Da bin ich mal wieder =) Wenn ihr wüsstet wie kaputt und müde ich bin. Aber ich bin aus der Probezeit heraus und hab nun den Job sicher. Hat viel Energie, Kraft und alles mögliche gekostet und leider ist noch nicht mal Ruhe momentan, aber hey, ich mag die Arbeit (bis jetzt). Komm am Montag an einen neuen Platz und wie es dann wird weiß ich noch nicht.

Irgendwie hab ich es mit dem Kapitel doch endlich noch hingekriegt, aber CofX blieb leider auf der Strecke. Ich weiß nun nicht, wie ich in der nächsten Zeit dazu komme, aber ich hab immer hin und wieder mal ein paar Tage frei. (Da ich in der Probezeit nie frei nahm hab ich für dieses Jahr 8 Wochen Urlaub übrig, die ich verprasseln kann XD). Weiß nicht, ob ihr überhaupt noch dran geblieben seid oder alles vergessen habt und für diesen Fall wäre es vll. ganz gut gewesen, wenn ich eine kleine Zusammenfassung geschrieben hätte ^^ Aber das hätte das Kapitel locker noch mal 2 Wochen nach hinten verschoben. Vll. mach ich das mit dem nächsten Kapitel. Bei CofX werde ich es wohl dann auf jeden Fall tun, denn ich glaub, nachdem ich mehr als ein Jahr nicht mehr geschrieben habe, habt ihr garantiert genauso viel vergessen wie ich. Baba und hoffentlich bis ganz bald =)


Review:

Mannequin: Halli Hallo =)

Gut, das ist jetzt Ewigkeiten her. Hoffe, du hattest schöne Weihnachten und nen guten Start ins neue Jahr. Wie läuft es so bei dir? Alles gut und zu deiner Zufriedenheit? =) Hatte leider bis Ende Januar kein einzigen freien Tag bekommen. War im Winter zu viel los und irgendwie dachten sie wohl – Die neue muss auch zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn alle anderen Urlaub haben, da drin hocken... Jetzt bin ich aus der Probezeit draußen und nicht mehr die Neue XD Jemand anderes trägt nun das „Ich bin der Neue" Schild XD Hab jetzt hier und da ein paar freie Tage genehmigt bekommen. Hab ja nun schließlich 8 Wochen für das ganze Jahr (Und ein Haufen Überstunden, die ich schon noch abbauen will bevor sie verfallen... ). Dürfte hoffentlich nun mit dem Schreiben auch wieder besser laufen, wenn auch niemals so wie es die letzten Jahre lief. Wäre schon gewesen, wenn ich im Zug hätte schreiben können, aber das ist wirklich unmöglich. Der ist immer so voll, egal, um welche Zeit ich fahre und das Pendeln schlaucht schon sehr. Da wird es nichts mit schreiben =/

Oha Öö Eltern haben sich über dich im Rathaus beschwert? Was gabs da denn zu beschweren? Warst zu streng mit ihren Lieblingen? =.= Ich hab zum Glück noch nicht so den Kontakt mit Kunden, aber das wird sich wohl schon bald ändern. Die integrieren mich gerade stets in einigen Kunden und bei einem bin ich mir sicher, dass ich da die Ansprechperson für alle Fälle sein werde, während die anderen im Projekt hier und da einfach mal verschwinden. Finds gerade „witzig" wenn ich Emails bekomme mit: Kümmer dich mal darum – und unten steht alles mögliche vom Kunden, was ich erst noch durchackern muss, um überhaupt zu verstehen, was der da von einem will...

8,25? Dann hast du eine 41,25 Std. Woche? Oder verkürzt sich das entsprechend an nem Freitag? Ja, ich bin auch sehr zufrieden mit meinen Arbeitszeiten. Kann auch nach 4 Std gehen, wenn ich was wichtiges zu tun habe oder um 11 anfangen. Brauchte ich im Winter auch schon mal und keiner hat was gesagt, obwohl ich noch in der Probezeit war.

Hihi ^^ Ich fürchte, da kann keiner was dafür. Meine Arbeit besteht ja darin Gutachten für den Jahresabschluss zu erstellen und die hat größtenteils den 31.12. eines Jahres als Stichtag. Daher die ganze Arbeit gegen Ende des Jahres. Aber ich hab das nun ein mal mit gemacht und finds okay. Bin ich nächstes Jahr bzw. dieses Jahr vorbereitet.

Harmonisch ist gut =) Wie haben sich nun die neuen Kinder eingewöhnt? Bin neugierig ^^ spielen die Kinder schon alle zusammen mit den Neuen oder merkt man, dass die Neuen doch noch ausgegrenzt werden? Ich frag mich irgendwie schon, inwiefern Kinder da anders sind als Erwachsene, die schon Vorbehalte haben.

Wie geht's deinen Katzen? =) Beobachtest du deine Katzen eigentlich, wenn sie in der Umgebung herumlaufen? Ich frag mich nämlich gerade, wie Katzen mit Freilauf mit anderen Katzen reagieren. Ist es da mehr ein Raufen oder doch ein freundschaftliches Miteinander? Bei mir in der Gegend laufen verhältnismäßig wirklich viele Katzen herum und eigentlich fauchen sie einander eher an.

Okay... Monate später denke ich nun – du hast endlich die Gutschrift von Vodafone? ^^

Jiah ^^ Die Situation ist nicht leicht für keinen von ihnen. Jilli hätte sich Anna vor 15 Jahren bestimmt anvertraut. Nun ist zu viel vorgefallen und sie fühlt sich ihr auch etwas fremd. Obgleich sie sich aussprachen, so wie es einmal zwischen ihnen war, ist es nicht mehr. Jilli ist sehr emotional, Anna dagegen ist es nicht und das trägt eben auch zum andauernden Keil zwischen ihnen bei. Ich würde sagen, der Fehler liegt hier schon zu einem großen Teil bei Anna, was ihr auch nun bewusst wurde. Ihr war nicht bewusst, wie sehr Jilli sie tatsächlich gebraucht hat.

Ich weiß nicht, ob Jilli zurückkehren würde, wenn sie sich zu einsam fühlt. Es gäbe immer noch die Befürchtung sie könnte Harry's Leben in Gefahr bringen oder gar für seinen Tod verantwortlich sein. Sie würde die Einsamkeit vorziehen und damit leben. Ich sehe in Jilli schon eine sehr selbstlose Person, die das Wohl derer, die ihr am Herzen liegen, über ihrem eigenen stellt. (Höheres Wesen und so XD )

Vielleicht will Lyssa Harry auch nur aufbauen? ^^ Ich würde sagen, sie sieht durchaus positives darin von ihrem Standpunkt aus, aber das muss nicht der Standpunkt von Jilli oder Harry sein. Das ist der Hauptgrund, warum Elle und Shajillé sich nie in die Angelegenheiten anderer einmischen wollten. Jeder Standpunkt ist anders und was für den einen nach etwas Gutem aussieht, muss für jemand anderen oder gar der Person selber nicht etwas gutes sein. Genauso umgekehrt. Das haben beide schmerzlich am eigenen Leib erfahren als es um sie selber und ihrer Tochter ging.

Oihjoi, das Kapitel war ne schwere Geburt. Aber jetzt ist erst mal das geschafft.

Liebe Grüßle =)


Chapter 50 – About Jilli II

Der weiße Schnee rieselte sanft und leise auf den Boden hinab und bildete eine weiße Decke über das Pflaster. Mit harten Schritten trat eine junge Hexe auf den frisch herabgefallenen, knisternden Schnee. Es war eine sehr hübsche junge Frau mit sehr langen, lockigen, mehr dunkelroten Haaren. Ihr Gang hatte etwas außergewöhnlich elegantes in sich. Leichtigkeit, als ob sie aus sehr feinem und adeligem Haus stammte. Ihre Haltung war arrogant, ihr Blick gar herablassend. Ihre braunen Augen waren nicht warm, sie waren kalt und matt, eingesunken und voller Dunkelheit.

Sie blieb stehen und schmunzelte. So wie sie ihre Lippen kräuselte erkannte Harry nicht die Schwester, die er kannte und vertraute. Er sah eine völlig Fremde vor sich, von der er ohne überhaupt eine Handlung gesehen zu haben, bereits ahnte, dass sie nichts gutes im Schilde führte. Er konnte es sich nicht erklären, noch verhindern, aber er fühlte sich einfach nur unwohl bei ihr. Jedes Haar stand ihm zu Berge.

Sie wandte sich halb zur Seite und verengte finster die Augen. Harry wandte sich gleichfalls in diese Richtung und wieder fand er sich in einer unangenehmen Situation vor. Hier stand er – sein Vater, James Potter – und doch war ihm dieser Mann mehr als nur fremd. Er trug einen drei Tage Bart, wirkte streng und kein bisschen wie jemand, der ab und zu Witze riss. Es war mehr ein Abbild von Mad-Eye Moody, wie Harry gerade bemerkte – oder wie Sirius, nachdem er gerade aus Azkaban ausgebrochen war. Eine sehr starke, vor allen Dingen aber Furchteinflößende, Aura zierte sein Auftreten. Dieser Zauberer hier hatte kaum noch Ähnlichkeiten mit dem warmherzigen, gutaussehenden Mann, den Harry so oft auf dem Friedhof hatte sprechen dürfen. Die Aura von diesem James Potter hier, auch wenn er es ganz klar war, die jagte einem einfach nur tiefe Angst ein und spiegelte eher den Fünftklässler wider, der andere aus Spaß schikanierte.

„Dad," sagte Jilli herablassend und sah ihn hinterlistig an. Augenblicklich hatte sich der Ausdruck des Mannes verändert. James' Gesicht war nun von Sorge gezeichnet und doch war seine Haltung alles andere als unsicher. Er stand vor ihr wie ein unüberquerbares Hindernis und es war unverkennbar, dass sie nicht einfach so an ihm vorbei kommen würde. Sie stemmte ihre Hände zu Fäusten als ob sie sich zwanghaft zusammenreißen müsse, um nicht sofort nach ihrem Zauberstab zu greifen. Sie starrten einander an und es war schwer zu sagen, wem dieses Treffen unangenehmer war.

„Jilli," begann James, doch er kam gar nicht dazu mehr von sich zu geben, da hatte sie bereits ihre Hand ausgestreckt und ihm ihre Handfläche entgegen gestoßen. Ein gewaltigen Sturm zog binnen Sekunden auf und war dabei alles in sich zu verschlucken und zu zerdrücken. Alles – bis auf den Zauberer. James blieb an Ort und Stelle stehen als ob der Sturm ihn nicht das geringste anzuhaben schien. Es entwurzelte Pflanzen, Sträucher, selbst Autos rutschten zur Seite, sein Umhang flatterte wie wild nach hinten, aber James zuckte nicht mal auf.

Finite!" brüllte er ohne den eigenen Zauberstab gezogen zu haben und mit einem Mal löste sich der Sturm auf. Verging genauso schnell wie er aufgetaucht war. Nach wie vor sah er seine Tochter mit fester Miene an, doch ihr Ausdruck hatte sich verändert. Sie verlor die Kontrolle über sich, über ihre Gefühle und Wut zierte nun ihre Miene.

„Jilli -" setzte er erneut an und wieder streckte sie ihre Hand nach ihm aus. Der Sturm zog erneut auf und als sie ihre andere Hand gleichfalls nach ihrem Vater ausstreckte als ob sie ihn wegstoßen wollte baute sich der Sturm gar noch gewaltiger auf. Die Autos um die beiden herum wurden umgestoßen, der Schnee vermischte sich mit der Erde und hüllte die Gegend um den Zauberer ein.

Finite!" brüllte er erneut und wieder verschwand der Sturm nach einem einfachen Augenblinzeln.

Jilli keuchte, atmete ruckartig und es gab kein Zweifel, dass sie diese Zauber große Anstrengung kostete. Harry wusste nicht mal, dass sie dazu überhaupt fähig gewesen war. Sie hatte stets nur mit dem Zauberstab gekämpft, nie die Magie mit bloßen Händen erzeugt.

„Zwing mich nicht dazu, Jilli," sagte James und im Gegensatz zu ihr zeigte er nicht den Hauch von Erschöpfung. „Wenn du mir keine andere Wahl lässt, werde ich es tun."

Sie lachte dreckig – Es gab kein anderes Wort für Harry. In seiner Erinnerung war ihr Lachen stets liebevoll, herzlich, ansteckend. Dieses Lachen hier aber war finster, hatte nichts herzliches an sich, war einfach nur böse. Dreckig...

„Dich zwingen?" warf sie giftig zurück. „Als ob du dich je von irgendjemanden zu etwas hättest zwingen lassen. Alles was du tust, tust du aus deinen bescheuerten Prinzipien heraus, Dad. Tu nicht so als ob dir je mehr an mir gelegen hätte."

„Jilli -" sagte James erneut und diesmal war seine Stimme hörbar sanfter. Er klang mitfühlend, verständnisvoll, mehr wie der Mann, den Harry als seinen Vater ansah.

„Harry war der Einzige, der dir etwas bedeutet hat. Ich war dir absolut egal -"

„Deine Mum und Ich haben euch beide gleichermaßen geliebt," widersprach der Zauberer jedoch entschlossen.

„Du hasst mich gehasst, nachdem ich deinen geliebten Sohn ermordet habe!"

Harry zuckte entsetzt zusammen und auch Brian konnte es nicht verhindern, dass man ihn den Schock ansah.

„Jilli!" brüllte James laut, doch bevor er fortfahren konnte hatte sie überrannt von Zorn ihre Hand gegen ihn erhoben und ihm ihre Wut so intensiv entgegen geschrien, James stieß es von den Füßen und riss es zu Boden. Er stützte sich mit der Hand ab, bedachte seine Tochter mit einem festem, tiefem Blick und hob ihren Zauber wie zuvor auch mit einem einfachen Gegenzauber auf. Er stellte sich wieder auf und wirkte erneut als ob er kein einzigen Kratzer abbekommen hatte.

Jilli verschwand in einem dunklen Licht, man hörte ein schnelles Surren und James zuckte auf. Ein langer Schnitt zog sich quer über seinen Arm und Blut sickerte durch den Riss am Stoff hindurch. Erneut surrte es, genauso schnell, genauso stark. James wandte sich zur Seite, bereit zu handeln, doch stattdessen ächzte er und ein weiterer Schnitt zog sich diesmal an seinem anderen Arm.

„Zwing mich nicht dazu, Jilli!" brüllte James. Eine Warnung ohne jegliche Wirkung, denn das Surren ertönte ein drittes Mal. Sein Blick war kräftig als er den Zauberstab zog und mit ihn blitzschnell in die Richtung schwang aus der das Geräusch ertönte.

Impedimenta!"

Ein heftiger Knall war zu hören und auf dem Boden tauchte Jilli wieder auf, verletzt, erschöpft, aber nach wie vor mit tiefempfundenen, dunklen Hass in ihrem finsteren Blick. Obgleich James zwei Wunden hatte, war ihm nicht die leiseste Schwäche anzusehen. Jilli hingegen war am Ende ihrer Kräfte, konnte sich kaum noch kontrollieren, geschweige denn sich wieder erheben. Ihre Haselnussbraunen Augen waren matt, kalt, boshaft. Nie hatte er diesen Hass in diesem Gesicht gesehen. Nicht mal als sie Voldemort gegenüber stand.

Crucio!"

Es war der Bruchteil einer winzigen Sekunde, doch selbst wenn sie länger gebraucht hätte, der Ausgang wäre derselbe. James traf es unerwartet und es zwang ihn zum ersten Mal tatsächlich in die Knie. Harry hörte seinen Vater ächzen, sah Jilli, die nicht mal einmal dabei geblinkt hatte und kein Zweifel daran ließ wie sehr sie diesen Moment genoss, und er konnte nicht anders als zur Seite auf den Boden zu starren, um diese Situation irgendwie zu ertragen.

Harry erkannte absolut nichts von der Wärme oder dem Licht, das er sonst mit ihr verband. Nie im Leben hätte er gedacht, dass sie dazu fähig sein könnte. Nicht mal Ansatzweise hätte er sich das je ausmalen können. Das hier war nicht die Schwester, die er kennengelernt hatte und er wollte einfach in dem Moment nichts mehr als dass es endlich aufhörte.

James fixierte Jilli mit seinen Augen, sein Blick war fest als er seine Hand nach ihr ausstreckte.

Expelliarmus," krächzte er fast ein wenig schwach und doch reichte es, damit sie den Zauberstab verlor. Er richtete sich langsam wieder auf, Jilli hingegen schnappte unter Anstrengung nach Luft. Sie war entwaffnet und hatte auch keine Kraft mehr eine andere Form anzunehmen.

„Ich..." sagte sie dennoch fest und mit tief entschlossenem Blick. „Ich hasse dich. Ich werde einen Weg finden dich zu vernichten. Verlass dich drauf, Dad."

Mit diesen letzten Worten und den Augen weiterhin voll abgrundtiefer Abneigung und Verachtung verschwand sie in einem dunklen Licht und war im nächsten Moment verschwunden. Es war stockdunkel und still. Kein Surren, kein Windzug, kein Licht.

James schüttelte frustriert den Kopf, richtete seinen Zauberstab auf den Boden und schwang ihn nur einmal ganz kurz im Kreis. Die Autos fuhren zurück in ihre Ausgangsposition, die Beulen an der Karosserie beulte sich von selbst wieder aus, die zersplitterten Fenster fügten sich problemlos wieder zusammen zu dem unversehrten Glas, was es vor dem Duell war. Die Pflanzen bohrten sich wieder in die Wiese und wurden vom Gras bedeckt als wären sie nicht gerade von einem Sturm mit Gewalt ausgerissen worden. Alles fand sich wieder an seinem Platz und hinterließ kein Anzeichen einer Auseinandersetzung zurück. James steckte den Zauberstab ein und schritt davon – ebenfalls so als wäre nichts passiert und das von eben nichts als ganz normale alltägliche Arbeit.

Um sie herum wurde es schwarz, die Straße verschwand – die Gegend nahm die Umrisse einer Zelle an. Die Mauern waren modrig, der Boden gar nass – Blut zierte hier und dort eine Stelle. In der Mitte hing James, seine Arme waren an der Decke über seinen Kopf gefesselt und Blut sickerte annähernd an jeder Stelle seines Körpers durch seine Kleidung hindurch.

Jilli stand vor ihm, ihre matten, dunklen Augen voller Gier und Genugtuung. Sie lächelte – und es war einfach nur eisig kalt. Harry hatte das Gefühl hier einer jüngeren, viel schlimmeren Version von Bellatrix Lestrange gegenüberzustehen.

„Jilli," keuchte der verletzte James am Rande seiner Kräfte. Er konnte kaum noch seine Augen offen halten, geschweige denn sich selbst auf den Beinen.

„Erbärmlich," kommentierte die junge Hexe verabscheuend, legte ihren Zauberstab an die Brust des Zauberers und sagte genüsslich: „Crucio."

James schrie, seine Augen waren weit aufgerissen und fixierten die Decke. Harry, James und Lilli wandten sich entsetzt dem Geschehen ab, Anna hatte ihre beiden Freunde besorgt angesehen während Brian der Einzige war, dessen Aufmerksamkeit weiterhin auf der dunklen Jilli und ihrem Opfer lag. Harry konnte nicht sagen, ob es ihn faszinierte oder er einfach nur nicht das Entsetzen empfand, was bei ihm aufgetaucht war.

Als James Schreie stoppten und der Zauberer nach Luft ringend nur noch an seinen Fesseln hing, schmunzelte die Hexe zufrieden. Harry konnte seinen verletzten Vater nicht ansehen, er zwang sich jedoch vom Nichts zurück zu zumindest seiner Schwester zu sehen. So viel Schadenfreude und Zufriedenheit war in ihrem Gesicht zu erkennen. Wie konnte sie sich nur an den Schmerzen ihres eigenen Vaters erfreuen?

Jilli schwang den Zauberstab Richtung Fesseln, welche aufgingen und James zu Boden auf seine Knie gleiten ließen. Sie trat zur Seite, nahm etwas von einem Tisch und trat damit wieder zu ihm heran. Sie beugte sich leicht zu ihm hinab und hielt es James direkt vor die Augen. Es war der glitzernde, verzierte Dolch der Phowlyris. James Augen weiteten sich und sein fester Blick traf die finsteren Augen seiner Tochter.

„Ich werde dich nicht töten, Dad," sagte sie mit einem hinterlistigem Lächeln. Stattdessen wandte sie sich zur Seite und zum Vorschein kam Harry's Mutter, die er vorher in der Erinnerung gesehen hatte. Dieses Mal jedoch trug sie einen ihm bekannten, schwarzen Umhang. Den, den Todesser trugen. Ihre Augen waren leer, abwesend – Sie stand unter einem Fluch.

„Mum hat mir geholfen dich hier her zubringen, Mum hat mir geholfen dich zu foltern, Mum wird das dich auch für mich töten, nicht wahr?"

Lilli schritt zu ihnen heran und nahm den Dolch von Jilli's Hand.

„Es reicht," sagte James, der neben Harry stand, und wandte sich erneut ab. Anna schwang ihren Zauberstab, die Erinnerung kam zum stehen und verschwand wieder in der Dunkelheit. Langsam bildeten sich die Umrisse zurück zum Wohnzimmer, von dem sie am Anfang in die Erinnerungen gestartet waren.

Bedrückende Stille hatte den Raum eingenommen. Es dauerte etwas bis sich alle regen konnten. Harry und Brian wandten sich beide James zu, sah man ihm doch den tiefen Schock im Gesicht an. Lilli hatte sich mehr unter Kontrolle, auch wenn es sie viel Kraft kostete.

„Ist es wahr?" fragte sie die Freundin, welche beide verständnisvoll angesehen hatte. „Unsere Tochter ist dazu im Stande? Im Stande unseren Sohn umzubringen? Im Stande zu solchen Mitteln zu greifen?"

„Nun, es kommt darauf an...," antwortete Anna umsichtig.

„Es kommt drauf an?" wiederholte Harry's Mutter verständnislos. „Worauf? Anna, bitte, sprich es aus und halte nichts zurück. Nicht hier und jetzt."

„Wie alt ist sie hier?" fragte James mehr beiläufig als dass er ernsthaft an einer Antwort interessiert war. Er wirkte sichtlich mitgenommen, von dem, was er gerade mitangesehen hatte und weitaus weniger gefasst als seine Frau.

„Sie sieht sehr erwachsen aus, aber ich? Seh ich mit 40 tatsächlich noch aus wie jetzt?"

„Jilli ist nicht 20," erklärte die Professor White sanft. „Sie ist... vielleicht 5... möglicherweise jünger."

„5?!" platzte es aus Lilli und James zeitgleich heraus und selbst Brian und Harry kamen umhin von dieser Feststellung verblüfft zu sein.

So sieht sie mit 5 aus?!" setzte er mit verrückter Miene hinzu, die kein Zweifel daran ließ, dass er gleich aus der Haut fuhr, wenn von seinem Gegenüber nur ein Kopfnicken kam. „Was passiert bitte in einem Jahr? Wachstumsschub?! Streckbank? Kein Zauber kann eine 5 jährige auf einmal so altern lassen!"

„Keine 5jährige normale Hexe, aber Jilli ist keine normale Hexe," erinnerte White die beiden sanft. Sie hatte weder ihre Stimme erhoben, noch war sie aufgebracht. Ihre Art in diesem Moment erinnerte Harry mehr denn je an Dumbledore. Viel zu ruhig, um den Gegenüber zu beruhigen. Eher zu ruhig, so dass es den anderen gar mehr aufregte. „Sie ist eine Hexe und ein Ponester. Ihre Entwicklung hängt sehr stark von der Magie ab, die sie absorbiert."

„Und du willst uns sagen, im kommenden Jahr könnte sie so viel Magie absorbieren, um so zu werden?"

James hatte im Grunde genommen in die Luft gezeigt, denn außer der kleinen Gruppe befand sich sonst niemand weit und breit. Jilli jedenfalls befand sich nicht mehr in dieser Gegend.

„Wenn Voldemort in ihre Nähe kommt..." bestätigte Anna ruhig. „Vergessen, was wir in Hogwarts gelernt haben? Probieren Ponester von der dunklen Magie, ist es für sie wie eine Sucht."

„Jilli weiß, dass sie sich von niemand anderer Magie ernähren soll als von Lilli und mir."

„Sie ist ein Kind," wiederholte Anna, diesmal ein wenig ungeduldiger. Auch das erinnerte Harry an Dumbledore... Es war wirklich erstaunlich wie ähnlich die beiden sich waren. „Und Voldemort ist... Voldemort. Dumbledore sagte, das, wovor sich Voldemort am meisten fürchtet, ist zu sterben. Jilli ist sein Weg zur Unsterblichkeit."

„Also... müssen wir sie nur von ihm fern halten."

Das klang sicherer als sich James fühlte und wenn es jemand wusste, dann seine empathisch veranlagte beste Freundin und ihr Gesicht sprach Bände.

„Es ist nicht nur Voldemort," fuhr sie mit mitfühlender Stimme fort, gerade so als ob es ihr Leid tun würde nicht ruhig geblieben zu sein. Das, stellte Harry etwas überrascht fest, unterschied sie wiederum von ihrem Urgroßvater. „Er ist nur eins von vielen Faktoren, das dies aus der Kleinen machte."

„Es muss nicht eintreffen... ," sagte James leise, doch einen der beiden Frauen richtig angesehen hatte er nicht. Mehr war sein Blick überall hingerichtet, nur nicht in die Augen der beiden Personen, die ihm gleich zeigen könnten, dass er mit seiner Meinung alleine da stand. „Es wird nicht eintreffen. Wir sorgen schon dafür."

„Bevor du das sagst, solltest du alles sehen," sagte Anna entschieden.

„Sie killt mich. Es reicht doch das zu wissen? Wozu soll ich mir das noch ansehen?" entgegnete er jedoch harsch.

„Um dich darauf vorzubereiten. James, ihr kamt zu mir und wolltet wissen, worauf ihr euch einstellen müsst."

„Und jetzt wissen wir es und können friedlich wieder abziehen."

Das war sarkastischer ausgesprochen als es gemeint war und das wurde ihm auch schlagartig bewusst. Er schüttelte frustriert den Kopf und hatte die Hand erhoben als Zeichen, dass er einen Moment für sich brauchte. Anna wandte sich an Lilli, welche nicht minder mit den Nerven am Ende war.

„Ihr müsst euch das bis zum Ende ansehen," wiederholte sie eindringlich. „Nur dann wisst ihr tatsächlich, vor was sich Jilli so sehr fürchtet."

„Muss ich das auch?" fragte Harry kurz. Er wirkte stark, gefasst, aber Brian ahnte, dass es in dem Freund ganz anders aussah. Womöglich genauso wenn nicht komplett durcheinander, wie er sich selbst fühlte. Brian jedenfalls hatte das Gefühl sich in einem falschen Film zu befinden oder in einem Alptraum gefangen zu sein, in der alles verdreht war.

„Nein," antwortete er schließlich. „Wir können eine Pause einlegen."

Wohl wissend, dass Harry nicht wusste, wie dies ging, führte Brian den Zauber aus, um die Erinnerung anzuhalten und sie beide zurück aus dem Denkarium zu holen.


Da saßen die beiden Jungs im normal hell erleuchteten, warmen Wohnzimmer von Harry's Wohnung im Herzen von London. Mit dieser Wohnung verband er stets gute Erinnerungen. Die Hochzeit von Remus und Tonks, die Nächte mit seinen Freunden, der Morgen als er aufwachte und wusste, dass Jilli seine Schwester war...

Heute Abend jedoch war es stockdunkel und kalt. Es brannte kein Licht und das Feuer im Kamin war aus. Die weißen Sofas waren in der Dunkelheit versteckt und selbst die Jungs erschienen lediglich als Schatten im Raum.

„Willst du weitermachen mit der Erinnerung?" fragte Brian und durchbrach damit die sonst endlose Stille. Er lag relativ entspannt auf der Couch und starrte zur Decke hinauf.

„Nein," antwortete Harry. Seine Stimme klang immer noch frustriert und müde. Das war es auch, wie er sich fühlte. Müde. Müde vom Kampf gegen Voldemort, vom ständigen Verlust von Leuten, die er mochte. Müde davon nicht das zu bekommen, was er wollte...

„Nicht wirklich."

„Ich auch nicht," sagte Brian leise. Es war sehr offensichtlich, das keiner von beiden sonderlich Lust verspürte sich wieder in diese verkehrte Welt hineinzubegeben. So sehr wie Harry seine Schwester zurückhaben wollte vor der Erinnerung, jetzt war er fast erleichtert sie nicht in der Nähe zu haben. Er kam nicht umhin tatsächlich selber Angst vor dieser Person zu empfinden, dessen kalten Augen ihm nach wie vor eine eisige Gänsehaut bescherten. Seine Haltung war erschöpft, sein Kopf lag auf seiner Faust, die diesen gerade noch so vor dem freien Fall stützte.

Brian schien kein Problem damit zu haben wieder in diese Totenstille zu verfallen, aber Harry hätte es nicht ertragen können. Zu sehr wollte er diesen Gedanken entfliehen.

„Sag etwas... Irgendetwas," bat er den Freund. Es dauerte eine weitere Minute, dann sprang Brian auf die Beine.

„Gehen wir!"

„Wohin?" fragte Harry verwirrt.

„Dampf ablassen."

„Heh?"

Er hatte mit vielem gerechnet, hörte schließlich viele Geschichten über den jungen Zauberer, nachdem aufkam, dass dieser ebenfalls Schüler in Hogwarts gewesen war. Es war klar, dass Fred und George mit ihren Erzählungen übertrieben, dass Bill und Charlie untertrieben und Ron womöglich nur halbe Geschichten kannte – nun verstand Harry aber auch, warum dies der Fall war.

Da standen die beiden mitten im verbotenen Wald in Hogwarts, umringt vom Bäumen, Sträuchern, gefährlichen Tieren, die sich hin und wieder blicken ließen, aber nicht zu ihnen durchkamen. Brian hatte ein Schutzzauber um sie herum aufgebaut, dann zog er seinen Zauberstab und richtete ihn gegen Harry.

„Zaubererduell gefälligst?"

Seine Augen blitzten förmlich vor Freude und Harry verstand einfach nicht, was der Freund damit bezweckte, auch wenn es kein Zweifel daran gab, dass es ihm absolut ernst damit war.

„Jetzt?" fragte er ungläubig. „Hier?"

„Bist doch geheilt?" warf Brian zurück und die Frage war durchaus spöttisch gemeint. Die Wunde durch den Phowlyris Dolch war zwar mehr oder weniger abgeheilt, aber sollte er sich wirklich so schnell wieder duellieren? Auch noch mit Brian?

„Vertrau mir, Harry. Das ist perfekt, um Dampf abzulassen."

„Findest du?"

Brian lachte bellend, nachdem sein Gegenüber wirklich ein merkwürdiges Gesicht verzog.

„Willst du dich etwa lieber im Kreis sitzen, Händchen halten und mir dein Herz ausschütten?"

Dazu verzog Harry noch mehr die Miene und erneut lachte Brian bellend.

„Dacht ich mir. Also, bereit?"

„Die Zaubererduelle, die ich bisher hatte waren alles andere als gut zum Dampf ablassen."

„Dann hattest du noch nie ein Richtiges," sagte Brian und zuckte vielsagend mit der Augenbraue. „Ein letztes Mal, Harry. Ich werd nicht noch mal fragen. Fertig?"

Wieder hob er seinen Zauberstab. Harry schüttelte immer noch irritiert den Kopf, zog aber seinerseits den Zauberstab.

Impedimenta!" sprach er im selben Moment als Brian seinen Fluch los ließ.

Expulso!"

Beide riss es zur selben Zeit mit gewaltiger Wucht von den Füßen und mit einem heftigen Schlag auf den Boden hinab. Für einen Moment hatte Harry das Gefühl sich etwas gebrochen zu haben und für ein Moment kroch Panik in ihm hoch, dass vielleicht die Wunde durch den Phowlyris Dolch wieder aufgeplatzt sein könnte.

Das Gefühl hielt nur für einen winzigen Moment an, bevor es durch ein anderes verdrängt wurde. Ein Blick zu Brian, der sich Blut von der aufgeplatzten Lippe wischte, und er verstand, was dieser mit richtigem Duell meinte. Es ging hier nicht darum sich zu verteidigen oder zu lernen einen Fluch zu parieren, es ging tatsächlich nur darum Dampf abzulassen. Brian grinste breit als ihm klar wurde, dass Harry den Sinn hier nun auch verstand. Sie sprangen zurück auf die Beine und richteten erneut die Zauberstäbe gegeneinander.


Harry konnte kaum noch richtig atmen, geschweige denn aufstehen. Jeder einzelne Knochen schmerzte und es gab kein Wort, dass diesen Zustand beschreiben konnte. Es war merkwürdig und doch wollte er das um nichts auf der Welt missen. Er schluckte und selbst das war schwer ohne ein Ächzen zu ertragen. Brian lachte bellend. Er klang wirklich manchmal genau wie Sirius.

„Wie fühlst du dich, Harry?"

Er lachte ebenfalls und das konnte er genauso wenig zurückhalten.

„Genial," antwortete er ernstgemeint. Es war wirklich das einzige Wort, dass ihm gerade in den Sinn kam. Zum ersten Mal dachte er nicht über Horkruxe nach, oder darüber dass er die Zaubererwelt vor Voldemort's Herrschaft bewahren musste, oder dass all seine Freunde und jeder, der ihm etwas bedeutete, Ginny, seine Schwester, in Todesgefahr waren, wenn er es nicht schaffte den schlimmsten Zauberer aller Zeiten aufzuhalten, oder dass seine Schwester dazu fähig war ihn zu töten – Er dachte an das simpelste, das es gab. Sein schmerzenden, geprügelten Körper nach einem Zaubererduell.

„Bill und Ich taten das eine Weile lang," sagte Brian, vom Fleck bewegt hatte er sich nicht, was ganz eindeutig daran lag, dass auch er nicht weniger geprügelt aus dem Zaubererduell herauskam als es Harry tat. „Um Dampf abzulassen hauptsächlich. Weißt schon – wenn wieder was total beschissen lief. Dann kam er mit Fleur zusammen und sie hat uns diese Duelle verboten."

Harry grinste breit.

„Man hab ich das vermisst!" lachte Brian.

Aus einem ihm noch unbekannten Grund konnte er den Freund voll und ganz verstehen. Auch wenn ihm jeder Knochen weh tat und er gerade wirklich absolut keine Kraft hatte sich auch nur wieder aufzurichten – Ihm ging es gut. Er hatte nie mit Ron auf diese Weise duelliert und was sie in der zweiten Klasse im Duellierclub taten war alles andere als Dampf ablassen.

„Kannst aufstehen?" fragte Brian.

„Ne," war die simple Antwort. Er hätte sich absolut nicht vom Fleck rühren können, nicht mal wenn Voldemort hier in diesem Moment aufgetaucht wäre. „Du?"

„Nope," erwiderte der Freund, doch während er selbst ziemlich erledigt klang, schien sein Gegenüber förmlich darüber zu strahlen wie kaputt sie tatsächlich waren. Nur mit sehr viel Kraft konnte er ein Stöhnen unterdrücken.

„Deine Schwester ist übrigens ziemlich scheiße im schwarz-magisch sein," sagte Brian schmunzelnd und blitzte Harry auf einmal vielsagend an. Seine Miene hatte ihn diesem Moment sehr viel von Sirius, wenn dieser Harry zu etwas herausforderte. „Ihr steht es nicht schwarz-magisch zu sein."

„Ja... stimme ich dir zu Hundert Prozent zu," sagte er mit nachdenklicher Miene. „Sie ist es nicht... schwarz-magisch."

Wieder verweilten die beiden in der Stille. Das Duell war gut und es hatte ihn von all den anderen Gedanken abgelenkt, die ihn sonst die ganze Zeit über quälten. Mit dem simplen Erwähnen ihres Namens kehrte jedoch all die Sorge wieder zurück und hatte sich in ihn hinein gebohrt.

„Ist dir das hier endlich einsam genug?" fragte Sirius' Stimme auf einmal aus dem Nichts heraus. Er und Remus waren in ihrem Blickfeld aufgetaucht, doch da die beiden Jungs in den hohen Sträuchern lagen blieben sie sehr gut vor den Blicken der beiden Zauberer versteckt. Harry und Brian brauchten nur einen Blickaustausch, um sich einig zu sein, sich nicht bemerkbar zu machen.

„Es gibt nämlich weit und breit keinen noch abgelegeneren Ort als diesen verlassenen Fleck hier, Remus. Außer natürlich du schlägst einen Portschlüssel vor, der uns aus Großbritannien heraus und auf eine verlassene Insel in einer Einöde bringt?"

„Du weißt, wie die anderen sind," entgegnete Remus jedoch streng. „Besonders Harry, Brian und Jilli. Sie kommen immer an ein Wissen, das nicht für sie bestimmt ist."

„Nur dass keiner der drei hier ist," sagte Sirius und ließ kein Zweifel daran, wie sehr er sich über den Freund gerade lustig machte. „Jilli rannte vor uns weg und es wäre ziemlich idiotisch von ihr sich in dem Fall direkt vor unserer Nase zu verstecken. Und Brian und Harry sind weit weg in London! Wenn du also nicht gerade glaubst, dass sie an Superlangziehohren gekommen sind, um über Grenzen hinweg zu lauschen, sprich, was du zu sagen hast."

Remus seufzte hörbar auf. Harry hatte seinen Blickkontakt mit Brian nicht unterbrochen, sehr wohl jedoch den amüsierten Ausdruck auf dem Gesicht des Freundes bemerkt. Es war ihm nicht entgangen wie viel Ironie in der Situation hier lag. Er hätte sich bemerkbar machen können, aber die Neugier war einfach entschieden größer.

„Ich will das auch vor Anna geheim halten," setzte Remus leise hinzu und augenblicklich war der ernst in beider Gesichter zurückgekehrt.

„An?" fragte Sirius irritiert. „Wieso das?"

„Weil es das Letzte ist, womit sie sich jetzt beschäftigen sollte. Mit allem was sie sich sonst so herumschlagen muss, ist es das Beste, wenn sie sich darüber nicht auch noch Sorgen macht. Du weißt, dass sie niemand ist, der sich abwendet und andere für sich arbeiten lässt."

„Worum geht es, Remus?"

„Allan White," war die kurze und doch sehr prägnante Antwort. Sogar Brian hatte eine finstere Miene verzogen.

„Was ist mit dem widerlichen Kotzbrocken?" raunzte Sirius. Jeglicher Humor war aus seiner Stimme verschwunden.

„Kingsley glaubt zu wissen, was White's Horkrux ist."

„Also hat der tatsächlich so ein Ding von sich erschaffen?!"

„Hat er. Kingsley ist sich ziemlich sicher, was sein Horkrux ist. Er war ebenfalls der Meinung Anna da rauszuhalten und es alleine zu beseitigen. Sie nimmt das Ganze mit Jilli mehr mit als sie zugibt oder als man ihr ansieht."

„Was ist es?"

„Das Horkrux?"

„Nein, das was man ihr ansieht..."

Stille.

„Natürlich das Horkrux, Remus!"

„Nun, ich hatte mit mehr Widerstand von dir gerechnet," rechtfertigte der Zauberer seine Überraschung. Sirius aber schnaubte verächtlich.

„Ich werde nichts vor An verschweigen."

„Sirius -"

„Nein, Remus. Ich mein das ernst. Schön, wenn ihr An in Watte packen wollt, aber sie hat das nicht nötig. Hatte sie früher schon nicht und alles ist förmlich explodiert, weil wir ihr die Wahrheit über ihre Gefangenschaft bei Voldemort vorenthielten im Irrglauben sie damit zu schützen.

Ich bin nicht besser. Ich hab James und Lilli darum gebeten zu schweigen. Hätten wir ihr von Anfang an erzählt, was sie bei Voldemort wirklich durchmachen musste, die Dementoren hätten sie an jenem Abend nicht außer Gefecht setzen können.

Dumbledore wollte sie schützen. Das hab ich kapiert. Aber sie hätte schon viel früher die Wahrheit ertragen können. Was da passiert ist, war auch meine Schuld.

Ich bin dagegen sie auszuschließen, nur um sie jetzt in Watte einzupacken. Wenn sie mich darauf anspricht, werde ich ihr auch erzählen, was Sache ist. Fertig."

Remus blickte den Freund einen langen Moment an und Harry konnte einfach nicht sagen, was sein Ausdruck aussagen sollte. War er bestürzt? Oder doch mehr enttäuscht?

„Du, Lilli und James, ihr wusstet also die ganze Zeit über von Brian?"

„Nicht die ganze Geschichte," gestand Sirius mit schuldbewusster Miene. „Ich weiß nicht, wie viel Lilli und James wirklich wussten. Kann sie jetzt schlecht fragen, aber – Ich wusste, dass Voldemort sie dazu zwang ihr Baby in der Gefangenschaft zu bekommen. Dachte damals jedoch, er hätte unser Kind vor ihren Augen getötet. Fand es richtig, dass Dumbledore und die anderen ihre Erinnerung manipuliert hatten. Nur so konnte sie sich überhaupt erholen. Können wir jetzt über das verdammte Teil ihres Vaters reden und nicht vergangene Fehler aufwärmen?"

„Okay," sagte Remus sanft und nickte verstehend. Für einen kurzen Moment fühlte er fast so was wie Eifersucht, weil er davon nichts wusste. Doch dieser Anflug verflog sofort als ihm klar wurde, dass das Nichtwissen ein Segen gewesen war. Lilli, James und Sirius hatten es definitiv schwerer mit dem Wissen zu leben.

„Also? Was ist es?"

„Erinnerst du dich an die Halskette mit dem Blumenkristallanhänger, das Anna gehörte?"

„Ja, klar – Moment!"

Sirius' Miene hatte sich augenblicklich verändert. So verärgert oder aufgewühlt er bis eben auch noch war. Jetzt konnte Harry pure Fassungslosigkeit in dem ihm so vertrauten Gesicht durch die Lücken in den Grashalmen erkennen.

„Das ist ein schlechter Scherz, oder?"

Remus atmete schwer durch und schüttelte den Kopf.

„Verstehst du jetzt, warum wir sie lieber raushalten wollen?"

Sein Patenonkel schluckte hart und nickte leicht abwesend. Harry wusste nicht, was daran so schrecklich sein sollte, aber er kannte beide nun lang genug, um zu ahnen, dass er den Grund lieber nicht kennen wollen wird. Sirius schüttelte nach wie vor mit entgeisterter Miene den Kopf.

„Seid ihr euch sicher?"

Remus nickte.

„Wir sind es einige Male durchgegangen. Kingsley war sich nicht sicher und weihte mich daher ein. Ich komme jedoch zum selben Schluss wie er. Es ist der einzige Gegenstand stark genug dafür und der einzige Gegenstand, der zum besagten Zeitpunkt verfügbar war. Außerdem weiß Allan White von der Bedeutung der Kette für seine Tochter."

„Lass mich... Lass mich das erst mal verarbeiten..."

Sirius rang um Fassung, dann aber schluckte er hart. Er setzte sich auf einen Felsen nieder und blickte zurück zum Freund. „Das ist nicht gut, Remus."

„Ich weiß."

„Wir müssen einen anderen Weg finden," sagte er schließlich entschlossen und Remus nickte sanft.

„Ich weiß. Das sehe ich genauso."

„Weiß Kingsley davon?"

„Nein, noch nicht."

„Gut..."

„Aber er sollte."

„Nein."

„Sirius. Geheimnisse sind das, was uns alle überhaupt erst in die heutige Lage gebracht haben. Du hast es vorhin selber gesagt. Könntest du die Zeit zurückdrehen, du hättest die Wahrheit nicht verschwiegen. Wir können Kingsley vertrauen."

Sirius schüttelte nach wie vor betrübt den Kopf.

„Mag sein. Ich wünschte nur... Lilli und James wären hier..."

„Ja," sagte der Freund leise. „Ich auch..."

Remus ließ sich neben seinem Freund nieder und ohne weitere Worte zu wechseln hatten sie sich lange Zeit nicht gerührt. Harry und Brian starrten einander die ganze Zeit über an ohne sich bemerkbar zu machen.

„Alles in Ordnung?" hörten sie Remus auf einmal fragen und beide Jungs runzelten finster die Stirn. Sirius gab ein merkwürdiges Geräusch von sich.

„Ja, geht schon," antwortete er. „Ein wenig Kopfschmerzen."

„Sieht nicht nach ein wenig aus," gab Remus misstrauisch von sich. „Seit wann hast du das?"

„Keine Ahnung. Ne Weile."

„Weiß Anna davon?"

„Nö, sagst doch selbst, dass sie genug um die Ohren hat. Lass uns zurück gehen."

Nachdem Remus und Sirius aufgebrochen waren, rührten sich auch Harry und Brian endlich wieder. Als die anderen schließlich außer Hörweite waren, beugten sich die beiden Jungs von der Wiese auf. So erschöpft und bewegungsunfähig sie vorher auch waren, im Moment empfanden sie nichts mehr von dem lähmenden Gefühlen.

„Weißt du, von welcher Kette die sprachen?" fragte er den Freund. Brian schüttelte den Kopf.

„Ne, ich habe Anna aber auch noch nie mit einer Kette herumlaufen sehen."

„Hätten wir uns bemerkbar machen sollen?" fragte Harry nachdenklich. Brian zuckte mit den Schultern.

„Ist nun eh zu spät. Wir haben andere Probleme, um die wir uns kümmern müssen."

Er mochte recht haben und doch hatte Harry nicht im mindesten Lust dazu sich weiter anzusehen, wie seine Schwester sich als sein Feind verhielt.

„Ich werde die Erinnerung nicht weiter ansehen," beschloss er entschlossen und Brian wandte sich ihm überrascht zu. „Ich bleibe in Hogwarts. Muss nicht mehr sehen. Ich habs kapiert, was White damit sagen wollte... Ich meinte, was Professor W - Anna sagen wollte."

Brian musterte ihn einen langen Augenblick an, dann aber nickte er.

„In dem Fall... werde ich mich weiter auf die Suche nach dem Stein der Phowlyris machen," sagte er schließlich „Versuch herauszubekommen was ich kann. Hoffen wir, dass Jilli tatsächlich in Sicherheit ist, da wo sie sich nun befindet."

Er schritt an Harry vorbei und drückte ihm kurz Mutmachend die Schulter.

„Meld mich, sobald ich was hab."

Harry nickte, wenn auch noch immer ziemlich verwirrt.

„Danke."

Brian nickte zurück und mit diesen letzten Worten trennten sich die beiden Freunde auf Zeit. Harry verblieb einen Moment an Ort und Stelle und starrte in die Ferne. Es war nur auf Zeit – so wie es auch bei seiner Schwester kein Lebe Wohl war. Voldemort würde nicht siegen. Harry war entschlossener denn je die letzten Horkruxe zu finden und sie alle zu zerstören und... Voldemort am Ende zu töten, wenn es das war, was er tun musste.


So vergingen die Tage... Mit dem Wissen, dass Remus und Sirius sich um Allan White kümmerten und Brian nach dem Aufenthaltsort des letzten noch fehlenden Horkrux suchte, konnte Harry sich darauf konzentrieren sich auf die letzte Konfrontation mit Voldemort vorzubereiten. Neben den Abschlussprüfungen, die ebenfalls bald anstanden, hoffte er sich damit genug von den Gedanken abzulenken, die ihn sonst noch beschäftigten. Dummerweise fand er seine Gedanken stets genau dahin abschweifend, wenn ihm mal wieder im Unterricht langweilig wurde.

Draußen regnete es immer noch sehr stark, der Himmel war nicht minder bedeckt mit grauen Wolken als wie die letzten Wochen hindurch seit Jilli's Verschwinden. Immer wieder mal donnerte und blitzte es. So untypisch für diese Jahreszeit, in der eigentlich langsam der Frühling Einkehr finden sollte.

Für Hermine war es schwer auch nur eine Sekunde nichts zu tun und es war nicht einfach für Ron, weil sie ihn stets dazu drang mit ihr etwas zu tun. Er hatte lediglich Glück, dass Hermine's Eifer auch Neville und Lyssa noch mitabfingen, wobei Letztere das sogar sehr gerne tat. Sie mochte es über die Zaubererwelt zu lernen. Ginny hingegen nahm sich stets etwas Freizeit, auch wenn sie es sich noch weniger leisten konnte, was die Zeit, die Harry mit ihr verbrachte, noch mal um ein vielfaches wertvoller machte.

Um den Blicken der Mitschüler zu entgehen hatten sie sich ein ruhiges Fleckchen am See auf einem Baum gesucht, wo sie nebeneinander auf den dicken Ästen saßen und den friedlichen Blick auf dem Gelände genossen. Es regnete nach wie vor in Strömen, aber Ginny hatte den Baum mit einem Zauber versehen, so dass die Tropfen daran abprallten und die beiden trocken blieben.

„Das letzte Quidditchspiel findet bald statt," sagte Ginny nach einer Weile. Harry nickte kurz.

„Ja, ist jedoch nicht unbedingt weit oben auf meiner Liste von wichtigen Dingen."

Ginny lachte sanft.

„Wäre auch komisch, wenn doch. Harry Potter muss die Zaubererwelt retten – nach dem Quidditchspiel."

Harry lächelte als er den niedlichen amüsierten Ausdruck in ihrem hübschen Gesicht sah. Zeit mit Ginny zu verbringen war das einzig gute in diesen Tagen, auch wenn es die Sorgen nicht wegmachte, die er kontinuierlich empfand. Das Bild seiner Schwester, die ihren Vater folterte, fraß sich ständig in seine Gedanken hinein.

„Noch 8 Wochen," fügte sie mit sehnsüchtigem Blick hinzu. „Mir kommt das Jahr gar nicht so lang vor."

„Du hast 2 Jahre in eins gepackt," entgegnete er amüsiert. Ginny lächelte zart. „Bereust du's?"

Sie dachte einen Moment darüber nach, dann schüttelte sie entschlossen den Kopf.

„Nein. Egal, wie die Prüfungen ausgehen oder das Jahr endet. Ich bereue nichts."

Sie kuschelte sich an ihn heran und Harry legte seine Hand um ihre Schulter, um sie besser fassen zu können. Es war ein schöner Moment, alles hier stand für Frieden. Hogwarts stand für Frieden. Die Landschaft, das Schloss, Hagrid's Hütte... Nein, er bereute es selber auch nicht hier geblieben zu sein, entgegen dem, was er ursprünglich vorhatte.

Harry atmete tief ein.

„Ich werde gehen."

Ginny hatte sich vorsichtig von ihm weggedrückt und sah ihn verwirrt an.

„Nicht... für immer," fügte er sofort hinzu. „Aber zum Friedhof. Ich muss mit meinen Eltern reden."

Ginny nickte verstehend.

„Ich begleite dich, wenn du möchtest?"

„Nein," sagte er entschieden. „Du bist hier in Sicherheit. Ich mach das allein."

„Ist es für dich denn weniger gefährlich?"

Harry lächelte mild.

„Ich nehm Kaylar mit."

Er war nicht dumm. Er hatte dazu gelernt.


Gesagt, getan. Mit der Phowlyris ging die Reise erheblich schneller und Harry musste sich nicht ausmalen, wie seine Eltern auf die Neuigkeit reagieren würden, noch musste er sich sorgen, dass seiner Begleitung etwas passieren könnte, während er auf dem Friedhof war.

Seine Eltern blieben die ganze Erzählung über ruhig und bedachten ihn mit sehr liebevollen und verständnisvollen Blicken. Es machte alles leichter, wenn es auch den Stein auf seinem Herzen nicht ganz verschwinden ließ.

„Soll ich... Soll ich sie wirklich sich selbst überlassen und aufhören zu suchen?" fragte er nachdem er geendet hatte. James atmete frustriert aus und tauschte einen besorgten Blick mit seiner Frau. Lilli legte Harry ihre Hand auf die Schulter und drückte sie sanft. Harry sah sehnsüchtig zu seiner Mutter auf. Wenn das hier doch die Wirklichkeit wäre statt nur ein Zauber.

„Ich fürchte, mein Liebling, wenn deine Schwester nicht gefunden werden will, dann ist alles Suchen nach ihr nur verschwendete Zeit. Wir wissen das, weil sie schon mal weggelaufen war."

„Wann?" fragte Harry überrascht.

„An dem Abend, als deine Mum und Ich die Erinnerung von An sahen," antwortete James. „Wir kamen zurück und deine Schwester hat sofort gemerkt, dass sich etwas in uns verändert hatte, dass wir diese Möglichkeit ihrer schwarz-magischen Seite mit eigenen Augen gesehen hatten. Ihre Verbindung zu uns war schon immer sehr stark und sie fühlte diese Angst, die in uns aufgekeimt war. Was wir nicht ahnten war, dass sie es falsch verstand."

„Deine Schwester dachte, wir hätten Angst vor ihr."

„Was nicht der Fall war," korrigierte James sofort nach Lilli. „Wir hatten Angst, aber nicht vor ihr, sondern um sie."

„Ihr hattet keine Angst vor dem, zu was sie im Stande war?" fragte Harry irritiert. Ein Blick in das entschlossene Gesicht seiner Mutter reichte, um die Bestätigung ihrer Worte darin zu erkennen.

„Harry, jeder von uns wäre unter anderen Umständen zu Dingen fähig, die man nicht möchte," sagte Lilli sanft und ließ kein Zweifel an ihrer Überzeugung. „Aber die Umstände sind stets das ausschlaggebende. Die Erinnerung, die du sahst, die Umstände, diese waren eine vollkommen andere als die, wie wir sie mit Jilli hatten."

„Was für Umstände?"

„Zum Beispiel die Art und Weise, mit der Jilli erzogen wurde," erklärte James. „In der Erinnerung, die du sahst, war ich ein Auror."

Harry runzelte die Stirn. Stimmt, sein Vater kam ihm sehr kalt und streng rüber. So überhaupt nicht wie er ihn hier auf dem Friedhof kennengelernt hatte.

„Ich ging ein ganz anderen Weg, deine Mum ging ein ganz anderen Weg. Dein Urgroßvater war noch am Leben und -" James machte eine kurze Pause, um die richtigen Worte zu finden. „Er war ein guter Mann," fuhr sein Vater bedachter fort. „Wir haben dich nach ihm benannt, weil er ein guter Mann war. Aber die Zeiten waren damals anders und dein Urgroßvater wuchs unter ganz anderen Umständen mit ganz anderen Prinzipien auf. Er hätte sich sehr schwer damit getan ein Ponester als vollwertiges Familienmitglied anzuerkennen."

Unweigerlich stellte sich Harry diesen Mann wie Lucius Malfoy vor. Stolz auf seine Reinblütigkeit mit einer tiefen Abneigung gegen all diejenigen, die ihm, Harry, wichtig waren. Lilli merkte sofort, was in ihrem Sohn vor sich ging.

„Harold Potter war kein schlechter Mensch," verteidigte auch sie den längst verstorbenen Zauberer. Harry wusste gar nicht, dass er nach ihm benannt worden war. „Aber Umstände, Geschehnisse, andere Menschen, alles verändert einen, nimmt Einfluss auf die Person, zu der man wird."

„Was ist mit ihm geschehen?" fragte Harry. „Wie ist er gestorben?"

„Voldemort," antwortete seine Mutter behutsam. „Er stand mit allem, was er war, stets gegen die dunklen Künste und gegen den Schaden, den schwarze Magie verursachte. Vielleicht manchmal ein wenig zu hartnäckig und stur. Aber das ist nun etwas, das nicht mehr zählt.

Was zählt und zählen sollte, Harry, ist dass was jetzt ist. Wir hatte keine Angst vor deiner Schwester. Wir sorgten uns darum, wie dieses Wissen sie selbst beeinflussen könnte. Jilli ist ein sehr sanftmütig und liebevoll, auch sehr sensibel und gefühlvoll. Zu wissen, dass sie selbst zu so etwas fähig war, belastete sie selbst mehr als jeden anderen. Wir wollten, dass sie aufhörte sich davor zu fürchten, zu diesem Wesen zu werden."

„Ihr habt es nicht geschafft," stellte Harry leise fest. Lilli sah ihn sanft an, aber es war James, der das Gespräch fortführte.

„Nachdem sie weglief und wir sie nicht mehr finden konnten, blieb deiner Mutter und mir nichts anderes übrig als abzuwarten. An konnte ebenfalls nichts tun. Erklärte uns, dass Jilli als Ponester diese Fähigkeit besaß, dass wenn sie nicht gefunden werden will sich auch für immer verstecken konnte. Wir sollten abwarten und hofften, dass sie doch wieder zu uns zurückkehrte. Sie hätte ohne uns nicht lange überlebt. Ihre Magie hing noch von uns ab und ohne uns, wäre sie bald darauf gestorben. Das machte das Warten für deine Mum und mich nicht unbedingt leichter."

„Warum ist sie wieder zurückgekommen?" fragte Harry, denn das lag auf der Hand, dass Jilli irgendwie doch wieder zu ihren Eltern zurückgekehrt war.

„Zufall? Schicksal? Magie..." antwortete James mit dem Anflug einem zufriedenen väterlichen Lächelns. „Sie hatte nicht vor zurückzukommen, wollte uns nicht zur Last fallen, und wir hatten keine Möglichkeit sie zu finden. Wir taten es dennoch. Wir suchten nicht nach ihr, aber wir fanden sie kurze Zeit später in Iargrove. Sehr geschwächt – aber am Leben.

Wir brachten sie sofort zurück nach England, wo An sich um sie kümmern konnte und deine Schwester kam wieder zu Kräften."

„Jilli sagte, dass sie uns nicht weh tun will," erzählte Lilli weiter. „Und wir sagten ihr, dass sie uns nur weh tut, wenn sie noch mal wegläuft. Jilli ist ein Ponester, aber sie ist auch unsere Tochter, deine Schwester, Harry. Es gab nichts, was wir für dich getan hätten, was wir nicht auch für sie getan hätten. Dies mag unter anderen Umständen anders verlaufen sein, aber glücklicherweise ist es jetzt so, wie es ist."

„Also soll ich jetzt darauf hoffen, dass ich wieder irgendwo auf sie treffe, in der Hoffnung, dass es dieses Mal ebenfalls nicht zu spät ist?"

„Jilli ist erwachsen," sagte seine Mutter sanft. „Ihre Magie ist nicht mehr abhängig von unserer. Sie befindet sich in diesem Punkt nicht mehr in Lebensgefahr. Sie liebt dich, Harry. Nichts auf der Welt würde sie davon abhalten wieder zu dir zurückzukommen, wenn sie weiß, dass die Gefahr vorüber ist, die euch beide umgibt, solange sie bei dir ist, solange Voldemort noch nach dem letzten Black Heart giert."

„Und wer weiß," sagte James und blickte Harry entschlossen an. „Wenn es früher sein soll, dann wird auch das eintreffen. Sohn?"

Er hob seinen Kopf und diesmal traf er einen starken, festen Blick. Es war nicht hart oder streng, wie der des Aurors aus der Erinnerung. Es war einfach nur stark, Kraftgebend. Harry mochte seinen Vater so viel lieber, mochte das unterstützende, Hoffnunggebende Gefühl, das er ihm gab.

„Sieh dir die Erinnerung bis zum Ende an. Du fürchtest dich vor deiner Schwester und das solltest du nicht. An gab dir die Erinnerung bestimmt in dem Glauben, dass du das auch bis zuletzt ansiehst. Du bist der Letzte, der Grund dazu hat sich vor Jilli zu fürchten. Sie würde eher sterben als dir weh zu tun. In dieser Erinnerung war sie noch ein Kind, heute ist sie erwachsen. Willensstark, so wie du auch. Zweifel nicht an dir."

Harry sah seinen Vater einen langen Moment verwirrt an, dann aber nickte er langsam.


Er hatte Kaylar gebeten ihn zu seiner Wohnung in London zu bringen und auch das führte sie ohne nachzufragen aus. Stellte sich heraus, Brian hatte die Erinnerung ohne ihn zu Ende angesehen. Als Harry in sein Zimmer trat fand er ein Zettel am Denkarium vor.

Harry, hab es mir zu Ende angesehen. Du solltest das auch. Hab alles für dich eingestellt. Die Erinnerung ist für dich bereit. Brian.

Was hatte er schon zu verlieren? Und so trat er heran und beugte sich hinein. Er kam da auf, wo sie stehen geblieben waren. Lilli, James und Professor White standen mit ihm in der Zelle, die andere Version seines Vaters lag auf dem Boden und blutete. Die andere Version seiner Mutter hielt den Dolch in der Hand, an dessen Spitze das Blut seines Vaters klebte, ihr Blick war nicht mehr leer, nicht mehr abwesend, nicht mehr dunkel. Jilli stand daneben und musterte beide interessiert. Es war kein bisschen Reue oder Mitgefühl in den Haselnussbraunen Augen zu erkennen. Sie schien zu warten, worauf – das erkannte Harry nur einen Augenblick später. Die Reaktion ihrer Mutter.

„James?" Lilli sank zu ihm hinab und wollte ihm helfen, aber ihr fehlte die Kraft. Stattdessen brach sie direkt neben ihm zusammen, keuchend, schwach. „James..." flüsterte sie und versuchte immer noch mit ihrer Hand nach ihm zu greifen und sich zu ihm zu ziehen. Obwohl er selber verletzt und am Boden war, versuchte auch James noch seine Hand nach ihr auszustrecken. Jilli lachte amüsiert über das Bild, das sich ihr bot. Fand sie es wirklich lustig, was sie ihren Eltern da gerade antat?

„Was... Wieso?" fragte sein Vater neben ihm an Professor White gewandt und auch Lilli sah die Freundin verwirrt an.

„Jilli hat ihre Mutter vergiftet. Dunkle Ponester besitzen sehr viel dunkle Magie und schaffen es damit annähernd jeden zu beeinflussen. Die einen mehr, die anderen weniger. Und in Lilli's Fall hat Jilli es geschafft ihre Mutter hier soweit unter Kontrolle zu bekommen, dass sie James mit dem Phowlyris Dolch tötet. Diese Kontrolle jedoch geschieht durch die Vergiftung des Gegenübers von sehr viel und sehr dunkler Magie in sehr kurzer Zeit. Zu viel für den Körper einer normalen Hexe oder Zauberers. Die fatale Folge ist der Tod."

Sowohl James, wie auch Lilli und Harry blickten Professor White entsetzt an, welche finster und doch verschlossen zurückblickte. Sie hatte ihre beiden Freunde einen Moment lang gemustert. Harry hatte das Gefühl als ob in ihr sehr viel mehr vor sich ging als sie anderen zeigte.

„Mit diesem Wissen," sagte sie schließlich sehr umsichtig. „Könnt ihr jetzt sicherlich auch verstehen, wovor sich Jilli so fürchtet und warum sie nicht wollte, dass ihr davon wisst. Unter anderen Umständen wäre sie durchaus fähig euch zu beide zu töten."

Es verging ein Augenblick bedrückender Stille, dann aber wandte sich James der fremden Gestalt der erwachsenen Jilli zu.

„Sie mag aussehen wie unsere Tochter... Aber sie ist es nicht," sagte er entschlossen. „Das hier ist nicht unsere Jilli."

„James," sagte Anna ernst, aber er ließ sie nicht zu Wort kommen.

„Was immer hier auch passiert sein mag. Wir alle sind zu Dingen fähig unter dem Einfluss der dunklen Magie, die wir bei klarem Verstand nie tun würden. Ich weiß das besser als jeder andere. Und ihr habt mich auch nicht aufgegeben. Wenn es das ist, wovor sie solche Angst hat, so werden wir sie davor beschützen."

„James, das ist nicht so einfach, wie du es dir vorstellst -"

„Selbst wenn es noch so schwer ist," sagte Lilli und hatte damit das Wort für ihren Mann ergriffen, bevor er überhaupt etwas erwidern konnte. Anna drehte sich überrascht Harry's Mutter zu.

„Wir würden es tun. Egal, was dazu nötig ist, um unsere Kinder zu schützen. Wir würden es tun. Alles."

Der überraschte Blick verschwand und machte stattdessen einem beeindruckten Blitzen in den dunklen Augen platzt. James war im ersten Moment irritiert über diesen Wandel, dann verzog er eine Augenbraue.

„Du hast uns gerade getestet, nicht wahr?"

Auf Lilli's ebenfalls äußerst irritierten Blick hin, nickte die Hexe, obgleich man in ihrer Miene nicht das kleinste bisschen Reue erkannte. Mehr fand man ein Schamloses Grinsen im Gesicht der jungen Hexe.

„Jilli ist ein Ponester und eine Hexe. Sie wird es sehr sehr sehr schwer haben und noch schwerer, wenn ihre Eltern nicht voll und ganz hinter ihr stehen. In dem Fall wäre es das Beste, wenn sie von vornherein in ihrer Welt der magischen Wesen bleibt."

Anna wandte sich wieder der Erinnerung zu, so wie auch Lilli, James und Harry es nach ihr taten. Der verletzte James hatte es irgendwie unter Ächzen geschafft seine Frau zu sich in die Arme zu ziehen, aber Lilli war nicht mehr zu sich gekommen und es war nur eine Frage der Zeit, bis auch ihn die Kraft verließ. Es war dieser Moment, der alles veränderte. Man sah die Lippen des Zauberers, die sich bewegten, aber hörbare Worte waren ihnen nicht entfahren. Jilli's Blick veränderte sich nur einen winzigen Augenblick später. Er war nicht mehr kalt, listig, finster – sie war verwirrt. Haselnussbraune Augen erblickten die beiden Personen am Boden und auf einmal rang sie um Fassung. Ihre Hände begannen zu zittern...

„Dad? Mum?" Ihre Stimme war klar, warm, fassungslos – Jilli.

„Jilli," krächzte James erschöpft, auch er klang warm, väterlich. Er sah seine Tochter eindringlich an, nicht hart, nur fest. Er war schwach und womöglich auch bereits am Rande seiner Kräfte, aber die Kraft für diesen letzten Akt würde er noch aufbringen. „Das.. ist nicht... deine Schuld..."

„Dad?" hauchte sie ungläubig und sank auf die Knie zu ihm hinab. Ihre Augen füllten sich mit Tränen als sie versuchte ihn zu berühren. Doch James brach zusammen und sie zog entsetzt ihre Hand wieder zurück. Sie umklammerte sich selbst mit beiden Händen und wagte es nicht sich ihren Eltern zu nähern. „Dad... War.. war ich das?"

Harry fühlte sich einfach nur verloren... Ihre Stimme klang so gebrochen und verletzt, es zerrte an seinem Herzen.

„Lebe..." krächzte James und lächelte seine Tochter ein letztes Mal an.

„Dad..."

„Egal was nun passiert... Jilli... Sage dir immer wieder... Das war nicht... deine... Schuld..."

Er schloss seine Augen und damit war das Leben aus dem Auror entwichen. Jilli hatte erneut ihre Hand nach ihm ausgestreckt, blieb dann aber auf halbem Wege stehen. Sie traute sich nicht ihn oder ihre Mutter zu berühren. Stattdessen stützte sie sich mit beiden Händen am Boden vor dem freien Fall und ließ ihren Tränen freien Lauf. Ihre Eltern rührten sich nicht mehr und alles was man noch hörte war ihr bitteres weinen.

James, Lilli und Harry wandten sich an Professor White, welche natürlich nur James und Lilli adressierte.

„Gryffndor's Magie," erklärte sie sanft. „Der Auror James war stark genug, um Jilli's dunkle Magie auszulöschen. Er hatte nichts mehr zu verlieren – also tat er mit seiner letzten Kraft das, zu dem er noch fähig war. Er half seiner Tochter und gab ihr ihr Leben zurück."

„Jilli... geht es also gut?" fragte James hoffnungsvoll. Anna lächelte traurig.

„So wie es jemand eben geht, der seine Eltern unter dem Einfluss der dunklen Magie getötet hat. Das was hier passiert ist oder was danach passiert hat absolut nichts mit dem zu tun, wo wir gerade stehen."

James und Lilli nickten beide, Harry hingegen konnte seinen Blick nicht von der zermürbten Gestalt seiner Schwester nehmen. So sehr er ihre Gestalt zuvor noch verabscheute und sich vor dem fürchtete, zu was sie im Stande war – all das zählte in diesem Moment nicht mehr.

Er fühlte sich nur noch schlecht und wollte nichts mehr als ihr zu helfen, ihr sagen, das alles wieder gut wurde und er nicht wollte, dass sie traurig war. Der Gedanke, wie einsam und alleine sie sich gerade fühlte, wie verzweifelt sie war, das war für ihn unerträglich. Es brachte ihn innerlich fast um. Harry wollte nur noch, dass die Erinnerung endlich zu Ende ging. Das tat sie auch und er konnte sich wieder aus dem Denkarium beugen.


Harry saß auf der Fensterbank und blickte auf die halb beleuchtete Straße hinab. Gleich würde die Sonne aufgehen... Für ihn fühlte es sich wie ein Hohn an. Er war nicht bereit dazu und doch würde er es tun. Es gab keine andere Möglichkeit dem zu entfliehen. Verstecken war keine Option für ihn. Es war schließlich prophezeit worden.

„Du haderst mit dir."

Er wandte sich von der Straßen zurück zu einer Gestalt, die im Schatten verborgen in einer Ecke des Raumes stand. Es war Kalyar Steward.

„Ich habe auch mit mir gehadert vor wichtigen Entscheidungen, die am Ende mein Leben entscheidend verändert hatten."

„So?" fragte Harry kurz.

„Es ist normal, dass man zögert. Was immer du auch tust, wird Folgen nach sich ziehen, die nicht nur dich selbst betreffen. Es wird andere betreffen, sei es nun in gutem Ausmaße oder in schlechtem. Egal, was du tust. Es wird nicht nur Gewinner geben, sondern auch Verlierer."

„Wenn es Voldemort ist, kann es mir egal sein..."

Steward lachte ironisch.

„Wenn es doch nur so einfach wäre, nicht wahr? Ich dachte so früher. Was ich tat, tat ich in dem Glauben, dass es nur die bestrafte, die es verdient haben. Was aber ist, wenn es einen Teil derer trifft, die dir nahe stehen? Denen du kein Schmerz zufügen wolltest, weil sie dir stets zur Seite standen? Wenn es gar dich selbst trifft?"

Harry wandte sich wieder von ihr ab und zurück auf die Straße. Er wusste was sie meinte und doch erwiderte er nichts darauf. Der Gedanke machte alles nicht einfacher...

„Ich kann dir nur soweit helfen, wie es mir möglich ist, Harry. Was ich weiß ist, dass dir sehr viele Leute den Rücken frei halten und helfen den Weg freizukämpfen. Wenn es etwas gibt, was ich in den letzten Jahrhunderten gelernt habe, dann wie wichtig dies ist."

Harry hatte sie immer noch nicht angesehen. Stattdessen sah er die ersten Sonnenstrahlen, die hinter den Bäumkronen empor strahlten.

„Und was bringt es, wenn diejenigen nicht da sind, die man eigentlich bei sich haben will?"

Es klang bockig, kindisch und doch war es das, was in ihm vorging. Wen er an seiner Seite haben wollte, war seine Familie... Auch wenn er all seine Freunde, Professor White und so viele andere Verbündete hatte... Diejenigen, die er wirklich wollte und brauchte waren nicht da... Kaylar hatte darauf nichts mehr erwidert und so verweilte Harry in dieser Stille bis es Zeit war zurück nach Hogwarts zu kehren – und den Krieg gegen Voldemort weiter zu führen.