Kapitel 11:
Ihre Knochen fühlten sich ganz steif an und ihr Kopf pochte fürchterlich. Geschlafen hatte sie gar nicht – zumindest fühlte es sich so an. Und jetzt da wohl auch der letzte Rest der Wirkung des Alkohols nachgelassen hatte, kreisten ihre Gedanken wie erwartet nur um ein Thema.
Als sie Malfoy in der Nacht geküsst hatte, war es ihr vorgekommen als wäre sie bei klarem Verstand gewesen. Sie hatte wohl auch klare Gedanken fassen können, ihre Situation hinterfragen können, doch sie hatte wohl auch noch genügend Alkohol im System gehabt um so etwas dummes zu tun. Sie redete sich ein, dass sie so etwas in nüchternem Zustand niemals getan hätte. Vielleicht hätte sie das, doch diesen Gedanken wollte und konnte sie nicht zulassen. Hier ging es um Malfoy.
Und dann war da noch die Tatsache, dass er sich ihr wieder im Schlaf genähert hatte. Nun lag sein Arm relativ locker über ihrer Hüfte, dennoch war etwas Abstand zwischen ihnen, den sie wirklich zu schätzen wusste. Es verwirrte sie immerhin. Die erste Nacht hatten sie noch ordentlichen Abstand zueinander gehalten und auch in der Nacht darauf – aber die konnte man kaum zählen, da die Ganzkörperklammer jegliche Bewegungen seinerseits eingeschränkt hatte.
Hermione seufzte leise vor sich hin, sie wagte kaum sich zu bewegen, denn jeder Knochen schien zu schmerzen und sie wollte Malfoy auch nicht wecken. Nicht wenn sein Arm immer noch über ihr lag und sie fest hielt. Die Gefahr war einfach zu groß, dass ihre Bewegungen ihn wecken würden und die Angst davor war enorm. Was wenn er sie auf den Kuss ansprechen würde?
„Denk leiser nach Granger.", knurrte es plötzlich hinter ihr und Hermione versteifte sich noch mehr. Sein Arm glitt von ihrem Körper und er drehte sich hinter ihr.
„entspann dich und schlaf...", sagte er dann noch in einem recht verschlafenem Ton und als er sich dann von ihr weg drehte, atmete sie tief aus. Ihr Körper entspannte sich sichtlich und sie wechselte ihre Position leicht, nur um ihren angespannten, schmerzenden Muskeln und Knochen etwas Entlastung zu bieten. Es reichte um sie müde werden zu lassen. Es reichte um ihre Gedanken auszublenden und dann doch noch wegzudämmern.
Als sie das nächste Mal wach wurde, fühlte sie sich nicht mehr so erschöpft. Ihr Kopf hämmerte noch immer und sie war sich noch immer sicher, dass sie Alkohol einfach nicht mehr anrühren sollte, aber es war erträglicher als zuvor.
Es dauerte jedoch einen Moment bis sie begriff, dass sein Arm ihre Taille schon wieder umschlungen hatte. Diesmal war er näher an sie heran gerutscht und sie spürte die Wärme, die von ihm ausging. Sie fragte sich, wieso sie es erst so spät wahrgenommen hatte, schob es dann aber auf die Tatsache, dass sie noch immer sehr müde war. Sie würde immerhin niemals zugeben, dass es tatsächlich angenehm war so nah bei ihm zu liegen.
Hermione versuchte einfach alle Gedanken auszublenden, alles um sich herum zu vergessen und einfach so lange liegen zu bleiben bis er langsam wach wurde, sich zurückzog und dann konnte sie so tun als wäre sie ebenso gerade erst wach geworden. Der Plan war nicht gut, aber immerhin war es einer. Und sie war auch wirklich gewillt gewesen diesen durchzuziehen, bis er eine kleine Bewegung auf sie zu machte, die sie aufschrecken ließ.
Sie sprang regelrecht hoch und hatte ihre Augen in Schock geweitet. Malfoy wurde dabei natürlich wach. Es dauerte etwas, aber er begann sich langsam zu bewegen und murmelte etwas unverständliches vor sich hin. Als er sich schon aufsetzen wollte, schüttelte sie jedoch energisch den Kopf, was sie aber zusammen zucken ließ. Ihr Kopf pochte immerhin noch immer ziemlich schmerzhaft.
„Wage es nicht dich aufzusetzen."
„Was hat dich schon wieder gestochen?", murmelte der noch leicht verschlafene Slytherin.
„Gestochen ist wirklich...das richtige Wort.", entgegnete sie leise, nicht einmal in der Lage in dabei anzusehen. Der letzte Tag war verwirrend gewesen, ebenso die Nacht und jetzt dieser Morgen...sie konnte ihn nicht ansehen. Das Durcheinander in ihrem Kopf war jetzt schon zu viel für sie.
„Was…?"
„Wenn du morgens schon...kuscheln willst ohne mich zu fragen, dann...", sie machte eine seltsam hastige Bewegung in seine Richtung und erst nach einigen Sekunden Stille sah er sie mit verblüfften Augen an.
„Dir ist aber schon bewusst, dass das vollkommen normal ist?"
Sie sah ihn noch immer nicht an.
„Merlin Granger, du benimmst dich wie ein kleines Kind. Männer wachen häufig morgens mit einer Latte auf...und jetzt? Ich hab dich nicht versucht im Schlaf damit zu erstechen also bitte..."
Die Gryffindor biss sich auf ihre Unterlippe und ließ sich letztlich zurück in die Kissen fallen. Sie wollte das alles einfach nicht mehr. Sie wollte nicht an ihn gebunden sein. Sie wollte nicht neben ihm einschlafen und aufwachen. Sie wollte nicht plötzlich feststellen, dass er angenehme Seiten hatte und sie wollte sich definitiv nicht von ihm aufziehen lassen. Sie wollte auf gar keinen Fall von ihm Nachts in den Arm genommen werden, morgens von seiner Erektion geweckt werden und sie wollte ihn auch nicht unter Vortäuschung falscher Tatsachen in der Nacht küssen. Ihr Leben klang nach einem ziemlich bescheidenen Teenager Roman, oder einer doofen Fernsehserie, die Muggel Mädchen in ihrem Alter wahrscheinlich auch noch toll fänden. Sie sehnte sich jedoch nur nach Freiheit. Hermione wollte weg von ihm, sie wollte ihre Freunde wieder und sie wollte endlich Klarheit in ihrer Gedankenwelt schaffen.
„Hast du jetzt auch noch deine Zunge verschluckt?"
„Ich weiß einfach nicht mehr was ich sagen soll. Ich hab es alles satt. Ich bin einfach nur so müde von...der ganzen Sache hier."
Darauf sagte er wiederum nichts. Er drehte sich dennoch zu ihr herum um sich zu mustern, während sie starr an die Decke schaute.
„Es tut mir leid, wenn dir das hilft.", sagte er schließlich und Hermione drehte ihren Kopf zu ihm herum, eine Augenbraue hochziehend.
„Das mit dem Kuscheln – wie du es nennst – und auch die Latte. Auch wenn ich da wirklich unschuldig bin."
Die Brünette biss sich nur auf ihre Unterlippe und nickte leicht.
„Und dir? Dir tut nichts leid?"
Es war als würde er direkt in sie hineinsehen wollen. Ihr Herz klopfte hastig und sie war sich sicher zu wissen was er meinte. Sie wusste, dass er von dem Kuss sprach. Was sollte er auch anderes meinen? Doch sie zog nur die Achseln etwas hoch. Sie erinnerte sich einfach nicht daran. Sie durfte einfach nicht zugeben, dass sie es noch wusste. Sie durfte nicht zeigen, dass sie klar genug bei Verstand gewesen war und es gewollt hatte. Es würde nur zu mehr Problemen führen. Die konnte sie nicht gebrauchen.
„Verstehe.", sagte er schließlich. In seiner Stimme konnte man deutlich etwas mitschwingen hören, vielleicht war es ja sogar Enttäuschung darüber nichts von ihr zu hören. Außerdem klang er etwas bitter, definitiv kühler als zuvor. Sie verübelte es ihm zwar nicht, aber verstehen tat sie es dennoch nicht. Warum sollte es ihm etwas ausmachen, wenn sie sich nicht an ihren Kuss erinnerte?
„Wenn wir schon wach sind, können wir auch gleich aufstehen und duschen."
„Aber..."
„Wenn du glaubst, dass bei mir nach so einem Gespräch noch immer alles steht, dann musst du wirklich noch eine Menge lernen Granger."
Ihre Wangen und Ohren wurden rot, doch sie sagte nichts. Nicht mehr. Sie glitt aus dem Bett, dicht von ihm gefolgt. Erst jetzt bemerkte sie was sie an hatte. Sein Hemd. Sie sah an sich hinab und bemerkte wie viel Knöpfe noch geöffnet waren und wie viel Einblick sie ihm damit gewährt hatte. Doch er sah sie nicht einmal an und irgendwie mochte sie das genauso wenig wie wenn er sie zu lange betrachtete. Merlin, wie sie das alles hasste.
„Ihr werdet nicht glauben was ich gerade gesehen habe."
„Schieß los Thomas.", sagte Tracey ohne ihre Augen von einer Zeitschrift loszureißen, die sie letzte Nacht per Eule erhalten hatte.
„Hermione und Malfoy sind gerade aufgestanden und Richtung Badezimmer gegangen...", setzte der Gryffindor an, doch Nott unterbrach ihn direkt mit einem Schnauben.
„Und das soll etwas besonderes sein?"
„Jetzt hör doch zu Ende zu Nott. Sie hatte sein Hemd an."
„Was?", klang es mehrstimmig im Raum. Zwar hatte die Mehrheit tatsächlich darauf gewettet, dass etwas zwischen den Beiden geschehen würde, doch das war eine rasche Entwicklung und bis auf Nott und Zabini wirkten alle erstaunt, sogar schockiert.
„Aber das...muss ja nichts bedeuten.", gab Neville zu bedenken und Tracey sah ihn mit einem langen, fragenden Blick an. Einer der ihn ganz offen – hast du sie noch alle – fragte.
„Jetzt mal ganz im Ernst Leute, ich hab zwar auch darauf gewettet, dass die zwei sich näher kommen, aber so schnell? Wir reden hier immerhin von Hermione. Sie brauchte sechs Jahre um zu bemerken, dass sie Ron mochte. Sie hat ihre Zuneigung zu Krum nie wirklich öffentlich gemacht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mit ein bisschen Alkohol so viel schneller geht."
„Also hast du eine andere Erklärung Finnigan?"
„Nein. Aber wahrscheinlich ist es ganz simpel und vollkommen anders, als wir es uns denken würden. Malfoy ist vielleicht jemand, der schnell durch Betten hüpft Zabini, aber Hermione ist das nicht. Wenn da etwas passiert, dann wird es dauern. Und dann wird es nicht so aussehen..."
„Glaube ich auch."
„Wettest du jetzt also mit Daph?"
„Nein, aber ich stimme Seamus zu. Wenn zwischen den Beiden etwas passiert, dann weil sie Beide es wirklich wollen. Ich glaube nicht, dass sie sich einfach so auf Draco einlassen würde. Sie weiß wie er ist, wer er ist und wahrscheinlich hat er ihr auch schon klar gemacht wie ernst er es mit der Damenwelt meint – auf seine einzigartige und sehr charmante Art. Sie gibt doch nicht nach drei Tagen nach. Das glaub ich erst wenn ich es tatsächlich sehe."
„Also im Klartext sagst du, dass erst etwas passiert, wenn sie Gefühle für ihn entwickeln sollte?", hakte Tracey nach und Daphne zuckte nur mit den Schultern. „Ich glaube ja das wir das wenn streichen können."
Hermione stöhnte leise auf. Ihr Nacken brachte sie um. Sie hatte ihre Hand in diesen gelegt und streckte ihn etwas – erst nach links und dann etwas nach rechts, doch noch immer fühlte es sich sehr schmerzhaft an.
„Nicht erschrecken.", sagte er nur und stellte sich hinter sie. Er legte seine Hände auf ihre Schultern und seine Daumen ließ er an den Seiten ihres Nackens hochfahren. Der Druck, den er dafür verwendete, trieb ihr Tränen in die Augen, doch als er sie wieder los ließ, fühlte sie sich deutlich besser.
„Woher kannst du das?"
„Bleibt mein Geheimnis."
Hermione schmunzelte leicht, ging an ihm vorbei und begann sich anzuziehen.
Irgendwie war es heute angenehmer gewesen. Entspannter. Damit hatte sie nicht gerechnet, denn immerhin war sie vollkommen verwirrt und dann auch noch die ganzen Gespräche, die sie gehabt hatten und die Dinge die passiert waren. Es schien aber als hätten sie die heutige Dusche als Entspannungsmöglichkeit genutzt. Und es hatte wirklich entspannend gewirkt. Sie war deutlich weniger gereizt und ihr Kopf pochte auch nicht mehr so stark.
„Wir sollten endlich runter zum Frühstück, du brauchst Flüssigkeit. Nach der Menge an Alkohol muss man genügend trinken."
„Vorsicht Malfoy, das klingt schon beinahe fürsorglich."
Malfoy schloss die Tür hinter ihnen und schüttelte nur leicht den Kopf. „Alles purer Egoismus. Je schlechter es dir geht, umso zickiger wirst du sein, und ich darf dich ja den ganzen Tag ertragen. Wie du siehst, sehr fürsorglich mir selbst gegenüber."
Sie wusste nicht warum, aber es brachte sie zum lachen und ihm selbst gewann es ein etwas breiteres Lächeln ab.
„Ruhe jetzt, da kommen sie."
„Sehr geschickt Davis, muss ich sagen. Hättest du den letzten Teil verschluckt wäre es vielleicht nicht aufgefallen, dass ihr über uns tuschelt, aber so...", merkte Malfoy an und die Blondine sah ihn mit ernstem Blick an, ehe sie ihre Schultern hoch zog.
„Interessiert mich nicht, dass ihr es wisst. Viel mehr geht es um das was ihr nicht wissen sollt – also das Gesprächsthema an sich."
„Wenn du mich neugierig machen willst, gelingt dir nicht. Ich bin zu ausgehungert um mich für irgendetwas zu interessieren."
„Ach was Draco? Granger du hast den Armen ja völligst fertig gemacht.", grinste Zabini nun. Er musste sich eben immer einmischen und zu Hermiones Erstaunen bemerkte sie, dass es ihr nicht einmal etwas ausmachte. Sie fand die Kabbeleien zwischen Zabini und Malfoy sogar ganz unterhaltsam. Wäre sie nicht immer darin involviert wäre es wahrscheinlich noch besser.
„Möglich.", sagte sie letztlich knapp und Malfoy sah sie kurz an bevor ein Grinsen seine Lippen umspielte.
„Du kannst auch ruhig ehrlich sein Granger, sie reden sowieso schon über uns. Dann können sie auch ruhig wissen, dass ich gestern beide Hände voll zu tun hatte mit dir."
„Ach?"
„Zabini du bist zu neugierig. Wäre dein Leben interessanter würdest du dich nicht für unseres interessieren."
„Eures? Mensch Granger das Malfoy und du schon so weit seid habe ich wirklich nicht gewusst."
Hermione seufzte frustriert und ließ sich auf der Lehne des nächst besten Sessels nieder. Ernie saß darin, schien aber nichts dagegen zu haben, dass sie sich so nah zu ihm setzte.
„Geht es dir denn gut Hermione? Du hattest gestern nicht gerade wenig Drinks.", fragte Lisa und die Brünette nickte nur leicht.
„Sie hatte definitiv zu viele."
„Malfoy..."
„Was denn Granger? Ich geb ja zu, dass du sehr unterhaltsam warst, aber ich hatte eben doch keine wirkliche Ruhe."
„Was soll das denn heißen?"
„Ich konnte dich förmlich denken hören heute morgen. Dein Gehirn hat gar nicht aufgehört zu rattern."
„Verzeihung eure Majestät, ich wusste nicht das es in ihrer Gegenwart verboten ist. Ich werde mir nie wieder anmaßen zu denken."
„Lass den Mist. Sarkasmus steht dir nicht."
„Aber dein Hemd, das stand ihr."
Dieser Kommentar riss Hermione und Malfoy plötzlich aus ihrer kleinen Diskussion und beide sahen zu Dean herüber. Er wirkte selbst überrascht von dem was er gesagt hatte, aber zurück nehmen konnte er es jetzt sowieso nicht mehr.
„Stimmt, es stand ihr gut. Trotzdem hat sich Madame bedient ohne zu fragen."
„Kann ich mich nicht dran erinnern."
„Oh ja ich vergaß, du hast einen Blackout. Schon schade wenn man nicht mehr weiß, was man so alles gesagt und getan hat."
Hermione erstarrte. Wollte er den Anderen jetzt etwa von dem Kuss erzählen? Nein das würde er niemals tun. Oder?
„Draco...klärt das untereinander. Es ist amüsant – für die Meisten hier – aber es geht doch nur euch Beide etwas an."
Daphne legte ihm sanft eine Hand auf den Arm, ehe sie an ihnen vorbei ging und den Gemeinschaftsraum verließ.
Malfoy hasste es, wenn Andere ihm irgendwelche Ratschläge gaben. Er hasste es vor allem, wenn diese Sinn ergaben. Daphne hatte Recht. Es ging niemanden etwas an. Als er Hermione ansah, wusste er, dass auch sie so dachte und mit einem leicht genervten Schulterzucken, beendete er das Gesprächsthema und forderte Hermione auf ihm zu folgen. Die Anderen blieben noch und er ahnte, dass sie für noch mehr Gesprächsthemen gesorgt hatten, doch es interessierte ihn momentan so gar nicht.
„Trink endlich.", murrte er und Hermione rollte ihre Augen genervt. Sie leerte das Glas zügig und ehe sie sich versah, hatte er ihr nachgeschenkt.
„Malfoy."
„Ich mein es ernst Granger, du musst mehr trinken. Sonst hast du Kopfschmerzen. Den ganzen Tag. Und ich habe keine Lust auf deine Launen."
Sie gab nach und trank auch das Glas zügig leer. Er hatte wahrscheinlich Recht. Er hatte deutlich mehr Erfahrung mit Alkohol, er würde es wohl aus erster Hand wissen, während sie ihm nur vertrauen konnte. Schon seltsam.
„Apropos Launen.", setzte er dann an und Hermione sah zu ihm herüber. Sie saßen alleine. Daphne war nicht aufzufinden und die Anderen hatten sich auch noch nicht blicken lassen – oder sie hatten alle schon gefrühstückt, wer wusste das schon so genau am Wochenende.
„Ja?"
„Wir haben über alles mögliche gesprochen, aber wir haben ein Thema nicht angeschnitten."
Sie zog ihre Augenbrauen zusammen, sie war verwirrt. Sie wusste nicht worauf er hinaus wollte. Da würde er schon deutlicher werden müssen.
„Verdammt Granger, ich bin ja echt offen, aber das hier ist echt etwas worüber ich noch nie mit irgend einem Mädchen gesprochen hab, okay?"
Langsam begann das Puzzle sich zusammen zu fügen und sie musste tatsächlich leise lachen.
„Darum mach dir keine Sorgen, wirklich nicht. Soweit ich es beurteilen kann werde ich nicht mehr zur Furie als sowieso schon in deiner Gegenwart und...wir haben auch festgestellt, dass wir es für einige Momente aushalten nicht gemeinsam im Bad zu sein. Also...streich dieses Thema von deiner Liste."
„Gut, ich hätte da aber noch ein anderes Thema."
„Na dann, erzähl."
„Was sollte das heute Nacht?"
„Du meinst was genau?" Sie hatte viel schneller reagiert als gedacht. Unsicher war sie dennoch.
„Ich hab es dir vorhin im Gespräch angesehen. Du weißt was ich meine. Ich hab wirklich gedacht du hättest einen Blackout, aber den hast du nicht."
Hermione schenkte sich noch ein Glas Kürbissaft ein und nippte daran. Was man nicht alles tat um etwas Zeit zu schinden. Er beobachtete sie dennoch. Er sah sie ernst an, ließ sie nicht aus den Augen.
„Na gut, ich weiß es noch. Aber es ist mir unangenehm. Ich war immer noch...beschwippst. Und ich weiß nicht warum ich es gemacht hab. Ich dachte...es wäre gar nicht so tragisch wenn ich so täte als hätte ich es vergessen."
Malfoy sah sie durchdringend an. Sie hatte beinahe die Befürchtung, dass er merken würde, dass es nicht ganz die Wahrheit war. Er durchschaute sie manchmal so schnell, so mühelos.
„Ist es das was du willst, es vergessen? Oder so tun?"
Die Frage verunsicherte Hermione. Es war eine ungewöhnliche Frage. Eine mit der sie von seiner Seite aus nicht gerechnet hatte. Definitiv nicht. Und eine wirkliche Antwort hatte sie darauf sowieso nicht, denn...sie wusste es nicht. Wollte sie es vergessen? Sie zuckte mit den Achseln. Unentschlossen was für eine Antwort sie ihm geben sollte.
Sein Nicken zeigte zumindest, dass es ihm fürs Erste genügte.
„Hey, wir wollen aufs Quidditch Feld, bist du dabei?"
Zabini sah seinen Freund an, der auf seinem Bett saß und ein Buch in seinem Schoß hielt.
„Wird schwierig...Granger schläft."
Tatsächlich glitten Zabinis Augen zu der Gestalt neben Malfoy. Sie lag zwar oberhalb der Decke, doch sie hatte ihr Gesicht in das Kissen gedrückt und wirkte ganz friedlich und ruhig.
„Die muss ja müde sein."
„Hat kaum geschlafen heute Nacht."
„Jetzt mal im ernst, was ist passiert?"
Malfoy quittierte das mit einem Augenrollen und einem entnervtem Kopfschütteln.
„Sie war angeheitert, mehr war nicht. Sie hat mir allerdings erzählt, was du ihr noch so gesagt hast. Mach dich doch an sie ran, wenn ich nicht mehr an ihr klebe ja? Ich hab wirklich keine Lust dabei zu sein, wenn du sie tatsächlich rumkriegen solltest – obwohl, ich bin mir ziemlich sicher, dass es dir nicht gelingen würde."
„Ach nein?"
„Sie hat dich ausgelacht, ich meine was für einen Beweis brauchst du noch?"
„Ich will ja nichts sagen, aber du klingst ganz schön besitzergreifend."
„Blaise, ich bin nicht dämlich. Du flirtest mit ihr aus einem einzigen Grund, weil du willst das ich eifersüchtig werde, was ich nicht bin. Ihr Idioten wettet doch, oder etwa nicht? Gib es ruhig zu, verdammt ich würde es an eurer Stelle ja auch tun. Und du, mein Freund, denkst ich werde eifersüchtig wegen dir und leg sie dann flach."
Zabinis Blick gefror regelrecht.
„Aber ich muss dir einen Dämpfer verpassen. Das wird nicht klappen. Und nun, viel Spaß beim Quidditch spielen."
Zabini sah ihn noch eine ganze Weile an, ehe er die Augen verdrehte und das Zimmer verließ. Malfoy atmete tief durch, ehe er seine Augen wieder auf sein Buch richten konnte.
„Wie viel hast du mitbekommen?"
„Alles."
Hermione setzte sich langsam auf und strich sich durch ihre zerzausten Haare. Sie sah ihn an, doch er blickte weiter auf sein Buch, weswegen sie es ihm letztlich aus der Hand nahm. Sie wollte, dass er sie ansah. Und das tat er auch nach einem langen Augenblick.
„Was ist?"
„Warum hast du...so getan als würde ich schlafen? Du wusstest, dass ich noch nicht schlafe."
„Hatte um ehrlich zu sein sowieso keine Lust, also habe ich dich als Ausrede benutzt. So ersparen wir uns Blicke und Sprüche. Das wirst du mir ja wohl nicht übel nehmen. Du kennst dich mit Ausreden ja immerhin auch ganz gut aus."
Hermione sah auf das Buch hinunter und sie seufzte laut.
„Warum machst du das? Ich hab ein richtig schlechtes Gewissen, dabei...ich weiß nicht einmal wieso. Es ist ja nicht so als...würde es dir etwas ausmachen, wenn ich mich nicht erinnern würde."
„Vielleicht macht es mir etwas aus."
„Oh jetzt komm schon Malfoy, als ob? Wer soll dir das glauben? Das ergibt keinerlei Sinn."
„Denk was du willst Granger."
Hermione rollte mit ihren Augen und warf ihm das Buch zurück in den Schoß.
„Mach doch was du willst."
Er schien es wie eine Aufforderung zu sehen, denn kaum hatte sie ausgesprochen, hatte er sich zu ihr herüber gelehnt und zum zweiten Mal fühlte sie seine Lippen auf ihren. Diesmal küsste er sie.
Die Gryffindor war überrascht. Seine Hand wanderte zu ihrem Nacken, als er den Druck auf ihre Lippen erhöhte und es dauerte nicht lang da seufzte sie leicht auf und küsste ihn tatsächlich zurück.
Es war kein langer Kuss. Kein unendlich leidenschaftlicher oder gar zärtlicher, aber es war ein Kuss gewesen und als sie sich voneinander lösten, starrte Hermione ihn beinahe fassungslos an. Ihr Gehirn begann wieder normal zu arbeiten und sie konnte sich nur über sich selbst wundern. Sie hatte nicht nachgedacht. Wieder einmal.
„Was...was sollte das?"
„Den kannst du schlecht auf Alkohol schieben. Und du hast mich zurück geküsst.", grinste er letztlich breit und die Brünette zog ihre Augenbrauen zusammen.
„Was bedeutet, dass dir der Kuss gefallen hat."
„Es ist schwer zu leugnen, dass ich das getan hab. Und was hat...das eine mit dem anderen zu tun?"
„Alles Granger. Alles. Als du dich letzte Nacht herum gedreht hast, vor allem mit diesem dümmlichen Kichern, dachte ich ja beinahe ich hätte mein Talent verloren, oder du wüsstest es einfach nicht zu würdigen."
„Moment...", Hermione sah ihn ernst an, ihre Augen funkelten wütend. „Das heißt, du wolltest einfach nur eine Bestätigung dafür, dass du gut küssen kannst? Dafür, dass sogar ich dich küssen würde?"
Sie musste nicht einmal abwarten, sein Gesichtsausdruck sagte alles. Sie drehte sich um, verkroch sich unter ihrer Decke. Sie hatte Draco Malfoy zwei Mal geküsst und sie waren wahrscheinlich quitt – beim ersten mal hatte sie ihn benutzt und nun hatte er sie benutzt und dennoch fühlte sie sich hundeelend. Aber was hatte sie auch schon erwartet? Was konnte sie überhaupt von jemandem wie Draco Malfoy erwarten? Warum war das kluge Mädchen seit Beginn des Schuljahres nur so unsäglich dumm?
