Kapitel 8:

Selbst für jemanden wie Hermione Granger bedeuteten Samstage, dass es legitim war auszuschlafen. Sie hatte ihre innere Uhr verspürt, doch heute ignorierte sie diese einfach, drehte sich noch einmal herum und vergrub ihren Kopf unter der Decke. Doch da wurden ihr auch schon die Stille, der Körper neben ihr und natürlich auch die Ereignisse der heutigen Nacht wieder bewusst. Sie erstarrte förmlich. Die Ganzkörperklemme dürfte nachgelassen haben und das bedeutete...sie wagte es gar nicht sich zu bewegen.

Hermione tat letztlich einfach so als würde sie noch schlafen. Sie begann wieder regelmäßig, langsam und etwas tiefer zu atmen und nach kurzer Zeit fiel es ihr auch deutlich leichter als zu Beginn. Sie hörte immer noch nichts und sie konnte auch nichts spüren. Keine Bewegungen. Nichts. Was er wohl machte? Und was er plante? Allein diese Gedanken machten sie beinahe wahnsinnig. Sie hätte nicht so reagieren dürfen. Nun fürchtete sie sich vor der Reaktion und egal wie diese aussehen würde, sie wäre sogar gerechtfertigt.

Die Zeit verging – sie fühlte sich zäh wie Honig an und Hermione fragte sich, ob er nicht doch noch schlief und sie sich umsonst Gedanken darüber machte, was seine Reaktion auf ihren Zauber sein würde. Doch sie wollte es besser nicht herausfordern. Also verharrte sie weiter in dieser Position, ihr Körper fühlte sich schon steif an, weil sie sich so anspannte. Ihr Nacken begann weh zu tun und ihre Finger verkrampften sich weil sie sich am Bettlaken unter ihr festklammerte.

Und dann wie aus dem nichts spürte sie wie die Decke zu schweben begann. Sie schwebte über ihr und Hermione drehte sich verwundert herum und kaum hatte sie Malfoys Blick mit ihren Augen eingefangen, fiel die Decke wieder auf sie herunter. Sie erschrak und quiekte irritiert auf. Sie schlug die Decke bei Seite und setzte sich hastig auf, sie wollte es nichtriskieren, dass dies noch einmal geschah und sah wieder zu Malfoy herüber, der jedoch nicht so aussah als wolle er reden. Im Gegenteil, er funkelte sie kühl an.

„Malfoy..."

„Oh nein Granger, sprich mich gar nicht erst an. Das letzte Nacht, das bedeutet Krieg. Und diesmal ist es mir egal wie fertig dich die Anderen machen, wie fertig du bist wenn du einen Albtraum hast oder wie prüde du bist. Nach der letzten Nacht nehm ich keinerlei Rücksicht mehr auf dich."

Sie schluckte. Einerseits hatte er ein Recht darauf wütend zu sein, andererseits spürte sie wie ihr der Tonfall dennoch missfiel. Er konnte ihr doch nicht deswegen den Krieg erklären – sie hatte auch schon Neville mit einer Ganzkörperklemme belegt und er war ihr Freund gewesen, damals schon.

„Aber.."

„Nichts aber, jetzt bewegst du deinen kleinen Arsch aus dem Bett, wir gehen duschen. Dann werden wir uns auf meinen Besen schwingen, du wirst genau das tun was ein artiges Mädchen tun sollte – die Klappe halten."

Wie er mit ihr sprach war eine Unverschämtheit, seine Worte führten nur dazu, dass es wieder in ihr zu brodeln begann, doch als sie wieder ansetzen wollte, schwang er seinen Zauberstab und sie bemerkte wie kein Ton ihre Lippen verließ. Sie funkelte ihn geradezu vernichtend an. Als sie nach ihrem Zauberstab greifen wollte, bemerkte sie wie er ihn schon in der Hand hielt.

„Oh nein, du wirst mich heute mit deinem Geplapper nicht nerven Granger. Ich gebe ihn dir zurück, aber nicht bevor wir geduscht und etwas gegessen haben."

Sie verschränkte die Arme vor der Brust, ihre Augen fixierten ihn und sie wollte ihn am liebsten verteufeln, doch was brachte es schon. Sie würde ihn fürs Erste in dem Glauben lassen er habe gewonnen. Das würde den Überraschungsmoment umso überraschender machen und ihren Sieg umso süßer.

Er bewegte sich langsam aus dem Bett und er bedachte sie dabei eines langen Blicks, worauf sie resigniert aus dem Bett stieg. Er griff nach seinen Sachen – Freizeitkleidung da sie ja nicht in den Unterricht mussten – und nach dem er sie beinahe tadelnd anstarrte, rollte sie ihre Augen und suchte sich ebenfalls etwas anzuziehen heraus.

Es war schon deutlich lauter als am Tag zuvor als sie aus ihrem Zimmer kamen, die meisten Geräusche kamen vom Gemeinschaftsraum, jedoch hörte man auch Geräusche aus allen möglichen Zimmern. Hermione bemerkte das eines der Badezimmer frei war, denn die Tür stand offen und sofort bewegte Malfoy sich darauf zu und sie folgte ihm nach wenigen Sekunden – sie reizte die fünf Schritte definitiv aus.

Als sich die Tür hinter ihnen schloss, überkam sie wieder dieses ungute Gefühl und sie verfluchte sich selbst, dass sie nicht in der Lage war ohne Zauberstab zu zaubern. Sie konnte nonverbal zaubern, doch dazu brauchte sie den Zauberstab in ihrer Hand. Sie hasste die Grenzen der Magie. Oder zumindest die Grenzen die die Magie für sie hatte.

Sie dachte noch immer nach als Malfoy plötzlich vor ihr stand. Sie sah zu ihm und da bemerkte sie, wie wütend er drein blickte.

„Granger, man kommt ins Badezimmer zum Duschen, nicht zum Löcher in die Luft starren. Wenn du jetzt also aufhören könntest meine Zeit zu verschwenden und dich endlich ausziehen würdest..."

Sie blähte ihre Wangen schockiert auf und bewegte ihre Lippen wütend. Er konnte ahnen, dass sie ihn gerade verfluchte und anbrüllte, doch zu hören war absolut nichts von alldem.

„Ich kann dir auch helfen."

Ihr Mund klappte zu und sie starrte ihn fassungslos an.

„Würde zumindest schneller gehen. Also entweder du ziehst dich jetzt aus und wir stellen uns unter die verdammte Dusche oder ich zieh dich aus. Ganz wie du willst."

Ihre Wangen blähten sich wiederum auf, schockiert und empört und wütend und irgendwie auch unglaublich verlegen bei dem Gedanken. Sie drehte sich von ihm weg und machte einige Schritte auf die Dusche zu, bevor sie sich, von ihm weg gewandt, begann auszuziehen. Sie schlüpfte aus ihrer Schlafbekleidung, ließ dabei ihre Augen geschlossen und als sie vollkommen entkleidet war, machte sie schnelle Schritte auf die Dusche zu und bemerkte erst da, dass er noch nicht in ihr stand, denn sie spürte das Ziehen in ihrer Bauchgegend. Es ließ schnell nach, was sie darauf schließen ließ, dass er näher kam. Sie hatte die Augen immer noch fest zu gepresst, weswegen sie zusammenzuckte als plötzlich Wasser auf sie niederprasselte, es änderte jedoch nichts daran, sie behielt ihre Augen fest geschlossen.

Die Dusche verlief zügig und weniger peinlich als den Tag zuvor, doch immer noch fühlte Hermione sich unbehaglich und sie war sich ziemlich sicher, dass es sich nicht ändern würde. Warum sollte sie sich auch daran gewöhnen mit Malfoy zu duschen?

Sie hatte ihr Handtuch um ihren Körper geschlungen, sah zu ihm herüber und als er gerade seine Haare mit einem Handtuch leicht trocken rubbelte, nutzte sie die Gunst der Stunde, ergriff ihren Zauberstab, den er glücklicherweise mitgenommen hatte, und nur kurze Zeit später spürte sie auch schon wie ihre Stimme wiederkehrte. Sie grinste breit.

Sofort drehte sie sich zu ihm herum, ihren Stab in der Hand und deutete auf ihn, doch das Grinsen verschwand sofort aus ihrem Gesicht als sie sah wie unglaublich tief sein Handtuch hing und wie er sie mit ernstem Blick ansah. So durchdringend.

„Ziemlich späte Reaktion, ich hatte eigentlich viel eher damit gerechnet. Aber gut besser spät als nie.", sagte er unbeeindruckt, was sie doch mehr überraschte als sie wahrscheinlich zugeben würde.

„Allerdings muss ich sagen, dass mir diese andere Reaktion zu denken gibt, dein Blick hängt sehr tief Granger. Es wäre sehr anständig von dir mich nicht so anzustarren wenn ich fast nackt bin."

„Ich starre dich doch gar nicht an."

„Ach nein, deine Augen hängen immer noch etwas unter meinem Bauch, du siehst mich nicht einmal an wenn ich mit dir rede. Ganz schön frech."

Sie starrte ihn wütend an, ihre Lippen nun bebend vor Empörung.

„So ein Unsinn, ich habe dich einmal kurz gemustert nur um festzustellen, dass es mir nicht gefällt wenn du halb nackt in meiner Umgebung bist, aber sei ruhig weiter so eingenommen von dir selbst. Nicht jeder findet dich so unwiderstehlich wie du glaubst Malfoy."

„Heute bist du ja richtig schlagfertig Granger. Ich bin beeindruckt.", sein Grinsen wollte sie ihm liebsten aus dem Gesicht hexen.

„ich hab nur die Nase voll wie du mit mir sprichst. Und es wäre nett wenn du dir endlich was anziehen würdest..."

„Oh das könnte ich dir auch sagen, das Handtuch teilt sich an einer sehr vorteilhaften stelle dort vorne...", sagte Malfoy grinsend und sofort blickte Hermione an sich hinab und tatsächlich überlappte das Handtuch nicht ganz und es teilte sich leicht zwischen ihren Beinen. Nicht genug um ihm etwas zu zeigen, aber genug um sie wieder auf die Palme zu bringen.

Sie funkelte ihn wütend an.

„Du bist so ein Perversling."

„Sagt gerade die, die dachte ich würde mir neben ihr einen runterholen."

„Sei still."

„Warum? Gefällt es dir nicht, wenn ich so etwas sage Granger? Warum denn? Stellst du es dir dann bildlich in deinem Köpfchen vor, mh?"

Sie umklammerte ihren Zauberstab und spürte wie ihre Hand zu zittern begann.

„Ich bin nicht so wie du Malfoy. Ich werde nicht von meinen Urtrieben gelenkt."

Sie hatte es beinahe gezischt und er konnte nicht anders als lachen.

„Stimmt ja, die Heilige Granger denkt ja niemals unsittlich. Liegt wahrscheinlich daran, dass sie sich noch niemals unsittlich verhalten hat. Sie ist eben die Schutzheilige der Gryffindors. So süß, so unschuldig, so prüde."

Er zog sie regelrecht auf und das gefiel ihr nicht. Sie hasste es wie er zu ihr sprach, so als stünde er über ihr.

„Wenigstens bin ich nicht die Schulschlampe."

Er wäre ja wütend geworden, wenn es nicht so amüsant wäre, also lachte er.

„Gestern hast du mich Arschloch genannt und heute schon Schlampe. Wow Granger, ich wusste gar nicht was für einen verdorbenen Mund du hast."

„Sei einfach endlich still Malfoy."

„Oh und mir diese Diskussion entgehen lassen, niemals. Du weißt, dass ich Recht habe Granger. Du reagierst gereizt auf dieses Thema weil es etwas ist womit du dich nicht auskennst. Die, die sonst alles weiß und kann. Schon traurig wenn man nicht die Fachfrau auf jedem Gebiet sein kann, was?"

Die Art und Weise wie sie ihn anfunkelte ließ ihn nur noch breiter grinsen, so als würde ihre Reaktion ihn nur noch mehr bestätigen.

„Macht es denn nichts mit dir zu wissen, dass du auf diesem Gebiet einfach nichts weißt? Bist du gar nicht neugierig?", er provozierte sie weiter und für eine Sekunde dachte er, sie würde ihm wieder eine Ganzkörperklemme verpassen, doch sie ließ den Zauberstab letztlich sinken. Endlich.

„Ich habe das theoretische Wissen, wie jeder oder jede Andere auch. Und mehr brauche ich fürs erste nicht. Danke vielmals für deine Sorge, aber die kannst du dir sonst wohin stecken. Ich brauche sie nicht."

„Oh ich sorge mich sehr, vor allem da ich langsam das Gefühl habe, dass du Nudistin bist. Immerhin streiten wir nun schon den zweiten Tag hintereinander während du kaum bekleidet bist. Langsam beginne ich wirklich noch zu glauben, du magst es, wenn ich dich nackt sehe."

Hermione drehte sich endlich weg von ihm und griff nach ihrer Kleidung. Sie hasste es. Sie hasste das alles hier. Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, streifte sie sich ihre Sachen über, dieses Mal achtete sie nicht einmal darauf ob er viel sehen konnte oder nicht – er hatte sowieso schon zu viel gesehen. Und sie wollte einfach nur noch eine schützende Schicht Material an ihrem Körper spüren. Wie einen Panzer.

Es war beinahe normal geworden – dieser Tanz aus Streit und dem betretenem Schweigen, welches auf den Streit folgte. Mehrfach am Tag fuhren sie sich an, nur um sich daraufhin wieder an zu schweigen. Es war zum verrückt werden.

Und dann waren da noch die Situationen in die die Anderen involviert waren, in diesen Momenten erschien Malfoy ihr beinahe normal und als wäre er ihr Verbündeter. Doch nach dem gestrigen Abend und dem heutigen Morgen würde sie dieses Wort nicht einmal mehr denken. Er hatte Grenzen überschritten – so wie sie wahrscheinlich auch, nicht das es eine Rolle spielte.

Hermione war in ihre Gedanken vertieft als sie die Treppe zum Gemeinschaftsraum hinabstiegen und so bemerkte sie auch nicht wie die Gespräche um sie herum erstarben. Im Gegensatz zu Malfoy, der eine Augenbraue hob. Es war wirklich erbärmlich, wie sie sagen würde, wie fixiert ihre Mitschüler auf sie waren. So als ob es keine interessanteren Themen mehr gäbe.

Um keine weiteren Diskussionen zu fördern, oder Granger aus ihrer Starre zu wecken, ignorierte er einfach all seine Mitschüler und marschierte schnurstracks zum Ausgang und Hermione folgte ihm tatsächlich hinaus. Er musste zugeben, dass ihm die Schockstarre doch ganz gut gefiel – er musste sich das Geplapper nicht anhören, sie drohte ihm nicht mit ihrem Zauberstab und vor allem musste er ihr keine Anweisungen geben, sie folgte ihm einfach intuitiv. Es war beinahe perfekt. So perfekt wie so eine beschissene Situation eben sein konnte.

„Zieh dir etwas warmes über."

Hermione sah erschrocken hoch, als sie bemerkte das man mit ihr sprach. Sie sah sich irritiert um und stellte fest das sie in ihrem Zimmer waren.

„Was?"

„Du sollst dir etwas wärmeres überziehen. Wir gehen raus aufs Quidditch Feld und ich will nicht das du mir die Ohren voll jammerst, weil dir so kalt ist."

„Ja. Gut."

Nun war es an ihm sie irritiert anzublicken. Hatte sie wirklich gut gesagt? Und ja auch noch? Nun begann es doch gruselig zu werden, doch er behielt diesen Gedanken für sich. Er konnte sie nicht auf seinem Besen gebrauchen, wenn sie so war wie immer. Es würde nur in einer Katastrophe enden.

Die Gryffindor wühlte abwesend in ihrem Kleiderschrank, bis sie ein übergroßes Sweatshirt hervor holte und es sich überstreifte. Er bemerkte nur flüchtig wie sie die Ärmel über ihre Hände zog und dann ihre Nase in dem Kragen des Shirts vergrub. Er konnte nur ahnen von wem das Shirt war und allein das ließ es wild in seinem Magen rumoren. Er ignorierte dieses Gefühl deswegen vollkommen und bedeutete ihr ihm zu folgen und noch immer gehorchte sie aufs Wort.

„Jetzt steig auf."

Hermione kam langsam wieder zu sich. Sie war nicht sicher warum sie sich so benebelt gefühlt hatte – wahrscheinlich eine Posttraumatische Belastungsstörung oder so etwas ähnliches – aber es verging so langsam. Deswegen beäugte sie den Besen eher argwöhnisch, bevor sie jedoch leise seufzte und sich hinter ihn auf den Besen schwang.

„Halt dich an mir fest."

„Was?", hörte sie sich empört sagen, es klang hoch und schrill und überhaupt nicht nach ihr.

Sie konnte förmlich spüren wie er seine Augen rollte. Er griff nach hinten, sorgte dafür, dass sie ihre Arme um seine Taille schlang.

„Fester, halt dich richtig fest. Wenn du runter fällst, brichst du dir nicht nur etwas, sondern ich falle noch vom Besen, weil ich wegen der Entfernung zwischen uns ohnmächtig werde – verstanden? Also klammer dich richtig fest."

Es machte Sinn, was er da sagte, das war das schlimmste an der Sache. Sie wollte nicht, dass es Sinn ergab. Sie wollte sich nicht an ihm festhalten müssen. Doch sie tat es. Jedoch nicht so fest wie sie konnte, sie versuchte noch immer ein klein wenig Abstand zwischen ihnen zu halten und das schien ihn zu nerven, denn er grummelte leise.

Als er sie vom Boden abstieß und der Besen zu schweben begann, spürte Hermione wie die bekannte Übelkeit in ihrem Magen aufstieg. Sie hatte sich mittlerweile ans Fliegen gewöhnt, doch sie hasste es noch immer und tat es nur wenn es absolut notwendig war. Wenn sie keinerlei andere Möglichkeiten sah.

Das Schweben war schon schlimm für sie, doch als er den Besen ruckartig hochzog, spürte sie wie sie ihr Gesicht gegen seinen Rücken presste und sie sich fester an ihn krallte. Ihre Nägel bohrten sich regelrecht in seine Kleidung, umklammerten das weiche Material aus dem sein Shirt gemacht war. Sie presste die Augen fest zu und konnte nur spüren wie er mit ihr auf dem Rücksitz begann durch die Lüfte zu sausen.

Auch mit geschlossenen Augen fühlte sie, wenn sie an Höhe gewannen, wann sie tiefer flogen, wann er scharfe Kurven flog und riskante Manöver probierte. Bei der ersten Schraube hatte sie noch gekreischt, doch bei jeder weiteren biss sie sich auf die Unterlippe. Ihr Gesicht war noch immer fest gegen seinen Rücken gepresst und ihre Finger verkrampften sich schon, so fest hielt sie sich an ihm.

„Mach die Augen auf."

„Nein.."

„Mach sie schon auf."

„Nein."

„Ich flieg doch gerade ganz gemächlich Granger, mach sie auf."

Sie knurrte und murrte, doch letztlich drehte sie ihr Gesicht leicht, und öffnete eines ihrer Augen langsam und ganz vorsichtig. Unter ihnen lag das Schloss, die Ländereien und alles was dazu gehörte. Sie flogen so hoch, dass es sie erstaunt japsen ließ. Der Anblick war jedoch berauschend. Sie wagte es sich, sich etwas von seinem Körper zu lösen, ihre verkrampften Finger gaben etwas nach und sie hob den Kopf nun ganz von seinem Rücken und sie blickte hinab. Sie spürte den Schwindel zwar, den Höhen bei ihr verursachten, doch sie spürte auch eine enorme Zufriedenheit. Sie fühlte sich frei wenn sie so weit oben über all dem Geschehen war. So als wären die Dinge unter ihnen absolut belanglos für sie.

„Warum zeigst du mir das?"

Sie war irritiert, schockiert aber auch ehrlich neugierig.

„Weil du dich wahrscheinlich immer so verkrampfst wenn du fliegst, und dann auf die schönen Momente gar nicht achtest."

Hermione wollte sich gerade dafür bedanken, doch sie hatte ahnen müssen, dass noch etwas anderes folgen würde.

„Außerdem hast du dich so an mich gekrallt, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass mein ganzer Bauch von deinen Kratzspuren übersät ist. Steh ich zwar drauf, aber nicht auf diese Art und Weise Granger."

Sie waren hoch oben in der Luft und sie war sich dessen bewusst, weswegen sie ihn diesmal nicht verhexte – sie schlug ihm auch nicht auf den Hinterkopf oder sonst wohin, sie schnaubte lediglich leise. Nur damit er wusste wie sehr sie seine Bemerkungen missbilligte.

„Willst du wieder runter?"

„Nein, zieh noch einen langsamen Kreis über all dem hier. Ich hab es wirklich noch nie so gesehen.", gestand sie dann. Diese kleinen Momenten zwischen den Streitigkeiten und den Streitereien waren beinahe freundschaftlich verständnisvoll und sie musste gestehen, dass es sie verwirrte. Aber es tat ihr auch unglaublich gut.

Wie gewünscht zog Malfoy noch einige langsame, ruhige Kreise über den Ländereien. Hermione lehnte sich wieder mehr gegen ihn, beinahe automatisch, während sie ihre Augen über die Landschaft schweifen ließ. Und da bemerkte sie es – diesen angenommen Geruch, den er verströmte. Und wie warm er unter ihren Fingern, an ihrem Körper war. Ihr Herz machte einen lauten, heftigen Satz als sie bemerkte woran sie hier eigentlich dachte. Sie wollte weg von ihm. So weit weg wie es nur ging. Und sie wusste es ging nicht.

Zum ersten Mal seitdem sie an einander hingen, spürte Hermione wie ihr eine leise Träne aus dem Augenwinkel entfleuchte.

„Wo ward ihr?"

„Fliegen."

„Und Granger hat das überlebt? Meinen Glückwunsch."

Zabinis Grinsen ließ Hermione kalt. Es sollte sie provozieren, dass wusste sie, doch es ließ sie vollkommen kalt.

„Was habt ihr sonst so vor, Mann?"

„Keine Ahnung um ehrlich zu sein, plant ihr irgendetwas?"

„Daphne hat vorgeschlagen, dass wir uns alle besser kennen lernen – keine Ahnung was die schon wieder nimmt. Die klingt langsam mehr nach einer Hufflepuff."

„Und wie will sie das anstellen?"

„Gemeinsamer Ausflug und dann eine Kennen-Lern-Party.", Zabini äffte Daphne ziemlich perfekt nach. Sein Tonfall wirkte perfekt und Hermione konnte sich diesmal ein leichtes Lächeln nicht verkneifen.

„Granger, hast du was besseres vor, oder schließen wir uns den Idioten an?"

„Ja warum nicht? Kann ja nicht schlimmer sein, als meine Zeit mit dir alleine zu verbringen."

„Woah Draco, das war ein Tiefschlag."

Malfoy sah sie lange und durchdringend an und für einen kurzen Moment hatte sie Angst er wüsste, dass sie wirklich nicht mit ihm allein sein wollte. Das der Besenflug sie irritiert hatte, doch er fixierte Zabini sofort wieder mit seinen Augen und Hermione seufzte erleichtert.

„Gut dann sind wir dabei, wann beginnt der Ausflug? Ich nehme an sie will nach Hogsmeade?"

„Ja, sie will wohl vor allem Alkohol besorgen. Sie sagte so etwas wie – man muss bei manchen Menschen eben nachhelfen und das interessante mit etwas flüssiger Courage herauskitzeln."

„Kluge Frau."

„Ich würde sagen so in zwei Stunden, ich hol euch ab, wenn ihr noch einmal hoch wollt. Etwas gemeinsame Zeit genießen...", er grinste breit und zu Zabinis Erstaunen reagierte weder Hermione noch Malfoy übertrieben gereizt auf das Kommentar. Sie wirkten um ehrlich zu sein eher gedankenverloren

Er sah ihnen noch nach als sie langsam hochgingen, bevor er selbst hoch sprintete und an Notts Tür klopfte.

„Was ist Alter, ich wollte noch schlafen."

„Ich glaube wir verlieren die Scheiß Wette, wir müssen was unternehmen...", mit diesen Worten schob er Nott in sein Zimmer und ließ die Tür hinter sich zufallen.