Kapitel 9:

Der Gedanke den Tag mit den Anderen zu verbringen war zwar nicht rosig, jedoch um einiges erträglicher als die Vorstellung mit Malfoy alleine zu sein. Hermione spürte seinen Blick auf ihr als sie sich das Sweatshirt über den Kopf streifte und ihn beinahe achtlos auf ihr Bett fallen ließ. Er hatte sie warm gehalten während des Fluges, doch er war deutlich zu dick für einen Spaziergang durch Hogsmeade und erst recht für einen Abend im Gemeinschaftsraum. Außerdem roch er jetzt schon beinahe aufdringlich nach Malfoy.

„Und du willst wirklich den Abend mit den Anderen verbringen?", fragte er in die Stille hinein und Hermione drehte sich nur langsam zu ihm herum, bevor sie sich auf die Kante des Bettes niederließ. Er kam zwei Schritte auf sie zu, nur um die Distanz zu verringern und das Ziehen weniger stark zu verspüren. Es war nicht unangenehm gewesen, dennoch deutlich spürbar.

„Willst du mir etwa damit vermitteln, dass du nicht möchtest?"

„Wieder eine Gegenfrage auf eine ganz simple Frage meinerseits."

„Was war an der Frage schon simpel? Im Grunde fragst du damit doch eine Menge – du fragst danach ob ich die Anderen überhaupt sehen möchte. Du fragst aber auch was ich von solchen Zusammenkünften halte. Was ich von Alkohol halte und in was für einem Maße ich ihn selbst vertrage. Und dann hast du sicherlich noch im Hinterkopf, dass ich wahrscheinlich jemand bin, der solche Veranstaltungen früh verlässt, also fragst du außerdem wie lange ich plane dort zu bleiben. Simpel kann man diese Frage also wirklich nicht nennen."

„Du interpretierst zu viel Granger."

„Und du gibst mir zu viel Raum zum interpretieren Malfoy. Aber ja ich will den Abend wirklich mit den Anderen verbringen. Ich weiß noch nicht wie lange, ich kann nicht garantieren, dass ich selber etwas trinke und ich weiß auch nicht wie lange ich dabei bleiben möchte, aber ich würde gerne diesen Abend in Gesellschaft verbringen. In anderer Gesellschaft."

Er nickte nur und das ließ Hermione erleichtert seufzen. Es fiel ihr nicht leicht sich selbst einzugestehen, dass sie gerade heute nicht so schnell und nicht zu lange mit ihm alleine sein wollte. Es war verrückt wenn man es so betrachtete, denn es blieb ihnen ja nichts anderes übrig. Früher oder später würden sie wieder alleine sein. Doch Hermione hatte dennoch das Gefühl, dass ihr etwas andere und abwechslungsreichere Gesellschaft gut tun würde. Vielleicht konnte sie sich ja von den seltsamen Gedanken befreien – zumindest für eine kurze Zeit.

Es klopfte an der Tür und dann schwang diese schon auf und eine ziemlich zufrieden aussehende Daphne kam herein. Sie trug Freizeitbekleidung – eine eng anliegende Hose, ein dunkelgrünes Shirt und einen wirklich warm wirkenden silber-grünen Schal. Ihre blonden Haare fielen in groben Locken um ihre Schultern und Hermione musste zugeben, dass das Mädchen wirklich hübsch war. Mehr als das.

„Seid ihr zwei soweit? Wir wollten langsam aufbrechen und Blaise sagte ihr wollt mitkommen."

„Du wirst langsam zur Hufflepuff Daph, dein Strahlen ist ja nicht auszuhalten."

„Kann nicht jeder so ein schrecklicher Griesgram sein so wie du Draco."

Hermione lächelte als sie der freundschaftlichen Kabbelei lauschte. Sie wusste nicht viel über die Beziehungen der Slytherins untereinander, doch sie hatte bemerkt, dass Daphne wohl jemand war, die so absolut nicht in dieses Haus zu passen schien. Sie wurde von ihren Mitschülern aufgezogen, wie jeder andere auch, doch Hermione war eben auch aufgefallen, dass sie bei ihr niemals unter die Gürtellinie gingen. Daphne schien die gute Seele des Hauses zu sein und vielleicht mochte Hermione sie deswegen auch so gut leiden.

„Also ich bin bereit.", sagte Hermione letztlich und hatte sich noch schnell eine Strickjacke geschnappt. Sie befürchtete nämlich das die eher dünne babyblaue Bluse nicht warm genug sein würde. Natürlich konnte man sich mit entsprechenden Zaubern warm halten und doch war es ein kleines Ärgernis für sie Hexen und Zauberer zu sehen, die sich Jahreszeit untypische Kleidung anzogen. Es erweckte Neugier und Aufmerksamkeit und manchmal fragte sie sich, warum nicht mehr Muggel das seltsame Verhalten mancher Menschen hinterfragten. Von der seltsamen Kleidung angefangen, bis hin zu den Gesprächen die Magier manchmal mitten auf der Straße in Muggelgebieten führten. Sie hatte schon mehrfach die Straßen von Muggellondon durchstreift und dann Gesprächsfetzen von Zauberern aufgeschnappt um sich dann zu fragen, wie man so offen seine Andersartigkeit demonstrieren und damit eine Gefahr darstellen konnte. Sie empfand es zwar als Fehler Muggel und Menschen weiterhin konsequent voneinander zu trennen, doch wenn man diese Regeln schon befolgte, warum war man dann so blind und unvorsichtig?

Sie schüttelte den Kopf um diesen von den Gedanken zu befreien.

„Dann mal los.", sagte Malfoy nur und Hermione nickte bestätigend und sie folgten Daphne aus dem Zimmer um ihre erste gemeinsam geplante Gruppenaktivität zu beginnen. Ob das wohl gut gehen konnte?

Malfoy ging einige Schritte vor ihr und unterhielt sich mit Goyle, Zabini und Nott, was Hermione ermöglichte den Weg nach Hogsmeade tatsächlich zu genießen. Sie achtete zwar sehr darauf sich nicht zu weit von ihm zu entfernen, doch sie ließ genügend Abstand, um die Jungs bei ihrem Gespräch nicht zu sehr zu belauschen.

Doch sie blieb nicht lange alleine, denn schon bald lief sowohl Daphne neben ihr als auch Lisa Turpin und Tracey Davis. Sie hatte sich nie viel mit Mädchen umgeben, hatte nie viele weibliche Freunde gehabt, Ginny und Luna ausgenommen, weswegen es sie leicht irritierte, dass die drei sich ihr anschlossen. Sie sagte jedoch nichts.

„Musst du irgendwelche Erledigungen machen?", fragte Daphne schließlich um die Stille zu brechen.

„Nicht wirklich, wieso fragst du?"

„Damit wir wissen, wo wir überall hinmüssen und ob es Sinn macht sich nicht vielleicht aufzuteilen. Ich würde ja beinahe sagen wir Mädels sollten etwas Zeit für uns haben, aber leider würdest du dabei Draco hinter dir her schleifen."

„Das bedauert keiner mehr als ich, glaub mir Daphne."

„Wo wir schon bei dem Thema sind...", setzte Tracey an und Hermione versteifte sich etwas, dennoch unterbrach sie die Gryffindor nicht. „Wie ist es so? Ich meine ihr habt eigentlich nicht viel darüber erzählt. Wie es funktioniert und wann ihr wieder von einander los kommt."

Zu ihrer Erleichterung waren es tatsächlich eher allgemeine Fragen. Offenbar sprach sich zwar vieles rum, aber eben nicht immer die Wahrheit und daran schienen sie ja doch Interesse zu haben.

„Ich kann euch nicht wirklich sagen wie es funktioniert, zumindest nichts ganz genau, aber im Grunde befindet sich in unserem Blut etwas das sich gegenseitig anzieht wie Magneten. Je weiter die Entfernung zwischen uns wird umso mehr verstärkt sich dieser Magnetismus. Jedoch würde man meinen, dass wir uns dann aufeinander zubewegen würden, was aber aus irgendeinem Grund nicht so ist. Diese verstärkte Anziehungskraft schwächt uns eher, vielleicht auch um uns dazu zu bringen uns wieder näher zu kommen und uns Erleichterung zu verschaffen. Ich habe noch keine logische Erklärung dafür gefunden, warum diese Anziehungskraft schädigend wirkt und nicht wirklich anziehend. Aber ich vermute es hat damit zu tun, dass wir lebende Wesen sind und diese magnetischen Strahlen auf dem Weg stecken bleiben und damit unseren eigenen Körper verletzen, anstelle durch den Körper durchzudringen und den anderen anzuziehen."

Die Mädchen blieben stumm während ihrer Erklärung und um ehrlich zu sein war sie dankbar darüber sprechen zu können und ihre eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen. Das Meiste war eben einfach nur Spekulation und sie hoffte man könne ihr mitteilen wie schlüssig oder unschlüssig es sich anhörte.

„Klingt nach einem ziemlich kompliziertem Zauber. Und nach einem verdammt schrecklichen Unfall wenn du mich fragst. Wenn wir alle noch nie etwas davon gehört haben – und selbst Madame Pomfrey ihre Schwierigkeiten damit zu haben scheint, dann muss es etwas äußerst seltenes sein und das ist wohl das tragischste an der ganzen Geschichte."

Hermiones Augen lagen auf Lisa, die ihre Hände in ihre Hosentaschen gleiten ließ und sie nicht einmal ansah. Vielleicht weil sie Angst hatte Mitleid zu zeigen. Wer mochte schon Mitleid.

„Und wie lange es genau dauert, nun da konnte uns bisher niemand eine konkrete Aussage drüber geben. Ich weiß nur, dass das Gegenmittel extra für uns zubereitet werden muss. Wie lange das dauert? Ich fürchte das wissen wir erst, wenn es soweit ist."

„Ich würde wirklich ungerne tauschen.", gab Daphne schließlich zu und erntete daraufhin nur zustimmendes Nicken von Tracey und auch von Lisa. Zu Hermiones Erstaunen entlockte es ihr ein kleines Lächeln.

„Wer würde schon gerne Tauschen."

Natürlich war es nur eine rhetorische Frage, doch sobald sie diese gestellt hatte, schoss es geradezu aus Tracey und Daphne heraus: „Pansy.", woraufhin alle vier lachen mussten. Die Jungs drehten sich verwirrt zu ihnen herum, schüttelten sogar die Köpfe, als es die Mädchen noch mehr zum Lachen brachte, bevor sie wieder nach vorne sahen. Vielleicht würde dieser Tag ja doch ganz gut verlaufen.

„Du willst uns alle vergiften."

„Zu Schnapsleichen machen."

„Dafür sorgen, dass wir uns morgen an nichts mehr erinnern."

„Und uns hemmungslos übergeben."

Daphne sah leicht irritiert aus, doch sie schüttelte nur ihren Kopf als sie die Flaschen in ihrer magisch vergrößerten Tasche verstaute.

„Werdet mal nicht so dramatisch, man muss ja nicht alles austrinken. Es könnten ja auch schon Vorräte für das nächste mal sein."

„Daph – Longbottom und Granger sind so dramatisch, ich wusste zwar nicht, dass auch Abbott und Jones so dramatisch sind, aber man lernt ja nie aus."

„Malfoy, musst du dich überall einmischen?", fragte Hermione ihn genervt und er grinste leicht.

„Wir hatten doch schon geklärt, dass es mir Spaß bereitet mich einzumischen und andere zu nerven."

„Darauf holt er sich quasi Nachts einen runter.", feixte Tracey, was dazu führte das sowohl Neville als auch Hermione wilde Hustenanfälle erlitten.

„Merlin Draco, du musst ja ne Menge Spaß haben. Sie zu nerven muss ja wirklich kinderleicht sein.", grinste Nott leicht und Hermione starrte ihn böse an sobald sie sich wieder unter Kontrolle hatte.

„Wenn du wüsstest.", grinste der Platinblonde nur und Hermione verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust, obwohl sie eigentlich beinahe amüsiert war. Seltsam war das schon. Vielleicht machte die Gesellschaft doch einen Unterschied.

„Ist ja auch egal, wir sollten weiter. Ich will noch Süßkram kaufen, keine Party ohne Süßigkeiten Leute.", grinste Daphne breit und und schob die Meute aus dem Laden, der sich etwas abseits von den gängigen Straßen in Hogsmeade befand.

„Du scheinst dich gut mit Daphne zu verstehen."

„Gefällt dir das etwa nicht?"

„Es ist eine Feststellung Granger, keine Anklage. Und um ehrlich zu sein ist es mir egal wen du magst und wen nicht. Und im Grunde ist mir Greengrass lieber als Longbottom zum Beispiel."

Hermione sah zu ihm herüber und rollte ihre Augen so auffällig wie möglich.

„Und du scheinst dich...moment...mit niemandem so richtig zu verstehen. Wie traurig."

Sie verzog ihr Gesicht leicht, schmollte gespielt, bevor sie ihre Lippen dann doch zu einem Grinsen hochzog.

„Wirklich witzig."

„Ich lerne vom Meister der Komik persönlich. Hab ich also alles dir zu verdanken, Oh großer Meister."

Nun konnte er sich ein Lachen doch nicht verkneifen. Hermione war so ausgelassen, beinahe fröhlich. So hatte er sie noch nicht erlebt und es war erfrischend. Vielleicht mussten sie wirklich mehr Zeit mit den Anderen verbringen, wenn es dadurch so viel einfacher zu laufen schien.

„Warum ziehst du dich überhaupt um?", fragte er dann schließlich als er zusah wie Hermione die dritte Jeans anprobierte.

„Nun ja, weil Daphne gesagt hat, nur weil wir hier bleiben und trinken, es nicht bedeutet, dass wir uns nicht auch etwas … ansehnlicher anziehen könnten. Also zieh ich mich um."

„Was Wieselette wohl sagen würde, wenn sie wüsste das Greengrass sie vom Thron schubst?"

Hermione hatte sich gerade dazu durchgerungen einen Rock überzustreifen, als seine Worte sie erreichten. Sie schob den Rock etwas tiefer, so dass er auf ihren Hüften saß, bevor sie sich zu ihm herum drehte und ihn mit ernstem Blick fixierte.

„Daphne und Ginny sind vollkommen unterschiedliche Menschen. Ginny ist meine beste Freundin und das schon seit Jahren. Das ändert sich nicht, nur weil ich Daphne in diesem Jahr zu schätzen lerne."

„Ich zieh dich nur auf. Warum musst du alles immer nur so ernst sehen Granger. Das gibt nur vorzeitig Falten."

Wieder schenkte sie ihm nur ein Augenrollen und besah sich im Spiegel. Der Rock war zwar auch nicht perfekt, aber was war schon perfekt? Sie griff nach einem einfachen weißen Shirt mit V Ausschnitt und zog es sich über. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie immer noch ziemlich normal aussah, sie war eben keine Styling Expertin so wie Ginny, oder Lavender, oder auch Daphne und Tracey, aber sie fühlte sich wohl und das war doch das wichtigste oder?

„Also wollen wir runter gehen?"

„Heißt das etwa du bist fertig Granger?"

„Wenn du denkst, dass deine Gegenfragen mich stören, dann hast du dich geschnitten Malfoy. Ja ich bin fertig. Also lass uns gehen."

Als er aufstand wollte sie sich weg bewegen, doch er hielt sie am Handgelenk fest, was sie irritierte. Sie sah fragend zu ihm und er ließ nur seinen Zauberstab durch die Luft gleiten. Sie begriff erst was er getan hatte, als sie ihre Haare nicht mehr auf ihrer Schulter spürte. Ihre freie Hand bewegte sich beinahe automatisch zu dem Knoten an ihrem Hinterkopf.

„Sie würden dich im Laufe des Abends nur stören, glaub mir. Und jetzt komm."

Er ließ ihr Handgelenk nicht los, er zog sie mit sich und erst als sie unten ankamen, ließ er sie los. Er dachte es wäre unbemerkt geblieben, doch da lag er definitiv falsch.

Hermione saß auf der Armlehne eines großen, gemütlichen Ohrensessels, während Malfoy in diesem Platz genommen hatte. Zabini saß in dem Ohrensessel schräg daneben und sie unterhielten sich – beide hielten halb volle Gläser in ihren Händen, während Hermione ihres im Schoß hielt und sich mit Lisa unterhielt. Sie saß auf dem Couchtisch und nippte immer wieder an ihrem Drink, was dazu führte das sie immer schneller sprach, ihre Wangen langsam an Farbe gewannen und ihre Augen weniger wach wirkten. Hermione konnte es so gut beurteilen, weil sie noch nichts getrunken hatte. Ihr Glas war noch vollkommen unangetastet geblieben, während die Anderen – außer Neville – schon mindestens eins, wenn nicht mehr geleert hatten.

„Kann ich dir noch...Merlin du hast ja immer noch nichts von deinem Drink angerührt.", unterbrach Daphne ihr Gespräch und deutete auf Hermiones Glas.

Hermione biss sich beinahe nervös auf ihre Unterlippe. Sie konnte ja wohl kaum sagen, dass sie sich in dieser Gesellschaft nicht traute zu trinken.

„Dann müssen wir wohl härtere Geschütze auffahren.", sate Daphne demonstrativ und verstärkte ihre Stimme magisch, so dass alle in kürzester Zeit still wurden und ihr lauschten. „So Leute, da wir hier zwei Spielverderber haben – beide aus dem mutigen Hause Gryffindor – schlage ich ein Trinkspiel vor, andernfalls sind wir hier alle bald tatsächliche Schnapsleichen und die zwei amüsieren sich über uns, vollkommen nüchtern und zurechnungsfähig. Das geht natürlich nicht."

Die Zustimmung war laut und Hermione sah hilfesuchend zu Neville, der jedoch nicht so wirkte, als wolle er dagegen sprechen. Und alleine widersprechen? Sie wollte ja auch keine Spielverderberin sein. Sie musste eben zusehen, dass sie bei diesem Trinkspiel nicht zu oft trinken musste. Konnte ja wohl nicht so schwer sein.

„Und da wir uns alle näher kennen lernen wollen – schlage ich vor wir spielen 2 Wahrheiten und eine Lüge. Jeder erzählt drei Geschichten, zwei davon müssen wahr sein und eine gelogen, wenn wir enttarnen welche gelogen ist muss die Person trinken, wenn wir falsch liegen müssen wir trinken. Einfach oder?"

„Aber dann trinken wir ja ständig.", warf Hermione ein.

„Das ist ja das spaßige an der Sache Granger.", sagte Zabini und setzte sich mehr auf.

„Und wie einigen wir uns dann, welche Geschichte wir wählen?"

„Na die Mehrheit siegt, wir stimmen ab, jeder hat eine Stimme und wenn die Mehrheit falsch liegt, trinken wir eben. So einfach.", erklärte Daphne ganz begeistert von ihrer Idee und verteilte Shot Gläser.

Letztlich setzten sie sich alle im Kreis um den Couchtisch, den sie mit etwas magischer Hilfe verlängerten. Hermione hatte sich ein Kissen genommen, auf dem sie nun im Schneidersitz saß, rechts neben ihr Lisa und links Malfoy. Sie war nervös, aber irgendwie hatte es auch etwas spannendes. Sie hatte so etwas eben noch nie wirklich gemacht.

„Dann fang ich an, weil ich es vorgeschlagen habe und dann entscheidet die Flasche wer als nächstes dran ist.", legte Daphne fest und lehnte sich etwas zurück als sie zu überlegen begann.

„Gut also. Ich habe schon einmal einen Lehrer geküsst. Ich gehe zumindest einmal die Woche nackt im großen See baden. Und ich trage jetzt gerade keine Unterwäsche."

Hermione schluckte. Diese Geschichten waren keineswegs harmlos und sie befürchtete mehr zu erfahren als ihr lieb war.

„wir brauchen nicht abstimmen Leute, ich weiß es.", Nott sah zu Daphne, die nicht einmal mit der Wimper zuckte. „Sie hat einen Lehrer geküsst, weil sie eine Wette verloren hatte. Ich traue ihr zu keine Unterwäsche zu tragen – aber was ich definitiv weiß ist, dass sie nicht nackt im großen See badet. Daph konnte bis letztes Jahr nicht einmal richtig schwimmen, wann soll sie also einmal die Woche dort gebadet haben? In den Sommerferien?"

Notts Logik sorgte dafür, dass man ihm zustimmte. Sie stimmten einstimmig dafür sich seiner Meinung anzuschließen und tatsächlich griff Daphne nach ihrem Glas und kippte es ohne groß nachzudenken in ihren Rachen hinab. Sie zuckte nicht, zischte oder sonst etwas. Es war als würde sie ständig solche Kurze trinken. Hermione fürchtete wirklich das sie und Neville es nicht leicht haben würden.

Sie war noch ganz in den Gedanken als Daphne die Flasche drehte. Sie zeigte auf Malfoy und Hermione war erleichtert, dass sie sich noch keine Geschichten ausdenken musste. Vielleicht müssten sie dafür zwei drei Runden verlieren, damit ihre Fantasie etwas angeregt wurde.

„Ich war noch nie in einem der Gemeinschaftsräume der anderen Häuser. Ich war das erste mal mit 12 betrunken. Ich lese Muggelbücher."

Die Dinge die Malfoy sagte waren zwar nicht mit den Geschichten von Daphne zu vergleichen, doch allein die letzte Aussage sorgte für Irritation.

„Ich glaube wir sind uns da alle einig oder?", fragte Zabini schließlich und Hermione bemerkte gar nicht wie sie den Kopf schüttelte. Erst als man sie ansah, erwartungsvoll und abwartend teilte sie ihre Gedanken mit.

„Das ist ein Trick. Er will uns alle nur aufs Kreuz legen, außerdem...ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ein Muggelbuch auf seinem Nachttisch gesehen habe. Und in fremden Gemeinschaftsräumen war er bestimmt auch, und wenn es nur darum ging sich eine Gesellschaft für die Nacht zu suchen.", argumentiere Hermione und sie sah wie Malfoy eine Augenbraue hochzog. Belustigt sah er aus, doch das verunsicherte sie nicht.

„Also stimmen wir für das trinken?", fragte Zabini ungläubig.

„Ich habe noch nie gehört, dass Granger falsch liegt.", gab Nott zu bedenken und als sie sich daraufhin tatsächlich auf diese Antwort einigten, staunten die Meisten dennoch nicht schlecht, als Malfoy freiwillig seinen Shot austrank.

„Clever Granger, wie immer sehr aufmerksam."

Natürlich konnte sie sich daraufhin ein Lächeln nicht verkneifen, was jedoch sehr schnell schwand als die Flasche bei ihr hängen blieb.

„Und jetzt überrasch uns Granger.", forderte er sie heraus und für einen Moment wollte sie sich einfach nur verkriechen und nichts sagen. Dann aber erinnerte sie sich an die vielen Momente wo sie über sich selbst hinausgewachsen war. Sie konnte das. Sie würde die Anderen schon irgendwie reinlegen. Oder sie würde es ihnen zumindest nicht allzu einfach machen. Sie musste einfach nur über Dinge sprechen von denen niemand etwas wusste.

„Ich habe noch nie vorher getrunken. Ich war schon einmal in einem Muggel Nachtclub. Ich habe einen erotischen Brief von Viktor Krum bekommen."

Es war plötzlich ganz still geworden und Hermione konnte es sich nicht verkneifen zu grinsen. Na da sollten sie sich wirklich gut beraten, dachte sie nur als sie sich zurücklehnte und abwartete.