Kapitel 4:
Und auch im Unterricht fühlte Hermione ständige Blicke auf sich ruhen. Natürlich nicht so viele wie in der Großen Halle, aber dennoch genügend um ihre Laune weiter zu senken.
Noch vor einigen Stunden war sie optimistisch gewesen. Sie hatte sich auf dieses Jahr gefreut und nun hatte man es ihr vollkommen zerstört. Sie würde ihr letztes Jahr immer mit diesem Unfall verbinden. Sie würde ihr letztes Jahr für immer mit Malfoy verbinden. Mit Blicken die auf ihnen ruhten. Mit einem verunglücktem Zaubertrank. Mit den mitleidigen Blicken ihrer Mitschüler. Mit dem Farbmix aus grün, rot, silber und gold. Mit diesen kühlen Augen, dem kalten Ton und diesem allgegenwärtigem Zynismus.
Professor Vektor schien im Gegensatz zu ihren Schülern kein Interesse an dem Missgeschick in Zaubertränke zu haben. Sie bedachte weder Malfoy noch sie mit einem neugierigen Blick. Im Gegenteil, sie blickte sich einmal in der Klasse um und begann ohne Umschweife mit ihrem Unterricht. Genau das hatte Hermione schon immer an ihr zu schätzen gewusst.
Schnell blickten die meisten ihrer Mitschüler zu Professor Vektor und wendeten sich damit von ihnen ab. Zu Hermiones Erleichterung, denn um ehrlich zu sein wusste sie nicht, wie lange sie noch so unbeteiligt dasitzen konnte ohne doch noch wütend zu werden. Ihre Stimmung war zweifelsfrei im Keller. Sie war gereizt und jeder falsche Blick oder auch jedes falsche Wort konnte der bekannte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Hermione und auch Malfoy neben ihr genossen das strebsame Schweigen und das Geräusch der Federn auf Pergament sichtlich. Sie entspannten sich beide nach und nach immer mehr, bis sie sich beide vollkommen auf den Unterricht konzentrieren konnten. Zumindest deutete Hermione es so, denn Malfoys Hand, welche er zu einer Faust geballt hatte, öffnete sich schon bald und ließ locker und sein angestrengter Blick wich einem interessiertem, neugierigem. Offenbar hatte der Unterricht wirklich etwas gutes an sich. Sie konnten sich für einige Augenblicke von all dem Ablenken, was ihnen schwer auf den Schultern lastete.
„Bis Freitag. Vergessen sie nicht die Aufgaben fortzuführen und mir ihre Pergamentrollen mitzugeben."
Professor Vektor schloss ihren Unterricht und für eine Sekunde länger als sonst, bedauerte Hermione es, dass die Unterrichtsstunden so kurz waren. In ihren Augen zumindest. Sie hatte die Stille so sehr genossen.
Kaum hatte Professor Vektor die letzten Worte an ihre Schüler gesprochen, begann schon das eilige Treiben und sofort wurde Hermione wieder bewusst in was für einer Situation sie sich befand.
Sie verstaute ihre Sachen langsamer als normalerweise in ihrer Tasche. Normalerweise wäre sie schon auf halbem Wege zu ihrem nächsten Unterricht, doch da sie jetzt Rücksicht auf jemand Anderen nehmen musste, ließ sie sich bedeutend mehr Zeit.
„Bist du fertig?", fragte sie dann nach dem sie ihre Ledertasche in ihren Schoß gezogen hatte. Sie legte den Kopf zur Seite und blickte zu dem Slytherin herüber, der sie nun ebenfalls ansah. Sie spürte wie ihr ein Schauer über den Rücken jagte. Diese Augen waren so kalt, das es sie frösteln ließ.
„Das fragst du mich? Wer hat denn Ewigkeiten gebraucht seine drei Sachen in seine Tasche zu stopfen?"
Die Brünette verdrehte ihre Augen. Sie erhob sich von ihrem Sitz und ging um diesen herum während sie ihre Tasche dabei geschickt schulterte.
„Das nächste Mal nehme ich eben keine Rücksicht mehr auf dich. Ich hatte nur versucht mich deinem Schneckentempo anzupassen. Wer kommt denn sonst immer so spät zu jedem Unterricht? Ich bestimmt nicht."
„Nur weil ich zu spät bin, heißt es nicht, dass ich in den Klassenzimmern Zeit vergeude."
„Ach? Und wo treibst du dich dann herum?"
Hermione bedauerte die Frage genauso schnell wie sie ausgesprochen war.
„Oh Granger, du bist wirklich naiv."
Hermione biss sich auf ihre Unterlippe als sie ihrem Mitschüler letztendlich aus dem Klassenzimmer folgte. Sie hatte es beinahe geahnt, dass sie eine solche Antwort erhalten würde. Doch es ahnen und sie dann auch zu erhalten waren weltweite Unterschiede. Sie fühlte sich schlagartig krank. Außerdem wurde ihr übel. Doch sie sagte nichts, stattdessen fokussierte sie sich auf den Weg und auf den Abstand zwischen ihnen.
Sie stellte fest das 3 ½ Schritte der absolut perfekte Abstand war. Es war nicht zu weit entfernt, sie fühlten also keinerlei Übelkeit, und es war nicht so unerträglich nahe, dass sie ihn sogar riechen konnte.
„Das ich es noch erlebe, dass man dir so einfach die Sprache verschlagen kann."
Das Grinsen ließ sie böse funkeln, doch noch immer blieb sie stumm. Ignorierte ihn beinahe. Was sollte sie auch sagen? Sie würde seine Freizeitaktivitäten bestimmt nicht kommentieren.
Letztlich wurde sie von Daphne und Zabini gerettet, die sie vor dem Raum zu Alte Runen trafen. Beide waren in ein Gespräch vertieft, welches jedoch abrupt verstummte als sie neben ihnen zum Stehen kamen.
„Jetzt bringe ich also nicht nur Granger zum Schweigen wie ich sehe...", kommentierte Malfoy das ungewöhnliche Verhalten seiner Hauskameraden. Diese sahen sich leicht irritiert an, bevor sie Hermione einen fragenden Blick zuwarfen. Diese schüttelte jedoch nur entnervt den Kopf und trat an ihnen vorbei, wohl wissend das Malfoy ihr nachgehen würde.
Daphne saß neben ihr und Malfoy hatte hinter ihr Platz genommen. Es war eine Wohltat nicht neben ihm sitzen zu müssen. Die Entfernung war gerade noch akzeptabel und selbst wenn sie es nicht wäre, sie würde es für eine Stunde aushalten nur um ihre Gedanken ordnen zu können.
Im Gegensatz zu Professor Vektor, besah Professor Babbling sie mit einem neugierigen Blick. Manchmal wirkte dieser beinahe besorgt, doch Hermione ignorierte diesen Gedanken. Es war nett, dass man sich um sie und auch um Malfoy sorgte, doch sie würden es schon hinbekommen. Außerdem würden sie die Grenzen dieses Zaubers bis aufs kleinste Detail austesten, nur um festzustellen, welche Möglichkeiten sie hatten. Wie flexibel sie trotz der Bindung sein konnten. Wie selbständig sie sein durften ohne dem Anderen zu schaden.
Professor Babbling wartete noch einige Augenblicke, bis auch die letzten Schüler eingetroffen waren und dann begann sie ihren Unterricht ohne noch einmal zu Malfoy oder ihr zu blicken. Genau wie Professor Vektor war auch Professor Babbling kein Freund von großen Reden, sie verschwendete keine Zeit mit zahllosen Worten, die letztlich keine Bedeutung hatten. Natürlich sprach sie über die UTZ und wie schwierig es seine konnte diese in Alte Runen zu erhalten. Sie sagte aber auch, dass sie ihre Schüler gut kannte und das sie ihnen alle gute Leistungen zutraute. Nichts worauf Hermione sich verlassen würde. Sie wusste, dass man sich nur auf das Verlassen konnte, was man auch sicher wusste. Sie würde also wochenlang vor den Prüfungen lernen, nur um sicher zu gehen. Man konnte nie früh genug mit dem Wiederholen beginnen. Besonders nicht in solchen Fächern wie Alte Runen oder Arithmantik.
„Sag mal, was hast du da?", fragte Daphne nach einiger Zeit. Es war ganz still im Raum geworden, denn Professor Babbling hatte ihnen eine relativ komplexe Einstiegsaufgabe erteilt und Hermione hatte sich, genauso wie viele Andere, komplett in ihr verloren.
„Wo genau?"
Daphne blickte zu Hermiones Buch herüber und deutete auf die Stelle, bevor sie hinab auf Hermiones Pergament blickte.
„Die Stelle war wirklich nicht ganz einfach.", gab Hermione dann zu und blätterte kurz durch ihr Buch, nur um eine andere Stelle zu finden, an die sie sich erinnert gefühlt hatte.
Daphne schien nett zu sein und Hermione machte es nichts aus ihr etwas zu erklären, denn im Gegensatz zu Harry oder Ron schien sie ihre Arbeit auch gerne alleine zu erledigen. Sie fragte lediglich wenn sie sich unsicher fühlte und Lösungen vergleichen wollte. Um ehrlich zu sein empfand Hermione es sogar als erfrischend sich mit jemandem austauschen zu können. Mit jemandem der ähnliche Fächer belegte und diese auch zu verstehen schien.
„Shhh Daph...", zischte Zabini dann und sofort drehten sich beide Mädchen herum und blickten den Dunkelhäutigen Slytherin mit neugierigem Blick an.
„Wow...ihr seht mich sogar mit gleichem Blick an. Das ist gruselig.", grinste er und schüttelte dabei amüsiert den Kopf.
„Wollte nur fragen ob du fertig bist."
„Fast. Wieso?"
„Na dann könnten wir vergleichen, die anderen brauchen eh noch zig Jahre bis sie soweit sind."
Die Tatsache das sowohl Daphne als auch Zabini so zügig voran kamen und tatsächlich ihre Ergebnisse vergleichen wollten, machte Hermione zuerst stutzig und dann konnte sie nicht anders als lächeln. Sie hatte natürlich schon immer gewusste das Slytherins nicht dumm waren. Eigentlich bewiesen die guten Notendurchschnitte genau das Gegenteil. Sie hatte nur nie damit gerechnet, dass sie sich tatsächlich so über Aufgaben austauschen würden. Etwas was sie in ihrem Haus noch nie erlebt hatte. Zumindest nicht in ihrem Jahrgang. Man hatte viele Gesprächsthemen – ob im Unterricht oder in der Freizeit – aber bestimmt nicht die Aufgaben, die einem gestellt wurden.
„Vergleich lieber mit Granger, die hat doch jede Musterlösung parat."
Der triezende Ton blieb Hermione nicht verborgen, doch sie hob nur eine Augenbraue und ließ ihre Augen zu Malfoy schweifen, der sie nur kühl anblickte.
„Sind sie alle soweit? Ich sehe, das die Privatgespräche zunehmen...", unterbrach Professor Babbling dann die einzelnen Gespräche und eigentlich war Hermione ganz froh darüber, denn sie wollte nicht schon wieder mit Malfoy streiten. Sie hatte genügend gestritten. Es wurde Zeit, dass sie langsam zur Ruhe kam.
„Dann wollen wir anfangen. Mr. Zabini, wollen sie beginnen?"
Und ohne weitere Umschweife wurde die Aufgabe besprochen und natürlich wunderte es niemanden, dass Hermione die Einzige war, die die komplette Aufgabe vollständig gelöst hatte. Sie diktierte ihre Musterlösung am Ende der Stunde sogar, damit die Anderen sie noch einmal mit ihren Lösungen vergleichen konnten.
Die Tatsache, dass Malfoy recht gehabt hatte, ging ihr dabei jedoch nicht aus dem Kopf. Natürlich war sie schon immer gut gewesen und sie wusste auch, dass sie nur selten bei Aufgaben und Lösungen falsch lag, doch die Tatsache, dass selbst Professor Babbling ihre Ausarbeitung Musterlösung genannt hatte, bereitete ihr mehr Kopfzerbrechen als geahnt.
„Und wie feiert ihr das Ende dieses endlos langen Schultages?", fragte Daphne nachdem sie alle zusammengepackt hatten.
Hermione hatte ihre Tasche geschultert und wartete auf Malfoy, der sich extra viel Zeit ließ nur um sie zu ärgern.
„Um ehrlich zu sein keine Ahnung. Es sind noch fast zwei Stunden bis zum Abendessen, die ich normalerweise in der Bücherei verbringen würde. Ich nehme jedoch an, dass der werte Herr dies nicht wünscht..."
Sie blickte zu ihm herüber und wie auf Kommando richtete er sich zu seiner vollen Größe auf.
„Oh da hast du Recht Granger."
Die Brünette seufzte genervt, würde aber nicht weiter darüber diskutieren. Stattdessen begann sie sich zu bewegen, stoppte immer wieder nur um zu sehen ob er ihr folgte. Zumindest das fortbewegen gelang ihnen ganz gut. Sie nahmen immer wieder Rücksicht, sahen über ihre Schultern nach hinten und blieben stehen wenn nötig. Doch wie lange würde es so gut funktionieren?
„Dann schlage ich vor, wir tun das was Professor McGonagall uns angeraten hat. Wir sprechen über...ernstere Themen. Ich glaube wir sollten langsam aber sicher über gewisse Dinge reden, oder wir werden mit ihnen konfrontiert werden ohne zu wissen … was wir dann tun."
Sie spürte wie ihre Stimme mehrfach versagte, wie sie ins Stocken geriet und wie ihr Blick zu Boden glitt. Sie war nervös und verlegen und sie spürte wie der Widerwille sie packte. Es war einfach nicht fair und dennoch konnte sie es ja nicht ändern.
„Was würde ich geben um bei diesem Gespräch dabei zu sein.", Zabini grinste leicht und für eine Sekunde wollte selbst Hermione ihm einen festen Klaps auf den Hinterkopf geben.
„Wie ich dich kenne wirst du sowieso mit deinem Ohr an der Tür stehen und lauschen, wie ein kleines Kind.", grinste Daphne dann und nahm der Situation die Anspannung. Zumindest für kurze Zeit.
Hermione reagierte weder auf Zabini noch auf Daphne, doch sie spürte wie die Anspannung etwas nachließ und als sie zu Malfoy herüber blickte, sah sie wie er ihr zustimmend zunickte. Es trug nicht gerade zu ihrer Erleichterung bei, und dennoch war sie froh, dass er diesmal bereit zu sein schien.
Der weitere Weg zurück zu ihren neuen Quartieren verlief schweigend. Zabini und Daphne unterhielten sich zwar, doch das ging an Hermione vorbei. Und während die zwei im Gemeinschaftsraum blieben, sobald sie ankamen, verschwanden Malfoy und sie in ihrem gemeinsamem Zimmer, immerhin wollten sie dieses Gespräch nicht in der Gruppe führen. Es war so schon angespannt genug.
Sobald sie das Zimmer betreten hatten, schien selbst die Fortbewegung schwieriger zu sein. Malfoy blieb stehen während Hermione noch weiter ging, was dazu führte, dass sie Beide einen leichten Schwindel verspürten. Sofort machte Malfoy zwei weitere Schritte auf sie zu und Hermione setzte sich auf die Bettkante des großen Himmelbetts. Sie ließ ihn stehen auch wenn es sie leicht nervös machte, wie er so vor ihr stand – groß und mit den Händen tief in seinen Taschen vergraben.
„Also?"
„Also?", wiederholte sie und sah zu ihm auf.
„Na du wolltest reden Granger, dann fang mal an."
„Du bist mir lustig. Als ob nur ich Redebedarf hätte." Sie verschränkte ihre Arme vor der Brust. „Dir muss doch klar sein, dass wir nicht einfach so weiter machen können ohne...über gewisse Dinge zu sprechen."
Ihr Herz pochte so stark, dass sie es schon fühlen konnte. Sie hatte ja schon beinahe Angst, dass er es hören konnte und das obwohl er fast vier Schritte von ihr entfernt war. Rein logisch gesehen wusste sie, dass es unmöglich war, doch die Angst blieb bestehen.
„Sprich einfach Granger. Ich bin mir sicher, dass du es sowieso schon alles fertig durchgeplant hast."
Sie fühlte wie ihre Wangen feuerrot und warm wurden. Sie wusste, dass sie einen Hang zur Planung und Organisation hatte, doch die Art und Weise wie er es sagte, hörte sich beinahe wie eine Beleidigung an. Das würde sie nicht auf sich sitzen lassen. Sie würde nicht zulassen, dass er ihre Liebe zur Ordnung und Planung in den Dreck zog, nur weil er anders war. Nur weil er in den Tag hineinzuleben schien.
„Es ist nichts falsches daran, wenn man Dinge plant Malfoy. Solltest du mal versuchen, dann wärst du vielleicht nicht nur vierter im Jahrgangsdurchschnitt, sondern zweiter."
Seine Augen verzogen sich zu Schlitzen und für eine Sekunde befürchtete Hermione, dass ihre Diskussion wieder in einem Streit und damit in einem absolut unproduktivem Wortwechsel enden würde, doch er fing sich schnell wieder. Zu ihrem Erstaunen.
„Also? Wie sieht der Plan aus Granger?", fragte er schließlich genervt und setzte sich letztlich doch auf das Bett. Weit genug von ihr entfernt natürlich und so dass sein Rücken gegen einen der Pfosten lehnen konnte.
„Kein wirklicher Plan – ich habe lediglich über die Punkte nachgedacht, die wir besprechen sollten.", begann sie schließlich nach einer ganzen Weile und drehte sich dann zu ihm herum. Sie zog ihre Beine auf das Bett hoch und stützte ihr Gewicht auf ihre Arme, so dass sie sich etwas nach hinten lehnen konnte.
„Wir sollten mit den einfachen Dingen beginnen – Mahlzeiten. Ich nehme an du bist dafür, dass wir diese weiterhin am Slytherintisch einnehmen?"
Natürlich würde sie auch gerne bei ihren Freunden sitzen, doch um ehrlich zu sein wollte sie diesen nicht zumuten mit Malfoy an einem Tisch sitzen zu müssen. Sie würde das Opfer in Kauf nehmen wenn es sein musste. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie es musste.
„Ich wüsste nicht, warum wir woanders sitzen sollten.", gab er zu und Hermione seufzte zwar als Antwort, widersprach ihm jedoch nicht. Dies deutete er natürlich als positives Zeichen und erwiderte nichts weiteres.
„Dann wären wir bei Freizeitgestaltung. Ich würde mit den selteneren Fällen beginnen, wenn es dir nichts ausmacht?"
Das Gespräch dauerte nun schon eine ganze Weile und drehte sich nun schon seit einiger Zeit um Freizeitgestaltungen, Hobbies, die Freundeskreise und Dinge über die sie sonst niemals reden würden.
Zu Hermiones Erstaunen war es möglich Kompromisse zu schließen. Malfoy gab mehrfach nach, vielleicht nur weil Hermione ihm einiges zugestanden hatte und er sich fühlte als wäre er im Zugzwang, doch sie war sich nicht ganz sicher ob es wirklich so war. Letztlich schienen sie Beide auf einen Nenner zu kommen. Sie würden sich mit der abendlichen Gestaltung abwechseln. Wenn Hermione entscheiden würde, was sie Montag Abend taten, würde Malfoy entscheiden was Dienstag gemacht wurde und so weiter. Ähnliche Regeln galten für den Freitag und Samstag Abend, jedoch gab es diese zwei Abende im Doppelpack – würde Malfoy also über diesen Freitag Abend bestimmen, dann auch über den Samstag, während Hermione die Entscheidungen für die nächste Woche treffen würde. Und wenn Malfoy den Freitag und Samstagabend plante, durfte Hermione den Samstag und Sonntag durchplanen – zumindest die Zeit von 11 bis 18 Uhr. So hatten sie sich geeinigt und das schien Beiden zuzusagen.
Ähnliches galt für Hogsmeade Aufenthalte, sie würden versuchen sich abzuwechseln. Mal würden sie mit Hermiones Freunden gehen und das nächste mal mit Malfoys. Außer man bekäme beide Freundeskreise zusammen, doch davon ausgehen wollten sie nicht.
Schwieriger gestalten ließen sich jedoch einige der Hobbies, der zwei unfreiwilligen Zimmergenossen. Malfoy war nicht besonders begeistert von der Tatsache, dass Hermione so viel las und Hermione wurde beinahe grün im Gesicht als Malfoy ihr sagte, er würde aufs Quidditch spielen nicht verzichten. Die Gryffindor versprach ihm zwar es zu versuchen und mit ihm auf einem Besen zu fliegen, doch sie war sich sicher – und das sagte sie ihm auch – das es keineswegs funktionieren und sie ihn nur behindern würde.
„Und nun kommen wir zu den Themen über die wir nicht sprechen wollen nehme ich an..."
„Besuche zu Hause?
Hermione wurde blass als er das sagte. Doch sofort schüttelte er nur den Kopf und gab ihr zu verstehen, dass er nicht vor hatte sie mit zu nehmen und sie durchaus so lange mit Hausbesuchen warten würden bis sie wieder von einander getrennt waren. Sie hatte noch nie so einen riesigen Stein von ihrem Herzen fallen spüren.
„Gut, jetzt im Ernst.", sie sah ihn ernst an und bemerkte wie sie etwas unsicher auf dem Bett hin und her rutschte. „Auf welcher Seite...schläfst du lieber?"
Sie spürte wie ihr Gesicht wieder feuerrot wurde. Er sah sie ernst an und sie war dankbar dafür. Hätte er gelacht würde sie wahrscheinlich einen Nervenzusammenbruch erleiden. Es war auch wirklich alles andere als einfach.
„Rechte Seite. Und bevor es dich zu viel Überwindung kostet – du kriegst es ja kaum über die Lippen – ich schlafe in Boxershorts. Daran musst du dich gewöhnen. Ich dusche morgens, normalerweise nackt und gönne mir mindestens einmal die Woche ein Bad, auf welches ich auch nicht verzichten werde."
Hermione fühlte wie ihr Herz schneller zu schlagen begann. Je mehr sie über die Situation sprachen, umso bewusster wurde ihr, dass sie solche Situationen niemals vermeiden konnten. Und nun sprach er so einfach darüber und die Brünette wollte sich am liebsten unter der Decke verstecken und nie wieder hervorkommen.
„Wie...wie machen wir das…?"
Sie war sonst nicht auf den Mund gefallen. Sie war direkt und mutig und immer ehrlich, doch hier stieß sie an ihre Grenzen. Mit Malfoy übers Duschen zu sprechen und über ihre Schlafbekleidung und die Möglichkeit zu baden – das Übertraf einfach alles was sie bisher getan und geleistet hatte.
„Wir können natürlich so tun als würde der Moment nicht kommen an dem wir uns sowieso nackt sehen – denn glaub mir, egal wie gut wir planen es wird sowieso passieren – und uns überlegen wie wir strategisch vorgehen. Uns wegdrehen beim duschen, den Raum abdunkeln beim Baden und so weiter. Wir können aber auch wie Erwachsene sagen, wir schauen nicht hin, kümmern uns um uns selbst und tun so als wäre der Andere nicht da."
Es war als hätten sie die Rollen getauscht. Plötzlich war Malfoy ganz sachlich und beinahe produktiv. Wahrscheinlich weil er bemerkte wie schwer es ihr fiel in diesem Punkt logisch zu bleiben. Sie wollte so gerne über dieser Thematik stehen, doch sie konnte nicht anders, sie dachte immer wieder darüber nach wie sie am nächsten Morgen zusammen ins Bad gehen würden und dieser Gedanken löste enorme Panik in ihr aus.
„Du wärst nicht die Erste die ich nackt sehe, falls es dich beruhigt...", sagte er dann und für einen Moment hatte er dieses freche Grinsen im Gesicht, welches sie zur Weißglut trieb. Und es wirkte. Die Verlegenheit verschwand blitzartig und sie stemmte ihre Hände in die Hüfte.
„Ich will gar nicht wissen wie viele du schon unbekleidet gesehen hast Malfoy...ich bin keine von denen die...das freiwillig machen. Also wag es ja nicht mich dazuzuzählen."
Sie schüttelte ihren Kopf.
„Schon besser."
Sie sah ihn mit großen Augen an und es dauerte einen Moment bis sie begriff, dass er sie nur geärgert hatte, weil er sie aus der Reserve locken wollte. Weil sie sich so in die Verlegenheit festgefahren hatte, dass dieses Gespräch eine eingefahrene Richtung genommen hatte.
„Wir versuchen es einfach hinter uns zu bringen. Das ist das einzige was wir tun können Granger.", sagte er schließlich und Hermione seufzte laut auf, nickte dann aber zustimmend. Er hatte ja Recht, auch wenn sie es hasste es zugeben zu müssen.
„Aber ein Thema haben wir ausgelassen."
„Ach ja?", fragte sie nun und hob eine Augenbraue. Sie war sich eigentlich sicher gewesen jedes erdenkliche Thema abgehandelt zu haben. Welches Thema konnte er denn noch meinen? Sie war noch immer in Gedanken als sie seine nächsten Worte vernahm.
„Oh ja. Du glaubst ja wohl nicht, dass ich nur weil du an mir hängst, auf Sex verzichten werde..."
