Kapitel 12:
„Irgendwie ist es schon seltsam."
„Was genau meinst du?"
„Naja, die Zwei scheinen heute gar nicht mehr aus ihrem Zimmer herauszukommen."
Neville nickte Seamus nur leicht zu, während seine Augen zu der Wendeltreppe wanderten. Sein besorgter Blick sprach Bände.
„Macht euch um die Beiden keine Sorgen.", gab Tracey Davis letztlich von sich, ehe sie sich schwungvoll neben Neville auf das Sofa setzte. „Beide sind alt genug und haben einen ziemlichen Dickkopf. Sie werden mit dem jeweils Anderen fertig. Und außerdem … Blaise hat vorhin nach ihnen gesehen und laut seiner Aussage geht es Beiden gut."
„Und du vertraust darauf was Zabini sagt?"
„Ich weiß, dass er und du niemals Freunde werdet Finnigan, aber ja ich vertraue darauf was Blaise sagt. Er mag ein Idiot sein, zumindest die meiste Zeit über, aber ihn und Draco verbindet eine echte Freundschaft, ginge es Draco schlecht dann würden wir es wissen."
Seamus und Neville warfen sich einen Blick zu, sagten jedoch nichts mehr. Tracey Davis hatte ihnen hiermit bestätigt, dass Draco Malfoy und Blaise Zabini tatsächlich Freunde hatten und so seltsam es klang, sie sich um diese auch sorgten. Es war für die beiden Gryffindors kaum begreifbar, doch es klang so ehrlich was sie sagte, dass sie ihr einfach nicht misstrauen wollten und konnten. Seamus entspannte sich sogar etwas und lehnte sich sogar zurück, doch Nevilles Gedanken kreisten weiterhin um Hermione und Malfoy und wie sehr er sich wünschte, jemand anderes wäre an ihrer Stelle an ihn gefesselt.
„Das hat er nicht wirklich gesagt."
„Oh doch, hat er. Er kennt uns zu gut. Wir verlieren die Wette an ein paar Idioten, die romantische Vorstellungen über Realismus setzen, Theo."
„Beruhig dich Blaise, noch ist das Spiel ja nicht vorbei. Die Wetteinsätze stehen und so wie ich das sehe, liegen wir zwar nicht vorne mit unserer Prophezeiung, aber wir sind noch lange nicht aus dem Rennen."
„Wie kannst du so ruhig bleiben, obwohl du weißt, dass wir dieses Spiel tatsächlich verlieren könnten?"
„Erstens, weil es es nur eine dumme Wette ist und zweitens, es ist Draco von dem wir hier sprechen. Granger mag eventuell irgendwann Gefühle für ihn entwickeln und was dann? Dann wird er sie verführen und fallen lassen, so wie er es immer tut. Glaubst du wirklich daran, dass gerade er diese Gefühle erwidern könnte? Mach dich nicht lächerlich."
Theodore benutzte all seine Überzeugungskraft und dennoch wirkte Blaise nicht weniger verunsichert. Er starrte einfach nur vor sich hin, unfähig etwas zu erwidern und als Theodore doch noch etwas hinzufügen wollte, kam Daphne in die Umkleide und starrte die beiden Jungs an.
„Ihr seid ja immer noch nicht umgezogen. So wird es nie etwas mit dem Quidditch Match, Jungs."
Damit erstarb das Thema letztlich und Blaise wendete seine Aufmerksamkeit wieder seiner Kleidung zu. Seine Gedanken jedoch, diese lagen immer noch auf der Wette und der Befürchtung, dass sie diese verlieren könnten.
„Malfoy..."
„Mh?"
Hermione drehte ihren Kopf langsam herum, dabei sah sie einen sehr konzentrierten Malfoy, dessen Augen auf die Seiten vor ihm gerichtet waren.
„Du hattest etwas von...einem wöchentlichen Bad gesagt."
Sofort legte Malfoy das Buch bei Seite und zog eine Augenbraue hoch sobald er sie mit seinen Augen fixiert hatte. Ihm entging nicht der seltsame Ausdruck in ihren Augen. Eine Mischung aus Verlegenheit, Neugier, aber da war noch mehr. Dinge, die er nicht benennen konnte.
„Hab ich, stimmt."
„Wäre jetzt ein guter Zeitpunkt?"
„Du willst baden gehen weil…?"
„Bäder entspannen. Ich würde es natürlich bevorzugen, wenn du nicht dabei wärst, aber man kann ja nicht alles im Leben haben.", sagte sie schließlich beinahe bissig, da seine Art ihre Geduld strapazierte. Sie drehte sich außerdem weiter zu ihm herum, so dass sie ihren Nacken nicht so überanstrengte. Er tat ihr häufig weh, wahrscheinlich weil sie ihren Kopf ständig in Bücher steckte und dabei immerzu hinab sah, aber das bedeutete nicht, dass sie es übertreiben musste. Ihre Nackenschmerzen waren ihm immerhin auch schon aufgefallen und bei dem Gedanken von seinen Händen in ihrem Nacken … nein, dass wollte Hermione lieber vermeiden.
„Von mir aus."
Hermione konnte nichts in seiner Stimme lesen. Sie war vollkommen monoton gewesen, so als hätte er jedes kleine bisschen an Emotion, die er besaß oder besitzen sollte, weggesperrt. Er war weder genervt, noch belustigt, noch wütend oder neugierig. Nicht mehr. Es war so als wäre sie ihm gleichgültig. Sie und ihre Bitte. Hermione musste sich eingestehen, dass es ihr lieber war, wenn er sie aufzog oder sie gar beleidigte als diese simple Neutralität in seiner Stimme zu hören.
Ohne weitere Gedanken daran zu verschwenden, denn letztlich empfand sie es als verschwendete Zeit und Mühe, setzte sie sich auf und machte Anstalten aus dem Bett zu klettern aber natürlich nicht ohne auf ihn zu warten. Es war so natürlich für sie geworden bei allem auf ihn zu warten, über ihre Schulter zu ihm zu blicken, oder ihm zu folgen, wenn er irgendwohin ging. Diese seltsame Notwendigkeit war nach nur wenigen Tagen zur Routine geworden und Hermione fragte sich, wie es wohl sein würde, wenn der Trank fertig gebraut worden war. Würden sie dann immer noch zu einander herüber sehen und auf einander warten, bis sie bemerkten wie lächerlich es war? Oder würde es so schnell vergessen sein, wie sie es sich antrainiert hatten auf die Nähe zueinander zu achten?
Es war ruhig als sie aus dem gemeinsamen Zimmer heraus traten. Es war, als wären ihre Mitschüler verschwunden und hätten sie allein gelassen. Allein die Vorstellung war angsteinflößend, weswegen Hermione diesem Gedankengang keine Sekunde zu lange nachhing, stattdessen folgte sie Malfoy in eines der beiden Bäder und verschloss die Tür hinter ihnen.
Während Malfoy zu der Badewanne ging, welche in den Boden eingelassen war und eher einem Pool ähnelte als einer Wanne, und das Wasser einlaufen ließ, streifte Hermione schon einmal ihre Kleidung vom Körper, natürlich nicht ohne sich direkt wieder in ein Handtuch zu wickeln.
Die Brünette sah offensichtlich nicht dabei zu, als Malfoy sich seiner Kleider entledigte, stattdessen ging sie auf den Rand der Wanne zu und setzte sich schon einmal auf die Beckenkante und ließ ihre Beine baumeln. Ihre Zehenspitzen berührten schon das angenehm warme Nass und sie spürte die Vorfreude in sich aufsteigen. Sie hatte keine enorme Vorliebe für heiße Bäder, doch wann immer sie sich gestresst oder ausgelaugt gefühlt hatte, schien ein heißes Bad ihr weiter zu helfen. Und so hoffte sie, dass auch dieses heiße Bad ihr weiterhelfen würde, auch wenn die generellen Umstände keinesfalls wünschenswert waren.
Sie war wieder einmal vollkommen in Gedanken versunken, als Malfoy sich neben sie auf die Kante setzte. Sie hatten einen gewissen Sicherheitsabstand zueinander, auch wenn sie diesen als nicht ausreichend empfand. Sie musste ihr Bein nur etwas bewegen und schon würde sie ihn streifen und allein diese Vorstellung war belastend. Malfoy war nicht ihr Freund, nicht einmal ein Freund und dennoch teilte sie mit ihm die intimsten Momente ihres Tages. Er war zu jeder Zeit da und konnte sie immer sehen, hören...all seine Sinne auf sie richten, wenn er es denn wollte. Natürlich wusste sie das schon seit dem Moment als sie gehört hatte, wie dieser Bindungszauber sich äußerte, doch mit jeder Stunde, jedem weiteren Tag wurde es ihr bewusster.
Das Wasser reichte ihr mittlerweile bis zu den Waden, also löste Hermione das Handtuch von ihrem Körper und glitt langsam in das warme Badewasser. Malfoy folgte ihr kurz darauf und Hermione spürte wie sein Bein ihres streifte, als sie es sich auf einer Erhebung in der Wanne niederließen.
Das Wasser prasselte noch weiter in die Wanne, es bedeckte ihre Körper schon bis über die Brust und auch der Schaum der Badezusätze tat seinen Dienst, so dass weder Hermione noch Malfoy mehr unterhalb der Wasseroberfläche sehen konnten.
Erst als das Wasser bis zu Hermiones Schultern reichte, sorgte Malfoy mit einem Wink seines Zauberstabes dafür, dass die Wasserhähne sich zudrehten und Stille kehrte im Bad ein. Das Prasseln des Wassers hatte das Schweigen weniger peinlich und erdrückend wirken lassen, doch nun da Stille eingekehrt war, erschlug es die Beiden beinahe. Doch was gab es schon zu sagen?
„Werden wir uns jetzt wieder anschweigen?", durchbrach er die Stille nach einiger Zeit. Sie saßen nun schon seit einiger Zeit in der Wanne und Hermione hatte beinahe das Zeitgefühl verloren. Sie hatte sich zurück gelehnt und ihre Augen geschlossen und die Stille und Wärme genossen. Malfoy hingegen hatte sie ab und an verwundert angesehen, jedoch nichts gesagt oder getan. Bis jetzt.
„Möglich."
„Kannst du mir verraten wieso?"
„Brauchst du wirklich immer einen Grund für alles Malfoy?"
„Das von dir zu hören grenzt an ein Wunder Granger."
„Du solltest dich an Wunder und Überraschungen gewöhnen."
Sie war trotzig, kampflustig und das Funkeln in ihren Augen, als sie ihn nach einiger Zeit ansah, verriet ihm, dass sie wegen irgendetwas wütend war. Er hatte diesen Ausdruck schon öfter bei ihr gesehen.
„Soll das bedeuten, dass du mich ab heute öfter überraschen willst? Na da bin ich aber gespannt. Du kannst sehr berechenbar sein, Granger."
Ihre Augen fixierten ihn für einen langen Moment, bevor sie ihr Gesicht wieder weg drehte und nur mit den Schultern zuckte.
„Denk was du willst."
Er starrte sie eine ganze Weile an. Nun hatte sie ihn wirklich überrascht, denn die Art und Weise wie sie dort saß, wie sie gesprochen hatte und wie sie ihn angesehen hatte … es sah ihr nicht ähnlich. Sie war eine Gryffindor, sie war außerdem ein Mädchen und damit war sie temperamentvoll und laut und sie war rechthaberisch und sie diskutierte gerne und da saß sie nun und wirkte so gleichgültig und kühl …
Sie sprachen nicht mehr miteinander. Zumindest nicht fürs erste. Nicht einmal als sie Beide aus der Wanne stiegen und ihre Handtücher um ihre nassen Körper schlangen. Keiner von Beiden sah zum Anderen herüber als sie sich langsam abtrockneten und dann ihre Schlafbekleidung anzogen. Nicht einmal als sie fertig waren, sahen sie sich an. Es war als würden sie ein Spiel spielen: Wer kann den Anderen am längsten ignorieren, und Beide wollten den Sieg erringen.
Sie verließen das Bad schweigend und zogen sich in ihr Zimmer zurück und selbst da stiegen sie schweigend in das große Himmelbett.
Während Hermione darüber nachdachte wie sie Malfoy am allerbesten überraschen, verwundern und schockieren konnte, dachte Malfoy über Grangers Veränderung nach und ob sie überhaupt in der Lage war diese zu halten oder ob sie am nächsten Morgen wieder die Alte sein würde. Mit diesen Gedanken in den Köpfen, drehten sie sich voneinander weg, sodass sie Rücken an Rücken lagen, bis die Gedanken in den Hintergrund traten und die Müdigkeit sie übermannte.
„Guten Morgen.", sagte Daphne fröhlich als Hermione und Malfoy sich ihr gegenüber an den Slytherintisch setzten. Es war noch früh und so saßen nur Daphne und Lisa schon beim Frühstück.
„Morgen.", nuschelten Beide als Antwort, ehe Hermione nach dem Kaffee griff und Malfoy nach einer Scheibe Toast.
„Alles okay mit euch?"
„Mh? Ich meine … ja natürlich. Alles gut.", sagte Hermione nachdem sie einen Schluck Kaffee zu sich genommen hatte.
„Wir haben euch gestern vermisst, ihr habt den ganzen Tag im Zimmer verbracht.", gab Lisa nun von sich und stützte ihr Kinn auf ihrer Hand um, nicht ohne Beide mit einem ernsten Blick zu bedenken.
„Ich hatte Kopfschmerzen, das ist alles. Ich hab eben noch nie getrunken...da ist man solche Kopfschmerzen einfach nicht gewohnt."
„Macht Sinn.", sagten die beiden Mädchen letztlich und ließen von Hermione ab. Aber nicht nur weil ihre Erklärung logisch klang, sondern auch weil der Tisch sich langsam füllte. Goyle, Zabini und Nott stießen zu ihnen, ebenso wie Seamus, Dean und Neville.
„Morgen.", murmelten die Neuankömmlinge, wobei die Gryffindors deutlich besser gelaunt klangen als die drei Slytherins.
„Du siehst schrecklich müde aus."
„Sympathisch Seamus, wirklich...", sagte Hermione kopfschüttelnd und verzog ihr Gesicht leicht, sie lehnte sich nichtsdestotrotz etwas mehr zu ihm herüber, nun da er neben ihr saß.
„Kann nicht jeder so ein Charmebolzen sein wie Malfoy.", stichelte der Gryffindor genau wissend, dass er damit Streit anzetteln könnte. Zu seinem Erstaunen schnaubte Malfoy jedoch nur und Hermione rollte ihre Augen, was Malfoy jedoch nicht sehen konnte, immerhin sah sie in Seamus Richtung.
„Glaub mir, du bist millionenfach charmanter. Was die Frage aufwirft, wieso er so viel Glück bei den Damen hat, wo er doch so offensichtlich allergisch auf Charme reagiert."
Sowohl Dean als auch Seamus glucksten, während Neville besorgt zu ihr herüber blickte. Offensichtlich befürchtete er, dass es wieder zu Streitereien kommen würde und er wünschte sich nichts mehr, als dass die nächsten Wochen friedlich ablaufen würden, so dass Hermione unbeschadet aus dieser Sache hervorging. Seine Hoffnungen schienen sich jedoch in Rauch aufzulösen, denn offensichtlich legte Hermione es auf Streit an.
„Vielleicht kann ich ja charmant sein Granger, nur das du nie in den Genuss gekommen bist mich charmant zu erleben."
Hermiones Kopf wirbelte herum und sah Malfoy mit eiskaltem Blick an. Selbst Zabini und Nott ihnen gegenüber zuckten zusammen, als sie diesen Blick bemerkten. Die Gryffindors hatten recht gehabt, Granger konnte wirklich angsteinflößend sein.
„Ich kann gut und gerne auf deinen sogenannten Charme verzichten. Ich weiß ja sowieso wozu du ihn nutzt und ich hab kein Interesse daran nur eine weitere Kerbe in deinem Bettpfosten zu sein Malfoy. Da ertrage ich lieber deine Unverschämtheiten und Beleidigungen, als mir nur eine Sekunde lang deinen Charme anzutun."
„Für jemanden, der nicht nur eine weitere Kerbe sein möchte, verhältst du dich ganz schön verdächtig. So als wärst du beleidigt, dass ich mich nicht charmant dir gegenüber benehme."
„Das hättest du wohl gerne, damit du dir etwas darauf einbilden kannst, aber weißt du was...nicht jedes Mädchen ist interessiert daran mit dir ins Bett zu hüpfen. Ich würde lieber mit Parkinson zusammen sein als mit dir."
„Woah Granger."
„Was Zabini? Ist doch so...was hat er gestern noch zu dir gesagt...Moment lass mich mal überlegen, ach ja er sagte du willst ihn eifersüchtig machen damit er mich dann flachlegt. Wirklich herrlich wie ihr über anwesende Personen sprecht. Ihr solltet euch was schämen. Frauen sind nicht zu eurem Vergnügen da, auch wenn es euch vielleicht so beigebracht wurde."
„Hermione beruhig dich...", versuchte Seamus Hermione zu beschwichtigen und legte dabei seine Hand auf ihre Schulter, doch das Mädchen schüttelte diese sofort ab und fixierte Malfoy wieder.
„Und nur damit du es weißt … sowohl Viktor als auch Ron küssen besser als du."
Sie hatten noch einige Minuten Zeit, weswegen Hermione verwundert war, warum Malfoy schon zum Klassenraum wollte, doch sie hatte eingewilligt mit ihm zu gehen. Nach dem Kommentar über sein Talent im Küssen hatte er nichts mehr gesagt und auch sonst war es still geworden. Vielleicht war sie deswegen auch so bereitwillig mitgegangen, weil sie sich schlecht fühlte ihn so bloß gestellt zu haben, doch andererseits hatte er es eben auch verdient.
Hermione wollte gerade in einen größeren Gang biegen, als sie Malfoys Hand spürte und wie er sie in einen kleineren Seitengang zog. Sie war erschrocken darüber wie er sie gegen die Wand drückte und seine Hände neben ihrem Gesicht an der Wand abstützte. Die Brünette sah ihn verwundert an, ehe ihr Ausdruck wieder eisern wurde und ihm keinerlei Gefühlsregung schenkte.
„Was soll das?"
„Das sollte ich dich fragen Granger. Bist du übergeschnappt?"
„Das fragst du mich?"
Er schlug mit der flachen Hand gegen die Wand, so dicht neben ihrem Ohr, dass sie ein Zusammenzucken nicht verhindern konnte.
„Du hast recht du überraschst mich wirklich, aber keineswegs im guten Sinne Granger."
„Ich habe nie gesagt, dass ich dich auf positive Weise überraschen würde Malfoy."
„Verdammt noch einmal Granger, was soll der Mist?"
„Ich sag es noch einmal … das fragst du mich?"
Er machte einen Schritt zurück und schüttelte nur den Kopf. Er wirkte müde und verärgert, aber eben auch verwirrt und tatsächlich auch irgendwie verunsichert.
„Dann sag mir was ich getan hab. Du redest doch sonst so gerne."
„Wenn du es selbst nicht weißt, dann kann ich dir nicht weiter helfen."
Malfoy stöhnte entnervt auf und schloss seine Augen, während er seine pulsierenden Schläfen massierte.
„Ist es wegen dem was ich zu Zabini gesagt hab … ?"
„Merlin, du bist so von dir selbst eingenommen … als ob es mich interessiert ob du eifersüchtig wärst oder nicht."
„Was ist es dann? Die Tatsache das wir über dich gesprochen haben, obwohl du anwesend warst? Die Wortwahl? Meine Anzüglichkeiten? Was ist es was dich so wütend macht Granger? Was?"
Hermione lachte nur bitter auf und schüttelte ihren Kopf.
„Sieh es als ein Rätsel, welches du lösen musst."
„Warum bist du nur so anstrengend?"
„Warum bist du so ein gefühlloses Trampeltier?"
„Und warum bist du so eine verdammte Heuchlerin?"
„Bitte was?"
„Du hast gelogen. Krum und Weasley … wirklich? Du hast es genossen, genauso wie du es genossen hast mir vor den Anderen eins rein zu würgen. Aber du hast dennoch gelogen."
Hermione ballte ihre Hände zu Fäusten. Wut stieg in ihr auf und ließ sie beinahe überkochen.
„Du arrogantes, kleines...Frettchen..."
„Mehr fällt dir nicht ein?"
„Oh mir fällt noch so vieles zu dir ein, aber du bist nicht einmal die Energie wert die ich aufbringen muss um mit dir zu sprechen..."
„Ach ist das so? Weswegen redest du dann so viel mit mir? Besser gesagt streitest...ich wette ja, dass das Streiten noch mehr Energie kostet."
„Dann lass ich es eben."
Sie stieß sich von der Wand ab und machte zwei Schritte von ihm weg.
„Als ob du es wirklich lassen kannst Granger. Du liebst es mit mir zu streiten. Du liebst es, dass ich immerzu kontere. Ich weiß, dass du es genießt Granger, sonst würdest du es nicht tun. Es erhitzt dich richtig, wenn wir streiten und du dich so richtig in die Thematik hineinsteigern kannst. Konnten Weasley und Krum dich jemals so heiß machen? Dich so erhitzen … und das nur mit einem Streit?"
Das wirklich Traurige an dem was Malfoy sagte war, dass es auch noch stimmte. Hermione genoss die Streitereien irgendwie, auch wenn sie sie gleichermaßen hasste. Sie wollte ihre Ruhe und dieses letzte Jahr genießen, dennoch hatte sie Freude an so manch einem Disput, welcher sie forderte. Und er hatte auch damit Recht, dass es sie erhitzte. Nicht auf eine solche Art und Weise wie er es anzudeuten schien, jedoch wurde ihr wirklich warm dabei, wenn sie sich so leidenschaftlich stritten wie jetzt gerade.
„Was ist es Granger? Sag mir was ich getan hab, damit wir wieder über dumme Sachen streiten können."
„Warum?"
„Was warum?"
„Warum interessiert es dich, wieso ich wütend bin? Kann dir doch egal sein. Ich bin doch sowieso nur eine dumme muggelstämmige Gryffindor, an die du leider gefesselt bist, für dich. Warum sollte ich es dir also sagen?"
„Du bist nicht dumm."
„Was?"
„Ich hab gesagt, du bist nicht dumm. Ich weiß, dass habe ich dir nie gesagt oder gezeigt, aber ich wusste schon immer, dass du es nicht bist. Also tu nicht so als würdest du wissen, was ich über dich denke. Denn du weißt es nicht."
Hermione drehte sich zu ihm herum, beinahe überrascht über diese Ehrlichkeit.
„Wieso?"
„Weil ich lieber über belangloses mit dir streite Granger. Über deine prüde Art, oder mein Sexleben, oder Finnigans Untergang, aber nicht über etwas von dem ich noch nicht einmal weiß was es ist."
„Ich bin kein Spielzeug."
„WAS?"
Malfoys Blick war irritiert und Hermione schüttelte nur leicht den Kopf, ehe sie sich wieder herum drehte. Sie machte zwei Schritte in Richtung des großen Ganges. Sie waren sowieso schon zu spät. Sie war noch nie zu spät gewesen.
„Ich bin nicht dazu da dein Ego zu steigern Malfoy."
„Ich weiß immer noch nicht wovon du sprichst."
„Natürlich nicht, weil für dich alles ohne Bedeutung ist.", schrie sie schon beinahe und Malfoy zuckte kaum merklich zusammen. „Manche Menschen werden nicht gerne benutzt nur damit andere Menschen sich etwas beweisen können – z.B. das sie gut küssen können."
„Du bist wütend wegen des Kusses?"
Die Verwirrung war deutlich aus seiner Stimme herauszuhören.
„Nein, ich bin wütend wegen deiner Arroganz."
Und damit machte sie einen weiteren Schritt auf den Gang zu und nötigte ihn damit ihr zu folgen.
