Kapitel 2:

„Setzen sie sich."

Die Medihexe wirkte keineswegs begeistert so früh Besuch im Krankenflügel zu bekommen. Hermione konnte ihre Gedanken förmlich lesen. Konnten sich Gryffindors und Slytherins denn nicht zusammenreißen?

Hermione wollte gar nicht darüber nachdenken, was sie von ihr halten würde. Bestimmt hatte sie mehr von ihr erwartet. Es hatte ihr aber auch noch niemand gesagt was genau vorgefallen war und das Malfoy und sie sich gar nicht gestritten hatten. Die Frage war jedoch, ob es überhaupt wichtig war. Hermione seufzte leise als sie sich auf eines der Krankenbetten niederließ.

Die Übelkeit und die Seitenstechen waren wiedergekommen, deswegen empfand sie es als Erleichterung endlich sitzen zu dürfen.

„Was genau ist denn passiert?"

„Ich hatte die Klasse angewiesen einen Schlaftrank zu brauen. Den Trank der lebenden Toten. Ich hatte nicht geahnt, dass es zu Animositäten kommen würde...", begann der neue Professor und sie bemerkte wie er langsam aber sicher nervös wurde. Sie konnte sogar einen Hauch von Röte um seine Nase erkennen. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ihm die ältesten Schüler so viele Probleme bereiten würden. Sie verübelte es ihm definitiv nicht, immerhin war er ein Neuling. Er hatte Hogwarts selbst nicht besucht und hatte auch mit dem Krieg nichts zu tun gehabt. Er konnte nicht ahnen, wie viel Feindseligkeit immer noch in der Luft zu liegen schien.

„Ich kann nicht sagen, was genau geschehen ist. Als Miss..."

„Bones.", half Hermione weiter und der Professor sah kurz zu ihr herüber und nickte dankbar.

„Als Miss Bones mich jedoch holte, da lag ein Kessel auf dem Kerkerboden und der Trank war verschüttet. Er war jedoch nicht so wie er hätte sein sollen. Er war beinahe fluoriezierend, grünlich und es stank."

„Finnigan und Thomas haben den Trank falsch gebraut, Zabini wolte sie nur darauf hinweisen.", gab Malfoy plötzlich von sich. Der Ton in seiner Stimme war kühl und Hermione spürte wie es sie fröstelte. Er hatte schon immer diesen kühlen Ton in der Stimme gehabt, doch noch nie hatte es ihr Schauer über den Rücken gejagt. Vielleicht lag es auch an dem was er sagte. Sie wusste das er die Wahrheit sagte. So viel hatte sie immerhin noch von dem Streit mitbekommen und es machte sie wütend genug zu wissen, dass ihre Hauskameraden nicht in der Lage waren sich zu benehmen.

„Ich habe gehört wie Zabini und Finnigan sich angegangen sind. Ich wollte den Streit schlichten, doch die Gemüter schaukelten sich noch weiter hoch. In dem Gerangel bin ich dann mit dem Kessel...kollidiert und er ist umgekippt.", fügte sie schließlich hinzu und sah ihren Professor und auch die Medihexe an.

Sie spürte wie Malfoy sie ansah. Sie ahnte, dass er sie korrigieren wollte. Natürlich wollte er den Lehrer und auch die Heilerin wissen lassen, dass Seamus den Streit begonnen hatte und damit auch Schuld daran war, dass sie nun hier waren. Doch er sagte nichts. Und das erstaunte sie definitiv. Er könnte ihren Mitschülern die ganze Schuld in die Schuhe schieben, wenn er gewollt hätte und sie würde es wahrscheinlich nicht einmal leugnen, denn egal wie wichtig sie ihr waren, sie würde nicht für sie lügen.

„Und sie wurden von dem Trank getroffen?", fragte die Medihexe schließlich.

„Malfoy und ich standen quasi in der Lache, Madame Pomfrey."

„Ich habe beobachtet, dass beide Schüler blasser wurden. Sie fassten sich außerdem Beide in die Seite.", schritt nun der Professor wieder ein und Hermione sah zu Malfoy herüber, der seine Lippen entnervt verzog.

„Haben sie Schmerzen Miss Granger?", fragte die Medihexe sie schließlich und kam zu ihr herüber und die Brünette verzog ihr Gesicht leicht.

„Schmerz würde ich es nicht nennen. Mir ist schwindelig und etwas übel. Manchmal tanzen sogar Sterne vor meinen Augen...aber dieses Stechen in der Seite ist verschwunden. Es war vor einigen Momenten noch da, doch jetzt ist es verschwunden.", erklärte sie.

„Und sie Mr Malfoy?"

Die Medihexe bewegte sich nun auf Malfoy zu, der nur wenige Schritte von Hermione entfernt stand. Er hatte sich gegen das Bettende gelehnt, weigerte sich offenkundig sich hinzusetzen.

„Ähnlich wie Granger.", gab er nur knapp von sich.

Es herrschte eine unangenehme Stille im Raum. Die Medihexe schien alle Optionen durchzugehen, doch sie schien sich noch nicht sicher zu sein, welche Option die Beste wäre.

„Sie holen mir Thomas, Finnigan und Zabini hierher. Ich muss wissen, was sie mit diesem Trank gemacht haben. Ich vermute nämlich, dass niemand von ihnen es weiß...", sagte die Hexe schließlich und blickte in die Gesichter der Anwesenden und wie sie es vermutet hatte, erhob keiner die Stimme, um ihr zu erklären was aus dem Trank geworden war.

„Ich bin sofort wieder da.", sagte Professor Montgomery schließlich und sah noch einmal zu seinen Schülern und verließ dann den Krankenflügel.

„Unglaublich.", murrte die Medihexe nur und bewegte sich zuügig zu einem der großen Holzschränke herüber.

„Ich werde ihnen Beiden etwas Blut abnehmen. Vielleicht verrät mir eine Blutprobe ja, was passiert ist. Rollen sie bitte ihre Ärmel hoch.", wies die ältere Hexe an und beide Schüler taten wie ihnen geheißen wurde.

Hermiones Blick fiel auf Malfoys Arm. Das verblasste Mal war noch immer deutlich auf seiner beinahe weißen Haut zu sehen. Sie fragte sich wirklich, warum er diesen Arm entblößte und nicht den Anderen, doch andererseits empfand sie einen gewissen Respekt für sein Tun. Sie hatte so viele Anhörungen beigewohnt und die meisten Angeklagten hatten sich als Opfer präsentiert. Malfoy hatte auch bei seiner Anhörung das Mal offenbart, wussten doch sowieso alle das er es auf seinem Arm verewigt hatte. Hermione schüttelte ihren Kopf leicht, als sie bemerkte, wie weit sie mit ihren Gedanken gewandert war.

Und da bemerkte sie, dass auch er auf ihren Arm starrte. Die Narbe auf ihrem Unterarm war noch immer deutlich zu sehen und sie hatte nicht weiter versucht es zu verbergen. Sie hatte noch immer schreckliche Albträume, die sie an die Entstehung der Narbe erinnerten, doch sie trug sie mittlerweile mit einem gewissen Stolz. Sie lebte. Sie hatte überlebt. Und diese Narbe erinnerte sie an die abscheulichen Dinge, die hätten geschehen können, wenn sie verloren hätten. Doch das hatten sie nicht.

„Sehr gut.", hörte sie Madame Pomfrey sagen, als sie nun herüber kam und den Moment unterbrach. Vielleicht war es albern zu denken, dass dieser Moment etwas bedeutet hatte, nichtsdestotrotz hoffte sie es. Sie hoffte, dass gegenseitiger Respekt vor dem Erlebtem einen Schritt nach vorne bedeuten würde.

Die verzauberte Spritze flog auf sie zu und die Brünette drehte ihren Kopf leicht zur Seite als sie das kurze Stechen verspürte. Sie konnte Blut einfach nicht gut sehen.

Kurz darauf sah sie wie Madame Pomfrey zwei gefüllte Spritzen in ihren Händen hielt. Hermione rollte ihren Ärmel wieder hinab und sah zu der Hexe herüber, die einige Zauber sprach um die Blutproben zu untersuchen.

„Seien sie ruhig.", hörte sie da plötzlich als die Flügeltüren wieder aufschwangen und der Professor gefolgt von Seamus, Dean und Zabini den Krankenflügel betrat.

„Aber Professor."

„Nein, ich will es nicht hören. Sie haben meinen Unterricht gestört und zwei ihrer Mitschüler in Gefahr gebracht. Einen Monat nachsitzen. Und ich ziehe ihren Häusern Punkte ab."

Alle drei schienen entsetzt zu sein. Es könnte sie nicht weniger interessieren.

„Wissen wir denn nun schon was passiert ist?", fragte Professor Montgomery schließlich an die Medihexe gerichtet, die ihre Augen zu Schlitzen verengt hatte.

„Mr Zabini...", sprach sie leise und der dunkelhäutige Slytherin machte einen Schritt auf sie zu.

„Ja?"

„Sie haben beobachtet, dass ihre Mitschüler den Trank falsch gebraut haben, ist das korrekt?"

„Ja Madame Promfrey. Wir hatten den Trank schon einmal bei Professor Slughorn gebraut, da sollte man meinen, dass es ihnen gelingen würde."

„Keine Unverschämtheiten Mr. Zabini. Einfach nur Informationen.", ermahnte die Hexe und der Slytherin rollte mit den Augen.

„Sie haben die Zutaten nicht in der richtigen Reihenfolge in den Trank gegeben und dann auch noch in die falsche Richtung gerührt. Der Trank sollte klar wie Wasser werden, wurde jedoch giftgrün."

Die Medihexe nickte und besah die zwei Blutproben noch einmal, bevor sie auf die Anwesenden zuging.

„Ich weiß nicht was sie Beide so abgelenkt hat, dass sie Anweisungen in einem Buch nicht folgen konnten...", rügte die Hexe die beiden Gryffindors und bemerkte natürlich wie beide vor Verlegenheit rot wurden. Ihre Ohren verfärbten sich schon beinahe dunkelrot.

„Professor, ich habe in dem Blut der beiden Schüler Rückstände vorgefunden. Ich weiß nicht, ob ihnen der magus adhaesiona etwas sagt..."

„Eine magische Bindung…?"

„WAS?!", sowohl Hermione als auch Malfoy waren nun aufgesprungen und sahen sich nun irritiert an, bevor ihr Blick zu ihren Mitschülern glitt.

„Die Rückstände sind nicht so stark konzentriert wie sie sein könnten, denn sie haben offensichtlich keinen direkten Körperkontakt mit dem Trank gehabt, dennoch befinden sie sich in ihrem Blut. Das erklärt das Schwindelgefühl, die Übelkeit und auch das Seitenstechen."

„Was bedeutet das jetzt genau?", fragte Seamus und wirkte dabei so als wäre er um mindestens zwanzig Zentimeter geschrumpft. Ihm schien bewusst zu werden, dass dieses Dilemma seine Schuld war.

„Das die Moleküle in Mr Malfoys und Miss Grangers Blut sich gegenseitig anziehen. Je weiter sie sich voneinander entfernen umso stärker versuchen sie sich anzuziehen, was zu Übelkeit, Schwindel, Schmerzen...eventuell auch Übellaunigkeit und Wut führt."

„Ich glaub ich muss mich übergeben.", hörte sie Dean sagen, seine Stimme zitterte verdächtig und er sah panisch zu ihr herüber, doch Hermione war zu kraftlos um wütend zu sein. Diese Information hatte sie all ihrer Kräfte beraubt.

„Sie drei dürfen gehen. Ich benötige ihre Hilfe nicht mehr.", sagte die ältere Hexe nun, ihre Stimme mahnend als sie weiter sprach. „Und sie reißen sich zusammen. Wir brauchen nicht noch mehr Verletzte. Sie haben einen Krieg überlebt, in diesem gekämpft und sie sollten dankbar sein. Verdammt dankbar. Und nun gehen sie mir aus den Augen."

Die drei verschwanden schneller als Hermione schauen konnte. Sie blinkte einige Male und da waren sie schon verschwunden und ein lauter Seufzer entwich ihren Lippen.

„Madame Pomfrey...", setzte Hermione schließlich an und die Medihexe drehte sich zu ihren beiden Patienten um, die immer noch auf ihren Beinen waren und schockiert zu ihr herüber sahen.

„Setzen sich noch einmal. Am besten nebeneinander.", wies die Hexe an, doch einige Momente lang geschah nichts. Erst als die Hexe sich räusperte und die Beiden ernst ansah, ging Hermione zu Malfoy herüber und Beide setzten sich auf das Krankenbett gegen welches Malfoy zuvor noch gelehnt hatte.

„Professor, sie müssen die Zutaten für den Gegentrank besorgen. Und dann müssen wir ihn brauen. Ich hab in meinem Leben nur ein einziges Mal einen solchen Fall erlebt, deswegen weiß ich, dass der Trank nur etwa zwei Stunden seine Wirkung behält. Deswegen müssen wir ihn hier brauen. Ich habe auch noch irgendwo die Aufzeichnungen..."

Hermione bemerkte wie alles langsam vor ihren Augen verschwamm und wie sie die Stimme der Medihexe ausblendete. Sie spürte wie ihre Hände in ihrem Schoß zu zittern begannen. Sie krallte diese in den Stoff ihres Rocks, um das Zittern zu stoppen, doch sie ballte ihre Hände so stark zu Fäusten, dass ihre Knöchel weiß hervortraten.

Sie waren Beide so leise, dass wurde ihr plötzlich bewusst. Sie sah langsam zu Malfoy herüber, der immer noch so blass aussah. Noch blasser als sonst. Sie hatte angenommen, dass er toben würde. Das er einen lauten Wutanfall bekommen würde. Doch stattdessen saß er ruhig neben ihr, seine Haut blasser denn je, seine Augen emotionslos und seine Lippen zu einem Strich zusammengezogen.

Ihr Magen rebellierte. Sie spürte wie ihr immer übler wurde – sie wusste, dass es nicht diese Moleküle waren, die sie und Malfoy aneinander zogen. Es war die Information, die ihr Bauchschmerzen bereitete.

Die Brünette konnte sich erst aus ihrer Trance befreien, als jemand auf sie zukam. Als sie aufsah und Professor McGonagall erkannte, umspielte ein beinahe erleichtertes Lächeln ihre Lippen. So sehr sie Madame Pomfrey vertraute, sie fühlte sich bei niemandem in diesem Schloss so sicher wie bei ihrer Hauslehrerin. Ehemaligen Hauslehrerin.

„Stehen sie Beide auf."

Hermione tat wie ihr geheißen wurde und kurz darauf erhob auch Malfoy sich. Er wirkte noch immer leicht erstarrt, doch sie konnte erkennen, dass sein Lebenswille und auch seine Energie langsam zurückkehrte. Sie konnte es an dem Blitzen in seinen Augen erkennen und an der Tatsache, dass er seine Hände zu Fäusten geballt hatte.

„Ich habe ihre Lehrer informiert. Sie sind bis zum Mittagessen von all ihren Unterrichtsstunden befreit. Ich habe bei Erhalt der Information zuerst einige Vorkehrungen getroffen.", begann sie und sah zu Madame Pomfrey herüber, die den beiden Schülern jeweils einen Ledereinband mit einigen Phiolen reichte.

„Das sind Mittel gegen Übelkeit und Schmerzen. Sie sollten sie nur bei wirklichem Bedarf nehmen. Und zögern sie niemals wieder hierher zu kommen und sich Nachschub zu holen.", erklärte die Heilerin und blickte dann wieder zu der Schulleiterin.

„Sie werden mich nun zu ihren Quartieren begleiten. Ich habe die Hauselfen aufgefordert ihre Schlafräume zusammen zu legen."

„Das kann nicht ihr ernst sein...", hörte Hermione Malfoy beinahe knurren. Er hatte wohl nun seine Energie wiedergefunden.

„Es ist mein vollkommener Ernst. Sie Beide werden bestimmt nicht in der Lage sein in getrennten Zimmern zu nächtigen Mr. Malfoy. Sie dürfen es gerne versuchen, es ist nicht meine Entscheidung, was sie aus ihrer Gesundheit machen, doch lassen sie es mich so formulieren – sie haben diesen Krieg bestimmt nicht überlebt um die nächsten Monate im Krankenflügel zu verbringen, da sie des öfteren das Bewusstsein verlieren. Und das werden sie, sollten sie Beide sich zu weit voneinander entfernen."

Die ernste Stimme ihrer Schulleiterin ließ Hermiones Blut zu Eis gefrieren. Sie war offensichtlich mehr als enttäuscht. Hermione war es auch. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass so etwas jemals geschehen würde. Geschweige denn, dass es die Schuld ihrer Hauskameraden sein würde.

Malfoy sah zu ihr herüber, seine Augen verzogen sich zu Schlitzen und Hermione ahnte, dass sie sich deswegen noch genügend in die Haare bekommen würden.

„Folgen sie mir.", sagte McGonagall schließlich und ohne weiter zu diskutieren gingen sie ihr nach.

„Da ihre Zimmer im selben Gang sind, müssen sich sich zumindest in diesem Sinn nicht umgewöhnen."

Hermione bemerkte wie das Schild geändert wurde. Auf ihm stand plötzlich Hermione Granger & Draco Malfoy. Ihr Körper begann vor Entsetzen zu zittern.

„Mr Malfoy, ihre Sachen wurden notdürftig von den Elfen gepackt und stehen dort."

Hemiones und auch Malfoys Augen bewegten sich zu den Koffern in der Ecke des Zimmers. Das Zimmer, das ihr gestern Abend noch alleine gehört hatte. Aber nicht nur das hatte sich geändert. Nein die Elfen hatten auch leicht umdekoriert. Die Samtvorhänge hatten nun silberne Kordeln anstelle von goldenen und auch der Überwurf über dem Doppelbett war nicht mehr rot und gold, sondern grün und gold. Die Vorhänge vor den Fenstern waren silber und gold und die zwei gemütlichen Ohrensessel vereinigten alle vier Farben. Sie spürte wie ihr Gesicht eine leichte Grimasse zog. Sie konnte es nicht ändern. Nichts davon.

„Ich werde sie zwei nun allein lassen, damit sie die Situation besprechen können. Ich erwarte sie zum Mittagessen in der großen Halle und danach beim Nachmittagsunterricht. Und Mr Malfoy, Miss Granger – es tut mir Leid. Glauben sie mir. Wir werden uns bemühen den Gegentrank so schnell wie möglich herzustellen. Professor Montgomery wird sie auf dem Laufenden halten."

Hermione fühlte die Hand der Hexe auf ihrer Schulter, sie fühlte sich tröstend und beschwichtigend an, doch sobald die Hexe den Raum verlassen hatte, fühlte Hermione sich wieder genauso verzweifelt wie zuvor.

„Ich bringe Finnigan mit meinen eigenen Händen um.", sagte Malfoy schließlich in den Raum hinein und Hermione spürte wie sich ihr Kopf automatisch in seine Richtung drehte.

„Ich glaube nicht, dass es uns weiter bringen würde."

„Es würde sich aber definitiv besser anfühlen."

„Ich bin genauso wütend wie du Malfoy, aber es wird nichts bringen unserem Mitschüler den Todesstoß zu verpassen."

Sie rollte ihre Augen, was dazu führte, dass er seine zu Schlitzen verzog.

Hermione ließ ihre Zunge über ihre Unterlippe gleiten. Sie fühlten sich trocken an. Genauso wie ihr gesamter Mundraum.

„Du solltest auspacken und dann sollten wir darüber hier sprechen.", sie machte eine Handbewegung, die andeuten sollte, dass sie von ihnen Beiden sprach.

„Ich weiß nicht was es da zu besprechen gibt."

Die Brünette seufzte und machte einige Schritte auf ihr Bett zu, doch kaum hatte sie die paar Schritte gemacht, schnellte ihre Hand zu ihrem Kopf hoch. Sie fühlte sich schwindelig und schwach. Als sie ihren Kopf herumdrehte um zu sehen wie weit sie sich voneinander distanziert hatten, stöhnte sie entnervt auf.

„Du solltest mich warnen wenn du dich von mir wegbewegen willst Granger...", knurrte Malfoy und ging zwei Schritte auf sie zu. Es half. Der Schwindel nahm sofort ab. Sie setzte sich auf die Bettkante und atmete tief durch.

„Das waren nicht einmal fünf Schritte.", sagte sie schließlich matt.

„Du kannst zählen, beeindruckend."

„Hör auf mit dem Quatsch Malfoy."

Sie verschränkte ihre Arme vor der Brust und schüttelte verzweifelt ihren Kopf.

„Madame Pomfrey hat gesagt, wir hatten Glück. Das es schlimmer hätte sein können. Wenn fünf Schritte...Glück sind, was wäre dann passiert wenn wir den Trank direkt abbekommen hätten?"

Sie sah zu ihm, doch der Slytherin zuckte nur mit seinen Schultern.

„Interessiert mich nicht. Sollte dich übrigens auch nicht interessieren denn – was wäre wenn Fragen haben noch nie jemanden weitergebracht Granger."

Die Gryffindor biss etwas fester als gewollt auf ihre Unterlippe. Sie konnte Blut auf ihrer Zunge schmecken, was sie leicht das Gesicht verziehen ließ.

„Und was machen wir nun?"

„Wir?"

„Ja Malfoy. WIR. Du und ich. Ich und du. Wir zwei, denn es gibt uns Beide wohl demnächst nur im Doppelpack.", sagte die Brünette sarkastisch und spürte wie ihre Hände in ihrem Schoß vor Wut zu zittern begannen.

„Ich werde dich mal an etwas erinnern Granger, du und ich können uns vielleicht nicht voneinander entfernen, doch das bedeutet keinesfalls das aus dir und mir ein wir wird."

Seine Stimme war kühler, härter und genervter denn je. Hermione konnte seine Gereiztheit beinahe fühlen. Sie war schon fast greifbar.

„Also was schlägst du vor? So zu tun als wäre nichts? Du hast ja gesehen wie gut das funktioniert, wenn nur einer von uns Beiden einige Schritte machen will.", gab sie zu Bedenken, versuchte dabei ihre Stimme ruhig zu halten. So als wolle sie mit ihm Verhandeln. Und das obwohl sie mindestens genauso gereizt war wie er.

„Ich will einfach nicht darüber reden."

Diese Worte hatten etwas verzweifeltes. Sie konnte es jedoch nicht ganz in Worte fassen. Es hinterließ einfach nur diese Gefühl von Verzweiflung. Von blinder Wut, aber auch Verlust. Sein Ton hatte ihr mehr über seine Gefühle verraten, als seine Mimik oder Gestik es jemals können würden.

Die Stille die nach diesem Geständnis herrschte war beinahe friedlich, wurde jedoch von einem zögerlichem Klopfen unterbrochen. Hermiones Kopf schoss hoch und auch Malfoy drehte sich herum als die Tür langsam aufging.

Nevilles Kopf lugte herein und während Malfoy genervt aufstöhnte, lächelte Hermione ihren Freund an und erhob sich vom Bett, jedoch blieb sie nahe genug bei Malfoy stehen. Sie wollte keine weitere Schwindelattacke riskieren.

„Ich wollte nur schauen ob ihr zum Mittagessen kommen wollt. Die Anderen trauen sich nicht so recht.", gestand der Gryffindor und sah dabei nur Hermione an.

„Ja, wir kommen sofort. Wartest du im Gemeinschaftsraum auf uns?", fragte sie höflich und Neville nickte ihr nur zu, bevor er die Tür wieder hinter sich schloss.

„Achja? Wir kommen?"

„Ja, wir sollten beim Mittagessen erscheinen. Du hast McGonagall gehört. Und nun reiß dich zusammen Malfoy. Für mich ist das auch nicht die Traumvorstellung, aber wir müssen da durch. Also komm mit, oder ertrag das Schwindelgefühl wenn du hier bleiben willst.", sagte sie nun beinahe trotzig.

„Warum tust du das?"

„Was meinst du?"

„Mich nicht so behandeln wie deine Mitschüler."

„Weil ich im Gegensatz zu den Anderen Verstand besitze und weiß, dass … wenn du in eine andere Familie geboren worden wärst, es anders für dich gelaufen wäre."

Hermione spürte wie sein Blick auf ihr lag. Düster und ernst.

„Aber es ist nun wirklich nicht der Richtige Zeitpunkt um darüber zu sprechen. Ich hab Hunger und Neville wartet.", sagte sie schließlich und ohne darüber nachzudenken, umschlangen ihre Finger sein kühles Handgelenk und zog ihn hinter sich her.