Kapitel 5:

Es gab Momente im Leben in denen man einfach nicht wusste, wie man reagieren sollte. Man wollte einerseits weinen, andererseits beinahe lachen, dann war da noch dieses Bedürfnis wütend zu werden und letztlich blieb einem die Luft weg. Ein absoluter Schockzustand.

Genau so ein Moment war das.

Man konnte meinen, dass Hermione in ihren jungen Jahren schon viel erlebt hatte. Man konnte auch davon ausgehen, dass sie viele schlimme Dinge gesehen und am eigenen Leibe zu spüren bekommen hatte. Doch auf die meisten Dinge war sie irgendwie vorbereitet gewesen. Sie hatte zwar nie das vollständige Ausmaß erahnen können, doch es wäre naiv von ihr gewesen, wenn sie nicht zumindest mit den schrecklichen Dingen gerechnet hätte, die die letzten Jahre mit sich gebracht hatten.

Doch mit einer solchen Situation rechnete doch nun wirklich niemand, oder?

Alleine die Tatsache, dass sie an Malfoy hing, war eine Zumutung. Und jetzt auch noch das? Sie spürte wie ihr Blut in ihren Adern zu Eis gefror und wie ihre Mimik jeglichen Ausdruck verlor. Sie wusste, dass sie ihn anstarrte. Sie wusste auch, dass er auf eine Reaktion wartete. Doch wie sollte sie reagieren? Wie konnte man da reagieren?

Es dauerte Minuten bis sie sich einigermaßen gefangen hatte. Ihr Gesichtsmuskel gehorchten ihr wieder, sie gewann außerdem an Farbe und ihre Gedanken rasten wieder. Plötzlich wollte sie ihm unendlich viel an den Kopf werfen, doch womit sollte sie anfangen?

„Das kann nicht dein ernst sein.", sagte sie schließlich mehr als lahm. Sie wusste noch immer nicht ganz, was sie sagen sollte. Sie hatte Minuten gebraucht um aus der Schockstarre herauszufinden und das Gedankenchaos war noch immer allgegenwärtig. Sie konnte kaum einen klaren, sinnigen Gedanken fassen, den sie dann auch noch artikulieren sollte.

„Und wie das mein ernst ist Granger."

Ihre Augen weiteten sich auf seine Entgegnung hin. Sie hatte ja gehofft, dass er sie wieder nur trietzen wollte, doch es schien nicht der Fall zu sein. Er wirkte todernst. Sein Blick war fest und kühl, seine Stimme hatte klar gewirkt, was dazu führte, dass Hermione tatsächlich zu erwägen begann, dass er es wirklich ernst meinen könnte.

„Ich...", begann sie langsam, bevor sie letztlich nur energisch den Kopf schüttelte. Die Wut gewann langsam Oberhand. Wie konnte er es wagen sie in eine solche Situation zu bringen? Wie konnte er es wagen sie so in Verlegenheit zu bringen? Wie konnte er es wagen so etwas von ihr zu verlangen? Was glaubte er eigentlich wer er war?

„Das kannst du gleich vergessen Malfoy, ich werde bestimmt nicht miterleben wie du dich...amüsierst während ich dabei bin."

Sie verlieh ihrer Stimme eine Bestimmtheit, von der sie nicht geglaubt hätte, dass sie diese noch besaß. Seine Aussage hatte sie immerhin so irritiert, dass sie davon ausgegangen war – sie könne keinen klaren Gedanken mehr fassen und dann auch noch ausdrücken.

„Nur weil du solche Bedürfnisse nicht zu haben scheinst Granger, bedeutet es nicht, dass ich sie nicht habe..."

„Was soll das heißen?"

„Das du prüde bist. Das heißt es."

„Was hat das damit zu tun? Ich glaube nicht, dass man es als prüde bezeichnen kann, wenn ich nicht möchte, dass du in meiner Nähe Geschlechtsverkehr hast."

Sie verschränkte ihre Arme vor der Brust.

„Und das du Geschlechtsverkehr sagst ist natürlich auch kein Zeichen davon, dass du absolut verklemmt bist."

Hermione schnappte nach Luft und verengte ihre Augen. Wie konnte er es wagen so mit ihr zu sprechen? Sie hatte ja schon geahnt, dass es noch schlimmere Probleme geben würde. Es war zwar nicht gut zwischen ihnen gelaufen bisher, aber es hätte auch schlimmer sein können. Nun...es wurde schlimmer. Viel schlimmer.

„Nun beurteilst du mich also nach deinem eigenen Wortschatz. Es ist doch nicht mein Problem, dass du ein beschränktes Vokabular besitzt, welches sich lediglich auf ordinäre Ausdrucksweisen reduzieren lässt."

„Sex ist also ein ordinärer Begriff? Beeindruckend Granger, wirklich. So fortschrittlich."

Sie fühlte sich mehr als unwohl. Die Brünette spürte wie sie sich mehr und mehr versteifte, wie sie ihre Arme fester vor der Brust verschränkte und ihre Körperhaltung wurde zunehmend abwehrender. Sie konnte einfach nicht fassen worüber sie hier diskutierten.

„Letztlich spielt meine Ansicht doch gar keine Rolle. Ich werde jedenfalls nicht … daneben stehen, sitzen oder liegen oder was auch immer, während du ..."

Hermione gestikulierte beinahe wild und schüttelte dann angewidert den Kopf. Allein das sie wirklich über dieses Thema sprachen machte sie wütend und widerte sie an.

„Merlin Granger, du sprichst über das Thema wie eine 10 jährige. Das lässt tief blicken, also hat das Wiesel bisher noch kein Glück gehabt, oder er war so miserabel, dass es dich frustriert wenn Andere ein gutes Sexleben haben."

Sie zischte laustark. Ihre Wangen wurden rot vor Wut und Scham und sie konnte ihr Herz spüren. Sie konnte es sogar schon in ihren Ohren hämmern hören, so wild schlug es.

„ES geht dich überhaupt nichts an Malfoy.", knurrte sie ihn an.

„Also doch die eiserne Jungfrau.", schlussfolgerte er und das ließ sie wütend aufspringen.

Hermione drehte sich erbost von ihm weg und murmelte leise vor sich hin. Sie wollte sich selbst beruhigen, denn sonst würde sie doch noch ihren Zauberstab nehmen und ihn umbringen. Sie war sich aber ziemlich sicher, dass sie ihn auch als Leiche bei sich haben musste. Zwar wäre ihr ein schweigender Malfoy lieber, aber bestimmt kein toter.

„Es interessiert mich wirklich nicht wie du das Thema siehst Granger. Absolut nicht. Ich sage dir nur, wie ich es sehe. Und ich werde auf nichts verzichten, nur weil du an mir hängst. Sex gehört dazu."

Sie war noch immer wütend und seine Stimme machte es nicht besser. Vor allem nicht, wenn er so ruhig und so behutsam sprach. So als wäre er die Stimme der Vernunft. Dabei war es ganz und gar unvernünftig was er da von sich gab. Kein vernünftiger und anständiger Mensch würde so etwas sagen, da war sie sich ziemlich sicher.

„Vielleicht...sind wir schneller getrennt als wir denken, du kannst doch wenigstens versuchen dich zurück zu halten.", knirschte sie dann. Sie hoffte er würde einlenken, doch das tat er nicht.

„Oder ich versuche es gar nicht erst. Egal was Montgomery sagen wird, es wird länger dauern als einen Monat - davon können wir ausgehen - und so lange werde ich nicht warten."

Sie brachte ihre Hand zu ihrem Gesicht, strich sie entnervt die Haare aus diesem und legte dann den Kopf laut seufzend in den Nacken.

Sie würde das nicht weiter ausdiskutieren. Es hatte keinen Sinn. Sie würde einfach jeglichen Flirt sabotieren und ihm die Stimmung konstant verderben – was sollte sie anderes tun? Sie würde nicht dabei sein wenn er sich und jemand Anderem Vergnügen bereitete. Sie konnte vielerlei Kompromisse eingehen – so wie die Mahlzeiten am Slytherintisch oder der Versuch mit ihm Quidditch zu spielen – aber es gab Grenzen. Und diese Sache war ihre Grenze. Eine von der sie nicht abweichen würde.

„Und? Alles geklärt?", fragte Zabini neugierig als Malfoy und Hermione einige Zeit später den Gemeinschaftsraum betraten.

Hermione war noch immer leicht rot im Gesicht. Wut und Empörung waren eben nicht einfach abzuschütteln.

„Fürs erste.", gab Malfoy nur von sich und blickte kurz zu Hermione, die sich nur nervös auf die Unterlippe biss. Sie hatte nur gesagt, dass sie darüber nachdenken würde und zu ihrer Überraschung hatte er nachgegeben. Vielleicht hoffte er, dass sie eine Erleuchtung haben würde. Doch sie hatte das Gespräch einfach nur beenden wollen, mehr nicht.

„Die Anderen sind schon vorgegangen. Kommt ihr mit zum Abendessen?"

„Ich kann nicht sagen, dass ich jetzt noch Hunger habe, aber…ich kann schlecht fern bleiben.", murmelte Hermione vor sich hin und Malfoy rollte nur seine Augen. Die Gryffindor war in seinen Augen mehr als dramatisch.

„Lass uns einfach gehen Granger und danach – können wir uns gerne noch einmal in die Bücherei begeben. Ich wette, dass bessert deine Laune etwas."

Sie zog eine Augenbraue hoch, zuckte dann aber nur mit den Schultern. Seine Friedensversuche konnte er sich schenken. Sie wusste weswegen er das tat. Er wollte sie einfach nur beschwichtigen, doch sie war noch immer wütend und verwirrt und vor allem angeekelt. Alleine die Vorstellung schüttelte sie.

„Selbst danach ist mir nicht mehr, ich will nur ins Bett und schlafen. Hoffen, dass es alles nur ein Traum war. Ein Albtraum."

Sie spürte die Blicke der beiden Slytherins und sie wusste, dass es sogar die Beiden erschütterte was sie sagte. Sie hatte abgelehnt in die Bücherei zu gehen, sie erwähnte das Erledigen von Aufgaben mit keinem Wort und auch das Wort Lernen war in ihren Ausführungen nicht vorgekommen. Sagen taten die Beiden jedoch nichts mehr. Sie ließen ihr den Vortritt und so machten sich die Drei schweigend auf den Weg zum Abendessen.

„Ich dachte ich leiste dir etwas Gesellschaft."

Hermione lehnte sich an Neville, der sich zu ihr gesetzt hatte, als er sie am Slytherintisch erblickt hatte. Daphne hatte ihm schnell Platz gemacht und nun saß Hermione zwischen Malfoy und Neville, ihr gegenüber waren Zabini, Nott und Tracey Davis.

Sie spürte wie Neville unter dem Tisch ihre Hand nahm und sie ermunternd drückte, doch die Brünette fühlte sich noch immer zu übel und jetzt, da etwas Zeit vergangen und die Wut verflogen war, sogar schwach. Sie ließ ihren Kopf auf Nevilles Schulter sinken und schloss ihre Augen und versuchte jegliche Geräusche und Stimmen auszublenden.

„Willst du denn nichts essen?"

Hermione hatte nur bemerkt, dass sie damit gemeint war, weil Neville sie leicht am Oberschenkel berührt hatte, um ihre Aufmerksamkeit zu erhalten. Sie sah zu ihm hoch und schüttelte nur den Kopf.

„Du hast vorhin schon nichts gegessen.", gab Daphne von sich und blickte Hermione nun ernst an. Hermione runzelte verwirrt die Stirn. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass man sie so ernst beobachten würde und darauf achtete was sie tat. Es verwunderte sie, doch sie würde sich bestimmt nichts darauf einbilden. Als ob sich Schlangen um sie Sorgen machen würden. Gerade um sie.

„Du darfst nicht aufhören zu essen, nur weil … diese Situation nicht einfach ist.", sagte Neville leise aber eindringlich. Sie hatte ihn selten so bestimmt gehört und es löste etwas in ihr aus. Sie war plötzlich so unglaublich stolz auf Neville. Sie hatte ihn von ihrem ersten Tag an gemocht und sie hatte immer gehofft, dass aus ihm ein großartiger Zauberer und ein noch besserer Mensch werden würde. Und hier war er, hatte all ihre Hoffnungen übertroffen und war immer noch bei ihr. So wie ganz am Anfang. Wie bei ihrem aller ersten Jahr in Hogwarts. Sie war froh, dass er noch da war. Das er bei ihr war und sie in dieser schrecklichen Situation unterstützen konnte.

„Ich hab heute einfach keinen Appetit. Ich verspreche, dass ich morgen früh etwas essen werde Neville.", sagte sie dann genauso leise und mindestens genauso nachdrücklich. Sie fühlte sich eben hundeelend, aber es würde besser werden und morgen war ein neuer Tag und vielleicht würde es da schon leichter werden?

„Gut."

„Wie hat Draco es geschafft dir so den Magen zu verderben huh?", fragte Zabini dann belustigt über den Tisch und Hermione drehte ihren Kopf zu ihm herum. Sie wollte ihm um die Ohren werfen, dass es nicht lustig war. Das all das nicht lustig war. Das er Schuld war. Das er sie in Ruhe lassen sollte. Doch sie tat nichts davon. Sie sah ihn lediglich an und seufzte laut, bevor ihr Kopf wieder auf Nevilles Schulter sackte.

„Wow Draco, du hast sie erledigt. Sonst kriegt sie doch nie den Mund zu."

Der beinahe provozierende Ton in Zabinis Stimme hätte sie im Normalfall verärgert, doch sie war einfach zu erschöpft, um sich noch aufzuregen. Sie ließ ihren Kopf einfach auf Nevilles Schulter und verfolgte das Geschehen einfach passiv weiter. Sie würde sich merken was gesagt wurde und im Notfall konnte sie sich für das Gesagte auch noch nachträglich revangieren.

„Ich sehe das mal als Kompliment."

„Sieh es wie du es willst. Ich würde nur wirklich gerne wissen wie du das gemacht hast. Sie wirkt ja schon beinahe traumatisiert. Was hast du ihr erzählt? Das du schnarchst und trittst?"

„Witzig Zabini, wirklich witzig."

„Ich finde die Wahrheit gar nicht so witzig Draco. Blaise hat Recht, falls du es ihr nicht gesagt haben solltest – sie hat ein recht es zu wissen.", gab nun Nott von sich und grinste noch breiter, beinahe schadenfroh.

„Ich wusste das er immer nur so perfekt tut. Sagt bloß, dass er auch noch mit den Zähnen knirscht.", grinste Tracey nun sichtlich erheitert und versuchte sich am Gespräch zu beteiligen. Man zog Malfoy kollektiv auf, was unter den Slytherins zur Erheiterung sorgte und auch Neville musste ab und an leicht glucksen, was Hermione nur an dem Zittern seiner Schultern bemerkte.

„Können wir hoch gehen?", fragte sie schließlich, nachdem man Malfoy auch noch fragte, ob er weitere Fehler hatte wie Sabbern, im Schlaf reden oder sogar Schlafwandern. Sie konnte das Gerede nicht mehr ertragen. Ihr Kopf pochte und sie wollte sich einfach nur noch hinlegen und schlafen. Sie nahm auch in Kauf, dass Malfoy neben ihr liegen würde.

Natürlich bemerkte sie wieder einmal alle Blicke auf sich und für einen Moment hatte sie sogar mit Diskussionen gerechnet, doch die blieben aus. Malfoy nickte nur, trank seinen Kürbissaft aus und erhob sich dann. Sie sah nur einmal kurz in die Runde, drückte Nevilles Schulter dankbar und kletterte dann über die Bank und folgte Malfoy schweigend.

„Willst du dich wirklich schon hinlegen?", fragte er kurz nachdem sie ihr Zimmer betreten hatten. Sie antwortete ihm jedoch nicht. Sie bewegte sich auf den gemeinsamen Schrank zu und zwang ihn dabei ihr zu folgen.

Sie öffnete die Türen ohne Umschweife und griff zielstrebig nach einem Paar Jogginghosen und einem großen Shirt, welches früher einmal Ron gehört hatte. Sie bemerkte, wie Malfoy sie anblickte, als sie sich auf das Bett zu bewegte und ihm den Rücken zugedreht hatte. Sie begann langsam die Schuluniform abzulegen, immer darauf bedacht ihm nicht mehr zu zeigen als nötig. Sie schlüpfte schnell in die neuen Sachen und zog dann auch den BH unter dem Shirt aus und ließ ihn auf den Haufen mit ihrer Schuluniform fallen.

„Willst du jetzt gar nicht mehr mit mir sprechen Granger?"

Seine Stimme war irritiert und sie konnte nicht anders als sich zu ihm herum zu drehen und ihre Augenbrauen zusammen zu ziehen.

„ich habe Kopfschmerzen, ich bin erschöpft und fühle mich dementsprechend nicht besonders gesprächig. Verzeihen sie mir eure Gnaden.", spöttelte sie dann und rollte mit ihren Augen, bevor sie nach den Phiolen mit den Tränken gegen Schmerzen suchte. Sie leerte eine Phiole in einem Schluck und ließ diese dann wieder in der Tasche verschwinden.

„Und jetzt quatsch nicht, sondern leg dich hin, außer du willst unbedingt auf dem Boden zusammenbrechen."

Ohne weitere Worte zu verschwenden, kletterte sie auf das Bett und blieb erst einmal auf der Kante hocken, da jede weitere Bewegung nur Schmerzen und Schwindel verursachen würden. Sie war dankbar, als auch er sich aus seiner Kleidung schälte und letztlich zu ihr ins Bett kam. Es klang so falsch und seltsam und es widerte sie an, doch sie konnte diesen Gedanken nicht lange nachhängen.

Sie hatte sehr schnell eine angenehme Position gefunden, sich in die Decke eingerollt und ihre Augen geschlossen und schon driftete sie ab. Es war beinahe so, als hätte der Tag sie vollkommen außer Gefecht gesetzt.

Hermione war halb wach und noch halb in ihrem Traum gefangen. Einem Traum, den sie seit Wochen hatte und der sie verfolgte. Er ließ ihren Körper vor Angst erzittern, bevor sie in ihm um ihr Leben rannte wobei ihr Blut zu pulsieren und zu rauschen begann.

Ihr wurde dabei warm, sie spürte die dicke Decke über ihr und wie sie sich an ihren Körper schmiegte und sie beinahe einwickelte. Sie hatte sich um ihre Beine gerollt und fühlte sich so unendlich schwer über ihr an, so als wäre sie gefangen. Aber nicht nur das, die Decke fühlte sich außerdem an wie der Deckel zu ihrem Sarg. Es war warm und stickig und sie begann sich hin und her zu wälzen um sich von dem Käfig - also der Decke - zu befreien.

Es war schwerer als gedacht und dabei wurde sie immer panischer. Tief in ihr wusste sie, dass sie in ihrem Bett lag und ihr nichts geschehen konnte, doch sie wurde immer panischer, weil sie sich nicht von der Decke befreien konnte. Letztlich schlug sie um sich, begann zu schluchzen und zu wimmern.

„Granger...", hörte sie bis in ihren Schlaf hinein, doch sie war noch immer zu verängstigt um zu reagieren. In ihrem Traum lag sie nun am Boden, Flammen um sie herum und sie war an den Füßen gefesselt. Sie konnte nicht entkommen. Sie wand sich am Boden während sie Schritte näher kommen hörte. Sie schluchzte lauter…

PLATSCH!

Hermione setzte sich schlagartig auf. Sie war nass und ihre Kleidung und auch die Decke klebte an ihr, doch sie war wach. Sie rieb sich über ihr Gesicht, versuchte noch immer die Panik abzuschütteln, die sie bis gerade empfunden hatte. Ihr Herz schlug ihr immer noch bis zum Hals und ihre Atmung war noch immer beschleunigt, als ihr langsam bewusst wurde, dass sie pitschnass war.

Sie sah an sich hinab und auf ihre Hände, die ebenso wie sie selbst, noch immer zitterten.

„Hast du dich jetzt beruhigt?"

Hermione sah zu ihm herüber und für eine Sekunde verdunkelten sich ihre Augen. Sie spürte wieder diese Panik in ihr aufsteigen. Ihr Herz klopfte wieder schneller und ein Kloß bildete sich in ihrem Hals, doch all das verschwand genauso schnell wie es gekommen war, als er sie nun beinahe besorgt betrachtete. Er hatte seinen Kopf zur Seite gelegt und sah sie ganz ruhig und beinahe neugierig an. Es half ihr sich langsam zu beruhigen und ihren Puls unter Kontrolle zu bringen.

„Danke.", sagte sie nach einigen, langen Momenten. Sie war wirklich dankbar, dass er sie aus diesem Albtraum befreit hatte. Einen Traum, den sie seit Wochen jeden Abend träumte. Jedes Mal war er etwas anders, doch er hatte Parallelen und immer war es diese eine Person, die hinter ihr her war. Und immer wieder spürte sie den stechenden Schmerz, so als würde sie ihn gerade jetzt zum ersten Mal verspüren.

„Warum nimmst du nichts gegen die Albträume?"

„Weil ich die Realität überlebt habe. Sie war viel grausamer, als ein Traum je sein könnte.", sagte sie leise und starrte nun auf ihre Hände.

„Es ist nicht feige, ruhig schlafen zu wollen Granger."

„Sagst du mir damit, dass du etwas nimmst um schlafen zu können?"

Sie sah neugierig zu ihm herüber und für eine Sekunde, sah sie einen Schatten über sein Gesicht huschen. Trauer? Wut? Angst? Vielleicht sogar Reue? Sie konnte es nicht identifizieren.

„Manchmal. Nur wenn ich einige Nächte nicht schlafen konnte. Und das solltest du auch tun."

Seine Stimme war ernst und bestimmt und zum ersten Mal glaubte Hermione etwas beinahe freundliches in ihm zu sehen. Etwas schon fast fürsorgliches.

„Und wehe du erzählst jemandem hiervon Granger, dann wecke ich dich das nächste Mal nicht mit Wasser, sondern mit etwas ekelhaft klebrigem – Honig vielleicht."

Sie schmunzelte. Er drohte ihr nicht wirklich, immerhin war Honig wenig furchteinflößend, doch er sagte ihr damit, dass er es nichts schätzen würde, wenn sie es weiter plauderte. Sie hatte nicht vor jemandem hiervon zu erzählen. Es würde bedeuten, sie müsse jemandem von ihren Problemen berichten und sie behauptete doch immer, dass alles in Ordnung mit ihr sei. Sie konnte nicht. Sie konnte niemandem sagen, dass auch sie Albträume plagten und sie Gewissensbisse manchmal Nächtelang wach bleiben ließen.

„Und nun leg dich wieder hin. Ich hab den Zauberstab parat, falls du wieder anfängst um dich zu schlagen wie ein Troll."

Hermione verdrehte ihre Augen und drehte sich herum. Sie war noch immer nass, doch es störte sie irgendwie nicht. Im Gegenteil, es ließ sie abkühlen und sich beruhigen. Es dauerte eine Weile, bis ihr Puls sich vollkommen normalisiert hatte und sie langsam einschlief. Sie bemerkte dabei nicht wie er sie trocken zauberte und sie noch eine Weile beobachtete.