Kapitel 6:

Es gab viele Dinge, die sie nicht ganz verstand. Egal wie häufig sie darüber las, oder wie intensiv sie sich tatsächlich mit diesen Dingen auseinandersetzte. Die innere Uhr gehörte dazu. Sie hatte sie, schon seit sie klein war hatte Hermione dieses Phänomen wahrgenommen und je älter sie wurde, umso interessierter hatte sie versucht alles zu diesem Thema herauszufinden. Doch so richtig schlauer wurde sie nicht. Der menschliche Biorhythmus, Schlafen und Ruhen und der allgemeine Tagesverlauf waren für sie eher schwierig begreiflich. Es gab einfach Dinge, die man in seiner Gesamtheit nicht erfassen konnte. Sie wirkten so groß und überragend, dass es einem das Gefühl gab, der eigene Verstand war einfach nicht in der Lage etwas so komplexes und doch simples zu begreifen.

Aber wieso machte sie sich diese Gedanken am frühen Morgen?

Es lag wohl daran, dass sie hellwach war, es ihre typische Zeit zum Aufstehen war, und neben ihr Malfoy noch friedlich schlummerte. Worüber sollte sie sonst nachdenken? Natürlich könnte sie sich mit anderen Dingen befassen, doch die Tatsache das sie von alleine wach geworden war – so wie eben immer – hatte sie in diesem Moment einfach überwältigt. Es hatte ihre Gedanken ins Rollen gebracht und nun lag sie hier, immer noch leicht müde, definitiv unbehaglich aufgrund ihres Bettgenossen und die Decke fest um sich schlingend und dachte über ihren eigenen Schlaf- Wachrhythmus nach.

Hermione traute sich nicht einmal wirklich zu ihm herüber zu sehen. Vor allen Dingen, weil sie sich sich viel zu genau an die Ereignisse der Nacht erinnerte. Sie fühlte sich unbehaglich, hatte sogar ein klein wenig Sorge, dass es er es weitererzählen würde. Doch diesen Gedanken verscheuchte sie relativ zügig. Was würde er schon davon haben? Sie alle litten unter den schrecklichen Erlebnissen des Krieges. Sie alle hatten traumatische Erfahrungen gemacht und sie war sich sicher, dass sie alle Mühe hatten gewisse Bilder und Erlebnisse aus ihren Gedächtnissen zu verbannen.

Sie hatte sich mittlerweile aufgesetzt, ihre Knie an sich gezogen und ließ ihre Gedanken schweifen – weg von der inneren Uhr, weg von Albträumen und dem Krieg, weg von Malfoy und dem Bindungszauber – bevor sie eine Bewegung neben sich registrierte. Sie brauchte einige Sekunden um sich aus ihrer Gedankenwelt zu lösen, als sie jedoch zu Malfoy herüber sah, bemerkte sie wie er langsam wach zu werden schien. Er bewegte sich unter der Decke und sein platinblonder Schopf drehte sich zu ihr herum, was sie unwillkürlich lächeln ließ. Als er seine Augen langsam, beinahe unsicher öffnete, musste sie sich ein Grinsen verkneifen in dem sie hart auf ihre Unterlippe biss. Er sah beinahe friedlich aus. Beinahe wie ein Engel mit der blassen Haut und dem hellen Haar. Diese Gedanken verscheuchte sie jedoch schnell wieder. Sie waren absurd.

„Morgen.", grummelte er, da er Hermiones Augen auf sich spürte.

Hermione zuckte leicht, hob ihre Augenbrauen bevor sie ihm letztlich mit einem leisen Guten Morgen antwortete. Sie sah wie er sich langsam aufrappelte, sich durch das zerwühlte Haar fuhr und über seine Augen rieb. Wer hätte geahnt, dass ein müder, morgendlicher Draco Malfoy so menschlich wirken konnte?

„Wie spät ist es?", fragte er dann und setzte sich mehr auf, so dass die Decke in seinen Schoß fiel und Hermiones Blick fiel zum ersten Mal auf seinen Oberkörper. Er hatte ihr gesagt, dass er nur in Boxershorts schlief und man hätte meinen können, es wäre ihr am Abend zuvor aufgefallen, doch um ehrlich zu sein...es war ihr nicht aufgefallen.

Er war genauso blass wie in seinem Gesicht. Seine Haut hatte einen Ton, welchen sie am liebsten mit Porzellan vergleichen würde. Porzellan hatte jedoch nicht so viele Makel. Sie konnte sie sehen. Sie konnte die noch helleren, jedoch viel rosastichigeren Verfärbungen auf seiner Haut – Narben.

Sie bemerkte natürlich, dass sie ihn anstarrte und sie bemerkte auch, dass er sie ließ. Vielleicht war dies auch der Grund warum sie nervös wurde, sich über die Lippe leckte, eine widerspenstige Strähne hinter ihr Ohr klemmte und letztlich zu ihm hoch sah. Sie sah ihn unverwandt an in der Hoffnung er würde sie nicht auf das Starren ansprechen. In der Hoffnung er würde sie damit nicht aufziehen.

„Kurz nach 6. Ich glaube...wir sollten – da die Anderen wahrscheinlich alle noch schlafen – naja..."

Hermione stockte und sie wusste, dass es albern war. Sie war sonst so mutig, doch in diesem fall fühlte sie sich schwach und kraftlos. Sie konnte nicht einmal sagen, dass sie die Dusche hinter sich bringen sollten. Sie konnte es einfach nicht.

„Gute Idee. Nimm deine Sachen. Muss ja keiner mitbekommen, vor allem nicht Blaise oder Nott. Die würden wahrscheinlich vor dem Bad campieren und uns belauschen wie die letzten Idioten...", gab er dann von sich und für eine Sekunde löste er damit bei Hermione ein Lächeln aus. Er schien darauf gehofft zu haben, denn auch er grinste leicht.

In manchen Momenten fragte sie sich, warum sie ihn immer für einen Widerling gehalten hatte. Warum sie es noch immer tat. Er zeigte ihr immer wieder eine nette Seite von sich – letzte Nacht zum Beispiel. Oder jetzt. Und dann fielen ihr die vielen Momente ein in denen er sie zur Weißglut brachte und sie war sich sicher, dass es einfach nur dem Frieden dienen sollte. Er wollte es wahrscheinlich nicht noch schwerer haben, als es ohnehin schon war. Absolut verständlich.

Es dauerte noch einige Momente, bis sie sich von ihrer Decke befreite und zu ihm rüber sah und gemeinsam kletterten sie aus dem Bett heraus. Sie nutzten beide Hermiones Seite, so waren sie näher an ihren Sachen. Diesmal versuchte Hermione ihn nicht aus dem Augenwinkel zu beobachten als sie nach ihrer Uniform griff. Sie nahm außerdem ihren Kulturbeutel mit und als sie sicher war, dass er nicht hinsah ließ sie frische Unterwäsche und Socken zwischen ihre Bluse und ihren Rock gleiten.

„Hast du alles?"

„Ja ich bin so weit."

Er nickte nur und ging voran. Sie folgte ihm – zwei Schritte Abstand lassend – aus dem Zimmer und dann in Richtung Bad. Ihr Herz schlug immer schneller. Sie spürte wie es ihr bis zum Hals schlug und wie ihr etwas schwindelig wurde. Nicht weil sie zu weit voneinander entfernt waren, aber weil sie das hier einfach nicht wollte. Nicht konnte.

Und selbst als sie die Badezimmertür hinter sich verschlossen, rauschte ihr Blut noch in ihren Ohren und sie schaffte es nicht sich zu beruhigen. Er legte seine Sachen ab und sie tat es ihm gleich, doch sie spürte wie ihre Hände zitterten, wie ihre Knie weich wurden und wie alles vor ihren Augen verschwamm. Sie hielt sich am Waschbecken fest, atmete tief ein und aus und schloss die Augen. Nur für einige Sekunden.

Als sie ihre Augen öffnete und zu der Dusche herüber sah, welche nur drei oder vielleicht auch vier kleine Schritte entfernt war, entdeckte sie Malfoy, der über seine Schulter hinweg zu ihr sah. Er war schon entkleidet und schien tatsächlich zu warten. Ihre Wangen wurden rot und sie schlug sich die Hand vor ihre Augen. Wie ein kleines Kind.

„Jetzt komm endlich Granger. Stell dich nicht so an."

Sie konnte diesen Ton nicht ausstehen. So herausfordernd. So trietzend. Bis gerade hatte er seine freundliche Seite gezeigt und jetzt...jetzt ließ er wieder seine höhnische, unverschämte, teilweise auch anzügliche Seite blicken. Sie spürte wie ihr Körper vor Wut zu zittern begann. Es war wie eine Achterbahnfahrt – oder ein Ritt mit dem Besen für sie. Ein Auf und Ab. Ein ständiger Wechsel von sich beinahe sicher und verstanden fühlen zu sich gedehmütigt und gereizt und wütend fühlen. Er hatte es in den Händen und er schien es zu genießen.

Ohne weitere Umschweife, vielleicht weil er sie so herausgefordert hatte, schälte sie sich aus ihrer Schlafbekleidung. Sie hatte ihm ihre Seite zugedreht, so dass sie ihre Sachen sorgsam ablegen konnte, bevor sie sich ihre Duschsachen nahm und zu ihm unter die Dusche trat. Er hatte sie nicht mehr angesehen als sie auf ihn zugegangen war. Und es hatte sie durchaus erleichtert, denn sein Blick auf ihr hätte wahrscheinlich all ihren Mut und auch die Wut verfliegen lassen. Sie stellte ihr Duschgel und ihr Shampoo ab und drehte ihm den Rücken zu. Sie spürte noch immer ihr Herz klopfen, doch sie versuchte es zu ignorieren, als sie sich auf die Dusche konzentrierte.

Ein wirklich unmögliches Unterfangen übrigens. Sie berührten sich immer wieder dabei. Sie spürte immer wieder seinen Ellenbogen in ihrem Rücken, oder ihre Haare fielen über seine Schultern. Als sie sich tatsächlich einmal richtig berührten, schraken sie Beide zusammen und machten jeweils einen halben Schritt nach vorne, was dazu führte, dass sie mit ihren Gesichtern beinahe die Fließen berührten. Sie seufzte lautstark und er brummte als wolle er ihr antworten.

Letztlich endete die Dusche schnell – auch wenn es Beiden wie eine Ewigkeit vorkam – was die Peinlichkeit jedoch noch lange nicht beendete. Sie drehten sich Beide beinahe zeitlich um und griffen nach ihren Handtüchern. Sie stieg schnell aus der Dusche und schlang sich das Handtuch um den Körper. Sie beugte sich vor um ihre Haare in einem weiteren einzuwickeln und als sie wieder hochkam, erwischte sie Malfoy mit dem Handtuchturban. Sie biss sich auf die Unterlippe als sie ihn beinahe entschuldigend anblickte. Er sagte nichts, wirkte nicht einmal böse, sondern eher verwundert. Diese Dusche hatte offenbar Beide mehr oder weniger schwer belastet. Hermione war sich ziemlich sicher, dass man es ihnen ansehen konnte. Sie konnte es zumindest Malfoy relativ gut ansehen.

Sie hatten seit Minuten nicht mehr miteinander gesprochen und langsam wurde die Stille peinlich, doch sie würde sie nicht brechen. Was sollte sie auch sagen?

Hermione zuckte mit den Schultern und nahm dann ihre Zahnbürste und begann sich die Zähne zu putzen. Von allen Dingen, die sie heute schon getan hatten, war das wahrscheinlich das absolut Einfachste. Es hatte beinahe etwas friedliches, als auch Malfoy sich neben sie stellte und es ihr gleich tat.

Und dann wurde es wieder unangenehm als sie ihre Haare aus dem Turban löste und sie mit einem Zauber leicht antrocknete und sie dann zu einem Zopf zu flechten begann. Es war nicht unangenehm das zu machen, nein unangenehm war die Tatsache, dass ihr Handtuch sich langsam zu verabschieden drohte und langsam an ihrem Oberkörper zu rutschen begann. Sie hatte gerade ihren Zopf mit einem Haargummi fixiert, als sie die Enden des Handtuchs ergriff. Sie war sich nicht einmal sicher, ob Malfoy es bemerkt hatte. Im Grunde war es nicht wichtig, aber es war möglich und die Möglichkeit alleine machte sie wahnsinnig. Als sie sich herumdrehte um ihre Sachen zu ergreifen, hatte Malfoy sich schon fast komplett angekleidet. Sie zog eine Augenbraue hoch und sah beinahe fasziniert dabei zu, wie er langsam und bedächtig die Knöpfe seines Hemdes schloss. Er hatte wirklich keine einzige Sekunde damit verschwendet über sie nachzudenken. Und sie? Sie hatte beinahe Panikattacken gehabt, weil sie so Angst davor gehabt hatte, er könne mehr sehen als er sollte.

Er setzte sich letztlich auf den mit Samt überzogenen Hocker hin und wartete. Diesmal betrachtete er sie tatsächlich und wieder einmal färbten sich ihre Wangen rot. Na fantastisch. Wäre sie zügiger gewesen, wäre diese Situation gar nicht erst entstanden.

Diesmal versuchte sie wirklich nicht über ihn nachzudenken als sie nach ihren Sachen griff. Sie zog ihre Unterwäsche zwischen ihrer Bluse und ihrem Rock hervor und für eine Sekunde wollte sie zu ihm herüber blicken um zu sehen, ob er sie noch immer beobachtete, doch sie entschied sich dagegen. Sie versuchte ihre Unterwäsche zügig an zu bekommen – zuerst ihren Slip, wobei sie das Handtuch noch um ihren Körper geschlungen ließ, und dann ihren BH wobei sie ihm den Rücken zudrehte. Ihr Herz raste immer noch als sie sich ihren Rock überstreifte und dann begann ihre Bluse langsam zuzuknöpfen. Um ihre Strümpfe und Schuhe anzuziehen, ließ sie sich neben ihm nieder. Ihre Hände zitterten noch immer als sie sie letztlich in ihrem Schoß liegen ließ und eine Sekunde der Ruhe genoss.

„Würdest du eben raus gehen?"

„Was?"

„Raus gehen. Würdest du? Nur zwei Minuten, ich uhm...sag Bescheid wenn du wieder rein kommen kannst damit wir die 5 Schritte nicht zu lange überschreiten."

Sie wollte protestieren, als sie plötzlich inne hielt, weil ihr klar wurde, warum sie raus gehen sollte. Sie nickte schnell, stand auf, stolperte beinahe über ihre eigenen Füße und lehnte sich gegen den Türrahmen und zog die Tür zu um ihm einige Augenblicke zu gestatten. Und um sich selbst einige Augenblicke zu gestatten. Sie war noch immer ganz benommen von allem und ihr wurde wieder schwindelig. Diesmal war es ein Zusammenspiel aus dem Zauber und ihrem tatsächlichen Befinden. Es war zum Verrückt werden.

Doch lange Zeit um nachzudenken hatte sie nicht. Er war schneller an der Tür als gedacht und sie sah zu ihm auf.

„Musst du noch einmal ins Bad, oder können wir?", fragte er schließlich und sie schüttelte den Kopf.

„Morgen.", hörten sie dann plötzlich und Beide drehten sich herum um Daphne zu begrüßen. Sie sah noch sehr müde aus und ihre schönen blonden Haare waren noch ganz zerzaust, was Hermione ein Lächeln entlockte.

„Morgen.", sagten sie dann gleichzeitig.

„Ihr seid fertig? Darf ich dann?", fragte sie noch leicht gähnend. Hermione und Malfoy sahen sich kurz an, nickten dann und traten bei Seite. Daphne nahm es einfach hin, ging an ihnen vorbei ins Badezimmer und schloss die Tür hinter sich.

Hermione und Malfoy mieden es miteinander zu sprechen. Zumindest wirkte es so. Sie hatten ihre Sachen in einvernehmlichem Schweigen zusammengepackt und dann waren sie auch schweigend hinab in den Aufenthaltsraum gegangen. Sie warteten auf die Anderen. Schweigend. Und mehr als ein knappes Morgen hatten sie für die Anderen auch nicht wirklich übrig.

Erst als sie alle versammelt am Slytherintisch saßen – die meisten anderen Schüler ihrer Stufe hatten beschlossen sich dazu zu gesellen, vor allem um Hermione zu unterstützen – fiel es den Anderen jedoch auf. Hermione stocherte Gedankenverloren in ihrem Essen und Malfoy ignorierte jede Frage, die ihm gestellt wurde.

„Die Dusche heute morgen hat sie traumatisiert.", grinste Zabini plötzlich.

„Was soll einen dabei schon traumatisieren? Es ist eine verdammte Dusche.", fragte Goyle verständnislos.

„Es geht nicht um das Wasser, Greg, es geht darum, dass sie sich gegenseitig nackt gesehen haben.", grinste Nott und Neville, der neben Hermione saß begann wild zu husten vor Schreck.

„Und was soll daran so wild sein?"

Millicents Ton spiegelte ihr Unverständnis wieder. Was sollte schon an Nacktheit schlimm sein?

„Das sollten wir die Beiden ja fragen. Obwohl wir natürlich auch spekulieren könnten. Also ich wette ja, dass Granger noch nie einen Typen nackt gesehen hat.", grinste Nott und Parkinson gluckste leise vor sich hin. Sie stoppte erst als ihr klar wurde, dass sie damit ja Malfoy als ersten Jungen nackt sah – sie erschauderte bei dem Gedanken.

„Oder sie war einfach so angewidert davon einen Vampir nackt zu sehen.", konterte Dean und Seamus klopfte ihm auf die Schulter.

„Und Draco ist wahrscheinlich so...weil er noch nie jemand so...gewöhnliches gesehen hat.", begann Parkinson dann zu spekulieren und selbst Daphne musste die Augen rollen. Pansy war einfach nicht in der Lage ihre Zuneigung zu Malfoy geheim zu halten. Manchmal nervte es sogar.

„Oder er ist so sprachlos, weil sie absolut gar nicht gewöhnlich ist Pans. Wer weiß das schon, den Vergleich hätte er ja.", ein verschmitztes Grinsen umspielte Zabinis Lippen und Parkinson stieß ein Zischen aus.

„Oder sie hat drei Bustwarzen.", konterte sie.

„Moment mal, ich dachte das wärst du gewesen."

Nott und Zabini lachten Beide und schüttelten ihre Köpfe. Parkinson war offensichtlich beleidigt, doch das interessierte die Jungs so absolut gar nicht. Sie amüsierten sich. Das spekulieren machte definitiv Spaß, vor allem da die Hauptfiguren anwesend waren, aber so weggetreten waren, dass sie ihre Diskussionen nicht einmal bemerkten.

„Oder es ist gar nichts passiert und die zwei sind einfach...es ist eine schwere Situation.", gab Neville nun endlich von sich. Er wollte nicht, dass diese Diskussionen ausarteten. Ihm gefiel es auch nicht wie man über seine Freundin sprach. Es war keineswegs schmeichelhaft.

„Wie langweilig." Tracey mischte sich zum ersten Mal ein, schob sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und zuckte mit den Schultern.

„Ich glaube schon das etwas passiert sein muss, oder hast du sie jemals so gesehen Longbottom? Dir fehlt nur die Fantasie.", fuhr sie fort und Neville wurde beinahe rot.

„Und was glaubst du wie es war?", fragte Nott seine Mitschülerin und die sah einen langen Augenblick zu Malfoy und Hermione herüber.

„Ich glaub ja es hat schon vorher angefangen. Ich glaub er ist mit einer Morgenlatte aufgewacht und da hat Granger schon rot gesehen. Und dann hat er wahrscheinlich ein dummes anzügliches Kommentar nach dem anderen gemacht."

„Das erklärt warum sie so verstört ist...warum ist Draco so?", hakte Zabini nach. Traceys Geschichte klang immerhin gar nicht so unrealistisch in seinen Ohren.

„Ich glaub sie hat ihm wieder eine verpasst. Vielleicht hat sie aber diesmal die Gunst des Augenblicks genutzt und eine viel...empfindlichere Stelle getroffen. Würde mich nicht wundern.", sie zuckte mit den Schultern.

„Das glaub ich eher nicht. Ich glaube es ist nichts passiert. Also nichts schlimmes. Sie sahen noch nicht so verstört aus, als ich sie vor dem Bad getroffen habe.", gab Daphne schließlich von sich.

„Musst du alles verderben Daph?"

„Es ist außerdem nicht fair so über die zwei zu sprechen Blaise, die sind noch nicht einmal in Gedanken bei uns. Wäre es nicht nett wenn sie wenigstens was dazu sagen könnten?"

„Wo wäre da der Spaß?"

„Du, Draco...", sagte Nott dann und als Malfoy nicht reagierte, warf er eine Weintraube nach ihm. Malfoy zuckte zusammen und sah zu Nott herüber.

„Was soll das?"

„Guckt mal Leute, er lebt."

Ein Grinsen umspielte Notts Gesicht.

„Was redest du für einen Unsinn?"

„Ist auch egal Mann, hör mal, wir haben uns gefragt wie es so gelaufen ist. Die Nacht und naja...die Dusche heute morgen?", er zwinkerte provokativ.

Malfoy funkelte Nott wütend an und schlug dann ohne Vorwarnung mit seiner Faust auf den Tisch und stieß dabei Hermiones Kaffeebecher um, der sich über ihr ergoss. Sie sprang auf und weitete ihre Augen vor Schock.

„Was soll das?", kreischte sie Malfoy an, der sie irritiert anblickte und dann die Augen rollte.

„War keine Absicht, beruhig dich."

„Beruhig dich? Ich muss verdammt noch mal hoch und eine neue Bluse anziehen. Sieh dir diesen Fleck doch einmal an Malfoy.", murrte sie.

„Dann kann er noch einmal zugucken wie du das gute Stück ausziehst und ein neues anziehst."

Zabinis Ton ließ Hermione ihren Kopf herumdrehen. Sie sah ihn aus verengten Augen an.

„Was hast du gesagt?"

„Oh sei doch nicht so Granger, wir wissen doch sowieso schon wie es zwischen euch in der Dusche war."

Sie drehte ihren Kopf noch einmal wütend herum, diesmal fixierte sie Malfoy.

„Bitte was?", war jedoch alles was sie herausbekam.

„Lass dich nicht provozieren Granger, die wissen gar nichts."

„Also ist doch was vorgefallen. Ich hatte Recht Longbottom. Schade das wir nicht gewettet haben.", sagte Tracey und grinste Neville an, der nur noch verlegener wurde und in seinem Sitz herumrutschte.

„Ihr seid doch….", doch sie brach ab und schüttelte den Kopf.

„Komm, ich muss eine neue Bluse anziehen. Sollen die sich doch weiter den Mund zerreißen über etwas wovon sie gar keine Ahnung haben...", sie sah dabei niemanden wirklich an, doch sie bemerkte wie Malfoy tatsächlich aufstand.

Sie wollte gerade losgehen, als sie sich noch einmal zu der Gruppe herumdrehte.

„Ihr wisst schon wie erbärmlich es ist was ihr da macht oder? Wir hatten einen verdammten Unfall, der von dreien von euch ausgelöst wurde, wir tragen die Konsequenzen und versuchen uns zu arrangieren und ihr...macht es nicht wirklich leichter. Danke für die Unterstützung."

Ihr Ton war so kalt, so durchdringend und ernst, dass es selbst die Slytherins kurz frösteln ließ.

Hermione und Malfoy waren schon weg als sich Zabini doch noch zu Worte meldete.

„Ist sie immer so, wenn sie wütend ist?"

„Schlimmer. Du solltest bei Hermione echt vorsichtig sein. Du willst sie echt nicht auf dem falschen Fuß erwischen."

„Jetzt frag ich mich langsam echt wen von Beiden ich wirklich bemitleiden soll – sie weil er ein echter Trottel sein kann und sie wahrscheinlich mit seinen Anzüglichkeiten in den Wahnsinn treiben wird, oder ihn weil sie echt...angsteinflößend sein kann.", sagte Tracey abschließend und sah in die Runde.

„Was haltet ihr von einer Wette?", schlug Dean nach einer ganzen Weile vor und obwohl Hermione ihnen gerade eben erst eine Standpauke gehalten hatte, willigten alle ein.

Fraglich war nur, wer gewinnen würde.