss sie so gut er konnte mit beiden Armen. Er war stark, seine Nähe beruhigend und obwohl ihr Herz immer noch schmerzte und sich anfühlte als ob es vor Leid förmlich zersprang, hielt sie es aus.

Irgendwie, ob nun durch das Band oder nicht, aber seine unglaubliche Stärke färbte auf sie ab. Damals wusste sie nicht, warum es aufgetreten war oder warum es sich so verzweifelt schmerzhaft anfühlte. Sie fand es ein Tag später heraus... Sirius war im Kampf im Zaubereiministerium gestorben und es war Brian's Schmerz über seinen Tod, den sie gespürt hatte.


Heute

Jilli's Augenlider flatterten leicht und sie wachte langsam auf der Couch auf. Hermine war zuerst überrascht, hatte sie den Zauber doch gar nicht von ihr weggenommen, aber es wurde klar, dass Jilli's Wille aufzuwachen stärker als Hermine's Zauber in dem Moment war.

„Hey," sagte Harry vorsichtig. Sie atmete normal durch und zog sich vorsichtig wieder auf.

„Hey..." erwiderte sie geschwächt. Ihre Hand wanderte sehr zu Harry's Panik an ihre Brust, doch sie begann nicht wieder zu schreien oder das Gesicht schmerzhaft zu verziehen.

„Alles okay?" fragte er mit banger Miene. Sie nickte, wenn auch zögerlich.

„Was ist passiert?"

„Ich hab ein Schlafzauber auf dich angewendet," erklärte sich Hermine, ebenfalls mit bangem Blick. „Weil – du hast gelitten und ich -"

„Danke," sagte Jilli bevor sich die Freundin noch um Kopf und Kragen erklärte. Sicher wirkte die sonst so souveräne Gryffindor nämlich dabei ganz und gar nicht. „Das war eine gute Idee von dir."

Und erst jetzt strahlte Hermine erleichtert.

„Harry!" rief Ron aufgeregt und hatte zum Fenster gesehen. „Dein Patronus kommt zurück!"

„Patronus?" fragte Jilli.

„Wir haben alle einen Patronus nach Hilfe geschickt," sagte Harry. „Meiner sollte nach Brian suchen."

„Brian?" wiederholte Jilli. Alle drei bemerkten verwirrt, dass sich auf einmal Panik und Furcht in ihrem Gesicht widerspiegelte. „Nein!"

„Jilli, was -" hatte Harry gerade begonnen zu fragen, da trat der Patronus in der Form des Hirsches herein und verschwand in Harry's Zauberstab. Nur eine Sekunde später hörten sie einen qualvollen Schrei und jeder kannte diese Stimme mittlerweile gut genug, um zu wissen, von wem sie kam. Durch das Fenster sahen sie Allan White vor dem Grundstück stehen, sein Zauberstab war auf Brian gerichtet, der am Boden kniete und krampfhaft versuchte die Qualen des Cruciatus Fluches zu ertragen.

„Ich weiß, dass du hier bist!" donnerte White laut. „Entweder du kommst sofort raus – oder der nächste Fluch aus meinem Zauberstab wird der Todesfluch sein!"

„Dein Patronus hat Allan White genau zu uns geführt," flüsterte Hermine verängstigt als ob es wirklich nötig war so leise zu reden, damit man sie draußen auch ja nicht hörte.

Jilli hatte sich mit viel Mühe aufgerichtet, obwohl ihr noch immer der Arm von der Wunde schmerzte.

„Er weiß nur, dass Harry hier ist, wegen seinem Patronus. Die Nachricht selber konnte nur Brian hören."

Harry schluckte hart und nickte.

„Hör zu," fuhr Jilli fort, doch jeder der drei konnte sehen, wie anstrengend alles für sie war. Hermine biss sich auf die Lippen, hatte sie doch die Vermutung, dass ihr Schlafzauber zu dem verschlimmerten Zustand der Freundin beigetragen haben könnte. „Du musst diesen Mann ablenken. Ich werde mich ihm diesmal unauffällig nähern -" Sie machte eine kurze Pause und sah Harry entschlossen an. „Und werde mich an seiner dunklen Magie nähren."

„Was?" sagten Ron und Hermine gleichzeitig entsetzt. Harry hatte seine Stimme verloren, oder er hätte in diese Frage eingestimmt.

„Er wird mich nicht sehen und wird mich so auch nicht angreifen können. Ich nähere mich als kleines Lichtwesen. Bis er es spürt, dass ich mich an seiner Magie nähre wird es für ihn zu spät sein. Er wird zu schwach sein, um jemanden von uns anzugreifen. Ich muss nur rechtzeitig aufhören, dann können wir fliehen."

„Aber ist das nicht gefährlich für dich?" fragte Harry, der sich sehr wohl noch an Professor White's Worte erinnern konnte im Bezug auf Jilli's Gabe dunkle Magie zu absorbieren und auch an die Worte, wie gefährlich das für sie sein konnte. Sie lächelte traurig.

„Ich bin nicht stark oder gut als Hexe... Aber vielleicht ist es deswegen, weil ich ein Ponester bin." Ihre Lippen begannen zu zittern und Harry wollte gerade etwas sagen, da hatte Jilli ihn in eine für ihre Verhältnisse sehr enge Umarmung gezogen.

„Flieht, wenn ich es nicht schaffen sollte..."

„Jilli -"

Doch sie hatte ihn bereits wieder losgelassen und im Bruchteil einer Sekunde verschwand die Hexe in einem grellen Licht und war für alle Augen unsichtbar geworden.

„Jilli?" wiederholte Harry, doch es kam keine Antwort und auf einmal spürte er, wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete. Er würde niemals ohne sie verschwinden. Niemals.

„Potter!" brüllte White's harsche Stimme. Hermine drückte Mutmachend Harry's Schulter und so nickte er und schritt hinaus, den Zauberstab fest mit seiner rechten Hand umklammert.

Brian war noch immer auf seinen Knien vor White, dessen Zauberstabspitze drückte direkt an der Halsschlagader seines Gefangenen. Von dem unverzeihlichen Fluch geschwächt konnte sein Freund ihn nicht mal richtig fokusieren. White blickte Harry verächtlich an und verengte prüfend die Augen.

„Komm ruhig näher, Potter," zischte der Todesser, aber Harry blieb stehen. Zeit schinden...

„Woher wussten Sie, wo wir waren?" rief er stattdessen. „Im Wald. Wir sind appariert. Uns hätte keiner folgen können."

White lachte dreckig auf.

„Wer sagte denn, dass wir dir gefolgt sind? Du bist nur ein willkommene Beigabe," sagte der Zauberer abfällig. „Und jetzt auch der Köder."

Er grinste genüsslich, fuhr mit der freien Hand an Brian's Kehle und drückte zu. Der Freund keuchte und versuchte White's Arm mit beiden Händen wegzudrücken, doch der Zauberer war auch für den geschwächten Brian zu stark.

„Wirf deinen Zauberstab weg und komm her!" donnerte er laut. Brian röchelte grauenvoll nach Luft und so warf Harry ohne länger zu überlegen seinen Zauberstab zur Seite. Erst als er auf White zuschritt, hatte dieser den Griff um die Kehle seines Gefangenen gelockert und Brian fiel nach Luft schnappend auf alle Viere. Harry wollte den Freund nicht in dieser verletzlichen Position sehen und wandte sich stattdessen mit starrem Blick an seinen Peiniger.

„Köder? Wofür?" fragte er so standhaft wie es ging. Er fühlte durchaus große Angst vor diesem Mann, denn seine finstere Ausstrahlung verursachte eine grauenvolle Gänsehaut, die Harry nur bei Voldemort je gespürt hatte. Es war nicht zu glauben, dass dieser Mensch tatsächlich der Enkel von Dumbledore war.

„Köder für deine Schwester," sagte White mit besonderer Betonung auf dem letzten Wort, welches Harry noch mehr Furcht einjagte als er ohnehin bereits empfand. „Eure ganze Bagage hat mich all die Jahre einfach nur angewidert. Diese ewige Heuchelei war widerwärtig! Es tut richtig richtig gut das auszurotten – Ich fass es nicht wie ähnlich du ihm bist... Ich wollte ihn töten. Michael Potter. Ich wollte es sein, der sein Leben beendet. Aber gut – seinen Enkelkindern das Licht auszublasen wird mir ein gleiches Vergnügen bereiten. Crucio!"

Harry hatte damit nicht gerechnet und entsprechend überraschend hart kam auch der Schmerz, der über ihn herein brach. Er schrie und fiel zu Boden. Qual schoss durch jede Vene und sein Körper begann sich krampfhaft zu verbiegen in dem verzweifelten Versuch das qualvolle brennen zu lindern. Sie hörte mit einem Mal auf, aber der Schmerz der nachklang war mindestens genauso intensiv und einnehmend wie der Fluch selber. Erst als White ein Ächzen von sich gab, drückte sich Harry unter Anstrengung etwas auf und erkannte den Grund. Der Fluch hatte nicht aufgehört, weil White es so wollte. Er war beendet worden, weil White geschwächt war. Die Hand, die den Zauberstab hielt, zitterte und sank mit einem weiteren Ächzen herab.

Brian nahm diese Gelegenheit, um mit dem Fuß mit aller Kraft gegen die Kniekehle des Zauberers zu treten und White sank mit einem weiteren Ächzen zu Boden. Sein Zauberstab rollte zur Seite. Er war jetzt unbewaffnet. Jilli's Plan funktionierte!

White blickte die beiden mit finsterem Blick an, doch gerührt hatte er sich nicht. Er zitterte, verkrampfte sich, aber er rührte sich nicht. Hermine und Ron liefen aus dem Versteck raus und mit den Zauberstäben auf die kleine Gruppe zu. Brian eignete sich White's Zauberstab an. Harry wollte gerade zurück zu seinem Zauberstab laufen, da sah er das dreckige, triumphierende Grinsen in dem dunklen, kalten Gesicht des Todessers. Er kannte so etwas zu gut. Hatte es bei Snape gesehen, bei Malfoy – Und es kam immer mit einem bösen Hintergedanken.

Dieser Kerl wusste, dass Jilli ein Ponester war und ihn zu unterschätzen wäre leichtsinnig gewesen. Harry hatte schon zu oft die Bösartigkeit seines Gegenübers unterschätzt, zu oft nicht rechtzeitig gehandelt und dadurch jemanden verloren. Es passierte schnell. White bewegte die Hand blitzschnell in seinen Umhang hinein und zog den Phowlyris Dolch heraus. Harry ahnte sofort, was dieser im Begriff war zu tun und reflexartig sprang Harry in die Richtung, in die der Todesser den Dolch in die Luft stach.

Jilli war genau an diesem Punkt, das fühlte Harry, und White musste sich vorher darüber informiert haben, wie er einen Ponester mit dem Dolch in dieser Form verletzten konnte. Harry wollte seine Schwester mit sich beiseite stoßen... Nur hatte er sich im Gegensatz zu Allan White nicht über Ponester informiert.

Hermine gab ein entsetzten Aufschrei von sich als es passierte. Ron schrie laut seinen Namen. Brian starrte ihn mit leerem Blick an.

Harry aber realisierte erst jetzt, dass der Dolch durch sein Fleisch gegangen war und tief in seinem Bauch steckte. Er hatte Jilli nicht nur mit sich weggerissen, er hatte den Stich von White abgefangen und nun steckte der Dolch tief in seinem Bauch.

Er drehte seinen Kopf zur Seite und blickte in die glänzenden, Haselnussbraunen Augen seiner Schwester. Sie schrie vollkommen verängstigt seinen Namen und hielt ihn fest in ihren Armen.

„Nein! Bitte!" flehte sie verzweifelt und hatte ihre Hand um den Dolch auf seiner Wunde gedrückt, um das Blut daran zu hindern herauszuquillen.

„Nicht herausziehen!" befahl Brian, bevor Ron und Hermine etwas tun konnten. Sie waren vor ihm bei Harry und Jilli angekommen, zogen ihre Hände jedoch wieder zurück als sie den Freund hörten.

„Der Stich wird ihn sofort töten, wenn ihr den Dolch herauszieht!"

„Zu schön!" hörten sie Allan White's kalte Stimme auf einmal ganz in ihrer Nähe. Hermine, Ron und Brian hatten ihre Zauberstäbe gegen ihn gerichtet, doch der Todesser blieb ruhig und gelassen an Ort und Stelle stehen. „Diesen Tod werde ich mir dieses Mal nicht entgehen lassen."

„Bist du dir da sicher?" mischte sich auf einmal eine weitere Stimme ein. Es war Kaylar Steward, welche plötzlich ebenfalls hinter den Freunden aufgetaucht war. White stierte sie finster an und schnaubte herablassend auf. Er brauchte nur kurz, um zu erkennen, dass es für ihn hier vorbei war.

„Er ist so gut wie tot. Ihr alle werdet es sein."

Es waren seine letzten Worte, bevor er apparierte und verschwand.

„Kaylar!" rief Jilli sofort voller Panik in ihrer Stimme, da die Phowlyris selbst nach dem Verschwinden des Todesser sehr ruhig und gefasst stehen geblieben war und dem verletzten Harry nicht mal einen Blick gewidmet hatte. „Harry ist -"

Die Phowlyris eilte zu ihnen rüber und hatte sich zu den dreien hinabgekniet.

„Er darf nicht... bitte! Tu etwas! Bitte," flehte sie verzweifelt. Steward antwortete nicht, stattdessen sah sie den verletzten Gryffindor tief besorgt an und runzelte die Stirn.

„Ich bring euch zu Anna. Das ist nicht gut."


Vor fast 2 Jahren

Ihr Herz fühlte sich noch immer gebrochen, aber der plötzlich aufgetretene Schmerz hatte Stück für Stück nachgelassen. Yuno war seitdem auch nicht mehr von ihrer Seite gewichen. Ein Klopfen an der Tür hatte beide überrascht. Jilli erhob sich als sie Dumbledore und Remus am Eingang erkannte. Yuno ließ beide herein, doch die Männer hatten nicht miteinander gesprochen. Stattdessen schritt Dumbledore direkt zu Jilli. Je näher er kam, umso schrecklicher fühlte sie sich. Es war seiner Miene anzusehen, dass er mit schlechten Neuigkeiten kam.

Dumbledore sah sie eindringlich mit all der Sympathie, die er empfand, an und als er sprach, klang er wie ein Großvater, der mit seiner Enkelin redete und ihr den Tod eines ihr lieben Menschen mitteilen musste.

Es passierte im Bruchteil einer Sekunde, dass ihre Knie zu zittern begannen und sie jeglichen Halt verlor. Remus hatte sie mit beiden Händen festgehalten und kaum, dass er sie auf die Couch geführt hatte, brach sie zusammen und hörte nicht mehr auf zu weinen. Es war Yuno, der sich dazustellte, um sie zu trösten und Jilli hatte sich sofort an seine Seite geworfen, ihn umklammert und weitergeweint.

Dumbledore verließ sie noch am selben Abend wieder, nachdem sie Jilli alles über den Vorfall und wie es zu Sirius' Tod kam erzählt hatten, machte jedoch auch klar, dass sie bei ihm jederzeit ein offene Tür finden würde. Jilli entschuldigte sich danach gleichfalls und rollte sich in ihrem Bett ein. Mit glasigen Augen starrte sie in die Ecke ihres Zimmers und selbst als Yuno und Remus herauf kamen, um nach ihr zu sehen, wandte sie sich ihnen nicht zu.

Sie ließen sie wieder alleine mit den Worten, dass beide im Haus bleiben würden, falls sie den Wunsch verspüre mit jemanden zu reden. Jilli wollte selbst bis spät in die Nacht hinein nicht reden. Stattdessen beugte sie sich irgendwann auf, öffnete das Fenster und kletterte aus der Hütte heraus.

Sie wollte nicht reden, nicht mit Yuno, nicht mit Remus, nicht mit Dumbledore. Jilli apparierte – ohne zu bemerken, dass sie beobachtet wurde.

Brian hatte den Abend über bei der Hütte gewacht und die Hexe beim weinen in ihrem Bett beobachtet. Er zuckte misstrauisch mit der Augenbraue, dann aber apparierte er ihr nach. Er tauchte auf dem Friedhof in Godric's Hollow wieder auf.

Da jeder in der Zaubererwelt die Geschichte der Potters kannte, brauchte er auch nicht lange, um die Freundin an den Gräbern ihrer Eltern zu finden. Er blieb auf Entfernung stehen und beobachtete sie dabei, wie sie auf alle Viere sank und in Tränen ausbrach. Nie fühlte er sich schlechter, verletzter. Sie so zu sehen rief ein Gefühl in ihm hervor, was er noch nie zuvor gespürt hatte. Dabei war sie nicht die Erste, die er je so hatte weinen sehen – aber sie war die Einzige, bei der er das innige Verlangen spürte ihr wieder aufhelfen zu wollen.

„Wieso verliere ich jeden, den ich liebe?" flüsterte sie gebrochen zu ihren toten Eltern, obgleich sie wusste, dass sie sie nicht hörten, aber in dieser verzweifelten Verfassung waren sie die Einzigen, denen sie sich anvertrauen wollte. „Sirius ist tot und ich... Ich weiß, Harry ist nicht tot. Aber nicht mit ihm zu reden, nicht bei ihm sein zu können – Das ist als ob ich ihn schon längst verloren habe. Was, wenn er mir das nicht verzeiht, dass ich nie für ihn da war? Wenn er mich nicht akzeptiert... Weil ich eben... ich bin. Ich weiß nicht mal, ob ich mir verzeihen würde, wenn es anders herum wäre. Wie soll ich also daran glauben, dass er das versteht und mich in sein Leben lässt?

Anna ist tot. Heute weiß ich es. Keiner bestätigt es, aber... Sie kam nie wieder zurück.

Damals sagtet ihr, es sei etwas passiert und sie käme nicht mehr zurück. Aber ich habe dennoch immer wieder gehofft, dass sie es doch tun würde. Ich habe gewartet... Bis ich alt genug war, um zu verstehen, dass sie nicht wieder zurückkehren wird, weil sie tot ist.

Ich fühl mich... so einsam. Mum? Dad? Ich... Ich möchte nur eine Weile bei euch bleiben, ja? Und bei..."

Jilli nahm ihren Zauberstab heraus und ohne Worte zu benutzen hatte sie einen seltenen, funkelnden Wind erzeugt. Ein Wind, der einen Weg ähnlich einer Milchstraße im Abendhimmel erzeugte und sich am Ende zu einem massiven, prunkvollen Grabstein verwandelte.

Brian hatte dies mit erstaunter, ungläubiger Miene mitangesehen. Bei normalen Zauberern wäre überhaupt kein Strahl erschienen und es wäre ein Gegenstand nötig gewesen. Ein Grabstein war etwas starkes, für die Ewigkeit gesetztes und es benötigte sehr intensive und mächtige Magie, um dies zu erschaffen.

Bei Jilli aber geschah es als wäre es das einfachste auf der Welt für sie gewesen. Ihre Magie war keine menschliche Magie, ein solcher Wind entstand, wenn man seine Magie rein durch die eigenen Emotionen lenkte. Eine Fähigkeit die nur höheren Wesen zugesprochen worden war. Er konnte es kaum glauben, aber nun ergab einfach alles einen Sinn.

Jilli hielt auf einmal inne, der Grabstein mit Sirius' Namen war gerade fertiggestellt, da drehte sie sich mit verängstigter Miene zur Seite und blickte in die dunklen Augen des jungen Zauberers.

Eine ganze Weile lang sagte keiner ein Wort, sie starrten einander einfach nur an. Dann aber schritt Brian näher heran und stellte sich zu ihr an Sirius' Grabstein.

„Ich habe eine ziemlich gute Ausbildung genossen," begann er sehr merkwürdig. Jilli aber nickte lediglich ohne etwas zu erwidern. „Und keine Ahnung, ob ich das nun von Dumbledore habe oder die Magie mir dieses spezielle Hirn einfach aus Spaß gegeben hat, aber aus irgendeinem Grund bin ich mit Intelligenz verflucht worden.

Es ergibt nun alles einen Sinn. Warum Dumbledore dich von Harry fern hält. Warum du bei James und Lilli Potter warst. Warum du Sirius so wichtig bist. Deine ungewöhnliche Magie. Viel zu schwach für eine Hexe, die Potter Blut in sich trägt, aber in anderer Hinsicht um so vieles stärker als andere ist und aus dem Nichts ein Grabstein hervorbringt. Du bist ein höheres Wesen. Ein Ponester."

Es war keine Frage gewesen und so musste sie auch nicht antworten. Leugnen wäre sinnlos gewesen denn es reichte ein Blick zwischen ihnen, um zu wissen, dass er genau wusste wie richtig er damit lag. Ohnehin hatte sie keine Kraft dazu. Nicht in diesem Augenblick jedenfalls, wo sie sich so verloren und allein gelassen fühlte, wie noch nie zuvor in ihrem Leben.

„Was tust du überhaupt hier?" fragte sie traurig als ob es nichts besonderes wäre, was er gerade gesprochen hatte.

„Hab mir Sorgen gemacht," antwortete er ehrlich. Der Grabstein war wirklich schön. Anmutig und doch sehr ausdrucksstark „Du hast Sirius' ein Grabstein neben deinen Eltern errichtet?"

„Es wird keine Beerdigung geben," sagte sie betrübt. „Kein Leichnam. Aber ich... ich konnte nicht nichts tun. Er hat es nicht verdient, dass man ihn einfach so vergisst..."

„Das ist ein schöner Spruch," sagte er sanft und blickte traurig auf den Grabstein hinab. „Er hätte das bestimmt gemocht. Er hatte dich auch wirklich sehr gern."

„Dumbledore hat mir erzählt, dass er alles, was er hatte, Harry vermacht hat. Du hast es ihm also nicht gesagt?" fragte sie leise, um nicht näher darauf einzugehen. Es tat viel zu weh über sich und Sirius zu sprechen. Sie hatten nicht genug Zeit gemeinsam gehabt...

Brian schüttelte nur den Kopf.

„Ist nun eh zu spät," sagte er finster. „So ist mein Leben. Warum hat er dir nichts vermacht?"

„Wie du schon sagtest, ich bin ein Ponester. Wir können nichts erben. Meine Eltern hatten den Teil ihres Vermögens, der für mich bestimmt war, Yuno und Remus vererbt, damit diese damit für mich sorgen und es an mich weitergeben. Warum hast du es ihm nicht sagen wollen? Sirius hätte es wissen wollen."

Für ihn war es ungewohnt darüber zu sprechen. Seine Schwester, seine Adoptiveltern, Dumbledore, keinem von ihnen hatte er darauf eine Antwort gegeben, eher durch einen doofen Kommentar beiseite geschoben.

In diesem Augenblick aber war das alles andere als angebracht und irgendwie brachte er es auch nicht über sich sein Gegenüber in dieser Stimmung einfach im Regen stehen zu lassen.

„Ich hab's versucht," sagte Brian frustriert. „Aber Sirius wurde mürrisch und zynisch, sobald man ihn auf Anna ansprach. Er wollte sie vergessen und ich wollte ihn vergessen lassen."

Jilli sah ihn mit gefühlvollem Blick verständnisvoll an und nickte. Sie schlang ihre Hand in seine und drückte diese liebevoll. Brian hatte das Gefühl als ob sein Herz stehen blieb, so seltsam einnehmen war dieses Gefühl, dass ihn durchzog. Sie war wirklich außergewöhnlich hübsch und nun war es auch kein Wunder, warum sie diese Ausstrahlung auf andere besaß. Weil sie ein menschlicher Ponester war. So selten und doch gab es sie.

„Du weißt, dass du in Gefahr bist, wenn es noch jemand herausfindet, dass du ein menschlicher Ponester bist. Ich werde es niemandem sagen. Ich denke, Dumbledore, Sirius, Remus, Yuno wissen davon und hielten gleichfalls dicht. Ich will nur – ich hoffe, du weißt, wie gefährlich es hier ist. Gerade England mit Voldemort. Du solltest nicht hier sein."

Sie ließen die Hände gleichzeitig wieder los. Jilli nickte und blickte wieder mit tief betrübter Miene zu den Gräbern ihrer Eltern und Sirius. Ihre Verletzlichkeit – sie zerriss ihn von innen. Er verspürte den tiefen Drang das zu beenden und ihr zu helfen. Egal, womit.

„Danke, dass du auf Harry aufgepasst hast. Ich weiß nicht, ob ich es hätte ertragen können wenn ihm auch noch etwas passiert wäre."

„Hab es zumindest versucht," sagte Brian. Sie erhoben sich beide wieder. Sie lächelte ihn kurz an und im nächsten Moment spürte er, wie sie ihn zärtlich kurz auf die Wange küsste.

„Danke," wiederholte sie sanft. „Du hast recht. Ich sollte nicht hier in England sein. Wir sehen uns." Jilli schritt an ihm vorbei und verließ den Friedhof. Brian sah ihr nach bis sie aus seinem Blickfeld verschwand und verengte besorgt seine Augen. In diesem Moment war es ihm klar geworden – Er durfte es niemals zulassen, sich in sie zu verlieben. Er konnte ihr Freund sein, für sie da sein, aber er musste sich selbst daran hindern sich zu verlieren – Sie würden einander sonst nur zerstören.


Heute

Harry bekam in seinem Zustand alles nur sehr vage mit. Er hatte das Gefühl als ob es in seinen Ohren rauschte und sein Körper komplett taub wurde. Er hatte kein Gefühl in seinen Gliedern, alles fühlte sich benommen an. Jilli's Haselnussbraune Augen – Er sah sie immer wieder vor sich. Ab und zu verschwanden sie, aber sie tauchten auch immer wieder auf. Sie sahen ihn an als ob sie sich entschuldigen müssten. Steward hatte sie in ein Haus gebracht, das er noch nie gesehen hatte.

Er fand sich in einem Bett wieder, sah Hermine und Ron, die ihn mit banger Miene nicht aus den Augen ließen. Brian, der sehr nachdenklich unweit von ihnen entfernt stand.

Dann plötzlich tauchte White neben ihm auf. White... Nein, Professor White... oder Anna. White alleine stand ab nun an für allein diesen Todesser. Anna war nicht sein Feind und er wollte sie auch nicht mehr so behandeln.

Sirius und Remus tauchten gleichfalls auf. Ihre Mienen waren genauso entsetzt wie die von Anna. Harry fühlte sich immer schlechter. Etwas schien ihn von hier wegreißen zu wollen.

Nur sehr wage am Rande konnte er dem folgen, was noch gesprochen wurde.

„Was ist passiert?!" brüllte sein Patenonkel Steward an. „Du solltet auf ihn aufpassen!"

„Ich hab ihn aus den Augen verloren," verteidigte sich die Phowlyris. „Ich habe nie behauptet gut darin zu sein jemanden zu schützen."

„Richtig! James kann ein Lied davon singen!" bellte Sirius wütend. „Du bist nur gut darin zu killen!"

„Hör auf damit," sagte Remus streng.

„Wird Harry..." stotterte Ron panisch. „Wird er sterben?"

„Nein," donnerte Sirius herrisch, da Jilli, Ron und Hermine aussahen als ob sie jeden Moment hysterisch zusammenbrechen würden. „Das wird er nicht. Wir hatten das schon mal und konnten es damals auch verhindern. Nicht wahr?!" Mit der Frage hatte er sich an Anna gewandt. Jilli, Ron und Hermine sahen hoffnungsvoll zu der Schulleiterin rüber. Diese jedoch hatte einen sehr finsteren Blick mit Remus ausgetauscht und nicht geantwortet.

„Ihr hattet so was schon mal?" fragte Hermine entsetzt. „Und das Opfer ist nicht gestorben?"

Nun blickte auch Steward sehr unangenehm zu der Gruppe rüber.

„Nein..." sagte die Phowlyris und fühlte sich sichtlich sehr unbehaglich. „Er ist nicht gestorben... Aber es war eine ganz andere Situation."

„Wieso das?" keifte Sirius finster. „Oder willst du ernsthaft behaupten, du hättest James den Dolch nicht mit der Absicht ihn zu töten in die Brust gejagt?"

Hermine, Ron, Jilli und Brian waren erschrocken zusammengezuckt, Steward jedoch blieb gefasst und hielt Sirius' feindlichem Blick stand.

„Der Unterschied," sagte sie eindringlich und bedacht. „Ist, dass ich damals den Dolch benutzte. Ich bin eine Phowlyris. Allan White ist ein Zauberer. Eine Phowlyris benutzt den Dolch auf eine andere Weise. Ein Stich damit ist deswegen tödlich, weil die Phowlyris Magie tödlich ist. Allan White ist ein Zauberer. Er kann die Phowlyris Magie nicht benutzen."

„Also ist das etwas Gutes?" sagte Brian.

„Es ist etwas anderes," entgegnete Steward. „Anna -" Sie wandte sich mit ernster Miene an die Hexe. „Du musst alles, was du damals getan hast abändern. Was sich nicht geändert hat ist, dass Harry gegen das Gift kämpfen muss."

„Er kann das," sagte Sirius sofort, seine feindliche Haltung gegenüber der Phowlyris behielt er nach wie vor. Steward entgegnete auch hier nichts und blieb ruhig. „Er ist nämlich ganz seines Vater's Sohn."

Steward unterbrach den Blickkontakt mit ihm und wandte sich stattdessen Professor White zu.

„Was kann ich tun?"

Diese warf einen kurzen Blick zu Harry, welcher sie ebenfalls angesehen hatte. Er fühlte sich so benommen, es war hart allem zu folgen und den Fokus zu behalten. Sie seufzte.

„Wieso machst du deinem Vater nur alles nach, Harry," hörte er ihre traurige Stimme sehr zu seiner Verwunderung sagen. Sie wirkte nicht sarkastisch oder verärgert, wie er es von ihr kannte und erwartet hatte. Sie hörte sich ernsthaft, zutiefst besorgt an. Sie wandte sich mit ernster Miene zurück an alle anderen.

„Jilli, Ron, ihr bleibt hier. Hermine? Brian? Ihr beide folgt uns. Remus? Du bleibst besser auch hier bei Sirius und Harry."

„Bei Sirius und Harry?" wiederholte Sirius ihre Worte skeptisch. „Ich komme mit."

„Du kannst mir nicht helfen," sagte Anna bestimmend.

„Ich hab damals auch geholfen," entgegnete er jedoch. „Die Zutaten zu besorgen war damals gefährlich genug und du brauchst jede Hilfe, die du kriegen kannst."

„Jiah," machte Anna und verzog eine schiefe Grimasse. „Heute besorge ich die Zutaten aus Dumbledore's Keller."

„Hä?" machte Sirius dämlich.

„Er hat das meiste Zeug bei sich im Keller. Hatte er damals auch schon."

„Und warum haben wir das damals dann nicht auch schon gemacht, sondern mussten Kopf und Kragen riskieren für das Zeug?"

„Weil er mir das erst sagte nachdem wir wieder hier waren und alles eh vorüber war. Du weißt schon: Ach, ihr hättet das auch von mir haben können. Ich hab das in Hogwarts."

Sirius rollte genervt mit den Augen.

„Jedenfalls. Heute kann ich dich dort nicht gebrauchen. Brian und Hermine können mir beim Brauen helfen. Harry und Jilli brauchen dich hier, Sirius."

Er blickte sie misstrauisch an, aber wenn sich etwas zwischen ihnen nicht verändert hatte, dann dass sie sich auch ohne Worte verstanden. Er nickte zögerlich.

„Okay..."

Anna nickte gleichfalls sanft, froh darüber, dass er keine weitere Diskussion mit ihr vom Zaum brach.

„Es reicht doch, wenn Sirius bleibt?" sagte Remus. „Ich kann auch helfen."

Sie schien mit sich zu ringen, dann aber nickte sie erneut.

„Dann finde heraus, was mit Kingsley, Mad-Eye und June passiert ist. Wenn wir Glück haben, sind sie noch am Leben und vielleicht nur gefangen worden..."

Harry bekam noch mit wie Anna ihm einen letzten Blick gab und dann mit den anderen aus dem Raum verschwand. Hermine hatte Harry's Hand fest mit ihrer gedrückt und ihn mit glänzenden, Tränenerfüllten Augen angefleht durchzuhalten, bevor sie den anderen folgte.