Ich weiß, dieses Mal hat es wirklich lang gedauert, aber die Arbeit nimmt mich auch ziemlich ein. Mehr als ich erwartet hatte. Ich komm so gar nicht zum Schreiben wie gehofft. Schlaf mittlerweile auch schon im Zug Öö Nicht mal richtig am Wochenende komm ich zum Schreiben. Ich kann keine Aussage darüber machen, wann das nächste Kapitel kommt. Wenn alles gut läuft, dann in 3 Wochen, wenn ich 2 Feiertage am Ende des Monats habe =) Bis dahin, alles Liebe.


Review:

Mannequin: Hellou =)

Oh je echt jetzt? Ich hab 5 Wochen für das Kapitel gebraucht? =/ Da fragst du mich wie mein erster Arbeitstag war und nun bin ich seit 5 Wochen dabei. An sich ist die Arbeit gut, Kollegen sind nett, aber ist für mich richtig anstrengend, weil ich das ganze noch gar nicht kann und ist nicht so, dass man mir erklärt, was und wie ich das tun soll. Ich hatte Angst davor dass es sehr anspruchsvoll wird und meine Angst ist wahr geworden. Ich tu mich schon sehr schwer. Krieg Arbeit und es heißt, ja, das soll ich jetzt machen. Ich hab keine Ahnung worauf ich achten soll und man erklärt es mir auch nicht, weil einfach keine Zeit da ist. Die sind ja auch alle überfüllt mit Arbeit und wissen gar nicht, wo ihnen der Kopf steht. Manche bleiben da bis 8 Uhr Abends und ich hab auch schon 10 Stunden Tage hinter mir. Ich bau auch noch ein Fehler nach dem anderen und bin ganz ehrlich – Ich hab durchaus Angst, dass die im Januar sagen: Ergebnis – Sie ist zu schlecht und langsam. Lieber feuern und mit jemand anderen versuchen. Seufz =( Ich hab zwar Wima studiert, aber nie auch nur ein Blick in die Pensions und Versicherungsmathematik geworfen, hatte mich eigentlich auf einen Optimierungspfad konzentriert, aber man behandelt dich da, als müsstest du alles bereits wissen. Das ist jedoch jammern auf hohem Niveau, denn abgesehen davon ist alles super. Leute, Gehalt, Urlaub, Arbeitszeit...

Wie waren die ersten Woche mit der neuen kleinen Truppe? Sind wieder neue Kinder in der Gruppe, richtig? =)

Ich hab ne 40 Std Woche, aber sehr flexibel. Die sagen halt, Hauptsache, ich komm auf meine Std. Da ist es egal, um wie viel Uhr ich komme (sollte natürlich im Rahmen bleiben) und wann ich gehe. Hatte jetzt schon mal einige Tage mit 10 Stunden. Keine Ahnung, ob ich wenn weniger los ist nächstes Jahr wirklich früher gehen kann. Bisher hat noch keiner was gesagt, dass ich mal 8 Stunden arbeite, mal 10, einmal hab ich es geschafft nur 7 Stunden zu arbeiten XD Mein direkter Vorgesetzter hat mir bis jetzt noch nicht den Kopf abgerissen oder so.

Ich weiß nicht, ob ich Weihnachten frei nehmen kann. Problem ist, dass ich in Projekten bin, wo in diesem Zeitraum die ganzen Gutachten erstellt werden und wohl je nachdem ob man fertig damit geworden ist, muss man entweder die Tage über bleiben oder man kann sich dann frei nehmen. So langsam wie ich mit der Arbeit voran komme, kann ich mir vorstellen, dass ich nicht weg komme...

Pendeln schlaucht schon ziemlich. Ich komm im Moment kaum zum schreiben und dieses Kapitel steht mehr oder weniger eigentlich seit Wochen. Die Feinheiten haben ziemlich lang gebraucht, weil ich nach nem 10 Stunden Tag echt nicht mehr dazu komme etwas zu schreiben, obgleich ich es will. Bin nur zu müde und kann nicht abschalten. Mir geht zu viel von der Arbeit im Hirn umher. Werd aber versuchen Mitte Januar ein wenig Urlaub zu bekommen. Mir stehen dann ja bereits 2 Wochen zu XD

Uih, das ist süß =) Find auch, dass es mit nem Zug zu gefährlich ist. Autos und Straßen sind schon schwer zu ertragen, weil viele heute so was von unvorsichtig fahren. Wohngegend und Wald wär glaub ich ideal für Freilauf, wobei ich wie gesagt, immer noch Angst vor den Zecken im Sommer hätte, die sich teilweise bei den Katzen festbeißen und diese dann einfach so in die Wohnung tragen. Aber für die Katzen muss das natürlich wie Abenteuerurlaub sein, wenn sie bei dir in der Wohnung und näheren Umgebung sind, bei deinen Eltern aber Freilauf ohne Ende haben XD Und das funktioniert auch ohne Probleme? Deine Katzen bleiben bei denen Eltern über Nacht und laufen nicht zurück zu deiner Wohnung? XD

Und die Gutschrift vom Internetanbieter endlich bekommen? Ich kann so was auch nicht leiden, denen hinterherrennen zu müssen. Aber gerade Internetausfall für ein ganzen Monat ist einfach nur unverschämt. Ich hab mich mittlerweile so daran gewöhnt mit meinem Smartphone auch ins Internet zu können, es nervt, wenn mein Handy mal keine Verbindung aufbauen kann. Hab allerdings auch nur nen Billiganbieter und so nehm ich das nerven halt mal hin.

Hehe, ja, glaub auch, dass Harry, hätte er die Wahl gehabt, Sirius mitgenommen hätte. Weiß nur nicht, ob dann nicht noch schlimmeres passiert wäre. Ich hatte das Gefühl als ob Sirius es mit der Vorsicht und der Sicherheit nie so richtig ernst nahm in den Büchern und Rowling ihn mit Absicht als einen etwas schwächeren darstellte als er im Duell mit Bellatrix starb. Aber es hätte bestimmt viele schöne Sirius/Harry Momente gegeben =) So gibt es zur Zeit eher mehr Sirius/Jilli Momente aus der Vergangenheit und er hilft ja dafür hier wann immer er kann mit XD

Nun, ich sag es mal so, Sirius war über ein Jahr hinter dem Schleier gefangen und dem Atem des Todes ausgesetzt. Er ist nicht nur mit einem schwächeren Zustand und Magieverlust herausgekommen ^^ Ich weiß nur noch nicht, wie schwer die Auswirkungen sein werden.

Yup, hört sich alles genauso an, wie gedacht. Du hast alles richtig verstanden im Bezug auf Brian =)

Und zu Jilli geht es in diesem Kapitel weiter.

Thx fürs liebe Review. Liebe Grüßle =)


Chapter 49 - About Jilli I

Sie hatten eine ganze Weile gebraucht, bevor sie feststellten, dass Jilli weg war. Anfangs wollten sie ihr Zeit lassen, weil alle glaubten, sie benötige etwas Ruhe. Doch als sie sich selbst Stunden später zum Essen nicht blicken ließ, wollte Ginny sie holen und hatte entsetzt den Abschiedsbrief gefunden.

„Wieso sollte sie weglaufen?!" warf Sirius verwirrt in die Runde ein und legte den Brief beiseite. „Das passt doch gar nicht zu ihr."

Harry war noch viel zu fassungslos, um zu sprechen, aber Brian stöhnte als er es verstand und vergrub das Gesicht hinter der Hand.

„Was?" fragte Sirius und sah seinen Sohn kritisch an.

„Es könnte etwas mit dem zutun haben, was Harry und Ich gesprochen haben," gestand Brian mürrisch und hatte sich allen wieder zugwandt. Sirius verzog ungläubig die rechte Augenbraue.

„Jilli ist kein unreifer Teenager, Brian. Nur weil ihr etwas sagt, dass ihr nicht passt, läuft sie nicht weg. Ich mag den Großteil ihres Lebens nicht bei ihr gewesen sein, aber ich kenne die Kleine. Sie haut nicht ab, nur weil man etwas schlechtes über ihre Figur sagt.

Sicher, dass das Versteck sicher ist und niemand eindringen konnte?"

„Wir haben nicht über ihre Figur geredet," entgegnete Brian harsch als auf einmal die Tür aufging und einige weitere Personen hereinstürmten.

„Was ist passiert?!" rief Professor White und stand im nächsten Moment mit Remus, Kingsley, Mad-Eye und June im Raum. Alle bis auf White hatten hier und da einige Schrammen und Wunden, sonst jedoch schienen sie wohlauf zu sein. Tonks war sofort Remus mit dem Baby um den Hals gefallen und hatte sich erleichtert an die anderen gewandt.

„Ein Glück, euch geht's allen gut."

„Wenn man knapp mit dem Leben davon gekommen als gut definiert, dann ja, uns geht's gut," sagte June trocken. „Dank Professor White oder wir wären alle in kleine Stücke zerfetzt worden."

„Jilli ist weg," informierte Brian die Neuankömmlinge und reichte Professor White den Abschiedsbrief. Sie brauchte nur einen winzigen Augenblick, um ihn zu lesen und einen weiteren winzigen Moment, um alles zu verstehen. Die anderen, allen voran June und Remus aber hatten sofort entsetzt protestiert wie das passieren konnte. Traurig schüttelte Anna den Kopf als sie die Worte ihres Schützlings verstand und wandte sich an Brian und Harry.

„Wie lange ist sie schon weg?" fragte die Professorin bestürzt.

„Keine Ahnung," sagte Sirius, da die anderen sich untereinander lediglich unentschlossen ansahen. „Ne Weile? Einige Stunden könnten es schon sein. Wir dachten, sie wäre nur müde und bräuchte Ruhe. An, was soll das? Wieso sollte Jilli weglaufen? Das passt doch gar nicht zu ihr."

„Toll," murmelte White finster, hatte ihm aber nicht auf seine Frage geantwortet. Sie wandte sich stattdessen an Remus und die anderen, mit denen sie gerade hereingekommen war und teilte ihnen mit hier zu bleiben bis Stradford sich jeden von ihnen untersucht hatte. Dann verließ sie das Haus wieder durch die Tür. Harry zögerte keine Sekunde, um ihr hinterher zu humpeln.

„Professor White!" rief er und ignorierte alle Freunde, die sich auf ihn zu bewegt hatten, um ihn daran zu hindern. White selber hatte gleichfalls nicht gestoppt, wohl weil sie glaubte, die anderen hätten ihn zurückgehalten, doch als er erneut nach ihr rief, diesmal jedoch mit ihrem Vornamen, blieb sie stehen. Sie drehte sich um und schüttelte ungläubig den Kopf als er mühsam auf sie zuhumpelte. Anna schritt zu ihm zurück und Harry war froh darum, denn er wusste nicht, ob er wirklich den ganzen Weg zu ihr geschafft hätte ohne einzuknicken.

„Du sollst dich ausruhen, kein Marathon laufen," mahnte sie streng, aber Harry ignorierte ihr Rügen.

„Du bringst Jilli doch wieder zurück, nicht wahr?"

„Harry -"

„Du musst sie wieder zurückbringen!"

Ihm tat auf einmal wieder jeder Knochen weh und doch war es ihm egal. Zuerst musste Anna sagen, dass sie es tat, dass sie seine Schwester zurück brachte. Er befand sich nicht mehr im Schockzustand. Stattdessen fühlte er nichts als Panik und den innigen Drang etwas zu tun, um sicherzugehen, dass er seine einzige Schwester nicht für immer verloren hatte.

Leider war dies genau das, was sie nicht tat und ein großes Loch tat sich in ihm auf. Anna sah ihn mitfühlend an und auf einmal bekam er das Gefühl von eisiger Kälte in seinen Innereien, als ob ein große Loch ihn verschlang.

„Das kann ich dir leider nicht versprechen," sagte sie mitfühlend. Die Professorin erinnerte ihn in diesem Moment mehr denn je an Dumbledore. „Jilli ist ein Ponester und hat eine außergewöhnliche Gabe, was das sich unsichtbar machen betrifft. Dies ist schwer für sie, wenn sie mit anderen zusammen ist, weil sie sich ihrer Umgebung anpasst. Alleine jedoch ist es für sie ein Kinderspiel unterzutauchen. Wenn Jilli nicht gefunden werden will, befürchte ich wird sie keiner, weder ich und glücklicherweise auch Voldemort nicht, finden.

Wenn wir Glück haben überwiegt ihre menschliche Seite und vielleicht verhindert diese Seite an ihr, dass sie sich wirklich vollständig für immer vor aller Augen versteckt, so dass wir wenigstens eine winzige Chance bekommen, um sie zurückzuholen. Ich werde es versuchen, aber ich kann es dir leider nicht versprechen, dass es mit Erfolg gekrönt wird."

Harry senkte betrübt den Blick. White hatte ihm lediglich erneut die Schulter gedrückt, dann aber wandte sie sich ab und verschwand durch den Portschlüssel. Er selber blieb wie angewurzelt stehen und wagte es nicht sich zu rühren. Was gerade passierte, schien ihm so unwirklich zu sein, mehr wie das Ende eines unglaublich schlechten Films, der an ihm vorbeizog.

Er hatte Angst sich zu bewegen, denn so verrückt wie die letzten Monate sich auch angefühlt hatten – Es waren gleichzeitig auch die Besten. Endlich war er nicht mehr der Einzige. Mit Jilli an seiner Seite hatte Harry stets das Gefühl nicht mehr alleine da zustehen.

Realisierte er überhaupt, was hier gerade passierte? Konnte das überhaupt sein? War Jilli wirklich einfach so aus seinem Leben gerannt? Gab es sie überhaupt? Oder war alles nur ein Traum? Harry sah an sich hinab und bemerkte, dass Blut durch sein Shirt gesickert war. Er berührte die Wunde mit einer Hand und nun klebte die rote Flüssigkeit an seinen Fingern.

„Harry?" sagte Ginny besorgt. Er drehte sich zu ihr um, sah ihr erschrockenes Gesicht und doch – Er rührte sich nicht.

Harry bekam alles nur sehr wage mit. Ginny hatte ihn wohl zurück ins Haus geführt. Stradford war da und obwohl sie etwas sagte, hörte er ihre Worte nur gedämpft. In seinen Ohren rauschte es dumpf. Irgendwann fand er sich wieder auf dem Bett vor und starrte die kahle Decke über sich an. Ron und Hermine beobachteten ihn mit bangen Mienen und das war das Letzte, an das er sich erinnerte bevor er wieder aufwachte.


Draußen regnete es in Strömen und der Regen prasselte unbarmherzig gegen die Fensterscheiben. Harry drückte sich auf und sah sich suchend um. Wie lange hatte er geschlafen? War es ein Traum? Er sah an sich hinab, das Shirt war ohne Blut. Es konnte auch nur ein dummer, idiotischer Alptraum gewesen sein. Harry setzte sich auf und humpelte aus dem Zimmer. Im Wohnzimmer saßen Sirius und Ron und beide hatten sich auf der Stelle erhoben als sie ihn bemerkten.

„Harry!" sagte Ron, nach wie vor mit banger Miene. Beide hatten ihn keine Sekunde aus den Augen gelassen als er den kurzen Weg zu ihnen her humpelte und sich auf den freien Sessel niederließ, fast als ob sie sich bereit machten sich sofort zu ihm zu stürzen, sollte er auch nur das kleinste Anzeichen von Schwäche zeigen.

„Das war kein Traum, oder?" fragte er frustriert. Ihre Gesichter sprachen schließlich Bände. „Jilli ist weg?"

Ron verzog eine komische Grimasse und wusste nicht richtig darauf zu reagieren. Sirius stattdessen drückte Harry aufmunternd die Schulter und bedachte seinen Patensohn mit sehr verständnisvoller Miene.

„Sie will euch nur schützen. Brian hat erzählt, was ihr beide besprochen habt. Das hat mir vieles erklärt."

„In dem sie abhaut?" fragte Harry verärgert und er konnte dieses Unverständnis auch nicht aus seiner Stimme verbannen. Er war einfach nur verletzt und wusste keinen besseren Weg damit umzugehen als wütend zu werden.

„Harry -" setzte Sirius an, doch der junge Gryffindor hatte keine Lust mit ihnen darüber zu reden, noch Ausreden oder fadenscheinige Erklärungen zu hören. Das letzte was er nun gebrauchen konnte waren Versuche alles klein zu reden. Unverständnis würde ihn am Ende noch zum Platzen bringen und würde ihn die Wunde nicht so lähmen, er wäre hinaus geschritten und appariert.

Stattdessen erhob er sich und ging wieder zurück ins Zimmer, hoffend, dass Sirius und Ron ihn gehen und in Ruhe lassen würden. Ron schien mit sich zu ringen seinem besten Freund doch noch nachzugehen, doch Sirius hatte ihn davon abgehalten.

Im Wissen sich alleine in seinem Zimmer zu befinden, stemmte Harry seine rechte Hand zu einer Faust und schlug diese zornig gegen die Wand. Er empfand kein Schmerz, weder durch den harten Aufprall, noch an seiner Wunde auf der Brust. Was er empfand war...

Harry sank auf den Boden, lehnte sich an die Wand zurück und zog seine Knie zu sich. Was er empfand... war unerklärbar unendliche Verzweiflung, weil sie ihn im Stich ließ. Er dachte, er wäre ihr wichtiger gewesen... Dies fühle sich an wie Verrat.

Es war dasselbe was er fühlte nachdem Sirius damals durch den Schleier fiel und er ihn verlor. Natürlich hatte er nicht freiwillig verloren, aber für Harry fühlte es sich lange Zeit unfair an. Unfair ihm gegenüber, dass sein Pate es zuließ sich aus seinem Leben zu schleichen. Nie hätte er gedacht sich jemals wieder in diesem verdammten miesen Loch vorzufinden.

Nach wie vor verletzt aber auf dem Weg der Besserung kehrte Harry mit seinen Freunden am Tag darauf wieder zurück nach Hogwarts, zumal sich im Versteck niemand anderes mehr aus dem Orden aufhielt, mit dem Harry hätte reden können. June und Kingsley waren weg noch bevor Harry wieder zu sich gekommen war, Remus und Tonks waren mit dem Baby noch am selben Tag zurück nach Hogwarts gekehrt und aus Sirius und Moody bekam man ohnehin nichts heraus.

Während es draußen nach wie vor nicht aufhörte zu regnen und seine Freunde sich in der Bibliothek beim lernen befanden, schritt Harry auf das Büro der Schulleiterin zu. Durch die Karte wusste er, dass sie hier war und sie war die Einzige, mit der er nun sprechen wollte.

„Jilli ist wie erwartend unauffindbar," erklärte sie ihm bestürzt. Beide standen am Fenster ihres Büro's und warfen immer wieder mal einen Blick zum verregneten Wetter hinaus. Die Sonne hatte sich seit Tagen nicht mehr blicken lassen. „Jedes Mitglied im Orden hält die Augen nach ihr auf aber... ich bezweifle leider sehr stark, dass sie tatsächlich jemand finden wird. Brian erzählte uns, bei was sie euch belauscht haben musste. Insofern ist es für mich nachvollziehbar, was sie so aufgewühlt hat."

„Warum ist sie einfach weggerannt?" fragte Harry verständnislos, denn es wollte einfach nicht in sein Kopf, wie sie ihm das nur antun konnte. Er hätte mit keinem seiner Freunde darüber reden können, aber mit irgendeinem musste er einfach über seinen Unmut sprechen und Anna war die Person, bei der er es am ehesten für möglich hielt. Sie stand ihm nicht so nah wie seine Freunde oder Sirius, und doch nah genug, damit er das aussprach, was er unbedingt gesagt haben wollte. Auch wenn ihr Verständnis für die Situation ihn aufregte, es war für ihn in Ordnung sich bei ihr unangemessen und kindisch zu verhalten. Bei Ginny oder Hermine musste er sich zurückhalten, wenn sie seine Schwester in Schutz nahmen aber bei Anna fühlte er diese Verpflichtung nicht.

„Jilli ist ein sehr emotionaler Mensch," fuhr sie mitfühlend fort und brachte wie erwartend für die Handlung seiner Schwester sehr viel Verständnis auf.

„Sie lebt in ihren Gefühlen und gibt dies auch an ihre Umgebung weiter. Dessen ist sie sich bewusst, also versucht sie natürlich Stärke und Liebe zu zeigen. Seit dem Tod eurer Eltern, bist du ihr das Wichtigste auf der Welt. Du warst ihr schon wichtig als eure Eltern sie aufnahmen, aber nach deren Tod und nachdem Sirius und Ich aus ihrem Leben verschwanden, klammerte sie sich noch fester an dich. Sie machte es sich zur Aufgabe dich zu schützen und dafür zu sorgen, dass es dir gut geht. Alles was sie seit dem Tod eurer Eltern tat, tat sie in der Absicht, um zu garantieren, dass du am Leben bleibst.

Es ist nur leider auch Tatsache, dass sie... Sie sieht nicht, wie wichtig sie anderen ist. In dem Punkt kommt sie wirklich sehr nach eurem Vater."

Harry's Gesicht musste mal wieder alles ausgesagt haben, was er fühlte, denn White schmunzelte sanft. Es war ihr also nicht entgangen wie konfus das alles für ihn war.

„Ich denke, sie ist weggerannt, weil sie sich davor fürchtet von Voldemort benutzt zu werden, um dich, den Menschen, der ihr am meisten bedeutet, zu töten und sie glaubt, dass du dasselbe denkst. Dass sie nun durch Brian's neuen Status gefährlich für dich geworden ist.

Ein dunkler Ponester ist eine große Bedrohung, nicht nur für dich, sondern für jeden von uns. Jilli war lange Mitglied des Orden des Phönix und ein dunkler Ponester empfindet denselben Hass gegenüber denen, denen er vorher Liebe entgegen brachte. Jilli kennt durch ihre Fähigkeiten das Ausmaß, was eine solche Verwandlung für uns alle für Auswirkungen haben kann.

Wenn du deine Schwester ansiehst, so siehst du nur das Gute, das sanftmütige und warme in ihr. Das weiße und helle. Die glitzernde einmalige Aura und es ist nur sehr schwer vorstellbar, wie sie jemals etwas schlechtes im Schilde führen könnte. Du kannst dir nicht vorstellen, dass Jilli wirklich dazu fähig sein könnte dir oder einem anderen weh zu tun.

Die Wahrheit ist, Jilli, als dunkler Ponester, wäre sogar dazu fähig jeden einzelnen von euch auf qualvolle Art und Weise zu töten. Ähnlich wie du in der 6. Klasse als du Draco Malfoy mit einem Fluch fast getötet hättest, weil du dich verteidigen wolltest. Du las den Fluch und hast ihn benutzt ohne das Ausmaß zu kennen.

Jilli besitzt Kräfte, die sie nie benutzt hat, weil sie sich gar nicht bewusst ist, dass sie diese besitzt. Sie weiß nur, dass solche existieren und auch, dass als dunkler Ponester sie diese einsetzen würde. Der Unterschied ist, du bereutest deine Tat direkt nach der Ausführung. Du wolltest Draco Malfoy nicht töten. Ein dunkler Ponester bereut nicht. Für Jilli wäre es wie ein inniges Verlangen und unkontrollierbarer Drang.

Es gibt keinen vollkommenen Schutz gegen eine solche Verwandlung. Jeder Ponester, ob nun menschlich oder nicht, kann sich dieser Gefahr entgegen sehen und dem verfallen.

Ich habe ihr zwar beigebracht die dunkle Magie in weiße umzuwandeln und bin auch der Meinung, dass sie dies außergewöhnlich erfolgreich umsetzen konnte, doch leider scheint Jilli da anderer Meinung zu sein. Keiner kann vollständig ausschließen, dass sie niemals zu diesem Wesen wird und in diesem Zustand gar Voldemort hilft. Sie wüsste immer noch jedes Geheimnis, dass sie als Mitglied des Orden kannte, doch ihr Charakter wäre nicht mehr der, den wir liebten. Sie wäre verrückter und grausamer als Bellatrix Lestrange, stärker und kälter als Allan White, listiger und unberechenbarer als Azur – als viele anderer seiner Todesser.

Jilli ist sich dessen bewusst, und um das zu verhindern, nimmt sie in Kauf alles und jeden zu verlassen, den sie liebt, und für immer alleine und einsam zu bleiben."

So verletzt und angefressen er bis eben auch war, ihre Worte hatten die Wut vertrieben. Stattdessen befand sich alles in ihm im purem Chaos und er hatte keine Ahnung, was er überhaupt noch fühlen sollte. Leere hatte sämtliche anderen unverständlichen Gefühle ersetzt.

„Ich will nicht, dass sie das tut," sagte er und bemerkte im selben Moment wie bockig und unreif er sich anhörte. Wie ein Kind, dass etwas forderte, weil es nicht bekam was es unbedingt wollte und doch war es das, was er fühlte.

„Genauso wenig wie ich," sagte Professor White sanft. „Aber ich fürchte, ich habe nicht gerade einen guten Job darin getan ihr zu zeigen wie wichtig sie mir ist."

„Ich auch nicht," erwiderte Harry schuldbewusst und blickte zu Boden. „Vor einiger Zeit als Allan White herausfand, dass sie ein Ponester ist, da befürchtete sie, du würdest von ihr verlangen sich zu verstecken und ich sagte, dass sie das tun soll. Dass es das Beste wäre, weil sie dann in Sicherheit war. Ich bin Schuld, dass sie das nun auch tatsächlich tat und untergetaucht ist..."

Anna hatte ihn einen Moment lang fürsorglich angesehen. Schuldgefühle zu haben war wirklich etwas unschönes. Es war ihm anzusehen, wie sehr es ihn erdrückte. Sie nahm ihren Zauberstab, legte ihn an ihre Stirn und zog einen silbernen Faden heraus. In einer Phiole reichte sie ihm den Faden rüber, doch Harry hatte es nicht in die Hand genommen. Stattdessen blickten sie einander an.

„Jilli hat tiefe Angst davor zu einem dunklen Ponester zu werden und diese Erinnerung wird dir zeigen, wie tief und berechtigt ihre Furcht ist. Vielleicht verstehst du dann, warum sie weglaufen musste und warum du absolut keine Schuld daran trägst. Deine Reaktion war die eines Bruders. Jilli weiß, wie wichtig sie dir ist. Dass du damit einverstanden warst, dass sie untertaucht, macht es ihr nun vielleicht etwas leichter dort zu bleiben wo sie ist, aber ich kenne sie gut genug um sagen zu können, dass es ihr mindestens genauso schwer fällt von dir getrennt zu sein wie dir."

„Ihre Angst zu einem dunklen Ponester zu werden ist berechtigt?" fragte er irritiert und nahm endlich die Phiole aus ihrer Hand. „Was soll das heißen?"

Anna atmete ruhig durch und hielt seinem betrübtem Blick stand.

„Meiner Meinung nach hat Jilli eine außergewöhnliche Begabung dafür die Magie umzuwandeln und ich würde es ihr zutrauen niemals zu diesem Wesen zu werden. Sie ist stark, stärker als sie glaubt. Sie sieht es nur nicht. Stattdessen trägt sie weiterhin diese Furcht mit sich, dass es nicht genug ist, was sie tut. Was sie bisher noch in Sicherheit wog war Brian's Zustand. Solange er kein Black Heart war, befand sie sich noch in einer Grauzone. Das letzte Black Heart aber besitzt eine unmenge an dunkler Magie.

Das gefährliche hierbei ist, dieser Magieentzug könnte jederzeit unabsichtlich passieren. Ein dunkler Ponester, der sich die Magie Voldemort's und die des letzten Black Hearts einverleibt ist... noch furchteinflößender.

Dies ist alles sehr komplex und ich kann mir denken, dass du es noch nicht verstehst. Das braucht alles Zeit. Die Hauptaussage jedoch ist, dass Jilli als menschlicher Ponester ein Unikat in unserer jetzigen Zeit ist, genauso wie Brian, der als letztes Black Heart nun dafür gesorgt hat, dass es nach ihm nie wieder Black Hearts geben wird.

Das Jilli und Brian einander gern haben liegt würde ich sagen auf der Hand. Wäre Jilli die letzten Jahre über trainiert worden, hätte sie nun vielleicht eine ausreichende Kontrolle über ihre Fähigkeiten und ein unabsichtlicher Magieentzug wäre kein Thema.

In ihrem jetzigen Zustand jedoch... Was sie 15 Jahre lang nicht erlernen konnte, passiert nicht über Nacht. Leider.

Mit etwas Zeit, wird sie sich vielleicht fangen und dann auch zurückkommen und unsere Hilfe wieder annehmen. Vielleicht auch nicht, aber was immer auch passieren wird – und ich weiß, das ist schwer – Du darfst nicht stehen bleiben und schon gar nicht die Zeit damit verschwenden nach ihr zu suchen."

„Wieso nicht?" fragte er finster, denn nachdem er dies von ihr hörte, verspürte er noch mehr den Drang seine Schwester zurückzuholen. Er wollte nicht, dass sie irgendwo alleine und verängstigt war.

„Du wirst sie nicht finden," antwortete die Schulleiterin simple. „Wenn Jilli nicht gefunden werden will, wird sie niemand finden und du kannst es dir nicht erlauben deine Zeit damit zu verschwenden, wenn du Wichtigeres zu tun hast."

„Wichtiger als meine Schwester?!" entgegnete er verärgert. „Es gibt nichts wichtigeres als sie für mich."

„Ist dir Ginny, Sirius, deine Freunde und deren Familie denn unwichtig?"

Harry verstummte. Er fühlte sich immer verwirrter und unentschlossener. Für eine Sekunde war er so Feuer und Flamme gewesen, dass er alle anderen vergessen hatte, die ihm wichtig waren.

„Machst du dir überhaupt keine Sorgen um Jilli?" fragte er schließlich deprimiert. Professor White lächelte traurig.

„Ich mache mir genauso große Sorgen um sie wie du, Harry. Aber das darf dich nicht davon abhalten zu handeln, so wie es mich nicht daran hindern wird, das zu tun, was ich tun muss.

So emotional sie auch sein mag, Jilli ist nicht dumm. Lilli hat euch auch ihre Vernunft und Klugheit mitgegeben. Vertrau darauf, dass sie sich nicht selber umbringen wird und sich genauso wenig alleine Voldemort stellen würde. Sie versteckt sich und taucht hoffentlich wieder auf, wenn sie sich gefasst hat. Und mit Sicherheit taucht sie wieder auf, wenn Voldemort erst mal von der Bildfläche verschwindet."

Er nickte schließlich. Das machte irgendwie auch Sinn. Wenn Voldemort nicht mehr war, hatte Jilli auch kein Grund mehr sich zu verstecken.

„Bis dahin erwarte ich von dir, dass du dein Training fort führst, deinen Abschluss hier ernst nimmst und durchziehst, und dich weiterhin auf dein Ziel konzentrierst. Nämlich Voldemort's Horkruxe zerstören, um ihn in einer letzten Konfrontation Einhalt gebieten zu können."

Harry hatte ihre Worte zwar gehört, doch es fiel ihm schwer das einfach so hinzunehmen.

„Und was wirst du tun?" fragte er indes. Beide sahen einander tief und mit festem Blick an.

„Wegen Brian und der Tatsache, dass er das Letzte Black Heart bereits ist, mein ich. Er befürchtet -"

„Ich habe nicht vor etwas dummes zu tun," fiel sie ihm ohne Umschweife ins Wort. „Ich gebe zu, einen Moment lang habe ich es durchaus in Erwägung gezogen. Es war ein ungewöhnlich ergreifender Moment als Brian mir die Wahrheit mitteilte und ich spürte, was er mir gegenüber empfand."

Anna lächelte traurig, aber Harry verwirrten ihre Worte mehr als dass er sie verstand.

„Lilli meinte einmal, vor langer Zeit, dass ich nicht verstehen würde, wie es jemanden verändern kann, Mutter zu sein, wenn ich es nicht selber bin. Ich habe es nie verstanden... bis jetzt."

Nicht, dass er jetzt unbedingt viel mehr nachvollziehen konnte, doch Anna sah lediglich sehr liebevoll zurück.

„Ich weiß jetzt, dass ich... um Brian's Willen... mein Leben schätzen muss. So wie du deins um das deiner verstorbenen Eltern, Jilli's und allen anderen, denen du so viel bedeutest, schätzen musst. Lass dich nicht von deinem Zorn gegenüber Voldemort leiten, sondern von der Zuneigung, die dir diejenigen entgegen bringen, die du liebst."

Er hätte gerne verstehend genickt, aber stattdessen blieb er irritiert wie eh und je stehen. Er hatte absolut nicht den Hauch einer Ahnung, was sie ihm damit sagen wollte oder was sie damit überhaupt bezwecken wollte.


Harry kehrte nicht in den Gemeinschaftsraum zurück und tauchte auch nicht im Unterricht auf. Stattdessen saß er auf den Ländereien am See und blickte nachdenklich in die Leere hinein. Wusste Anna überhaupt, was sie da von ihm verlangte? Glaubte sie tatsächlich, dass er dazu einfach so in der Lage war? Seine Schwester vergessen und so tun als ob es sie nie gegeben hätte? Sich nicht Gedanken darüber machen, was aus ihr wird? Wenigstens konnte er Brian beruhigen und ihm mitteilen, dass seine Sorgen Anna könnte etwas dummes tun grundlos war. Der Freund war nach Jilli's Verschwinden ebenfalls aufgebrochen und Harry hatte ihm von seinem Gespräch mit Anna auch nur per Eule mitteilen können.

Er zog die Knie an sich und blickte angestrengt in die Ferne. Er dachte an Jilli, hoffte, dass sie es spüren würde und sich meldete – Es kam nichts. Kein Klopfen, kein Tagtraum, kein Gefühl. Rein gar nichts. Sagte sie nicht, dass wenn er ganz fest an sie dachte, sie es spüren würde und sich bei ihm meldete? Sie musste spüren, dass er sie sprechen wollte.

Gegen Abend, die Sonne war bereits am Untergehen, da setzte sich Ginny zu ihm auf die Ländereien dazu und hatte ihm vorsichtig am Arm gestrichen.

„Sie ist bestimmt okay," versuchte sie ihn leise aufzumuntern. Harry wusste, dass sie es nur gut meinte, aber es half nicht. Er fühlte sich nach wie vor miserabel, wie ein Haufen Mist, dass weggeworfen wurde und zu nichts zu gebrauchen war. Er schaffte es nicht gegen Allan White anzukommen, schaffte es nicht Voldemort aufzuhalten, schaffte nicht diese verdammte Kontrolle über Gryffindor's Magie zu gewinnen... schaffte es nicht mal seine Schwester zu halten.

„Wieso tut sie so was?"

Er konnte einfach kein Verständnis dafür aufbringen, zu enttäuscht fühlte er sich über ihren plötzlichen Weggang. Schuld hatte sich in Verzweiflung umgewandelt. Er hatte keine Zeit sich darauf vorzubereiten, sie hätte sich wenigstens von ihm verabschieden können, selbst nachdem er ihr damals mitgeteilt hatte, dass es für ihn in Ordnung war, wenn sie untertauchte. Sie hätte sich wenigstens verabschieden sollen.

„Ich hab mit Charlie gesprochen," sagte Ginny leise. Obgleich er sich ihr nicht zuwandte, so hörte er doch ihre Worte. „Anna hat ihnen gesagt, dass Jilli verschwunden ist. Nicht, dass sie weggelaufen ist, sondern... nur, dass sie weg ist. Sie alle halten die Augen nach ihr auf. Er und Kila machen sich ziemlich große Sorgen. Die beiden sind gerade hier wegen dem Schutz der Schule, weißt du."

Harry nickte, gesprochen hatte er nicht. Nur nebensächlich fiel ihm auf, dass es Kila wieder besser ging, sonst würde sie kaum Wache in der Schule schieben. Jeder von ihnen machte sich Sorgen um seine Schwester, aber das war ihr offenbar nicht wichtig genug, um zu bleiben... Er war ihr nicht wichtig genug, um zu bleiben. Gut, er hatte gesagt, es wäre in Ordnung, wenn sie untertauchte, aber... nicht so.

„Ich muss los. Verwandlung. McGonagall wird mir den Kopf abreißen, wenn ich heute fehle. Aber wenn du willst, dann bleibe ich?"

„Schon gut," sagte er ehrlich und verzog ein kleines Lächeln. „Geh ruhig."

„Sicher, dass du nicht doch mitkommen willst?" fragte Ginny zögerlich. Harry aber war sich sicher und so verschwand sie ohne ihn zurück ins Schloss. Er hätte keinen Gedanken an Unterricht verschwenden können... Stattdessen sank er mit dem Kinn auf seine Knie und starrte erneut in die Leere hinein. Er vermisste seine Schwester... Sie war ihm sofort mehr Familie als er ihr je gesagt hatte, weil er es auch selber erst jetzt verstand. Mit ihr vermisste er seine Eltern weniger, war weniger wütend auf Voldemort sein Leben in Trümmern zu legen. Harry war sogar weniger zornig mit Draco Malfoy gewesen... Mit Jilli war alles okay geworden, Dumbledore's Tod, Snape's und Pettigrew's Verrat, all die Jahre bei den Dursleys war ihm auf einmal egal gewesen. Er fühlte sich nicht mehr fehl am Platz. Er fühlte sich gut, gar bereit und im Stande sich gegen Voldemort zu stellen.

Nun war sie einfach weg und alles, was okay war, was egal geworden war, nahm wieder an Gewichtung zu. Nichts war mehr okay... und er nicht mehr stark.

Er dachte an sie... fest... tief... Sie musste es doch spüren, dass er nach ihr rief? Alles was er wollte war mit ihr reden, wissen, dass sie nicht für immer einfach weggelaufen war. Sanft legte sich eine Hand auf seine rechte Schulter ab.

„Jilli!" stieß Harry erleichtert aus und hatte sich halb aufgerichtet und umgedreht. Er sah die blonde, junge Mitschülerin an und gleichzeitig sank ihm das Herz in die Knie. Es war nicht Jilli. Es war Lyssa. Sie lächelte scheu und blickte ihn verständnisvoll an. „Du bist es..." setzte er weniger enthusiastisch, gar enttäuscht hinzu und setzte sich wieder zurück in seine Ausgangsposition. Lyssa tat es ihm gleich und ließ sich neben ihm auf die Wiese nieder. Die Sonne hatte sich immer noch nicht blicken lassen, stattdessen blieb der Himmel über ihnen dämmrig und wolkig.

„Tut mir leid wegen deiner Schwester. Ich mochte Jilli. Sie war echt richtig nett. Meine Mum hat mir erzählt, was passiert ist."

„So..." sagte Harry desinteressiert und starrte erneut in die Ferne. Für eine winzige Sekunde hatte er wirklich geglaubt, sie wäre wieder da. Er wäre ihr keine weitere Sekunde mehr böse gewesen, er hätte sie stattdessen sofort umarmt und gebeten so was nie wieder zu tun.

„Weißt du," begann Lyssa sehr zögerlich und musterte ihn unsicher mit banger Miene hin und wieder. „Das ist vielleicht nicht das, was du hören möchtest, aber was Jilli getan hat, das war... gut."

„Gut?" wiederholte er verständnislos und wandte sich ihr verärgert zu. Das war das letzte Wort, mit dem er ihr Handeln angemessen beschrieben hätte. Lyssa lächelte zaghaft und rutschte vorsorglich einige Zentimeter beiseite in Sicherheit.

„Ich kann es wirklich nicht erklären," gestand sie leise und wirkte fast sogar verängstigt. „Aber ich glaube, es war gut, dass sie sich zurückzog. Es fühlt sich jedenfalls irgendwie richtig an... Vielleicht heitert es dich auf, dass ich nicht glaube, dass sie für immer weg ist?"

So angefressen er von ihr bisher auch war, dieser eine Satz hatte all das etwas abgemildert. Hoffnung war wirklich etwas komisches. Egal, wie klein es war, es konnte jede noch so großen Unmut abmildern.

„Sie ist ein höheres Wesen und allgemein dafür bekannt sehr umsichtig zu handeln."

„Woher -" setzte er erschrocken an, aber Lyssa lächelte immer noch leicht verängstigt.

„Ich bin eine Dhschoara, geboren zweier Dhschoaras, wobei einer davon ebenfalls zweier Dhschoaras geboren wurde. Das macht meine Fähigkeiten ziemlich... uhm... sagen wir sehr viel intensiver als die anderer meiner Art. Das ist erschreckend, weil ich nicht weiß, ob ich das überhaupt richtig deute oder fühle oder interpretiere. Meine Eltern können mir da auch nicht wirklich helfen, aber... bisher habe ich noch alles richtig deuten können. Das war manchmal schon sehr erschreckend.

Ich glaube aber daran, dass Jilli zurück kommen wird. Es gibt da eine Verbindung zwischen euch beiden und diese ist wirklich sehr stark und wunderschön hell. Ich kann es sehen. Diese Verbindung. Ich denke nicht, dass Entfernung es bis ins Nichts abschwächen kann."

Harry brauchte einen Moment, um sich zu regen. Irgendwie fand er sich hin und hergerissen zwischen glauben wollen und nicht verstehen können.

„Wie funktioniert das genau?" fragte er sie stattdessen. „Deine Fähigkeit mein ich."

„Das kann ich nicht genau erklären," antwortete sie leise. „Wenn ich jemanden in die Augen sehe, dann spüre ich immer etwas. Mich überkommt ein Gefühl. Mal ist es warm und schön, mal kalt und unschön. Mal seltsam und fremd."

„Und so was fühlst du immer, wenn du jemanden in die Augen siehst?"

„Hm... Eigentlich nur, wenn ich das selbst will. Wäre glaub ich extrem unangenehm, wenn ich ständig etwas fühle sobald ich mit jemandem Blickkontakt habe."

„Auch wieder wahr," stimmte Harry ihr ein wenig amüsiert zu. Lyssa lachte herzhaft und Harry kam nicht umhin mitzulachen. Die Dhschoara hatte ein sehr niedliches, freundliches Lachen, dass einen anstecken konnte und er mochte es. Bei allem, was in der letzten Zeit passierte, war dies das erste Mal, dass er weniger besorgt war. Es erinnerte ihn an Ginny, als es auch ihr noch gut ging... Gut, es lag mit Sicherheit auch daran, dass er ihr Wort mehr Gewichtung gab, wenn sie sagte, dass er Jilli wiedersehen würde und das war schließlich etwas, was er eintreffen sehen wollte.

„Hast du dich gut eingelebt?" fragte er weiter. Weiterhin mürrisch sein und andere ignorieren erschien ihm nicht mehr passend für seine Stimmung zu sein. Anna hatte recht. Nichts tun war sinnlos.

„Sehr!" antwortete Lyssa heiter. „Hermine und Ginny sind echt nett. Ich bin gern mit ihnen zusammen. Hab auch Luna und Neville kennengelernt und die beiden sind richtig lustig und interessant. Lavender Brown genauso. Professor Firenze ist interessant. Ich mag Wahrsagen. Und Professor Hagrid ist ein toller Lehrer. Richtig lieb. Ich lerne gern von ihm."

Er musste zugeben, dass er es sich nur schwer vorstellen konnte und es auch gewöhnungsbedürftig war ein Professor vor Hagrid's Namen zu hören, andererseits freute er sich für den Freund. Hagrid mochte gerne lehren und Lyssa schien eine gute Schülerin für ihn zu sein. Nach einer Weile in der sie nur über Unwichtigkeiten sprachen, hatte sich Lyssa schließlich entschuldigt. Sie wollte noch ihre Hausaufgaben für Pflege magischer Geschöpfe fertig machen. Harry hingegen hatte sich nicht wieder ins Schloss begeben. Stattdessen starrte er erneut in die Ferne und dachte wieder an Jilli. Enttäuscht stellte er fest, dass sie sich selbst jetzt nicht meldete. Sie ignorierte ihn also tatsächlich...

'Jilli... Sis, ich brauch dich... Ich schaff das nicht ohne dich... '

Er hatte damals selber vorgeschlagen, dass sie sich verstecken sollte, doch meinte das doch nur, wenn sie auch weiterhin in Kontakt blieben. Er wollte doch nur wissen, dass sie in Sicherheit war und sie sich wiedersehen würden. Dass sie noch da war und er nicht wieder vollkommen alleine da stand. Das hier war anders. Das Unwissen lähmte ihn. Frustriert starrte er weiter in die Ferne und hoffte, dass Lyssa recht behielt und Jilli irgendwann wieder in sein Leben zurückkehrte.


Harry hatte die Woche über keines seiner Klassen besucht und war auch nicht mehr bei Anna im Büro erschienen, um sein Training wieder zu starten. Er sah sie zwar ab und zu in ihrem Büro auf der Karte, warf aber auch nur ein Blick darauf, weil er hoffte Jilli darauf zu sehen. Da seine Freunde sich auf die Prüfungen vorbereiteten, waren sie entsprechend ziemlich abgelenkt und beschäftigt und er hatte zum Großteil seine Ruhe.

Auf dem Friedhof zu seinen Eltern zu fliegen gehörte durchaus zu den Dingen, die er tun wollte, aber der Gedanke ihnen zu gestehen dass seine Schwester weg war hielt ihn davon ab. Er wollte nicht darüber reden, selbst nicht mit seinen Eltern, er wollte wissen, dass sie okay war und dass sie wirklich wieder zu ihm zurückkam, wenn keine Gefahr mehr bestand.

Harry runzelte die Stirn... Byen! Er hatte sie fast vergessen! Sie war eine Lhayphsa, ob Jilli sich bei ihnen aufhielt? Er musste sie nur rufen und sie würde kommen? Hatte sie das nicht zu ihm gesagt?

„Byen?!" fragte er in die Leere. Er stand mitten im verbotenen Wald, an dem Punkt, wo sie sich schon mal begegnet waren. Er hatte keine Ahnung, ob Kaylar ihm noch immer folgte, aber um seinen Schutz machte er sich mittlerweile ohnehin am wenigsten Gedanken. Er wartete und sah sich zu allen Seiten um. Damals war sie bereits hier gewesen als er mit Jilli hier auftauchte, er hatte leider auch nie gefragt, wie so eine Kontaktaufnahme überhaupt vor sich ging.

„Hallo, Harry."

Er drehte sich mit einem Ruck um und erkannte tatsächlich Byen vor sich. Sie war noch genauso hübsch und stark wie damals und hatte sich so gar nicht verändert.

„Ich war erfreut von dir zu hören," fuhr sie freundlich fort und trat auch sehr elegant an ihn heran. Ihr Ausdruck änderte sich nur ein Augenblick später als sie einen weiteren Blick in sein Gesicht warf.

„Normalerweise nehme ich mir Zeit, bis ich auftauche, aber ich spüre, du hast etwas sehr wichtiges auf dem Herzen, was nicht warten kann. Ist etwas mit Jilli passiert?"

Prompt ließ er den Kopf hängen. Das bedeutete also, dass sie nicht bei den Lhayphsas war, wenn Byen nichts von dem Vorfall wusste. Er hatte das Gefühl jemand hätte ihm gerade mit der Faust kräftig gegen den Magen gestoßen.

„Sie ist weggelaufen," sagte er niedergeschlagen. Byen sah ihn verständnisvoll an und es bildete sich erneut ein sehr fürsorgliches Lächeln in dem sanftmütigen Gesicht.

„Und du hattest die Hoffnung, sie wäre bei uns," sagte sie nachvollziehbar. „Unser Ort ist leider kein vorübergehendes Schutzhaus. Wer einmal in unsere Welt eintritt, der bleibt darin für immer."

Harry nickte schwermütig.

„Das sollte dich eigentlich aufmuntern," fügte Byen sanft hinzu, doch auf einmal sah er sie verwirrt an.

„Wieso das?"

„Das heißt, Jilli, wo immer sie auch ist, hat nicht vor für immer wegzugehen. Wenn sie das wirklich vorgehabt hätte, wüsste sie, dass die Lhayphsas ihr die beste Möglichkeit geben das zu tun."

Sie hatte recht, sonst hätte sich seine Schwester den Lhayphsas angeschlossen! So enttäuscht er gerade auch war, wieder kehrte ein wenig Hoffnung in ihm ein.

„Ich hatte es Jilli vor langer Zeit einmal vorgeschlagen und sie lehnte ab. Ich respektierte ihre Entscheidung, zumal es auf der Hand lag, warum sie die Zaubererwelt nicht verlassen wollte. Dieser Grund hat sich bis heute nicht geändert. Ich bin mir sicher, sie würde dich niemals für immer alleine lassen. Wenn sie fortgehen musste, so hatte sie ihre Gründe."

„Könntest du sie denn finden?" fragte Harry sofort.

„Hm..." machte Byen nachdenklich und prompt erhöhte sich die Hoffnung in ihm erneut. Es war noch kein nein. „Jilli ist ein sehr umsichtiges Wesen. Meine Verbindung zu ihr erlaubt es ihr, sich bei mir zu melden, nicht umgekehrt. Es gab nie einen Grund, warum ein Mitglied der Lhayphsas Gemeinde Kontakt zu der Zaubererschaft aufnehmen sollte."

Er senkte deprimiert den Kopf. Das war genau das, was er nicht hören wollte. Byen bemerkte sofort wie er sich fühlte und zögerte nicht ihn dennoch etwas aufzumuntern.

„Jilli kommt in ihren Eigenschaften sehr nach eurem Vater und James war nie jemand, der auf die Rufe derjenigen, die ihm nahe standen, nicht reagierte. Sie haben ein großes Herz, aber eine sehr schlechte Fähigkeit sich selbst einzuschätzen. Ich denke nicht, dass sie sich im Klaren darüber ist, wie sehr sie dich damit verletzt. Du solltest es ihr nicht zu sehr übel nehmen."

„Sie meinte, wenn ich nach ihr rufe, hört sie es. Sie spürte in der Vergangenheit immer, wenn ich sie brauchte und da habe ich wesentlich weniger nach ihr gerufen."

„Weil sie es selbst wollte," erklärte Byen. „Ihre Fähigkeiten als Ponester sind vielseitig und als menschlicher Ponester noch viel mächtiger. Jilli's Wille spielt eine sehr große Rolle in ihrer Stärke und sie sieht dies nicht. Wenn sie entschlossen genug ist, so kann sie deine Rufe nach ihr unabsichtlich aussperren und würde es nicht mal ansatzweise hören."

Harry verzog eine finstere Miene. Also ignorierte sie ihn unabsichtlich. Als ob das alles wirklich besser machte... Byen sah ihn erneut sehr mitfühlend an.

„Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, wenn sie es spüren würde, wie sehr du leidest, würde sie ohne zu zögern zurückkehren. Jilli, so wie James und offensichtlich auch du, ahnt nicht, zu was ihr wirklich fähig seid."

Er sah sie verwirrt an, denn nun sprach sie genauso Unzusammenhängendes wie Anna es so oft tat.

„Harry," sagte Byen und drückte ihm liebevoll die Schulter. „Du und Jilli, ihr habt eine ganz besondere Verbindung zueinander. So wie deine Eltern bereit waren für dich zu sterben, genauso ist deine Schwester bereit euch alle zu verlassen – gleich dessen, was sie alles aufgibt."

„Aufgibt?"

„Sie ist ein menschlicher Ponester und du hast sie in deinem Leben akzeptiert. Du hast sie als Schwester angenommen. Glaub mir, wenn ich dir garantiere, dass es ihr bestimmt nicht leicht gefallen ist, das aufzugeben. Ich weiß, wie groß ihre Angst war, dass du es nicht tun würdest. Das sie euch, vor allem aber dich, loslässt und sich stattdessen versteckt, zeigt gar die Stärke, die sie von eurem Vater hat.

Es ist schwer zu kämpfen, aber es ist noch schwerer etwas aufzugeben, was du liebst. Und das sieht absolut jeder, wie nahe ihr euch steht."

Er dachte, wenn er mit Byen sprach, würde es ihm helfen, ihn irgendwie weiterbringen. Stattdessen stand er noch immer am selben Punkt, nur fühlte er sich nun genauso schlecht und wütend zugleich.

Sie wünschte ihm, dass Jilli und er sich wiederfinden würden, und rief ihm zur Vorsicht auf. Dann verabschiedeten sie sich voneinander, nachdem sie ihm erneut anbot die Hilfe der Lhayphsas jederzeit in Anspruch nehmen zu können, auch wenn es mit der Suche nach Jilli zusammenhing, und Harry ging schließlich zurück in die Schule.


Anna stand in ihrem Büro und blickte gedankenversunken zum Fenster hinaus auf die Ländereien. Sie hatte jeglichen Sinn für Zeit verloren als sich jemand hinter ihr räusperte. Die Schulleiterin atmete frustriert tief durch, dann wandte sie sich dem Neuankömmling zu. Es war Yorick. Die beiden Hexen blickten einander ausdruckslos an, dann aber löste sich Anna als erstes und schüttelte traurig den Kopf.

„Jilli ist weg," begann sie bedrückt und Yorick nickte als Zeichen, dass sie zuhörte. „Sie ist... weggelaufen," fügte die Schulleiterin verletzt hinzu und lehnte sich förmlich erschöpft an der Wand an. „Ich erinnere mich noch daran, wie ich sie als kleines Mädchen gehalten habe. Sie war 3 Jahre alt und... so einzigartig. Ich erinnere mich noch genau daran, wie sie auf meinem Schoss einschlief und ich die Augen nicht von ihr lassen konnte. Sie und Harry schliefen... so friedlich und ruhig.

Ich weiß noch genau, dass ich mich wunderte, denn... wir alle hatten Angst, draußen war Krieg und diese beiden Kinder... schliefen. Sie vertrauten uns. James und Lilli erzählten, dass sie bei den anderen nicht schliefen. Nur wenn Sirius oder Ich auf sie aufpassten. Sie hatten so unendliches Vertrauen in uns beiden, dass es mich erschrak.

Ich hab die beiden angesehen und dachte mir... Ich werde nicht zulassen, dass ihnen etwas passiert. Ich würde mein Leben geben, wenn sie nur glücklich bleiben... Ich habe keine eigenen Kinder und werde wohl auch nie eigene Kinder bekommen. Aber Jilli und Harry liebe ich wie eigene Kinder. Ich werde immer für sie da sein.

Und heute... ist Jilli weggelaufen. Statt zu mir zu kommen, ist sie weggelaufen. Das Mädchen ist für mich wie eine eigene Tochter und statt mit ihrer Verzweiflung einen Rat bei mir zu suchen... ist sie weggelaufen.

Ich dachte, ich täte das Richtige, aber es ist nicht das Richtige. Alles was ich tat hat dazu geführt, dass sie mir nicht mehr vertraute und aus Angst verschwand. Ich wollte nie, dass sie glaubt, ich würde ihr nicht mehr bei allem helfen."

„Du gibst dir selbst die Schuld?" fragte Yorick vorsichtig und setzte sich auf einen der Stühle neben ihrem Schreibtisch hinab. Sie nickte sanft.

„Wenn Jilli, Brian und Harry sterben, dann ist es meine Schuld... Das Vertrauen, dass Dumbledore in mich hatte... Kann es wirklich sein, dass alles am Ende doch zerbricht?"

Anna schloss die Augen und war fest entschlossen wieder jeden und alles auszublenden. Das Gefühl loszulassen war um so vieles größer geworden. Das Geräusch des Regens, das unbarmherzig auf die Scheiben knallte, hatte sie dazu veranlasst wieder ihre Augen zu öffnen. Betrübt blickte sie hinaus in die Ferne.

„Es regnet sehr viel..." fuhr sie mehr an sich selbst gewandt fort, als mit der Freundin in der Nähe zu reden. „Das bedeutet... Jilli geht es nicht gut. Sie weint."

„Tut es das?" fragte Yorick sanft. Anna nickte langsam, schüttelte sich dann jedoch den Kopf frei. Dies war nicht der Zeitpunkt sich zu sehr in die eigenen Sorgen zu vertiefen.

„Was gibt's?" fragte sie wieder ruhig und gefasst an die Freundin. Yorick musterte sie einen Moment lang intensiv als ob sie sich erst entscheiden müsse, ob sie es nun aussprechen sollte und entschied sich dann offenbar es auch zu tun.

„Ich bin hier, um dir zu sagen... dass du aufhören sollst sie zu suchen. Jilli."

Die Schulleiterin musterte ihren Gegenüber sehr ausdruckslos, wenn auch sehr hart und intensiv. Es ließ sich nicht erkennen, was diese Bitte in ihr ausrichtete.

„Sie ist sicherer, wo sie jetzt wird überleben und ist es nicht das, was du wolltest?"

„Weißt du, wo sie ist?" fragte Anna misstrauisch. Yorick verneinte dies sanft.

„Aber ich kann sie sehen. Ihre Zukunft, Anna, ist gut. Sie ist in Sicherheit und sie wird leben. Sein. Ein menschlicher Ponester."

„Glücklich?"

Yorick schwieg auf die Frage der Hexe hin und es war genug, um zu verstehen, was es bedeutete. Anna wandte sich wieder dem Fenster zu und blickte sehnsüchtig zum Regen hinaus.

„Leben ohne glücklich zu sein... ist das ein Leben? Ist das sein?"

„Also wirst du nicht aufhören sie zu suchen?" fragte Yorick. Anna antwortete ihr nicht. Stattdessen beließ sie es bei der Stille. Sie wollte, dass Jilli überlebte, doch der Gedanke sie für immer traurig in diesem Zustand zu lassen – konnte sie das James und Lilli wirklich antun? Hätten ihre Eltern das für ihre Tochter tatsächlich gewollt?


Die Woche verging und nichts passierte. Es goss weiterhin in Strömen, Harry tauchte auch nach wie vor nicht im Unterricht auf und Jilli hatte ebenfalls kein Lebenszeichen von sich gegeben. Was aber passierte war, dass er Brian am Samstag auf den Gängen begegnete. Er hatte gerade mit Kila und Charlie gesprochen als Harry auf die kleine Aufpassergruppe traf.

Sie schritten daraufhin in den Raum der Wünsche, um unter vier Augen zu sprechen.

„Ist wie erwartet," begann Brian mürrisch. „Keiner kann Jilli finden oder erreichen. Blockt alle Eulen, Patroni. Keine Kontaktaufnahme möglich. Weder von Sirius, Remus oder June, noch von Charlie, Kila oder mir oder Fleur oder Bill. Und Fleur ist Jilli's beste Freundin. Sie hat mir doch glatt fast den Kopf abgerissen als ich sie fragte, ob sie schon etwas von Jilli gehört hätte.

No, no, no, dummer Junge!" machte er die Stimme der französischen Freundin gespielt hochnäsig nach. „Was 'ast du getan, Brian? Is es deine Schuld, dass sie weg is? Isch wette, du 'ast was getan! Ich hab den Kopf eingezogen und bin raus noch bevor sie ihn tatsächlich abreißen konnte. Egal -"

Er atmete einmal tief durch und wandte sich wieder mit normaler Miene Harry zu.

„Ich bin zurück zum Ort an dem wir die Spur zum Alexandriten verloren haben. Dachte, vielleicht finde ich ihn dort irgendwo. Immerhin war auch Allan White mit seiner Gefolgschaft da. Musste also sehr vorsichtig sein. Nichts. Ich glaub nicht, dass es am Zauber lag. Vielleicht hat Voldemort den Alexandriten wieder an sich bringen können, nachdem er zurückgekehrt war und doch noch Flüche zum Schutz auf seinen Horkrux legen können. Wie auch immer – Ich bin dran und meld mich, wenn ich mehr weiß."

Harry nickte, wenn auch etwas abwesend. Er spürte nicht mehr den Drang sich um die Horkruxe oder Voldemort zu kümmern, wie es noch letztes Jahr um diese Zeit der Fall war. Brian musterte ihn einen kurzen Moment lang, dann vergrub er seine Hände in seinen Hosentaschen und atmete frustriert aus.

„Ich sollte jetzt gehen..."

Er hatte ihm beim vorbeigehen freundschaftlich mit der Faust gegen die Schulter gedrückt, aber alles was Harry tat war den Boden anzustarren. Anna's Worte hallten in seinen Gedanken wider, mahnten ihn dazu nicht stehen zu bleiben und einzufrieren. In diesem Moment war es jedoch genau das, was er tun wollte. Einfrieren.

„Brian?" sagte Harry und hatte sich mit einem Ruck umgedreht. Der Freund war an der Tür stehen geblieben und wandte sich ihm ebenfalls mit fragendem Blick zu.

Harry griff mit seiner Hand in seine Tasche und nahm zwei Phiolen heraus. In der einen befand sich die Erinnerung, die Anna ihm gegeben hatte. Die Erinnerung, die ihm zeigen würde, vor was seine Schwester so große Angst hatte. In der anderen das kleine Fläschchen mit der roten Flüssigkeit, von der Dumbledore wollte, dass er sie bekam.

Er musste sich zwingen etwas zu tun... Sich vergraben und warten war keine Lösung. Sein Vater, seine Mutter, sie hätten sich nicht vergraben. Sie hätten sich zusammengerissen und etwas getan.

„Kennst du eigentlich die Erinnerung, vor der Jilli so große Angst hat?"

Brian verzog skeptisch die Augenbraue, dann aber kam er wieder zurück und setzte sich auf einen der Hocker nieder. Harry tat es ihm gleich, den Blick jedoch stets auf den Freund geheftet.

„Gesehen nicht," gab der junge Zauberer zu. „Kennen ja. Zumindest das, was Dumbledore erzählt hat. Wieso fragst du?"

Er zeigte ihm die Phiole mit der Erinnerung in seiner Hand.

„Anna hat sie mir gegeben. Meinte, dass dies zeigen würde, wovor Jilli sich so fürchtet. Konnte mich nur noch nicht dazu bringen das anzusehen."

Brian lächelte mild.

„Verständlich. Es zu sehen macht es noch mal um ein großes Stück realer als es nur zu hören. Wenn du die Erinnerung siehst, könntest du dich ebenfalls davor fürchten und weil du das nicht willst, zögerst du."

Harry sah den Freund betrübt an.

„Wir könnten es zusammen ansehen?" schlug Brian schließlich vor und Harry sah ihn überrascht an. „Vielleicht werden wir daraus schlauer. Außerdem bin ich neugierig auf die dunkle, fiese Seite deiner Schwester. Mal ehrlich, kannst du sie dir allen ernstes als ein sadistisches, verrücktgewordenes, kaltherziges Biest vorstellen?"

Harry musste zugeben, dass dies auch für ihn nur sehr schwer vorstellbar war. Die Jilli, die er in den letzten Monaten kennengelernt hatte, diese konnte keiner Fliege etwas zu Leide tun und schon gar nicht war sie dazu im Stande ernsthaft und absichtlich jemand anderem Schaden zuzufügen.

„Das Denkarium ist noch in deiner Wohnung?"

„Ja?"

„Schon was vor heute Abend oder Lust auf schlechtes Popcorn Kino?"

Obgleich er damit als letztes gerechnet hatte, musste er gleichzeitig zugeben, dass es etwas war, was er tun wollte. Wenn es ihm half seine Schwester besser zu verstehen, mit der Situation endlich klar zu kommen, dann gut, würde er es tun.

Er schnappte sich Ginny als sie aus dem Klassenzimmer herauskam und zog sie mit sich in den Seitengang. Da sie mehr als Ron und Hermine zum aufholen hatte, rannte sie auch entsprechend schneller aus ihren Klassen heraus, um in ihren Freistunden möglichst flott in die Bibliothek zu kommen. Harry nutzen diesen Umstand um sie rechtzeitig abzufangen und ihr zu erklären, dass er mit Brian zurück nach London reiste, um sich die Erinnerung von Jilli's dunkler Ponesterzeit anzusehen.

„Bist du sicher, dass dies eine gute Idee ist?" fragte sie besorgt und hatte ihm dabei tief in die Augen gesehen. Ihre Sorge um ihn fühlte sich gut an und Anna hatte recht als sie sagte, dass er offenbar vergaß, dass es Menschen gab, die ihm genauso wichtig wie seine Schwester waren. Ginny zum Beispiel. Augenblicklich fühlte er sich schlecht, weil er sie in den letzten Wochen so vernachlässigte.

„Ich bin mir sicher, dass ich das tun will," entgegnete er fest, doch ihr Gesicht hatte an Sorge nicht verloren. „Willst du mitkommen? Ich wollte auch noch Ron und Hermine fragen. Je mehr Augen desto besser, oder?"

„Es ist nur..." Sie zögerte ein wenig und schien unsicher zu sein, ob sie das überhaupt wirklich aussprechen sollte. „Weißt du, es ist eine Erinnerung aus einer anderen Zeit. Einer Zeit, in der vieles anders war und wir wissen nicht was. Es ist eine Erinnerung, die so nicht mehr eintreffen kann. Wenn wir sie uns ansehen, dann werden wir mit der Angst leben, obwohl wir es vielleicht gar nicht müssten. Ich denke einfach... Es ist Jilli's Privatsphäre.

Du bist ihr Bruder und Anna hat dir die Erinnerung gegeben. Das heißt, sie möchte, dass du sie dir ansiehst und vertraut darauf, dass du damit zurecht kommst. Ich glaub nur nicht, dass wir das tun würden. Wir stehen Jilli nicht so nah wie du... doch gerade weil ich sie wirklich sehr gern habe, möchte ich keine Angst vor ihr entwickeln."

Harry verstand ihre Bedenken und doch hatte er beschlossen, dass er es tun musste. Ginny lächelte sanft und gab ihm dann jedoch einen liebevollen Kuss auf die Wange.

„Ich muss los," sagte sie traurig. „McGonagall hat mich dazu ermahnt mehr zu tun oder ich werde ihre Prüfung nicht schaffen. Aber es ist schön, dass du mir Bescheid gegeben hast. Pass auf dich auf, ja?"

Er nickte und blickte ihr nach bis sie hinter der nächsten Ecke verschwand. Harry spielte durchaus mit dem Gedanken doch noch Ron und Hermine Bescheid zu geben, aber Ginny's Worte hatten ihn davon abgehalten. Sie hatte recht. Das letzte was er damit bezwecken wollte war, dass seine Freunde sich vor seiner Schwester fürchteten. Er traf Brian am vereinbarten Treffpunkt und reiste mit ihm nach London.

„Deine Freunde kommen nicht mit?" hatte der Freund ihn kurz vor der Abreise gefragt.

„Ne," war Harry's simple Antwort. „Ginny hat recht. Das ist Jilli's Privatsphäre. Reicht, wenn wir sie verletzten..."

Die beiden stellten sich um das Denkarium auf und Harry nahm die Phiole mit der Erinnerung heraus. Er hatte sie gerade erst entkorkt als ihm auffiel, dass dieser silbrige Faden sich von den anderen bisherigen beim näheren Hinsehen sehr wohl unterschied. Es schien fast ein wenig golden zu sein und bewegte sich als ob es tatsächlich ein Eigenleben entwickelte hätte. Stirnrunzelnd wandte er sich an den Freund und blickte diesen irritiert an.

„Irre ich mich oder stimmt was mit dem Faden nicht?"

Brian nahm die Phiole in die Hand und warf seinerseits ein musternden Blick darauf.

„Dieser Faden ist keine normale Erinnerung," bestätigte Brian. „Ich habe so einen Faden bisher nur einmal gesehen."

Er lächelte spitz und goss die Erinnerung in das Denkarium. „Als Dumbledore mir eine seiner Erinnerung gab. Normalerweise finden Erinnerungen stets an einem Platz statt. Wenn man genug Magie verwendet, kann man sie miteinander binden und man sieht das Geschehen wie in einem Film von Anfang bis zum Ende. Schätze, das mit Jilli passiert nicht nur in einem Augenblick und Anna will, dass du wirklich alles siehst."

Harry nickte, wenn auch etwas zögerlich und so beugte er sich wie Brian auch über das Denkarium und tauchte ein.


Sie kamen in einem Wohnzimmer auf und sahen sich einer jüngeren Anna White entgegen. Sie stand mitten im Raum, der Blick war tief in ein Buch gerichtet, in der rechten Hand jedoch hielt sie ein Stück Pizza. Sie war gerade dabei es an ihren Mund zu führen und abzubeißen, da klingelte es an der Tür. Kritisch blickte sie rüber, legte das Buch beiseite und ging auf die Tür zu. Mit einem spöttischen Blick öffnete sie ihr Zuhause den genauso jungen James und Lilli Potter. Alle drei sahen einander einen Moment lang schweigend an.

„Sirius ist nicht hier," sagte Anna schließlich überschwänglich heiter. Lilli und James tauschten einen kurzen verwirrten Blick aus und waren sichtlich überfordert mit der Situation.

„Wir sind auch nicht wegen Sirius hier," entgegnete Lilli zögerlich. Anna lächelte schief.

„Zu dumm. Hat mich meine Empathie also doch nicht getäuscht."

Mit amüsierter Miene machte sie ihnen den Weg frei ins Haus hinein und ging voran zurück ins Wohnzimmer. Sie wusste also durchaus, dass die beiden wegen ihr hergekommen waren.

„Wir brauchen deinen Ratschlag," sagte James noch bevor sie sich überhaupt hinsetzen konnten. Anna schmunzelte süffisant.

„Also langsam überlege ich es mir wirklich dir meine Dienste in Rechnung zu stellen. Vor allen Dingen, wenn du damit um 1 Uhr nachts kommst. Schon mal daran gedacht, dass ich auch hätte schlafen können?"

„Seitdem ich dich kenne bist du noch nie früher als 2 eingeschlafen. Zumindest nicht, wenn du gesund warst," entgegnete James dämlich. „Du wirkst gerade fit wie ein Turnschuh und die frische Pizza auf dem Tisch wäre ein sehr schlechter Zahnputzersatz."

„Schon gut, schon gut," beschwichtigte sie ihn sofort um weitere Argumentation zu verhindern von der sie sich sicher war diese ohnehin zu verlieren. Gegen James und Sirius' Logik zu dieser Zeit kam man normalerweise nie an. „Also worum geht's?"

Er warf Lilli einen kurzen, geheimnisvollen Blick zu, aber keiner von beiden hatte wirklich gesprochen. Anna runzelte die Stirn und musterte ihre Freunde skeptisch.

„Oh-kay," sagte sie vorsichtig. „Ihr seid nicht um 1 Uhr nachts hier aufgetaucht, um schweigend Spannung zu erzeugen. Also was ist los?"

„Das ist nicht ganz so einfach," begann Lilli mit banger Miene. Harry sah seiner Mutter die große Sorge im Gesicht an und da er wusste, dass dies mit mit seiner Schwester zusammenhing, verursachte es auch in ihm ein merkwürdiges Gefühl im inneren. Neugier war wirklich schlimm und im Moment größer denn je. Er hätte sich nicht stoppen können, egal wie groß das schlechte Gewissen im Bezug auf das Eindringen in die Privatsphäre seiner Schwester wurde.

„Nun, was immer es ist, ihr beide solltet es einfach machen und reden, denn mein Stundenlohn ist nicht gerade billig."

Auf James' dämlichen Blick hin verkniff sie sich notgedrungen das amüsierte Grinsen und zuckte kurz mit dem Mundwinkel.

„Spricht es doch einfach aus?" ermutigte sie vor allen Dingen schließlich Lilli. Für Harry war es ungewohnt wie die drei miteinander umgingen und doch mochte er das Bild. Es erinnerte ihn zu einem großen Teil an die enge Art zwischen ihm und Ron und Hermine. Er mochte es daran zu glauben, dass aus ihrer einstigen Freundschaft nicht nur der grausame Verrat von Pettigrew nachhallte sondern auch etwas stärkeres, gutes von ihrer Freundschaft in seiner Zeit standhielt.

„Es geht um Jilli," begann James schließlich und Anna wurde auf der Stelle ernst. Sie nickte als Zeichen, dass sie zuhörte und er weitersprechen soll. „Schon mal von einem dunklen Ponester gehört?"

Anna schwieg einen kurzen Moment, aber es war eindeutig ersichtlich, dass es ihr nicht fremd war.

„Ja," antwortete sie schließlich kurz und James runzelte misstrauisch die Stirn.

„Ja?" wiederholte er skeptisch. Anna hatte ihre verschlossene Miene gelöst und etwas niedergeschlagen zu beiden zurückgeblickt. „Seit wann?"

„Ich weiß davon seitdem ihr Jilli aufgenommen habt. Oder... ein wenig später. Traf zufällig beim lesen darauf als ich etwas anderes für sie nachlas. Wieso?"

„Und du hast uns nichts davon erzählt, weil?" hakte James verärgert nach, aber Anna fühlte sich nicht im geringsten im Unrecht.

„Warum hätte ich euch davon erzählen sollen?" fragte sie irritiert. „Das ist etwas, das eintreffen kann, nicht muss. Genauso wie es eintreffen kann, dass Jilli sich mit 15 in einen schwachsinnigen Idioten verknallt und euch damit in den Wahnsinn treibt. Oder dass Harry sich mit 17 auf ein Mädchen einlässt, dass ihn in Schwierigkeiten bringt und euch am Ende den letzten Rest an gesunden Menschenverstand kostet. Oder dass ihr ein drittes Kind bekommt, das vielleicht mit 10 Jahren wegläuft, weil es Angst vor der Magie hat statt es anzunehmen? Oder ein viertes Kind, dass ein Todesser wird!"

„Schon gut, schon gut," sagte James und ihr beschwichtigend gestikuliert nicht noch schlimmere Szenarien von sich zu geben.

„Das Jilli zu einem dunklen Ponester wird kann passieren," sagte Anna sanft. „Aber es muss nicht. Wieso eure Angst davor schüren?"

„Jilli hat Angst davor," sagte James. Sein Ärger war genauso schnell wieder verflogen wie es aufgetaucht war und es lag zu einem Großteil daran, dass die Freundin offenbar glücklicherweise über der ganzen Situation stand. „Sie hat mir etwas gezeigt. Eine Situation, in der Lilli mich – uhm -"

„Killt," beendete Anna den Satz und sowohl Lilli wie auch James sahen sie überrascht an. „Und zwar weil Jilli ihre Mutter vergiftet, weil sie dich, ihren Vater, nicht vergiften geschweige denn töten kann. Sie aber bereits ein dunkler Ponester ist."

„Hast du das jetzt geraten oder kennst du dieses Geschehen?" fragte sein Vater und wieder hatte er diesen misstrauischen Blick aufgesetzt von dem Harry sich sicher war ihn auch schon oft aufgesetzt zu haben, wenn es um Professor White ging. Sie hatte diese Art an sich das Misstrauen in einem zu wecken.

„Beides," antwortete sie simple. „Aber bevor ihr heute Abend hier aufgetaucht seid, hatte ich keine Ahnung, dass Jilli davon weiß. In dem Fall ist es natürlich, dass sie sich davor fürchtet, nur... wieso hat sie euch davon erzählt?"

„Hatte keine andere Wahl," sagte James. „Ich hatte etwas gesehen und forderte sie auf es mir zu erzählen."

„James..." flüsterte Anna traurig, was sowohl ihn wie auch Lilli verwirrte. Sie waren sich nicht bewusst gewesen etwas falsch gemacht zu haben, was ihre Reaktion rechtfertigte. „Wo ist die Kleine nun?"

„Schläft. Es ist 1 Uhr nachts," antwortete James mit einem schiefen Grinsen. „Wir haben ihr versichert, dass alles okay ist und sie sich keine Sorgen machen soll. Fakt ist jedoch - "

„Ihr macht euch Sorgen," sagte Anna verstehend. „Und ohne einen Nerv zu treffen, aber Jilli weiß das auch. Sie ist ein 4jähriges Kind, aber sie ist auch ein Ponester. Sie ist innerlich viel erwachsener als man ihr ansieht. Und ich glaube zur Zeit ist ihre Ponesterseite größer als ihre magische Hexenseite. Ich bin mir ziemlich sicher, sie liegt wach im Bett und fürchtet sich vor dem nächsten morgen. Vielleicht so sehr, dass sie durchaus in Erwägung zieht abzuhauen."

„Abzuhauen?" kam es entsetzt von James, aber auch Lilli's Ausdruck war schockiert.

„Sie ist verängstigt," erklärte die Freundin ruhig. „Und auch wenn sie erwachsener für ihr Alter ist, so ist dies nur darauf bezogen, was sie versteht, nicht aber ihrem Verhalten. Sie versteht, was hier vor sich geht und sie versteht die Gefahr, aber in ihrem Herzen ist sie ein Kind und sie braucht Liebe und Führung."

„Wir lieben Jilli," sagte Lilli entschieden.

„Das hat keiner in Frage gestellt," sagte Anna sanft. „Ich am wenigsten. Aber ein dunkler Ponester entsteht unter anderem, wenn der Ponester keine angemessene Führung erhält. Sie sind dann anfälliger für dunkle Magie. Es ist daher wichtig, dass ihr sie wirklich leitet.

Ihr macht euch Sorgen, weil ihr nicht wisst, was dies für Folgen für euch und Harry haben kann-"

„Und Jilli selbst!" sagte Lilli eindringlich und sah die Freundin besorgt an. „Wir sind uns sicher, dass unsere Tochter nie absichtlich etwas schlechtes tun könnte, aber unabsichtlich? Wenn wir etwas dagegen tun können oder etwas tun können, um das zu verhindern, dann wollen wir das wissen. Und falls wir nichts tun können, wollen wir wenigstens wissen, auf was wir uns einstellen müssen."

„Es geht hier nicht um die Gefahr die Jilli für mich oder Lilli oder Harry darstellen könnte," fuhr James entschlossen fort. „Es geht hier um Jilli und allein um sie. Ich weiß, du kannst sie sehr gut einschätzen, aber ich bin ihr Vater und ich kann das ebenfalls. Ich kenne meine Tochter sehr gut und ich weiß, dass Jilli ein sehr gutes Herz hat. Sie will nicht zu deinem dunklen Ponester werden und es ist mein Job als ihr Vater das zu verhindern. Um das zu tun, muss ich wissen, was passiert ist, dass sie zu diesem Wesen macht."

„Nun," sagte Anna und hatte wieder diese Art an sich, die Misstrauen erregte und mit der viele, einschließlich Harry, nicht wussten damit umzugehen. Was er herausfand war, dass sie stets ein übergeordnetes Motiv hatte und etwas damit bestimmtes bezweckte. Manchmal mochte man es, manchmal nicht. Er wusste nur nicht was es in diesem Moment sein sollte.

„Ich kann den Blick bei ihr auch nicht leiden," sagte Brian mit einem Seitenblick, da erneut tiefe Stille zwischen den dreien herrschte. „Dumbledore hat ihn auch drauf. Macht einen echt irre."

Harry verkniff es sich dem Freund zu sagen, dass dieser den Blick gleichfalls drauf hatte und es war beinahe komisch, dass es Brian gar nicht klar war. Womöglich war es nicht mal Anna klar, dass sie diese Art überhaupt hatte.

„Vorschlag," fuhr diese nach längerer Überlegung endlich fort. „Ich kann euch zeigen, worauf ihr euch einstellen könntet. Mit einem Zauber. Hier und jetzt."

James und Lilli tauschten einen kurzen nachdenklichen Blick aus, dann aber wandten sie sich der Freundin wieder zu und nickten als Zeichen, dass sie einverstanden waren. Die Betonung der Freundin auf könntet ging bei beiden offenbar ohne Hinterfragung einfach unter. Anna beschloss es so hinzunehmen, schritt zum Tisch rüber und nahm ihren Zauberstab in die Hand.

„Wollt ihr das wirklich sehen?" fragte sie noch mal nach, um auch sicherzugehen, dass ihre Freunde wussten, worauf sie sich einließen. „Wenn ihr das gesehen habt, gibt es kein zurück mehr. Ihr werdet ewig damit leben, zu was eure Tochter fähig sein könnte."

Lilli und James sahen sich noch mal an, dann aber nickten sie entschlossen.

„Sie sind beides unsere Kinder," sagte Lilli fest. „Wir müssen wissen, was sein kann, um entsprechende Maßnahmen treffen zu können."

Anna nickte daraufhin und Harry fand durchaus, dass ihr Blick ein wenig spöttisch war als ob genau wusste, dass sie dabei war seinen Eltern eine Lektion zu erteilen. Harry und Brian blickten alle drei gespannt und neugierig an. Das würde nun also eine längere Erinnerung werden. Eine, die ihnen das zeigte, wovor Jilli sich so sehr fürchtete und gleichzeitig ängstigte es Harry's Eltern offenbar nicht in demselben Ausmaß, denn Fakt war, dass sie Jilli behalten hatten trotz der potentiellen Gefahr.